Hydou de Mayence [Maience, Hydou-Mayence, Heidow, Hidon], Hugo von

Hydou de Mayence [Maience, Hydou-Mayence, Heidow, Hidon], Hugo von; Obrist [ – 13.4.1631] Hugo Hydou de Mayence war kaiserlicher Obrist. Sein Regiment war 1628 als ein 10 Kompanien umfassendes Arkebusierregiment aufgestellt worden, das jedoch bereits im selben Jahr auf 5 Kompanien reduziert wurde.[1]

Am 21.9.1630 lag das Regiment „Hidon“ in Dessau.[2]

Er fiel am 13.4.1631 bei der Einnahme von Frankfurt a. d. Oder.[3]

„Am 14. Januar 1631 kam der neue Oberbefehlshaber Tilly[4] mit vier Regimentern in die Stadt [Frankfurt/Oder]. Um einer eventuellen Brandschatzung oder Plünderung der Soldaten vorzubeugen, insbesondere aber, um die Universität vor Mißliebigkeiten zu schützen, soll sich, wie berichtet wird, der Geschichtsprofessor Cyriacus Herdesianus zum Grafen Tilly begeben und den Feldherren gefragt haben, in welcher Sprache er sein Anliegen vortragen darf. Man einigte sich auf Französisch. Herdesianus hatte den berüchtigten Kriegsmann, der wenig später Magdeburg[5] dem Erdboden gleichmachen wird, so gerührt, daß er in der Stadt Gnade walten ließ. In Frankfurt (Oder) befanden sich bereits mehrere Regimenter, die teilweise vor der im Norden stehenden schwedischen Armee Zuflucht genommen hatten. Die Truppen, so ist bei Felix Plage[6] erwähnt, waren in einem schlechten Zustand. Tilly hielt Musterung und ließ rückständigen Sold zahlen, der unter anderem auch aus der Stadt Frankfurt/Oder herausgepreßt worden war, um die Moral der Soldaten zu heben.

Generalissimus Tilly zog am 5. Februar 1631 in Richtung Magdeburg weiter, zurück blieb eine Kerntruppe von 9000 Mann. Zu ihnen gehörten die Reiterregimenter Montard bzw. Heidow, [Ernesto; BW] Montecuccoli, [Ernst Georg v.; BW] und [Johann v.; BW] Götz[7] sowie die Regimenter zu Fuß [Hannibal v.; BW] Schaumburg, Hardegg, Fernemont, Borneval bzw. Waldow, Torquato Conti, [Karl v.; BW] Liechtenstein, mit dem Beinamen die Seligmacher[8] und die berüchtigte Einheit von Butler mit den gefürchteten Kroaten. Als Kommandierenden beorderte Tilly den erfahrenen Feldmarschall Tieffenbach ab. […]

Den Darstellungen in den hiesigen Archivmaterialien und den Beschreibungen von Johann Christoph Beckmann folgend hatte der Schwedenkönig am 1. April [11.4.; BW] Quartier in Lebus[9] genommen. Einen Tag später verjagte er durch weiteres Vorrücken auf die Odermetropole die Kaiserlichen, die sich noch durch Schanzarbeiten an den Außenanlagen zu schaffen machten. Tieffenbach, der die weitere Annäherung der Schweden an die Stadt unbedingt verhindern oder zumindest erschweren wollte, beging in dieser Situation einen schweren Fehler. Er ließ die nicht zum Verteidigungssystem gehörenden Vorstädte niederbrennen. Der nun aufsteigende Rauch der brennenden Häuser nahm jedoch den Verteidigern die Sicht, so daß der Gegner ungehindert ganz dicht bis an die Stadtmauern gelangen konnte. Gustav Adolf selbst soll bei diesen günstigen Voraussetzungen das Gubener Tor rekognosziert haben, um es im Sturm nehmen zu können. Der Angriff erfolgte dann am Palmsonntag, am 3. April 1631. Der König ließ zuvor in seinem Lager zweimal Gottesdienst halten, was von den Kaiserlichen beobachtet wurde und ihnen Anlaß zum Spotten gab. Der verging ihnen jedoch bald, denn etwa gegen 14.00 Uhr brachen die Schweden nach heftiger Beschießung vor und stürmten das Gubener Tor, während zunächst ein Scheinangriff auch auf das Lebuser Tor erfolgte.

Am westlichen Mauerring wurden Schanzen aufgeworfen und ebenfalls mit den Kampfhandlungen begonnen. Gustav Adolf, der die Aktionen am Gubener Tor leitete, soll, um Mut zu machen, seinen Soldaten zugerufen haben: ‚Nur Geduld, bald werdet ihr Wein und kein schlechtes Oderwasser mehr trinken’. Dem ersten Soldaten, dem es gelang die Mauer zu überwinden winkten 1000 Taler und die Ernennung zum Hauptmann. Bald war das Gubener, wenig später auch das Lebuser Tor gesprengt. Die Kaiserlichen konnten dem Andrang der Schweden nicht mehr Stand halten und ergriffen heillos die Flucht. In der Brücktorstraße und auf der Oderbrücke entstand ein furchtbares Gedränge; viele stürzten in die Fluten der Oder und ertranken. Die Schweden gaben kein Pardon, sondern hieben zunächst wütend auf die Kaiserlichen ein, die um Quartier, das heißt Gefangennahme baten. Mit dem Ruf ‚Neubrandenburgisch Quartier’ könnt ihr haben, wollte man sich für das Blutbad der Kaiserlichen bei der Einnahme Neubrandenburgs[10] rächen. Die schwedische Besatzung in dieser Stadt wurde hier vollständig niedergemacht. Einem Teil der kaiserlichen Besatzung gewährte man dennoch Quartier, darunter auch dem Obristen Butler. Insgesamt hatten die Schweden bei der Erstürmung der Stadt nur 300 Mann Tote zu beklagen, während es bei den Kaiserlichen über 2000 waren. Die Stadt soll voller Leichen gelegen haben. Gustav Adolf gewährte nach der Einnahme von Frankfurt (Oder) seinen Soldaten angeblich eine dreistündige Plünderung. Sie dauerte aber etwa zwölf Stunden bis wieder einigermaßen Ruhe einkehrte.

Für die Frankfurter Einwohner war dieses schreckliche Ereignis unbegreiflich, was ihnen jetzt von einem lutherischen Heer widerfuhr. Den Bewohnern wurden die Kleider vom Leibe gerissen, ihr Hab und Gut gestohlen und manch eine ehrbare Bürgersfrau konnte von Glück sagen, wenn sie ihr nacktes Leben retten konnte. Die Männer schlug man nieder oder tötete sie, wenn sie nicht freiwillig ihre Habe hergaben und das eventuell Verborgene herausrückten. Ein großer Teil der Häuser war zerstört oder stand in Flammen, so zum Beispiel die Häuserzeile zwischen Großer Oder- und Scharnstraße.

Was nützte es, wenn Gustav Adolf nach solchen Ausschreitungen später Getreide an die Bevölkerung verteilen und sogar einige Soldaten, die mit dem Plündern nicht aufhören wollten, hängen ließ. Den Frankfurtern saß der Schock tief, von dem sie sich nicht so schnell erholen sollten. […] F. Plage hat in seiner Publikation außerdem darauf hingewiesen, daß den Schweden reiche Kriegsbeute in die Hände fiel. In der von Tilly zurückgelassenen Kriegskasse befanden sich noch 300.000 Gulden. Nicht unerheblich waren schließlich auch die erbeuteten Waffen, darunter sogar Kanonen, die der Winterkönig in der Schlacht am Weißen Berg einbüßte, und Schießpulver, Blei und Eisenkugeln in beträchtlicher Menge. Erst am 29. April [9.5.; BW] verließ der Schwedenkönig mit seinem Heer die Stadt wieder, um den Magdeburgern zu Hilfe zu eilen. Sechs schwedische Regimenter blieben aber noch bis zum August 1632 als Besatzung zurück“.[11]

Der schottische Kriegsteilnehmer Robert Monro schildert die Vorgänge aus seiner Sicht:Am Sonntagmorgen, es war Palmsonntag, der 3. April 1631, nahmen der König und die ganze Armee in ihrem besten Staat an einem Gottesdienst teil, und nach der Predigt ermunterte S. M. unsere Soldaten. Er sagte, er wünsche, daß er die schlechten Tage, die sie augenblicklich mit Geduld ertrügen, von ihnen nehmen könne, und er hoffe, ihnen in kürze bessere Tage bescheren zu können, an denen er sie Wein trinken lassen könne, anstatt des Wassers, das sie nun tränken. Dann gab der König dem General Baner Befehle, allen Brigaden mitzuteilen, sich mit ihren Waffen für weitere Anweisungen in Bereitschaft zu halten. Als dieser Befehl gegeben war, versahen sich einige der abkommandierten Musketiere, die unter Sinclairs Befehl standen, mit Leitern, da sie einen bevorstehenden Sturmangriff vermuteten.

Gegen 5 Uhr am Nachmittag kam S. M. zu unserer Brigade und ließ einen deutschen Hauptmann namens Guntier von Hepburns Regiment rufen. Er befahl ihm, einen leichten Harnisch anzulegen, seinen Degen zu ziehen, einen Sergeanten mit zwölf tüchtigen Burschen mitzunehmen, durch den Graben zu waten und zu erkunden, ob sich Leute zwischen dem Erdwall der äußeren Befestigung und dem steinernen Festungswall der Stadt aufhalten könnten. Dann sollten sie sich, so schnell sie es nur vermöchten, zurückziehen. Als die das getan hatten, kam S. M. zur Erkenntnis, daß zwischen den beiden Wällen Platz sei, Soldaten hineinzubringen, und da die Brigaden schon in Schlachtordnung standen, sollten sie, nachdem der Hauptmann ohne Verwundung zurückgekommen war, auf ein Zeichen hin angreifen. Der König befahl Baner und Hepburn, mit unserer Brigade den Graben zu überwinden und zu stürmen, und wenn sie den Feind vom Wall der äußeren Verteidigungslinie zurückgetrieben hätten, so sollten sie sich zwischen ihm und dem steinernen Hauptwall festsetzen. Wenn es glücken sollte, den Feind zum Weichen zu bringen, sollten sie mit ihm zusammen in die Stadt eindringen. Die gleichen Befehle ergingen auch an die übrigen Brigaden, die schon bereitstanden.

Der König hatte eine Anzahl großer und kleiner Kanonen in den Batteriestellungen laden lassen und befahl nun, an allen Abschnitten achtzugeben. Wenn die Geschütze abgefeuert würden, sollten die Sturmtruppen noch mitten im Pulverdampf der ersten Salve zum Angriff vorbrechen, was sie dann auch taten. Wir durchquerten den Graben und wateten dabei bis an die Hüften in Wasser und Schlamm, und als wir dann hinaufstiegen, den Wall zu erstürmen, da standen uns einige starke Palisaden im Weg, die im Wall so gut eingegraben waren, so daß wir, wenn der Feind sich nicht voller Angst vom Wall zurückgezogen hätte, nur mit großem Glück hätten eindringen können. Der Feind zeigte sich aber so schwach und zog sich zurück, so daß die Kommandeure die Befehle ausführen konnten, die sie vom König erhalten hatten (II, 13). Wir drängten nach, in der Absicht, dem zurückweichenden Feind durch eine große Ausfallpforte, die zwischen den beiden Wällen lag, in die Stadt hinein zu folgen. Sie hatten zwei große Türflügel geöffnet und drängten hier hinein. Nach ihrem Rückzug (vor einigen Tagen) hatten sie hier ein paar Orgelgeschütze in Stellung gebracht, mit denen man ein Dutzend Schüsse auf einmal abfeuern kann. Daneben hatten sie noch zwei kleine Ordonanzgeschütze aufgepflanzt, die ebenfalls den Eingang absicherten, und dann standen da noch Musketiere, die nun zusammen mit den Schüssen aus den Geschützen unbarmherzig unter unseren Musketieren und Pikenieren aufräumten.

Der tapfere Hepburn, der die Schlachtreihe der Pikeniere aus seiner eigenen Brigade anführte, wurde, als er bis auf eine halbe Pikenlänge Abstand zur Ausfallpforte vorgedrungen war, in dem Augenblick, als er eindringen wollte, oberhalb des Knies in den Schenkel geschossen, so daß er lahm wurde. Die großen Schmerzen betäubten seine Sinne, was ihn auch zwang, sich zurückzuziehen. Er sagte zu mir, ‚Schulfreund Monro, ich bin angeschossen worden‘, was mir wirklich sehr leid tat. Dann wurde sein Major, ein entschlossener Kavalier, der vorstürmte, um in die Ausfallpforte einzudringen, unmittelbar vor dem Eingang erschossen. Darauf wichen die Pikeniere zurück und blieben zunächst stehen. General Baner, der dabei war, feuerte nun die Kavaliere an, doch einzudringen. Oberst Lumsdale [Lumbsdain; BW] und ich, die wir beide an der Spitze unserer Fahnenabteilungen standen, er mit einer Partisane, ich mit einer Halbpike in der Hand und einem Sturmhelm auf dem Kopf, der mich schützte, gaben nun unseren Pikenieren das Zeichen zum Angriff. Wir führten sie Schulter an Schulter an, und beide konnten wir glücklicherweise die Pforte ohne Verletzung erreichen, doch einige von uns, wie ich weiß, fanden dort den Tod. Der Feind wurde nun gezwungen, sich in Verwirrung zurückzuziehen. Er war von unserem Eindringen so überrascht, daß er weder den Mut noch die Geistesgegenwart hatte, das Fallgatter des großen Tores herunterzulassen. So konnten wir, indem wir dem Feind auf den Fersen blieben, in die Straßen der Stadt eindringen. Dort hielten wir dann an, bis unsere Pikeniere nachgekommen waren und sich in Formation aufgestellt hatten. Flankiert von Musketieren griffen wir mit gefällten Piken an, wobei die Musketiere auf den Flanken Feuerschutz gaben, bis die Ordnung des Feindes ins Wanken gebracht wurde.

Nach uns kam General Baner mit einer Abteilung frischer Musketiere heran. Er verfolgte die Kaiserlichen in der einen Straße, Lumbsdale und ich in der anderen. Wir stießen mit dem Feind wieder zusammen, schlugen ihn aber ganz und gar, und unsere Offiziere nahmen ihm neun Fahnen ab, die dann S. M. überbracht werden sollten. Der größte Teil ihrer Soldaten wurde niedergehauen als vergeltung für die Greueltaten, die sie in Neu-Brandenburg verübt hatten, aber einige ihrer Offiziere erhielten ‚Quartier‘, so wie sie es auch gegenüber unseren gegeben hatten. Nachdem dieses Regiment besiegt war, wiesen wir einen Offizier mit einer starken Abteilung an, sich der Brücke zu bemächtigen, damit der Feind nicht mehr entkommen könne. Als den Feinden der Fluchtweg auf diese Weise abgeschnitten war, wurden sie nun alle niedergehauen, und die Straßen lagen voll mit Toten. Der größte Teil unserer Soldaten und Offiziere lief nun auseinander, um Beute zu machen, und sie ließen mich mit einer kleinen Zahl anständiger Soldaten zurück, die Fahnen zu schützen. Ich muß gestehen, daß ich einfach nicht in der Lage war, etwas gegen diese Disziplinlosigkeit zu unternehmen. Soweit zu Lumsdales Rolle und meiner. Ich kann mich dafür verbürgen, daß alles wahr ist. Und so wie ich von unseren eigenen Taten die Wahrheit ohne Aufhebens berichtet habe, auch wenn es kein Mensch als Freund der Tugend nachprüfen kann, so will ich von den Taten anderer Leute erzählen, soweit ich aus den Berichten meiner ehrenhaften Kameraden weiß, daß auch sie wahr sind.

Oberstleutnant Musten, der ernannt worden war, die Musketiere von Lumsdales Regiment und dem meines Obersts zu kommandieren, das unter meinem Befehl stand, sah uns eindringen und folgte uns nach. Er gab denen, die unter ihm standen, von sich aus den Befehl, wie sie sich verhalten sollten, so daß sie dem Feind keine besseren Bedingungen für ‚Quartier‘ gewährten, als wir es auch taten. Auch die Deutschen, die sich der Grausamkeiten erinnerten, die der Feind in Neu-Brandenburg verübt hatte, gaben nur wenig ‚Quartier‘ (II, 34). Major John Sinclair, wie mir glaubhaft versichert wurde, und Leutnant George Heatly, der ihn begleitete, beide entschlossen und tüchtig, waren die ersten, die mit Leitern über den Wall in die Stadt hineinkamen. Da sie bei ihrem Eindringen nur wenige Musketiere dabei hatten, wurden sie in den Straßen von den Kürassieren des Feindes, den besten Reitern, attackiert, die sie zwangen, dicht beieinander zu stehen, mit dem Rücken zum Wall, über den sie eingedrungen waren. Sie gaben mehrere Musketensalven auf die Reiter ab, die dadurch zum Rückzug gezwungen wurden.

Nachdem wir hineingekommen waren, drangen die Gelbe [Teuffel; BW] und Blaue Brigade [Winkel; BW], die von der ganzen Armee als entschlossen und tapfer in ihren Aktionen angesehen wurden, ebenfalls ein. Sie sollten die Stellungen der Iren angreifen, wurden aber zweimal unter großen Verlusten wütend zurückgeschlagen. Dabei erlitten sie schlimme Verluste durch die Handgranaten, die die Iren unter sie warfen. Als sie dann zuletzt doch vordrangen, stellten sich ihnen die Iren entgegen, die zahlenmäßig schwach waren. Ungeachtet des Unterschieds im Zahlenverhältnis kämpften sie lange mit Pike und Schwert in den Festungswerken, bis die meisten an der Stelle gefallen waren, an der sie gestanden waren und gekämpft hatten, so daß am Ende Oberstleutnant Walter Butler, der die Iren anführte, gefangengenommen wurde, nachdem er einen Schuß in den Arm und einen Pikenstich in den Schenkel davon getragen hatte. Am nächsten Tag konnte man an den einzelnen Stellen erkennen, wo am heftigsten gekämpft worden war, und in der Tat, hätten die anderen sich so tapfer gehalten wie die Iren, hätten wir uns mit großen Verlusten zurückziehen müssen, ohne den Sieg davongetragen zu haben.

Als die Wut verraucht war, waren alle Soldaten, die nun ihre Pflicht vernachlässigten, um so mehr darauf aus, Beute zu machen, denn die ganze Straße stand voll mit Reiteseln, Reitpferden, Kutschen und verlassenen Wagen, angefüllt mit Reichtümern aller art, Tafelsilber, Juwelen, Gold, Geld, Kleidern, so daß ich später nie mehr sah, daß man den Offizieren so schlecht gehorchte und keinen Respekt mehr vor ihnen hatte, wie es hier eine Zeitlang geschah, bis der Höhepunkt überschritten war. Und ich kenne sogar einige Regimenter, die keinen einzigen Mann mehr bei ihren Fahnen stehen hatten, bis das Wüten vorüber war. Einige Fahnen waren die ganze Nacht hindurch verschwunden, bis man sie dann am nächsten Morgen wieder beibrachte. So eine Unordnung herrschte bei uns, und das alles wurde hervorgerufen durch die Raffgier, die Wurzel allen Übels und der Ehrlosigkeit.

Als die Einnahme der Stadt abgeschlossen war, kam S. M. selbst herein. Er wurde vom Rheingrafen [Otto Ludwig v. Salm; BW] und seinen Reitern bewacht, die nun unverzüglich abkommandiert wurden, die Brücke zu überqueren und dem Feind auf den Fersen zu folgen, der in Richtung Glogau[12] auf der Flucht war. Dorthin hatten sich der Feldmarschall Tiefenbach, der Graf von Schauenburg und Montecuccoli mit jenen zurückgezogen, die entkommen waren. S. M. hatte kaum in der Stadt Quartier genommen, als ein zufällig ausgebrochenes Feuer die Stadt einzuäschern drohte. Unter Trommelschlag wurden daher Befehle in allen Straßen laut ausgerufen, daß sich alle Offiziere und Mannschaften bei Todesstrafe sofort bei ihren Fahnen auf der anderen Seite der Oder in den Außenbefestigungen einfinden sollten, wo Sir John Hepburn angewiesen war, das Kommando innerhalb der Festungswerke zu übernehmen. Ausgenommen waren die Truppen, die bestimmt worden waren, die Tore der Stadt zu bewachen, dazu das Quartier S. M. und die Unterkünfte der Generale am Marktplatz, wo eine starke Wache gehalten wurde, um Plünderungen und Übergriffe der Soldaten zu unterbinden. Obwohl diese Befehle öffentlich ausgerufen wurden, hielten sich viele nicht daran und blieben in der Stadt, um zu plündern.

Bei diesem Zusammenstoß verlor der Feind fast 3 000 Mann, nicht gerechnet die Offiziere, die dabei getötet wurden, vier Obristen, Pernstein [der allerdings erst am 26.7.1631 fiel; BW], Hydou-Mayence, Wallenstein [der erst bei Lützen[13] fiel; BW] und Joure. Weitere 36 Offiziere kamen ums Leben. Oberst [Ernst Georg v.; BW] Sparr mit fünf deutschen Oberstleutnanten und ein irischer Kavalier wurden gefangengenommen, der sich tapfer und ehrenvoll geschlagen hatte. Der Feind verlor 41 Fahnen, wie ich am nächsten Tag sehen konnte, als vor General Baner eine Zählung stattfand, dazu kamen neun Standarten der Reiterei. Auf unserer Seite kamen mindestens 800 Mann ums Leben, davon verloren das Blaue und das Gelbe Regiment allein 500. Dem König fiel hier eine sehr große Menge von Vorräten für die Armee in die hand, Getreide, Munition und 18 Ordonanzgeschütze. Am nächsten Tag ernannte S. M. Generalmajor Lesly [Alexander Leslie; BW] zum Gouverneur über die Stadt und gab ihm den Befehl, die schadhaften Festungswerke und Wälle auszubessern. Dann wurde der Befehl gegeben, die Toten zu begraben, was man in sechs Tagen nicht völlig schaffen konnte. Zuletzt warf man sie in Haufen in große Gruben, mehr als hundert in jedes Grab. Am nächsten Tag erhielten wir die Anweisung, unsere Regimenter zu versammeln, damit man sie mit den Waffen ausrüsten könne, die den Soldaten fehlten, da viele von ihnen in der dem Sturm folgenden Unordnung ihre Waffen verloren hatten“.[14]

Hydous Regiment wurde noch in diesem Jahr Nikolaus Des Fours übertragen.[15]

[1] ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht), S. 234f.

[2] WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 217. Dessau [Stadtkr. Dessau]; HHSD XI, S. 77ff.

[3] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[4] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[5] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[6] PLAGE, Einnahme, S. 17.

[7] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[8] Seligmacher bezieht sich nur auf die Truppen Liechtensteins, die wegen ihrer gewaltsamen Rekatholisierungsmaßnahmen in den kaiserlichen Erblanden berüchtigt waren.

[9] Lebus [Kr. Lebus/Seelow]; HHSD X, S. 253ff.

[10] Neubrandenburg [Kr. Neubrandenburg]; HHSD XII, S. 69ff.

[11] GRIESA, Frankfurt/Oder, S. 14ff.

[12] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[13] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[14] MAHR, Monro, S. 110ff. Monro datiert nach dem a. St.

[15] KONZE, Stärke, S. 31.

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