Hagen, Christoph von

Hagen, Christoph von; geheimer Kammerrat [um 1591 – 1674] Hagen, ein aus dem Eichsfeld stammender Adliger, stand in den Diensten des Herzogs Wilhelm IV. von Weimar und der Regierung von Sachsen-Coburg und Sachsen-Eisenach.

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[1] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 7. September  [17.9.; BW] 1623, auf einen Sonntag, Christoph von Hagens Reuter einen Bader von Breitenworbis,[2] Curt Müller genant, jämmerlichen erschossen zum Hagen vor dem Dorfe. Den 8. September haben die beyden Gebrüder von Hagen den entleibten Bader ohne Vorbewusst des Amts Keula[3] alleine aufgehoben und nach Hüpstedt[4] geführet. Weill aber die Gerichte zu Hagen auch Meinem Gnädigen Herrn zustendig, wirdt es dahero großen Streit geben. Den 9. September [19.9.; BW] bey denen von Hagen die Restitution wegen des |entführten| entleibten Baders in Schriften gesuchet. Den 11. September [21.9.; BW] wegen dieses Entleibten zu Sondershausen[5] gewesen. Den 12. September 1623 dem von Hagen durch Notarien und Gezeugen eine schriftliche Protestation insinuiren lassen und nochmahls Restitution oder Abtrag wegen des Entleibten Entführen begehret, aber nichts erhalten. Demnach die von Hagen wegen des entleibten Baders Meinem Gnädigen Herrn nicht Satisfaction machen wollen. Als bin ich mit 5 Reisigen und 200 Musquetiren den 17. September gegen Morgen umb 5 Uhr unter den Deuna[6] nach den Hagen verrücket und denen von Hagen 325 Schaafe aus den Hürden genommen und nach Keula treiben lassen. Darbey es bunte Hendel gegeben. Die Musquetier haben sich sehr übel gehalten, denn die meisten im Holtze zurücke blieben, und wie der Angriff geschehen, habe ich ihr nicht mehr als 25 bey mir gehabt, darumb sie auch alle ernstlich gestraft worden. Ich habe Befehlich gehabt, auch in die Schaferey zu Hagen zu fallen und das Viehe, so darinnen, auch heraus zu langen. Weil aber die Musquetier zurücke blieben und ich zu wenig Volck gehabt, habe ichs bleiben lassen müssen. Die Schafe habe ich den Fleischhauern zu Greußen[7] alle verkauft, was darauf erfolgen wird, giebt die Zeit“.[8]

Über die Kriegsereignisse um und in Mühlhausen[9] wird in der „Thomas-Chronik“ berichtet: „Den 9. Juni [19.6.1629; BW] warb Leutnant Bastian Vogel Mühlhäuser allhier und zu Heiligenstadt[10] 100 Mann, führte sie nach Italien, gab einem 4 oder 5 Rtlr., lag in der Rosen. Junker Christoph von Hagen wollte mit ihm Kugeln wechseln oder raufen, ward unternommen, daß es nicht geschah“.[11]

Happe hält fest: „Eodem die [2./12.2.1636; BW] der Commissarius Hagen eine Nacht mit etzlichen Reutern alhier zu Ebeleben[12] gelegen“.[13]

Vom 28.12.1636 datierte das Gesuch des Rates der Stadt Eisfeld[14] und des Amtskastners Latermann, gerichtet an den Geheimen Kammerrat Christoph von Hagen, bei dem Obristen Wrangel Einspruch gegen die Forderung seines Regimentsquartiermeisters von 200 Talern zu erheben oder Anordnungen wegen einer Beihilfe vom Lande zu treffen, da die Stadt vor dem völligen Ruin stehe und die Summe nicht aufbringen könne. Wie aus dem Insertum hervorging, war auch die Lieferung von Wildpret an Wrangels Küche erfolgt.[15]

Eine undatierte Mitteilung Christoph von Hagens an den Amtmann Christian Rußwurm zu Heldburg[16] betraf verschiedene Angelegenheiten, zu denen er teilweise Stellung nahm, u. a. das Geschenk von 2 Paar Pirschbüchsen – Wrangel war leidenschaftlicher Jäger – und von einem Paar Pistolen für dessen Obristleutnant, der Viehraub in den Ämtern Eisfeld und Neustadt,[17] die Ablieferung des zur Kontribution zusammengebrachten Silbergeschirr an die Münze, das beiliegende Gesuch des Rats der Stadt Eisfeld.[18]

Am 6.1.1637 schrieb der Amtsschosser Caspar Möckel (?) in Sonneberg[19] an den coburg-eisenachischen geheimen Kammerrat Christoph von Hagen über die Räubereien schwedischer Rotten in Sonneberg und Umgebung, mit dem Ersuchen um Auskunft, ob in solchen Fällen Gegenwehr zugelassen sei.[20]

Vom 7.1.1637 datiert die Anordnung der Kammer zu Coburg, gezeichnet von Christoph von Hagen, gerichtet an den Amtmann Christian Rußwurm zu Heldburg, eine weitere Anforderung von Kriegsauflagen des Obristen Adam von Pfuel von der Armee Banérs betreffend, mit dem Regimentsquartiermeister Wilhelm Böckell so zu verhandeln, dass die armen Leute nicht allzu beschwert würden. Dazu wurde mitgeteilt, dass sich für den Regimentsquartiermeister zwei Pistolen in Armen befänden, ferner wurde unter Beifügung eines Schreibens des Amtsschossers zu Sonneberg Amtshilfe zur Wiedererlangung des Steinbach und Oberlind geraubten Viehs angeordnet. Dabei liegt auch ein Schreiben Böckells an den Heldburger Amtmann, die Stellung eines gesattelten Pferdes betreffend, vom 8.1.1637.[21]

[1] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[2] Breitenworbis [Kreis Eichsfeld].

[3] Keula [Kyffhäuserkreis].

[4] Hüpstedt [Unstrut-Hainich-Kreis].

[5] Sondershausen [Kyffhäuserkreis].

[6] Deune [Kreis Eichsfeld].

[7] Greußen [Kyffhäuserkreis]

[8] HAPPE I 44 r – 45 r; msdz.thulb.uni-jena.de.

[9] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[10] Heiligenstadt [Kr. Heiligenstadt]; HHSD IX, S. 186ff.

[11] JORDAN, Mühlhausen, S. 246.

[12] Ebeleben [Kyffhäuserkreis].

[13] HAPPE I 442 v; msdz.thulb.uni-jena.de.

[14] Eisfeld [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 98f.

[15] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2877.

[16] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[17] Neustadt b. Coburg (OFr.); HHSD VII, S. 516.

[18] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2880.

[19] Sonneberg [LK Sonneberg].

[20] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2889.

[21] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2890.

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