Götz [Götze, Götzen], Peter Graf von

Götz [Götze, Götzen], Peter Graf von; Generalwachtmeister [ – 18.11.1638 vor Vechta gefallen] Götz,[1] ein Bruder des kurbayerischen bzw. kaiserlichen Feldmarschalls Johann von Götz,[2] nach Aussage des Hildesheimer[3] Arztes und Chronisten Dr. Jordan ein Sohn des Peter Götz, Kanonikus zu Halberstadt,[4] hatte als Obristleutnant erst unter Leittersams Kommando gestanden. 1638 diente er als Generalwachtmeister unter dem kaiserlichen Feldmarschall Melchior von Hatzfeldt.

Am 16.7.1635 schrieb Ernst Christoph I. Graf von Rietberg aus Wiesbaden[5] an den kaiserlichen Generalleutnant Gallas:[6] Laut Befehl habe er mit zehn Kompanien Piccolomini den Rhein überschritten. Graf Philipp von Mansfeld habe ihm noch die Regimenter [Peter v.; BW] Götz, Václav Eusebius von Lobkowitz und ein Regiment Kroaten[7] geschickt. Mit diesen sei er direkt auf Hanau[8] marschiert und wolle alles tun, um seinen Befehl zu vollziehen. Im Nachtrag hieß es: Bruay befinde sich heute in der Gustavsburg,[9] wo er Gallas‘ Befehle erwarte.[10]

Im Herbst 1635 nahm Götz an dem katastrophalen Feldzug Gallas’ in Lothringen teil.

Der englische Söldner Sydnam Poyntz [um 1598 Reigate, Surrey – 1663 Virginia, USA] hält fest: „In the meane tyme Gallas marched after the french Army who tooke their retreat towards Metz[11] in Loraine having pillaged the Duke of Sorbrucks Country with the principall Townes as Sorbruck[12] Sweybruck[13] etc. And following the french over the Moselle sent young [Hieronymus v.; BW] Colredo before hym with the Van-gard of 6000 light horse, who meeting with a Troope of french of 200 or thereabout, put them most to the sword, but the principall Officers Kept Prisoners, so going forward marched throrough a Wood, hee saw a party of 2000 french horse which was vpon a Hill with a small Brooke at the foote but upon the other sider of the Hill lay the frenche with his whole Army, Colredo advanced to these 2000 over the Brooke with all his 6000 men, but sent two great Troops to encounter with them und hee marching upon the right hand got to the Top of the Hill, where hee saw the whole Army advancing up the Hill towards hym, but hee slew like a brave soldier most of the 2000 before the rest could come up the Hill. But Colredo thing to make a retreat in good order com̃aunded 2 Coronells with 3000 men wo were Binder, Long [Lang; BW] & Peter Gets [Götz; BW] to hold them in play till hee got over the Brooke und that hee would second them in like case, but his owne soldiers beeing discouraged with that retreat, and the french Army comming on them all fled, and the Ennemy had slaughter of them 6 English Miles. Coronell Lang was slayne, Coronell Binder and Gets ware taken Prisoners. But Colredo got away with some 3 or 400 men and came to Gallas who had a great great check and was clapt in Prison”.[14]

Wilhelm von Slavata teilte am 17.10.1635 Adam von Waldstein mit, ein Bote habe die Nachricht gebracht, dass die kaiserlichen Obristen Götz, Stephan Binder und Elias Lang vom Gegner gefangen genommen, der Großteil der kaiserlichen und ligistischen Reiterei schmählich vor dem Feind geflohen sei und der junge [Hieronymus v.; BW] Colloredo auf königlichen Befehl [Ferdinands v. Ungarn;[15] BW] wegen seiner schlechten Armeeführung ins Gefängnis geworfen wurde, da die kaiserliche Armee um die Hälfte stärker gewesen sei als der Gegner. Dieser habe sich nach dem Verlust von 3.500 Mann, Pferden, Kanonen und Bagage in die Stadt Metz[16] zurückgezogen. Trotzdem glaube er an einen Friedensschluss (!) im Winter.[17] Angeblich soll er am 25.10.1635 in einem Gefecht bei Boulay[18] getötet worden sein.[19]

„Zwei Lautersamsche [Leittersam; BW] Kompagnien unter dem Grafen von Götze, denen in Delmenhorst[20] Quartier verweigert war, fielen am 30. Oktober [1636; BW] von Wildeshausen[21] in das Delmenhorster Gebiet ein und plünderten etliche Dörfer“.[22]

Im Februar 1637 informierte Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg Feldmarschall Morzin und Götz über die Belagerung von Driesen[23] – das durch schwedische Truppen zerstört wurde – durch Wrangel.[24] Von Gefechten mit schwedischen Truppen berichtete Götz Feldmarschall Melchior von Hatzfeldt bei Landsberg.[25] Im September 1637 stand Götz in Prenzlau.[26]

Am 16.1.1638 schrieb Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg aus Kölln an der Spree[27] an Gallas: Er könne Peter von Götz und dessen Truppen im Herzogtum Krossen[28] und in Sternberg,[29] wohin sich jener zurückziehen wolle, keine Quartiere überlassen.[30]

Götz genoss wegen der Plünderungen seiner Truppen in Groß-Glogau,[31] Sagan[32] und Schlesien einen ausgesprochen schlechten Ruf bei Ferdinand III.,[33] der bei Gallas seine Suspendierung und Arretierung einforderte.[34]

Am 21.3.1638 wandte sich der Kaiser aus Pressburg[35] an Gallas: Der Kurfürst von Brandenburg habe sich aufs Neue über Generalwachtmeister Götz beschwert, der sich angeblich nicht, wie er es hätte tun sollen, nach den kurfürstlichen Befehlen richte und alle günstigen Gelegenheiten versäume.[36]

Gallas teilte Ferdinand III. am 27.3.1638 aus Grabow[37] im Mecklenburgischen mit, seiner Meinung nach sei es nicht ratsam, Götz‘ Truppen von der schlesischen Grenze abzuziehen, denn die übrige Armee sei viel zu weit entfernt, um zur Hilfe eilen zu können.[38]

Am 7.4.1638 schrieb der Kaiser an Gallas: Mit Freuden habe er die Eroberung der Schanzen bei Warnemünde[39] zur Kenntnis genommen, er sei mit dem Austausch eines Teils von Piccolominis[40] Infanterie gegen Reiterei einverstanden und überlasse die Verteidigung Schlesiens Gallas‘ Gutdünken. Er könne sich aber nicht erinnern, einen Befehl zum Verlassen der Brandenburger Stellungen an Götz erteilt zu haben.[41]

Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg wandte sich am 13.5.1638 aus Kölln a. d. Spree[42] an Gallas: Falls Gallas nicht ins Feld ziehe, forderte der Kurfürst Verstärkung durch eine bestimmte Anzahl von Infanterie unter Götz an, welcher wie Hans Wolf von Salis dem Kurfürsten zur Verfügung stände.[43]

Im Juni 1638 stand Götz bereits in der Festung Wolfenbüttel,[44] im Juli in Brilon.[45]

Der Hildesheimer[46] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 25./26./27.6.[5./6./7.7.]: „Brachen die Kayserl. Völker auf, so in diesen und Lüneburgischen Fürstenthümbern bis Dato logirt, nachdem sie viel arme Leut gemacht, ausbescheiden des General-Wachtmeisters Peter Götzen“.[47]

Ferdinand von Köln[48] korrespondierte im Juli 1638 mit Hatzfeldt wegen der Einquartierung von Götz in der Grafschaft Waldeck.[49] Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt[50] informierte in diesem Juli Melchior von Hatzfeldt von dem Marsch von Götz über Marburg[51] und durch die Grafschaft Waldeck – auch Johann Ludwig von Nassau-Hadamar teilte Hatzfeldt dies mit;[52] nach dem Schreiben des Grafen Wolrad IV. von Waldeck waren es 80 Kompanien[53] – nach Westfalen.[54] Aus Wildungen[55] schrieb Götz Hatzfeldt im August 1638 von seinen Versorgungsschwierigkeiten und gab seiner Verwunderung über einen kaiserlichen Befehl Ausdruck, in kaiserlichen statt in brandenburgischen Diensten zu bleiben. Zugleich berichtete er ihm über die Tätigkeit von Schnapphähnen.[56]

Im September beschwerte er sich bei Hatzfeldt wieder über die Disziplinlosigkeit der Truppen. Aus Elberfeld[57] klagte er über seine Schwierigkeiten wegen der Verpflegung und Quartierverteilung.[58] Der kaiserliche Obrist Hasenbein informierte Götz über die Werbungen auf kaiserlicher und feindlicher Seite in der Nähe von Höxter.[59]

Die Chronik von Mühlhausen[60] hält fest: „Den 8. October kam der Oberst Götz mit vielem Volke in die Stadt und blieb bis zum 10ten“.[61]

In diesem Oktober berichtete Götz Hatzfeldt über den Marsch verschiedener Regimenter nach Schwerte,[62] Unna[63] und Dortmund[64] sowie über die Belagerung von Lemgo.[65] Nach dem Bericht Anselm Kasimirs von Mainz war das Regiment über Büdingen,[66] Wetzlar[67] nach Dortmund[68] abmarschiert.[69]

„Graf Hatzfeldt erhält auf sein Ansuchen aus Münster[70] zwei Stücke, später noch ein drittes Geschütz leihweise. Er erringt nach der Vereinigung mit den Regimentern des Generalwachtmeisters von Westerholt am 17. Oktober [1638; BW] bei Vlotho[71] in einem einstündigen Gefecht einen völligen Sieg und kann über 1.000 Gefangene machen, darunter den jungen Pfalzgrafen Rupert,[72] Generalleutnant Ferentz und sechs Obristen, dazu alle Fahnen, Geschütze und Bagagewagen des Feindes erbeuten. Viele gegnerische Reiter ertrinken auf der Flucht wegen des hohen Wasserstandes in der Weser, auf kaiserlicher Seite fällt der Generalwachtmeister Peter Götz, ein Bruder des bayerischen Feldmarschalls. King, Königsmarck und der Pfalzgraf Karl Ludwig retten sich in die schwedisch besetzten Städte Minden[73] und Osnabrück“.[74] Dr. Jordan notiert  unter dem 17./ 27.11. lapidar: „Die Schwedische und Pfältzische ziehen mit Accord aus der Vechte,[75] – wofür der General Berent Ackfort von Westerholtz [Hackfort von Westerholt; BW] und Obr. Götz erschoßen – , von dar rückten die Kayerl. unter General Hatzfeld vor Weitlage,[76] da sie unlängst Schiffbruch vor gelitten“.[77] In der Chronik des Adolff Wilhelm Moerbecke zu Stevening [1611 – 1675] heißt es dagegen: „| gescheet synde, ist het keisersche leger affwartz na het Emslant gemarchert ende, noch einige sware stucken en nootwendige ammonitie ut Munster endere andere keisersche garnesonen gelichtet hebbende, die stat Vechte in’t Emsslant belegert ende dapper beschaten. Maer vermitz der regenachtigen wers ende des legen grondes ist der stat niet wel to approcheren geweest, ende hirdor sick aver dee der weken geholden hefft. Doch entlick die keiserschen tot einen generalen storm gereet seende, hebben see geaccordert, ende ist het garnesoen, synde 7 companien met vulle geweer en bagagie, den 23 Novembris utgetrocken. | in dit belegh ist doot gebleven den oversten Westerholt en den oversten luitenant Gotzen, so ein port der stat, doch met disorder, meinden tea verfallen, ende hirdoer neffens ein goet deel soldaten geschaten wierden“.[78]

Im Dezember 1638 berichtete der in Rheine[79] weilende Obristwachtmeister Asmus von Mandelsloh dem Sekretär Christoph Karnap von der Beisetzung Götz‘.[80]

[1] Vgl. auch HARRACH, Diarien.

[2] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[3] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[4] SCHLOTTER, Acta, S. 247; Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[5] Wiesbaden; HHSD IV, S. 465ff.

[6] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[7] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.

[8] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[9] Gustavsburg [Gem. Ginsheim-Gustavsburg, Kr. Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 193.

[10] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 58.

[11] Metz, Bistum u. Stadt [Frankreich, Dép. Moselle].

[12] Saarbrücken; HHSD V, S. 315ff.

[13] Zweibrücken; HHSD V, S. 419ff.

[14] GOODRICK, The Relation of Sydnam Poyntz, S. 119f.

[15] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[16] Metz [Bistum u. Stadt], Herzogtum Lothringen.

[17] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 121.

[18] Boulay-Mosel [alter dt. Name: Bolchen; Herzogtum Lothringen, h. Frankreich].

[19] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 543.

[20] Delmenhorst; HHSD II, S. 109f.

[21] Wildeshausen [Kr. Oldenburg]; HHSD II, S. 492ff.

[22] STRAHLMANN, Wildeshausen, S. 19f.

[23] Driesen [Kr. Friedeberg]; HHSD X, S. 429ff.

[24] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 32.

[25] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Landsberg [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[26] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Prenzlau [Kr. Prenzlau]; HHSD X, S. 320ff.

[27] Berlin-Neuköllln; HHSD X, S. 86ff.

[28] Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.

[29] Sternberg [Torzym; Kr. Oststernberg]; HHSD X, S. 467f.

[30] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 551.

[31] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[32] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[33] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[34] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1638 II 21, Ka. 100: Ferdinand III. an Gallas, Pressburg, 24.2.1638.

[35] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[36] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 577.

[37] Grabow [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 35f.

[38] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 582.

[39] Rostock-Warnemünde; HHSD XII, S. 108ff.

[40] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturverzeichnis).

[41] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 589.

[42] Berlin-Neukölln; HHSD X, S. 86ff.

[43] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 611.

[44] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[45] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Brilon [LK Brilon]; HHSD III, S. 119f.

[46] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[47] SCHLOTTER, Acta, S. 287.

[48] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.

[49] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 52; Waldeck; HHSD IV, S. 444f.

[50] Vgl. DIEHL, Georg II.; BECK, Die Neutralitätspolitik Landgraf Georgs II.

[51] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.

[52] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 72.

[53] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 76.

[54] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 63.

[55] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 63; Bad Wildungen [Kr. Waldeck]; HHSD IV, S. 35ff.

[56] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117.

[57] Elberfeld [Stadt Wuppertal]; HHSD III, S. 197ff.

[58] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117.

[59] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 179; Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.

[60] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[61] JORDAN, Mühlhausen, S. 91.

[62] Schwerte (LK Iserlohn]; HHSD III, S. 680f.

[63] Unna; HHSD III, S. 726ff.

[64] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[65] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Lemgo [LK Lemgo]; HHSD III, S. 452ff.

[66] Büdingen; HHSD IV, S. 66f.

[67] Wetzlar; HHSD IV, S. 461ff.

[68] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[69] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 300.

[70] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[71] Vlotho [LK Herford]; HHSD III, S. 738f. 17.10.1638: Pfälzisch-schwedische Truppen unter Ruprecht von der Pfalz und James King of Birness and Dudwick werden von den Kaiserlichen unter Melchior von Hatzfeldt geschlagen. Ruprecht von der Pfalz gerät in Gefangenschaft.

[72] Vgl. REBITSCH, Rupert von der Pfalz.

[73] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[74] LAHRKAMP, Münster, S. 88; Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[75] Vechta [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[76] Wittlage, heute Ortsteil von Bad Essen [LK Osnabrück].

[77] SCHLOTTER, Acta, S. 292.

[78] STROTHMANN, Westfalen, S. 110f.

[79] Rheine [LK Steinfurt]; HHSD III, S. 637f.

[80] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 187.

Dieser Beitrag wurde unter Miniaturen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.