Gersdorf [Gersdorff], Hans Abraham von

Gersdorf [Gersdorff], Hans Abraham von; Obrist [22.1.1609 Kay – 4.9.1678 Torgau] Gersdorf,[1] Herr auf „Kav,[2] Kreusche,[3] Gerkowitz,[4] Weißig und Lösten“,[5] diente als Obrist der Kavallerie und Kriegskommissar in der kursächsischen Armee.[6]

1627 nahm er Militärdienste. Nach Aussage des allerdings nicht immer zuverlässigen Historiographen und Habsburg-Anhängers Wassenberg[7] in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ soll ein Hans von Gersdorf am 16.11.1632 in der Schlacht bei Lützen[8] gefallen sein.[9] Es handelt sich dabei aber bei dem Gefallenen um Hans Eberhard von Gersdorf aus der schlesisch-böhmischen Linie dieses Geschlechts.

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[10] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 27. April [7.5.1634; BW] sind die Gerstorfischen [ Ferdinand v. Gersdorf oder Hans Abraham v. Gersdorf] Reuter von Keula[11] hinweg gezogen, nachdeme sie unchristlich mit den armen Leuthen umbgangen, haben den Abschied genommen“.[12] „4.) Die churfürstlich Sächsischen, unter des Obersten Gersdorfs [ Ferdinand v. Gersdorf oder Hans Abraham v. Gersdorf] Regiment gehörige Reuter hinweg gezogen“.[13]

Die „36. Extraordinari. 1634“ meldet am 3./13.6.1634 aus dem Feldlager vor Großglogau:[14] „Alhie wenig Newes / wir haben noch stetigs mit der Statt zuthun: die darinn ligende wehren sich dapffer / vnd seynd resolvirt / sich biß auff den letzten Mann zu halten / zwingen die Lutherische Bürger zur Arbeit vnd Defension / haben ihnen gedröwet / wann sie nicht würden Hand mit anschlagen / wolten sie sie niderschiessen: wir seynd ihnen gar nahe / ligen an dem Wall / können mit Steinen zu ihnen werffen / wir hoffen / es wirdt mit ihnen am längsten gewehet haben: deß Tags schiessen sie wenig / aber deß Nachts darff ihnen keiner zu nahe kommen. Diese Nacht wirdt man sehen / ob sie sich noch länger getrawen zu halten. Es seynd zwar ihnen zum Succurß 4. Regimenter Pferde vber die Oder gesetzt / werden aber wenig tentiren können: es werden morgen noch drey Regimenter Fußvolck zu vns stossen / wöllen alsdann baldt mit der Statt fertig werden. Heute ist der Herzog von Aldenburg / vnd General Major auch zu vns kommen. Deß Obristen Gerßdorff Regiment / so in Görlitz[15] quartirt / hat dieser Tag eine Parthey in 500. starck auß der Lignitz[16] / so etliche Dörffer vnd Stätte außgeplündert / vnd mit dem Raub wider in Lignitz gewolt / die meisten erschlagen / vnd die Beuthen wider erobert“.[17]

Im Juni 1641 wurde Zwickau[18] von den Kaiserlichen erobert, wie der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611 – 11.12.1688][19] berichtet: „Uber der Schwedenflucht wahr große freude in Böhmen und in Meißen, daß der Churfürst den 27. Martii zue Dresden[20] ein Freudenfest hielte und die stucke ließ losbrennen und praeparatoria machen, die Schweden auß Zwicka zue jagen, Wie den auch von keyßerlichen Sich der Obrist [Friedrich Conrad; BW] Spiegel mit 5 Regiementern, Nicolaischen und Gersdorfischen trouppen erst darfür geleget, die umb Werda[21] an der Pleiß logirten und Zwicka von ferne blocquirten. Die Schwedische besazung in der Stadt achtete des nichts, sondern fiel den 12. April in Glauche,[22] plünderten des Nachts 3 stunden lang auß und nahmen weg Pferde, viehe, gedreit, Victualien und, was Sie kunten fortbringen, kahmen darmit Sicher den 13. April früe ein. Den 11./12. Maii kam darfür General-Wachmeister Alexander Freyherr von Borri mit etlichen Regiementern zue Roß und Fuß, ein Regiement de Sove [Soye; BW], 1 regiement des Nicolai [Montard de Noyrel; BW], 4 Compagnien de [Rudolf v.;[23] BW] Coloredo, 1 Compagnie des [Maximilian v.; BW] Wallensteins, 1 Compagnie von Borri, 300 Pferde von Buchheim [Johann Christoph III. v. Puchheim; BW] und Mißlich [Mislik; BW], 300 Trajoner von Gallas[24] und Geleen,[25] 300 Pferde Saxische. Das stellete er nach-Mittag umb 5 Uhr in Bataglia[26] vor Zwicke und schlug das lager an dem ort, wo der [Friedrich; BW] Unger vorn jahr gelegen. Des abendts branden die Schweden die Lerchenmühl ab. Mann sahe auch mehr feuer. Den 16. Mai brandte Oberhohndorf[27] ab, am 18. huius halb Planitz;[28] an den tag kahmen 4 halbe Carthaunen an von Dresden mit einer Compagnie Trajoner von Grosenhain.[29] Den 19. folgten 4 falconen mit 1 Compagnie Pferde von Radeberg,[30] an den tag machten die keyßerlichen 3 schantzen vor der Statt, eine vorn Frauenthor, die andere Osterstein[31] gegenüber, die 3. uff den Holzanger. Den 22. Maji kahmen die 2 Freyfehnlein von Chemnitz[32]und den 25. huius 8 Compagnien von Schleinizischen [Joachim v. Schleinitz; BW] darüber. Den 24. Maji branden die Schweden die Schneide- und Pulvermühle weg und hieben alle beume umb vor der Stadt. Den 1. Junii steckten Sie an die Walck-Mittelmühle und die heußer auf den graben an. So lange aber die Schweden die Schloßmühle, die 9 gänge hat, behielten, kunten Sie der Statt nichts anhaben, welche die belägerer den 2. (12.) Junii mit sturm wegnahmen. Den 28. Maii hatten Sie von Dresden mehr stücke bracht, 2 gantze und 4 halbe Carthaunen, 6 flacianer,[33] 3 Feuermorsel, viel Munition; darauß schoßen Sie auf einen tag binnen 4 stunden 232 mahl auf die stadt, daß mans hier allezeit bobern[34] gehöret. Es kahmen auch mehr völcker darfür, Ertzherzogliche, Beyerische und Saxische, von Duc de Savelli und Grafen von Suys, daß Sie vor der stat starck lagen 5000 zue fuß und 3000 zue roß. Die machten 20 000 schantzkorbe und So viel faschinen. Den 6. Junii wurde hefftig geschoßen, 3 Minen gemacht und der Statt so hefftig zuegesezt, daß die Schweden den 7. Junii parlirten, und muste sich die besatzung auf discretion ergeben, des Obristen Johann Beers Reuter absitzen, Standarten, Pferd und Obergewehr zuerücklaßen, des Obristen Hans Heinrich von Schlieben regiement zue fuß aber nur die fehnlein von sich geben, zogen den 9. Junii auß und wurden nach ihrer Armee convoirt: Die Stat aber mit den 2 Freyfehnlein zue fuß untter des Obrist-Leutenandt [Daniel v.; BW] Schliebens (s. o.) commando besezet, und das hauß Wiesenburg[35] ihnen darzue anvertrauet. Zwicke muste den Borri geben 4000 thl., denen Artollerey verwanden 550 thl. vor die glocken“.[36]

Das „Theatrum Europaeum“[37] berichtet über den August 1643: „Wie nun die Käyserischen vernommen / daß ihr Feind zu Olmütz auffgebrochen / vnd sich bei der Newstatt[38] in etwas gesetzt / hat Herr General Gallas den Obristen Gersdorff mit etlichem Volck nachgeschickt / vmb zu beobachten / wo der Zug hinauß gehen möchte. Da er dann zwar ein Theil Schwedische Völcker antroffen / die ihm zu ihrem Vortheil gewiechen : alldieweil er sich dann im Nachgehen zu sehr vertiefft / hat er nicht allein seine gantze Gesellschaft verlohren / sondern ist auch mit dem Obristen Leutenant vom Jungen Piccolominischen Regiment / 2. Rittmeistern / 3. Leutenanten vnd 4. Fendrichen zu Pferdt / gefangen worden“.[39]

Am 22.1.1644 schrieb der sächsische Kurfürst Johann Georg I. an Gallas[40] und bedankte sich für die Berichte von Generalquartiermeister Reich über die Vorbereitungen für die Operationen gegen den Gegner sowie die Informationen über die Bewegungen des Gegners und die Verteilung der Winterquartiere. Er begrüßte den kaiserlichen Befehl an Melchior von Hatzfeldt, eine bestimmte Truppenzahl gegen die Streifkorps Königsmarcks einzusetzen. Im Frühjahr sollte seiner Meinung nach eine starke Heeresformation gegen die Schweden gerüstet sein. Weder der Mulde-Übergang noch die geplante Blockade von Leipzig[41] seien gelungen. Die Elbe müsste vom anderen Ufer aus gesichert werden, um den Gegner am Übersetzen zu hindern. Obrist Gersdorf habe einen Operationsvorschlag gegen die Festung Torgau[42] eingegeben; dieser sei jedoch jetzt bei Frost und Kälte schwer auszuführen, man müsse vielmehr die Reaktion des Gegners auf Lannans Unternehmungen abwarten.[43]

Am 9.2.1644 informierte der kursächsische Geheimrat Sebotendorff aus Dresden W. E. von Lobkowitz und schilderte ihm die Lage nach der Plünderung von Oschatz[44] durch den Gersdorf nachsetzenden Feind. Axel Lille besetzte Burg und Stadt Grimma[45] und rückte bei Gersdorfs Anmarsch in aller Stille nahe an die Stadt Leipzig heran.[46]

Ferdinand III.[47] schrieb am 20.2.1644 an seinen Generalleutnant Gallas: Er schilderte ihm die Unruhen unter den oberösterreichischen Bauern in Eferding,[48] die der Prediger beim Regiment Hans Abraham von Gersdorf hervorgerufen hatte. Mit diesem waren unter die Soldaten auch Bauern geraten, die nach gewisser Zeit in starken Haufen die Wohnung des Obristleutnants überfielen, ihr Anführer war der genannte Prediger. Der Landeshauptmann in Linz[49] wurde über die Ereignisse informiert und befahl den Soldaten, die Bauernrevolte zu unterdrücken, denn es drohte eine allgemeine Erhebung. Nach Einschreiten des Militärs marschierte Gersdorf nach Schlesien ab. Die Obristen Walter und Reinecke von Callenberg erhielten den Befehl, keine nichtkatholischen Prediger, die die Bauern und Soldaten der kaiserlichen Regimenter aufwiegeln, in Österreich ob der Enns zu dulden.[50]

Am 2.4.1644 wandte sich Johann Georg I. an Bruay und wies auf die Notwendigkeit einer Vereinigung Gersdorfs mit dem Kroatenobristen Peter Rajkovič sowie auf die Tatsache hin, dass Königsmarck und das hessische Kriegsvolk an der Saale vorrückten und nach genügender Verproviantierung mit Sicherheit gegen Altenburg[51] und Pegau[52] vorrücken würden, was verhindert werden müsse.[53] Am 8.4.1644 teilte der sächsische Kurfürst Gallas mit, Bruay rücke aus Altenburg vor und solle zu Gersdorf und Rajkovič stoßen. Königsmarck habe den Raum Leipzig-Dresden[54] verlassen, die Elbe überschritten und rücke gegen Schlesien vor.[55]

Aus Eger[56] schrieb Bruay am 11.4. an Gallas: Laut Berichten von Gersdorf habe sich Königsmarck der Stadt Halle[57] bemächtigt. Er selbst wolle mit einigen Abteilungen gegen Plauen[58] und weiter nach Pegau marschieren, was die wichtigste Aufgabe sei. Die Truppen müssten auch an der Elbe bis Dessau[59] vorrücken und Bernburg[60] besetzen; sie könnten mit Fähren oder auf Hängebrücken über den Fluss setzen. Er habe festgestellt, dass der Gegner nicht stark und durch Wetter und Hochwasser im Vormarsch behindert sei. Colloredo rücke mit der Infanterie gegen Zwickau vor.[61] Zwei Tage später teilte Bruay Gallas aus Oelsnitz[62] mit: Er logiere mit einer geringen Truppernzahl in Oelsnitz und wolle am nächsten Tag gegen Plauen vorrücken. An der Saale gebe es keine gegnerischen Truppenteile. Laut Colloredos Nachricht sei Douglas vor 11 oder 12 Tagen aus Schlesien abgezogen, vermutlich werde er bei Barby[63] zu Königsmarck stoßen. Es sei daher für ihn, Bruay, wichtig sich bald mit den Truppen Gersdorfs und Rajkovičs zu vereinigen.[64] Allerdings sollte der Tod Rajkovičs[65] diese Verbindung erschweren.

Im April 1644 weilte Gersdorf in Pegau,[66] kümmerte sich um die Befestigungsanlagen und berichtete Melchior von Hatzfeldt von schwedischen Truppen bei Grimma.[67] Am 17.4. wandte sich Gallas aus Prag an Bruay: Königsmarck rücke mit allen Streitkräften vor und wolle laut Berichten Hatzfeldts Zeitz[68] und Pegau belagern. Gersdorf habe ebenfalls Nachrichten über Bewegungen der Schweden bei Leipzig. Die Kaiserlichen müssten sich unbedingt mit dem Kurfürsten von Sachsen vereinigen. Er selbst habe die Regimenter Sporck und Kolb als Verstärkung angefordert, doch dann erfahren, dass Maximilian I. von Bayern[69] sie bereits an Hatzfeldt abkommandiert habe.[70]

Johann Georg I. von Sachsen selbst schrieb am 25.7.1644 an Gallas: Der schwedische Kommandant in Chemnitz, Obrist Moul, habe am 19.7. nicht auf seinen Angriff gewartet, sondern mit ihm einen Akkord abgeschlossen. An die 140 Mann, Offiziere und Knechte, seien entlassen, über 100 zurückbehalten worden, sofern sie früher dem Kaiser gedient hatten oder übergelaufen waren. Nun rüste er sich zur Säuberung der vom Feind besetzten Orte an der Mulde. Aus Coburg[71] melde Montecuccoli[72] die vollzogene Konzentrierung der Regimenter aus Franken sowie seinen Vormarsch nach Thüringen. Inzwischen habe er selbst Obrist Gersdorf nach Pegau und Zittau abkommandiert, damit dieser jenseits der Elbe an Land zu Schiff den Vormarsch der kaiserlichen Artillerie decke und sie gegen die schwedischen Truppen aus Leipzig schütze.[73]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[74] schreibt über Torstenssons Erfolge: „Nach diesem stattlich-erhaltenen Siege ist Herr General Feld-Marschal Torstensohn vor Pegaw mit seinem Heer angelangt / vnd hat selbigen Ort / so vnterm befehl deß Chur-Säxischen Obr. Gersdorff mit 5. Comp. Tragonern / vnd 100. Pferden besetzt gewesen; durch ein beweglichen schreiben auffordern lassen; dem aber wolgedachter Herr Obr. auch schrifftlich geantwortet: Er wolle sich wie ein Soldat erweisen vnd diesen ihm anvertrawten Ort mit seinen vntergebenen Waffen biß auf den letzten Blutstropffen verthätigen.

Wie nun weder diese / noch die herauff weiter durch den Obr. Leutn. Raben [Daniel Rabe; BW] / der mit mehr benantetem Obr. Gersdorff sonsten wol bekant / beschehene Erinnerung der übergab halber / etwas verfangen wollen; hat vielbesagter General Feld-Marschall den Ort in der nechsten Nacht von etlich vnd zwantzig schweren Stücken / mit glüenden Kugeln / auß 3. Geschützhügeln / vnd von der vierten mit 4. Mörseln / theils mit Granaten / theils mit Steinen dergestalt bespielen lassen / das er innerhalb einer viertel stund an mehr als 6. Orten zugleich / also starck in Brand gerathen / daß die gantze Statt / biß auff etwa zwanzig Häuser / mit anbrechenden Tage in der Aschen gelegen / vnd also der Befehlhaber auff Gnad vnd Vngnad auß zu ziehen gezwungen worden. Die Tragoner haben sich sämtlich / vnd die meisten Reuter / vntergestellet; die Officirer seynd theils nach Erffurt[75] / der Obr. aber / neben 2. seiner Leutenanten in mitfolge der bey jüngsthin Niemkhischen[76] Treffen gefangener Keyserl. vnd Chur-Saxischen Officirer / nach Leipzig eingebracht worden“.[77]

Der Hildesheimer[78] Chronist Dr. Jordan notierte unter dem 5./15.10. in seinem Tagebuch: „Gral.-Feldm. Torstensohn hat in der ersten Nacht Pegaw zwischen 10 und 11 Uhren von etzlichen und 20 schweren Stücken mit glüenden Kügelen auf drey Battereyen von den 4 Mortierß[79] mit Granaten und Steinen bespielen laßen, daß inner halb einer viertel Stunde der Ort an 6 Orten in ein Brand gerathen, worüber die ganze Stadt bis etwa in die 20 Häußer gegen den Tag in der Aschen gelegen. Gerstorff, der Commendant, nach Leipzig gefangen gebracht“.[80]

Unter 1644 heißt es auch bei Lehmann: „Alß Torsten-Sohn (zu Pegau) den Obrist Gersdorf gefangen und seine leute unttergestecket hatte, rißen die von ihn in Zwicka gelegten sampt den Rickardischen nach Dresden auß durch diß gebirg, weil sie vor den Schwedischen drunden nicht Sicher“.[81]

Im Dezember 1644 schrieb der sächsische Kurfürst an Melchior von Hatzfeldt und erwähnte den Bericht seines Kommandanten Gersdorfs über die Beschießung Pegaus.[82]  „Nach dem Enckevorts Reiterei aufgerieben war, wendete sich Torstenson wieder nach Pegau,[83] von wo aus die Sachsen der Besatzung in Leipzig erheblich zusetzten. Am 13. Dezember [1644; BW] traf er vor der Stadt ein und ließ Hans Abraham von Gersdorf einen Tag später zur Übergabe auffordern. Weil dieser ablehnte, begannen die Schweden in der Nacht mit dem Beschuss von Feuerkugeln. Innerhalb weniger Stunden brannten Kirche, Rathaus, 350 Bürgerhäuser und 80 Scheunen nieder. Nur etwa 20 kleinere Häuser blieben erhalten. Schließlich sah sich der Oberst zur Übergabe gezwungen. Er selbst, Wedelbusch und andere Offiziere wurden als Gefangene nach Leipzig und Erfurt[84] geführt.[85] Die Soldaten mussten sich in die Reihen der Schweden eingliedern“.[86]

Gersdorf wurde 1645 gegen Friedrich von Hessen-Rotenburg ausgewechselt. Friedrich war Ende 1644 in kaiserliche Gefangenschaft geraten, wie Wassenberg in seinem „Florus“ berichtet: Fast in mitten dieses Monats [Dezember; BW] / als Landgraff Friedrich von Hessen / obrister über ein Regiment zu Pferd / auß dem Hauptlager Zeitz mit dem Fürsten [Friedrich Wilhelm ?; BW] zu [Sachsen-]Altenburg heim reisen wollen / ist selbiger vnterweges von den Säxischen auß Zwickaw[87] angetroffen / vnd gefänglich mitgenommen worden. Auß Zwickau hat man Ihn in Dresden eingebracht / vnd in Hertzog Moritzen Behausung aufs Schloß gelegt / ist aber seinethalben bald tractirt / auch selbigen gegen den in Pegaw gefangenen Churfürstl. Säxischen Obristen von Gersdorff loß zu geben beyderseits verwilliget worden“.[88] In der Delitzscher[89] Chronik heißt es dagegen: „Torstenson, welcher anfangs des Dezembers in und um Schkeuditz[90] lagerte und den sächsischen Obersten von Gersdorf, welcher mit 300 Mann Sachsen Pegau besetzt hielt, um Einstellung seiner Streifzüge gegen Leipzig vergebens ersucht hatte, ging am 2. Dezember nach Pegau, beschoß die Stadt, die sich auf mehrmalige Aufforderung nicht ergeben wollte, bis sie in Feuer aufging, und bis auf wenige Gebäude zerstört war“.[91]

Lehmann notiert dazu: „Den 14. Februar zog durch das gebirg in Böhmen der Schwedischen Armee nach der landgraf von heßen-Caßel, welcher vorhin umb Altenburg von einer Chur-Sächsischen Partei aus Zwicka im Januario uff der Hatz gefangen, nach Dresden geführt und doselbst nemligst vor den Obristen Gersdorf außgewechselt worden, logirte eine nacht in Marienberg,[92] den musten sie frey halten, und zog ferner durch den Pas Reitzenhein[93] nach Caden“.[94]

Ferdinand III.[95] hatte Gallas am 12.4.1645 geschrieben, ungern habe er vernommen, dass sich die kursächsischen Regimenter über unzureichende Fürsorge beschwerten und der sächsische Kurfürst nicht ohne Grund die Abkommandierung des Regiments Reinecke von Callenbergs verlange. Zwischen den kaiserlichen und den kursächsischen Regimentern dürften keine Unterschiede gemacht werden; daher habe er Montecuccoli angewiesen, die kursächsischen Regimenter so zu dislozieren, dass alle Gründe zu Beschwerden wegfielen.[96] Am 11.5.1645 erging die Anweisung Leopold Wilhelms[97] an Gallas, u. a. auch das Regiment Gersdorf in den Raum Schüttenhofen,[98] Krumau[99] und Budweis[100] zu legen.[101]

Wassenberg berichtet, dass Gersdorf 1645 nach den Bedingungen des kursächsisch-schwedischen Waffenstillstands in kursächsischen Diensten bleiben oder abgedankt werden sollte: „Endlichen ist zwischen den Schwedischen vnnd Chur-Sächsischen ein Armistitium auff 6. Monat vergliechen worden / dergestalt / daß Monatlich auß dem Churfürstenthumb 11000. Gülden / vnnd ein Anzahl Früchten zu Leipzig abgetragen werden werden sollen. Hingegen hat König-Marck gantz Meyssen / ausserhalb Leipzig vnd Torgaw quittirt / Magdeburg[102] aber blieb vom Armistitio außgeschlossen / der Obersten Hanow [Augustin v. Hanau; BW] / Schleunitz [Joachim v. Schleinitz; BW] vnd Rickharts Regiment. möchten zu den Keyserischen gehen / Gersdorffs / [Reinecke v.; BW] Calenbergs vnnd Ritzens aber / möchten Ihr Churfl. Gn. im Land behalten / oder abdancken.[103]

„Auf längere Zeit rückte dagegen am 21. September, der Churfürstlich Sächsische Oberste Hanns Abraham von Gersdorf mit 2 Compagnien zu Pferde und mit seinem Stabe hier ein, denn jetzt war die unselig ruchlose Zeit des Krieges wenigstens für uns ziemlich vorüber. Gersdorf blieb hier 5 Jahre 5 Tage liegen, bis er mit seinen Leuten nach eingetretenem Frieden am 25. September 1650 entlassen wurde“.[104]

1647 wird Gersdorf noch einmal von Lehmann erwähnt: „24. Februar begehrten die Commißarii, Sie solten den Obrist Gersdorf an gewerb- und kopfgelt uff August, September, October, November zuevor heraußgeben 217 thl“.[105]

[1] JÄGER, Der sächsische Obristleutnant Hans Abraham von Gersdorff.  HOFMANN, Paul, Der Edle und gute Streiter Jesu Christi/ Bey des Weyland Hoch-Edelgebornen … Herrn Hans Abrahams von Gersdorff … zu Sachsen Hochbestallt-gewesenen Geheimen und Kriegs-Raths … Wolseeligen Andenckens : in Torgau am 3. Octobr. Anno Christi 1678. Von … Hertzog Johann Georgen dem Andern … angeordnetem … Leichen-Gepränge … / in gewöhnlicher Leichen- und Gedächtnis-Predigt auffgeführet und ausgezieret Durch D. Paul Hofmann / Sup. zu Torgau. Torgau 1979 [VD17 14:051317D]. HOFMANN, Paul, Leich-Procesz Des Weyland Hoch-Edelgebornen Herrn / Herrn Hans Abrahams von Gersdorff … So den 3. Octobris 1678. zu Torgau Aus dem Rathhause übern Marckt in die Sontags-Kirche gehalten worden. Torgau 1679 [VD17 14:051321Q]. Nach den Leichenpredigten war er „Herr auf Kreischau, Gernowitz, Weissig und Lössen“.

[2] Kay im Fürstentum Crossen (a. d. Oder), Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.

[3] Kreischa [LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge]. ?

[4] Jarohněvice [Gernowitz, früher auch Jarochniowitz; Bez. Kroměříž]. ?

[5] ISELIN, Neu-vermehrtes Historisch- und Geographisches Lexicon Theil 2, S. 491. Die anderen Orte oder Güter waren bisher nicht festzustellen.

[6] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab März 2012).

[7] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[8] Lützen; HHSD XI, S. 286f.

[9] WASSENBERG, Florus, S. 291; so auch SIEDLER, Lützen, S. 41, 94; ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[10] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[11] Keula [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 233.

[12] HAPPE I 309 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[13] HAPPE I 310 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[14] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[15] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[16] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[17] Archives Municipales de Strasbourg AA 1065.

[18] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[19] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann.

[20] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[21] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[22] Glauchau; HHSD VIII, S. 116f.

[23] Die Angabe bei LEHMANN, „Hieronymus Colloredo“, ist falsch, dieser starb bereits im Juli 1638.

[24] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[25] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[26] in Schlachtordnung.

[27] Oberhohndorf, heute Stadtteil von Zwickau.

[28] Planitz [Stadtkr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 279.

[29] Großenhain; HHSD VIII, S. 135f.

[30] Radeberg [Kr. Dresden]; HHSD VIII, S. 292f.

[31] Osterstein, Schloss von Zwickau.

[32] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[33] Flacianer: grobes Geschütz, nach dem Streittheologen Flacius Illyrikus benannt.

[34] bobern: beben, erzittern.

[35] Wiesenburg [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 360.

[36] LEHMANN, Kriegschronik, S. 134f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[37] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[38] Mährisch Neustadt [Uničov; Bez. Olmütz]; HHSBöhm, S. 354.

[39] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 151.

[40] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[41] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[42] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.

[43] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 144.

[44] Oschatz; HHSD VIII, S. 265ff.

[45] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.

[46] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 163.

[47] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[48] Eferding; HHSÖ I, S. 29f.

[49] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[50] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 174.

[51] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[52] Pegau [Kr. Bornau]; HHSD VIII, S. 272ff.

[53] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 202.

[54] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[55] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 206.

[56] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[57] Halle; HHSD XI, S. 177ff.

[58] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[59] Dessau; HHSD XI, S. 77ff.

[60] Bernburg; HHSD XI, S. 37ff.

[61] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 208.

[62] Oelsnitz [Kr. Stollberg]; HHSD VIII, S. 263f.

[63] Barby [Kr. Calbe/Schönebeck]; HHSD XI, S. 31ff.

[64] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 210.

[65] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 210.

[66] Pegau [Kr. Bornau]; HHSD VIII, S. 272ff.

[67] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 221. Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.

[68] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[69] Vgl. ALBRECHT, Maximilian I.

[70] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 215.

[71] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[72] Vgl. SCHREIBER, Ernesto Montecuccoli.

[73] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 337.

[74] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[75] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[76] Niemegk [Kr. Zauch-Belzig/Belzig]; HHSD X, S. 299f.

[77] WASSENBERG, Florus, S. 597f.

[78] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[79] Mörser.

[80] SCHLOTTER, Acta, S. 438.

[81] LEHMANN, Kriegschronik, S. 154.

[82] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 64.

[83] Vgl. ferner GRÄSSE, Der Sagenschatz Bd. 1, S. 397-398, über die ins Reich der Sage gehörenden Gründe für den schwedischen Angriff: „Im Jahre 1644 berannte der schwedische Feldherr Torstensohn die Stadt Pegau mit aller Macht, um dieselbe dafür zu bestrafen, daß zwei berüchtigte Pegauer Räuber oder Freischaarenführer, Flachsveit und Fiedelhans genannt, die Abgeordneten dieser Stadt, welche die derselben aufgelegte Contributionssumme an den schwedischen General nach Leipzig zu bringen hatten, überfallen, letztere geraubt, die schwedische Bedeckung zerstreut und verwundet und eine in dem Geleite befindliche junge schwedische Gräfin ermordet hatten“.

[84] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[85] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 221.

[86] KUNATH, Kursachsen, S. 272. Vgl. auch http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/dda/urn/urn_uba000800-uba000999/uba000837: „I. Bericht Auß dem Königlich-Schwedischen Haupt-Quartier vor Pegau den 6. Decembr. Anno 1644. II. Copia Schreibens von deß Herrn General und Feldmarschall Torstensons Excellentia An den Herrn Obristen Gersdorff dato im HauptQuartier Würben bey Pegau, den 4 Decembr. 1644“.

[87] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[88] WASSENBERG, Florus, S. 599ff.

[89] Delitzsch [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 73f.

[90] Schdeukitz [Kr. Merseburg/Leipzig]; HHSD XI, S. 413.

[91] LEHMANN, Chronik der Stadt Delitzsch, S.103.

[92] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[93] Reitzenhain; heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis].

[94] LEHMANN, Kriegschronik, S. 161. Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, S. 241ff.

[95] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[96] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 571.

[97] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[98] Schüttenhofen [Sušice, Bez. Klattau]; HHSBöhm, S. 558.

[99] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.

[100] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.

[101] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 590.

[102] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[103] WASSENBERG, Florus, S. 638.

[104] GÖSCHEL, Chronik Bd. 3, S. 65f.

[105] LEHMANN, Kriegschronik, S. 171, Anm.

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