Bracciolini, Polidoro di

Bracciolini, Polidoro di; Obrist [ – ] Der kaiserliche Obrist und Zahlmeister Polidoro Bracciolini fungierte später als Statthalter Piccolominis und versorgte ihn auch mit entsprechenden Informationen.

Lorenzo Guicciardini stand in den Diensten des Prinzen Mattia di Toscana. Er informierte Bracciolini im März 1636 aus Worms[1] über die geplante Reise des Prinzen Mattia nach Wien. Dieser werde über ein Bündnis mit dem Kaiser und vor allem über Werbungen für die toskanische Armee verhandeln.[2]

Am 30.4.1638 teilte der kaiserliche Obrist Mathäi dem Piccolomini-Vertrauten Bracciolini mit, er werrde tags darauf sowohl als Kurier als auch in Sachen seiner drei Kompanien nach Brüssel fahren. Nichts Besseres stehe zu erwarten als die üblichen Versprechungen und schönen Worte.[3]

Am 2.4.1639 schrieb Piccolomini aus Brüssel an Bracciolini: In Regensburg[4] habe er von dem Marsch der Schweden nach Eger[5] erfahren und fürchte um seine im Tross zurückgelassene Bagage. Die guten Nachrichten aus Italien ließen ihn auf die Möglichkeit hoffen, trotz Banérs Erfolgen seine Kampagne erfolgreich durchzuführen.[6]

Seinen Statthalter und Vertrauten Polidoro Bracciolini bat Piccolomini am 7.9.1642, dieser möge in Wien in Wien erklären, warum er, P., noch nicht nach Böhmen gegangen sei; mit seinem Fortgang würden alle Fäden seiner Operationen abgerissen. Seiner Meinung nach könnte Gallas viel leichter abkommen; Bracciolini möge dies Trauttmansdorff und den Ministern erklären und ihnen ausrichten, dass er sein Amt niederlegen und dem Kaiser als einfacher Soldat dienen würde, wenn jene auf seinem augenblicklichen Anmarsch bestünden.[7]

So schrieb er am 29.12.1642 aus Prag an seinen Vertrauten P. Bracciolini: Da Bracciolini die Dinge sehr gut zu beurteilen wisse, wolle er ihm einige seiner Gedanken anvertrauen. Pater Quiroga, der Beichtvater der Kaiserin, sei zwar doppelzüngig, doch müsse man ihm Vertrauen entgegenbringen. Der Kaiser wie Leopold Wilhelm hätten ihn, P., aufrichtig nach Wien eingeladen und würden seine Ratschläge ernst nehmen, missgünstige Leute aber versuchten sie zu beeinflussen und auf deren Drängen hin würden Reformen in der Armee durchgeführt. Er glaube, dass Walter Leslie im Stande wäre, gegen ihn zu hetzen, glaube es aber nicht von Gallas oder Hatzfeldt. So mancher sähe es gern, wie er wohl wisse, wenn er sich überstürze und den kaiserlichen Dienst verlassen würde.[8]

Am 31.12.1642 schrieb Bracciolini aus Wien an seinen Gönner Piccolomini: Graf Johann Wilhelm von Schwarzenberg sei zum Kurfürsten von Mainz entsandt worden, um den Streit zwischen den Soldaten des Herzogs von Lothringen und denen Lamboys zu schlichten. Gallas‘ Ankunft habe sich wegen des Podagras, das ihn unterwegs überfallen habe, verzögert. Bei Hofe würden Intrigen um Piccolomini gesponnen und es hätten sich zwei Parteien, die eine für, die andere gegen ihn. Diese feindlich gesinnten Personen sähen in ungern in der Gunst des Kaisers und trachteten danach, seine Verdienste zu schmälern, ja seine Dienstquittierung zu erreichen.[9]

So teilte Braccioloni Piccolomini am 6.8.1643 aus Gansheim[10] mit, dass Johann von Götz Stimmung gegen die »Welschen« (als pejorativer Sammelbegriff für alle Italiener, Franzosen und Spanier im kaiserlichen Heer) mache, was Piccolomini an einer empfindlichen Stelle traf.[11]

[1] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[2] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 208.

[3] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 602.

[4] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[5] Eger [Cheb]; HHSBöhm, 119ff.

[6] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 783.

[7] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 901.

[8] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1375.

[9] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1378.

[10] Gansheim, heute Ortsteil von Marxheim [LK Donau-Ries].

[11] Statní oblastní archiv Zámrsk Rodinny archiv Piccolominiove 23.170.

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