Begriffe L

lacesirt: gereizt.

Lacherei: Lächerlichkeit.

Lachter: Geldverleiher, Geldgeber.

Lachter: 1 Lachter = 7 Fuß = 1, 98 Meter.

Lacis: netzartiges Gewebe.

lacrymae: Tränen.

lacy: leider.

Lädin, auch Laden: SEMLER, Tagebücher, S. 81, Anm. 306: „die größten damals auf dem Bodensee fahrenden Schiffe; 34 m lang, am Boden 4, 40 m breit mit einen Tiefgang von 1, 25 – 1, 50 m, der Mast bis zu 26 m hoch, das Segel meist 23 m lang und 13 – 20 m breit. Sie besaßen eine Tragfähigkeit von 1400 Zentner und fassten 500 Mann“.

Ladung: hier: mitgenommene Waren u. Güter.

Lägelen: kleine Fässchen.

laesion: Verletzung.

Lätare: 4. Fastensonntag oder 3. Sonntag vor Ostern.

Lafette: ein meist fahrbares Gestell, auf dem eine Waffe montiert werden kann. Eine lafettierte Waffe kann genauer gerichtet und die Rückstoßgeschwindigkeit kann gemindert werden [wikipedia].

Lager: „Den Offizieren und insbesondere den Obristen fehlte es in ihren wetterfesten, zum Teil gefütterten und mit Öfen beheizbaren Zelten auch während der Feldzüge nicht an Bequemlichkeit. Durch zumeist senkrechte Wände boten sie ausreichend Platz. Die dichte Webart und das Aufbringen von Wachs machten den dicken Stoff wasserdicht. Eine zweite Stofflage im Inneren war oftmals kunstvoll bestickt“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 99. Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Zelte aus Brettern, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh und Laub, stabilisiert mit Spießen und mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62. Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiere und den Hütten und Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, daß sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, Bd. 2, S. 287, Anm.; LAHRKANP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (A): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- und Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke und verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ und deren Frauen und Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, “ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 77ff.

lagl: Fässchen, von lat. lagona (lagoena); Flasche, Weinkrug: Inhalt 50 – 70 Liter.

Lähmbretter: Bretter mit durchgeschlagenen Nägeln, um angreifende Pferde zu verletzen.

Lähmeisen: vierzackige Fußangeln.

Laicus: im katholischen Kirchenrecht der einfache Gläubige.

Laird: Landbesitzer in Schottland, der mit bestimmten feudalen Rechten ausgestattet ist. „Der Titel ist zwar nicht geschlechtsspezifisch, in jüngerer Zeit wird jedoch auch Lady als weibliche Form benutzt. Der Titel Laird ist ein erblicher Titel, der durch den Erwerb von Grundbesitz erlangt werden konnte. Der Laird-Titel ist jedoch kein Adelstitel (nobility), sondern in Großbritannien der Titel eines Grundbesitzers und somit Teil des Landadels (gentry). Der Titel wird dem Vor- und Zunamen immer vorweggestellt, das Gebiet wird nach dem Namen genannt“ [wikipedia].

Laischaft: Genossenschaft von Osnabrücker Bürgern, die Anteil hatte an dem von allen Mitgliedern nutzbaren Weidegrund vor der Stadt.

Lakei: I. Hofbedienter II. livrierter Bedienter hochgestellter Militärs, die damit ihren Rang dokumentierten.

Lakenkoper: Kleiderhändler.

Lalcher: Leintücher.

Lamien: Elend bzw. „klägliches Ende“ (so z. B. auch von Grimmelshausen verwendet) oder i. S. von „laniena“ (Gemetzel).

Landbeschreiter: Eindringling, hier im Sinne von Landstörzern (Landstreichern) gebraucht.

Landcarabiner: Ausschusssoldaten.

Landdragoner: berittener niederer Flur- und Frostbeamter.

Landdrost: 1. Vorsteher der Ritterschaft eines Territoriums, 2. aus der Ritterschaft genommenes Haupt der landesherrlichen Verwaltung (Statthalter), 3. militärischer und politischer Leiter meist mehrerer Amtsbezirke, adlig und Mitglied der Ritterschaft.

Landesaufgebot, Landesdefension: Zur Wahrung des Landfriedens und zur Landesverteidigung auf Beschluss des Landtages einberufenes, befristetes Militäraufgebot des ganzen Landes und nach individuellen Kontingenten auf die Adligen und Städte verteilt. „Daß die angestellte Landesdefension Erfolg haben konnte, wenn es sich bei den Übergriffen um kleinere Gruppen von Plünderern handelte, zeigte sich in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt, als man in (Düsseldorf-)Gerresheim eine Gruppe brabantischer Soldaten gefangennahm, die ‚die Gerresheimer Kirch spoliert’ (geplündert) hatten. Dreizehn von ihnen wurden am 27. Januar 1625 gehenkt und sechs enthauptet“. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff, S. 78. => Ausschuss.

Landeshauptmann: „In der frühen Neuzeit war der Landeshauptmann ein Vertreter des Kaisers oder eines Landesfürsten. Die Befugnisse der Landeshauptleute wiesen von Land zu Land Unterschiede auf. Im Allgemeinen waren sie mit Aufgaben in der Finanzverwaltung befasst. Deshalb waren sie nicht nur dem Landesherrn, sondern auch den Landständen gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet. Später wurden neben den Landeshauptleuten Statthalter oder Gouverneure als kaiserliche Beamte berufen. Das politische Amt der Landeshauptmannschaft gab es im gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, zum Beispiel in Böhmen und Mähren, in Schlesien, in der Grafschaft Glatz und in der Ober- und Niederlausitz, in Preußen usw“ [Wikipedia].

Landfahne: Die entsprechend dem sogenannten Landesdefensionwerk Bayerns in einem Gericht ausgehobenen Mannschaften bildeten Landfahnen.

Landgewähr: Landwehr: Mittel der Landesverteidigung: a) Milizen aus von Offizieren angeleiteten Stadtbürgern und Bauern zum Schutz gegen Durchzüge marodierender Heere und Soldaten; b) Anlage zum Schutz von Gebietsgrenzen: mit dichten Hecken bestandener oder mit Palisaden gesicherter Wall in Kombination mit einem Graben.

Landknecht: Gerichtsdiener, unterer Exekutivbeamter mit einem festen Bezirk.

Landkommissar: landesherrlicher Marschkommissar oder Kriegskommissar, zuständig für Einquartierung, Verpflegung und Durchzug von Truppen, teilweise auch für die Erhebung der Kontributionen.

Landkomtur: Der Landkomtur war der Leiter einer Ballei. In einer Ballei waren verschieden Kommenden zusammengefasst. Einige der deutschen Balleien hatten den Rang von Reichsständen und rangierten in der Matrikel des Reiches in der Gruppe der Prälaten. Mit der Umwandlung des Ordens in einen Klerikerorden gingen die Balleien des Ordens in den Provinzen / Prioraten des heutigen klerikalen Deutschen Orden auf, deren Provinzial sich Prior nennt. [wikipedia]

Landlügner: weit und breit bekannter Lügner.

Landmeile, schwedische: 10 km.

Landmetze: 1 österreichische Landmetze = 53, 25 Liter.

Landobrister: höchster militärischer Befehlshaber in einem Land(esteil).

Landoffizier: (landständischer) Landesbeamter, insbesondere in Böhmen und Schlesien.

Landpassat [Lancepasade]: Stellvertreter des Korporals, Leutnant des Rottmeisters, Unter-Rottmeister; JONES, A Lexicon of French Borrowings, S. 102f. Er erhielt 1631 in der kurbrandenburgischen Armee täglich 6 Groschen Unterhalt.

Landpfleger: KRÜNITZ, Oeconomische Encyclopädie, S. 407: „im Oberdeutschen der Vorgesetzte eines obrigkeitlichen Kammer-Amtes auf dem Lande, entweder so fern solches aus einem ehemahligen Land-Gerichte [ … ] entstanden ist, oder auch, weil ihm zunächst das Land, mit Ausschließung der Stadt, anvertrauet ist. In Nürnberg führen fünf Raths-Herren, welche die Aufsicht über die sämmtlicgen Güter des Rathes außer der der Stadt haben, und welchen die Pfleger und Kastner untergeordnet sind, den Nahmen der Land-Pfleger. Sie zusammen genommen, machen das Landpfleg-Amt aus“.

Landreiter: berittener Polizeibedienter; Reiter, berittener Söldner, der im Lande daheim ist, „ein obrigkeitlicher geringer Bedienter zu Pferde, welcher das Land zu bereiten, und auf die Übertreter der Polizey, der Wald- und Forstordnungen, der Zölle u. s. f. ein wachsames Auge hat, und in einigen Gegenden auch Land-Dragoner, Ausreiter, Überreiter genannt wird. In der Mark Brandenburg wird der einem solchen Landreiter angewiesene Bezirk die Landreiterey genannt, mit welchem Worte man zuweilen auch dessen Wohnung und dessen Amt bezeichnet“. ADELUNG Bd. 2, Sp. 1892.

Landrentmeister: oberster Finanzbeamter und Verwalter der Landesfinanzen, Einnehmer der öffentlichen Gefälle, so wohl eines ganzen Landes, als auch zuweilen auf dem flachen Lande, im Gegensatz zum Stadtrentmeister.

Landrichter: Seit dem 13./14. Jahrhundert der vom Landesherr eingesetzte Untersuchungsbeamte und Richter im Landgericht. Für kleinere Strafsachen und Streitigkeiten waren die vom Grafen eingesetzten Schulzen und Amtleute zuständig. Der Schulze war Vorsitzender des Gerichts und als solcher öffentlicher Ankläger, insbesondere bei Friedensbruch und Verletzungen des Eigentumsrechts. Die Kandidaten für das Amt des Schulzen mussten einen unbescholtenen Lebenswandel und Grundbesitz nachweisen. Widrigenfalls konnten sie von den Gerichtsschöffen abgelehnt werden. Für größere Strafsachen und Appellationen gegen Urteile der Schulzen war der Landrichter zuständig, gegen dessen Entscheidungen wiederum beim Hofgericht appelliert werden konnte. Zumeist war neben dem Landrichter noch ein anderer Richter angestellt, der mit einem Landgerichtsschreiber kleinere Händel bis einer gewissen fl.-Grenze schlichtete, die Geschäfte der freiwilligen Gerichtsbarkeit vollzog und die Kriminaluntersuchung führte. [mdsz]

Landsasse: Der Landsasse war keiner grundherrlichen oder städtischen Gerichtsbarkeit unterworfen, sondern hatte seinen Gerichtsstand beim Landesfürsten. In der Regel war die Landsässigkeit an den Besitz eines Gutes im jeweiligen Territorium gebunden. Meistens waren die Landsassen Adlige, auch direkt dem Fürsten unterstehende Korporationen wie z. B. Klöster konnten landsässig sein. Mancherorts gab es auch landesunmittelbare Freibauern. Landsässigkeit war stets eine der Voraussetzungen, damit man zum ständischen Landtag zugelassen werden konnte [WIKIPEDIA].

Landschaft: ländliches Hoheitsgebiet einer Freien Reichsstadt.

Landschaft: die Gesamtheit der Landstände im frühneuzeitlichen Staat im Sinne der Ständeordnung. Teilweise wurden auch nur die Städte wie etwa die Reichsstädte als Teil der Landstände als Landschaft bezeichnet.

Landschreiber: zuständig für die Erfassung und Verrechnung der landesherrlichen Einkünfte. Später erhielt er auch Befugnisse in weiteren Verwaltungsbereichen, besonders der Justiz.

Landstände: Vertreter gewisser Bevölkerungsgruppen, die zusammen mit dem Landesherren die Herrschaft ausübten: weltliche Adlige (Ritter), geistliche Adlige (Prälaten) und meist Städte, die auf den Landtagen berieten. In der frühen Neuzeit verlieren sie ihre Mitwirkungsrechte zum Teil an den Landesherren.

Landstörzer: Landstreicher, Bettler, Vagant.

Landtafel: „1) Aufzeichnungen von Rechtsgeschäften des Adels, 1321 für Böhmen und 1348 für Mähren eingerichtet;
2) Beurkundung von landrechtlichen Urteilssprüchen, Statuten und Landtagsbeschlüssen. In den österreichischen Ländern wurden Zusammenstellungen anerkannter Privilegien eines Landes und das Verzeichnis des adeligen Grundbesitzes Landtafel genannt“. [http://www.austria-lexikon.at/af/AEIOU/Landtafel] 3) Hier auch Bezeichnung für die in die Landtafel aufgenommenen Adligen.

Landtag: seit der zweiten Hälfte des 15. Jh. aufkommende Bezeichnung für die nach Bedarf zusammentretenden Landstände.

Landvogt: zur Verwaltung gefährdeten Reichsgut eingesetzter landesherrlicher Beamter für die gesamte Verwaltung einschließlich Finanzen und Militärwesen der Landvogtei. Er besaß die hohe Gerichtsbarkeit, zumeist vergleichbar mit der Stellung eines Oberamtmanns.

Landwehr: Landesverteidigung: I. Milizen aus von Offizieren angeleiteten Stadtbürgern und Bauern zum Schutz gegen Durchzüge marodierender Heere und Soldaten. „Daß die angestellte Landesdefension Erfolg haben konnte, wenn es sich bei den Übergriffen um kleinere Gruppen von Plünderern handelte, zeigte sich in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt, als man in (Düsseldorf-)Gerresheim eine Gruppe brabantischer Soldaten gefangennahm, die ‚die Gerresheimer Kirch spoliert’ (geplündert) hatten. Dreizehn von ihnen wurden am 27. Januar 1625 gehenkt und sechs enthauptet“. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff, S. 78. II. Anlage zum Schutz von Gebietsgrenzen: mit dichten Hecken bestandener oder mit Palisaden gesicherter Wall in Kombination mit einem Graben.

lange Büchse: hier wohl: Jagdgewehr (Jagdflinte; Pirschbüchse) mit langem Lauf (wie es von Scharfschützen eingesetzt wurde). Militärs oder Bürger, die man mit diesen Jagdgewehren gefangen nahm, wurden an Ort und Stelle hingerichtet, weil diese Gewehre wegen ihrer großen Reichweite als besonders „heimtückisch“ galten.

Langrohr: Gewehr: Handrohr, Büchse oder Arkebuse, hier wohl: Jagdgewehr (Jagdflinte; Pirschbüchse) mit langem Lauf (wie es von Scharfschützen eingesetzt wurde). Militärs oder Bürger, die man mit diesen Jagdgewehren gefangen nahm, wurden an Ort und Stelle hingerichtet, weil diese Gewehre wegen ihrer großen Reichweite als besonders „heimtückisch“ galten.

Laniena: Gemetzel. => Lamien.

Lanzenreiter, polnische: (Hussaria): Die Bewaffnung der Hussaria bestand aus einem Reitersäbel, Brustpanzer, Schild (wurde bald abgeschafft), Lanze (bis 4 m lang, hohl u. daher leicht) und Helm mit Nacken- und Nasenschutz. Ergänzt wurde sie zuerst durch einen Reflexbogen, später durch 2 Pistolen, einen Pallasch oder einen Kriegshammer (Nadziak) und den sog. „Koncerz“, eine 1,8 m lange Kreuzung aus Schwert und Lanze mit einer dreieckigen scharfen Spitze. Die polnischen Husaren blieben als einzige Kavallerie in ganz Europa eine schwere Kavallerie [nach wikipedia].

Lappenhäuser: Narr, Tor.

lass: müde, matt.

Lassfelder: auf Widerruf verliehene Felder.

Last (preussisches Gewicht): 1 Last = 48 Zentner.

Last [Uckermark]: 1 Last = 4 Wispel = 96 Scheffel = ca. 4.000 kg.

Lastadie [lat. lastadium oder lastagium]: Verladekai. Łasztownia ist der polnische Name der der Altstadt gegenüberliegenden und stark von Hafenanlagen geprägten Oderinsel.

Last Gras: Bündel Gras.

Last Wein: 1 Last = 8 Oxhoft = 1680-2320 Liter.

latissimus campus: weites Feld.

latus: ganze Seite.

Laube: ADELUNG 2. Bd., Sp. 1927: „Die Laube, plur. die -n, überhaupt ein bedeckter, vor der Witterung verwahrter Ort; in welchem Verstande es nur noch in einem doppelten Verstande üblich ist. 1) Ein oben bedecktes Gebäude, ein Schoppen; ingleichen ein oben bedeckter aber an den Seiten offener Theil eines Gebäudes, in welchem Verstande es ehedem so wohl im Ober- als Niederdeutschen sehr üblich war, und in manchen Gegenden auch noch nicht ganz veraltet ist, ein Vorhaus, eine Gallerie, eine Halle, einen Ärker, Altan, einen auf Säulen stehenden und an den Seiten offenen Saal, und andere Gebäude dieser Art zu bezeichnen“.

laudem moderationis & discretionis: Lob der Mäßigung u. Rücksichtnahme.

Lauer, Laur: schlechter, hinterlistiger Mensch; Schelm, Spitzbube.

Lauf, im Lauf bleiben: „Lauf“ ist die alte Bezeichnung für den Zug der Soldaten zum Kriegsdienst; hier: bei den wegziehenden Soldaten bleiben.

Laufgeld: Anwerbe- und Zehrgeld eines Fußsoldaten für den Weg zur Musterung.

Laufgraben: Graben, der bei der Belagerung einer Festung oder Stadt im Zickzackverlauf aufgeworfen wurde, in dem man sich möglichst ungefährdet nähern konnte. Approchen ist die Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung von Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbes s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe; vgl. dazu auch PIERER, Universal-Lexikon, Bd 14, S. 886-887) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden von den zu den ingenieurtechnischen Truppen gehörenden Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z.B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. Bei mittelalterlichen Burgbelagerungen wurden Sappen häufig eingesetzt, um das Mauerwerk der belagerten Festung aufzubrechen und die Mauer so weit auszuhöhlen, dass sie, evtl. durch Verbrennen des Stützgebälks, zum Einsturz gebracht werden konnte. Die Approchen bestanden aus einem Graben von etwa 2,5 m Sohlenbreite und etwa 1,25 m Tiefe, der bis zur 3. Parallele im Zickzack geführt auf der der Festung zugekehrten Seite mit einer etwa 1 m hohen Erdschüttung versehen war. Die einzelnen Approchenzüge legte man vor den einspringenden Winkeln der Festungswerke an und führte die einzelnen Schläge so, dass ihre Verlängerung mindestens 50 m vor dem weitest vorspringenden Festungswerk vorbeischlug. Jeder vorwärtige Schlag wurde bogenförmig über den rückwärtig hinaus nach hinten verlängert, was man Haken oder Crochet nannte. Diese Haken dienten als Ausweichstellen und der Aufstellung kleinerer Wachposten. Die zickzackförmigen Approchen wurden als einzelne Sappen ausgeführt. In geringerer Entfernung zur Festung, etwa von der zweiten Parallele an, kam die vom Sappeur mit Wälzkorb und sonstigem Hilfsgerät auszuführende völlige Sappe, später (ab etwa 1870) die einfache Erdwalze zur Anwendung. In nächster Nähe zur Festung, etwa vom Fuß des Glacis ab, hätten die Zickzacks allzu spitzwinklig werden müssen, um gegen bestreichendes Feuer geschützt zu sein. Man ging deshalb auf dieser Strecke von der Anwendung der Zickzacks ab und führte hier die Approchen derartig in gerader Richtung auf die Saillants der Angriffsfront weiter, dass sie durch Traversierung (Traversensappe, Würfelsappe) gegen bestreichendes Feuer geschützt wurden. Die Anlage von Approchen seitens der Angreifer wurde von den Verteidigern durch die langjährige Anpflanzung von tiefwurzelnden Pflanzen auf dem Glacis der Festung erschwert. [wikipedia]

Laufplatz: ein von den Städten und Territorien gefürchteter Platz zur Musterung und Einstellung von Landsknechten oder Söldnern im 16. und 17. Jahrhundert, dessen Einrichtung man nach Möglichkeit zu verhindern suchte. Der militärische Unternehmer richtete einen Platz, meist in der Nähe einer Stadt, in deren Wirtshäusern oder in Landstrichen ein, die wegen ihrer wirtschaftlichen Krisensituation als besonders geeignet galten, ein, an dem sich die von Werbern mit einem Handgeld geworbenen Söldner oder Rekruten einfanden. Wenn sie gemustert und für tauglich befunden wurden, wurden sie durch den Musterschreiber in Musterrollen eingeschrieben und an ihren Bestimmungsort verbracht. Die Heeresunternehmer hatten ein Werbepatent, das sie zur Stellung einer festgelegten Anzahl von Soldaten verpflichtete. Konnte die Anzahl nicht erreicht werden, mussten die Werbegelder vom Kriegsunternehmer aus eigener Tasche zurückgezahlt werden. Im Laufe des Krieges wurden so viele Neuanwerbungen notwendig, dass die Werbung trotz steigender Werbegelder immer schwieriger wurde, so dass sich erzwungene Werbungen häuften. (BURSCHEL, Söldner, S. 126f.). LANGER, Hortus, S. 92f. Vgl. die selbstkritischen Äußerungen des schottischen Söldners Sir James Turner [1615-1686; vgl. MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 63], Memoirs, S. 14: „I had swallowed without chewing, in Germanie, a very dangerous maximie, which militarie men there too much follow; which was, that so we serve our master honnestlie, it is no matter what master we serve; so, without examination of the justice of the quarrel, or regard of my dutie to either prince or countrey, I resolved to goe with that ship I first rencounterd”.

Lauke: unterirdisches Gefängnis.

lauter: ganz.

laxieren: freilassen.

Lazaristen: Die Lazaristen, auch Vinzentiner, (lat.: Congregatio Missionis, CM) sind ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.

Lb.: Librum = Pfund.

lebendig schinden: einem Menschen mit einem Messer die Haut vom Körper abziehen. Häuten führt zu Blutverlust und einem damit verbundenen Kreislaufzusammenbruch, zum Zusammenbruch diverser Funktionskreisläufe wie Temperatur- und Wasserhaushalt. Enthäutete starben oft einen langsamen Tod [wikipedia].

Lebenserwartung: Die Lebenserwartung verheirateter Männer ab dem 20. Lebensjahr betrug zwischen 1620 u. 1654 39, 4 Jahre; das Alter wird dabei mit 50 Jahren angesetzt.

Lechmühle: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten !

Lecker: Schmarotzer, Schelm, Schuft, Schurke; verächtl. Schmeichler.

Lederkanone: Vgl. RANGO, Gustav Adolph der Grosse, S. 51f.: „Diese Maschine bestand aus einer kupfernen, pergamentsdicken Röhre, und die Kammer, von gleichem Metall, war mit vier eisernen Schienen, Thauwerk und Leinen über und über bewunden, bis es die Form eines Stücks bekam, endlich aber mit Leder überzogen und gefärbt, auch wohl hin und wieder vergoldet. Man konnte daraus Schuß auf Schuß, ohne das Geschütz zu kühlen oder auszuwischen, thun. Die Lavetten dazu waren so leicht, daß das ganze Stück von 2 Männern ohne Beschwerde fortgebracht werden konnte“.

ledig: unbewohnt, von den Bewohnern aufgegebenes Haus.

Legat: Gesandter; diplomatischer Vertreter ersten Ranges im Gegensatz zum Residenten, dem ortsansässigen ständigen Vertreter, bei den Schweden auch eine Art „Gouverneur“ im besetzten Gebiet.

legen: töten.

Legge: Ort, wo Leinwand gelegt, gemessen, gebunden und gestempelt wurde.

Legstatt: Zahlungsort.

Lehen: Ein leihweise von einem Lehnsherrn gegen Treue und Dienst auf Zeit überlassenes Recht. Aus dem Recht der Verleihung bestimmter Güter entwickelten sich der Leihezwang und die Erblichkeit der Lehen.

Lehenhuber: Bauer, der eine Hube (Hufe) Land als Lehen (in Pacht) bewirtschaftet.

Lehnhof, Lehnkammer: Gesamtheit der von einem Lehnherrn abhängigen Lehen.

Lehnrichter: Richter, der Amt und Gut als Lehen besaß.

Lehnschulze: Vom Landesherrn mit dem Dorfvorsteheramt und der Polizeigerichtsbarkeit belehnter und mit mindestens 4 Hufen ausgestatteter Bauerngutsbesitzer.

Lehnspferde [Ritterpferde]: Lehnspferde, auch Ritterpferde genannt, waren seit dem Mittelalter die von der Ritterschaft dem Reichsoberhaupt oder dem jeweiligen Lehnsherrn für Kriegs- und Botendienste zu stellende berittene Kriegsmannschaft. Die Ritterpferde wurden später durch laufende Geldleistungen (Ritterpferdsgelder) oder durch eine einmalige Ablösung ersetzt.

Lehnsreiterei [Ritterpferde]: Lehnspferde, auch Ritterpferde genannt, waren seit dem Mittelalter die von der Ritterschaft dem Reichsoberhaupt oder dem jeweiligen Lehnsherrn für Kriegs- und Botendienste zu stellende berittene Kriegsmannschaft. Der Lehensreiterei oblag die Sicherung der Straßen u. der Furten/Passagen in die benachbarten Territorien. Die Ritterpferde wurden später durch laufende Geldleistungen (Ritterpferdsgelder) oder durch eine einmalige Ablösung ersetzt.

Lehnung: alle zehn Tage zu entrichtender Sold für die schwedischen Truppen, z. B. Kapitän 12 Rt., Leutnant u. Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber u. Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den unteren Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. BURSCHEL, Sozialgeschichte, S. 975f. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Kavallerie ein Generalmajor 133 Rt. 8 Gr., ein Obrist 70 Rt., 1 Obristleutnant 20 Rt., 1 Major 15 Rt. , 1 Regimentsquartiermeister 6 Rt., 1 Priester 3 ½ Rt., 1 Profoss 3 ½ Rt., 1 Regimentssekretär 3 ½ Rt., 1 Schulze 3 ½ Rt., 1 Rittmeister 20 Rt. 20 Gr., 1 Leutnant 6 Rt. 16 Gr., 1 Fähnrich 5 Rt., 1 Quartiermeister 2 ½ Rt., 3 Korporale 5 Rt., 2 Trompeter 2 ½ Rt., 1 gemeiner Reiter 1 ½ Rt. Bei der Infanterie: wie oben genannten Ränge, dann aber 1 Kapitän 4 Rt. 22 Gr., 1 Leutnant 3 Rt. 16 Gr. 7 ⅓ Pf., Fähnrich 1 Rt. 16 Gr. 7 ⅓ Pf., 1 Sergeant 1 Rt. 20 Gr. 3 ⅓ Pf., 1 Musterschreiber 1 Rt. 12 Gr. 11. Pf., 1 Führer 1 Rt. 12 Gr. 11 Pf., 1 Fourier 1 Rt. 12 Gr. 11 Pf., Rittmeister 1 Rt. 12 Gr. 11. Pf., auf 6 Korporale 6. Rt. 9 Gr. 2 Pf., auf 2 Spielleut 1 Rt. 2 Gr. 2. Pf., 15 Oberrottmeister 12 Rt. 18 Gr., 21 Unterrottmeister 14 Rt. 16 Gr., 1 gemeiner Knecht 14 Gr. 9 Pf., 1 Musterjunge 14 Gr., auf 14 Passevolants 6 Rt. 12 Gr.; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f.

Lehrwand: „Die Lehrwand, plur. die -wände, an den Überfallwehren, vermuthlich die Wände an den Seiten des Fluthbettes vor dem Wehre; entweder, so fern sie dem Fluthbette seine Gestalt und Fertigkeit geben, von Lehre 1, oder welches noch wahrscheinlicher ist, von dem Nieders. Leer, die Backe, Wange, Angels. Hleare, das Gesicht, so daß es eigentlich eine Seitenwand bedeuten würde“ [ADELUNG Bd. 2, Sp. 1990].

Leibcorneter: Kornett der Leibgarde u. Führer des Leibkornetts.

Leibdienst: Frondienst, den man mit seiner eigenen Person verrichtete, namentlich Fußdienst und Handdienst, im Gegensatz zum Spanndienst (durch Zugvieh).

Leibes Blödigkeit: Erkrankung.

Leibfahne: Die Leibfahne war das dem Obristen zustehende Fähnlein, Fahne [schwed. fana]: militärische Einheit; die kleinste Gliederungseinheit beim Fußvolk, im 17. Jahrhundert allmählich durch die Bezeichnung „Kompanie“ verdrängt. In der kursächsischen Armee bestand ein Regiment zu Fuß aus 10 „Fendl“: ein Fähnlein umfasste 200 bis ca. 300 Mann (100 Pikeniere, 160 Musketiere, 20 Hellebardiere und 20 Rundschildner), bei den Schweden z. T. bis 500 Mann. Es gliederte sich wiederum in Rotten von 10-15 Mann, die von einem Rottmeister angeführt wurden.

Leibgarde, französische: Die Garden des Königs v. Frankreich umfassten rein zeremonielle Prunkgarden bis hin zu kampferprobten Feldregimentern der Infanterie u. Kavallerie. Diese Haustruppen des Königs waren ein über Jahrhunderte gewachsenes Gebilde, das keineswegs zu allen Waffengattungen einen entsprechenden Eliteverband hatte. Sie rangierten außerhalb der Stammlisten der Linientruppen. Die französische Garde du Corps wurde (nach den „Sargeants d’Arms“) 1440 geschaffen, nach der Französischen Revolution zunächst aufgelöst [nach WIKIPEDIA].

Leibgedinge: Ein Leibgedinge (auch Leibgut, Leibrente, Leibzucht, Dotalium, Doalium oder Vitalitium) ist die Verpflichtung, Naturalleistungen wie Wohnung, Nahrungsmittel, Hege u. Pflege gegenüber einer Person bis zu deren Ableben zu erbringen.

Leibgedingstadt: königliche Stadt in Böhmen als Heiratsgut der Königin.

leibgen: Brötchen.

Leibjunge: Junge zur Bedienung eines Offiziers ohne jeden rechtlichen Schutz, der von seinem Herrn straflos totgeschlagen werden konnte.

Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [WIKIPEDIA].

Leibmedicus: In der hohen Generalität hielt man sich zumeist einen eigenen universitär ausgebildeten und gut dotierten Arzt oder ließ einen Spezialisten aus der nächsten Stadt holen, während einige Generäle wie z. B. Gallas oder auch Reichskanzler Oxenstierna auf die handwerkliche Geschicklichkeit von Barbieren vertrauten. Der leitende Arzt bei der Feldapotheke verdiente 269 fl. monatlich, während zum Beispiel studierte „Pestärzte“ etwa 150 Rt. pro Jahr erhielten.

Leibpage: Page, der unmittelbar einen Herren bedient und am nächsten um dessen Person ist; zum Unterschied von den Hof- und Kammer-Pagen.

Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17.Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark und in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen.

Leibschütze: Jagdbedienter, der das abgefeuerte Gewehr seines Herrn laden und zu weiterer Verwendung bereit halten musste.

Leibschwadron: berittene Abteilung zum persönlichen Schutz des Landesherrn.

Leibstück: Schnürleib.

Leibzucht, Leibzüchter (Austrag): Teil des Erbes, der dem Bauern bei Übergabe des Hofes an den Anerben weiterhin zustand. Dazu gehörte das Leibzuchthaus, oft auch Land und Weidegrund, die dem Leibzüchter verblieben.

Leibzuchthaus: Altenteil: Wohnhaus des Altbauers, der den Hof seinem Sohn übergeben hatte.

Leich-kahar: Sarg.

Leilach: Leintuch, Betttuch.

Leichware: vermutlich Leichenware: Bestattungsgegenstände, Leichentücher.

Leid: Krampfanfallsleiden, Epilepsie.

Leimgrube: Lehmgrube.

Leinbollen: Samenbehälter des Flachses.

Leinengerät: Leinenzeug, das zur Bekleidung und zum nötigen Gebrauch im Haushalt gehört.

Leineweber: Leineweber verarbeiteten ursprünglich sowohl gesponnenen Flachs als auch Hanf zu Leinwand; seit etwa 1500 wurde Hanf hauptsächlich nur noch für Haustuch, Sack- und Packleinwand, grobe Zeuge wie Segeltuch und Seilerwaren verwendet. Im Gegensatz zur Tuchmacherei (Wollweberei), die sich doch meist als städtisches Handwerk etablierte, war die Leineweberei vor allem im ländlichen Raum als Heimgewerbe verbreitet und wurde vielfach von hörigen Bauern und Tagelöhnern betrieben. Leineweber galten als „unerhrlich“. Ihr Verruf ging wohl darauf zurück, dass sie im 15. Jahrhundert in die Städte abwanderten und hier in Konkurrenz zu den städtischen Webern traten, die dadurch ebenfalls in Verruf gerieten. Vgl. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 99ff.

Leinkuchen: die in Form eines Kuchens zusammen gebackenen Hülsen, die in den Ölmühlen nach heraus gestampftem Öl von dem Leinsamen übrig blieben. Leinkuchen wurde als Viehfutter verwendet.

Leischaften (Laischaften): Leischaften (Laischaften) waren im Spätmittelalter eine Selbstverwaltungsorganisation in Städten des westfälischen Raums, vornehmlich in Münster (Westfalen) und Osnabrück (Niedersachsen). Sie waren oft größer als die Kirchspielgrenzen und griffen strahlenförmig auf das benachbarte städtische Umland jenseits der Mauern über. Benannt wurden sie nach Kirchenpatronen, Ortsteilen oder den Stadttoren. Sie hatten keine direkte Vertretung in den Räten, wirkten jedoch bei der alljährlichen Berufung der Ratsherren mit. Weiterhin waren sie bis in die Neuzeit für das Gerichts-, Wehr-, Wach-, Lösch- und Steuerwesen zuständig [nach wikipedia].

leitern: leeren.

Leopoldstag: 15. November.

Lepra: „Mit dem Aufblühen der Städte im 12. Jahrhundert und dem allgemeinen Bevölkerungswachstum bis ins 13. Jahrhundert nahm die Zahl der Leprakranken zu. Darüber hinaus förderten die Enge der Städte und die oft mangelhaften hygienischen Verhältnisse die Verbreitung von Infektionskrankheiten. Die Leprosorien wurden in der „seuchenfreien“ Zeit oft zu Krankenhäusern umfunktioniert und dienten den ärmeren Bevölkerungsschichten als Hospiz. Leprosorien wurden auch „Siechenhaus“ genannt. Siech bedeutete im Mittelhochdeutschen ‚krank‘, ‚siech‘ oder ‚aussätzig‘, hatte also sehr allgemeine Bedeutung, wurde jedoch im Spätmittelhochdeutschen teilweise durch das Wort „krank“ verdrängt. Siechenhaus war ein Oberbegriff für Seuchenhospitäler, für Leprosorien und die im späten 14. Jahrhundert aufkommenden Pesthäuser. Die Leprosorien standen zumeist an großen Ausfallstraßen, während die Pesthäuser völlig isoliert standen. […] Die Versorgung der Kranken oblag in erster Linie der Kirche, die sich um Nahrung und Kleidung für die Kranken kümmerte. Damit die Kranken als solche erkannt wurden, mussten sie besondere Kleidung tragen, häufig auch Hörner, Schellen oder Klappern“. [wikipedia] „Sondersiechenhäuser, die für Leprakranke (mhd. uzsieche, uzsetzel) eingerichtet wurden. Sie fanden sich stets außerhalb der Stadtmauern, meist an den Ausfallstraßen, an Straßenkreuzungen, nahe bei Richtstätten oder verkehrsreichen Flussläufen. Unterhalten wurden sie mit frommen Stiftungen und testamentarischen Zuwendungen. Die Insassen erhielten Obdach, Versorgung mit Nahrung und Kleidung und genossen den rechtlichen Schutz der Einrichtung. Mancherorts organisierten sie sich in klösterlicher Weise, nannten sich „Congregatio“ oder „Fraternitas“ und wurden mit „fratres et leprosi“ oder „fratres et pauperi“ angeredet. Beim Eintritt in ein Leprosenhaus legten die Kranken ein Gelübde ab und wurden mit der Leprösen-Ordnung vertraut gemacht. Verstöße gegen die Hausordnung konnten mit zeitweiligem oder dauerhaftem Hausverbot geahndet werden“. http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Leprosorium. Vgl. ASEN, Das Leprosenhaus. In Schweden verbrachte man Leprakranke zusammen mit Kriegskrüppeln ohne Versorgung auf einsame Ostseeinseln wie Gloskär [Åland-Archipel; Finnland]; PLEISS, Der Zug, S. 17.

Leprose: Leprakranke wurden nach Möglichkeit in Leprosenhäusern [=> Leprosorien] zur Vermeidung der Ansteckung untergebracht.

Leprosenhaus [Leprosorium]: „Mit dem Aufblühen der Städte im 12. Jahrhundert und dem allgemeinen Bevölkerungswachstum bis ins 13. Jahrhundert nahm die Zahl der Leprakranken zu. Darüber hinaus förderten die Enge der Städte und die oft mangelhaften hygienischen Verhältnisse die Verbreitung von Infektionskrankheiten. Die Leprosorien wurden in der „seuchenfreien“ Zeit oft zu Krankenhäusern umfunktioniert und dienten den ärmeren Bevölkerungsschichten als Hospiz. Leprosorien wurden auch „Siechenhaus“ genannt. Siech bedeutete im Mittelhochdeutschen ‚krank‘, ‚siech‘ oder ‚aussätzig‘, hatte also sehr allgemeine Bedeutung, wurde jedoch im Spätmittelhochdeutschen teilweise durch das Wort „krank“ verdrängt. Siechenhaus war ein Oberbegriff für Seuchenhospitäler, für Leprosorien und die im späten 14. Jahrhundert aufkommenden Pesthäuser. Die Leprosorien standen zumeist an großen Ausfallstraßen, während die Pesthäuser völlig isoliert standen. […] Die Versorgung der Kranken oblag in erster Linie der Kirche, die sich um Nahrung und Kleidung für die Kranken kümmerte. Damit die Kranken als solche erkannt wurden, mussten sie besondere Kleidung tragen, häufig auch Hörner, Schellen oder Klappern“. [wikipedia] „Sondersiechenhäuser, die für Leprakranke (mhd. uzsieche, uzsetzel) eingerichtet wurden. Sie fanden sich stets außerhalb der Stadtmauern, meist an den Ausfallstraßen, an Straßenkreuzungen, nahe bei Richtstätten oder verkehrsreichen Flussläufen. Unterhalten wurden sie mit frommen Stiftungen und testamentarischen Zuwendungen. Die Insassen erhielten Obdach, Versorgung mit Nahrung und Kleidung und genossen den rechtlichen Schutz der Einrichtung. Mancherorts organisierten sie sich in klösterlicher Weise, nannten sich „Congregatio“ oder „Fraternitas“ und wurden mit „fratres et leprosi“ oder „fratres et pauperi“ angeredet. Beim Eintritt in ein Leprosenhaus legten die Kranken ein Gelübde ab und wurden mit der Leprösen-Ordnung vertraut gemacht. Verstöße gegen die Hausordnung konnten mit zeitweiligem oder dauerhaftem Hausverbot geahndet werden“. http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Leprosorium. Vgl. ASEN, Das Leprosenhaus. In Schweden verbrachte man Leprakranke zusammen mit Kriegskrüppeln ohne Versorgung auf einsame Ostseeinseln wie Gloskär [Åland-Archipel; Finnland]; PLEISS, Der Zug, S. 17.

leproso similis: einem Leprakranken gleich.

Lesterer, Lästerer: Bezeichnung für Dorffleischer, die das Fleisch nicht geschickt zerlegen können.

Letten: sumpfiger, toniger Boden.

Lettgrube: Lehmgrube.

letzen: Abschied nehmen: „das letzen geschieht oft in feierlicher weise durch verabreichung eines trunkes, eines mahles oder eines schmauses“, „sich noch einmal vor dem abschiede schmausend vergnügen“ [DWB].

Letzinen: von Letze: übler, unrechter Zustand ?

Leuke [lat. leuga]: im römischen Gallien übliche Längenmaß, das anderthalb römischen Meilen = 2200 Meter entsprach.

Leutnant, Lieutenant: Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters hatte der Lieutenant den unmittelbarsten Kontakt zur Compagnie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-60 fl.

Leviten, einen grausamen L. geben: vgl. den Ausdruck „die Leviten lesen“: Der „Levita“ war der Geistliche, dem das Lesen des Evangeliums oblag, hier: jemandem sehr nachdrücklich die Meinung sagen, seine Sünden vorhalten.

levitieren: Lesen von Bibeltexten aus dem 3. Buch Moses, auch Levitikus genannt.

leynung: => Lehnung.

Libertät: die verhältnismäßige Reichsunabhängigkeit der deutschen Stände: Wahlrecht, Wahlkapitulation, Glaubensfreiheit. Der evangelische Feldprediger Georg Engelsüß in schwedischen Diensten begründete 1648 damit u. a. die Notwendigkeit dieses Krieges. ENGELSÜ?, Historia Exercituum, S. 20f.: „In Summa / es war ein Volck von Gott / zum Schutz der Evangelischen Christenheit / vnd Errettung der Teutschen Freyheit / so Herrlich Gezieret / alß Wunderlich Beruffen / vnd zwar eben damals / alß wie die Feinde vnser Hochgeehrtes Teutschlandt / die Schönste unter den Töchtern / der Mutter Europae, daß Schloß der Christenheit / durch die Eingeführte Viele Frembde vnd zwar Barbarische Völcker / Abschewlich verschändet / vnd mit vielem Blut Vberschwemmet. Dahin diese Armada / gezogen / nicht alß zu einem Allgemeinen Huren= vnd Buben Leben / sondern darwider einen sehr Nothwendigen Krieg / rechtmäßig zu führen / vnd Jhrem König zu Schuldigem Gehorsamb / so wohl vor die Gräntzen jenes Reichs / alß zu vorderst Gott selbsten zu Lob und Ehre / vnd dann die Evangelische Vertriebene Fürsten vnnd periclitirende Vnderthanen zu Schürmen / vnd vor derselben Wohlfahrt vnnd Beschützung / wider Vnbillichen Gewalt Leib vnd Lebens in daß Mittel zu stellen. Sie waren alle rechte Soldaten oder Kriegs=Leute / Ehrliche / Standhaffte / Auffrichtige / Hertzhaffte Männer“.

Libreyen: Bibliotheken.

Licent: „von dem Lateinischen Licentia, ist eine in vielen Ländern übliche Benennung derjenigen Abgabe, welche von ausgehenden Waaren ein für alle Mahl gegeben wird, in weiterer Bedeutung, von einer jeden Art des Zolles und der Accise, welche von Waaren entrichtet wird, und im weitläufigsten Verstande versteht man darunter Accise, Impost, Auflage, Aufschlag, Tailles und mehrere andere Abgaben, die von beweglichen Gütern, als von Materialien der Gewerbe, und den daraus entstehenden Waaren und Producten, vor<77, 533>nehmlich aber von Consumtibilien und Lebensmitteln, bey dem Ein= und Ausführen derselben an die dazu bestimmten Cassen entrichtet zu werden pflegen. Holland, welches in der ersten Hälfte des 16ten Jahrhunderts, und hernach vorzüglich 1572 in der Provinz Seeland zuerst den eigentlichen Licent einführte, (indem man dafür bezahlte, Waaren in feindliche Länder zu führen,) und dem viele Deutsche Reichsfürsten nach einander folgten, hat diese Abgabe zugleich auf den Verkauf der Grundstücke und Schiffe ausgedehnt“. [KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopädie, online verfügbar unter: kruenitz1.uni-trier.de/xxx/l/kl04864.htm]

Licentia: Freiheit, Ungebundenheit, Erlaubnis, Macht, Willkür, Ausschreitung, Zügellosigkeit, Frechheit, Ausgelassenheit.

Licentiatus: akademischer Grad: Absolvent einer Universität, der nach bestandener Inaugural-Disputation berechtigt war, die Doktorwürde zu erwerben, Zwischenstufe zwischen Baccalaureus und Doktor.

licentieren: abdanken, freisetzen.

licentios: ausgelassen, zügellos, frech.

Licentmeister: Steuerbeamter.

Licenz: Entlassung.

Lichte: Kerzen.

lichten, lüchten: ausschiffen, an Land setzen.

Lieberey: Kleidung.

Liefergeld: Unterhaltszahlung.

Liegerung: Lagerplätze für die Pferde.

Liga: Die Liga war das Bündnis katholischer Reichsstände vom 10.7.1609 zur Verteidigung des Landfriedens und der katholischen Religion, 1619 neu formiert, maßgeblich unter Führung Maximilians I. von Bayern zusammen mit spanischen und österreichischen Habsburgern an der Phase des Dreißigjährigen Krieges bis zum Prager Frieden (1635) beteiligt, danach erfolgte formell die Auflösung. Das bayerische Heer wurde Teil der Reichsarmada. Zur Liga-Politik vgl. KAISER, Politik und Kriegsführung, S. 152ff.

ligitieren: einen Rechtsstreit führen, im Streit liegen.

Linges: Leinen.

Lippen [Löppen]: hölzerne Trinkgefäße, Brunnenkrüge.

Livre: 20 Sols (später Sou genannt) oder 240 Deniers, so dass ein Sol 12 Deniers entsprach. 1 Livre = 3 Rt. ?

Lizent: Steuer.

Lizentmeister: Steuerbeamter.

Lobben: bisher unbekannt.

Löbel: 2 Pfund-Leib, rund, längliches rundes Brot.

Lögel: 1 Lögel = 25 Maß = 100 Schoppen = 2520,62 Pariser Kubikzoll = 50 Liter.

logiren: einquartieren, unterbringen. Die Einquartierung von Soldaten wurde meist über Billette geregelt: meist in Übereinkunft mit Stadtbeauftragten (Billettherrn) ausgestellte Einquartierungszettel, die genau festhielten, was der „Wirt“ je nach Vermögen an Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) u. gegebenenfalls Viehfutter zur Verfügung stellen musste, was stets Anlass zu Beschwerden gab. Ausgenommen waren in der Regel Kleriker (aber nicht deren Klöster), Bürgermeister, Ratsherren, Apotheker, Ärzte, Gastwirte.

losament: Unterkunft, Wohnung.

losbitten: Bitte bei jemandem für einen andern, um ihn vor einem Übel (z. B. vor dem Köpfen) zu bewahren. Vgl. LEHMANN, Kriegschronik, 87, Anm; RUDOLF VON BELLINCKHAUSEN; TEGEDER/KREIENBRINK, S. 115; JORDAN, Mühlhausen, S. 70, 91f., 260. KLUGE, Hofer Chronik, S. 199 (1642): „Den 1. februarii wollte der rumor- und rittmeister [Johann Adam Weyhel] einen beigoltischen [Daniel Beygott] reuther, so von Leimitz mit hereingebracht worden und mit denen andern 8. zuvor spielen müßen, vor dem Obern Thor an einen baum hängen laßen, maßen der nagel schon eingeschlagen war. Dieser aber wurde von dem adel alhier endlich wiederum erbeten“. KLUGE, Hofer Chronik, S. 200: Hier wurden 2 Reiter wegen verschiedener Schwerstdelikte, ein adliger Beteiligter dagegen losgebeten. Teilweise wurde der Delinquent auch begnadigt, wenn eine Frau Fürsprache einlegte und ihn heiratete. Vgl. die Erinnerungen des Pfarrers Klingsporn; NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 229. Vgl. Vorbitte.

Lose: Lehre, Warnung.

Lose: Signal.

losgetrickelt: losgelöst.

Losire: Unterbringung, Quartier.

Losschuss, loseschus: Losungsschuss, Signal.

Lot: 1 Lot = 14, 6 – 16, 6 g.

Lothringer: Truppen Karls IV. Herzog v. Lothringen [5.4.1604 Nancy-18.9.1675 Allenbach (bei Birkenfeld)], die im Reich einen außerordentlich schlechten Ruf genossen. THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 493 (1631): „Es hat diß Volck auch an andern Orthen / da sie auffgebrochen / also gehauset vnnd Tyrannisiret / daß es ein Stein erbarmen mögen: alles auff den eussersten Grad verderbet / geplündert / den Haußraht verbrennet / das Bettwerck in die Lufft gestrewet / vnd andern vnmenschlichen Muthwillen verübet / nicht anders als wann die Innwohner ihre abgesagte Feinde gewesen: Sonsten aber waren sie so forchtsamb vnd verzagt / vnnd dorfften ihres Manns / ob sie schon offtmals als demselben an der Anzahl vberlegen / nit erwarten“. Melchior Adam Pastorius [1624 Erfurt-1702 Nürnberg], Bürgermeister und Oberrichter in Bad Windsheim (1631) fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 111f.: „Bald ruckte die Lothringische Armee hernach / die plünderte das gantze Land aus / und suchten diejenige Bauren Leute / so mit ihrem Vieh in die Wälder gewichen waren / mit Hunden auf / etliche übel bekleidete waren im Walde erforen / etliche hatten was Vieh / in die Stadt geflüchtet / das starb Hungers / weilen auch das Futter in der Stadt alles ausgezehret war / man konnte kein Aas hinausführen lassen / daß verursachte Gestanck / Kranckheit und Sterben. Es wurden damals weder Kirchen noch Schulen gehalten / auch keine Wachten gehalten / noch sonsten etwas in der Stadt verrichtet / jederman bliebe zu Hause wie ein Dachs in seiner Höhlen. Und dieses Volck hiesse man den Tyllischen Zug“. Der Chronist Sebastian Dehner [25.8.1612 Rothenburg-13.6.1679] hält fest; HELLER, Rothenburg, S. 77f.: „30. Oktober an einem Sonntag zu Nachts umb Horn ist daß Galgenthor geöffnet worden, da ist der Lothringer mit seinem Volck, lauter Franzosen, hereingezogen, alßbald Rathhauß, Rüstkammer und den Mark mit Schildwach bestellet, auf dem Mark viel Feuer angezündet, dabey Schwein, Schaf, Hünner, Gänß, waß u. wo sie waß gefunden, gebraten, gesotten und recht soldatisch angefangen zu leben. Nach Mitternacht fingen sie an, die Häußer mit Gewalt zu erbrechen und die Leute zu tribuliren, alleß zu plündern, zu nemmen, zu schlagen, daß ein groses Lamentiren, Weinen, Heulen, Klagen und Schreyen in allen Gaßen und Häusern entstanden; die Leuth Geld zu geben mit Stößen und Schlägen genötiget, in manchem Hauß Truhen und Kasten, Alleß zerschlagen, die Leuth auf der Gaßen außgezogen u. s. w. Man hat fast nichts sowohl verschoben, welches sie nicht gesucht und gefunden. Es hat kein Bürgermeister noch Herr mehr aufs Rathhauß gekönnt noch gedörft; Läuten und Schlagen, Kirchen- und Schulengehen ist alles innengestanden.

31. Octobr. Montag gegen Tag, als es hell worden, sind mehr Soldaten in die Statt gelaßen worden und was die Vörige nit genommen und verwüst, haben dieße vollend genommen; sind manche Häußer rein außspoliert worden; ist eine Parthey auß- die andere eingangen. Gegen Ausschlagen sind etliche Teutsche für das lateinische Schulhauß kommen fürgebend, sie wären salva guardia, welchen der H. Rector die Thür geöffnet; aber alß sie hinaufkommen, haben sie den Rector geschlagen, Geld u. Silbergeschmeid und Kleider genommen und damit fort, welchen alßbald bey 16 Franzosen mit ihren Büxen[i] und brennenden Lunten gefolget, ins Hauß gangen, der armen Schuler Mäntel, Kleider, Hüt und Schuhe genommen und alß solche fortwaren, und die Kuhe auß dem Stall war, hat man die Tür in Eil wider von Innen zugeschlagen, were sonst alles genommen und verwüst worden. […] Am Sambst: und Sonntag hat man die Völkher erst recht einquartiert: je einem 4. 5. 6.; denen hat man nach der Volle müßen Freßen und Saußen schaffen, wie und waß sie begeret, und Leibs und Lebens nit recht sicher bey ihnen gewest, oftmalß alleß auß den Häusern geschlagen und darinnen nach ihrem Muthwillen gehauset und den Leuthen mit großer Bedrohung offentlich unter die Augen gesagt, Alleß, waß noch übrig in Häußern, were ihr. ‚Vatter hinauß, mein ist das Hauß !‘ u. s. w. ‚Ihr Rebellen ! Ihr Schelmen ! Ihr Dieb ! Ihr Mayneidige !‘ “

L S: locus sigilli: Stelle des Siegels.

Ludel (veraltet vom holl. lut, »Röhre«), Lunte; Ludelbirne, Pulverflasche; Ludelfaden, Zündschnur; Ludelnadel, Räumnadel für das Zündloch.

„Ludelfresser“: Allesfresser ?. Möglicherweise auch Spottname für Musketier, die die Ludel (Lunte) angezündet im Mund führten.

Ludibria: Schlüpfrige, anzügliche Bemerkungen.

Lumpenkarrer: Totengräber, der stadtfremde Personen zur Bestattung brachte.

Lundisch (lündisch) Tuch: Londoner Tuch, nach Londoner Art in Brandenburg gefertigtes und teures Tuch.

Lunte: mit Bleizucker gebeizter Hanfstrick, der nicht brennt, sondern nur glimmt. Bekannt ist Blei(II)-acetat als Bleizucker, da es süß schmeckt und gut in Wasser löslich ist. Trotz seiner Giftigkeit wurde Bleizucker bis zum 19. Jahrhundert als Zuckerersatz (Defrutum) verwendet – insbesondere wurde Wein damit gesüßt [wikipedia]. Teilweise wurden die Bürger gezwungen, die Lunten in Heimarbeit für die Armee zu produzieren.

Luntenberger: Gelochte Blechröhre zum Verwahren der glimmenden Lunte.

Luntenschloss: Zündmechanismus für Gewehre. Durch Betätigung des Abzugs senkt sich der Hahn mit eingeklemmter glimmender Lunte auf die mit Pulver gefüllte Zündpfanne seitlich des Laufes. Die Flamme des Zündpulvers schlägt durch das Zündloch in den Lauf und bringt die dort befindliche Treibladung zur Explosion.

Luntenschlossmuskete: Rund 140 cm langes, bis zu 10 kg schweres Infanterie-Gewehr, das beim Zielen und Abfeuern auf den Gabelstock gestützt wurde. Neben dem Bandelier war eine größere Pulverflasche zum Nachfüllen der Pulvermaße (siehe Bandelier) nötig, sowie das am Ladestock festzuschraubende Putzgerät und der Luntenberger.

Lunte riechen: Das ist hier wörtlich gemeint. Es war üblich, beide Enden der => Lunte glimmen zu lassen (als Reserve für den Fall, dass die Lunte erlischt). Der typische Geruch dieser brennenden Lunten ließ einen Feind einen Hinterhalt erkennen. Auch beim erzwungenen Auszug aus einer Stadt oder Festung mussten die Soldaten mit brennenden Lunten abziehen, so dass man sie selbst auf größere Entfernung noch riechen konnte.

lupfen: hochheben.

lustern: horchen, lauschen, spähen.

Lustgärtner: „ein Gärtner, welcher die Kunst versteht einen Lustgarten anzulegen und zu unterhalten; zum Unterschiede von einem Kohl= oder Küchengärtner, Obstgärtner etc. etc.“ [KRÜNITZ].

lustiges Schießen: Ein Bürgerschießen, das von den Schützengilden unter dem Patronat des Landesherrn veranstaltet und mit entsprechenden Preisen ausgestattet war. Vgl. auch ANONYMUS, Annaberg, S. 50 (1646): „Zwei große Schießhäuser vor dem Böhmischen Tor den jungen Bürgern zu Leibesübung und Lust, wurden 1507 errichtet. Das eine darinnen Brauch Sommers mit Armbrusten am Sonntag nach der Wand zu schießen, das andere der Büchsenschützen, wo mit glatten Rohren nach der Scheibe geschossen wird. Jährlich am Pfingstdienstag nach Endung des Gottesdienstes wird mit der Armbrust nach einen aufgerichteten hölzernen Vogel geschossen“.

Lützelburg: alter Name für das Herzogtum Luxemburg.

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