Winzenhausen, N

Winzenhausen, N; Obrist [ – ] Winzenhausen stand 1639 als Obrist in schwedischen Diensten.

Der sächsische Chronist Lehmann erwähnt Winzenhausen anlässlich des schwedischen Marsches durch Meißen und das Ober-Erzgebirge 1639: „Weil Sich die keyßerlichen in Böhmen also stercketen, zog der Baner auch mehr Volck an sich, und nach deme Sie zue Erfurt[1] 5 Regiementer versamlet hatten, marchirten Sie auf Zwicka[2] durchs Ertzgebirge des graden Wegs auf Zweniz,[3] Elterlein,[4] Annenberg,[5] Schletta,[6] Sehm,[7] Cranzal[8] auf den Presnitzer Paß[9] hinein. Die kahmen alß der Herzog von Holstein [August Philipp von Holstein-Sonderburg-Beck; BW], Herzog Franz Heinrich von Sachsen[-Lauenburg; BW], Obrist Debitz, Obrist Winzenhausen, Obrist [Kaspar v. ?] Eberstein mit ihren Völckern den 22. Maji an Festag der Himmelfahrt Christi ungewarnet von der Zwenitz auf Elterlein, daß die leute auß der kirchen entlauffen musten umb 9 Uhr, und zum Scheibenberg[10] die Communicanten kaum kundten abgespeiset werden. Die theilten Sich in Unsern gebirge auß, daß alle städte, Dörfer und winckel vor ihnen Unsicher wahren, sezten den leuten nach uff die Wälde, schändeten Frauen und Jungfrauen, erbrachen alle kirchen und Sacristeyen, raubten Pferde, Viehe, Menschen, zehreten auf brod, fleisch, bier und was sie funden, ließen theils in koth lauffen und handelten so barbarisch, daß das gebirg dergleichen Teuffel noch nicht gehabt; in Scheibenberg Plünderten Sie 6 stunden und theten nicht wie Menschen. Den 23. Maii wurden 4 regiementer unter den Obristen Eberstein und Herzog von Holstein in Annenberg einquartiert, Die es so arg gemacht alß uff den lande, also daß mancher armer Land-Mann in gebirg nicht einen leffel wieder funden, und viel feine bürger musten nach den lieben brod gehen, weil es sehr teuer, und doch nichts zuerwerben wahr“.[11]

[1] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[2] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[3] Zwönitz [Kr. Aue]; HHSD VIII, S. 385f.

[4] Elterlein [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 89.

[5] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[6] Schlettau [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 319f.

[7] Sehma, heute Ortsteil von Sehmatal bei Annaberg-Buchholz.

[8] Cranzahl bei Weipert [Vejperty]; HHSBöhm, S. 650.

[9] Pressnitzer Pass: Der Preßnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Preßnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Preßnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]

[10] Scheibenberg; HHSD VIII, S. 316ff.

[11] LEHMANN, Kriegschronik, S. 107f.

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