Quelle 24: Hannover’sche Chronik, Gefecht bei Seelze (4.11.1625)

Am 4.11.1625 kam es bei Seelze[1] zu einem Gefecht der Ligisten mit Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg und dem zu seiner Unterstützung herbeigeeilten Obentraut, die beide fielen.[2]

Die Hannover’sche[3] Chronik berichtet: „Den 23. Oct. nach Eroberung des Hauses Calenberg[4] hat Tilly mit etlichem Volke sich nach dem Stift Hildesheim gewandt. Inmittelst hatte der Königl. General-Lieutnant über die Cavallerie einen Anschlag mit etlichen Compagnien auf Pattensen[5] gemachet, die Tillyschen darin zu überfallen in der Nacht. Dieweil sie aber aus ihren Quartieren um Seelße vor dem Deister hinauf gezogen in der Nacht, und kein Mondschein war, sein sie durch die Bauren nicht recht geführet, daß sie im Holtze verirret und der Tag darüber angebrochen, wodurch der Anschlag des Morgens den 24. Oct. mißrathen, derowegen sie ihr Volk wieder zurücke nach ihren Quartieren marschiren lassen.

Obentraut aber, neben Hertzog Friedrich von Altenburg ist den 24. dito Vormittag in Hannover kommen.

Den 24. Oct. ist von I. F. G. Hertzog Friederich Ulrich ein Trompeter an die Stadt Hannover abgefertiget mit einem Schreiben und Befehl, Königl. Majestät zu Dennemark Hauptquartier einzunehmen. Als Obentraut in Hannover gewesen und kürtzliche Antwort begehret, ist demselben a Consule geantwortet, daß man die Leute, so darzu gezogen werden müßten, nicht so bald könnte convociren, sollte morgen früh geschehen. Gegen Abend ist der von Obentraut und Hertzog Friederich von Altenburg wieder aus Hannover gezogen nach Seelße zu, da sie ihr Hauptquartier mit der Reuterey gehabt.

Dieweiln aber dem Tilly solch gehabter Anschlag auf Pattensen verkundschaft worden, hat er so bald in dieser Nacht zwischen dem 24. und 25. Oct. wieder einen Anschlag gemacht auf des von Obentrauts Quartier mit 12 Regimentern, in 15000 stark mit 8 Stücken Geschützes und nohtdürftiger Munition, ist aus dem Ambt Calenberg[6] und Pattensen in gantzer Stille hinter dem Linderberge hin, Hannover vorbei marschiret, aber nicht die rechte Heerstraßen, in das Amt Blomenau[7] auf Harenberg[8] zu, da er zuvor auf die Königschen recognosciren lassen durch einen gewesenen und abgefallenen Königschen Quartiermeister. Etliche sagen, daß Tilly damahls gehabt nur 3000 zu Fuß und 3 Regimenter zu Pferde, als das Lindlohische [Timon Lintelo; BW], Cronburgische [Cronberg; BW] und Curtenbachische [Cortenbach; BW], der Graf von Anhalt [Anholt; BW] ist auch bey ihm gewesen.

Auf des Quartiermeisters Recognition hat Tilly den 25. Oct. des Dienstags Morgens sehr früh, als jedermann von den Königschen noch im Schlaf gelegen, etliche Compagnien Reuter auf Seelße zu commandiret, welche die verlorne Schildwacht aufgenommen, dadurch etwas Tumult geworden geworden, daß der Königschen etliche in Seelße, wie auch Hertzog Friederich zu Sachsen-Altenburg, zu Pferde kommen, in der Eile hinaus vor das Dorf Seelße gerücket und mit den Tillyschen scharmutziret, welcher aber übermannet, vor Seelße erschossen und mit 21 Cornetten von seinen Reutern geblieben.

Darauf sein auch aus  den andern Quartiern, aus Lohne,[9] Gümmer[10] und anderen Dörfern bey 2 Regiment Reutere ankommen, so mit den Tillyschen scharmutziren müssen. Weil sie aber auch übermannet und viele davon geblieben, haben die übrigen sich mit der Flucht nach der Seelßer Brücke über die Leine salviren müssen, was in der Eile nicht hinüber kommen können, ist alles von den Tillyschen nieder gemacht worden.

Den 25. Oct. Dienstags Morgens sein in diesem Scharmützel etliche Hundert Reutere geblieben. Der von Obentraut ist tödlich verwundet (an dem Orte vor Seelße, da hernach seine Verwandten A. 1628 eine steinerne Seule zum Gedächtniß setzen lassen) und in des Grafen von Anhalt Kutsche geleget worden, darin er nicht lange hernach gestorben.

Als Obentraut, also tödlich verwundet, zu Tilly gebracht, hat er ihn als einen hiebevor in Ungarn gewesenen Bruder beklaget, darauf Obentraut geantwortet: In solchen Wassern fänget man solche Fische. Und ob der Tilly wohl Fleiß angewendet, ihn beym Leben zu erhalten und den Feldscherern anbefohlen, so ist er doch hernacher gestorben.

Es ist auch neben andern vom Adel ein junger Hanensee[11] geblieben. Das Königsche Fußvolk hat so bald aus ihren Quartieren zu der Reuterey nicht kommen können, als der Obrist Geistes [Berend Geist; BW] und andere Regimenter, der Obriste May [Adolf Mey; BW], welcher in Wunstorf[12] gelegen, hat aus seinem Vortheil nicht gewollt, ist in Wunstorf geblieben. Das Tillysche Fußvolk und dessen Geschütze ist zu diesem Treffen nicht kommen, sondern haben vor dem Holtze gehalten.

Der Tilly selber hat unter währendem Scharmutziren im Holtze Messe halten lassen, dabey er selber gewesen. Nach verrichtetem Scharmutziren sein die Tillysche in die verlassenen Quartiere der Königschen gefallen, dieselbe spoliiret, viele Beute und Bagagewagen bekommen.

Des Obentrauts und Hertzog Friederichs zu Sachsen-Altenburgs Cörpere sein nach dem Calenberge gebracht, des von Hanensee Cörper aber nach Pattensen“.[13]

[1] Seelze [Kr. Hannover]; HHSD II, S. 425.

[2] SCHLOTTER, Acta, S. 6; FORST, Korrespondenz, Nr. 129, S. 108: Dr. Arnold Prüm, genannt Aldenhoven, kurköln. Geheimrat u. Hofrat, an F. W. v. Wartenberg, Brühl, 1625 XI 16.

[3] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[4] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[5] Pattensen [Kr. Springe]; HHSD II, 376f.

[6] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[7] Blumenau, heute Ortsteil von Wunstorf/Region Hannover.

[8] Harenberg, heute Stadtteil von Seelze/Region Hannover.

[9] Lohne, Teil des Ortsteils Neuwarmbüchen der Gem. Isernhagen/Region Hannover.

[10] Gümmer, heute Ortsteil von Seelze/Region Hannover.

[11] Buchard von Hanensee bei JÜRGENS, Chronik, ist falsch; dieser ist noch 1626 Kommandant auf der Erichsburg. Vgl. JÜRGENS, Chronik, S. 419f.

[12] Wunstorf [Kr. Neustadt a. Rübenberg]; HHSD II, S. 513ff.

[13] JÜRGENS, Chronik, S. 376ff.

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