Hydou de Mayence [Maience, Hydou-Mayence, Heiden, Heidow, Hidon, Hedon, Hedau, Hedun, Heyda, Heydau, Henon, Hytoü], Hugo von

Hydou de Mayence [Maience, Hydou-Mayence, Heiden, Heidow, Hidon, Hedon, Hedau, Hedun, Heyda, Heydau, Henon, Hytoü], Hugo von; Obrist [ -13.4.1631 bei Frankfurt/Oder] Hugo Hydou de Mayence war kaiserlicher Obrist. Sein Regiment war 1628 als ein 10 Kompanien umfassendes Arkebusierregiment aufgestellt worden, das jedoch bereits im selben Jahr auf 5 Kompanien reduziert wurde.[1]

Am 21.9.1630 lag das Regiment „Hidon“ in Dessau.[2]

Er fiel am 13.4.1631 bei der Einnahme von Frankfurt a. d. Oder.[3]

„Am 14. Januar 1631 kam der neue Oberbefehlshaber Tilly[4] mit vier Regimentern in die Stadt [Frankfurt/Oder]. Um einer eventuellen Brandschatzung oder Plünderung der Soldaten vorzubeugen, insbesondere aber, um die Universität vor Mißliebigkeiten zu schützen, soll sich, wie berichtet wird, der Geschichtsprofessor Cyriacus Herdesianus zum Grafen Tilly begeben und den Feldherren gefragt haben, in welcher Sprache er sein Anliegen vortragen darf. Man einigte sich auf Französisch. Herdesianus hatte den berüchtigten Kriegsmann, der wenig später Magdeburg[5] dem Erdboden gleichmachen wird, so gerührt, daß er in der Stadt Gnade walten ließ. In Frankfurt (Oder) befanden sich bereits mehrere Regimenter, die teilweise vor der im Norden stehenden schwedischen Armee Zuflucht genommen hatten. Die Truppen, so ist bei Felix Plage[6] erwähnt, waren in einem schlechten Zustand. Tilly hielt Musterung und ließ rückständigen Sold zahlen, der unter anderem auch aus der Stadt Frankfurt/Oder herausgepreßt worden war, um die Moral der Soldaten zu heben.

Generalissimus Tilly zog am 5. Februar 1631 in Richtung Magdeburg weiter, zurück blieb eine Kerntruppe von 9000 Mann. Zu ihnen gehörten die Reiterregimenter Montard bzw. Heidow, [Ernesto; BW] Montecuccoli, [Ernst Georg v.; BW] und [Johann v.; BW] Götz[7] sowie die Regimenter zu Fuß [Hannibal v.; BW] Schaumburg, Hardegg, Fernemont, Borneval bzw. Waldow, Torquato Conti, [Karl v.; BW] Liechtenstein, mit dem Beinamen die Seligmacher[8] und die berüchtigte Einheit von Butler mit den gefürchteten Kroaten. Als Kommandierenden beorderte Tilly den erfahrenen Feldmarschall Tieffenbach ab. […]

Den Darstellungen in den hiesigen Archivmaterialien und den Beschreibungen von Johann Christoph Beckmann folgend hatte der Schwedenkönig am 1. April [11.4.; BW] Quartier in Lebus[9] genommen. Einen Tag später verjagte er durch weiteres Vorrücken auf die Odermetropole die Kaiserlichen, die sich noch durch Schanzarbeiten an den Außenanlagen zu schaffen machten. Tieffenbach, der die weitere Annäherung der Schweden an die Stadt unbedingt verhindern oder zumindest erschweren wollte, beging in dieser Situation einen schweren Fehler. Er ließ die nicht zum Verteidigungssystem gehörenden Vorstädte niederbrennen. Der nun aufsteigende Rauch der brennenden Häuser nahm jedoch den Verteidigern die Sicht, so daß der Gegner ungehindert ganz dicht bis an die Stadtmauern gelangen konnte. Gustav Adolf selbst soll bei diesen günstigen Voraussetzungen das Gubener Tor rekognosziert haben, um es im Sturm nehmen zu können. Der Angriff erfolgte dann am Palmsonntag, am 3. April 1631. Der König ließ zuvor in seinem Lager zweimal Gottesdienst halten, was von den Kaiserlichen beobachtet wurde und ihnen Anlaß zum Spotten gab. Der verging ihnen jedoch bald, denn etwa gegen 14.00 Uhr brachen die Schweden nach heftiger Beschießung vor und stürmten das Gubener Tor, während zunächst ein Scheinangriff auch auf das Lebuser Tor erfolgte.

Am westlichen Mauerring wurden Schanzen aufgeworfen und ebenfalls mit den Kampfhandlungen begonnen. Gustav Adolf, der die Aktionen am Gubener Tor leitete, soll, um Mut zu machen, seinen Soldaten zugerufen haben: ‚Nur Geduld, bald werdet ihr Wein und kein schlechtes Oderwasser mehr trinken’. Dem ersten Soldaten, dem es gelang die Mauer zu überwinden winkten 1000 Taler und die Ernennung zum Hauptmann. Bald war das Gubener, wenig später auch das Lebuser Tor gesprengt. Die Kaiserlichen konnten dem Andrang der Schweden nicht mehr Stand halten und ergriffen heillos die Flucht. In der Brücktorstraße und auf der Oderbrücke entstand ein furchtbares Gedränge; viele stürzten in die Fluten der Oder und ertranken. Die Schweden gaben kein Pardon, sondern hieben zunächst wütend auf die Kaiserlichen ein, die um Quartier, das heißt Gefangennahme baten. Mit dem Ruf ‚Neubrandenburgisch Quartier’ könnt ihr haben, wollte man sich für das Blutbad der Kaiserlichen bei der Einnahme Neubrandenburgs[10] rächen. Die schwedische Besatzung in dieser Stadt wurde hier vollständig niedergemacht. Einem Teil der kaiserlichen Besatzung gewährte man dennoch Quartier, darunter auch dem Obristen Butler. Insgesamt hatten die Schweden bei der Erstürmung der Stadt nur 300 Mann Tote zu beklagen, während es bei den Kaiserlichen über 2000 waren. Die Stadt soll voller Leichen gelegen haben. Gustav Adolf gewährte nach der Einnahme von Frankfurt (Oder) seinen Soldaten angeblich eine dreistündige Plünderung. Sie dauerte aber etwa zwölf Stunden bis wieder einigermaßen Ruhe einkehrte.

Für die Frankfurter Einwohner war dieses schreckliche Ereignis unbegreiflich, was ihnen jetzt von einem lutherischen Heer widerfuhr. Den Bewohnern wurden die Kleider vom Leibe gerissen, ihr Hab und Gut gestohlen und manch eine ehrbare Bürgersfrau konnte von Glück sagen, wenn sie ihr nacktes Leben retten konnte. Die Männer schlug man nieder oder tötete sie, wenn sie nicht freiwillig ihre Habe hergaben und das eventuell Verborgene herausrückten. Ein großer Teil der Häuser war zerstört oder stand in Flammen, so zum Beispiel die Häuserzeile zwischen Großer Oder- und Scharnstraße.

Was nützte es, wenn Gustav Adolf nach solchen Ausschreitungen später Getreide an die Bevölkerung verteilen und sogar einige Soldaten, die mit dem Plündern nicht aufhören wollten, hängen ließ. Den Frankfurtern saß der Schock tief, von dem sie sich nicht so schnell erholen sollten. […] F. Plage hat in seiner Publikation außerdem darauf hingewiesen, daß den Schweden reiche Kriegsbeute in die Hände fiel. In der von Tilly zurückgelassenen Kriegskasse befanden sich noch 300.000 Gulden. Nicht unerheblich waren schließlich auch die erbeuteten Waffen, darunter sogar Kanonen, die der Winterkönig in der Schlacht am Weißen Berg einbüßte, und Schießpulver, Blei und Eisenkugeln in beträchtlicher Menge. Erst am 29. April [9.5.; BW] verließ der Schwedenkönig mit seinem Heer die Stadt wieder, um den Magdeburgern zu Hilfe zu eilen. Sechs schwedische Regimenter blieben aber noch bis zum August 1632 als Besatzung zurück“.[11]

Der schottische Kriegsteilnehmer Robert Monro schildert die Vorgänge aus seiner Sicht:Am Sonntagmorgen, es war Palmsonntag, der 3. April 1631, nahmen der König und die ganze Armee in ihrem besten Staat an einem Gottesdienst teil, und nach der Predigt ermunterte S. M. unsere Soldaten. Er sagte, er wünsche, daß er die schlechten Tage, die sie augenblicklich mit Geduld ertrügen, von ihnen nehmen könne, und er hoffe, ihnen in kürze bessere Tage bescheren zu können, an denen er sie Wein trinken lassen könne, anstatt des Wassers, das sie nun tränken. Dann gab der König dem General Baner Befehle, allen Brigaden mitzuteilen, sich mit ihren Waffen für weitere Anweisungen in Bereitschaft zu halten. Als dieser Befehl gegeben war, versahen sich einige der abkommandierten Musketiere, die unter Sinclairs Befehl standen, mit Leitern, da sie einen bevorstehenden Sturmangriff vermuteten.

Gegen 5 Uhr am Nachmittag kam S. M. zu unserer Brigade und ließ einen deutschen Hauptmann namens Guntier von Hepburns Regiment rufen. Er befahl ihm, einen leichten Harnisch anzulegen, seinen Degen zu ziehen, einen Sergeanten mit zwölf tüchtigen Burschen mitzunehmen, durch den Graben zu waten und zu erkunden, ob sich Leute zwischen dem Erdwall der äußeren Befestigung und dem steinernen Festungswall der Stadt aufhalten könnten. Dann sollten sie sich, so schnell sie es nur vermöchten, zurückziehen. Als die das getan hatten, kam S. M. zur Erkenntnis, daß zwischen den beiden Wällen Platz sei, Soldaten hineinzubringen, und da die Brigaden schon in Schlachtordnung standen, sollten sie, nachdem der Hauptmann ohne Verwundung zurückgekommen war, auf ein Zeichen hin angreifen. Der König befahl Baner und Hepburn, mit unserer Brigade den Graben zu überwinden und zu stürmen, und wenn sie den Feind vom Wall der äußeren Verteidigungslinie zurückgetrieben hätten, so sollten sie sich zwischen ihm und dem steinernen Hauptwall festsetzen. Wenn es glücken sollte, den Feind zum Weichen zu bringen, sollten sie mit ihm zusammen in die Stadt eindringen. Die gleichen Befehle ergingen auch an die übrigen Brigaden, die schon bereitstanden.

Der König hatte eine Anzahl großer und kleiner Kanonen in den Batteriestellungen laden lassen und befahl nun, an allen Abschnitten achtzugeben. Wenn die Geschütze abgefeuert würden, sollten die Sturmtruppen noch mitten im Pulverdampf der ersten Salve zum Angriff vorbrechen, was sie dann auch taten. Wir durchquerten den Graben und wateten dabei bis an die Hüften in Wasser und Schlamm, und als wir dann hinaufstiegen, den Wall zu erstürmen, da standen uns einige starke Palisaden im Weg, die im Wall so gut eingegraben waren, so daß wir, wenn der Feind sich nicht voller Angst vom Wall zurückgezogen hätte, nur mit großem Glück hätten eindringen können. Der Feind zeigte sich aber so schwach und zog sich zurück, so daß die Kommandeure die Befehle ausführen konnten, die sie vom König erhalten hatten (II, 13). Wir drängten nach, in der Absicht, dem zurückweichenden Feind durch eine große Ausfallpforte, die zwischen den beiden Wällen lag, in die Stadt hinein zu folgen. Sie hatten zwei große Türflügel geöffnet und drängten hier hinein. Nach ihrem Rückzug (vor einigen Tagen) hatten sie hier ein paar Orgelgeschütze in Stellung gebracht, mit denen man ein Dutzend Schüsse auf einmal abfeuern kann. Daneben hatten sie noch zwei kleine Ordonanzgeschütze aufgepflanzt, die ebenfalls den Eingang absicherten, und dann standen da noch Musketiere, die nun zusammen mit den Schüssen aus den Geschützen unbarmherzig unter unseren Musketieren und Pikenieren aufräumten.

Der tapfere Hepburn, der die Schlachtreihe der Pikeniere aus seiner eigenen Brigade anführte, wurde, als er bis auf eine halbe Pikenlänge Abstand zur Ausfallpforte vorgedrungen war, in dem Augenblick, als er eindringen wollte, oberhalb des Knies in den Schenkel geschossen, so daß er lahm wurde. Die großen Schmerzen betäubten seine Sinne, was ihn auch zwang, sich zurückzuziehen. Er sagte zu mir, ‚Schulfreund Monro, ich bin angeschossen worden‘, was mir wirklich sehr leid tat. Dann wurde sein Major, ein entschlossener Kavalier, der vorstürmte, um in die Ausfallpforte einzudringen, unmittelbar vor dem Eingang erschossen. Darauf wichen die Pikeniere zurück und blieben zunächst stehen. General Baner, der dabei war, feuerte nun die Kavaliere an, doch einzudringen. Oberst Lumsdale [Lumbsdain; BW] und ich, die wir beide an der Spitze unserer Fahnenabteilungen standen, er mit einer Partisane, ich mit einer Halbpike in der Hand und einem Sturmhelm auf dem Kopf, der mich schützte, gaben nun unseren Pikenieren das Zeichen zum Angriff. Wir führten sie Schulter an Schulter an, und beide konnten wir glücklicherweise die Pforte ohne Verletzung erreichen, doch einige von uns, wie ich weiß, fanden dort den Tod. Der Feind wurde nun gezwungen, sich in Verwirrung zurückzuziehen. Er war von unserem Eindringen so überrascht, daß er weder den Mut noch die Geistesgegenwart hatte, das Fallgatter des großen Tores herunterzulassen. So konnten wir, indem wir dem Feind auf den Fersen blieben, in die Straßen der Stadt eindringen. Dort hielten wir dann an, bis unsere Pikeniere nachgekommen waren und sich in Formation aufgestellt hatten. Flankiert von Musketieren griffen wir mit gefällten Piken an, wobei die Musketiere auf den Flanken Feuerschutz gaben, bis die Ordnung des Feindes ins Wanken gebracht wurde.

Nach uns kam General Baner mit einer Abteilung frischer Musketiere heran. Er verfolgte die Kaiserlichen in der einen Straße, Lumbsdale und ich in der anderen. Wir stießen mit dem Feind wieder zusammen, schlugen ihn aber ganz und gar, und unsere Offiziere nahmen ihm neun Fahnen ab, die dann S. M. überbracht werden sollten. Der größte Teil ihrer Soldaten wurde niedergehauen als vergeltung für die Greueltaten, die sie in Neu-Brandenburg verübt hatten, aber einige ihrer Offiziere erhielten ‚Quartier‘, so wie sie es auch gegenüber unseren gegeben hatten. Nachdem dieses Regiment besiegt war, wiesen wir einen Offizier mit einer starken Abteilung an, sich der Brücke zu bemächtigen, damit der Feind nicht mehr entkommen könne. Als den Feinden der Fluchtweg auf diese Weise abgeschnitten war, wurden sie nun alle niedergehauen, und die Straßen lagen voll mit Toten. Der größte Teil unserer Soldaten und Offiziere lief nun auseinander, um Beute zu machen, und sie ließen mich mit einer kleinen Zahl anständiger Soldaten zurück, die Fahnen zu schützen. Ich muß gestehen, daß ich einfach nicht in der Lage war, etwas gegen diese Disziplinlosigkeit zu unternehmen. Soweit zu Lumsdales Rolle und meiner. Ich kann mich dafür verbürgen, daß alles wahr ist. Und so wie ich von unseren eigenen Taten die Wahrheit ohne Aufhebens berichtet habe, auch wenn es kein Mensch als Freund der Tugend nachprüfen kann, so will ich von den Taten anderer Leute erzählen, soweit ich aus den Berichten meiner ehrenhaften Kameraden weiß, daß auch sie wahr sind.

Oberstleutnant Musten, der ernannt worden war, die Musketiere von Lumsdales Regiment und dem meines Obersts zu kommandieren, das unter meinem Befehl stand, sah uns eindringen und folgte uns nach. Er gab denen, die unter ihm standen, von sich aus den Befehl, wie sie sich verhalten sollten, so daß sie dem Feind keine besseren Bedingungen für ‚Quartier‘ gewährten, als wir es auch taten. Auch die Deutschen, die sich der Grausamkeiten erinnerten, die der Feind in Neu-Brandenburg verübt hatte, gaben nur wenig ‚Quartier‘ (II, 34). Major John Sinclair, wie mir glaubhaft versichert wurde, und Leutnant George Heatly, der ihn begleitete, beide entschlossen und tüchtig, waren die ersten, die mit Leitern über den Wall in die Stadt hineinkamen. Da sie bei ihrem Eindringen nur wenige Musketiere dabei hatten, wurden sie in den Straßen von den Kürassieren des Feindes, den besten Reitern, attackiert, die sie zwangen, dicht beieinander zu stehen, mit dem Rücken zum Wall, über den sie eingedrungen waren. Sie gaben mehrere Musketensalven auf die Reiter ab, die dadurch zum Rückzug gezwungen wurden.

Nachdem wir hineingekommen waren, drangen die Gelbe [Teuffel; BW] und Blaue Brigade [Winkel; BW], die von der ganzen Armee als entschlossen und tapfer in ihren Aktionen angesehen wurden, ebenfalls ein. Sie sollten die Stellungen der Iren angreifen, wurden aber zweimal unter großen Verlusten wütend zurückgeschlagen. Dabei erlitten sie schlimme Verluste durch die Handgranaten, die die Iren unter sie warfen. Als sie dann zuletzt doch vordrangen, stellten sich ihnen die Iren entgegen, die zahlenmäßig schwach waren. Ungeachtet des Unterschieds im Zahlenverhältnis kämpften sie lange mit Pike und Schwert in den Festungswerken, bis die meisten an der Stelle gefallen waren, an der sie gestanden waren und gekämpft hatten, so daß am Ende Oberstleutnant Walter Butler, der die Iren anführte, gefangengenommen wurde, nachdem er einen Schuß in den Arm und einen Pikenstich in den Schenkel davon getragen hatte. Am nächsten Tag konnte man an den einzelnen Stellen erkennen, wo am heftigsten gekämpft worden war, und in der Tat, hätten die anderen sich so tapfer gehalten wie die Iren, hätten wir uns mit großen Verlusten zurückziehen müssen, ohne den Sieg davongetragen zu haben.

Als die Wut verraucht war, waren alle Soldaten, die nun ihre Pflicht vernachlässigten, um so mehr darauf aus, Beute zu machen, denn die ganze Straße stand voll mit Reiteseln, Reitpferden, Kutschen und verlassenen Wagen, angefüllt mit Reichtümern aller art, Tafelsilber, Juwelen, Gold, Geld, Kleidern, so daß ich später nie mehr sah, daß man den Offizieren so schlecht gehorchte und keinen Respekt mehr vor ihnen hatte, wie es hier eine Zeitlang geschah, bis der Höhepunkt überschritten war. Und ich kenne sogar einige Regimenter, die keinen einzigen Mann mehr bei ihren Fahnen stehen hatten, bis das Wüten vorüber war. Einige Fahnen waren die ganze Nacht hindurch verschwunden, bis man sie dann am nächsten Morgen wieder beibrachte. So eine Unordnung herrschte bei uns, und das alles wurde hervorgerufen durch die Raffgier, die Wurzel allen Übels und der Ehrlosigkeit.

Als die Einnahme der Stadt abgeschlossen war, kam S. M. selbst herein. Er wurde vom Rheingrafen [Otto Ludwig v. Salm; BW] und seinen Reitern bewacht, die nun unverzüglich abkommandiert wurden, die Brücke zu überqueren und dem Feind auf den Fersen zu folgen, der in Richtung Glogau[12] auf der Flucht war. Dorthin hatten sich der Feldmarschall Tiefenbach, der Graf von Schauenburg und Montecuccoli mit jenen zurückgezogen, die entkommen waren. S. M. hatte kaum in der Stadt Quartier genommen, als ein zufällig ausgebrochenes Feuer die Stadt einzuäschern drohte. Unter Trommelschlag wurden daher Befehle in allen Straßen laut ausgerufen, daß sich alle Offiziere und Mannschaften bei Todesstrafe sofort bei ihren Fahnen auf der anderen Seite der Oder in den Außenbefestigungen einfinden sollten, wo Sir John Hepburn angewiesen war, das Kommando innerhalb der Festungswerke zu übernehmen. Ausgenommen waren die Truppen, die bestimmt worden waren, die Tore der Stadt zu bewachen, dazu das Quartier S. M. und die Unterkünfte der Generale am Marktplatz, wo eine starke Wache gehalten wurde, um Plünderungen und Übergriffe der Soldaten zu unterbinden. Obwohl diese Befehle öffentlich ausgerufen wurden, hielten sich viele nicht daran und blieben in der Stadt, um zu plündern.

Bei diesem Zusammenstoß verlor der Feind fast 3 000 Mann, nicht gerechnet die Offiziere, die dabei getötet wurden, vier Obristen, Pernstein [der allerdings erst am 26.7.1631 fiel; BW], Hydou-Mayence, Wallenstein [der erst bei Lützen[13] fiel; BW] und Joure. Weitere 36 Offiziere kamen ums Leben. Oberst [Ernst Georg v.; BW] Sparr mit fünf deutschen Oberstleutnanten und ein irischer Kavalier wurden gefangengenommen, der sich tapfer und ehrenvoll geschlagen hatte. Der Feind verlor 41 Fahnen, wie ich am nächsten Tag sehen konnte, als vor General Baner eine Zählung stattfand, dazu kamen neun Standarten der Reiterei. Auf unserer Seite kamen mindestens 800 Mann ums Leben, davon verloren das Blaue und das Gelbe Regiment allein 500. Dem König fiel hier eine sehr große Menge von Vorräten für die Armee in die hand, Getreide, Munition und 18 Ordonanzgeschütze. Am nächsten Tag ernannte S. M. Generalmajor Lesly [Alexander Leslie; BW] zum Gouverneur über die Stadt und gab ihm den Befehl, die schadhaften Festungswerke und Wälle auszubessern. Dann wurde der Befehl gegeben, die Toten zu begraben, was man in sechs Tagen nicht völlig schaffen konnte. Zuletzt warf man sie in Haufen in große Gruben, mehr als hundert in jedes Grab. Am nächsten Tag erhielten wir die Anweisung, unsere Regimenter zu versammeln, damit man sie mit den Waffen ausrüsten könne, die den Soldaten fehlten, da viele von ihnen in der dem Sturm folgenden Unordnung ihre Waffen verloren hatten“.[14]

Hydous Regiment wurde noch in diesem Jahr Nikolaus Des Fours übertragen.[15]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht), S. 234f.

[2] WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 217. Dessau [Stadtkr. Dessau]; HHSD XI, S. 77ff.

[3] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[4] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[5] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[6] PLAGE, Einnahme, S. 17.

[7] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[8] Seligmacher bezieht sich nur auf die Truppen Liechtensteins, die wegen ihrer gewaltsamen Rekatholisierungsmaßnahmen in den kaiserlichen Erblanden berüchtigt waren.

[9] Lebus [Kr. Lebus/Seelow]; HHSD X, S. 253ff.

[10] Neubrandenburg [Kr. Neubrandenburg]; HHSD XII, S. 69ff.

[11] GRIESA, Frankfurt/Oder, S. 14ff.

[12] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[13] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[14] MAHR, Monro, S. 110ff. Monro datiert nach dem a. St.

[15] KONZE, Stärke, S. 31.

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Corpes [Corpus, Corpusz, Corpitz, Corps, Cörber, Coepus, Korpus, Korbitz, Carpus, Kargis, Kerpus], Markus Freiherr von

Corpes [Corpus, Corpusz, Corpitz, Corps, Cörber, Coepus, Korpus, Korbitz, Carpus, Kargis, Kerpus], Markus Freiherr von; Obrist [ -9.7.1638 bei Benfeld] Markus von Corpes [Corpus, Corpusz, Corpitz, Corps, Cörber, Coepus, Korpus, Korbitz, Carpus, Kargis, Kerpus] bzw. Corpus, wie er sich zumeist selbst schrieb,[1] nach zeitgenössischer Darstellung ein ehemaliger Schneider,[2] angeblich aus Spanien stammend,[2a] war kaiserlicher Kroaten-Obrist,[3] jener Truppen, die Gustav II. Adolf einmal Kroatischer_Reiterals des „Teufels neuer Adel“ bezeichnet hatte.[4] Er galt als Holks[5] Handlanger. Nach Holks Tod gehörte er zur Armee Piccolominis[6] und war dem Befehl Isolanos[7] unterstellt.

Grimmelshausen hat in seinem „Simplicissimus“ Corpus sehr anschaulich beschrieben: „Mein Herr hatte kein Weib (wie denn diese Art Krieger keine Weiber mitzuführen pflegen), keinen Pagen, keinen Kammerdiener, keinen Koch, hingegen aber einen Haufen Reitknecht und Jungen, welche ihm und den Pferden zugleich abwarteten, und schämte er sich selbst nicht, ein Roß zu satteln, oder denselben Futter vorzuschütten; er schlief allezeit auf Stroh, oder auf der bloßen Erd, und bedeckte sich mit seinem Pelzrock, daher sah man oft die Müllerflöhe[8] auf seinen Kleidern herumwandern, deren er sich im geringsten nicht schämet‘, sondern noch dazu lachte, wenn ihm jemand eine herablas; er trug kurzes Haupthaar und einen breiten Schweizerbart, welches ihm wohl zu statten kam, weil er sich selbst in Baurenkleider zu verstellen, und darin auf Kundschaft auszugehen pflegte. Wiewohl er nun, wie gehöret, keine Grandezza speiset‘,[9] so wurde er jedoch von den Seinen und andern die ihn kannten, geehrt, geliebt und gefürchtet; Wir waren niemals ruhig, sondern bald hier, bald dort; bald fielen wir ein, und bald wurde uns eingefallen, so gar war keine Ruhe da, der Hessen Macht zu ringern, hingegen feiret'[10] uns Melander [später Holzappel][11] auch nicht, als welcher uns manchen Reiter abjagte, und nach Kassel[12] schickte“.[13] Auch Johann von Götz[14] nannte ihn Maximilian I. von Bayern[15] gegenüber am 12.7.1638 einen „dapferen, treuen Soldaten“.[16]

Wahrscheinlich handelte es sich schon bei den 1626 erwähnten sogenannten „Zigeunern“[17] Wallensteins[18] um Kroaten: „Am 27. September berichtet der Landeshauptmann, Herr von der Hagen, dem Herzog[19] über seinen Versuch, den ‚Zigeuner-Vortrab’ der Armee Wallensteins aufzuhalten, und skizziert den Zustand der kaiserlichen Truppen so: ‚Die neuen Werbungen[20] zu Roß sind auf der Offizier vorgeschossenen Gelder vorgenommen und haben bis dato noch keinen Pfennig von Ihro Kaiserlichen Majestät erhalten. Die Reiterei ist mit keinen Waffen versehen, ist übel beritten, haben größtenteils leichte und schlechte Pferde. Im ganzen sind die Neugeworbenen malcontente.[21] Um Blankenburg[22] herum lassen sich viel Zigeuner bei unterschiedlichen Partien zu zehn und fünfzehn Mann sehen, über die Maßen wohl bewehrt, mit zwei langen Röhren ein jeder und die Weiber zu Pferd und ein Paar Pistolen im Sattel, sie ziehen durch ungebahnte Wege, halten sich in Gehölzen und Vorbüschen, kundschaften nach allen Dingen fleißig, also daß zu besorgen, sie in des Wallensteins Bestallung auf Verräterei, Raub, Mord und Brand ausgeschickt sein mögen‘. Wallenstein soll einen Zigeuner-Vortrab zum Plündern und Morden vorausgeschickt, ihn womöglich eigens dazu angeworben haben ? Hier ist wieder einmal die Wiege einer Legende, die sich gut entwickelt und rüstig die Jahrhunderte überstanden hat. Diese Zigeuner sind nichts anderes als die leichten schnellen Reiter des Obristen Isolani, meistens Kroaten und Ungarn“.[23]

Für 1630 heißt es: „Auch Halle[24] wurde von Holcks Truppen besetzt. Am 8. Oktober wurden diese von Truppen des brandenburgischen Obristleutnants Bock[25] angegriffen, die durch ein Tor in die Stadt eindrangen, welches von innen geöffnet worden war. Es gelang den Angreifern etwa hundert Soldaten Holcks niederzumachen und dreihundert gefangen[26] zu nehmen. Allein der Anmarsch der Kroaten Markus Corpus‘ zwang sie, die Stadt wieder zu verlassen. Holck war außer sich darüber, vermißte die nötige Wachsamkeit, vermutete aber auch, daß Verrat im spiele, die Stadt selbst gar daran beteiligt war, und beklagte sich sogar bei Kaiser Ferdinand darüber. Dieser beauftragte den Rat Joachim Cratz von Scharfenstein[27] mit der Untersuchung der Angelegenheit. Doch was geschehen war, zu ändern war es nicht mehr“.[28]

Für 1632 sind in der kaiserlichen Kriegsliste zehn 1631 geworbene Kompanien[29] Kroaten aufgeführt,[30] so auch für 1633.[31]

Holk prahlte 1632 nicht ohne Befriedigung in seinen Rapporten an Wallenstein: „Der Oberst Corpus wird morgen Abend vor Dresden[32] am Tor aufs übelste hausen. […] Herr Oberst Corpus hat bis an die Vorstadt Dresden … in Brand gestecket, gestreifet, drei Dörfer allda in der Nähe abgebrannt, eine Stadt Aitten[33] genannt, mit allen Einwohnern in Asche gelegt, wie auch andere unterschiedliche Marktflecken, benebenst in die 1000 Personen niedergehauen“.[34] Corpus selbst sagte, „dass er von Generall Wallensteiner expreßé Befehl hette, Ihr. Churf. Durch. Landt mit Feuer und Schwerdt, soviel menschlich und möglich, verdilgen und niemandt schonen sollte’. Teilweise schützte er die Einwohner aber sogar vor seinen eigenen Kroaten.

Am 25.7.1632 überfiel Corpus von Zirndorf[35] aus Streitberg[36] und Muggendorf,[37] plünderte und legte alles in Asche.[38]

„Die vereinten Heere Wallensteins und Maximilians von Bayern wandten sich nach Norden mit dem ursprünglichen Plan, den sächsischen Kurfürsten Johann Georg[39] in Dresden anzugreifen. Schon vorher, bereits in den ersten Augusttagen, hatte Wallenstein den Generalfeldzeugmeister[40] Heinrich Holk damit betraut, bei Forchheim[41] ein festes Lager zu beziehen, um die Flanke der schwedischen Stellungen abzudecken und den Weg nach Böhmen offenzuhalten. Am 10. August 1632 bekam Holk, mit gleichzeitiger Ernennung zum Feldmarschall-Leutnant,[42] den Befehl, mit ca. 12 000 Mann nach Sachsen einzurücken, zur ‚Bestrafung‘ des sächsischen Kurfürsten, dessen Truppen[43] unter Generalleutnant[44] Hans Georg von Arnim[45] nach Schlesien und in die friedländischen Herrschaften Sagan[46] und Großglogau[47] eingedrungen waren“.[48] In der Regimentsliste des Hofer[49] Amtsschreibers, der am 25.8.1632 eine Regimentsliste nach Kulmbach[50] einsandte, war auch das von ihm geführte Kroaten-Regiment aufgeführt.[51]

Aus Zwickau[52] wird über den August 1632 berichtet: „In deme kömpt ein Regiment / so des Obristen Marci Corpitz Crabaten waren / von Stenn[53] gegen Planitz[54] gezogen / allda sie und in andern nahen Dörffern / als Bockwa[55] / Schedwitz[56] / Hohendorff[57] / über Nacht qvartiret: Mañ hat auch eben über der Zeit / als die Troppen angezogen / einen schönen Regenbogen über der Stadt gesehen / so vor ein gutes Zeichen geachtet worden“.[58]

Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611-11.12.1688][59] hat einen anschaulichen Bericht über diesen ersten Einfall Holks ins Erzgebirge (1632) hinterlassen; dabei führte Corpes seine zehn Kompanien Kroaten:[60] „Den 15. August kam er völlig vor Zwicka an und forderte es auf umb 2 Uhr nach Mittage. In der Stad hatten Sie nicht mehr den 20 geworbene Soltaten, so Vitzdum[61] kranck[62] hinterlaßen, und 3 Officirer von Defensionern[63] und hielten sich doch von Montag biß Donnerstag, weil den der holcke nahe 100 Canonschöße hinein gethan, die mann gar eigentlich in den Ober-Ertzgebirge gehöret, do die bürgerschaft albereit ermüdet, und kein succurs zue hoffen war, alß hat die Stad den 18. August accordirt,[64] und (ist) erstlich nur 1 Compagnie zue fueß hinein geleget worden. In diesen tagen commandirte der Holcke den Obristen Marcus Corpitz mit einem Regiement Crabaten auf recognition nach Dresden, die sindt in einen tag 13 meil weges geflohen und (haben) in ihren hin und herzug uber 11500 Menschen landt volck niedergehauen und dasselbe wie auch Lichtenstein,[65] Reichenbach,[66] Neukirchen,[67] Kohren,[68] Gnanstein,[69] Penig,[70] Siebeln[71] und Ober-Corbitz[72] von Dresden weggebrandt. – – „In wehrender Belagerung gieng ein Regiment Crabaten auf Chemnitz[73] / Oedern[74] / Freyberg[75] biß nahe an Dreßden / die haben geplündert / im Rückwege Oedern in brand gestecket / und ihrer Aussage nach über 1500. Menschen niedergehauen. Ihr Obrister war ein geborener Crabat / seines Handwercks ein Schneider / Marcus Corpitz genand / sie seyn in geschwinder Eil postiret / als hätten sie Adlers Federn / weil sie des Tags 13. Meilwegs[76] marchiren können; in solchem Zuge und March haben sie auch das Churfürstliche schöne Hauß Augustsburg[77] spoliret[78] / geplündert / und sonst übel zugerichtet.

Neben Oedern sind auch Sihlen[79] / Lichtenstein / Reichenbach / Neukirchen / Oelßnitz / Kohren / Gnanstein / Penig und andere Oerter in die Asche gelegt worden. Sie sind biß fast an Dreßden recognosciren geritten / und haben auch Ober-Corbitz angezündet“.[80] – –

Den 16. August fielen Sie in Schneberg[81] ein, funden es Öde und wüste, weil die bürger ihre mobilien vermauert und in bergwercken versezt, sich aber auf die wälder und theils mit weib und kinder in die Schächte retterirt hatten biß auf wenige, die in der furi niedergehauen, das Weibsvolck geschendet,[82] die wülste von müdern,[83] weil sie gelt in einen funden, abgeschnitten, die verborgende keller erbrochen, alleß außgeplundert, feuer in Schächte geworffen und barbarisch gehauset worden. M. Cardinal, der Bürgermeister, wahr blieben, bey welchen ein Obrist-Leutnant von Crabaten logiret, der verwiese ihnen, daß Sie nicht den Holcken entgegen geschickt und umb ein discretiongelt[84] sich umb Salvaguardia[85] beworben. Nun wehr es zu spat, die Stadt wurde immer stercker belegt und wahr nirgents Commando. Alß dieser Obrist-Leutenandt weg wahr, kam eine rotte Crabaten Vor daß hauß, und alß Sich der Bürgemeister zur gegenwehr stellte, schoßen sie (ihn) zum Munde durch den kopf todt, Plunderten sein hauß auch auß und Darnach allererst, alß diß Holcke erfahren, wurde Schneberg besezt, in contribution[86] und schuz genommen. Von den bürgern, beschedigten und erschreckten weibvolck starben ihrer viel, sonderlich fiel auch die Soltatenkranckheit[87] und Pest[88] mit ein, daß diesen herbst bey 2000 starben, und Schneeberg ziemlich lehr wurde. Der Holcke schlug ein lager vor der Stadt, samlete seine Regiementer, ließe Sie ausruhen und nach 4 tagen ging der March fort“.[89]

„Bereits am 26. August hatten Oberst Marcus Corpus’ Kroaten Schneeberg überfallen. Sie warfen Feuer in die Schächte, so dass die hierin Zuflucht suchenden Einwohner erstickten, schändeten Frauen und Mädchen und plünderten restlos. Als Holk davon Kenntnis erhielt, besetzte er die Stadt, forderte Kontribution und stellte sie unter seinen Schutz. Nach vier Tagen Ruhe zog er nach Annaberg“.[90] Holck hatte am 24.8.1632 Wallenstein gegenüber geprahlt, Corpes werde vor den Toren Dresdens aufs übelste hausen.[91] Am 29.9. schrieb Wallenstein aus Forchheim an Gallas: Am Vortag habe er ihn aufgefordert, Corpus mit seinen und den neuen kroatischen Infanteristen zu ihm zu kommandieren. Nun habe er sich aber entschieden, dass Gallas sie nötiger brauche, und so möge er sie behalten.[92]

„Nach der Übergabe des Schlosses Voigtsberg[93] zog Holck mit seinen Truppen vor die Stadt Plauen.[94] Die Hauptstadt des Voigtländischen Kreises wurde seit dem 21. August schon von zehn Kompanien Kroaten des Obristen Markus Corpus belagert. Auch hier leisteten die Bürgerschaft und ein kleines Kontingent Defensioner unter dem Hauptmann Hans Georg von Grensing zunächst Widerstand. Markus Corpus selbst war bei einem Erkundungsritt erst der Hut vom Kopf geschossen worden, und am nächsten Tag wurde er sogar unter der Achsel verwundet. In die Stadt sandte er einen gefangenen vogtländischen Adeligen mit dem Auftrag, die Stadt zur Kapitulation aufzufordern, er würde sonst Plauen erobern ‚und deß Kindes im Mutter Leibe nicht schonen‘. Kurz darauf aber erklärte er zwei Adeligen, die der Plauener Rat zu ihm gesandt hatte, er würde die Stadt ‚quittieren‘, wenn ihm ein Stück Geld gegeben werde – ein Angebot, das er jedoch am nächsten Tag wieder zurückzog. Er hatte Zeit gewonnen, Zeit, die seine Truppen nutzten, der Stadt das Wasser für ihre Mühlen abzugraben. Zugleich erhielt er Verstärkung, zunächst noch vier Kornet Reiter, und wenig später erschienen weitere Truppen von Oelsnitz her. Was dort soeben geschehen war, erfuhren die Plauener durch einen Adorfer[95] Bürger, der ihnen riet, die Stadt um Gottes Willen zu übergeben. Am späten Nachmittag des 23. August sandte die Stadtobrigkeit einen Trompeter[96] zu Corpus und bot die Übergabe auf ‚Gnade‘ an. Als die Tore geöffnet worden waren, drangen die Truppen in die Stadt ein, und es begann eine nicht weniger als vier Tage andauernde Plünderung,[97] von der nur das Haus einer adeligen Dame verschont wurde, vor dem Corpus eine Schutzwache aufstellen ließ. Holck selbst erschien mit seiner Leibkompanie[98] in der Stadt, brachte seine Verwunderung zum Ausdruck, daß so wenig ‚Volk‘ – gemeint waren die Defensioner – sich unter jenen befanden, die seinen Truppen Widerstand geleistet hatten, hatte er doch wenigstens fünfhundert Musketiere[99] hier vermutet. Im übrigen hinderte er seine Soldaten nicht an der Plünderung, die dem geltenden Kriegsrecht entsprach, hatte sich doch die Stadt ‚auf Gnade‘ ergeben, das heißt: ohne daß ein Akkord zustande gekommen war. Da sei ein Rufen, Heulen und Schreien gewesen, das es zum Erbarmen war, berichtete der Plauener Amtsschösser[100] Valentin Reichenbach einige Tage später dem sächsischen Kurfürsten, ‚do hatt nicht das geringste können verborgen bleiben, es sey auch vorgraben gewesen, alß man es vorgraben können, do ist weder Kirchen, Pfarr- noch Schulheußer bverschonet worden, alle Kisten und Kasten aufgehauen und aller Kirchenornat wegkgenommen worden‘. Auch das Amtshaus wurde geplündert, vorhandene Steuergelder wurden geraubt, Urkunden zerrissen. Der Bürgermeister Peter Sturm, der Stadthauptmann von Grensing und weitere Adelige wurden gefangen genommen und nach Eger geführt. Dennoch hatte die dreitätige Belagerung nur zwei Todesopfer bei der Bürgerschaft gefordert, bei den kaiserlichen Truppen aber vierundfünfzig“.[101]

Corpes nahm mit seinen zehn Kompanien an der Schlacht bei Lützen am 16.11.1632[102] teil.[103]

Und noch einmal wird Corpes von Lehmann nach der „Weiber-Schlacht bei Weipert“[104] 1632 erwähnt, als Bauern einen sächsischen[105] Tross[106] angegriffen, der aus dem von Holk belagerten und von Obristwachtmeister[107] Melchior Moser[108] aufgegebenen Leipzig kam – gemäß dem Akkord sollte der Konvoi nach Pressnitz[109] gebracht und vor den Angriffen der Bauern gesichert werden – und Frauen und Kinder, Soldatenjungen und einige Begleitsoldaten massakriert hatten. Moser hatte sich durch Flucht gerettet: „Den 17. December, den folgenden tag nach der Laniena[110] am Weipert, kamen die 2 Crabaten-Obristen Isolani und Corpitz mit ihren Crabaten und Böhmen, fingen und beschedigten, wen Sie antreffen, branden in Waltersdorf[111] das Richtergut weg, gingen durch Buchholtz[112] auf Annenberg und hohleten den Rest von des Mosers Soltaten ab und ließen mechtige treuword[113] hinder sich, kehreten nach der Presnitz und branden ein fuhrwerck an Beerenstein[114] weg, dem Rath zu Annenberg zuständig. Balt kehren Sie wieder, branden in Fern-Ruckerswalde[115] dem Förster Gabriel Poppen, den Sie ergriffen, und weil er fest, arm und bein entzwey geschlagen, daß er gestorben, seinen hoff, darzue Pfarre und Schule ab, und kundten die gefangenen kaum durch ihr bitten die Kirche erhalten. So arg es herginge, und die Keyßerlichen mit feuer und schwerd dieses gebirg beschedigten, blieben dennoch die Bauern halßstarrig, wolten Sich zue keiner Contribution verstehen, sondern ließen ihre heußer wüste stehen, lagen mit Weib und kindt, Pferd und viehe und, was Sie sonst noch hatten, in der Kälte und Frost auf den Wilten Wald und hütten, legten Sich des tages in die vortheil und schoßen untter die feinde, wurden auch oft selbst getroffen“.[116] […] „Flecken und Dorf Lengefeld[117] hinder Marienberg[118] hatt wegen der straße nach Zwicka und Freyberg in der Unruhe viel außstehen müßen. Die Generales Holke, Gallas, Adelshofer [Adelshofen][119] und die Crabatischen regiementer untter dem Corpus Isolani etc. sindt allezeit in hinn- und wieder marchiren mit den Stab drinnen gelegen, die leute sind geradelt,[120] beschedigt und verjagt worden, daß es viel wochen wüste gestanden; viel leut und junges Volck haben Sie mit weggeführet, die nie wieder kommen sind. Den 3. September überfielen Sie des Nachts das Stedlein Frauenstein,[121] erstiegen das Schönbergische Schloß und hieben nieder defensioner und bürger, was Sie in gewehr gefunden“.[122]

„Zu Beginn des Jahres 1633 wurde die Markgrafschaft, mit Ausnahme der Städte Kulmbach,[123] Bayreuth[124] und Creußen,[125] von den Kaiserlichen beherrscht. Besonders zu leiden hatte dabei wieder das Sechsämterland,[126] wo mehrere Kroatenregimenter unter dem zu Arzberg[127] liegenden Obersten Corpus Quartier bezogen hatten. Diese Truppen raubten und erpreßten allenthalben Geld und Lebensmittel, und alle Städte und Dörfer, die selbst nicht mit Einquartierung belegt waren, mußten starke Kontributionszahlungen leisten. Welche Lasten dabei einzelne Gemeinden auf sich nahmen, um durch äußerste finanzielle Opfer einer angedrohten Einquartierung zu entgehen, wird am Beispiel der Stadt Hof[128] deutlich. Die Bürger schätzten sich dort noch glücklich, als es nach längeren Verhandlungen mit Oberst Corpus gelang, die Stadt zunächst durch eine Zahlung von 90 Reichstalern ‚von 10 tagen zu 10 tagen‘, dann aber von 100 und schließlich von 200 Talern pro Woche vom Feinde freizuhalten. Trotzdem ließen sich aber gelegentliche Einquartierungen dadurch nicht ausschließen.

Selbstverständlich unternahmen die im Sechsämterland liegenden Kroaten immer wieder Streifzüge durch das gesamte Oberland der Markgrafschaft. Es gab wohl kaum einen kleineren Ort, den sie nicht heimsuchten. Besonders schlimm hausten sie im Januar in der Gegend von Bayreuth. Weidenberg[129] und Bindlach,[130] Goldkronach,[131] Berneck[132] und Gefrees[133] wurden geplündert.

Bayreuth selbst wagten sie allerdings nicht anzugreifen. Dort lag zu dieser Zeit der schwedische Obristleutnant Reinhold von Rosen, der soeben aus dem Schlosse Wernstein[134] angekommen war, mit zahlreichen Reitern im Quartier. Er hielt auch Creußen besetzt und schützte zwar die beiden Städte, war aber nicht geneigt, auch das Umland zu schützen; denn von Bayreuth und Creußen aus unternahm er seinerseits lieber weite Plünderungszüge in das Gebiet der Oberpfalz“.[135]

Der Hofer Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] hält fest: „Demnach seither die in verschiedenen herbst des abgewichenen 1632. jahrs zu Lützen vorgegangenen großen feldschlacht zwischen schwedischer königlicher und kaiserlicher armee, […] kurz darauf die stadt Hof, sowohl auch mehren theils andere städte und flecken dieses Marggrafthums von den kayserlichen in contribution gesezt, auch an etlichen orten, besonders an der stadt Wunsiedel[136] den 5. Januarii [a. St.; BW] gewalt gebrauchet worden, dass daselbst 300 polacken[137] angesezt und die thoren aufhauen wollen, so aber mit gütlichem accord abgewiesen worden, die aber doch weiters durch das land gangen, und den 16. januarii Gefreß,[138] Goldcronach[139] (alda sie einen vertriebenen schlesischen von adel, Funck genandt, die hand ab- und einen schloßer, der den fallbaum niederlassen wollen, den kopf voneinander gehauen), wie auch Weiden,[140] Berg[141] und andere ort ausgeplündert, pferd und alles vieh mit hinweggenommen, besonders aber auch bey 8 compagnien polacken und croaten bis an die stadt Hof gestreifet und den 23. januarii gar in die Vorstatt kommen, daselbst geplündert, und sich im land gar übel angelassen, weil man in den benachbarten Bischofthum Bamberg den 23. januarii vor stadt Cronach[142] einen krieg angefangen, und rittmeister Rosa[143] den 4. februarii zu Gerau[144] schon mit schwedischem volck ankommen, hat man auch bey dieser stadt [Hof] auf ergangene citation anfänglich den obrist Penickhausen.[145] nach diesen einen croatischen obristen Kegleritz[146] wöchentlich 200 thaler contribution geben müssen, bis endlich obrist Korpus, so in den monath januario in den 6 aemtern[147] zu Arzberg[148] quartier genommen, ein anderer croatischer obrister, mit hiesigen abgeordneten zu Rehau[149] tractiret, da es zu einem leidentlichen [abkommen] als wöchentlich auf 100 thaler kommen. Es hat aber nicht lange gewehret. Denn als im februario 3 andere croatische obristen als Corpus, Forgatzsch[150] und Peigert,[151] nachdem sie erstesmahles an Plauen[152] gesezt, ankommen, haben sie einen ehrbaren rath zu sich in herrn Johan Dürrenhofers abgebranten gasthof erfordert und ihnen Forgatzsch angefüget, wie dass sie von ihm aufs neue in contribution gesezt werden, und darüber nachher Oberkozau[153] mit ihnen zu tractiren abordnung thun solten. Sogleich fort geschehen müssen, und sind damals abgeordnet worden ehrenermeldter[154] Johann Dürrenhöfer, damals gastwirth, Hanß Georg Teg und Georg Nester. Die haben bey ihrer wiederkunft die relation mitgebracht, dass nemlich die stadt Hof wöchentlich liefern sollte und müste 200 thaler, 2 eymer[155] wein und 9 faß[156] bier. Als nun der anfang mit lieferung des biers montags den 25. februarii fortgehen sollen, ist doch gemeldt bier dienstags abends, weilen er, Forgatzsch, eilends ordre, neben den andern obristen sich nach Eger[157] zu begeben, überkommen, bis auf weitern bescheid wieder zurückgeschickt worden. Inzwischen wird von den kayserlichen und bayrischen kriegsvolck allenthalben gewalt geübet, gestalt den 18. februar bey 400 croaten bey Culmbach[158] sich praesentirten, aber förders auf Sch[a]uenstein[159] und Helmbrechts[160] marchirten, daselbst etliche 100 stück vieh abnehmen und solches auf Eger zutreiben.

Craysen[161] hatte es auch wegen einquartirung und aufnahm des rittmeister Roßens ganz bey den [Ober-; BW] pfälzischen[162] verderbet, dahero den 21. februarii vor tags bey 250 mann fußvolck sich in die Vorstadt eingeschlichen und um die stadt herum bey 2 bis 3000 reuther gehalten in hoffnung, die stadt plündern zu helfen. Diweilen aber herr rittmeister Rosau gute kundtschaft gehabt und die gantze nacht in bereitschaft gewesen, hat man sobald auf die in dunkeln herbeynahende musquetierer feuer gegeben, und ist der scharmüzel[163] früh um 5 uhr angangen, da die bayrischen starck mit musqueten,[164] auch etlichen geschüzlein starck in die stadt geschossen, die Vorstädte gantz abgebrannt und vermeinet, die stadt zu gewinnen. Allein es ist ihnen solche gegenwehr geschehen, dass sie ihre wägen, so mit sturmleitern beladen, abledigen und ihre toden darauf legen und wegführen, auch also mit spott und hohn wieder abziehen müssen, da hingegen bey diesen sturm, der 6 stunden gewehret, [auf seiten der schwedischen] nicht ein mann, als ein trommelschläger[165] und ein dragouner,[166] geblieben.

Gleichergestalt als freytags den 1. martii etliche corpusische croaten sich zu Tiefendorf[167] verspätet und nachmahlen sich muthwillig und wiederwärtig erzeiget, sind ihrer 6 von des orts bauern und edelleuten niedergemacht worden,[168] derowegen der herr stadtvogt[169] Johann Christoph Hendel, ein weidlicher, frischer geschickt[er] und verständiger mann, so hierbe vorn einen soldaten abgegeben, [p. 4] mit den einigen entrunnenen croaten die besichtigung einnehmen müssen. Mitlerweile und Nachmittage wird dem obristen Forgatzsch ein cornet zur abhohlung der contribution anhero geschickt. Derselbe wird von den sächsischen zu Plauen liegenden völckern unter dem obrist Veit Dietrich von Tauben,[170] welche zum Unterthor unversehens in etliche 20 starck hereingefallen, ertappt und gefänglich mit weggeführet. Und obwohl die sächsische grose promiss gethan, dass der stadt folgenden tages gewisse entsezung folgen solte, so ist doch solches unterblieben, sondern es hat sich vielmehr den 3. martii Nachmittag wieder ein compagnie croaten von Oberkozau her bey dem Trüben Teich praesentiret, zu dem der herr stadtvoigt hinausgegangen, trunk und brod reichen lassen, sind sie darauf gegen die Plauische Straße recognosciren und von dannen wieder zurück auf ihre quartier gangen.

Montags den 4. martii komt obrist Corpus mit seinen gantzen regiment vor den Obern Thor an, und er vor seine person reith mit wenig pferden in die stadt, begehret den herrn stadtvoigt mit ihm nach Tiefendorf[171] zu reiten, so geschehen.

Darauf man allhier abends 8 oder 9 uhr zwey grose feuer, als eines zu Hohen-,[172] das andere zu Tiefendorf[173] gesehen, da dan diese beyde dörfer um der todschläge, an den 6 croaten begangen, eingeäschert worden.

Die Aschermittwochen darauf am 6. martii, als man um 7 uhr zur wochenpredigt gehen wollen, kommen alle 3 obristen, Forgatzsch, Corpus und Peigert, mit allen bey sich habenden völckern von der Ziegelhütten anmarchiret, sazten alsobald zum obern Thor herein mit etlichen 20 compagnien croaten. Und ob sie wohl nichts feindseliges fürnehmen, auser dass etliche undisciplinirte in unterschiedene häußer eingefallen und uf den gaßen viel personen geplündert, ist es endlich zu einer einquartirung kommen, und folgends donnerstags ein ehrbahrer rath zu ihme, herrn obrist Forgatzsch, erfordert worden, und hat man ihme auf etliche wochen 1500 thaler herausgeben müssen, auch wegen des weggeführten cornets und salva guardiknechts straf erlegen sollen.[174] Weil man aber die hohe anforderung nicht erheben mögen, ist ihnen gleichwohl der halbe theil ihres erforderns dargezahlt worden, darnach seindt sie freytags den 8. martii um mittage plötzlich von hinnen wieder aufgebrochen, und wegen der praetendirten hinterstandes herrn stadtvoigt Johann Christoph Hendel und herrn bürgermeister Johann Gröschel mit nach Eger genommen worden, welche daselbst beym Schwarzen Bären in arrest bis nach Ostern bleiben müssen. Inzwischen haben die bayrischen den schaden, so sie vor Craysen erlitten, wiederum zu rechnen[175] gedacht und sich mit noch viel mehrern volck den 14. martii dahin gewandt.

Als aber herr rittmeister Rosa, welcher etliche tage vorher die classe eines obristlieutenants bekommen, davon kundschaft erhalten, hat er zu Craisen, weil man ihme vorher das waßer genommen, nicht verbleiben wollen, ist der ursachen auf Bayreuth geruckt, deme die bayrischen den 25. martii gefolget und den Rosen in nahmen herrn general Wahlens[176] heraus- und die stadt Bayreuth aufgefordert, allein es ist von den rosischen auf sie geschossen und wieder abgetrieben worden. Darauf sie dem Morizhof[177] und die eine Vorstadt bis auf wenige häußer abgebrant, sich wieder auf Craisen gewandt, daselbst nachtquartier genommen und beym aufbruch frühe den 16. martii die gantze stadt abgebrandt, dass nicht ein hauß in der ringmauer stehend verblieben. In dem rückweg auf die Pfalz haben sie auch Gottesfeldt[178] (so ihr fürstliche gnaden frau Marien Marggräfin, Brandenburg[-Ansbach] zugehörig, und ein herrlich schön Schloß gehabt) wie auch Schnabelweidt,[179] Heidhof[180] und andere orte[181] in den brand gesteckt. Als aber die vorgemeldeten croaten allhier zum Hof aufgebrochen, haben sie 2 soldaten zur salva guardia hinter sich verlassen, so bey herrn Georg Schillern verpfleget worden, bis freytags den 15. martii um 10 uhr der schwedischer obrister Georg Christoph von Taubadel[182] neben seinen und den sächsischen taubischen volck vor den Unternthor angesezt, mit gewalt eröffnet und die beyden auf salva guardia liegende croaten gefänglich angenommen, darauf die stadt umritten, dieselbe besichtiget. Das meiste volck aber muste auf der höhe über dem Lazareth im felde halten, denen müste man bier und brod hinausverschaffen. Nachmittage um 2 uhr aber marchirte obgemeldter obrister mit seinen und den sächsischen völckern wieder zurück, wolten die beeden salvaguarden mitnehmen, wurden aber von hiesiger bürgerschaft erbeten, weil sonst die stadt um ihretwillen das höchste unheil würde haben ausstehen müssen, hingegen wurde ein croat, so die wunsiedler fuhren nach Leipzig gehend convoiret, vor den Unter Röhrkasten[183] von einen schwedischen erstochen, dahero ein groß schrecken entstanden, also gar, dass viel leuthe aus der stadt entwichen und fast niemand bleiben wollen, obgleich die andern 2 von den sächsischen loßgebetene croaten auf dem bürgerlichen Rathhause öffentlich bekanckt, auch an ihre obristen geschrieben, dass die stadt unschuldig und vor die grose gewalt nicht gekönt. Nichtsdestoweniger sind die flüchtigen bürger, so den schweden und sächsischen nachgeeylet, vermeinet, bey ihnen schuz zu haben, unterwegens nach Redwiz,[184] alda die wonsiedler fuhren auch aufgehauen und auf 20 pferde ausgespannt, sehr spolirt worden. Nach diesen streiften die croaten fast täglich und ritten recognosciren, bis endlich freytags den 29. martii die schwedischen und sächßischen sich wieder conjungiret und vor tags in die stadt kommen, unterwegs aber viele von den croaten ausgeschickte partheyen angetroffen, dieselben ziemlicher maßen empfangen und nebst vielen niedergemacht, unter andern auch einen rittmeister nahmens Stephan Garmathey[185] (so nach Erfurt[186] geschickt worden und zu Schleiz[187] ausgesaget, dass er selbigen tages die stadt Hoff spoliren solln) gefangen bekommen. Obrister Corpus hatte zeitlich davon kundschaft, derowegen, als er gleich ein eßen fisch verzehren wollen und nachricht bekommen, hat er plötzlich sich nach Eger reteriret. Aber obrister Forgatzsch muste haar halten[188] und [hat] sein gut pferd den schwedischen und sächßischen zur beute gegeben“.[189]

Der Zeitzeuge und Bürgermeister des von Eger abhängigen Marktredwitz Georg Leopold [1603-1676][190] schrieb für Anfang 1633 anlässlich der Einquartierung kaiserlicher Kroaten-Regimenter: „Hernach kam der Ober[st] Forgatsch[191] [und] nahm sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Thiersheim,[192] [Markt]leuthen[193] und Kirche[n]lamitz.[194] Der Ober[st] Beygott[195] hatte sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Fischern[196] und Markhausen.[197] [Der] Ober[st] Orossi Paul[198] [war] mit seinem Regiment Kroaten zu Mühlbach[199] und Kunreuth,[200] Ober[st] Koglewitz mit seinem Regiment Ungarn zu Liebenstein,[201] Ober[st] Corpes, welcher diese Regimenter alle kommandierte, nahm das Quartier mit seinem starken Regiment Kroaten zu Arzberg [und ver]teilte sein Regiment auf die [folgenden] Dörfer: ein Kornet[t] nach Grafenreuth,[202] ein Kornet[t] nach Korbersdorf,[203] ein Kornet[t] nach Lorenzreuth,[204] ein Kornet[t] nach Haag,[205] zwei Kornet[t] nach Brand[206] [und] ein Kornet[t] nach Seußen.[207] Die übrigen hatte er bei sich. Als sie sich nun solchergestalt in die Quartiere verteilt hatten und der Regimenter viel waren, hingegen die Quartiere eng, auch darin[nen] wenig zum besten, haben diese Völker ausgesetzt weit und breit im Land. Da ging es dann im ganzen Land abermals jämmerlich her, denn diese Völker hatten gute, geschwinde Pferde. Da war auf 12 oder 15 Meilen nichts sicher vor ihnen. In solcher Ferne plünderten sie aus Städten und Märkten und rissen den Männern sowohl die Weiber [als] auch ihre Jungfrauen und Töchter von ihren Seiten und führten sie mit sich in ihre Quartiere. Solch traurige Herzen, die uns sehnlich von ferne angesehen und [an]geseufzet, haben wir fast täglich vor Augen gehabt und vorüberführen sehen. Aber da war bei diesen barbarischen Völkern keine Rettung. Da war kein Tag, [daß] man [nicht] hörete, [daß] da und dort dieser oder jener erschossen, erhauen oder sonst zu Tode gemartert worden ist. Da war ein Winseln, ein Schreien, Händewinden und Haarausraufen; bald von Männern, bald von Weib[ern] und Kindern. Ach mein Mann, ach mein Vater ist erschossen, erhauen oder gefangen mitgeführet worden ! Ach mein Weib, meine Tochter, meine Mutter, meine Schwester haben sie mit hinweggeführet, zu Tod[e] gemartert, hernach ins Wasser geworfen ! Ach, wie haben die Frommen ihre Häupter emporgehoben und nach einem seligen Ende geseufzet ! Und obwohl wir allhie[r] Tag und Nacht bei diesem jämmerlichen Zustand in Gefahr und Sorgen vor diesen fremden fremden Völkern standen, so hat doch Gott der Allmächtige seine starke, schutzreiche Hand über uns so gnädiglich gehalten, daß wir’s ihm nicht genugsam(b) (ver)danken können. Denn der Kommandant zu Eger, Herr Ober[st] Adelshöffer, von welchem diese Regimenter alle Order holen und erwarten mußten, (der) hielt uns mächtigen Schutz und band ihnen ernstlich ein, sie sollten sich an Rebitz – welches sein Quartier [war] und zur Erhaltung seines Regimentes kontribuieren mußte – ja nit vergreifen. Obwohl wir des Adelshöffers Regiments-Proviantmeister[208] mit etlichen Musketieren zur Besatzung und Salva Guardi[a] hatten, die uns vor allem Anfall defendieren sollten, so haben wir doch zur (Ver)sicherung auch bei Herrn Ober[st] Corpes etliche Kroaten ausgebracht und zu unserem Dienst gebraucht, damit, wann die Parteien, [die] so stark hin- und hergeritten [sind], etwas begehrt und haben wollten, (daß) sie auf ihre Sprache mit ihnen reden und antworten konnten. Denn da sparten wir keine Unkosten, weder Geld noch Geldeswert. Da zogen wir alles hervor und gaben willig und gerne alles, was wir hatten den(en) Obersten, die uns [in] dieser Zeit geschützt haben. Unsere Tor[e] mußten wir zugesperret haben Tag und Nacht und fleißig wachen, denn allernächst an den Toren wurden die Leut[e] ausgezogen, niedergehauen und beschädigt. Und durfte sich also niemand außerhalb auf dem Lande ohne starke Konvoi sehen und betreten lassen. Deswegen die Bauersleut um(b) uns sich mit Weib, Kind und Vieh – was sie noch hatten – wieder herein zu salvieret [haben]. Und ist dies gar gewiß, daß sie solche vergiftete Waffen[209] hatten, daß, wer nur ein wenig von ihnen beschädigt wurde, der mußte daran sterben, er trieb’s gleich lang oder kurz.

Als im Anfang die Kroaten in die Quartiere kamen, schickte der Ober[st] Beygott Schreiben anher[o], daß unsere Herren alsbald(e) nach dessen Verlesung sich aufmachen und noch selben Tag[s] bei ihm in seinem Quartier in Markhausen[210] erscheinen sollten. Und do solches in puncto nicht geschehe, sollten wir von ihm nichts anderes als Feuer und Schwert zu erwarten haben. Daher(o) [haben] sich abordnen lassen: He[rr] Friedrich Wuttig, Bürgermeister, He[rr] Hans Georg Steinl, Richter und He[rr] Hektor Hagius, Gerichtsschreiber. Und als sie sich zu [= bei] ihm [ein]gefunden im Dorf Markhausen, hat der Ob[e]r[st] von ihnen über Bier, Fleisch und Brot [hinaus] an Geld [noch] begehret 100 Reichstaler. In langer [Ver]handlung ist es auf 60 Taler kommen. Und weil(n) er sie von dannen nit [hat] lassen wollen, er habe denn das Geld, als[o] sind beide Herren, als[o] Wuttig und [der] Gerichtsschreiber, auf Hohenberg[211] zum Kommandanten daselbst, welcher ein Hauptmann unter dem Adelshöffer [war]. Der bewilligte, das Geld herzuleihen. Unterdessen haben sie Herrn Steinl, [den] Richter, bei den Kroaten, bis sie mit dem Geld kamen, gefangen zurück (hinter)lassen.

Inmittelst ist von dem großen Regenwetter das Gewässer so groß gewachsen, daß sie nicht zusammenkommen konnten. Und ehe solches gefallen, haben die Kroaten Ordonanz bekommen, daß von ihnen 2 Komp[anien] in Böheim(b) [ein]marschieren sollten. Dieselben nahmen unsern Herrn Richter, warfen ihn auf ein Pferd und führten ihn anstatt des Geldes gefänglich mit davon. Und als sie nun mit ihm zu Eger vorüber wollten und sie sich in der Vorstadt etwas aufgehalten, da sahen dann die egerischen Bürger, daß sie (ihn) He[rrn] Richter gefänglich mitführten. Sie zeigten solches alsbald dem Kommandanten an. Der schickte geschwind etliche Offiziere(r) hinaus und läßt ihn mit Gewalt wieder hinwegnehmen und in die Stadt bringen. Da [war] denn der Kommandant sehr übel zufrieden, daß sich unsere He[rren] Abgeordneten ohne sein [Vor]wissen hinausbegeben hatten; aber es war [eben] geschehen.

Die Kroaten aber, die es damals nit anders(t) machen konnten und geschehen lassen mußten, gaben zwar Drohwort[e] aus und wollten es zu gelegener Zeit schon rächen, wie denn bald hernach(er), als selbiges Regiment neben noch anderen 3 Regimentern Kroaten auf uns zu marschierte und einen Trompeter voraus geschicket und zu wissen begehret, ob man ihnen das versprochene Geld wollte geben. Wo nit, so wüßten sie solches an jetzo selbst zu zahlen. Aber unser Proviantmeister sprach nit allein dem Trompeter, sondern auch den Kroaten zu, es wäre ihm von seinem He[rrn] Obersten ernstlich geboten, daß die Rebitzer ohne sein Wissen und Verwilligung niemand weder Geld noch Proviant geben sollten. Doch wollte er (solches) an seinen He[rrn] Ob[e]r[st] nach Eger berichten, ob sie ihnen was geben sollten oder nit. Inmittelst sollte der kroatisch[e] Ober[st] seinen Regimentsquartiermeister so lang, bis der Bericht zurückkäme, allhier (hinter)lassen. Als nun der Bericht kam, wurde uns nit allein verboten, nichts zu geben, sondern der Kommandant schrieb auch den Kroaten scharf, sie sollten Rebitz unbedrängt lassen. Wollten sie dann [noch] was Widerwärtiges wider sein (Ver)hoffen vernehmen, wüßte er sie bei Kais[erischer] Majestät schon zu finden. [Er] wollte sie also hiermit treulich verwarnet haben.

Dieser Bericht gefiel den hinterbliebenen Kroaten aber nicht und murreten also davon. Aber lang hernach führte sie der Teufel wieder her. Da mußten wir Gott danken, daß sie das Geld von uns mit Willen annahmen und sonst nichts Feindliches tentierten; denn der Adelshöffer war [zu] selber Zeit nit mehr in Eger. Dieser Adelshöffer hielt herrlichen Schutz über uns. Er ließ uns nit gern in Not geraten, denn sobald Volk in der Nähe im Marsch war, hat er (solche) Vorsorg um(b) uns getragen und uns bisweilen 30 bis 50 Dragoner und Musketiere(r) zur Defension herausgeschickt. Aber bei ihm war auch Geld die Losung. Wir mußten ihm steif in die Büchsen blasen. Er war ein junger, tapferer und gelehrter Herr. Einesgleichen ist nach ihm nit mehr auf Eger [ge]kommen.

Dieser Zeit sind etlich wenig Polacken zu Münchberg[212] eingefallen und haben geplündert. Weil sich dann die Münchberger auch bedenken ließen, es wäre ihnen ein[e] Schand[e], daß sie sichj von solch[en] wenig[en] Leuten sollten tribulieren lassen, wollten [sie] ihren Mutwillen nit gestatten, fallen dieselben an, erschlagen nit allein derselben (bei) 10 oder 8 und nehmen ihnen etliche Pferde, sondern, weil sie auch sahen, daß die Polacken hübsch stark und fett [waren], haben sie etliche Riemen aus dem Leib geschnitten[213] und sind übel mit ihnen um(b)gangen. Aber sie mußten nit allein die Pferde wieder zurückgeben, sondern es wurden auch um(b) dieswillen viele zu Boden gehauen und [es wurde] wieder übel mit ihnen gehauset. Wie dann lange Zeit niemand hat doselbst wohnen und bleiben können, bis diese Völker sich wieder aus dem Land gemacht“.[214] […] Für den März 1633 heißt es: „Den 29. dito hat der chursächsische Oberst(e) Daube,[215] so bishero in der Stadt Hof und Plauen[216] (nit allein, sondern) mit etlichen sächsischen Völkern gelegen, das Kaiser[ische] Forgatzische Regiment Kroaten in ihren Quartieren zu Kirche[n]lamitz, Leutten [= Marktleuthen] usw. überfallen und gute Leut[217] gemachet. Dahero die anderen Kroaten auch nit große Lust [hatten], länger zu bleiben; wie dann der Oberst Corpes den 4. Apr[il] zu Arzberg mit den übrigen auch aufgebrochen und nach Schlesien zu marschieret [ist]“.[218]

„Zu Beginn des Jahres 1633 hatte die Bedrückung der Hofer Gegend, des Vogtlandes[219] und des Fichtelgebirges durch Einquartierungen und Plünderungen kroatischer Regimenter erhebliche Ausmaße angenommen. Das Regiment des Obersten Marcus Corpes logierte in der Gegend um Arzberg, Grafenreuth[220] und Korbersdorf, später um Adorf[221] und Hof und setzte von dort die umliegenden Gemeinden in Kontribution, während das Regiment des Grafen Miklós (Nikolaus) Fórgach um Marktleuthen, Thiersheim und Kirchenlamitz[222] Quartier bezogen hatte. Am 18. Januar überfiel Corpes Gefrees[223] und bedrohte die Orte Münchberg, Stockenroth,[224] Helmbrechts[225] und Schauenstein“.[226]

„Corpes hatte bereits Anfang Februar 1633 durch den Taupadel’schen Oberstleutnant Reinhold von Rosen[227] [aus der livländischen Linie Hoch-Rosen] eine empfindliche Niederlage erlitten. Mit 1000 kroatischen Reitern war er von seinem Quartier in Arzberg kommend in die Gegend von Kulmbach[228] eingefallen, aber durch den dortigen Hauptmann Muffel[229] abgetrieben worden. Daraufhin stellten sich die Kroaten bei Altenkunstadt,[230] unterstützt von etlichen Weismainer[231] und Kronacher[232] Ausschüssern, wo sie bei Tagesanbruch des 1. Februar von Rosen, der ca. 600 Reiter und 2 Kompanien Dragonern führte, angegriffen und in die Flucht geschlagen wurden. Auf dem Rückzug überfielen die Kroaten um 2 Uhr nachmittags den Ort Wirsberg[233] (östl. Kulmbach), plünderten 2 Stunden und setzten beim Abzug das Schloß, die Kirche und etliche Häuser in Brand. (Braun/Leopold, S. 30 (Georg Leopolds Hauschronik); Ortschronik Weißenstadt, Fehn Bd. 6, 211)“.[234]

„Besonders schlimm traf Ahornberg[235] bei Helmbrechts. Am 3. März 1633 wurde das Dorf von den Corpes’schen Kroaten überfallen, geplündert und in Brand gesteckt, die Einwohner wurden niedergemacht. 65 Personen fielen diesem Massaker zum Opfer. (Braun/Leopold, S. 27; Holle Hft. 2, S. 1-8f.; Dietel, S. 308)„.[236]

Ende März sandte Joachim von Donnersberg[237] einen Lagebericht an Wallenstein: Bayern wolle bis Ende März einen corpo volante[238] errichten und damit gegen den im Bistum Bamberg liegenden Feind ziehen. Dazu benötige er von der kaiserlichen Armee Corpus und dessen Kroaten, 1.000 schwere Pferde[239] und 3.000 oder 2.000 Infanteristen. Dafür biete Bayern die Belassung von 4.000 Mann in der Oberen Pfalz, ohne dass diese Armee geschwächt würde. Proviant werde aus der Oberen Pfalz und aus Regensburg, Artillerie aus Forchheim[240] und Lichtenau[241] beschafft werden. Dieses Corps könnte auch für den Fall eines feindlichen Einfalls in Böhmen verwendet werden. Bayern wolle diesen Truppen auch einen Monatssold bezahlen.[242]

„Ein Entsatzversuch Weismains durch kaiserliche Kroaten unter dem Obristen Marcus Corpes schlug fehl; er mußte wegen Mangels an Feldstücken wieder abziehen. Am 29. März/8. April wurde Corpes, der sich ‚mit 12 Cornets Reitern, etlichem Fußvolk und Artillerie‘ auf dem Rückweg von Weismain befand, von dem schwedischen Obersten Georg Christoph von Taupadel, der sich in Hof mit dem Reiterregiment des kursächsischen Obristen Dietrich von Taube vereinigt hatte, überfallen und bis nach Kirchenlamitz[243] verfolgt. Die schwedischen Truppen ‚gingen also in gesambt gerades weges auff den Feind zu, traffen denselben an und setzten dermassen in ihn, daß er das Feld räumen, alle Pagage im Stiche, auch über hundert todt und viel gefangen hinterlassen müssen‘. (Chemnitz II, S. 111)“.[244] „Generall Dubalt[245] hearing of some forces, entered into Moravia; and a Regiment of Horse, vnder the commander Corpus, consisting of 12. companies, marching towards Hof, there to ensconce themselues, left the Army; and with some few Troopes of Horse, aduanced against them, and fell vpon their Flancke; before they could recouer the Towne, flew many of them vpon the place, and shot the Commander Corpus through one of his Armes“.[246]

Am 16.4.1633 schrieb Piccolomin[247]i aus Königgrätz[248] an Gallas:[249] Am Vortag sei Ilow[250] mit Gallas’ Befehlen erschienen. Er habe sofort Isolano nach Landeshut[251] in Marsch gesetzt und wolle Corpus nach dessen Ankunft ebenfalls dahin kommandieren. Am heutigen Tag erwarte er Haugwitz.[252] Gallas wandte sich am 1.5.1633 aus Neiße an Illow: Er werde durch Sparr sicherlich über den Feind unterrichtet sein. Daher möge er den Regimentern Isolano und Corpes Befehle erteilen, vor der dem Feind auf der Hut zu sein.[253] Gallas wandte sich am 3.5. aus Neiße an Piccolomini: Wegen der drohenden Gefahr seitens der Ungarn seien die Regimenter Isolano und Corpes abkommandiert worden. Er möge an ihrer Statt irgendeine Reiterei nach Trautenau schicken. Der Feind habe alle seine Streitkräfte gesammelt und werde am nächsten Tag ausrücken; wohin, sei vorläufig nicht bekannt.[254] Noch an diesem Tag hatte Gallas Wallenstein unterrichtet: Soeben habe er sichere Nachrichten erhalten, dass tausend Ungarn marschierten und jeden Tag Jablunkau erreichen könnten. Er habe sofort sowohl an Philipp von Mansfeld geschrieben, er solle 200 Musketiere nach Teschen kommandieren, als auch an Rudolf Colloredo, er möge mit seinem Regiment das Feldlager beziehen. An Isolano und Corpes seien Befehle ergangen, mit ihren Regimentern den Ungarn Widerstand zu leisten.[255] Illow hatte am 5.5. Wallebnstein aus Königgrätz informiert: Gallas habe ihn angewiesen, ihm mitzuteilen, dass sich der Feind bei Schweidnitz zusammen ziehe und dass auch – der in kursächsischen Diensten stehende – Ulrich III. von Dänemark nach Bunzlau und Schweidnitz unterwegs sei. Er sammle Brot- und Biervorräte und rüste sich angeblich zum Einfall in Mähren und zur Vereinigung mit den Ungarn. Von Götz sei die Nachricht eingetroffen, dass 1.000 Ungarn gegen Jablunkau zögen. Gallas habe Philipp von Mansfeld aufgefordert, 200 Mann nach Teschen abzukommandieren und habe auch Rudolf Colloredo und die Regimenter Götz, Corpes und Isolano dorthin in Marsch gesetzt. Beigelegt war ein Schreiben Illows an Wallenstein vom Vortag: Gallas habe habe ihm geschrieben, dass sich der Feind zwischen Nimptsch und Strehlen stark zusammenziehe. Gallas habe der gesamten Reiterei den Befehl erteilt, sich bei Glatz zu sammeln. Auch Piccolomini habe seinen in der dortigen Gegend liegen Truppen befohlen, sich in Bereitschaft zu halten.[256]

Am 7.9. hatte Wallenstein aus seinem Feldlager bei Schweidnitz bestätigt, dass Corpus Außenstände von 31.996 Rt. zu fordern habe, die auch ausgezahlt wurden.[257]

Vom 28.9.1633 datiert Wallensteins „Diploma für die croatischen Obristen und Offiziere“: „Wir Albrecht etc. Vhrkunden vnd bekennen hiermit offentlich für iedermänniglich: Demnach der Röm. Kay. Mai. über die Croatische cavalerie besteltter General Ludwig Isolani,[258] Freyherr, so wol der Obr. Corpus,[259] Obr. Logi,[260] Obr. Forgatsch,[261] Obr. Rewai, Obr. Przschichofzky[262] vnd Obr. Delitsch nebenst ihren vnterhabenden officiern vnd reutterey sich in allen occasionen gegen dem Feind hertzhaft vnd tapffer gehalten vnd höchstbemeldter Ih. Mai. dienst mit vnerschrockenem gemütte, auch vngesparet ihre Lebens alles fleißes verrichtet,insonderheit bey diesem Feldtzug, als wir gegen dem feindt gelegen, denselben unablässig vnd dergestalt travagliert, das er in die euserste nohtt dardurch gerahten: Als thun wir sie kraft dieses hiermit versichern, das zu einer wolverdienten recompens[263] von denen nechsteingehenden confiscationsmitteln bemeldtem Gen. Isolani ein gutt von 60.000, Jedem der obbemeltten Obristen aber eines von 30.000, wie auch ieglichem capitain[264] ein es von 10.000 fl., doch mit dem beding, das ieder derselben capitain seinen vntergesetzten officiern, als leuttenantt,[265] fendrich,[266] corporaln[267] vnd andern, eine ergetzlichkeit darvon thun, eingereumet werden solle. Welches dann mehr höchstgedachte Ih. Mai. dero mildesten, zu recompensirung Ihro trew geleisteter dienste stetz gerichteten intention nach sonder allen Zweiffel Ihro allerdings also wolbelieben lassen werden“.[268]

Am 23.10.1633 wandte sich Gallas aus Leitmeritz[269] an Wallenstein: „Euer fürstl. Gn. gnediges schreiben, vom 21. diß im Veltlager bei Crossen[270] datiret, bekomme ich diesen Abend vmb 5 Vhr. Habe dero gnedigen befehlich gehorsamlich vernommen. Waß Herzog Franz Albrecht[271] so wol der Trompeter[272] Euer fürstl. Gn. berichtet, dz der Feind noch dießeit der Elb bey Gamitz[273] sey, kann solches wol sein, dz der Trompeter die jenigen Regimenter zu Pferd vnd commandirtes Fuß Volckh gesehen, wie E. Fürstl. Gn. ich heut vberschrieben, dz nach aller Kundschaffter[274] vnd gefangenen[275] Aussage sie ihren Marche gegen Hoyerswerth[276] vnd selbiger orthen zugenommen, zusehen, ob Euer fürstl. Gn. zur rechten oder linken seiten sich wenden würden, vnd ob sie einigen orth entsetzen könten. Sonsten aber berichten gar viel Kundschaffter, gefangene, auch die außgeschickte Partheien für gewiß, dz noch jenseit der Elb zwischen Dräsen[277] vnd Pirn[278] dz Fuß Volckh in den schanzen[279] campire, die Reuterej aber in den vmbliegenden Dörffern logiren. So bald ich aber vernommen, daß die Regimenter herüber paßiret sein, so habe in selbiger stunde den General Isolano mit aller leichten Reuterej, außerhalb des Corpus vnd Loosi, so in Meissen gewehsen, nach dieser seiten gefodert vnd gegen solchen Regimentern geschickt, mit befehl, dieselben stets zu travagliren, auch alles, waß vorgehen würde, E. fürst. Gnaden sowol mich fleißig berichten. Wann nun der Isolano den Corpus vnd Loosi hette erwarten sollen, so würde er sich zu lang aufgehalten haben; sollte ich dieselben aber hinnach schicken vnd die andere wieder zu ruckh komen lassen, so wurden sie nur strappucirt werden ohne Effect. Habe ihme also noch eines von diesen zweyen Regimentern nachgeschickt vnd nur dz eine alhier behalten, deßgleichen auch Sitta[280] mit Reuterej vnd mehrem Fuß Volckh alsobalden versehen, dz nichts verabseumet werden wird. Bin sonsten mit allem Volck in solcher bereitschafft, dz ich alle stunden marchiren kann, wenn vnd wohin E. fürstl. Gn. mir gnedig befehlen werden“.[281] Am 26.10. berichtete Gallas Wallenstein aus Leitmeritz, Corpus habe ihm einen aus Meissen stammenden adligen Gefangenen überstellt, der berichtet habe, dass der Feind über die Elbe gesetzt habe, was er in einem weiteren Schreiben vom 27.10. bestätigte.[282]

Von Oktober 1633 bis November 1633 soll Corpus sich in Lina[283] aufgehalten haben.

Der Hofer Chronist Rüthner hält weiter fest: „Den 24. januarii [a. St. 1634; BW] hat eine croatische parthey von 50 pferden Gefäll[284] ausgeplündert, das vieh hinweggetrieben und auch hierauf loßgesezt. Ihr commendant meldet sich allhier beym Untern Thor an und fragte, ob man den obrist Corpus noch etwas schuldig. Als er aber mit nein beantwortet, ist er wieder davongezogen. Diese haben den richter zu Mißlareuth[285] verbrandt, dass sein gantzer leib wie röhricht[286] fleisch worden, haben auch den schulmeister zu Trogen[287] sehr übel tractirt“.[288]

Der 1. Pilsener Schluss trägt seine Unterschrift,[289] ebenso der 2.[290]

„Für die Markgrafschaft hatte sich also gegenüber der Situation von 1633 kaum etwas geändert. Das trat schon im Januar [1634; BW] deutlich zutage, als sich die kaiserliche Besatzung von Eger[291] wieder einmal durch Raub- und Verheerungszüge und hohe Kontributionsforderungen an markgräfliche Orte bemerkbar machte. Besonders ein Zug der Kroaten unter Korbitz, der bis in die Gegend von Bayreuth[292] führte, brachte viel Jammer mit sich; denn bei eisiger Kälte und tiefem Schnee mußten sich die Bewohner der Dörfer und Städte in den Wäldern verstecken“.[293]

Leopold berichtet weiter:Umb Mitternacht [10.3.1634 a. St.; BW] sollten wir uns aufmachen und fortziehen. Wie wir nun solchergestalt abgefertigt und [um] Mitternacht uns aufmachen wollten, kam vorher(o) umb 9 Uhr(en) Schreiben von Eger, des Inhalts, daß morgen früh (Tagszeit) der Kai[serische] Generalwachtmeister Marotzin[294] mit 6000 Reitern seinen Marsch heraus nehmen und bei uns durch[ziehen] werde. Daher(o) man Vorsehung tun sollte, damit der General und andere Oberste(n) mit einem Frühstück versehen würden. Mit diesen kamen auch vom Ober[st] Gordon[295] etliche Musketiere(r), die hier [als] S[alva] Guardi[a] bleiben sollten. Daher(o) ward unser Vorhaben geendet, die Schreiben abgefordert und verbrannt und die Reise eingestellt.

Den andern Tag – (als) den 11. dito – ist morgens früh hierher(o) kommen Herr Ober[st] Steinheimb [Steinheim],[296] damals Kai[serischer] Kriegskommissar[297] und dann Oberst [Markus von] Corpes, welche berichteten, der Gen[eral] wäre allernächst mit 100 Kornet[t] Reitern. Diese begehrten auch zu wissen, was wir für Nachricht von dem Feind hätten [und] daß wir auch 10 gute Betten in Bereitschaft halten sollten. Der Ober[st] Corpes hat auch gewaltige, bedrohliche Worte aus[ge]geben wider alle, die es bishero mit dem Feind gehalten [haben]. Es sollte mancher noch unter Kopf hingehen, wie er denn seinen Blutsäbel gar oft zückte. [Er] beschuldigte auch uns allerlei verdächtiger Sachen. Er hatte auch [zu] allererst Waidhaus[298] [und] Pleystein[299] abgebrannt [und] die Leute niederhauen lassen. Das[selbe] wollte er noch vielen Orten beweisen. Wie er denn seiner löblichen Taten sonst noch viele erzählet, daß uns die Haar[e] alle über sich standen. Er wüßte gar wohl, daß wir Rebellen wären. Ein solcher Schelm[300] wäre auch der Herzog von Friedland gewesen. Wir entschuldigten uns hingegen, daß wir niemals von der Kai[serischen] Majestät gewichen, noch uns an Ihrer Maj[estät] Kriegsvolk vergriffen, vielweniger an derselben Verräterrei oder Untreue begangen. Wir konnten zwar nit leugnen, daß sich der Feind hier oft befunden, wir hatten ihn ein- und auslassen, Kaution erlegen und vielmals kontribuieren müssen. Ihr Gnaden hätten ja selbst(en) vor Augen unsere geringen Mauern, die keiner Macht widerstehen und taten auch dar, daß, sobald wir hier vom Feind was vornommen, wir solches alsbald(en) nach Eger bei Tag und Nacht berichtet hätten; wie wir uns denn deswegen auf He[rrn] Ober[st] Steinheimb, welcher zugegen war, beriefen. Derselbe gab uns auch das Zeugnis und vermahnte uns weiter allen Gehorsam[b]s und Kai[serischer] Maj[estät] Kriegsvolk alle [Be]förderung zu erweisen.

Indem kam der Gen[eral] mit dem Volk herbei. Wir gingen hinaus und warteten ihm auf vor dem Tor. Der begehrte [aber] nit hindurch, sondern hintenum(b) zu reiten. Aber Ober[st] Corpes sagte, er sollte durch. Man müßte ein wenig ein[en] Schrecken in die Leut jagen, worauf der ganze Marsch hier durch[ge]gangen. Als nun der Gen[eral] Marotzin, vorn(en) an-, und hereinkommt, wurde er gebeten, abzusteigen auf ein Frühstück, worauf er sich freundl[ich] bedankte und gar höflich sagte, wenn er wieder zurückkäme, wollte er uns nit verschmähen.

Diese seine Zusag[e] hat er gehalten, daß wir’s ihm noch mit dem Teufel zu danken [haben]. Wie nun der Marsch durch[ge]gangen, haben wir auf der Obersten wie auch der Musketiere(r) Befehl alle Haustüren wie auch alle Fenster zusperren müssen. Aber oben von der Höhe haben wir wohl mit Weib und Kindern herabsehen mögen; denn wo sie ein Haus offen gefunden und gesehen, sind sie häufig von [den] Pferden herab und in die Häuser gedrungen. Diese waren alsdann nit wieder herauszubringen weil [= solange noch] was im Haus war. Und solches ist vielen Häusern begegnet; sonderlich, wo sie was zu trinken vermerkten. Da war kein Abtreiben weil [= solange] ein Tropf[en] Bier im Faß war; denn es waren durstige Brüder und des Volks eine große Menge, auf das wenigste 5000 Mann, alle zu Roß, von allerhand Nationen, (als) Ungarn, Polacken, Kroaten, Wallonen,[301] Italiener[302] und Franzosen. Der wenigste Teil waren Deutsche. Dieser Durchzug ging gar geschwind und eilfertig durch und währte doch 3 Stund[en]. Da war abermals Furcht, Schrecken, Zittern und Zagen unter Weib[ern] und Kindern. Sie zogen auf Waldershof und blieben selbige Nacht alle dort und verderbten es sehr. Als sie nun zu Waldershof lagen, sind von selben etliche nach Pfaffe[n]reuth um(b) Futter geritten und [haben] sich in die Nacht was verhalten. Dorthin kam auch um(b) Mitternacht eine schwedische Partei von 50 Pferden und nahmen doselbst im Dorf 8 Kai[serische] Reiter gefangen mit sich hinweg. Die kühne Tat der Schwedischen verursachte unter diesem Haufen der Kaiserischen eine große Furcht, denn sie sich was anderst besorgten und begaben sich alle heraus in das Feld und stellten sich i[ns] Getaike.[303] Des andern Tags – (als) den 12. Marti[i] – ist Gen[eral] Marotzin zu Waldershof auf[ge]brochen, gegen Weiss[en]stadt[304] und Münchberg marschieret. Wie diesen Anzug Herzog Bernhard[305] vernommen, hat er die Belagerung vor Kronach[306] eilends aufgehoben und sich von Münchberg aus nach Coburg[307] gewendet. Doselbst haben die Weiber zu Münchberg – so man zusammen verwacht – die Säcke zum Pulver, so die Reiter auf die Pferd[e] [haben] binden können, machen müssen. [Damit] hat Marotzin die Stadt Kronach aufs neue mit Volk und Munition versehen. Eodem ist auch hier durch des Ober[st] Pschioffski[308] Regiment Kroaten mit 9 Kornet[t](en) und dem Marotzin nachgefolget.

Den 16. dito ist Gen[eral] Marotzin zu Münchberg wieder auf[ge]brochen und auf hiehero marschieret; auch noch selben Abend hiehero [ge]kommen. Als er nun diesen Tag hiehero kommen, hat er sich alsbald neben dem ganzen Stab mit 6 Regimentern herein gelegt. Das übrige Volk hat er auf die nächsten Dörfer einquartieren lassen. War also diesmal der ganze Markt vollgestecket. In manchem Haus lag eine ganze Kompag[nie]. Viel[e] Stuben und Kammern wurden mit Pferden erfüllet. Diese machten saubere Arbeit. War ein Winseln und Klagen den ersten Tag. Den andern Tag will verlauten, ob wollten sie still liegen. Das machte Schrecken.

Vor wenig[en] Tagen wurde diesem Gen[eral] die Ehre allhie von den Herren angetan, daß er sollte auf ein Frühstück absteigen und hier verbleiben. Da tat er’s nit. Jetzto aber, da man ihn wiederum(b) erbittet, er solle aufbrechen und seinen Fuß weiter(s) setzen und den armen Marckt nit gar ruinieren lassen, da blieb er still liegen. Er wies uns zur Geduld; mit dem Erbieten, gut[es] Kommando zu halten. Man mußte es geschehen lassen.

Am dritten Tag will er abermals nit aufbrechen. Da ging erst die Not an. Kein Biss[en] Brot war mehr vorhanden, sondern alles schon verzehret. Man hielt wieder beim Gen[eral] an und bat ihn um(b) Gottes Willen, er solle doch die Armut bedenken und aufbrechen. Aber es geschah nit, sondern er sagte zornig(lich), daß er wohl Ursach[e] hätte, uns in äußerst[es] Verderben zu setzen; denn weil er von hier außen gewesen, hätten wir die Schwedischen eingelassen, mit ihnen gefressen und gesoffen etc.

[Da haben wir] aber dem Herrn hochbeteuerlich dargetan, daß wir in seiner Abwesenheit kein[en] ein[z]igen Schwedischen gesehen, vielweniger eingelassen. Zu Waldershof wäre zwar vor 4 Tagen ein schwedischer Trupp gewesen, aber hiehero nit gerückt. Do [= wenn] es anders wäre, wollten wir Leib und Leben verfallen haben.

Als nun der General unser[e] Unschuld verstanden, hat er’s beteuert; ein Bauer habe ihm für gewiß also berichtet. Weil es dann nit geschehen, sollte es unser Glück sein. Darauf er versprochen, [am] morgenden Tag früh mit guter Manier fortzurücken, uns auch eine schriftliche Salva Guardi[a] – damit wir uns von seinem Volk weiters nit zu fürchten [haben] – [zu] hinterlassen.

Den 19. dito ist er auf[ge]brochen und [hat] sich mit allen Regimentern oben auf dem Mühlberg und auf dem Lehen gesammelt und Rendezvous gehalten. Hernach [sind sie] fortgerückt gegen Tirschenreuth.[309] Unterwegs aber haben sie an diesem Tag das Dorf Büchelberg[310] wie auch den schönen Marktflecken Mitterteich[311] an 4 Orten angezündet und bis auf Thanners Haus ganz abgebrannt und in Asche[n] gelegt.

Den 20. dito hat er Tirschenreuth, wie auch [diesen Tag] das Schloß Falkenberg mit Akkord wieder eingenommen. Auch diesen Tag wurde von ihnen angezündet und teils abgebrannt, der Markt Falkenberg[312] und sonst(en) viel Dörfer dort herum(b). Man sah allenthalten Rauch und Feuer. Wiesau wurde auch angezündet etc.

Den 24. dito kam anhero eine starke marotzinische Partei. [Sie] begehrten herein. Wir wollten sie nit einlassen, (be)warfen uns auf [des] Generals S[alva]-Guardi[a]-Brief[e], gaben ihnen gute Worte und erboten uns, ihnen Brot und Bier hinaus vor das Tor zu (ver)schaffen. Aber es halfen weder gute Wort[e] noch des Gen[erals] Schreiben, sondern sie hieben die Tor[e] und Schranken auf und brachen die Tor[e] mit Gewalt herein, tribulierten[313] und peinigten uns und plünderten den ganzen Tag. Wenn eine Partei hinausritt, kamen hingegen 2 oder 3 wieder herein. Das währte den ganzen Tag. Als ich ihnen anfangs, als sie herein[ge]kommen, zugeredet und dardurch gehofft, sie von Gewalt abzuhalten, wollten sie mich nur niedermachen, konnte ihnen auch kaum entfliehen und kam in die Kirche(n), doselbst(en) mußte ich mich unter die Weiber verstecken und den Verkriechenden spielen. Sie suchten mich lang, aber die Hand des Herrn hat mich erhalten.

Den 28. dito ist Gen[eral] Marotzin vor die Stadt Kemnath[314] – darinnen schwedische Besatzung lag – gerückt. Weil sie aber davor neben anderen einen Oberstleut(e)nant verloren [haben] und nichts richten konnten, sind sie wieder herein auf uns zu marschieret. Unterwegs aber, damit man gleich sehen konnte, daß Leute im Land wären, haben sie angezündet Riglasreuth,[315] Pullenreuth[316] und Pilmersreuth;[317] auch andere Dörfer mehr etc.

Den 29. dito als sie wieder herein[ge]kommen, hat sich der Gen[eral] mit dem Stab nach Wunsiedel[318] einquartiert, 5 Regiment[er] schickte er uns abermals über den Hals, denen wir Quartier geben mußten. Diese richteten uns das Kraut zum Herd und waren geschlachte[319] Brüder. Ich hatte eine ganze Kompagnie, die ich aushalten mußte. Ich mußte auch mit einigen Gästen (in) Brett spielen, in welchem Spiel ich sonst ein Meister. Aber damals wußte ich nicht, was Zink[320] [was] Daus[321] war, indem [mir] sonderlich meine Frau in das Ohr pfiff, wie sie die Kühe geschlachtet [haben] und das Bier aus dem Keller schrotteten[322] etc. Ich mußte fortspielen und durfte nit sauer da[r]zu sehen, denn sie sagten, was sie im Quartier gefunden, das wäre alles ihr [= ihnen]. Wir sollten Gott danken, daß sie uns die Häuser ließen etc.

Gleich wie es bei mir, also ist es auch allenthalben zu[ge]gangen. Den anderen Tag lagen sie wieder still und richteten gar zusammen, was noch übrig war; denn wir haben von diesem Marsch von einem Mal zum anderen kaum so viel Zeit gehabt, daß wir gemahlen und gebacken, so sind sie wieder [ge]kommen und haben’s zusammengefressen.

Den dritten Tag – (als) den 31. dito – brachen sie auf und marschirten gar nit weit. In diesem marotzinischen Marsch sind nun abermals grausame Insolenzion[en][323] geübet und gehört, auch viele Städte, Märkte und Dörfer abgebrannt worden; denn auch diesen Tag haben die Kroaten die Stadt Lichtenberg[324] ganz abgebrannt. Ingleichen haben sie um(b) uns angezündet Göpfersgrün,[325] Sichersreuth[326] und Tief(f)enbach.[327] Das schöne Dorf Seussen[328] hat nach diesen auch bald herhalten müssen.

Als sie nun abgehörtermaßen diesen Tag auf[ge]brochen und der General herbei[ge]kommen, ist er von uns gebeten und angesprochen worden, er sollte einen Offizier so lang hier verbleiben lassen, bis der ganze Marsch vorüber. Das tat er mit Willen und kommandierte eine ganze Kompagnie vom piccolominischen Regiment herein; mit Befehl, daß sie niemand[en] einlassen sollten und sollten verbleiben bis die Truppen alle vorüber. Dahero bildeten wir uns gar ein[en] gnädigen General ein, waren sicher und ohne Gefahr, verließen uns auf diese Helden, die in dem Markt ab und zu sprengten. Wo sie einen Soldaten an[ge]troffen, den schlug sie mit bloßem Degen zum Tor hinaus. Inmittels sperrten wir Tür und Fenster zu, begaben uns auf die Höhe und sahen abermals zu, wie der Gen[eral] oberhalb Dörflas[329] die Regimenter stellte und Rendezvous hielt. Da war ein Hin- und Herrücken mit den Regimentern, währete bei 5 Stunden; bis Nachmittag. Als wir nun mit Verlangen gerne sahen, wie sie weiterrücken würden, aber die Glocke(n) war anders(t) gegossen – wie leider zu hören ist – , (dann) da wird eingesprengt auf unseren Mark[t] zu von etlichen Truppen. Unsere Beschützer wollten sie nit einlassen, diese aber wollten herein. Sie mußten hier in Quartier verbleiben. Unsere Reiter aber stellten sich zu[r] Wehr und wollten sie nit einlassen bis sie Order vom Gen[eral] hätten. Da war nun ein greulichs Geschrei unter ihnen. Wir wußten nit, was es bedeutete [und] verkrochen uns in die Winkel. Endlich wurden wir gewahr, daß sie unsere Defensioner alle hinausgejaget und der Markt (aller) voll Kroaten war. Diese schlugen die Häuser auf, brachten uns herfür und zeigten uns Order an – die sie vom Gen[eral] hätten – , etliche Wochen mit 4 Regimentern hier zu quartieren. Ach des Jammers, als wir’s vernommen ! Es wäre kein Wunder gewesen, daß einer von großen Schrecken alsbald gestorben oder in Ohnmacht gesunken wäre ! Da hätten wir gerne Hab und Gut darum(b) [ge]geben, Haus und Hof im Stich gelassen, wenn wir nur mit Weib und Kindern in Sicherheit gewesen [wären]. Aber da war keine Änderung. Es erhob sich so ein jämmerliches Heulen und Weinen, welches nit zu glauben, noch zu beschreiben ! Wir trösteten uns untereinander und befahlen uns dem lieben Gott, der uns in dieser großen Not beistehen sollte. […]

Nun, die Quartier[e] wurden folgendergestalt gemacht: der Stab von 4 Regimentern, der Ober[st] Corpes, Ober[st] Isalon [Isolano, BW], Ober[st] Forgartsch [und] Ober[st] Pschioffszki legten sich herein in den Markt mit 1300 Pferden. Die übrigen von diesen Regimentern legten sich auf die nächsten Dörfer. Wenn sie ein Dorf [so] zugerichtet hatten, daß sie nimmer drinnen bleiben konnten, machten sie sich in ein anderes. Aber diese 1300 Pferde mit den Obersten und zu dem Stab[330] gehörigen Offizieren blieben hier still liegen ganze 7 Wochen. Über diese 4 Regiment[er] wurden noch andere 2 Regiment[er] nach Leutten [= Marktleuthen] und Kirche[n]lamitz geleget. Diese Völker waren alle Ungarn und Kroaten.

Heut Vormittag, bei dem Aufbruch, hofften wir unseres Leids ein Ende, jetzt, Nachmittag, sahen wir erst den Anfang unseres Drangsals, denn sobald sie zu uns in die Häuser kamen, da mußten wir ihnen alle Gemächer aufsperren, Boden und Keller und ihnen allen Vorrat, was noch übrig {war], weisen, hernach(er) forderten sie die Schlüssel und das Amt von uns, doch ohne Rechnung. Und wir wären wohl mit ihnen zufrieden gewesen, hätten auch gerne geschehen lassen, daß sie genommen und behalten, was vorhanden gewesen, aber sobald dies verzehret wurde und nichts mehr vorhanden [war], da mußte man bald nach Wunsiedel [oder] nach Eger um(b) dieses oder jenes schicken; ja nach Hof[331] mußten wir um(b) Salz schicken. [Es] kostete damals der Napf[332] 2 fl. Da mußte alles Geld hervor, was einer hatte und wußte. So waren auch die Marketender[333] da, die gaben gerne um 3 Batzen, was sonst 3 Kr[euzer] kostete. Da hatte kein ehrlicher Mann Rast noch Ruh, weder Tag noch Nacht, denn des Volks war zuviel. Etliche schliefen, etliche spielten; ein ander[er] Teil wollte Fressen, Saufen, ganze sieben Wochen, daß wir solchergestalt von ihnen gepeinigt wurden. Es lief ein Nachbar, ein guter Freund zu dem andern um(b) Hilf[e], Rat und Trost. Der ander[e] konnte diesem vor Angst keine Antwort geben, denn die große inwendige Angst, Herzeleid und Bestürzung, welche domaln ein jedes frommes Herz bei sich befunden, ist viel leichter zu glauben als zu [be]schreiben. Sie setzten auch von hie[r] oft aus, weit und breit in das Land, brachten große Beut[e] und oftmals Frauen und Jungfrauen [mit]. Hingegen wurde hier auch oft Lärm(en) gemacht, indem die Schwedischen etliche Male(n) kommen und einfallen sollten; deswegen sie oft hinaus in das Feld gerückt und auch oft im Feld geblieben [sind], Tag und Nacht.

Vor solchen feindlichen Einfällen haben wir uns (ganz) nicht gefürchtet, sondern aus großer Ungeduld uns oft gewünschet, daß nur der Feind kommen und alles niederhauen, sengen und verbrennen möchte, damit nur unseres Jammers und Elends ein End würde. Einen solchen Anschlag hat der schwedische Ober[st] Cra(t)z – welcher hernach zu Wien gerichtet worden – auf hiehero gehabt, ist auch schon auf dem Weg gewesen, aber nit vollbracht etc.

In dieser währenden Quartierung haben wir oft und vielmals bei einem edlen, hochweisen Rat der Stadt Eger, als unser[er] hohen Obrigkeit und dann auch bei dem Ober[st] Gordon, Kommandant doselbst(en) untertänigst und sehnlich gebeten und angehalten, daß doch das Volk möchte abgeführet und das Quartier geändert werden. Aber da war kein[e] Hilf[e] noch Rettung. Obwohl Ober[st] Gordon sich bemühte, etliche Ordonanz ausgebracht, daß sie Rebitz, sein designiertes Quartier, verlassen und nit länger beschweren sollten, sah es doch nur einem Spiegelfechten[334] gleich. Kam die Order von Marotzin, gaben sie nichts darauf, brachte man andere von Piccolomini, achteten sie es auch nicht; bis letz[t]lich Order von Graf Gallas[335] kam. Da mußten sie aufbrechen und marschieren; war uns aber zu spät.

Diese saubere[n] Gäste sind diese sieben Wochen über allezeit lustig und in Freuden gewesen. Man hörte nichts als Spielleut, Trompeten, Heerpauken und Schießen, Tag und Nacht. Diese haben manchen ehrlichen Mann ins Verderben, in Armut und in Schulden gebracht. Viel[e] fromme Bürger haben alles zu- und aufgesetzt, was sie um(b) und angehabt. [Sie haben] auszudauern gehofft, aber ihrer viel sind noch entlaufen und haben den Aufbruch nit erwarten können. Außer dem Markt haben sie die meisten Städel eingerissen und zum Wach(t)feuer verbrannt. Alle Teich[e], nahe und weit[e], groß[e] und klein[e] [haben sie] abgegraben und [ab]gefischt, dahero viel[e] Jahr[e] hernach Mangel an Besatzung und Fischen im Lande gewesen. Denn diese Leute fraßen alles hinweg, [ob] es [nun] alt odfer jung war, die Setzväter[336] und die Brut. Weil(n) sie auch hie[r] gelegen, haben sie viel 1000 Stück Vieh, Pferd[e] und Schaf[e] geraubet, hernach in [= nach] Böhmen(b) getrieben und verkauft. Bei ihrem Aufbruch hatten wir genugsam in Wach(t)feuern zu löschen, damit es nit überhand genommen, wie denn auch, weil[e]n sie hier gelegen, etliche Feuer auf[ge]kommen, aber allezeit mit Gottes Hilf[e] wieder gedämpft wurden. Bei ihrem Abschied haben sie uns vertröstet, daß sie uns nimmer sehen sollten. Sie nahmen ihren Marsch auf Mitterteich, folgends auf Regensburg,[337] welche Stadt [zu] die Zeit von Ferdinand dem Dritten,[338] damals König zu Ungarn und Böheim(b), unserem allergnädigsten Herrn belagert, auch in drei Monaten erobert worden“.[339]

Leopold erinnert sich weiter an den Februar 1634: „Den 24. dito hat der schwedische Oberst(e) Ros(s)a[340] und Oberst(e) Karpf(f)[341] von Bärnau[342] und Tirschenreuth[343] aus den Oberst(en) Corpes und mehrere Kroaten, welche um(b) Sandau[344] und Königswarth[345] gelegen, überfallen, viel[e] niedergehauen und gefangen. Auch die meisten Pferd[e] [sind] abgenommen worden“.[346] Am 25.2. wandte sich Suys[347] aus Prag an Piccolomini: Befehlsgemäß schreibe er an die Obristen beider kroatischer Regimenter, Forgach, Přichovský,[348] Corpes und Révay,[349] dass sie sich nach Pilsen in Marsch setzen sollten. Losy, Isolano und Coselky [350] seien für die Bewachung der Grenze unentbehrlich. Er erwarte Piccolominis Befehle oder die des kommandierenden Generals Gallas. Die Reiterei sei näher Richtung Prag einquartiert worden, um für alle Fälle da zu sein, die Infanterie stehe in Prag.[351]

„Die weimarische Armee traf erst am 23.2./5.3.1634 in Weiden[352] i. d. Oberpfalz ein. Von dort kommandierte Herzog Bernhard[353] den Obersten Hans Adam von Karpf mit seinem Reiterregiment auf eine Streifpartei gegen Eger. Karpf zog zuerst gegen Tirschenreuth und wandte sich dann nach Osten in Richtung Großkonreuth,[354] wo er sich gegen 3 Uhr nachmittags des 5. März mit den berittenen Truppen des Obersten Reinhold von Rosen, der bereits als Vorhut in Richtung Bärnau[355] vorausgeeilt war, vereinigte. Beide Regimenter zogen weiter nach Böhmen in Richtung des heutigen Marienbad,[356] wo der Kroatenobrist Corpes sein gesamtes Regiment in vier Dörfern, meistenteils in Königswart[357] und Sandau,[358] einquartiert hatte. Etwa gegen Mitternacht griffen die Weimarischen die Quartiere Corpes‘ zu gleicher Zeit an: ‚Also vnd dergestalt / das in die zweyhundert niedergemacht / eine ziemliche anzahl gefangen / vnd von der bursche nahend bey sechshundert pferde / mit sattel / zeug / vnd pistolen wolmontiret / überkommen worden. Obriste Corpus selbst war in person vnter ihren händen nur zu fus gewesen / doch bey dicker finsterer nacht / vnd grossem vngestüm des wetters entrunnen: Doch haben die Königl-Schwedische seine pferde ertappet / vnd davon gebracht‘. (Chemnitz II, S. 337; Braun/Leopold, S. 38)“.[359]

Obwohl Corpes mit Losy zusammen auch noch den 2. Pilsener Revers unterschrieben hatte, entging er im Gegensatz zu Losy der Folter und einer Anklage.

Der Hofer Chronist Rüthner hält fest: „Das viehtreiben wurde um diese zeit bey den merodibrüdern[360] so gemein und arg, dass auch herr obrist Corpus selbst ein mandat ausgehen lassen, dass nichts von den vieh noch andere waaren jemand von den croaten abkaufen solte“.[361]

„Horn[362] hatte am 14. Juni 1634 in Memmingen[363] ‚Rendezvous‘ gehalten, dort seine Truppen zusammengezogen und war anschließend nach Augsburg[364] weitergezogen. Wegen des Anzugs der italienisch-spanischen Armee (unter dem spanischen Kardinalinfanten Fernando[365]) zögerte er jedoch nach wie vor, Schwaben zu verlassen. Nicht besonders dienlich war auch das Verhalten Herzog Bernhards, welcher trotz mehrerer an ihn gesandten Boten sich nicht eindeutig zu einer gemeinsamen Vorgehensweise äußern wollte. Wahrscheinlich wußte Bernhard, der zwischenzeitlich auf Donauwörth[366] im Anmarsch war, selbst nicht, welches wohl die passende Strategie zu Regensburgs Rettung sein könnte. Um nicht tatenlos in Augsburg liegen müssen, entschloß sich Horn am 21. Juni das Städtchen Aichach[367] einzunehmen.

– – Die anti-kaiserliche „36. Extraordinari. 1634“ meldet unter dem 11./21.6. aus Schwaben: „Sontags ist Herrn Feldmarschalcks Horns Excellenz zu Augspurg angelangt / vnd marschirt die ganze Armee jetzo über die Lechhäuser[368] Brücken in Bayern / seynd in 14.000 Mann starck zu Roß vnd Fuß / außerlesenes Volck / die haben deß Obristen Forbuß[369] vnd Schneideweins[370] Regimenter auß Augspurg mitgenommen / vnd das Schlammersdorffische[371] wider hinein gelegt / sie haben bereits Aicha beschossen / so sich aber dapffer wehret: Man vermeynet / der Marsch möchte ferner gegen München gehen. Der liebe Gott wölle ihnen glücklichen Succeß verleyhen“.[372] – –

Dort [in Aichach; BW] lag eine Besatzung von 300 Mann vom Schnetter’schen[373] Regiment. Diese machten zwar anfänglich Anstalten zur Verteidigung, kapitulierten aber bald, da sie von den sich bereits [sich] auf dem Anmarsch befindlichen bayerischen Hilfstruppen unter Johann von Werth[374] noch keine Nachricht hatten. Werth war zwar bereits bis auf wenige Stunden an die Schweden herangekommen, seine kroatischen Kundschafter aber von diesen abgefangen worden. Der daraufhin entgegengeschickte schwedische Vortrab unter dem Obersten Erasmus Platow[375] griff allerdings etwas zu hitzig an, weshalb es zu einem Gefecht mit etlichen Toten, Verwundeten und Gefangenen kam, wodurch das Vorhaben Horns offenbar wurde und Werth sich mit seinen Truppen rechtzeitig zurückziehen konnte. Das Kroatenregiment des Marcus Corpes, 800 Mann, erlitt erneut schwere Verluste, als es sich unter Verfolgung des schwedischen Obristleutnants über das Kurländische Regiment Helmold (Helm) Wrangel[376] bis nach Dachau[377] retirieren mußte. (Chemnitz II, S. 472)“.[378] „In dem der Obr. Johan de Werth also / wie vorgemelt / mit seiner Reuterey herumb vagirt[379] / ist Herr FeldtMarschalck Horn mit seiner Armee so 14000. Mann starck war in Bayern geruckt / vnd das Stättlein Aycha belägert: Selbiges hat sich zwar eine Zeitlang tapfer gewehret: als aber Johan de Werth / welcher solches entsetzen wollen / von den Schwedischen zurück getrieben / hat es sich nach geschossener Pressa den 14. Junii mit Accord ergeben / vnnd haben sich von den abgezogenen 300. Mann 250. vntergestellt: der Oberst Leutenant Wrangel hat darauff den Kayserischen Obersten Corpus mit 800. Pferden bey Tachaw angetroffen / vnd ein guten Theil nidergehawen / darunter etliche Rittmeister vnd Officirer / ingleichem zween Rittmeister vnnd ein Leutenand neben anderen gefangen bekommen“.[380]

„Herzog Wilhelm[381] versuchte nun erneut den Feldmarschall Johan Banér,[382] der sich zwischenseitlich zu einer Unterredung bei dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna[383] aufgehalten hatte, zu einem Vorstoß über den Thüringer Wald zu überreden. Am 4. November traf man sich ohne Ergebnisse in Erfurt[384] und am 8.11. kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen den beiden bei Leipzig.[385] Banér verließ daraufhin am 11. November Erfurt und begab sich in das Stift Magdeburg. Seine Truppen ließ er in den Quartieren um Erfurt. Herzog Wilhelm mußte sich nun nach anderen Verbündeten umsehen. Bereits am 18.10. hatte er sich auf Vermittlung des Kommissärs Heußner von Wandersleben[386] mit dem Landgrafen Wilhelm V. von Hessen,[387] dem persönlich sehr an einer Vereinigung mit den weimarischen Truppen gelegen war, in Eisenach[388] getroffen. Dort schlug er dem Landgrafen vor, alles Volk, daß er nicht unbedingt zur Besetzung seiner Pässe und Festungen benötigte, möglichst 3000 Mann zu Fuß und 2000 Reiter, zusammenzuziehen und sich in Richtung Thüringen in Bewegung zu setzen. Der Hessische Landgraf hatte sich generell dazu bereit erklärt, jedoch war Herzog Wilhelm in seiner schwankenden Haltung und durch seine Hinwendung zu Banér zwischenzeitlich wieder von diesem Plan abgekommen.

Nach dem Ausfall Banérs schienen dem weimarischen Herzog erneut alle möglichen Alternativen recht. Den Kommissär Heußner von Wandersleben sandte er zu Herzog Bernhard und Oxenstierna[389] nach Mainz.[390] Auf dem Weg dorthin sollte er bei dem Landgrafen Wilhelm von Hessen intervenieren. Am 16. November traf Heußner in Kassel[391] ein. Der Landgraf war sofort bereit, einen Teil seiner Truppen,[392] 4 Regimenter zu Roß (etwa 1500 bis 2000 Reiter) und 400 kommandierte Musketiere, unter dem Generalmajor Kurt von Dalwig[393] nach Vacha[394] an der Werra zu entsenden, wo sie sich mit den Truppen Herzog Wilhelms vereinigen sollten. Die hessischen Truppen machten sich sofort auf den Weg und standen am 21.11. bei Rotenburg an der Fulda.[395] Am 22.11. waren sie bei Vacha angelangt, wo sie aber weder Herzog Wilhelm, noch seine Truppen vorfanden. (Huschke, S. 256-261).

In der Zwischenzeit hatten sich Melchior von Hatzfelds[396] berittene Truppen unter dem Generalmajor Johann Rudolf von Bredau[397] und einige von Isolanos kroatischen Einheiten unter dem Obersten Marcus Corpes, zusammen 8 Regimenter zu Pferd und 400 Dragoner unter Oberst Wilhelm Gall a Bourg,[398] im Stift Fulda gesammelt und Dalwig sah keine andere Möglichkeit, als sich auf Hersfeld[399] zurückzuziehen. Dort kam es am 27.11.1634 zu einem folgenschweren Zusammenstoß, als die Kaiserlichen die Hessischen, welche gerade von Hersfeld (die zeitgenössischen Quellen schreiben Hirschfeld) abziehen wollten, in dichtem Nebel umringten und überwältigten. Viele Reiter wurden niedergehauen, die meisten Reiter und Offiziere (etwa 700), einschließlich des Generalmajors Dalwig, wurden gefangengenommen. Nur wenige Reiter retteten sich nach Spangenberg[400] und Kassel, von denen die meisten am 8. Januar des folgenden Jahres 1635 überfallen und endgültig vernichtet wurden. (Chemnitz II, S. 584; Theatr. Europ. III, S. 385).

Damit waren die Truppen des Landgrafen von Hessen, bis auf einige wenige Garnisonen in Hessen und Westfalen, fast völlig eliminiert, worüber der Landgraf verständlicherweise äußerst ungehalten war und aus seiner Schuldzuweisung an Herzog Wilhelm von Hessen in einem Brief keinen Hehl machte: ‚Es heißt schlecht Abschied gehalten, wenn einer so eilig aufmahnt und einer so willig ist, bleibt aber hernach aus. Es wird mich klug machen, auf ein andermal nicht so kostfrei zu sein‘. (Huschke, S. 262)“.[401]

Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås] berichtet unter dem November 1634: „Nun bemühete sich zwar der Land-Graff von Hessen / dem Feinde zubegegnen / vnd nicht allein die grassirende Croaten einzuhalten / sondern auch denen / der enden aufgewiegelten / bauren zusteuren: Wie dan die seinige dieser eine gute anzahl im Städtlein Hünefeld[402] angetroffen / vnd / nachdem Sie durch eine petarde[403] das thor eröffnet / was sich von ihnen im gewehr gefunden / niedergemachet. War aber dem wercke / weil der Feind sich je länger / je stärcker machte / vnd immer mehr vnd mehr trouppen an sich zog / allein zu schwach: Derhalben Er den Königl-Schwedischen FeldMarschalck / H. Johan Baner / vnd / Hertzog Wilhelm zu Sachsen / Weimar / unb Hülfe ersuchet. Darauff Hertzog Wilhelm Ihm durch Gen-Commissarium Heusner[404] zuwissen gethan: Welcher gestalt Er mit gedachtem FeldMarschalck Sich vereinigt / dreytausend pferde / vnd zwey tausend einhundert zu fus zusammen zubringen / solche zu den seinigen zustossen / vnd ob man den Feind in etwas zurück treiben könnte / gesambter hand einen versuch zuthun; Auch dieselbige also marchiren zulassen / damit Er gegen den elfften oder zwelfften tag WinterMonats sich ohnfehlbarlich bey Vacha[405] oder Eisenach einstellen möchten. Allein solches schlug gar anders aus / dan wie der LandGraff gehoffet. Sinthemahlen in deme Er / dem verlas zufolge / von reiner reuterey vier Regimenter / vnterm Obristen Cord von Dallwig[406] / nebenst vierhundert Commendirten Knechten / zu bestimter zeit dahin geschicket / erlangten diese doch nicht allein keine nachrichtung von den andern / sondern warteten auch in dritten tag vergebens auf: Wie Sie endlich aus noth wieder aufbrechen müssen / vnd sich gegen Hirschfeld begeben. Von dannen der Feind / gleicher gestalt wie in Vach beschehen / gewichen war / indessen aber / über diesen langen verzug / sich aus vielen orten mit acht Regimentern zu pferde / vnd vierhundert dragonern zusammengezogen hatte. Damit Er / den siebenzehenden WinterMonats / die Hessische / als Sie eben von Hirschfeld abziehen wollen / in einem grossen nebel vnversehens übereilet / fast gantz ümbringet / getrennet vnd geschlagen. Worüber / ausser denen / so aufm platze todt geblieben / sambt dem Obristen Cord von Dallwig selbst / vnd vielen andern Officirern / in die siebenhundert Gemeine / an reutern vnd knechten / gefangen / vnd also diese Hessische völcker durch solche wiederwertige faction[407] fast gar capot geworden. Den überbliebenen vnd entrunnenen hieng das vnglück so gar an / das es Ihnen auch bis in Hessen gefolget: Allwo der Obriste Breda[408] / gegen ausgang des ChristMonats / zu Dresaw[409] bey Ziegenhain[410] / deren theils überfallen vnd vollends zu nichte gemachet. Wodurch die Trouppen / so der Land-Graff / ausser der nothwendigen Guarnisonen / in Hessen bey sich hatte / mehrentheils darauff gegangen / vnd Er nur noch in Westpfalen an reuttern vnd Knechten etwas übrig behalten“.[411] Das „Theatrum Europaeum“[412] berichtet dazu: „Nach dem die Käyserl. bißhero in dem Stiffte Fulda ziemblich starck eingenistet / vnd die Hessische / daß es in die länge kein gut thun würde / vermeynet / haben sie sich mit den Bannier- vnd Lüneburgischen bey Erffurt zu conjungiren vnderstanden / vnd vmb Hirschfeld ihren Rendevous anzustellen vermeynet. Es ist aber solches der Hessischen Beginnen dem Obristen Breda[413] vnd General Zeugmeister[414] Hatzfeld[415] zeitlich verkundschafft / vnd sie dergestalt praevenirt[416] worden / daß die Bredawische Cavallery / als sie nun im marchiren vnder Hirschfeld begrieffen / in dem damahl dicken Nebel auff sie avancirt / vnd also ruinirt / daß daß Hatzfeldische Regiment neben dem Hessischen General Wachtmeister vnd Obristen Court von Dalwigen / noch ein Rittmeister[417] / ein Leutenant[418] / ein Serganten[419] / ein Corporal[420] vnd 2. fliegende Cornet überkommen.

Das Wallische[421] Tragoner Regiment / 3. Capitäyn / 2. Leitenant / 1. Fähnrich / 2. Feldwäbel[422] / 6. Serganten / 1. Fourir[423] / 7. Coporaln / 1. Capitäyn de Armis,[424] 352. Knecht / 1. Leutenant zu Pferdt / 1. Cornet zu Pferdt.

Obr. Corpus, den Obr. Leutenant Daniel[425] / vnder dem Hanawischen[426] Regiment / 4. Rittmeister / 4. Leutenant / 3. Cornet / 1. Wachtmeister / 1. Quartiermeister / 16. Corporaln / 87. Soldaten zu Pferdt.

Das Bredawische Regiment aber 231. Reuter / 4. Rittmeister / 4. Fliegende Cornet / 3. Cornett ins Wasser gejagt / vnd seyn in allem bey 1500. auff der Wallstatt[427] geblieben“.[428]

In der „Denkschrift über den Ruin der Landgraffschaft [Hessen-Darmstadt] infolge des Überzugs besonders durch die Kaiserlichen, aus dem Dezember 1634“ wird Corpes allerdings positiv hervorgehoben: „Jetzt fängt man auch an, über die grausame landsverheerung und erarmung noch kontributionen zu fordern. Das einige etliche mal und durch ausgeplünderte und fast keinen untertan mehr habende amt Lichtenberg[429] soll bei meidung militärischer exekution,[430] das ist des feuers (dann kein mensch, vieh oder beweglich gut ist mehr vorhanden, an welchem man exequieren könnte) alle monat gegen Aschaffenburg[431] liefern 399 malter korn, Aschaffenburger maß 532 malter[432] korn, 42 600 pfund fleisch, 88 fuder 4 1/2 ohm[433] wein, tut 1 065 eimer,[434] und an geld 6 922 gld. 30 krz. Wann mans gar auf den leidlichen preis anschlägt, so belauft sichs monatlich auf 18 901 1/2 gld. Wann unsers gnäd. fürsten und herrn ganzes land soviel geben sollte, so wären es über 30 monat einfachen römerzugs[435] ihres anschlags. So viel soll nur ein einziges und darzu ganz öd liegendes ausgeplündertes, weder volk noch vieh noch gut habendes amt geben. In 10 jahren friedlicher läufte trägt das amt dem landesfürsten so viel nicht ein, als es jetzo monatlich reichen soll. Anderen ämtern werden auch sehr schwere, lauter unerschwingliche contributiones abgefordert, eines muß da, das andere dorthin so und so viele tausend thaler geben, noch darzu neben den kontributionen sich kümmerlich wider brand und ander ungemach lösen. Viel vom adel, auch beamte und andere seind gefänglich angenommen worden, haben sich zu 2, zu 1 1/2, zu 1 000 lösen müssen. Ihrer fürstl. gnaden ritterschaftland belegt man auch noch absonderlich. Die einige familie der Riedesel muß monatlich über 4 000 gld. geben. Jetzo hat man ihnen auf einmal 25 000 gld. abgefordert, haben auf 5 000 mit großer noth und müh akkordiert. Also gehts auch andern.

Unterschiedene hohe Offiziere, so viel man deren erreichen und mit ihnen reden können, wie es dann am möglichsten schicken, schreiben, flehen und bitten nicht mangelt, entsetzen sich über der großen konfusion, bezeugen hoch ihr mißfallen, melden, es sei unmöglich, daß gottes segen beharrlich bei so verwandtem wesen werde bleiben können. Herr graf Philipp von Manßfeld,[436] herr graf Egon von Fürstenberg,[437] herr generalcommissarius[438] von Ossa,[439] herr obrister und commissarius Lerchenfeld,[440] sonderlich aber herr obrister von Bredau und herr obrister Corps und andere erweisen sich aller geneigten guten affektion. Aber der schad ist doch vorhanden, welchen unser gnäd. fürst[441] und herr alle übrige lebenstage, da auch schon seine fürstl. gnaden noch 100 jahr in vivis sich befinden sollten, schwerlich wird verwinden können“.[442]

Auf Corpes‘ Konto geht in diesem Jahr die Verbrennung der Schlösser Alt- und Neu-Guttenberg[443] im Kulmbachischen.

„Im November 1634 setzte sich der kaiserliche Feldmarschall Graf Philipp von Mansfeld mit seiner ca. 15 000 Mann starken Armee, die er im Westfälischen und Cölnischen gebildet hatte, aus der Gegend von Cöln[444] durch den Westerwald nach der Wetterau[445] in Marsch. Sein Ziel war darauf gerichtet, den Schweden, die durch die unmittelbaren Folgen der Nördlinger Schlacht[446] ganz Süddeutschland verloren hatten, nun auch die Lande zwischen Lahn, Rhein und Main zu entreißen und den flüchtigen Priestern […] wieder zu ihren Pfründen zu verhelfen. Eine Abteilung der Armee ging vom Westerwald ab ins Dillenburgische. Nachdem Mansfeld Braunfels[447] und Friedberg[448] genommen, führte er sein Corps im November desselben Jahres über Büdingen[449] und Gelnhausen[450] teils in den Biebergrund, teils in die Nähe von Aschaffenburg.[451] Bei dieser Gelegenheit blieb in Gelnhausen eine Besatzung; die nahegelegenen Orte Altenhaßlau,[452] Großenhausen[453] und Lützelhausen[454] wurden hart mitgenommen“.[455] Am 25.11.1634 muss Corpus mit seinem Regiment in Hersfeld in Bereitschaft gelegen haben. Durch den feindlichen Vormarsch zog er sich am 26.11. nach Fulda zurück. Am 24.12. lag Corpus wieder in Hersfeld. Wie er Breda berichtete, hatte er Streifkorps nach Rotenburg,[456] Berka[457] und Ziegenhain ausgeschickt. Drei Tage später schrieb Piccolomini an Breda, Corpus solle sich bei Notwendigkeit etwas zurückziehen, aber weiter Hersfeld kontrollieren.[458] „Um den Fortschritten Mansfeld’s entgegenzutreten, beschloß Bernhard von Weimar, welcher bei Arheiligen,[459] nördlich von Darmstadt,[460] seine Armee durch Heranziehung der französischen Hilfstruppen (6000 Mann) und das Corps des Rheingrafen Otto Ludwig[461] auf 20 000 Mann completiert hatte, einen Zug an den Main und die Kinzig. Er hegte dabei die Hoffnung, daß sein Bruder, Herzog Wilhelm[462] und General Baner aus Thüringen und Hessen gegen das Stift Fulda oder Franken avancierten, um so den ziemlich auseinanderliegenden Feind mit vereinten Kräften anzugreifen und zu vernichten. Den Vortrupp bildeten 7 Kompanien zu Pferde unter Oberst Bouillon,[463] der den Auftrag hatte, sich mit der Besatzung des Generalmajor Ramsay[464] in Hanau[465] für einen etwaigen Ausfall gegen die Mansfeldischen zu vereinigen. In der Tat kam auch ein solcher bereits in der Neujahrsnacht 1634/35 auf Alzenau[466] mit Erfolg zur Ausführung.

Bei den schlechten Wegen und der grimmigen Kälte, die in jenem Winter herrschte, kam jedoch die Hauptarmee des Herzogs nur langsam vorwärts. Mansfeld gewann dadurch genügend Zeit, seine im Biebergrund und auf dem Spessart bis herab ins Freigericht[467] und in Gelnhausen gelegenen Abteilungen bereits am 3. Januar [1635; BW] früh nach Aschaffenburg zusammen zu ziehen, sich an den beiden Ufern des Mains zu verschanzen und das Maingebiet bis nach Miltenberg[468] durch Kroaten zu sichern.

Mittlerweile hatte die Piccolominische Armee das Hessenland überschwemmt; Isolani und Corpus waren mit ihren Kroaten ins Hersfeldische und Fuldaische Gebiet eingedrungen, und es erschien nun eine Verbindung der weimarischen und hessischen Truppen, wie sie Herzog Bernhard erhofft hatte, aussichtslos. Er sah sich daher genötigt, auf den Gedanken an eine Feldschlacht zu verzichten, plante jedoch, den Feind von der Wetterau,[469] die, so arg sie schon mitgenommen, für die Truppen immer noch hinlängliche Vorräte an Lebensmittel bot, abzuschneiden und ihn ohne Schwertschlag durch Hunger zu ruinieren. Am 6. Januar traf der Herzog mit seinem Stabe in Hanau ein; das Hauptquartier verblieb dort mehrere Tage und wurde dann nach Marköbel[470] verlegt, während die inzwischen eingetroffene Armee am 9. auf dem rechten Ufer der Kinzig in dem Dreieck zwischen Hanau, Gelnhausen und Büdingen Stellung nahm. Die Spitze des linken Flügels drang dabei über Gelnhausen, welches vom Feinde bereits verlassen, bis Wächtersbach[471] vor, wo eine noch zurückgebliebene Besatzung der Kaiserlichen überfallen, mehrere Leute derselben getötet, eine Anzahl Offiziere und Soldaten gefangen und der ganze Troß[472] eines Regiments erbeutet wurde. Als Mansfeld, dessen Armee durch 9 kaiserliche und 6 bairische Regimenter verstärkt worden war, durch das Freigericht am linken Ufer der zugefrorenen Kinzig bis nahe an Gelnhausen vorrückte, standen sich so beide Armeen einige Tage unmittelbar gegenüber, ohne daß jedoch die eine oder andere wagte, die Offensive zu ergreifen.

Wie Herzog Bernhard vernahm, daß der Gegner die Bredaschen Truppen aus dem Stift Fulda sowie das Corps, welches sein Schloß zu Würzburg[473] belagert, und am 8. Januar erobert hatte, mit entsprechenden Lebensmitteln an sich zog, sah er sich in seinen Hoffnungen völlig getäuscht. Er machte Kehrt und langte, in Gelnhausen und Wächtersbach Besatzungen zurücklassend, am 15. Juni [Januar; BW] wieder in Hanau an. Er selbst verweilte dort mit seinem Generalstabe und der Artillerie, die er aus dem Kinzigtal zurückgezogen hatte, bis zum 18.; der Marsch führte dann über Frankfurt und Darmstadt nach der Bergstraße,[474] wo sein Heer sich mit dem Gros der Franzosen vereinigte“.[475] Vom 1. bis zum 26.1. waren acht erhaltene Schreiben von Corpus an Piccolomini gegangen: Wilhelm V. von Hessen-Kassel habe alle katholischen Bürger nach Kassel abführen lassen. Der Feind habe Gerstungen[476] besetzt, die Kaiserlichen seien nach Fulda zurückgewichen. Zudem berichtete er ihm über die Bewegungen Bernhards von Weimar, der mit 18 Geschützen zur französischen Armee gestoßen sei, die den Rhein überschritten habe. Wilhelm IV. verfüge über 5.000, Georg von Braunschweig-Lüneburg[477] über 1.000 und Banér über 7.000 Mann.[478]

Im Januar und Februar 1635 lag Corpes noch immer in Bad Hersfeld und hatte den Auftrag, vor dem von Sir Jacob Ramsay gehaltenen Hanau zu rekognoszieren.[479] Sein Regiment war im Februar 1635 ohne die „Prima plana“[480] 720 Mann stark.[481] In diesem Februar konnte Corpus die Grafschaft Henneberg einnehmen. Zudem war er bis Sontra[482] vorgestoßen und hatte hessen-kasselische Truppen zum Rückzug nach Sontra gezwungen.[483]

1636 konnte er die Herrschaft Hauskirchen[484] erwerben, die Helena Elisabetha von Späth, geb. von Corpes, 1640 von ihrem Vater erbte.[485]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[486] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 1. November [11.11.1636; BW] ist das keyserliche Regiment Reuter des Obristen Cörbers in Schlotheim,[487] Mehrstedt[488] und Großmehlra[489] quartiret worden. Den 3. November haben von diesem Regiment etzliche Reuter auf Salva Guardi in Ebeleben[490] geleget werden sollen. Nachdeme sie aber verstanden, dass es der Schweden halber etwas gefehrlich, sind sie wieder weg gezogen“.[491] „Den 4. November morgens umb 2 Uhr sind etzliche Cörberische Reuter in Ebeleben [ein]gefallen und schwedische Guarden gesucht. Als sie aber nicht funden, haben sie im Abschiede etzliche etzliche arme Leuthe vorm Thor antroffen von Wolferschwenda,[492] welche anhero ziehen wollen. Denen haben sie etzliche Pferde genommen. Eodem die, den 4. November, ist das Cörberische Regiment von Schlotheim hinweg nach Mühlhausen[493] gewichen“.[494] Der Rudolstädter[495] Landrichter Michael Heubel [1605-1684][496] schreibt in seinen „Anmerkungen“: „Den 6. August [1637; BW] ist ein Croaten Rittmeister mit 60 Pferden, den Obristen Corpus und Obristen Ludwig[497] gen Mühlhausen zue bringen, hier vorbey gangen“.

Bei Happe heißt es weiter in seinem Tagebuch: „Den 23. August [2.9.1637; BW] ist der crabatische Obriste Coepus mit 200 Reutern zu Bendeleben[498] gelegen. Von dar ist er des andern Tages auf Großensömmern[499] marchiret“.[500]

Corpus fiel am 9.7.1638, von den Schweden „erlegt“, in der Nähe von Benfeld[501] im Elsass.[502] Das „Journal der Weimarischen Armee“ berichtet dazu: „Ob nun wohl die kayserl. Armee einen ziemlichen Vorthel und Vorsprung erlanget, so feyerte Hr. Gen. M. Taubadel doch nicht, fiehle selbigen unfern Benfeldenn[503] in vier Quartier, ruinirete 3 Regt. Croaten totaliter, bekahm alle Bagage, 8 Standorten, 4 Heerbaucken, ob 1000 Pferd und in die 1000 Persohnen gefangen und wurden bey solchen Einfall uber 200 niedergemacht, darunder dann Corpus, welcher die Croaten geführet, selbsten blieben“.[504] Angeblich sei er dabei von einem Franzosen auf seinem Geldkasten, den er habe retten wollen, erstochen worden.[504a]

Aus Schweinfurt[505] wird 1638 berichtet: „Bald darauf wurde zu Würzburg[506] eine Austheilung von etlichen Regimentern Croaten gemacht, und auf Schweinfurt, Römhild,[507] Limpurg,[508] den fränkischen Adel u. s. w. das Corpische Regiment angewiesen. Weil sich aber die Stadt darüber beschwerte, da sie erst von einer so großen Last befreyet worden und ihr jetzt noch zur Werbung der Soldaten eine große Summe nöthig wäre, so entschuldigte sich der Commissär Haffner[509] bey E. Rath, dass er daran nicht Schuld wäre, sondern der Bischof, der hätte es so haben wollen. Da man nun dem Bischofe[510] deswegen zugeschrieben hatte, gab er den Brief, als er ihn kaum zu lesen angefangen hatte, wieder zurück, unter dem Vorwande: Er habe nichts damit zu thun, sondern der Commißär Haffner“.[511]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] KÖNNECKE, Quellen I, S. 177. Den 1. Pilsener Schluss unterschrieb er allerdings mit „Marcus Corpeß“.

[2] SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 520.

[2a] WIßGRILL, Schauplatz 2. Bd., S. 158f.

[3] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“. – Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[4] Vgl. auch http://www.engerisser.de/Reenactment/Crana_Historica2008/Crana_Historica2008_6.html

[5] Heinrich Reichsgraf v. Holk [Holck, Holcke, Holcky, Holka] [28.4.1599 Kronborg auf Sjælland-9.9.1633 Troschenreuth], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ARENDT, Holks Faktotum.

[6] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[7] Goan Lodovico Hector Graf Isolano [Isolani, Isolary, Isolan, Isolana, Isalon, Iselon, Isolani, Isolam] [1586 Görz-März 1640 Wien], kaiserlicher Kroaten-Obrist.

[8] So genannt wegen ihrer grauweißen Farbe.

[9] Gemeint ist: keine Gastereien gab.

[10] Gemeint ist: ließ uns keine Ruhe.

[11] Peter Melander Graf v. Holzappel [8.2.1589 Niederhadamar-17.5.1648 Augsburg], hessen-kasselischer, kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. HÖFER, Peter Graf Holzappel; GEISTHARDT. Peter Melander; LEINS, Soziale und räumliche Mobilität; LEINS, Peter Melander von Holzappel. Militärwirtschaft, Bündnisdiplomatie und Miniaturherrschaft im späten Dreißigjährigen Krieg. Phil. Diss. [in Arbeit].

[12] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[13] KELLETAT, Simplicissimus, S. 143 (2. Buch, 15. Kapitel).

[14] Johann Graf v. Götz [Götzen, Götze] [1599 Zehlendorf-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[15] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[16] KÖNNECKE, Quellen I, S. 178.

[17] Zigeuner: BURSCHEL, Söldner, S. 90f.: „Seit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges lassen sich in den Heeren auch Zigeuner nachweisen. Hier war Platz für die Angehörigen einer ethnischen Minderheit, die man sonst nirgendwo haben wollte, die bereits der Freiburger Reichstag von 1498 des Reiches verwiesen, ja sogar – in bezeichnendem Unterschied zu anderen Vaganten – für vogelfrei erklärt hatte und die fortan in territorialen Mandanten aller nur erdenklicher Verbrechen bezichtigt wurde. 1642 zum Beispiel zogen einige wohl zum Heer Piccolominis gehörende Kompanien an Deister und Süntel vorbei in Richtung Harz, vorwiegend aus Zigeunern zusammengesetzt. Schenkt man einem Eintrag in den Bovender Gemeinderechnungen des Jahres 1623 Glauben, so konnten es Zigeuner damals sogar bis zum Offizier bringen“. Zigeuner wurden in den Heeren als Heilkundige und Kundschafter eingesetzt. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 53: „Die unruhigen Zeiten begünstigten das Wanderleben der Zigeuner, welche 1626 in erheblicher Zahl auftraten. Da sie im Verdacht standen, für den Feind Kundschafterdienste zu leisten, so ordnete die Regierung eine Streife auf sie an, welche der Pfleger Stefan Danhauser von Freudenberg und Obrist Blarer mit 28 Reitern und 150 Musketieren vom 26. bis 29. Juli in der Gegend von Hirschau, Weiden, Kemnath vornahmen. Maximilian ordnete am 4. August 1626 an, daß die verhafteten Zigeuner ‚mit der Tortur und wie es vonnöthen zu examieren‘ seien. Von den 3 in Tirschenreuth in Haft befindlichen Zigeunern hatte der Pfleger Burhuß schon am 3. August nach Amberg berichtet, daß sie unschuldig seien. Trotzdem ordnete die Regierung am 8. August deren Tortur (Folter) an. Die Folter muß sehr scharf gewesen sein, denn das Jammergeschrei der Gequälten war außen deutlich zu hören. Die junge Frau eines gefolterten Zigeuners, welche die Stimme ihres Mannes erkannte, stürzte sich aus Verzweiflung in den Schloßweiher und ertrank. Die Zigeuner blieben jedoch standhaft bei der Beteuerung ihrer Unschuld“. Dass auch die meist aller denkbaren Verbrechen beschuldigten Zigeuner (SCHUBERT, Mobilität, S. 130ff.) bereits beim Heer gewesen sind u. dort als Feldscherer eingesetzt wurden, die z. T. mit volksmedizinischen Mitteln u. auch zauberischen Praktiken arbeiteten (WALZ, Hexenglaube, S. 215ff.) ist sicher richtig; dass sie es teilweise sogar bis zum Offizier gebracht hätten (so BURSCHEL, Söldner, S. 90f., unter Hinweis auf einen Beleg bei BERNOTAT, Auswirkungen, S. 162), muss bezweifelt werden. Anscheinend handelte es sich bei dem Dattern Leutnant wohl eher um den Anführer einer Kroatenabteilung, wie sie später Isolano kommandierte; vgl. JACOBS, Zigeuner; allgem. ROECK, Randgruppen, S. 85ff.; HOFFMANN, Harzschützen, S. 98ff.  DIWALD, Wallenstein, S. 334f.: „Am 27. September [1625; BW] berichtet der Landeshauptmann, Herr von der Hagen, dem Herzog [Friedrich Ulrich; BW] über seinen Versuch, den ‚Zigeuner-Vortrab’ der Armee Wallensteins aufzuhalten, und skizziert den Zustand der kaiserlichen Truppen so: ‚Die neuen Werbungen zu Roß sind auf der Offizier vorgeschossenen Gelder vorgenommen und haben bis dato noch keinen Pfennig von Ihro Kaiserlichen Majestät erhalten. Die Reiterei ist mit keinen Waffen versehen, ist übel beritten, haben größtenteils leichte und schlechte Pferde. Im ganzen sind die Neugeworbenen malcontente. Um Blankenburg herum lassen sich viel Zigeuner bei unterschiedlichen Partien zu zehn und fünfzehn Mann sehen, über die Maßen wohl bewehrt, mit zwei langen Röhren ein jeder und die Weiber zu Pferd und ein Paar Pistolen im Sattel, sie ziehen durch ungebahnte Wege, halten sich in Gehölzen und Vorbüschen, kundschaften nach allen Dingen fleißig, also daß zu besorgen, sie in des Wallensteins Bestallung auf Verräterei, Raub, Mord und Brand ausgeschickt sein mögen’. Wallenstein soll einen Zigeuner-Vortrab zum Plündern und Morden vorausgeschickt, ihn womöglich eigens dazu angeworben haben ? Hier ist wieder einmal die Wiege einer Legende, die sich gut entwickelt und rüstig die Jahrhunderte überstanden hat. Diese Zigeuner sind nichts anderes als die leichten schnellen Reiter des Obristen Isolani, meistens Kroaten und Ungarn“.Vgl. dagegen LOTZE, Münden, S. 66: „Als Vortrab seines Heeres erblickte man Zigeunerbanden, 15 bis 20 Mann stark, bis an die Zähne bewaffnet und Weiber auf Pferden mit sich führend, deren jedes 2 Pistolen im Sattel hängen hatte. Sie verübten die größten Räubereien und rühmten sich, im Dienste Wallensteins zu stehen“. Vgl. allgem. FRICKE, Zigeuner. Für 1633 hält der Erzgebirgschronist Christian Lehmann fest: „Den 11. November kahmen die Taubischen [Dietrich v. Taube; BW], verjagten die in der [Reitzenhainer; BW] schantze und schleiften Sie. Derowegen commandirte auf Churfürstlichen befehl in anfang des September der Obrist Dietrich Taube auß der Lausnitz seine 2 Regiementer an Cavallerie und Trajoner in Meißen; sein Obrist-Wach-Meister Bodo von Bodenhausen ging den 9. November mit 300 Pferden dem feindt entgegen ans Böhmische gebirg und schleiften mit Zuthun des landtvolcks die Reitzenhaner schanz und beritten stez die Paße, streiften oft in Böhmen und hohlten Viehe, und damit mann die Schwartenbergische besatzung enger hielte und die keyßerlichen Streiffen auß Böhmen gar abschaffte, marchirten theils regiementer zue Roß und fuß auß dem lager bey Dresden, darinnen der Chur-Sächsische General Arnheim [Arnim; BW] mit der Churfürstlichen Armee von 29. September biß den 1. November Müßig lage. Des Obristen Posens regiement zue fuß wurde in Zwicka gelegt, der Obrist Dietrich Taube kam den 3. Dezember mit den andern Compagnien zue den Obrist-Wachmeister von Bodenhausen umb Chemnitz an, conjungirte sich mit des Posen regiement zue fueß auß Zwickau und zogen vor Schwartzenberg.  Nach deme nun der Commendant in Schwartzenberg mit seinen Crabaten und Zigeunern 17 wochen auf den Schloß von 4. August biß den 5. december gelegen und mächtigen Schaden gethan in gebirge, marchirte den 5. December der Obrist Taube mit 22 Compagnien Cavallerie und Tragonern von Chemnitz herauf auf Dorf-Zwenitz, Grünhein, Saxenfeld gar frühe und bekahmen doselbst eine Parthei Crabaten mit Wägen, die Futterage zueführen solten, theils kamen darvon und machten lerm in schloß. Des Posens Fußvolck marchirte uff Elterlein zue und bliebe in Schletta liegen. Von der Cavallerie aber stelleten Sich ezliche Compagnien mit fliegenden Standarten auf den Wildenauer und Grunstedler weg. Die Trajoner Musten in Schwartzenberg beym Rathhauß absteigen und sich zum sturm bereit halten. Nachdeme der Commendant lose word gabe und sich zue wehren resolvirt, brachten Sie fäßer ans Schloßthor und zündeten Sie an, das feuer ergriff auch das Ampthauß und verzehrete es mit vielen Acten, briefen und registraturen, und Do sie den ernst sahen, baten Sie um accord und abzug, musten Sich aber auf gnade und ungnade ergeben, und wurde ihnen nur das leben geschenckt, der Commendant mit seiner dama nach Annenberg geführt und behalten biß zur abstattung seiner Ranzion, Die Gemeine Crabaten und Zigeuner außgezogen und durch Elterlein nach Chemnitz geschaffet, der Leutenandt und Fehnrich wurde auch in Arrest behalten“. Zu Zigeunern als Bestandteil der kämpfenden Truppe vgl. SULLIVAN, Callot’s Les Bohémiens; KROENER, Geschlechterbeziehungen, S. 289ff. Dafür spricht, dass im kurfürstlich-sächsischen Mandat v. 1652 beklagt wird, dass sich abgedankte Offiziere den sich selbst als Zigeuner bezeichenden Vagierenden angeschlossen hätten; vgl. BOETTICHER, Zigeuner, S. 22.

[18] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[19] Friedrich Ulrich Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel [5.4.1591 Wolfenbüttel-11.8.1634 Braunschweig].

[20] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen[Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566-29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[21] malcontente: unzufrieden.

[22] Blankenburg (Harz) [LK Harz]; HHSD XI, S. 46f.

[23] DIWALD, Wallenstein, S. 334f. – Ungarn: Schriftlich erwähnt werden „hussarones“ (ursprünglich Grenzsoldaten in den ungarischen Festungen) erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem einen Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Die von ihnen gestellten Bedingungen für ihren Einsatz waren u. a., landsmannschaftlich geschlossen kämpfen zu dürfen u. gute Aussichten auf Angriffe auf den Feind zu bekommen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1030, S. 326. Zur zeitgenössischen Einschätzung vgl. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456f. (1619):Es ist zwar ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter; so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder“. Eine ganz ähnliche Klage findet sich auch in dem Wiener Bericht vom 27. Oktober [1619]: „Die Hungern haußen gar übel auch bei den Evangelischen sine omni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen alles, so erbärmlich ist; wann sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen“. Der Marktredwitzer Chronist Leopold (1635); BRAUN, Leopold, S. 54f. „Den 6. Febr[uar] hat ein edler, hochweiser Rat der Stadt Eger hie[r]her(o) berichtet, (wie) daß etliche Regimenter Ungarn aus Böheim(b) auf sie in (den) Anzug [seien] und fürters in das Reich marschieren wollten. Weil es (dann) ein böses und loses Volk, das sich auch von niemand kommandieren, vielweniger durch Kommiss[are] führen ließen, als(o) wäre ihr Rat: Wir sollten uns beizeiten mit Weib und Kindern, Vieh und [den] besten Sachen [und dem], was wir [sonst] noch hätten in Sicherheit begeben, denn [= weil] sie aller Orten sehr übel hauseten und sie uns vor solcher Gewalt nit schützen könnten“.Der katholische irische Feldkaplan Thomas Carve [1590 – 1672 ?] berichtet; CARVE, Reyßbüchlein Bd. 2, S. 159f.: „Den 17. Octobris [1639; BW], ward ein Vngarischer Graff mit 500 Pferden / von Prag auff Prandis [Brandýs nad Labem] zu / allda die Schweden sich auffhielten / vmb Kundschafft einzuholen / außcommandirt. Dieser ist bald nach seinẽ Außzug von den Schwedischen Partheyen vmbgeben vnnd ertapffet / vnnd weilen in dem Außreissen / sein Pferdt vnter ihme gestrauchlet / gefangen worden; Obwohl nun er der Gefängnuß sich zu entledigen vermeyndt / gleichwohl gesehen dass solches durch kein anderes Mittel / alß mit gewehrter Handt geschehen könne / hat er sich allermassen ritterlich gewehret / auch der Schwedischen viele mit seiner eygenen Handt niedergemacht / biß endtlich er also verwundet / vnnd mit sieben tödtlichen Wunden verletzt / heroisch auff der Walstatt todt blieben. Sein todten Leichnamb haben nichts desto weniger die Vngaren dem Feindt entzogen / vñ mit sich nacher Prag gebracht vnangesehen irer etliche hundert das Leben darüber eingebusset / allda selbiger nach Standtsgebühr / mit grossen Ehren zur Erden bestattet worden“.

[24] Halle a. d. Saale; HHSD XI, S. 177ff.

[25] Matthias v. Bock [ – ], kursächischer Obristleutnant.

[26] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Mein Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Bericht aus Stettin vom 8.4.1631; Relation Oder Bericht Auß Pommern. o. O. 1631: „Den 27. Martii sind alhier 108 gefangene eingebracht deren nach mehr folgen sollen / die werden alle in Schweden ins bergwerck gesand / das sie etwas redliches arbeiten lernen“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14. 1633 kostete die Auslösung bei der Kavallerie: Obrist 600 Rt. aufwärts, Obristleutnant 400 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Rittmeister 200 Rt., Kapitänleutnant 70 Rt., Leutnant 60 Rt. bis 10 Rt. für einen Marketender, nach der Schlacht bei Jankau (1645) Obrist 1000 Rt., Obristleutnant 500 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Hauptmann 75 Rt., Kapitänleutnant und Leutnant 50 Rt.; GANTZER, Archivalien, S. 40f.

[27] Joachim Cratz v. Scharfenstein [ – ], kaiserlicher Rat.

[28] ARENDT, Holks Faktotum, S. 92f.

[29] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[30] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, S. 404, 416, 437.

[31] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, S. 453.

[32] Dresden; HHSD VIII,S. 66ff.

[33] Aitten: bisher unbekannt.

[34] MANN, Wallenstein, S. 712f.

[35] Zirndorf [LK Fürth].

[36] Streitberg [Stadt Ebermannstadt, LK Forchheim]; HHSD VII, S. 726f.

[37] Muggendorf, heute Ortsteil der Gemeinde Wiesental [LK Forchheim].

[38] HOLLE, Fürstenthum Bayreuth 3. Heft, S. 47.

[39] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-8.10.1656 Dresden].

[40] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt: Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“ [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[41] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[42] Feldmarschallleutnant: Der Feldmarschallleutnant war ein militärischer Dienstgrad, der gleichzeitig mit dem des Feldmarschalls im 17. Jahrhundert aufkam. Der Kriegsherr pflegte einem Feldmarschall einen „Untermarschall“ oder „Leutnant“ beizugeben, der den Feldmarschall zu unterstützen und zu vertreten hatte. Zu seinen Pflichten gehörten u. a. die Aufsicht über Proviantplätze und -straßen, die Kontrolle der Wachen usw.

[43] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab April 2013).

[44] Generalleutnant: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. Als Rekompens erhielt er für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossidierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[45] Wolf Christoph I. v. Arnim [Arnheim] auf Pretzsch [19.12.1607 Lindow -21.3.1668 Pretzsch], kursächsischer Obrist, Generalleutnant, Kammerherr, Geheimer Rat u. Kriegsrat, Obrist u. Oberkommandant der Festungen Pleißenburg u. Wittenberg, Amtshauptmann zu Leipzig u. Grimma, zum Generalleutnant. aufgestiegen und zusätzlich zu Döben, das er schon besaß, 1647 auch mit Pretzsch an der Elbe belehnt worden.

[46] Sagan [Żagań, LK Żagań]; HHSSchl, S. 462ff.

[47] Glogau [Glogów]; HHSSchl, 127ff.

[48] ENGERISSER, Von Kronach, S. 118 (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[49] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[50] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[51] Staatsarchiv Bamberg Rep. C 48, Nr. 185, fol. 307.

[52] Zwickau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 380ff.

[53] Stenn, heute Ortsteil von Lichtentanne [LK Zwickau].

[54] Planitz, heute Stadtteil von Zwickau [LK Zwickau].

[55] Bockwa, heute Stadtteil von Zwickau [LK Zwickau].

[56] Schedewitz, heute Stadtteil von Zwickau [LK Zwickau].

[57] Hohendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].

[58] SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 511.

[59] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann.

[60] FRITZSCHE, Stadt Altenburg, S. 16 (hier „Marquis Corpus“).

[61] Dam [Thame, Tam, Damm] Vitzthum [Vitzdum, Vizthum] v. Eckstädt [10.9.1595-21.3.1638], kursächsischer Generalmajor.

[62] Krankenversorgung: Kranke und verwundete Soldaten blieben zumeist in Städten und Orten zurück und fielen diesen zur Last – sofern sie keine Familie als Schutzgemeinschaft im Lager besaßen – , obgleich man dort zum Teil die Aufnahme der Kranken aus Furcht vor der Ausbreitung von Seuchen und vor den Kosten verweigerte. Johann Ernst von Sachsen-Weimar war einiger der wenigen, denen das Wohl der Soldaten am Herzen lag. LANGER, Heeresfinanzierung, S. 296: „Derselbe Fürst [Johann Ernst v. Sachsen-Weimar] und Heerführer sandte im Herbst des Jahres 1625 an seinen Kriegsherrn, König Christian IV. von Dänemark, ein Memorial, das die Unterbringung und Versorgung von 4.000 kranken Soldaten betraf. Die Finanzierung oblag der Kriegskasse. Johann Ernst schlug vor, je zehn Kranke einer Pflegerin gegen einen Wochenlohn von einem Gulden anzuvertrauen. Es mußten also vierhundert ‚Weiber‘ gewonnen werden, dazu noch drei bis vier Ärzte, ein Apotheker und ‚etliche Prediger‘, letztere für ein Monatsentgelt von 25 Gulden. Die Verpflegung sollten umherfahrende Marketender liefern gegen Barzahlung, die aus dem Pflegegeld abgezweigt wurde. Nach diesen Angaben war bei gleichbleibender Krankenzahl eine wöchentliche Ausgabe von weit über 400 Gulden nötig. Es scheint allerdings, daß ein solcher Aufwand mit untauglichen Söldnern eher selten war“. Verwundete erhielten z. B. im Neumarkter (Oberpfalz) Lazarett 1647: ein gemeiner Soldat wöchentlich 1 fl. 30 kr.: ein Feldwebel oder Korporal täglich 18 kr.; RIED, Neumarkt, S. 106. Finanziert wurden die Spitalkosten über die erhobenen Kontributionen. Daher liegen die Kosten für die medizinische Notversorgung, für das Feldspital (ein studierter Arzt erhielt etwa 260 fl., der „Chirurgus“ 60 fl. monatlich), in der Hauptkostenrechnung nur bei 1 %. Allerdings sorgten die kranken Soldaten in den Städten auch für Unruhe; Aus dem Memorial der Paderborner Regierungskanzlei, 26.9.1636, für den kaiserlichen Obristen Wilhelm v. Westphalen; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 175: „Alhie verbliebene krancke soldaten und sonderlich von Rabischen [kaiserlicher Obrist Johann Raab; BW] regiment stellen sich fast mutwillig an, in deme dieselbe nicht allein ihr logament ruiniren, alles darin verbrennen, und [solchen fast groß = gestrichen] solche feur anlegen, daz auch die benachbarte [Nachbarn; BW] ja die gantze stadt daruber in gefahr kommen sollte, sondern sich auch so weit verkünnen, daz sie nicht schewen den burger die schweine abzunehmen und zu schlachten“. MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Teil, S. 615: „Der Erzherzog [Leopold Wilhelm; BW] hatte, weil Zaradecky bey ihm anhielte, ein Schreiben an Lodron und Beierlein ausfertigen laßen, daß die Stadt über 500 kranke Soldaten einnehmen, verpflegen und mit Arzneyen versehen solle. Auf inständiges flehentliches Bitten D. Höfels versprach der Erzherzog die Stadt zu verschonen und die Kranken auf die Dörfer zu legen. Nichts destoweniger kam den 21. Mai ein Schreiben, daß die Stadt gedachte Soldaten in ihre Dörfer nehmen und sie 14 Tage lang obgedachter Maßen verpflegen sollte. Es blieb aber auch nicht bey den zu der Stadt gehörigen Dörfern, sondern täglich kamen welche in die Stadt, die man in das Waisenhaus und in die Bürgerscheune legte“. Aus Heilbronn wird anlässlich der Belagerung im Dezember 1631 über die einquartierten Lothringer berichtet; JÄGER, Geschichte der Stadt Heilbronn, 2. Bd., S. 206: „Die Bürger der Stadt verweigern dem General Oßa nicht nur die Hülfe, sondern schleppen auch in der höchsten Erbitterung die mit der ungar’schen Krankheit behafteten Soldaten der Besazung aus den Häusern, und werfen sie auf den Mist“.

[63] Defensioner: Angehöriger der Landesverteidigung, Landwehr: Landesverteidigung: Milizen aus von Offizieren angeleiteten Stadtbürgern und Bauern zum Schutz gegen Durchzüge marodierender Heere und Soldaten; Anlage zum Schutz von Gebietsgrenzen: mit dichten Hecken bestandener oder mit Palisaden gesicherter Wall in Kombination mit einem Graben.

„Daß die angestellte Landesdefension Erfolg haben konnte, wenn es sich bei den Übergriffen um kleinere Gruppen von Plünderern handelte, zeigte sich in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt, als man in (Düsseldorf-)Gerresheim eine Gruppe brabantischer Soldaten gefangennahm, die ‚die Gerresheimer Kirch spoliert’ (geplündert) hatten. Dreizehn von ihnen wurden am 27. Januar 1625 gehenkt und sechs enthauptet“. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff, S. 78.

[64] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[65] Lichtenstein; HHSD VIII, S. 201f.

[66] Reichenbach [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 298f.

[67] Neukirchen [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 245f.

[68] Kohren-Sahlis [LK Leipzig]; HHSD VIII, S. 168f.

[69] Gnandstein, Dorf in der Gemeinde Kohren-Sahlis [LK Leipzig]; HHSD VIII, S. 118.

[70] Penig [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 274.

[71] Siebenlehn, Gemeindeteil der Stadt Großschirma [LKK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 334.

[72] Obergorbitz; Stadtteil von Dresden; Erwähnung unter HHSD VIII, S. 235 (Moritzburg).

[73] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[74] Oederan [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 261f.

[75] Freiberg [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 99ff.

[76] Meile: 1 Meile = ca. 7,420 km, eine schwedische (auch große) wie auch westfälische große Meile wurde mit 10 km bzw. 10, 044 km gerechnet. In der Regel kein bestimmtes Maß, sondern eine Strecke, „die ein Fußgänger ohne Anstrengung in zwei Stunden zurücklegen“ konnte. HIRSCHFELDER, Herrschaftsordnung, S. 192.

[77] Augustusburg [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 13f. Nach BERGNER, Beschreibung, S. 123, am 16.8, nach RICHTER, Historische Nachricht, S. 116, am 21.8. Holk hatte das Mobiliar für sich geplündert.

[78] spoliert: ausgeplündert.

[79] Siebenlehn, Gemeindeteil der Stadt Großschirma [LKK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 334.

[80] SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 520f.

[81] Schneeberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 320ff.

[82] Vergewaltigung, Schändung, „Schwechung“: Vergewaltigung war in den Kriegsartikeln aller Armeen ausdrücklich verboten und mit der Todesstrafe bedroht. Auf Vergewaltigung stand schon in den Kriegsartikeln Gustav II. Adolfs von 1621 die Todesstrafe. Sie war aber von Anfang an eines der häufigsten Delikte, wenngleich z. T. in den offiziellen Kriegsberichten an den Kriegsherrn absichtlich unterschlagen, aber auch in den Taufregistern immer wieder auftauchend. Zuweilen vermerkte der Pfarrer beim Vater „drey Soldaten“, „zweene Soldaten“, um auch Mehrfachvergewaltigungen zu dokumentieren; UHLIG, Leidenszeiten, S. 11; vgl. die kirchlichen Zweifel bei GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 14, 66; „Balgstedt im Besitz der Herren von Heßler und von Schieck 1616 – 1744“: „1634 läßt Frau Thiele Zwillinge taufen; ihr Mann Hans Thiele hatte sie verlassen und war in den Krieg gezogen. In dem selben Jahre wird der außereheliche Sohn der Anna Schild getauft, welche sagt, sie sei voriges Jahr nach Pfingsten nach Laucha gegangen und auf dem Heimwege unterm Hain beim Spillingsgarten von einem Reiter überfallen worden, weshalb das Kind ‚Hans Reuter’ getauft wird“. Zur Schändung auch von Schwangeren vgl. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 54. Teilweise waren selbst Reiterjungen daran beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: „2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können“. Die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mag aus verständlichen Gründen um ein Vielfaches höher gelegen haben. THEATRUM EUROPAEUM Band 3, S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es dagegen ausdrücklich, dass die Schweden in der ganzen Zeit sich „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice. Vgl. auch MAHR, Monro, S. 56f. Daus Verfahren wurde sehr unterschiedlich gehandhabt, vgl. etwa die Aufzeichnungen des Schmalkaldener Chronisten Pforr; WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636] sollte ein [schwedischer] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden“. Auf Klagen bei Kommandieren hieß es z. T.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 122: „es sei aus unterschiedenen regimentern kommandiert volk und unter denselben Spanier, Neapolitaner, Burgunder, Italiener etc., die man nicht also in zaum halten könnte“.Vergewaltigung gehörte z. T. zur üblichen Topik in zeitgenössischen Berichten oder bei Geburt unehelicher Kindern; vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es ausdrücklich, dass sich die Schweden in der ganzen Zeit „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice; die Beschwerden der Pommern’schen Gesandten (1630); THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 190, CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff. SEMLER, Tagebücher, S. 212f. (1635): „es ist kein wunder, daß wir kein glückh haben könnden, daß vnser aigen volckh mit den gaistlichen sachen so vebel vmbgehet, daß ein erschröckhen ist. Diser tagen haben vnser reütterey daß stätlin Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin], so doch kein feind darinnen wahre, veberfallen, dem priester, so eben consecrirte, den kelch auß der hand genommen, die closterfrawen noth gezwungen, andere weiber auf dem heiligen altar geschändt und geschmächt [geschwächt !; BW]“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632 über die Rache von Frauen; DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“. Zum Teil wird diese Gewalt gegen Frauen auch mit „schwechen“ umschrieben. Zum Teil scheint man Versuche nicht besonders ernst genommen zu haben. Aus Zwickau (1632) wird berichtet; WILHELM, Descriptio, S. 181: „Den 14. Wurde ein Soldat auffm Esel gesetzt / welches zuvorhin offt geschehen / das er einem WeibesVolck Vnehr angemutet vnd sie zwingen wollen / dem wurden Stöcke an die Füsse gelegt / so dem guten Bruder sehr vexiret / welches gewähret / biß nach Mittag vmb 3. Vhr / do gehet ein Soldaten Jung vorvber / deme befehlen andere alda stehende Soldaten / er sollte dem die Stöcke von Füssen thun / so er verrichtet / vnnd solche auff einen Holtzwagen / so gleich vorvbergegangen geworffen / Es ist aber derselbe folgende Nacht auff die leiter gebracht worden / vnnd gehencket werden sollen / darbey grose Ceremonien vorlieffen / in deme man den Commendanten vnterschiedlich zu geruffen / vñ vmb gnade geschrien / so eine gute halbe Stunde gewehret / allein es hatte endlich das ansehen / als wen es nur zur Pravada wehre angestellet gewesen“.

[83] Gemeint sind Leibchen.

[84] Diskretion(sgeld): Verehrung = „Ehrengeschenk“, das von ein- oder durchziehenden Offizieren erwartet oder erzwungen wurde, in Geld- oder Sachleistungen der verschiedensten Art.

[85] Salvaguardia: Ursprünglich kaiserlicher Schutzbrief, durch den der Empfänger mit seiner Familie und seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde; zur öffentlichen Bekräftigung dieses Schutzes wurde dem Empfänger das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler und die Wappen der kaiserlichen Königreiche und Fürstentümer an seinen Besitzungen anzuschlagen. Der Schutzbrief bedrohte jeden Angreifer mit Ungnade und Strafe. Im 30jährigen Krieg militärische Schutzwache; Schutzbrief (Urkunde, die, indem sie geleistete Kontributionen und Sonderzahlungen bestätigte, gegen weitere Forderungen schützen sollte, ggf. durch militärische Gewalt des Ausstellers); auch: sicheres Geleit; eine oft recht wirkungslose Schutzwache durch abgestellte Soldaten, in schriftlicher oder gedruckter Form auch Salvaguardia-Brief genannt, die meist teuer erkauft werden musste, und ein einträgliches Geschäft für die zuständigen Kommandeure darstellten. Teilweise wurden entsprechende Tafeln an Ortseingängen aufgestellt, „Salvaguardia“ an die Türen der Kirchen (HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 55) geschrieben oder für die ausländischen Söldner ein Galgen angemalt. Die 1626 von Tilly erlassene Schultheißen-Ordnung hatte festgelegt: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986. Der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing; SIGL, Wallensteins Rache, S. 140f.: „Da die Schweden so grausam wüteten und sich wie eine Seuche immer weiter ausbreiteten, alle Dörfer mit Raub, Mord und Jammer heimsuchten, erbaten die Bürger ab und zu von den Kapitänen der Weimaraner eine Schutzwache, die bei ihnen meist Salva Guardia heißt. Erhielten sie diesen Schutz zugesagt, so wurde jeweils ein Musketierer zu Fuß oder zu Pferd in das betreffende Dorf, die Ortschaft, den Markt abgestellt. Dieser sollte die herumstreifenden Soldatenhorden, kraft eines vom Kapitän ausgehändigten schriftlichen Mandats, im Zaume halten, ihre Willkür beim Rauben und Plündern einschränken. […] Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine solche Schutzwache unseren Leuten oder den Bewohnern anderer Orte, denen auf ihre Anforderung eine Salva Guardia zugestanden wurde, keinen Vorteil brachte. Im Gegenteil, sie schlugen ihnen vielmehr zum Schaden aus und waren eine Belastung. Offensichtlichen Nutzen dagegen hatten nur die Kapitäne, denn ihnen mussten die Leute gleich anfangs die ausgehandelte Geldsumme vorlegen oder wenigstens wöchentlich die entsprechende Rate (pensio) entrichten. Kurz, wie Leibeigene oder Sklaven mussten sie blechen, was die Kapitäne verlangten. Ich habe nur einen Unterschied zwischen den Orten mit und denen ohne Salva Guardia festgestellt: Die Dörfer ohne Schutzgeleit wurden früher, jene mit einer Salva Guardia erst später ausgeplündert. Da nämlich die Schweden vom Plündern nicht ablassen konnten, solange sie nicht alles geraubt hatten, so raubten und plünderten sie entweder alles auf einmal (sodaß sie nicht mehr zurückkommen mußten) oder sie ließen allmählich und langsam bei ihren Raubzügen alles mitgehen, bis nichts mehr zu holen war. Obendrein haben diese eigentlich zum Schutze abkommandierten Musketiere und Dragoner gewöhnlich die Ortschaften, ihre Bewohner und deren Habseligkeiten – als Beschützer – ausspioniert und dann verraten. Wurde nämlich der bisherige Beschützer – und Spion – unvermutet abberufen, dann brachen seine Kameraden, Raubgesellen und Gaunerbrüder ein und raubten alles, was bislang durch den Schutz der Salva guardia verschont geblieben war, was sie in Wirklichkeit aber für sich selbst hinterlistig und heimtückisch aufbewahrt hatten, und wüteten um so verwegener (pro auso suo) gegen die jämmerlich betrogenen und enttäuschten Menschen, beraubten sie nicht menschlicher und marterten sie“. Auch war das Leben als Salvaguardist nicht ungefährlich. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 49f. (1629): „Eine Eingabe des Bauern Jacob Löffler aus Langenwetzendorf [LK Greiz] wegen der bei ihm einquartierten »Schutzgarde« schildert die Heldentaten der derselben ungemein plastisch: »Was ich armer Mann wegen anhero zweijähriger hiesigen Einquartierung für groß Ungemach ausstehen müssen, gebe ich in Unterthänigkeit zu vernehmen: Denn erstlichen habe berührte Zeit über 42 ganze 42 Wochen Tag und Nacht bei den Soldaten ich aufwarten, nicht allein viel Mühe und Wege haben, sondern auch welches zum Erbarmen gewesen, Schläge gewärtig zu sein und geprügelt werden zu müssen, 2. habe ich meine geringe Haushaltung wegen jetziger Unsicherheit beiseits setzen, meine Felderlein wüst, öd und unbesamt liegen lassen, daß seither ich im geringsten nichts erbauen, davon samt den Meinigen ich mich hätte alimentieren mögen, 3. haben die Soldaten mir die Gerste, so zu einem Gebräulein Bier ich eingeschüttet, aus den Bottichen genommen, zum Teil mutwilligerweise zerstreut, zum Teil mit sich hinweggenommen, verfüttert und verkauft, 4. haben sie mir das wenige Getreidig, so noch unausgedroschen vorhanden gewesen, mit dem Geströhde aus der Scheune in andere Quartiere getragen, ausgeklopft und ihres Gefallens gebraucht, 5. weil sie an meiner geringen Person sich nicht allzeit rächen können, haben sie mir die Bienen und derselben Stöcke beraubet, umgestoßen und zu Grund und Tode gerichtet, 6. sind von ihnen mir alle Hühner, Gänse und ander Federvieh erschossen, genommen und gefressen worden, meine Wiesen, Raine und Jagen mir dermaßen verödet, daß ich nicht eine einzige Bürde Heu und Grummet von denselben genießen kann, 7. endlich ist von ihnen mir eine Kuh aus dem Stalle, so meinen Geschwistern zuständig gewesen, gezogen, in ein anderes Losament getrieben, geschlachtet und gefressen worden.« Teilweise „kauften“ sich begüterte Bürger Offiziere als Salvaguardia, um sich gegen Übergriffe zu schützen; SUTORIUS, Die Geschichte von Löwenburg. 1. Teil, S. 266. Teilweise wurde nur ein einzelner Salvaguardist einquartiert, teilweise aber ging die Zahl je nach Kriegs- und Ortslage erheblich in die Höhe. 1635 hielt Heinrich Graf Schlick 100 Mann zum Schutz seiner Herrschaft Plan für notwendig; SENFT, Geschichte, S. 124.

[86] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. In den bei Angriffen und Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten und um ein freies Schussfeld zu haben.

[87] Soldatenkrankheit: vgl. http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/s/ks22319.htm: Kriegs=Krankheiten und Seuchen, Feld=Krankheiten.

[88] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, von HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] und seinen Zeitgenossen neben Krieg und Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133 f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest von 1625 an der Pest von 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden und etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später treten Bewusstseinsstörungen und Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende und äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten und Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm und waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen von selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 %r zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer und erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle von Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- und Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat und die eine Letalität von 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren eine starke Atemnot, Husten, blaue Lippen und blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de] lassen vermuten, dass es sich bei der Pest von 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status und Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung und Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse und andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser und Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne von vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet und wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“.Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest und Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt von den Heiligen Sebastian und Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit und Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der von „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurde, aber auch von Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand von Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 96ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung und wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. Vgl. auch LAMMERT, Geschichte; RUFFIÉ; SOURNIA, Die Seuchen, S. 17ff.

[89] LEHMANN, Kriegschronik, S. 34f.

[90] KUNATH, Kursachsen, S. 104. Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.

[91] HALLWICH, Briefe und Akten 2. Bd., S. 792.

[92] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 266, S. 99.

[93] Voigtsberg [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 353f.

[94] Plauen [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 279ff.

[95] Adorf [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 1f.

[96] Trompeter: Eigener, mit 12 fl. monatlich – teilweise wurden in besetzten Städten 12 Rt. (18 fl.) herausgepresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15); Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461 – der Trommelschläger recht gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.

[97] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil aber auch bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten auch Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95.: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“

[98] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [wikipedia].

[99] Musketier [schwed. musketerare, musketör, dän. musketeer]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2 – 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[100] Amtsschösser: Der Schösser nimmt die Wirtschaftsverwaltung eines Amtes wahr, vor allem die Einnahmen durch Schoss, Zinsen, Gefällen. Der Schoss war eine allgemeine Vermögensabgabe, die zwar vom Schösser in regelmäßigen Abständen eingezogen wurde, bei Bedarf jedoch extra und auch in vielfacher Höhe erhoben werden konnte. Der Schösser führt das Rechnungswesen des Amtes. Schösser und Amtmann bezeichnen im 17. Jahrhundert häufig den Träger derselben Verwaltungsfunktion, deshalb ist auch der Terminus Amtsschösser gebräuchlich. [mdsz]

[101] ARENDT, Faktotum, S. 125f.

[102] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff. Vgl. www.ra.se/kra/0425.html; 0425 a Sveriges krig, Krieget i Tyskland 1628-1648) unter 0425:03:107 „Keÿserliche Schlacht Ordnung Wie solche durch den General Walenstein ist gestellet vnd gehalten worden den 6. Novembris Anno 1632. vnd diese Schlachtordnung ist bestanden in nachfolgenden Nehmlichen 26,000 Mann Zue Fues, 2000. Dragons, 8000 Curassier, 5000 Herquebuss: 3000 Croat: insumma 44,000 Mann, die Fronte ist breit 979 Ruthen Reinlandisch macht 4895 Pass“. – Lützen [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 286f.

[103] BRZEZÍNSKI, Lützen 1632, S. 25.

[104] Weipert [Vejprty, Bez. Komotau, Tschechien]; HHSBöhm, S. 650.

[105] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer.

[106] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[106]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[107] Obristwachtmeister [schwed. Major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[108] Melchior Moser [Mosen] [ – ], kursächsischer Obristwachtmeister.

[109] Pressnitz [Přisečnice; Kr. Chomutov (Komotau)]: Bergstadt im Erzgebirge, bis 1974 an der Stelle, wo sich heute die große Fläche der Pressnitztalsperre (vodní nádrž Přisečnice) erstreckt. Häuser, Kirchen und Schloss von Přisečnice sowie die benachbarten Dörfer Rusová (Reischdorf) und Dolina (Dörnsdorf) wurden abgerissen und an deren Stelle der Fluss Přísečnice (Pressnitz) gestaut.

[110] Laniena: Gemetzel.

[111] Waltersdorf, heute Ortsteil von Liebstadt [Sächsische Schweiz-Osterzgebirge].

[112] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff., HHSD VIII, S. 41f.

[113] Drohworte.

[114] Bärenstein bei Weipert [Vejperty, Bez. Komotau, Tschechien]; HHSBöhm, S. 650.

[115] Großrückerswalde [Erzgebirgskreis].

[116] LEHMANN, Kriegschronik, S. 58.

[117] Pockau-Lengefeld [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 200.

[118] Marienberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 215f.

[119] Johann Christoph v. u. zu Adelshofen [Adelshöfer, Adelshöffer, Adelßhoff, Adelzhoffen, Adelhoff] auf Trochtelfingen [ – Januar ? 1649], kaiserlicher Generalwachtmeister.

[120] raiteln, reuteln, radeln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[121] Frauenstein; HHSD VIII, S. 98f.

[122] LEHMANN, Kriegschronik, S. 52.

[123] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[124] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[125] Creussen [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 129.

[126] Arzberg, Kirchenlamitz, Selb, Thierstein, Weißenstadt und Wunsiedel, 1613 gebildet.

[127] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[128] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[129] Weidenberg [LK Bayreuth].

[130] Bindlach [LK Bayreuth].

[131] Goldkronach [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 240.

[132] Bad Berneck i. Fichtelgeb. [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 57f.

[133] Gefrees [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 228.

[134] Wernstein [LK Kulmbach]; HHSD VII, S. 811.

[135] STICHT, Markgraf Christian, S. 171f.

[136] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[137] Polen, Polacken [„Husacken“, „Hussaria“]: Die übliche, zunächst nicht pejorative Bezeichnung für die im kaiserlichen Heer wenig geschätzten polnischen Truppen, die hauptsächlich von Spanien besoldet und in habsburgischen Diensten standen. Vgl. Wallenstein an Gallas, 30.1.1633; NÉMETHY, Das Schloß Friedland, S. 106: „wenn die nacion siehet das ihnen einer nachgiebt oder ihrer von nöthen hat so seind sie insuportabili [unerträglich; BW]“. Die Kampfkraft dieser Truppen galt als gering. Einerseits galt ihre Führung als schwierig, andererseits waren sie wegen ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit im Umgang mit Muskete, Pistole, Säbel, Lanze und Wurfspeer gesuchte Söldner. Von Philipp Graf v. Mansfeld-Vorderort gegenüber Ilow stammt die negative Beurteilung; HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 512: „Die Beschaffenheit vnserer Pohlen habe Ich gestern dem Herren ausführlich, sowohl dem Herren Veldtmarschalch auch ieczo bey diesem überschriben. Der Herr zweifle nur nit, daß ihnen nicht viel hunderterler persvasiones eingeprediget, getruncken vndt geßen worden; die Bestien haben auch capiret, aber viel eher aus dem gedechtnüß verlohren, alß der Wein aus dem Kopf und Magen verdeyet worden. Sie freßen wohl weder Sambstag noch Freytag Butter oder Ayer; sich aber sonsten für den catholischen glauben, daß Römische Reich oder auch ihr aigeneß Vatterlandt ainige Vngelegenheit zue machen, seindt sie gancz keine leüth. Warheit oder Ehr hat bey ihnen nicht lenger bestandt, alß weil es ihnen zum profit dienet; wan der aufhöret, schwehren sie für fünff groschen einen Aydt, daß Gott nie zur Welt gebohren. Mit diesen ehrlichen Leuthen habe Ich diese Tage hero meine Zeit zuebringen müßen; kehme es nur endtlich zue nuczbahren diensten deß Kaysers, möchte man alleß deßen vergeßen. […] mitlerweile mich bey Herrn Veldtmarschalch helffen entschuldigen, daß Ich mit diesen Leuthen nicht eher erscheine, ist ia ie ein pur lautere Vnmöglichkeit geweßen, sie ehender fort zue bringen; hoffe zu Gott, wir werden noch entlich zue rechten Zeit kommen, inmaßen dann dieser Canali nur in der ersten furi arbeit vndt action geben werden muß, worauf dieselbe inmittelß, doch ohne maßgeben, bestermaßen bedacht sein wollen“. Vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik (Oktober 1636), S. 89: Die polnischen Reiter „soffen sehr viel bier auß, machten es mit Plündern, schenden erger denn alle feinde, ritten uff die welde, durchschändeten die Weibsbilder, dass Sie nicht gehen kundten, nötigten die Steinalten Weiber, dass Sie starben, zernichteten alles in heußern, weil ihrethalben alles uff die Welder und in die Städte gewichen wahr, haben viel vergrabene sachen aufgesucht, vermaurete keller gefunden, zien und kupfer mitgenommen, kirchen erbrochen, kelche, leichen- und Altartücher mitgenommen. Den 31. October s. n. fiel das Fest aller heiligen ein, drumb blieben Sie liegen, feyerten es mit fasten und speisen nur von öhl, Eßig und fischen, wo sies haben kundten, wahren aber nichts desto frömmer und brachen an Sontag frühe auf und marchirten auf Presnitz und Wiesenthal. Das ärgste und grausambste an ihnen wahr, dass Sie schöne kinder, gleich wehren Sie Turcken oder Tartarn, mitgenommen“. WAGNER, Pforr, S. 129. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 616f.: „Vnder diesen Crabaten vnd Pollacken ward eine scharpffe Kriegs-Disciplin vnnd gute Ordnung gehalten / wie dann drey ihrer Soldaten / welche in einem Dorff auß einer Kirchen etwas gestohlen / vnnd darüber ergriffen worden / eine harte Straff haben außstehen müssen / in deme sie alle drey an Pfählen angebunden / vnd lebendig im Fewer verbrändt worden. So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / vnd deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / vnangesehen er eine grosse Summe Gelts für sein Leben gebotten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart vnnd Ansehen deß Edelmanns enthauptet / vnd hernacher folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Bei dem Rothenburger Chronisten Dehner werden die polnischen Kosaken aus der Ukraine als „Husacken“ bezeichnet; HELLER, Rothenburg, S. 20. Vgl. auch SCHWARTZ, Die Neumark, S. 53ff.

[138] Gefrees [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 228.

[139] Goldkronach [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 240.

[140] Gemeint ist Weidenberg-Görau [LK Bayreuth].

[141] Gemeint ist Weidenberg-Görau [LK Bayreuth].

[142] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[143] Reinhold v. (Hoch-)Rosen.

[144] Weidenberg-Görau [LK Bayreuth].

[145] Lothar Dietrich Freiherr v. Bönninghausen [ca. 1598 Apricke-13.12.1657 Schnellenberg], in ligistischen, kaiserlichen, spanischen u. französischen Diensten, zuletzt Feldmarschallleutnant. Vgl. LAHRKAMP, Bönninghausen.

[146] Peter Graf Keglevich [Keglewitz, Kechleritz, Kegleritz, Keglaritz] de Bužim [ – ], kaiserlicher Obrist.

[147] Arzberg, Kirchenlamitz, Selb, Thierstein, Weißenstadt und Wunsiedel, 1613 gebildet.

[148] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[149] Rehau [LK Hof]; HHSD VII, S. 613.

[150] Peter Graf Forgách [Forgatsch, Forgatzsch, Forkar, Vorjaz, Vorgartz] de Gýmeš [Ghymes] u. Gács [ – ], kaiserlicher Obrist.

[151] Daniel Beygott z Reinderštatu [Beygold, Beygoldt, Beigoldt, Beigolt, Beygoth, Beycott, Beuchold, Peygott, Peigoldt, Peigolt, Peycott] [ -um 1650 ?], kaiserlicher Obrist.

[152] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[153] Oberkotzau [LK Hof]; HHS VIII, S. 547.

[154] Verschrieben für „ebenermeldter“.

[155] 73, 28 Liter.

[156] 1 Fass = 997,08 Liter ?

[157] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[158] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[159] Schauenstein [LK Hof]; HHSD VII, S. 662.

[160] Helmbrechts [LK Hof]; HHSD VII, S. 282.

[161] Creussen [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 129.

[162] Kurbayerische Truppen aus der Oberpfalz

[163] Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“, auch Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefecht oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein; Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten Scharmützel auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die sich in diesem kleinen Krieg hervortaten. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten.

[164] Muskete [schwed. musköt, dän. musket]: I. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung hatten jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete mit Forquette (Stützgabel), Bandelier und Kugelform kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5-4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm]. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Bis 220 Meter konnte man noch unter günstigen Voraussetzungen eine Trefferquote von 25 % erzielen. ENGERISSER, Von Kronach, S. 552: „Ab ca. 200 m Entfernung waren Musketenschüsse unter normalen Feldbedingungen gegen gepanzerte Soldaten praktisch ohne Effekt und ab 300 m verursachten sie gegen Ungepanzerte auch nur noch Prellschüsse. Die maximalen Schussweiten mit einer gut passenden und verdämmten Kugel lagen bei 350-400 m, d. h. nach spätestens 400 m senkte sich eine waagrecht abgeschossene Kugel in den Boden“. Vgl. „Luntenschloßmuskete, Suhl um 1630“. Online verfügbar unter: engerisser.de/Bewaffnung/Luntenschlossmuskete.html. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. II. Es gab auch Jagdmusketen mit kleinem Kaliber und langem Lauf, die von Scharfschützen verwendet wurden. Zum Teil machte man aus Unberittenen Dragoner, in denen man ihnen Musketen gab. SCHWARTZ, Die Neumark, S. 52. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Der Preis für eine Muskete lag je nach Qualität zwischen 4 und 6 Rt., also zwischen 6 und 9 fl.

[165] Trommelschläger: Trommler (Tambour) wurden bei der schwedischen Armee auch als Boten eingesetzt, deren Aufgabe darin bestand, im feindlichen Lager als Kundschafter zu fungieren. Trommelschläger wurden z. T. als Übermittler bei Belagerungen oder Verhandlungen eingesetzt, ein durchaus gefährlicher Job, den sonst Trompeter ausübten. So schnitten 1642 aufständische Bauern einem schwedischen Trommler Nase, Ohren und die Finger ab, um zu zeigen, dass sie an Verhandlungen keinerlei Interesse hatten; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 839. Vgl. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 41: „Sie sollen sich auf allerley Schläge / alß Lermen / Marsch / Versammlung / Troupen / Wacht / Rebell oder Travaille / verstehen / und allerley Marsch und frömder Völkeren Schlag können. Sie sollen nicht Narren und Possenreisser / sonder verständige Leuthe seyn, welche / so man zu dem Feind schicket / Gefangene zulösen: item / Befehl und Bottschaft zuverrichten: Briefe zuüberliefern / ihren Befehl verständig verrichten / auf alles was sie gefraget werden / vernünftig antworten / und was zu schaden gereichen möchte / verhälen / und die Heimlichkeit bey ihren Eiden niemandem offenbaren / sich nüchter halten / und so der Feind sie füllen / und ihnen mit starken trünken zusetzen wollte / solches verweigern und abschlagen: auch so sie gefraget wurden / davon schad entstehen möchte / sich entschuldigen / daß sie deren dingen keine wüssenschaft haben“. Ein Trommelschläger erhielt 1626 als Regimentstrommelschläger in der brandenburgischen Armee monatlich 12 fl.

[166] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[167] Töpen-Ober- und Tiefendorf [LK Hof].

[168] HÖFNER, Dörfer, S. 132f.: „Am 1. III.1633, Freitag vor Fastnacht, wurden fünf Regimenter des Obristen Corpus in Hof einquartiert. Sieben kroatische Reiter waren als Spähtrupp auf die Straße Hohendorf – Mödlareuth kommandiert worden. Als sie keine Feinde antrafen, kehrten sie im Wirtshaus Tiefendorf ein, ließen die Pferde füttern, zehrten für ihr Geld und blieben die Nacht dort. Nach Aussagen der Ortsbewohner hatten sie niemand gekränkt oder sich feindselig benommen. Die benachbarten Gutsbesitzer Joachim Ernst, Dietrich und Friedrich von Zedtwitz, Gebrüder, und Caspar von Beulwitz, alle zu Töpen wohnhaft, erkundeten, dass die Soldaten schöne Pferde, gute Monturen und viel Beute bei sich hatten, holten etwa dreißig ihrer Lehensleute herbei und fielen ‚ohne Ursach’ auf Lobensteiner Grund und Boden nächtlich ein. Sie erschlugen die Reiter in ihren Quartieren mit Holzäxten und nahmen die Pferde und die Beute weg. Die Leichen schleppten sie auf den Pferden in den Busch. Ein Reiter und ein Bursche des Offiziers von Bodenhausen hatten sich jedoch nicht zur Ruhe begeben und entrannen, als der erste Schuß in die Stube fiel. Sie schlichen sich hinweg und meldeten in den ersten Morgenstunden dem Obristen in Hof die Bluttat. Sofort wurde ein Regiment alarmiert. Der Kommandant begehrte vom Rat der Stadt Führer, die das Dorf zeigen sollten. Die unangenehme Aufgabe wurde dem Stadtvogt Hans Christoph Hendel übertragen. Als die Truppe in Tiefendorf ankam, kroch ein schwerverletzter Reiter aus der Wirtshausscheune und erzählte den Verlauf der Untat. Der Oberst nahm an, dass die inzwischen geflüchteten Bewohner von Hohen- und Tiefendorf den Überfall auf dem Gewissen hätten und befahl die Einäscherung beider Dörfer, während die Schuldigen in Töpen keine Bestrafung erfuhren. Die Rauchsäulen konnten in Hof gesehen werden“.

[169] Stadtvogt: Ratsherrenfunktion: die beiden Stadtvögte waren Gerichtsherren und Notare des Landgebiets und die Vorgesetzten der Landvögte.

[170] Dietrich Freiherr v. Taube [Daube] [1594 Maardu [Estland]-29.1.1639 Dresden], kursächsischer Obrist.

[171] Tiefendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].

[172] Hohendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].

[173] Tiefendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].

[174] Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101.

[175] rächen.

[176] Joachim Christian Freiherr, 1642 Graf v. der Wahl [Waall] [1590-31.8.1644 Ingolstadt], kurbayerischer Feldmarschall.

[177] Bayreuth-Morizhöfe, im Süden von Bayreuth.

[178] Creußen-Gottsfeld.

[179] Creußen-Schnabelweid, Creußen-Haidhof, Creußen-Lindenhardt [LK Bayreuth] und Thurnau-Hörlinreuth [LK Kulmbach].

[180] Creußen-Haidhof.

[181] Creußen-Schnabelweid, Creußen-Haidhof, Creußen-Lindenhardt [LK Bayreuth] und Thurnau-Hörlinreuth [LK Kulmbach].

[182] Georg Christoph v. Taupadel [Tupadel, Tupadell, Taubadel, Toupadel, Tubal, Taubald, Thobadel, Dupadel, Dubald, Dubadell, Dubalt, „Raupartl“, Teupold] [um 1600 Fichtenberg-12.3.1647 Basel], schwedischer Generalleutnant.

[183] Laufbrunnen.

[184] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. S. 429f.

[185] Stephan Garmathey [ – ], kaiserlicher Rittmeister.

[186] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[187] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.

[188] Haare lassen; Verluste hinnehmen

[189] KLUGE, Hofer Chronik, S. 7ff. (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Hofs und seines Umlandes).

[190] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[191] Peter Graf Forgách [Forgatsch, Forgatzsch, Forkar, Vorjaz, Vorgartz] de Gýmeš [Ghymes] u. Gács [ – ], kaiserlicher Obrist.

[192] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[193] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[194] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[195] Daniel Beygott z Reinderštatu [Beygold, Beygoldt, Beigoldt, Beigolt, Beygoth, Beycott, Beuchold, Peygott, Peigoldt, Peigolt, Peycott] [ -um 1650 ?], kaiserlicher Obrist.

[196] Schirnding-Fischern [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHsD VII, S. 665f.

[197] Markhausen => Pomezná (Markhausen), heute Ortsteil der Gemeinde Libá [Bez. Cheb].

[198] Pal [Paul, Pauli] Orosi [Orosio, Orossi, Orosy, Rosy, Rose, Horatius, Horatio, Horosie] [ – September 1633], kaiserlicher Obrist.

[199] Mühlbach [Pomezi nad Ohří [Bez. Eger (Cheb)].

[200] Kunreuth [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 380f. ?

[201] Liebenstein [Libštejn, seit 1950 Libá; Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 339f.

[202] Grafenreuth, heute Ortsteil von Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[203] Korbersdorf, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[204] Lorenzreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[205] Haag, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[206] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[207] Seußen, heute Ortsteil von Arzberg.

[208] Proviantmeister: Der Proviantmeister war zuständig für die Versorgung der Truppe mit Nahrungsmitteln, für die Fouriere und die Marketender. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) erhielt er 40 fl. monatlich.

[209] vergiftete Waffen und Kugeln: Angeblich „vergiftete“ Waffen wurden vor allem den Kroaten zugeschrieben; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, möglicherweise handelte es sich jedoch auch um Sepsis durch den Hieb. Der Chronist Leopold (1633); BRAUN, Marktredwitz, S. 29: „Und ist dies gar gewiß, daß sie solche vergiftete Waffen hatten, daß, wer nur ein wenig von ihnen beschädigt wurde, der mußte daran sterben, er trieb’s gleich lang oder kurz“. Auch waren angeblich Kugeln vergiftet; WALTHER, Ohne verschonung, S. 17 (anlässlich des Blutbades von Nixdorf). Ernst von Anhalt-Bernburg [19.5.1608 – 3.12.1632] starb an einer vergifteten Kugel in seinem Schenkel, die er in der Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 erhalten hatte. BORKOWSKY, Schweden, S. 52f.; PLANER, Fürst Ernst von Anhalt. Im Falle eines unter dem Verdacht des Mordes arrestierten Bauern heißt es 1630: Bei ihm seien „etzlichen Kugeln in welche Glaß und vester Stein eingegossen befunden worden und will der Feldscher davor halten das die Kugeln womit er geschossen noch darzu vergiftet gewesen“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 55. Christoph Graf Schlick soll am 10.3.1633 vor Höchstadt a. d. Aisch von 2 vergifteten Kugeln tödlich verwundet worden sein. Vgl. NEORITIUS,Casparus,  Christliche Leich- und Ehren-Predigt / Uber den allzufrüezeitigen / aber doch seligen Tod und Abschied Des … Herrn Christoph Carl Schlickens / Grafen zu Passau … : Welcher den 28. Febr. dieses 1633. Jahrs in Höchstadt/ im Bambergischen gelegen / im ersten Sturm an der Spitzen / do er mit 2. vergifften Kugeln geschossen / geblieben / den 9. Martii von Bamberg auff dem Wasser gen Schweinfurt gebracht: Den 11. huius aber … allda in der … Stadtkirchen … beygesetzet worden / Neoritius, Casparus. [VD17 39:138149D] Bei dem Marktredwitzer Chronisten Georg Leopold [1603 – 1676] heißt es, dass die Kroaten „solche vergiftete Waffen hatten, daß, wer nur ein wenig von ihnen beschädigt wurde, der mußte daran sterben, er trieb’s gleich lang oder kurz“. BRAUN, Marktredwitz, S. 29. Vermutlich wurden die Waffen mit Aconitin versehen.

In der Propagandaschrift „Acta Mansfeldica“ (1624) heißt es anlässlich der Schlacht bei Wimpfen (6.5.1622): S. 102: „alle [Durlachischen; BW] mit einander / fürnemblich die Reutterey / mit Gifft die Rappier angestrichen / daß alle diejenige / so von ihnen im Anfang verwundt worden / hernach vber etliche Monathen auß Krafft des Giffts / ohn einiges Mittel weggestorben“. Vgl. auch BUCHNER; BUCHNER, Bayern, S. 154, bei der Eroberung Landsbergs am Lech (1633) durch die Schweden seien mit Gift bestrichene Schwerter eingesetzt worden. So auch bei der Eroberung Bischofswerda vergiftete Säbel; PUSCH, Episcopali …, S. 137. Im Falle eines unter dem Verdacht des Mordes arrestierten Bauern heißt es 1630: Bei ihm seien „etzlichen Kugeln in welche Glaß und vester Stein eingegossen befunden worden und will der Feldscher davor halten das die Kugeln womit er geschossen noch darzu vergiftet gewesen“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 55. JÜRGENS, Chronik, S. 505 (1632): „Unter diesen allen [Hannover Bürgern] hat Dietrich Dirkes nur einen Stich bekommen, daran er gestorben. Die andern sein vielfältig verwundet gewesen, daß auch theils bey 30 Wunden gehabt, und in die todten Körper greulich tyrannisiret worden, haben sie nackend ausgezogen. Etlichen sind die Kleider vom Leibe gebrandt, weil sie mit Speck und vergifteten Kugeln geschossen worden, haben großen Jammer getrieben und sein mehrentheils gestorben“.

[210] Markhausen => Pomezná (Markhausen), heute Ortsteil der Gemeinde Libá [Bez. Cheb].

[211] Hohenberg a. d. Eger [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 307f.

[212] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[213] Riemenschneiden: streifenförmiges Ablösen einzelner Hautpartien, wobei zur zusätzlichen Peinigung die Wunde mit Salz und Pfeffer eingerieben oder heißes Öl in sie gegossen werden konnte. Tilly entschuldigte im Niedersächsisch-Dänischen Krieg die Gewalttaten seiner neugeworbenen und unerfahrenen Soldaten, die von den Bauern immer häufiger angegriffen wurden und ungeachtet ihrer eigenen Herkunft aus bäuerlichen oder unterbäuerlichen Schichten diese als Feinde ansehen mussten, damit, dass „die Bauern durch ihren beharrlichen und vermittelst bei sich habender Directorn und Offizierern besteiften Ungehorsam und rebellische Mordthaten es verdient hätten, als ob sie die Bauern nit auch der Soldaten Weib und Kinder schänden und schinden, Ohren und Nasen, Händ und Füß, ja gar die Häls und Häupter mit Aexten, auch den vornehmsten Offizieren unter den Soldaten greulich abhauen und theils lebendig schinden, ihnen Riemen aus den Leibern schneiden und sie also lebendig liegen lassen thäten, wie bei Holzminden und anderen Orten den Soldaten wahrhafftig beschehen“ sei. OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg Bd. 2, S. 247. Vgl. dazu die Strafexpedition des kaiserlichen Obristen Pecker v. der Ehr gegen Harzschützen u. deren Hinrichtung in Halberstadt, wo ihnen „Riemen ausgeschnitten“ wurden; BOBLENZ, Aktionen, S. 105f.; BOBLENZ, Aktionen, S. 294, Anm. 96: Pecker habe die „Hartzbauren gar erbärmlich in Halberstadt hinrichten, rädern, spiessen, mit glühenden Zangen ziehen, auch zum theil Riemen ausschneiden, andre aber köpfen und hängen lassen“. BÖTTCHER, Halberstadt, S. 182. Zum »Riemenschneiden« im Strafvollzug HEINEMANN, Richter, Abb. 114.

[214] BRAUN, Marktredwitz, S. 27ff.

[215] Dietrich Freiherr v. Taube [Daube] [1594 Maardu [Estland]-29.1.1639 Dresden], kursächsischer Obrist.

[216] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.

[217] Beute ?

[218] BRAUN, Marktredwitz, S. 30.

[219] Vogtland; HHSD VIII, S. 350ff.

[220] Grafenreuth, heute Ortsteil von Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[221] Adorf [Vogtlandkr.]; HHSD VIII, S. 1f.

[222] Kirchenlamitz; unter Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 308.

[223] Gefrees [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 228.

[224] Stockenroth, heute Ortsteil von Sparneck [LK Hof].

[225] Helmbrechts [LK Hof]; HHSD VII, S. 282.

[226] ENGERISSER, Von Kronach, S. 173 (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[227] Reinhold v. Rosen [Rosa, Rosau, Roß], der „Gute“, Herr v. Bollweiler u. Herrenstein [nach 1595, um 1604 Ninigall, Livland-8./18.12.1667 Schloss Dettweiler, Kr. Zabern; Elsass], schwedisch-französischer Obrist, Generalmajor.

[228] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[229] Hans Christoph Muffel v. Ermreuth „uff Neuses, Bieberswehr und Göppmannsbühl“ [ -1648] Amtshauptmann v. Kulmbach, Kommandant der Festung Plassenburg 1614-1636, Obristleutnant u. Obrist in brandenburg-kulmbachischen Diensten.

[230] Altenkunstadt [LK Lichtenfels].

[231] Weismain [LK Lichtenfels].

[232] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[233] Wirsberg [LK Kulmbach].

[234] ENGERISSER, Von Kronach, S. 148.

[235] Ahornberg, heute Ortsteil von Konradsreuth [LK Hof].

[236] ENGERISSER, Von Kronach, S. 173f.

[237] Joachim Freiherr von Donnersberg [1561 München-18.9.1650], bayerischer Obersthofkanzler.

[238] corps volante: eine sehr bewegliche Reitereinheit für überraschende Raids im Feindesland, wie sie auf Königsmarck zurückgeführt wird.

[239] Gemeint waren Kürassiere.

[240] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.; nach Maximilian I. „Schlüssel des Bayernlandes“; denn „mit Forchheim und Kronach steht und fällt das ganze Stift“ [zit. bei KUPFER, Forchheim, S. 64.].

[241] Lichtenau [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 405f.

[242] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 426, S. 146.

[243] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[244] ENGERISSER, Von Kronach, S. 148.

[245] Jacob [James, Joachim, Heinrich Jakob] Freiherr Duwall [MacDougal, MacDougall, Duwall, Duwalt, Duwaldt, Dubwaldt, Duval, Dual, Duual, Dugaldt, Dougal, Douwall, Duvald, Thubald, Mag. Dubald, Mack Duwall, Tubal, Tubald] [um 1589 Prenzlau-28.4./9.5.1634 Oppeln], schwedischer Obrist, Generalkommissar. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 1623.

[246] The Swedish Intelligencer 5. Teil, S. 10.

[247] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[248] Königgrätz [Hradec Králové, Tschechien]; HHSBöhm, S. 269ff.

[249] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Generalleutnant. Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[250] Christian Freiherr v. Ilow [Illo, Illow, Illau] [um 1585 Sternberg-25.2.1634 in Eger ermordet], kaiserlicher Obrist, Feldmarschall.

[251] Landeshut [LK Kamienna Góra]; HHSSchl, S. 261ff.

[252] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 445, S. 155.

[253] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 463, S. 159.

[254] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 469, S. 160.

[255] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 470, S. 160.

[256] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 478, S. 162.

[257] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 552, Anm. 1.

[258] Goan Lodovico Hector Graf Isolano [Isolani, Isolary, Isolan, Isolana, Isalon, Iselon, Isolani, Isolam] [1586 Görz-März 1640 Wien], kaiserlicher Kroaten-Obrist.

[259] Markus v. Corpes [Corpus, Corpitz, Corps, Cörber, Coepus, Korpus, Korbitz] [ -9.7.1638 bei Benfeld], kaiserlicher Kroaten-Obrist.

[260] Peter [Pál, Petrus] Freiherr v. Losy [Losey, Loysen, Loosi, Loßi, Loschi, Loschy, Lossii, Lossy, de Laucy, Lohse, Logy] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[261] Miklós Forgách Graf de Gýmeš [Ghymes] u. Gács [1586-1635], kaiserlicher Obrist.

[262] Jan Karel [Johann Karl] Freiherr (1651) Přichovský z Přichovic [Prischoffsky,Pschioffsky, Psionsky, Prisiosky, Briovsky, Petzloffsky] [ -1660], kaiserlicher Obrist.

[263] Rekompens: ständig eingeforderter Ausgleich, eine Entschädigung und Belohnung für geleistete oder noch zu leistende Dienste z. T. aus noch zu konfiszierenden Gütern; HALLWICH. Wallenstein’s Ende 1. Bd., Nr. 759, S. 628.

[264] Kapitän [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[265] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der infanterie 60 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[266] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee erhielt er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460.

[267] Korporal [schwed. Korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[268] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 591f.

[269] Leitmeritz [Litoměřice, Tschechien]; HHSBöhm, S. 324ff.

[270] Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.

[271] Franz Albrecht Herzog v. Sachsen-Lauenburg [10.11.1598 Lauenburg-10.6.1642 Schweidnitz], kaiserlich-kursächsischer Feldmarschall.

[272] Trompeter: Eigener, mit 12 fl. monatlich – teilweise wurden in besetzten Städten 12 Rt. (18 fl.) herausgepresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15); Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461 – der Trommelschläger recht gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.

[273] Kamenz [LK Bautzen]; HHSD VIII, S. 158ff.

[274] Kundschafter: Auf Spionage, die gerade Pappenheim sehr kostenintensiv betreiben ließ, stand die Todesstrafe durch den Strang oder durch Enthaupten. Oft wurden Kundschafter über die Stadtmauer hinaus gehängt. Vgl. WAGNER, Pforr, S. 98, über den Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorp, der in jedem Bauern einen potentiellen Widerstandskämpfer sah: „Zwen soldaten, welche darvonlauffen wollen, hat der hertzoch laßen hencken, ingleichem ein bauren auß Heßen vor ein kuntschaffer hencken laßen. Und nachdem seine soldaten ein bauren auß dem Braunschwiger land bey Barchfelt bekommen und ihn auch vor ein kundschaffer gehaltten, hat ihn der hertzoch ohne einige erbarmung entheupten, hernach viertheilen und auff vier straßen hencken laßen, also in großer furcht hat er alhier gelegen“. Das THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 137, berichtet: „Eines sol dieses Orts ungeandert nicht bleiben / daß als vor hoch- und wolgedachte Herrn Altringer und Feria mit dem Gedancken ins Hertzogthumb Würtemberg einzubrechen umbgiengen / haben sie unterschiedliche Spionen und Kundschaffter außgesandt / die Päß und Steig desselben Lands abzusehen / und den Augenschein einzunehmen: Es kamen aber diese Spionen übel an / dann ihrer acht darvon gefänglich einbracht worden / unter welchen auch einer auß den Herrn Patribus Societatis von Ingolstadt gewesen / dieselbige seynd allesampt an die Päß und Steige auffgeknüpfft / der Herr Pater aber auff den Pfullinger Steig bey Reutlingen auffgehenckt worden“. Abgemildert wurde die Todesstrafe bei Frauen und Heranwachsenden durch die Verhängung entehrender Verstümmelungsstrafen wie dem Abschneiden von Nasen und Ohren. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan erinnert sich unter dem 20./30.9.1634; SCHLOTTER, Acta, S. 205: „Ein Weib, so vor etzlichen Tagen Briefe aus der Stadt Paderborn anhero gebracht, und daß sie deswegen verdächtig gehalten, wurd an den Pranger gebundeten mit geblößeter Brust und Rücken und oben dem Haupt an Pranger (von) 2 Reutern“. Protokoll der Paderborner Stiftsregierung, 9.3.1637; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 74: „Demnach gewißer bericht einlangr, waß maßen etliche feiendts reuter [hessen-kasselische Reiter; BW] in bawren kleidern einstelhen und auffhalten sollen,, als soll offendlich mitt dem trummenschlag umb und offendtlich angeschlagen werden, von allen einkombligen, er sey baur, burger adel oder unadel, weck oder kindt, so des nachts sich auffhalten wollen, die namen hern obrister alle abend einzuschicken. Item keine briefe nach feindtlichen guarnisonen zu schicken, noch einig von denen auffzunemmen, es sei dieselb[i]g zuvorderst von hern obrister […] undt gelesen“. Kundschafter, die z. B. im Auftrag belagerter Städte unterwegs waren, übten eine lebensgefährliche Tätigkeit aus; KESSLER, Belagerung, S. 55: „Den 31. August [1634; BW], nachts um 11 Uhr, hat man [der Rat v. Nördlingen; BW] den krummen Schneider von Baldingen, weil Adam bis auf den 3. Tag ausgeblieben, hinausgelassen und zu Herzog Bernhard schicken wollen. Dieser aber hat sich unterwegs selbst beim Zurückgehen verraten. Als ihn eine kaiserliche Wache angetroffen, sie seien Schwedische und wollten zu Herzog Bernhard, ist er mit solchen Worten bald gefangen und aus ihm herausgebracht worden, daß er ein Kundschafter sei. Deswegen hat man ihn auf der Stelle gefangengenommen und Eines Ehrbaren Rats Brieflein von ihm bekommen. Darauf ist ihm die Zunge aus- und abgeschnitten und er sofort um Garten des Barbierers David Günzler aufgehängt worden“. Theatrum Europaeum 3. Band, S. 137 (1633): „Eines sol dieses Orts ungeandert nicht bleiben / daß als vor hoch- und wolgedachte Herrn Altringer und Feria mit dem Gedancken ins Hertzogthumb Würtemberg einzubrechen umbgiengen / haben sie unterschiedliche Spionen und Kundschaffter außgesandt / die Päß und Steig desselben Lands abzusehen / und den Augenschein einzunehmen: Es kamen aber diese Spionen übel an / dann ihrer acht darvon gefänglich einbracht worden / unter welchen auch einer auß den Herrn Patribus Societatis von Ingolstadt gewesen / dieselbige seynd allesampt an die Päß und Steige auffgeknüpfft / der Herr Pater aber auff den Pfullinger Steig bey Reutlingen auffgehenckt worden“. Vgl. dazu auch als Fallbeispiel Adam Jacker in den „Miniaturen“. Zur ständigen Furcht vor „Konspiration“ vgl. auch STERLY, Drangsale, S. 15. Daneben wurde auch „Aufklärung“ durch Beauftragte der Regierungen betrieben; SPIEKER, Geschichte, S. 182f.

[275] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Mein Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Bericht aus Stettin vom 8.4.1631; Relation Oder Bericht Auß Pommern. o. O. 1631: „Den 27. Martii sind alhier 108 gefangene eingebracht deren nach mehr folgen sollen / die werden alle in Schweden ins bergwerck gesand / das sie etwas redliches arbeiten lernen“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14. 1633 kostete die Auslösung bei der Kavallerie: Obrist 600 Rt. aufwärts, Obristleutnant 400 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Rittmeister 200 Rt., Kapitänleutnant 70 Rt., Leutnant 60 Rt. bis 10 Rt. für einen Marketender, nach der Schlacht bei Jankau (1645) Obrist 1000 Rt., Obristleutnant 500 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Hauptmann 75 Rt., Kapitänleutnant und Leutnant 50 Rt.; GANTZER, Archivalien, S. 40f.

[276] Hoyerswerda [LK Bautzen]; HHSD VIII, S. 152ff.

[277] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[278] Pirna [Sächsische Schweiz-Osterzgebirge]; HHSD VIII, S. 276ff.

[279] Schanze: geschlossenes, auf dem Feld angelegtes Erdwerk, zur Belagerung und zur Verteidigung. Schanzgräber waren für die Anlage von Belagerungs- und Verteidigungswerken zuständige Arbeiter (Schanzbauern), die im Tross des Heeres mitzogen und dem Schanzmeister unterstanden. Sie waren weitgehend verachtete Menschen, die in der sozialen Hierarchie der Heere nur wenig über den Prostituierten standen und schlecht bezahlt wurden. Nach DILICH, Krieges-Schule, S. 42, hatte der Rumormeister „Huren und Buben“ zu dieser Arbeit zu zwingen. Auch verurteilte Straftäter wurden zu Schanzarbeiten herangezogen. Diese „Condemnatio ad opera publica“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Bürger und Geistliche der besetzten Städte sowie Klosteruntertanen, die zu diesen Arbeiten verpflichtet bzw. dafür ausgelost wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig und entzogen sich ihr durch die Flucht. Zum Teil wurden Kinder ab 12 Jahren zu dieser harten Arbeit eingesetzt, ganze Schulklassen dazu getrieben. Vgl. auch die Beschreibung der Drangsalierung der Bürger Iglaus 1647 bei STERLY, Drangsale, S. 64f.. Um seine eigenen Truppen zu schonen, zwang Johann von Götz bei der Belagerung der Feste Marienberg (Würzburg) eine große Anzahl von Bauern der Umgebung, Schanzarbeiten zu verrichten, ‚vnd die Stücke, die Er mit Pferden nicht dahin bringen konnte, hinauffzuziehen: Worüber dan viele todt geblieben, vnd daher die Bauren aller orten sich häuffig absentiret vnd verlauffen‘ (CHEMNITZ, Königlich Schwedichen […] II, S. 581). Auch eingeflüchtete Bauern wurden zu diesen schweren Arbeiten gezwungen. Im schwedischen Heer wurden dazu bevorzugt die ohnehin sozial deklassierten Finnen eingesetzt (vgl. auch TOEPPEN, Hoppes Chronik, S. 77). Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen. Im 17. Jahrhundert wurden zunehmend auch Soldaten durch die Aufnahme der Schanzpflicht in die Artikelbriefe für Schanzarbeiten herangezogen; ein Versuch der Fürsten, ein bisher ungenutztes Reservoir an billigen Arbeitskräften zu erschließen, eine Reaktion auf die neuen militärischen Erfordernisse (Belagerungs- und Grabenkrieg, Ausbreitung der Festungen) und Ausdruck des fürstlichen Willens, die Soldaten körperlich, geistig und sittlich zu disziplinieren (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 138, 255). Bei den Schweden wurden bevorzugt die Finnen zu diesen schweren Arbeiten herangezogen. Aus Iglau wird unter 1647 berichtet, wie der schwedische Kommandant Österling die nur noch 299 [von ehemals 13.000) Einwohner fassende Stadt während der Belagerung durch die Kaiserlichen zur Schanzarbeit trieb; STERLY, Drangsale, S. 64f.: „In das kaiserliche Lager langte immer mehr und mehr schweres Geschütz an; als dieses der Kommandant erfuhr; ließ er er voll Grimm die Einwohner wie das mit aller Gewalt auf die Schanzarbeit treiben, und erließ das strengste Verboth, daß außer dieser Arbeit sich keine Manns- noch Weibsperson sehen lasse. Was war dieses für ein Trübsal unter den armen Bürgern ! dieselben hatten ihren geringen Vorrath an den nothwendigsten Lebensmitteln bereits aufgezehrt, und konnten sich bei dem bestehenden strengsten Verbothe, nicht auszugehen, keine andere beischaffen; vom Hunger und Durst gequält, und daher ganz erschöpft, mussten sie sich dennoch den schwersten Arbeiten unterziehen. Der Kommandant war taub gegen alles Bitten und Flehen; verlangten einige die Erlaubniß, sich aus der Stadt zu entfernen, so ließ er sie in den Zwinger einschließen, ihnen des Tags ein bischen Brot und ein wenig Wasser reichen, dafür aber unter Schlägen zur Arbeit anhalten. Als der Kommandant die Deserzion zweier seiner Leute am vorhergehenden Tage erfuhr, und besorgte, daß Mehrere diesem Beispiele folgen dürften, so ließ er den Arbeitenden Fußeisen anlegen“. Augsburg 1632; STETTEN, Geschichte 2. Bd., S. 211: „Den 14. Septembris ließ der Gouverneur Oxenstirn [Bengt Bengtson Freiherr v. Oxenstierna; BW] etliche Bischöfliche, Capitlische und Fuggerische Beamte und Vögte, so ihre Unterthanen bey der Schantz-Arbeit zu erscheinen nicht angehalten hatten, zur Straffe durch den Profosen etliche mal um das höltzerne Roß oder Esel herumführen“. Fehlte es auf Grund von grassierender Pest an zwangsverpflichteten Bürgern, mussten auch Soldatenfrauen Schanzarbeiten leisten. Zur Schanze vgl. auch STUHR, Die Schanze.

[280] Zittau [LK Görlitz]; HHSD VIII, S. 371ff.

[281] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 2. Bd., S. 30.

[281] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 433, S. 147.

[282] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 2. Bd., S. 38f.

[283] Lina, heute Ortsteil von Neustadt a. d. Donau [LK Kelheim].

[284] Gefell [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 129f.

[285] Reuth-Mißlareuth [Vogtlandkreis], bei Gefell.

[286] röhricht: geräuchert.

[287] Trogen [LK Hof].

[288] KLUGE, Hofer Chronik, S. 42 (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Hofs und seines Umlandes).

[289] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 2. Bd., S. 187.

[290] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 2. Bd., S. 233.

[291] Eger [Cheb, Tschechien]; HHSBöhm, S. 119ff.

[292] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[293] STICHT, Markgraf Christian, S. 178.

[294] Camill [Kamil, Grant Moros, Johann] Rudolf [Rudolfo Giovanni] Freiherr (1632) auf Hohenelbe, Eglitz und Platten, Graf (1636) v. Morzin [Marazin, Marazini, Marrazino, Marzin, Marotzin, Morazin] [um 1585-1646 Prag], kaiserlicher Feldmarschall.

[295] John [Johann] Gordon [Hubert Seger ?] [ -1649 Danzig], kaiserlicher Obrist.

[296] Veit Dietrich v. Steinheim [Stainhain, Steinheimb, Steinhammer] auf Seeberg zu Haslau [ -5.4.1657], kaiserlicher Obrist.

[297] Kriegskommissar: Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontribution). Als Quartierkommissar legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung; vgl. s. v. „Fourier“.) Der „Musterkommissarius“ führte in landesherrlichem Auftrag die Musterungen durch und überwachte die Zusammensetzung des Heeres. Musterkommissare waren bei gemeinen Soldaten wie Offizieren gleichermaßen verhasst, da sie Manipulationen und Betrügereien auf den Musterplätzen zu unterbinden suchten: Söldner erschlichen sich vielfach Sold, indem sie sich unter verändertem Namen mehrfach mustern ließen, Offiziere führten zuweilen mehr Männer in den Soldlisten, als tatsächlich vorhanden waren, um die eigene Tasche mit den überschüssigen Löhnungen zu füllen (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120ff.). Auch hatten sie die Abdankungen und die Zusammenlegung und Neuformierung kleiner Einheiten zu überwachen. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51; vgl. auch PFEILSTICKER, Lang. In einer Landtagsbeschwerde des Gerichtes Hörtenberg wird geklagt, daß bei Durchzügen „auch tails beglaitcommissari den unntertonnen mehr sched- als nutzlich sein, in deme sy mer dem soldaten beifallen, unnd in ansuechenden unerzeuglichen sachen recht geben, als den unnderthonnen obhabennden gebierennden schutz erweisen“. SCHENNAT, Tiroler Landesverteidigung, S. 63. Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. „Im Dreißigjährigen Krieg machten sich jüdische Kommissare unersetzlich. Ein schwedischer Diplomat sagte: ‚Alle Juden sind Kommissarii, und alle Kommissarii sind Juden‘ “ [MÜHLAUER, Des Kaisers Kommissar]. Teilweise wird in zeitgenössischen Chroniken auch festgehalten, dass Kriegskommissare ihr Amt aufgaben, um sich nicht länger an der Ausbeutung der armen Leute zu beteiligen; Chronik des Sweder von Schele, Teil 3, fol. 877 (Juli 1634).

[298] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 781.

[299] Pleystein [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 589f.

[300] „Schelm“ war früher der Berufsname des => Abdeckers. Jemanden einen Schelm (Bösewicht, Betrüger, Verführer, Schinder, Teufel) zu schelten, jemanden zum Schelmen zu machen, galt als eine der ehrenrührigsten Beschimpfungen, eine der größten Ehrverletzungen überhaupt. Vgl. BERG, Regulating war, S. 55f. „Jemanden zum Schelmen machen“ hieß, in Kriegsgerichtsverfahren einen Straftäter für ehrlos zu erklären, aus der Armee zu verstoßen und der Stadt/des Landes zu verweisen; WAAS, Chroniken I, S. 127. Zur grobianischen Schimpfartistik der Soldaten vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 36f.: „Die soldaten thun unse große uberlast, die manß personen mußen ihr dieb, schelm, boßwicht und hunde sein, die weibs personen ihr schand und brand, hurn auch, ihr hexen und zauberinnen. (57v) Ihr fluch und wunsch ist schrecklich, nicht allein die alten fluch der kriegs knecht und marter hansen, sondern neu fluchen, so der sathan herfur gebracht, als das dich der donner, blitz und hagel schlag“. Der Stadtmedikus von Friedberg, Dr. Johannes Volhard (1646); WAAS, Chroniken, S. 226: “Den 29. Okt. [1646] schickte Herr Obrister [Hans Anton Schweikard, Freiherr von Reiffenberg; BW] einen Gefreiten von der Hauptwacht (lage der Zeit in Bender Andresen Haus) heraus zu dem Aelteren Herrn Bürgermeister [Peter Huth] …. Wo der abgeforderte Bot blieb ? Und als derselbige bei ihm ankommen, hat er sich flugs feucht gemacht [wichtig, klug geredet]: wo der Bot bliebe, und viel Fluchens dabei gethan über den Herrn Bürgermeister mit Vorwenden, was er davon hätte in diesem großen Regen, daß er heraus gehen müssen; und als Herr Consul [Bürgermeister] geantwortet, der Stadtknecht gehe herumb, einen zu bekommen, hat er angefangen, er solte den Boten schaffen oder solte ihn Gotts Sakrament schenden. Als Herr Consul replicirt [antwortet], möchte ihn schenden; was er viel zu schelten hab, solte sein Kommission ausrichten, Antwort annehmen und wieder hinziehen. Woruf er sehr erbittert worden, ihn einen Schelm gescholten, solt ihm den Boten stellen oder solt ihn Gotts Sakrament schenden, ihn nochmals ein Schelmen gescholten und solte ihn im Arsch lecken. (salvo honore [mit Verlaub !]) Welches der Bürgermeister empfunden und zu klagen sich vorbehalten, wie denn auch durch den Jüngeren Bürgermeister [Engelbert Thomas] solches also bald Herrn Obristen geklagt, welcher sich zwar angenommen, ob mißfiele es ihm ihm solches höchlich und wollte es strafen. Wie man aber hernach erfahren, ist er nur 2 Stunden aufn Esel gesetzt worden”.

[301] Wallonen: Französischsprachige Bevölkerung in den Niederlanden (Artois, Hennegau, Namur, Luxemburg, Limburg, Teile Flanderns und Brabants), z. T. im Fürstbistum Lüttich. Die Regimenter mit hohem Anteil an Wallonen (z. B. das Regiment Johanns II. v. Mérode) waren bei Freund und Feind seit Anfang des Krieges wegen ihrer Erbarmungslosigkeit allgemein gefürchtet. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 459 (1619): „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, ass man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. Zur Einschätzung bei den eigenen Verbündeten (10.1.1632): Man „weiß wohl, wie die Wallonen beschaffen, nur auf Plackherey und rauberey, doch zum fechten seyn sy wenig nuz, es heißt wol dem gemeinen Sprichwort nach: vill geschrey und wenig wohl. Thuet doch den armen undertanen wol soviel plagen als ein ganzes volles Regiment“. HELML, Oberpfalz, S. 121. Nach Ansicht des Grafen Albig von Sulz sei bei ihnen „gantz kein Rgt. zu halten“. HELML, Oberpfalz, S. 87; ENGELBERT, Wallonen.

[302] Italiener, „italienische Truppen“, „Neapolitaner“, „Welsche“: Die „italienischen“ Truppen in der kaiserlichen Armee genossen einen schlechten Ruf. So berichtet ZEITHOFF, Stolberg, S. 277: „Ja es wurde auch zu Erpressung solcher Gelder eine gantze Compagnie zu Fuß unteutscher Italiänischer Völcker den 17. Maji huius anni [1628] hieher gelegt / welche / weil man sie nicht verstehen konnte / grossen Frevel übeten / die Leute sehr quäleten / sich auf freyer Strasse prostituirten / Mägde und Knaben schändeten / ja (ich erstaune über solcher Erzehlung) gantz Sodomitisch mit dem unvernünftigen Vieh / sonderlich mit den Ziegen zuhielten / dass deren etliche sturben / und kein Bürger in einem Jahre fast kein Ziegenfleisch essen wollte“. Unter Sodomie, dem abscheulichsten Sittlichkeitsverbrechen im Verständnis der Zeit überhaupt, verstand man Homosexualität wie „bestialitas“, d. h. Unzucht mit Tieren. Die Delinquenten wurden mit dem betreffenden Tier bei lebendigem Leib verbrannt, wenn nicht der Täter gnadenhalber vor der Verbrennung stranguliert wurde. Im ländlichen Bereich oder in den Heeren war sie alltäglich und weitverbreitet. In der „Constitutio Criminalis Carolina“ Karls V. hieß es unter Art. 116: „Item so eyn mensch mit eynem vihe, mann mit mann, weib mit weib, vnkeusch treiben, die haben such das leben verwürckt, vnd man soll sie der gemeynen gewonheyt nach mit dem fewer vom leben zum todt richten“. [CCC; online verfügbar unter: llv.li/pdf-llv-la-recht-1532_peinliche_halsgerichtsordnung_carolina_pdf]. Zudem wurde ihnen besonderer Vandalismus nachgesagt. Am 26.5.1636 berichtete der Überlinger Stadtschreiber Hupertus an den noch in Wien weilenden Dr. Pflummern; SAMLER, Tagebücher, S. 281, Anm. 787: „Dieses volckh hatt so sauber in allen orten auf dem land abgeraumbt, daß nit eins pfennings werth (ausser der zerbrochenen heuser) vbergeblieben; alles khupfer, zinn, eisen vnd blech hat herhalten müssen, khein nagel in der wand ist sicher gewesen; zu Ittendorff ebenmessig alle fenster eingeschlagen, daß bley, bandt von den thüren, eiserne hackhen oder kloben mit zerschlagung des gemäurs auß den stainen außgegraben vnd hingenommen. Zu Kippenhausen vnd Hagnaw haben sie 2 gloggen abgehebt vnd hingeführt: die kirchen aber zu gemeltem Hagnaw gantz außgeplünderet, die meßgewandt, paramenta, fenster, orgel, eiserne gätter, item die thür vnd rigel des sacrarij, in summa waz hat nur können abgebrochen werden, ist alles hin vnd noch darzu die stül und kirchen gantz zerschlagen. – Noch viel anderst ist der flecken (in deme nun viel wochen khen mensch gewohnt) zugericht; die törckel, standen, faß, zäun, stül, bänckh, tisch, bettladen vnd kästen alles sauber verbrandt, vnd dass was billich schmertzlich sein solle, haben besagte soldaten die schöne geschöß und samen an den rebstöckhen sambt dem laub vielfältig abgestraiffet vnd den rossen zum fueter fürgelegt“. SEMLER, Tagebücher, S. 289: „Den 16 May empfang ich dermaln antwort von stattschreiber Huperto veber meine drey schreiben vom 20 Marty, 2 vnd 9 Aprilis, da ich in 14 tagen zuvor von ihme nichts empfangen, der bericht, wie vnchristlich die Modenesische in den veberlingischen dörffern sich verhallten, die kirchen zu Hagnow und Sernatingen spolirt, kelch und meßgewandt gestohlen, auch einem vnderthonen zu Althaimb die füeß gebrathen, daß er jetzo armseeligh vmbher kriechen müeße. Gleiche clagen seyn auch von Salmanßweil einkommen vnd insonderhait volgende thatten, so diß jahr die vmbstraiffende soldaten, die vermůttlich die vitzthumbische gewßt, in zeit nechster hohentwielischer belägerung vervebt, beschrieben worden.

Caspar Rauscher, genant keichenmändlin von Thifingen ist mit einem strickh vmb den kopf also getrößlet worden, dass ihme die augen vor dem kopf herauß gestanden, darveber er auch endtlich sterben müeßen: vnd hat ein armes weib samt 3 khindern hinderlassen, wellche seithero, weilen sie aller hilff wegen deß verlustes ihres mannß vnd vatters beraubt sein müeßen, thails gestorben, vnd thailß noch hunger sterben müeßen. – Michael Michel von Thifingen ist vnder vebersich gehenckht vnd mit dem schwedischen trunckh ertrennckht worden. Daß hinterlassen weib vnd kindt hernach vß khimmernuß vnd hungersnoth, als gleichfallß aller hilff beraubt, todts verblichen. – Georg Michel, Andreas Dilger von Raheltshofen knecht, ist mit einem steckhen, welchen sie ihme, ohnangesehen er zu großen geweßen, ins maul hin ein gezwungen vnd darmit ettlich zän eingestoßen, also tractirt vnd vf schwedisch getrenckht worden, dass er anietzo ain ellender mensch ist. – Georg Keller von Mimmenhaußen, ist auch jämerlich ermördt: vnd benantlich (abhorret calumus scribere: die Feder schreckt davor zurück zu schreiben) in pudendis angefösslet vnd gebunden: mit ainem roß hin vnd wider geschleppt, vnd allso erschröckhlich ertödt worden“. Vgl. auch die Einschätzung des schottischen Obristen Monro; MAHR, Obrist Robert Monro, S. 100f. anlässlich der Einnahme Letzings (1631): „Dort lagen im Schloß über 600 Soldaten der Kaiserlichen, die um gute Kapitulationsbedingungen hätten kämpfen können. Sie waren aber beim Wachehalten so nachlässig und ließen unsere Musketiere, nachdem diese die Brücke überquert hatten, in das Schloß eindringen, ehe die Besatzung zu den Waffen greifen konnte, und da sie so überrumpelt worden waren, erhielten sie schlechtere Kapitulationsbedingungen, als wenn sie gekämpft hätten. Die Soldaten und Offiziere, die zuerst eindrangen, machten deshalb so reiche Beute an goldenen Kretten und Geld, weil die Kaiserlichen schon so lange dort gelegen waren, und obwohl sie das ganze Geld des Landes dort aufgehäuft hatten, waren sie doch nicht so klug gewesen, es wegzubringen. Es waren dumme, unbedarfte Italiener, die armseligsten Offiziere, die ich je hesehen habe, die es nicht wert waren, daß man sie als Soldaten bezeichnet, denn obwohl sie von unserem Marsch wußten, ließen sie sich auf so jämmerliche Weise überraschen“.

[303] Getaike: Geteiche; mhd. tichen = schleichen, lauern; hier: Hinterhalt.

[304] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.

[305] Bernhard Herzog v. Sachsen-Weimar [16.8.1604 Weimar-18.7.1639 Neuenburg am Rhein], schwedischer, dann französischer General. Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst; RÖSE, Herzog Bernhard der Große.

[306] Kronach; HHSD VII, S. 375f.

[307] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[308] Jan Karel [Johann Karl] Freiherr (1651) Přichovský z Přichovic [Prischoffsky,Pschioffsky, Psionsky, Prisiosky, Briovsky, Petzloffsky] [ -1660], kaiserlicher Obrist.

[309] Tirschenreuth [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 747f.

[310] Büchelberg, heute Ortsteil von Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg [LK Amberg-Sulzbach].

[311] Mitterteich [LK Tirschenreuth].

[312] Falkenberg [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 192f.

[313] tribulierten: quälten.

[314] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.

[315] Riglasreuth, heute Ortsteil von Neusorg [LK Tirschenreuth].

[316] Pullenreuth [LK Tirschenreuth].

[317] Pillmersreuth, heute Ortsteil von Schwarzenbach am Wald [LK Hof].

[318] Wunsiedel; HHSD VII, S. 836f.

[319] geschlacht: fein (ironisch).

[320] Zink: fünf Augen im Würfelspiel.

[321] Daus: zwei Augen im Würfelspiel.

[322] schrotten: auf Schrotleitern (Leiterbäumen) bewegen.

[323] Insolentien: Unverschämtheiten, Beleidigungen, Grobheiten; Ungebührlichkeiten.

[324] Lichtenberg [LK Naila]; HHSD VII, S. 406f.

[325] Göpfersgrün, heute Stadtteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[326] Sichersreuth, heute Ortsteil von Bad Alexandersbad [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[327] Tiefenbach, heute Ortsteil von Wilhelmsthal [LK Kronach].

[328] Seußen, heute Ortsteil von Arzberg [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[329] Dörflas, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Marktredwitz i. Fichtelgebirge].

[330] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Die Bedeutung ergibt sich metonymisch: Der Stab war das Zeichen der Amts- und insbesondere der militärischen Obergewalt. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchsen auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen. Vgl. die Lebensmittelmengen, die der Stab Piccolominis 1635 in Dülken beanspruchte; ARBEITSGRUPPE VIERSEN, S. 90.

[331] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[332] Napf = 9, 34 Liter (1/32 Kor)

[333] Marketender/In: Dem Heer nachziehende Händlerin oder Händler, der oder die vom Obristen befugt war, den Soldaten Lebensmittel zu verkaufen. Dafür hatten sie ihm z. B. von jedem Eimer Wein oder Bier 2 Maß für die Küche abzugeben und zumeist 10 Prozent ihrer Einkünfte. Zudem mussten sie ein „Schanzgeld“ für die Aufstellung ihrer Zelte und Holzhütten im Lager bezahlen. Sie waren auch zum Kranken- und Munitionstransport verpflichtet, falls die üblichen Rüstwagen nicht ausreichten. Marketender und Marketenderinnen handelten auch mit Beutegut, wobei das Beutegut weit unter Wert angenommen wurde. Vgl. auch GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 259f.: „Ordinantz / Nach welcher sich ein Marcketender richten soll“, erlassen vom schwedischen Generalauditor 1631. Die Frauen unter ihnen waren nicht nur Händlerinnen, sondern auch Helferinnen, Partnerinnen, Krankenschwestern, häufig Prostituierte. Bei einem im April 1634 in Dinkelsbühl einquartierten Regiment fanden sich bei 950 Soldaten 11 Marketender, aber 26 Marketenderinnen; HEILMANN, Kriegsgeschichte S. 465 Anm. Obwohl bekannt war, dass kein Heer ohne Marketender existieren konnte, standen diese – wie die übrigen Trosser – in schlechtem Ansehen: Sie traten als Geldverleiher auf, und so mancher Söldner war bei ihnen verschuldet. Sie standen zudem in dem Ruf, für die materielle Not vieler Söldner verantwortlich zu sein, indem sie bei Nahrungsmittelknappheit und Ausbleiben der Soldzahlungen das Heer verließen und ihre Fahne in den Wind besserer Märkte hängten. Gewalttätige Übergriffe auf die Marketender durch Bauern, Bürger und eigene Soldaten waren vielfach die Folge, zumal diese z. T. zum 15fachen Preis Waren an die Bürger verkauften, die von diesen auf den Druck einquartierter Soldaten hin erstanden werden mussten (BRAUN, Markredwitz, S. 45). Vgl. MENSING, Sierk, S. 172f.: „Anno 1628 des sondages nachtes na lichtmissen heft sich eine rotte thosamen gemacket vnde hebben dem marcotenter, welcher van des keisers armade tho Osterrade mit im quarter gelegen, syn geld gewaltsamer wyse genamen, dar men van secht, dat idt eyne grote summa geldes scholde gewest synn; wo idt dar na gan wyll, werdt de erfaringe gehven. Nachtrag: Idt hebben de deder namal mit ehm gehandelt vnde hebben em betalen möten negenhundert rixdaler, den daler tho 3 U, vnd noch etliche perde dar entbaven“.Vgl. KLUGE, Hofer Chronik, S. 163: „Das rauben und plündern war um diese zeit [April 1640] sehr arg, wie dann die kayßerlichen ihre eigenen marquetener, so zu Culmbach wein und vieh erhandelt und erkauft, ganz ausgeplündert, auch zugleich ein 800 thaler darzu an geld abgenommen“. Häufig wurden sie als Spione verdächtigt. Auch Juden wurden als Marketender geduldet; LOTZE, Geschichte, S. 80f. Nach dem schwedischen Residenten Martin Residenten gegenüber Bernhard von Sachsen-Weimar waren sie als Kundschafter für Schweden geeignet, da „auch fast kein kaiserisch Regement zu finden, das nit gewise Juden bei sich het, die als Marketender sich dabei aufhalten“; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 410, S. 141. Die Aussicht auf großen Gewinn ließ Zivilisten oder Amtsträger (vgl. PFEILSTICKER, Tagebuch) häufig für einige Zeit zu Marketendern werden. REDLICH, Marketender; Continuatio Der Siegreichen Victorien, S. 4f. Der Salemer Mönch Bürster hielt den Erwerb der Amtleute fest; WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 220: „So seyen auch unsere amptleute fast alle marketender, damit sie süch, weib und künd ernehren und außbringen möchten, seyen naher Constanz gefahren, wain flaisch, vüsch, käß und brod, salz, schmalz, unschlig, schmer, gflügel, in summa allerlay sachen uff- und im läger widerumb den soldaten verkauft, daß sich also mancher zümlich und wohl darbey befunden und hindurchbringen hat kenden“.

[334] Spiegelfechten: etwas nicht Vorhandenes vorgeben, etwas vorgaukeln, prahlen, anführen, betrügen, heucheln.

[335] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[336] Setzvater: Zuchtfisch.

[337] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[338] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[339] BRAUN, Marktredwitz, S. 40ff.

[340] Reinhold v. Rosen [Rosa, Rosau, Roß], der „Gute“, Herr v. Bollweiler u. Herrenstein [nach 1595, um 1604 Ninigall, Livland-8./18.12.1667 Schloss Dettweiler, Kr. Zabern; Elsass], schwedisch-französischer Obrist, Generalmajor.

[341] Hans Adam v. u. zu Karpf [Karpff, Karpffen, Karpen] [ -1663 ?], schwedisch-französischer Obrist.

[342] Bärnau; HHSD VII, S. 73.

[343] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.

[344] [Ober-]Sandau [Dolní Zandov].

[345] Bad Königswart [Lázně Kynžvart, Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 20f.

[346] BRAUN, Marktredwitz, S. 38.

[347] Ernst Roland, Baron de Grysort [Grisart, Chrisom], Graf v. Suys [Soise, Soisse, Sois, Suis, Suise, Suisi, Soy, Suse, Suy, Suyss, Duys] u. Tourabel [ -1645], kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[348] Jan Karel [Johann Karl] Freiherr (1651) Přichovský z Přichovic [Prischoffsky,Pschioffsky, Psionsky, Prisiosky, Briovsky, Petzloffsky] [ -1660], kaiserlicher Obrist.

[349] Paul [Peter] Freiherr v. Révay [Rewaj, Rewai] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[350] Sebastian Coselky [Cosalki, Koscheski, Kossetzky, Kosetzky, Cosetzleÿ, Casselcki, Golzecki] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[351] TOGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 752, S. 246.

[352] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.

[353] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[354] Großkonreuth, heute Ortsteil von Mähring [LK Tirschenreuth].

[355] Bärnau [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 73.

[356] Marienbad [Mariánské Lázně, Bez. Eger, Tschechien]; HHSBöhm, S. 367f.

[357] Bad Königswart [Lázně Kynžvart, Bez. Eger, Tschechien]; HHSBöhm, S. 20f.

[358] [Ober-]Sandau [Dolní Zandov, Tschechien].

[359] ENGERISSER, Von Kronach, S. 231.

[360] Marodeur, Merodebruder: Diebesbande, Nachzügler, Feldstreicher. Marodeur: Der Begriff ist abgeleitet vom französischen „maraude“ oder „maraudage“, was „Felddiebstahl“ – besonders durch Soldaten – bedeutet. Verwandt ist das deutsche Eigenschaftswort „marode“, welches synonym zu „heruntergekommen“, „verfallen“ oder „verkommen“ verwendet wird. Marodeure schließen sich häufig in Banden zusammen. Je länger ein Konflikt andauert, desto größer wird naturgemäß das Marodeursunwesen, weil die Zahl der Menschen wächst, die keine andere Überlebensmöglichkeit mehr haben oder sehen. Aus diesem Grund war eine große Zahl von Marodeuren auch eine der Begleiterscheinungen des Dreißigjährigen Krieges. Das Phänomen ist jedoch keineswegs auf die Frühe Neuzeit beschränkt. [wikipedia]. Der Marodeur bezeichnet jemanden, der am Rande von Kampfhandlungen brandschatzt, plündert, erpresst, raubt, stiehlt, vergewaltigt und mordet. Zumeist handelt es sich dabei um durch Krankheit oder Verwundung untauglich gewordene und ausgemusterte oder wegen Verfehlungen aus der Truppe ausgestoßene Kombattanten oder um Deserteure. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 87: „Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Der Ausdruck Merode-Brüder wird in der germanistischen Forschung meist auf Truppen des braunschweig-lüneburgischen, dann schwedischen Obristen Werner v. Merode bezogen, die 1635 an der Elbe meuterten und auseinander liefen, während Grimmelshausen die Verbände des kaiserlichen Obristen Johann II. v. Mérode meinte. => Gurgeln, Kriegsgurgeln, „Merode-Brüder“ in den „Miniaturen“.

[361] KLUGE, Hofer Chronik, S. 48.

[362] Gustav-Carlsson Horn af Kanckas, Graf af Björneborg [22.10.1592 Örbyhus im Kirchspiel Vendel-10.5.1657 Skara], schwedischer Feldmarschall. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=13818.

[363] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[364] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[365] Don Fernando de Austria [16. oder 24.5.1609 Madrid-9.11.1641 Brüssel], spanischer Kardinalinfant.

[366] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[367] Aichach [LK Aichach-Friedberg]; HHSD VII, S. 3.

[368] Lechhausen; heute Stadtteil von Augsburg.

[369] Arvid (Alexander, Artweh) Freiherr v. Forbes [Fin-Forbes, Finnesse-Forbes, Forbes den Aldre, Forbus, Forbusch, Vohrbuß, Vohrbris, Vorbusch, Forburg, „Sorbus“] [15.1.1598 Borgå, Finnland-20.1.1665 Stettin], schwedischer Generalmajor. MURDOCH, SSNE ID : 2227.

[370] Johann Schneidewind [Schneidewein, Schneidewin] [ – ], schwedischer Generalmajor.

[371] Thomas Sigmund v. Schlammersdorff [um 1590-nach 20.12.1637], schwedischer Obrist. WÖLLPER; STOLCH, Das Lebensbild des Obristen Thomas Sigmund von Schlammersdorff. Privatdruck 2014.

[372] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.

[373] Caspar Freiherr v. Schnetter [Schmetter, Schnitter, Schneder] [ -Oktober ? 1644], kaiserlicher Generalfeldwachtmeister.

[374] Jan Freiherr v. Werth [1594 Büttgen-16.9.1652 Benatek], bayerischer, kaiserlicher General der Kavallerie. Vgl. LAHRKAMP, Jan von Werth; KAISER: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/W/Seiten/JanvonWerth.aspx [17.6.2014].

[375] Erasmus Freiherr v. Platen-Hallermund [Platow, Platho, Plato] [5.3.1590 Granskevitz auf Rügen-15.3.1663 Erxleben], schwedischer Obrist.

[376] Helm[old] [Wilhelm] Wrangel [Wrangler] genannt der „tolle Wrangel“ [1599-25.8.1647], schwedischer Generalmajor.

[377] Dachau [LK Dachau], HHSD VII, S. 129ff.

[378] ENGERISSER, Von Kronach, S. 289f.

[379] vagiert: gezogen.

[380] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd. (1644), S. 286.

[381] Wilhelm IV. Herzog v. Sachsen-Weimar 11.4.1598 Altenburg-17.5.1662 Weimar], schwedischer Generalleutnant. Vgl. HUSCHKE, Wilhelm IV.

[382] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[383] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Vgl. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[384] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[385] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[386] Sigismund [Sigmund] Heusner [Heussner, Heußner, Häussner, Heysener, Heisener, Heißler, Heißner, S. v. Wandersleben] v, Wandersleben [17.4.1592 Coburg-12.4.1645 Wittenberg], schwedischer, dann kaiserlicher Generalkriegskommissar.

[387] Wilhelm V. Landgraf v. Hessen-Kassel [14.2.1602 Kassel-21.9.1637 Leer]. Vgl. ALTMANN, Wilhelm V.; KEIM, Landgraf Wilhelm V. v. Hessen-Kassel I, II; PETRI, Das Militärwesen von Hessen-Kassel; GEYSO, Beiträge I-III.

[388] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[389] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[390] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[391] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[392] Hessen-kasselische Armee: „Armee ohne Land“: PRESS, Hessen, S. 312, über die Armee der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Nach den Zahlen bei BETTENHÄUSER, Die Landgrafschaft Hessen, S. 17, müsste jeder 4. Einwohner der Landgrafschaft Soldat gewesen sein. Hessen-Kassel unterhielt bei einer Einwohnerzahl v. 70.-80.000 eine Armee v. insgesamt 18.000 Mann, die nur durch Kontributionen in den besetzten Gebieten erhalten werden konnte; ein typischer Fall v. Überrüstung. Laut Dorstener Vertrag hatte Amalie von Hessen-Kassel eine Armee v. 7.000 Mann zu Fuß u. 3.000 Reitern zu unterhalten; dafür zahlte Frankreich jährlich 200.000 Rt.; Staatsarchiv Marburg 4 f Frankreich Nr. 55; Bibliothèque Nationale Paris Manuscrit français Nr. 17885. Vgl. auch SODENSTERN, Die Anfänge.

[393] Kurt [Cord, Court] v. Dalwigk [Dallwig]-Schauenburg [ – ] hessen-kasselischer Obrist, Generalmajor.

[394] Vacha [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 447f.

[395] Rotenburg a. d. Fulda [LK Hersfeld-Rotenburg]; HHSD IV, S. 387ff.

[396] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.

[397] Hans Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf gefallen], kaiserlicher Feldmarschall.

[398] William [Wilhelm] Graf Gall [Gaill, Gill, Galles, Gallas] de Burgo [v. Burch, à Bourck, Bourg] [ -1655], kaiserlicher Obrist.

[399] Bad Hersfeld [LK Hersfeld-Rotenburg]; HHSD IV, S. 20ff.

[400] Spangenberg [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 417f.

[401] ENGERISSER, Von Kronach, S. 386ff.

[402] Hünfeld [LK Fulda]; HHSD IV, S. 238f.

[403] Petarde: durch Petardiere angebrachte Sprengladung, die am Tor oder an einer Brücke mit einem Brett angeschraubt oder aufgehängt und mit einer Lunte gezündet wird. Dabei kommen auf 50 Pfd. Metall 4 Pfd. Pulver. Damit wurden Festungsringe an Schwachstellen aufgesprengt, ohne die Wehranlage zu zerstören. Durch die Bresche drangen Sturmtruppen ein, während die aufgesprengten Eingänge zum eigenen Schutz schnell wieder geschlossen werden konnten, wenn der äußere Ring u. die Festung oder das Schloss erobert waren. Zum Teil wurden Soldaten durch Sonderzahlungen zu dieser unter Umständen lebensgefährlichen Tätigkeit gebracht; THEATRUM EUROPEUM 5. Bd., S. 535 (1644). FEIL, Die Schweden, S. 461 Anm.: „Petarden (Pétara Polyclastra, Sprengkessel), zum Aufsprengen von Festungsthoren, Zugbrücken, Fallgittern, Palissaden, Ketten, Minen u. s. w. bestimmt, waren aus Stückgut oder Eisen gegossene Kessel, mit gutem Kornpulver gefüllt, welche mit der breiten Mündung auf einem starken Brett (Mandrill-Brett) befestiget und dann an das zu sprengende Objekt (z. B. Thor) entweder angeschraubt, oder mittels eines Balkens mit starkem Stachel angestemmt, oder auf einem Karren soweit angetrieben wurden, bis sie hafteten. Losgebrannt wurden sie mittels Lauffeuers oder Lunten“. „Sie dienten zum Zerstören von solchen Objekten, denen man durch direkten Kanonenschuss nichts anhaben konnte. Besonders häufig wurden sie zum Sprengen von Toren und Eindrücken von Contre-Escarpen beim Sappe-Durchbruch oder zum Sprengen von Pallisaden etc. verwendet. Die Petarde war ein mörserartiges bronzenes Gefäss, welches mit 0,5 bis 100 kg Pulver geladen [normal waren 6-8 Pfd. Pulver; BW] und nach gehöriger Dämmung mittels Schrauben, Ketten oder Seilen an ein beschlagenes Brett befestigt wurde. Man brachte die Petarde unter Schutz der Dunkelheit an den Ort der Verwendung (meist durch Freiwillige) und hängte sie dort an. Sie wurde dann durch eine lange Feuerleitung durch die im Boden angebrachte Brandröhre zur Explosion gebracht. Die Anwendung soll 1574 von den Franzosen herrühren. Die Kaiserlichen unter FM Adolf v. Schwarzenberg sprengten mit Hilfe zweier Petarden bereits am 29.3.1598 zwei Tore der von Türken verteidigten Festung Raab. Sie waren unter der Leitung des FZM Johann Albrecht v. Sprinzenstein auf seine eigenen Kosten in Wien erzeugt worden. Die Gefäße hielten der Explosion stand und konnten wieder verwendet werden ! Sprinzenstein hatte eine Reihe von Verbesserungen bei der Artillerie eingeführt und eine Reihe von Erfindungen gehen auf sein Konto. Er hatte für Herzog Wilhelm V. v. Baiern ein Geschütz mit gezogenem Rohr als Hinterlader hergestellt. (Der Herzog schenkte es späte Kaiser Rudolf II.) Die Petarden hatten ein großes Gewicht. Auf 5 kg Ladung wurden 40 kg Metall gerechnet, eine leere Petarde für 100 kg Ladung wog 2,5 Zentner !“ [http://www.kuk-wehrmacht.de/regiment/artillerie/artgesch.html].

[404] Sigismund [Sigmund] Heusner [Heussner, Heu0ner, Häussner, Heysener, Heisener, Heißler, Heißner, S. v. Wandersleben] v, Wandersleben [17.4.1592 Coburg-12.4.1645 Wittenberg], schwedischer, dann kaiserlicher Generalkriegskommissar.

[405] Vacha [Wartburgkr.]; HHSD IX, S. 447f.

[406] Kurt [Cord, Court] von Dalwig [Dallwig]-Schauenburg [ -27.11.1634 bei Hersfeld] hessen-kasselischer Obrist, Generalmajor.

[407] Faktion: Gruppe, Tatgemeinschaft.

[408] Hans Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf gefallen], kaiserlicher Feldmarschall.

[409] Treysa, heute Stadtteil von Schwalmstadt [Schwalm-Eder-Kreis].

[410] Ziegenhain, heute Stadtteil von Schwalmstadt [Schwalm-Eder-Kr.]; HHSD IV, S. 483ff.

[411] CHEMNITZ, Königl. Schwedischer […] Kriegs Ander Theil, S. 584f.

[412] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[413] Hans Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf gefallen], kaiserlicher Feldmarschall.

[414] Generalfeldzeugmeister [schwed. general för artilleriet, dän. generelt feldzeugmeister]: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt. Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Er erhielt nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) monatlich 1.200 fl.Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“ [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[415] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.

[416] praevenieren: zuvorkommen.

[417] Rittmeister [schwed. Ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, in besetzten Gebieten wurden schon einmal 240 Rt. monatlich erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15), während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[418] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der infanterie 60 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[419] Sergeant [schwed. Sergeant]: Der Sergeant war Unteroffiziersdienstgrad. Der Feldwebel war ein vom Obristen oder Hauptmann eingesetzter Gehilfe in der Infanterie. Er wirkte zunächst an der Einteilung und Aufstellung der Schlachtordnung des Fähnleins mit. Im 17. und 18. Jahrhundert übernahm diese Funktion der Major/Obristwachtmeister, und im Zuge dessen beschränkten sich die Aufgaben des Feldwebels auf den inneren Dienst: auf Empfang und Ausführung der Kommandos der höheren Offiziere, die Abholung und Weitergabe der Losung an die Korporale und Gefreiten, die Aufsicht über die Disziplin der Compagnie und die Erfüllung der herrschaftlichen Dienstverpflichtungen, auf das Schreib- und Rechnungswesen. Der Feldwebel wurde teilweise auch Sergeant genannt, bei Artillerie und Kavallerie hieß er Wachtmeister. Im Schultheißengericht, der genossenschaftlichen und von den Kriegsherren weitgehend unabhängigen Rechtsinstanz in den Landsknechtsheeren (die im Laufe des Dreißigjährigen Krieges von den Unter[kriegs]gerichten abgelöst wurde) dienten Feldwebel als Gerichtsoffiziere. 1620 erhielt er in der kurbrandenburgischen Armee monatlich 15 fl. , der tägliche Unterhalt war 1631 mit 9 Grroschen angesetzt.

[420] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[421] Oliver [Olivier] Wallis [Waller, Walli, Wallisch, Walsh, Wallis of Carrickmines], Freiherr v. Karighmain [1600–21.6.1667 in Ungarn], kaiserlicher Generalfeldwachtmeister.

[422] Feldwebel [schwed. fältväbel, dän. sergent]: Unteroffiziersdienstgrad. Der Feldwebel war ein vom Obristen oder Hauptmann eingesetzter Gehilfe in der Infanterie. Er wirkte zunächst an der Einteilung und Aufstellung der Schlachtordnung des Fähnleins mit. Im 17. und 18. Jahrhundert übernahm diese Funktion der Major/Obristwachtmeister, und im Zuge dessen beschränkten sich die Aufgaben des Feldwebels auf den inneren Dienst: auf Empfang und Ausführung der Kommandos der höheren Offiziere, die Abholung und Weitergabe der Losung an die Korporale und Gefreiten, die Aufsicht über die Disziplin der Compagnie und die Erfüllung der herrschaftlichen Dienstverpflichtungen, auf das Schreib- und Rechnungswesen. Der Feldwebel wurde teilweise auch Sergeant genannt, bei Artillerie und Kavallerie hieß er Wachtmeister. Im Schultheißengericht, der genossenschaftlichen und von den Kriegsherren weitgehend unabhängigen Rechtsinstanz in den Landsknechtsheeren (die im Laufe des Dreißigjährigen Krieges von den Unter[kriegs]gerichten abgelöst wurde) dienten Feldwebel als Gerichtsoffiziere. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 20 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) hatte er Anspruch auf 21 fl.; 1634 erhielt er beim Fußvolk 9-14 fl. Sold. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 46ff.

[423] Fourier, Fouragier, Fourageur: Der Fourier übte eine ähnliche Aufgabe wie der Quartiermeister aus, indem er vor allem die Verpflegung der Truppe und die Beschaffung von Viehfutter in den besetzten Gebieten sicherstellen sollte. Geschickte Fouriere konnten gerade in ausgezehrten Landstrichen wichtig für das Überleben der Einheiten werden. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 24 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Die herbei geschafften Nahrungsmittel stammten zum größten Teil aus Plünderungen. Daneben leisteten die z. T. weit herum kommenden Fouriere auch Kundschafterdienste.

[424] Capitain d‘armes: Unteroffizier einer Kompanie, der die vorrätigen Bekleidungsstücke, Waffen etc. beaufsichtigt und ausgibt. 1620 erhielt er in der kurbrandenburgischen Armee monatlich 15 fl.

[425] N Daniel [ -27.11.1634 bei Herzfeld]; kaiserlicher Obristleutnant.

[426] Augustin v. Hanau [10.8.1591-24.8.1661 Gamig], kursächsischer, kaiserlicher Obrist u. Generalwachtmeister.

[427] Walstatt: Schlachtfeld, Kampfplatz. ursprünglich mhd. „Leichenfeld“, „von Leichen bedecktes Schlachtfeld“ oder überhaupt „Ort, wo gekämpft worden ist“; DWB Bd. 27, Sp. 1360, 62.

[428] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 385.

[429] Lichtenberg, heute Ortsteil von Fischbachtal [LK Darmstadt-Dieburg].

[430] Exekution: (notfalls gewaltsame) Umsetzung von Bestimmungen und Auflagen; Zwangsvollstreckung, Zwangseintreibung von Kontributionen. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war. Der Memminger Arzt Christoph Schorer [2.12.1618 Memmingen-12.2.1671 Memmingen] schreibt in seiner „Chronick“ eine derartige Exekution, SCHORER, Memminger Chronick, S. 146f.: „Was die Soldaten / im Hornung / Merzen vnd April [1637; BW] / vor grewliche Tyranney geübet / die Thor gesperret / den vornembsten Burgern eingefallen / eine grosse Summa gelt zuerpressen / ist vnbeschreiblich. Zu diesem Elend kam noch ein Verbott / vnd Ringerung etlicher Müntzsorten im Römischen Reich / also daß der arme Mann vmb sein gering übrigs Geltlen kein bissen Brodt bekom̃en konnte. O deß grossen Elendts ! über diesen grossen Jam̃er / kam im Mayen Ordinantz / daß die Stadt 1 ½ Regiment vom Piccolominischen Volck verpflegen solle: Darzu man Monatlich 3200. Gulden geben muste. Als man den 10. May durch einen Commissarium mit den Officirern rechnete / war die Stadt gezwungẽ der Officirer Rechnung / welche sie nach ihrem Beliebẽ gemachet / zu vnderschreiben. Den 31. May waren Herrn Burgermeister vnd Geheimbde [Ratsherren; BW] in Arrest / in deme die Officirer viel tausent Gulden begehrten. Den 2. Junii haben die Officirer die vornehmbste Häusser bezogen / vnd sich mit Gewalt eingelegt / Geld zu erpressen / wehrete biß auff den 7. Junii. Man forderte das Gericht und Rath zusamen / vmb Mittel zu sehen Gelt auffzubringen / aber es scheinete vnmöglich / also weil nunmehr die Burgerschafft vmb ihr baares Gelt / Gold /Silbergeschirr vnd Kleinodien gäntzlich gekommen / hat man sich resolvirt / den Soldaten Zin / Kupffer vnd Kleider anzubieten. Darauff gieng den 10. Junii das Exequiren widerum an. War ein kläglicher Tag / konnte kein Burger dem andern helffen / bald hörte man wie die Soldaten da / bald dort eingefallen / vnd Gelt presseten. Den 13. Junii war der Rath widerumb arrestirt / vnd Soldaten in der Burger Häuser geschicket / von manchem 200/300/400 biß in 500 fl. zuerpressen: Da man sich dann mit ihnen vergleichen / oder so lang zu Essen vnd zu Trincken geben müssen. Wie sich dann befunden / dass sie auff die 2049. fl. von den Burgern in ihren Häusern erpresst: auch 160. Kühe vñ 60. Pferdt ihnẽ weg genom̃en / solches auch vnder grossem heulen vnd wehklagen der armen Burger / vnd ihren kleinen Kindern fort biß nach Ochsenhausen getriben / doch hernacher widerumb allher gebracht / vnd auff 30. Stuck an ihrer Forderung in behalten. Als man ihnen nun satisfaction gegeben / an Vieh / Gelt / Geltswerth vnd Obligationen / etlich tausent Gulden betreffent / seyn sie (die vom Beckischen Regiment) den 17. Junii weggezogen / worauff die Stadt widerumb etwas Lufft / vnd die Schlüssel zu den Thoren bekommen. Es befande sich nach ihrem Abzug / als die Rechnungen von Biberach / Ravenspurg / Kauffbeuren / Leutkirch vnd vnserer Stadt zusamen getragen wurden / daß die Beckische [Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec]; BW] Soldaten / diese bemelte Stätt innerhalb 5. Monaten auff die 130000. fl. gekostet“.

[431] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.

[432] Malter: sehr unterschiedliches Maß in den einzelnen Territorien oder Städten: Aachen = 148.268 Liter; Altenburg (Thüringen) = 293.944 Liter; Baden = 150 Liter; Coburg = 167.1 Liter; Düsseldorf = 165.84 Liter; Erfurt = 715.358 Liter; Frankfurt/M. = 114.729 Liter; Fulda = 174.122 Liter; Hanau = 122.122 Liter; Hannover = 186, 91 Liter; Heidelberg = 111.416-125.343 Liter; Hildesheim = 155.6-158.7 Liter; Höchst = 114.729 Liter; Homburg 100-128 Liter;  Kaltennordheim/Thüringen = 167.5 Liter; Kassel = 643 Liter; Kleve = 214.4 Liter; Koblenz = 192.366Liter; Köln = 143.54 Liter; Krefeld = 137.512 Liter; Limburg/Lahn = 200.022 Liter; Lippe-Bückeburg = 105.5 Liter; Lippe-Detmold = 474.168 Liter; Mainz = 109.388 Liter; Mannheim = 111.08 Liter; Meiningen = 8 Maß = 32 Metzen = 167.1016 Liter; Mühlhausen/Thüringen = 161.613 Liter; Oldenburg = 273.636 Liter; Osnabrück = 244.4 Liter; Ostheim = 117.64 Liter; Paderborn = 291.608 Liter; Sachsen-Weimar = 150.588 Liter; Trier = 236.97 Liter; Weimar = 150.588 Liter; Wernigerode: 1 Malter Hafer = 12 Scheffel = 600 kg; Wiesbaden = 109.388 Liter.

[433] Ohm: ca. 120 bis 150 Liter.

[434] Eimer: altes Flüssigkeitsmaß = 70, 9347 Liter (Erfurt), Leipziger Weineimer 75, 85 Liter, Biereimer 86, 89 Liter, 1 Eimer = 79, 73 Liter (Schmalkalden), 60, 68 Liter (Erzgebirge), 69 Liter (Nürnberg), ca. 76 Liter (Olmütz), 1 Eimer = 3 Hosen = 72 Kannen = 144 Nösel =  67,3632 Liter (Sachsen), 1 Eimer = 64, 20 Liter (Wasserburg). Österreich: 40 Maß = 160 Seidel = 56, 589 Liter, Franken:1 Eimer = 80 Liter; 1 Eimer (Sachsen) = 67, 3632 Liter.

[435] Römermonat: nach der Reichsmatrikel berechnete allgemeine Reichssteuer zur Finanzierung des Reichsheeres (zunächst als Unterstützung für Karl V.), die über die Reichskreise auf die Reichsstände umgelegt wurde; der Hauptstreitpunkt bei der Kriegsfinanzierung. Die Steuer wurde für ein Heer von 4.000 Mann zu Pferd und 20.000 Mann zu Fuß berechnet. 1541 wurden die Kosten für den Heeresunterhalt auf 128.000 Gulden pro Monat festgelegt. Dieser „Römermonat“ diente fortan als Simplum der Monatszahlungen bei Reichssteuern im Allgemeinen. Der Name verweist auf die Römerzüge: auf einen militärischen Begleitschutz des Zuges nach Rom zur Krönung des deutschen Kaisers. Es wurde jedoch nie eine militärische Hilfe oder Reichssteuer für den Römerzug bewilligt. Vgl. RAISS, Römermonat.

[436] Philipp (V.) Graf v. Mansfeld-Vorderort zu Bornstedt [1589-8.4.1657 Raab], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. die Erwähnungen bei SEIDEL, Die Grafen von Mansfeld.

[437] Egon VIII. Graf v. Fürstenberg-Heiligenberg [21.3.1588 Speyer-14.8.1635 Konstanz], bayerisch-ligistischer Obrist.

[438] General(kriegs)kommissar: Der General(kriegs)kommissar war das oberste Aufsichts- und Kontrollorgan für das gesamte Kriegswesen, Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontributionen), zur Kontrolle der Kriegskommissare und übernahm auch militärische Aufgaben. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) erhielt er monatlich 600 fl. Als Quartierkommissarius legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung). Der Generalkommissar, der entweder erfahrener Heeresverwaltungsbeamter oder selbst Obrist war, war der Dienstvorgesetzte aller dieser Kommissare, der wiederum seinen Anteil bei seinen untergebenen Kommissaren einforderte. Zudem waren die oft korrupten Generalkriegskommissare verpflichtet, alle Vorkommnisse im Feld und in der Garnison an den obersten Kriegsherrn einzuberichten, weshalb sie nicht zu Unrecht als die „Augen und Ohren“ etwa Maximilians I. bei der Truppe bezeichnet wurden. Sie besuchten bzw. kontrollierten die vom Hauptquartier entfernt operierenden oder liegenden Regimenter. Bei der Truppe waren sie aufgrund ihrer umfangreichen Kontrollfunktionen im Allgemeinen verhasst. Zudem hatten sie die Weisung, die Kosten der Kriegs- und Truppenfinanzierung zu senken und Reduktionen durchzuführen, was zu ständigen, teilweise handfesten Konflikten mit den Obristen als Kriegsunternehmern führen mussten, da die Generalkriegskommissare auch für den Transport und die Auszahlung des Soldes zuständig waren. Bei besonders unruhigen Truppenteilen waren sie auch für die Ausgabe der Munition zuständig. Der Generalkriegskommissar hatte zudem die Aufgabe, in den besetzten Gebieten nach lohnender Beutekunst (Altäre, Gemälde, Bücher etc.) Ausschau zu halten und gemäß seinen Weisungen zu beschlagnahmen. Der Generalkriegskommissar trat als Militärsachverständiger bei Liga-, Kurfürsten- und Reichstagen auf und war bei Friedensverhandlungen (z. B. beim Abschluss des Lübecker Friedens 1629) und Gesandtschaften beteiligt. Zum Teil kam er durch seine vielfältigen Aufgaben, Einnahmen (Sold etwa 5000 fl., Anteil an Kontributionen ca. 1800 fl. pro Jahr ohne diverse andere Einnahmen) und Belohnungen zu einem beträchtlichen Vermögen. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Da die Generalkriegskommissare den Schriftverkehr mit der Kriegskanzlei bzw. dem obersten Kriegsherrn führten, gaben sie oft anders lautende, kritische oder auch gefälschte Berichte weiter. DAMBOER, Krise, S. 27:  „Im Schreiben des Generalkommissars Schäfer an Maximilian vom 13. Dezember 1644 schrieb dieser, die Generalkommissare suchten nichts als des Kurfürsten und der Armada Interesse und würden trotzdem immer verfolgt, gehasst und beneidet“. Vgl. auch KAPSER, Die bayerische Kriegsorganisation, S. 101ff.

[439] Wolf Rudolf Freiherr v. Ossa [Oßen] [ca. 1574-16.9.1639 Regensburg], kaiserlicher Generalkriegskommissar, Feldmarschall u. katholischer Hardliner.

[440] Christoph Freiherr v. Lerchenfeld [ -1649], bayerischer Generalkriegskommissar.

[441] Georg II. Landgraf v. Hessen-Darmstadt [17.3.1605 Darmstadt-11.6.1661 Darmstadt]; „Hessen-Darmstadt, Georg II. Landgraf von“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/118884352> (Stand: 8.3.2012). Vgl. DIEHL, Georg II.; BECK, Die Neutralitätspolitik Landgraf Georgs II.; WACHENDORFER, Möglichkeiten und Grenzen

[442] HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 110ff.

[443] Guttenberg [LK Kulmbach].

[444] Köln; HHSD III, S. 403ff.

[445] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[446] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

[447] Braunfels [Lahn-Dill-Kreis]; HHSD IV, S. 59f.

[448] Friedberg [Wetteraukr.], HHSD IV, S. 145ff.

[449] Büdingen [Wetterau-Kreis]; HHSD IV, S. 66f.

[450] Gelnhausen [Main-Kinzig-Kr.]; HHSD IV, S. 164ff.

[451] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.

[452]Altenhaßlau, heute Ortsteil von Linsengericht [Main-Kinzig-Kreis]; HHSD IV, S. 7f.

[453] Großenhausen, heute Ortsteil von Linsengericht [Main-Kinzig-Kreis].

[454] Lützelhausen, heute Ortsteil von Linsengericht [Main-Kinzig-Kreis].

[455] KREUTER, Gelnhausen II, S. 68. Kreuter datiert nach dem alten Stil.

[456] Rotenburg a. d. Fulda [LK Hersfeld-Rotenburg]; HHSD IV, S. 387ff.

[457] Berka a. d. Werra [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 47f.

[458] KÖNNECKE, Quellen I, S. 175.

[459] Arheilgen, heute Stadtteil von Darmstadt.

[460] Darmstadt; HHSD IV, S. 79ff.

[461] Otto Ludwig Wild- u. Rheingraf v. Salm in Kirburg, Mörchingen u. Tronecken [13.10.1597-16.10.1634 Speyer], dänischer, dann schwedischer General.

[462] Wilhelm IV. Herzog v. Sachsen-Weimar 11.4.1598 Altenburg-17.5.1662 Weimar], schwedischer Generalleutnant. Vgl. HUSCHKE, Wilhelm IV.

[463] David Bouillon [Bullion, Bullian, Bullier] [ – ], schwedischer Obrist.

[464] Sir James Ramsey „the Black“ [1589-28.6.1639 auf Schloss Dillenburg], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 3315.

[465] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[466] Alzenau; vgl. Freigericht [hess. Kr. Gelnhausen und bayr. Kr. Alzenau]; HHSD IV, S. 143f.; Alzenau i. Ufr. [LK Aschaffenburg]; HHSD VII, S. 19f.

[467] Freigericht [hess. Kr. Gelnhausen und bayr. Kr. Alzenau]; HHSD IV, S. 143f.

[468] Miltenberg [LK Miltenberg]; HHSD VII, S. 448ff.

[469] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[470] Marköbel, heute Ortsteil von Hammersbach [Main-Kinzig-Kreis]; HHSD IV, S. 323f.

[471] Wächtersbach [Main-Kinzig-Kr.]; HHSD IV, S. 443f.

[472] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[473] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[474] Bergstraße; HHSD IV, S. 43f.

[475] KREUTER, Gelnhausen III, S. 69f.

[476] Gerstungen [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 144.

[477] Georg Herzog v. Braunschweig-Lüneburg [17.2.1582 Celle-2.4.1641 Hildesheim], kaiserlicher Obrist, 1631 schwedischer General. Vgl. DECKEN, Herzog Georg.

[478] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1119, S. 352.

[479] KÖNNECKE, Quellen, S. 175f.

[480] Prima plana: das erste Blatt der Musterrolle, auf dem die Personen verzeichnet waren, die zum Kompaniebefehl gehörten: Hauptmann, Rittmeister, Leutnants, Fähnriche, Kornett (als Oberoffiziere der Prima plana), Feldwebel, Führer, Fourier, Musterschreiber, Feldscherer (Unteroffiziere der Prima plana). Korporäle, Gefreite, Spielleute und Fourierschützen galten dagegen als gemeine Befehlshaber.

[481] KÖNNECKE, Quellen I, S. 174.

[482] Sontra [Werra-Meißner-Kreis]; HHSD IV, S. 417.

[483] KÖNNECKE, Quellen I, S. 179.

[484] Hauskirchen [Bez. Gänserndorf, Niederösterreich].

[485] SCHWEICKHARDT, Darstellung, S. 295f.

[486] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[487] Schlotheim [Unstrut-Hainich-Kreis], HHSD IX, S. 385.

[488] Mehrstedt [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 454.

[489] Großmehlra [Unstrut-Hainich-Kreis].

[490] Ebeleben [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 84f.

[491] HAPPE II 54 v – 55 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[492] Wolferschwenda [Kyffhäuserkreis].

[493] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[494] HAPPE II 55 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[495] Rudolstadt [Kreis Saalfeld-Rudolstadt].

[496] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 118.

[497] Ludwig [Lodovico, Lukasch] v. Perwast [Pervast, Prevost, Premast], genannt „Ludwig“ [ – ], kaiserlicher Obrist.

[498] Bendeleben [Kyffhäuserkreis].

[499] Großensömmern, veraltete Bezeichnung für Sömmerda [Kreis Sömmerda].

[500] HAPPE II 146 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[501] Benfeld [Frankreich, Dép. Bas-Rhin].

[502] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 595.

[503] Benfeld [Elsass, Dép. Bas-Rhin; Frankreich].

[504] LEUPOLD, Journal, S. 331f.; DROYSEN, Bernhard von Weimar 2 Bd., S. 380.

[504a] ELLRODT, Gefrees, S. 138 Anm.

[505] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[506] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[507] Römhild [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[508] Limpurg: eine zeitweise weitverzweigte schwäbisch-fränkische Adelsfamilie, brachte zahlreiche hochgestellte Reichsbeamte, Bischöfe und Domherren hervor. Ihren Namen tragen sie nach der Burg Limpurg bei Schwäbisch Hall. Noch heute wird ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet, das sich zwischen Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen erstreckte, als Limpurger Land bezeichnet. Hauptort der ehemaligen Grafschaft ist die Stadt Gaildorf (Landkreis Schwäbisch Hall).

[509] Wolfgang Hafner [Haffner] [ – ], kaiserlicher Oberkriegskommissar.

[510] Franz v. Hatzfeldt [13.9.1596 Schloss Crottorf-30.7.1642 Würzburg], Fürstbischof v. Würzburg u. Bamberg. Vgl. WEBER, Würzburg und Bamberg.

[511] MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 500.

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Gál [Kall, Gall, Galle, Galles], Peter

Gál [Kall, Gall, Galle, Galles], Peter; Obrist [ -Anfang September 1626]

Peter Gál [Kall, Gall, Galle, Galles] [ -Anfang September 1626] stand als Obrist[1] in kaiserlichen Diensten. Er wurde am 24.2.1626 zum Obristen über 500 leichte kroatische[2] Reiter  in fünf Kompanien[3] bei der ligistischen[4] Armee und im Reich ernannt.[5] Seine „Kroaten“ waren Ungarn,[6]  die er in der Gegend um Raab[7] und Komorn[8] anwarb. Durch bayreuthisches und bambergisches Gebiet marschierten seine Einheiten nach Dessau.[9]

Wallenstein[10] schrieb am 28.1.1626 aus Wernigerode[11] an Harrach:[12] „Ich bitt man schicke den Obr. Lewel[13] hieher mit des Kall Peter Crabaten und Babindelli[14] Ungarn, dass sie ihren Weg nach Eger,[15] alsdann auf Fulda[16] und von dannen auf Eschweg[17] in Hessen, alsdann durch die Grafschaft Hohenstein auf Aschersleben[18] im Stift Halberstatt, die andern Grabaten mügen erst zu Anfang April mit dem Grafen von Serin[19] kommen“.[20]

Vom 14. und 16.4.1626 datieren die Anweisungen des Rentmeisters[21] Johann Latermann zu Coburg[22] an den Schösser[23] Andreas Götz zu Heldburg,[24] gegeben in Vorbereitung eines gemeldeten Durchzugs von 500 Kroaten zu Ross unter dem Kommando Gáls, die nach eingezogenen Erkundigungen ihren Weg von Gleusdorf[25] und Mürsbach[26] aus in Richtung Ebern[27] und Seßlach[28] nehmen sollten. Der Schösser wurde angewiesen, sich mit dem Obristen von Selbitz[29] in Verbindung zu setzen.[30] Ein Verzeichnis über die Unkosten, die Gáls Durchmarsch verursachte, hat sich ebenfalls erhalten.[31] Seine Kroaten nahmen an der Schlacht an der Dessauer Brücke[32]  teil.

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe [1587-nach 1642][33] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“ ebenfalls über den Durchzug durch Sondershausen[34]  1626: „Den 27. April [7.5.; BW] ein Keyserlicher Oberster, Gall Peter genannt, mit 700 Crabaten zu Rosse hierdurch und vor der Hannleuthen[35] in Meines Gnädigen Herrn[36] Dorfe Quartier genommen. Das grausame auslendische Volck hat groß Schrecken verursachet“.[37]

Anschließend wurden sie nach Obersachsen verlegt. Am 1.8. schrieb Aldringen[38]  aus Schönebeck a. d. Elbe[39] an Collalto:[40]  Er stehe mit 18 Kompanien Fußvolk und 22 Reiterkompanien im Felde, um den Feind zu beunruhigen, der sich der Burgen Hötensleben[41] und Sommerschenburg[42] bemächtigt habe; er wäre weiter in das Stiftsgebiet vorgedrungen, wenn der Feind nicht die Mitteilung von Aldringens Ankunft erhalten hätte und wenn nicht Gál mit seinen Kroaten in seinem Blickfeld aufgetaucht wäre.[43]

Gáls Kroaten kamen in der Schlacht bei Lutter am Barenberge[44] [27.08.1626] zum Einsatz.[45] Gál soll an seinen in der Schlacht erlittenen Verwundungen gestorben sein.[46] Aus dem Postscriptum eines Briefs Wallensteins aus Deutschbrod[47] an Harrach[48] geht jedoch hervor: „Der Obr. Gall Peter ist an die Pest[49] gestorben, der De Fur[50] begehrt seine Reiter, solches wird ihm gewiss nicht angehen, denn ich hab kein grössern Rauber als ihn und wegen der Rauberei hette ers gern, wollte Gott, dass ich den De Fur nie gesehen hette, denn er macht mir viel Unordnungen.“[51]

Zumindest muss ein Kurier die 580 km Entfernung in einem Gewaltritt zurückgelegt haben. Rätselhaft bleiben daher die Aufzeichnungen Christians II. von Anhalt-Bernburg[52] unter dem 18.12.1627: „Vndter dem Obersten Galle Peter, welcher noch zu rück in der grafschafft Regenstein[53] liegt, sein 6 compagnien wehren also zusammen 15 compagnien Crabaten“.[54]

Lukas Hrastowacky[55] wurde anschließend Inhaber des Regiments.[56]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – und aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen und Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[2] Kroaten: kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteien“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / ob sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“.THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet“. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Gefangene Kroaten wurden schon unter Gustav II. Adolf von den Schweden in ihre Kupferbergwerke verbracht; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87.

[3] Kompanie [schwed. Kompani]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[4] Liga: Die Liga war das Bündnis katholischer Reichsstände vom 10.7.1609 zur Verteidigung des Landfriedens und der katholischen Religion, 1619 neu formiert, maßgeblich unter Führung Maximilians I. von Bayern zusammen mit spanischen und österreichischen Habsburgern an der Phase des Dreißigjährigen Krieges bis zum Prager Frieden (1635) beteiligt, danach erfolgte formell die Auflösung. Das bayerische Heer wurde Teil der Reichsarmada. Zur Liga-Politik vgl. KAISER, Politik, S. 152ff.

[5] KOLLMANN, Der Dänisch-Niederdeutsche Krieg, S. 424.

[6] Ungarn: Schriftlich erwähnt werden „hussarones“  (ursprünglich Grenzsoldaten in den ungarischen Festungen) erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des  Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem einen Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Zur zeitgenössischen Einschätzung vgl. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456f. (1619):Es ist zwar ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter; so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder“. Eine ganz ähnliche Klage findet sich auch in dem Wiener Bericht vom 27. Oktober [1619]: „Die Hungern haußen gar übel auch bei den Evangelischen sine omni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen alles, so erbärmlich ist; wann sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen“.

Der katholische irische Feldkaplan Thomas Carve [1590 – 1672 ?] berichtet; CARVE, Reyßbüchlein Bd. 2, S. 159f.: „Den 17. Octobris [1639; BW], ward ein Vngarischer Graff mit 500 Pferden / von Prag auff Prandis [Brandýs nad Labem] zu / allda die Schweden sich auffhielten / vmb Kundschafft einzuholen / außcommandirt. Dieser ist bald nach seinẽ Außzug von den Schwedischen Partheyen vmbgeben vnnd ertapffet / vnnd weilen in dem Außreissen / sein Pferdt vnter ihme gestrauchlet / gefangen worden; Obwohl nun er der Gefängnuß sich zu entledigen vermeyndt / gleichwohl gesehen dass solches durch kein anderes Mittel / alß mit gewehrter Handt geschehen könne / hat er sich allermassen ritterlich gewehret / auch der Schwedischen viele mit seiner eygenen Handt niedergemacht / biß endtlich er also verwundet / vnnd mit sieben tödtlichen Wunden verletzt / heroisch auff  der Walstatt todt blieben. Sein todten Leichnamb haben nichts desto weniger die Vngaren dem Feindt entzogen / vñ mit sich nacher Prag gebracht vnangesehen irer etliche hundert das Leben darüber eingebusset / allda selbiger nach Standtsgebühr / mit grossen Ehren zur Erden bestattet worden“.

[7] Raab [Györ; Ungarn].

[8] Komorn [Komárno; Oberungarn; h. Slowakei].

[9] Dessau [Stadtkr. Dessau]; HHSD XI, S. 77ff.

[10] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[11] Wernigerode [LK Harz]; HHSD XI, S. 493ff.

[12] Karl Leonhart Graf v. Harrach [1570 Rohrau-16.5.1628 Prag], 1620 Mitglied des Geheimen Rats, 1627 Reichsgraf, Schwiegervater Wallensteins.

[13] Johann [Hans] Christoph Löbl [Löbel, Lömel, Lewel] Freiherr v. Greinburg [Grainburg] [12.12.1578 Wien-12.6.1638 Wien], kaiserlicher Obrist, Generalwachtmeister u. Hofkriegsratsvizepräsident sowie ab 15.12.1629 Obrist der Wiener Stadtguardia bzw. Stadtkommandant v. Wien.

[14] N Babindelli [ – ], kaiserlicher Obrist.

[15] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[16] Fulda; HHSD IV, S. 154ff.

[17] Eschwege [Werra-Meissner-Kr.eis]; HHSD IV, S. 114ff.

[18] Aschersleben [Salzlandkreis]; HHSD XI, S. 23ff.

[19] Georg [György, Juray] Graf Zrinyi [Zrinii, Zrinski, Serini, Serin, Cerini] [31.1.1599-18.12.1626 Bratislava], Banus von Kroatien [1622-1626], kaiserlicher Obrist.

[20] TADRA, Briefe, S. 328.

[21] Rentmeister: Der Rentmeister führte die Aufsicht über die lokalen Beamten. Bestandungen und Mängel bei der Amtsführung auch der Bürgermeister und Räte wurden in einem Bericht zusammengefasst, Verwalter der landesherrlichen Finanzen (Vorsteher der Rentkammer).

[22] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[23] Schösser: Der Schösser (auch Amtsschösser) nimmt die Wirtschaftsverwaltung eines Amtes wahr, vor allem die Einnahmen durch Schoss, Zinsen, Gefällen. Der Schoss war eine allgemeine Vermögensabgabe, die zwar vom Schösser in regelmäßigen Abständen eingezogen wurde, bei Bedarf jedoch extra und auch in vielfacher Höhe erhoben werden konnte. Der Schösser führt das Rechnungswesen des Amtes. Schösser und Amtmann bezeichnen im 17. Jahrhundert häufig den Träger derselben Verwaltungsfunktion, deshalb ist auch der Terminus Amtsschösser gebräuchlich. [mdsz]

[24] Heldburg, heute Ortsteil von Bad Colberg-Heldburg [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[25] Gleusdorf [LK Ebern]; HHSD VII, S. 237. Die Angabe Gleußen in Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2343, ist falsch.

[26] Mürsbach [LK Ebern]; HHSD VII, S. 490. Die Angabe Merzbach [BA Uffenstein in Mittelfranken) in Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2343, ist falsch und auch von der geographischen Lage her unsinnig.

[27] Ebern [LK Haßberge]; HHSD VII, S. 152f.

[28] Seßlach [LK Coburg]; HHSD VII, S. 698f.

[29] Selbitz [LK Naila]; HHSD VII, S. 695ff.

[30] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2343.

[31] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2341.

[32] In der Schlacht an der Dessauer Brücke am 25.4.1626 besiegte Wallenstein die mansfeldisch-weimarischen Truppen unter Ernst von Mansfeld und die dänischen Kontingente unter Johann Ernst von Sachsen-Weimar und drängte sie über Schlesien und Mähren bis nach Ungarn ab. Vgl. WESELOH, Die Schlacht, S. 135ff.; WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 197ff.; KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld, S. 592ff.

[33] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[34] Sondershausen [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 402ff.

[35] Hainleite: Höhenzug, der mit dem westlich verlaufenden Dün und den östlich verlaufenden Schmücke und Schrecke sowie der Finne den nördlichen Abschluss des Thüringer Beckens bildet. Die Hainleite reicht von Großfurra im Westen über Sondershausen bis zur sogen. Sachsenpforte, dem Unstrutdurchbruch zwischen Sachsenburg und Heldrungen, dem das ganze Mittelalter hindurch strategische Bedeutung zukam [mdsz].

[36] Christian Günther I. Graf v. Schwarzburg-Sondershausen [11.5.1578-25.11.1642], jüngster Sohn Johann Günthers I., verheiratet seit 15.11.1612 mit Anna Sibylla v. Schwarzburg-Rudolstadt; Gräfin [14.3.1584-22.8./1.9.1623] Tochter v. Albrecht VII. v. Schwarzburg-Rudolstadt [16.1.1537 − 10.4.1605] u. der Juliane v. Nassau-Dillenburg [1546-1588], der Schwester Wilhelms v. Oranien

[37] HAPPE I 71 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[38] Johann Graf v. Aldringen [Aldringer, Altringer] [10.12.1588 Diedenhofen-22.7.1634 Landshut], ligistischer Obrist, später kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen; DUCH, Aldringen (Aldringer), Johann Frhr.

[39] Schönebeck (Elbe) [Salzlandkreis]; HHSD XI, S. 420ff.

[40] Rambaldo [Reimbalt XIII, Rombald] Graf v. Collalto e San Salvatore [21.9. oder 21.12. (?) 1579 Mantua-19.11. oder 19.12.1630 Chur], kaiserlicher Geheimer Rat, Hofkriegsratspräsident, Kämmerer, Feldmarschall. Vgl. Duch, Arno, „Collalto, Rambaldo Graf von“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 320-322, unter: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116637005.html.

[41] Hötensleben [LK Börde].

[42] Sommerschenburg, heute Ortsteil von Sommersdorf [LK Börde].

[43] KOLLMANN, Der Dänisch-Niederdeutsche Krieg, Nr. 281, S. 135.

[44] 27.8.1626: Sieg der kaiserlichen Truppen unter Tilly über das dänische Heer unter König Christian IV. und seine protestantischen Verbündeten, die bis auf die Herzöge von Mecklenburg von ihm abfielen. Die Dänen verloren etwa 6.000 Mann, 2.500 gerieten in Gefangenschaft. Zu Beginn der Schlacht waren beide Armeen etwa 19.000 Mann stark. Die genauen Verluste sind nicht mehr feststellbar. Die Dänen dürften etwa 4.000 Tote und Verwundete, 3.000 Gefangene, etwa 100 Fahnen und Standarten, dazu die gesamte Artillerie und einen Großteil ihrer Bagage verloren haben. LAHRKAMPS Angaben, Bönninghausen, S. 246 (8.000 Tote), liegen eindeutig zu hoch. Das zeitgenössischen Flugblatt »Kurtze[r] vnd einfältige[r] […] Bericht« spricht von 6.000 Toten und 2.000 Gefangenen. Tillys Verluste lagen wohl deutlich unter 1.000 Mann. MELZNER, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Neue Beiträge, Chronik; KLAY, 27./17. August.

[45] BALLAGI, Wallensteins kroatische Arkebusiere, S.17f. Ich danke Herrn Uwe Volz für seine Hinweise.

[46] WREDE, Wehrmacht, Supplement, S. 755.

[47] Deutschbrod [Německý Brod, seit 1950 Havlíčkův Brod]; HHSBöhm, S. 107ff.

[48] Karl Leonhart Graf v. Harrach [1570 Rohrau-16.5.1628 Prag], 1620 Mitglied des Geheimen Rats, 1627 Reichsgraf, Schwiegervater Wallensteins.

[49] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, von HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] und seinen Zeitgenossen neben Krieg und Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133 f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest von 1625 an der Pest von 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden und etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später treten Bewusstseinsstörungen und Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende und äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten und Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm und waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen von selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 %r zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer und erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle von Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- und Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat und die eine Letalität von 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren eine starke Atemnot, Husten, blaue Lippen und blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de]  lassen vermuten, dass es sich bei der Pest von 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status und Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung und Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse und andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser und Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne von vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet und wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“.Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest und Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt von den Heiligen Sebastian und Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit und Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der von „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurde,  aber auch von Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand von Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 96ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung und wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. Vgl. auch LAMMERT, Geschichte; RUFFIÉ; SOURNIA, Die Seuchen, S. 17ff. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet.

[50] Nikolaus Freiherr (1634 Graf) Des Fours du Mont et Athienville [Desfours, de Fouri, de la Vour, Denour, de Feur, De Fur, Dufour, tschech. Desfoursové] [1587 oder 1590-5.12.1661 Hrubý Rohozec], kaiserlicher Generalwachtmeister.

[51] TADRA, Briefe 2. Teil, S. 435.

[52] Christian II. Fürst v. Anhalt-Bernburg [11.8.1599-21.9.1656 Bernburg]. Seit 1622 Mitglied Nr. 51 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Veränderliche“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 54f. Vgl. das verdienstvolle, in Arbeit befindliche Großprojekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, unter: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Digitale Edition und Kommentierung der Tagebücher des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656). in: Editiones Electronicae Guelferbytanae. Wolfenbüttel 2013.

[53] Reinstein (Regenstein), Grafschaft: https://www.thueringerschloesser.de/english/31-grafschaft-reinstein/: „Das niedersächsische Geschlecht der Grafen von Reinstein oder Regenstein mit ihrer Stammburg bei Blankenburg in Sachsen-Anhalt ist ab 1162 nachweisbar. Die Grafschaft war ein Lehen des Bistums Halberstadt. Die Burgruine Regenstein ist eine teilweise in den Felsen gehauene Anlage auf einem hohen Sandsteinmassiv im nördlichen Harzvorland. Im 15. Jahrhundert verlegten die Grafen ihren Wohnsitz in das Schloss zu Blankenburg, die Burganlage verfiel. Mit dem Aussterben der Grafen von Regenstein im Jahre 1599 ging das Herrschaftsgebiet als erledigtes Lehen an die welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die als protestantische Administratoren über das Bistum Halberstadt herrschten. Teile der Grafschaft bildeten das spätere Fürstentum Blankenburg“. Mit Graf Johann Ernst v. Rheinstein erlosch 1599 dieses alte Grafengeschlecht. Die Besitzung Rheinstein, Reinstein, oder später als Regenstein geschrieben, im Harzgebirge fiel wieder an das Bistum Halberstadt zurück. Von diesem übernahmen 1643 nach mehreren Besitzerwechseln die Tattenbachs die Grafschaft als Lehen mit Namen, sie nannten sich fortan Grafen v. Reinstein-Tattenbach.

[54] http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Bl. 39v.

[55] Lukas [Lucatsch] [Gallo ?] Hrastowacky [Hraztouachki, Hrastowasky, Hrastowaschky, Hrastouatzky, „Trasky“, „Rasta Wascki“] [ -April 1633], kaiserlicher Obrist.

[56] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

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Hrastowacky [Hraztouachki, Hrastowasky, Hrastowaschky, Hrastouatzky, „Trasky“, „Rasta Wascki“], Lukas [Lucatsch] [Gallo ?]

Hrastowacky [Hraztouachki, Hrastowasky, Hrastowaschky, Hrastouatzky, „Trasky“, „Rasta Wascki“], Lukas [Lucatsch] [Gallo ?]; Obrist [-April 1633]

von Peter Nüchterlein und Dr. Bernd Warlich

Sein Vorgänger Peter Gál verstarb spätestens am 6.9.1626 an der Pest, wie sich aus dem Postscriptum eines Briefs Wallensteins[1] ergibt: „Der Obr. Gall Peter ist an die Pest gestorben, der De Fur [Nikolaus Des Fours; BW] begehrt seine Reiter, solches wird ihm gewiss nicht angehen, denn ich hab kein grössern Rauber als ihn und wegen der Rauberei hette ers gern, wollte Gott, dass ich den De Fur nie gesehen hette, denn er macht mir viel Unordnungen“.[2] Hrastowacky hatte nach dem Tod Peter Gáls dessen Ungarn übernommen und wird meistens als „Obrist Lucas“ oder „Lucatsch“ erwähnt“.[3]

Im Tagebuch des Wernigerode[4] Kantors und Sechsmanns[5] Thomas Schmidt wird das perfide System der Erpressung und Nötigung einer Stadt durch Hrastowacky ausführlich beschrieben: „Den 11. deß. [21.12.1627; BW] (hora 4 pomerd)[6] ist der Kroaten Oberste Hrastowasy mit 15 Reitern in Kaltenbrunns Haus ankommen. Den 12.[22.12.1627] (hora 3 pomerid.)[7] sind 2 Kornet[8] des Oberst Hrastowasky in die Stadt gezogen, denen Billette[9] gegeben, auf jeden Bürger ein Pferd. Den 15. [25.12.1627; BW] hat der Oberste mit E. E. Rath[10] accordiren wollen, hat aber so hoch angeschlagen, dass man’s ad referendum[11] nehmen müssen. Denn er zu seiner Küche wöchentlich 200 Thlr. forderte, ohne sein und der Offiziere Deputat, welches sich auch auf 500 aufs wenigste erstreckte; käme der Stab wöchentlich auf 800 Thlr., und die Reiter gleichwohl zu unterhalten – Den 16. [26.12.1627; BW] ist des Obersten Bagage, als 3 Wagen hereingebracht, wobei ein Kapitänleutnant[12] gewesen. Den 17. [27.12.1627; BW] der Oberst, wie auch U. g. H. Graf Heinrich Ernst[13] gen Halberstadt[14] zum Oberst Becker,[15] demselben zu verstehen gegeben, die sehr hohe Forderung des Obersten, darauf doch wenig erfolgt. – Den 19. [29.12.1627; BW] ist E. E. Rath für sich zu accordiren vorhabens, sich durch den kleinen Quartiermeister an ihre Thüren ‚salvam gardiam’ schreiben lassen. Nachmittag hat der Oberst in alle Ratsherrn Häuser Soldaten einlegen lassen, welche über die Maaß dominirt[16] und Muthwillen getrieben, darum (sagend) dass E. E. Rath mit dem Oberst nicht accordiren und in seine gethane Vorschläge verwilligen wollen. Es sind aber dem Obersten etzliche Bürger aufgesetzt, die wöchentlich in ihrer Kontribution 100 Thlr. aufbringen, die Unterhaltung seiner Küche übergeben.

Den 20. [30.12.1627; BW] ist der Fähnrich, so den 14. Okt. [24.10.1627; BW] hierkommen, mit seinen Musketiren abgezogen, und in Horenburg[17] sein Quartier bekommen.[18] Die Sechsm. und Ausschuß[19] und etliche Bürger zu Rathhause gefordert worden, do ihnen angezeigt, wie daß der Oberst eine hohe Summe Geldes zu seinem Unterhalt und Deputat haben wollte, denn er forderte wöchentlich 1500 Thlr. und 3 ½ Wispel[20] Hafern, so sollten die Bürger mehr nicht, denn nur Quartier, Holz, Salz und Licht[21] ihnen geben, derowegen zu deliberiren,[22] wie solches auszuschlagen, denn um dieser willen, daß E. E. Rath nicht einwilligen wollen, auf seine Vorschläge, sei ihnen so viel Reiter in ihre Häuser gelegt, und allerlei Schmach angethan worden.

– – Auf der Bürger Begehren zur Antwort gaben: dass die Bürgerschaft Bedenken trüge ihnen alsobald zu willfahren, ob sie schon beleget, denn die Herren unterweilen den Bürgern, wenn sie etwas zu suchen, so höhnischen Bescheid gaben, daß mancher mit Ungeduld abtrete. Jedoch aber zu verhüten größer Unheil könnte E. E. Rath alle Rotte[23] zu Rathhaus fordern, in Beisein des Herrn Obersten aber dessen Gevollmächtigten die Bürger an Eidespflichten fragen, was und wie viel eine jeder darzureichen vermöchte, so bliebe E. E. Rath außer Gefahr. – Den 22. [1.1.1628; BW] Auf Begehren des Hern. Obersten Lucas Gallo Hrastowasky hat E. E. Rath alle Rotte zu Rathause fordern lassen, da ein jeder in Gegenwart des Hern. Quartiermeisters und des Adjudanten bei seinem Gewissen aussagen sollte, wie viel er wöchentlich zur Kontribution dem Hrn. Obersten (weil dieser sich erklärte, wenn er wöchentlich 1000 Thlr. und 350 Scheffel Hafern[24] bekäme, wollte er 1 ½ Kornet abführen) einbringen könnte; es sollten die Bürger ihre Commercia und Handthierung ungehindert treiben hin und wieder. Es ist an diesem Tage nur die Hälfte der Rotten absolvirt worden, worinnen sich nur 200 Thlr. gefunden; haben es auch lassen anstehen. (Die Bürger sich zum höchsten beschwert, daß Konsul Posewitz[25] sie und die Stadt in jetzo hochbedrängten Zeiten, so gar verließe, das Hasenpannir aufgeworfen[26] und flüchtig worden wäre, was man hieraus mehr machen sollte ? ob man nicht mit ihm zu procediren[27] wie in den andern und großen Städten, da man nach Urtheil und Recht schickte, und sich darnach richteten, was solchermeineidige[28] Konsul[29] mitbrächte ? – die Merodischen [Johann II. v. Mérode-Waroux; BW] auf ihn gelauert – ). Den 23. [2.1.1628; BW] (mancherlei Unterhandlung, der Oberst ließ bis auf 900 Thlr. und 300 Scheffel Hafer herunter, und wollte alsdann ein Kornet abführen, und das andere selbst unterhalten, oder aber der Rath sollte dies unterhalten und ihm 500 Thlr. geben. Der Rath, Sechsm. und Ausschuß stellte die Unmöglichkeit vor, da sandten die Offiziere nach den Steckenknechten,[30] uns zu erklären, wo nicht ? ab carcerem.[31] Der Rath sagte auf eine Woche, zum Versuch, 900 Thlr. zu, aber den Hafer könnten sie nicht schaffen.) Darauf haben die Offiziere mit uns zum Karcer[32] gewollt, wir aber gebeten keine Gewalt an uns zu üben; aber nichts helfen wollen. Die Offiziere sind vor uns her, die Steckenknechte hinter uns nachgegangen und nach dem Thurm[33] hinter den Mauern (gegen den Ritterhöfen, jetzt zu dem Stall vermiethet) geführet, da man die Uebelthäter pfleget zu verwahren, und in den selben Thurm einlegen lassen, als (die) Konsule Henn., Schmiden, Valtin Eischen, Christoph Schaper, (die Rathmänner) Konrad Barden, Esaias Robran, Heinrich Wedde, Henn. Losen, Michael Müller und der Stadtschreiber Julius Petri. Ich aber (und 4 andere) uns ausgewickelt,[34] mit Vorgeben, daß wir keine Rathsherren wären. Hierauf wir andern, die wir los davonkommen, uns aufs äusserste bemühet allerlei Mittel vor die Hand zu nehmen, auch alsobald an den Oberst Becker gegen Halberstadt[35] notifizirt.[36] Die Stadtthore sind alle verschlossen zugehalten worden, daß keiner aus- oder einkommen können.

Den 24. [3.1.1628] hat der Oberst alle Passzettel, worauf verzeichnet gewesen, wie viel ein jeder Bürger zur Kontribution einbringen soll, wiederum von den Rottmeistern[37] abgefordert, (der Betrag aller 32 Reise[38] war doppelt 1034 Thlr. 6 Gr., es wurde dem Obersten aber nur einfach übergeben. Hiernächst die Sechsmänner den Obersten gebeten, daß er den Rath aus dem Thurm und Staut (?)[39] in eine warme Stube, es sei aufm Rathhause oder wo es I. Gn. belieben würde, wollte eingehen lassen, denn es wären alte verlebte Personen, und wären kalt, damit ihnen kein ferner Unheil zukommen möchte. Antwort, Sie sollten nicht ausgelassen werden, sie verhießen dann die geforderte Kontribution. Es könnte ihnen aber Essen hinein gereicht werden, und etwas Feuer und Kohlen, welches auch also bald geschehen. Horn [Hora; BW] 12 pomerid[40] ist auf vielfältiges Anhalten der Sechsm. und daß die Bürgerschaft nichts schließen könnte, wofern der Stadtschreiber nicht auf freien Fuß gelassen, der ab und zu gehen könnte, (der Stadtschreiber[41]) wieder aus dem Thurm gelassen worden. A meridie[42] hat der Oberst durch den Adjudanten befehlen lassen, daß ein jeder Rottmeister seinen Zettel wieder zu sich nehmen sollte, und von jedem, wie viel ihm gesetzet, einfordern soll; wer sich hierin verweigern würde, dem wolle er sein Haus voll Reiter legen lassen. Welches (Einfordern) auch ins Werk gerichtet worden. Item an U. g. H.[43] geschrieben. Abends. Die Sechsm. abermals angehalten beim Hrn. Obersten, um Auslassung des E. Raths, wie auch deroselben Weiber, die ihn zu unterschiedlichen Malen überlaufen;[44] aber er hat uns alle abschlägige Antwort gegeben, weil mit Vermelden, wo sie nicht willigen wollten, sollten sie sitzen, wenn sie auch gleich als solches saßen. In dieser Nacht die gleich alda waren und auf die ellection des Bischofs[45] warteten, abgesandt, eins an Kais. Majestät,[46] das andere an den General,[47] darin verzeichnet, den Prozeß, den der Hr. Oberste mit E. E. Rath gehalten und warum. Die natali[48] 1628 stütze[49] beim Hrn. Obersten wieder angesucht, um Erlassung E. E. Raths aus der Haft, desgleichen die Weiber; aber nichts erhalten können. Mittags sind die Pastores anzuhalten vermogt worden, denen zur Antwort worden; sie sollten wieder anhalten, sed nil impetratum.[50] Den 26. Dez. [5.1.1628; BW] ist aber ein Schreiben nach Halberstadt dieserwegen abgegangen. Um 6 Uhr Abends sind die Herren des Raths wieder aus dem Thurm gelassen worden, jedoch mit dem Bedinge, daß ein jeder stipulatu manu[51] dageloben müssen, einen Accord einzugehen, auf ein Genanntes, was und wie viel wöchentlich dem Herrn Obersten darzureichen und dazu sollten sie Zeit haben bis Morgen 2 Uhr Nachmittag; würden sie aber solches nicht thun, sollten sie wieder incarcerirt werden. Solches haben sie versprochen, jedoch quoad posible[52] und weiteres nicht.

Den 27. Dez. [6.1.1628; BW] sind die Sechsm., die vom Ausschuß, und alle Rottmeister, dazu aus allen Rotten zwei oder drei Bürger, aufs Rathhaus gefordert worden, do ihnen angezeigt, wie dass der Oberste, für die abgewichenen 14 Tage haben wollte 900 Thlr. und zwei Wispel Hafer[53] und dann wöchentlich ein Genanntes, wozu ihr Bedenken sie eröffnen sollten, ob sie solches verwilligen könnten, oder nicht. – (Die 900 Thlr. für die 14 Tage wurden bewilligt, hinführo 300 Thlr. etc.)

Der Bote ist mit einem Schreiben von U. g. H. wiederkommen, welches durch den Notarium[54] – – dem Hrn. Obersten insinuirt worden, neben den beiden Salvagardien vom General Wallenstein und Graf Kolloredo[55] gegeben. Do dieser alles insinuirt, hat der Oberste wissen wollen, wer solches geschrieben ? hat der Notarius geantwortet, das wüßte er nicht, es wäre von Stolberg[56] von U. g. H. herunter geschickt worden. Ist aber nichts weiter darauf erfolgt. Um 2 Uhr ist der Kapitainleutnant, ein Rittmeister und Adjudant aufs Rathhaus kommen) zum Accord (forderte für die 14 Tage 1000 Thlr. und 300 Scheffel Hafern, und künftig wöchentlich 900 Thlr.) darauf ihnen von dem Stadtschreiber 600 Thlr. geboten, mit Vorwenden, es wäre ja die Soldateska von den Bürgern unterhalten worden, denen viel drauf gangen, zu dem so wären sie in der Rathsherrn Häuser gefallen und darin mit Fressen und Saufen viel verschlemmet und Uepigkeit getrieben. (Nach vielem hin und her Bieten, bewilligte man endlich 900 Thlr. für die 14 Tage in zwei Terminen, und wöchentlich für die Zukunft 450 Thlr. auf 14 Tage zu versuchen, falls es dann von der Bürgerschaft weiter nicht aufgebracht werden kann, soll dieser Accord erloschen sein. Die Reiter und Pferde, so in der Stadt verbleiben, sollen von solcher wöchentlichen Kontribution unterhalten und in besondere Häuser, davon nicht kontribuiret wird, verlegt, und die Thore eröffnet werden und die aus der Vorstadt anderweit abgelöst werden (6. Jan. neuen Stils)

(Nach langer Unterbrechung seit dem 5. Stück, ist es vielleicht nicht überflüssig wieder in Erinnerung zu bringen, daß seit dem 11. Dec. 1627 hier der wilde und ungenügsame Oberst, Hrastowasky mit seinen Kroaten lag, der durch die Einkerkerung der standhaften Vorsteher der Stadt hinlänglich gezeigt hatte, daß er das Quälen verstehe. Es waren über das wöchentlich dem Obersten zu Liefernde noch Unterhaltungen.)

Den 27. Dez. [6.1.1628; BW] (Der Oberst verlangte wöchentlich 900 Thlr. endlich 800 und 300 Scheffel Hafern.) Indeme kam U. g. H. Graf Heinrich Ernst, welcher ebenermaßen für uns arme Unterthanen bat; die Offiziere aber sprachen, wenn I. G. beim Obersten was erhalten könnten, welches vielleicht geschehe, wenn er zu ihm käme, wäre am Besten; könnte Morgen zum Obristen kommen u. s. w. Die Bürgerschaft auf Morgenfrüh wieder zu Rathhause beschieden. Der Rath aber ist aufm Rathhause diese Nacht, als (noch) im Arrest, verblieben, ist aber ein Bothe mit Schreiben gen Stolberg an U. g. H. abgeschickt worden, unsern Zustand zu vermelden. – den 28. Dez. [7. Jan.) ist I. Gn. wieder aufs Rathhaus zu kommen gebeten, wie auch die Bürgerschaft gleichergestalt wieder erschienen, do dann I. G. zum Obersten gefordert, den Accord zu vollziehen, allda sich bald die Offiziere auch hinzu fanden. – – I. G. haben mit dem Obersten gehandelt, dass er für das Vergangene 900 Thlr. in zwei Terminen und künftig 850 Thlr. eins für alles, für seinen und seiner Offiziere Unterhalt und Hafern zugleich zu sagen thäte, Heu und Streu wollte er von den Dörfern hereinschaffen, welches auch beiderseits eingegangen, und der Oberst I. Gn. zum Mittagsmahl bei sich behalten, hat der Oberst gegen U. g. H. sich verlauten lassen, daß er die Merodischen [Johann II. v. Mérode-Waroux; BW] Reiter in Nöschenrode[57] nicht abzuschaffen vermögte, denn der Graf von Merode wäre sowohl ein Oberster als er, und diente auch der Kaiserl. Majestät, zu dem wären die Reiter allbereit hier gewesen, ehe er hierkommen, er hoffe aber sie sollten und müßten bald ausziehen. (Der Accord wurde darauf niedergeschrieben und die Condition angehängt: daß, wenn solche Summe an baarem Gelde nicht eingbracht werden kann, alsdann die Bürgerschaft zu verstatten, daß sie ihr Vieh, Hausgeräth und dergleichen, ohne Behinderung in benachbarte Städte verführen, distrahiren,[58] verkaufen und dazu um ein billig mäßiges convoi gegeben[59] werde. Dazu die Reiter und Pferde, so in der Stadt verbleiben, sollen von solcher wöchentlichen Kontribution unterhalten, und in besondere Häuser, damit die Bürgerschaft aller fernern Molestien[60] überhoben sein möge, verlegt, und denselben von der Bürgerschaft mehr nicht als Licht, Holz, Salz und etwas Heu und Stroh – – gereichet – die Thore eröffnet werden, der Accord zum Versuch auf 14 Tage gelten.) – Nachmittags wurde dem Oberst der Accord mit den ersten 450 Thlrn. überbracht. Morgen frühe sollten die Reiter ausgelegt[61] werden, und soll E. E. Rath bedacht sein auf etliche Quartiere nahe bei einander am Burgthor, da man 50 Reiter einlogieren könnte, wie auch nahe am Rimkethore, da auch 50 Reiter Platz und Logis haben könnten, zu verhüten allerlei Unfall und Einfall der Merodischen Reiter. Der Oberst aber wollte denselben ihren Unterhalt schaffen von 450 Thlr., daß sie Essen und Trinken, wie auch Futter kaufen; allein der Rath solle dahin sehen, daß sie für ihr Geld auch so viel kaufen könnten, wie die Bürger, nämlich, daß das Bier im selben Kauf, wie auch das Brodt und Fleisch in solchem Werth wie es jetzo ginge, gelassen würde, und den Soldaten nicht theurer angeschlagen würde, als den Bürgern, im widrigen soll ihnen solches genommen werden. Die andern Reiter wollte er anderweit abführen. – Den 29. [8.1.1628] ist der Kapitain-Leutnant auf Rathhaus kommen; angezeigt, daß der Oberst 4 Quartiere für seine Pferdehaben wollen, die ihnen Heu und Stroh geben sollten, desgleichen er, der Kapit.-Leut., 2 Quartiere. Item der Leutnant, und der Adjudant 2 Quartiere. Solches, obs wohl wider den Accord, haben sie es doch verwilligen und die Hülfsquartier geben müssen. Nachmittags ist die Kontribution (weil viele Bürger sich beschwert, daß es ungleich gesetzt.) corrigirt worden, worüber den die Korrigirten nicht zufrieden, ist also bei dem vorigen verblieben. Den 30. [9.1.1628; BW] ist eine Kompagnie (8o Pferde) hinaus auf die Dörfer,[62] zu dieser Grafschaft gehörig, geführt worden. Die Bauersleute haben dieselbe mit Quartier und Futter für ihre Pferde unterhalten müssen.

Jahr 1628

Am Tage Christi Beschneidung[63] hat der Oberst etlich viel Fuder[64] Heu, über 100 Fuder, vom Hof Schmatzfeld (damals im Besitz der von Veltheim[65]) durch die Bauern lassen in sein Quartier fahren, wie denn andere Offiziere auch was holen lassen. – Den 2. [12.; BW] Jan. hat der Oberst etliche Bürger aufgesetzt, so ihm über ihre zu Rathhause gesetzte Kontribution wöchentlich in seine Küche schaffen sollen, wie folgt: Speck, Kohl, Braunkohl,[66] Petersilie, Zwiebeln, Essig, Rüben, Meerrettig, Salz, Hering, Stockfisch,[67] Schollen,[68] Gewürz. (5 Bürger hat er dazu benannt.) Diese aber kontribuiren wöchentlich zu Rathhause 38 Thaler. Weil solches aber dem Accord ganz zuwider, diejenigen auch so abgesetzte Stücke und was noch mehr wohl dürfte gefordert werden, in die Küche darreichen sollen, ihre Kontribution vollkommlich einzureichen sich beschweren. – (so übergab man ein Memorial um Abstellung dieser und ähnlicher Plackereien, worauf nichts erfolgte) hat auch der Leutnant und Kapitain-Leutnant etliche Bürger vom Rathe zur Küchel, Item Heu und Streu, Licht und anders u. s. w. zu Hülfe begehret, so ihnen auch gegeben, von des Obersten Kontribuenten. (Der als Wachtmeister ins Westernthor beorderte Bürger (denn das Burg- und Rimkethor wurde von den Kroaten besetzt) legte die Schlüssel ins Fenster und ging in die Kirche, da fanden sie die Soldaten; der Oberst legte nun selbst Soldaten auch in dies Thor,) solches, wenn Holzfuhren oder sonsten etwas davon kommen, zu eröffnen, denen dann auch Trinkgeld[69] gegeben worden.

(Zwangsmaßregelung gegen die säumigen Kontributionspflichtigen, die Brauer Verlust der Braugerechtigkeit,[70] Kothsitzer[71] des Bürgerrechts[72]). – Den 19. [29.1.1628; BW] hat der Oberst dem Rath anmelden lassen, daß sie zum (Oberst) Becker etliche absenden sollten, damit ihm die Quartiere erweitert würden, darauf U. g. H. Graf Heinrich Ernst mit dem Stadtschreiber hinüber geritten, aber nichts ausgerichte. – Den 2. Sonntag nach Epipan.[73] Ist Ordonnanz vom Grafen von Merode kommen an Rittmeister Nicolaus Brummer und Hermanstein, dass sie alsbald aufziehen sollten. Hat der Adjudant seine Zehrungskosten (bei 90 Thlr.) vom Rath bezahlt haben wollen, und sie zogen, ohne ihren Zweck zu erreichen, ab). Den 23. Jan. [2.2.1628; BW] den Sechsmann, Ausschuß und allen Rottmeistern zu Rathhause in Gegenwart U. g. H. Graf Heinrich Ernst angezeigt, dass Ihr Gn. und der Stadtschreiber beim Becker nichts ausgerichtet, und der Oberst noch diese Woche die 850 Thlr. vor voll haben will, und I. Gn., wie auch der Probst[74] zu Wasserleer,[75] Herr Heinrich Metternicht (ein eingedrungener Katholik) gebeten, ein Collect[76] beim Hrn. Obersten um Linderung einzulegen, im Fall aber, wenn nichts zu erlangen, ob die Bürger die Kontribution einbringen könnten ? Antwort, sie wollten diese Woche noch geben so viel sie könnten, jedoch daß die Kontribution gelindert würde, und die Reiter beim Burgthor und Rimkethor mögten hinausgelegt werden. (Der Oberst wollte aber jetzt nicht bloß die 850 Thlr. für diese Woche, sondern auch 100 von voriger und 450 Thlr. welche er auf 1 Monat gestundet, in Summe 1400 Thlr. jetzt gleich haben, und künftig alle Woche 850 Thlr.) wofern solches nicht geschehen sollte, wollte er den Rath wieder in die gefängliche Haft legen, wollte auch aus der Rathsherrn Häuser sich bezahlt machen, wenn er so viel nicht darin finden würde, wollte er’s aus andern Bürgerhäusern nehmen lassen, und die Kompagnien wieder hereinbringen. Folgendes Tages wurden alle Rottmeister wieder zu Rathhause gefordert und ihnen des Obristen Meinung vorgehalten, worauf von den meisten dieser Bericht einkam, daß es uns möglich, so viel aufzubringen und wenn es schon einmal geschehe, und könnte hiernächst nicht folgen, so wäre es ja so neu; derwegen kommen die Reiter wieder herein, das mögte er thun, wenn’s alle wäre, so müssten sie aufhören. Welche Antwort Vielen, auch U. g. H. mißfiele. Darauf I. G. Graf Heinrich Ernst und der Propst zu Wasserleer, Herr Heinrich Metternicht gebeten worden, zum Herrn Oberst zu gehen, und um Linderung und darum zu bitten, daß den ordentlichen Bezahlern der Kontribution keine Reiter einlogirt würden. Sie sind hingegangen, aber nicht vorkommen können. Darauf der Oberst sie fordern lassen, ist der Stadtschreiber und Posewitz[77] hingangen, haben diese Antwort wiederbracht, daß er 1. keine Linderung geben könnte, es würden ihm denn seine Quartiere erweitert; 2. wollte er mit den 1400 Thlr. bis Ende Februar gegen eine Obligation[78] zufrieden sein; 3. wegen der Reiter willigte er ein. Darauf die Sechsmann Ausschuß, Rottmeister, 2 oder 3 Bürger aus jedem Rott, zu Rathhause fordern lassen: ob sie weiter kontribuiren wollten, oder aber die Reiter und andere Ungelegenheit, womit der Oberst drohet, gewärtig sein wollten. Denn [Denen ?; BW] die nicht kontribuiren wollten, denen sollten Reiter einlogirt werden. Worauf sie antworteten, sie wollten zwar lieber geben, jedoch so viel ihr Vermögen wäre. Ist den Rottmeistern anbefohlen worden, anzuzeigen, wer ferner kontribuliren, der sollte zu Rathhause erscheinen und, weil der Oberst 500 Thlr. wöchentlich fordert, sich einschreiben lassen, auch ihre Kontribution mitbringen. Sind auch alsobald Kontribution mitbringen. Sind auch alsobald Schatzherrn[79] verordnet, selbige aufzunehmen. G. Heinrich Ernst schrieb abermals an den Oberst David Becker, Freiherr von der Ehr. – Den 3. Sonntag nach Epiphan. Ist eine Kompagnie Reuter von den Dörfern in die Stadt wiederkommen, denen Billette auf diejenigen Bürger gegeben, so dem Obersten nicht kontribuiren wollen, oder die schuldig sind. (Aber es gab Verwirrung,) denn viele so bis der [bis her ? BW] richtig kontribuiret etliche Reiter bekommen. Diejenige aber, so sich haben einschreiben lassen, zur Kontribution der 500 Thlr. wöchentlich den Herrn Obersten, dieselben sind ausgenommen worden. –

Den 28. Jan. [7.2.1628; BW] ist vom Oberst Becker ein Fähnrich an den Oberst Hrastowasky geschickt, welcher Ordonnanz soll gebracht haben, etliche Reiter zu den erweiterten Quartieren abzuführen. – Den 29. [8.2.1628; BW] ist ein Leutnant mit einer Kompagnie Reiter gen Altenhausen[80] in die erweiterten Quartiere gerückt, ist der Oberst mitgefahren, (den 5. Febr. [15.2.1628; BW] zurück kommen.) – Den 7. Febr. [17.2.1628; BW] sind aber über 50 Reiter mit zwei um die Stangen gewickelte Kornette in die Stadt kommen, denen der Rath auf des Obersten Befehl haben Billette geben müssen. Weil aber die besten Quartiere dem Obersten zu seiner wöchentlichen Kontribution vorher ausgesetzt, und der Oberst sich im Geringsten nichts kürzen lassen, noch deren einen davon entbehren wollen, haben sie müssen dieselben in die noch übrigen armen Leute Häuser inlogiren, wodurch ein viel lamentiren worden, nichts desto weniger sie unterhalten müssen. – Den 11. [21.2.1628; BW] ist ein Kroat an den Galgen,[81] so auf dem Markt steht, gehängt worden; desgleichen sind 3 Soldaten-Jungen[82] um den Galgen gestreicht[83] worden, den einen aber das linke Ohr abgeschnitten.[84] Ingleichen soll einem Kroaten der Kopf abgehauen werden,[85] welcher einen Amtsschreiber im Fürstenthum Anhalt, soll erschossen haben, welcher aber um Gnade gebeten, und sich auf den Fürsten von Anhalt,[86] dessen Gnade er hoffte, berufen – – – ist wieder zum Profos[87] gebracht. – Den 26. Febr. [8.3.1628; BW] hat der Oberste in allen Rotten die Bürger, so ihm kontribuiren, zu Rathhause fordern lassen, und anzeigen, daß er keinen Hafer mehr hätte, seine Stuten auch bereits 4 Tage eitel Heu fressen müssen, derowegen wollte er von einem Kontributionen wöchentlich, über ihre Kontribution, 4 Mispel Hafern haben. Da ist ihnen (ihm) zu Gemüth geführt, daß ihm wöchentlich die schwere Kontribution geben, davon er Hafern kaufen könnte, und daß es den Bürgern viel zu schwer fallen würde. Antwort: das wenige Geld als 500 Thlr. wäre dem Obersten viel zu wenig,[88] sintemal er davon seine Küche halten müßte, und daß die Bürger sich beschwerten, hätten keinen Hafern; so wollte der Oberst umschauen lassen, und wo er Hafern finden würde, den wollte er wegnehmen lassen. – – Der Bürgermeister so zu Halberstadt wäre (Posewitz) hätte 15 oder 20 Wispel Hafer liegen. Er wollte durchaus Habern haben – – – endlich zufrieden, daß jeder Kontribuent ihm einen Scheffel über seine Kontribution bringen sollte. (119 Scheffel) Weil nun kein ander Mittel vorhandenen, wofern man ihm nicht wollen schauen lassen, alles was ein jeder noch hätte, boten wir ihm 100 Scheffel 8 Tage lang zu versuchen, womit der Oberst entlich content. (So viel Thaler einer Kontribution gebe, so viel Bierfaß[89] soll er bringen, oder Geld, den Scheffel zu 12 Mariengr.[90] Der Oberst hatte versprochen noch 4 Reiter auf jedes Dorf zu legen, aber bald zog er zurück) er könnte kein Dorf mit Reitern mehr und sehr beschweren, sintemal die Dörfer ihm wöchentlich an Kälbern und allen andern Sachen, was er von Nöthen, hereinschaffen müßten, neben ihrer gesetzten Kontribution.

Die Nacht vom 21 bis 22. Febr. [1.-2.3.1628; BW] sind 3 Pferde, so von den Sommerschenburg[91] hier dem Obersten zu Kauf gebracht, gestohlen worden, und durch die eingefallene Stadtmauer beim Rimkethor, so mit großen Blochen[92] wieder ergänzt, hindurch gezogen, indem die Bloche losgetrickelt.[93] Es ist der Schaalmeister[94] in der Neustadt die Nacht ausgetreten[95] mit seinen Kühen. Daher der Oberst den Rath des Nachmittags 3 Uhr aufm Rathhause in Arrest legen lassen, und sollen ihnen die Pferde wieder schaffen oder für jedes 100 Thlr. erlegen. Den 23. [3.3.1628; BW] ist U. g. H. Graf Heinrich Ernst zum Hrn. Oberst gegangen und ihnen sehr vorweißlich gehalten, daß er den Rath wegen der gestohlenen Pferde handfest gemacht[96] und arretiren lassen, ob denn eine Obrigkeit büßen sollte, was etwa ein Unterthan verbrochen hätte ? der Oberst aber sich daran nicht kehren wollen, sondern gesagt: der Rath hätte sollen die Stadt besser verwahren und er wollte die Pferde bezahlt haben. Derwegen I. G. ein Schreiben von General Friedland hervorgezogen, dasselbe dem Obersten aufm Tisch gelegt zu verreisen, (d. d. Prag 25. Jan. [4.2.; BW], dass er sich nur an den Grafen Wolf von Mansfeld[97] wenden mögte, der das Kommando hätte) und gesagt, daß derselbe von Mansfeld sein Blutsfreund wäre und wollte hin zu ihm und solche und dergleichen Insolentien ihm zu verstehen geben. Worauf der Oberst und Kapitain-Leutn. lauter[98] still geschwiegen. (Gegen Abend fanden sich die Pferde im Holz über Darlingerode.[99] Der Rath kam aber selbst  den folgenden Tag (24. Sonntag [4.3.1628; BW] noch nicht los. Der Oberst Hrastowasky mit seinen Offizieren, so er alle herein fordern lassen, stark Fastelabend[100] gehalten bei 3 und 4 Tage lang. Der Oberst dem Rath andeuten lassen, daß sie des Arrests noch nicht loskommen könnten, weil sie ihm aber die Schlüssel zu dem einen Thor, als Westernthor, vorbehalten und und nicht alsbald überliefert hätten; desgleichen, daß sie die Stadtmauern nicht besser gebauet und verwahrt hätten, damit man nicht über oder durch hätte kommen können. Den 28. [8.3.1628; BW] ist der Rath ihres Arrests wieder vom Obersten entlassen worden und ihnen weiter nichts gesagt.

Den 5. März [15.3.; BW] zu Rathhause den Sechsmännern und andern sämmtlichen des Obersten Kontribuenten angezeigt, daß der Oberste durch den Quartiermeister begehrt, zu seiner Küche wöchentlich an Speck, Fleisch, Butter und Käse, Kohl, Hühner und Eier, hierin aber die Kontribuenten nicht willigen wollen, und weil der Quartierm. nicht wieder erschienen, wie er zugesagt, unterdessen aber zwei Intercessionalien,[101] sowohl von U. g. H. Graf Wolf Georgen,[102] als Graf Heinrich Ernsten an den Obersten abgangen, hat man die Gedanken gehabt, als hätten solche etwas effektuiret. Den folgenden Tag der Quartierm. wieder gesagt, daß der Oberst  gewiß haben wollte von seinen von seinen Kontribuenten was er gefordert. Ja er wollte alles haben, was ihm zur Küche von Nöthen neben der Kontribution, ausgenommen den Wein. Der Oberst hat seine Kutscher und Fuhrknechte in etliche Bürgerhäuser gelegt, die dieselben speisen müssen, den Hafern aber der Oberst gegeben, denn etliche auch seine Pferde bekommen haben. Den 8. März [18.3.1628; BW] sind abermahl des Obersten Kontributionen zu Rathhause gefordert worden, do ihnen denn vorgelesen ist, dieses nachfolgende Memorial, so der Quartierm. des Obersten zu Rathhause gebracht:

Memorial was die Bürger wöchentlich kontribuiren und auf des Herrn Obersten Küchel schaffen sollen.

2 Rinder; 2 Kälber; 16 Hühner; 18 Lämmer; 1 Schwein, 4 indianische Hühner;[103] etliche Vogel; von allerlei Fisch; Weitz- und Rockenmehl; um ein Thaler Essig; 120 Eier; 100 Pf. Butter; 4 Pfd. Reis; 6 Pf. Pflaumen; 2 Pf. Pfeffer, 2 Pf. Ingwer; 2 Pfund Näglein;[104] (Nelken) ½ Pf. Muskatblumen; ¼ Pf. Saffran,[105] 174 gestossenen Zimmt; 2 Pf. kleine und große Rosinen; 24 eingemachte Citronen, 2 Pf. Honig; ½ Thlr. Zwiebeln; ½ Thlr. Petersilie; ½ Thlr. Meerrettig, ½ Thlr. Rettigrüben; ½ Schefl. Salz; 12 Pf. Stockfisch; 1 Schock Plastießen (Plateiße, Schollen);[106] 120 Heringe; 2 Pf. Kapern; 2 Pf. Oliven; 4 Pf. Baumöhl;[107] Saurenkohl; 2 Hut Zucker; 4 Pf. Hirschbrun (Horn ?);[108] ein Fäßlein Neunaugen;[109] 2 Seiten Speck; 4 Faß Bier; 14 Thlr. weiß und schwarz Brodt; 6 Schinken; allerlei Konfekt, jedes 3 Pf.; ein Käse.

Do diese Specification den Kontribution [Kontribuenten; BW.] vorgelesen, so auch ohne das darzureichen unmöglich, ist geschlossen worden, eine Supplication[110] an den Herrn Obersten abgehen zu lassen, in Latein vertiert[111] und ist dieselbe den 11. März [21.3.1628; BW] übergeben von mir, u. s. w. (Unter andern wird darin gesagt: Ob nun zwarten wie [wir ? BW] allerwegen zu Kaiserlichen Diensten alles dasjenige gerne gethan, und verrichtet, was von uns begehret, so können wir aber nicht verhalten, weß maßen wir arme Leute nunmehr durch das beschwerliche Kriegswesen, so nunmehr ins dritte Jahr gewähret und uns kontinuirlich auf dem Halse gelegen, ganz erschöpfet, ausgezehrt und ausgemergelt, also daß ein gut Theil Bürger von wegen Grämniß[112] verstorben, theils aber, so fast mehr nicht, als das zeitliche Leben übrig, ganz an den Bettelstab gerathen, von Haus und Hof mit Weib und Kindern sich wegbegeben, und des Bettelns ernähren müssen. Wir übrigen, bevorab diejenigen, I. G. kontribuiren, befinden das unsrige auch, daß wir hin und wieder geborget haben, und nichts mehr zu Borge bekommen können, sintemahl unser Credit, weil wir nicht haben zahlen können, verloschen, auch alles dasjenige, so wir an Butter und Käse von unserm Vieh, so noch übrig, und unsere Lebens Aufenthalt sein soll, zu Gelde machen und was uns sonst lieb und viel gekostet, als Kleider, Hausgeräth und dergleichen, um ein Liederliches hingeben müssen, damit die Kontribution wöchentlich eingebracht werden könne. – – So befinden sich auch eine ziemliche Inäqualität,[113] indem auf dem Lande von stattlichen freien und adelichen Rittergütern kaum bei 1, 2, 3, oder weniger Thaler gegeben werden. Hingegen sollen und müssen wir arme Leute, so allbreit alles das Unsrige zu- und eingebüßt, bei 6, 7 und mehr Thaler wöchentlich abstatten – – Bitten derhalben in Unterthänigkeit und um Gotteswillen; I. G. wollen diesen unser sehr elenden, betrübten Zustand gnädiglich ponderiren,[114] ein mitleidendes Herz mit uns haben und tragen, so wird Gott solches wieder belohnen, wie denn der Herr Christus selber saget Matth. 5, V. 7: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen, und Sprüche 19, V. 17. Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn, der wird ihm wieder Gutes vergelten. Nun aber haben wir gehöret, dass I. G. ein sonderlicher Patron[115] der Armen und Bedrängten sein solle und denselben viel Gutthat beweisen; Ei so zweifeln wir auch nicht, I. G. werden solches an uns hochbedrängten armen Leuten auch wahr machen – – – und thun E. G. samt der ganzen Soldatesca zum allem glücklichen Succeß[116] der Obacht Gottes, uns aber derselbigen beharrlichen Favor[117] und Gnaden getreulich empfehlen.) Darauf diese lateinisch übergebene Supplication beim Herrn Obersten um Antwort – angehalten worden, daneben berichtet, daß dieselben Bürger, lange aufgewartet[118] und geharret, und nun, weil I. G. sich zur Ruhe niedergelegt, wieder weggegangen wären, hat er zur Antwort geben: Laß sie harren. Den 10. [20.3.1628; BW] ist der Bothe, so mit U. g. H. Schreiben an den jetzo nunmehr deputirten[119] General Obersten[120] Graf Wolfen von Mansfeld den 27. Febr. [7.3.1628; BW] abgefertigt, worinnen gebeten: unser hieliegenden Obersten abmarschieren zu lassen, wiederkommen, berichtet, daß jenseits Schweinfurt,[121] da er nach Ulm[122] zu laufen vorhabens, sintemal die Mansfelder daselbst gewesen, er von des Leopoldt[123] Reitern angestrengt[124] worden, den Brief genommen, eröffnet und gelesen, und da sie den Inhalt vernommen, in Stücken gerissen, und den Bothen stranguliren wollen, welcher aber sein Leben noch endlich erbeten hat. Den 11. [21.3.1628; BW] U. g. H. Graf Heinrich Ernst mit dem Stadtschreiber nach dem Grafen Schlicken[125] als Kaiserl. Kommissarien und Oberst. Feldmarschall wie auch den Grafen Altringer, so beisammen sein sollen zu Magdeburg,[126] sich verfüget. Wie man vernommen, so soll I. G. nichts ausgerichtet haben, denn der Graf Schlick noch nicht angelanget, zu dem der Oberst Altringer[127] gen Gröningen[128] gezogen, daselbst U. g. H. sich auch hinbegeben, weil er keine bequeme Herberge (wie es heißt) haben können, sich wieder nach Halberstadt verfüget. Den andern Tag ist unser Oberst auch dahin zum Altringer gefordert, I. G. aber zu spät kommen, do also fort ein Bothe dem Oberst Altringer nachgesandt worden, welcher Bothe neben I. G. Schreiben, auch zugleich Briefe von der Clerisel[129] allhier und derselben vom General mitgetheilten Salvagarden, wie auch unsern Obersten übergebene Spezifikation zur Küchel, wie obstehet, im Orig. dem Oberst Altringer überbracht hat, in welcher Clerisei Supplication ausdrücklich gesetzt, daß der Oberst Hrastowasky von den Priestern allhie eins für alles 100 Thlr. fordert und haben wolle zur Unterhaltung des Paters,[130] wo nicht, so soll ein jeder 3 Pferde und Soldaten auf ihren Pfarren unterhalten. Unterm 25. März [4.4.1628; BW] antwortete Altringer von Kalbe[131] aus: daß sich sobald eine Occassion präsentiren würde, dass alsdann die Stadt Wernigerode des bisher getragenen Lasts entledigt werden solle, der Oberhauptmann Becker habe es versprochen, an diesen solle man sich nur wenden: ‚Was des Oberst Hrastowasky so wohl von Geist- als weltlichen beschwerliche Prätension[132] anbelangt, ihm, Hern. Oberst, deswegen die Nothdurft zuzuschrieben, verhoffe, er werde dergleichen hinführo unterwegens lassen etc’.

Den 21. [31.3.; BW] dem Oberst 350 Thlr., auf bis 700 Thlr., so die Bürgerschaft ihm restirt,[133] abgegeben und überbracht, daneben eine lateinische Supplikation übergeben, desgleichen E. E. Rath die Klageschreiben und Intercessionales U. g. H. an den Altringer abgangen, ein Original mit dem Gelde in den Korb gelegt (wahrscheinlich, es ist sonst kein Zusammenhang in der Sache, hatte Altringer sein eben erwähntes Schreiben dem Magistrat zur Selbstbestellung mitgetheilt, und diesen die sämmtlichen Beschwerden in Original beigeschlossen), do sie der Oberst sahe, er sehr ungehalten ward, schalt und schmähete zugleich auf U. g. H. und den Rath, die Priester hieß er seductores (Hintergeher) weil ihre Supplikation dabei lag und sagt: sie sollten gleich wohl geben, oder Pferde unterhalten; desgleichen, so sollten wir auch reichen, was zur Küche auszeichnet, und solches gedoppelt; ingleichen für die 100 Schefl. Hafern sollten wir wöchentlich 6 Wispel liefern auch von der Zeit her, do er herkommen wäre; (dafür) daß man supplicirt die Reiter anderweit abzuführen, wollte und weil der Stadtschreiber I. G. Intercessionales mit seiner eigenen Hand geschrieben, hat er sich hören lassen, denselben auf Ungrisch zu prügeln.[134]

Auf diese übergebene Supplikation (weil, wie obstehet, die Klageschreiben sind mit überbracht worden) ist keine Erklärung erfolgt, auch nichts erhalten können, ob er schon dieselbe zu zweien und mahlen wieder in die Hand genommen und gesetzt hat. Den 28. März [7.3.1628; BW] hat der Quartiermeister auf Befehl des Obersten etlichen Kroaten Billette gegeben auf die Priester Häuser, daß sie dieselben mit ihren Pferden unterhalten sollen, weil aber der Herr Kaplan[135] die Thür nicht öffnen und sie einnehmen wollen, haben sie ihm die Thür mit Gewalt aufgelaufen.[136] Weil aber gegen den Obristen die Priester sich sehr beklagt haben, als haben sie sich erboten, mit dem Pater zu accordiren und demselben 30 Thlr. eins für alles zugesagt und gegeben. Damit sind die Priester losgesprochen worden. (Ein Brief des General-Feldmarschall Heinrich Schlick Graf zu Passau[137] d. d. Mühlingen[138] 9. April. versprach alle Unterstützung – nur müsse er sogleich nach Prag zum Kaiser.)“.[139]

Ein Teil seiner Kroaten war zu dieser Zeit auch im Herzogtum Braunschweig aufgetaucht. Schöningen,[140] der Witwensitz der Clara von Braunschweig-Lüneburg-Celle,[141] hatte 1628 auf Befehl Friedrich Ulrichs von Braunschweig-Lüneburg 350 Rt. aufbringen müssen, um sich von der Einquartierung der Kroaten Hrastowackys freizukaufen. 14 Tage lang blockierten sie Schöningen bis zum 10.4.1628, bis sie auf Befehl Johanns II. von Mérode-Waroux wieder abziehen mussten.[142]

„Den 8. April [18.4.1628; BW] haben wir – – diese lateinische Supplikation selber den Obersten insinuirt. Do wir (sie) dem Herrn Obersten übergaben in seine Hände fragte er, was dieß wäre ? Antwort: Es wäre ein Supplikation-Schreiben. Fragt er weiter, was wir denn supplicirten ? Erleichterung der schweren Kontribution. Er weiter: Was vor neue Kontribution ? die wir armen Bürger und verlaßenen Wittwen I. G. wöchentlich geben müßten, als 500 Thlr.; antwortete er: es wären nur 400 Thlr., die wir geben. Wir aber sagten, daß wir 500 Thlr. geben, welche er aber nicht gestehen wollte. Solange er weiter; was wir denn vermeinten und bäten ? Wir bitten Erlassung der schweren Kontribution, die uns also ferner aufzubringen unmöglich, alldieweil wir fast alle das Unsrige auf Kaiserliche Armee verwendet haben. Darauf gab er zur Antwort: Was gebt ihr mir denn ? Ihr gebt mir kein Brodt, kein Bier, keinen Wein auch nichts zur Küchel, ihr sollt mir noch mehr geben, ging damit in die Stube. Ob ich ihm nun zwar wohl wohl nachfolgete in die Stuben, und anhielte um Linderung der Kontribution, war doch nichts bei ihm zu erhalten und kamen unterdessen seine Offiziere, daß sie das Mittagsmahl mit ihm halten wollten, mit denen er Gespräch hielt und hatten wir also unsern Bescheid. – (Hier scheint mehrers nicht bemerkt zu sein.) Den 16. Mai der Oberst um den Rest von 350 Thlr. und den hinterstelligen Hafern angehalten, damit, wenn er heute oder Morgen Ordonannz bekame, ihm nicht Ursache geben würde, sich bezahlt zu machen an dem was er finden würde. (Es sei kein Geld zu erhalten, wie denn noch jetzo Rathspersonen nach Quedlinburg[143] dieserwegen ablegiert;[144] als wird gesagt: Wie und auf was Weise das Gelde aufzubringen ? es kam aber zu keinem Resultat.)

[Am 31.5.1628 wurden 3 Kompanien Hrastowackys in Saalfeld[145] einquartiert;[146] BW]

Den 23. Mai [2.6.1628; BW] eine Supplikation um Erleichterung der Kontribution dem Herrn Oberst übergeben wollen, aber nicht vorkommen können. Sonntag Exaudi[147] dem Herrn Obersten 187 Rthlr. an Dukaten,[148] Rosenobeln[149] und Reichsthalern auf den Rest der 350 Thlr. abgegeben, das geblieben 163 Thlr., weil er die Cruciaten[150] für 36 Ggr. Item eine Supplikation daneben überbracht, darin um Erleichterung der Kontribution gebeten. Darauf er zur Antwort geben lassen, er könnte nicht alle 8 Tage 100 Thlr. erlassen, er würde sonst zuletzt nichts behalten. Item der Oberst wollte keine Pfennige in der Kontribution mehr annehmen, besondern eitel Gold, Reichsthaler und Silbergeld. Den 6. Jun. [16.6.1628; BW] ist dem Rath proponirt[151] worden beim Obersten um Erleichterung der Kontribution anzuhalten, denn es der Bürgerschaft bei solcher Kontinuirung viel zu schwer wäre, wenn. Antwort: daß U. g. H. Graf Heinrich Ernst vom Oberst etliche mal wäre ersucht worden, es wolle I. G. herein zu ihm kommen, und Kundschaft mit ihm halten; als hätte ihr Gnaden geschrieben, als Morgen hereinzukommen, so könnte wohl eine Supplikation übergeben werden. Den 7. deß. [17.6.1628; BW] ist der Wachtmeister – – wieder aus Kroatenland[152] kommen und neugeworbenem Volk (bei anderthalb hundert wie es heißt) mitgebracht, wie denn ein Kaiserl. Kommissarius aus Prag, so ihnen ist adjungiret[153] worden, mitkommen. Graf Heinrich Ernst habe nicht zum Obersten gehen wollen, darum, dass etliche Offiziere wegen des neuankommenden Volkes beim Obersten gewesen, da es denn auf ein Saufen auslaufen würde, sondern ist wieder hinausgeritten.

Den 13. Junius [23.6.1628; BW]. Den hereinkommenen Propst von Wasserleer Heinrich von Metternicht um Rath gebeten, der für rathsam erklärt, man sollte eine Supplikation an den Herrn Obersten übergeben; welches auch also geschehen. Do der Oberste diese gelesen, hat er den Propst zur Antwort gegeben, er wollte auf Mittel bedacht sein, wie die Kontribution könnte gelindert werden. Den 14. deß. [24.6.1628; BW] ist der Oberst mit seinen Offizieren nach Sommerschenburg, daselbst er auch sein Quartier hat, und ihm kontribuiren müssen, gereiset, und ist der Kaiserl. Kommissarius, so mit dem neugeworbenen Volk von Prag hierkommen, mit weggezogen, und also fort nach Prag. Item ist keine Verehrung[154] gegeben, ohne[155] 2 Ries[156] Papiere, so er nit mitgenommen, weil er die begehrten Pferde nicht bekommen, worüber er denn sehr ungeduldig worden. Den 21. [1.7.1628; BW] deß. bei dem Oberst (weil er gestern Abend wieder von der Sommerschenburg angelangt) – – um Erleichterung der Kontribution angehalten. Gab er und [uns ? BW] diese mündliche Antwort: er könnte von der Kontribution (welche sich nur auf 300 Thlr. erstreckte) nichts finden lassen, denn er müßte alles davon kaufen, was er zu seinem Unterhalt von Nöthen, ging damit nach dem Hofe und ließ uns stehen, denn er uns mit rauen Worten anfuhr, und nicht weiter hören wollte, denn wir ihm geantwortet hatten, daß wir wöchentlich 400 Thaler geben müssten. (Aber bei 80 Thlr. soll er hiervorn seinen Offizieren reichen.) – Den 23. deß. [3.7.1628; BW] ist der Korporal[157] allhie aufm Schlosse in der Garnison liegend durch Ordonnanz vom Oberst Becker gen Halberstadt gefordert worden, und ein Gefreiter[158] neben 3 Knechten[159] in der Garnison verblieben. (Man wollte den Obersten Becker um Rath fragen, wie mans machen sollte.) denn die Bürgerschaft könnte solche schwere Kontribution länger nicht mehr aufbringen, daher ein Bürger nach dem andern beginnt auszutreten, seine Behausung stehen ließe, und davon ginge. (Ein Marketender[160] wollte anfangen zu brauen.) Den 28. [8.7.1628; BW] sind 600 Musketier aus Halberstadt durch den Oberst Becker geführt worden, so nach Stralsund[161] – – der Ob. Becker ist aber wieder gen Halberstadt kommen. Den 7. Julius [17.7.1628; BW] ist des Ob. Becker Quartiermeister hiekommen, dem Oberst vom General Ordonnanz überschickt, daß er ausziehen sollte mit seinen Kroaten, wenn der Oberst Isolan dieser Oerter marschiren würde.

[Am 22.7.1628 hatte Wallenstein aus Stralsund Hrastowacky das Ausreiten seiner Kroaten untersagt.[162]

Den 8. Juli. [28.7.1628; BW] Ist der Quartiermeister aufs Rathhaus kommen, ihnen wegen des Oberst Hrastowasky angezeigt, daß er Ordonnanz bekommen hätte und marschiren sollte, derwegen begehrt der Oberst 1. seinen Rest 163 Thlr.; 2. eine doppelt Kontribution, denn sie in acht Tagen aufbrechen würden und solches wäre Kriegsgebrauch; 3. so wollte er 50 Wagen und Pferde davor, als gehörten, haben darauf er sein Getraide an Hafern und andern fortbringen könnte; 4. begehrt er Salz, Essig, Speck, Waitzenmehl, Butter, so viel ihm zum Marsch von Nöthen; so wäre 5. zu Harsrode[163] eine Mahlmühle, so nichts kontribuirt hätte, dafür gebührt ihm billig[164] etwas; 6. es wären etliche aus ihren Häusern gelaufen, so unter des Obersten Kontribution wären, und nichts abgeben, dasselbe sollten die Herren (der Rath) erlegen; 7. so würde je und allwege der Gebrauch gehalten, wenn ein Marsch durch ordentliche ordonnanz einem Rathe angekündigt würde, so gebührt ihm ein Trinkgeld, welches er sich zu den Herren auch versehen thäte. (200 Pferde wären jetzt in der Grafschaft nicht zu finden. ) – Den 9. Jul. [19.7.1628; BW] Ist der Oberst Isolan mit etlichen Kornetten in Sillstedt,[165] Minsleben,[166] Langeln,[167] und Wasserleer kommen, und Nachtlager genommen. (Ein Pater Jodocus zu Halberstadt, der beim Oberst wohl gelitten, sollte Erlaß an den eben bemerkten Forderungen verschaffen, wogegen man ihm Dielen[168] versprach, – aber er richtete nichts aus.)

Den 12. Juli. [22.7.1628; BW] Der Oberst blieb bei schleuniger Bezahlung des Restes (den er auf 200 Thlr. angab), einer doppelten Kontribution, weil’s Kriegsbrauch beharren, oder wollte dieselbe von den Reitern verzehren lassen. So wollte er auch einen Revers[169] haben, daß er dasjenige, so der Quartiermeister zu I. G. Küchel gefordert, und (dessen Specification Herrn Altringer überschickt, nicht benommen hätte. (Die Exekution[170] folgte auf der Stelle.) Nachmittags um 5 Uhr sind 2 Kornett Reiter unter unsers Obersten Kommando in die Stadt unter I. G. Kontribuenten einquartiert worden, welche so einen groben Muthwillen, Ueppigkeit und Verprassen getrieben, daß es nicht zu sagen. Sintemal man ihnen nur hat geben und schaffen müssen, was sie begehrt und haben wollen, und wenn mans im Vermögen nicht gehabt, haben sie die Bürger, sowohl auch die Wittwen zu schlagen, und auch wohl auszujagt und hat Niemand klagen dürfen, alldieweil keine Errettung vorhanden, sintemahlen der Oberst nicht hören wollen, weil er fort gemusst und gerne länger allhie verbleiben wollen, wenn er nur gedurft. Denn er in dieser Woche mehr als 3 Ordonnanzen bekommen, daß ihm ander Quartier assignirt[171] worden, denoch nicht fort gewollt. Unterdessen die Soldaten tapfer dominirt[172] bis auf den 14. Jul., da sich der Oberst zum Aufbruch gerüstet und um 10 Uhr Morgens anspannen lassen vor seine Bagagewagen.[173] Weil ihm aber zur Abführung seines vielen Hafern Säcke gemangelt, ist von jedem Brauhause Weil ihm aber zur Abführung seines vielen Hafern Säcke gemangelt, ist von jedem Brauhause ein Sack gesammelt worden. Da ihm noch Pferde gemangelt, hat er noch 12 Pferde haben wollen, da aber dieselbe nicht vorhanden, denn die Bürger ihre Pferde aus der Stadt gebracht, und nit bekommen können, hat er lassen wieder ausspannen, und jeden Soldaten lassen wieder in sein Quartier reiten, da sie dann ihre Wirthe über die Maaße zu spendiren getrieben. (Der Bürgermeister Posewitz hatte 10 Pferde wollte aber auch nicht eins, selbst gegen Bezahlung hergeben, sondern brachte sie erst auf das Vorwerk[174] und von da weiter.) Die Bürger haben in diesen höchsten ihren Nöthen so viel Pferde aufgespührt, daß der Oberst hat können damit fortkommen, auch der Rath einen Revers von sich geben müssen, darauf der Oberst Reiter zu Pferde blasen und wieder anspannen lassen, und nach 3 Uhren Nachmittags ausgezogen nach Seeburg[175] (im Mansfeldischen) daselbst er wieder Quartier bekommen, ohne 2 Kornetts so in Blankenburg sollen einquartirt[176] blieben sein“.[177]

Am 7.8. lag er in Hohnstedt,[178] am 17.8. mit 4 Kompanien in Bernburg.[179] An diesem Tag brach er mit 6 Kompanien wieder auf.[180]

„Den 8. Dez. [18.12.1628; BW] Der Oberst Hrastowasky schrieb an die Stadt um ein Testimonium,[181] daß er bei seinem Abzug den Vorspann erbeten, keine Pferde gewaltthätiger Weise genommen, noch solche zu entführen geboten habe; (der Ob. Becker hatte ihn deshalb beim Altringer verklagt.) Der Magistrat ließ sich aber nicht darauf ein, sondern erwiderte er habe schon an den Ob. Becker berichten müssen. Dies geschah aber erst in dem nämlichen Augenblick mit einem früher datierten Schreiben, worin der Magistrat das Ungemach während Hrastowaskys Anwesenheit schildert, dessen Inhalt als Nachtrag hier stehen mag. Die Summe, welche diese der Stadt gekostet, macht 29729 Thlr. 17 Gr., (darunter war: über dies sind auf die übrigen Bürger bei 150 Billette gegeben worden, so die Reiterei mit Essen und Trinken auch die Pferde mit Hafern, Heu und Streu unterhalten müssen, welches leichthin wöchentlich 500 Thlr. mag gekostet haben, thut in 24 Wochen 12000 Thlr.) ist doch nicht in Anschlag gebracht, was den Bürgern, bevorab aus dem Rath, des Obersten Gesinde zu unterhalten gekostet; Item, was durch die Reiter in unsern Häusern, als wir im Thurm gelegen, verzehrt, (worin sie weidlich bankettirt, hat von unsern Weibern nicht allein an Essen und Trinken alles vollauf hergegeben werden müssen, besondern auch aus der Apotheke Zucker und Konfekt, dazu an lieblicher Musik nicht ermangeln dürfen); und was auf die Offiziere, wenn sie zu vielen Mahlen in die Stadt kommen, und unsere Häuser einlogirt, verwendet: Item was sonst wöchentlich zur Küchen verschafft werden müssen; abermals ungerechnet, was das ganze Regiment, do es etzliche Tage (vor dem Aufbruch) ganz in der Stadt gelegen, gekostet. In Summa, wir sind bei solcher Einquartierung sämmtlich in armen Leuten geworden. Denn es hat ein jeglicher, was er auch unter 100 Schlösser gehabt, hergeben, Mancher seine Kleinodien, Trauringe, darnach kupferne, zinnerne, letztlich auch hölzerne Geräthe zu Gelde machen und kontribuiren müssen. Wir haben uns hin und wieder bei Städten um Geld beworben und geliehen – – wissen fast nunmehr kein Mittel, wodurch wir solche Summe wiederbezahlen können, daher wir dann – – glaublos werden und in große Verachtung gerathen. – – Unserer und unsrer Bürgerschaft Vorrath ganz aufgegangen, also daß nunmehr der halbe Theil der Brauer nicht mehr brauen, bei 300 Bürger nicht mehr kontribuiren, dazu an elende betrübte Wittwen und Waisen, mehr als bei 200 Personen vorhanden, und also ein geringer Rest übrig, von welchen die annoch kontinuirende Kontribution erpresst werden muß. – Der Obr. Becker verlangte auch die Berechnung, was die Dörfer auf den Ob. Hrastowsky und dessen Regiment gewendet, es betrug in Golde 6161 Thlr. und an Hafer 57 Wispel (686 Thlr.) mithin 6847 Thlr., mit den Summen der Stadt zusammen 36576 Thlr. 17 Ggr“.[182]

Am 22.7.1631 wurde das Regiment mit 1000 Reitern in Schlesien neu errichtet. Angeblich wurde er wegen seiner Vergehen des Kommandos entsetzt.[183] Er fiel 1633. Nach dem Tod Hrastowackys wurde sein Regiment am 30.4.1633 Jan Karel Přichovský z Přichovic übertragen.[184]

Sein Regiment wurde 1634 auf Empfehlung Aldringens von dem Obristleutnant des Regiments Isolano, Ludovico Pervast, genannt „Ludwig“, übernommen.[185]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[2] TADRA, Briefe 2. Teil, S. 435.

[3] Vgl. BALLAGÍ, Wallenstein’s kroatische Arkebusiere, S. 18. Freundlicher Hinweis von Herrn Uwe Volz.

[4] Wernigerode [LK Harz]; HHSD XI, S. 493ff.

[5] Beisitzer der Ratsherren. Als Kontrollorgan war die Einrichtung der „Sechsmänner“ in Wernigerode ins Leben gerufen worden. Sie waren ein Zugeständnis an die Forderungen der städtischen Mittel- und Unterschichten, der Unmäßigkeit des Patriziats einen Riegel vorzuschieben.

[6] 4. Stunde nachmittags.

[7] 3. Stunde nachmittags.

[8] Kornett: kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entspricht der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte bei den Sachsen ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann.

[9] Billett: meist in Übereinkunft mit Stadtbeauftragten ausgestellter Einquartierungszettel, der genau festhielt, was der „Wirt“ je nach Vermögen an Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) und gegebenenfalls Viehfutter zur Verfügung stellen musste, was stets Anlass zu Beschwerden gab. Ausgenommen waren in der Regel Kleriker, Apotheker, Ärzte, Gastwirte.

[10] Ein Ehrbarer Rat.

[11] ad referendum: zum Vortrag, zum Bericht.

[12] Kapitänleutnant: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristlieutenant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[13] Heinrich Ernst zu Stolberg, Graf [20.7.1593 – 4.4.1672] Stifter des älteren Hauptlinie des gräflichen Hauses Stolberg und ältester Sohn des Grafen Christoph zu Stolberg. Seit 1639 war er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Johann Martin zu Stolberg regierender Graf über die stolbergischen Besitzungen. Am 31. Mai 1645 teilten beide den Besitz. Heinrich Ernst erhielt die Grafschaft Wernigerode und den Hohnsteiner Forst. Er verlegte die Residenz von Wernigerode nach Ilsenburg. Am 2.5.1649 Heirat mit Gräfin Anna Elisabeth [getauft 6.8.1624-17.10.1668], die Tochter des Grafen Heinrich Volrad zu Stolberg, mit der er die beiden Söhne Ernst und Ludwig Christian hatte, die ihm nach seinem Tod auf Grund fehlender Primogeniturordnung in der Regierung folgten. ZEITFUCHS, Stolberg, S. 99.

[14] Halberstadt [LK Harz]; HHSD XI, S. 169ff.

[15] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. Der Hg. dankt Herrn Peter Nüchterlein für die Erlaubnis zum Abdruck der Textteile.

[16] dominieren: herrschen, beherrschen, Ausschreitungen begehen.

[17] Hornburg [LK Mansfeld-Südharz].

[18] aufsetzen: bestimmen, zuordnen, zuteilen.

[19] Ausschuss: gewählte Vertreter der Bürgerschaft.

[20] 1 Wispel Hafer = 24 Scheffel =  1320 kg.

[21] Eigentlich durfte nur der übliche Servis gefordert werden: die dem oder den einquartierten Soldaten zu gewährende Unterkunft und Verpflegung, festgelegt in den jeweiligen Verpflegungsordnungen. „Servis“ definiert sich als die Abgaben des Hauswirts an den/die einquartierten Soldaten an Holz, Licht und Liegestatt (Heu und Streu), oft kam noch Salz dazu; Kleidung, Ausrüstung etc., wurden verbotenerweise verlangt; Essen und Trinken fielen auch nicht darunter, wurden aber trotzdem eingefordert. Stattdessen konnte auch die sogenannte „Lehnung“ gegeben werden. Alle zehn Tage war diese Lehnung für die schwedischen Truppen zu entrichten, bei den unteren Chargen für Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den untersten Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. Im Oktober 1623 hatte Tillys Verpflegungsordnung für die Reiterei festgelegt: Rittmeister 4 Maß Wein, 20 Pfund Brot, 20 Maß Bier, 12 Pfund Fleisch, 2 Hennen und ein halbes Schaf. Ein reformierter Leutnant, Kornett oder Quartiermeister sollten 8 Maß Bier, 8 Pfund Brot und 4 Pfund Fleisch sowie ein Viertel von einem Schaf oder Kalb erhalten. Einem Jungen oder einem Weib standen 1 Pfund Fleisch, 2 Pfund Brot und 1 Maß Bier zu. BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 42. Dazu kamen für den gemeinen Soldaten in der Regel täglich 2 Pfund Brot (zu 8 Pfennig), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfennig) und 1 Kanne Einfachbier (2, 02 Liter zu 8 Pfennig). Statt Fleisch konnten auch Fisch, Butter oder Käse gegeben werden. Zwei Heringe entsprachen 1 Pfund Fleisch, eine Henne ersetzte 1, 5 Pfund Fleisch. Selbst diese Rationen wurden oft von den Offizieren noch unterschlagen. Der Erfurter Rat hält am 16.11.1641 die Klagen dreier gefangener Reiter des Regiments Hatzfeldt fest: „[Sie] berichteten [sie] wehren 5 tage von ihrem Regimente gewesen, undt nach einem Stücke brodts geritten, sie bekömen [sic] gantz nichts, wenn ihnen auch gleich Commiß[brot] zugesendet wehre, bekömen sie doch nichts: sondern die officirer behieltten solches alles vohr sich allein, [Sie] wussten auch nicht wo sie hin soltten, sie hetten deswegen von ihren officirern gantz nichts gehöret“. Zitiert bei BERG, Regulating war, S. 15; vgl. auch KUPER, S. 104. So der kaiserliche Feldmarschall Melchior von Hatzfeldt 1642: „Denn arm und hungrig zu sein, macht schlechte Curagi – wo nit anderes, davor uns der liebe Gott behüte“. ENGELBERT, Hessenkrieg II, S. 43. Die Verpflegung erforderte dennoch riesige Mengen an Schlachtvieh, zumal die Soldaten nur schieres Fleisch verlangten, keine Innereien oder Füße wollten, und der genießbare Fleischanteil z. B. bei Ochsen zwischen 25 u. 55 % je nach Fütterung lag. Von Oktober bis Dezember sollen kaiserliche Truppen im kaisertreuen Hessen-Darmstadt neben 30 000 Pferden 100.000 Kühe und 600.000 Schafe erbeutet haben; PARKER, Dreißigjähriger Krieg, S. 250. In Tillys Verpflegungsordnung von 1627 wie auch in den anderen Ordnungen dieser Art war dagegen der umsichtige Umgang mit Einwohnern ausdrücklich festgelegt. KLOPP, Tilly, S. 546. Zweimal täglich ein Gericht mit zwölf Gängen für einen Obristen war üblich. Vgl. die kaiserliche Einquartierungsordnung Melchior von Hatzfeldts für Westfalen (1636 III 09): „Wirt ebenmeßigh geklagtt, daß nicht allein die officierer, sondern auch die soldat(en) mitt ubermeßigem banquitier(en), sonderlich mitt verschwendungh vieler weins und geträncks den armen mahn gentzlich außlaugen, derenthalb(en) ein jeder und alle hiemit erinnert, das, was sie dergestalt uppich verzehr(en), ihnen an der contribution abgehe“. SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 127. Nach der schwedischen Kammerordnung, 1635 X 04 (Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem I – 34 -179 b) hatte Oxenstierna den Anspruch pro Monat und gemeinen Reiter auf 4 ½ Rt., 60 Pfd. Brot und 60 Feldmaß Bier festgelegt. Zu den ständig steigenden Preisen KROENER, Soldaten, S. 288.

[22] deliberieren: überlegen.

[23] In Kriegszeiten wurden die Bürger einer Stadt in Rotten eingeteilt (als „Rottgesellen“). Der Rat bestimmte zu jeder Rotte einen Rottmeister als Aufsicht. Er war zuständig für das Meldewesen und die Feuerwehr, hatte aber auch seine Rottgesellen bei Musterungen und „Aufwartungen“ ihrem Fähnlein geschlossen zuzuführen. Nach der Osnabrücker Wehrverfassung (1580) bildeten 13-18 Bürger eine Rotte, 4-6 Rotten eine Fahne, d. h. eine Fahne bestand aus 52-108 Mann.

[24] 1 Scheffel Hafer = 55 kg, hier insgesamt 19250 kg Hafer !

[25] Posewitz, Wilhelm; Bürger und Bürgermeister in Wernigerode [ – ].

[26] Hasenbanner aufgeworfen: das Banner, das der Hase trägt; der Schwanz, den er beim Fliehen in die Höhe reckt.

[27] procedieren: verfahren.

[28] Meineid: „das Delikt wird je nach Schwere mit Verstümmelungsstrafen von meist spiegelndem Charakter (Verlust bzw. Verletzung von Schwurhand, Schwurfinger oder Zunge) bestraft, aber auch Gefängnis oder Verbannung, meist einhergehend mit Ehrverlust, eingeschränkter Amts-, Zeugnis- und auch Verfügungsfähigkeit, und sogar die Todesstrafe können verhängt werden; der Meineidige wird häufig zur Wiedergutmachung des angerichteten Schadens verpflichtet“. [nach DRW, online verfügbar unter: drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw]

[29] Konsul: Bürgermeister.

[30] Steckenknecht: Gerichtsdiener, Büttel. Die verachteten Steckenknechte beim Militär waren dem Profos untergeordnet; sie überwachten und verhafteten verdächtige Söldner, sorgten zudem mit den Trossweibern für die Latrinenreinigung. Aus dem Kreis der Steckenknechte wurde der „Stockmeister“ gewählt, der die Gefangenen verwahrte. Teilweise wurden 13- bis 14jährige als Steckenknechte angenommen;  Straffällig gewordene Soldaten wurden zu Steckenknechten degradiert. Schwerverbrecher konnten begnadigt werden, wenn sie als Steckenknechte dienten. Üblich waren beim Stab 12 Rt. Sold im Monat (GALLETTI, Geschichte, S. 301), was etwa einem Einkommen von 9 Monatslöhnen eines bäuerlichen Dienstboten entsprach. Vgl. auch DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 26ff.

[31] ad carcerem: ins Gefängnis, in Haft.

[32] Karzer: Gefängnis, mit geändertem Geschlecht nach lat. carcer neben Kerker im Gebrauch besonders des Schul- und Universitätslebens.

[33] Gemeint ist der Dullenturm, 1967 als Verkehrshindernis abgerissen. Im Westerntorturm befand sich der so genannte „Bürgergehorsam“, eine zweifenstrige Arreststube, in der Bürger wegen leichter Vergehen ihre Strafe absaßen. [hausgeschichte-wernigerode.de]

[34] auswickeln: aus dem Netz, der Schlinge lösen.

[35] Halberstadt [LK Harz]; HHSD XI, S. 169ff. Vgl. BOETTCHER, Halberstadt im 30jährigen Kriege, S. 81-103, 161-196.

[36] notifizieren: mitteilen.

[37] Rottmeister: Anführer einer Rotte: In Kriegszeiten wurden die Bürger einer Stadt in Rotten eingeteilt (als „Rottgesellen“). Der Rat bestimmte zu jeder Rotte einen Rottmeister als Aufsicht. Er war zuständig für das Meldewesen und die Feuerwehr, hatte aber auch seine Rottgesellen bei Musterungen und „Aufwartungen“ ihrem Fähnlein geschlossen zuzuführen. Nach der Osnabrücker Wehrverfassung (1580) z. B. bildeten 13-18 Bürger eine Rotte, 4-6 Rotten eine Fahne, d. h. eine Fahne bestand aus 52-108 Mann.

[38] Reise: anderer Begriff für Rotte ?

[39] Wahrscheinlich Druckfehler: Staub im Sinne von Schmutz, vermoderter Unrat.

[40] 12 Uhr mittags.

[41] Petri, Julius [ – ] Stadtschreiber in Wernigerode: Die Akten des Stadtrates führender Amtsträger, der die gesamten Schreibgeschäfte des Stadtrats besorgte, z. T. der einzige rechtskundige Beamte, der manchmal auch die Funktion eines Amtsschreibers übernahm. Er verdiente je nach Ausbildung und Stadt bis zu 200 fl. pro Jahr.

[42] ante meridiem: vormittags.

[43] Christoph II. von Stolberg-Wernigerode; Graf [1.12.1567 – 21.11.1638] verheiratet mit Hedwig von Reinstein und Blankenburg [20.11.1572-20.11.1634]. 1593 wurde der Titel „Graf von Stolberg, Königstein, Rochefort, Wernigerode und Honstein, Herr zu Eppstein, Münzenberg, Breuberg, Agimont, Lohra und Klettenberg“ vom Kaiser bestätigt. 1631 erlischt bereits in der dritten Gene-ration die Harzlinie wieder. Christoph II. aus der Rheinlinie vereinigt daher fast die gesamten Besitzungen wieder in einer Hand. 1645/57: Erneute Teilung der Besitzungen unter den beiden Söhnen des Grafen Christoph II.: Heinrich Ernst begründet die ältere Hauptlinie und übernimmt Wernigerode, Gedern und Schwarza. Johann Martin stiftet die Jüngere Hauptlinie mit den Besitzungen in der Grafschaft Stolberg und Herrschaft Ortenberg. Vgl. BRÜCKNER, Grafen zu Stolberg; ZEITFUCHS, Stolberg, S. 95ff.

[44] überlaufen: belästigen, bedrängen.

[45] Wahl des Erzherzogs Leopold Wilhelm zum Bischof v. Halberstadt. Vgl. OPEL, Die Wahl des Erzherzogs Leopold Wilhelm; SCHRADER, Der Katholizismus im Bistum Halberstadt, S. 267-301, hier S. 282-301.

[46] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.

[47] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[48] die natali: Geburtstag (des Herrn).

[49] Stütze: Beistand, Hilfe, Unterstützung.

[50] sed nil impetratum: aber es wurde nichts erreicht.

[51] stipulatu manu: mit Handgelöbnis, Schwur, Eid.

[52] quoad possibile: inwieweit möglich.

[53] 1 Wispel Hafer = 24 Scheffel =  1320 kg.

[54] Notar: Urkundner, kein ausschließlicher Beruf, d. h. zum Teil als Nebentätigkeit ausgeübt, (öffentlicher) Beamter zur Beglaubigung von Urkunden.

[55] Colloredo-Waldsee, Rudolf Graf, Feldmarschall [2.11.1585 – 24.2.1657].

[56] Stolberg [LK Harz]; HHSD XI, S. 453ff.

[57] Nöschenrode, heute Ortsteil von Wernigerode (Eingemeindung: 1929).

[58] distrahieren: verkaufen.

[59] convoi gegeben: begleiten, (durch Begleitzug) schützen.

[60] Molestien: Beschwerungen, Belästigungen.

[61] auslegen: umquartieren.

[62] Wasserleben, Langeln, Drübeck, Minsleben, Silstedt, Nöschenrode, Altenrode, Darlingerode, Ilsenburg und Veckenstedt.

[63] Christi Beschneidung: 1. Januar.

[64] Fuder: entsprach etwa 1,9 Kubikmeter.

[65] Veltheim: „Die Familie von Veltheim war ein edelfreies, vermutlich aus Schwaben stammendes Geschlecht, welches im Herzogtum Sachsen ansässig war und zwischen 1157 und 1238 als Grafen von Osterburg und Altenhausen in Erscheinung trat. Daneben gab es das 1141 erstmals genannte uradlige Ministerialengeschlecht von Veltheim, das vermutlich nicht von den Edelherren und Grafen von Veltheim beziehungsweise Osterburg abstammte, heute jedoch noch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ansässig ist“. [Weitere Informationen unter wikipedia: „Veltheim (Adelsgeschlecht)“]

[66] Braunkohl: besser bekannt als Grünkohl.

[67] Stockfisch: durch Trocknung haltbar gemachter Fisch, vor allem Kabeljau (Dorsch), auch Seelachs, Schellfisch, Plötze und Leng. Stockfisch war eine beliebte Fastenspeise und diente der massenhaften Versorgung von Soldatenheeren.

[68] Scholle: Die Scholle oder der Goldbutt (Pleuronectes platessa) gehört zur Ordnung der Plattfische (Pleuronectiformes) und zur Familie der Schollen. Der Name wurde erst im 16. Jahrhundert geprägt, im Gegensatz zu Scholle (Grund), gefangen im Ostsee- und Nordseebereich.

[69] Der Begriff „Trinkgeld“ ist irreführend, teilweise wurden hier je nach Ladung 1-2 Rt. erpresst.

[70] Braugerechtigkeit: Seit dem 13. Jahrhundert ging das Braurecht großenteils an die Städte über. Das Braurecht war an ein Grundstück oder ein Haus, den Bierhof, gekoppelt. „Das bedeutet, die Berechtigung Bier zu brauen war nicht an eine Person son-dern an ein Grundstück gebunden, sogenanntes Realrecht. Dadurch bekam das Grundstück einen hohen Wert. Die Zahl der Bierhöfe war in den meisten Städten begrenzt, so dass ihren Inhabern das Bierbrauen sichere und nicht selten hohe Einkünfte bescherte. Dafür sorgten auch die städtischen Bierordnungen, die eine gegenseitige Konkurrenz des Bierhöfe untereinander weitgehend ausschlossen. Dort war nämlich für das ganze Jahr festgelegt, welcher Bierhof wann wie viele Biere brauen durfte. Ein Bier bedeutete dabei eine größere Menge, in der Regel mehrere große Fässer. Häufig lagen auf den Bierhöfen einer Stadt unterschiedliche Braurechte, das heißt es gab welche mit vier, acht, zwölf oder mehr Bieren. Die Bierhöfe waren zumeist nicht die eigentliche Braustätte. Viele Kommunen hatten gemeinschaftliche Sud- und Malzhäuser, sogenannte Kommunbrauhäuser. Auch die in der Anschaffung teure Braupfanne gehörte der Stadt. In vielen Städten gehörten die Besitzer der Bierhöfe zu den städtischen Oberschichten. Immer waren sie voll berechtigte Bürger, nicht selten gehörten sie sogar zu den ratsfähigen Geschlechtern“. [nach wikipedia: „Bierhof“] Vgl. auch TITZ-MATUSZAK, Mobilität der Armut, S. 63ff., für Goslar.

[71] Kotsitzer: auch Brinkkötter/Brinksitzer, Kossät, Besitzer einer Kate (Viertelbauer), Dorfbewohner mit in älterer Zeit geringem unverhuften Landbesitz, Natural-Abgaben und Hand-Diensten für den Grundherren

[72] Bürgerrecht: Privileg, das nur bestimmten Einwohnern der Stadt zuteil wurde. Die Verleihung der Bürgerrechte erfolgte durch Aufnahme in die Bürgerrolle und die Erteilung des Bürgerbriefes. Grundlage hierfür war zumeist ein Antrag auf Aufnahme, sowie der Nachweis bestimmter Voraussetzungen (bestimmtes Einkommen oder Vermögen, Leumund, Bürgereid u. a.).

[73] Epiphaniae Domini: Erscheinung des Herrn, der ursprüngliche und heute noch meist gebrauchte Name des am 6. Januar, dem historischen Weihnachtsdatum, begangenen christlichen Festes. Im Volksmund und in vielen Kalendern ist es auch als Dreikönigsfest, Dreikönigstag oder Theophanie, früher auch als „Groß-Neujahr“ oder „Hoch-Neujahr“ bekannt.

[74] Metternich, Heinrich von, Propst [ – 19.4.1658] Benediktiner, Prof. von Werden, ca. 1617-1625 in Ammensleben, 1631 in Werden, 1638 erneuter Versuch in Wasserleben, 1644 Propst in St. Agnes in der Magdeburger Vorstadt. STÜWER, Die Reichsabtei Werden, S. 453.

[75] Wasserleben [LK Harz]. Erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahre 964 als Lere oder Lieren. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte Waterlieren, Waterlere, ab dem 18. Jahrhundert Wasserleben. Bereits 1018 hatte sich der Ort Lere zu einem stark befestigten Ort mit einer Kirche entwickelt. Im Mittelalter hatte Wasserleben eine Burg südwestlich vom Dorf, vor dem Tore, und am Nordende ein zweites Tor, das Schauentor. Ab etwa 1300 ist ein Frauenkloster der Zisterzienserinnen belegt. [wikipedia]. Als erstes Zisterzienserinnenkloster wurde Tart nahe dem Stammkloster Citeaux in Burgund bereits 1125 gegründet. In der Folge entstanden in Frankreich und Deutschland zahlreiche weitere Niederlassungen, die vom Adel sehr gefördert wurden. Im Gegensatz zu den Männerklöstern befanden sich schon die frühen Nonnenklöster des Ordens in großen Ortschaften oder Städten. Die rechtliche Stellung der Frauenklöster war anfangs schwankend. Seit dem 13. Jahrhundert zählen sie definitiv zum Orden. Um 1600 wandten sich die Nonnen wieder dem katholischen Glauben zu, so dass hier im Zuge gegenreformatorischer Maßnahmen ein katholischer Propst installiert wurde.

[76] Collect: Versammlung oder Sammlung ?

[77] Posewitz, Wilhelm [ – ] Bürgermeister in Wernigerode.

[78] Obligation: Schuldverschreibung.

[79] Schatzherr: „eine obrigkeitliche Person, deren Pflicht es ist, gewisse Waaren und Lebensmittel zu besichtigen und den Preis derselben zu bestimmen; der Schätzmeister, und wenn es ein Glied des Rathes ist, in einigen Gegenden der Schätzherr, im Oberdeutschen der Schatzherr. Der Waarenschätzer, das heißt, der kaufmannische Waaren schätzt, der Fleischschätzer, Brodschätzer etc. Schätzer der Kaufmanns=Waaren auf dem Packhofe“ [nach KRÜNITZ, Encyklopädie, online verfügbar unter: kruenitz1.uni-trier.de].

[80] Altenhausen [LK Börde].

[81] Galgen: Ein Galgen (von althochd. Galgo „Baumast“) ist eine Vorrichtung zur Vollziehung der Todesstrafe durch den Henker. Er besteht aus zwei aufrecht stehenden Pfosten und einem Querholz darüber, bisweilen auch aus drei Pfosten mit Querhölzern oder aus einem Pfosten, in den ein Querholz rechtwinkelig eingelassen ist. Hier unterscheidet man zwischen Kniegalgen, Schnell-galgen, Soldatengalgen und Wippgalgen. Die Galgen befanden sich früher meist außerhalb der bewohnten Orte auf hohen Punkten (Galgenberg). Personen, die mit der Errichtung oder Ausbesserung eines Galgens beauftragt waren, galten ob dieser Tätigkeit als anrüchig. Deshalb versammelten sich vielerorts alle beteiligten Zünfte jenes Distrikts, für den der Galgen errichtet werden sollte. Der Richter reichte dann den ersten Stein für den Unterbau und behaute das zum Galgen bestimmte Holz, worauf alle Gewerke zusammen die Arbeit vollendeten. Manchmal wurden auch einzelne Personen durch das Los bestimmt. Galgen, die mit einer kreisförmigen Untermauerung versehen waren, auf der die Pfeiler mit den Querbalken standen, hießen Hochgericht. Sie galten zugleich als das Wahrzeichen der „hochnotpeinlichen Gerichtsbarkeit“ des betreffenden Gerichtsherrn. Die Exekution wurde so vollzogen, dass der Verurteilte mit dem Henker auf einer Leiter zu einem der Querhölzer emporsteigen musste, um an letzterem aufgeknüpft, dann aber durch Wegziehen der Leiter getötet zu werden. [wikipedia]

[82] Trossbuben (oder Trossjungen) wurden als Bedienung der unteren militärischen Chargen sowie zur Versorgung der Pferde und für die Beaufsichtigung der Viehherden eingesetzt. Sie stammten häufig aus den Soldatenfamilien, die den Heereszug im Tross begleiteten. Sie wurden oft misshandelt und von ihren Herrn sogar getötet, ohne dass Anklage erhoben wurde. Teilweise wurden sie auch aus Überlebensgründen von den Eltern Soldaten mitgegeben. Da die Trossbuben ökonomisch vollkommen abhängig und zudem schlecht versorgt waren, lassen sie sich häufig als Diebe nachweisen. Vielfach gerieten die 13 bis 15 Jahre alten Jungen als Trommlerbuben und Pferdejungen ins unmittelbare Kriegsgeschehen. Soweit sie eine Muskete bedienen konnten, konnten sie, falls erforderlich, auch im Kampf eingesetzt werden, was häufig bei spanischen Einheiten der Fall war. Trossbuben, die von ihren Herren schon bei der geringsten Verfehlung totgeschlagen werden konnten (NEBE, Drangsale, S. 134), waren teilweise nur sechs oder sieben Jahre alt, wenn sie zum Militär kamen oder von ihren Eltern dem Militär übergeben wurden, damit sie dort überleben konnten. Die Älteren wurden bei der Reformation der Bagage auch als Knechte in die Feldartillerie gesteckt, wenn sie dazu brauchbar erschienen (DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 259). Sie wurden als Kindersoldaten und Soldatenjungen missbraucht, die teilweise unter elendsten Umständen umkamen, von erbitterten Bauern erschlagen wurden oder von ihren Herren zurückgelassen wurden. Vgl. die Pfarrchronik von Vach (10./20.10.1632), GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 27: „Ein Soldatenjung [Offiziersbursche] aus Holland, hat vom Pfarrhof nicht gewollt. Wird ohne Zweifel mit seinem Herrn sein Quartier im Pfarrhof gehabt haben, hab ihm Brot und frisches Wasser gereicht, denn er sonsten nichts trinken wollen, auch nichts zu bekommen gewesen; stirbt auf der Miststatt“. Vgl. auch die Erlebnisse des 16jährigen Curd Kästener, der sich mit 12 Jahren hatte der kaiserlichen Armee anschließen müssen und am 25.11.1641 der Hungersnot in seinem Regiment nach Erfurt entfloh. BERG, Regulating war, S. 15f.; HAHN, Kriegserfahrungen, S. 9-14. Sie unterlagen dem harten Militärstrafrecht.

[83] mit Ruten streichen: Auspeitschen als Züchtigungsstrafe bei erstem leichtem Diebstahl nach Art. 158 der „Constitutio Criminalis Carolina“ [CCC, S. 44], auch bei Hurerei, zusammen mit Prangerstehen und Landesverweisung.

[84] Ohr abschneiden: Im Mittelalter war das Ohrenabschneiden häufig mit der Verweisung verbunden gewesen. Bei Diebstahl, Gotteslästerung und Tragen verbotener Waffen wurde meist ein Ohr abgeschnitten und an den Galgen genagelt. Das Abschneiden eines Ohres galt als Strafe und Warnung zugleich, in Zukunft ein ordentliches Leben zu führen.

[85] Köpfen: Die Enthauptung im Gegensatz zum Erhängen am Galgen nicht als ehrenrührige Todesstrafe. Standespersonen war die Hinrichtung in aufrecht kniender Haltung mit dem Schwert vorbehalten, während niedere Ränge auf einem hölzernen Richtblock mit dem Beil enthauptet wurden. Das Hinrichtungsritual als „Theater des Schreckens“ mit Schwert (=> Richtschwert), Galgen (=> Galgen) und Rad (=> rädern) galt als gesellschaftliches Reinigungsritual und als vom Rat inszeniertes Abschreckungsmittel bei Eigentumsdelikten, Raub, Totschlag, Vergewaltigung, Religionsdelikten und Hexerei. Die Todesurteile wurden in Ausnahmefällen etwa in Fällen politischer Justiz in der Stadt vollstreckt. Der Delinquent/die Delinquentin sollte in angemessener Kleidung ruhig und gefasst in den Tod gehen. Erwünscht war eine Mahnung an die Menge sowie ein Gebet für das Seelenheil. Wichtig war der Unterschied zwischen einer ehrenhaften Leibesstrafe – und damit einem anschließenden ehrlichen Begräbnis – und einer unehrenhaften Leibesstrafe. Auch der Scharfrichter hatte seine Rolle bei diesem Ritual. Missrichtungen führten dagegen zu Tumulten und einer massiven Bedrohung des Scharfrichters, weil hier das vorzuführende moralische Exempel gescheitert war. Außerdem sah man in Missrichtungen (=> Missrichtung) ein Gottesurteil, der Delinquent wurde in der Regel begnadigt. Zu den Missrichtungen vgl. IRSIGLER; LASSOTTA, Bettler und Gaukler, S. 249f. Teilweise wurde der Delinquent auch begnadigt, wenn eine Frau Fürsprache einlegte und ihn heiratete. Vgl. die Erinnerungen des Pfarrers Klingsporn; NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 229, 81..

[86] Ludwig I., Fürst von Anhalt-Köthen [17.6.1579 Dessau – 7.1.1650 Köthen].

[87] Profos: Militärischer, vielfach gefürchteter Offiziant, der die Einhaltung der Kriegsbestimmungen und Befehle, der Lager- und Marschordnung überwachte. Der Profos zeigte die Zuwiderhandelnden beim Befehlshaber an, nahm sie fest, stellte sie vor Gericht und vollstreckte das vom Kriegsrichter (dem => Auditeur) gesprochene Urteil. Er ersetzte dadurch den Scharfrichter, der nicht immer beim Regiment vorhanden war. Dabei unterstützten ihn Knechte und Gehilfen wie der => Profoslieutenant. Es gab einen Profos für jedes einzelne Regiment und einen => Generalprofos (auch „Generalgewaltiger“ genannt) für die gesamte Armee. Der Profos hatte ferner die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel vor den Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Er überwachte gegen eine Abgabe der Händler oder Marketender den Lagermarkt. Zudem oblagen ihm die Einrichtung der Latrinen, die Reinigung des Feldlagers von Mist und die Entfernung toter Tiere. Einmal pro Woche wenigstens sollten die Quartiere durch die Huren und Trossbuben gereinigt werden, zur Aufsicht wurde auch der Hurenwebel (aufsichtsführender Organisator des umfangreichen Trosses) herangezogen. Mitglieder des Trosses, der immer wieder Gesindel aller Art anlockte, konnten zudem zu den kräftezehrenden und verachteten Schanzarbeiten und anderen Hilfsarbeiten herangezogen werden. Hier hatte der ihm unterstellte Hurenwebel die Aufsicht. Diese wichtige Funktion war für einfache Soldaten die wohl einzige militärische Aufstiegsmöglichkeit. Der Hurenwebel besaß einen eigenen Leutnant als Stellvertreter und wurde zudem vom Rumormeister unterstützt. Der Profos und dessen Leutnant sollten zudem beim Verlassen der Quartiere die Huren und die Trossbuben aus den Quartieren vertreiben und dafür sorgen, dass alle Feuer gelöscht waren. Seine Aufgabe war es auch, die Gefangenen hinter dem Regiment herzuführen. Er  war auf Grund seiner Funktion außerordentlich unbeliebt und den Angriffen der Soldaten ausgesetzt; RUDERT, Kämpfe um Leipzig, S. 64. Der Profos erhielt monatlich 30 fl. (Kavallerie) bzw. 60 fl. (Fußtruppen). LAHRKAMP, Kölnisches Kriegsvolk; Schwedisches Kriegs-Recht; BERG, Administering justice, S. 6.

[88] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Cronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Haupt-mannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (ge-stohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[89] Fass Bier: 50 Liter (Wernigerode).

[90] Mariengroschen: 2 Kreuzer = 8 Pfennige.

[91] Sommerschenburg, heute Ortsteil der Gemeinde Sommersdorf [LK Börde].

[92] Bloch: Stein.

[93] losgetrickelt: losgelöst.

[94] Schaalmeister: Schaafmeister ?

[95] austreten: verschwinden.

[96] handfest machen: gefänglich einziehen.

[97] Mansfeld-Vorderort zu Bornstädt, Wolfgang III. von; Graf, Feldmarschall [1575 – 15.5.1638] Kaiserlicher Feldmarschall und Statthalter in Magdeburg. Vermutlich wollte er das Magdeburger Burggrafenamt, das dem Kurfürsten von Sachsen zustand, in seiner Familie erblich machen. Von Mansfeld-Vorderort war aus kursächsischen Diensten in kaiserliche übergetreten. Obwohl er erst 1627 in Prag zum Katholizismus konvertierte, wurde er doch sogleich zum Geheimen Rat ernannt. Er war ein erklärter Gegner Wallensteins. ADB 20, Leipzig 1884, S. 212ff.; DITTMAR, Beiträge, S. 233.

[98] lauter: ganz.

[99] Darlingerode [LK Harz]. Während des Dreißigjährigen Krieges lagen ab 1625 mehrfach zuerst kaiserliche Truppen im Dorf, sowohl Wallensteinsche als auch Teile von Tillys ligistischem Heer, später zogen die Schweden durch. Kontributionen und Brandschatzungen ließen die Bevölkerung verarmen; die Dörfler flohen mehrere Male beim Anrücken von Truppen in die nahen Wälder. Die Harzschützen, die sich gegen die plündernde Soldaten zur Wehr setzten, waren in der Nordharzer Gegend sehr aktiv; eine Teilnahme von Darlingerödern ist zwar nicht verbürgt, wohl aber auffällige tage-, wochen- bis monatelange Abwesenheiten einiger Einwohner, so dass Kontakte mit den Harzschützen sehr wahrscheinlich sind. [wikipedia: Darlingerode] FLOHR, Ein Dorf im Spiegel der Jahrhunderte, S. 61-75.

[100] Fastelabend: Fassnachtdienstag. Die Fassnacht war im damaligen Verständnis die letzte entsprechend genossene Fresszeit vor dem Beginn der Fastenzeit.

[101] Intercessionalien: Fürsprachen, Vermittlungen.

[102] Wolfgang Georg zu Stolberg-Stolberg, Graf [20.12.1582 – 11.9.1631] Regierte von 1612-1631, verheiratet seit 1.10.1613 mit Barbara Maria Gräfin von Stolberg [1596 – 1636]. Mit ihm erlischt die Rheinlinie. Vgl. ZEITFUCHS, Stolberg, S. 55.

[103] indianische Hühner: Truthähne.

[104] Nagel, Näglein: Gewürznelke.

[105] Safran: Die Safranpflanze („crocus sativus“) ist ein Schwertliliengewächs, im Mittelalter und der Frühen Neuzeit als Gewürz zusammen mit Ingwer und Pfeffer sehr beliebt, wenn auch das teuerste Gewürz überhaupt und damit eine lukrative Handelsware. Im 15. Jahrhundert war das Fälschen von Safran so verbreitet, dass sogar die Todesstrafe darauf stand. 1551 erließ sich der Reichstag zu Augsburg ein Gesetz gegen „geschmierten“, d. h. gefälschten Safran. Safran wurde auch als Heilmittel eingesetzt, da er als verdauungsfördernd gilt. Zudem wurde er gegen Haut- und Augenkrankheiten, gegen die Pest und zur verbotenen Empfängnisverhütung verwendet.

[106] Scholle: Die Scholle oder der Goldbutt (Pleuronectes platessa) gehört zur Ordnung der Plattfische (Pleuronectiformes) und zur Familie der Schollen. Der Name wurde erst im 16. Jahrhundert geprägt, im Gegensatz zu Scholle (Grund), gefangen im Ostsee- und Nordseebereich.

[107] Hutzucker: Zucker in Form eines Hutes. Das waren große Stücke Kristallzucker in Kegelform, die nach dem Erkalten der Zuckermasse steinhart waren. Ein Zuckerhut kam in Größen bis zu 1,50 m Höhe auf den Markt und war teuer.

[108] textlog.de/medizin-hirschhorn.html: „Hirschhorn, geraspeltes, Cornu cervi. Die Gallerte davon (Gelatina cornu cervi raspati) wird so bereitet, dass man drei Lot Hirschhorn mit drei Pfund Wasser bis auf zwei oder anderthalb Pfund einkocht und Zitronensaft und Zucker zusetzt. Sie ist ein gutes Nährmittel bei Abzehrungen. (S. Mittel, eiweißartige.) Der Hirschhornspiritus (Spiritus cornu cervi rectificatus), so wie das stinkende Hirschhornöl (Oleum animale foetidum s. Cornu cervi foetidum) wendet unser Landmann äußerlich zum Einreiben in alte Gichtknoten und gegen die Gelenksteifheit an. Der Dunst des Öls, täglich eingeatmet, verbessert den Auswurf und mäßigt den Husten schwindsüchtiger Personen“.

[109] Neunauge: Fischähnliche Wirbeltiere mit aalartigem, langgestrecktem Körper, der mit einem flossenartigen Rücken- und Schwanzsaum besetzt ist. Neunaugen wurden in der Küche als Lampreten ähnlich wie Aal zubereitet. „Neunauge“ geht auf eine falsche historische Beschreibung zurück, weil man neben dem eigentlichen Auge auch die Nasenöffnung und die sieben seitlichen Kiemenspalten als Augen ansah.

[110] Supplikation: Bitte (Supplik), Bittschrift. Diese Bittschriften wurden zumeist, wenn überhaupt, dann nur mit großen Vorbehalten sowohl von den Kriegsparteien als auch von den Landesherren angenommen, da die Schadensmeldungen in der Regel überhöht waren. Riksarkivet Stockholm Skr C G Wrangel E 8267 (Entwurf): Erklärung, 1648 X 22 (n. St.):Wrangel übte darin Skepsis gegenüber den ständig einlaufenden Schadensmeldungen: „Solchem kann man allerdings nicht glauben geben, sintemahlen wißende, da ein huhn oder dergleichen was geringers etwan durch den soldaten weggenommen wirdt, der einwohner bald daraus einen ochsen oder kuhe, oder sonsten etwas großes machen thut“. Zur Bedeutung des Supplizierens vgl. BLICKLE, Laufen gen Hof; KLEINHAGENBROCK, Einquartierung, S.182f. der Schmalkaldener Chronist Pforr; WAGNER, Pforr, S. 148: „Obbemelte beyde commissarien, Wechmar und D. Kolb, haben in wehrenter zeit bey die 400 thlr verzehrt, so die armen bürger und bauren bezahlen müßen, auch, so lang sie hier geweßen, etliche hundert supplicationes von den unterthanen angenommen, die gebühr darvon in beutel gesteckt […], aber niemand geholffen“.

[111] vertiert: übertragen.

[112] Gemeint ist hier Melancholie: „Im Mittelalter wurde die Melancholie als Mönchskrankheit bekannt. Sie wird auf Lateinisch als Acedia bezeichnet und ist ein häufiges Thema in der theologischen Literatur, zum Beispiel bei Thomas von Aquin in der Summa Theologica (vgl. II/II, qu. 35). Die früheste Beschreibung des Acedia-Phänomens stammt vermutlich von Evagrius Ponticus, der als frühchristlicher Anachoret in Ägypten lebte. Beschrieben wird unter anderem die Heimsuchung durch den Dämon des Mittags. Johannes Cassian übernimmt Evagrius‘ Ansätze und gibt diese an Thomas von Aquin weiter. Sie galt gleichzeitig als eine der sieben Todsünden. Im Protestantismus des 16. Jahrhunderts erfuhr die Melancholie dann eine gewisse Umdeutung: Sie galt nicht mehr in erster Linie als zu vermeidende Sünde, sondern als eine Versuchung des Teufels, die der Gläubige wie eine Prüfung bestehen müsse. Gerade das zeitweise Versinken in Verzweiflungszuständen erschien vor diesem Hintergrund als eine Bestätigung der Ernsthaftigkeit des eigenen Glaubens. Auf der anderen Seite erkannte man auch die zerstörerische Kraft der Melancholie und empfahl als Therapie geistliche Mittel wie Gebete oder geistliche Lieder und weltliche Zerstreuung durch Musik (nach dem biblischen Vorbild von David und Saul) und heitere Gesellschaft. Dabei spielte auch die persönliche Erfahrung Luthers, der häufig von Schwermut überfallen wurde, eine stilbildende Rolle. Luther und seine Nachfolger aus der protestantischen Orthodoxie des 16. Jahrhunderts haben sich in zahlreichen Trostschriften mit der Melancholie auseinandergesetzt. In der ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einsetzenden Propaganda der Gegenreformation wurde die Melancholie deswegen häufig als typische Krankheit der Protestanten bezeichnet“. [wikipedia] Hippokrates erklärte die Melancholie als Überschuss an schwarzer, verbrannter oder schwarzer Galle (in der Milz und in den Hoden produziert), der sich ins Blut ergießt. Die Melancholie war nach seiner Auffassung, die bis ins 17. Jahrhundert dominierend bleib, eines der vier Temperamente des Menschen. Die „Schwermuth“ galt als einziger Grund für ein kirchliches Begräbnis von Selbstmördern, die in den Zeugnissen erwähnt werden, z. B. HAPPE I 453 r.

[113] Inäqualität: Ungleichheit.

[114] ponderieren: erwägen.

[115] Patron: (Schutz-)Herr, Beschützer, Verteidiger.

[116] Success: Glück, Erfolg.

[117] Favor: Gunst, Glück, Gefallen.

[118] aufwarten: einen Besuch abstatten.

[119] deputiert: abgeordnet.

[120] Generaloberst: gemeint ist hier Feldmarschall: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl., die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[121] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[122] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[123] Leopold V. von Österreich, Erzherzog [9.10.1586-13.9.1632] Bruder Kaiser Ferdinands II., Bischof von Passau und Straßburg (bis 1625), Statthalter von Tirol und Vorderösterreich.

[124] anstrengen: angreifen.

[125] Schlick zu Passaun und Weißkirchen, Heinrich; Graf, Feldmarschall [1580 – 5.1.1650] kaiserlicher Obrist, Geheimer Rat und Feldmarschall.

[126] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[127] HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen; DUCH, Aldringen, S. 188-190. Online verfügbar unter: mdz10.bib-bvb.de.

[128] Gröningen [LK Börde].

[129] Clerisei: (mittellat. clericia) Kleriker, Angehörige des geistlichen Standes.

[130] Feldprediger, Feldkaplan: Im Codex Iuris Canonici (c. 564-572 CIC) bezeichnet der Begriff Kaplan einen Geistlichen mit einem extraterritorialen Seelsorgebereich für einen Sonderbereich, hier der Armee. Maximilian I. von Bayern hat für seinen Generalvikar Benedikt Rauh am 5.4.1642 eine ausführliche Instruktion erlassen; FRISCH, Rauh, S. 156f.: „Insbesondere sorge der von uns bestellte Generalvicar, dass die Feldcapellane, sowohl bei Infanterie als Reiterei, ein exemplarisches Leben führen. Wenn sie scandalös sich aufführen oder zur Verwaltung der Sacramente weniger tauglich erfunden werden, soll er sie verbessern, strafen, oder nach Fund der Sache vom Heere entfernen. Er soll drei oder vier Verkündiger des Wortes Gottes mit sich zum Heere bringen; sorgen, dass morgens und abends die Gebetsstunden eingehalten werden, zu welchen mit Trompeten etc. ein Zeichen gegeben wird; dan an Sonn- und Feiertagen bei jeder Legion öffentlich Messe gelesen und von den Capellanen Predigten gehalten werden, namentlich dass zur österlichen Zeit die Soldaten ihre Sünden bekennen, und zur heil. Communion gehen, wenn auch ihre Officiere andersgläubig sein sollten. Anstalten soll er treffen, dass kein Soldat, der tödtlich verwundet oder sonst gefährlich darniederliegt, der heil. Wegzehrung beraubt werde. Hauptsächlich soll er darauf sehen, dass die Officiere und Soldaten der Legionen die Concubinen und gemeinen Dirnen von sich entfernen oder zur Ehe nehmen; wenn sie mit guten Worten nicht gehen wollen, soll er sie öffentlich hinauswerfen lassen. Dann soll er dafür sorgen, dass er die schrecklichen Gotteslästerungen und Schwüre sowohl bei Officieren als Soldaten ausrotte, sowie die lasciven Worte. Zu diesem Zwecke soll er durch seine Feldcapellane alle und jeden in Glaubenssachen unterrichten und ihre Kinder im Katechismus belehren lassen. Wenn hierin der Capellan nichts ausrichte, soll er es dem Führer der Legion berichten, wenn dieser nichts zu Stande bringe, soll der Generalvicar es dem Obersten melden und wenn auch dieses nichts fruchte, die Hilfe des Generals in Anspruch nehmen. Nicht weniger bemühe er sich, dass die Feindschaften sowohl unter Hohen als Gemeinen auf jede Art und Weise beigelegt werden. Er selbst soll an Sonn- und Feiertagen vor dem Generalstab predigen. Damit dieses Alles besser vollzogen werde, soll er alle 8 oder wenigstens 14 Tage seine Capellane berufen und einem nach dem andern ausfragen und hören, was für Laster in dieser oder jener Legion grassieren, damit sie in Zukunft geheilt werden können. Endlich soll der General-Vicar so viel als möglich darauf sehen, dass die Kranken und tödtlich Verwundeten zur Reue, Beichte, Communion und wenn es nothwendig zur letzten Oelung disponirt werden; sollten Viele oder Wenige dem Heer nicht folgen können, soll er Geistliche zurücklassen, welche ihnen in ihren letzten Nöthen beistehen“. Eine ähnliche Funktion dürften auch die Feldprediger in schwedischen Armee gehabt haben, die die einzelnen Regimenter begleiteten. Vgl. dazu auch BRENDLE; SCHINDLING, Geistlichkeit.

[131] Calbe/Saale [Salzlandkr.]; HHSD XI, S. 65ff.

[132] Prätension: Beschönigung.

[133] restiert: schuldet.

[134] ungarisch prügeln: heftig prügeln; gemeint war hier wahrscheinlich die sogenannte Bastonade oder Bastinado, eine uralte Prügelstrafe, insbesondere in nahöstlichen und fernöstlichen Ländern. Geschlagen wird, meist mit einer Rute oder einem Stock, auf die nackten Fußsohlen des Opfers, dessen Füße an einen Balken geschnürt und mit ihm emporgehoben werden.

[135] Kaplan: katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, in denen er in der Regel einem Pfarrer unterstellt ist und noch keine Alleinverantwortung für eine Pfarrei trägt.

[136] auflaufen: gewaltsam öffnen.

[137] Korrekt wäre Passaun.

[138] Mühlingen, Teil der Grafschaft Barby-Mühlingen. => Großmühlingen, heute Ortsteil von Bördeland [Salzlandkreis].

[139] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. (eine wichtige Quellensammlung zur Geschichte Wernigerodes und seiner Umgebung, die Informationen über Militärs enthält, die sonst nicht zu finden sind). Der Hg. dankt Herrn Peter Nüchterlein für die Erlaubnis zum Abdruck dieses Textteils.

[140] Schöningen [Kr. Helmstedt]; HHSD II, S. 419f.

[141] Clara von Braunschweig-Lüneburg-Celle [16.1.1571 – 18.7.1658] Seit 1593 zweite Ehefrau von Wilhelm I., Graf von Schwarzburg-Frankenhausen [4.10.1534 − 30.9.1598], Tochter Herzog Wilhelms von Braunschweig-Lüneburg, Schwester Herzog Georgs von Braunschweig-Lüneburg und „Fürstin von Heringen“. Vgl. KUHLBRODT, Clara von Heringen; sowie die Erwähnungen bei HAPPE; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[142] CUNO, Memorabilia Schenengensia, S. 105.

[143] Quedlinburg [Kr. Quedlinburg]; HHSD XI, S. 374f.

[144] ablegieren: abordnen.

[145] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[146] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 44.

[147] Exaudi: 6. Sonntag nach Ostern.

[148] Golddukat: 2 Reichstaler = 48 Groschen.

[149] Rosenobel: Englische Goldmünze, auf deren Kehrseite eine Rose geprägt ist. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entspricht 1 Rosenobel 7 Talern.

[150] 2 gute Groschen = 12 Pfennige.

[151] proponieren: vorgestellt, vorgeschlagen.

[152] Kroatenland: Wahrscheinlich bezieht sich dieser Begriff auf das Gebiet des heutigen Slowenien. => Kroaten.

[153] adjungieren: beiordnen.

[154] Schenkung: Derartige „Schenkungen“ oder auch „Discretionen“ waren von Anfang des Dreißigjährigen Krieges an zumeist erzwungene oder von vornherein erwartete Leistungen in Geld- oder Sachwerten an die Offiziere einer Einheit, die den Stadt- oder Gemeindehaushalt je nach Umständen erheblich belasten konnten. Diese mehr oder minder freiwilligen „Verehrungen“ waren zur Abwendung von Einquartierungen oder zur Durchführung rascher Durchzüge gedacht. Sie waren je nach Rang des zuständigen Offiziers gestaffelt und wurden von diesen als fester Bestandteil ihres Einkommens betrachtet, zumal Soldzahlungen nicht selten ausblieben. Vgl. ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet.

[155] ohne: außer.

[156] Ries: 20 Buch Papier. Ein Buch Schreibpapier hat 24 Bogen, ein Buch Druckpapier 25 Bogen, je nach Qualität eine doch recht teuere „Verehrung“ an einquartierte oder durchziehende Offiziere.

[157] Korporal: Unteroffiziersdienstgrad. Der Corporal hatte die regelmäßige Aufsicht über einen Teil der Compagnie (die Korporalschaft, den Zug). Er führte eine Ausbildungsgruppe von Soldaten und war zuständig für die Verhinderung von Desertionen, die Anleitung und Kontrolle der Wachposten und die exakte Ausführung der Befehle im Gefecht. In Friedenszeiten fungierte er zudem als Werber. Sein Sold betrug monatlich 12 fl., das entsprach dem Jahreslohn eines Bauernknechts bei ausreichendem Arbeitskräfteangebot. SCHLÖGL, Bauern, S. 157.

[158] Gefreiter: Der Gefreite war ursprünglich ein erfahrener und zuverlässiger Söldner, der von den niederen und schweren Diensten (wie etwa der gewöhnlichen Schildwache) ‚befreit‘ war. Die Gefreiten waren für die Aufstellung der Wachen zuständig. Ihnen oblag die Aufsicht über Arrestanten, sie übermittelten militärische Verfügungen und Befehle und mussten im Gefecht die am meisten gefährdeten Stellungen beziehen. Er erhielt 7 fl. 30 kr. Monatssold.

[159] Knecht: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“.

[160] Marketender: Dem Heer nachziehende Händlerin oder Händler, der oder die vom Obristen befugt war, den Soldaten Lebensmittel zu verkaufen. Dafür hatten sie ihm z. B. von jedem Eimer Wein oder Bier 2 Maß für die Küche abzugeben und zumeist 10 Prozent ihrer Einkünfte. Sie waren auch zum Kranken- und Munitionstransport verpflichtet, falls die üblichen Rüstwagen nicht ausreichten. Marketender und Marketenderinnen handelten auch mit Beutegut, wobei das Beutegut weit unter Wert angenommen wurde. Die Frauen unter ihnen waren nicht nur Händlerinnen, sondern auch Helferinnen, Partnerinnen, Krankenschwestern, häufig Prostituierte. Bei einem im April 1634 in Dinkelsbühl einquartierten Regiment fanden sich bei 950 Soldaten 11 Marketender, aber 26 Marketenderinnen; HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 465 Anm. Obwohl bekannt war, dass kein Heer ohne Marketender existieren konnte, standen diese – wie die übrigen Trosser – in schlechtem Ansehen: Sie traten als Geldverleiher auf, und so mancher Söldner war bei ihnen verschuldet. Sie standen zudem in dem Ruf, für die materielle Not vieler Söldner verantwortlich zu sein, indem sie bei Nahrungsmittelknappheit und Ausbleiben der Soldzahlungen das Heer verließen und ihre Fahne in den Wind besserer Märkte hängten. Gewalttätige Übergriffe auf die Marketender durch Bauern, Bürger und eigene Soldaten waren vielfach die Folge, zumal diese z. T. zum 15fachen Preis Waren an die Bürger verkauften, die von diesen auf den Druck einquartierter Soldaten hin erstanden werden mussten (BRAUN, Markredwitz, S. 45). Vgl. KLUGE, Hofer Chronik, S. 163: „Das rauben und plündern war um diese zeit [April 1640] sehr arg, wie dann die kayßerlichen ihre eigenen marquetener, so zu Culmbach wein und vieh erhandelt und erkauft, ganz ausgeplündert, auch zugleich ein 800 thaler darzu an geld abgenommen“. Häufig wurden sie als Spione verdächtigt. Auch Juden wurden als Marketender geduldet; LOTZE, Geschichte, S. 80f. Die Aussicht auf großen Gewinn ließ Zivilisten oder Amtsträger (vgl. PFEILSTICKER, Tagebuch) häufig für einige Zeit zu Marketendern werden. REDLICH, Marketender; Continuatio Der Siegreichen Victorien, S. 4f.

[161] Stralsund [Kr. Stralsund]; HHSD XII, S. 292ff.

[162] KRAUSE, Urkunden Bd. 1, S. 319.

[163] Hasserode, Ortsteil von Wernigerode (Eingemeindung: 1907).

[164] billig: hier gerecht.

[165] Silstedt, Ortsteil von Wernigerode (Eingemeindung: 1994).

[166] Minsleben, Ortsteil von Wernigerode (Eingemeindung: 1994).

[167] Langeln [LK Harz]; HHSD XI, S. 254.

[168] Diele: unbekannter Begriff. Wahrscheinlich Taler ?

[169] Revers: Erklärung, schriftliche Verpflichtung.

[170] Exekution: (notfalls gewaltsame) Umsetzung von Bestimmungen und Auflagen; Zwangsvollstreckung, Zwangseintreibung von Kontributionen. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war.

[171] assignieren: zuteilen, zuweisen.

[172] dominieren: herrschen, beherrschen, hier: hausen.

[173] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte, die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[174] Vorwerk: Wirtschaftshof eines Rittergutes oder landesherrlichen Amtes oder Schlosses.

[175] Seeburg [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 433f.

[176] Blankenburg [LK Harz].

[177] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 87ff.

[178] KRAUSE, Urkunden Bd. 1, S. 321. Hohnstedt, heute Ortsteil von Northeim [LK Northeim].

[179] KRAUSE, Urkunden Bd. 1, S. S. 331. Bernburg [Kr. Bernburg]; HHSD XI, S. 37ff.

[180] KRAUSE, Urkunden Bd. 1, S. 332.

[181] Testimonium: Zeugnis.

[182] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 93f.

[183] REDLICH, Military Enterpriser I, S. 436.

[184] KONZE, Stärke, S. 33.

[185] Thanks to Virginia DeMarce for her contribution.

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Coningsby, William

Coningsby, William; Hauptmann [ – ] Der Engländer[1] William Coningsby [ – ] stand 1637/38 als Hauptmann[2] im Regiment[3] George Fleetwood[4] in schwedischen Diensten.[5] 1637 sollen 3.000 Schweden in Greifswald[6] gelegen haben.[7] 1638 litt das Regiment unter der dort grassierenden Pest.[8]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Engländer: Unter den englischen Truppen befand sich ein hoher Anteil an v. den Lord Lieutenants zwangsrekrutierten, aus dem Königreich ausgewiesenen Kriminellen u. Asozialen, den „masterless men“ [BEIER, Masterless Man; allgem. auch GEREMEK, Geschichte der Armut; z. B. auch die Chronik des Heinrich v. Weseken aus Wesel (1614); BAMBAUER; KLEINHOLZ, Geusen und Spanier, S. 354: „28. Novembr[is] ist hier auff dem Marckt ein Schott auffgehenckt, der Tags zuvor begangenen Einbruchs und Diebstals halber gefangen, die anderen sind weg kommen“], die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren [MASSON, Register of the Privy Council of Scotland. Second Series 1: 1625-1627, S. 385, 542f.; BRUCE, Calendar of State Papers. Domestic Series 1628-1629, S. 395, 568; OGLE; BLISS, Calendar of the Clarendon State Papers Preserved in the Bodleian Library I: Domestic 1628/29, S. 395, 568; FISHER, The Scots in Germany, S. 91]. Schon bei der Aushebung der Truppen für Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont u. Gesindel rekrutiert; LOCKYER, Buckingham, S. 207f. Das galt auch für die Rüstungen 1625-1627; FORTESCUE, A History of the British Army Bd. 1, S. 191-194; allgem. auch COGSWELL, The Blessed Revolution, für die Zeit 1621-24, zu den englischen Zwangsabgaben CUST, The Forced Loan. Vgl. die Einschätzung der Engländer unter James Hamilton [Hammelton, Hammelthon, Hammellton, Hamelthon] of Innerwick, 1st Duke of Hamilton [19.6.1606 Hamilton Palace-9.3.1649 London], schwedischer Obrist, bei HARTE, Leben Gustav Adolphs 1. Bd., S. 575f.: „Es ist wahr, es starben viele Engländer am deutschen Brot, weil dieses viel schwerer, schwärzer und saurer ist, als dessen sie ihrem Lande gewohnt waren. Sie litten auch viel durch ihre unmäßige Begierde nach neuen Honig, woran sie in diesen Gegenden einen großen Ueberfluß fanden. Auch das deutsche Bier wollte ihrer Leibesverfassung nicht bekommen. Sie kamen gleichfalls zuerst wieder in ein Land, wo die Pest gewütet hatte. Dieß war die Ursache, daß dieses Corps Truppen, im Fortgang des Krieges, wenig Dienste leistete. Denn sie waren neugeworbene Rekruten, und ein rechter Abschaum von Menschen; welchen Satz zu rechtfertigen, ich melden muß, daß Gustav sie nicht eher bey wichtigen und gefährlichen Angriffen, und um seine Person brauchen wollte, als bis sie besser abgehärtet, und in der Kriegskunst stärker geübet waren“. Vgl. auch die Nachrichten über englischen Truppen für Christian IV., die zuerst in den Generalstaaten unterhalten wurden; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 51, fol. 155′ (Konzept): Maximilian I. an Ferdinand II., München, 1626 XI 04]. Das war eine einfache u. kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden [Nach HAY, War, S. 117ff., eine Möglichkeit der Verringerung der Kriminalität (so auch BEHRINGER, Mörder), was SHARPE, Crime, S. 62-63, 119ff., allerdings in Frage stellt] u. gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen. Die in Frankfurt/M. erscheinende „Relationis Historicae Semestralis Continuatio“, S. 92, berichtete ihren Lesern unter Februar 1627: „Sonsten ward von Dennemarck confirmirt / daß er sich mächtig stärcke / auch bereits in 9. Regiment vber die Elbe auff diese Seite gebracht / so weren auch in Engellandt 3000. Mann geprest / zu erfüllung derjenigen 6000. welche dem König zusampt den 9000. Schotten sollen zugeschickt worden seyn / ob die nun vberkommen / gibt Zeit“. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotes und Chronisten Rudolf v. Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“.

[2] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben u. ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure u. verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 15.11.1635, sollte er 200 fl. erhalten; MÜLLER, Schicksale, S. 70. Nach der kaiserlichen Verpflegungs-, Futter- u. Soldordnung (1640) standen ihm bei der Infanterie dagegen nur nur 140 fl. zu; SCHMID, Quellen, S. 159. Ein kommandierender Hauptmann einer Streifschar aus einer Garnison erhielt quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller, sein Leutnant 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller, jeder Soldat oder Reiter 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben u. auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher u. die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- u. Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant u. dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch. Viele Offiziere höherer Dienstränge waren auch zugleich Hauptleute u. nahmen daher zusätzlich einen Hauptmannssold u. entsprechende Servisleistungen in Anspruch. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Hauptmann nach der Schlacht bei Jankau (1645) 150 Rt. Ranzion (Lösegeld) aufzubringen. Ein verletzter Hauptmann erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 150 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1668, S. 599.

[3] Regiment [schwed. regimente, dän. regiment, tschech. pluk]: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold u. die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl v. Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments v. 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments v. 1.200 Mann mit 260-300.000 fl. angesetzt. Die Aufwendungen Prags für die 23monatige Einquartierung des Regiments Anton v. Weveld u. eine Fähnlein Maximilians v. Walstein betrugen 206.235 fl. 30 kr.: HALLWICH, Ungedruckte Briefe 2. Bd., S. 264f. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 m[ille], Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Waldstein; BW]“. Richelieu hielt fest; Vertrewlich freundlich Gespräch: „Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung“. Das entsprach 264.000 fl. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 u. 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 u. 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 u. 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 u. 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 u. 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 u. 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, vom Vorgänger übernommen u. oft v. seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet u. kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige. Selbst in Zeitungsmeldungen gab es etwa am 3.4.1633 aus Franken Zweifel an den Angaben; BÖNING, Dreißigjähriger und Öffentlichkeit, S. 395: „Die Friedländische Armee ligit hin vnnd wieder vmb Schlackenwald / Schlackenwert / Dachaw / etc. ist aber bey weitem nicht so starck / alß man es außgeschryen / seyn wol viel Regimenter / aber sehr Schwach / vnd theils vber 400. Mannn nicht starck / mehrentheils Genötigte vnd Gezwungene“. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630; HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 15f.: „Meine Arme Lande aber mußenn nicht alleinn daß Volck, so im Lande sich befindet, unnderhalten, sondern auch dennen, so inn andere Lande einquartiret, den Soldt unndt swart ann Reichsthalernn in specie oder mit großem auffgeldt nachschickenn. Ja sie mußen zu behueff der Servicen sderer, so ausserhalb Landes ihre Quartier habenn, viel tausent Thaler auffbringen, auch muß der Soldt gantz ubermäßig unndt nicht nach Monaten, wie soonst bey allenn Kriegenn gebräuchlich, sondernn nach wochenn gereichet werdenn, nicht allein denen, so nurt etliche wenig wochen in den Quartieren verbleiben, sondern auch denen, welche zu 12, 18, 20 unndt mehr Monaten ihre Quartier behalten, daß also der Soldat im Jahr auff 13 Monat dienet, da doch bey wenigen Kriegen erfahrenn wordenn, daß volle 12 Monat im Jahr außgezahlet worden weren. Der soldt wirdt auch dergestaldt, alß wann alle Regimenter complet werenn, gemahnet, da doch die recreuten offters kaum inn 6 Monatenn erfolgenn. Ich will geschweigenn, daß vielleicht wol derer Regiment köndten gefunden werden, welche niemahl, auch auff gegenwertige stunde, nicht complet wordenn, muß also der Soldt vom 1. Novembris ann den Soldaten vor voll gegeben werdenn, da doch derer viel allererst im Martio oder Aprili oder wol nimmer zum Regiment kommen. Es werdenn auch nicht allein starcke summen zu behueff der Artillerie erhobenn, sondern noch darzu vor iedere Companie Rüstwagen, Pferde, Lunten, Karrenn, Schuppen unndt waß des dinges viel mehr begehret. Dieß alles wirdt auch mit solcher indiscretion unndt scharffer militarischer Exe-[S. 16]cution unndt dabey vorgehendenn Excessen, derer gegen Euer Kay. Mayt. erwehnung zu thuen Ich fast bedenckenn trage, von den armen Leuten erzwungen unndt darüber viel seuffzenn unndt bittere threnen außgepreßet. Eß geschiehet auch solches mit seiner solchen manier, daß wol Niemandt, der eß sonst nicht wuste, sollte glauben können, daß noch ein Churfürst im Lande. Theilß der Soldaten sagen ungescheuet, sie fragten nichtes nach mir, unndt wiße mann noch nicht, wie lange Ich Chuerfürst unndt Herr im Lande bleiben werde. Geschiehet eß aber einmahl, daß mann etwaß, so im Lande zu suchen, ann mich gelangen leßet, so stehet so baldt die commination [Strafandrohung; BW] dabey, wolle Ich eß nicht anordnen, so wolle mann eß selbst suchenn, wo mann eß findet, unndt dieses alles wierderfähret mir von frembden nationen, theilßs vonn geringen officirern unndt wol gemeinen Soldaten“. Richelieu gegenüber Beichtvater Père Joseph über die mangelhafte Organisation der kaiserlich-bayerischen Armeen u. zum Zustand der französischen Armee (1638); Vertrewlich freundlich Gespräch: „Zum andern ist das Teutschland vor Zeiten wohl ein mächtig Land gewest / aber die langwürige Krieg vnd so wohl Freund als Feind haben es also verderbt / daß es jhme nicht mehr gleich vnd nicht der dritte Theil am Volck vbrig vnd selbiges also erarmet ist / daß der Arm dem Reichen gleich / das grosse / breite vnd weite Land öd ligt / vnd niemand bey seinem wohnen kann. So haben wir gut wider ein so verderbt Reich / vnd wider einen solchen Fund zu kriegen / der gleich wohl eine erfahrne tapffere Soldatesca in Anzug bringen kann / aber ohne Ordnung / ohne Bezahlung / ohne Disciplin, das gantze Teutschland ist fast ein Quartier vnd stehet dem Soldaten preiß / allda noch er / noch der Inwohner zu leben hat / vnd wann er in das Feld ziehet / keinen Proviant / oder andere Nothwendigkeit sind / daß er also in Mangel dessen von seinen eygnen Vnordnungen sich verzehrt. Die Regiment vnd Compagnien seynd viel in Anzahl / aber mit wenig gemeinen Knechten ersetzt / vnd die Officier erpressen doch die Contributiones für völlig. Bey den Regimenten befinden sich wenig Obristen in Person / also wann Fehler vorüber gehen / so wohl im Feld als in Quartieren / ist niemand der helffen / der den man zu red stellen köndte. Wo ein Corpus beysam̃en / commandiren vnterschiedene Generales, der ein will für sich / der ander hindersich / der ein es auff Welsch / der ander auff Teutsch haben. Vnd das gemeine Wesen gehet vnter dessen zu Scheitern. Die höchste Häupter sehen von weitem zu / vermeynen es mit Ordinantzen, Commissarien, Currieren, Botten vnd Brieffen zu erbesseren / ziehen doch niemand schuldigen zu gebührender Straff / lassen allein das gute Glück walten. Aber bey solcher manier zu kriegen ohne ein rechtes General Haupt / ohne Geld vnd Disciplin, ohne Vorsehung vnd Rarh / mit verderbung eygener Land vnd Leuth / allda denen Soldaten alles preiß stehet / vnd sie sich selber vntereinander spoliren, plündern / vnd auffreiben auch alle Vnbild / Vnfugsamkeit / vnd Laster gleichsam gestattet wirdt / kann weder Göttlicher Segen / noch menschlich Glück bestehen. Wann Gott vnsern Feinden nit bessern Sinn gibt / so haben wir ein gewunnes Spiel. Wann sie aber wolten kriegen wie wir / mit ordentlicher Bezahlung / daß der Vnderthan beym Feldbaw erhalten / vnd dardurch der Soldat sein Nahrung haben würde / so möchte sich leichtlich das Glück vmbschlagen / vnd ein Armee von 12000 also disciplinirten Soldaten Vns mehr Abbruch thun als jetzund 24000. Mann / welche wo sie in jhrem aignen Land hinkommen / entweder gar nichts zu leben finden / oder wan sie einen Vorrath antreffen / verderben und verwüsten sie in einem tag was auff etliche Wochen erklecken köndte / ruiniren vnd machen zu Schanden vnd Vnnutz / alles so sie hernach zu jhrem selbst aignem vnentbärlichen Gebrauch mit vil Gelt nit repariren mögen / daß also in wenig tagen jhr Anzal ohe Schwerdtstreich für sich selbst mercklich geschwächt wird / vnd viel einen Absprung zu vns nem̃en / vnd sich bey vns vnterhalten lassen. So seind sie mit Waffen / Schantzzeug / vnd andern Beraitschafften zu einem Feldzug nothwendig auß Vnvorsehung / vnd Mangel Geltes schlecht gerüst / jhr Cavalleria vbel montirt, vnd welche annoch bey allen Treffen die erste geweßt / so durchgangen. Betten wir also nun Gott / daß er sie nit besser kriegen lerne / darzu sie noch viel Mittel haben / wann sie an jhnen selber nit verzweiffleten. Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung. Solten dann die gegen vns gelegene Craiß mit concurrirung der Spanier / welche sonst das Geld außmessen / vñ nit zehlen/ nit vermögen mit solch richtiger Bezahlung bey 12. in 15000. Mann zu erhalten / darbey widerumb gute Disciplin gestifft / vnd der Vnterthan vnuerhindert bey seinem Feldbaw beschirmet / vnd jhme die Mittel gemacht würden / sein ordentliche aufferlegte Contribution zu lieffern. Ich muß bekennen / weil einem versuchten teutschen Soldaten 3. vnserer Frantzosen kaum gewachsen sind / daß wir wider ein solche Armee gnugsam zu schaffen haben würden / dann Hertzog von Weimar am teutschen Volck zimblich abkommen / muß sich fast der Frantzosen bedienen. Wann es aber gehet wie bißhero / wirdt er bald widerumb teutsche Knecht bekommen / vnd bey vns die Noth nit seyn / daß weder ich noch E. Ehrw. auff die Post sitzen / nach Cöln zu reysen / vnd Frieden zu machen / wie wir sonst im widrigen Fall thun müsten“.

[4] George Fleetwood [Fleetewoodd, Fletewood, Fleetwodt, Fledwudh, Flitwud, Flitut, Flituuth] [10.7.1605-11.6.1667 Jälunda], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID 2008.

[5] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen u. Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Banér bemängelte 1638 Oxenstierna gegenüber landes- u. konfessionsfremde Akteure in seiner Armee; AOSB II/6, S. 570: „Und weil insonderheit der Churfürst der Pfaltz seine trouppen daselbst hat, ohne zweifel spitzfündige Calvinistische gemühter dabey sein, wie den ohne das alle örter daselbst mit überflüssiger auswertiger nation, als Schotten und Engellendern, reformirten officirern, erfüllet, undt derselben mehr als dienstleute vorhanden“. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Einschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. CHEMNITZ, Königlich Schwedischen in Teutschland geführten Kriegs 3. Teil, 3. Buch, 9. Kap., S. 37f. (März 1643): „Bey der Schwedischen Armée wolte gleicher gestalt geld die losung sein, und war Sie zwar an Manschafft starck gnug, aber an mitteln über die masse abkommen. Des fusvolcks waren neun Brigaden, vngefehr fünff [S. 38] tausend Man, guter, alter knechte. Die Reuterey ward über dreyzehnen tausend starck geschätzet, jedoch nicht vielmehr als die helffte darunter montiret befunden: Also, das derer beynahe sechstausend zu fusse giengen, vnd die Compagnien so schwach waren, das offt nicht zwantzig pferde bey der Standarde marchiret, ja viel Cornette in den wägen nachgeführet werden müssen. Die Artoleri war mit pferden so schlecht bespannet, das verschiedene, sonderlich die schwere Stücke öffters im felde, vngeachtet man nur zwo Meilen des tags fortgerücket, die nacht über stehen blieben, und erst folgenden tags mit zuthun etlicher Officirer-Pferde ins Haubtquartier geführet worden. Die Officirer waren so dürfftig, das Sie ihren vnterhabenden Reutern vnd Knechten, auf dero instendiges Bitten, mit keinem heller zu ihrer höchsten notturfft, vorigem wol-hergebrachten Kriegsgebrauch nach, auszuhelffen vermochten: Ja Sie musten selbst, zu kümmerlicher ihrer leibsvnterhaltung, einer beym andern Credit suchen; vnd wolte selbiger nunmehr schier auch nicht mehr erfolgen, sondern allerdings abgehen vnd erleschen“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160. OSCHMANN, Der Nürnberger Exekutionstag, S. 660-567, Diagram S. 565, geht v. 30 % Schweden/Finnen u. 70 % Deutschen aus. Vgl. auch ERICSON, Die schwedische Armee und Marine, S. 301-307; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBITSCH; ÖHMAN, KILÍAN, 1648; KAPPELMEYER, Die Obristen der schwedischen Armee.

[6] Greifswald [LK Vorpommern-Greifswald]; HHSD XII, S. 194ff.

[7] BIESNER, Abriss der Geschichte Pommerns und Rügens […], Stralsund 1834, S. 524.

[8] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, v. HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] u. seinen Zeitgenossen neben Krieg u. Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX [=> mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest v. 1625 an der Pest v. 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden u. etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- u. Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später traten Bewusstseinsstörungen u. Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende u. äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten u. Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm u. waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen v. selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 % zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer u. erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle v. Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- u. Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder v. Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat u. die eine Letalität v. 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren starke Atemnot, Husten, blaue Lippen u. blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de] lassen vermuten, dass es sich bei der Pest v. 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status u. Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung u. Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse u. andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser u. Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne v. vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet u. wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“. Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. „Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest u. Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt v. den Heiligen Sebastian u. Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit u. Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der v. „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurden, aber auch v. Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand v. Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 92ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung u. wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. https://www.unterdietfurt.de/gemeindeinfo/geschichte/dreissigjaehriger-krieg: „Diejenigen, die mit den Pestkranken Umgang hatten, wie z.B. Geistliche mussten ein zwei Finger breites und eine Spann langes hölzernes Kreuz auf der Brust tragen, damit der Umgang mit ihnen gemieden wurde“. Im Niddaer Kirchenbuch – in Nidda erlagen etwa 1.800 Personen, davon mehr als 1.200 aus 80 Dörfern der Umgebung der Pest – war als Rezept verzeichnet: „Contra pestem.

Eine Handt voll Angelica Kraut vnd wurtzel

1 Handt voll Golt wurtz, wurtzel vnd Kraut

1 Handt voll Weinrautten

1 Handt voll Brombetterbletter

1 Handt voll wermut

Dieses alles klein geschnitten und in ein Zinkann gethan, ein maß wein Essig darüber gegossen vnd al so lang kochen (?) lassen, wolverdeckt, danach mit der Kant gehob. zugemacht, daß kein dampff darauß geht, in einen Kessel mit wasser geseit, vnd 9 stund sieden lassen. Wann dieser widder kalt worden, in einen Helm gethan, vnd zu wasser gebraut, Essig vnd Kraut mit einander. Wan dan ein alt Persohn die Pest anstösset, gibt man ihm vier oder fünff löffel voll, darunter muß einer Haselnuß groß guter Thiriack gerieben werden vnd lkaß man ihn, ob er kaii schwitzen darauff oder sich sonsten wol bewegen, damit er nit schlafe. Dißes hat Gottlob an Bekanten allein vilen leicht geholfen“. RIESCHER, Die Wetterau, S. 381. Vgl. auch LAMMERT, Geschichte; RUFFIÉ; SOURNIA, Die Seuchen, S. 17ff.; BERGDOLT, Der Schwarze Tod; SEELBACH, In dieser harten und sterbenden Zeit, S. 292ff.; LWL-Archäologie für Westfalen [Hg.], Pest !

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Hackmeister, N

Hackmeister, N; Obrist [ – ] N Hackmeister [ – ] soll 1636 als Obrist[1] in schwedischen Diensten gestanden haben.

Unter 1636 ist festgehalten: „Bereits am 2. Mai war der Großvogt[2] von der Wense[3] in Hildesheim[4] eingetroffen, und hatte, im Auftrage des Herzogs von Celle,[5] dem Herzoge[6] vertrauliche Mittheilungen über die Absicht der Schweden gemacht.

Der Schwedische General-Major[7] Beckmann[8] und der Oberst Hackmeister waren ins Lüneburgsche eingerückt und hatten Winsen an der Aller[9] und die Umgegend besetzt, ohne jedoch Feindseligkeiten zu begehen. Ein Rittmeister[10] Claus Heinrich von der Decken,[11] der erst ganz kürzlich aus Schwedischen Diensten in die des Herzogs von Celle übergetreten und vom Letztern zum Hoop,[12] ohnweit Winsen an der Luhe,[13] angestellt war, hatte von einem Schwedischen Officier, der ihn irriger Weise noch in Schwedischen Diensten zu stehen glaubte, den Befehl zugestellt erhalten, Alles zum Angriff des Lüneburgschen in Bereitschaft zu setzen, weil, sobald der General-Major Phul[14] an die Elbe gerückt seyn würde, die Feindseligkeiten gegen den Herzog von Celle ihren Anfang nehmen sollten“.[15]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obrist [schwed. överste, franz. mestre de camp, dän. oberst, tschech. plukovník]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. In der Garnison Leipzig bezog ein schwedischer Obrist der Kavallerie 1642/43 noch 200 Rt., 1644 120 Rt. u. 30 Rt. Servis, ein Obrist der Infanterie dagegen nur 69 Rt. u. 30 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Seit Kriegsanfang war man auf Beute fixiert. Zeitungsbericht aus München, 3.12.1620; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 316: „So meldet Herr Wentzin [Lorenz Wensin v. Rohlstorf zu Kronwinkel; BW] das er biß in 60000 fl. wehrt bekommen vnnd mus ein schlechter Obr: oder Hauptmann sein der in diesem Krieg nicht vber 30000 fl. erobert“ habe. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollte, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten u. offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630: HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 14f.: „Unndt wurde eß uf solchenn fall sich leichtlich gebenn, ob Euer Kay. Mayt. alßdann auff solcher Leute Dienste, die nichtes mehres alß groß unndt reich zu werden suchenn, die auch wol, wenn sie den Seckel gefulllet, lieber inn ruhe zu sizenn, alß zu fechten begehrenn möchtenn, sich mehr, alß auff ihrer gehorsamen Churfürsten undt Ständte gutten, getreuesten und gehorsambsten affection werden verlassenn können“. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, v. denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de edoced000228/start.htm, [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 mille, Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Maximimilian v. Waldstein; BW]“. Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.; KAPPELMEYER, Die Obristen der Krone Schweden.

[2] Großvogt: oberster u. vornehmster Vogt, der andere Vögte unter sich hat. Im Fürstentum Celle hatte der Großvogt in Haushaltungs- u. Rechtssachen bis 1772 die Aufsicht über die Amtsvogteien.

[3] Georg v. der Wense [20.5.1582 Eldingen ?-2.8.1641 Celle], Großvogt v. Celle, Kammerrat des Fürstentums Lüneburg, Mitglied Nr. 203 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Erste“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 210f.

[4] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATH, Konfessionskampf.

[5] Friedrich IV. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Celle [28.8.1574-10.12.1648], 1636-1648 Fürst v. Lüneburg.

[6] Georg Herzog v. Braunschweig-Lüneburg [17.2.1582 Celle-2.4.1641 Hildesheim], Bruder der Fürstin Clara v. Heringen. Nach Aktivität in dänischen Diensten 1626 Beförderung zum kaiserlichen Obristen u. 1631 zum General. Nachdem Georg 1631 schwedischer Bündnispartner geworden war, wurde er im Januar 1633 v. Oxenstierna mit dem Oberbefehl über die schwedischen Truppen zwischen Elbe u. Rhein beauftragt, den er bis Februar 1634 gemeinsam mit Feldmarschall Dodo v. Knyphausen ausübte. 1635 Beitritt zum Prager Frieden, 1639 Wiederanschluss an Schweden. Er starb während der Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug gegen den Kaiser. Seit 1634 Mitglied Nr. 231 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Fangende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 250ff. KUHLBRODT, Clara von Heringen, S. 72f. Vgl. DECKEN, Herzog Georg; DYLONG, Feldherr und Staatsmann.

[7] Generalmajor [schwed. generalmajor, franz. maréchal de camp, engl. major general, dän. generalmajor, tschech. generalmájor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen, bayerischen, dänischen u. schwedischen Armee wahr. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen u. dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen u. dem Feldmarschallleutnant.

[8] Eberhard [v.] Beckermann [Beckermandt, Beckermond, Beckermen, Belchermann] [1576 Arnsberg-1641 Kassel], schwedischer, dann hessen-kasselischer Generalmajor, verheiratet mit Lukretia v. Semm, die aus Brabant stammte u. bei der Geburt ihrer Tochter Lucretia verstarb.

[9] Winsen/Aller [LK Celle]; HHSD II, S. 497.

[10] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Schwadron, Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler u. Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler u. Plattner 1 Feldkaplan u. 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- u. Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, 175 fl. bei den Kürassierern (1640), den Arkebusieren, Dragonern u. Kroaten 150 fl.; SCHMID, Quellen, S. 157f., während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich dotiert gewesen, in der kursächsischen Armee dagegen mit 174 fl.; MÜLLER, Das Söldnerwesen, S. 13. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 25.11.1635, waren es 250 fl.; MÜLLER, Schicksale, S. 70. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute u. Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Kavallerie ein Rittmeister 20 Rt. 20 Gr. zehntätige Lehnung, bei der Infanterie 1 Rt. 12 Gr. 11. Pf., BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. In der Leipziger Garnison erhielt ein schwedischer Rittmeister 1642/43 monatl. 62 Rt. 12 Gr. u. 33 Rt. für 6 Pferde, 1644 65 Rt. u. 10 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- u. Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren 1645 200 Rt. Ranzion (Lösegeld) für ihn aufzubringen. Ein verletzter Rittmeister erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 300 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1666, S. 598.

[11] Klaus Heinrich v. der Decken [Dekken] [ -6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Obristleutnant.

[12] Hoopte, heute Ortsteil v. Winsen/Luhe [LK Harburg]; HHSD II, S. 497f.

[13] Winsen/Luhe [LK Harburg]; HHSD II, S. 497f.

[14] Adam v. Pfuel [Pfull, Pfuhls, Phuell, Pfuell, Pfuhl] [1604-5.2.1659 Helfta], Sohn des Adam v. Pfuel [1562-1626]; zunächst Page Gustav II. Adolfs v. Schweden [1594-1632]; schwedischer Obrist (1632), Generalmajor (1637) u. Generalfeldzeugmeister (1641), Schwager Banérs; vgl. EMMERLING, Bonus Miles Christi; ZIRR, Die Schweden.

[15] DECKEN, Herzog Georg 3. Bd., S. 80.

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Decken, Bartold Otto von der

Decken, Bartold Otto von der; Rittmeister [ – ] 1639 empfahl Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg[1] den Rittmeister[2] Bartold Otto von der Decken [ – ] Melchior von Hatzfeldt[3] für den kaiserlichen Kriegsdienst.[4]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Georg Herzog v. Braunschweig-Lüneburg [17.2.1582 Celle-2.4.1641 Hildesheim], Bruder der Fürstin Clara v. Heringen. Nach Aktivität in dänischen Diensten 1626 Beförderung zum kaiserlichen Obristen u. 1631 zum General. Nachdem Georg 1631 schwedischer Bündnispartner geworden war, wurde er im Januar 1633 v. Oxenstierna mit dem Oberbefehl über die schwedischen Truppen zwischen Elbe u. Rhein beauftragt, den er bis Februar 1634 gemeinsam mit Feldmarschall Dodo v. Knyphausen ausübte. 1635 Beitritt zum Prager Frieden, 1639 Wiederanschluss an Schweden. Er starb während der Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug gegen den Kaiser. Seit 1634 Mitglied Nr. 231 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Fangende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 250ff. KUHLBRODT, Clara von Heringen, S. 72f. Vgl. DECKEN, Herzog Georg; DYLONG, Feldherr und Staatsmann.

[2] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Schwadron, Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler u. Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler u. Plattner 1 Feldkaplan u. 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- u. Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, 175 fl. bei den Kürassierern (1640), den Arkebusieren, Dragonern u. Kroaten 150 fl.; SCHMID, Quellen, S. 157f., während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich dotiert gewesen, in der kursächsischen Armee dagegen mit 174 fl.; MÜLLER, Das Söldnerwesen, S. 13. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 25.11.1635, waren es 250 fl.; MÜLLER, Schicksale, S. 70. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute u. Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Kavallerie ein Rittmeister 20 Rt. 20 Gr. zehntätige Lehnung, bei der Infanterie 1 Rt. 12 Gr. 11. Pf., BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. In der Leipziger Garnison erhielt ein schwedischer Rittmeister 1642/43 monatl. 62 Rt. 12 Gr. u. 33 Rt. für 6 Pferde, 1644 65 Rt. u. 10 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- u. Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren 1645 200 Rt. Ranzion (Lösegeld) für ihn aufzubringen. Ein verletzter Rittmeister erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 300 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1666, S. 598.

[3] Melchior Friedrich Gottfried Reichsgraf Hatzfeldt [Hatzfeld, Hartzefeld, Hartzfelt, Hörßfeld, Haesfeld] v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], Bruder des Würzburger Bischofs Franz v. Hatzfeldt, für den geistlichen Stand bestimmt, kaiserlicher bzw. kurbayerischer Feldmarschall-Leutnant, Generalfeldzeugmeister u. Feldmarschall. Am 6.8.1623 Teilnahme am Kampf bei Stadtlohn, 1625 Wechsel ins Heer Wallensteins als Obristleutnant unter Franz Albrecht v. Sachsen-Lauenburg, 1627 Teilnahme am Feldzug gegen die Dänen, 1629 Marsch nach Mantua, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, 1632 Obrist u. Kommandeur eines eigenen Regiments, 1633 Beförderung zum Feldmarschallleutnant, 1634 wurde er Generalfeldzeugmeister u. 1635 Feldmarschall wegen der Verdienste um die Eroberung Kaiserslauterns, am 4.10.1636 Niederlage in der Schlacht bei Wittstock gegen Johan Banér als militärischer Ratgeber Johann Georgs I. v. Sachsen, 1637 Venichtungsfeldzug in Sachsen, am 17.10.1638 Sieg bei Vlotho über Ruprecht v. der Pfalz, 1639 Belehnung mit der Herrschaft Gleichen (Thüringen) durch den Kurfürsten v. Mainz (diese Belehnung zwang Johan Banér 1640 zur Aufhebung der Belagerung Leipzigs), 1641 Erwerb der Herrschaft Trachenberg in Schlesien aus dem Besitz des hingerichteten Wallenstein-Anhängers Hans Ulrich v. Schaffgotsch, Kommandeur der kaiserlichen Armee in Westfalen, 1641 Eintritt in kurbayerische Dienste wegen Differenzen mit Matthias Gallas, am 24.11.1643 Erfolg in der Schlacht bei Tuttlingen über die Franzosen unter Josias v. Ranzau, 1644/1645 Ernennung zum Kommandeur der kaiserlichen Hauptarmee, am 6.3.1645 Gefangennahme in der Schlacht bei Jankau. Am 30.8.1657 zum kaiserlichen Heerführer gegen die Schweden in Polen ernannt, eroberte Hatzfeldt Krakau. KREBS, Aus dem Leben; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau.

[4] ENGELBERT, Hatzfeld, Nr. 34, S.53.

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Kämpen, N

Kämpen, N; Kornett [ -6.2.1637 Stadthagen] N Fante [ -6.2.1637 Stadthagen] stand 1637 als Kornett[1] in kaiserlichen Diensten.

Im Februar 1637 war Königsmarck[2] an dem geglückten Überfall schwedischer Truppen[3] auf Stadthagen[4] in der Grafschaft Schaumburg beteiligt: „Anno 1637. überrumpelte er den Feind bey Stadhagen / und erstieg diese Stadt mit Leitern / und da sie sich darinne wehren wollten / machte er 100. nieder / und nahm die übrigen gefangen bey 800. weil sie 2. Thore der Stadt verschüttet / und zum dritten kamen die Schweden hinein“.[5] Der schaumburgische Superintendent Johann Daniel Prange [um 1660 Bückeburg-24.12.1704 Lübbecke] hält in seinen „Begebenheiten“ fest: „Den 21 Jan. sind 6. Compagnie[6] kayserisches Volckes in den Stadthagen gekommen, welche bald darauf den Leuten die Kühe hier im Amte genommen, sie in die contribution[7] zu setzen, sind aber von den Schwedischen aus Minden[8] den 6. Febr. ebenfals geschlagen und gefangen[9] und Stadthagen ausgeplündert[10] worden“.[11] „Sehr schlimme Zeiten brachte das Jahr 1637. Am 21. Januar wurde die Stadt [Stadthagen/Grafschaft Schaumburg] durch das Salische[12] Regiment,[13] das sechs Kompanien stark war, und am 27. Januar durch eine Kompanie zu Pferde von 130 Mann unter dem kaiserlichen Oberstleutnant[14] von der Decken[15] besetzt. Es verbreitete sich bald das Gerücht, daß die Schweden, die in Minden, Rinteln[16] und Oldendorf[17] standen, einen Angriff auf Stadthagen planten. Infolgedessen wurde nur ein Tor offen gelassen, die beiden anderen verrammelt, in den Steinwegen Gräben ausgeworfen, und an den gefährdeten Stellen des Walles Fußangeln[18] angelegt. Am 6. Februar wurde der Handstreich von den Schweden unter dem Obersten[19] Wolf[20] und dem Oberstleutnant Königsmark, dem späteren General, in der Tat ins Werk gesetzt. Ein dichter Nebel begünstigte das Unternehmen, bei dem ein ortskundiger, aus der Nähe Stadthagens stammender Offizier namens Volbers[21] gute Dienste leistete. Frühmorgens, als man zur Kirche läutete, waren die Schweden bis dicht vor das obere Tor gelangt. Da bemerkte eines Bürgers Sohn, der über Feld gehen wollte, die Truppen im Nebel und alarmierte die Torwache, die noch gerade Zeit fand, das Tor zu besetzen. Aber die Schweden zertrümmerten bald teilweise die Torbalken und drangen zugleich durch den Wallgraben und die Pforthäuser in die Stadt ein. Der Überfall geschah so plötzlich, daß der Feind schon in der oberen Straße stand, ehe man aus der unteren Stadt zu Hilfe eilen konnte. Der Oberstleutnant von der Decken wurde von dem Lärm im Bett überrascht, hieb dann aber tapfer mit seinen Reitern auf die Schweden ein, die zweimal wieder bis ans Tor zurückgetrieben wurden. Als er dann aber tödlich verwundet wurde, war das Schicksal der Kaiserlichen entschieden: 40 Tote, darunter 6 kaiserliche Offiziere, bedeckten den Kampfplatz, 150 Verwundete wurden von den Stadtbarbieren[22] verbunden, und an 346 zu Gefangenen gemacht. Die Stadt wurde von den Schweden Haus bei Haus ausgeplündert und die Nacht dazu noch zu Hülfe genommen, alle Kornvorräte wurden aufgezeichnet und mit den Gefangenen mehrere Bürger, darunter auch Reineking als Geiseln nach Minden geführt, bis die Hälfte des vorhandenen Korns – 23 ½ Fuder[23] – abgeliefert, der Wall eingerissen und die Palisaden niedergehauen waren. Über diesen Überfall wurde ein genauer Bericht an die gräfliche Kammer eingereicht, der den Schaden auf 31 460 Taler angibt, die Einquartierung[24] des Salischen Regiments hatte vorher 12 186 Taler gekostet. Die Stadt mußte sich zudem noch gegen die Verdächtigung wehren, die Kaiserlichen in ihren Mauern verraten zu haben. Sie hielt die Sache für wichtig genug, sie auf einem Landtage zur Sprache zu bringen und einen Bericht darüber vorzulegen, wie an dem Tage des Überfalls der Wachtdienst versehen worden sei“.[25] Der erwähnte Stadtsekretär Laurentius Reineking hat einen Bericht über diesen Überfall hinterlassen: „Nachdem der H. Generalfeldzeugmeister[26] H. Graf von der Wall[27] dem hochlöblichen Salischen Regiment zu Pferde denn auch H. Obristen, von der Dekken Compania zu Pferde Ordre erteilet, daß dieselben in der Stadt Stadthagen, in der Grafschaft Schauenburg belegen, Quartier haben und vom Lande verpfleget werden sollten, also sind die Völker darauf den 21. Januar styl. vet. des 1637. Jahres ins Quartier gerücket. Und wie wohl den hohen und niederen Offizieren solcher Ort zur Defension und Unterhaltung viel besser und artiger mag beschrieben sein, so haben doch die anwesenden Offiziere nach eingenommenen Augenschein davon viel anders judicieren müssen, ohne daß auch dieselben von wohl affektionierten Leuten ihres Schadens in der Zeit getreulich sind avisieret worden, wie das nämlich an selbigem Ort nicht mit geringer Gefahr thäten liegen und von den Schwedischen in Minden und darum unattackiert nicht würden bleiben. Gestalt denn auch die anwesenden Offiziere nach eingenommenen Augenschein der Gräben, Wälle und Mauern die Gefahr dabei wohl erkennen können, so haben doch dieselben ohne expresse Ordre[28] den Ort nicht quittieren dürfen und sich äußerst bemühet, sich des Platzes vor den Schwedischen zu versichern und denselben nach Möglichkeit zu defendieren, derobehuf sie dann nicht allem nur ein Tor offen gelassen, die übrigen 2 Tore aber mit Blöcken und Mist zugemacht und versperret, auch vor den Toren her den Steinweg aufnehmen und daselbst Graben abziehen, zwischen den Toren aber und an den gefährlichsten Örtern des Walles Fußangeln legen lassen, sondern haben auch die Bürgerschaft dahin vermocht, daß täglich bei etliche 30 Personen die Wacht mitversehen müssen.

Ob nun wohl jedesmal bei Nacht die Wacht sehr wohl ist bestellet gewesen, so hat sich doch am 6. Februar des jetzt laufenden 1637. Jahres begeben, daß die Schwedischen in großer Menge zu Roß und Fuß, aus allen Quartieren versammelt, morgens um halb acht, eben wie man zur Kirche geläutet und die Leute sich zum Gehör göttlichen Worts verfügen wollen, in einem großen dicken Nebel vor der Stadt angelanget, davon keiner ohne eines Bürgers Sohn, welcher seiner Geschäfte nach über Feld gehen wollen und ungefähr die Truppen im Nebel gewahr worden, etwas gewußt. Dieser ist zum ersten ans Tor gekommen und der Schildwacht zugerufen, ob sie das Volk im Nebel auf dem Felde nicht halten sähe, welches dann wegen des großen, starken Nebels halber nicht geschehen können können, bis endlich die Truppen ins Feld sich näher gesetzet und der Stadt in großer Furie genahet, wie solches die ausgesetzte Bürger-Schildwacht, zumal die Reiter, welche die passierte Nacht mit gewachet, des Morgens alle miteinander vom Walle gegangen und nur einen einzigen Reiter, neben den Bürgern, unten vor dem Tore gelassen und die Bürger allein die Wacht versehen lassen, gesehen, sind teils die Bürger vom Walle herunter gelaufen und mit Hilfe des Pförtners 3 Tore versperret. Indem haben die Schwedischen das vordere Tor angefallen und zum Teil in Stücke gehauen, andere sind auf beiden Seiten durch den Graben gefallen und den Wall erstiegen. Ein einziger Reiter ist auf den Wall, 2 Pistolen im Arm tragend, laufen gekommen, hat dieselbe auf den Feind gelöst und darauf bald die Flucht genommen, welchem die Bürgerwacht, zumal sie keinen Beistand gesehen und das Schießen am selbigen Ort überhand genommen, gefolget und so gut sie gekonnt, sich versteckt.

Als nun die Schwedischen ohne einigen Widerstand den Wall einbekommen, haben sie sich daselbst auf beide Seiten des Wachthauses gesetzet, um das Tor zu beschießen, damit sich keiner aus der Stadt sehen lassen dürfte. Inmittels sind etliche den Wall herunter durch die Pforthäuser gekommen und haben die Schlösser mit großen Hämmern und Äxten vor den Toren weggeschlagen und die Tore eröffnet. Darauf ist der ganze Troß,[29] eine große Menge Volk, hereingefallen. Und ist der Einfall so plötzlich gewesen, daß die Schwedischen schon das Obertor eingehabt, ehe es unten in der Stadt lautbar geworden.

Der Obristleutnant, welcher das Kommando gehabt, nachdem derselbe den Lärm im Bette gehöret und die Kleider nur über den Leib geworfen und etliche Reiter zu sich bekommen, hat tapfer auf die Schwedischen, welche schon in der Stadt gewesen, zugesetzt, und wird berichtet, die Kaiserlichen hätten die Schwedischen zweimal bis unter das Tor wieder zurückgetrieben, alldieweil die Schwedischen alsbald aufs Plündern gefallen und auf die Beute[30] allzu begierig gewesen. Als aber der Obristleutenant und andere Offiziere mehr tödlich verwundet und geblieben, zum Teil auch schon gefangen genommen, die übrigen auch sich von einer Straße in die andere retiriret, bis sie endlich vor dem Niedertore Stand halten müssen, hat es an selbigem Orte hart gehalten und mancher daselbst sein Leben lassen müssen. Endlich ist denen, welche sich gutwillig ergeben, Quartier[31] zugesagt. Und haben die Schwedischen alle Pferde von dem ganzen Regiment und von Obrleuten. Decken Comp. neben stattlicher Beute, Kutschen und Wagen, da denn der Bürger Pferde in der Gesellschaft auch sind mit fortgenommen, bekommen. An Gefangenen sollen an die 346 gen Minden geschickt sein.

An der Kaiserl. Seite sind von Offizieren geblieben: Obristleutenant Johann von Boemer,[32] Rittmeister[33] Gerbrandt,[34] Rittmeister Fante,[35] der Capitänleutenant,[36] ein Leutenant,[37] Cornet Kämpen, Wachtmeister[38] und andere gemeine Reiter. Von den Schwedischen sind keine Offiziere, dennoch mehr Soldaten denn von den Kaiserl. geblieben. Allhier sind überall an Offizieren und Soldaten 18 Personen begraben, dazu haben die Schwedischen 2 tote Körper mit nach Minden genommen. Die Stadtbarbiere berichten, daß sie an selbigem Tage zusammen 150 Gequetschte verbunden hätten. Die Schwedischen haben der Bürger Häuser jämmerlich spoliiert[39] und hat das Plündern noch folgende Nacht durch und durch gewähret. Vor dem Aufbruch hat man den Bürgern die Balken visitieret[40] und alles Korn beschreiben lassen, hernach Geiseln von der Stadt mitgenommen, bis alles Korn zur Hälfte nach Minden geliefert und der Wall eingerissen und die Pallisaden hiedergehauen“.[41]

Der gewöhnlich gut informierte Hildesheimer[42] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Conrad Jordan[43] hält in seinem Tagebuch unter dem 6./16. 2.1637 fest: „Fielen die Schwedischen aus Minden, haweten in Stadthagen von 6 Compagnia 40 nieder nebest dem Obrist-Liutnand Behmer, die übrigen namen sie gefangen“.[44] 17./27.3.: „Diese Wochen praeter propter[45] haben die Kayserliche im Stift Münster den jungen und letzten Graffen von Schomburg[46] mit sich gefangen genomen nach Münster,[47] begehren von Ihnen 900 Thl uf des Behmers Regiment, so jüngst in Stadthagen geschlagen, ist aber hernacher ohne entgelt loßgelaßen“.[48]

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[1] Kornett [schwed. kornett, dän. cornet]: Der Kornett führte die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entsprach der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold;  z. T. wurden allerdings 240 Rt. (!) in besetzten Städten (1626) erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermarck, S. 15). Sein Anteil an 1.000 Rt. Beute u. Ranzion betrug 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. => Fähnrich; Fahne.

[2] Hans Christoffer [Christoph] Graf v. Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc] [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. Vgl. [N., N.], Leben und Thaten; Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc], Hans Christoffer [Christoph] Graf von [I], [II], [III], [IV], [V] in den „Miniaturen“.

[3] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[4] Stadthagen [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 435f. Foto: Beckstet (wikimeidia commons).

[5] [N, N], Leben und Thaten, S. 22.

[6] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[7] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. In den bei Angriffen und Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten und um ein freies Schussfeld zu haben.

[8] Minden [LK Minden-Lübbecke]; HHSD III, S. 517ff. Vgl. NORDSIEK, Die schwedische Herrschaft.

[9] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen des Söldners Monro bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Man Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14.

[10] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95.: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“

[11] DOLLE, Bibliotheca Historiæ Schavenbvrgicæ, S. 29f.

[12] Hans Wolf Freiherr v. Salis [1597-6.4.1640 Wismar], kurbayerischer Obrist, kurbayerisch-kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[13] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[14] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[15] Klaus Heinrich v. der Decken [Dekken] [ -6.2.1637], kaiserlicher Obristleutnant.

[16] Rinteln [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 395f. Vgl. STÜNKEL, Rinteln.

[17] Hessisch Oldendorf [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 226f.

[18] Fußangel: „Defensivwaffe, die meist aus vier spitzen, eisernen Stiften besteht, die tetraedrisch miteinander verbunden sind. Aufgrund dieser Anordnung zeigt bei ebenem Untergrund immer eine der Spitzen senkrecht nach oben, wobei der Krähenfuß sicher auf den übrigen drei Spitzen zu liegen kommt. […] Krähenfüße dienten dazu, gegnerische Infanteristen an den Füßen und Pferde der Kavallerie an den Hufen zu verletzen, um sie somit in ihrem Vormarsch aufzuhalten und zumindest zeitweilig kampfunfähig zu machen. Dazu wurden sie vor oder bei einer Schlacht großflächig auf dem erwarteten Aufmarschgebiet des Feindes ausgebracht. Auf den meisten Böden wie im Gras, Sand, auf Äcker und Feldern sind Krähenfüße in der Hektik einer Schlacht nur schwer erkennbar. Sie haben in der Regel einen Durchmesser von 3 cm bis 20 cm. Ihre Spitzen sind je nach Ausführung mit Widerhaken besetzt, welche ihre Verletzungswirkung vergrößern und das Entfernen eingetretener Krähenfüße im Feld erschweren oder gar unmöglich machen“ (Wikipedia].

[19] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – und aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen und Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[20] Hans Erhard Wolff [ – ], schwedischer Obrist[leutnant ?].

[21] N Volbers [ – ], schwedischer Offizier.

[22] Balbierer: Barbier, Wundarzt. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit wurden Bartscherer, Badeknechte und Krankenpfleger als Barbiere (Balbiere) bezeichnet. Der Barbier pflegte die Haare und Bärte seiner männlichen Kundschaft. Zu seiner Aufgabe gehörte es, faule Zähne zu ziehen, zur Ader zu lassen, Klistiere zu verabreichen und ähnliche Behandlungen vorzunehmen. Die Barbiere haben sich vermutlich aus den Baderknechten entwickelt und auf einige bestimmte Aufgaben der Bader spezialisiert. Wie die Bader konnten auch die Barbiere die von ihnen genutzten Badestuben wegen der großen Kosten oft nur pachten und weil die Badestubengerechtigkeit gewahrt werden musste. Zwar gehörten Bader und Barbiere zum „Chirurgenhandwerk“, jedoch konnten Barbiere auch außerhalb der Barbierstuben arbeiten. Sehr riskante, aber gewinnbringende Eingriffe wie Steinschnitte (auch Matthias Gallas soll durch die Ungeschicklichkeit seines Steinschneiders ums Leben gekommen sein), Amputationen, Starstiche und sogar Geburtshilfe wurden von durchgeführt. Die Meisten aber lebten geringer bezahlten Tätigkeiten wie Aderlassen, Schröpfen, Rasieren, Zahnziehen sowie Wund- und Frakturbehandlung. Vgl. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 88ff. Zu den “Kenntnissen” dieser Balbierer vgl. Christian der Jüngere von Anhalt-Bernburg (1620); KRAUSE, Briefe, S. XI: „ ‚Nichts verdroß mich mehr,‘ äußert er sich, ‚als da der Graf Buquoy einen jungen Balbirer, der mich verband, fragte, wo ich geschädigt wäre, antworte: In den Rücken wäre ich von einer Musketenkugel durchschossen worden, da man doch darnach befunden, daß der Schuß, so durch die Brust gegangen, vom Pistol gewesen, der andere aber nicht durchgangen. Und ich mag mich rührmen, daß in dieser Schlacht ich den Feind ins Gesicht gehabt, auch da ich beide Wunden empfangen, ihm nicht den Rücken zugekehrt, welches wenige werden sagen können. Dieser unwissende Balbirer aber, weil er den Eingang der Pistolkugel vorm unterm rechten Arm nicht sah, und ich vor großen Schmerzen in der Achsel mich auch nicht recht alsbald besann, stieß mir das Instrument vorn in die Brust, da die Pistolkugel ausgegangen, hinein, und zur Schulter, da die Musketenkugel hineingegangen, wieder heraus. Ich meinte, es müßte als sein, und litte es geduldig, dessen mir die Wallonischen werden Zeugniß geben, sahe also das frische neue Blut herauslaufen, daß ich auch endlich den Balbirer zur Rede setzte, und glaube, er habe mich durch das Stören, sonderlich auf diese Weise, mehr verderbt, als die Wunden an sich selbst. – Es sind wol ein fünf Balbirer dieselbe Nacht über mich gewesen und taugte keiner nichts: Napolitaner, Teutsche, Franzosen, Wallonen‘ “.

[23] Fuder: 1 Fuder = 39 Scheffel = 78 Himten. 1 Scheffel = ca. 38-43 kg Roggen u. Weizen, = ca. 33-39 kg Gerste.

[24] Einquartierung: Die kostenaufwendige Einquartierung von Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren und Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen und Steueraufkommen und auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften und Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten und Abgabe von Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Universitätsangehörige, Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte und Gastwirte. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. Nach dem Überlinger Dr. Pflummern; SEMLER, Tagebücher, S. 393 (1642); sind „dise völckher zu roß vnd fůß nicht darumb zu vnß kommen, vnß oder daß land vor dem feind zu sichern, oder gegen denselbigen sich im veld sehen zu lassen, sonder allein hinder den mauren oder vnderm tach den bauch vnd seckhel zu füllen vnd alßdan den weeg weitter zu nemmen vnd vnß dem feind zum raub zu hinderlassen“. In den Quartieren gab es zudem Mord und Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger und Bauern waren trotz errichteter Quartiergalgen und hölzerner Esel alltäglich. Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph III, S. 359. Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden m mußen“. Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108.: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Eine längere Einquartierung konnte den Ruin ganzer Gemeinden und Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger von Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644):  „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“ VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Leipzig 1643; VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 609: „Den 2 Augusti hat sich ein 70jähriger Mann / Richter zu Zwey Nauendorff / aus Furcht / weil er von dem Käyserlichen Anmarch gehöret / selbst erhencket“.

[25] ZARETZKY, Stadthagen, S. 313f.

[26] Generalfeldzeugmeister [schwed. general för artilleriet, dän. generelt feldzeugmeister]: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt. Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Er erhielt nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) monatlich 1.200 fl.Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[27] Joachim Christian Freiherr, 1642 Graf v. der Wahl [Waall, Wall] [1590-31.8.1644 Ingolstadt], kurbayerischer Feldmarschall.

[28] expresse Ordre. Ausdrücklicher Befehl.

[29] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[29]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[30] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153.  Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Auf der Suche nach Beute wurden sogar Latrinen erfolgreich durchsucht; SAUERLÄNDER, Geschichte der Stadt Lüdenscheid, S. 107. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“.

Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“. Teilweise waren sogar Pfarrer mit auf Beute ausgezogen“. STÜNKEL, Rinteln, S. 20: „Im Oktober [1623; BW] erhält der Rat Kenntnis von einer für die Stadt sehr unangenehmen Angelegenheit, die unter Umständen die schwerstwiegenden Verwicklungen nach sich ziehen konnte. Uns aber zeigt dieses Vorkommnis, wie sehr schon in den ersten Jahren des Krieges die Moral der Bürgerschaft gelitten hatte. Es handelt sich um folgendes: Bürger der Stadt haben von den kaiserlichen Kriegsvölkern Seiner Exzellenz des Grafen von Tilly, die links der Weser von Exten bis Hemeringen lagerten, unter anderem gestohlenes Vieh gekauft und es durch Tillysche Soldaten nach Rinteln bringen lassen. Bei der Rückkehr von der Stadt in ihre Quartiere haben diese Kriegsknechte die Kirche in Hohenrode aufgebrochen und ausgeplündert. Als der Rat am 2. Oktober davon erfährt, ordnet er sofort eine Untersuchung über diese Vorkommnisse unter den Bürgern und Bürgerschützen an. Dabei stellt sich heraus, daß nicht nur einzelne Bürger im Tillyschen Lager gewesen sind, sondern daß auch Schützen aus allen Korporalschaften die scheinbar billige Kaufgelegenheit wahrgenommen haben und daß in diese schmutzige Angelegenheit, denn es handelt sich ja meist um gestohlene Sachen, nicht nur die Männer, sondern auch deren Ehefrauen und Dienstmädchen und auch die Schutzjuden verwickelt sind. Bürgermeister Curt Hanes Magd hat von den Soldaten Kleider gekauft, ein Knecht dem Juden Leaser eine geringe Kuh für einen Taler abgenommen, ein Fremder hat zwei große Kessel mitgebracht, die Frau von Carl Schnar hat elf Kuhhäute für 4 Tonnen Broihan eingehandelt, Carsten Bohne hat einen Krug für 2 ½ Groschen, Jürgen Bennemanns Magd einige Kleider, Lewin Storck eine Kuh für 2 ½ Taler, Hans Rosemeyer zwei Kühe und ein Rind für 7 Taler gekauft. Andere haben eingehandelt ein Pferd für fünf Koppstück, eine Büchse für einen Taler, Kessel, Messingkannen, Schaffelle, ein Leibstück für drei Brote, fünf Schlösser, die aus dem Hause von Wartensleben in Exten stammten – der Käufer behauptet aber, sie dem früheren Besitzer schon wieder angeboten zu haben – , Feuerschlösser, 15 Stück Leder, Mäntel und Leinwand, ein altes Feuerrohr, Degen, einen Messingkessel für einen Hut, einen kupfernen Kessel für zwölf Groschen, ein Bandelier, eine Kuhhaut, ‚so durchschossen‘, für 2 Koppstück, einen kleinen ‚Pott‘, ein Leinenlaken, ein Stück Samt, Wollgarn usw. Einer kaufte eine Axt von einem Soldaten, ‚der ihn Hungers halber um Gottes Willen gebeten, ihm ein Brot dafür zu geben‘ “.

[31] Quartier: Pardon, Gnade. Das hing zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450. Nach Lavater, KRIEGSBüchlein, S. 66f., hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „Wann aber ein Soldat eine eiserne / zinnerne / in speck gegossene / gekäuete / gehauene / oder gevierte Kugel schiesset / sol man ihm kein Quartier halten. Alle die / so gezogene Rohre oder Füseschlosse führen führen / haben das Quartier verwürckt. Item / alle diejenigen / die von eisen geschrote / vieregkichte / und ander Geschröt / und Stahel schiessen / oder geflammete Tegen haben / sol man todtschlagen: auch alle diejenigen / so man in einem Land / welches preis gegeben wird / vor dem Feind antrift / sol man henken lassen: Auch alle Spionen haben kein Quartier / sonder sollen ohn alle gnad gehenkt werden. Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Item / alle diejenigen / so ohne Paßporten zum Feind überlauffen / und wider ergriffen werden / sol man todtschlagen“. Auch wurde beim Angriff zum Teil die Parole ausgegeben, kein Quartier zu gewähren; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 609f. (Treffen bei Haselünne 11.1.1636). Doch selbst die Gewährung von Quartier bedeutete nicht, danach nicht noch getötet zu werden.

[32] Johann v. Boemer [Behmer, Bemer] [ -6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Obristleutnant.

[33] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Als kommandierende Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute und Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[34] N Gerbrandt [-6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Rittmeister.

[35] N Fante [-6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Rittmeister.

[36] Kapitänleutnant [schwed. kaptenslöjtnant, dän. Kaptajnløjtnant]: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[37] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als einer Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[38] Wachtmeister [schwed. sergeant, dän. sergent]: Unteroffiziersdienstgrad. Der Wachtmeister war zuständig für die Sicherheit des Lagers und der Truppen sowie für die Einteilung, Aufstellung, Beaufsichtigung der Wachen und Ausgabe der Losung. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen und 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Mit der Einrichtung stehender Heere wurde die Bezeichnung „Wachtmeister“ synonym für Feldwebel verwendet. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 32 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion erhielt er 23 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein Wachtmeister der Reiterei erhielt in der brandenburgischen Armee monatlich 40 fl. Erpresst wurden in besetzten Städten z. T. 48 Rt.; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15.

[39] spoliert: geplündert, ausgeraubt.

[40] die Balken visitieret: den Getreidespeicher untersucht.

[41] GERNTRUP, „ … der Bürger Häuser jämmerlich spoliiert“, S. 16ff.

[42] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[43] Dr. Conrad Jordan [10.11.1591 Bockenem-23.10.1659 Hildesheim], Chronist, seit 1620 Arzt, seit 1629 in Hildesheim wohnhaft, ab 1635 mehrfach Ratsherr, Stadtarchivar; SCHLOTTER, Acta; SCHLOTTER, Hans, Der Rat der Stadt Hildesheim von 1300-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 4, 1986, S. 581-585; SCHLOTTER, Hans, Die Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Hildesheim 1147-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 3, 1979, S. 551-558.

[44] SCHLOTTER, Acta, S. 261.

[45] praeter propter: darüber hinaus; ungefähr, etwa.

[46] Otto V. Graf v. Schaumburg [1.3.1614-14.11.1640 Hildesheim], regierte von 1636 bis 1640, nach Lemgo verschleppt und erst gegen Lösegeldzahlung wieder freigelassen. Er starb nach einem Bankett in Hildesheim mit dem schwedischen General Johan Banér, der Bückeburg zu seinem Hauptquartier gemacht hatte. => Quelle 9: Das Hildesheimer Gastmahl (1640); BLAZEK, Das Banersche Trinkgelage vom 28. Oktober 1640 und seine Folgen, S. 149–151.

[47] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[48] SCHLOTTER, Acta, S. 262f.

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Reuter af Skålboo, Lydert Henriksson [Hindersson, Henderson, Heinrichsohn, Hinrichson]

Reuter af Skålboo, Lydert Henriksson [Hindersson, Henderson, Heinrichsohn, Hinrichson]; Obrist [1601-21.1.1647] Der Finne[1] Lydert Henriksson [Hindersson, Henderson, Heinrichsohn, Hinrichson] Reuter af Skålboo [1601-21.1.1647[2]], der den Adelsnamen Reuter erst seit 1632 trug, war 1634 als Obristleutnant[3] Kompaniechef unter Matias Forbes[4] gewesen, bevor er Obrist[5] und Kommandant in Osnabrück[6] wurde.

Das finnische Östra-Nyland-Regiment[7] hatte erst unter Johan Berg,[8] dann ab ab 1635 unter Lydert Hendriksson Reuter af Skälboo gestanden. Reuter war von 1636-1639 in Minden,[9] 1639-1643 in Osnabrück und Nienburg,[10] 1644-1647 wieder in Minden stationiert.

Das Regiment hatte ab 1631 in der Eskorte Königin Maria Eleonoras[11] Fußknechte aus Österbotten nach Deutschland geführt und bei der Belagerung Hamelns[12] 1633 die schwere Belagerungsartillerie herangeschafft. Am 26.4.1636 gelang den Schweden[13] die Einnahme Mindens mit Hilfe des in braunschweig-lüneburgischen Diensten stehenden Majors[14] Plettenberg,[15] doch forderte die in der Stadt grassierende Pest[16] über fünfzig Opfer unter den Nyländern. Teilweise waren einzelne Soldaten des Regiments in Wittlage,[17] Lemförde[18] und Petershagen[19] stationiert.

Generalmajor[20] James King[21] weilte im Februar 1639 in Osnabrück[22]und brachte auf seinem Durchzug Nachrichten aus Schottland über die ausgebrochenen Feindlichkeiten mit Karl I.[23] mit. Daraufhin bat Lumsden[24] zum ersten Mal um seine Entlassung aus schwedischen Diensten und schrieb deswegen in diesem Jahr verschiedene Briefe an Reichskanzler Oxenstierna.[25] Er wollte nach Schottland zurück, nicht nur um seine Besitzungen, sondern auch um seine Ehre zu beschützen. Allerdings war Feldmarschall Banér[26] überhaupt nicht dazu bereit. Lumsdens Vorschlag, sein Bruder Robert[27] solle ihn als Stadtkommandant ersetzen, passte Banér überhaupt nicht, da er Robert Lumsden keinesfalls für geeignet hielt. Doch scheint Banér letztlich im Mai zugestimmt zu haben, als er als Ersatz entweder Lydert Hendriksson oder Gustav Gustafsson[28]

Gustav Gustafsson, der illegitime Sohn Gustav II. Adolfs, hatte angesichts der Hexenprozesse[29] in Osnabrück[30] vom Feldlager aus erklärt, dass er „nicht willens sei, solchen überauß gefehrlichen procedere ferners also stillschweigend nachzusehen“ und eine Strafe von 20.000 Rt.[31] angeordnet, dass „bei den Hexenprozessen anderer Gestalt nicht als vermüge der gemeinen beschriebenen Rechten und rechter Vernunft, nemblich Verstattung rechtlicher Defension und was dazu nötig, ante torturam verfahren“ werden solle.[32] Trotzdem wurden im Tross[33] zwei Verdächtige ausgemacht und der Stadt zur Inquisition übergeben.[34] Reuter forderte in diesem Jahr als Kommandant den Rat der Stadt zur Schließung der Marienkirche auf, als der Prediger Garve gegen die Wasserprobe (die Schwemmung als Hexen verdächtigter Frauen) eiferte und die Autorität des Gerichts zu untergraben versuchte.[35]  Dass Garve bei der Ankunft Reuters gegen dessen Ansinnen, die Krone Schweden und ihre Soldaten ins Kirchengebet aufzunehmen, Bedenken geäußert hatte, mag dazu beigetragen haben. Das Verhältnis zwischen den Soldaten und Bürgern scheint nicht schlecht gewesen zu sein. Nur ein Fall ist überliefert, dass ein Bürger einen bei ihm einquartierten Finnen im Streit erschlagen hatte. Da die Gerichtsbarkeit dem Rat zustand, setzte dieser schließlich eine Kommission ein und setzte schließlich eine Buße von 20 Talern fest, die an die Stadtkasse zu zahlen waren. Reuter akzeptierte dies natürlich nicht, setzte dem Rat mit Eingaben zu und wandte sich sogar – wenn auch vergeblich – an die Regierung in Stockholm, da er wohl zu Recht der Meinung war, dass das Geld den Hinterbliebenen in Finnland gebühre. Nur ein Fall versuchter Vergewaltigung[36] ist in den Akten überliefert. Reuter ließ den Schuldigen auf dem Heger Wall Spießruten laufen[37] und anschließend alle drei Tage drei Stunden lang auf dem hölzernen Esel reiten.[38]

Die Querelen mit dem neuen Landesherren nahmen zu. Reuter hatte sich höheren Orts beschwert, als Gustafsson das aufgestaute Hasewasser vor dem Herrenteichstor ablaufen ließ und Reuter, der ihn daran hindern wollte, mit der Waffe bedroht hatte. Er nannte ihn einen „unbesonnenen Menschen, der täglich wie der reiche Mann impudice[39] lebet und eigenen Gefallens, was er fast will, tut“. Báner nahm ihn 1640 aus der Schusslinie und bestimmte den schwedischen Obristen Hans Christoph von Burgsdorff[40] zu seinem Nachfolger, dem sich Reuter unterordnen musste.

„Am 14. Juli 1645 übertrug die Königin[41] in Stockholm das Amt Reineberg[42] mit seinem Vorwerk[43] und allen Pertinenzien[44] auf 5 Jahre dem Obristen Lydert Hendrichson (Henderson), und am 23. Dezember erhielt der Obristleutnant Carl Hendrichson[45] vom Feldmarschall[46] Lennart Torstensson[47]  das Amt Rahden[48] mit allen Pertinenzien.[49] In beiden Fällen wurden natürlich nur die Einkünfte aus den Ämtern und Vorwerken verliehen, die Hoheitsrechte, das jus superioritatis, behielt sich die schwedische Krone ausdrücklich vor“.[50]

Ein Schreiben der Stadt Stadthagen[51] vom 2.9.1646 ist gerichtet an den „HochEdlen Gestrengen, H. Lydert Hinrichsohn Reüter, der Königl. Maytt. vndt Cron Schweden wolbestaltem Obersten vndt Commendanten der Vestüng Minden ec. Vnserm sonderß großgünstigem hochgeehrten hern p“.[52] 1646 ist er in eine merkwürdige Geschichte involviert. Der Rektor der Universität Rinteln,[53] Wilhelm Deichmann, der bei der Bürgerschaft ohnehin sehr unbeliebt war, stand im Verdacht, Werbungen[54] für Frankreich betrieben zu haben. Er wurde deswegen auf Anordnung der schaumburgischen Landesregierung seines Amtes enthoben und in Haft gesetzt. Wieder auf freien Fuß gesetzt, berichtet das Ratsprotokoll, kommt er „eines abends zwischen 6 und 7 Uhr in Bürgermeister Hasphurts Haus und verlangt, daß man sofort ein Stadttor zum Einlaß einiger Soldaten öffne. Wenn es nicht sofort geschehe und die Soldaten von feindlichen Kriegsvölkern gefangen würden, so solle die Stadt dafür büßen. Er gebärdet sich ganz aufgeregt und droht, die Tore zu sprengen, wenn sie nicht sofort geöffnet würden. – Der Bürgermeister, der nichts Gutes von den Soldaten ahnt, wagt es nicht auf eigene Verantwortung und schickt seinen Diener, einige der Ratsverwandten zusammenzurufen. Aber Deichmann will nicht darauf warten. ‚Er dreuet und pochet[55] gewaltig, hat deswegen auff den Degen gegriffen‘, um den Bürgermeister gefügig zu machen. Als einige Ratsherren zusammen sind, reden sie gemeinsam auf Deichmann ein, sich zu beruhigen. Die Stadt wäre ein neutraler Ort und man könne so wenig den einen wie den anderen in die Stadt hineinlassen. Aber um dem Rektor entgegenzukommen, wolle man zunächst einmal den Paß von dem Korporal,[56] der die vier Soldaten aus Minden hergeführt hat, verlangen. Der Paß wird über die Mauer gereicht. Während die Soldaten vor dem Tore warten, suchen die Ratsherren herauszubringen, was Deichmann mit diesen Soldaten vorhat. Man kann jedoch nichts Rechtes ermitteln. Die Kriegsleute kommen im Auftrage des Obristen Heinrichsohn, und Deichmann versichert immer wieder, daß sie der Stadt keinen Schaden tun würden. – So öffnet man also die kleine Pforte und nimmt sie auf. Kaum in der Stadt, dringen sie mit Gewalt in verschiedene Bürgerhäuser, die Deichmann bezeichnet, und holen die Leute heraus. Es handelt sich angeblich um Bürger, die sich durch Deichmann hatten anwerben lassen. Henrich Wilkening, dessen jungen Sohn sie auch mitnehmen wollen, muß für die Freilassung an Deichmann 5 Taler bezahlen. – Als schließlich ein Tumult über diese Vorgänge in der Stadt  ausbricht und die Soldaten zunächst ihre Tätigkeit nicht fortsetzen können, überreicht der Korporal dem Rat ein Verzeichnis der Angeworbenen. – Leider hören wir aus den Alten nicht die Fortsetzung dieser etwas mysteriösen Angelegenheit. Nur aus einer Aussage Proles hören wir später noch folgendes darüber: Vergangen Winter sei er mit den Brüdern Pfeil auf deren Stube eingeladen gewesen. Sie hätten viel Bier getrunken, so daß er ganz betrunken war. Hernach wäre auch Doktor Deichmann gekommen. Er könne sich aber nicht mehr erinnern, ob die Brüder dem Deichmann versprochen hätten, in Kriegsdienste zu treten“.[57]

1647 nahm die Wittwe des am 21. Jan. verstorbenen schwedischen Commandanten von Minden,[58] des Obersten Hinrichson, Alles vom Amthause[59] mit sich fort“.[60]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Finnländer, auch hagapells, hakkapeller genannt [nach hakkaa päälle: hau drauf]: Sammelbegriff für Finnen, Lappen und Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern und Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von PLEISS. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant zu den in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie von Zeitgenossen als wild und brutal beschrieben wurden. Auch in Zeitzeugnissen wurden sie als „gottlose, schändliche Menschen, Saumagen“ bezeichnet (so WINTER, Möser’s Aufzeichnungen, S. 46). Aus Staßfurt wird unter 1639 berichtet; GEIß, Chronik, S. 136: „Es war muthwilliges Gesindel, das sich nicht commandiren lassen wollte. Den 9. [19.; BW] zogen diese Finnen wieder nach Quedlinburg, weil der Fähndrich sich beklagt hatte, daß er sie weder mit Worten noch mit Prügeln zwingen könnte“.Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil und Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert und zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas von Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den von den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands, S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im Allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität. Vgl. auch BECK, Chronik, S. 26 [Schweinfurt 1631]: „Mit dem König war auch ein Regiment Finnen zu Pferde eingezogen, und hatte auf dem Markte Halt gemacht. Ihr schwaches und mattes Aussehen, ihre geringe, wetterfarbene Bekleidung, ihre kleinen und unansehnlichen Pferde ließen eben nicht viel erwarten, und hätte nicht die Welt von ihren Thaten zu Leipzig gehört gehabt, hätte man wohl fast zweifeln mögen, ob sie auch einen Marsch bis Würzburg auszuhalten im Stande seien. Aber die Bewunderung abnöthigende Schnelligkeit ihrer Bewegungen und die prompte Ausführung jedes Commando’s, ja jedes Winkes der Offiziere erweckte bald bessere Begriffe, die sich, da man noch nicht so ganz wußte, wie die Sache ablaufen werde, allmählig beinahe in Furcht verwandelten“. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 72: „An den Finnen und Schweden hette der König diese Vortheil: 1. Könnten sie Frost vnd Kälte besser als Hitze vertragen. 2. Lieffen eher nicht / biß sie gleichsam mit der Natur fechten müsten. 3. Behülffen sie sich kläglich. 4. Ohne alle Meutenacion. 5. Weren vnverdrossen / vnd mit devallisiren fest nit zu erschöpffen / so weit es nicht leicht ein ander Herr mit seinen Vnterhanen gebracht“.

[2] 29.1.1647, nach http://www.geni.com/people/Lydert-Reuter-af- Lydert-Reuter-af-Skälboö /6000000007695462420.

[3] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[4] Matias [Matthias, Matthew] Forbes [Forbes of Lund, Finnesse Forbes, Fin-Forbes, Fin-Forbes, Forbus, Vorbusch] auf Jackarby [Fårbus uff Jackerby], [ -20.3.1641], finnischer Obrist in schwedischen Diensten. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 2248.

[5] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[6] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[7] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[8] Johan Berg auf Nurmis [ – ], schwedischer Obrist.

[9] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[10] Nienburg/Weser [LK Nienburg/Weser]; HHSD II, S. 346f.

[11] Maria Eleonora v. Brandenburg [11.11.1599 Königsberg-28.3.1655 Stockholm], Prinzessin von Brandenburg u. Königin v. Schweden.

[12] Hameln [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 192ff.

[13] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[14] Major [schwed. major, dän. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen u. Befehle des Obristen u. Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition u. war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch u. im Lager, beaufsichtigte die Wach- u. Patrouillendienste u. stellte das Regiment in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- u. Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie u. 300 fl. bei der Kavallerie, 200 fl. bei der dänischen Armee.

[15] Hieronymus v. Plettenberg [Plettenburg, Plettoberg] [ -1675 oder 1676], schwedischer Obristleutnant.

[16] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, v. HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] u. seinen Zeitgenossen neben Krieg u. Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133 f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX [=> mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest v. 1625 an der Pest v. 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden u. etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- u. Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später traten Bewusstseinsstörungen u. Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende u. äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten u. Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm u. waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen v. selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 % zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer u. erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle v. Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- u. Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder v. Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat u. die eine Letalität v. 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren starke Atemnot, Husten, blaue Lippen u. blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de]  lassen vermuten, dass es sich bei der Pest v. 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status u. Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung u. Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse u. andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser u. Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne v. vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet u. wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“. Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest u. Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt v. den Heiligen Sebastian u. Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit u. Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der v. „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurden,  aber auch v. Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand v. Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 92ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung u. wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. Vgl. auch LAMMERT, Geschichte; RUFFIÉ; SOURNIA, Die Seuchen, S. 17ff.

[17] Wittlage, heute Stadtteil von Bad Essen [LK Osnabrück].

[18] Lemförde [LK Diepholz]; HHSD II, S. 290f.

[19] Petershagen [LK Minden]; HHSD III, S. 609f.

[20] Generalmajor [schwed. generalmajor, dän. generalmajor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen, bayerischen, dänischen u. schwedischen Armee wahr. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen u. dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen u. dem Feldmarschallleutnant.

[21] James [Jakob] King of Birness and Dudwick, Baron Eythin und Baron Sandshult [Kieg, Kinge, Kyng, Kingy, Kink, Kinck, Kurden] [1589-9.6.1652], schwedischer Generalleutnant. MURDOCH, SSNE ID: 2814; MURDOCH; WALES, James King; BLACKER, Brief Sketches, S. 364f.

[22] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[23] Karl I. [19.11.1600 Duntermline-30.1.1649 London], 1625 bis 1649 König v. England, Schottland u. Irland.

[24] Sir James [Jacob] Lumbsden [Lumbsdaine, Lumsden, Lunsdane, Lumbsten, Lumsdail, Lumsdell] of Innergelly [ -1660 ?], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID 3003.

[25] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Oxenstierna gehörte einem der ältesten Adelsgeschlechter Schwedens an. Nach dem Studium des Staatsrechts u. der Theologie in Rostock, Wittenberg u. Jena im Spätsommer 1604 Eintritt in den Staatsdienst bei Karl IX. v. Schweden, Ende 1605 Ernennung zum entlohnten Staatsbeamten, am 10.10.1606 Abreise als Sondergesandter nach Mecklenburg, am 18.3.1607 Rückkehr nach Stockholm, Juni 1609 Ernennung zum Reichsrat, am 6.1.1612 zum Reichskanzler Gustav II. Adolfs v. Schweden, Ende Oktober 1626 zum Generalgouverneur Schwedens in Preußen. Oxenstierna trat für eine umfassende Mitverantwortung des Adels ein, die allerdings nur durch ein starkes Königtum gesichert war. Er wandelte den Reichsrat von einem nur vorübergehend eingeberufenen Gremium zur ständigen Regierung um, die unter seinem Einfluss die Politik Gustav II. Adolfs zumeist unterstützte. Auch der Reichstag, die Versammlung der Stände, wurde v. Oxenstierna reformiert. Er sicherte den Einfluss des Königs u. des Adels gegenüber der Bauernschaft, die durch immer neue Steuern diese neue Politik finanzieren musste. 1629 konnte er mit Polen den Frieden v. Altmark abschliessen, der Schwedens Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg erst ermöglichte. Nach dem Sieg bei Breitenfeld wurde Oxenstierna Bevollmächtigter der schwedischen Krone am Rhein, am 22.1.1632 kam er in Frankfurt am Main am Hofe Gustav II. Adolfs an. Am 5.12.1632 übermittelte Oxenstierna die neue „Regierungsform“ Schwedens an den Reichsrat, am 12.1.1633 wurde er bevollmächtigter Legat Schwedens im Heiligen Römischen Reich und Befehlshaber der dort stationierten Heere Schwedens, am 14.3.1633 Mitglied der Vormundschaftsregierung Königin Christinas, April 1633 Direktor des Heilbronner Bundes. Am 29.7.1634 bestätigte der schwedische Reichstag die neue „Regierungsform“. Nach der Schlacht bei Nördlingen löste sich der Heilbronner Bund wieder auf, was im April 1635 zu dem Treffen Oxenstiernas mit Richelieu in Compiègne führte. 1636 wurde er Leiter der Vormundschaftsregierung für Christina. Nach dem Regierungsantritt Christinas schwand sein politischer Einfluss. Am 20.11.1645 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 24. 9.1650 bejahte er die Erbmonarchie in Schweden. Oxenstierna, der im Laufe dieses Krieges zu einem der größten Gutsbesitzer Schwedens geworden war, gilt als der intelligenteste Politiker seiner Epoche. Vgl. allgemein WETTERBERG, Kanslern. ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 138, charakterisiert Oxenstierna prägnant als „humorlos, gelehrt, willensstark, arrogant, intelligent, ausgestattet mit einem phantastischen Gedächtnis, unerschöpflicher Energie und einem verblüffenden Organisationsvermögen“. MDSZ; GOETZE, Politik; ZIRR, Oxenstierna. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2, IRMER, Die Verhandlungen Schwedens Bd. 1-3.

[26] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. 1614 Offizier unter Gustav II. Adolf v. Schweden, 1620 Beförderung zum Hauptmann, 1621 zum Obristen, 1623 zum Generalmajor, 1630 zum Generalleutnant, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1632 Übernahme des Oberbefehls in Süddeutschland, 1633 Beförderung zum schwedischen Feldmarschall u. Übernahme des Oberbefehls über die in Schlesien stehenden Truppen. Nach der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 Bruch mit Sachsen, Zurückdrängung seiner Armee nach Norden, am 4.10.1636 Sieg bei Wittstock über kaiserlich-sächsische Truppen unter Melchior v. Hatzfeldt, Eroberung Erfurts u. Belagerung Leipzigs, nach Verstärkung seines Heeres durch Truppenkontingente des verstorbenen Bernhards v. Sachsen-Weimar 1640/1641 vergeblicher Vorstoß auf Regensburg, anschließend Rückzug nach Böhmen u. Sachsen. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[27] Robert Lumsden [Lumsdel, Lumisden, Lumsdain, Lumbsdale, Lumsdain, Lumbstein] of Stravithie [ -September 1651], schwedischer Generalmajor. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 514.

[28] Gustaf Gustafsson af Vasaborg [24.4.1616 Stockholm-25.10.1653 Wildeshausen], 1637 greve af Vasaborg), ab 1647 greve af Nystad, unehelicher Sohn Gustavs II. Adolf, schwedischer Heerführer, Reichsrat, 1633 bis 1648 Administrator des Hochstifts Osnabrück.

[29] Hexenverfolgungen im Heer: Als die Hexenverfolgungen in ihre zweite Hochphase traten, schien die Flucht ins Heer eine der Möglichkeiten sein Leben zu retten. In den zwanziger Jahren war Georg Rüger aus Wambach, der im Kloster Neustadt als Hausknecht gearbeitet hatte, wegen des gegen ihn geäußerten „zauberischen Verdachts“ entwichen u. in sachsen-lauenburg’sche Dienste getreten. Nach seiner Desertion, wahrscheinlich nach der Schlacht bei Lutter gegen Ende 1626, kehrte er nach Wambach zurück, wurde von einem zufällig anwesenden Offizier erkannt und dem Gericht übergeben: „Hier hat er dem Büttel bekannt, er wolle lieber sterben, als beim Regiment gehenkt [!] werden, man möge ihm ein gnädig Urtheil mitteilen“. Die Gnade bestand darin, dass er am 23.3.1627 erst enthauptet u. dann verbrannt wurde. STELZNER, Zauber- und Hexenwesen, S. 28ff. Der Söldner Peter Hagendorf berichtet in seinem Tagebuch (1629); PETERS, Söldnerleben, S. 137: “In Lippstadt gibt es gutes alte Bier und auch böse Leute. Ich habe ihrer 7 verbrennen gesehen. Darunter ist sogar ein schönes Mädelein gewesen von 18 Jahren, aber sie ist doch verbrannt worden”. In der Pfarrchronik v. Vach ist unter dem 31.3./10.4.1633 über die Truppen des Pfalzgrafen Christian I. v. Zweibrücken-Birkenfeld eingetragen; GROßNER; HALLER, „Zu kurzem Bericht“, S. 35: “Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden”. Als Deveroux Ende 1637 Anklam belagerte, wurde er offenbar mit aufkeimendem Hexenwahn in seinem Tross konfrontiert. Am Neujahrstag 1638 ließ er kurzerhand acht Frauen nach ausgestandener Folter auf dem Scheiterhaufen verbrennen. In dem Reisebericht des katholischen irischen Feldgeistlichen Thomas Carve, der ab 1636 ein kaiserlich-irisches Regiment begleitete, hieß es; MILGER, Gegen Land und Leute, S. 315: “1638 sind in dem Regiment Caroschi 8 Weiber ergriffen worden, welche man Zauberinnen oder Hexen zu nennen pflegt. Eine von diesen wurde ernstlich verhört, ja in die Folter nackend ausgespannt. Wollte aber nichts bekennen, bis man sie stärker aufzog. Da sagte sie rundheraus, sie hätte sich dem Teufel verheißen und mit ihm in Mannsgestalt oft zu tun gehabt. Erzählte auch viel vollbrachte Laster, Mordtaten und andere böse Stücke, samt ihren Gespielinnen, welche alle nach Gebühr gestraft worden”. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um das Regiment Carrascos, der 1646 in Obermarsberg [Landkreis Brilon] kommandieren sollte.

Der Benediktiner-Abt Gaisser hielt unter dem 27.1.1638 in seinen Aufzeichnungen fest; BUCHNER, Anno dazumal, S. 137f.: “Der 80jährige Greis O. T. aus Rohrbach, ein F. aus Neukirch, eine G. aus Furtwangen und eine weitere, ein armes Weiblein, aus dem Kinzigtal, werden wegen des schrecklichen Verbrechens der Hexerei in Trimberg hingerichtet. Ihre Schandtaten sind bei folgender Gelegenheit entdeckt worden. Als im letzten Sommer der Krieg zwischen der kaiserlichen und der französischen Partei, einerseits unter der Führung des Herzogs von Weimar, andererseits unter der des Joh. von Werth, diesseits und jenseits des Rheins geführt wurde, befiel eine erbarmungslose und furchtbare Seuche die Pferde in beiden Lagern, so daß sie allenthalben nicht (nur) einzeln, sondern fast schwadronenweise tot zusammenbrachen (umstanden); jedenfalls verlor Graf Isolani von seinem Regiment in Zeit von 14 Tagen über 200. Einen ähnlichen Verlust erlitten auch die andern Obersten, und die einen gaben der Luft- und Wasserveränderung die Schuld, die andern schrieben den Schaden dem mangelhaften Futter, und besonders dem Hafer zu, viele aber den Hexenkünsten, die sie einigemale durch unverkennbare Anzeichen entdeckt hatten. Wie dem auch sei, diesen [diese ?] Verluste bedrückte[n ?] das Heer dermaßen, daß die Weimaraner zuerst sich genötigt sahen, das Lager zu verlassen und sich in eine sichere Gegend zurückzuziehen. Auch die Kaiserlichen, die (damit) eine erwünschte Gelegenheit gefunden hatten, entfernen die ihnen noch übrig gebliebenen Truppen zu Pferd vom Ufer des Rheins und verlegen sie in die Talkessel des Schwarzwaldes hinein, in der Vermutung, es würde Roß und Reitern besser gehen, wenn sie durch Verpflegung und Futter aus frischer Ernte gefördert würden. Bei dieser Verlegung fiel der Triberger Bezirk dem Reiterregiment Geilings, eines hervorragenden Reiters, zu, von dem ein in Furtwangen einquartierter Soldat ein schon vorher angestecktes (enectum) Pferd verlor, bevor er es krank glaubte, dessen Verlust er Göttern und Menschen unaufhörlich klagte. Er belastete zuletzt damit ein ärmliches Weiblein, das das Spitalhaus (hospitii aedes) besuchte. Diese, durch Gefälligkeiten und Schenkungen des Soldaten erweicht, hatte wohl in der Unbedachtsamkeit ausgeplaudert, sie kenne den Anstifter des Pferdemordes, was sie aber gerade nach der Art derartiger Menschen als im Ernste gesagt ableugnete. Aber der Soldat beharrte zuletzt allen Einwohnern gegenüber darauf, daß er ausschwatzte, die Spitälerin sei durch Giftmischerei berüchtigt und von ihr sei das Pferd vergiftet worden. Auf die Bitte des Soldaten, den Hergang ordnungsgemäß zu berichten, und auf das Versprechen von strengstem Stillschweigen, gibt sie alles an. Der Soldat zeigt die Sache dem Gebietsherrn Philipp Nikolaus von Leyen an und erreicht soviel, daß die Spitälerin und die Frau selbst, die als Helfershelferin bei dem Verbrechen entlarvt wurde, verhaftet wurden und von jener, die das Verbrechen gestand, ihm der Preis für das Pferd ersetzt wurde. Als dann das Gayling’sche Regiment anderswohin in das Winterlager abzog, wurden noch andere, deren Namen ich oben erwähnte, verhaftet, und nachdem sie desselben Verbrechens der Hexerei sowohl durch eigenes als durch fremdes Geständnis überführt worden waren, werden sie zuletzt heute, durch die Sakramente fromm versehen, bei stürmischem Wetter hinausgeführt, zuerst enthauptet, dann verbrannt und büßten so ihre Schuld”. Nachdem durch starke Märsche, die Hitze etc. die Pferde erschöpft waren, trat im kurbayerischen Heerlager vor Durlach (Markgrafschaft Baden-Durlach) eine Seuche auf, denen viele Pferde zum Opfer fielen. Die bayerischen Kriegskommissare Johann Bartholomäus Schäffer u. Hans Adolf v. Starzhausen schrieben am 30.10.1643 an Maximilian I. v. Bayern; Bechtold, Hexen im bayrischen Lager, S. 140ff.: “E. Churfürstl. Durchl. berichten wir hiemit underthänigst, dasz nun vast alle Obriste sich täglich hefftigst beclagen, wegen des under Iren Regimentern eingerissenen Pferdtfahls, da sie doch von allerhandt artzneyen, täglich mittel brauchen; thails Pferdt sein lungenfaul, thails haben im Hertzen, wann manns öffnet, gelbes wasser, ahn thails, ungeachtet manns geöffnet, hat mann gannz keinen mangel innwendig finden können; Ettliche stehen underschiedliche tag kranck; ettliche seyen in 1. oder 2. stunden gesundt, und todt, und gemainlich fallen so bald die besten Pferdt; dahero, weiln an vilen bey der öffnung keine mängel gefunden werden, wollen vil dafür halten, es komme diser Pferdtfahl auch nit wenig von bösen Leuthen, denn Hexen und Zauberern hero; Obriste, Rittmaister und anndere haben unns gesagt, dasz bey Iren Regimentern und Compagnien underschiedliche weyber vorhannden, welche der Hexerei suspect und beschreyt sein, auch selbsten anainander schellten, dise habe dortt oder da, Leuth oder Vieh verzaubert. Es ist auch wol zu glauben, dasz dergleichen böse Leuth nicht wenig under diser Armada sein, dann vermuetlich vil Weibsbilder, welche annderer orthen wegen ihrer unthaten ausgeschafft, der Stätt und Lännder verwysen, auch wol ettwa gar mitt ruetten ausgesteubt wordten seindt, haben sich hinnach zu den Regimentern begeben, mitt den Soldaten ettwa verheurath, und verhänget, allso gelegenheit bekommen, ihre boshait zu üben; vil werden ettwa auch bey solchen hin und wider schleppen im Krieg, in deme sie offt dahinden bleiben, noth und angst leiden, zu Iren Männern nit kommen können, dis abscheuliche Laster der Hexerey erst im Krieg gelernet haben, Dann kann mann inn mannichem Landt, bey wolbestelltem Regiment, viler Beambter und gaistlicher aufsicht, solches grausame laster nicht aller orthen verhietten, wieviel mehr ist es zu muetmaszen, dasz dises bey solcher dissolution im Krieg einreiszen werde darinnen vil weiber auferzogen sein, die wenig guets gelehrnt oder gesehen, bey allerhand bösen Leuthen logirt, und inn deren böse gesellschaft gerathen. Wir haben hievon nun öffters mit den Generals Persohnen und Obristen discurirt, mit Erinnderung, weil wir verstehen, dasz vor Jaren beede Graffen, Pappenheim und Gronsfeldt, auch dergleichen gethan, so möchten Sie nicht weniger auf die so beschraitte Hexenweiyber greiffen, Sie zue verhafft ziehen, examinieren: und mit Inen, was recht ist, procediren lassen. Sie geben unns aber allzeitt zur antwortt, dises seyen hoehe, schwähre sachen, welche Inen, und Iren Regiments Schulthaiszen, zu urthailen, zu wichtig seyen; wann aber E. Churf. Durchl. ain, oder zween guette rechtsgelehrten darzue heraus deputiren wollten, köndte mann disem werck ainen anfang machen. Der Obrist La Pierre hatt unns erzehlt, dasz vor disem under seinem Regiment ain Scharpfrichter geweszt seye, welcher iezo in Schwaben wohne, der habe dergleichen Hexen erkennen und machen können, dasz solche anndere, in deme sie sich angeben miessen, erkennen können; disen will Er widerumb auf seine Costen holen lassen. Was aber E. Churf. Durchl. hierinnen verordnen, ob Sie Rechtsgelehrte heraus schicken, oder gleich von der Regirung Heidelberg ainen darzue deputiren, zusehen lassen, dasz mann auch anndere gelehrte Regiments Schuldthaiszen darzue gebrauchen köndte, und etwa dem General Auditor dise Commission bevehlen wollen, stehet bey dero gnedigstem belieben”. Am 3.11. schrieb der Kurfürst, man solle angesichts der militärischen Situation die Remontierung vorantreiben u. notfalls Reiter auf die Bagagepferde setzen. Ein Rechtsgelehrter wurde avisiert, während Starzhausen unter dem 2.11. berichtet hatte, dass der Ausfall durch den Einsatz v. Arzneimitteln bereits nachgelassen habe. Am 4.11. hatte Maximilian I. seinen Kriegskommissaren geschrieben: “Dieweilen vielleicht daraussen in Schwaben bevorab in Tibingen da die Universitet oder auch von den Clöstern bediente gelehrte leith auff ein interim zu bekommen sein und sie sich zu dem von euch vorgeschlagenen Hexenprozeß gebrauchen lassen möchten, So habt Ir dergleichen Subiectis mit vleisz nachzufragen, und da sie zu bekommen, sovil möglich ainen oder zwen vorzuschlagen; ain als andern weeg aber wollen wür auch heroben sehen lassen, ob man Jemandt darzu bekommen möchte”. Zugleich hatte Maximilian I. noch ein Rezept zur Kurierung der Pferde mitgesandt. Unter dem 6.11. teilte Starzhausen aus Walheim mit: “Ob zu Anfang und ausarbaitung des Hexen Prennens ein Qualificirtes Subiectum hieraus auf ein Interim zu erhandeln sein möchte, wollen der Schäffer und Ich uns an underschiedlichen orthen bewerben, und was wir ausrichten, Ew. Churf. Dchl. berichten”. BECHTOLD, Hexenverfolgen, S. 143. Eine neue französische Offensive scheint jedoch die Untersuchung gestoppt zu haben. Bekannt geworden ist der militante Katholik Johann v. Sporck, einer der wenigen “Soldaten v. Fortune”, Aufsteiger v. ganz unten, auch durch die Hexenverfolgungen in seinem Regiment. Noch als Herr auf seinem aus den Kriegsgewinnen erworbenen Gut Hermanmestetz [Hermanmestetz (Hermanuv Mestec, Kr. Chrudim] ließ er nach dem Krieg einen Taschendieb nach der Folter, obwohl dieser leugnete, Zauberer zu sein, auf dem Galgen mit einer eisernen Kette erdrosseln. Bei seinen Untertanen stand er selbst im Verdacht, über zauberische Kräfte zu verfügen. Sporck hatte Anfang Mai 1644 in Schwäbisch Hall die Schwemmung u. Verbrennung sechs als Hexen verdächtigter Soldatenweiber der unteren Dienstgrade u. einer Marketenderin angeordnet, alles ohne Rücksprache mit dem Regimentskommando. Da keine der dreimal nackt u. gefesselt in die Kocher geworfenen Frauen unterging, wurden sie unter der Folter verhört, nach dem “Geständnis” enthauptet u. verbrannt. Die Siebte gestand ohne Wasserprobe; sie wurde ebenfalls hingerichtet (RIEGLER, Reichsstadt Schwäbisch Hall, S. 71, Anm. 204; MIDELFORT, Witch-Hunting, S. 76f.). “Während des 30jährigen Kriegs lag Hanns von Spork, unter Kurfürstlicher Durchlauchtigkeit in Bayern, Obrist, dahier im Quartier. Dieser hat jedes Weib seiner unterhabenden Soldaten, welche er in den Argwohn und Verdacht gezogen, als wenn sie eine Unholde oder Hexe wäre, durch seinen Profos und desselben Steckenknecht fingernackend ausziehen, und gänzlich, auch ohne Bedeckung weiblicher Scham, entblößen, die linke Hand und den rechten Fuß, wiederum den linken und die rechte Hand, kreuzweise zusammenbinden, mit einem langen Strick um den Leib umgeben, und sie alsdann, in Gegenwärtigkeit vieler Personen, von Soldaten und Bürgern, Männnern und Weibern, unterhalb des Weilertors, da vor der Zeit das Wachhäuslein gestanden, in den Kocher werfen und einsinken lassen, den Strick aber hielt der Profos in der Hand; wann sie nun untergesunken, und nicht auf dem Wasser schwimmend geblieben, hat er selbige für kein solch Weib gehalten, da sie aber nicht in das Wasser hinuntergesunken, sondern auf dem Wasser geschwummen, hat sie müssen herhalten, ist demnach aus dem Wasser gezogen, zum andern- und drittenmal obgemeldeter Maßen geschwemmt und gebadet, darauf auch schrecklich tortiert und gefoltert, und auf ausgepreßte Bekenntniß mit dem Schwert bei dem Hochgericht hingerichtet und folgends verbrannt worden”. Stadtarchiv Schwäbisch Hall 4/3,fol. 987; DOLLINGER, Schwarzbuch, S. 285f. Vgl. SCHRAUT; BEUTER, Hexenwahn, S. 398. In einer Zeitungsmeldung hieß es dazu: “Dieses grausame Los traf in den Monaten März und Mai des J. 1644 ihrer sechs, darunter eine Lieutenantin, deren Namen nicht genannt ist, aus dem Herzogtum Holstein gebürtig 34 Jahr alt und der evangelischen Lehre zugetan … Desgleichen am 28. Mai eine Wachtmeisterin und eine Marketenderin. … Am 30sten Mai meldete sich sogar aus Einfalt und Angst Morgens noch kurz vor dem Abmarsch der Sporkischen Reuter ein junges Weib von 21 Jahren aus Hessen gebürtig, von selbst als eine Hexe, in der Hoffnung, dadurch falls sie im Verdacht wäre, ihr Leben zu retten. Aber vergeblich, auch sie wurde gebadet, und da sie nicht untersank, hingerichtet und verbrannt, von ihren beiden Mädchen aber das jüngere in das Spital aufgenommen, und das ältere einem Gürtler, Ezechiel Grünewald zur Kost verliehen”. BUCHNER, Anno dazumal, S. 137f.: KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben”, S. 288f. Um den üblen Eindruck dieser Schandtat zu verwischen, bot Sporck Bürgern, die sich freiwillig bereit erklärten, sich baden u. schwemmen zu lassen, Geld an; nur der Jude Löb, Löble genannt, in Untersteinbach ließ sich dreimal schwemmen, wobei er fast ertrank, u. erhielt 12 Thlr. Belohnung. Vgl. auch das Procedere des Obristen Fingerling (=> „Miniaturen“) in Schweinfurt; allgemein zum Problemkreis VOLTMER; IRSIGLER, Die europäischen Hexenverfolgungen. Teilweise wandten sich wie in Herford ein Hauptmann und Regimentsauditor einer 1637 in Warendorf gelegenen Kompanie an die dortigen Schöffen, da sie „als gute alte verstendige Practicanten und welche mit sothanigen harten Gesellen und Hexenmeistern, doch in allen Ehren, täglich umgehen“, um Rechtsbeihilfe. WOLF, Geschichte der Hexenprozesse, S. 752. Selbst Tilly als den nach landläufiger Meinung Hauptschuldigen an der Vernichtung Magdeburgs hatten die protestantischen Bayreuther auf einer Kirchweih im fränkischen Trockau gegenüber den Bambergischen als „Khönig und obristen hexenmeister“ gescholten, worüber es fast zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv2394, fol. 557-558′ (Ausfertigung): Schäffer an Maximilian I., Avisen aus Büchenbach, 1631 VI 12. Gustav Gustafsson hatte angesichts der Hexenprozesse in Osnabrück vom Feldlager aus erklärt, dass er „nicht willens sei, solchen überauß gefehrlichen procedere ferners also stillschweigend nachzusehen“ u. eine Strafe v. 20.000 Rt. angeordnet, dass „bei den Hexenprozessen anderer Gestalt nicht als vermüge der gemeinen beschriebenen Rechten und rechter Vernunft, nemblich Verstattung rechtlicher Defension und was dazu nötig, ante torturam verfahren“ werden solle. WOLF, Geschichte der Hexenprozesse, S. 690. Trotzdem wurden im Tross zwei Verdächtige ausgemacht u. der Stadt zur Inquisition übergeben. PLEISS, Finnen, S. 73; STRAHLMANN, Wildeshausen, S. 96ff. Lydert Henrichsson Reuter forderte 1639 als Kommandant den Rat der Stadt zur Schließung der Marienkirche auf, als der Prediger Grave gegen die Wasserprobe eiferte und die Autorität des Gerichts zu untergraben versuchte. PLEISS, Finnen, S. 82. Schon im vorausgegangenen Jahr hatte auf Veranlassung Hans Christoffer v. Königsmarcks in Osnabrück ein Verfahren stattgefunden, als in den Regimentsställen nacheinander 40 Pferde eingingen. Als dazu noch auffallend viel Ungeziefer u. Katzen auftauchten, entstand das Gerücht, es handle sich um Hexerei: Soldatenfrauen hätten die Pferde verhext, um das Ende des Krieges herbeizuführen. Der Verdacht fiel auf die Korporalsfrau Elsche Pagenstecher, die vermutlich aus dem Hessischen stammte. Der Rat Osnabrücks zeigte Bedenken, da es sich um eine persona militaris handelte u. die Indizien nicht ausreichend erschienen. Das Verlangen nach einem gefährlichen Entlastungsritual trat auf: Die Beschuldigte bestand darauf, zum Wasserbad [Schwemmen] gebracht zu werden, wahrscheinlich um dadurch der Tortur zu entgehen. Im Gefängnis hatte sie einen Selbstmordversuch unternommen, der ihr ohnehin als Schuldgeständnis ausgelegt wurde. Zum Verhör dachte man an den Scharfrichter Meister Matthias. Der Regimentsschulze Holck avanzierte zum Auditor. Trotz ihrer Schwangerschaft wurde sie der Tortur unterworfen, v. der selbst der Scharfrichter sagte, „man habe ihn und seinen Gehilfen ein mehres in torquando zugemuetet als sich gebühret, daß er vor seine persohn sich auch geweigert“ hatte u. die Ruten wegwarf. Schwangere waren gewöhnlich v. der Folterung ausgenommen. Teilweise wurden sie auch wie im hochstiftisch-würzburgischen Volkach gegen Kaution v. 500 fl. vorläufig auf freien Fuß gesetzt. WEIß, Hexenprozesse, S. 343. Der Prozess wurde unterbrochen u. nach der Geburt des Kindes fortgesetzt. Das von dem Rechtsgelehrten Dietrich Morus unter Berufung auf die CCC vorbereitete Todesurteil wurde noch am gleichen Tag vollstreckt. In dem Prozess gegen Anna Maria Schump in der schwedenfreundlichen Grafschaft Wertheim 1642 bekannte diese, das Handwerk v. zwei schwedischen Soldatenfrauen erlernt zu haben. DIEFENBACH, Hexenwahn, S. 64. Wie es scheint, haben die in den 1640er Jahren aus dem Krieg heimkehrenden Soldaten extremere Vorstellungen v. Satanskult erst nach Schweden importiert. ANKERLOO, Trolldomsprocesserna, S. 326-328; BASCHWITZ, Hexen, S. 321. 1640 ließ der Oberleutnant Seidlitz in Grünberg (Schlesien) die Frau eines Wachtmeisters, eine Marketenderin u. die Frauen zweier Gemeiner verbrennen. WOLF, Hexenprozesse, S. 900. Der hohe Verlust an Pferden wurde v. den Offizieren immer wieder auf Verzauberung (!) zurückgeführt. „Geweihte Sachen“, die Maximilian I. der Armee zur Verhütung v. Hexenschäden zukommen ließ, wurden den Pferden in die Mähnen eingeflochten oder in die Halfter eingenäht. MAIER, Unterpfalz, 387. So forderten der Konvertit Ulrich von Württemberg und Fleckenstein „Teufelsgaiseln“ für ihre Pferde und ließen sie ihnen an die Währen binden. DAMBOER, Krise, S. 83. Teilweise wurden durch einquartierte Soldaten auch entsprechende Beschuldigungen gegen Zivilisten erhoben, um Geld zu erpressen. Vgl. die Friedberger Chronik des Nikolaus Arnold (1614-1694), Bäcker und Landwirt, Ratsherr und Bürgermeister; WAAS, Chroniken, S. 291: „Nach diesen Grafen [Nassau u. Waldeck] kam der Rittmeister Westphal [2 Jahre vorher: 1. Juli 1641]. Dieser hatte rechte Freibeuters Dieb; dann er hatte sein Quartir allein im Ochsen, ließe seine Diebe eine ganze Nacht rauben und stehlen. Ließe H. Hans Bauschen einen Ochsen stehlen und thate ihn im Keller ab. Ließe mir einen Hund stehlen und vermeinten, mir mein Vieh zu rauben, aber sie waren verjaget. Da konnte der Dieb nicht an mich kommen, sagte, meine Frau hette seinem Reuter ein Pferd verzaubert und billigte dem Reuter, er solte ihm das Pferd bezahlen lassen, und hieße mich auf der Oberstuben einen Heksenmeister, wolte über mich her mit dem Degen, aber ich entsprang ihm. So ward das Pferd besichtiget durch Meister Hansen, Jakob Weimern und Wilhelm Hinsteln, so hatte der Dieb dem Pferd das Pflaster zersprengt. Aber der Diebsrittmeister hat seinen Lohn bekommen, ist mit einer Axt erschlagen worden, und [ich] mußte den 3 Mennern vor ihr Pferd-Visitation geben 2 th”. [Dieselbe Geschichte ist es offenbar, die der Chronist später noch einmal folgendermaßen erzählt:] “Anno 1644 im Oktober [?] hatte ich einen Reuter sampt seinem Bruder, Hans Albert genannt, hurtig vom Eichsfeld. Derselbe ritte auf die Diebspartei aus und hatte bei Frankfurt eine Mühl geplündert. Lude sein Pferd fast 10 Mesten Korn uf, und als sie im Heimreiten sein, stürzte sein Pferd bei Ilmstadt in der Nacht und hatte das Reiß [Rist, Widerrist, Gelenk zwischen Hals und Schulter] gesprengt und ein Loch überm rechten Aug am Kopf, das zum Hirn ging, gefallen. Ist den andern Tag verreckt. [Der Soldat] sagte, entweder ich oder mein Hausfrau Kathrein hetten’s ihm verhext, und forderte 60 Rth. darfür. Wir entschuldigten uns [bestritten es]. Sein Rittmeister Westphal sagte, mir solten’s ihme bezahlen. Und als es Meister Hans, der Scharpfrichter, ausführte, mußten der Schmidt und 3 Reuter mitgehen zu sehen, was ihm gemangelt. Da fand sich’s, wie obgemelt. Mußte der Dieb und sein Diebsrittmeister still schweigen. Kostet’s mich doch bei dem Schmidten 1 Rth., ohne was sonsten gekostet hat“. Selbst Kriegsverletzungen wurden auf Hexerei zurückgeführt. So hatte in der Grafschaft Lippe ein Sohn 1653 unter dem Einfluss der Zigeuner seine eigene Mutter, die ihm die Übergabe des Hofes verweigert hatte, beschuldigt. Diese schwamm dreimal auf dem Wasser; nach schwerer Folterung gestand sie u. wurde mit dem Schwert hingerichtet. WALZ, Hexenglaube, S. 115f.

[30] Vgl. WILBERTS, Hexenprozesse; STEBEL, Osnabrücker Hexenprozesse.

[31] Reichstaler/Gulden: 1 Reichstaler = 1,5 Gulden; 1 Reichstaler = 18 Batzen = 72 Kreuzer = 288 Pfennige, 1 Reichstaler = 21 Schillinge (ß) = 252 Pfennige (δ); 1 fränk. Rt. = 1, 2 fl. (1632), 1 fl. = 50 Liter Bier, = 5 Paar junge Hühner, Entgelt für die Säuberung zweier Wachtlokale. Reichsgulden: 1 Reichsgulden = 60 leichte oder rheinische Kreuzer (kr.) = ⅔ Reichstaler (Rtl.) = 16 gute Groschen = 24 Mariengroschen. Zur Umrechnung v. fl. in €: Wie problematisch eine derartige Umrechnung ist, zeigt www.mhoefert.de/PDFs/30_jaehriger_Krieg.pdf, der 30.000 fl. in ca. 3 Mill. € umrechnet (!). 1 fl. dürfte maximal 50 € entsprochen haben. Nach einer anderen nicht unproblematischen Umrechung würde 1 Rt. heute etwa 27, 3 € entsprechen. Nach WILDGRUBER, Dte feste Stadt Wasserburg, S. 74, entspräche 1 Rt. 60 DM, also etwa 30 €. Wenn selbst Bauernstiefel schon mit 20 fl. aufgelistet sind, würde das 540-1.000 € entsprechen. Sinnvoller wäre es, mit den Preisen für Gebrauchsgüter, Löhne etc. in den betreffenden Jahren zu verfahren, die in den einzelnen Gebieten je nach Kriegslage sehr unterschiedlich sind.

[32] WOLF, Hexenprozesse, S. 690.

[33] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) u. bildete sich, neben den Offiziers- u. Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern u. Heilkundigen, Köchen u. Handwerkern, Händler/innen u. Marketender/innen, Invaliden u. Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen u. Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen u. zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren u. Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, u. war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms u. seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[33] Christian II. v. Anhalt-Bernburg am 22.2.1637 anlässlich der Kämpfe um Leipzig 1637; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm (1637): „Jtem: daß die Kayserlichen sehr vbel hausen, ärger alß Türcken, mitt schendungen, vndt grawsamkeitten, weil viel Barbarische vndißciplinirte völcker vndter ihnen. Mitt dem droß seyen sie 100 mille Menschen starck, darundter 40 mille combattans“.[33] Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. v. Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombattanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[34] PLEISS, Finnen, S. 73; STRAHLMANN, Wildeshausen, S. 96ff.

[35] PLEISS, Finnen, S. 82.

[36] Vergewaltigung, „Schändung“, „Schwechung“: Vergewaltigung war in den Kriegsartikeln aller Armeen ausdrücklich verboten und mit der Todesstrafe bedroht, war aber von Anfang an eines der häufigsten Delikte, wenngleich z. T. in den offiziellen Kriegsberichten an den Kriegsherrn absichtlich unterschlagen, aber auch in den Taufregistern immer wieder auftauchend. Auf Vergewaltigung stand schon in den Kriegsartikeln Gustav II. Adolfs v. 1621 die Todesstrafe. THEATRUM EUROPAEUM 3. Band, S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden”. Im Taufregister der Kirche zu Wiesa wird als Vater eines am 7.8.1633 getauften Kindes eingetragen: “drey Soldaten”, für den am folgenden Tag getauften Sohn einer Witwe werden „zwene Soldaten” aufgeführt. UHLIG, Leidenszeiten, S. 11.; vgl. die Zweifel der Pfarrer bei GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 14, 66; Balgstedt im Besitz der Herren von Heßler und von Schieck 1616-1744: „1634 läßt Frau Thiele Zwillinge taufen; ihr Mann Hans Thiele hatte sie verlassen und war in den Krieg gezogen. In dem selben Jahre wird der außereheliche Sohn der Anna Schild getauft, welche sagt, sie sei voriges Jahr nach Pfingsten nach Laucha gegangen und auf dem Heimwege unterm Hain beim Spillingsgarten von einem Reiter überfallen worden, weshalb das Kind “Hans Reuter” getauft wird“. Zur Schändung auch von Schwangeren vgl. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 54. Teilweise waren selbst Reiterjungen daran beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: „2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können”. Im 1658 erschienenen „Schwedenspiegel“ heißt es unter dem 6. Gebot: „Deß Königs Gustavi Bastard Sohn Gustavus Gustavessen – wie er in Osenbrug [Osnabück; BW] Gouverneur gewesen – eröffnet bey nächtlicher Zeit alda einem ehrlichen Bürger sein Hauß – nimbt ihm seine Tochter – schändet sie – und sendet ihm solche hernach wieder zu Hauß. Wann solche Schelmstück – in Feindes Landen weren verübet worden – so were es ja mehr dann Gottloß – aber dieses alles ist geschehen – wie der Schwed ihr Beschützer seyn sollen“. Zit. bei STRAHLMANN, Wildeshausen, S. 91, Anm. 2. Über Sperreuter heißt es z. B. auch: „Der Bürgermeisterin von Wemding soll er die Pistole an den Kopf gehalten haben, als diese ihm nicht ihre 13-jährige Pflegetochter überlassen wollte. In Nördlingen soll er eine 12-jährige[n] Lohweberstochter genötigt haben, die er dann sogar zum weiteren Gebrauch mit nach Augsburg nahm“. KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 154f. Die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mag aus verständlichen Gründen um ein Vielfaches höher gelegen haben. Vgl. auch MAHR, Monro, S. 56f.; Denkschrift über den Ruin der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt infolge des Durchzugs, besonders durch die Kaiserlichen, aus dem Dezember 1634; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff.: „Das kaiserliche, hispanische und ligistische volk ist alles auf unsern gnädigen fürsten und herren gezogen, liegt auch dessen noch ein namhafter anteil im land; jetzo ziehen wieder 4 regimenter hindurch, brauchen einen wunderlichen weg, nicht nach der straßen, sondern gar umschweifig nach einem circumflexu. Wollen viel geld haben, dessen doch bei so vielfältigen, ganz grundverderblichen durchplünderungen keines vorhanden. Vieh, frucht ist alles weg; der wein, den man nicht austrinken können, in die erde gelassen. Die besten flecken und dörfer liegen in der asch. Etlich tausend weibspersonen seind geschändet, – ja gar auch junge knaben, quod horrendum – in der schändung gar getötet. Dem herrn kammerpräsidenten Karspach ist bei seiner lieben alten mutter begräbnis in unversehener behendigkeit eine trupp auf den hals kommen, haben 16 adeliche weibspersonen in der trauer an der mahlzeit befunden, deren 8 sobald genotzüchtigt, eine adeliche jungfrau, so eine Schelmin von Bergen (eine einige tochter ihrer eltern) gar auf den offenen markt gelegt und publice geschändet; 8 derselben adelichen damen seind entloffen, haben sich in ein hühnerhaus verkrochen, bis daß der sturm vorüber gewesen. Zween tag vor unsers gnädigen fürsten und herrn wiederanlangung in dero landen ist ein jählicher einfall in dero flecken Oberrosbach [Ober-Rosbach/Kr. Friedberg; HHSD IV, S. 356f.; BW] geschehen, seind alle und jede sich darin befindende weibsbilder (nur 4 ausgenommen) violento stupro vitiiert worden. Hin und wieder im land seind noch sehr viel weibspersonen verloren, von denen man nicht weiß, wohin sie kommen”. Sogar Reiterjungen waren an solchen Vorgängen beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: “2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können”. Das Kriegstagebuch des Rüthener Bürgermeisters Christoph Brandis (ca. 1578-1658) über die hessische Einquartierung 1636 hält fest; CONRAD; TESKE, „Sterbzeiten”, S. 309f.: „Den 7ten April geschah eine schaendliche That. Ein Soldat Namens Mathes quartirte in D-s Hause (c. Da der Name dieses Buergers noch wirklich in Ruethen existirt, so fand ich vor gut ihn hinweg zu lassen.). Dieser Mathes hatte ihn schon vorher durch Einschlagung der Fenster, Thueren und Tischen, ja selbst durch schwere Pruegelsuppen viel molestiert [= belästigt], nun fehlte pro coronide ceterarum crudelitatum [= als Krönung weiterer Gefühllosigkeiten] noch das schlimmste. Am 7ten Morgens, als mehrbesagter Mathes noch auf der Buehne [= dem Lagerboden] lag, rief er herunter, man sollte ihm einen Pott voll Milch bringen oder er wollte alles zusammenhauen. D. schickt seine Tochter ein wackeres 17 Jahr altes Maedchen, ins Nachbarshaus, um welche zu bekommen. Weil nun das Maedchen ein wenig lange ausgeblieben, hat der Mathes destomehr gelermt, bis sie endlich gekommen und ihr Vater ihr gesagt: Sie sollte es dem Soldaten hinauftragen. Sie war iussu Patris [= auf Geheiß des Vaters] kaum heraufgekommen, als sie der Mathes zu seinem Willen haben wollte, sie wehrte sich, so gut sie konnte, und rief nach Huelfe, der Soldat aber stak ihr die geknueffte (geballte) Faust ins Maul. Indeß hatte der Vater doch etwas davon gehoert, er eilte mit seiner Hausfrauen herauf, Mathes aber hatte die Thuer schon zugeschallert [= zugeriegelt], und die armen Eltern mußten durch ein Loch, das Mathes schon einige Zeit zuvor in die Thuer gehauen hatte, ihr eignes Kind schaenden sehen ohne ihr helfen zu koennen. Der Kerl hatte ihr benebens [= dabei] die rechte Brust (d. Im Original steht eine andere bloß in Westfalen uebliche Benennung.) weil es sich vermuthlich zu stark gewehrt hatte, ganz und gar aufgerissen, so daß ein ganzes Stueck nachhero herausgefallen, und das Maegdlein ganz unmenschlich zugerichtet, unter unaufhoerlichen Schmerzen 14 Tage darauf verstorben. Der Vater gieng heute mit mir zu dem Hauptmann, um sich wegen des mehr besagten Mathes zu beklagen; aber er gab uns trozig zur Antwort, wenn es einmal todt seye, koenne er nicht mehr helfen. Er bestrafte auch den Mathes keinesweges, sondern ließ ihn, wie andere frei herumgehen. Der Vater ist untröstlich, und jedem dauert das arme Maegdlein, requiescat in pace [= Möge es in Frieden ruhen !]”. Die Einfügungen in eckigen Klammern stammen von den Herausgebern, in runden Klammern von dem 1. Hg. Cosmann (1789). Die Bestrafung wurde in der Tat sehr unterschiedlich gehandhabt, vgl. etwa die Aufzeichnungen des Schmalkaldener Chronisten Pforr; WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636] sollte ein [schwedischer] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden”. WAGNER, Pforr, S. 133: „Den 27. Jan: [12635; BW] hat [ist] ein corporal von Mersinisch[en; Mercy, BW] regiment vollerweiße ins siechenhauß kommen, die arme leuht darin ubell geschlagen und ein sichen magd genotzüchtigt. Deßwegen der cornet von hießiger compagnia hinaußgeschickt worden, den corporal dieser thatt wegen in arest zu nehmen. Weil sich aber der corporal zur wehr gestellet, hat ihn der cornet todtgeschoßen”. Vgl. auch THEIBAULT, Landfrauen, S. 32, über einen einzigen derartigen Fall in der Werra-Region. Auf Klagen bei Kommandierenden hieß es z. T.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 122: „es sei aus unterschiedenen regimentern kommandiert volk und unter denselben Spanier, Neapolitaner, Burgunder, Italiener etc., die man nicht also in zaum halten könnte”. Vgl. die Vorgänge in Zerbst 1626; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 114: „daß auch ehrliebenden weibspersonen Unzucht, die abgenommenen sachen dardurch wieder Zu erlangen, Zugemuthet, vnd vnlengsten Bürgermeister Rühlen S. tochter, als sie in der schantze arbeiten müssen, von einem Soldaten mit gewalt geschändet, vndt ihrer ehren beraubet worden“.Vergewaltigung gehörte auch zur üblichen Topik in zeitgenössischen Berichten oder bei Geburt unehelicher Kindern; vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52. SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 58, die Schwängerung der Elschen Stovener, Amt Ravensberg (1631), die trotz Eides den Verdacht nicht unbedingt ausräumt, dass der eigene Vater die Tochter geschwängert hatte: „Anno 1631, den 3ten Junij Johan Stovener mit seiner Tochter Elschen, so geschwengert, gefenglich angenommen, und obwoll im gemeinen geschrey, alß sollte der vatter dieselbe geschwengert haben, so hatt doch die Tochter eidtlich beteuret, das ein soldate, so einen blauwen rock angehabt, sie ubergeweltiget und sie also geschwengert. Weil dieselbige nun grob schwanger, alß ist sie biß dahin, der banden entbunden, erlaißen und hat Aloff Varenbruck und was er an gelde alhie im lande hatt (38, 5 Rtl. bei 6 Schuldnern), zu burgen gestellett, diesergestaldt, das, wan sie ihrer weiblichen burde entbunden, sich jeder zeit widder einstellen soll. Zeugen. Und ist g(enante)r Johan Stovener, eine urpheide zue thuen, aufferlagt, welche auch in gegenwart Jorgen Kraecks prestiert”. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es ausdrücklich, dass sich die Schweden in der ganzen Zeit „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice; die Beschwerden der Pommern’schen Gesandten (1630); THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 190, CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto v. Estorf [1566-29.7.1637], berichtet zu 1632 über die Rache von Frauen; DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“. Zum Teil wird diese Gewalt gegen Frauen auch mit „schwechen” umschrieben. Zum Teil scheint man Versuche nicht besonders ernst genommen zu haben. Aus Zwickau (1632) wird berichtet; WILHELM, Descriptio, S. 181: „Den 14. Wurde ein Soldat auffm Esel gesetzt / welches zuvorhin offt geschehen / das er einem WeibesVolck Vnehr angemutet vnd sie zwingen wollen / dem wurden Stöcke an die Füsse gelegt / so dem guten Bruder sehr vexiret / welches gewähret / biß nach Mittag vmb 3. Vhr / do gehet ein Soldaten Jung vorvber / deme befehlen andere alda stehende Soldaten / er sollte dem die Stöcke von Füssen thun / so er verrichtet / vnnd solche auff einen Holtzwagen / so gleich vorvbergegangen geworffen / Es ist aber derselbe folgende Nacht auff die leiter gebracht worden / vnnd gehencket werden sollen / darbey grose Ceremonien vorlieffen / in deme man den Commendanten vnterschiedlich zu geruffen / vñ vmb gnade geschrien / so eine gute halbe Stunde gewehret / allein es hatte endlich das ansehen / als wen es nur zur Pravada wehre angestellet gewesen“.

[37] Spießrutenlaufen: Der Spießrutenlauf wurde angeblich v. Gustav II. Adolf eingeführt u. geht vermutlich auf das „Recht der langen Spieße“ oder das Lanzengericht der Landsknechte zurück. Kam es zu unehrenhaften oder besonders schweren Straftaten, die die Ehre des gesamten Landsknechts-Fähnleins oder -Regiments befleckten, so traten der Profos als öffentlicher Ankläger u. die Landsknechtsgemeinde als Richter auf. Die Landsknechtsgemeinde bestimmte drei Gruppen, die unabhängig voneinander ein Urteil empfahlen: Freispruch, Gnadenspruch oder Todesurteil. Während der Profos das Todesurteil begründete, konnte der Angeklagte seine Unschuld beteuern oder um Gnade flehen. Traten die Landsknechte für das Todesurteil ein, so begaben sie sich an die Hinrichtungsstätte u. bildeten dort in Ost-West-Richtung eine Gasse, an deren Seiten die Spießträger sich in zwei fest geschlossenen Dreierreihen aufstellten. Ließ ein Spießträger eine Lücke, um den Todeskandidaten entrinnen zu lassen, so drohte jenem, an dessen Stelle durch die Gasse laufen zu müssen. Am Ende der Gasse standen die Fähnriche mit den gesenkten, in Unehre gefallenen Fahnen. Der Verurteilte musste vor seinen Kameraden bekennen, dass er ihnen deren Urteil verzeihe. Dreimal durchschritt der „arme Mann“ begleitet vom Provos nun die Gasse, um v. seinen Kameraden Abschied zu nehmen u. sie um Verzeihung für seine Schandtat zu bitten, dann rollten die Fähnriche die Fahnen ein u. stießen sie umgekehrt in den Boden, der Provos schlug dem Sünder dreimal auf die Schulter, der Todgeweihte betrat die Gasse u. marschierte auf die Fahnen zu. Richter u. Henker waren in diesem Fall die Landsknechte selbst, die mit den zustoßenden Spießen die Schandtat straften u. damit die Ehre der Fahne wieder herstellen konnten. Im Zeitalter des Absolutismus wurde der Spießrutenlauf zum festen Bestandteil der Disziplinargewalt. Unter Aufsicht v. Offizieren bildeten ein oder mehrere hundert Soldaten mit vorgestelltem Gewehr eine etwa zwei Meter breite Gasse, die der bis zum Gürtel entblößte Verurteilte mit auf der Brust zusammengebundenen Händen mehrmals langsam bei Trommelschlag durchschreiten musste. Hierbei erhielt er v. jedem Soldaten mit einer Hasel- oder Weidenrute (Spieß- oder Spitzrute) einen Schlag auf den Rücken. [nach wikipedia]. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 336: „Denn 18. Junii [1635; BW] ist ein soldat in unser stad offentlich auf dem Marckt vorgestelt, der sich seiner obrigkeit widersetzt. Man hat ihm auf den Großen Freythoff gefuhrt, seinen ruck und gantzn brust gebloßet und was durch die spitzen gejaget und einn jeder soldat hat mit einer spitz ruthen auf seinen bloßen corper zugeschlagen, das er blutig gewordem“. Aus Zwickau wird 1641 berichtet; SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 647f.: „Den 29. [April, 9.5.1641; BW] ließ der Obriste Schliebe [Hans Heinrich v. Schlieben; BW] einen Mußqvetirer / darumb daß er einẽ Hauptman hatte bestohlen / aufhängen. Dieser war nur für 14. Tagen durch die Spießruthen gejaget worden : Er hat etliche mal zuvor gesagt, er möchte es machen wie er nur wolt / so wurde er nicht gehänget / biß auff Ostern / da wär seine Zeit umb / und dieses erging auch in der That also. Denn in Oster-Feyertagen kam er ein / und den dem andern Tag nach dem Fest wurde er gehänget“. Aus Pirna wird 1639 berichtet, dass ein Deserteur dreimal nackt durch 50 Spießruten laufen musste; SPECK, Zur Geschichte, S. 91. Der Zeitzeuge Ludolf von Münchhausen[37] [28.4.1570-21.9.1640 Hessisch Oldendorf] hält in seinen Aufzeichnungen unter 1639 fest; BEI DER WIEDEN, Oldendorf, S. 53.: „10. Januarii 1639 wart Kriegsjusticienrecht, dan funff Schwedische (doch Teutsche) sollen entlauffen wollen, welche ihn dem Oldendorpischen Klostergarten durch die andere Soldaten lauffen, nur bloss, musten, und strichen sie ihre eigene Mitgesellen mit Rueten“. Auch wenn Hinrichtungen gnadenhalber oder wegen Vorbitte nicht vollstreckt wurden, wurde der Täter zum Spießrutenlaufen verurteilt. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (29.10. a. St.1634); BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 216f.: „Hat man Cammer Recht gehalten über einen Soldaten von herrn Maiors Flersheims Compagnj, welcher sich dem Officier widersetzt, und die Musqueten ihme entgegen gesetzt, der ist condemniert worden, daß die Musquetierer ihne archibusieren solten, Ihme ist eiin Prediger zugeben worden, der ihne trösten sollte, Er hatt aber ganz und gar nichts betten kennen, ist demnach auff den platz gefüert, an die ufgerichte Saul hingesezt, und ihme die Augen verbunden werden, alsdann hat das Adenliche frawenzimmer ihne erbetten, darauff ihme gnad widerfahren, und das leben geschenckt worden, dergestalt, daß er abends, als die hauptwacht auffgefüert worden, dreymal durch die Spißruoten gejagt, hernacher aber wider unter der Soldatesca geduldet worden“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (17.2. a. St.1635); BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 258: „Haben 6. Rheingrävische Musquetierer von der Leib Compagni mit einander umbs Leben spihlen müessen, weil sie Truchen geplündert, dann einer musste davon sterben, hats verspihlt ein Junger kerle auß der undern Pfaltz gebürtig, der auch gleich archibusiert worden, die andere aber seind auff den abend durch die Spißruoten geiagt worden“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (11.3. a. St. 1635), BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 266: „Vormittag ist die Execution gegen erstgemelten 2. Roßdieben fürgenommen worden, die haben miteinander sphilen müssen, deren der eine 11. der andere 8. geworffen, dieser letste war aus der Gravschafft Mümpelgart, und wurde gleich darauf archibusiert: der ander aber nach mittag durch die Spißruoten geiagt“. SCHILLING, Patrick Ruthven, S. 155 Anm. (nach einer Ulmer Chronik): „Den 31. Januar 1633 ist zu Ulm Hans Löffler aus Tyrol, ein dortiger geworbener Soldat, mit dem Strang gerichtet worden. Zuvor hat er mit noch zwei andern seiner Kameraden, die mit ihm fahnenflüchtig geworden waren, um das Leben würfeln müssen.[37] Er warf 7, die andern 8 und 10. Von diesen mußte jeder 4mal durch die Spießruten laufen, worauf sie wieder unter die Fahne gestoßen wurden“.

[38] Esel, auf den Esel setzen: in Verlegenheit, Schande bringen; erzürnen. Beim Einrücken v. Truppen in eine Stadt mussten Galgen u. hölzerner Esel oder Pferd gezwungenermaßen v. den Zimmerleuten (meist auf dem Markt) errichtet werden. NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 21. Das Sitzen auf einem hölzernen Esel gab es als Militärstrafe für ungehorsame Soldaten; HINCKELDEY, S. 169; ZEITFUCHS, Stolberg, S. 271; z. T. als Strafe für Not- oder Unzucht; PESCHEK, Geschichte, S. 46; als Ehrenstrafe im peinlichen Strafrecht; MEINHARDT, Peinliches Strafrecht, S. 147; HINCKELDEY, Strafjustiz, S. 171; allgem. QUANTER, Die Schand- und Ehrenstrafen. Das Eselreiten wurde auch Ratsherrn u. Bürgern beim Ausbleiben der Kontribution angedroht. Dabei wurde ein auf die Kante gestelltes Brett in Eselform verwendet, das dem darauf Sitzenden nur die schmale Seite bot, so dass es tief ins Gesäß einschnitt; Abb. bei KÖNIG, Hexenprozesse, S. 49; erwähnt bei WREDE, Körperstrafen, S. 426* (für 1620 in Görlitz). Vgl. den Bericht des Chronisten Sebastian Dehner; HELLER, Rothenburg, S. 11: „1620. Mittwoch den 5. Januar hat Marggr. J. Ernst allhie auf dem Mark nebst bei der Trinkstuben wegen der Soldaten, damit sie im Zaum gehalten würden, einen Galgen, Schneller oder Schnerr, wie manß nennt, und einen Eßel aufrichten lassen. Der Esel ist gemacht geweßen von Brettern geformt und so hoch als eines Schmieds Notstall, der Schnöller und Galgen ungefähr 3 oder 3 1/2 mannßhoch. […] Wenn er den Eßel verdient, hat man ihn rittlingsweiß daraufgesetzt auf die Kante und zu beiden Seiten an jeden Fueß einen schweren Stein oder Plock gehengt und ihn bey 2, 3 oder mehr Stund, nachdem er verdient, darauf sitzen lassen“. Aus der Unteren Pfalz heißt es jedoch auch; MAIER, Unterpfalz, S. 323f.: „Auf vorgebrachte Klagen hin wurden die Übeltäter von ihren Offizieren entweder gar nicht bestraft oder im schlimmsten Fall auf die Esel gesetzt; wie ernst die Delinquenten diese Strafe nahmen, erkennt man daran, daß von den darauf Sitzenden manchmal ‚auch etliche Maß Wein gesoffen‘ wurden“. MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 596 (Schweinfurt 1644): „Als Martin Geißler, Scabinus [Schöffe; BW}, am 20. October von der Spitalkirche nach Hause gehen wollte, hieb ihm ein besoffener Gallasischer Soldat, ohne alle Ursache, auf offener Gasse, bey dem Hause des Bürgermeisters Billing hinterwärts mit einem Säbel eine große Wunde in den Kopf, daß er zu Boden sank. Der Soldat wurde sogleich ins Stockhaus gesezt und am 29. d. recht exemplarisch gestraft; denn er mußte 3 Tage hintereinander, jeden Tag 5 Stunden, auf dem Esel reiten. Weil dieß ein Soldat einem Bürger gethan hatte, war es ein schlechter Handel, wozu die Soldaten noch lachten. Wenn aber dieß ein Bürger einem Soldaten gethan hätte, würde man die ganze Bürgerschaft für Rebellen ausgeschrieen und es an den Kaiser und an alle Generäle berichtet haben“. Auch aus Rothenburg wird 1631 berichtet, dass dieser Vorgang fast schon alltäglich wurde; HELLER, Rothenburg, S. 64. Teilweise wurde das Reiten auf dem Esel auch Zivilpersonen angedroht bzw. vollzogen; STETTEN, Geschichte 2. Bd., S. 211: „Den 14. Septembris ließ der Gouverneur Oxenstirn [Bengt Bengtson Freiherr v. Oxenstierna; BW] etliche Bischöfliche, Capitlische und Fuggerische Beamte und Vögte, so ihre Unterthanen bey der Schantz-Arbeit zu erscheinen nicht angehalten hatten, zur Straffe durch den Profosen etliche mal um das höltzerne Roß oder Esel herumführen“. SCHRÖDER, Chronik der Stadt Minden, S. 583: „Welche Exzesse sich in dieser Stadt die Soldateska erlaubte, geht aus einem Briefe dieses Feldherrn [Torstensson; BW]  an den Generalmajor Sabelitz [Zabeltitz; BW] hervor, daß ‚ein Majeur von der Garnison sich unterstanden einen Bürger gleichsamb unerhörter Sache auf den Esel setzen und demselben noch dazu eine Bürde oder Last von Steine an die Beine hengen zu lassen‘ “. Aus Zwickau (1632) wird berichtet; WILHELM, Descriptio, S. 181: „Den 14. wurde ein Soldat auffm Esel gesetzt / welches zuvorhin offt geschehen / das er einem WeibesVolck Vnehr angemutet vnd sie zwingen wollen / dem wurden Stöcke an die Füsse gelegt / so dem guten Bruder sehr vexiret / welches gewähret / biß nach Mittag vmb 3. Vhr / do gehet ein Soldaten Jung vorvber / deme befehlen andere alda stehende Soldaten / er sollte dem die Stöcke von Füssen thun / so er verrichtet / vnnd solche auff einen Holtzwagen / so gleich vorvbergegangen geworffen / Es ist aber derselbe folgende Nacht auff die leiter gebracht worden / vnnd gehencket werden sollen / darbey grose Ceremonien vorlieffen / in deme man den Commendanten vnterschiedlich zu geruffen / vñ vmb gnade geschrien / so eine gute halbe Stunde gewehret / allein es hatte endlich das ansehen / als wen es nur zur Pravada wehre angestellet gewesen“.

[39] impudice: schamlos.

[40] Hans Christoph v. Burgsdorff [Burckersdorff, Burchtorf, Busdorp] [14.9.1602 Prag-30.3.1672 Halberstadt], schwedischer Obrist.

[41] Christina Königin v. Schweden [17.12.1626 Stockholm-19.4.1689 Rom]. Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden; BUCKLEY, Christina; HEYDEN-RYNSCH, Christina von Schweden. OPITZ, Hausmutter und Landesfürstin, S. 366f.: „Sie wurde wegen ihres ausgesprochen männlichen Kleidungs- und Lebensstil berühmt und galt den Zeitgenossen als lebendes Beispiel für die virilen Tugenden hochgeborener Frauen. Erst sechs Jahre alt war sie gewesen, als ihr Vater Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen fiel. Schon ein halbes Jahr später hatte sie der schwedische Reichstag zur Königin erklärt und ihr offiziell gehuldigt. Die Regentschaft für die Minderjährige führte der Reichskanzler Axel Oxenstierna. Christine selbst wurde in einer Weise auf die Regierungsübernahme vorbereitet, wie sie sonst nur für männliche Thronfolger üblich war. Bald beherrschte sie mehrere Fremdsprachen, las und sprach mühelos Latein und besaß umfassende Kenntnisse der antiken wie der modernen europäischen Literatur, Philosophie und Geschichte. In den Belangen der Regierung und des Staatswesens unterrichtete sie der Reichskanzler selbst, der sie auch über den Zustand des Landes und die täglichen politischen Fragen auf dem laufen hielt. Christine lernte mit Begeisterung und Selbstdisziplin, vernachlässigte Schlaf, Essen und Körperpflege, die sie wie andere »weibliche« Interessen und Beschäftigungen geringschätzte. Schon mit 16 Jahren nahm sie regelmäßig an den Sitzungen des Reichsrates teil, der nichts ohne ihr Wissen entschied. 1644 leistete sie den Eid als Königin von Schweden und übernahm dann die Regierungsgewalt. Christines Auftreten und Sachkenntnis gaben ihr Autorität im eigenen Land, erregten aber auch international Aufsehen – zumal sie fast berüchtigt war für ihre soldatisch-männliche Lebensführung und ihre »unweibliche« wissenschaftliche Neugierde, die sie in Korrespondenz und Austausch mit berühmten Gelehrten und Philosophen zu befriedigen suchte. Mit Leidenschaft und großem finanziellen Aufwand ließ sie aus anderen Ländern Kunstschätze, Bücher und wertvolle alte Handschriften zusammentragen, ihre Sammlung war eine der reichsten in ganz Europa. Sie scheute nicht vor Krieg und Raub zurück, wenn sie sich etwas aneignen wollte: Noch unmittelbar vor Beendigung des Dreißigjährigen Krieges besetzte die schwedische Armee Prag – und es scheint, daß der militärisch unmotivierte Feldzug allein der kaiserlich-rudolfinischen Kunstsammlung gegolten habe, die dort aufbewahrt wurde“.

[42] Reineberg => Lübbecke [LK Minden-Lübbecke].

[43] Vorwerk: Wirtschaftshof eines Rittergutes oder landesherrlichen Amtes oder Schlosses.

[44] Pertinenzien: Zugehörungen.

 [45] Carl [Charles] Henderson [Henriksson, Hindersson, Hindricson] Reuter af Skålboo [1607-1682 ?], schwedischer Obristleutnant, Obrist

[46] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk, dän. feltmarskal]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen u. Zuständigkeit für Ordnung u. Disziplin auf dem Marsch u. im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- u. Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften aus der Beute u. Ranzionsgeldern – hier erhielt er 100 Rt. pro 1.000 Rt. Erlös; HOFMANN, Peter Melander, S. 155 – , den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt. Vgl. auch Backhaus, Reichsterritorium; Obolenskīĭ; Posselt, Tagebuch.

[47] Lennart Torstensson [Torstensohn, Torsten-Sohn], Graf zu Ortala u. Freiherr v. Virestad [17.8.1603 Forstena im Kirchspiel Västra Tunhem (Västergötland)-7.4.1651 Stockholm], einer der fähigsten schwedischen Heerführer, der durch die Schnelligkeit seiner Operationen berühmt wurde. 1618 Kammerknecht bei Gustav II. Adolf, 1621 Teilnahme an der Eroberung Rigas, 1624 Fähnrich, 1626 Kapitän, 1627 Obristleutnant, 1629 Obrist. Teilnahme an der Schlacht v. Breitenfeld am 7./17.9.1631, Sommer 1632 General der Artillerie, 24.8.1632 Gefangennahme beim Sturm auf die Alte Veste bei Zirndorf u. Inhaftierung mit schweren gesundheitlichen Schäden in der Festung Ingolstadt, März 1633 Auswechslung gegen Otto Friedrich Graf v. Harrach, den Schwager Wallensteins. Dezember 1634 Reichszeugmeister, 1641 Reichsrat, Feldmarschall u. Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen auf Reichsboden, 2.11.1642 Sieg in der 2. Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1643 Marsch nach Dänemark, Januar 1645 erneuter Einfall in die kaiserlichen Erbländer u. Vorstoß bis vor Wien, 6.3.1645 Sieg bei Jankau, September 1645 Rückzug nach der vergeblichen Belagerung Brünns, April 1646 Rückkehr nach Schweden, 1647 Erhebung zum Freiherrn u. Grafen, Mai 1648 Generalgouverneur über Västergötland, Värmland, Dal u. Halland. Vgl. TINGSTEN, Fältmarskalkarna Johan Baner och Lennart; HOLMBERG, Lennart Torstenson S. 13 ff.

[48] Rahden [LK Minden-Lübbecke].

[49] Pertinenzien: Zubehörungen.

[50] NORDSIEK, Die schwedische Herrschaft, S. 40.

[51] Stadthagen [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 435f.

[52] Frdl. Hinweis von Herrn Ulrich Biesterfeld, Stadthagen.

[53] Rinteln [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 395f. Vgl. STÜNKEL, Rinteln.

[54] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl v. Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der v. Städten u. Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung u. den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung u. wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden v. den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide u. mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen u. noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt u. durch die Erschießung v. Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f. Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik v. Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200), dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Für unerlaubte Werbung drohte die Todesstrafe; MÜLLER, Unterpfalz, S. 63. Der Schweriner Dompropst u. Ratzeburger Domherr, Otto v. Estorf [1566-29.7.1637], berichtet zum April 1623; DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[55] pochen: I. DWB  Bd. 13, Sp. 1957, 56: „vom ungestümen, zornigen, unmutigen, trotzigen, hoffärtigen, prahlerischen, höhnischen auftreten, handeln und reden“; bzw. II. Sp. 1961, 57: „mishandeln, vexieren, plagen“. Vgl. Pochhans: lärmender, trotziger Polterer oder Prahler.

[56] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[57] STÜNKEL, Rinteln, S. 93f.

[58] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[59] Reineberg [LK Minden-Lübbecke].

[60] LEDEBUR, Freiherr Leopold von, Die ehemalige Burg Reineberg im Fürstenthum Minden a. d. J. 1833, online verfügbar unter: http://www.florentiner.com/docs/docreineburg.php.

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Decken, Klaus Heinrich von der

Decken, Klaus Heinrich von der; Obristleutnant [ – 6.2.1637 Stadthagen] Von der Decken stand 1637 als Obristleutnant in kaiserlichen Diensten.

„Sehr schlimme Zeiten brachte das Jahr 1637. Am 21. Januar wurde die Stadt [Stadthagen;[1] BW] durch das Salische Regiment, das sechs Kompanien stark war, und am 27. Januar durch eine Kompanie zu Pferde von 130 Mann unter dem kaiserlichen Oberstleutnant von der Decken besetzt. Es verbreitete sich bald das Gerücht, daß die Schweden, die in Minden,[2] Rinteln[3] und Oldendorf[4] standen, einen Angriff auf Stadthagen planten. Infolgedessen wurde nur ein Tor offen gelassen, die beiden anderen verrammelt, in den Steinwegen Gräben ausgeworfen, und an den gefährdeten Stellen des Walles Fußangeln angelegt. Am 6. Februar wurde der Handstreich von den Schweden unter dem Obersten Wolf und dem Oberstleutnant Königsmark, dem späteren General, in der Tat ins Werk gesetzt. Ein dichter Nebel begünstigte das Unternehmen, bei dem ein ortskundiger, aus der Nähe Stadthagens stammender Offizier namens Volbers gute Dienste leistete. Frühmorgens, als man zur Kirche läutete, waren die Schweden bis dicht vor das obere Tor gelangt. Da bemerkte eines Bürgers Sohn, der über Feld gehen wollte, die Truppen im Nebel und alarmierte die Torwache, die noch gerade Zeit fand, das Tor zu besetzen. Aber die Schweden zertrümmerten bald teilweise die Torbalken und drangen zugleich durch den Wallgraben und die Pforthäuser in die Stadt ein. Der Überfall geschah so plötzlich, daß der Feind schon in der oberen Straße stand, ehe man aus der unteren Stadt zu Hilfe eilen konnte. Der Oberstleutnant von der Decken wurde von dem Lärm im Bett überrascht, hieb dann aber tapfer mit seinen Reitern auf die Schweden ein, die zweimal wieder bis ans Tor zurückgetrieben wurden. Als er dann aber tödlich verwundet wurde, war das Schicksal der Kaiserlichen entschieden: 40 Tote, darunter 6 kaiserliche Offiziere, bedeckten den Kampfplatz, 150 Verwundete wurden von den Stadtbarbieren verbunden, und an 346 zu Gefangenen gemacht. Die Stadt wurde von den Schweden Haus bei Haus ausgeplündert und die Nacht dazu noch zu Hülfe genommen, alle Kornvorräte wurden aufgezeichnet und mit den Gefangenen mehrere Bürger, darunter auch Reineking als Geiseln nach Minden geführt, bis die Hälfte des vorhandenen Korns – 23 1/2 Fuder – abgeliefert, der Wall eingerissen und die Palisaden niedergehauen waren. Über diesen Überfall wurde ein genauer Bericht an die gräfliche Kammer eingereicht, der den Schaden auf 31 460 Taler angibt, die Einquartierung des Salischen Regiments hatte vorher 12 186 Taler gekostet. Die Stadt mußte sich zudem noch gegen die Verdächtigung wehren, die Kaiserlichen in ihren Mauern verraten zu haben. Sie hielt die Sache für wichtig genug, sie auf einem Landtage zur Sprache zu bringen und einen Bericht darüber vorzulegen, wie an dem Tage des Überfalls der Wachtdienst versehen worden sei“.[5]

[1] Stadthagen [Kr. Schaumburg-Lippe]; HHSD II, S. 435f.

[2] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[3] Rinteln [Kr. Grafschaft Schaumburg]; HHSD II, S. 395f.

[4] Hessisch-Oldendorf [Kr. Grafschaft Schaumburg]; HHSD II, S. 226f.

[5] ZARADETZKY, Stadthagen, S. 313f.

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