Erath, N

Erath, N; Obrist [ – ] N Erath [ – ] soll 1636 in kaiserlichen Diensten gestanden haben.

Der durch seine Kontakte zu Militärkreisen gut informierte Hildesheimer[1] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Conrad Jordan[2] hielt in seinem Tagebuch unter dem 20.10./30.10.1636 einen Raufhandel[3] fest, bei dem der in braunschweig-lüneburgischen Diensten stehende Stadtkommandant Ostringer[4] tödlich verletzt wurde: „Als Alexander Ostringer, hiesiger Commendant, bey den Obrist[5] Erath gezechet[6] und in allerhand Discurs endlich zum Raufen komen, wird in den Verfolg Ostringer beym h. Creutzes Platz von Erathen os humeri[7] durchschossen, verfolgt ihm auch ferner bis an sein Haus an Olden Stadtmarckt, dar er, Erath, noch einmal die Pistol[8] auf ihn, Ostringer, tückt,[9] aber fallir[10] Ostringer, fält vom Pferd, den andern bringen die Soldaten in der Schuster hauß beym Rathhaus mit guten Stößen, verwahren ihn die Nacht über daselbst. Morgens ward er in seinem Logir bey Pavel Colditzen in Brüel verwahrt“.[11]

9./19.11.1636: „Heut oder Morgen ist durch Unterhandlung des Commendanten[12] aus Wulfenbüttel[13] der Obr: Ostringer mit dem Obristen Erath verglichen“.[14]

18./28.11.1636: „Alexander Oestringer, hiesiger Commendant, stirbt kegen Abend“.[15]

15./25.1.1637: […] „der verstorbene Commendant Alexander Ostringer ward heut von der Soldatesche[16] und Officirern hinaus bis an die Carthaus[17] um 8 Uhr begleitet“.[18] Leider ist uns nicht bekannt, um wen es sich bei Erath gehandelt hat, denn die Transkription des Tagebuchs lässt auch hier zu wünschen übrig.

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATH, Konfessionskampf.

[2] Dr. Conrad Jordan [10.11.1591 Bockenem-23.10.1659 Hildesheim], Chronist, seit 1620 Arzt, seit 1629 in Hildesheim wohnhaft, ab 1635 mehrfach Ratsherr, Stadtarchivar; SCHLOTTER, Acta; SCHLOTTER, Der Rat der Stadt Hildesheim von 1300-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 4, 1986, S. 581-585; SCHLOTTER, Die Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Hildesheim 1147-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 3, 1979, S. 551-558.

[3] Duell: Zweikampf zu Fuß oder zu Pferd, mit Degen u. Pistole, dem Militär zumeist verboten, aber wenig beachtet u. fast schon an der Tagesordnung, eine „Frage der Ehre“. In der dänischen Armee waren Duelle bei Billigung des Obristen mit dem Seitengewehr, allerdings nur in einem Gang, erlaubt. Wurde einer getötet, so wurde der Andere mit dem Tode bestraft; MEYNERT, Geschichte, Erstes Hauptstück, S. 10; WATTS, Swedish Discipline, 2. Teil, S. 48 (§ 35-38, 87). Die zweimal im Jahr in Frankfurt/M. erscheinende „Relationis Historicae Semestralis Continuatio“ informierte ihre Leser*innen zum Juni 1624; LATOMUS, Relationis Historicae Semestralis Continuatio (1624), S. 82f.: „Alle Duella, Kämpff / vnd Balgereyen zu Wien per edictum Cæsareum verbotten worden. ZU end jüngst verwichnen Monats May / den 25. nemblich / sind von Jhrer Kayserl. Mayest. durch offene / inn Truck verfertigte / Mandata, alle Duell, Kämpff vnnd Balgereyen / bey Leib: vnnd Lebens straff / auch vermeidung höchster Vngnad verbotten worden. Darüber Herr Hauptmann Wels / vnd Herr Rittmeister Ense / welche zu Wien im Steyrhoff losiret / sich wegen eines Truncks / entzweyet / vnd einer den andern außgefordert / auch zwischen beyden Partheyen die Sach biß zum balgen kommen. Als aber gute Herrn dazwischen kommen / vnd sie Jahre Kays. May. Mandats verständiget / auch / das [S. 83] nemblich Leib vnd Leben verwircket / hatten / sie avisiret / haben sie beyde sich mit der Flucht salviret / vnd alles im stich gelassen. Ohneracht aber diese beyde den 27. eiusdem durch offentlichen Trummelschlag / bey vermeidung hoher schmählicher straff / sich zu Purgirn gefordert worden / jedoch hat sich keiner einzustellen begehret / ohne zweiffel denckende: Weit davon ist guth vors schiesen“. Duelle fanden aber nicht nur auf der Offiziersebene statt. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 7 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Auf der Kaubenheimer Kirchweih (17. August) haben sich zwei Reiter miteinander zu Roß duelliert. Der Provocant ist von dem anderen mit zwei Kugeln auf einen Schuß durchschossen worden, so dass er tot zur Erde sank“. Vgl. FREVERT, Ehrenmänner. Der kaiserlich-ligistische Andreas Drost soll 1637 in einem Duell mit dem kurbayerischen Oberst Stephan Binder gestorben sein, „als sich die Obersten Binder und Trost beim Spiel entzweit und einer den andern erschossen hatte“ (Brief des zu diesem Zeitpunkt im Dienste Kurbayerns stehenden Feldmarschalls Johann Götz am 20.4.1637 an Kurfürst Maximilian“); ENGERISSER, Von Kronach, S. 529. Jedoch scheint Drost dieses Duell überlebt zu haben. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 den Fall einer in Duellen siegreichen Musketierin fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 101 (1632): „1632. Den 2. Junii ward zu Nachts in Christoph Rammingers Hause ein Tantz gehalten / ein Edelmann von Schleinitz und Capitain Lieut. Pollius wurden uneins wegen einer Täntzerin / duellirten / und wurde Schleinitz erstochen“. Anscheinend blieb dieser Totschlag jedoch ungesühnt oder wurde mit einer Geldstrafe geahndet.

[4] Alexander v. Ostringer [Oestringer, Osteringer] [ -18./28.11.1636 Hildesheim], braunschweig-lüneburgischer Obrist.

[5] Obrist [schwed. överste, franz. mestre de camp, dän. oberst, tschech. plukovník]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. In der Garnison Leipzig bezog ein schwedischer Obrist der Kavallerie 1642/43 noch 200 Rt., 1644 120 Rt. u. 30 Rt. Servis, ein Obrist der Infanterie dagegen nur 69 Rt. u. 30 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Seit Kriegsanfang war man auf Beute fixiert. Zeitungsbericht aus München, 3.12.1620; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 316: „So meldet Herr Wentzin [Lorenz Wensin v. Rohlstorf zu Kronwinkel; BW] das er biß in 60000 fl. wehrt bekommen vnnd mus ein schlechter Obr: oder Hauptmann sein der in diesem Krieg nicht vber 30000 fl. erobert“ habe. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollte, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten u. offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630: HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 14f.: „Unndt wurde eß uf solchenn fall sich leichtlich gebenn, ob Euer Kay. Mayt. alßdann auff solcher Leute Dienste, die nichtes mehres alß groß unndt reich zu werden suchenn, die auch wol, wenn sie den Seckel gefulllet, lieber inn ruhe zu sizenn, alß zu fechten begehrenn möchtenn, sich mehr, alß auff ihrer gehorsamen Churfürsten undt Ständte gutten, getreuesten und gehorsambsten affection werden verlassenn können“. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, v. denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de edoced000228/start.htm, [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 mille, Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Maximimilian v. Waldstein; BW]“. Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.; KAPPELMEYER, Die Obristen der Krone Schweden.

[6] Alkoholabusus, Alkoholkonsum: In den zeitgenössischen Berichten ist immer wieder v. Alkoholabusus u. dadurch bedingten Trunkenheitexzessen unter Militärs aller Dienstränge bis hin zu Todesfällen die Rede, die dem Interesse der Leserschaft entgegen kamen. So galten u.a. Gallas u. Götz als berüchtigte Säufer. Unter dem 10.7.1642 heißt es über ein Bankett Leopold Wilhelms in Brünn; HÖBELT, Von Jankau, S. 334: „Beobachter merkten an,Piccolomini habe zur Steigerung seiner Popularität die Kulturtechnik des Trinkens >all‘Allemania< erlernt“. Christian II. v. Anhalt-Bernburg notierte in seinem Tagebuch u. a. eine Mitteilung Zahradetzkýs über Bethlen Gábor vom 18.12.1627; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm [42r]: „Er Bethlehem thete selber die execution vber seine Officirer, vndt wann sie vnrecht [42v] theten, so säbelte er dieselbigen inmaßen er neẅlich<selbsten> dem Horwath Jstwan, einem tapfferen Crabatischen Obersten, der vnß auch in Böhmen gedienett, gethan, dieweil er der ordinantz nicht gemeß, zu spähte durch <durch> seine trunckenheitt, an einem ortt ankommen, bey tage, da er bey Nacht, hette hin marchiren sollen“. Teilweise bediente man sich einer Finte, um einem Alkoholrausch zu entgehen. Christian II. v. Anhalt-Bernburg 6.8.1637 über ein Gastmahl u. a. mit August (II.) dem Jüngeren [10.4.1579 Dannenberg-17.9.1666 Wolfenbüttel] Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, Fürst v. Braunschweig-Wolfenbüttel; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: „Man hat zu abends vndt Mittags sehr starck getruncken. Ich habe die Finte mit dem abgekochten, weinfarbenen Wasser genutzt, und der Herzog tut dies selbst, will es aber nicht offenbaren“. Generell ist angesichts der angegebenen Mengen festzuhalten ist, dass Wein in der Regel im Verhältnis 1:4 oder 1:3 mit Wasser gemischt wurde, um dieses „trinkbar“ zu machen. Auch bei den angegebenen Biermengen handelte es sich zumeist um => Kofent, ein Dünnbier. Dagegen wurde billiger Branntwein in großen Mengen konsumiert. Allerdings berichtet z. B. Chemnitz auch, dass sieben Kompanien des Regiments Kracht den Aufbruch aus Halle/Saale versäumt hatten, weil sie berauscht waren; CHEMNITZ, Königl. Schwedischen ]…] Kriegs, 4. Buch, 7. Kap., S. 953f. Vgl. den Bericht des bayerischen Kriegskommissars Burhus über Alwig Gf v. Sulz (1632); HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 122: „Da hatte er, sobald er einen Rausch bekommen, alle Musketiers in der Stadt, wie auch die kleinen Stückhlein […], so oft er einen Gesundtrunkh angefangen, abschießen lassen, welches woll etwan 2 und mehr Stunden gewerth“. Der Kriegsteilnehmer Welsch [1612 Lauingen-1663 Stuttgart] aus Staint-Mihiel (1636); Wahrhafftige Reiß-Beschreibung, S. 378: „und ist manchmal geschehen / daß vor deß Obersten Kohlhasen Quartier auff dem Marck / ein Tropp commandirter Mußquetirer gestanden / welche so offt einer getruncken / Salve gegeben / daß die Stadt darvon erzittert“. Vgl. den Bericht aus Leipheim (24.7.1633); BROY, Leipheim, S. 139f: „Versehen mit einem Paßzettel, unterschrieben vom Feldmarschall Horn, drangen über 30 schwedische Musketiere in Leipheim ein und forderten von Schad Lebensmittel und Geld, was dieser aber ablehnte. Darauf zechten sie in einem Wirtshause dermaßen, »… das die Officiers sowohl als gemainen Soldaten faßt gantz voll worden, in dem Stättlin uff allen Ecken Feuer gegeben, in das Rathauß und andre Häuser geschoßen, einen armen Buben, so zu dem Fenster heraußgeschauet, auß einer Musqueten durch die Nasen, lincken arm und kopf mit schrotten geschoßen … in der vorstatt mit bloßen Degen die Leutt auß den Häusern gejagt und die Pferd aus den Ställen genommen, under wehrender Mittagspredigt in die Glocken auf der Kirchen geschoßen …« Manchmal endeten die Räusche auch tödlich. LATOMUS, Relationis Historicae Semestralis Continuatio, (1646), S. 22, über das schwedische Feldlager (1645) bei Stockerau: „in welchem Läger wegen vbermässigen Wein-Trinckens / auch Obst vnnd Pflaumen-Essens / das Sterben dazumalen vnter den gemeinen Knechten ziemlich eingerissen war“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger berichtet unter dem 22.6.1635; BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 313: „Auff mittag ist abermahls ein kays. Officier ins verbrantte dorff Asperg hinein geritten, war voll, welchen die Schwedische musquetierer erdapt, und weil er sich nit ergeben wollen, nidergeschossen, außgezogen, klaider, pferd, Sattel und Zeug herauff getragen, Nachmittag haben ihne gemelte Musquetierer begraben, Er soll ein Quartier Meister gewest sein, von Schwabach gebürtig“. SCHNEIDER, Chronik der Stadt Beelitz, S. 26f.: „Diese [Truppen Johann Wanglers d. Ä.; BW] brachten auch einen Fähnrich mit sich, welcher sich bei der Wache zu Trebbin todtgesoffen, und nun begehrte man, er solle hier in der Kirche begraben werden. Weil aber der Grund sumpfig und wässerig war, und man nicht tief in der Kirche also graben konnte, berichtete ich solches dem katholischen Meßpfaffen, als er etliche Male wegen des Begräbnisses Ansuchen that. Er wollte es aber nicht glauben und als man ihm die Kirche eröffnen mußte, ward er gewahr, daß es an einem Ort in unserer Kirche etwas höher sei als am andern, daselbst hin mußten wir geschehen lassen, daß nach Kriegsmanier der Trunkenbold begraben ward“. Aus Friedberg in der Wetterau wird 1640 berichtet über den schwedisch-weimarischen Hauptmann Schinkopfen „mit 40 Mann, die sich durch wüsten Saufen auszeichneten, ja bisweilen ‚das Bier direkt aus den Braubütten soffen‘ “. RIESCHER, Pfarrer in höchster Not, S. 450. Vgl. auch SCHWARTZ, Die Neumark, S. 50, 52. Bei der Belagerung Hamelns (1633) hatten die Patres SJ der Besatzung reichliche Mengen Alkokol spendiert, um sie zu Ausfällen zu veranlassen; KARWIESE, Hameln, S. 9f. Vgl. HÖFER, Ende, S. 165: Wie sich herausstellte, hatte Hermann, der Kommandant v. Bad Windsheim, bei der Belagerung der Stadt 1648 durch schwedische Truppen seinen Dragonern ein großes Fass Wein spendiert: „Aber sie soffen sich so voll, daß fast weder ein oder der ander mehr sehen noch Schiltwach stehen kundt“, so dass sich schwedischen Truppen durch die Approchen bis zum inneren Wall heran arbeiten konnten. Hermann wurde nach dem Kriegsgerichtsverfahren wegen der schnellen Übergabe mit dem Schwert hingerichtet.

[7] os humeri: Oberarmknochen.

[8] Pistole: Faustfeuerwaffe; meist paarweise in Halftern am Sattel geführt oder mittels Gürtelhaken am Leibriemen angehängt. 1634 wurde v. der Stadt Köln 1 Paar zu 7 ½ Rt. in Rechnung gestellt; BARTZ, Köln, S. 264, Anm. 1312.

[9] tückt: zückt.

[10] fallirt: scheitert.

[11] SCHLOTTER, Acta, S. 251.

[12] Johannes Ernst Freiherr v. Reuschenberg [Rauschenberg, Ruischenberg, Rauseenberg, Reuphenberg] [29.3.1603 in Setterich getauft-5.3.1660 Köln], Sohn des Edmund v. Reuschenberg [1561-1620] auf Setterich, ab 1632 kaiserlicher Obristleutnant; 1634-1643 Festungskommandant v. Wolfenbüttel; kurbayerischer Obrist (1635), Generalwagenmeister (1640), kaiserlicher Feldzeugmeister (1644) u. Feldmarschall (1648), 1651 Feldmarschall des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm v. Pfalz-Neuburg [1578-1653] im Herzogtum Jülich u. Berg; 1653 westfälischer Kreis-Obrist. Vgl. REUSCHENBERG, „Jesus Maria und kein Quartier !“; EHRENPREIS, Feldmarschall Johann von Reuschenberg. Nach http://www.bildarchivaustria.at Sterbejahr 1659 !, wahrscheinlich das Entstehungsjahr des Stichs.

[13] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[14] SCHLOTTER, Acta, S. 253.

[15] SCHLOTTER, Acta, S. 253.

[16] Soldateska: Soldaten, teilweise auch abwertend gebraucht für Soldatenhaufen bzw. Söldner.

[17] Kartäuser [lat. Ordo Cartusiensis, Ordenskürzel OCart]: römisch-katholischer Orden, der die eremitische mit der zönobitischen Lebensweise verbindet u. der auf den heiligen Bruno v. Köln zurückgeht. Ihr Wahlspruch ist: Stat crux dum volvitur orbis (Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht). Die Kartäuser unterscheiden daher drei Arten v. Mönchen: Priestermönche (lat. Patres), auch Chormönche oder wegen der um den Großen Kreuzgang angeordneten Zellen, die sie bewohnen, auch Kreuzgang- bzw. Zellenmönche genannt, Brüdermönche (lat. Fratres conversi), auch Laienbrüder oder Konversen genannt, u. Donaten.

[18] SCHLOTTER, Acta, S. 260.

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Metzfall [Mitschefall, Mitschefahl, Mutzschefall], Hans von

Mützephal [Metzfall, Mitschefall, Mitschefahl, Mutschefahl, Mutzschefall, Müttschefahl, Mutzefahl], Jobst Heinrich von; braunschweig-lüneburgischer Obrist [ -1635] Jobst Heinrich von MÜtzephal [Metzfall, Mitschefall, Mitschefahl, Mutschefahl, Mutzschefall, Müttschefahl, Mutzefahl] [ -1635] stand als Obrist in braunschweig-lüneburgischen Diensten.

In der Stolberger[1] Chronistik heißt es zu 1632: „wie denn auch die Käyserliche vom Eichsfelde (da sie Duderstadt[2] eingenommen eingenommen) den 17. Augusti viel Rindvieh / Schafe und Schweine mit hieher gebracht / aber hier der Stempedischen[3] Gemeine ihr abgenommenes Vieh wieder zurück gehen lassen musten. Und ob sie gleich von hiesiger Grafschafft 20. Wagen nebst 80. Pferden forderten / wurde es doch abgewandt durch den hier einqvartirten und ihnen entgegen gehenden Herrn Major Johann Andream Sachsen, einen gar bescheidenen und verständigen Mann / welcher von dem Herrn Residenten zu Erfurt benebst etlichen 30. Soldaten / wie auch Capitainen und andern Officirern / hier einlogiret worden / die verwilligten 1103. Thaler Monats-Gelder aufzunehmen / dabey man doch von Einqvartirungen nicht befreyet blieben. Jene aber sind mit fast 30. Wagen Geschütz und etzlichen Gefangenen / sonderlich vieler Beute / hierdurch und nach Aschersleben[4] gangen / biß endlich der Käyserliche General Pappenheim / nach heuer erhaltenen herrlichen Siege der Schweden und Sachsen bey Lützen[5] / wie zuvor Tilly aufgerieben / die gesamte Ligistische Macht unterbrochen / und Chur-Sachsen mit seinen Landen gerettet wurde. Und der Herr Major Sachse wurde mit seinen Soldaten / welche der Stadt wohl 515. Gülden gekostet / gleichsam durch ein Schrecken von GOtt am 26. Septemb. so aufgejaget / daß man sich über dem stillen und plötzlichen Abschied zu freuen hatte. Denn nachdem Pappenheim Wolfenbüttel[6] entsetzet / dass Hertzog Georg mit Verlust 3000. Mann sich nach Braunschweig[7] reteriren müssen / zog der Obriste Mitschefall gedachten Tages Abends um 4. Uhr hier durch / fragte nach dem Major Sachsen / welchen er mit seiner domahligen Braut auf einer Soldaten Kindtauff antraff / mit vermelden / daß er sich wahr nehmen solte / weil der Feind allbereit auf Blanckenburg[8] streiffen thäte: darauf er gantz erschrocken alles stehn und liegen lassen / und in der nächtigen Stille mit Sack und Pack seinen Abzug beschleuniget / ohn eracht der Feind noch weit gnug von hier gewesen / und man ihm keine gute Worte deßwegen geben dürffen“.[9]

Nach seinem Tod wurde das Regiment von Obrist Tietz[10] übernommen.

[1] Stolberg [LK Harz]; HHSD XI, S. 453ff.

[2] Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.

[3] Stempeda, heute Ortsteil von Nordhausen [LK Nordhausen].

[4] Aschersleben [Salzlandkreis]; HHSD XI, S. 23ff.

[5] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[6] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[7] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[8] Blankenburg am Harz [Kr. Blankenburg/Wernigerode]; HHSD XI, S. 46f.

[9] ZEITFUCHS, Stolbergische Kirchen- und Stadt-Historie, S. 289.

[10] Wilhelm (v.) Tietz, genannt v. Schlüter [Schlütter] [1601 Burgwedel-20.1.1646 Hameln], braunschweigisch-lüneburgischer Obrist; seit 1642 Mitglied Nr. 381 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Leuchtende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 446f.; http://www.die-fruchtbringende-gesellschaft.de/index.php?article_id=16&wWidth=1366&wHeight=607.

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Habeney, N

Habeney, N; Kapitän [ – ] N Habeney [ – ] stand als Kapitän[1] in braunschweig-lüneburgischen Diensten.

In der Hannover’schen[2] Chronik ist festgehalten: „Den 30. Martii [9.4.1638; BW] kommen herein und werden verquartieret 2 Compagnien Soldaten zu Fuße, als Capitein Habeney und Capitein Michel, zudem ist der Obrister Schlüter[3] auch mit seinen mitgenommenen Völkern wieder herein kommen, haben also 3 volle Compagnien mit Servis unterhalten müssen“.[4]

„Den 7. Sept. [17.9.; wahrscheinl. jedoch der 17./27.9.1639; BW] sein 2 Compagnien zu Fuß von des Obristen Schlüters Regiment, als des Obristen Leib-Compagnie wie auch der Capitein Habeney wieder herein quartieret und sein dem Obristen die Thorschlüssel wieder zugestellet“.[5]

„Den 6. Oct. [16.10.1639; BW] ist der Obrister Schlüter und Hauptmann Habeney mit seiner Compagnie hinaus gezogen nach Hildesheim[6] auf dem Randevous und ferner auch Göttingen[7] hinauf, die anderen 2 Compagnien, als des Obristen Schlüters und Capitein Michels sein hierin verblieben, der Obrister hat seine Regiment-Stücke mitgenommen, so bishero auf dem Markte gestanden, item Rittmeister Papen Compagnie ist auch mit fortgezogen“.[8]

[1] Kapitän [schwed. kapten, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben u. ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure u. verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatl. Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich – ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. – sein Anteil aus Beute u. Ranzionierung (Lösegeldern) betrug pro 1.000 Rt. Erlös 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben u. auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte die Feldscher u. die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- u. Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant u. dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt. In der schwedischen Armee wurden 1631 in den Quartieren zwischen 150 u. 200 fl. monatlich erpresst; SODEN, Gustav Adolph 1. Bd., S. 102. 1632 standen ihm 6 Essen zu je 1/8 Rt., 6 Pfd. Brot, 6 Maß Wein u. der Servis zu; PLEISS, Die Werber I, S. 295. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Infanterie ein Kapitän 4 Rt. 22 Gr. zehntätige Lehnung; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f.; 1644 14 Rt. u. 10 Rt. Servis; 1646 36 Rt. 18 Gr. ZIRR, Die Schweden, S. 804, 806. Laut kaiserlicher Verpflegungs- u. Soldordnung (1636) standen ihm monatl. 130 fl. zu; SCHMID, Quellen, S. 153.

[2] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[3] Wilhelm (v.) Tietz, genannt v. Schlüter [Schlütter] [1601 Burgwedel-20.1.1646 Hameln], braunschweigisch-lüneburgischer Obrist; seit 1642 Mitglied Nr. 381 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Leuchtende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 446f.; http://www.die-fruchtbringende-gesellschaft.de/index.php?article_id=16&wWidth=1366&wHeight=607.

[4] JÜRGENS, Chronik, S. 529.

[5] JÜRGENS, Chronik, S. 531.

[6] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[7] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[8] JÜRGENS, Chronik, S. 532f.

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Hake [Haake] auf Ohr, Levin von

Hake [Haake] auf Ohr, Levin von; Kriegsrat [ -1647] Levin von Hake [Haake] auf Ohr [ -1647], 1614 Schatzrat der Calenberger Landschaft, stand als Kriegsrat in braunschweig-lüneburgischen Diensten und war bei den Verhandlungen mit der schwedischen Armee eingesetzt.

Der Hildesheimer[1] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 23.9./3.10.1638 fest: „Der Krieges-Rath wegen des gesambten Hauses Br: und Lüneb: wird bestättiget und beeydiget als wegen Hertzog August Frd: Obrist Luitnand Ganß, Hilmar von Oberg, Capitein, wegen Grubenhagen Bodo von Hodenberg, wegen Calenberg und Land zue Göttingen Levin Hake, Jacob Arend Pape, Herr Camer-Rath Ludwig Ziegenmayer“.[2]

1./11.2.1639: „Illmus schicket aus hiesigen Magazin dem Schwedischen General Johan Banner, so seine Armee gestern soll gemustert haben bey Helmstädt,[3] 100 Malter Roggen“.

2./12.2.: „Des gesambten Hauses Br: Abgesannte avisirn der Amtmann zue Peine[4] H. Ziegenmeyer eilig zu berichten, daß das gestrige Korn solle zurück uf Peine gehen gehen, wenn es schon fortgeschickt aus beweglichen Ursachen. Den selben Abend komen Illmi Gesannte wieder von Banner, bringen mit sich, daß er begehre vom gesamten Hause zu wißen, was er sich zue ihnen zu versehen haben solle, und solange wolle er im Lande ligen“.

6./16.2.: „Obrist-Luitnand Ganß, D. Jacobus Lampadius, Jacob Arend Pape werden mit plenipotens an Grâl. Banner geschickt. Und weil der Schwedische General-Majeur Jacob Kinge [James King; BW] von der Weser mit seiner Chevallerey heran zum Banner marchirn wollte, wurde Levin Haake, General-Auditeur Otto und Hinrich Strickmann, Ammtman zum Calenberg,[5] als Commissarii von Illmo Georgio zue ihm nach Coppenbrugk[6] geschickt.

7./17.2.: „General-Majeur King kombt mit seinen Schwedischen Troupen, bestehend aus 2000 Pferden und 800 zue Fueß zue Eltze“[7].

9./19.2.: „Weil die Schwedischen ihre ordre nicht vorzeigen wollten und sonsten der Ends die Leut ausplünderten, schickte Illmus nochmals vorgedachte Commissarien wieder an sie, ließ ihnen auch seine Reuterey und Fueßvolk sehen, Wolfeßburg[8] ergiebt sich an Banner, daß es beschoßen, lagen Kaiserl. aus Wulfenbüttel[9] darauf“.

10./20.2.: „Worauf die Schwedische wieder abzogen“.[10]

4./14.10.1639: „Illmus nahm aus dem Calenbergischen Landschaft ppria manu[11] den Abt von Loccum,[12] Levin Haken, Caspar von Ilten, Hofrichter, D. Jacobus Bünting, D. Heinrich Dietrichs, Synicum [Syndicum !; BW] von Göttingen,[13] beeidigt sie nichts davon zu reportirn, sondern mit sich in die Grube zu nehmen, was insgeheimb tractirt würde“.[14]

In Hildesheim war es im November 1640 zu einem gewaltigen Trinkgelage gekommen, wohin sich viele höhere Offiziere begeben hatten, um an einer von Banér einberufenen Konferenz teilzunehmen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet unter dem 30.10./9.11.: „General Johann Banner kompt herein und wurde zweimahl 2 Schwedische Salve vom Hohen Rundel mit Stücken gegeben. Aus 2 Stücken umb 2 Uhr da kamen erstlich die Weymarschen. Er, Banner, kam umb 7 Uhr zur Nacht, – da auch 2 Stücke mehr gelöset wurden – , hatte bey sich Obristwachtmeister Pfuhl [Pfuel; BW], Wittenbergk, Schleng [Slange; BW] (und) Königsmarck, die Obristen Herr von Tzerotin [Bernhard v. Žerotin; BW], ein Mährischer Freiher, Zabellitz [Zabeltitz; BW], den jungen Wrangel, Hake, Mortaigne, Hoikhing [Heuking; BW], Steinbock [Steenbock; BW], Bellingkhusen [Bellinghausen; BW], Gregersohn [Andeflycht; BW]. It. Ein Markgraf [Friedrich VI.; BW] von Durlach, des Banners Schwager. Von der Heßischen Armee war Obrist von Gundroth, von Braunschweig Bohn; von Zelle D. Langerbeck.

Von der Weimarschen Armee (die) Directoris Obrist Comte de Guebrian, Otto Wilhelm, Graf von Nassaw, Oheimb. It. Mons. Glocsi, Grãl.-Intendant Extraordinari.

Ferner Herzog Philipp Ludwig von Holstein, Rittmeister, Landgraf Christian von Hessen, Caßelscher Linie Maximiliani Filius,[15] Graf Otto von Schomburg [Schaumburg; BW]. Diese letzten beiden nebst den Herrn Tzerotin starben über ein wenig Tagen innerhalb 24 Stunden“.[16]

In der Hannover’schen[17] Chronik heißt es dazu: „Den 1., 2., 3. und 4. Nov. [1640; BW] ist zu Hildesheim die schädliche Gasterey gehalten, da I. F. G. Herzog Georg den Bannier und andere Schwedische Officirer zu Gaste gehabt, und weidlich banquetiret. Der junge Graf von Schaumburg, der letzte dieser Familie, ist gestorben, weiln er den Dingen zu viel gethan auf dieser Gasterey, der junge Graf von der Lippe hat auch eine harte Krankheit ausgestanden, der Schwedische Commandant in Erfurt[18] ist gestorben, wie auch Herzog Georg und Bannier selbst widerfahren, non sine suspicione veneni“.[19] Schon der Hildesheimer Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan, der auch Tilly und Anholt behandelt hatte, hatte Giftmord vermutet: „ihnen war ein vergifteter Wein von einem französischen Mönch zubereitet worden, darbey die Catholiken ihre Freude nicht wohl verbergen kunten […] der Landgraf von Heßen Christian und der graf von Schaumburg, welche reichlich davon getrunken, sind gleich des Todtes geblieben. Herzog Georg und Baner, denen es am ersten gelten sollte, waren etwas mäßiger und also verzog sich das Unglück mit ihnen bis auf den künftigen Frühling“.[20]

Unter dem 5./15.5.1641 hält Dr. Jordan fest: „Herzog Georg Hochsehl. Beide ältisten Söhne, als Christian Ludwig und Georg Wilhelm, kommen diesen Abend aus dem Haag, Niederländischen[21] Provinzen und Zell[22] fast puncto 6 Uhren bey guten Gewitter anhero, begleitet von der Calenbergischen Landschaft, den Schatzräthe Dietrich von Heimburg, Levin Haken, Jacob Arnd Papen, den Marschall Steding und allen Officiren. Zogen vor dem Hagen-Thor über durch die Viehtrift ins Dammthor“.[23]

[1] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[2] SCHLOTTER, Acta, S. 291.

[3] Helmstedt; HHSD II, S. 219ff.

[4] Peine; HHSD II, S. 377ff.

[5] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[6] Coppenbrügge [Kr. Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 102f.

[7] Elze [Kr. Alfeld]; HHSD II, S. 133f.

[8] Wolfsburg; HHSD II, S. 508f.

[9] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[10] SCHLOTTER, Acta, S. 295f.

[11] propria manu: eigenhändig.

[12] Loccum [Kr. Nienburg]; HHSD II, S. 302ff.

[13] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[14] SCHLOTTER, Acta, S. 305.

[15] Mauritii Filius.

[16] SCHLOTTER, Acta, S. 327.

[17] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[18] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[19] JÜRGENS, Chronik, S. 537f.

[20] SCHLOTTER, Acta, S. 327.

[21] Den Haag [Niederlande].

[22] Celle; HHSD II, S. 94ff.

[23] SCHLOTTER, S. 339f.

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Ostringer [Oestringer, Osteringer], Alexander von

Ostringer [Oestringer, Osteringer], Alexander von; Obrist [ – 18./28.11.1636 in Hildesheim]

Ostringer, ein Schwager der Uslar-Brüder, verheiratet mit deren Schwester Anna Elisabeth, stammte aus dem Elsass und nahm bei allen kriegführenden Parteien gedient. Er hatte zunächst in kurpfälzisch-englischen Diensten am Böhmischen Krieg teilgenommen, war dann in spanische Dienste getreten und hatte 1625 an der Belagerung Bredas[1] teilgenommen. Er trat dann zur ligistischen Armee über, um 1627 als Hauptmann unter Christian IV. von Dänemark zu dienen. 1631 nahm er im Infanterieregiment Thilo Albrecht von Uslar an den Kämpfen an der Alten Veste[2] und an der Schlacht bei Lützen[3] teil.

Oestringer stand dann als Obristleutnant, Obrist und Kommandant von Hildesheim[4] 1634-1636 in braunschweig-lüneburgischen Diensten.

Der Hildesheimer Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 5./15.10.1634: „Der Commendant Ostringer muß uf Fr: Befehl Joachim Götzen und ander Br. Räthe, so im Jesuiter Collegio bishero gewesen, darumb, daß das Collegium sehr spoliirt, Götzen aus seinem Hoffe im Papenstieg, dem vorigen Thumb-Coster[5] zuständig, weisen“.[6] 7./17.11.: Heut kegen Abend kamen die jüngst ausgezogene drithalb Compagnia zue Fueß wieder von Minden[7] anhero, nebst dem Obrist-Luitnand Oestringer, davon man sagte, daß er Obrister worden“.[8]

20.10./30.10.: „Alexander Ostringer hiesiger Commendant verehret heut den Schützen einen freißen Ochsen von 20 Thl, darumb sie geschoßen“.[9]

In der Hannover’schen[10] Chronik heißt es: „Den 29. [8.9.1636; BW] sein des Obristen Schlüters 2 Compagnien, so eine Zeitlang auf dem Brande gelegen, zu uns herein quartiieret und Osteringers 2 Compagnien, so daselbst auch gelegen, auf die Neustadt verquartiret“.[11]

Der Hildesheimer Dr. Jordan hält unter dem 20.10./30.10.1636 einen Raufhandel fest, bei dem Oestringer tödlich verletzt wurde: „Als Alexander Ostringer, hiesiger Commendant, bey den Obrist Erath gezechet und in allerhand Discurs endlich zum Raufen komen, wird in den Verfolg Ostringer beym h. Creutzes Platz von Erathen os humeri[12] durchschossen, verfolgt ihm auch ferner bis an sein Haus an Olden Stadtmarckt, dar er, Erath, noch einmal die Pistol auf ihn, Ostringer, tückt, aber fallirt Ostringer, fält vom Pferd, den andern bringen die Soldaten in der Schuster hauß beym Rathhaus mit guten Stößen, verwahren ihn die Nacht über daselbst. Morgens ward er in seinem Logir bey Pavel Colditzen in Brüel verwahrt“.[13]

9./19.11.1636: „Heut oder Morgen ist durch Unterhandlung des Commendanten aus Wulfenbüttel[14] der Obr: Ostringer mit dem Obristen Erath verglichen“.[15]

18./28.11.1636: „Alexander Oestringer, hiesiger Commendant, stirbt kegen Abend“.[16]

15./25.1.1637: […] „der verstorbene Commendant Alexander Ostringer ward heut von der Soldatesche und Officirern hinaus bis an die Carthaus um 8 Uhr begleitet“.[17]

Unter dem 5./15.3.1641 wird noch erwähnt: „Pater Augustinus Guardianus in der Congregation der Capuciner verkauft Godfried Möller von Braunschweig die Bibliothek, so er in der Congregation gefunden und der Obrist Alexander Oestringer ihm versetzt“.[18]

In seiner Leichenpredigt heißt es: „Darumb den[n] auch Anno 1627. sie abereins an einen tapffern vnd fürnehmen Elsassischen Edelman mit Nahmen Alexander Ostringer durch Gottes Gnade Verheyrahtet ist. Selbiger ihr ietziger Eheman[n] / ist von Jugendt auff in Schulen vnd Gottesfurcht also erzogen / daß er noch heutigs tages seine Lateinische Sprache / un[d] [Ende S. 113] andere löbliche Künste zugebrauchen weiß. Gleich wol hat er nicht gescheuhet bald anfangs dieses noch im heiligen Reich continuirenden Kriegs / als ein Lehnman[n] auff Chur Fürstlicher Pfaltz seiten in der Königlichen Majestätt zu GroßBrittanien Diensten / von der vntersten Staffel an / sein Man[n]liche Natur zu erweisen / auch also trewlich darinnen verharret / daß ihm bald ein Fähnlein zu Fueß vertrawet: Nach ehrlicher Quitierung selbiger Diensten / hat er bey andern Armèen seine Tapfferkeit zu erweisen / sich praesentiret, da er dan[n] alß Leutenand in Königlichen Hispanischen Diensten / bey Belager: vnd Einnehmung der Stadt Breda / in Brabandt ein zeitlang zu bracht: Nach Beurlaubung derselben / auch die Käyserliche Ligistische Armèe in diesen Landen besucht / vnd ferners als Leutenandt in mancherley occasionibus also exerciret vnd probirt, daß er nach Einnehmung der Vestung Erigßburg[19] / zum ersten Käyserlichen Commendanten darauff verordnet worden. Als er nach gehendes Anno 1627. erkennender / wie es nicht nur vmb die praetendirte Region: Sondern vmb die zwey edleste Kleinoder der Evangelischen Religion vnd Teutschen Libertät zu thun / die Käyserliche Diensten resignirt, hat ihme so balden vnter der Königlichen Majestätt in Dennemarck [Ende S. 114] / die Hauptmanschafft gebührt / da er dan[n] abermals mit seiner vnterhabenden Compagnia solche Ehre eingeleget / daß Ihr Majestätt nach dem getroffenen Frieden / ihne sampt seiner Compagnia, mit mehr andern / den Herrn Staden der vereinigten Niederlanden / vberlassen haben: In selbigen Diensten hat seine Hochadeliche Gestr. bey der trefflichen Belager- vnd Einnehmung der vesten Stadt Hertzogenbusch[20] / vnd allen andern Gelegenheiten / so gar nichts verseumet / daß sie Anno 1631. in Königlichen Schwedischen Diensten / vnter Herrn Landgraff Wilhelms zu Hessen / Fürstlicher Gnaden Armèe, mit einer Compagnie Reuter, vnd der Rittmeister stelle begabt / balden darauff zum Obristen Leutenandt / vber damaligen Herrn General Major Tile Albrechts von Vßlar Regiment zu Fueß bestellt worden / da er dan[n] auß verhindernis jetzt wolgedachten Herrn Obristen General Wachtmeister Charge, die gantze Zeit vber solch löbliches Regiment absolutè Commendirt, vnd vnter andern in dem Ernsthafften Anfall der Käyserlichen Wallsteinischen grossen Armada vor Nürnberg[21] / vnd der mit des Gottseligen Königs Gustaphi Adolphi zu Schweden / Sieghafften Blutgefärbten berümbten Feldtschlacht vor Lützen / jedesmals seine Tapffer- vnd Beständigkeit [Ende S. 115] im Werck erwiesen: Wie er sich seithero in Fürstlicher Braunschweigischer Bestallung / bey Belager- vnd Eroberung der Stadt Hildeßheim vnd anderer mehr Vestung vnd Städten / vnd darzwischen vorgefallenen occasionen, sonderlichen auch im Sarßstettischen[22] Treffen / noch als Obrister Leutnandt sehen lassen / das hat Hertzog Friederich Vlrichs zu Braunschweig Fürstliche Gnaden Christlöbliches andenckens / als dere sein HochEldGestr. relation gethan / mit gnädige Verehrung dero Fürstlichen Bildnüß vnd Ketten / nebenst mehr Fürstlichen promessen remunerirt, vnd jederman in diesen Landen nützlich erfahren / [etc.] Also daß nunmehr von des Hochlöblichen Niedersäschsischen Cräyses / Herrn Generalen, Hertzog Georgens zu Braunschweig vnd Lüneburg [etc.] Fürstlicher Gnaden dieser Ostringer seid Anno 1634. biß noch zum Obristen vber ein ansehnliches Regiment zu Fuß vnd Commendant der Stadt vnd Vestung Hildeßheimb bestellet: Vnter dessen auch zu andern mehr Ruhmwürdigen Kriegs expeditionibus emploijrt, vnd also ein rechter wolverdienter Teutscher / jederzeit erfunden ist. Hat mit seiner Haußfraw erzeuget drey Söhne deren nur noch einer im Leben / mit Nahmen Ernst Albrecht Ostringer / ein Knab von wenig [Ende S. 116] Jahren / aber guter Hoffnung vnd schönes Ingenij.“[23]

[1] Breda [Niederlande, Prov. Nord-Brabant].

[2] ENGERISSER, Von Kronach, S. 639; Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[3] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[4] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[5] Domküster.

[6] SCHLOTTER, Acta, S. 205.

[7] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[8] SCHLOTTER, Acta, S. 207.

[9] SCHLOTTER, Acta, S. 225.

[10] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[11] JÜRGENS, Chronik, S. 525.

[12] Oberarmknochen.

[13] SCHLOTTER, Acta, S. 251.

[14] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[15] SCHLOTTER, Acta, S. 253.

[16] SCHLOTTER, Acta, S. 253.

[17] SCHLOTTER, Acta, S. 260.

[18] SCHLOTTER, Acta, S. 333.

[19] Erichsburg [Gem. Hunnesrück, Kr. Einbeck]; HHSD II, S. 141.

[20] Herzogenbusch [s’Hertogenbosch, Prov. Nordbrabant].

[21] Gemeint sind die Kämpfe an der Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[22] Sarstedt [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S. 410f.

[23] SPECHT, Stambuch, S. 113f. Den frdl. Hinweis auf diese Quelle verdanke ich Uwe Volz; BW.

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Flothau [Flotte], Elias von

Flothau [Flotte], Elias von; Obrist [ -15.7.1640 in Erfurt bestattet]

Elias von Flothau [Flotte] [ -15.7.1640 in Erfurt bestattet] stand als Obrist[1] in schwedischen Diensten.[2]

„Bald nachher kehrte Banner[3] noch einmal nach Halle[4] zurück, und beauftragte die beiden Obristen Flotte und Oesterling,[5] letzterer war ein geborner Hallenser – mit ihren zwei Regimentern[6] die Moritzburg zu belagern. Allein der Commandant derselben, Namens Erschel,[7] gleichfalls aus Halle gebürtig, wehrte sich ungemein tapfer, denn als die Schweden am 19. März [1639; BW] den südwestlichen Eckthurm der Burg, den sie von der Neumühle aus unterminirt[8] hatten, zur Hälfte in die Luft sprengten, und gleichzeitig auf Leitern Sturm gegen die Burg liefen, da ließ Erschel große Steine und Gebälk auf die Andringenden niederwerfen, wodurch eine große Zahl derselben theils getödtet, theils schwer verwundet wurde. Nun ließen die Belagerer große hölzerne Böcke,[9] die sie mit Brettern verdeckten, anfertigen, um darunter desto sicherer die Burg stürmen zu können, allein auch dies führte sie nicht zum Ziele, denn Erschel ließ brennende Pechkränze[10] und Stroh auf die Maschinen niederwerfen,  so daß sie ausbrannten. Endlich aber vermochte er sich gegen die Schweden nicht länger zu halten, und ergab sich denselben am Nachmittage des 21. März“.[11]

Er wurde am 15.7.1640 in der Erfurter[12] Prediger-Kirche beigesetzt.[13]

[1] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[2] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen/ den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Betellbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“.

[3] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall.

[4] Halle a. d. Saale; HHSD XI, S. 177ff.

[5] Samuel v. Österling [Österlingk, Osterling, Ostering] [2.4.1604 Halle-21.11.1647 Iglau], schwedischer Obrist. ZIRR, Die Schweden.

[6] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[7] N Erschel [ – ], kaiserlicher Hauptmann ?

[8] minieren: graben, untergraben: Anlegen von Untergrabungsgängen unter dem Mauerfuß einer belagerten Festung. Diese Minengänge zielten entweder auf den Einsturz der Mauer oder auf ein Eindringen in die Festung. Über die Unterhöhlung hinaus konnten sie mit einer Pulverladung versehen und zum Sprengen der Mauer benutzt werden. Da man die Arbeitsgeräusche bald hören konnte, wurden Gegenminen gelegt u. zur Explosion gebracht. Teilweise wurden die Minen auch dem Gegner gezeigt, um ihn zum Aufgeben zu bewegen.

[9] Rammbock: Der der bei Belagerungen Rammbock sollte Mauern, Tore oder Türme einreißen. Es gibt viele Varianten. Man verwendete einen einfachen Baumstamm, der gegen das einzureißende Ziel geprellt wurde, oder beladene Wagen, die mit Schwung gegen das Ziel gesteuert wurden u. auf Grund ihrer hohen Masse eine enorme Durchschlagskraft hatten, bis hin zu einem schwingenden Stamm, der unter einem Gerüst aufgehängt, v. den Angreifern immer wieder gegen das Hindernis gestoßen wurde, u. mit einem bronzenen Rammkopf ausgerüstet war [nach WIKIPEDIA].

[10] Pechkranz: üblicher Brandsatz, der bei Belagerungen eingesetzt wurde, um kostengünstig Dächer, Vorratslager, Pulverkammern etc. in Brand zu setzen. Größere Pechkränze bestanden meist aus einem hölzernen Kern, um den mit Pech getränkter Schnüre gewickelt wurden. Das Durchschnittsgewicht betrug ca. 2,5 Kilogramm, während kleinere Brandsätze aus verflochtenen Schnüren bestanden u. etwa 500 Gramm wogen. Vgl. den Bericht über die Belagerung Nördlingens (1634) durch die Kaiserlichen; KESSLER, Belagerung, S. 53: „Darnach sind viele, viele Soldaten, als (und zwar) Musketiere durch hinausgeworfene Stroh- und Pechkränzen ruiniert worden, als sie auf die Mauer steigen wollten“.

[11] KNAUTH, St. Noritzburg, S. 42f.

[12] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[13] QUEHL, Prediger-Kirche, S. 124; QUEHL, Die Religion der Thüringer 1. Teil, S. 124.

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Albrecht, N

Albrecht, N; Obristleutnant [ – ] N Albrecht [ – ] stand 1643 als Obristleutnant[1] in schwedischen Diensten.[2] Feldmarschall[3] Torstensson[4] wandte sich am 13.3.1643 aus Elsterwerda[5] an Reichskanzler Oxenstierna:[6] „Es ist unter andern auch der herr Obristlieutenant Albrecht an Ihr Königl. May:t meine allergnädigste Königin[7] recommendiret worden, derselbe, wie gute und getrewe nuzliche dienste er viel jahr hero der hochlöblichen Crohn in dero führenden kriegen geleistet, lasse ich alle die bezeugen, so gnugsahme wissenschafft hiervon und mit ihme umbgangen haben, seine empfangene unterschiedliche quetschuren[8] weisens auch mit mehrerem aus. Ich selbsten weiss ihme desfalss grosse ehre zuzuschreiben, darumb denn E. Excell. so viel mehr von dero particulier[9] ihm gunstig zu sein, und bey Ihr Königl. Maij:t in seinen unterthenigsten bitten, weiln er sich selbsten darumb in das königreich Schweden begeben, beförderlich zu erscheinen geruhen wollen“.[10]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant, tschech. podplukovník]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, v. den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch v. Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten u. die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren u. Soldaten bewies u. für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments u. die Anwerbung v. Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- u.Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse u. Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] u. 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen u. dänischen Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen u. Garnisonsdienst zwei Quartiere u. damit auch entsprechende Verpflegung u. Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[2] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[3] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk, dän. feltmarskal, tschech. polní maršálek]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen u. Zuständigkeit für Ordnung u. Disziplin auf dem Marsch u. im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- u. Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften aus der Beute u. Ranzionsgeldern – hier erhielt er 100 Rt. pro 1.000 Rt. Erlös; HOFMANN, Peter Melander, S. 155 – , den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt. Vgl. auch Backhaus, Reichsterritorium; Obolenskīĭ; Posselt, Tagebuch.

[4] Lennart Torstensson [Torstensohn, Torsten-Sohn], Graf zu Ortala u. Freiherr v. Virestad [17.8.1603 Forstena im Kirchspiel Västra Tunhem (Västergötland)-7.4.1651 Stockholm], einer der fähigsten schwedischen Heerführer, der durch die Schnelligkeit seiner Operationen berühmt wurde. 1618 Kammerknecht bei Gustav II. Adolf, 1621 Teilnahme an der Eroberung Rigas, 1624 Fähnrich, 1626 Kapitän, 1627 Obristleutnant, 1629 Obrist. Teilnahme an der Schlacht v. Breitenfeld am 7./17.9.1631, Sommer 1632 General der Artillerie, 24.8.1632 Gefangennahme beim Sturm auf die Alte Veste bei Zirndorf u. Inhaftierung mit schweren gesundheitlichen Schäden in der Festung Ingolstadt, März 1633 Auswechslung gegen Otto Friedrich Graf v. Harrach, den Schwager Wallensteins. Dezember 1634 Reichszeugmeister, 1641 Reichsrat, Feldmarschall u. Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen auf Reichsboden, 2.11.1642 Sieg in der 2. Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1643 Marsch nach Dänemark, Januar 1645 erneuter Einfall in die kaiserlichen Erbländer u. Vorstoß bis vor Wien, 6.3.1645 Sieg bei Jankau, September 1645 Rückzug nach der vergeblichen Belagerung Brünns, April 1646 Rückkehr nach Schweden, 1647 Erhebung zum Freiherrn u. Grafen, Mai 1648 Generalgouverneur über Västergötland, Värmland, Dal u. Halland. Vgl. TINGSTEN, Fältmarskalkarna Johan Baner och Lennart; HOLMBERG, Lennart Torstenson S. 13 ff.

[5] Elsterwerda [LK Elbe-Elster]; HHSD XI, S. 111f.

[6] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Oxenstierna gehörte einem der ältesten Adelsgeschlechter Schwedens an. Nach dem Studium des Staatsrechts u. der Theologie in Rostock, Wittenberg u. Jena im Spätsommer 1604 Eintritt in den Staatsdienst bei Karl IX. v. Schweden, Ende 1605 Ernennung zum entlohnten Staatsbeamten, am 10.10.1606 Abreise als Sondergesandter nach Mecklenburg, am 18.3.1607 Rückkehr nach Stockholm, Juni 1609 Ernennung zum Reichsrat, am 6.1.1612 zum Reichskanzler Gustav II. Adolfs v. Schweden, Ende Oktober 1626 zum Generalgouverneur Schwedens in Preußen. Oxenstierna trat für eine umfassende Mitverantwortung des Adels ein, die allerdings nur durch ein starkes Königtum gesichert war. Er wandelte den Reichsrat von einem nur vorübergehend eingeberufenen Gremium zur ständigen Regierung um, die unter seinem Einfluss die Politik Gustav II. Adolfs zumeist unterstützte. Auch der Reichstag, die Versammlung der Stände, wurde v. Oxenstierna reformiert. Er sicherte den Einfluss des Königs u. des Adels gegenüber der Bauernschaft, die durch immer neue Steuern diese neue Politik finanzieren musste. 1629 konnte er mit Polen den Frieden v. Altmark abschliessen, der Schwedens Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg erst ermöglichte. Nach dem Sieg bei Breitenfeld wurde Oxenstierna Bevollmächtigter der schwedischen Krone am Rhein, am 22.1.1632 kam er in Frankfurt am Main am Hofe Gustav II. Adolfs an. Am 5.12.1632 übermittelte Oxenstierna die neue „Regierungsform“ Schwedens an den Reichsrat, am 12.1.1633 wurde er bevollmächtigter Legat Schwedens im Heiligen Römischen Reich und Befehlshaber der dort stationierten Heere Schwedens, am 14.3.1633 Mitglied der Vormundschaftsregierung Königin Christinas, April 1633 Direktor des Heilbronner Bundes. Am 29.7.1634 bestätigte der schwedische Reichstag die neue „Regierungsform“. Nach der Schlacht bei Nördlingen löste sich der Heilbronner Bund wieder auf, was im April 1635 zu dem Treffen Oxenstiernas mit Richelieu in Compiègne führte. 1636 wurde er Leiter der Vormundschaftsregierung für Christina. Nach dem Regierungsantritt Christinas schwand sein politischer Einfluss. Am 20.11.1645 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 24. 9.1650 bejahte er die Erbmonarchie in Schweden. Oxenstierna, der im Laufe dieses Krieges zu einem der größten Gutsbesitzer Schwedens geworden war, gilt als der intelligenteste Politiker seiner Epoche. Vgl. allgemein WETTERBERG, Kanslern. ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 138, charakterisiert Oxenstierna prägnant als „humorlos, gelehrt, willensstark, arrogant, intelligent, ausgestattet mit einem phantastischen Gedächtnis, unerschöpflicher Energie und einem verblüffenden Organisationsvermögen“. MDSZ; GOETZE, Politik; ZIRR, Oxenstierna. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2, IRMER, Die Verhandlungen Schwedens Bd. 1-3.

[7] Christina Königin v. Schweden [17.12.1626 Stockholm-19.4.1689 Rom]. Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden; BUCKLEY, Christina; HEYDEN-RYNSCH, Christina von Schweden. OPITZ, Hausmutter und Landesfürstin, S. 366f.: „Sie wurde wegen ihres ausgesprochen männlichen Kleidungs- und Lebensstil berühmt und galt den Zeitgenossen als lebendes Beispiel für die virilen Tugenden hochgeborener Frauen. Erst sechs Jahre alt war sie gewesen, als ihr Vater Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen fiel. Schon ein halbes Jahr später hatte sie der schwedische Reichstag zur Königin erklärt und ihr offiziell gehuldigt. Die Regentschaft für die Minderjährige führte der Reichskanzler Axel Oxenstierna. Christine selbst wurde in einer Weise auf die Regierungsübernahme vorbereitet, wie sie sonst nur für männliche Thronfolger üblich war. Bald beherrschte sie mehrere Fremdsprachen, las und sprach mühelos Latein und besaß umfassende Kenntnisse der antiken wie der modernen europäischen Literatur, Philosophie und Geschichte. In den Belangen der Regierung und des Staatswesens unterrichtete sie der Reichskanzler selbst, der sie auch über den Zustand des Landes und die täglichen politischen Fragen auf dem laufen hielt. Christine lernte mit Begeisterung und Selbstdisziplin, vernachlässigte Schlaf, Essen und Körperpflege, die sie wie andere »weibliche« Interessen und Beschäftigungen geringschätzte. Schon mit 16 Jahren nahm sie regelmäßig an den Sitzungen des Reichsrates teil, der nichts ohne ihr Wissen entschied. 1644 leistete sie den Eid als Königin von Schweden und übernahm dann die Regierungsgewalt. Christines Auftreten und Sachkenntnis gaben ihr Autorität im eigenen Land, erregten aber auch international Aufsehen – zumal sie fast berüchtigt war für ihre soldatisch-männliche Lebensführung und ihre »unweibliche« wissenschaftliche Neugierde, die sie in Korrespondenz und Austausch mit berühmten Gelehrten und Philosophen zu befriedigen suchte. Mit Leidenschaft und großem finanziellen Aufwand ließ sie aus anderen Ländern Kunstschätze, Bücher und wertvolle alte Handschriften zusammentragen, ihre Sammlung war eine der reichsten in ganz Europa. Sie scheute nicht vor Krieg und Raub zurück, wenn sie sich etwas aneignen wollte: Noch unmittelbar vor Beendigung des Dreißigjährigen Krieges besetzte die schwedische Armee Prag – und es scheint, daß der militärisch unmotivierte Feldzug allein der kaiserlich-rudolfinischen Kunstsammlung gegolten habe, die dort aufbewahrt wurde“.

[8] Kriegsverletzungen: Bei der Vielfalt u. Schwere der Verletzungen ist es erstaunlich, wieviel Soldaten überlebt haben. In der Leichenpredigt für Johann Schaff v. Habelsee heißt es; PERTZSCH, Heroicum Heroum fideliter & constanter militantium Stipendium: „Insonderheit Anno Sechzehenhundert und vierzig bey Greiffenstein in Slesien / als der Stalhannß mit Fünfhundert Musquetirern und dem Rechten Flügel gegen Ihn kame / Er sich mit den bey sich habenden Troppen / seiner gewöhnlichen Großmüthigkeit nach / deß Stalhannsen Schwager / nemlich den Obristen-Leutenant / so obbesagte Musquetirer commandirte / angegriffen / selbigen alsbald todtgeschossen / und ohnangesehen Er zween Schuß darüber / einen durch zwo Rippen / den andern am lincken Ohr ein- und zum Mund hinaus bekommen / gleichwohl nicht abgelassen / sondern noch einen Cornet, welcher Seiner im Schuß fehlete / erlegt / und selbige rencontra Ritterlich ausgefochten; Nicht anderst auch wieder bald darauf Anno Sechzehenhundert Ein und viertzig für Wolffenbüttel / da zwey Pferde unter Ihm mit Stücken darnieder und Er selbst gefährlich geschossen worden / Sich so Rühmlich gehalten / daß Er zur Obrist-Wachtmeisters Charge gezogen; dieses Officium Er Anno Sechzehenhundert fünf und viertzig / bey Einnehmung Teschen / und Sechzehenhundert sechs und vierzig / in der Blocquada für Frankenstein in Slesien (in welchen beeden Ocasionen Er auch hart an seinem Leib verletzt / also betretten / daß sein Obrister freywillig Ihme die Obrist-Leutenant-Stelle conferirt. Vornehmlich aber hat Er bey dem Treffen zwischen Plan und Trübel / in Führung der Avanguardi, seine bekandte Treüe / dapfern Valor und Heroischen Heldenmuht / mit ungesparter Darsetzung seines Leibes / Lebens und Bluts / Ritterlich / durch zertrennung dreyer Regimenter zu Pferd / als deß Lieffländischen / Wittenbergischen und Durlachischen / auch Eroberung zweyer Standarten / sehen lassen: Wie nicht weniger kurtz darnach Anno Sechzehenhundert acht und viertzig / bey den Dingelfingischen Einfall in der Frantzosen und Schwedischen Läger / in welchem Ihme ein Stück von der Zungen und etliche Zähne aus dem Munde geschossen worden) und sonsten die gantze Zeit durch / seiner wehrender Kriegs / dienste / an allen Plätzen und Oertern / sein Devoir jedesmahl / wieder Unsere und deß Reichs Feinde / mit empfangenen Achtzehn Tödtlichen Stich- und Schüßen durch sein Haubt / Halß / Bauch / arm und Bein (gestalten Er Uns noch jüngst zu Pilsen / die Halbe in seinem lincken Arm zu stücken geschossen / und ausgenommene Röhre Selbst gezeigt) so dapffer und und unverzagt contestirt / daß solches zu seinem Immerwährenden Lob und Ruhm / auch allen Ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der Nachfolge / billich vorgesetzt werden kann“. Vgl. die Kritik Christians des Jüngeren v. Anhalt-Bernburg (1620) an der schlechten Behandlung durch Balbiere; KRAUSE, Briefe, S. XI: „ ‚Nichts verdroß mich mehr‘, äußert er sich, ‚als da der Graf Buquoy einen jungen Balbirer, der mich verband, fragte, wo ich geschädigt wäre, antworte: In den Rücken wäre ich von einer Musketenkugel durchschossen worden, da man doch darnach befunden, daß der Schuß, so durch die Brust gegangen, vom Pistol gewesen, der andere aber nicht durchgangen. Und ich mag mich rührmen, daß in dieser Schlacht ich den Feind ins Gesicht gehabt, auch da ich beide Wunden empfangen, ihm nicht den Rücken zugekehrt, welches wenige werden sagen können. Dieser unwissende  Balbirer aber, weil er den Eingang der Pistolkugel vorm unterm rechten Arm nicht sah, und ich vor großen Schmerzen in der Achsel mich auch nicht recht alsbald besann, stieß mir das Instrument vorn in die Brust, da die Pistolkugel ausgegangen, hinein, und zur Schulter, da die Musketenkugel hineingegangen, wieder heraus. Ich meinte, es müßte als sein, und litte es geduldig, dessen mir die Wallonischen werden Zeugniß geben, sahe also das frische neue Blut herauslaufen, daß ich auch endlich den Balbirer zur Rede setzte, und glaube, er habe mich durch das Stören, sonderlich auf diese Weise, mehr verderbt, als die Wunden an sich selbst. – Es sind wol ein fünf Balbirer dieselbe Nacht über mich gewesen und taugte keiner nichts: Napolitaner, Teutsche, Franzosen, Wallonen‘ “. Vgl. auch „Die medizinische Versorgung“, in: EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 119ff. In Schweden verbrachte man Kriegskrüppel ohne Versorgung zusammen mit Leprakranken auf einsame Ostseeinseln wie Gloskär [Åland-Archipel; Finnland]; PLEISS, Der Zug, S. 17, obwohl in den Kapitulationen festgehalten war; MANKELL, Arkiv 3. Bd., S. 265ff.: […] oder sonsten gelähmt und untüchtig gemacht würde, sie nach jedes condition und Verhalt mit Ranzion oder Auswechselung auslösen und einen solchen Beschädigten, so er in Unsern Landen zu bleiben gemeinet wäre, mit notdürft. Unterhalt die Zeit seines Lebens versorgen, oder da er weiter ziehen wollte, mit einem Pass und ehrlichem Zehrpfennig gnädigst verehren lassen“. Der bekannteste aller Kriegsversehrten soll Josias v. Rantzau [18.10.1609 Bothkamp-14.9.1650 Paris], dänischer, später französischer Generalleutnant, gewesen sein. Er soll 60 Wunden davongetragen haben, ein Auge (bei der Belagerung v. Dole), ein Ohr u. vor Arras einen Arm u. ein Bein verloren haben. Vgl. auch FRIEDRICH; SCHRÖDER, Das Massengrab von Lützen, S. 399-404.

[9] particulier: besonders.

[10] AOSB II/8, S. 393f.

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Meusingen [Meusinger, Meising], Johann Georg von

Meusingen [Meusinger, Meising], Johann Georg von; Obristleutnant [ – ] Johann Georg von Meusingen [Meusinger, Meising] [ – ] war kurbayerischer Obristleutnant, allerdings Lutheraner. Er übernahm in Wahls Abwesenheit das Kommando in der Oberen Pfalz. Er stand unter dem Einfluss von Jesuiten und Franziskanern, die ihn zur Konversion drängten.

„Am 6. September erleiden die Schweden bei Nördlingen[1] eine vernichtende, entscheidende Niederlage. Als die Nachricht davon in Nürnberg[2] eintrifft, können es die Nürnberger lange nicht glauben. Doch es ist wahr, die Macht der Schweden in Süddeutschland ist gebrochen. Innerhalb kurzer Zeit fallen Würzburg,[3] Schweinfurt,[4] Rothenburg[5] und Weißenburg[6] in die Hände der Kaiserlichen.[7] Bayern will die Lähmung der evangelischen Stände ausnutzen, um die 1505 an Nürnberg verlorenen Ämter Velden,[8] Reicheneck[9] und Hersbruck[10] wieder in Besitz zu nehmen. Der stellvertretende Kommandant von Amberg,[11] Obristleutnant Johann Georg von Meusingen, wird damit beauftragt.

Als erstes lässt er die Rothenberger[12] Garnison in der Nacht vom 17. auf den 18. September wieder einmal das Dorf und Schloss Reichenschwand[13] besetzen. Da für die Nürnberger die wichtige Nachschubstrecke aus dem Osten damit abgeschnitten ist, greift der schwedische Oberst Klaus Hastver mit seinen Truppen, mit nürnbergischer Reiterei und vier Geschützen am 22. September den in Reichenschwand liegenden Feind an. Der Oberst wird, durch einen Musketenschuss schwer verwundet, nach Lauf[14] zurückgebracht und stirbt dort noch am gleichen Tag. Sein durch den Verlust den Verlust des Obersten erbittertes Kriegsvolk erobert am nächsten Tag Reichenschwand. Die darin liegenden 25 rothenbergischen Musketiere, ihr Korporal und vier Zimmerleute ergeben sich auf Gnade und Ungnade. Sie werden nach Nürnberg gebracht und im Wasserturm gefangen gehalten. Als sich herausstellt, dass der gefangene Korporal schon einmal unter Hastver gedient hat, ‚aber einen Schelmen gespielt und zwei Pferde mitgenommen hatte’ wird er auf Begehren des Oberstleutnant Hansen [Hansson; BW] an die Schweden ausgeliefert und am 26. September vor dem Laufer Tor bei den drei Linden aufgehängt. Das Schloss Reichenschwand wird mit 50 Nürnberger Mann unter Leutnant Baumgärtner besetzt. Die Männer haben allerdings kein Dach über dem Kopf, da es bei den Kämpfen eingestürzt bzw. abgebrannt ist“.[15]

Mit 500 Mann und 2 Geschützen der Amberger Garnison überfiel Meusingen am 15.10.1634 Happurg.[16]: „Die Besatzung, schwedische Reiter der Hersbrucker Garnison, verliert dabei alle Pferde und Waffen und 25 Mann. Damit ist auch die Verteidigungskraft von Hersbruck entscheidend geschwächt.

Prompt steht elf Tage später Meusingen vor Hersbruck und lässt die Stadt durch einen Trompeter zur Übergabe auffordern. Da der Hersbrucker Pfleger von Nürnberg die Weisung erhalten hat auszuhalten, bis aus Nürnberg Entsatz zur Eile herbeieilt, lehnt er die Übergabe ab. Er kann ja nicht wissen, dass die auf dem Marsch befindliche Nürnberger Hilfstruppe am nächsten Morgen bei Reichenschwand ‚liederlicherweise’ umkehrt, als sie von Hersbruck her Kanonendonner hört.

Am 28. Oktober frühmorgens beginnt Meusingen, mit seinen auf dem Anstieg zum Michelsberg aufgestellten drei Halbkartaunen die Stadt zu beschießen. Die Geschütze können immerhin Kugeln von24 Pfund verschießen und sind so schwer, dass 15 Pferde nötig sind, um die Kanonen zu transportieren. Es dauert nicht lange, dann ist die Stadt sturmreif geschossen und die Angreifer klettern über die Mauern. Dies ist kein Kunststück, haben die Hersbrucker doch allein durch die Pest in den letzten Monaten mehr als ein Drittel der Einwohner verloren. Ganze Mauerabschnitte können deshalb nicht verteidigt werden. Trotzdem gibt Meusingen seinen Soldaten den Befehl, ‚alles niederzuhauen und auszuplündern’. Später berichtet er seinem Kurfürsten stolz, dass nach dem Sturm nicht nur die 70 Soldaten, sondern auch viele Bürger niedergehauen wurden und zehn der ‚bösten’ Häuser niedergebrannt wurden. Laut Totenregister sind in den darauf folgenden Tagen 111 Menschen beerdigt worden. ‚Den Paß Reichenschwand, an dem den Nürnbergern viel daran gelegen, habe er ebenfalls in seiner Gewalt. Lauf und Altdorf[17] habe ich auch geschrieben, sie sollen sich accomodiren, habe aber noch keine Antwort …’

Lauf ist fürs Erste mit dem Schrecken davongekommen. Es hätte gegebenenfalls ebenso wenig widerstehen können wie Hersbruck. In Hersbruck jedoch hausen die Soldaten. Der mutige Pfarrer Sigmund Faber und sein Freund, der Stadtschreiber Büttner, wollen Meusingen um Gnade anflehen. Sie werden zwar unterwegs niedergeschlagen, raffen sich aber wieder auf und fallen vor Meusingen nieder und ‚bitten um Gottes Barmherzigkeit willen um Gnade’. Der verdutzte Obristleutnant findet keine andere Antwort, als Faber wie ein Beutegut seinem Kapitänleutnant von Unterschritt zu schenken und ihn abführen zu lassen. Am nächsten Morgen kommt Faber gegen ein Lösegeld von 24 Dukaten und 50 Reichstalen wieder frei. Meusingen entschuldigt sich für den gestrigen Vorfall, aber ‚er wüßte auch kein ander Mittel, als die Stadt von Stock zu Stock anzuzünden und demolieren zu lassen. Weil er aber um Gottes Barmherzigkeit willen um Gnade gebeten, möge die arme Stadt verschont werden’.

In anschließenden Unterredungen mit dem Pfleger und den Ratsherren verlangt Meusingen für die Schonung eine Kontribution von 3 000 Reichstalern innerhalb von fünf Tagen. Bemerkenswert schnell verlässt er die Stadt in Richtung Amberg, nimmt aber die Bürger Michael und Peter Rösel, Friedrich Fraunknecht und Hans Willibald als Geiseln mit. Schnell wohl deshalb, weil er er von dem Wüten der Pest in der Stadt erfahren hat. Da zwei Monate später in Hersbruck wieder eine Nürnberger Besatzung einzieht, scheint die Abführung der Kontribution und die Rückkehr der Geiseln bis dahin erfolgt zu sein“.[18]

Tatsächlich hatte Meusingen Hersbruck so schnell verlassen, um am 29.10. – allerdings vergeblich – Burg Veldenstein[19] anzugreifen; er verlor dabei dreißig Mann. Ein Angriff auf Reicheneck[20] bei Happurg blieb ebenfalls erfolglos. Dagegen wurde die schwedische Besatzung aus Velburg vertrieben.[21]

Am 12. Dezember 1634 erhielt er von der Stadt Amberg einen vergoldeten Pokal im Wert von etwas mehr als 90 fl. verehrt, um eine Erleichterung der Kriegssteuer zu erreichen.[22]

1638 ist das Regiment von Mörnsheim[23] her kommend in Gundelfingen[24] stationiert: „»würdt ihnen eben auch den Garauss machen«, meint der Berichterstatter“.[25] „Besonders schlimm hatte das Meising’sche Regiment in Gundelfingen gehaust, »so unchristlich, das es bei öffentlichen Feinden nicht hätte ärger zugehen können«. Das fürstliche Schloss mit Kasten wurde, was zuvor bei den verschiedenen Einquartierungen niemals vorgekommen war, geplündert und die Amtsregistratur mutwilligerweise zerstreut und verdorben. Schuld daran trug hauptsächlich der Oberstleutnant Johann Schnell.[26] Dieser stellte auch bei seinem Abzuge an die Stadt die unbillige Forderung, ihm die Lieferungen ins Feldlager noch zu leisten wie im Quartier“.[27]

[1] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[2] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[3] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[4] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[5] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[6] Weißenburg i. Bayern [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 799ff.

[7] ENGERISSER, Von Kronach, S. 363ff., die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung.

[8] Velden [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 767f.

[9] Reicheneck, Burg [Stadt Hersbruck, LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 615f.

[10] Hersbruck [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 289ff.

[11] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[12] Rothenberg, Festung [Gem. Schnaittach, LK Lauf/Pegnitz, Mfr.]; HHSD VII, S. 635f.

[13] Reichenschwand [LK Nürnberger Land].

[14] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.

[15] KÄPPEL, Nürnberger Land, S. 76f.

[16] Happurg [LK Nürnberger Land].

[17] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.

[18] KÄPPEL, Nürnberger Land, S. 77f.

[19] Veldenstein [Eschenbach/LK Neustadt Waldnaab]; HHSD VII, S. 769.

[20] Reicheneck, Burg [Stadt Hersbruck, LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 615f.

[21] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 153.

[22] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 158.

[23] Mörnsheim [LK Eichstätt].

[24] Gundelfingen a. d. Donau [LK Dillingen/Donau]; HHSD VII, S. 257ff.

[25] RÜCKERT, Lauingen II, S. 14.

[26] Johann Schnell [ – ], kurbayerischer Obristleutnant.

[27] RÜCKERT, Lauingen II, S. 15f.

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Freiberg [Freyberg, Freiberger, Freyiunger], Albrecht von

Freiberg, Albrecht von; Obrist [ -nach 1635] Freiberg [Freyberg, Freiberger, Freyiunger][1] war 1632 kaiserlicher Obristleutnant, als er Oschatz eroberte.[2] Das Jahr „1632 vermehrte jedoch die Kriegsdrangsale für unsere Stadt [Oschatz; BW] und die umliegende Gegend. Nach dem Abmarsch des Schwedischen Regiments Steinau, das vom 1. bis 12. August hier verweilt hatte, ward eine Bürger-Miliz errichtet und ihr ein Wachtmeister vorgesetzt; auch wurden auf dem Thurme noch besondere Wächter angestellt, welche auf die Annäherung feindlicher Truppen Acht haben sollten. Was man besorgte, geschah. Kaiserliche Croaten,[3] die mit mehrern andern Corps bereits im August über Annaberg[4] nach Sachsen gedrungen waren, fielen den 12. October die Stadt an, zerhieben die Schläge an dem Strehlaischen und Hospital-Thore, jagten die Bürgerwachen in den Zwinger und tödteten von ihr in der ersten Hitze alles, was sich nicht durch die Flucht zu retten vermochte. Der Stadtrath Vogel und mit ihm 12 Bürger verloren an diesem angstvollen Tage ihr Leben, eine weitaus größere Anzahl ward verwundet, und Mancher sank durch den Schreck in die Arme des Todes. Bei und nach dieser blutigen Scene nahm eine allgemeine Plünderung überhand, wobei weder Kirchen, noch Schulen, noch Rathhaus verschont blieben. Die Stadtkirche allein verlor dabei alle Ornate, Meßgewande, 10 Kelche und eine große silberne Kanne, auch wurden andere Sachen, die von manchen Einwohnern dahin in Sicherheit gebracht worden waren, entwendet. Nach eingetretener Ruhe legte der Kaiserliche Oberst-Lieutenant, Albrecht Freiberger, von Mahlis[5] aus, wo er sein Quartier hatte, eine sogenannte Salve-Garde[6] in die Stadt, und eine besondere noch in die Apotheke. Jene, die etliche Wochen hier lag, verursachte der Stadt viele Kosten. Dabei mußte sie noch Bier und Brot nach Mahlis, Grimma[7] und Altenburg[8] liefern. Nach dem merkwürdigen Haupttreffen bei Lützen[9] am 6. November, worin die Schweden zwar einen vollkommenen Sieg erkämpften, aber auch ihren vortrefflichen König verloren, mußte sich der Kaiserliche General von Wallenstein[10] nach Böhmen zurückziehen und ganz Sachsen, so wie unsere Gegend, ward noch vor dem Ende des Jahres von den Feinden geräumt“.[11]

Er war 1633/34 kaiserlicher Obristleutnant eines Fußregiments unter dem kaiserlichen Generalwachtmeister Hans Ulrich von Schaffgotsch,[12] welches er 1634 als Obrist übernahm, und in die Wallenstein’sche Rebellion verwickelt.

„Zwar, die große Meuterei im Heer, die sie gefürchtet hatten zu Wallensteins Lebzeiten und jetzt immer noch fürchteten, die blieb aus, dank, sei es der Energie der Führer, oder der Müdigkeit und dumpfen Gleichgültigkeit der Geführten. Zu Akten der Rebellion kam es. Sie waren nicht stark genug, um zu etwas Wirksamem zusammenzuwachsen, sie ängstigten die neuen Herren als Symptom. Einer der beiden Obersten, die nach Wallensteins Flucht zuerst die Stadt Pilsen[13] besetzt hatten, Tavigny, wurde bald danach von seinen Soldaten erschossen, man kennt die Umstände nicht. Man kennt nur ein wenig genauer den Versuch eines Aufstandes und Umsturzes, den der Oberstleutnant Freiberger spätestens am 2. März in Troppau[14] unternahm. Freiberger war ein Lutheraner aus Braunschweig, ein Gehilfe und Freund des Grafen Schaffgotsch. Ihm stand als kaiserlicher Kriegskommissar ein gewisser Lilienfeld zur Seite, auch Schneider genannt, ein Böhme und zurückgekehrter Emigrant. Jedenfalls wußte Freiberger noch nichts von Wallensteins Katastrophe. Er glaubte in seinem Sinn, er glaubte im Sinn des Pilsener Schlusses zu handeln, als er sein Manifest an alle Stände Oberschlesiens richtete: Daß der Kaiser die evangelische Religion ausrotten wolle, sei nun sonnenklar; der Herzog von Friedland ziele auf nichts anderes als dahin, das Römische Reich wieder in seinen alten Flor zu setzen und alle bei ihren Freiheiten zu erhalten; darum habe der dem König von Frankreich, den großmächtigen Staaten der vereinigten niederländischen Provinzen und der Krone Schweden sich angeschlossen; den Deutschen, den Böhmen, den Schlesiern obliege es, ein Gleiches zu tun. Hilfe sei unterwegs, die Schweden, die Sachsen. Hilfe hätten die oberschlesischen Stände selber zu geben, Geld und Proviant und bewaffnete Männer; die Kaiserlichen aber und die kaiserlich Gesinnten mit Freuer und Schwert zu verfolgen. Es waren Fragmente von fünf Regimentern beteiligt, Schaffgotsch, Morzin, Böhm, Trčka, Max Waldstein. Es wurden Geiseln genommen, Adelige und Bürgerliche, denen man nicht traute. Es gab auch solche, den man wohl trauen durfte, tschechische und deutsche Protestanten, Adel, Bürgertum, Landvolk. Vivat Friedlandus, der längst tot war, vivat der König von Frankreich, der römischer Kaiser werden sollte. Natürlich kam Hilfe von nirgendwo. Natürlich war der Aufstand ins Irrtümliche, Blinde, Isolierte, Illusionäre unternommen. Natürlich waren die Kaiserlichen, die unter dem General Goetz[15] gegen Troppau heranrückten, die Stärkeren. Bis zum 18. März konnte Freiberger sich in der Festung halten, dann sah er ein und gab auf. Man war in Wien klug genug gewesen, das Gnadenspiel zu wiederholen, das man vorher im Großen getrieben hatte: es sollten später alle Verführten pardonniert werden, nur die bösesten Verführer keineswegs.

Eine Bagatelle. Die Tragödie von ein paar Leutchen, die zu erforschen kein Historiker für wert befunden hat. Freibergs Quixoterie galt einem Traum-Wallenstein; galt ihm, so wie man in Wien nun seinen Charakter zeichnete. Wäre er aber der gewesen, der er nicht war, der große, großartig planende Rebell, so zeigt der Aufstand von Troppau, daß er kämpferische Gefolgschaft hätte finden können; in Schlesien mehr davon als in Böhmen“.[16]

„Einerseits wurde in den ersten Märztagen in Wien bekannt, daß sich ein Infanterieregiment in Schlesien im offenen Aufstand gegen den Kaiser befand. Nach der Verhaftung des kaiserlichen Obristen Schaffgotsch hatten Oberstleutnant Albrecht Freiberg und Kriegskommissar Samuel Schneider von Lilienfeld am 1. März die militärische Kontrolle über die Stadt Troppau übernommen und mehrere vornehme kaiserliche Räte und Offiziere gefangennehmen lassen. Am 3. März veranlaßten sie – in Unkenntnis der Ereignisse von Eger – , daß die in Troppau zusammengezogenen kaiserlichen Truppen sowie Rat und Gemeinde dieser Stadt auf den Herzog von Friedland und seine confoederierten vereidigt wurden. Die Reaktion des Kaiserhofs auf die Troppauer Vorgänge von Anfang März glich der auf den Ersten Pilsener Revers vom 13. Januar in Inhalt und Form. Am 13. März erließ der Kaiser ein Patent, in dem die Übergabe der Stadt angeordnet wurde; zugleich wurde darin allen in Troppau stationierten Soldaten versichert, daß ihr Verhalten keine strafrechtlichen Folgen haben werde. Ausdrücklich von dieser Amnestie ausgenommen wurden jedoch Oberstleutnant Freiberg und Kriegskommissar Schneider als ofenbahre patriae proditores und eydtvergeßne leuth.

Der Troppauer Aufstand konnte zwar binnen Wochenfrist beigelegt werden. Am 19. März kapitulierten Freiberg und Schneider vor den heranrückenden Truppen des kaiserlichen Generals Götz, der den Hauptverantwortlichen, Kommissar Schneider, neun Tage später auf dem Marktplatz von Troppau hinrichten ließ. Allerdings konnte die Wiener Regierung zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausschließen, daß die rasch verbreitete Nachricht vom Troppauer Aufstand in anderen Truppenteilen Schule machen und daß die in der Nähe liegenden schwedischen und sächsischen[17] Regimenter in irgendeiner Weise intervenieren würden“.[18]

Richel, Agent Maximilians I. von Bayern[19] in Wien, schrieb dem Kurfürsten unter dem 8.3.1634: „Vor wenig Tagen hat des Schaffgoz [Schaffgotsch; BW] obristerleitenant einer, Freiberger genannt, so mit seinen kompagnieen zu Troppau in Schlesien gelegen, wie er vernommen, daß sein obrister von [Rudolf v.; BW] Coloredo gefangen, mit des feinds guarnison zu Oppel[20] heimbliche correspondenz gepflogen, dieselbe in Troppau eingelassen, und sich alsbald darzu geschlagen, und die andere officier, reiter und knecht, welche nit mit ihm zum feind umbtreten wollen, theils nidergemacht, theils gefangen“.[21]

Das „Theatrum Europaeum“[22] berichtet dazu: „Anlangend die Schlesische Sachẽ dieses Monats Aprilis / ist zuvor gedacht worden / Hr. Obr. Schafgotschen ( so eine Zeitlang zu Glatz[23] gefänglich gehalten / und darnechst gefangen naher Wien gelieffert / und scharpff examiniret worden) seines Obrist. Leutenant Freybergers / wie nehmlich er seines Generaln Hr. Schafgotschen Gefangenschafft vernommen / mit seinem unterhabenden Volck / so in 1800. Mañ starck gewesen / von den Käyserischen abgetreten / und sich zu dem Evangelischen Bund begeben wollen / und zu dem Ende nicht allein Troppau / da er gelegen / mit aller Nothdurfft wider die Kayserischen versehen / sondern auch Liebschütz[24] und Jägerndorff[25] / etc. eingenommen und besetzt / darneben etliche vornehme Personen / mit welchen er seinen Hr. Generaln wieder loß zumachen gedacht / gefangen bekommen und genommen. Es hat sich aber bey diesem Handel Herr Obr. Götze nicht gespart noch gesäumpt / sondern bald darauff mit etlich tausent Mann zu Roß und Fuß angezogen / erstlich Liebschütz und Jägerndorff in sein Gewalt gebracht / darnechst sich auff Troppau begeben / und dasselbige belägert: Darinnen sich ermelter Oberster Leutenant Freyberger zwar etwas gewehret / weil er aber von den Sächsischen oder Schwedischen sich keines Succurs der Zeit zugetrösten / ihme auch von seinem Herrn Generaln sich zu accomodiren / anbefohlen: Deßgleichen ihme die Käyserliche Macht viel zu groß und unerträglich gewesen: Zumahl auch Frey- und Sicherheit von Herrn Obersten Götzen verbindlich zugesagt und allerdingen Perdon versprochen / als hat er sich accomodirt / und ist wiederumb auff der Käyserlichen Seiten getretten / aber also bald gefangen genommen / und naher Wien zu den anderen gefangenen geschickt worden“.[26]

Die anti-kaiserlichen „Wochentliche[n] Postzeittungen Nr. 23“ vom 13.6.1634 berichten noch unter dem 20.5. aus Wien: „Die Friedländische Conspiranten seindt theils von hinnen auf Prag vnd Pilsen geführt worden / sein gewesener Astronomus [Senno; BW] aber / sambt seinẽ Cantzler Oelß [Eltz; BW] / Obr. Schaffgotsch / Obr. Leutenant Jacob [!] Freyiunger [Freiberg(er); BW] / Schlieff [Schlief(f); BW] vnd andere mehr / bleiben noch allhie in guter Verwahr sitzen / vnd täglich scharff Examinirt“.[27]

Freiberg soll dem Scharfrichter das Richtschwert, mit dem Schaffgotsch hingerichtet wurde, abgekauft haben.[28]

Bereits im Mai 1634 nahm Freiberg jedoch an dem kaiserlichen Feldzug gegen Regensburg[29] und Nördlingen[30] teil.

Freiberg blieb nach der Einnahme Rothenburgs[31] im September 1634 bis zum Frühjahr 1635 dort in Garnison.

„Nach der Einnahme Rothenburgs ging der Zug des Piccolominischen Korps, mittlerweile wieder mit Johann von Götz vereint, am 19.9.1634 weiter gegen Mainfranken. Zur Übergabe aufgefordert wurde die Stadt Windsheim,[32] wohin der kaiserliche Oberst Freyberger von Rothenburg aus mit 4 Regimentern zu Roß und einigen Dragonern gerückt war. Dort lagen immer noch die von Herzog Bernhard im August dorthin gelegten zwei Kompanien unter dem Oberstleutnant Balthasar Goll vom Brinken’schen Regiment. Dieser setzte sich allerdings zur Wehr, so daß Freiberger nach einiger Zeit der Blockade wieder abziehen mußte.[33]

Am 25.2.1635 marschierte Freiberg von Rothenburg ab und begab sich vor Hersbruck,[34] wo sein Regiment von der Nürnberger[35] Garnison unter dem Obristen Johann von Leubelfing und dem Hastver’schen Obristleutnant Magnus Hansson überfallen und zerstreut wurde. Freiberg begab sich daraufhin wieder zurück nach Rothenburg.[36] „Der kaiserliche Oberst von Freyberg war am 25. Februar vor Hersbruck erschienen, das im Besitz der Schweden war, besetzte die Michelsmühle und ließ bei dieser 1 Batterie erbauen. Am 26. brach Oberst Laublfing [Leubelfing !; BW] von Nürnberg auf, um Hersbruck zu entsetzen, was ihm nach Kämpfen am 27. abends, 28. Februar und 1. März gelang. Oberst von Freyberg zog sich nach Verlust von 5 Geschützen und nachdem seine Leute Hohenstadt[37] angezündet hatten, nach Auerbach[38] zurück“.[39]

In der Lokalchronistik heißt es: „500 Mann liegen als Besatzung im Frühjahr 1635 in Hersbruck. Man wäre sie gerne losgeworden, aber sie sind nicht zu entbehren. Alle paar Tage tauchen umherstreifende feindliche Trupps auf und versuchen auszukundschaften, wo etwas zu holen oder zu erobern ist. Deshalb werden Major Salomon Justus Bloch, seine 5 Kapitäne, elf Leutnants und Fähnriche, acht Sergeanten, 13 Unteroffiziere, elf Spielleute, 20 Korporale, 56 Rott- und 60 Unterrottmeister und ihre 251 Mannen dringend zur Sicherung der Stadt benötigt. Der Stab besteht aus einem Major, zwei Schultheißen, einem Priester, zwei Gerichtsschreibern, einem Proviantmeister, zwei Profosen,[40] einem Stockmeister,[41] zwei Regimentsspielleuten und drei Feldschern.[42] Außerdem müssen noch 51 Rekruten von den Hersbrucker Bürgern mit versorgt werden.

Am Abend des 17. Februar kommt der nürnbergische Hauptmann Burkhard Löffelholz aus Altdorf[43] nach Hersbruck, um einen Überfall auf einen feindlichen Konvoi vorzubereiten. Am nächsten Tag will er sich mit 36 Musketieren auf den Weg machen, doch gerade noch rechtzeitig erfährt er von spionierenden Bauern, dass sich 500 kaiserliche Reiter in der Nähe des Konvois aufhalten. So kehrt er wieder um, nach Hersbruck zurück. Dort ist inzwischen auch Kapitän Pfister mit 20 Mann eingetroffen. Er hätte eigentlich an der Unternehmung teilnehmen sollen, wurde aber unterwegs bei Engelthal[44] von einer 40 Pferde starken feindlichen Abteilung aufgehalten.

Löffelholz will alles abblasen und nach Nürnberg zurückreiten, da ertönen zwei scharfe Schüsse vom Michelsberg her. Alarm ! Mit 60 Mann stürzen sich die Hersbrucker die Nürnberger Straße hinaus und werfen sich dem Feind entgegen. Bald sieht man die Feinde in regelloser, wilder Flucht in die Wälder verschwinden. Ein kaiserlicher Kornett, ein Quartiermeister und 16 Mann bleiben tot am Platz, vier Leute und viele Pferde werden erbeutet. Dem Schrecken der Bauern, dem gefürchteten kaiserlichen Hauptmann Schachtel, der selbst die Streife angeführt hat, ist es leider geglückt zu entkommen.

‚So groß war die Furia unserer Leute’, schreibt Löffelholz, ‚daß ich ungeachtet ihnen nachgegangen, sie doch nicht mehr einholen, viel weniger von dem unbarmherzigen Niedermachen abhalten können’. Später reut es die Leute selbst, dass sie so dreingehauen haben, denn sie hätten einige Gefangene mehr gebraucht, um sie gegen ihre in Amberg[45] festgehaltenen Kameraden auszutauschen.

Ihren Diensteifer müssen wir aber um so höher bewerten, weil nämlich der Rat zu Nürnberg es damals sehr an Löhnung und Verpflegung fehlen ließ. Der Zentner ‚Biskotten’ (Zwieback), den er kurz vorher für die Soldaten und die Bürgerschaft herausgeschickt hatte, war doch nur Brosamen. Und was wollte es gar erst bedeuten, daß die Nürnberger, als der Feind mit dem Anzünden des Städtchens drohte, fürsorglich eine Spritze heraussandten ?

Als sich Anfang März die Nachrichten verdichten, daß der Feind die Absicht hat, die Nürnberger Ämter anzugreifen, befiehlt der Rat, die Besatzung nach Nürnberg abzuziehen. Die Bürger protestieren dagegen. Der Rat empfiehlt, daß sie ihr Hab und Gut ja in die Hauptstadt bringen könnten. Doch es ist schon zu spät !

Am 17. März bricht der kaiserliche Oberst Albrecht von Freyberg mit 2 500 Mann vom Rothenberg[46] auf und rückt gegen Hersbruck vor. Hier besetzt er die Michelmühle und lässt in deren Nähe eine Batterie aufwerfen. In größter Eile bringt ein Hersbrucker Bote die schlimme Nachricht nach Nürnberg. Unverzüglich bricht von dort Oberst Leubelfing mit 400 Mann Infanterie, 200 Pferden und vier Geschützen auf, um das Städtchen zu entsetzen, das man man schon eingenommen wähnt. Unterwegs erhält er noch Verstärkung durch die in Lauf gelegene Kompanie [Johann Sigmund; BW] Haller und 150 Mann der Besatzungen von Altdorf und Neumarkt,[47] so dass er zuletzt mit 870 Mann Infanterie und 200 Pferden am Abend des 19. März in Hersbruck einziehen kann.

Noch am selben Abend wagen 200 Musketiere einen Ausfall, geraten in ein Gefecht mit dem Feind und fügen ihm einen Verlust von 19 Mann zu. Am nächsten Morgen in aller Frühe beginnt der Feind aus der fast vollendeten Batterie mit einem lebhaften Feuer aus den Geschützen auf die Stadt. Es dauert bis zehn Uhr. Es scheint, als bereite er einen Sturm auf die Stadt vor. Zwar sieht man nur drei Reiterabteilungen zu je 70 Mann, hat aber durch Kundschafter erfahren, dass alles übrige sich in einem Hohlweg in Deckung befindet.

Wie stark der Feind eigentlich insgesamt ist, weiß niemand so recht. So wird der ursprüngliche Plan, mit 300 Musketieren, 200 schwedischen Fußsoldaten und der Kavallerie einen Sturm auf die Batterie auszuführen, wieder fallen gelassen. Man befürchtet einen Hinterhalt. So beschließen die Hersbrucker, 150 Infanteristen mit einigen Reitern auf Patrouille zu schicken. Kapitänleutnant Hans Sigmund von Haller und ein schwedischer Kollege [Magnus Hansson ?; BW] übernehmen die Führung des Häufleins.

Durchs Sittenbacher Tor rücken sie ab. Die Reiter umgehen den Michelsberg auf dem Weg zur Hagenmühle, während die Musketiere direkt auf die Batterie zu halten. Eine feindliche Reiterabteilung bemerkt dies und gerät mit den Streifenden auf halber Höhe des Michelsberges ins Gefecht. Unterdessen haben die Musketiere den Friedhof erreicht und eröffnen ein ziemlich lebhaftes Feuer auf die Batterie. Dadurch kommt Unordnung in die Reihen des Feindes, und bald sieht man die Soldaten der Batterie der Michelmühle zustreben. Auch die feindlichen Reiter scheinen Pech gehabt zu haben, sie sprengen ebenfalls der Mühle entgegen und halten erst dahinter an.

Oberst Freyberg, der sich inzwischen von der Schwäche der Ausfallabteilung überzeugt hat, läßt nun seinerseits zum Angriff übergehen. Es gelingt ihm, Infanterie und Reiterei zum Weichen zu bringen. Für die Patrouille wird es jetzt brenzlig. Doch Leubelfing, der vom Spitaltorturm aus das Gefecht verfolgt, läßt sofort 200 Musketiere zur Verstärkung ausrücken. Oberst Hanns Wilhelm Güss von Güssenbach führt sie zum Sittenbacher Tor hinaus. Sie nehmen die Zurückweichenden auf, stoßen wieder bis zum Friedhof vor und besetzen diesen.

Von hier aus kommt nun ein heftiges Schützenfeuer auf die Batterie in Gang. Plötzlich öffnet sich das Wassertor und heraus stürmt im Laufschritt Hauptmann Pömer mit dem Rest der Infanterie gegen die Batterie. Das ist das gegebene Zeichen für Güssenbach. Er lässt das Feuer einstellen und führt auch seine Mannen zum Sturm auf die Batterie an. Von zwei Seiten zugleich bedroht, vermögen sich die Gegner nicht mehr zu halten. Im Laufschritt rennen sie in die Mühle zurück. Noch einige Sprünge, und die Batterie gehört den Nürnbergern: Fünf schussfertig aufgestellte Geschütze und 20 Gefangene sind die Beute. Weil es gerade so gut läuft, machen die Stürmenden nicht Halt und gehen gleich gegen die Mühle los. Glänzend glückt auch hier der Sturm. Hals über Kopf reißen die Kaiserlichen aus, gegen Hohenstadt zu. Ihre Kavallerie, die dem ganzen Angriff von der Wiese aus untätig zugesehen hat, folgt den Fliehenden nach.

Leubelfing und seine Mannen ziehen jubelnd in Hersbruck ein, mit sich bringen sie die gefangenen Kaiserlichen und die folgende Kriegsbeute:

‚1 markgräflich-onolzbachische halbe Karthaune mit dem Brandenburgischen Adler, Anno 1618 in Nürnberg gegossen, 4662 Pfund schwer,

1 andere halbe Karthaune mit dem Brandenburgischen Wappen, im Jahr 1542 gegossen,

1 lange Feldschlange, hält 14 Schuh, schießt 10 Pfund Eisen, Anno 1542 gegossen,

1 einfaches Feldstücklein, schießt 4 Pfund Eisen, darauf das Eichstättische Wappen, Anno 1610 gegossen,

1 anderes Feldstücklein oder Schlänglein, schießt 3 Pfund Eisen, Anno 1605 zu Ulm gegossen,

5 Stückladen, zu jedem Geschütz eine, mit Rädern,

5 Vor- oder Prozwagen

2 starke Blockwagen (Lastenwagen), darunter einer zu Hersbruck schon verbrannt, aber die Räder sind noch tauglich,

2 alte Hebezeuge, jedes mit 4 Schenkeln, samt den Zugwellen,

2 metallene Flaschen mit viel Schrauben darin,

1 starkes Zugseil und weitere Flaschen, Hemmschuhe, Seile und Ketten,

   weiter

5 Ladeschaufeln, 5 Wischen und 5 Setzkolben,

Munition

14 Pfund Pulver, 60 halbe Karthaunenkugeln und 1 000 Musketenkugeln’.

Überglücklich ist man auch in Nürnberg. Der Rat läßt die gute Nachricht von den Kanzeln verkünden und beeilt sich, sie dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna[48] mitzuteilen. Und weil die Offiziere dieser Unternehmung irgendwie belohnt werden müssen, so ratschlagt man in Nürnberg, was man ihnen schenken könnte. Da man weiß, daß diese Herren das Becherklirren nicht minder lieben als das Waffenklirren, überreicht man den Oberstleutnanten, Majoren und Rittmeistern Trinkgeschirr im Wert von 477 Gulden“.[49]

[1] Vgl. auch Slg. 15: Autographensammlung des Königlichen Hausarchivs der Niederlande. Online verfügbar unter: sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_LHA/FB/Slg_15_00_Findbuch.pdf.: Albrecht von Freiberg an einen anhaltischen Amtmann [von Monchen?], Neuenburg 1627 (Nr. 61).

[2] Oschatz; HHSD VIII, S. 265ff.

[3] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.

[4] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.

[5] Mahlis, heute Ortsteil von Wermsdorf [LK Nordsachen].

[6] Salvaguardia: Ursprünglich kaiserlicher Schutzbrief, durch den der Empfänger mit seiner Familie und seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde; zur öffentlichen Bekräftigung dieses Schutzes wurde dem Empfänger das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler und die Wappen der kaiserlichen Königreiche und Fürstentümer an seinen Besitzungen anzuschlagen. Der Schutzbrief bedrohte jeden Angreifer mit Ungnade und Strafe. Im 30jährigen Krieg militärische Schutzwache; Schutzbrief (Urkunde, die, indem sie geleistete Kontributionen und Sonderzahlungen bestätigte, gegen weitere Forderungen schützen sollte, ggf. durch militärische Gewalt des Ausstellers); auch: sicheres Geleit; eine oft recht wirkungslose Schutzwache durch abgestellte Soldaten, in schriftlicher oder gedruckter Form auch Salvaguardia-Brief genannt, die meist teuer erkauft werden musste, und ein einträgliches Geschäft für die zuständigen Kommandeure darstellten. Teilweise wurden entsprechende Tafeln an Ortseingängen aufgestellt, „Salvaguardia“ an die Türen der Kirchen (HERRMANN, Aus tiefster Not, S. 55) geschrieben oder für die ausländischen Söldner ein Galgen angemalt. Die 1626 von Tilly erlassene Schultheißen-Ordnung hatte festgelegt: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986. Der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing; SIGL, Wallensteins Rache, S. 140f.: „Da die Schweden so grausam wüteten und sich wie eine Seuche immer weiter ausbreiteten, alle Dörfer mit Taub, Mord und Jammer heimsuchten, erbaten die Bürger ab und zu von den Kapitänen der Weimaraner eine Schutzwache, die bei ihnen meist Salva Guardia heißt. Erhielten sie diesen Schutz zugesagt, so wurde jeweils ein Musketierer zu Fuß oder zu Pferd in das betreffende Dorf, die Ortschaft, den Markt abgestellt. Dieser sollte die herumstreifenden Soldatenhorden, kraft eines vom Kapitän ausgehändigten schriftlichen Mandats, im Zaume halten, ihre Willkür beim Rauben und Plündern einschränken. […] Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine solche Schutzwache unseren Leuten oder den Bewohnern anderer Orte, denen auf ihre Anforderung eine Salva Guardia zugestanden wurde, keinen Vorteil brachte. Im Gegenteil, sie schlugen ihnen vielmehr zum Schaden aus und waren eine Belastung. Offensichtlichen Nutzen dagegen hatten nur die Kapitäne, denn ihnen mussten die Leute gleich anfangs die ausgehandelte Geldsumme vorlegen oder wenigstens wöchentlich die entsprechende Rate (pensio) entrichten. Kurz, wie Leibeigene oder Sklaven mussten sie blechen, was die Kapitäne verlangten. Ich habe nur einen Unterschied zwischen den Orten mit und denen ohne Salva Guardia festgestellt: Die Dörfer ohne Schutzgeleit wurden früher, jene mit einer Salva Guardia erst später ausgeplündert. Da nämlich die Schweden vom Plündern nicht ablassen konnten, solange sie nicht alles geraubt hatten, so raubten und plünderten sie entweder alles auf einmal (sodaß sie nicht mehr zurückkommen mußten) oder sie ließen allmählich und langsam bei ihren Raubzügen alles mitgehen, bis nichts mehr zu holen war. Obendrein haben diese eigentlich zum Schutze abkommandierten Musketiere und Dragoner gewöhnlich die Ortschaften, ihre Bewohner und deren Habseligkeiten – als Beschützer – ausspioniert und dann verraten. Wurde nämlich der bisherige Beschützer – und Spion – unvermutet abberufen, dann brachen seine Kameraden, Raubgesellen und Gaunerbrüder ein und raubten alles, was bislang durch den Schutz der Salva guardia verschont geblieben war, was sie in Wirklichkeit aber für sich selbst hinterlistig und heimtückisch aufbewahrt hatten, und wüteten um so verwegener (pro auso suo) gegen die jämmerlich betrogenen und enttäuschten Menschen, beraubten sie nicht menschlicher und marterten sie“.

[7] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.

[8] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[9] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f. Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff.

[10] Vgl. auch CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[11] HOFFMANN, Historische Beschreibung der Stadt, des Amtes und der Diöces Oschatz, 5. Abt., Kap.4.

[12] Vgl. HENKEL, Schaffgotsch.

[13] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[14] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.

[15] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[16] MANN, Wallenstein, S. 951ff.

[17] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab November 2012).

[18] KAMPMANN, Reichsrebellion, S. 174f.

[19] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[20] Oppeln [Opole], HHSSchl, S. 378ff.

[21] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 426.

[22] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[23] Glatz [Kłodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[24] Leobschütz [Glubczyce]; HHSSchl, S. 275f.

[25] Jägerndorf [Krnov; Bez. Freudenthal]; HHSBöhm, S. 222ff.

[26] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 261f.

[27] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.

[28] HENKEL, Schaffgotsch, S. 136.

[29] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[30] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[31] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[32] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[33] ENGERISSER, Von Kronach, S. 366 (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[34] Hersbruck [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 289ff.

[35] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[36] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 546.

[37] Hohenstadt, heute Ortsteil von Pommelsbrunn [LK Nürnberger Land].

[38] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.

[39] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S.160.

[40] Profos: Militärischer, vielfach gefürchteter Offiziant, der die Einhaltung der Kriegsbestimmungen und Befehle, der Lager- und Marschordnung überwachte. Der Profos zeigte die Zuwiderhandelnden beim Befehlshaber an, nahm sie fest, stellte sie vor Gericht und vollstreckte das vom Kriegsrichter (dem Auditeur) gesprochene Urteil. Er ersetzte dadurch den Scharfrichter, der nicht immer beim Regiment vorhanden war. Dabei unterstützten ihn Knechte und Gehilfen wie der Profoslieutenant. Es gab einen Profos für jedes einzelne Regiment und einen Generalprofos (auch „Generalgewaltiger“ genannt) für die gesamte Armee. Der Profos hatte ferner die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel vor den Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Er überwachte gegen eine Abgabe der Händler oder Marketender den Lagermarkt. Zudem oblagen ihm die Einrichtung der Latrinen und die Reinigung des Feldlagers von den Fäkalien, die Entfernung toter Tiere. Einmal pro Woche wenigstens sollten die Quartiere durch die Huren und Trossbuben gereinigt werden, zur Aufsicht wurde auch der Hurenwebel (aufsichtsführender Organisator des umfangreichen Trosses) herangezogen. Mitglieder des Trosses, der immer wieder Gesindel aller Art anlockte, konnten zudem zu den kräftezehrenden und verachteten Schanzarbeiten und anderen Hilfsarbeiten herangezogen werden. Hier hatte der ihm unterstellte Hurenwebel die Aufsicht. Diese wichtige Funktion war für einfache Soldaten die wohl einzige militärische Aufstiegsmöglichkeit. Der Hurenwebel besaß einen eigenen Leutnant als Stellvertreter und wurde zudem vom Rumormeister unterstützt. Der Profos und dessen Leutnant sollten zudem beim Verlassen der Quartiere die Huren und die Trossbuben aus den Quartieren vertreiben und dafür sorgen, dass alle Feuer gelöscht waren. Seine Aufgabe war es auch, die Gefangenen hinter dem Regiment herzuführen. Er erhielt monatlich 30 fl. (Kavallerie) bzw. 60 fl. (Fußtruppen). LAHRKAMP, Kölnisches Kriegsvolk; Schwedisches Kriegs-Recht; BERG, Administering justice, S. 6.

[41] Stockmeister: Gefängnisaufseher, Gefangenenaufseher.

[42] Chirurgus, Wundarzt im Dienst einer Armee, des Generalstabes (hier Hofstabsfeldscherer genannt) bzw. eines Regiments. In der Regel hatten die Feldschere, im Unterschied zu den studierten Medici, ihre Kenntnisse nicht auf Universitäten, sondern auf dem Schlachtfeld oder als Wanderärzte auf Jahrmärkten erworben. Sie waren in erster Linie für die primäre Wundversorgung, darüber hinaus jedoch auch für Knochenbrüche und Amputationen zuständig. Die Verwertung der Menschenhaut bei Delinquenten war ihnen gestattet. Auch waren sie wegen der grassierenden Lagerkrankheiten ständig im Einsatz. Feldschere waren oft schlecht ausgebildet und unzureichend ausgestattet (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 268f.). In der kaiserlichen Armee erhielten sie 60 fl. pro Monat. Die medizinische Versorgung der Soldaten wurde jedoch zum Teil auch von kundigen Ärzten und studierten Medizinern geleistet. Ärztliche Oberaufsicht im Feld hatte der General-Stabs-Chirurgus (neben dem Feld-Medicus). Unter ihm stand der Regiments-Feldscher, seinerseits mit Weisungsbefugnis über die Compagnie-Feldschere. Bei militärischen Einsätzen wurden die Feldscher mitgeschickt. Ihnen oblagen zusammen mit den Führern die Krankenversorgung und die Sorge für die Feldapotheke. Kranke und verwundete Soldaten blieben zumeist in Städten und Orten zurück und fielen diesen zur Last – sofern sie keine Familie als Schutzgemeinschaft im Lager besaßen – , obgleich man dort zum Teil die Aufnahme der Kranken aus Furcht vor der Ausbreitung von Seuchen und vor den Kosten verweigerte. Verwundete erhielten z. B. im Neumarkter (Oberpfalz) Lazarett (1647): ein gemeiner Soldat wöchentlich 1 fl. 30 kr.; ein Feldwebel oder Korporal täglich 18 kr.; RIED, Neumarkt, S. 106. Zudem erhielt ein Angeschossener 18 gr. oder den Gegenwert in Heringen, für einen abgeschossenen Daumen gab es 1 Rt., was etwa 36 Eiern entsprach. Finanziert wurden die Spitalkosten über die erhobenen Kontributionen. Daher liegen die Kosten für die medizinische Notversorgung, für das Feldspital (ein studierter Arzt erhielt etwa 260 fl., der „Chirurgus“ 60 fl. monatlich), in der Hauptkostenrechnung nur bei 1 %.

[43] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.

[44] Engelthal [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 174f.

[45] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[46] Rothenberg, Festung [Gem. Schnaittach, LK Lauf/Pegnitz, MFr.]; HHSD VII, S. 635f.

[47] Neumarkt i. d. OPf.; HHSD VII, S. 505f.

[48] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[49] KÄPPEL, Nürnberger Land, S. 84ff.

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Schnell, Johann

Schnell, Johann; Obristleutnant [ – ] Johann Schnell [ – ] war kurbayerischer Hauptmann, dann Obristleutnant unter Gronsfeld und später unter Schellhammer.

In einer Klageschrift aus Umstadt[1] [Hessen-Darmstadt] heißt es: „Den 20. Martii [1635] ist ein hauptmann Johann Schnell aus gräflich Gräßfeldischen und nachmals Schellhammerischem regiment der ligistischen armee mit 200 kommandierten musketieren allhier ankommen, die Wormbserischen allhier noch gewesenen 40 musketiere samt ihrem leutnant abgelöst. Diese einquartierung hat die bürger gewaltig verderbt und ihnen ein groß sterben verursachet“.[2]

Gronsfelds Kroaten lagen in Umstadt und verübten Gräueltaten in den Dörfern der Umgebung: „Inmittelst haben sich etlich kompagnieen Crabaten in unseres gnäd. fürsten und herrn ohne das zum öftern mit brand und plünderung beschädigte städtlein Reinheim[3] gelegt, solches ganz in grund ruiniert, mit den leuten übel gehauset und also geängstiget, daß, was nicht gestorben, doch mehrenteils auf den tod liegt. Und befinden sich anjetzo auch 7 kompagnieen Crabaten zu Zwingenberg[4] an der Bergstraß, welchem städtlein sie gleichfalls den garaus machen, alle überbliebene früchte verfüttern und beneben alle mühlen auf dem lande hin und wieder berauben, frucht und mehl und pferd hinwegnehmen. Darbei sie es aber nicht bewenden lassen, sondern täglich in die dörfer fallen, die dahin sich gleichsam aus zwang wiederum begebene blutarme bauersleut barbarisch und unchristlich traktieren, auch um alles, was sie in dieser stadt mit hunger und kummer erhalten und gleichsam den räubern aus den zähnen gerissen, bringen tun. Auch darf sich kein mensch auf dem feld, ja nicht vor der stadt allhie sehen lassen; beschädigen und hauen die leut auf den tod, zwingen auch unmenschlicher weis, ihre eigene excrementa – salva venia – zu verschlingen, gestalten in Pfungstadt[5] beschehen. Dannenhero der feldbau ganz liegen bleibt und sowohl die saat als schnitt in den weingärten hochschädlicher maßen verhindert wird. Zu Umstadt, alda die kaiserlichen garnisonen fort und fort bleiben und nach anzeig der beamten also sich verhalten, daß sie, wann sie nicht pflicht halber bleiben müßten, bereit vor langer zeit sich salviert und entwichen wären, wird gedachter feldbau vorsätzlich verhindert und niemand von dem daselbst liegenden kommandanten des Cronsfeldischen regiments vor die porten hinausgelassen, er gebe dann in ein- und ausgehen sein weißpfennig. Wöchentlich aber soll deswegen die stadt ihm, kommandanten, 30 reichsthaler erlegen. Wann nun dergleichen exaktionen ohne das sich nicht gebühren und wider kais. majestät ausdrücklich verbot laufen, zumalen aber den armen leuten, als die das brot nicht mehr zu essen haben und fast mehrerteils gestorben und verdorben, zu erlegen unmöglich fallen, so erforderts neben der billigkeit die christliche lieb, in eines freunds land leidenlich und nicht so tyrannisch zu traktieren“.[6]

1638 ist das Meising’sche [?][7] Regiment, dem Schnell angeblich jetzt angehörte, in Gundelfingen stationiert: “ »würdt ihnen eben auch den Garauss machen«, meint der Berichterstatter“.[8] „Besonders schlimm hatte das Meising’sche Regiment in Gundelfingen[9] gehaust, »so unchristlich, das es bei öffentlichen Feinden nicht hätte ärger zugehen können«. Das fürstliche Schloss mit Kasten wurde, was zuvor bei den verschiedenen Einquartierungen niemals vorgekommen war, geplündert und die Amtsregistratur mutwilligerweise zerstreut und verdorben. Schuld daran trug hauptsächlich der Oberstleutnant Johann Schnell. Dieser stellte auch bei seinem Abzuge an die Stadt die unbillige Forderung, ihm die Lieferungen ins Feldlager noch zu leisten wie im Quartier“.[10]

[1] Groß-Umstadt [Kr. Dieburg]; HHSD IV, S. 189.

[2] Nach „Verzeichnis aller derjenigen Regimenter zu Roß und zu Fuß“, die vom 8.9.1634 bis zum 10.6.1635 in Umstadt lagen; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 157.

[3] Reinheim [Kr. Dieburg]; HHSD IV, S. 372.

[4] Zwingenberg (Bergstraße); HHSD IV, S. 486f.

[5] Pfungstadt [Kr. Darmstadt]; HHSD IV, S. 365.

[6] Bericht über die jüngst vergangene kaiserliche Einquartierung (1635); HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 139f.

[7] Meusingen [Meusinger, Meising], Johann Georg von.

[8] RÜCKERT, Lauingen II, S. 14.

[9] Gundelfingen a. d. Donau [LK Dillingen/Donau]; HHSD VII, S. 257ff.

[10] RÜCKERT, Lauingen II, S. 15f.

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