Fante, N

Fante, N; Rittmeister [ -6.2.1637 Stadthagen] N Fante [ -6.2.1637 Stadthagen] stand 1637 als Rittmeister[1] in kaiserlichen Diensten.

Im Februar 1637 war Königsmarck[2] an dem geglückten Überfall schwedischer Truppen[3] auf Stadthagen[4] in der Grafschaft Schaumburg beteiligt: „Anno 1637. überrumpelte er den Feind bey Stadhagen / und erstieg diese Stadt mit Leitern / und da sie sich darinne wehren wollten / machte er 100. nieder / und nahm die übrigen gefangen bey 800. weil sie 2. Thore der Stadt verschüttet / und zum dritten kamen die Schweden hinein“.[5] Der schaumburgische Superintendent Johann Daniel Prange [um 1660 Bückeburg-24.12.1704 Lübbecke] hält in seinen „Begebenheiten“ fest: „Den 21 Jan. sind 6. Compagnie[6] kayserisches Volckes in den Stadthagen gekommen, welche bald darauf den Leuten die Kühe hier im Amte genommen, sie in die contribution[7] zu setzen, sind aber von den Schwedischen aus Minden[8] den 6. Febr. ebenfals geschlagen und gefangen[9] und Stadthagen ausgeplündert[10] worden“.[11] „Sehr schlimme Zeiten brachte das Jahr 1637. Am 21. Januar wurde die Stadt [Stadthagen/Grafschaft Schaumburg] durch das Salische[12] Regiment,[13] das sechs Kompanien stark war, und am 27. Januar durch eine Kompanie zu Pferde von 130 Mann unter dem kaiserlichen Oberstleutnant[14] von der Decken[15] besetzt. Es verbreitete sich bald das Gerücht, daß die Schweden, die in Minden, Rinteln[16] und Oldendorf[17] standen, einen Angriff auf Stadthagen planten. Infolgedessen wurde nur ein Tor offen gelassen, die beiden anderen verrammelt, in den Steinwegen Gräben ausgeworfen, und an den gefährdeten Stellen des Walles Fußangeln[18] angelegt. Am 6. Februar wurde der Handstreich von den Schweden unter dem Obersten[19] Wolf[20] und dem Oberstleutnant Königsmark, dem späteren General, in der Tat ins Werk gesetzt. Ein dichter Nebel begünstigte das Unternehmen, bei dem ein ortskundiger, aus der Nähe Stadthagens stammender Offizier namens Volbers[21] gute Dienste leistete. Frühmorgens, als man zur Kirche läutete, waren die Schweden bis dicht vor das obere Tor gelangt. Da bemerkte eines Bürgers Sohn, der über Feld gehen wollte, die Truppen im Nebel und alarmierte die Torwache, die noch gerade Zeit fand, das Tor zu besetzen. Aber die Schweden zertrümmerten bald teilweise die Torbalken und drangen zugleich durch den Wallgraben und die Pforthäuser in die Stadt ein. Der Überfall geschah so plötzlich, daß der Feind schon in der oberen Straße stand, ehe man aus der unteren Stadt zu Hilfe eilen konnte. Der Oberstleutnant von der Decken wurde von dem Lärm im Bett überrascht, hieb dann aber tapfer mit seinen Reitern auf die Schweden ein, die zweimal wieder bis ans Tor zurückgetrieben wurden. Als er dann aber tödlich verwundet wurde, war das Schicksal der Kaiserlichen entschieden: 40 Tote, darunter 6 kaiserliche Offiziere, bedeckten den Kampfplatz, 150 Verwundete wurden von den Stadtbarbieren[22] verbunden, und an 346 zu Gefangenen gemacht. Die Stadt wurde von den Schweden Haus bei Haus ausgeplündert und die Nacht dazu noch zu Hülfe genommen, alle Kornvorräte wurden aufgezeichnet und mit den Gefangenen mehrere Bürger, darunter auch Reineking als Geiseln nach Minden geführt, bis die Hälfte des vorhandenen Korns – 23 ½ Fuder[23] – abgeliefert, der Wall eingerissen und die Palisaden niedergehauen waren. Über diesen Überfall wurde ein genauer Bericht an die gräfliche Kammer eingereicht, der den Schaden auf 31 460 Taler angibt, die Einquartierung[24] des Salischen Regiments hatte vorher 12 186 Taler gekostet. Die Stadt mußte sich zudem noch gegen die Verdächtigung wehren, die Kaiserlichen in ihren Mauern verraten zu haben. Sie hielt die Sache für wichtig genug, sie auf einem Landtage zur Sprache zu bringen und einen Bericht darüber vorzulegen, wie an dem Tage des Überfalls der Wachtdienst versehen worden sei“.[25] Der erwähnte Stadtsekretär Laurentius Reineking hat einen Bericht über diesen Überfall hinterlassen: „Nachdem der H. Generalfeldzeugmeister[26] H. Graf von der Wall[27] dem hochlöblichen Salischen Regiment zu Pferde denn auch H. Obristen, von der Dekken Compania zu Pferde Ordre erteilet, daß dieselben in der Stadt Stadthagen, in der Grafschaft Schauenburg belegen, Quartier haben und vom Lande verpfleget werden sollten, also sind die Völker darauf den 21. Januar styl. vet. des 1637. Jahres ins Quartier gerücket. Und wie wohl den hohen und niederen Offizieren solcher Ort zur Defension und Unterhaltung viel besser und artiger mag beschrieben sein, so haben doch die anwesenden Offiziere nach eingenommenen Augenschein davon viel anders judicieren müssen, ohne daß auch dieselben von wohl affektionierten Leuten ihres Schadens in der Zeit getreulich sind avisieret worden, wie das nämlich an selbigem Ort nicht mit geringer Gefahr thäten liegen und von den Schwedischen in Minden und darum unattackiert nicht würden bleiben. Gestalt denn auch die anwesenden Offiziere nach eingenommenen Augenschein der Gräben, Wälle und Mauern die Gefahr dabei wohl erkennen können, so haben doch dieselben ohne expresse Ordre[28] den Ort nicht quittieren dürfen und sich äußerst bemühet, sich des Platzes vor den Schwedischen zu versichern und denselben nach Möglichkeit zu defendieren, derobehuf sie dann nicht allem nur ein Tor offen gelassen, die übrigen 2 Tore aber mit Blöcken und Mist zugemacht und versperret, auch vor den Toren her den Steinweg aufnehmen und daselbst Graben abziehen, zwischen den Toren aber und an den gefährlichsten Örtern des Walles Fußangeln legen lassen, sondern haben auch die Bürgerschaft dahin vermocht, daß täglich bei etliche 30 Personen die Wacht mitversehen müssen.

Ob nun wohl jedesmal bei Nacht die Wacht sehr wohl ist bestellet gewesen, so hat sich doch am 6. Februar des jetzt laufenden 1637. Jahres begeben, daß die Schwedischen in großer Menge zu Roß und Fuß, aus allen Quartieren versammelt, morgens um halb acht, eben wie man zur Kirche geläutet und die Leute sich zum Gehör göttlichen Worts verfügen wollen, in einem großen dicken Nebel vor der Stadt angelanget, davon keiner ohne eines Bürgers Sohn, welcher seiner Geschäfte nach über Feld gehen wollen und ungefähr die Truppen im Nebel gewahr worden, etwas gewußt. Dieser ist zum ersten ans Tor gekommen und der Schildwacht zugerufen, ob sie das Volk im Nebel auf dem Felde nicht halten sähe, welches dann wegen des großen, starken Nebels halber nicht geschehen können können, bis endlich die Truppen ins Feld sich näher gesetzet und der Stadt in großer Furie genahet, wie solches die ausgesetzte Bürger-Schildwacht, zumal die Reiter, welche die passierte Nacht mit gewachet, des Morgens alle miteinander vom Walle gegangen und nur einen einzigen Reiter, neben den Bürgern, unten vor dem Tore gelassen und die Bürger allein die Wacht versehen lassen, gesehen, sind teils die Bürger vom Walle herunter gelaufen und mit Hilfe des Pförtners 3 Tore versperret. Indem haben die Schwedischen das vordere Tor angefallen und zum Teil in Stücke gehauen, andere sind auf beiden Seiten durch den Graben gefallen und den Wall erstiegen. Ein einziger Reiter ist auf den Wall, 2 Pistolen im Arm tragend, laufen gekommen, hat dieselbe auf den Feind gelöst und darauf bald die Flucht genommen, welchem die Bürgerwacht, zumal sie keinen Beistand gesehen und das Schießen am selbigen Ort überhand genommen, gefolget und so gut sie gekonnt, sich versteckt.

Als nun die Schwedischen ohne einigen Widerstand den Wall einbekommen, haben sie sich daselbst auf beide Seiten des Wachthauses gesetzet, um das Tor zu beschießen, damit sich keiner aus der Stadt sehen lassen dürfte. Inmittels sind etliche den Wall herunter durch die Pforthäuser gekommen und haben die Schlösser mit großen Hämmern und Äxten vor den Toren weggeschlagen und die Tore eröffnet. Darauf ist der ganze Troß,[29] eine große Menge Volk, hereingefallen. Und ist der Einfall so plötzlich gewesen, daß die Schwedischen schon das Obertor eingehabt, ehe es unten in der Stadt lautbar geworden.

Der Obristleutnant, welcher das Kommando gehabt, nachdem derselbe den Lärm im Bette gehöret und die Kleider nur über den Leib geworfen und etliche Reiter zu sich bekommen, hat tapfer auf die Schwedischen, welche schon in der Stadt gewesen, zugesetzt, und wird berichtet, die Kaiserlichen hätten die Schwedischen zweimal bis unter das Tor wieder zurückgetrieben, alldieweil die Schwedischen alsbald aufs Plündern gefallen und auf die Beute[30] allzu begierig gewesen. Als aber der Obristleutenant und andere Offiziere mehr tödlich verwundet und geblieben, zum Teil auch schon gefangen genommen, die übrigen auch sich von einer Straße in die andere retiriret, bis sie endlich vor dem Niedertore Stand halten müssen, hat es an selbigem Orte hart gehalten und mancher daselbst sein Leben lassen müssen. Endlich ist denen, welche sich gutwillig ergeben, Quartier[31] zugesagt. Und haben die Schwedischen alle Pferde von dem ganzen Regiment und von Obrleuten. Decken Comp. neben stattlicher Beute, Kutschen und Wagen, da denn der Bürger Pferde in der Gesellschaft auch sind mit fortgenommen, bekommen. An Gefangenen sollen an die 346 gen Minden geschickt sein.

An der Kaiserl. Seite sind von Offizieren geblieben: Obristleutenant Johann von Boemer,[32] Rittmeister Gerbrandt,[33] Rittmeister Fante, der Capitänleutenant,[34] ein Leutenant,[35] Cornet[36] Kämpen,[37] Wachtmeister[38] und andere gemeine Reiter. Von den Schwedischen sind keine Offiziere, dennoch mehr Soldaten denn von den Kaiserl. geblieben. Allhier sind überall an Offizieren und Soldaten 18 Personen begraben, dazu haben die Schwedischen 2 tote Körper mit nach Minden genommen. Die Stadtbarbiere berichten, daß sie an selbigem Tage zusammen 150 Gequetschte verbunden hätten. Die Schwedischen haben der Bürger Häuser jämmerlich spoliiert[39] und hat das Plündern noch folgende Nacht durch und durch gewähret. Vor dem Aufbruch hat man den Bürgern die Balken visitieret[40] und alles Korn beschreiben lassen, hernach Geiseln von der Stadt mitgenommen, bis alles Korn zur Hälfte nach Minden geliefert und der Wall eingerissen und die Pallisaden hiedergehauen“.[41]

Der gewöhnlich gut informierte Hildesheimer[42] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Conrad Jordan[43] hält in seinem Tagebuch unter dem 6./16. 2.1637 fest: „Fielen die Schwedischen aus Minden, haweten in Stadthagen von 6 Compagnia 40 nieder nebest dem Obrist-Liutnand Behmer, die übrigen namen sie gefangen“.[44] 17./27.3.: „Diese Wochen praeter propter[45] haben die Kayserliche im Stift Münster den jungen und letzten Graffen von Schomburg[46] mit sich gefangen genomen nach Münster,[47] begehren von Ihnen 900 Thl uf des Behmers Regiment, so jüngst in Stadthagen geschlagen, ist aber hernacher ohne entgelt loßgelaßen“.[48]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Als kommandierende Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute und Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[2] Hans Christoffer [Christoph] Graf v. Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc] [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. Vgl. [N., N.], Leben und Thaten; Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc], Hans Christoffer [Christoph] Graf von [I], [II], [III], [IV], [V] in den „Miniaturen“.

[3] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[4] Stadthagen [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 435f. Foto: Beckstet (wikimeidia commons).

[5] [N, N], Leben und Thaten, S. 22.

[6] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[7] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. In den bei Angriffen und Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten und um ein freies Schussfeld zu haben.

[8] Minden [LK Minden-Lübbecke]; HHSD III, S. 517ff. Vgl. NORDSIEK, Die schwedische Herrschaft.

[9] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen des Söldners Monro bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Man Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14.

[10] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95.: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“

[11] DOLLE, Bibliotheca Historiæ Schavenbvrgicæ, S. 29f.

[12] Hans Wolf Freiherr v. Salis [1597-6.4.1640 Wismar], kurbayerischer Obrist, kurbayerisch-kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[13] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[14] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[15] Klaus Heinrich v. der Decken [Dekken] [ -6.2.1637], kaiserlicher Obristleutnant.

[16] Rinteln [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 395f. Vgl. STÜNKEL, Rinteln.

[17] Hessisch Oldendorf [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 226f.

[18] Fußangel: „Defensivwaffe, die meist aus vier spitzen, eisernen Stiften besteht, die tetraedrisch miteinander verbunden sind. Aufgrund dieser Anordnung zeigt bei ebenem Untergrund immer eine der Spitzen senkrecht nach oben, wobei der Krähenfuß sicher auf den übrigen drei Spitzen zu liegen kommt. […] Krähenfüße dienten dazu, gegnerische Infanteristen an den Füßen und Pferde der Kavallerie an den Hufen zu verletzen, um sie somit in ihrem Vormarsch aufzuhalten und zumindest zeitweilig kampfunfähig zu machen. Dazu wurden sie vor oder bei einer Schlacht großflächig auf dem erwarteten Aufmarschgebiet des Feindes ausgebracht. Auf den meisten Böden wie im Gras, Sand, auf Äcker und Feldern sind Krähenfüße in der Hektik einer Schlacht nur schwer erkennbar. Sie haben in der Regel einen Durchmesser von 3 cm bis 20 cm. Ihre Spitzen sind je nach Ausführung mit Widerhaken besetzt, welche ihre Verletzungswirkung vergrößern und das Entfernen eingetretener Krähenfüße im Feld erschweren oder gar unmöglich machen“ (Wikipedia].

[19] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – und aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen und Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[20] Hans Erhard Wolff [ – ], schwedischer Obrist[leutnant ?].

[21] N Volbers [ – ], schwedischer Offizier.

[22] Balbierer: Barbier, Wundarzt. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit wurden Bartscherer, Badeknechte und Krankenpfleger als Barbiere (Balbiere) bezeichnet. Der Barbier pflegte die Haare und Bärte seiner männlichen Kundschaft. Zu seiner Aufgabe gehörte es, faule Zähne zu ziehen, zur Ader zu lassen, Klistiere zu verabreichen und ähnliche Behandlungen vorzunehmen. Die Barbiere haben sich vermutlich aus den Baderknechten entwickelt und auf einige bestimmte Aufgaben der Bader spezialisiert. Wie die Bader konnten auch die Barbiere die von ihnen genutzten Badestuben wegen der großen Kosten oft nur pachten und weil die Badestubengerechtigkeit gewahrt werden musste. Zwar gehörten Bader und Barbiere zum „Chirurgenhandwerk“, jedoch konnten Barbiere auch außerhalb der Barbierstuben arbeiten. Sehr riskante, aber gewinnbringende Eingriffe wie Steinschnitte (auch Matthias Gallas soll durch die Ungeschicklichkeit seines Steinschneiders ums Leben gekommen sein), Amputationen, Starstiche und sogar Geburtshilfe wurden von durchgeführt. Die Meisten aber lebten geringer bezahlten Tätigkeiten wie Aderlassen, Schröpfen, Rasieren, Zahnziehen sowie Wund- und Frakturbehandlung. Vgl. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 88ff. Zu den “Kenntnissen” dieser Balbierer vgl. Christian der Jüngere von Anhalt-Bernburg (1620); KRAUSE, Briefe, S. XI: „ ‚Nichts verdroß mich mehr,‘ äußert er sich, ‚als da der Graf Buquoy einen jungen Balbirer, der mich verband, fragte, wo ich geschädigt wäre, antworte: In den Rücken wäre ich von einer Musketenkugel durchschossen worden, da man doch darnach befunden, daß der Schuß, so durch die Brust gegangen, vom Pistol gewesen, der andere aber nicht durchgangen. Und ich mag mich rührmen, daß in dieser Schlacht ich den Feind ins Gesicht gehabt, auch da ich beide Wunden empfangen, ihm nicht den Rücken zugekehrt, welches wenige werden sagen können. Dieser unwissende Balbirer aber, weil er den Eingang der Pistolkugel vorm unterm rechten Arm nicht sah, und ich vor großen Schmerzen in der Achsel mich auch nicht recht alsbald besann, stieß mir das Instrument vorn in die Brust, da die Pistolkugel ausgegangen, hinein, und zur Schulter, da die Musketenkugel hineingegangen, wieder heraus. Ich meinte, es müßte als sein, und litte es geduldig, dessen mir die Wallonischen werden Zeugniß geben, sahe also das frische neue Blut herauslaufen, daß ich auch endlich den Balbirer zur Rede setzte, und glaube, er habe mich durch das Stören, sonderlich auf diese Weise, mehr verderbt, als die Wunden an sich selbst. – Es sind wol ein fünf Balbirer dieselbe Nacht über mich gewesen und taugte keiner nichts: Napolitaner, Teutsche, Franzosen, Wallonen‘ “.

[23] Fuder: 1 Fuder = 39 Scheffel = 78 Himten. 1 Scheffel = ca. 38-43 kg Roggen u. Weizen, = ca. 33-39 kg Gerste.

[24] Einquartierung: Die kostenaufwendige Einquartierung von Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren und Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen und Steueraufkommen und auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften und Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten und Abgabe von Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Universitätsangehörige, Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte und Gastwirte. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. Nach dem Überlinger Dr. Pflummern; SEMLER, Tagebücher, S. 393 (1642); sind „dise völckher zu roß vnd fůß nicht darumb zu vnß kommen, vnß oder daß land vor dem feind zu sichern, oder gegen denselbigen sich im veld sehen zu lassen, sonder allein hinder den mauren oder vnderm tach den bauch vnd seckhel zu füllen vnd alßdan den weeg weitter zu nemmen vnd vnß dem feind zum raub zu hinderlassen“. In den Quartieren gab es zudem Mord und Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger und Bauern waren trotz errichteter Quartiergalgen und hölzerner Esel alltäglich. Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph III, S. 359. Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden m mußen“. Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108.: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Eine längere Einquartierung konnte den Ruin ganzer Gemeinden und Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger von Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644):  „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“ VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Leipzig 1643; VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 609: „Den 2 Augusti hat sich ein 70jähriger Mann / Richter zu Zwey Nauendorff / aus Furcht / weil er von dem Käyserlichen Anmarch gehöret / selbst erhencket“.

[25] ZARETZKY, Stadthagen, S. 313f.

[26] Generalfeldzeugmeister [schwed. general för artilleriet, dän. generelt feldzeugmeister]: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt. Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Er erhielt nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) monatlich 1.200 fl.Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[27] Joachim Christian Freiherr, 1642 Graf v. der Wahl [Waall, Wall] [1590-31.8.1644 Ingolstadt], kurbayerischer Feldmarschall.

[28] expresse Ordre. Ausdrücklicher Befehl.

[29] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[29]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[30] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153.  Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Auf der Suche nach Beute wurden sogar Latrinen erfolgreich durchsucht; SAUERLÄNDER, Geschichte der Stadt Lüdenscheid, S. 107. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“.

Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“. Teilweise waren sogar Pfarrer mit auf Beute ausgezogen“. STÜNKEL, Rinteln, S. 20: „Im Oktober [1623; BW] erhält der Rat Kenntnis von einer für die Stadt sehr unangenehmen Angelegenheit, die unter Umständen die schwerstwiegenden Verwicklungen nach sich ziehen konnte. Uns aber zeigt dieses Vorkommnis, wie sehr schon in den ersten Jahren des Krieges die Moral der Bürgerschaft gelitten hatte. Es handelt sich um folgendes: Bürger der Stadt haben von den kaiserlichen Kriegsvölkern Seiner Exzellenz des Grafen von Tilly, die links der Weser von Exten bis Hemeringen lagerten, unter anderem gestohlenes Vieh gekauft und es durch Tillysche Soldaten nach Rinteln bringen lassen. Bei der Rückkehr von der Stadt in ihre Quartiere haben diese Kriegsknechte die Kirche in Hohenrode aufgebrochen und ausgeplündert. Als der Rat am 2. Oktober davon erfährt, ordnet er sofort eine Untersuchung über diese Vorkommnisse unter den Bürgern und Bürgerschützen an. Dabei stellt sich heraus, daß nicht nur einzelne Bürger im Tillyschen Lager gewesen sind, sondern daß auch Schützen aus allen Korporalschaften die scheinbar billige Kaufgelegenheit wahrgenommen haben und daß in diese schmutzige Angelegenheit, denn es handelt sich ja meist um gestohlene Sachen, nicht nur die Männer, sondern auch deren Ehefrauen und Dienstmädchen und auch die Schutzjuden verwickelt sind. Bürgermeister Curt Hanes Magd hat von den Soldaten Kleider gekauft, ein Knecht dem Juden Leaser eine geringe Kuh für einen Taler abgenommen, ein Fremder hat zwei große Kessel mitgebracht, die Frau von Carl Schnar hat elf Kuhhäute für 4 Tonnen Broihan eingehandelt, Carsten Bohne hat einen Krug für 2 ½ Groschen, Jürgen Bennemanns Magd einige Kleider, Lewin Storck eine Kuh für 2 ½ Taler, Hans Rosemeyer zwei Kühe und ein Rind für 7 Taler gekauft. Andere haben eingehandelt ein Pferd für fünf Koppstück, eine Büchse für einen Taler, Kessel, Messingkannen, Schaffelle, ein Leibstück für drei Brote, fünf Schlösser, die aus dem Hause von Wartensleben in Exten stammten – der Käufer behauptet aber, sie dem früheren Besitzer schon wieder angeboten zu haben – , Feuerschlösser, 15 Stück Leder, Mäntel und Leinwand, ein altes Feuerrohr, Degen, einen Messingkessel für einen Hut, einen kupfernen Kessel für zwölf Groschen, ein Bandelier, eine Kuhhaut, ‚so durchschossen‘, für 2 Koppstück, einen kleinen ‚Pott‘, ein Leinenlaken, ein Stück Samt, Wollgarn usw. Einer kaufte eine Axt von einem Soldaten, ‚der ihn Hungers halber um Gottes Willen gebeten, ihm ein Brot dafür zu geben‘ “.

[31] Quartier: Pardon, Gnade. Das hing zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450. Nach Lavater, KRIEGSBüchlein, S. 66f., hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „Wann aber ein Soldat eine eiserne / zinnerne / in speck gegossene / gekäuete / gehauene / oder gevierte Kugel schiesset / sol man ihm kein Quartier halten. Alle die / so gezogene Rohre oder Füseschlosse führen führen / haben das Quartier verwürckt. Item / alle diejenigen / die von eisen geschrote / vieregkichte / und ander Geschröt / und Stahel schiessen / oder geflammete Tegen haben / sol man todtschlagen: auch alle diejenigen / so man in einem Land / welches preis gegeben wird / vor dem Feind antrift / sol man henken lassen: Auch alle Spionen haben kein Quartier / sonder sollen ohn alle gnad gehenkt werden. Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Item / alle diejenigen / so ohne Paßporten zum Feind überlauffen / und wider ergriffen werden / sol man todtschlagen“. Auch wurde beim Angriff zum Teil die Parole ausgegeben, kein Quartier zu gewähren; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 609f. (Treffen bei Haselünne 11.1.1636). Doch selbst die Gewährung von Quartier bedeutete nicht, danach nicht noch getötet zu werden.

[32] Johann v. Boemer [Behmer, Bemer] [ -6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Obristleutnant.

[33] N Gerbrandt [-6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Rittmeister.

[34] Kapitänleutnant [schwed. kaptenslöjtnant, dän. Kaptajnløjtnant]: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[35] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als einer Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[36] Kornett [schwed. kornett, dän. cornet]: Der Kornett führte die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entsprach der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold;  z. T. wurden allerdings 240 Rt. (!) in besetzten Städten (1626) erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermarck, S. 15). Sein Anteil an 1.000 Rt. Beute u. Ranzion betrug 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. => Fähnrich; Fahne.

[37] N Kämpen [ -6.2.1637 Stadthagen], kaiserlicher Kornett.

[38] Wachtmeister [schwed. sergeant, dän. sergent]: Unteroffiziersdienstgrad. Der Wachtmeister war zuständig für die Sicherheit des Lagers und der Truppen sowie für die Einteilung, Aufstellung, Beaufsichtigung der Wachen und Ausgabe der Losung. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen und 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Mit der Einrichtung stehender Heere wurde die Bezeichnung „Wachtmeister“ synonym für Feldwebel verwendet. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 32 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion erhielt er 23 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein Wachtmeister der Reiterei erhielt in der brandenburgischen Armee monatlich 40 fl. Erpresst wurden in besetzten Städten z. T. 48 Rt.; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15.

[39] spoliert: geplündert, ausgeraubt.

[40] die Balken visitieret: den Getreidespeicher untersucht.

[41] GERNTRUP, „ … der Bürger Häuser jämmerlich spoliiert“, S. 16ff.

[42] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[43] Dr. Conrad Jordan [10.11.1591 Bockenem-23.10.1659 Hildesheim], Chronist, seit 1620 Arzt, seit 1629 in Hildesheim wohnhaft, ab 1635 mehrfach Ratsherr, Stadtarchivar; SCHLOTTER, Acta; SCHLOTTER, Hans, Der Rat der Stadt Hildesheim von 1300-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 4, 1986, S. 581-585; SCHLOTTER, Hans, Die Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Hildesheim 1147-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 3, 1979, S. 551-558.

[44] SCHLOTTER, Acta, S. 261.

[45] praeter propter: darüber hinaus; ungefähr, etwa.

[46] Otto V. Graf v. Schaumburg [1.3.1614-14.11.1640 Hildesheim], regierte von 1636 bis 1640, nach Lemgo verschleppt und erst gegen Lösegeldzahlung wieder freigelassen. Er starb nach einem Bankett in Hildesheim mit dem schwedischen General Johan Banér, der Bückeburg zu seinem Hauptquartier gemacht hatte. => Quelle 9: Das Hildesheimer Gastmahl (1640); BLAZEK, Das Banersche Trinkgelage vom 28. Oktober 1640 und seine Folgen, S. 149–151.

[47] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[48] SCHLOTTER, Acta, S. 262f.

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Odersky [Oders Ky] von Lieberau [Lideřow, Liderzow, Liderzov, Lderow, Liderau], Adam

Odersky [Oders Ky] von Lieberau [Lideřow, Liderzow, Liderzov, Lderow, Liderau], Adam; Obristleutnant [ – ]

Adam Odersky [Oders Ky] von Lieberau [Liderzow, Liderzov, Lderow, Liderau] [ – ], ein schlesischer Exulant, dessen Geschlecht ursprünglich aus Mähren stammte, der selbst aber nichts mehr als ein Bauerngut zu Oberdorf[1] bei Wigstadtl[2] besessen hatte, hatte wie auch sein Vater[3] und viele schlesische Adlige 1610 in Padua Jura studiert.[4] Doch sollte man solche „Studien“ und die in der Regel anschließende Kavalierstour[5] nicht allzuzu hoch bewerten. Der niedersächsische Adelige Ludolf von Münchhausen hatte die „Ausbildung” in Padua wohl treffend eingeschätzt: „Die Teutsche, so zu Padua liggen, haben ihre exercitia als bereitten lehrnen, fechten, springen, tantzen p. Dan wehr nitt gelehrt in Italiam kumpt, wirtt woll nitts sonderligs studirn kunnen“.[6] Wann er Kriegsdienste genommen hat, ist bisher nicht bekannt.

Odersky diente 1626 als Rittmeister[7] in der Armee des Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Weimar[8] und nahm an dessen Zug nach Schlesien und Ungarn teil.[9] Odersky hatte 1626/27 unter dem Befehl Mitzlaffs[10] in dänischen Diensten[11] gestanden und war als rücksichtsloser Plünderer[12] berüchtigt.[13]

Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås] berichtet über die kritische Lage der schwedischen Armee[14] nach der verlorenen Schlacht bei Steinau[15] am 11.10.1633: „H. Sten Bielcken[16] / welcher als Königl-Schwedischer Legat[17] den Pommerischen Stat vnd die Seekuste beobachtete / ward / da Er den Verlauf bey Steinaw erfahren / nicht allerdings wol zu muthe. Dan die gvarnisonen[18] durch vnterschiedliche daraus / nach der Schlesischen Armée abgeschickte / völcker dermassen gelichtet waren / das sie zur gnüge mit Manschafft an Soldaten fast nicht versehen: Geschweige / das Er einige gnugsame trouppen auf den beinen solte gehabt haben / wodurch Er den Feind sustiniren[19] vnd aufhalten mögen. Wie dan / da Er auf Stetin[20] die Städte / Stargart[21] / Gartz[22] / Dam[23] vnd den pas Wollin[24] versorgen sollte / effectivè nicht über tausend Man daselbst blieben: Welche / in betrachtung der weitläufftigkeit des orts / gegen einigen feindtlichen angriff die Stadt zuverthädigen / viel zu wenig. Er gieng zwar anfangs bey solchem zustande mit den gedancken ümb / die gvarnison in GrosGlogaw[25] gar aufzuheben / vnd nachher Landsberg[26] / folgends auf allen nothfall / ferner nach Stetin abzufordern: Allein der Feind war Ihm hierin zuvorkommen / hatte die Glogawer berandt / belagert vnd zum accord[27] genötiget; Doch denselben solcher gestalt gehalten / das Er dieses Volcks sich wenig zu getrösten gehabt. Obwohl that Er sein bestes / dem Feinde zubegegnen / vnd so viel Ihm nur müglich: Vnd kamen Ihm hiebey wol zu passe / das Regiment[28] / so mit der Flotte / welche die Königliche Leiche abgeholet / aus Schweden kommen / vnd auf Teutschem Boden geblieben war / wie auch insonderheit die vier Sqvadron[29] / als zween Smaländer[30] / ein WestGoten[31] vnd der vierte Sürmanländer[32] / so die Königl-Schwedische vormunds-Regierung / so bald sie das vnglück vor Steinaw erfahren / vnverzüglich aus Schweden nacher Teutschland abgeordnet. Dieweil es Ihm auch sonderlich an einem guten Kriegshaubt ermangelte / berieff Er den Gen-Major[33] Leslé[34] ausm Ertz-Stifft Bremen eilends nach Pommern / vnd bemühete sich / was von dem zerstreweten Schlesischen Volcke den Weg dahin im ausreissen getroffen / so in allem etwa sieben hundert Man[35] zu Roß / Dragoner[36] vnd Fußvolck vntereinander gewesen / durch den Obristen Lieutenant[37] / Adam Odersky von Liebenaw / zuversamlen / sie mit guten worten / auch etwas gegebenem contentement willig zumachen[38] / vnd dahin zubewegen; Das sie ihre schuldige dienste thun möchten. Vber das poussirte[39] Er mit aller macht den Hertzog zu Pommern:[40] Die Ritterschafft / vnd das aufbot[41] vom Lande in eil nacher Landsberg zuversamlen / vnd die Warte sambt der Netze zuversichern. Schrieb ferner an die benachbarte Polen / vnd vermochte gedachten Hertzog dahin; Das Derselbe einen expressen in Polen schickte: Damit dem Feinde der pas durchs Land nicht gegeben würde. Weil auch der Obriste[42] Pierre de Verge[43] mit seinem Regiment aus Preussen eben kommen / verordnete Er denselben alsbald nach Landsberg / vnd forderte hingegen die aus Stetin dahin commandirte von dannen wiederumb ab.

Er fand aber seine difficulteten überall. Dan die aus Schlesien flüchtige Officirer / reuter vnd Knechte[44] / als ein hauffe schwieriger Leute / wolten / ausserhalb Obristen Lieutenant Odersky vnd Rittmeister Glasowen[45] / keinem Commando folgen / sondern qvartierten sich selbst hie vnd dort ein nach belieben / vorgebend; Sie weren geschlagen Volck / vnd daher niemandt mehr obligat:[46] Insonderheit hatt die ChurSächsische / so dieses orts her sich mit verritten; Welche der vrsachen halber / weil sie anders nicht gethan / als das Land verderbet / der Königliche Schwedische Legat / ob Er sonst wol des Volcks höchlich von nöthen gehabt / wieder zu ihrer Armée dimittiret. Die Pommern / vnangesehen der Legat / stracks anfangs / wie Er des Feindts Succes in Schlesien vernommen / das aufbot ergehen zu lassen erinnert / giengen langsamb damit ümb: Daher ob wohl der fünffte Man / sambt den Ritterpferden[47] endlich auf die beine kam / solches doch ziemlich spät geschahe / vnd wie der Feind des passes über die Warte sich schon bemächtiget. So were auch vielleicht besser gewesen / das der Major[48] / Gustaff Sabel[49] / der damahln in Landsberg gelegen / wie der Feind ankommen / auch in vierzehen tagen / ehe du Verge selbst angelanget / sich so wol gehalten / das er keines wegs zubeschüldigen / vnd nicht allein den Feind über die Warte zusetzen verhindert / sondern auch alle wercke[50] vor Landsberg dis- und jenseit des Stroms maintiniret[51] / das Commendo behalten hette / als das man dem Obristen du Verge solches ausgetragen: Wie der ausgang erwiesen“.[52]

Odersky stand 1633 als Obristleutnant des Regiments Krockow[53] in schwedischen Diensten.[54]

Chemnitz berichtet zum November/Dezember 1635, als es um die Streitigkeiten der Schwedischen mit ihren ehemaligen Konföderierten[55] um die Überlassung der Regimenter nach dem Prager Frieden[56] ging: „Das Sperreüterische[57] Regiment gleichwol hielt der Obriste Lieutenant Königsmarck[58] / so es Commendiret / in Königl-Schwedischer devotion, das es mehrentheils ausser einer Compagnie[59] vnter Statius Meyer[60] / so mitsambt der Standarde[61] heimlich davon vnd zu Hertzog Georg[62] gegangen / bestendig blieb / vnd verfugte sich damit zum Obristen[63] Cratzenstein:[64] Der mit seinem Regiment in Westfalen war / vnd hiermit ebenermassen nichts zuthun hatte / oder zuthun haben wollte. Daher wie selbiger ohnlängst hernacher im einfall zu Wilshausen[65] gefangen worden / vnd gute hoffnung gehabt / vor eine billige rançon[66] loszukommen / Gen-Major[67] Sperreuter an den Obristen Lautersheim[68] geschrieben / das Er Ihn nicht solte erlassen: Dan derselbe einig vnd allein vrsache were / das Er das Regiment zum Keyser nicht hette bringen können. Ferner der Graff von Hoditz[69] wolte mit Hertzog Georg zu Lünenburg / vnangesehen derselbe Ihm / da Er zu Ihm treten wolte / qvartier angeboten / eben so weinig zuschaffen haben / sondern hielt sich mit seinem Regiment so lang hie vnd da im Lande auf / bis FeldMarschalck[70] Kniephausen[71] / im nahmen der Königin[72] vnd Cron Schweden[73] vom H. ReichsCantzler[74] in Westphalen anlangete; Da Er zu demselben gestossen. Gleich also blieben auch die Kniephausische / vnterm Major Lohe[75] / ihrem Herren / der Königin vnd Cron Schweden schlechter dings getrew.

Der übrigen / Regimenter Officirer vertiefteren sich mit Hertzog Georg in handlung: liessen sich vom erst angedeuttetem zweck gantz abfuhren / vnd ward mit demselben zu Hildesheim[76] / den fünffzehenden tag WinterMonats [15.11. a. St.; BW] / im nahmen des Churfürsten zu Sachsen[77] / als Keyserlichen Commissarii[78] (dessen stelle der Obriste Christoff Vitzthum von Eckstedt[79] / bey diesen tractaten vertreten) vnd des Hertzogs / ein vergleich auf folgende bedienge geschlossen. (1) das alle tractirende Gen-Majors / Obristen vnd bevollmächtigte Officirer von den Regimentern / zusambt der gantzen Soldatesca / vom höchsten bis zum niedrigsten / niemandt ausgeschlossen / in die General Amnistiti[80] des Römischen Reichs / mit allen ihren weib vnd Kindern / auch allen beweg- vnd vnbeweglichen Gütern / sie hetten nahmen wie / oder weren gelegen im Römischen Reiche wo sie wollten / krafft habender Plenipotentz / ohne Vnterscheid eingeschlossen sein / vnd denen Gen-Majors oder andern / bey den Regimentern befindlichen / Officirern / auch jedem / auf Begehren / Special urkunde darüber ertheilet werden solte. Dabey abgeredet vnd vorbehalten war: Da sich noch andere Obristen mit ihren Regimentern in zeiten angeben würden / das Sie den Obigen in allem glreich zuhalten weren. (2) Ward auf jede Compagni zu ros / eins vor alles dreytausend Thaler vnd auch so viel auf einen Regiment Stab[81] versprochen. Solche gelder zuerlegen würden (3) zween termine / als zukommende Ostern / vnd darauff folgende Weyhnachten des negst antretenden jahres bestimmet: Dabey in allwege frey vnd bevor blieb / die zeit mit der erlegung des ersten termins auf drey Monat zuanticipiren. Dabey ward (4) ferner abgeredet vnd vergleichen: Das bey abführung des ersten termins die jennige Obristen vnd Officirer / so bey den Regimentern weiter gebrauchet würden / nebenst der Soldatesca, ohne einige weitere prætension,[82] in Reichspflicht treten vnd schweren solten: Die übrige aber sagten zu; Dem person sich gemäs zuverhalten / vnd wieder das Reich nicht gebrauchen zulassen. Vnd wollten (5) beyde Gen-Majors / Obriste / Obriste Lieutenants / vnd Majors / so die Regimenter Commendirten / innerhalb sechs tagen von jedem Regiment richtige rollen[83] ihrer / effectivè vorhandenen völcker / zu dem ende / damit die qvartiere vnd verpflegung darauff richtig abgetheilet werden könten / dē Hertzog heraus geben / vnd solche Manschafft ohne abgang fürters bey vnd ins auszahlung des ersten termins liefern. Was aber an köpffen mangelte / vnd zu den newen pflichten nicht wircklich præsentiret würde / solte von der versprochen Summa in gelde / der proportion nach / abgezogen vnd zurückbehalten werden. (6) Solten den Obristen vnd Regimentern / bis zu auszahlung des ersten termins / die Obristen blieben in diensten vnd würden gebrauchet / oder nicht / (dan mit den vnter Officirern vnd der Soldatesca hette es obige gelegenheit / vnd blieben dieselbige absolutè verbunden) qvartiere assigniret auch Sie darin / nach des Hertzogen ordre / wie dessen Regimenter voritzo verpflegt / vnd mit vnterhalt versehen werden: Wan aber die Regimenter in die Reichspflicht treten / würden / solche nach des Römischen Reichs verpflegungs ordre dan furters vnterhalten. Darüber (7) die obgesetzte Officirer vor sich / vnd die Regimenter versprochen / auch dem Hertzog sich mit einem handschlage verwandt gemachet: Das Sie dessen ordre vnd commendo in justitien[84] vnd qvartiersachen auch sonst / von vnd wo Er Sie vnd zu behuff des NiederSächsischen Creisses / vnd ihrer Qvartiere zu gebrauchen begehrete /ohne einigen behelff pure befolgen / pariren / vnd keines wegs / weder / durch die Cron Schweden / noch andere auswertige / wie Sie auch sonst nahmen hettē / vor leistender Reichspflicht / so weinig hernach / nicht abwendig machen lassen solte noch wolte.

Solchen accord[85] vnterschrieben die Gen-Majors / Vslar[86] vnd Beckermondt[87] / die Obristen Boy[88] / Glaubitz[89] vnd Cracht[90] / der Obriste Lieutenant vom Crockawischen[91] / Adam Oders Ky von Lieberaw / wie auch die vom Dewetzischen[92] vnd Berghoferischen[93] nach Hildesheim verordnete Officirer / vnd schienen hiedurch diese Regimenter allesambt der Königin vnd Cron Schweden entzogen zu sein: So doch gantz anders gelauffen / als die wiederwertige[94] ihre rechnung gemachet. Die Gemeine[95] waren fast durch die bancke sehr vngehalten darauff; Liessen sich vngeschewet vernehmen. Sie hetten nun so lange zeit der Königin vnd Cron Schweden gedienet / hunger vnd kummer gelitten / vnd gegen den Feind ihr blut redlich gewaget: Wollten in ihren alten tagen nicht zu schelmen[96] werden / sondern bis zu ende in ihrer Herrschafft dienste verharren. Eben dergleichen discurs giengen vnter theils Officirern vmb: Nemlich wan Sie sich bey den Königl. Schwedischen nicht wieder einstelleten / würde ihre Ehre so periclitiren[97] / Das Sie keinen redlichen leuten mehr vnter augen sehen dürfften. In sonderheit warē die drey Regimenter Crockaw / Berghofer vnd Dewitz übel damit zufrieden. Der / vom Berghoferischen Regiment zu Hertzog Georg abgefertigte Rittmeister war nur des Hertzogen vernehmen anzuhören / vnd davon zureferiren / nicht aber zutractiren / weiniger zuschliessen dahin geschicket / vnd hatte / in dem Er geschlossen / seinen befehl überschritten. Der Obriste Lieutenant Oders Ky vnd der Officirer von Dewitzischen waren zum vnterschreiben die allerletzte gewesen / vnd fast darzu genötiget: Indem man Ihnen mit allerhand harten worten zugesetzet / ja / wo Sie nicht vnterschreiben wollten / Sie bedrohet / das Ihnen von den bauren die hälse solten gebrochen werden. Darumb Sie entschliessen / etwas zu Simuliren:[98] Ob etwa sich gelegenheit ereugen möchte / die Regimenter aufs fügligste ohne schaden zu der Königl-Schwedischen Armèe wieder zubringen. Fertigten zu solchem ende ihre Regiments-Quartiermeister[99] zu Hertzog Georg ab / ümb vor die Regimenter qvartier zusuchen / jedoch mit instruction; Das Sie sich so viel immer müglich bemühen solten / solches nahe an der Elbe zuerlegen: Vnterm vorwandt / weil im Stifft Osnabrügge vnd des orts / das Land sehr verdorben / vnd dannenhero die Regimenter daselbst nicht wol zu accommodiren[100] weren. Welches Ihnen wol angangen: In dem die Dewitzische nachm ErtzStifft Bremen hart an die Elbe / die Crockawische in die / den Lübeckern vnd Hamburgern zustehende / vier Lande / die Berghoferische ins Pinnebergische jenseit des Stroms verwiesen / vnd hiedurch selbige Regimenter / zumahl wie die die Obristen Dewitz vnd Crockaw / so gegen den H. ReichsCantzler / ihre trouppen wieder herüber zubringen / sich verpflichtet hatten / selbst dabey ankommen / vnd ihr bestes mit gethan / auf Königl-Schwedischer seite erhalten worden Die andere Regimenter bekamen ihre qvartiere hin vnd wieder. Kracht logirte zu Mulhausen[101] / Goslar[102] vnd Northausen;[103] Boye vnd Glaubitz im ErzStifft Bremen; Beckermondt in der Graffschafft Schaumburg; Vslar vnd Brüneck[104] in der Graffschafft Lippe vnd Ravenspurg: An welche der Obriste Cratzenstein Rittmeister Rämeln[105] mit Schreiben abgefertiget / vnd dieselbige der gemeinen wolfart so wol ihrer eyd vnd pflichten womit Sie der Königin vnd Cron Schweden zugethan vnd verwandt / erinnert. Wie gleichfals FeldMarschalck Kniephausen stracks nach seiner ankunfft in Westpfalen gethan / an jedwedern Obristen ein absonderliches Schreiben[106] ergehen lassen / vnd Ihnen darin zu gemüthe geführet: Das niemahls zulässig gewesen / so im articulsBrieffe[107] ausdrücklich verboten were / mit der Feindlichen partey / worunter ja der Churfürst zu Sachsen nunmehr ohnfehlbarlich zurechnen / in correspondentz vnd handlung / viel weiniger capitulation vnd einigen gewissen Schlus zutreten / ehe vnd bevor die Officirer vnd das Regiment in gesambt / oder zum theil / ordentlich vnd mit bewilligung der Obrigkeit ihrer vorigen pflicht erlassen. Geschweige das / da den Officirern / dergestalt auszutreten / schon erlaubt were jedoch keine assecuration oder versicherung / so in allen contracten das vornemste vnd höchste ist / bey dieser handlung zufinden / wodurch die contrahirende[108] Officirer das deme / was verheissen ein gnügen geschehen könnte / oder solte vergewissert: Sondern es würde eintzig / vnd allein hierunter ein disreputirlicher abfall vnd trennung der Gemüther gesuchet / vnd practiciret. Vber dis were gewis vnd ohnleugbar / das der Krieg vnd streit / ümb welcher willen die Obristen / nebenst ihrem gantzem Regiment auf die Königin vnd Cron Schweden bestallung angenommen / bey weitem nicht beygeleget: Es würde auch ihnen / als aufrichtigen redlichē Teutschen / ein vnableschlicher schandflecke sein / wan Sie das / vors allgemeine Vaterland vergossene vnschuldige blut des Glorwürdigsten Königs mit solcher vndanckbarkeit in verges stellen wollten; Das Sie von dessen hinterlassenen Königlichen Erbin / der itzigen Königin vnd Cron Schweden sollen abweichen / ehe der erwünschte zweck eines reputirlichen / sichern allgemeinen Friedens erreichet. Ja man hette dabey weder glück noch segen zugewarten / da man die Waffen / so man bishero gegen der Teutschen Freyheit Feinde mit rühmlichem Sieg geführet / wieder die jennige / so selbige zugleich mit verfochten / anitzo zücken wollte. Massen dan die exempel bereits newlicher zeit davon helle zeugnus gegeben hetten. Welche Schreiben gleichwol auch nicht ohne frucht gewesen: wie der ausgang folgentes jahres erwiesen“.[109]

Der Historiker Samuel Freiherr von Pufendorf [8.1.1632 Dorfchemnitz-26.10.1694 Berlin] hält in seinen „Sechs und Zwantzig Büchern“ (1688) zu 1637 fest: „In Nieder-Sachsen / Westphalen und Hessen ging im Anfange dieses Jahres wenig Denckwürdiges vor / weil das gantze Krieges-Wesen in Meißen gespielet wurde. Doch fieng einer Nahmens Herman[110] einen neuen Tumult an / welcher von der Wolffenbüttelischen[111] Besatzung 120. Reuter auff Götzens[112] Befehl zu sich nahm / und unversehens nach Boitzenburg[113] kam; Allwo er gar auff besondere Art Werbungen[114] anstellete. Zu gutem Glücke kam damahls Jacob Kinge[115] in diese Gegend / welchen Baner[116] von Torgau[117] nach der Weser zugeschickt / daß er durchs Stifft Magdeburg und Halberstadt nach Winsen[118] / und durch Lüneburg[119] in Westphalen gehen / auch unterwegens alle vertheilte Trouppen zu sich nehmen solte.

Dieser wurde von Salvio[120] erinnert / und führte Boothen nebst den Seinigen nach Winsen gefangen weg. Der Anschlag war dem Vorgeben nach also gemachet worden: Wenn Booth Razeburg[121] und Travemünde[122] eingenommen hätte / wolte Lautersheim[123] / Wert[124] und Isolan[125] dazu kommen / aus Rostock[126] / Schwerin[127] und Butzow[128] die Besatzung nehmen / und Wißmar[129] belägern. Sie wollten auch den König in Dennemarck[130] zu Hülffe ruffen. Denn daß die Mecklenburger nichts gutes im Sinne hatten / kunte man daraus wohl schliessen / weil die Rostocker den auffgelegten Tribut durchaus nicht entrichten wolten / und den Feind bey ihnen werben liessen; Dazu denn der Hertzog[131] und Lohausen[132] stille schwiegen / welcher einen hefftigen Haß gegen die Schweden hatte / nachdem er abgedancket / und ihnen alles zum Possen that. Deßwegen schickte auch Baner den Oberst-Lieutenant Odersky von Torgau nach Mecklenburg / und gab ihm gewisse Ordre / daß er auff das Vorhaben dieser bösen Leute wohl achtung geben / ihre Werbungen verhindern / Rostock wegen der Anlage exeqviren / und den Land-Mann wider die Uppigkeit der Soldaten schützen sollte. Da auch der Hertzog begehrte / man sollte die Wercke auff dem Schlosse Plauen[133] ruiniren / schlug Baner solches ab / weil dieser Ort gar beqvem war, die Mecklenburgischen Händel zu hintertreiben“.[134]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Horní Ves [dt. Oberdorf, heute Stadtbezirk von Vitkov [dt. Wigstadtl; Bez. Opava, Tschechien].

[2] Vitkov [dt. Wigstadtl; Bez. Opava, Tschechien].

[3] „Adamus von Odersky a Liderzow in Zauditz“ [1559- ], eingeschrieben als Student der Jurisprudenz am 23.8.1582; ZONTA, Schlesische Studenten, S. 330.

[4] ZONTA, Schlesische Studenten, S. 331.

[5] Kavalierstour: Das Studium an einer ausländischen Universität stellte eine große finanzielle Belastung dar, da es z. T. durch Kreditaufnahme finanziert werden musste. Allerdings wurden zumeist den jeweiligen Untertanen die Kosten der Studien und der Kavalierstour auferlegt. Die hohen Kosten für ein Jahr standesgemäßen Aufenthalt überstiegen teilweise das Gehalt eines bayerischen Hofrats oder eines Obristen in ligistischen Diensten, legt man etwa 5.000 fl. zugrunde,zumal auch ein „Instructor“ und ein „Famulus“ üblicherweise zur Begleitung eines jungen Adligen gehörten. Vgl. LEIBETSCHER, Die Kavalierstour. Nach Abschluss der Studien erfolgte die in Adelskreisen übliche „peregrinatio academica“, die zumeist nach Frankreich und Italien führen und die dem „Erlernen der Sprachen”, der adeligen Lebensweise und Tugenden dienen sollte, wenngleich die Wirklichkeit diesem Anspruch wenig gerecht wurde und besorgte Väter wie Wilhelm V. vor der „bösen gesellschaft der unzüchtigen weiber, sonderlich in Italia“, warnten, die nicht nur Gott erzürne, sondern auch „leib, gut und gesundheit genzlich“ ruiniere.

[6] BEI DER WIEDEN, Außenwelt, S. 42.

[7] Rittmeister [schwed. Ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[8] Johann Ernst der Jüngere v. Sachsen-Weimar [21.2.1594 Altenburg-6.12.1626 Markt St. Martin], mansfeldischer Obrist.

[9] HEERMANN, Beytrag, S. 28.

[10] Joachim v. Mitzlaff [Metzlaff, Meitzlaff, Mizlau, Mitzlav] [ -nach 1655], dänischer, dann schwedischer Obrist, Generalkriegskommissar, dann kaiserlicher Obrist.

[11] dänische Armee: Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold. Insgesamt gesehen lag der Sold höher als in der kaiserlichen oder ligistischen Armee.

[12] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95.: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“

[13] Angaben nach: Nach http://www.familienkunde.at/Geschichte_Schlesiens_Inquisition3.htm: Die Liechtensteinsche Inquisition in den Herzogtümern Troppau und Jägerndorf aus Anlaß der Mansfeldschen Rebellion 1626-1627.

[14] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[15] Schlacht bei Steinau 11.10.1633: Schlacht bei Steinau an der Oder (Śinawa, Kr. Wohlau): Wallenstein schlug die Schweden, Brandenburger und Sachsen unter Heinrich Matthias Graf Thurn und Heinrich Jakob Duwall. Vgl.Thurns Verteidigungsschrift, Beständiger Bericht vnd SchutzRede / Des Hochwolgebornen Graven vnd Herrn / Herrn Heinrich Matthes / Grafen von Thurn … Generaln : Darinnen Das jüngsthin / den 1. Octob. bey der Steinawer Brücken in Schlesien erfolgtes Unheil / dessen Ursprung / Mittel vnd Verlauff / zu verhütung ungleichen Verdachts vnd irriger Meinung / ordentlich vnd richtig erzehlet vnd beschrieben wird [http://digital. Slub.dresden.de/id3811300331/1].

[16] Sten [Steno, Fels] Svantesson Bielke [Bielcke, Bielkegatan] [1598-2.4.1638 Stettin], schwedischer Legat. Vgl. BACKHAUS (Hg), Brev I.

[17] Legat: Gesandter; diplomatischer Vertreter ersten Ranges im Gegensatz zum Residenten, dem ortsansässigen ständigen Vertreter, bei den Schweden auch eine Art „Gouverneur“ im besetzten Gebiet.

[18] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[19] sustinieren: zum Standhalten bringen; aufhalten.

[20] Stettin [Szczecin]; HHSD XII, S. 280ff.

[21] Stargard [Szczeciński, LK Stargard Szczeciński]; HHSD XII, S. 276ff.

[22] Gartz a. d. Oder [LK Uckermark]; HHSD XII, S. 185ff.

[23] Damm, heute als Altendamm Stadtteil von Stettin [Szczecin]; HHSD XII, S. 280ff.

[24] Wollin [Wolin, LK Kamień Pomorski].

[25] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[26] Landsberg a. d. Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[27] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[28] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

Regimentsquartiermeister: Der Regimentsquartiermeister war der Dienstvorgesetzte aller Quartiermeister des Regiments, ein einträgliches Amt, da ihm viele „Verehrungen“ zukamen, um die Einquartierungen abzuwenden. Ein Quartiermeister erhielt in der kaiserlichen Armee 40 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], in der brandenburgischen Armee im Monat 50 fl.

[29] Schwadron, Esquadron [schwed. skvadron, dän. squadron]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380.

[30] Småland: historische Provinz in Südschweden.

[31] Västra Götalands län: historische Provinz im Westschweden.

[32] Södermanland (oder Sörmland):Landschaft südlich von Stockholm im Ostschweden.

[33] Generalmajor [schwed. generalmajor, dän. generalmajor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.

[34] Alexander Leslie [Lesley, Lesle, Lessle, Leßle, Lassle, Letzle, Lasle, Lesly], 1st earl of Leven [um 1580-4.4.1661 Balgonie, Fife], schwedischer Feldmarschall. MURDOCH, SSNE ID: 1; dort auch weiterführende Literatur; McANDREW, Scotland’s Historical Heraldry, S. 513ff.; MURDOCH; GROSJEAN, Alexander Leslie BACKHAUS (Hg.), Brev-II.

[35] Nach MANKELL, UPPGIFTER, S. 190, 191, waren es 1.000 Man „recolligierte“ Soldaten und preussische Regimenter.

[36] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[37] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[38] Hier ist wahrscheinlich gemeint: einen Abschlag auf rückständige Soldzahlungen in Aussicht zu stellen.

[39] poussieren: drängen, beschleunigen.

[40] Bogislaw XIV. Herzog v. Pommern [31.3.1580 Barth-10.3.1637 Stettin].

[41] Ausschuss, fürstlicher: Truppen der Landstände.

[42] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[43] Pierre [Peter] Duverge [Duwerge, de Verge, du Verge, Vergen, Duvers, Dubers] [ -nach 1656], schwedischer Obrist.

[44] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung.

[45] N Glasow [ – ], schwedischer Rittmeister

[46] obligat: verpflichtet.

[47] Ritterpferde: auch Lehnspferde waren im Mittelalter die von der Ritterschaft dem Reichsoberhaupt oder dem jeweiligen Lehnsherrn für Kriegs- und Botendienste zu stellende berittene Kriegsmannschaft. Die Ritterpferde wurden später durch laufende Geldleistungen (Ritterpferdsgelder) oder durch eine einmalige Ablösung ersetzt.

[48] Major [schwed. major, dän. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie und 300 fl. bei der Kavallerie, 200 fl. bei der dänischen Armee.

[49] Gustav Sabel [ – ], schwedischer Major.

[50] Werk: „Ab dem 16. Jahrhundert wird dieser Begriff verwendet als Überbegriff für eine einzelne isolierte Befestigungsanlage, oft als Teil einer Festung und kann u. a. eine Schanze, ein Bastion, ein Blockhaus oder ein Ravelin sein“. [http://de.wikipedia.org/wiki/Fachbegriffe_Festungsbau].

[51] mainteniert, manuteniert: gehalten.

[52] CHEMNITZ, Königl. Schwedischer …; S. 274f.

[53] Joachim Ernst v. Krockow [Crakaw,Cracau, Crocko, Crockow, Crockaw, Cracou, Krackau, Krackaw] [1601-Sommer 1646 Danzig], kaiserlicher Generalwachtmeister.

[54] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[55] Confoederirte: Bei der Zusammensetzung der schwedischen Armee Gustavs II. Adolf bis Ende 1632 werden folgende Zahlen angenommen: Schweden 8.000 (5, 5 %), Finnen 3.000 (2, 0 %), Deutsche Söldner: Alte Regimenter (vor Juli 1630 aufgestellt) 15.000 (10, 5 %) Neue Regimenter 65.000 (44, 5 %) Britische Söldner 7.000 (5, 0 %) Verbündete: Sachsen 17.000 (11, 5 %) Brandenburg 6.000 (4, 0 %) Hessen-Kassel 6.000 (4, 0 %) Mecklenburg 4.000 (2, 5 %) Stadtmilizen ca. 15.000 (10, 5 %) Gesamtzahl 146.000 Von diesen ca. 150.000 Mann war etwa die Hälfte im Garnisonsdienst eingesetzt, der Rest war auf die verschiedenen Armeekorps aufgeteilt, deren Größe zwischen 3.000 und 20.000 Mann lag. Im Falle einer möglichen Schlacht wurden diese dann vorübergehend zusammengezogen. (Angaben nach BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 69; ENGERISSER, Von Kronach; GLETE, Den svenska armén. Je nach Kriegslage schieden nach Gustav II. Adolfs Tod Verbündete wieder aus, der Anteil der Deutschen unter schwedischer Fahne stieg jedoch weiter an. Der Erzgebirgschronist Lehmann in seiner Kriegschronik, S. 100 (1639): “ kein Papist hats so grausam und arg gemacht alß diese Unbändige verteuffelte Deutsche Schweden, die keines Menschen schonten, keine kirche oder pfarr respectirten und kein Weibsbild ungeschändet ließen“. Zu den schottischen Verbänden vgl. MILLER, Swords for hire. Bereits 1627 waren unter den englischen Söldnern viele von den Lord Lieutenants zwangsrekrutierte, aus dem Königreich ausgewiesene Kriminelle und Asoziale, die „masterless men“, die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren. Schon bei der Aushebung der Truppen für Ernst von Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont und Gesindel rekrutiert. Das war eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden und gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen.

[56] Prager Frieden: Der in Folge der schwedischen Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen (5./6.9.1634) vereinbarte Prager Frieden zwischen Johann Georg von Sachsen und Kaiser Ferdinand II. wurde am 30.5.1635 unterzeichnet. Bei diesem Friedensschluss, dem fast alle protestantischen Reichsstände beitraten, verzichtete der Kaiser auf seinen Anspruch, den Augsburger Religionsfrieden von 1555 allein zu interpretieren und damit das Restitutionsedikt von 1629 durchzuführen (vgl. s. v. „Religionsedikt“); Ergebnis war eine begrenzte Festschreibung des konfessionellen Status quo. Weitere Ergebnisse waren: die Festschreibung der Translation der pfälzischen Kurwürde auf Bayern, der Ansprüche Sachsens auf die Lausitz und die Bildung eines Reichsheers (wobei Johann Georg von Sachsen und Maximilian I. von Bayern eigene Korps führen ließen, die als Teil der Reichsarmee galten), die bestehenden Bündnisse waren aufzulösen, fremde Mächte sollten den Reichsboden verlassen, etwaige Ansprüche auf den Ersatz der Kriegskosten seit 1630 wurden aufgehoben, eine allgemeine Amnestie sollte in Kraft treten. Zudem kann der Prager Frieden als einer der letzten kaiserlichen Versuche betrachtet werden, ein monarchisches System im Reich durchzusetzen. Maßgebliches Mittel dazu war die so genannte Prager Heeresreform, mit der der Kaiser den Versuch unternahm, nahezu alle reichsständischen Truppen unter seinen Oberbefehl zu stellen und zugleich den Ständen die Finanzierung dieses Reichsheeres aufzuerlegen. Diese Vorstellungen ließen sich ebenso wenig verwirklichen wie das Ziel, durch die Vertreibung der ausländischen Mächte Frankreich und Schweden zu einem Frieden im Heiligen Römischen Reich zu gelangen. HAPPE schätzte den Prager Frieden zu Recht als trügerisch ein; Happe I 396 v-397 r, mdsz.thulb.uni-jena.de; vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik, S. 87. Zur Forschungslage vgl. KAISER, Prager Frieden.

[57] Claus Dietrich Freiherr v. Sperreuter [Sperreut, Stierreuth] [um 1600 Walsrode-9./20.1.1653 Innsbruck], schwedischer, dann kaiserlicher Obrist, ab 1646 venetianischer Generalmajor. Vgl. LEISTIKOW, Sperreuter.

[58] Hans Christoffer Graf v. Königsmarck [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. Vgl. RÜDIGER, Leben und Thaten.

[59] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann, zum Teil allerdings auch nur ca. 30 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[60] Statius Meyer [ – ] schwedischer Rittmeister.

[61] Standarte: 1. an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen. 2. Bezeichnung für die auch bei der Reiterei üblichen Fähnlein: die kleinste Gliederungseinheit beim Fußvolk, im 17. Jahrhundert allmählich durch die Bezeichnung „Kompanie“ verdrängt. In der kursächsischen Armee bestand ein Regiment zu Fuß aus 10 „Fendl“: ein Fähnlein umfasste ca. 300 Mann (100 Pikeniere, 160 Musketiere, 20 Hellebardiere und 20 Rundschildner). Es gliederte sich wiederum in Rotten von 10–15 Mann, die von einem Rottmeister angeführt wurden.

[62] Georg Herzog v. Braunschweig-Lüneburg [17.2.1582 Celle-2.4.1641 Hildesheim], kaiserlicher Obrist, 1631 schwedischer General. Vgl. DECKEN, Herzog Georg.

[63] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[64] Wilhelm v. Wendt zu Crassenstein [Kratzenstein, Cratzenstein] [13.3.1603 Diestedde-15.3.1644 Nienburg], hessen-kasselischer, dann schwedischer Generalmajor.

[65] Wildeshausen [LK Oldenburg]; HHSD II, S. 492ff.

[66] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29. Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[67] Generalmajor [schwed. generalmajor, dän. generalmajor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.

[68] Johann Freiherr [Baron ?] von Leittersam [Lautersam, Leutersheim, Leutersum, Leyterßheim, Lüttersum, Luttersum, Lutersum, Luthersheim, Lentersheim, Lautersheim, Lutersheim, Leytersheim, Lottersheim, Luttersen, Galen-Lüttersheim, Lüddersen] [ -nach 10.10.1647], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[69] Zdenko [Zdeňek] Graf v. Hoditz v. Hoditz u. Wolframitz [Hodický z Hodic a Olramovic; Hoditsch, Hoeditz] [ -29.7.1641], schwedischer Obrist.

[70] Feldmarschall: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[71] Dodo I. Freiherr v. Knyphausen u. Innhausen [2.7.1583 Lütetsburg (Ostfriesland)-11.1.1636 bei Haselünne], braunschweigischer Obrist, Feldmarschall. Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[72] Christina Königin v. Schweden [17.12.1626 Stockholm-19.4.1689 Rom]. Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden; BUCKLEY, Christina; HEYDEN-RYNSCH, Christina von Schweden.

[73] „Drei Kronen“: Die „Drei Kronen“ waren die der Schweden, Goten und Wenden, als deren Herrscher sich die schwedischen Könige bezeichneten. Auch Dänemark beanspruchte die „Drei Kronen“ als Herrschaftsanspruch über die drei skandinavischen Königreiche (Dänemark, Schweden, Norwegen) seit der Union von Kalmar (1397) für sich. Zudem führte Gustav II. Adolf wie auch Christina in der Titulatur „Großfürst in Finnland, Herzog zu Estland und Karelien, Herr über Ingermanland“.

[74] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Vgl. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[75] N Lohe [ – ], schwedischer Major.

[76] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[77] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-18.10.1656 Dresden].

[78] Kriegskommissar [schwed. war kommissionär, dän. war-kommissær]: Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontribution). Als Quartierkommissar legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung; vgl. s. v. „Fourier“.) Der „Musterkommissarius“ führte in landesherrlichem Auftrag die Musterungen durch und überwachte die Zusammensetzung des Heeres. Musterkommissare waren bei gemeinen Soldaten wie Offizieren gleichermaßen verhasst, da sie Manipulationen und Betrügereien auf den Musterplätzen zu unterbinden suchten: Söldner erschlichen sich vielfach Sold, indem sie sich unter verändertem Namen mehrfach mustern ließen, Offiziere führten zuweilen mehr Männer in den Soldlisten, als tatsächlich vorhanden waren, um die eigene Tasche mit den überschüssigen Löhnungen zu füllen (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120ff.). Auch hatten sie die Abdankungen und die Zusammenlegung und Neuformierung kleiner Einheiten zu überwachen. Dänische Kriegskommissare erhielten monatlich ab 1625 zwischen 200 und 400 Rt. je nach Aufgabenbereich; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51; vgl. auch PFEILSTICKER, Lang. In einer Landtagsbeschwerde des Gerichtes Hörtenberg wird geklagt, daß bei Durchzügen „auch tails beglaitcommissari den unntertonnen mehr sched- als nutzlich sein, in deme sy mer dem soldaten beifallen, unnd in ansuechenden unerzeuglichen sachen recht geben, als den unnderthonnen obhabennden gebierennden schutz erweisen“. SCHENNAT, Tiroler Landesverteidigung, S. 63. Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. „Im Dreißigjährigen Krieg machten sich jüdische Kommissare unersetzlich. Ein schwedischer Diplomat sagte: ‚Alle Juden sind Kommissarii, und alle Kommissarii sind Juden‘ “ [MÜHLAUER, Des Kaisers Kommissar]. Teilweise wird in zeitgenössischen Chroniken auch festgehalten, dass Kriegskommissare ihr Amt aufgaben, um sich nicht länger an der Ausbeutung der kriegsverarmen Leute zu beteiligen; Chronik des Sweder von Schele, Teil 3, fol. 877 (Juli 1634).

[79] Christoph Vitzthum v. Eckstädt [25.8.1594 Schloss Quedlinburg-29.8.1653 Schloss Quedlinburg], kursächsischer Obrist, Stiftshauptmann zu Quedlinburg.

[80] Generalarmistitium: allgemeine Straflosigkeit.

[81] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Die Bedeutung ergibt sich metonymisch: Der Stab war das Zeichen der Amts- und insbesondere der militärischen Obergewalt. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchsen auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen. Vgl. die Lebensmittelmengen, die der Stab Piccolominis 1635 in Dülken beanspruchte; ARBEITSGRUPPE VIERSEN, S. 90.

[82] Praetension: Vorwand.

[83] Musterrolle: Der militärische Unternehmer richtete einen Platz, meist in der Nähe einer Stadt, in deren Wirtshäusern oder in Landstrichen ein, die wegen ihrer wirtschaftlichen Krisensituation als besonders geeignet galten, ein, an dem sich die von Werbern mit einem Handgeld geworbenen Söldner oder Rekruten einfanden. Wenn sie gemustert und für tauglich befunden wurden, wurden sie durch den Musterschreiber in Musterrollen eingeschrieben und an ihren Bestimmungsort verbracht. Auf dem ersten Blatt der Musterrolle, der „Prima plana“, waren die wichtigsten Ämter bis hin zu den Unteroffizieren aufgeführt.

[84] Justitia: hier Militärgerichtsbarkeit.

[85] Accord: Vertrag, Vereinbarung.

[86] Georg v. Uslar [Ußlar, Ußler, Isler, Islar, Ißler, Itzler] [10.9./20.9.1584 Waake-2./12.3.1638 Waake], Sohn des Hans Ernst v. Uslar (gest. 1618). Bruder des Thilo Albrecht v. Uslar, 1595-1597 Page des Grafen Ernst Kasimir v. Nassau-Diez (1573-1632), danach des Herzogs Johann v. Schleswig-Holstein-Sonderburg (1545-1622); Aventurier (1601) u. Fähnrich (1602) im Langen Türkenkrieg, 1603/04 kurmainzischer Hof- u. Kammerjunker, spanischer Fähnrich (1604) u. Hauptmann (1606), 1615 braunschweigisch-wolfenbüttelscher Hauptmann, 1620 Obristleutnant unter Johann Ernst I. v. Sachsen-Weimar (1595-1626), danach Offizier unter Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar (1598-1660) u. Georg Friedrich v. Baden-Durlach (1573-1638), ab 1623 Obristleutnant unter Christian v. Braunschweig-Wolfenbüttel (1599-1626), dänischer Obrist (1626) u. Generalkriegskommissar (1627), 1631 schwedischer Reiterobrist, 1632-1635 Generalmajor unter Bernhard u. Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar, danach in hessisch-kasselischen Kriegsdienten, zuletzt Generalmajor unter Georg v. Braunschweig-Calenberg (1582-1641), seit 1622 Mitglied Nr. 59 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ („Der Erfrischende“).

[87] Eberhard [v.] Beckermann [Beckermandt, Beckermond, Beckermen, Belchermann] [1576 Arnsberg-1641 Kassel], schwedischer Generalmajor.

[88] Jacob v. Boy [Boye, Boi, Boie, Poyen, Boiye] [ -17.10.1638 bei Vlotho], schwedischer Obristleutnant, Obrist.

[89] Wolf v. Glaubitz [Glowitz, Globitz] auf Kasel [ – ], braunschweigischer, dann schwedischer Obrist.

[90] Dietrich v. Kracht [Cracht, Kranche], Freiherr u. Ritter [1603 Brahme bei Cottbus-6.7.1657 Schlabendorf], schwedischer, kaiserlicher Obrist.

[91] Joachim Ernst v. Krockow [Crakaw,Cracau, Crocko, Crockow, Crockaw, Cracou, Krackau, Krackaw] [1601-Sommer 1646 Danzig], kaiserlicher Generalwachtmeister.

[92] Georg v. Dewitz [Döbitz] [1591-1650], schwedischer Obrist.

[93] Johann [Hans] Berghöfer [Berghofer, Berghauer, Berghauser, Berghöver, Berghewer, Berckhauer, Berckheuber, Perkhover, Perkhauer] [ -4.10.1636 bei Wittstock; 1610 Gudensberg-27.4.1676 ?], hessen-kasselischer, dann schwedischer Obrist.

[94] „Widerwertige“: Kaiserliche bzw. alle, die katholisch waren.

[95] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien.

[96] Schelm: „Schelm“ war früher der Berufsname des Abdeckers. Jemanden einen Schelm (Bösewicht, Betrüger, Verführer, Schinder, Teufel) zu schelten, jemanden zum Schelmen zu machen, galt als eine der ehrenrührigsten Beschimpfungen, eine der größten Ehrverletzungen. Vgl. BERG, Regulating war, S. 55f. „Jemanden zum Schelmen machen“ hieß, in Kriegsgerichtsverfahren einen Straftäter für ehrlos zu erklären, aus der Armee zu verstoßen und der Stadt/des Landes zu verweisen; WAAS, Chroniken I, S. 127. Zur grobianischen Schimpfartistik der Soldaten vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabruggischenn handlung, S. 36f.: „Die soldaten thun unse große uberlast, die manß personen mußen ihr dieb, schelm, boßwicht und hunde sein, die weibs personen ihr schand und brand, hurn auch, ihr hexen und zauberinnen. (57v) Ihr fluch und wunsch ist schrecklich, nicht allein die alten fluch der kriegs knecht und marter hansen, sondern neu fluchen, so der sathan herfur gebracht, als das dich der donner, blitz und hagel schlag“.

[97] periclitieren: gefährdet sein, wagen.

[98] simuliren: vorgeben, vortäuschen, heucheln, sich verstellen.

[99] Regimentsquartiermeister: Der Regimentsquartiermeister war der Dienstvorgesetzte aller Quartiermeister des Regiments, ein einträgliches Amt, da ihm viele „Verehrungen“ zukamen, um die Einquartierungen abzuwenden. Ein Quartiermeister erhielt in der kaiserlichen Armee 40 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], in der brandenburgischen Armee im Monat 50 fl.

[100] accommodiren: sich (gütlich) vergleichen, sich fügen, anpassen; einquartieren.

[101] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[102] Goslar; HHSD II, S. 174ff.

[103] Nordhausen [LK Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[104] Anton Brunnecker [Brunacher, Brunneck, Brünneck, Breunecker, Brünecker, Brauneck, Braunegk, Bruncker, Buncker, Brunecker, Brennekenki, „Grünecker“] [ – ], braunschweig-lüneburgischer, dann schwedischer Obrist.

[105] Paul v. Ramel [Rammel] [ – ], kaiserlicher Rittmeister, später schwedischer Obrist.

[106] Vom 22.11. a. St.

[107] Artikelbrief: Vorschriften für Soldaten und Straffestsetzungen bei Verstößen: Sie spiegelten eine „obrigkeitliche Idealkonzeption interner Ordnung des Söldnerverbandes“ (Huntebrinker, „Fromme Knechte“, S. 74) wieder und mussten einmal wöchentlich vorgelesen werden. MEYNERT, Geschichte, 1. Hauptstück, S. 28ff. Joachim Arentsehe, irrtümlich auch Arentsche, († nach 1587) deutscher Dramatiker, bekannt durch sein Drama: „Comoedia des geistlichen Malafitzrechten“, Halberstadt 1587, sprach von einem Kriegsgericht des Sohnes Gottes als Hauptmann über die sündige Menschheit in der Person von Adam, der die Kriegsartikel (= 10 Gebote) brach [nicht im VD 16].

[108] Contrahierende: Vertrag schließende.

[109] CHEMNITZ, Königl. Schwedischen ]…] Kriegs, 3. Buch, 58. Kap., S. 907ff.

[110] Hermann [Herman] Bothe [Botho, Boot, Booth, Bota] [ – ], braunschweig-lüneburgischer, schwedischer Obrist, kaiserlicher Agent u. Obrist.

[111] Wolfenbüttel [LK Wolfenbüttel]; HHSD II, S. 503ff.

[112] Johann Graf v. Götz [Götzen, Götze] [1599 Zehlendorf-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[113] Boizenburg [LK Ludwigslust-Parchim]; HHSD XII, S. 5ff.

[114] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern (auch „Neugeschriebene“ genannt) anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[115] James [Jakob] King of Birness and Dudwick, Baron Eythin u. Baron Sandshult [Kieg, Kinge, Kyng, Kingy, Kink, Kurden] [1589-9.6.1652 Stockholm], schwedischer Generalleutnant. MURDOCH, SSNE ID 2814.

[116] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall.

[117] Torgau [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 467ff.

[118] Winsen/Aller [LK Celle]]; HHSD II, S. 497.

[119] Lüneburg; HHSD II, S. 311ff.

[120] Dr. jur. utr. Johan Adler Salvius [1590 Strängnäs-24.8.1652 Stockholm], Sohn des Strängnäser Stadtschreibers Peder Hansson (gest. vor 1609); Studium in Uppsala (1609), Rostock (1612/13), Helmstedt (1613/14), Staßburg (1615) u. Marburg (1615), 1614 Magister, 1619 Promotion zum Dr. jur. utr. in Valence; ab 1621 Assessor am schwedischen Hofgericht, diplomatische Missionen für Schweden nach Kursachsen (1622), Dänemark (1623) u. Norddeutschland (1624), seit 1624 Staatssekretär, 1631-1634 u. 1636-1650 schwedischer Resident in Hamburg u. im Niedersächsischen Reichskreis, ab 1634 Hofkanzler u. Geheimer Rat; seit 1638 alleiniger Legat Schwedens in Deutschland, 1643-1648 schwedischer Gesandter auf dem Westfälischen Friedenskongress, seit 1648 Reichsrat; 1629 Nobilitierung, 1651 Erhebung in den Freiherrenstand. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=5540; LUNDGREN, Johan Adler Salvius; DROSTE, Johan Adler Salvius i Hamburg; DROSTE, Ein Diplomat, ENGSTRÖM, Johan Adler Salvius.

[121] Ratzeburg [Kr. Herzogtum Lauenburg]; HHSD I, S. 216f.

[122] Travemünde [Hansestadt Lübeck]; HHSD II, 259f.

[123] Johann Freiherr v. Leittersam [Lautersam, Leutersen, Leutersheim, Leutersum, Leyterßheim, Lüttersum, Luttersum, Luthersheim, Lentersheim, Lautersheim, Lutersheim, Leytersheim, Lottersheim, Luttersen] [ -nach 10.10.1647], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[124] Jan Freiherr v. Werth [1594 Büttgen-16.9.1652 Benatek], bayerischer, kaiserlicher General der Kavallerie. Vgl. LAHRKAMP, Jan von Werth; KAISER: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/W/Seiten/JanvonWerth.aspx [17.6.2014].

[125] Goan Lodovico Hector Graf Isolano [Isolani, Isolary, Isolan, Isolana, Isalon, Iselon, Isolani, Isolam] [1586 Görz-März 1640 Wien], kaiserlicher Kroaten-Obrist.

[126] Rostock; HHSD XII, S. 95ff.

[127] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[128] Bützow [LK Rostock]; HHSD XII, S. 10ff.

[129] Wismar [Nordwestmecklenburg]; HHSD XII, S. 133ff.

[130] Christian IV. König v. Dänemark [12.4.1577 Schloss Frederiksborg-18.2.1648 Schloss Rosenborg/Kopenhagen]. Vgl. HEIBERG, Christian 4; FINDEISEN, Christian IV.

[131] Adolf Friedrich I. Herzog v. Mecklenburg-Schwerin [15.12.1588 Schwerin-27.2.1658 Schwerin].

[132] Wilhelm v. Kalkum [Calcheim, Calchum], genannt Lohausen [Lohehausen] [Aschermittwoch 1584 auf Lohausen-30.1.1640 Rostock], schwedischer u. mecklenburgischer Generalmajor.

[133] Plau am See [LK Ludwigslust-Parchim]; HHSD XII, S. 81f.

[134] PUFENDORF, Der Schwedisch- und Deutschen Kriegs-Geschichte, S. 388.

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Greffe, Thomas

Greffe, Thomas; Obristleutnant [ – ] Thomas Greffe stand als Obristleutnant[1] in schwedischen Diensten.

Das „Theatrum Europaeum“[2] berichtet zum Juli 1638: „Der Schwedische[3] Commandant[4] in Wißmar[5] / demnach er in erfahrung gebracht / daß die Kayserisch: Gallassische[6] Truppen / so biß dato im Lande zu Mechelnburg gelegen / sich movirt / vnd nur zwey Regimenter[7] / als eines zu Gräffsmühlen[8] / vnd das andere zu Sternberg[9] logirend / zur Bloquade der Statt Wißmar hinderlassen / hat er der Zeit recht in acht nehmen wollen / deßwegen gegen dem 19. 29. biß in der Nacht den Obristen Leutenant Herrn Thomas Greffen mit 200. Mußquetirern[10] / nebens einem starcken Truppen Reuter vnd Tragoner[11] commandirt / das Regiment / so zu besagtem Greffsmühlen vnter dem Commando deß Kayserischen Herrn Obristen[12] Krackenbergs gelegen / zu besuchen. Ob nun wol die Kayerische / als man nicht vermeynt gehabt / auch parat gewesen / daß dieselben / als die Schwedischen Reuter dero Wacht poussirt,[13] Alarm gemacht / zu Pferd kommen / vnd sich vor dem Stättlein ins Feldt præsentirt / so haben doch die Wißmarische Reuter vnter dessen mit diesem Regiment dergestalt eyfferig chargirt[14] / daß die Tragoner vnd Mußquetirer[15] vor der Kayserischen Augen deß Stättleins sich bemächtiget / alle Paggagy[16] / vnd vber zwey hundert Reit- vnd WagenPferdt / neben etlichen Rüstwägen[17] ihnen abgenommen / bey welchem Scharmützel[18] die Schwedischen einen Quartiermeister[19] vnd zween Reuter verlohren / vnd zwey von ihnen gequetscht worden / dargegen auch ander Theils nicht wenig geblieben / vnd 16. Gefangene[20] eingebracht. Welche rencontre so viel zu wegen gebracht / daß sich schon zum andern mal so ruinirtes Regiment allda länger zu logiren nicht getrawet / sondern Freytags den 20. 30. Jul. ingleichem das zu Sternberg gelegene / so sich gleichfals einer visite befürchtet / auffgebrochen vnd weg marchirt“.[21]

[1] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog, in der brandenburgischen Armee sogar 300 fl. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[2] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[3] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[4] Johan [Jon, Ion] Persson [Pedersson] Lilliesparre [Lillie Sparr] [1595-15.2.1641], schwedischer Obrist.

[5] Wismar [Nordwestmecklenburg]; HHSD XII, S. 133ff.

[6] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Generalleutnant. Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[7] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[8] Grevesmühlen [LK Nordwestmecklenburg]; HHSD XII, S. 37f.

[9] Sternberg [Ludwigslust-Parchim], HHSD XII S. 120f.

[10] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[11] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[12] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, in der brandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[13] poussieren: scharmützeln => Scharmützel: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“, Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[14] chargiert: angegriffen, gekämpft.

[15] Musketier*in [schwed. musketerare, musketör, franz. mousquetaire, dän. musketeer, tschech. mušketýr]: Fußsoldat, „Menschgetierer“ nach dem Elsässer Kannengießer Augustin Güntzer; GÜNTZER, Kleines Biechl, S. 238, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel u. den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln, den Gabelstock, u. legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) u. die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Erst bei 30 m konnte man mit einem halbwegs sicheren Treffer rechnen; so FELBERBAUER, Waffentechnik, S.89. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2-3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge v. 102 cm u. wog etwa 4,5–4,7 kg bei einem Kaliber v. zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- u. Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten u. Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – u. schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt u. Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics; EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.; BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 119ff.

[16] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[17] Rüstwagen: Plan-, Fracht-, Tross-, Kriegswagen.

[18] Scharmützel: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“, Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[19] Regimentsquartiermeister: Der Regimentsquartiermeister war der Dienstvorgesetzte aller Quartiermeister des Regiments, ein einträgliches Amt, da ihm viele „Verehrungen“ zukamen, um die Einquartierungen abzuwenden. Ein Quartiermeister erhielt in der brandenburgischen Armee im Monat 50 fl.

[20] Kriegsgefangene: Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene, S. 11-14.

[21] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd. (1643), S. 961f.

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Silversparre, Isaac Axelsson [Axesyn, Achsel]

Silversparre, Isaac Axelsson [Axesyn, Achsel]; Obrist [ca. 1590 Nya Lödöse (Göteborg)-1641] Isaac Axelsson [Axesyn, Achsel] Silversparre [ca. 1590 Nya Lödöse (Göteborg)-1641] stand als Obrist in schwedischen Diensten.

In einer zeitgenössischen Flugschrift über die Schlacht bei Hessisch Oldendorf (28.6./8.7.1633) heißt es „Aus einem andern Schreiben“:[1] „Demnach S. Excell. der Herr Feldmarschalch die Conjunction deß Graffen von Gronßfeld [Gronsfeld; BW] mit Meroden [Johann II. von Mérode-Waroux; BW] vnd Benninghausen [Bönninghausen; BW] geschehen lassen müssen / hat er sich mit allen beyhabenden Trouppen / als den General Majeur Kachen [Kagge; BW] vnnd Melander [Holzappel; BW] wiederumb ins Läger den 29. dieses retirirt / die Reuter vnd Volck nahe bey Woll[2] campirt / vnd vberall gute ordre gestellet / damit nicht etwa ein Einfall geschehen / oder er an constanten vorgenommenen propos in comportirung[3] der Stadt Hameln[4] verhindert werden möchte / Darauff seynd wie weiland 4 junge Grafen vnnd Herrn / als der von Gronßfeld / so commãdirt, Merode / Benninghausen / vnd der von Wertenberg [Ferdinand Lorenz von Wartenberg; BW] / der H. von Gleen [Geleen;[5] BW] vñ andere von Minden[6] außgefolget / vnd den 27. dieses vffn Abend etwa vm die Glock 3. bey Schaumburg[7] zwischen Oldendorff[8] vnd 2. Dörffern / als Tode[9] vnd Wolstorff[10] / etwa eine Meile von vnserm Lager vor Hameln gesetzt / vnd 12000. Mann, 8000. zu Fuß vnd 4000. zu Pferde / effectivè (wie die vornehme Gefangene fast alle aussagen / sollen da 14000. Mann complet gewesen seyn) starck in Batallie gestellet / auch mit vier Canonschüssen den Belagerten die Loßkündigung gethan / welche darauff mit so vielen hinwieder geantwortet / der gar eyfferigen zuvor bey Abschied zu Minden beliebter resolution, vnd ohn fest gefaster courage, der Teuffel sie holen solte / wo sie nit Hameln entsetzen / oder sterben wolten / Ist darauff von S. F. Gn. Herrn General I. Excell. Herr Feldmarschalln vnd andern hohen Officirern in geschwinder Eil vffn Abend die billich gute gegen Resolution genommen / Im fall der Feind stünde / wie wir vns dann nicht wol einbilden kondten / sondern gedachten / er etwa eine Finte machen / vnd durch die Berge oder sonsten allein Volck in die Stadt zu bringen / oder vns davon zu locken suchen würde / durch Hülffe Gottes (wie dann das Feldgeschrey dieser Orten war) Hilff Gott I. Kön. Maj. höchstmilden Gnaden Blut zu rächen / vñ den Feind zu schlagen / vnd ob wol Mangel der ammunition anfangs vnd fast allerhand perplexität machte / massen die Convoy, so dieses falls nach Hañover[11] in so geschwinder Eil nicht wieder zurück kommen köndte / seyn doch I. Exc. der Herr Feldmarschall hingeritten zuförderst einen Ort zum Combat an vnser seiten bequembt : wie er dann auch sehr favorabel vnd commodè gewesen / da vff der rechten die Berg / vnd vff der lincken seiten die Weser neben obgedachter Stadt Oldendorff zu vnserm Vortheil zu erwehlen / darauff I. F. Gn. der Herr General zu marchiren befohlen / welche die ganze Nacht bis morgẽs vmb 8. Vhren gewäret / vmb welche Zeit die Bataglie von hochged. I. Exc. wol formirt, vñ darauff die Schwedische Loßkündigung durch 2 Canonschüssen vff etliche deß Feindes / so fast wie wir hinten im Hügel hielten / hervorguckende Trouppen gethan worden / welche eben den  Geruch deß guten noch vbrigen Pulvers nicht wol vertragen können / dardurch dann den vnserigen die grosse courage zu fechten confirmirt vnd grösser worden / der Feind aber / welcher ihm dañ vffs Fußvolck meist verlassen / commandirte die Mußquetirer durch hole Wege am Berg / da er die ganze force hin emplorirte / wurdẽ aber von den vnserigen durch Herrn General Majeur Kachens gute conduicte so begegnet / daß es Lust anzusehen / vnd war nicht anders / als wann es eitel Kugel geregnet. Wie nun solches etwa 3 Stund continuellement gewäret / ward die sehr ersprießliche resolution genomen / den Feind dero gestalt anzugreiffen / daß Ihre F. Gn. Herr General vnd Ihre Exc. Herr Feldmarschall / dabey dann auch Herr Gustavus Gustaff Sohn [Gustafsson; BW] sich resolut befunden / vff der einen seiten mit der Cavallerie selbsten / General Major Kache / Vßler [Thilo Albrecht v. Uslar; BW] vnd Obr. Stalhanß [Stålhandske; BW] / Obr. Soppe [Soop; BW] / Obr. Sack [Osten; BW] / Obr. Isaac / Axesyn [Axelsson; BW] vnd Major von den Schmalendern / also mit dẽ Kern der hiesigen Armee vff der andern Seiten / vnd Melander in der Mitte den Feind angrieffen / doch nicht ohn einer guten reserve / welches dann auch dero gestalt geschehen / daß nach langen Gegenminẽ der Feind in confusion, darauff in die Flucht gelegt worden / verlauffend die Stücke / Artolerey / munition / Pagage / vnd alles was er bey sich gehabt / bey etlichen hunderten fielen nieder / vnd baten Quartir / welches die Finnen nicht wol verstehen kondten / doch von den Teutschen bißweilen solches erhielten / die vnserigen haben die noch vbrigen biß Rinteln[12] vnd Minden verfolget / so fern es denn voller Toden vber Todẽ liget. Ist also der Feind dieses Orts / sonderlich die Infanterey vff einmal ganz ruinirt vnd höchstgedacht I. K. M. Tod der gebür eben vff Leonis Papsts / ut fasti docent, Tag / an den Pfaffenknechten gerechnet worden / dazu dann die vnserige zuförderst ihre devoir vnd eusserliche Bildniß / so ein jeglicher fast vff der brust tregt / auch sonderlich das lebendige obged. Gustaff Gustaff Sohn (welches præsenz dabey nit ein geringes genutzet) ermahnetẽ. Vom Feind ist Gen. Merode durchn Leib geschossen / seynd in der flucht für Bruckeburg[13] gewiß gestorben / so wol der Herr von Geldern [Geleen; BW] selbst vnd Obr. Quad [v. Alsbach; BW] neben noch andern Gen. derẽ Namen noch nit kundig / Obr. Westerholtz [Westerholt zu Lembeck; BW] ist vffn Kopf vnd in die Axel geschossen / vnd neben Obr. Westphal [Heinrich Leo v. Westphalen; BW] gefangen / wohin Bennighausen vnd der von Wartẽberg hinkomen / weiß man noch nit / der Graff von Gronßfeld ist naher Minden gelauffen / dessen Hut vnd Degen I. F. Gn. dem H. General zuhanden kommen / wie auch obged. Herrn Gustaff Gustaff Son / einen von deß Merode Page, so seiner sprachen wol kundig / neben einẽ stab etlicher Hunden vnd Französischen Büchern / der Cornet vnd Fahnẽ seyn vber die massen viel / mehr dann etliche 50. schon gelieffert / darzu 12. Metallene Stück. An vnser seiten sind / Gott lob / nicht vber 100. verletzt vnd geblieben / keine hohe Officirer / als Obr. Stalhanß / so mit einer Pistolen vber den Elbogen durch den lincken Arm / vnd Obr. Soppe / durch die rechte Lenden / beyderseits ohn Gefahr deß Lebens oder sonsten geschossen wordẽ / daneben auch der Obr. Ranzow [Marquard Rantzau ?; BW] vnserer seiten gefehrlich blessiret. Es ist nicht zu schreiben / wie statliche beute die vnserigen gemacht / also daß auch ein geringer schütze mit einer roten sambten Casache wol verbremet / vnd mit Plusch gefüttert auffgezogen kömpt / vnd fast biß Rinteln / wie ich dann selbst mit gefolget / die wege voller Pagage / welches mich auch verhindert / so wol im mangel gelegener botschafft / daß ich solches gestern nicht alsobald avisirt. Ist dieses nur gleich mein Entwurff dieser grossen vnd herrlichen victori / heut oder morgen wird man mehr particularia vnd etlicher mehrer Namen der Toden haben / Das Combat wäret von 8. vhr morgens biß 4. deß  Abends / ausser dem Verfolg / vnd war ein schön gewünschtes Wetter / welches vns sonsten bißhero nicht wol favorisiren wollen / Jetzo wird ein Trompeter an den Obr. Leut. Schelhamer mit etlichen Weibern vom Feind / davon er / wz gestern vorgangen / erfahren mag / geschickt / vnd catechotische Erklärung begehrt / meyne das Herz sitze schon niedriger / vnnd sey durch das Gedöhn der gestrigen Carthaunen ganz gefallen“.

Im Frühjahr 1634 lag Axelsson in Duderstadt[14] auf dem Eichsfeld[15] in Garnison.

„Herzog Wilhelm war es nur um den Abzug der Regimenter aus seinen eigenen Landen, besonders vom Eichsfeld, zu tun. Oxenstierna hatte keine Entscheidung über den Besitz des Eichsfelds gefällt, um so mehr gedachte der Herzog das Land in seinen Händen zu behalten und sich nichts davon nehmen zu lassen. Noch während der Anwesenheit Oxenstiernas[16] in Erfurt[17] hatte er seinen von Brandenburg zurückkommenden Regimentern den Befehl gegeben, gegen Duderstadt zu rücken und die Stadt gut zu besetzen, aber auf Drängen des Reichskanzlers diesen Befehl zurückgenommen und die Regimenter nach Hildesheim[18] ziehen lassen, wo sie zur Belagerung der Stadt verwendet wurden. Nun bemühte er sich, bei Generalmajor Stalhandske die Entfernung der noch im Lande liegenden Kompanien, besonders der des Obersten Axelsson aus Duderstadt, zu erreichen; er hatte damit Erfolg, am 21.[4.1634; BW] verließen die Schweden die Stadt“.[19]

Am 13.4.1643 schrieb Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen an den kaiserlichen Generalleutnant Gallas:[20] Aus Berlin habe er die Nachricht erhalten, dass die drei schwedischen Regimenter, die vor einigen Tagen aus Pommern und Mecklenburg kamen (ein Infanterieregiment von 1.000 Mann und 2 Reiterregimenter zu 800 Pferden) sich auf dem Marsch zur Armee befänden. Die gegnerischen Feldlager in der Oberlausitz seien noch ruhig. Die Städte diesseits der Elbe seien völlig ruiniert, auch jenseits der Elbe werde das Land von Soldaten aus den Garnisonen in Chemnitz[21] und Oschatz[22] verwüstet; der Kurfürst sei in der hiesigen Residenz blockiert. Obrist Axelsson befestige sich stark im Schloss Torgau,[23] in Leipzig[24] habe der Kommandant ebenfalls das Schloss besetzt, so dass die sächsischen Soldaten in Zwickau,[25] Freiberg[26] und Meißen[27] von den Versorgungswegen völlig abgeschnitten sein werden.[28]

Vom April bis Juni 1647 lag das Axcillische Regiment in Römhild;[29] wahrscheinlich war Axelssons Regiment gemeint.[30]

[1] Kungliga biblioteket Stockholm, Svea Krig, Nr. 224a.

[2] Woll ? möglicherweise Wolsdorf.

[3] Unterstützung; vgl. auch JONES, A Lexicon, S. 223.

[4] Hameln; HHSD II, S. 192ff.

[5] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[6] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[7] Schaumburg [Kr. Grafschaft Schaumburg]; HHSD II, S. 413.

[8] Hessisch-Oldendorf [Kr. Grafschaft Schaumburg]; HHSD II, S. 226f.

[9] Tode ?

[10] Wolsdorf [LK Helmstedt].

[11] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[12] Rinteln [Kr. Grafschaft Schaumburg]; HHSD II, S. 395f.

[13] Bückeburg; HHSD II, S. 80ff.

[14] Duderstadt; HHSD II, S. 123f.

[15] Goldene Mark (Kr. Duderstadt); HHSD II, S. 172f.

[16] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[17] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[18] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[19] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 182.

[20] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[21] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[22] Oschatz; HHSD VIII, S. 265ff.

[23] Torgau; HHSD XI, S. 467ff.

[24] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[25] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[26] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[27] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[28] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf,cNr. 1454.

[29] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[30] PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 129.

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Puchheim [Buchheim, Puchaim, Puchhaim, Puhann] zu Raabs und Krumbach, Adolf Graf von

Puchheim [Buchheim, Puchaim, Puchhaim, Puhann] zu Raabs und Krumbach, Adolf Graf von; Kämmerer, Obrist, Generalwachtmeister [um 1600 Krumbach-16.11.1639 Prag]

Puchheim, Adolf GrafPuchheim, Adolf Ehrenreich Graf

Der niederösterreichische Adlige Adolf Graf von Puchheim[1] [Buchheim, Puchaim, Puchhaim, Puhann] zu Raabs[2] und Krumbach[3] [um 1600 Krumbach-16.11.1639 Prag], verheiratet mit Maria Theresia Mörsperg [1610- ], stand als Kämmerer,[4] Obrist[5] und seit dem 26.11.1636 als Generalfeldwachtmeister[6] in kaiserlichen Diensten.

Puchheim trat als kaiserlicher Konfiskationskommissar in der Wallenstein-Affäre[7] in Erscheinung, um den Nachlass für den ständig in Geldschwierigkeiten steckenden Ferdinand II.[8] zu sichern, der ja auch die Ansprüche der mittelbar und unmittelbar an der Exekution Beteiligten befriedigen musste.

„Die Generäle schreckten nicht davor zurück, wilde Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Militäraktion Wallensteins gegen die Erblande zu verbreiten; man wird darin eine von Gallas[9ausgehende Schutzbehauptung sehen können, der sich wegen seines Versagens in Pilsen[10] in einem persönlichen Rechtfertigungszwang befand. Ferdinand erschien sogar »ein offener militärischer Konflikt« (Kampmann,[11] S. 138) kaum noch vermeidbar; er ließ sich aber durch Gallas, der die Stadt Linz[12] decken sollte, trotzen, der ihm am 22. Februar schrieb, er hoffe, »mit den meineidigen bald fertig zu werden« (Hallwich, Bd. 2, S. 474).

Gleichzeitig mit den militärischen Manövern verlagerte der Kaiser den Wallenstein-Konflikt auf eine andere, ganz neue Ebene. Seit dem 19. Februar ergingen mehrere Befehle, die böhmischen und schlesischen Besitzungen der drei »Hauptverschworenen« Wallenstein, Ilow[13] und Trčka[14] zu inventarisieren und zu konfiszieren. Zugleich wurde diesen Gebieten die Zahlung einer Sondersteuer von 900 000 Gulden auferlegt”.[15]

„Am 20. griff der Krallen des kaiserlichen Fiskus nach Wallensteins Besitz. Ferdinand an einen gewissen Grafen Puchheim: dem königlichen Oberhaupt sind die Güter des gewesenen Feldhauptmanns, des meineidigen Rebellen, undisputierlich verfallen. Soll also Puchheim das Herzogtum Friedland, wie auch des Trčka Güter unerwartet und in aller Stille besetzen, indem er von dem Feldmarschall-Leutnant[16] Baron de Suys[17]soviel Truppen verlangen wird, wie er braucht; keine Plünderung[18] zulassen, den Untertanen keinen Schaden tun; was in Gitschin,[19]  Nachod[20] und anderwärts vorhanden ist an Geld, Proviant und Mobilien genauestens inventarisieren”.[21]

Mit der Konfiskation der Güter Wallensteins und Trčkas wurde Adolf von Puchheim beauftragt, dessen Aktivitäten militärisch von Suys und seinen Truppen abgesichert werden sollten. In dieser bewegten Zeit zeigte Suys ungewöhnliche Kaisertreue und bisher nicht bekannte Unnachgiebigkeit bei der Verfolgung und Bestrafung ehemaliger Anhänger Wallensteins. Offenbar waren jedoch die Art und Weise der gewaltsamen Lösung der Machtfrage für Suys Anlass, sich in einem Brief an den Gouverneur von Forchheim,[22] Friedrich von Schletz,[23] kritisch über die Ermordung Wallensteins zu äußern. Dieser Brief und die vorangegangene Verweigerung der kaiserlichen Befehle zur Besetzung der Stadt Linz waren wohl der Grund, weshalb Suys späte Anerkennung für seine Tapferkeit und kriegerischen Verdienste erfuhr. Erst am 9.2.1645 wurde Suys in den Reichsgrafenstand erhoben.[24]

Am 20.2.1634 war die geheime kaiserliche Instruktion für Puchheim ergangen: „Nemblichen weil uns gewiße Nachricht eingelangt was maßen unser geweßter Veldthauptmann der von Friedland und dessen Adhärent, der Terzka, erst unlängst ihre Güter welche sie bis dahin sonsten allemal verschonet und von Kriegs-oneribus[25] befreit gelaßen, mit Aufbot einer starken Summe Geldes als nemblich von den Friedländischen Güttern von 5 bis 600,000 Gulden, den Terzkaschen aber in die 300,000 Gulden oneriert[26] und belegt haben, von welchem gleichwohl von ihnen bis dato gar nichts oder sehr wenig erhoben worden sein soll; hergegen uns selbe Güter durch nunmehr beider bemeldter erfolgter meineidiger Rebellion und Flucht zum Feind als dem höchsten königlichen Oberhaupt undisponirlich heimbfallen, als würde Ew., Oberst, alsobald nach empfang unser kaiserliches Befehles an den Feldmarschall Leutenant Baron de Suys sich bei denselben umb Hülf und Assistenz des Volks und anderer Nothwendigkeiten bewenden und sehen, damit er sich beiderlei Land und Herschaften alsobald unerwartet und in der Still gleichwohl ohne spolier,[27] Plünderung[28] oder sonst zufühgung den Unterthanen einiges Schadens impatroniren[29] möge, daraus alles zu Gitschien, Nachod[30] und andern zugehörigen Orten vorhandenen Vorrath fleißig zu visitiren auch ein ordentliches Inventarium beschreiben laßen, was sich in jedem Ort für Mittel, sowohl an Geld, Proviant und andern Mobilien befinden, daßelbe in gute Verwahrung nehmen, uns auch den Befund vörderlichst nennen damit wir uns zu resolviren wißen mögen was damit fürzunehmen und wie sonderlich dieses Contributions-Aufbot[31] zu unsern kaiserlichen Diensten applieziert[32] werden könne. Auf den Fall aber in selbigen Orten bereits etwas von den bemelten Friedland und Terzka davon verwandt oder abgefordert worden zu sein fürgegeben werden sollte, so soll Er, Graf Puchheimb alsobald auf der Wahrheit Grund zu kommen die Amtleut, Pfleger[33] und andere Inwohner examiniren. Inmaßen wir nicht zweifeln, Er, Graf von Puchheimb seiner bekannten Dexterität[34] und Geschicklichkeit nach alles auf angedeut Weis und unser gnädigsten Intetion[35] gemäß wohl recht zu incaminiren[36] wißen Insonderheit aber dieses alles bei sich allein in der Enge verbleiben laßen wird“.[37]

Am 1.3.1634 schrieb Suys aus Prag an Ferdinand II.: „ Eur Khay. Mtt. an mich gethanes schreiben habe ich von herrn Graff Adolphen von Puhann in aller vnderthenigsten gehorsamb vnd mit gebuerender reuerenz empfangen vnd vernomben, was massen Eur khay. Mtt. gemelten herrn Grauen auf die Fridland: vnd Trzkhischen guettern Commissions weis allergnädigst abgeferttiget. Habe derowegen alßbaldt dem Grauen von Pappenheimb[38] ordre ertheilt, das er ihme 400 Mann, oder sovil er wirdt von nöthen haben, abuolgen lassen. [ … ] Den Zyta[39] betreffend, souil ich von andern Leütten berichtet werde, hat von deß Fridlenders böeßen handl kheine wissenschafft, dan er hierzue nit sondern nur zur Haushalterey vnd Cammersachen gebraucht worden, von welchem er, souil im wissent, zum theil entdeckhet, wie Eur. Kay. Matt. Ich albereit allergehorsambist berichtet, vnd ist erbiettig, noch mehrers, was ihm müglich, auf die Ban zuebringen; bittet nur allein, man wolle in des arrests entlassen. Ich vermeine, er khonde heren Grauen von Puhann in seiner Commission vill dienstlich sein vnd nucz schaffen“.[40] Gallas wandte sich am 10.3.1634 an den Kaiser: „Anietzo habe ich gleichergestalt auf einkomene erinnerung Euer Kay. Mtt. dahin verordneten commissarij, des Graffen von Bucheimb, Ordinantz an alle vmbliegende Obristen abgehen lassen, daß, so lieb ihnen ihr Ehre ist, sie vnter den Ihrigen genaue inquisition, waß auß den fridländischen Herrschaften sich bei ihnen befindet, anstellen vnd nicht allein die begriffene Thäter ernst vnd vnnachläßig bestraffen besondern auch, waß von spolirten sachen annoch vorhanden, an gehörige orth hinwiederumb restituiren vnd fernere dergleichen excess auf alle Weise verhütten sollen. Vnd weil numehr nit zweifeln, es werden fürters alle gelegenheiten vnd Vrsachen zu weiteren Clagen benommen werden“. [41] Puchheim selbst unterrichtete Ferdinand II. am 16.3.1634 aus Jičin: „Auf Euer Kay. Maytt. allergnedigisten befehl, de dato Wien, den 5. diß, wegen 50 m.[42] Dukaten, weiß Ich vor dießmahl anders nicht gehorsamst zueberichten, alß, was vorhin vnterschiedtlich der vorhanden gewesenen 39 m. Dukaten halber geschehen; daß nemblich der verstorbene von Friedlandt noch bey seinem leben solche von hinnen abzuführen befohlen, deßwegen seine aigene handt vorhanden, vndt das hernach dieselbe auf Dreßden kommen sein sollen. Wie eß aber damit zuegangen, kann Ich den rechten grundt noch nicht wißen; hoffe doch in Kurtzem diejenigen Friedländischen ministros, so mit dem golde von hinnen abgeschiket, hier zue habenn; alßdann Euer Kay. Maytt. Ich weiter die wahre beschaffenheit hiervon vnterthänigist wißendt machen will. Würdt aber des Graffen Maxen von Waldstein[43] [Abb. Stein11] etc. Diener etwas außzuzeigen wißen, will Euer Kay. Maytt. allergnädigistem befehl ich gehorsambist nachleben.

Sonsten continuiret Graff Zdenko von Kolowrat[44] noch täglich, in meiner Commission mich zu turbiren;[45] will mich durchauß für keinen vollmächtigen Commissarium erkennen, zuemahlen, weiln Ich alleine von Euer Kay. Maytt. vndt nicht dero Statthaltern zue Prag etwas vorzueweisen habe; protestiret auch, daß mir der Vnterhalt nicht passiret werden solle; derowegen Euer Kay. Maytt. vmb eine assecuration[46] für mich vndt andere, die mir an die handt gehen, wie der Künfftigen der böhmischen Cammer ahnspruch gehorsambist zuebitten Ich wohl vrsache habe.

Schließlichen hetten Euer Kay. Maytt. auch allergnädigist zuerwegen, ob nicht rathsamber, das das Herzogthumb dieser Zeit noch, alß eine absonderliche provintz, etwa durch einen Statthalter guberniret würde, der mit denen des Landes kündigen beambten in vorigen terminis bliebe, ohne der böhmischen Cammer begrüeßung die albereit gemachte intraden[47] einbrächte vndt ahn die orthe, dahin sie von Euer Kay. Maytt. deputiret, wendete. Alleß zu Euer Kay. Maytt. allergnädigsten willen vndt resolution ohne maaßgebung alles gehorsambes gestellet, vndt zue beharrlichen Kayserlichen gnaden mich vnterthänigist empfohlen“. Im Postskriptum hieß es noch: „Welcher gestalt die einquartierung[48] deß Volkes vndt daher ruin vnd plünderung dießes landes nit vnterlaßen vndt werden will, ersehen Euer Kay. Matt. auß eingeschloßenen etxtracten (deren Ich viel vorzueweisen) gnedigist etc.“[49]

Puchheim wird erst 1639 wieder in den Kriegsberichten erwähnt.

Über die Niederlage der Kaiserlichen am 14.4.1639 berichtet Lehmann in seiner „Kriegschronik“ unter „Das gröste Unglück vor Chemnitz“:[50] „Der Schwedische General Leonhart Torsten-Sohn[51]wahr nun mit der hinderstellichen Armee und Artollerey[52] auß dem Stift[53] Halberstadt[54] aufgebrochen, Nach dem Fürstenthumb Altenburg[55] gerückt und zue Zeitz[56] den 2. April mit Banern[57] [Abb. rechts] sich conjungiret, und weil er kundtschaft eingezogen, daß die keyßerlichen und Chur-Sächsischen[58] zwischen Zwicke[59] und Chemnitz stünden und sicher legen, brach er den 3. April von Zeitz auf und eilte auf die keyßerlichen zue, ehe Hatzfeld,[60] der schon ezliche Regiementer zum Succurs vor Freyberg[61] geschickt hatte und nunmehr in March wahr, von Eichsfeld[62] durch Düringen mit den Chur-Sächsischen zuesammenzuestoßen, sich conjungiren kundte, schickte von Altenburg den General Schlangen[63] uff Zwicka und von dar mit wenig reutern mittin unter die Marzinischen[64] und Chur-Sächsischen. Der recognoscirte alles, wie sie lagen, und ritte wieder zum Baner. Der General Marzin wuste nicht, daß Baner so nahe, und daß Torstensohn zu ihme gestoßen sey. Doch bekam er 3. April abendts umb 5 Uhr kundtschaft, ließ seine Regiementer zuesammenziehen und befahl, daß Sie Morgens alle solten vor Chemnitz stehen. Des abendts zuevor war das keyßerliche Haupt-Quartier zum Honstein[65] gewesen; dohin kam Baner, der sich 4. April viel früher aufgemacht, mit aufgang der Sonne, traf doselbst in der retrogarden[66] 300 Pferde und jagte Sie ins Corpus, das vor Chemnitz stunde. Marzinhatte den Paß an einen Morast vor Chemnitz, den er durchmuste, mit Trajonern[67] besezt, damit der feind nicht da durchbreche, aber es halfe nichts. Baner sezte an, brachte in der eil uber 4 Regiementer zue Pferde, Sein leib Regiement,[68] des Torsten-Sohns, Hans Wachtmeisters[69] und Hans Wittenberg(s),[70] darzue viel Wagehälse, die theils in nachjagen ermüdeten und sich in Marrast durchwuhleten, uber den Marrast hatte (er) die andere Armee ihme nach commandirt, jagte die Trajoner weg, hiebe durch, machte das felt unsicher und nahmb dem Marzin die Höhe, welcher unter deßen, Ehe der feindt uber den Pas kommen, Zeit gehabt, sich zue stellen.

Gegen die Statt sazte er an einen Marrast den lincken Flügel, der meist von Curaßiren[71]  bestundte, hinder Chemnitz aber uber den fluß den rechten flügel, die wahren viel stärcker an Volck, den der feindt, hatten stücke[72] und Munition bey sich, welches dem feinde noch zur Zeit fehlte. Baner thete mit seinen regiement den ersten angrif an Lincken flügel und litte schaden, die andern 3 Regiementer entsazten ihn, und kamen andere Regiementer mehr darzue und jagten den Lincken flügel in disordre an 2 marrastigen graben, drüber Sie nicht kommen kunten, zum großen Vortheil der Schwedischen; den was nicht gegen Chemnitz zum rechten flügel entkam, das wurde alles entweder gefangen oder Niedergehauen. Weil nun der Schweden volle Armee auch ankommen wahr, wurde commandirt, wer reiten kundte, sezten derowegen die Schwedischen regiementer durch den fluß Chemnitz und chargirten[73] den rechten flügel, der schon gewichen und sich hinder 3 Morrastigte Dämme gesetzet hatte, gingen doch fort und wurden meist niedergehauen. Das Fußvolck drengte Sich an ein Wäldlein nach der Stadt und trachtete ferner an Walt 400 schrit gegen den gebirge und wolte außreißen. Baner ließ ihnen vorbeugen durch General-Major Stalhansen,[74] Herr Major[75] Pfulen,[76] Obrist Schlangen[77] Regiement und 1 Esquadron[78] von Konigsmarck[79] untter Obrist-Leutenant Hammerstein,[80] die hohleten Sie ein, machten ezliche 100 nieder, nahmen den Rest gefangen und richteten damit die keyßerliche, Chur-Sächsische und Salische[81] armee auf einen tag hin, verfolgeten die flüchtigen Nach Leipzig,[82] Freyberg, Annen[83]- und Marienberg.[84] Der General Marzin kam kümmerlich darvon ohne hut und mit einen Pferd biß an die Seigerhütte[85] an die Flöhe.[86] 800 blieben auf der Walstat,[87] 2000 zue fuß wurden gefangen, 40 standtarten,[88] 20 fahnen,[89] alle stücke, munition und Pagage[90] bliebe in stich. Das thaten die Schweden nur mit der Avangardia von lauter Reutern, und ist kein Canonschuß darzue kommen, welches der Churfürst[91]  dem General Marzin, den er mit den Calenbergischen[92]  Regiement nach Dresden[93] confoiren ließe, heftig verwiese, von seinen Reutern 400 wiedersamlete und den rest von allen seinen Regiementern den Obristen Wachtmeister Trautischz[94] ubergabe, der reformirte Sie und nahm sie mit sich in Böhmen. Da hatte des Marzins Commando ein Ende.

Die keyßerlichen gingen nach Pirn,[95] Frauenstein,[96] in Böhmen nach Brüx[97] und Prag. Viel wahren nach diesen gebirgen geflohen und gingen die gantze Nacht durch Elterlein[98] auf Annenberg mit blutigen Köpfen, ferner hienunder biß nach Dresden, darüber alles rege und furchtsam wurde in Gebirge, alle Flecken und Dörfer rißen auß nach den Wäldern und in die Städte. Den 5. April sahe mann noch immer einzlich die geschlagenen reuter auf allen straßen nach Böhmen reiten, die leute untterwegens angreiffen, den Sie sehr hungrich thaten und wurden eines theils an Päßen mit Pulver und bley gespeist, daß Sie des hungers vergaßen, ehe sie in Böhmen kommen. Die Schweden haben ihnen auch nachgesezet in das gebirg undt vor Annenberg etliche Chur-Sächsische weggenommen“.[99]

Das „Theatrum Europaeum“[100] berichtet sehr ausführlich über diese Ereignisse: „Nichts destoweniger aber hat Hr. General Banner  / wiewol er auch von Käis. und Chur-Bäyerischem Volck um ein zimliches übermannet gewesen / bey obbesagtem Hohenstein / nahend Kemnitz / dergestalt gefochten / daß nicht allein seines Feindes (die reichsArmada genennet) meinste Infanterie, von sehr gutem Volck / und dabey so viel hohe / als untere officirer[101] / guten theils darauff gangen / sondern auch die Cavallerie zertrennet worden / das geschütz und alle Bagage in zimlicher Anzahl im Stich geblieben / und hat sich so gar die Schwedische Reuterey auch deß an ihrer reuterey vor freyberg erlittenen Schadens von diesem Treffen wiederum erholet: von welchem allem uns für gut angesehen / das außführliche Schreiben / so Hr. General Banner hiervon an einen hohen der Cron Schweden Bedienten alsbald abgehen lassen / hierbey in Druck mitzugeben / also lautend: Meinem jüngsten Schreiben zu Folge / habe ich die Conjunction mit dem Herrn General der Artillerie Leonhard Dorstensohn / am 2. dieses zu Zeitz effectuiret / und wie ich die gewisse Kundschafft von meinen außgehabten Partheyen / die mir von unterschiedenen deß Feinds rencontrirenden[102] und niedergehauenen Partheyen häuffig gefangenen einbracht / erhalten / daß der Feind / als die Käiserl. und ChurSächs. Armee / zwischen Kemnitz und Zwickau sich befinden thäte / habe ich darbey considerirt / wie hochnöthig es seyn wolle / ohne Säumnüß mein Heyl an diesen zu versuchen / ehe Hatzfeld / wie bißhero / sowohl von Herrn[103] / als auch von Minden[104] / Hamburg[105] und Erfurt[106] / und andern vielen Orten / mehr Bericht geschehen / daß er im marchiren übers Eichsfeld und durch Thüringen begriffen / zu ihnen stossen möchte / bin derowegen am 3. dieses zu Zeitz auffgebrochen / und desselben Tags biß an Kemnitz avancirt / indem auch einen Gefangenen bekom̃en / der soviel außgesagt / daß der Feind noch also elargiret still ligē / und von meiner Ankunfft nicht wissen sollte / mich darauff resolviret / dieselbe Nacht zeittlich auffzubrechen / ihnen zwischen die Quartier einzugehen / und also von ihnen auffzureiben / soviel ich immer gekönt / und Gott der Allmächtige darzu Glück / Segen und Heil verleihen / und die Gelegenheit Anweisung gethan hätte. Es hat zwar der Feind bemeltes Abends um 6. Uhr Nachricht von mir und Alarme bekom̃en / auch die armee zusammen gezogen / und gegen Morgen zeitlich auff den Rückritt gegen Kemnitz sich begeben / als ich aber gleichwohl auch sehr frühe noch vor der Sonnen Auffgang auffgebrochen / meinen March nacher Glaucha[107] gerichtet / gerichtet / und also zeitlich zu Hohenstein / da den Abend zuvor deß Feinds Haupt-Quartier gewesen / habe ich in seinen Retrogarden in 300. Pferd starck angetroffen und dieselbe verfolgt / biß in das Corpus, so allbreit nahe allhie bey Kemnitz gewesen / eingejagt / und weil ich einen Morastigen Ort vor mir zu filiren gehabt / den der Feind mit Dragonern besetzt / hat er Gelegenheit erlangt sich zu stellen / demnach den lincken Flügel / so mehrentheils in Cürassirern bestanden / dahinden / und auff die Seit Kemnitz / den rechten Flügel aber weiter hinter sich / über den Fluß die Kemnitz genant / hinter der Stadt / auch gesetzet / darauff ich mit meiner Guarde von Dragonern / an bemelten Morastigen Paß / dahin wegen der Tieffe deß Sumpffs nicht zu kommen war / zu Fuß übergesprungen / nach wenigem disputiren / deß Feindes Dragoner gewichen / quittiret / und mir die Occasion zum filiren[108] geöffnet / welcher ich also wahrgenommen / dem Feind die Höhe zu nehmen / und das Feld unsicher zu machen / so auch geschehen / also daß ich Anfangs mein Regiment / wie auch des Herrn General Dorstensohns Obrist Hanß Wachtmeisters / und Obr. Wittenbergs Regiment / überbracht / wovon wegen deß grossen Eilens / viel Reuter / so ermüdet waren / zurück geblieben / hinweg gewesen / damit erwehnten lincken Flügel chargirt[109] / mit meinem Regiment den ersten Angriff gethan / und wegen empfundenen Widerstands in Schaden gerathen / aber weil deß Herrn Generaln / wie auch Hanß Wachtmeisters und Wittenbergs Regiment / auch zeitlich genug dem Feind zu schaffen gegeben / ist dieser lincke feindliche Flügel / so in Disordre kommen / und zu seinem grossen Schaden / und unserm trefflichen Vortheil zween grosse Morastige Gräben hinter sich gehabt / biß auff weniges / so sich an den rechten Flügel zu entfliehen / hat gearbeitet / gantz nidergehauen / wir starck nachgedrungen / auch fort und fort / wegen Ankunfft und mehrer Versammlung der unsern / je mehr und mehr verstärcket worden / solches ohne Säumnüß gethan / und 3. Dämme zu filiren / gehabt / hinder welche sie sich zwar hätten setzen / und Widerstand thun können / aber weil der Muth gantz entsuncken / haben die unserige alles niedergehauen / und wenig darvon kommen lassen / das Fußvolck aber / hat sich zwar an die Stadt gedrenget / gleichwol durch einen kleinen Wald / nahe bey der Stadt / so nur 400. Schritt von einem andern Wald / gegen den Gebürge werts distiret[110] / sich zur Flucht wenden wollen / denen ich aber Hn. General Major Stallhansen / Herrn Major Pfuls / und Obr. Slangens Regimenter / und von den Königsmarckischen eine Squadron / unter ihrem Obrist-Lieutenant Hammerstein / nachgeschickt / die sie umringet / und auch totaliter ruiniret und geschlagen / also daß nunmehr / was Salis bey sich gehabt / schon vernichtiget / in dieser glücklichen Expedition die gantze Käiser. und Chur-Sächsische Armee zu Grund gerichtet / Stücke[111] / Munition / Fähnlein und Standarten / darvon mir die Anzahl / weil noch die wenigsten einbracht / nicht soeben bewust / so dann alle Bagage der Generalen / Officirer und gemeinen zu Fuß erobert / und eine treffliche Anzahl Officirer gefangen worden : von denen so man in der Eil weiß / und von hoher Importantz seyn / ist der GeneralWachtmeister[112] der Cavallerie Graf von Puchheim[113] / Obr. Webel[114] / Obr. Wangeler[115] / der biß auff den Tod verwundet / der Obr. Lieutenant Paradiser[116] / von Marq. de Grana,[117] Obr. Lieutenant Wachenheim[118] von Graf Schlicken[119]/ und eine große Anzahl Majorn / Rittmeister[120] / Hauptleute[121] / Lieutenant[122] / Cornet[123] und Fähnrich[124] / die Specification wird von den Regimentern colligirt / / soll ohne Säumnuß in Form gebracht / und dem Herrn mit ehistem nachgeschickt werden: an unserm Ort weiß man noch von keinem Officirer / so sonderlich Namkündig / die gequetscht oder geblieben wären / als deß Herrn Gen. Stallhanß Obr. Lieutenant / so geblessiret / und der junge Graf von Witgenstein[125] / der unter Hn. General Pfuls[126] Regiment gewesen / etc. etc. Datum im Haupt-Quartier zu Chemnitz / den 5. April. Anno 1639“.[127]

Der Eroberer von Landsberg an der Warthe[128] und Brandenburg an der Havel[129] wurde in Prag bei einem Turnier erschossen. Die in Frankfurt/M.[130] erscheinende „Historicæ Relationis Semestralis Continuatio“ berichtete unter dem November 1639 ihren Lesern: „ZU Prag wurde am S. Leopoldi Tag (ward der 15. dieses: ) Ihr Hochfürstl. Durchl. ErtzHertzog Leopold Wilhelmen[131] [Abb. links] etc. zu Ehren / im Thiergarten daselbst / zum Stern genannt / ein schiessen zugerichtet / da man nach einem auffgerichtem höltzernen Mann geschossen / welchem Herr Graff von Buchheim / als Käyserlicher GeneralWachtmeister / neben andern Herren vnnd Cavallieren / auch beygewohnet. Als nun dessen Page[132] jhme die Pistolen 2. mal geladen / hat sich darauff das Vnglück begeben / daß in vberreichung der Pistolen selbige loß / vnd wolgedachtem Herrn Graffen in das dicke deß Beins[133] gangen / an welcher Wunden er deß andern Tags hernach gestorben. Der Page aber / weil er daran keine Vrsach / ist von dem von Buchheim vor vnschuldig gehalten / vnnd jhme deßwegen Perdon widerfahren“.[134]

Borri[135] teilte Piccolomini[136] unter dem 19.11.1639 aus Prag mit: Gallas habe die Stadt verlassen, während sich Erzherzog Leopold Wilhelm noch dort aufhalte. Die Stadt werde gegen Banér befestigt. Puchheim sei nach einem unglücklichen Schuss aus seiner Pistole, die ihm sein Page reichte, gestorben.[137]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Die Diarien.

[2] Raabs an der Thaya; HHSÖ I, S. 486ff.

[3] Krumbach in der Buckligen Welt [Bez. Wiener Neustadt-Land, Niederösterreich].

[4] Kämmerer [Kammerherr]: An deutschen Höfen findet man den Titel etwa ab dem 16. Jahrhundert mit der Einführung des spanischen Hofzeremoniells durch die Habsburger. Zuerst ist es ein Titel am kaiserlichen Hof, der v. ranghohen Adeligen bekleidet wird. Mit der Zeit gingen die Titel auch auf rangniedrigere Fürsten, Grafen oder Freiherren über. An kurfürstlichen Höfen setzte sich diese Bezeichnung seit Mitte des 17. Jahrhunderts durch. Der Titel Kammerherr wurde üblicherweise einer Person verliehen, die bereits einen anderen hohen Rang innehatte. Der Umfang der mit dieser Bezeichnung verbundenen realen Pflichten variierte v. Hof u. zu Hof u. änderte sich auch im Lauf der Zeiten. Der Dienst wurde monatlich oder wöchentlich verrichtet. Er bestand in zeremoniellen Handreichungen beim An- u. Auskleiden, der Begleitung beim Ausfahren, Ausreiten oder auf Reisen. Üblich waren auch Sekretärsdienste wie die Organisation v. Privataudienzen oder die Entgegennahme v. Bittschriften beziehungsweise die Bedienung des Fürsten beim Essen an der Tafel oder die Teilnahme an Gesellschaftsspielen mit dem Fürsten. Kammerherren konnten auch als Abgesandte an andere Höfe geschickt werden, um dort Botschaften, Gratulationen oder Beileidsbekundungen zu überbringen. Mit dem Rang eines Kammerherren war eine Besoldung verknüpft. Sie hatten das Recht an der rechten Hüfte einen mit einem Band befestigten silbernen, vergoldeten oder goldenen Kammerherrenschlüssel zu tragen [nach Wikipedia]. Der kaiserliche Titel wurde während des DK fast schon inflationär vergeben.

[5] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[6] General(feld)wachtmeister [schwed. generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten u. verwandtschaftlichen u. sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. So erhielt er pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 33 Rt. 26 Alb. Anteil; HOFMANN, Peter Melander, S. 155. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen u. dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen u. dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen u. dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden u. Regimenter im Felde u. beim Marsch.

[7] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[8] Vgl. BROCKMANN, Dynastie; BIRELEY, Ferdinand II.

[9] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Feldmarschall u. Generalleutnant. 1606 Eintritt in spanische Dienste, 1615-1617 Teilnahme am Friaulischen Krieg, 1618 Beförderung zum Hauptmann, Kommandant v. Riva u. Bekanntschaft mit Johann v. Aldringen. Durch dessen Vermittlung 1629 Wechsel aus kurbayerischen in kaiserliche Dienste, nachdem Gallas die Festnahme wegen Unbotmäßigkeiten u. Erpressungen angedroht worden war. Am 18.7.1630 zusammen mit Aldringen Beteiligung an der Plünderung Mantuas, wo er (nach heutigen Begriffen) ein Millionenvermögen erbeutete. Am 10.3.1632 Erhebung in den Reichsgrafenstand, am 13.10.1632 Ernennung zum kaiserlichen Feldmarschall, im September 1633 zum Generalleutnant unter Wallenstein. Zusammen mit Aldringen u. Piccolomini betrieb Gallas die Entlassung Wallensteins. Am 24.1.1634 Übernahme des Oberbefehls über das kaiserliche Heer, nach Wallensteins Ermordung, deren Planung und Durchführung er Piccolomini überlassen hatte, erhielt er dessen Herrschaft Friedland. Am 5./6.9.1634 hatte Gallas entscheidenden Anteil am Sieg über die Schweden bei Nördlingen. Sein schlechter Ruf als Trinker u. Spieler sowie glücklos verlaufene Feldzüge wie im Winter 1633 in Schlesien, 1635/1636 in Lothringen, 1637 gegen Johan Banér u. im Winter 1644 im Rückzug vor Lennart Torstensson brachten ihm bis heute den Ruf eines “Heeresverderbers” ein. Im November 1639 wurde Gallas entlassen, anschließend erneut berufen, im Januar 1645 wiederum entlassen, um dann von Dezember 1646 bis zu seinem Tod letztmalig das Kommando zu übernehmen. Vgl. REBITSCH, Gallas I; REBITSCH, Gallas II; BECKER, Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[10] Pilsen [Plzeň, Tschechien]; HHSBöhm, S. 444ff.

[11] KAMPMANN, Reichsrebellion.

[12] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[13] Christian Freiherr v. Ilow [Illo, Illow, Illau] [um 1585 Sternberg-25.2.1634 in Eger ermordet], kaiserlicher Obrist, Feldmarschall.

[14] Adam Erdmann Graf Trčka z Lipy [Terzka] [1584, 1599, 1600-25.2.1634 Eger], kaiserlicher Obrist, Feldmarschallleutnant.

[15] MIECK, Wallenstein, S. 174f.

[16] Feldmarschallleutnant [schwed. fältmarskalk lieutenant, dän. feltmarskal løjtnant]: Der Feldmarschallleutnant war ein militärischer Dienstgrad, der gleichzeitig mit dem des Feldmarschalls im 17. Jahrhundert aufkam. Der Kriegsherr pflegte einem Feldmarschall einen „Untermarschall“ oder „Leutnant“ beizugeben, der den Feldmarschall zu unterstützen u. zu vertreten hatte. Zu seinen Pflichten gehörten u. a. die Aufsicht über Proviantplätze u. -straßen, die Kontrolle der Wachen usw. Kaiserliche Generalkriegskommissare wie Ossa standen meist im Rang eines Feldmarschallleutnants.

[17] Ernst Roland, Baron de Grysort [Grisart, Chrisom], Graf v. Suys [Soise, Soisse, Sois, Suis, Suise, Suisi, Soy, Suse, Suy, Suyss, Duys] u. Tourabel [ -1645], kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[18] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung v. Festungen u. Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. JANSSEN, Bellum iustum, S. 137: „Sei der Krieg als Mittel zur Erhaltung der Gerechtigkeit unter den Menschen gestattet, so sei auch das Beutemachen in einem gerechten Krieg als ein legitimes Mittel, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen oder von der Führung eines ungerechten Krieges abzuschrecken, gerechtfertigt. Daß dem Feind alle Güter, die ihm zur Schädigung der gerechten Sache dienen, entwendet werden dürften, liegt, so Grotius, auf der Hand. Des weiteren gäbe es drei schwerwiegende Gründe, aus denen es gerecht erscheine, die Güter des Feindes in Besitz zu nehmen. 1. Als Ausgleich für die Güter, die der gegner sich entweder vor oder während des Krieges widerrechtlich angeeignet hat; 2. Als Entschädigung für die Kriegskosten, die dem gerecht Kriegführenden entstanden sind; 3. Als abschreckende Strafe für den Übeltäter. Sich den Besitz des ungerechten Feindes aus Habgier anzueignen, sei jedoch nicht zulässig. Der gerechte Krieg rechtfertige nicht die Plünderung des Gegners“. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen u. Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames u. ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. v. Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“ Auch eigene Einheiten fielen über andere Einheiten her, um sie auszuplündern, wie etwa 1634 in Leipheim; BROY, Leipheim, S. 146f.

[19] Jičin [Jičín, Tschechien]; HHSBöhm, S. 233f.

[20] Nachod [Náchod, Tschechien]; HHSBöhm, S.  386f.

[21] MANN, Wallenstein, S. 909f.

[22] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.; nach Maximilian I. „Schlüssel des Bayernlandes“; denn „mit Forchheim und Kronach steht und fällt das ganze Stift“ [zit. bei KUPFER, Forchheim, S. 64.].

[23] Johann] Friedrich v. Schletz [Schlez, Schleuß, Schlentz, Schlitz, Schletzer] [ -1658 Wasserburg], kurbayerischer Obrist.

[24] Nach HURTER, Wallenstein’s vier letzte Lebensjahre, S. 479, im April 1639.

[25] Kriegsonera: Kriegslasten.

[26] onerieren: belasten, aufbürden, abladen, abwälzen, anlasten, aufladen.

[27] spolieren: berauben, plündern, stehlen.

[28] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung v. Festungen u. Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. JANSSEN, Bellum iustum, S. 137: „Sei der Krieg als Mittel zur Erhaltung der Gerechtigkeit unter den Menschen gestattet, so sei auch das Beutemachen in einem gerechten Krieg als ein legitimes Mittel, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen oder von der Führung eines ungerechten Krieges abzuschrecken, gerechtfertigt. Daß dem Feind alle Güter, die ihm zur Schädigung der gerechten Sache dienen, entwendet werden dürften, liegt, so Grotius, auf der Hand. Des weiteren gäbe es drei schwerwiegende Gründe, aus denen es gerecht erscheine, die Güter des Feindes in Besitz zu nehmen. 1. Als Ausgleich für die Güter, die der gegner sich entweder vor oder während des Krieges widerrechtlich angeeignet hat; 2. Als Entschädigung für die Kriegskosten, die dem gerecht Kriegführenden entstanden sind; 3. Als abschreckende Strafe für den Übeltäter. Sich den Besitz des ungerechten Feindes aus Habgier anzueignen, sei jedoch nicht zulässig. Der gerechte Krieg rechtfertige nicht die Plünderung des Gegners“. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen u. Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames u. ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. v. Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“ Auch eigene Einheiten fielen über andere Einheiten her, um sie auszuplündern, wie etwa 1634 in Leipheim; BROY, Leipheim, S. 146f.

[29] impatroniren: bemächtigen.

[30] Nachod [Náchod, Tschechien]; HHSBöhm, S.  386f.

[31] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) u. Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), u. der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer u. Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare u. Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph v. Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister u. Advokat Johann Georg Maul [? -nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph v. Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung v. Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. In den bei Angriffen u. Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten u. um ein freies Schussfeld zu haben.

[32] applizieren: anwenden, verwenden, gebrauchen.

[33] Pfleger: a) SCHWEMMER, Burg und Amt Veldenstein-Neuhaus, S. 97: „Der Oberamtmann, auch Pfleger genannt, wurde immer aus dem Adelsstande genommen u. führte zusammen mit dem Vogt, in der Regel einem Juristen, die Verwaltung des ihm anvertrauten Bezirkes. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Beamten war jedoch seit dem 16. Jahrhundert so, daß der Vogt auch in Abwesenheit des Oberamtmannes ohne Rückfrage bei diesen alle Amtshandlungen vornehmen konnte u. unmittelbar der Landesregierung in Bamberg unterstand; der Oberamtmann dagegen konnte ohne Zuziehung des Vogtes keine wichtige Entscheidung treffen. Dieser erste adelige Beamte hatte im Mittelalter, ja auch noch im 16. und 17. Jahrhundert, das militärische Kommando über den Amtsbezirk, vor allem über die Burg; schon deshalb gehörte er immer dem Adel an; erst als diese[r] militärisch keine Rolle mehr spielte, war seine Stellung mehr repräsentativer Natur. Die höchsten juristischen u. Verwaltungs-Befugnisse standen nicht dem Oberamtmann, sondern einzig u. allein dem Vogte zu. Er hatte im Amtsbezirk Recht zu sprachen u. über die Landeshoheitsrechte zu wachen, er konnte zu seiner Entlastung aus der Einwohnerschaft Richter ernennen“. b) Verwalter eines Gerichts- oder Verwaltungsbezirks (Landgericht), v. Gemeinde- u. anderen Ämtern, Spitälern, hilfsbedürftigen Personen usw., häufig synonym mit Vogt u. Amtmann gebraucht.

[34] Dexterität: Geschicklichkeit, Gewandheit.

[35] Intention: Absicht, Zweck.

[36] incaminieren: in Gang bringen, bewegen. einleiten, anzetteln, einfädeln.

[37] FÖRSTER, Albrecht von Wallensteins [ … ] Briefe 3. Bd., S. 205f.

[38] Philipp Graf v. Pappenheim-Alesheim [1605-1651 ?], kaiserlicher Obrist.

[39] Johann Caspar Sitt v. Arnau auf Streitburg u. Wostrey, friedländischer Kammerrat.

[40] HALLWICH, Wallenstein’s Ende II, Nr. 1508, S. 495f.

[41] HALLWICH, Wallenstein’s Ende II, Nr. 1528, S. 513f.

[42] 50.000.

[43] Maximilian [Max] Graf v. Waldstein [z Valdštejna] [1598 Znaim-19.2.1655 Wien], kaiserlicher Generalwachtmeister. http://kaiserhof.geschichte.lmu.de/10031.

[44] Zdenĕk Lev Graf (1624) v. Kolovrat-Lipštejnský [ -24.32.1640], Unterkämmerer der königlichen Leibgedingstädte, Hauptmann des Leitmeritzer Kreises.

[45] turbiren: stören.

[46] Assecuration: Versicherung.

[47] Intraden: Einkünfte.

[48] Einquartierung: Die kostenaufwendige Einquartierung v. Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren u. Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen u. Steueraufkommen u. auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften u. Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten u. Abgabe v. Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Universitätsangehörige, Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte u. Gastwirte. 50-75% Anteil in Bezug auf die Bevölkerungszahl galt es verkraftbar. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. Nach dem Überlinger Dr. Pflummern; SEMLER, Tagebücher, S. 393 (1642); sind „dise völckher zu roß vnd fůß nicht darumb zu vnß kommen, vnß oder daß land vor dem feind zu sichern, oder gegen denselbigen sich im veld sehen zu lassen, sonder allein hinder den mauren oder vnderm tach den bauch vnd seckhel zu füllen vnd alßdan den weeg weitter zu nemmen vnd vnß dem feind zum raub zu hinderlassen“. In den Quartieren gab es zudem Mord u. Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger u. Bauern waren trotz demonstrativ errichteter Quartiergalgen u. hölzerner Esel alltäglich. Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph III, S. 359. Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden m mußen“. Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Zur Einquartierung Königsmarcks in Verden wird berichtet; PFANNKUCHE, Die neuere Geschichte, S. 123: „mit einem Reiterregimente von 12 Compagnien und mit 4 Compagnien Dragoner, so daß auf die größeren Häuser eine Einquartierung von 30 Mann und darüber mit den Pferden fiel. Während 12 Tage, die dieser Druck dauerte, wurden überdem Lieferungen von Kleidern, Stiefeln, Schuhen, sogar auch Degen u. s. w. und von den vermögenderen Bürgern zu Gunsten einzelner Officiere Summen von 50, 60, 80 auch 100 Thalern beigetrieben“, was letztlich die Einwohner in die Flucht trieb. Eine längere Einquartierung konnte so den Ruin ganzer Gemeinden u. Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger v. Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644):  „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“ VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Leipzig 1643; VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 609: „Den 2 Augusti hat sich ein 70jähriger Mann / Richter zu Zwey Nauendorff / aus Furcht / weil er von dem Käyserlichen Anmarch gehöret / selbst erhencket“.

[49] HALLWICH, Wallenstein’s Ende II, Nr. 1537, S. 521f.

[50] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[51] Lennart Torstensson [Torstensohn, Torsten-Sohn], Graf zu Ortala u. Freiherr v. Virestad [17.8.1603 Forstena im Kirchspiel Västra Tunhem (Västergötland)-7.4.1651 Stockholm], einer der fähigsten schwedischen Heerführer, der durch die Schnelligkeit seiner Operationen berühmt wurde. 1618 Kammerknecht bei Gustav II. Adolf, 1621 Teilnahme an der Eroberung Rigas, 1624 Fähnrich, 1626 Kapitän, 1627 Obristleutnant, 1629 Obrist. Teilnahme an der Schlacht v. Breitenfeld am 7./17.9.1631, Sommer 1632 General der Artillerie, 24.8.1632 Gefangennahme beim Sturm auf die Alte Veste bei Zirndorf u. Inhaftierung mit schweren gesundheitlichen Schäden in der Festung Ingolstadt, März 1633 Auswechslung gegen Otto Friedrich Graf v. Harrach, den Schwager Wallensteins. Dezember 1634 Reichszeugmeister, 1641 Reichsrat, Feldmarschall u. Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen auf Reichsboden, 2.11.1642 Sieg in der 2. Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1643 Marsch nach Dänemark, Januar 1645 erneuter Einfall in die kaiserlichen Erbländer u. Vorstoß bis vor Wien, 6.3.1645 Sieg bei Jankau, September 1645 Rückzug nach der vergeblichen Belagerung Brünns, April 1646 Rückkehr nach Schweden, 1647 Erhebung zum Freiherrn u. Grafen, Mai 1648 Generalgouverneur über Västergötland, Värmland, Dal u. Halland. Vgl. TINGSTEN, Fältmarskalkarna Johan Baner och Lennart; HOLMBERG, Lennart Torstenson S. 13 ff.

[52] Artillerie: Zur Wirksamkeit der Artillerie vgl. ENGLUND, Verwüstung Deutschlands, S. 424f.: „Sowohl bei sogenannten Kernschüssen als auch bei Visierschüssen zielte man mit dem Geschützrohr in mehr oder weniger waagrechter Position. Ein in dieser Position eingestellter Neunpfünder hatte eine Reichweite von etwas über 350 Metern. Dann schlug die Kugel zum erstenmal auf dem Boden auf, wonach sie regelmäßig einen Sprung machte und noch einmal 350 bis 360 Meter flog, bevor sie kraftlos erneut aufprallte – acht von zehn Kugeln sprangen mindestens dreimal auf. (Der Abprall hing davon ab, ob der Boden eben oder buckelig und uneben war.) Die Kugel flog die ganze Zeit in Mannshöhe. Sie konnte also auf ihrer gesamten Bahn töten und verwunden, und wenn sie im rechten Winkel durch eine dünne Linie von Männern schlug, pflegte sie im Durchschnitt drei Mann zu töten und vier oder fünf zu verwunden, aber es kam auch vor, daß eine einzige Kugel 40 Menschen auf einen Schlag tötete. Menschen und Tiere wurden meistens mit einem hohen und entsetzlichen Reißgeräusch zerfetzt. Es gibt Beschreibungen von Schlachten dieses Typs – wie es aussah, wenn brummende Vollkugeln in die von Pulverdampf eingehüllten und dicht gestaffelten Reihen aufrecht stehender Männer einschlugen: In der Luft über den Verbänden sah man dann eine kleine Kaskade von Waffenteilen, Rucksäcken, Kleidern, abgerissenen Köpfen, Händen, Beinen und schwer identifizierbaren menschlichen Körperteilen. Der tatsächliche Effekt beruhte in hohem Grade auf der Größe der Kugel. Leichte wie schwere Geschütze schossen im großen und ganzen ihre Kugeln mit der gleichen Anfangsgeschwindigkeit ab, etwas unter 500 Meter in der Sekunde, doch je größer die Kugel war – das Kaliber in Pfund bezeichnet das Kugelgewicht – , desto höhere Geschwindigkeit und Durchschlagskraft hatte sie, wenn sie ihr Ziel erreichte: die Beine und Muskeln und Zähne und Augäpfel eines Menschen auf der anderen Seite des Feldes“. Der technische Aufwand war beträchtlich bei 60-Pfündern rechnete man für 8 Tage à 30 Schuss 3 Ztr. Pulver, 13 Wagen mit 99 Pferden, dazu 3 Knechte u. 2 Büchsenmeister sowie deren Zubehör. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach, S. 575ff. Bei den Schweden führte eine Kompanie die Regimentswaffen, drei Kompanien führten die schweren Waffen, während eine Kompanie die „Feuerwerker“ transportierte und eine weitere die für eine Belagerung erforderlichen Bergleute bzw. Mineure. Zu jeder Kompanie gehörte ein Schütze („konstapel“) und ein Assistent („handlangere“), größere Geschütze erforderten zwei Assistenten und ein „styckjungere“, die sich in zwei Kanonen teilten, im Bedarfsfall wurden Musketiere ausgeliehen. Zudem war die Tätigkeit bei der Artillerie nicht nur schwer, sondern hochgefährlich, da des Öfteren in Schlachten (etwa bei Wimpfen 1622) die Munitionswagen explodierten.

[53] Stift: Das Hochstift bzw. Erzstift war das weltliche Herrschaftsgebiet eines geistlichen Reichsfürsten und dessen Verwaltung.

[54] Halberstadt [LK Harz]; HHSD XI, S. 169ff.

[55] Altenburg [LK Altenburger Land]; HHSD IX, S. 6ff.

[56] Zeitz [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 519ff.

[57] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. 1614 Offizier unter Gustav II. Adolf v. Schweden, 1620 Beförderung zum Hauptmann, 1621 zum Obristen, 1623 zum Generalmajor, 1630 zum Generalleutnant, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1632 Übernahme des Oberbefehls in Süddeutschland, 1633 Beförderung zum schwedischen Feldmarschall u. Übernahme des Oberbefehls über die in Schlesien stehenden Truppen. Nach der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 Bruch mit Sachsen, Zurückdrängung seiner Armee nach Norden, am 4.10.1636 Sieg bei Wittstock über kaiserlich-sächsische Truppen unter Melchior v. Hatzfeldt, Eroberung Erfurts u. Belagerung Leipzigs, nach Verstärkung seines Heeres durch Truppenkontingente des verstorbenen Bernhards v. Sachsen-Weimar 1640/1641 vergeblicher Vorstoß auf Regensburg, anschließend Rückzug nach Böhmen u. Sachsen. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[58] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer.

[59] Zwickau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 380ff.

[60] Melchior Friedrich Gottfried Reichsgraf Hatzfeldt [Hartzefeld] v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], Bruder des Würzburger Bischofs Franz v. Hatzfeldt, für den geistlichen Stand bestimmt, kaiserlicher bzw. kurbayerischer Feldmarschall-Leutnant, Generalfeldzeugmeister u. Feldmarschall. Am 6.8.1623 Teilnahme am Kampf bei Stadtlohn, 1625 Wechsel ins Heer Wallensteins als Obristleutnant unter Franz Albrecht v. Sachsen-Lauenburg, 1627 Teilnahme am Feldzug gegen die Dänen, 1629 Marsch nach Mantua, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, 1632 Obrist u. Kommandeur eines eigenen Regiments, 1633 Beförderung zum Feldmarschallleutnant, 1634 wurde er Generalfeldzeugmeister u. 1635 Feldmarschall wegen der Verdienste um die Eroberung Kaiserslauterns, am 4.10.1636 Niederlage in der Schlacht bei Wittstock gegen Johan Banér als militärischer Ratgeber Johann Georgs I. von Sachsen, 1637 Venichtungsfeldzug in Sachsen, am 17.10.1638 Sieg bei Vlotho über Ruprecht v. der Pfalz, 1639 Belehnung mit der Herrschaft Gleichen (Thüringen) durch den Kurfürsten v. Mainz (diese Belehnung zwang Johan Banér 1640 zur Aufhebung der Belagerung Leipzigs), 1641 Erwerb der Herrschaft Trachenberg in Schlesien aus dem Besitz des hingerichteten Wallenstein-Anhängers Hans Ulrich v. Schaffgotsch, Kommandeur der kaiserlichen Armee in Westfalen, 1641 Eintritt in kurbayerische Dienste wegen Differenzen mit Matthias Gallas, am 24.11.1643 Erfolg in der Schlacht bei Tuttlingen über die Franzosen unter Josias von Ranzau, 1644/1645 Ernennung zum Kommandeur der kaiserlichen Hauptarmee, am 6.3.1645 Gefangennahme in der Schlacht bei Jankau. Am 30.8.1657 zum kaiserlichen Heerführer gegen die Schweden in Polen ernannt, eroberte Hatzfeldt Krakau.

[61] Freiberg [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 99ff.

[62] Eichsfeld: historische Landschaft u. Teil des Fürstbistums Mainz im südöstlichen Niedersachsen, im nordwestlichen Thüringen u. im nordöstlichen Hessen zwischen Harz u. Werra. Die größten Orte des Eichsfelds sind die Städte Dingelstädt, Duderstadt, Heiligenstadt u. Leinefelde-Worbis sowie der Flecken Gieboldehausen.

[63] Erik [Erich] Klarson Slang [Slange, Schlange, Schlang, Schlangk, Schleng, Schläge] [1600-2.11.1642 Breitenfeld], schwedischer Generalmajor.

[64] Camill [Kamil, Grant Moros, Johann] Rudolf [Rudolfo Giovanni] Freiherr (1632) auf Hohenelbe, Eglitz u. Platten, Graf (1636) v. Morzin [Marazin, Marazini, Marrazino, Marzin, Marotzin, Morazin] [um 1585-1646 Prag], kaiserlicher Feldmarschall.

[65] Hohnstein [LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge]; HHSD VIII, S. 151f.

[66] Retrogarde: Nachhut.

[67] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel v. Reitern u. Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen u. zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd u. eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung u. Deckung v. Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- u. Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll sogar zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[68] Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark u. in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen. Auch die Oberkommandierenden der jeweiligen Armeen hatten ein eigenes Leibregiment. Zudem waren in der Regel die Ausstattung u. Verpflegung besser als in anderen Regimentern bzw. wurden v. den Neugeworbenen eingefordert.

[69] Johan [Hans] Freiherr v. Wachtmeister [1609-1652 Lübeck], schwedischer Generalmajor, Reichsrat.

[70] Johan [Hans] Wittenberg [Wittberger, Wirtenberg, Witteberg] v. Deber [Döbern] [ -1679], schwedischer Obrist, Generalmajor. PALMBLAD, Biografiskt Lexicon 21. Bd., S. 38ff.

[71] Kürassier, Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder) [schwed. kyrassiär, dän. kyrassér]: Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  u. am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen u. damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- u. Rückenharnisch, den „Kürass“), Schwert, Ober- u. Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen u. Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel u. zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Kürass ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens 16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[72] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis. Halbe Kartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite von 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[73] chargieren: angreifen, zum Angriff schreiten, vorrücken, kämpfen, laden, belasten.

[74] Torsten Stålhandske [Stolhanscha, Stahlhandschuh, Stahlhanndtschuch, Stalhans, Stallhans, Stalhansch, Stallhuschl, Stalhanß, Stall-Hanß, Stallhaus, Stallhausen, Stolhanski, Starrhase, Lo Stallo, Lo Stallans, Statehornes] [1594 Porvoo/Borgå (Finnland)-21.4./1.5.1644 Haderslev/Nordschleswig], schwedischer Generalmajor. Vgl. http://www.kansallisbiografia.fi/english/?id=2342.

[75] Major [schwed. major, dän. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen u. Befehle des Obristen u. Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition u. war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch u. im Lager, beaufsichtigte die Wach- u. Patrouillendienste u. stellte das Regiment in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- u. Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie u. 300 fl. bei der Kavallerie, 200 fl. bei der dänischen Armee.

[76] Georg Adam v. Pfuel [Pful, Puhl] [6.4.1618 Garzin-9.6.1672 Spandau], schwedischer Major.

[77] Erik Klarson Slang [Slange, Schlange, Schlang, Schleng, Schläge] [1600-2.11.1642 Breitenfeld], schwedischer Generalmajor.

[78] Schwadron, Esquadron [schwed. skvadron, dän. squadron]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380. Bei den Schweden entsprach 1634 eine Schwadron einem halben Regiment (vier Kompanien).

[79] Hans Christoffer [Christoph] Graf v. Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc] [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. Vgl. [RÜDIGER], Leben und Thaten; Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc], Hans Christoffer [Christoph] Graf v. [I], [II], [III], [IV], [V], [VI], [VII], [VIII], [IX], [X], [XI] in den „Miniaturen“.

[80] Friedrich Christoph Freiherr v. Hammerstein-Gesmold [Hamenstäm, Hamerstein] [15.9.1608 Schloßböckelheim-12.10.1685 Oelentrup], schwedischer Generalmajor.

[81] Hans Wolf Freiherr v. Salis [1597-6.4.1640 Wismar], kurbayerischer Obrist, kurbayerisch-kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[82] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[83] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.

[84] Marienberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 215f.

[85] Seiger (Saiger): Hüttenwerk. Seiger (Saiger) ist ein seit dem Mittelalter existierendes Metallverhüttungsverfahren mit Metallanreicherung. Es diente einer effizienten Metallgewinnung, indem z. B. Silber aus Silberkupfererzen mit Bleizuschlägen in der Schmelze vom Kupfer getrennt wurde. Das Silber wurde dem silberhaltigen Blei, das auch Werkblei genannt wird, durch das Treibverfahren auch Kupellation entzogen. [wikipedia]

[86] Flöha [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 97.

[87] Walstatt, „Wahlstitte“: Schlachtfeld, Kampfplatz, ursprünglich mhd. „Leichenfeld“, „von Leichen bedecktes Schlachtfeld“ oder überhaupt „Ort, wo gekämpft worden ist“; DWB Bd. 27, Sp. 1360, 62.

[88] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen, deren Verlust im Kampfe oder bei der Kapitulation als Verlust der Ehre empfunden wurde. Im Kampf und bei Belagerungen erbeutete Standarten waren dagegen Zeichen des bewiesenen Mutes der Einheit und einzelner Soldaten, so dass ihre Anzahl in zeitgenössischen Berichten meist verzeichnet war.

[89] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[90] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[91] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-8.10.1656 Dresden].

[92] Kurt Reinecke I. Reichsgraf v. Callenberg [17.9.1607 Wettesingen bei Volkmarsen-7.5.1672 Muskau], kursächsischer Obrist. Vgl. SEIFERT, XXIV. Anjetzo florirender hoher Familien Kurtze Historische und Genealogische Beschreibung, S. 51ff.; SCHMIDT, Curt Reinicke I. von Callenberg.

[93] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[94] Georg Adam Freiherr v. Traudisch [Trauditz, Trautisch,Trautzsch, Trautschen, Trautischz, Trauntitsch, Truntitsch, Trautniz, Tausch] [ – nach 1653], kursächsischer, kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[95] Pirna [LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge]; HHSD VIII, S. 276ff.

[96] Frauenstein [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 98f.

[97] Brüx [Most, Tschechien]; HHSBöhm, S. 79ff.

[98] Elterlein [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 89.

[99] LEHMANN, Kriegschronik, S. 102f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[100] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[101] Unteroffizier: Feldwebel, Führer, Fourier, Musterschreiber, Feldscherer waren die Unteroffiziere der Prima plana. Auf drei Unteroffiziere kamen pro 1.000 Rt. Beute und Ranzionierung 11 Rt., 66 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Korporäle, Gefreite, Spielleute und Fourierschützen galten dagegen als gemeine Befehlshaber.

[102] Rencontre: Gefecht, Scharmützel, Begegnung, Zusammentreffen.

[103] Herne [LK Arnsberg]; HHSD III, S. 317.

[104] Minden [LK Minden-Lübbecke]; HHSD III, S. 517ff. Vgl. NORDSIEK, Die schwedische Herrschaft.

[105] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

[106] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff. Vgl. STIEVERMANN, Erfurt, S. 35ff.

[107] Glauchau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 116f.

[108] filiren: einzeln hintereinander gehen oder reiten.

[109] chargiert: angegriffen.

[110] distiret: entfernt.

[111] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5-19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis. Halbe Kartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. „Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite v. 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen v. gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen v. Brand- u. Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[112] General(feld)wachtmeister [schwed. generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten u. verwandtschaftlichen u. sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. So erhielt er pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 33 Rt. 26 Alb. Anteil; HOFMANN, Peter Melander, S. 155. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen u. dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen u. dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen u. dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden u. Regimenter im Felde u. beim Marsch.

[113] Adolf Graf von Puchheim zu Raabs u. Krumpach [ -19.11.1639 Prag], kaiserlicher General.

[114] Anton [„Don Felix von”] Reichsfreiherr v. Weveld [Webel, Webell, Wevel, Weibel, Weivel, Weiwel, Waevell, Waevel, Wedel, Wellwarth; „Major Anthony“, „Major Antonius“, Major Arctonius“] [ -1659 Mainz ?], kaiserlicher Obrist, Generalwachtmeister.

[115] Johann Wangler der Jüngere [ -14.4.1639 bei Chemnitz], kaiserlicher Obrist.

[116] Franz Paradeiser [Paradis], Freiherr v. Neuhaus [-nach 1656 Würzburg], kaiserlicher Obrist.

[117] Francesco [Antonio] Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], marchese di Grana [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto u. Grane] de Savona e Caretto, conte di Millesimo [1594/1590/1592-9.11.1651/1652], kaiserlicher Feldmarschall.

[118] Otto Ludwig Freiherr v. Wachenheim [Wachheim, Wachenheimer, Wahlenheim] [ -24.1.1660 Monsheim], kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[119] Georg Friedrich Graf v. Schlick [Schlik, Schlich] [ -6.3.1642 bei Mansfeld], kaiserlicher Obrist.

[120] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Schwadron, Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler u. Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler u. Plattner 1 Feldkaplan u. 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- u. Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich dotiert gewesen. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute u. Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- u. Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[121] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben u. ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure u. verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Ein kommandierender Hauptmann einer Streifschar aus einer Garnison erhielt quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller, sein Leutnant 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller, jeder Soldat oder Reiter 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben u. auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher u. die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- u. Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant u. dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch. Viele Offiziere waren auch zugleich Hauptmann u. nahmen daher zusätzlich einen Hauptmannssold u. entsprechende Serviceleistungen in Anspruch.

[122] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als einer Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[123] Kornett [schwed. kornett, dän. cornet]: Der Kornett führte die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entsprach der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold;  z. T. wurden allerdings 240 Rt. (!) in besetzten Städten (1626) erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermarck, S. 15). Sein Anteil an 1.000 Rt. Beute u. Ranzion betrug 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. => Fähnrich; Fahne.

[124] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie u. Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen v. Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) u. die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann u. Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee bekam er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als Fähnrich einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156.

[125] N Graf v. Wittgenstein [ -10.5.1639 bestattet], schwedischer Obrist.

[126] Adam v. Pfuel [Pfull, Pfuhls, Phuell, Pfuell, Pfuhl] [1604-5.2.1659 Helfta], schwedischer Generalleutnant.

[127] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 94f.

[128] Landsberg [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[129] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[130] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[131] Leopold Wilhelm Erzherzog v. Österreich [5.1.1614 Wiener Neustadt-20.11.1662 Wien] Bischof v. Straßburg (1625-1662) u. Passau (1625-1662), Erzbischof v. Magdeburg (1629-1635), Olmütz (1637-1662), Breslau (1655-1662) u. Halberstadt (1627-1648), Administrator v. Hersfeld, Fürstabt v. Murbach u. Lüders, Hoch- u. Deutschmeister (1641-1662), Generalstatthalter der Spanischen Niederlande (1646-1656), Oberbefehlshaber über die kaiserlichen Truppen u. kaiserlicher Generalissimus (seit 1639). 1640 Siege über die schwedischen Truppen in Böhmen u. Niedersachsen, Frühjahr 1641 militärische Erfolge in der Oberpfalz u. Entsatz Regensburgs mit Rückzug Johan Banérs, am 2.11.1642 Niederlage in der 2. Schlacht bei Breitenfeld u. Niederlegung des Oberkommandos, 1645 neuerliche Ernennung zum kaiserlichen Oberbefehlshaber u. Abgabe der Erzbistümer Magdeburg u. Bremen, Spätherbst 1646 Ernennung zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande durch Philipp IV., 30.1.1648 Frieden Spaniens mit der Republik der Vereinigten Niederlande, 20.8.1648 Niederlage in der Schlacht bei Lens, 21.1.1656 päpstliche Bestätigung der Wahl Leopold Wilhelms zum Bischof v. Breslau 1655, 1656 Niederlegung des Amtes des Generalstatthalters. 1657 versuchten einflussreiche katholische Kreise, Leopold Wilhelm für eine Kaiserkandidatur zu gewinnen. Vgl. die ausgezeichnete Dissertation v. SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[132] Page: junger Adeliger, der kleinere Dienstleistungen unter Aufsicht des Kammerherrn in der Umgebung eines Fürsten verrichtete. Er wurde bei Hofe erzogen u. später Offizier oder selber Kammerherr.

[133] dicke des Beins: Oberschenkel.

[134] LATOMUS, Historicæ Relationis Semestralis Continuatio  (1639), S. 55.

[135] Alessandro Freiherr (Graf) v. [del] Borri [Borro, Borrel, Bohre, Borey, Boery, Buori, Pori, Barre, Gory] [1600-1656], kaiserlicher Obrist, Feldmarschall.

[136] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Teilnahme am Böhmischen Krieg, unter Pappenheim Dienst als Obristleutnant, 1627 wurde er Kommandant der Leibgarde Wallensteins, Teilnahme am Mantuanischen Erbfolgekrieg u. am 16.11.1632 an der Schlacht bei Lützen, Mitunterzeichner des 1. Pilsener Revers u. Hauptakteur bei der Verschwörung gegen Wallenstein, danach erhielt er reiche Schenkungen in Böhmen, er war kaiserlicher Feldmarschall in der Schlacht v. Nördlingen am 5./6.9.1634, es folgten Kämpfe in Lothringen, am 7.6.1639 Sieg über die französische Armee unter Feuquières bei Diedenhofen (Thionville) u. Ernennung zum kaiserlichen Geheimen Rat bzw. zum Herzog v. Amalfi durch Philipp IV. v. Spanien, am 5.9.1639 Ernennung zum Befehlshaber der kaiserlichen Hauptarmee in Böhmen. Nach mehreren Niederlagen u. der Katastrophe Piccolominis u. Erzherzog Leopold Wilhelms gegen Torstensson in der Schlacht bei Breitenfeld am 2.11.1642 legte er den Oberbefehl nieder, 1644 war er erneut bei den Kämpfen der Spanier in den Niederlanden aktiv, 26.5.1648 Ernennung zum Generalleutnant, Einsatz als Prinzipalgesandter bei den Nürnberger Verhandlungen zur Umsetzung des Westfälischen Friedens (Mai 1649-Juli 1650), 1650 Erhebung in den Reichsfürstenstand. Vgl. BARKER, Piccolomini, S. 322-369, WOLTZ, Piccolomini, S. 93-145. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten v. ELSTER (=> Literaturregister).

[137] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 939.

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Weiher [Weiherr, Waier, Weier, Wejher, Weyher, Weyer], Jakob [Jakub] Graf von

Weiher [Weiherr, Waier, Weier, Wejher, Weyher, Weyer], Jakob [Jakub] Graf von; Obrist [1609-20. oder 21.2.1657] Weiher[1] stammte aus Polen. Unterricht erhielt er im Jesuitenkolleg Hosianum in Braniewo,[2] auf dem Königshof als Kammerdiener des Königssohnes Władysław und an der Universität Bologna. Nach seinem Studienabschluss trat er ins kaiserliche Heer ein. Er hatte als Rittmeister[3] unter dem am 23.7.1635 hingerichteten Hans Ulrich von Schaffgotsch[4] gedient und stand dann als Obrist[5] in kaiserlichen Diensten. Am 28.10.1636 heiratete er die erst 14jährige Anna Elisabeth Freiherrin von Schaffgotsch [1622-1650][6] und wurde in diesem Jahr in den Reichsgrafenstand erhoben.

William Crowne [1617 – 1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments und 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, erinnert sich an Wejhers Hochzeit während des Regensburger Reichstags:[7] „Am Abend des nächsten Tages [18./28.10.1636; BW] fand eine große Hochzeit statt. Oberst Wejher, ein Pole, heiratete eine Hofdame der Kaiserin[8] mit Namen Schaffgotsch.[9] Ihr Vater war vor einigen Jahren [1635; BW] hier in der Stadt als Verschwörer gegen den Kaiser enthauptet worden. Die Hochzeitszeremonie verlief entgegen unserer englischen Traditionen; ich werde es erklären. Zuerst wurde der Bräutigam von dem polnischen Gesandten[10] und vielen Edelmännern aus seiner Unterkunft gebracht. Alles war gut für die Zeremonie vorbereitet. Er stieg ab und ging zum Kaiser[11] und der Kaiserin, dann zu der Privatkapelle Seiner Majestät. Er wurde von Kaiser und König[12] dorthin gebracht, die Braut von der Kaiserin und der Königin.[13] Dort traute der Bischof das Paar, und der Kaiser setzte eine reich mit Diamanten und Perlen geschmückte Krone, welche Seiner Majestät gehörte, auf den Kopf des Bräutigams. Anschließend kehrten sie zum Privatgemach des Königs zurück, wo der Kaiser ihnen ein Essen servieren ließ und Seine Majestät, die Kaiserin, der König und die Königin von Ungarn und die Erzherzogin zusammen mit den Kurfürsten von Mainz[14] und Köln[15] mit ihnen am Tisch saßen. Und der Bräutigam trug die ganze Zeit über die Krone, und die Braut war sehr reich auf Kosten der Kaiserin gekleidet. Sie trug an diesem Abend keine anderen Juwelen außer denen Ihrer Majestät. Nach dem Essen wurden sie zu Bett geleitet, denn es war eine Regel, dass, sobald eine Dame des Hofes heiratete, das Paar in dieser Nacht dort schlief (sofern sie eine Hofdame war, sonst nicht)“.[16] Der Überlinger[17] Advokat Dr. Johann Heinrich von Pflummern [1595 – 1655][18] berichtet kritisch über den Pomp dieser Hochzeit in seinem Tagebuch: „Den 28 Octobris hatt obrist Weiher auß Preußen gebürtig mit einer Schafgotschin auß dem kayßerlichen frawenzimmer (deren vatter auch ein obrister vnd wegen er mit dem friedländischen tradiment intereßirt[19] [S. 385] geweßt sein solle, zu Regenspurg[20] enthauptet worden) hochzeitt gehallten. Daß hochzeitsmahl ist in des bischoffen[21] zu Regenspurg hof,[22] alß warinnen ihr kayß. Mst losirt, costfrey gehallten worden, darbei sich befunnden der kayßer kayßerin, könig zu Hungarn, königin, die churfürsten zu Maintz vnd Cöln personlich. Der brautwagen ist von blawem sammet inwendig außgefüettert, die spangen auß vnd inwendig von silber, daß eisen vnd stangenwerckh ebenmeßig vebersilbert, die fenster mit chrystallinen musirten[23] scheiben in quadro besetzt, die pferdteug auch von gůttem blawen sammet, die spangen, ringgen[24] vnd anders von silber gemacht vnd der diener livreen von gůtt silberin paßamanporten[25] veber vnd vever besetzt gewesen. Nach eingenommener abendtmahlteitt, alß man die brautt nach hauß geführt, seyn 180 weiße windtliechter mitgetragen worden. Dem bräuttigam seyn 40 000 fl auf alhero für diese hochzeitspesa zugewechselt worden. Demnach er aber ein zeitlang in Schwaben vnd anderer orthen quartier gehabt, ist leichtlich zu gedenckhen, waß deß gemainen mannß discursus veber diese pompa geweßt seyn“.[26]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[27] aus dem von Eger[28] abhängigen Marktredwitz[29] erinnert sich an den Juli 1638: „Den 8. Juli [zur] Mittagszeit, kam abermals ein Schreiben von einem edlen, hochweisen Rat der Stadt Eger, des Inhalts, daß etliche Kompag[nien][30] zu Roß, [etwa] 250 Mann stark, bei ihnen auf[ge]kommen; [die] ohne Zweifel noch an diesem Tag aufbrechen und zu uns kommen würden. Weil es dann ein sehr loses Volk, auch die wenigsten Deutsch[e], sondern Spanier und Wallonen[31] wären, als[o] sehen sie [es] für’s an, wir täten unser Vieh und [unsere] besten Sachen in Sicherheit; denn dieses Volk ließe sich nit kommandieren. Jedoch sollten wir auch den Mark[t] nit ganz ledig und bloß lassen, damit im Notfall – wenn Gott mit Feuer strafen sollte – Leut[e] vorhanden wären, die retten könnten.

Dies war nun ein schöner Trost. Das Schreiben wurde kaum gelesen, [da] kam auch das Volk [schon] herbei. Die machten alsbald Quartier hierein; mit 150 Pferden [und] mit allen Offiziere(r)n. Dabei [war] auch eine Oberstwachtmeisterin. Die übrigen blieben zu Dörflas[32] und Lorenzreuth.[33] Diese hausten abermals sehr übel; denn nit allein die Offiziere(r) mußte man herrlich traktieren – auch Wein und Futter genugsam verschaffen – , sondern auch die gemeinen Knecht[e] wollten ebendies haben. Es war große Not um Futter. Das liebe Korn, das [in] dieser Zeit aus dem Bayer[n]land (hie)hergeführt und teuer erkauft wurde, mußte gefüttert werden. Do war in manchem Haus kein Bissen Brot mehr. Dennoch mußte verschafft werden Essen, Trinken und Futter. Über dieses alles haben ihnen die meisten Bürger – als sie des andern Tags aufbrachen – [je] einen Soldaten 1 Taler, auch 3 bis 4 Dukaten verschaffen müssen. Da war großer Jammer. Zudem wollten sie auch Vorspann haben, welches aber bei einem Rittmeister,[34] der das Kommando haben sollte, mit 8 Talern verhütet worden [ist]. Als dies ein anderer Rittmeister erfahren, hat er auch Vorspann begehrt. Und weil man’s ihm abgeschlagen, hat er schon durch einen Reiter den Farrochsen und anderes Kuhvieh herausziehen lassen und mitnehmen wollen. Der aber wurde auch mit etlichen Talern gestillt. [Sie] zogen hernach(er) auf Wunsiedel[35] und Weiß[en]stad[36] zu. [Es] war wohl ein recht loses Volk und viele Zigeunerinnen[37] [waren] unter ihnen. [Sie] gehörten meistenteils unter des Ober[st] Weyhers Regiment. Sie haben viele Ochsen und Pferd[e], so man ihnen zu Luditz[38] und Elbogen[39] zur Vorspann mitgegeben, von hier aus noch weiter mitgenommen und nicht zurück[ge]lassen. Diese Offiziere waren meistenteils Neapolitaner“.[40]

Weiher erhielt vom Kaiser den alten Schaffgotschschen Besitz Greiffenstein.[41]

Von 1643 bis 1647 war er Woiwode der Marienburg in Westpreußen und anderer Burgen. 1643 gründete er die Stadt Weihersfrei, später Neustadt in Westpreußen[42] und den dortigen Kalvarienberg.

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher; en.wikipedia.org/wiki/Jakub_Weyher; kalwariawejherowska.pl/ger/historia_jakub.htm; genealogy.euweb.cz/austria/schaffg2.[2] Braniewo [dt. Braunsberg (Ostpreußen), LK Braniewo, Polen].[3] Rittmeister (Capitaine de Cavallerie): Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.[4] Vgl. HENKEL, Schaffgotsch.[5] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.[6] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.[7] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.; HAAN, Regensburger Kurfürstentag.[8] Eleonore von Mantua.[9] univie.ac.at/Geschichte/wienerhof/wienerhof2/hofdamen/hf4; ferner KELLER, Frauen in der höfischen Gesellschaft.[10] Fürst Jerzy Ossoliński [1595 . 1650].[11] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.[12] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.[13] Maria Anna von Spanien.[14] Vgl. BRENDLE, Reichserzkanzler.[15] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.[16] RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 69[17] Überlingen [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 807f.[18] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 179f.[19] an Wallensteins Verrat beteiligt[20] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.[21] Albert von Toerring-Stein [26.10.1578 Stein an der Traun – 12.4.1649 Regensburg].[22] SEMLER, Tagebücher, S.[23] musieren: musivisch verzieren, bunt einlegen oder färben; in mosaikartiger Weise mustern, besonders von Glasfenstern, die aus einzelnen farbigen Stücken so zusammengesetzt sind, dass sie ein Muster bilden.[24] ringgen: Schnallen.[25] passamanborte: Besatzborte.[26] SEMLER, Tagebücher, S. 308.[27] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.[28] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.[29] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.[30] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.[31] Wallonen: Französischsprachige Bevölkerung in den Niederlanden (Artois, Hennegau, Namur, Luxemburg, Limburg, Teile Flanderns und Brabants), z. T. im Fürstbistum Lüttich. Die Regimenter mit hohem Anteil an Wallonen (z. B. das Regiment Johanns II. von Mérode) waren bei Freund und Feind wegen ihrer Erbarmungslosigkeit seit Anfang des Krieges allgemein gefürchtet. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 459 (1619): „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, _ass man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. Zur Einschätzung bei den eigenen Verbündeten (10.1.1632): Man „weiß wohl, wie die Wallonen beschaffen, nur auf Plackherey und rauberey, doch zum fechten seyn sy wenig nuz, es heißt wol dem gemeinen Sprichwort nach: vill geschrey und wenig wohl. Thuet doch den armen undertanen wol soviel plagen als ein ganzes volles Regiment“. HELML, Oberpfalz, S. 121. Nach Ansicht des Grafen Albig von Sulz sei bei ihnen „gantz kein Rgt. zu halten“. HELML, Oberpfalz, S. 87; ENGELBERT, Wallonen.[32] Dörflas, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Marktredwitz i. Fichtelgebirge].[33] Lorenzreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].[34] Rittmeister (Capitaine de Cavallerie): Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.[35] Wunsiedel; HHSD VII, S. 836f.[36] Weißenstadt; HHSD VII, S. 803f.[37] Zigeuner: BURSCHEL, Söldner, S. 90f.: „Seit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges lassen sich in den Heeren auch Zigeuner nachweisen. Hier war Platz für die Angehörigen einer ethnischen Minderheit, die man sonst nirgendwo haben wollte, die bereits der Freiburger Reichstag von 1498 des Reiches verwiesen, ja sogar – in bezeichnendem Unterschied zu anderen Vaganten – für vogelfrei erklärt hatte und die fortan in territorialen Mandanten aller nur erdenklicher Verbrechen bezichtigt wurde. 1642 zum Beispiel zogen einige wohl zum Heer Piccolominis gehörende Kompanien an Deister und Süntel vorbei in Richtung Harz, vorwiegend aus Zigeunern zusammengesetzt. Schenkt man einem Eintrag in den Bovender Gemeinderechnungen des Jahres 1623 Glauben, so konnten es Zigeuner damals sogar bis zum Offizier bringen“. Zigeuner wurden in den Heeren als Heilkundige und Kundschafter eingesetzt. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 53: „Die unruhigen Zeiten begünstigten das Wanderleben der Zigeuner, welche 1626 in erheblicher Zahl auftraten. Da sie im Verdacht standen, für den Feind Kundschafterdienste zu leisten, so ordnete die Regierung eine Streife auf sie an, welche der Pfleger Stefan Danhauser von Freudenberg und Obrist Blarer mit 28 Reitern und 150 Musketieren vom 26. bis 29. Juli in der Gegend von Hirschau, Weiden, Kemnath vornahmen. Maximilian ordnete am 4. August 1626 an, daß die verhafteten Zigeuner ‚mit der Tortur und wie es vonnöthen zu examieren‘ seien. Von den 3 in Tirschenreuth in Haft befindlichen Zigeunern hatte der Pfleger Burhuß schon am 3. August nach Amberg berichtet, daß sie unschuldig seien. Trotzdem ordnete die Regierung am 8. August deren Tortur (Folter) an. Die Folter muß sehr scharf gewesen sein, denn das Jammergeschrei der Gequälten war außen deutlich zu hören. Die junge Frau eines gefolterten Zigeuners, welche die Stimme ihres Mannes erkannte, stürzte sich aus Verzweiflung in den Schloßweiher und ertrank. Die Zigeuner blieben jedoch standhaft bei der Beteuerung ihrer Unschuld“. Dass auch die meist aller denkbaren Verbrechen beschuldigten Zigeuner (SCHUBERT, Mobilität, S. 130ff.) bereits beim Heer gewesen sind u. dort als Feldscherer eingesetzt wurden, die z. T. mit volksmedizinischen Mitteln u. auch zauberischen Praktiken arbeiteten (WALZ, Hexenglaube, S. 215ff.) ist sicher richtig; dass sie es teilweise sogar bis zum Offizier gebracht hätten (so BURSCHEL, Söldner, S. 90f., unter Hinweis auf einen Beleg bei BERNOTAT, Auswirkungen, S. 162), muss bezweifelt werden. Anscheinend handelte es sich bei dem Dattern Leutnant wohl eher um den Anführer einer Kroatenabteilung, wie sie später Isolano kommandierte; vgl. JACOBS, Zigeuner; allgem. ROECK, Randgruppen, S. 85ff.; HOFFMANN, Harzschützen, S. 98ff.  DIWALD, Wallenstein, S. 334f.: „Am 27. September [1625; BW] berichtet der Landeshauptmann, Herr von der Hagen, dem Herzog [Friedrich Ulrich; BW] über seinen Versuch, den ‚Zigeuner-Vortrab’ der Armee Wallensteins aufzuhalten, und skizziert den Zustand der kaiserlichen Truppen so: ‚Die neuen Werbungen zu Roß sind auf der Offizier vorgeschossenen Gelder vorgenommen und haben bis dato noch keinen Pfennig von Ihro Kaiserlichen Majestät erhalten. Die Reiterei ist mit keinen Waffen versehen, ist übel beritten, haben größtenteils leichte und schlechte Pferde. Im ganzen sind die Neugeworbenen malcontente. Um Blankenburg herum lassen sich viel Zigeuner bei unterschiedlichen Partien zu zehn und fünfzehn Mann sehen, über die Maßen wohl bewehrt, mit zwei langen Röhren ein jeder und die Weiber zu Pferd und ein Paar Pistolen im Sattel, sie ziehen durch ungebahnte Wege, halten sich in Gehölzen und Vorbüschen, kundschaften nach allen Dingen fleißig, also daß zu besorgen, sie in des Wallensteins Bestallung auf Verräterei, Raub, Mord und Brand ausgeschickt sein mögen’. Wallenstein soll einen Zigeuner-Vortrab zum Plündern und Morden vorausgeschickt, ihn womöglich eigens dazu angeworben haben ? Hier ist wieder einmal die Wiege einer Legende, die sich gut entwickelt und rüstig die Jahrhunderte überstanden hat. Diese Zigeuner sind nichts anderes als die leichten schnellen Reiter des Obristen Isolani, meistens Kroaten und Ungarn“.Vgl. dagegen LOTZE, Münden, S. 66: „Als Vortrab seines Heeres erblickte man Zigeunerbanden, 15 bis 20 Mann stark, bis an die Zähne bewaffnet und Weiber auf Pferden mit sich führend, deren jedes 2 Pistolen im Sattel hängen hatte. Sie verübten die größten Räubereien und rühmten sich, im Dienste Wallensteins zu stehen“. Vgl. allgem. FRICKE, Zigeuner. Für 1633 hält der Erzgebirgschronist Christian Lehmann fest: „Den 11. November kahmen die Taubischen [Dietrich v. Taube; BW], verjagten die in der [Reitzenhainer; BW] schantze und schleiften Sie. Derowegen commandirte auf Churfürstlichen befehl in anfang des September der Obrist Dietrich Taube auß der Lausnitz seine 2 Regiementer an Cavallerie und Trajoner in Meißen; sein Obrist-Wach-Meister Bodo von Bodenhausen ging den 9. November mit 300 Pferden dem feindt entgegen ans Böhmische gebirg und schleiften mit Zuthun des landtvolcks die Reitzenhaner schanz und beritten stez die Paße, streiften oft in Böhmen und hohlten Viehe, und damit mann die Schwartenbergische besatzung enger hielte und die keyßerlichen Streiffen auß Böhmen gar abschaffte, marchirten theils regiementer zue Roß und fuß auß dem lager bey Dresden, darinnen der Chur-Sächsische General Arnheim [Arnim; BW] mit der Churfürstlichen Armee von 29. September biß den 1. November Müßig lage. Des Obristen Posens regiement zue fuß wurde in Zwicka gelegt, der Obrist Dietrich Taube kam den 3. Dezember mit den andern Compagnien zue den Obrist-Wachmeister von Bodenhausen umb Chemnitz an, conjungirte sich mit des Posen regiement zue fueß auß Zwickau und zogen vor Schwartzenberg.  Nach deme nun der Commendant in Schwartzenberg mit seinen Crabaten und Zigeunern 17 wochen auf den Schloß von 4. August biß den 5. december gelegen und mächtigen Schaden gethan in gebirge, marchirte den 5. December der Obrist Taube mit 22 Compagnien Cavallerie und Tragonern von Chemnitz herauf auf Dorf-Zwenitz, Grünhein, Saxenfeld gar frühe und bekahmen doselbst eine Parthei Crabaten mit Wägen, die Futterage zueführen solten, theils kamen darvon und machten lerm in schloß. Des Posens Fußvolck marchirte uff Elterlein zue und bliebe in Schletta liegen. Von der Cavallerie aber stelleten Sich ezliche Compagnien mit fliegenden Standarten auf den Wildenauer und Grunstedler weg. Die Trajoner Musten in Schwartzenberg beym Rathhauß absteigen und sich zum sturm bereit halten. Nachdeme der Commendant lose word gabe und sich zue wehren resolvirt, brachten Sie fäßer ans Schloßthor und zündeten Sie an, das feuer ergriff auch das Ampthauß und verzehrete es mit vielen Acten, briefen und registraturen, und Do sie den ernst sahen, baten Sie um accord und abzug, musten Sich aber auf gnade und ungnade ergeben, und wurde ihnen nur das leben geschenckt, der Commendant mit seiner dama nach Annenberg geführt und behalten biß zur abstattung seiner Ranzion, Die Gemeine Crabaten und Zigeuner außgezogen und durch Elterlein nach Chemnitz geschaffet, der Leutenandt und Fehnrich wurde auch in Arrest behalten“. Zu Zigeunern als Bestandteil der kämpfenden Truppe vgl. SULLIVAN, Callot’s Les Bohémiens; KROENER, Geschlechterbeziehungen, S. 289ff. Dafür spricht, dass im kurfürstlich-sächsischen Mandat v. 1652 beklagt wird, dass sich abgedankte Offiziere den sich selbst als Zigeuner bezeichenden Vagierenden angeschlossen hätten; vgl. BOETTICHER, Zigeuner, S. 22.[38] Luditz [Žlutice]; HHSBöhm, S. 347f.[39] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S. 133f.[40] BRAUN, Markredwitz, S. 92.[41] Greiffenstein [Gryf, Gem. Gräflich Neundorf/Proszówka, Kr. Löwenberg]; HHSSchl, S. 149f.[42] Wejherowo.

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Fritsch auf Moos, Augustin von

Fritsch auf Moos, Augustin von; Obrist [18.7.1599-23.4.1662 Weiden] Fritsch[1] durchlief während des ganzen Krieges ab 1618 die militärische Laufbahn vom einfachen Musketier bis zum bayerischen Obristen und Kommandanten von Amberg[2] 1647/48. 1638 wurde er geadelt. Er hat ein sehr lebendiges Tagebuch über seine Kriegserlebnisse von 1620 bis zur Belagerung Northeims[3] 1641 hinterlassen.

„Ao. 1620. Erstlich sein wür mit der Bayerischen Armä von Linz[4] auß zue Mäthaußen[5] über die Thonaw vf Freystatt:[6] von dannen durch denselben Walt in Oessterreich vnder der Enß vf Drosendorf,[7] welches wür eingenommen, vnnd vnß mit den Kayl. Conte Boye [Bucquoy; BW] conjungirt, darauf ins Gesambt vf Budian[8] in Böhemmen gangen, selbiges belägert, vnnd mit Sturmb eingenommen, von dannen sein wür vf Brisca[9] allwo deß haubtmann Schon Julian [St. Julien; BW] seinem hofmaister am Tisch ein Arm abgeschossen worden, gangen, deß andern Tags haben Würs mit Stürmmeter Handt eingenommen, vnnd alles darinnen Niedergemacht, von darauß sein wür mit der Armee fürders vf Pilsen[10] gangen, allwo wür etlich Tag Still gelegen, alda herr Generalwachtmaister [Alexander; BW] von Haßlang Kranckh worden, vnnd sich in Bayrn, Wie auch meines Obristen Schmidts [v. Wellenstein, BW] Fraw, mitgeraist seint, aber von den Vngarnn gefangen worden, wür aber seint mit der Armee förders nacher Räkheniz[11] gangen, alda wür den Feindt in Petali,[12] vnnd verschanzt gefunden, da dann Vnsere vnnd deß Feindts Reutter vill scharmizel auch mit Stückhen von beyden Lägern vfeinander gespielet worden, vnnd haben wür von vnsern Regiment, vnnd ein Italianisch Regiment ein Kürchl mit einer schönen Mawer vmbgeben, so mitten der zwey Armee gelegen, vnnd mit 400. Mann besezt gewesen, nach beschossener Preß in angesicht deß Feindts mit stürmmeter handt erobert, vnnd alles darinnen Nidergemacht, deß andern Tags früe ist der Feind vfgebrochen, vnnd nacher Praag marchirt, deme wür ebenmässig gefolget, vnnd den andern morgen frühe ein Meilweegs bey einem Dorff angelangt, also man vns in Petali gestelt.[13] Darauf sein wür mit aller macht den 7. Nouember vf die Böhmben Loßgangen, dieselben in schanzten fortell angegriffen, ganz geschlagen, vnnd zertrennet, deß andern Tags aber, sein wür meines Oberst Vnnd Pawers [Baur v. Eysenek; BW] Regiment in die Altstatt vnnd khlainseitten, der Obrist Bawer aber in die Newstatt logirt worden, den 1. May seint wür auß Praag marchirt, vnnd durch Böhemb vff die obere Pfalz, gegen Waidthaußen,[14] allwo der Mannßfelder[15] eine haubtschanz vf einen hochen berg vnnd sein läger neben der Schanz gehabt, sobalden wür vf daß Roßhaubt[16] khommen, alda wür vnser Läger geschlagen, sein vf die 3000. zue Fueß vnderm Commando deß Obristen Bauers, vnder diser Zahl ich auch mit einem haubtmann Namens Legerants, von meines damahligen Obristen Schmidts Regiment, gewesen, alda wür in ein Claines Wäldtlein gegen deß Feindts Läger commendirt, da dann vnß entgegen auß deß Mannnsfelders Läger etlich 1000. Mann zu Roß vnnd Fueß gegen vnnß commendirt worden, da dann ein greuliches Scharmizirn mit Mußqueten vnnd Stückhen geschehen, welches biß auf den Abent gewehret, vnnd da man vnß frisches Pulfer gebracht, ist herr Obrist Bawer mit einer Mußquetenkhugl durch den Kopf geschossen,[17] mein haubtman Legerant, welcher bey dem herrn Obristen gewesen, vnnd Ich bey Im gestandten, auch durch den Schenkhl geschossen worden, waytter wür mit den Völckhern, weiln es ganz spat, vnd vnsere Reutter wehen eines Clainen Bächls, so zwischen vnsern vnd des Mannsfelders[18] Läger geflossen, vnd von Inen durch vnd durch mit Schrenckhen vermacht gewesen, widerumb zurück commendirt, vnd in vnser Läger gezogen, allwo es dann alle Tag Scharmizl abgeben, biß der Mannsfelder vfgebrochen, vnd eylents durch die Ober Pfalz, vnd durch Franckhen in die vnder Pfalz vf Mannheimb[19] gangen, allwo wir wegen deß Neckhers nicht folgen khönnen, dahero wür Regimenterweiß etliche Stätt, alß mit vnserm Hichlbach,[20] Näckhergmündt,[21] allwo herr haubtman Kögler im Sturm da er von der Laitter vf mich herunter gefallen, vnd Todt bliben, wie auch wisenloch alle drey mit sambt den Schloß Steinberg,[22] mit Sturm eingenommen, und alles darinnen Nidergemacht, Hirauf weiln nun der Winter vorhanden, seint wür in die Quartier, mein Obristen Regiment zu Ladeburg,[23] 2. Meil vnderhalb Heydelberg,[24] verlegt worden, den Früeling darauf seint wür frühe zu Veldt gezogen, haben den Mannßfelder von wiseloch[25] auß zurück nacher Müngelheimb[26] gejagt, ist ein schöner langer Fleckhen, welchen der Mannsfelder in Brandt gesteckht, vnd sein wür mit unserm Regiment, durch den gebrandten Fleckhen commandirt worden, sobald wür mit den erstern Squateron ufs Veldt khommen, sein etlich Regimenter zu Pferdt, welche hinder einen Berg gehalten, vf vnnß losgangen, an vnß dergestalten gesezt, daß wür durchgehen: vnd vnß durch den gebrandten Fleckhen retterirn müssen, haben aber wegen deß Brandtes, vnd grossen Gewässers, weiln es khurz daruor so einen greulichen Regen gethan, alß wanns ein Wolckhenbruch gewest were, nicht nachfolgen khönen, alda wür biß uf den Abent gestandten, sobalden es nacht worden, sein wür weiln vnser Generall Kundschafft bekhommen, daß vnns der Marckgraf [Georg Friedrich; BW] von Durlach vf den Rückhen mit seiner Armee will ziehen, die ganze nacht marchirt, wie der Tag angebrochen sein wür bey Windtsen[27] ankhommen, alda wür ein baar stundt geruhet, alß ist dises orth mit 300. Mann von allen Regimentern besetzt worden, der Obristwachtmeister Lung  [Elias Lang; BW] vom haßlangischen [Haslang; BW] Regiment ist Commandant worden, wür aber sein förders mit der Armee nacher Wimpffen[28] marchirt, alda wür 2. Tag, bis die Schiffbrückhen verförttigt worden, in den Gärtten gelegen, alßdann hat man vnnß über den Näckher gefürth allwo wür etlich Täg stillgelegen, vnnd vnnß bey Wimpfen verschanzt da dann der Durlacher [Georg Friedrich v. Baden-Durlach, BW] ankhommen, darauf sein wür denselben Abent noch auß den Quartirn ins Veldt gefürth worden, allwo denselben Abent noch etlich Regimenter zue Roß vnnd Fueß, Spannisch volck, vnderm Commando deß Don Cortua [Córdoba; BW] zu vnß gestossen, deß andern Tags hat der Feindt sein Armee gegen vnß in Petali gestelt, seine Spizwägen[29] vmb sein Fueßvolckh gefürth, ist zwar mit Stückhen von beyden seitten starckh vfeinander gespillet[30] worden, nachdem aber vnser Generall vf ieden Soldaten ein halb Maß Wein geben lassen, seint wir alßdann alsobalden vffgebrochen, vnnd vf den Feindt loßgangen, da er dann, weiln er schon in seinen Vorthl gestandten, vnnd wür vf Ihn zuegezogen, hat er schröcklich mit Stückhen vnder vns geschossen, wie dann 5. Fendrich vf einmahl von vnserm Regiment geschossen worden, darunter auch meinen Fendrich einer von Cederich, daß rechte Bein ober dem Knye ist abgeschossen worden, daß er noch selbigen Abent ist gestorben, so ist weiter deß Obristenleib Compagnie einem Mußquetierer der Gräzl genannt, der rechte Hosensackh mit 50. oder 60. Reichsthalernn, wie sie der Herzog in Bayrn selbigesmahl schlagen lassen, so man die Katzenkhöpf genent hat, mit einem Stuckh hinweckh geschossen worden, dahero alßdann daß Geschrey erschollen, als ob der Durlacher zum Spott Bayrische Thaller heryber schiessen thete, vnnd wiln vnser Regiment vf deß Feindts rechten Flügel getroffen vnd ganz nahe an Iren Spizwägen gestanden, alß ist von 4. Stückhen, so hart neben vnsern gestanden, auch von deß Feindts seinen vnnd vnsern Schiessen, ein so greulicher Rauch worden, daß wür khaum einen Pistolenschuß von vnnß sehen khönnen, vnnd wann nicht zu vnsern grossen Glückh ein Fourir von vnnsern Regiment der Passouer genant, seiner glegenheit halber hette miessen vf die seitten gehen, wie er dann geloffen khomen, vnd die hosen in den händten gehalten, vnnd geschryen Feindt, Feindt, etc. so hetten wür eingebiest, vnnd sein 2. Regiment zu Pferdt gewesen, daryber vnnser Obrist alsobalden daß Regiment halb Linckhs wendten: vnd die Picquen durchgehen lassen, den rechten Flügl alßdann auch den Linckhen Feuer geben lassen, darauf sie sich wider gewendt, vnndt zurückhgangen, Weiln nun vnser 4. Stückh, welche vnnß zur Linckhen handt gestanden, wie die Reutter vf vnnß Loßgangen, von vnnsern Constablen verlassen worden, haben sich etliche Mußquetierer, von meines Obristen Compagnie dahin begeben, vnder welchen sich auch vorgedachter Gräzl, deme der Hosensackh ist weckgeschossen worden, befunden, wie dann die Stückh alleweil geladen, vnnd vnder den Feindt Fewer geben, solang biß deß Feindts Pulfer ist angangen,[31] vnnd von vnnß totaliter geschlagen worden, vnd hat vnnser Fourier der Passauer den Herzog Magnus von Würtrenberg [Württemberg; BW] gefangen bekhommen, aber Ime von zweyen Reuttern abgenommen worden, aber den Rappen den der Herzog geritten, gelassen, darmit er aber nicht zufrieden gewesen, sondern sich vf selbigen gesezt, vnnd da die Reutter ihn neben vnsern Regiment gedachten Herzog vorbey gefürth, ist er Fourir hinderwerts hinzugeritten vnnd Ihm Todt geschossen, vnnd sich inß Regiment saluirt, sonst hett es villeicht auch sein Leben gecosstet, nach disem, alß vnder dessen der Mannsfelder, welcher von dem Durlacher wegen deß Commando, ehe die Schlacht geschehen, hinweckh vnnd vf Ladeburg gezogen, selbiges, darinnen 2. Regiment Spanier gelegen, eingenommen, sobalden vnser General solches vernommen, sein wir von Wimpffen vfgebrochen, vf Lodeburg zuegangen, selbiges wieder eigenommen, vnnd dem Mannßfelder weitter nachgezogen, auch bey Lohr,[32] vnweitt der Bergstrassen sein Retroquardi angetroffen, vnnd im Lohrerwaldt zimlich gebuzt, Er Mannsfelder aber hat sich mit dem Rest zue Mannheimb[33] yber die Näckher Prückhen reterirt, vnnd weiln wür Im weiter nicht zuekhundt, sein wür gegen Franckfurth,[34] vf den Tolln Herzog Christian von Praunschweig zuegangen, demselben bey Hächster[35] geschlagen, Stückh vnd alle Bagage abgenommen, da auch vil in den Main, weiln Ire Schifbrückhen zerbrochen, ersoffen sein, vnnd ist mein Obrist mit vnserm Regiment die anhaltischen [Anholt; BW] bey welchen deß Feindts Pulfer angangen, vnnd grossen schaden gelitten haben, dieselben abzulösen, commendirt worden, alda wür vnß gleich an daß Thor, worbey allernechst daß Pulfer angen, vnß an selbiger, vnnd den Wahl logirt, ob der Feindt zwar mit Doppelhackhen vnnd Mußqueten von der Mauer starckh Fewer geben, so haben sie vns doch wenig schaden thun khönnen, weiln wür schon so nahe khommen sein, dahero sie in derselben nacht noch angefangen zu parlamentirn, vnnd den Morgen Frühe abgezogen, nach disem haben wür vnß wider mit der Armee gegen der Berckhstraß vf Haidelberg[36] gewendet, bey Storbach,[37] allwo daß haubtquartier gewesen, Durch vnnd vf den Marttinsberg zogen, heydelberg selbiges totaliter belägert, biß allernechst an den Truz Bayer, welches ein neuerbauther Thurn, Approsirt, die Kayl. aber auch vf dergleichen Thurn, der Truz Kaiser genant, ebenmessig Approsirt, biß man an diesen beeden die Presst, weiln sie trefflich vmbschanzt gewesen, geschossen, vnnd alßdann mit Sturm nicht allain die zwey Thürn sambt Iren Schanzen, sondern auch andere schöne schanzen vnnd aussenwerckh zue sambt der Vorstatt mit Sturmeter handt einbekommen, alles waß im Gewöhr gefunden Nidergemacht wordten, in der nacht aber seint wür gar in die Statt khommen waß von Soldaten bekhommen ist entweder gefangen, oder Nidergemacht worden,[38] da es ansehentliche Beutten an Gelt, Goldt vnnd Silber geben, nachdem daß Schloß etlich tag darnach von dem Obristen Ferr [de Vere; BW] ybergangen, seint wür den geraden weeg vf Mannheimb gangen, selbiges belägert, vnnd nach grosser Mühe vnnd Arbeit, die Statt auch mit Sturmeter handt erobert, Die maisten Soldaten haben sich in die Vösstung retterirt, die alsdann auch nach harter belägerung sich ergeben, mit Sackh vnnd Backh vnnd 25. Fähnlein zue Fueß maistens lauter Engelländer abgezogen, nach diesem seint wür in die Wetteraw[39] in die Wüntterquartier verlegt worden worden, den Früeling darauf, sein wür in Hessen vnnd Braunschweigerlandt gangen, haben das Vösste hauß Berglepsch,[40] wie auch daß Schloß Fridelandt[41] ein Meil von Göttingen,[42] allwo Herzog Christian von Braunschweig, mit seiner Armee gegen vnnß yber gelegen, in angesicht seiner mit Stückhen beschossen vnnd eingenommen, deß vierten Tags darnach, hat gedachter Herzog daß Braunschweigerlandt quttirt, sich nacher der Weser, vnnd Wesstphalen gewendet, allwo wür Ihn alßdann Tag vnnd nacht nachgangen, da wür In zwar an vnderschidtlichen Pässen antroffen, haben wür Ihn doch zu kheinen standt bringen khönnen, biß vf den Lonnerbruch, oder Lonnerheit,[43] alda wür zu beeden seitten starckh vfeinander gangen, vnnd sonderlich sein 1000. Mann zue Fuess, von allen Völckhern, mit dem Generalwachtmaister von Schaumberg [Schönburg; BW], da ich auch mit commendirt worden, vnnd haben neben vnnß zur rechten handt, daß schwarze genannt [Cronberg, BW], oder deß von harmerstorfs [Herberstorff; BW] Regiment, zur Linckhen handt aber, mit vnnd neben vnnß commendirten Völckhern hat daß Fürstl. Hollstainische [Adolf v. Schleswig-Holstein; BW] Regiment, vf deß Feindts Fueßvolckh getroffen, da ich dann ein Fendlein bekhommen, nach disem treffen, welches nicht gar lang gewehrt, ist endlich der Feindt durchgangen, und wür dardurch ein ansehentliche Victori erhalten. Nach dieser herrlichen vnnd ansehentlichen Victori, darinnen etliche Generaln vnnd Obristen, wie auch Fürssten Grafen, vnnd herrn gefangen worden, seint wür auf der wahlstatt etlich Tag still gelegen, nach solchem Verlauff, sein wür vf den Mannsfelder, welcher in Osstfrißlandt gelegen, loßgangen, welcher sich bey Embten[44] hin vnnd wider an sichere Orth begeben, vnnd daß landt in wasser gesezt, daß Ihm nicht wol beyzukhommen gewesen, auch da der Wintter herbey khommen, sein wür hin vnnd wider in die Quartier in Hessen verlegt worden, nach endtung diser Quartir, sein wür wider vf höxter[45] an der Weser, vnnd förders vf holzmündten[46] ins Braunschweigerlandt gangen, allwo der König in Dennenmarckh zu Hammeln[47] gelegen, aber da wür selbiger gegent zugezogen, hat sich gedachter König in Dennenmarckh zurück vnnd ins Stift Ferden[48] mit seiner Armee gewendet, alß haben wür darauf hamblen, vnnd Rindlen,[49] wie ingleichen Mündten[50] eingenommen vnnd besezt, auch Stolzenau[51] eingenommen, dann seint wür vor Nienburg[52] an der Weser geruckht, solches belägert, vnnd nach guten stössen, da dann mein Obristwachtmaister Peter Ernst von Wodi, durch die Achsel in einem außfahl geschossen worden, abgezogen, vnnd in Braunschweigerlandt hin vnnd wider in die Stättl verlegt worden, vnd da wür Battensamb[53] eingenommen, sein wür mit den Schmidtischen [Schmidt v. Wellenstein; BW], alß meines Obristen vnd herrn von Gera Regiment, samt dreyen Compagnie zu Pferdt hinein gelegt worden, da wür dann nichts in der Statt gefunden, sondern vnser Prouiant alles auf den Landt hollen müssen, da vnnß dann der Feindt zimblichermassen aufgebasst, wie sich dann Herzog Früz von Altenburg [Friedrich v. Sachsen-Altenburg; BW], vnnd der General yber die Gauaveleri, der Oberthrautt [Obentraut; BW], mit etlich 1000 Mann sich vnweit vnsers Quartiers, nechst bey hawber[54] befundten, sobalden der Tilli dessen von vnsern Obristen ist berichtet worden, ist er mit etlich 1000. Mann in aller Eyl vf den Feindt loßgangen, demselben dermassen chargirt, daß daryber gedachter Herzog Friz von Altenburg, samt dem General von Obertrautt vf der Wahlstatt Todt geblieben, vnnd sein von Vns, die wür mit 1000. Mann comendirt gewesen, wieder in die Quartier nacher Pattensamb geschickht, vnd die zwey Generalen Todter mit vnß in deß Generals Tilli Gutschen gefürth, vnnd in der Kürchen beygesezt worden, biß sie förders nacher Hammeln allwo vnser hauptquartir gewesen, geführt worden, Nach diesem wintterquartier, sein wir in Hessen, haben Geißmeyer,[55] Grefenstain,[56] wie auch Mündten[57] an der Werra, mit sturmeter handt eingenommen, nach diesem haben wür vnß nacher Göttingen gewendet, solches formaliter belägert, da es dann hart hergangen, vnnd ich alß Corpral die ganze Belägerung durch, Wachtmaisterleutnantstell versehen müssen, da es dann grosse Mühe vnd gefahr abgeben, aber solche Statt nach belägerung 6. wochen einbekhommen, da ich dann ins Knye geschossen, vnndt in die handt gehaut worden, nach Einnemmung dises orths, sein wür vff Northeimb zuegangen, allwo der König in Denenmarckh mit seiner Armee auch ankhommen, vnnd mit vnsern Reuttern, welche durch daß wasser die run gegangen, Scharmizirt biß vf den Abent, alsdann wür vnnß gegen Göttingen zurückgezogen, vnnd vnß vf einen Berg gesezt, alß aber vnser General vernommen, daß sich der König von Northeimb auß, vf daß Eyßfeldt begeben, sein wür Im vf den Fueß nachgefolgt, biß wider ins Braunschweigerlandt, allwo wür Im mit 3000. Commendirten Musquetern, darbey ich auch mitgewesen, vnnd mit der meisten Reutterey nechst Gondersam[58] Iren Nachtrab oder retroquardi angetroffen, selben chargirt vnnd in die Flucht gebracht, welche sich in grosser Confusion der Armee nach, gegen Lutter[59] retterirt deß andern Tags gar früe, sein wür wider vfgebrochen, den Feindt biß vf Lutter nachgefolget, alda wür alß meines Obristen Schmidts Regiment, vnder dem Fueßvolckh die affanquarti gehabt, vnnd nach langem gefecht den Feindt biß vfs Haubt geschlagen, vnnd daß Schloß Luther auch eingenommen, alßdann sein wür weitter dem Feindt nach Saltgüetter[60] gangen, welches wür eingenommen vnnd besezt, nach selbiger sein wür in die Graffschaft Höhe[61] gezogen, vnnd selbige Vösstung Höhe wie auch Pleckhete,[62] vnndt die Stadt Verdten[63] eingenommen, nach solchen Verlauff sein wür in die Wintterquartier, alß vnser Regiment in vnder Hessen khommen, nach endtung dieses Quartiers, sein wür wider zu Feldt gezogen, vnnd gegen den König in dennenmarckh gangen, vnnd erstlich Northeimb eingenommen, Nach Einnemmung dises vössten orths vnnd Plaz, sein wür weitter der Elbe vnnd gegen Hollstain gangen, vnnd die Dennischen, welche vnderhalb Beizenburg[64] eine schönne Schifbrückhen yber die Elbe, vnnd ein auß dermassen starckhe vnnd wohlerbauthe hauptschantz gehabt, die belägert, auch einmahl mit sturm in der nacht Lermmen gemacht, vnnd angeloffen, darmit mein Obrist, Freyherr von Cröde [Croy; BW], welcher mit 1000. Mußquetirn vnnd 500. Pferdten, einstundt Oberhalb Beizenburg yber die Elb gangen alsobalden Possto gefasst, dadurch von vnser Gualari etlich 1000. Pferdt noch vor Tag alda, durch die Elb gangen, deß Feindts Truppen, welche oberhalb Beizenburg gestandten Scharschirt, vnnd bey gedachter Statt vorbey geiagt, dahero der Feindt, welcher nicht gesint gewesen, weitter zustehen, in aller Eyl vfgebrochen, die vorgedachte Hauptschanz samt der yber die Elb geschlagenen schönen Schifbrückhen verlassen, vnnd sich mit grosser Confusion Inn Hollstain rettirirt, Wür aber seint selbigen Tag noch mit der maisten Armee zu Fueß durch vorgedachte hauptschanz, yber die Schifbrückhen gangen, Beyzenburg alsobalden belägert vnnd nach etlichen Tagen eingenommen, von dann nach Sassen Lauenburg gangen, vnnd selbiges auch eingenommen, nach diesem seint wür weitter fortt in Hollstain gangen, vnnd Jezecho,[65] vnnd Hellmenshorn[66] eingenommen, von dannen sein Wür vor die Vösstung Breitenburg[67] geruckht, selbige belägert, vnnd mit sturm erobert, nach dieser eroberung, sein wür fürders vf Renspurg[68] gangen, alda ich Wachtmaister Leutenant worden, solche Statt vnnd Schloß nach 14. Täg belägerung auch eingenommen, von darauß sein wür von den Herzogen von Fridtlandt weckh, vnnd zu Sassen-Lauenburg, über die alda geschlagene Schifbrückhen, vnnd vf daß Erzstifft Bremmen zuegangen, gegen Statte[69] den geraden weeg Zue marchirt, alda vf ein Meil von Statte vnnß der Commendant Movgan [Morgan; BW] vf einen Paß vfgehalten, in selbiger nacht ist mein Oberist der [Hans Heinrich; BW] von Reinnach mit 3000. Mann Commendirten Völckern zue Fueß, ein Meil vnderhalb Statte, ybern Marasst, allwo ich mit 50. Mann vorangangen, vnd ein Bredt nach dem andern vbern Marasst, welcher ein halbe meil breit gewesen, legen lassen, da ich dann eine halbe stundt vor Tag förttig worden, vnnd zue Cassel[70] ankhommen, den Kürchhof alsobalden eingenommen vnnd besezt, in einer stundt darnach, ist mein Obrist mit dem Vberrest deß Volckhs ankhommen, Da wür dann im Fleckhen Cassl alsobalden alle Weeg mit Wägen verschoben, vnnd mit Müsst beladen worden, Alßdann mein Obrist noch zum Kürchhof etliche Oerther besezt, mit dem Vberrest wür nechst an dem Fleckhen gelegen, dann geruckht, vnnd allgemach Fewer vnder die 3. Regimenter Pferdt, welche ausserhalb deß Dambs gestandten, vnnd vf Schiff gewarttet, damit sie vbergefürth werden sollen, dann sie sich kheines Feindes ganz nicht besorget, so lange Statte nicht über, man Inen nicht zuekhommen khönte, haben Inen auch nicht eingebilt, daß ein Mensch yber den Marasst, woryber vnnß ein Bremischer Edelmann von Eßdorf genannt, gefürth hat, khommen solte, alß nun gedachte 3. Regimmenter Reutter den Ernst gesehen, vnnd weder yber das wasser, noch sonsten Nirgents außgekhunt, haben sie angefangen zu accordirn, daß den Officirn Ire Pferdt, sambt Iren sachen sollen freygelassen, vnnd zu Schiff nacher Kürchen[71] an der Osst, sollen gefürth werden, die Gemainen Reutter welche Lust zue dienen, sollen Ire Pferdt gelassen, vnnd vndergestossen werden, den ybrigen aber Ire Pferdt, Sattl, vnnd Zeug genommen, vnnd wo ieder hinbegehrt, gelassen werdten, Disen Accord hat mein Obrist Ir Excella. dem herrn Grafen von Tylli yberschickht, welcher alles guet gehaissen, vnnd solchen vnderschriben, auch befolchen solchen stett vnd vöst zu halten, sein die Officier sambt all Iren sachen zu Geberstorff[72] an der Ossten in drey Schiff eingeschüfft, vnnd die Ossten hinauf gegen Kürchen an der Ossten, Welches ein schöner fleckhen, gefürth worden, alda herr General Graf von Anhalt [Anholt; BW] mit Commendirten völckhern gestandten, vnnd vermaint diese 3. Regiment anzutreffen, weiln aber solches vergebens gewesen, hat sich gedachter Graf, alß er vernommen, daß der von Reinnach mit Ihnen accordirt, hat er auß den bey Im Comendirten völckhern einen Leutenant mit 50. Mann Comendirn lassen lassen, welches von meines Obristen Regiment, vnnd vnsers Obristwachtmaisters [Ott Heinrich; BW] Fuggers[73] Compagnie seinen Leutenant betroffen, deme er Mündlich befolchen, mit seinen 50. Mann alsobalden sich vf die Schif zu begeben, dieselben Blindern, vnd den Officirn alles nemen lassen waß sie haben, Woryber gedachter Leutenant vmb ein schrüfftliche Order gebetten, welche im nach langen bitten auch ist gegeben worden. Alß er nun auf die Schiff khommen vnd alles Breiß gemacht, haben sie 2. Officir zum General Tilli geschickht, vnd Im solches anzaigen lassen, welcher meinen Obristen alsobalden befolchen, den Leutenant, welcher Ihm seinen Accord gebrochen, Henckhen zu lassen, vnnd wann er die schrüfftliche Order nicht gehabt hette, er Gewiß henckhen miessen, alß nun dieses vorbey gangen, vnnd der Commendant in Statte solches Innen worden, daß wür schon vnderhalb Statte im Landt von Kötten sein, auch nicht Passtant gwesen vnser Armee an disen Paß lenger aufzuhalten, hat er sich nacher statte rettirirt, Wür aber haben darauf Buxdehut[74] und Hornburg[75] eingenommen, Nach selbigen haben wür mit vnsern Regiment im Landt zue Kötten[76] Quartier genommen, vnnd vf selbiger seitten der Schwing, Statte den ganzen Wintter durch ploquirt, yber der Schwing im alten Landt ist des Graffen von Gronßfeldt [Jost Maximilian v. Gronsfeld; BW] Regiment Logirt, vnd vf selbiger seitten Statte ploquirt, vnd vf der dritten seitten gegen den Galgenberg hats daß Hörmantstorffische [Herberstorff; BW] Regiment, welches zu Hornburg gelegen, ploquirt gehalten, sein also den ganzen Wintter daruor gelegen, den Früeling aber hat vorgedachter Commandant Morgan, weiln er starckh darinnen gelegen, vnd mangl an Profiant bekhommen, angefangen zue Parlamentirn, vnnd ist mit 41. Compagnien zu Fueß, vnnd 3. zu Pferdt abgezogen, vnnd ist also Statte den 7. May von vnß eingenommen, vnnd mit den Gronßfeldischen Regiment besezt worden, Wür aber, alß meines Obristen Regiment, sein in daß Wusstlandt[77] an der Elb vnnd wesser ligent, in die Quartier gangen, vnnd yber 3. Jahr darinnen, vnd in Statte gelegen, da vnderdessen den 12. May Ao. 1631 [1629 !; BW] mit den König in Dennenmarckh fridt gemacht worden, den herbst zuuor hat gedachter König in Dennemarckh mit 42. Schiffen die Schanz Belheimb,[78] darinnen ich fasst in die 2. Jahr gelegen, berent, seine Leut alß 1800. Mann zue Fueß, sambt 80. Reuttern außsteigen, vnd die Schanz vf fordern lassen, deme ich aber nichts zu willens gewest, alß Krauth vnd Loth, daryber sye zweymahl mit macht an die Schanz gesezt, aber alzeit mit Verlust abgetriben worden, da Ihnen dann zimblicher schaden geschehen, vnnd vil von Ihnen gebliben, von mir aber in der Schanz nicht mehr alß fünff Persohnen vnd meines Obristen sein Leutenant Grueber genant, vnd zue Belhem eine halbe stundt gehent, im Quartier gelegen mit etlich vnd 30. Mann zu mir in die Schanz, selbige defendirn zuhelffen, hinein khommen, auch durch beede Künbackhen geschossen worden, der Feindt aber ist hinder dem Tham ligen bliben, die Reutter aber vmb die Schanz herumb in die nechsten Dörffer geschickht, selbige Plindern, vnd daß Vich hinweck nemmen lassen, gegen den Abent ist mein Obristl. von Crode, mit In 500. Man zum Succurs khommen, weiln er aber zu schwach sich befunden, hat er doch noch noch einen Leutenant mit 70. Mann vf die Schanz zu, yber die Gräben, mit 2. oder 3. brettern gehen sollen, commendirt, welcher nur gleich den geraden weeg vf die Schanz zuegangen, da er vnß doch mit schiessen an vnderlaß gehört, vnnd an den Dammb nechst der Schanz, alwo der Feindt darhinder gelegen, khommen, ist selbiger mit ganzer macht vf Ihn loßgangen, alle 70. Mann, ausser eines Corprals, welcher Todt geschossen, gefangen worden, alß aber die Flutt, oder daß Wasser wider khommen, hat sich der Feindt wider zue Schiff begeben, vnnd da die maisten völckher in den Schiffen gewesen, haben sye Ire Anckher gelöst, die Seegel vfgezogen, vnd wider der Lipstatt, alwo sye herkhommen, zuegeseegelt, weiln aber zwey von Iren Schiffen darauf 7 Stückh gewesen, sich zu weit in den Ossten hineingelassen, vnnd mi Iren Stückhen an vnderlaß vf die Schanz gespillet, vnnd weiln daß wasser, alß die Osst ganz nahe an der Schanz gewesen, hab ich stets auf Schiff Fewer geben lassen, daruon vf den einen der chiffpatron Tod geschossen worden, daryber sie wegen deß starckhen schissens nicht bey den Seglen bleiben: vnnd selbige regieren kkönnen, vmb Quartier gebetten, vnder dessen ist mein Obristl. khommen, da ich alßdann mit 20. Mußquetirn vf die zwey Schif hinein gefahrn, die Soldaten, welcher 40. vnnd der Schifleuth 20. gewesen, in mein Schifflein oder Eber wie mans pflegt zu nennen sizen: vnnd in die Schanz: die zwey Schiff aber in den Haafen bey der Schanz führen lassen, dauon mein Obrist die Stückh von den Schiffen zu sich genommen, mir aber die zwey Schiff geschenckht, welche ich einen Hamburger verkhaufft, vnnd binn ich solang in der Schanz ligen bliben, biß der Bischoff von Bremmen [Johann Friedrich v. Holstein-Gottorp; BW] vnser Feindt worden, da wür vnß dann neben den Comargischen Regiment in die Statt Stade begeben, vnd solang darinn ligen bliben, biß vnß der General Todt [Åke Tott; BW], neben den Bischofflichen Bremischen Volckh Plockhirt gehalten, vnnd ober sich wohl 18000. Mann starckh geschäzt, hat er vnnß doch nicht belägern dörffen, dann wür ein ganze meil hinder sein haubtquartier, welches er zu Hornburg gehabt, außgefallen vnd grossen schaden gethan, auch alß sie mit 400 Pferdten, vnuersehens, daß nur Lermen worden, am andern Pfingstfeuertag vor die Statt khommen, vnser am Eussersten Schlagbaumb stehente Schiltwacht Todt geschossen, aber weiln wür alsobalden mit stückhen vnd Mußqueten vf sye Feyer geben, haben sye sich zurückh hinder den Galgenberg begeben, worauf der Obrist Comargo mit 50 pferden sich hinauß begeben, da mir dann mein Obrist befolchen, Ich solte demselben fleißig aufwartten, vnnd weiln sich etliche Reutter von deß Feindts Troppen zum Scharmizirn Präsentirt, aber der Obrist Niemants von der Troppen gelassen, alß ist ein Corporal zu Pferdt vnuersehener weiß hinauß, vnnd mit Iren einem scharmizirt, woryber noch zwey khommen, alß ich vnd meines Obristen Stallmeister solches gesehen, sein wür ohne willen deß Obristen Comargo, Im zuentsezen von der Troppen, vnd neben den Corpral scharmizirt, vnnd ieder vf sein Mann vnd ich vf einem in ganz rothen Khleidt loßgangen, sobalden ich mein eine Pistoln gelöst, hat er einen Corbiner vnderm Rockh herfür gethan, vnd sobalden er seinen schuß vf mich verbracht, ist er etwas zurückh, vnd ich Im mit meiner noch geladenen Pistoln nachgangen, der Stallmeister aber hat in dem er sein Pferdt gewendt, gesehen, daß mein Pferdt geschossen, mir Eilents zuegeritten vnd gerueffen, Leutenant, vor hundert Teifel zurückh, dein Pferdt ist geschossen, woryber Ich vorn hinunder gesehen, da dann beyde PferdtSchenckhel oder füeß ganz voller bluet gewesen, darauf wür alle zu der Troppen geritten, da ich dann gesehen, daß mein Pferdt recht fornen in die Brust geschossen, vnnd mür mit der andern Kugl ein Stückhl von einen Mesingen Pigl hinweckh geschossen gewesen, Worauf der Obriste Comargo gerueffen, wolt Gott daß Ir getroffen weret, binn also mit Stillschweigen vf die Statt vnnd in mein Losament geritten, ein anders Pferdt lassen Satteln, vnnd mich darauf gesezt, vnnd wieder hinauß begeben, an ders zu hollen, wie ich nechst deß Obrist Comargo Troppen khommen, hat man mir den guten Corprallen, welchen wür zuuor entsezt, schon Muetternackhent vf seinen andern Pferdt, Todter entgegen gebracht, darauf ich gar zur Troppen khommen, da mir dann der Obrist wider gesagt, habt Ir den Corprallen sehen hinfüren, so würdts euch ergehen, vnder dessen sein ie lenger Je mehr Reutter khommen, bey einer Vierthl stundt lang, ist der Leutenant Aichelberger mit ein Pferdt 60. oder 70. khommen vnd nur vor vnß vorbey, wie Ingleichen ist der Leutenant Jän mit ein 40. Pferdt khommen vnd zu gedachten Leutenant Eichelberger geritten, Wie solches der Feindt gesehen, vnnd wohl gewust, daß wür ansehentliche 4. Compn. Reutter, da iede yber 120 Pferdt starckh sein, haben sye sich zurückh yber ein Teich Damb gezogen, vf der Höch vf beyden seitten ieder 2. Troppen gesezt, da dann der Leutenant Eichelberger gerueffen, waß Reutter sein, sollen zu Inen khommen, sonst seins alle schelmmen, dan dann alles daruon vnnd zu den beyden Leutenanten geritten, daryber sich der Obrist schröcklich erzirnt, vnnd geschworen daß er gedachten Leutenant Eichelberger wolte henckhen lassen, darauf ich gesagt, ich will sye woll einhollen, vnnd Inen deß herrn Obristen Mainung sagen, darauf er gesagt, ich solle hinreutten, vnnd den beeden Leutenanten sagen, Obs mit so wenig Mannschafft vf den Feindt wollen gehen, vnnd daß Volckh muetwillig verlieren, sollten sich ins Teufels nammen zurückh scheren, oder sollen alle beyde gehenckht werden, da ich zu Inen khommen, vnnd Inen solches angedeutt, hat der Eichelberger gesagt, der von Reimach sey Commandant, vnnd nicht der Comargo, darauf dann mehrgedachter Aichelberger mich angeredt, Brueder wilst mir mein Troppen helffen führen, darauf ich geantwortt, Warumb nicht, den Jän hat er angeredt, ob er die andern Troppen führen will, vnd hart vf Ihn, damit vnß die zwey Feindts Troppen nicht khönnen in rückhen khommen, darauf der Leutenant Jän geantwortt, schaut nur zue, daß Ir die zwey Troppen zur rechten handt bräf Puzt, ich will die andern zwey Troppen dergestalt scharschirn, daß sye Euers rückhen wohl vergessen sollen, darauf wür die Reutter, deren aber yber 170 oder 180 (so wahr alß ich Ehrlich binn) nicht starckh gewesen, genommen, vnnd in Gottsnammen mit einen grossen geschrey, weiln die Reutter maistens voll gewesen, mit grosser Furi vf den Feindt loßgangen, demselben dergestalten scharschirt vnnd yber Kopf vnnd halß geschlagen, daß wür yber hundert gesattelte Pferdt, auch yber 70. gefangene, darunter zwey Rittmaister, 2 Leutenant, vnnd ein Corneth gewesen sein, alßdann mit gueter Beutt, vnnd grossen Frolockhen, in die Statt gekehrt, da dann der Oberist Comargo dem Leutenant Aichlberger, bey meinen Obristen verclagt, vnnd haben wollen daß er henckhen solle, welches aber der von Reinach nicht gethan, sondern vnß alle gelobt, daß wir vnß so Präf gehalten, die Rittmaister aber, deren 4. gewesen, den andern Tag wackher außgemacht, daß so gar kheiner darbey gewesen oder hinauß khommen, als binn ich meines schadens, weiln mir mein schöner Stuzohr von den Schuß gestorben, auch wider einkhommen, vnd wider einkhommen, vnd drey Pferdt daruor bekhommen, dann 2 vf mein partt vnd das bösste meinem Obristen geben worden, welches er mir auch geschenckht, die zwey Leutenant hat auch ieder 2. bekhommen, die ybrigen sein vf die Reutter, weiln sie sich so wackher gehalten, außgethailt worden, Seint also in Statte ligen bliben biß vnß Ao. 1632 herr Generall Graf von Pappenheimb [Pappenheim; BW], nachdem er Madeburg [Magdeburg;[79] BW] entsezt, vnnd dem General Banier [Banér] 8. stuckh daruor abgenommen, von dort auß ist er den geraden weeg vf Stade zugezogen, von darauß ich Ime mit 50. Pferdten durch deß Feindts Quartier die nacht durch, vf fünff meil entgegen geschickht worden, vnnd von allem, wo vnnd wie der Feindt logirt, auch wie starckh man Im schäzt, bericht thun miessen, daryber er sich gleich alsobalden resoluirt den morgen gliebts Gott vf den Feindt loßzugehen, auch in gegenwarth meiner alsobalden Order an alle Regimenter schreiben lassen, daß selbige mit samt den Tag vor daß haubtquartier erscheinen sollen, welches auch geschehen, vnnd ist alsobalden der March vf deß Feindts haubtquartier, welches zu hornburg 3. meil von vnserm haubtquartier gewesen, eingerichtet worden, sobalden aber der Feindt von deß Pappenheimbs ankhunfft vernommen, ist er auß seinen Quartiern vfgebrochen, vmb Stade herumb allwo vnsere Reutter auß Stade Ihm grossen schaden zuegfüegt, vnnd viel volckh von Ihm gefangen bekhommen vf die Cronenburger[80] Brückhen zue Marchirn, alda er yber die Ossten gangen, vnnd selbige Brückh hinter Im abgeworffen, sobalden Ir Excella. Herr Graf von Pappenheimb khundtschafft erlangt, daß der Feindt durch vnd vber die Ossten gangen, hat er seinen March geändert, vnd den geraden weeg vf Statte zue marchirt, darinnen sein haubtquartier genommen, vnd die ganze Armee durch vnd in daß Göttinger vnnd alte landt[81] auch in die Quartier gehen lassen, alda sich die Armee zimblichermassen refresirt, nach 14. Tagen sein wür von Stade vfgebrochen, vnnd selbige vnbesezt gelassen, vnd vf verdan [Verden; BW] zuegezogen, vnnd dann vor Lemgaw,[82] selbiges belägert vnnd eingenommen von dortauß vf Herrforth,[83] selbiges ebenmässig belägert vnnd auch eingenommen, welche schönne Stätt sein, von dannen sein wür vor die vösste Statt Ein Böckh[84] gezogen, selbige wider belägert, vnnd eingenommen, von dannen sein wür vf Hessen zuegangen, die hessen auß Volckhmorisen[85] vnd Münden[86] gejagt, eingenommen vnd besezt, darauf sein wür vf Drengelspurg,[87] wie auch Wizenhaußen,[88] sodann vf Allemdorf[89] vnd Eschweege,[90] welches schöne Stätt in hessen sein, selbige alle eingenommen, von dannen sein wür vf Eißfeldt[91] gangen, daß vösste hauß Rüssenburg[92] eingenommen, daruor von vnsern Regiment ein Leutenant Zuckhsbrätl genant, vf ein heimbliches Orth geschossen worden, daß er gleich vmgefallen, aber doch wider genesen, danach sein wür vor Heilligenstatt[93] vnnd auch vor Dutterstatt[94] gangen, dise zwey örther belägert Eingenommen, vnd die Hessische Soldaten vndergestelt worden, Hirauf seint wür zu Boll[95] über die weser gangen, vnß mit den Grafen von Gronßfeldt conjungirt, ist der Graf von Pappenheimb in aller Eyl mit der Caualeri vf Brackhel[96] zuegangen, alda 14. Compagnien hessische Pferdt angetroffen, Scharschirt vnd ganz ruinirt, vnnd vil Nidergemacht,[97] auch 400. neben villen Officirn gefangen bekhommen, von dannen sein wür vf Häxter [Höxter; BW] gangen, selbiges von einem Berg beschossen, alwo vnß ein halbe Cortaunen lauffent worden, vnd yber den Berg hinunder geloffen, habens also biß in die nacht ligen müssen lassen, in der nacht weil ich nechst an der Statt neben einem Haubtmann von vnsern Regiment Voglgsang genant ein Mühl eingenommen, ist der General Pappenheimb zue vnnß khommen, vnd gefragt, waß die in der Statt machen, ob sie starckh arbeitten, haben wür zur antwortt geben, sie weren ganz still, darauf ich den General gebetten, er soll mich an daß nechste Reuellin, welches vor selbigen Thor gelegen, neben zwey gueten Kerln gehen vnd recognoscirn lassen, welches begehrn er gern von mir angenommen, vnnd mich fortgehen lassen, da ich dann in aller still, so guet ich gekhundt, hinangeschlichen, so balden ich an daß Werckh khommen, hab ich mich allgemach vfgericht vnnd weiln ich Niemants vernommen, binn ich yber den wahl allgemach mit meinen 2. Kerln hinauf gestigen, aber keinen Menschen darinnen gefunden, alßdann binn ich weitter fort, vnnd biß an die Stattpforten gangen, die ich zuegechlossen gefundten, hirauf hab ich alsobalden, von meinen 2. Soldaten einem zum Grafen geschickht, vnnd vmb 50. Mann gebetten, zu besetzung deß Reuelins, die er mir alsobalden geschickht, wie ich sie bekhommen, weiln alles in der Statt Still gewesen, habe an den Statt Thor angefangen zuhauen, daryber von einem gerueffen worden, wer da were, vnnd waß vnser begehren were, darauf ich geantworttet, Ir Excella. der Graf von Pappenheimb were in aigner Persohn alda, wo sie nicht würden vfmachen, solte die Statt morgens früe beschossen vnnd kheinem Menschen khein Accord oder Quartier geben oder gehalten werden, darauf Mir wider geantworttet worden, die wür mit dem herrn retn, sein nur bürger, wolten gern vfmachen, wann vnnß nichts geschehe, dann der Feindt albereit yber die Schiffbrückhen gangen, vnnd khein Mensch mehr in der Statt, von Im ist, solches hab ich alsobalden dem General, welcher in der Mühl vf mich, waß ich richten werde, gewarttet, berichten lassen, waß es vor ein beschaffenheit hat, vnnd wie eß stehet, ist er alsobalden mit vorgedachte hauptmann Voglgsang vnd mit den ybrigen in der Mühl Comendirten völckhern mit freuden zu mir khommen, vnd gefragt, wie iß langer Schelm, wie er mich dann von selbiger Zeit an nie anderst gehaissen, woryber ich geantwortt, eß were guet. Der feindt were yber die Schiffbrückhen, vnnd were khein Mensch von Im in der Statt, alß wie mich die Bürger, welchen zwar nicht zutrauen, berichtet haben, darauf er mich gefragt, ob ich mir mit meinen 50. Mann, vnder daß Thor, thraue, wann die Bürger vfmachen, woryber ich geantworttet, gar wohl, werden ia kheine Schelmen sein, doch ist wenig an mir vnnd meiner Mannschaft gelegen, wills in Gottesnammen wagen, darauf Ir Excellenz den haubtmann befolchen, wann waß widerwertiges geschechen solle, mich zuentsezen, er aber iß vor daß Revellin hinauß, vnnd befolchen, der ganzen Infanteri zu marchiren, darauf ich dann gerueffen, die Bürger solten vfmachen, welches alsobalden geschechen, daß mür vfgemacht worden, vnnd ein Burgermaister mür die Schlüssel yberantwortt, darauf ich zwar nicht gethrauet, sondern den Burgermaister alsobalden gefangen genommen, vnnd bey mür behalten, einen Corprall zu nehrer Versicherung mit zehen Mußquetirn durch die Statt vf die Schifbrückhen zugeschickht obe sichs also befind oder verhelt, wie mür die Bürger angezaigt haben, in einer halben stundt ist der Corprall khommen, vnnd mich berichtet, daß er vom Feindt nicht einigen Menschen gesehen, auch die Schif an der Schifbrückhen voneinander geschnitten, vnnd nach der Lengs der Weser hiengen, darauf ich selbigen Corpralen mit diesem bericht vor das Revellin, allwo der Graf vf die Regimenter zue Fueß mit verlangen gewartt, geschickht, welche aber balt ankhommen, welcher gleich durch das vorgedachte Revellin zu mür vnder das Statt Thor khommen, vnnd gefragt, wie steths Langer Schelm, woryber ich geantwortt gar wohl, alßdann hat er den offtgedachten haubtman befolchen, durch die Statt mit seinen Völckhern biß under das Wasser-Thor alda der Feindt sein Schifbrückhen gehabt, zumarchirn vnnd biß vf weittere order alda zu verbleiben, auch khein hauß oder nichts Plindern zu lassen, mür aber hat er befohlen, under diesen Thor zuverbleiben, biß alles Fueßvolckh durch, alsdann will er mür erlaubt haben, 3 oder 4 heuser vor mein Rekompens zu rantioniren, welches von mür biß vf den Tag fleissig ist observirt worden, da alßdann den morgen daß haubtquartier hinein gemacht, daß Fueßvolckh aber ist noch vor Tags yber die Schifbrückhen welche in aller Eyl ist wider zusammen gefüegt vnnd verfertigt worden, die Gaballeri aber iß oberhalb der Statt durch die weeser, allwo ein gueter Furth gewesen, gangen, cnnd iß deß Feindts Gaballari noch oben an den Waldt an der strassen, nacher Mündten gestanden, darauf ist vnser General mit vnsern Reutern gangen, deß Feindts Leuth oder Reutter alsobalden nechst an den Wald scharschirt, vnnd in die Flucht gebracht, diselben biß nahe an Münden verfolgt, 7 Standarten neben Villen offizirn vnnd 150. gefangenen zurückh gebracht, auch aller Reutter aussag nach yber 400 Nider gemacht, vnd iß der General selbigen Abent mit allen Reuttern wider zurückkhommen, sein wür von dar wider yber die Weeser, vnd dem Rein zuegangen, vnnd vnsern weeg nacher Masstrich [Maastricht;[98] BW] gangen, dorten ein Lager geschlagen, vnd nach dem die Spannischen, welche Jenseits der Mass Ir Lager von 36000 Mann gehabt, eine schöne Schifbrückh von leichten Holz gemacht, den dritten Tag darnach haben sie vnß 10000 Mann neben 10 schöne Stückhen heryber geschickt, da in iedem Stückh 16. Biß in 20 pferdt, auch in iedem einerley farb, vnnd auß dermassen schöne Pferdt gewesen, deß andern Tags vngefehr vmb 9 Uhr iß von vnsern Regimment ein haubtmann Nammens Marttin Augustin mit 300 Mann in einem hof, nechst an der Hollender Iren werckhen gelegen, komendirt worden, demselben einZuenemmen, welcher dann alsobalden darauf loßgangen, die hollender, welche nicht gar starckh darinnen gelegen, nach geringen scharmizirn herauß gejagt, wür aber sein mit der ganzen Armee vor vnsern Leger vf einen Berg gestanden, vnd dem Spil zugesehen, daryber die Hollender wider starckh außgefallen, vnsern haubtman mit Verlurst viler Soldaten herauß geschlagen, darauf vnser Generall Graf von Pappenheimb 1000 Mann vnsern haubtman zum Succurs geschickht, welche alsobalden den hof wider mit ganzem Gewalt eingenommen, vnnd alles waß sie von den Holländern erdapt, nidergemacht, vnd weiln Im vnser General wohl einbilden khönnen, daß sie wider, weiln dieser hof so nahe an Iren Werckhen, vnd nechst einen Thor gelegen, wider außfahllen, vnd sich refansiren werden, alß iß er Eylents mit vnser ganzen Armee hinunder gangen, sich vor Irem schönen hoch erbauthen werckhen, in Petali gestelt, die Spannischen Stück neben vnß Plantieren lassen, die Hollender aber sein in angesicht vnser, zu Ross vnd Fueß herauß gefallen, vnd vnsere Völckher auß vorgedachten hof Jagen wollen, welche vnser General aber in aigner Persohn mit 5 Regimentern zu Pferd entsezt, dieselben biß vf Ihr vfzühbrückhen hinein geiagt, waryber von vnß izt und nacher, da wür den ganzen Tag im Veldt under deß Feindtes stückhen, vnd wegen der Spannischen Stückh, weiln kheine Pferdt vorhanden, sondern wegen deß greulichen schiessens, ohne deren doch vill Todt geschossen worden, daruon geritten, stehen mießen, da dann zu 5 6 vnd 7 Reutter zu Zeiten von den Pferdten mit stückhen, wie ingleichen beym Fueßvolckh auch geschechen, herunter geschossen worden, vnd haben also einen heissen vnd scharpfen Tag, alß Jemalß in einer Schlacht geschechen, gehabt, ob vnß zwar neben den Spannischen Stückhen 10000 Mann hinyber geschickt worden, sein doch selbige vf vnsers Generals befelch, welcher auch an einen Schenckhel, mit einer Mußqueten Kugl gestreifft worden, nicht zu vnß hinunder, sondern vf den Berg stehen bliben, vnnd vnß zuegesehen, deßgleichen ist von der Spannischen Armee, welche doch Iren Vorgeben nach 26000 starckh gewesen, vnd Jenseit der Mass in Iren Lägern still gelegen, vnd kheinmahl für daß Läger hinauß gefürth werden, vnd wann sich die Spannischen nur mit Irer Armee ins Velt gestelt hetten, vnd dergleichen gethan, alß wann sie etwas Tentirn wolten, so weren wür verhoffentlich an Vnser seitten in daß Holländische Läger khommen, dann sie alle Ir Pagage albereit yber die Mass hinyber geschickht, aber da hat Niemants vnß helffen wollen, sondern vns an Creuz hangen lassen, biß die Liebe nacht khommen, da wür dann mit grossen Verlurst Viller brafen Leuth vnnd mit spott abgezogen, den dritten Tag darnach, haben die in Masterich ligende Spannier, weiln sie gesehen, daß sie, ob wür wol vf vnser seiten das bösste gethan, aber Ihre Leuth sie nicht begehrn zuentsetzen, alß haben sies den holländern in angesicht zweyer Armeen ybergeben, da wür dann mit grossen digusta Vnsers Generals den andern dag darnach vfgebrochen, den geraden weeg wider zurückh, da dann der General Veldtmarschalckh mit der Gaballari gegen Fenlo[99] zuegangen, vnd bey Rurorth[100] wider zu vnß khommen, da wür alßdann daselbst mit der ganzen Armee Wider yber den Rhein, vnd vf Hildesheimb[101] zuegangen, selbiges belägert, vnder des-sen hat vnser General Kundtschafft bekhommen, daß herzog Geörg von Lauenburg [Georg v. Lüneburg; BW] vor Wolfenbüttl[102] stunde, hat er den Generalveldtzeugmaister Grafen von Merode [Johann II. v. Mérode-Waroux; BW] mit der ganzen Caballeri dahin gesandt, selbiges zuentsezen, welches er auch glückhlich vnd wol verrichtet, vnd gedachten herzog darvor vfgeschlagen, alle stückh vnd Pagage bekhommen, auch vill hohe officir vnnd Soldaten mit gueter Beutt ins Läger vor hildesheimb gebracht, vnder dessen sein wür mit der Belägerung starckh fortgefahrn, da ich dann, da wür noch hundert schritt vom Graben, vnnd ich selbigen zweymahl recogniscirt, von den Wahl, weiln der Feindt ringsherumb dreymahl Fewer geben, in den Kopf geschossen worden, daß mir die Kugl in den Kopf, in den Bein, oberhalb deß Aug ist sckhent bliben, daruon ich leider, alß allererst im 28isten Jahr mueß grossen schmerzen leiden, den dritten Tag haben Sie die Statt vfgeben, da ich dann in deß Generalß Gutschen binn in die Statt gefürth worden, vnnd soweit durch Gottes Gnadt binn Currirt worden, daß ich, nachdem wür in die Statt khommen, nach Verfliessung zehen Tag wider binn außgangen, von dorten auß sein wür vf Heldrungen[103] eine Vösstung gangen, dieselbe mit Stürmeter Händt eingenommen, vnd alles, ausser deß Comendantens Nidergemacht, von dannen sein wür vf Sangershaußen[104] gangen, vnnd selbiges auch Eingenommen, von darauß sein wür durch Meissen[105] vf weissenfelß[106] gangen, alda wür vnß mit dem herzog von Fridtland Conjungirt, von Weissenfelß auß, alda wür ein ganzen Tag in Petali gestandten, auch der König in Schweden mit etlich Tausent Mann von der Naumburg[107] herauß gangen, vnnd mit vnsern Reuttern scharmizirn lassen, biß gegen den Abent haben wür mit vnsern 10 Regimentern, mit vnserm General von Pappenheimb, von der Kayl. Armee ab: vnd nacher Hall[108] gehen miessen, die Kayl. aber seint nach Lüzen[109] gangen, alda sye der Feindt den Morgen gesucht, vf sie loß gangen, in diser nacht vmb 12 Uhr hat vnser General Graf von Pappenheimb von herzog von Fridtlandt order bekhommen, mit seinen Völckhern vf Lüzen zu zumarchirn, weiln aber Vnmüglich gewesen, mit den Stückhen, bey so stückfünsterer nacht fortzukhommen, alß hat er meinen Obristen von Reinnach, alß Feldtmarschalckh-Leütenant befolchen, sobalden der Tag anbrücht, mit den Stückhen vnnd Fueß Volckh starckh hernach zu marchiren, welches auch fleissig verricht worden, aber wegen weitte deß weegs erst gegen dem Abent ankhommen, da vnnß vnnser Lieber General schon in seiner Gutschen ist Todter entgegen gefürth worden, sobalden wür ankhommen, ist mein Obrist der von Reinnach, mit deme ich hingemüst, vnd denselben gebetten, er solle Im erlauben, mit disen Frischen völckhern die wahlstatt einzunemmen, beuorab, weilln alles willig vnd begirig zum Fechten, darauf Ihme der herzog von Fridtlandt, geantworttet, herr von Reinnach wür wissen waß mehrers, der Curfürst von Sachsen vnnd Lauenburg khommen mit 16000 Mann, wür werden alßbalden marchiren, vnnd wolle der herr hier stehent bleiben, welches allernechst, an der Windtmühl, allwo vnsere grössten Stückh gestandten, geschehen, vnd die retroquardi biß alles vorbey, ausser der Croaten, 25 Compagn. welche hinder dem herrn befelch haben, zubleiben, vnnd wolle nur nichts von seinen Stückhen dahinden lassen, welches auch zimblich langsam hergangen, da wür yber dreystundt vf der Wahlstatt, biß vnsere Stückh vnnd alles fortkhommen, gebliben, vnder dessen binn ich recognoscirn gangen, vnnd einen verthrautten Corprallen mit genommen, haben vnnß alsobalden nach der windtmühl, vf allen Vieren khriechent, begeben, vnnd weiln eß zimblich still gewesen, haben wür vnß vfgericht, vnnd alles Veldt, soweit wür sehen khönnen, welches aber wegen Finster der nacht nicht weit geschehen khönnen, Voller Liechter, welches ich aber für Lundten angesehen, vnd daryber in etwas gestuzt, doch lezlich von den Bergl der Windtmühl hinunder gestigen, vnd fürders gangen, da ich dann allererst gesehen, daß es nur Liechtl sein, welche die Soldaten in den hendten, vnnd vf der Wahlstatt gemaust, oder die todten Visitirt haben, darauf ich zu vnsern grossen Stückhen gangen, da aber khein einiger Mensch vor vnß aber der Feindt gewesen, von dar binn ich neben der Windtmühl hinwider zurückh, vnd zum General gangen, vnd demselben alles berichtet, auch daß die Fridtländischen Stückh allernechst hinder der Windtmühl, stunden, Wann nur Pferdt vnd geschirr da wehren, khunden würs gar leichtlich fortbringen, waryber mein Obrist alß General Feldtmarschall von Reinnach mächtig Lamentirt, daß Im der Herzog von Fridtlandt nicht vf die wahlstatt ziehen lassen, nachdem nun vnsere Stückh, die wür von Hall mit vnß gebracht, auch alle Pagage fort gewesen, sein wür vngefehr vmb 10 Vhr in der nacht auch fortgezogen, vnnd mit den Tag zue Leibzig,[110] allwo der Herzog vmb Mitternacht mit seiner Armee ankhommen, auch dahin gelangt, vnnd sein denselben Tag, biß gegen den Abent still gelegen, aber eillents order bekhommen, biß vf die Gränizen deß Böhemerlandts zu marchirn, da wür dann die ganze nacht marchirt vnd dahin khommen, alda wür dann ein Tag oder 3. außgerast haben, vnnd hernach förters in die Wintterquartier in Bohemen gangen, vnnd ist meines Obristen Regiment, daß halb vf Leitmeriz,[111] daß ander halb aber nacher Melnickh[112] khommen, auß disen Wintterquartirn sein wür in die Pfalz, vnd alßdann nacher Regensburg,[113] alda durch und ins Schwabenlandt, vnd förders nacher Memmingen[114] gangen, selbiges belägert vnnd eingenommen, von darauß sein wür vf Kembten[115] gangen, selbiges nach 10. Tägiger belägerung mit stürmeter handt eingenommen, vnd alles darinnen Nidergemacht, von dannen sein wür yber die Donaw vf Stain[116] gangen, selbiges mit sturmb erobert, vnd eingenommen. 200. Schwedische darinnen Nidergemacht, der Rest alß 200. Man haben sich vf Dannauwörth[117] reterirt, von darauß sein wür den Bodensee zuegangen, vnß mit dem duca de Feroi [Feria; BW] als spannischen Generaln zu conjungirn, wie dieses geschechen, sein wür vf Bibrach[118] zuegangen, selbiges belägert, vnd selbiger mit schiessen vnd Fewer einwerffen hart zugesezt worden, biß sich die darinn liegende schwedische Völckher Zue Ross vnd Fueß ergeben, vnnd mit accord abgezogen, vnd von vnß besezt worden, von dannen sein wür den Elsaß zue marchirt, vnß bey Sulz[119] gesezt, alda sich der Feindt gegen vnß ins freye Veldt gestelt, da dann duca de fercoi, mein Obrist alß General von Reinnach, vnnd alles Volckh lusstig zum Fechten gewesen, aber der General Altringer [Aldringen; BW] hat nicht gewolt, sondern meinen Obristen, der Im Glückh zur Victori gewinscht, zur antwort geben, daß Im seine händt gebundten, vnd nicht schlagen dörffe, woryber der Feindt deß andern Tags frühe vfgebrochen, vnd von dannen gezogen, [120] wür alßdann auch vfgebrochen, vnnd vf die Vier Waltstätt[121] zuegangen, dieselbigen alß Stain[122] Lauffen,[123] Waltshueth[124] vnd Sickhigen[125] eingenommen vnd besezt, von dannen sein wür vf Reinfelden[126] gangen, vnd mit stürmmeter handt eingenommen, da ich dann der erst vf der Laitter im Sturm mit 50 Mann gewesen, daruon der haubtman vom Mersischen [Mercy; BW] Regiment, welcher dise Völckher anführn sollen, im anlauffen, ehe wür zu den angelegten Laittern khommen, Todt geschossen worden, darumben ich mit diser Mannschaft fort, vnnd glückhlich hinauf khommen, da mir dann der hauptman Zinckh [v. Gleich; BW] von meines Obristen Regiment, mit 300 Mann nachgefolgt, da ich dann mit meinen 50 Mann wider voran gangen, vnd vf den Plaz den Kürchhof wider eingenommen, darauf vorgedachter haubtmann, auch mit seinem Volckh khommen, aber kheinen Soldaten vernommen, waryber die Bürger, welche zu den Fenstern außgesehen, vnß gesagt, der Commendant hette sich vf die Rheinbrückhen mit seinen Soldaten retterirt, da wür dann, der haubtman Zinckh vnd ich strackhs vf selbige gangen, da wür vnder daß Statt Thor khommen, haben wür die vfziechbrückhen welche in die Statt vfgezogen würdt, mit einem ganzen hauffen angezinten Stro gefunden, damit, wo selbige abgebrent were worden, wür nicht vf die Reinbrückhen auf welcher der Bauhof, vnnd sie sich in selbigen retterirt gekhönt hetten, vnnd sie dardurch zu einen accord gelangen khönnen, wür haben aber vorgedachtes angezündtes Stro alßbalden mit khurzen wöhrn, oder höllebarten in den Rein ununder werffen lassen vnnd mit ganzer Furi vf sie loßgangen, da sie dann außm Bauhof vf vnß Feuer herauß geben, vnnd seint zwar 3 oder 4 Soldaten ybern hauffen geschossen, auch etlich gequetscht worden, daryber wür mit gewalt in den Bauhof zu Inen hineingetrungen, da vns dann der Commendant alß obristl. Von Anlau [Arbogast v. Andlau; BW] vf den haubtmann Zinckhen gerueffen, ach Vötter vnd Brueder Zinckh, gib mir vnd mein Soldaten quartier, darauf er angeantworttet, Vötter du bist ein Schelmb, vnd dienst wider den Kayser, vnnd dein Vatterlandt, vnd hat Im also mit der Partison ein stosß in den Leib geben, daß er zur Erden gesunckhen, darauf wür alles Nidergemacht, vnd nicht ein einigen quartier geben, dann Vnsere Soldaten mechtig erbittert worden, weiln von Vnnß etliche, da wür vf die Reinbrückhen khommen, Todt geschossen vnd gequetscht worden, den dritten Tag darnach hat mein General welcher ein hauß in Reinfelden gehabt, den General Veldtmarschalckh Altringer neben andern Generalen vnnd Obristen auch viller seiner freunden zu Gasst gehabt, darbey sich auch sein herr brueder hannß Badt von Steinnach oberVogt zue Altkhürch[127] befundten, deme yber der Tafl einschreiben mit disem Innhalt khommen, daß vom Reingräfischen [Otto Ludwig v. Salm; Regiment] Regiment der Regimentsquartiermaister morgens frühe nach dem Vorgedachtem Stattlein Altkhürch khommen, die ybrige Contribution einzuhollen, weiln Ir Regiment albereit Marschirt, deßgleichen solle von allen Compagnien geschehen, vnd sobalden ein ieder seine Resstanten hat, sollen sie sich alle nach Altkhürch begeben, sich daselbst zue Conjungirn, daß Stättlein außblindern vnnd in Brandt steckhen, vnd sye alßdann Iren Regiment nachEyllen, yber dises Schreiben rufft mich mein General zue sich vnnd sagt, Ir habt gern mit solchen sachen zuthun, da habt Ir einen Verthrautten Botten, dem Ir aber ein Pferdt müest geben, weiln er erst khommen, vnnd vom lauffen Miedt ist, nembt 30. der bössten Forirschützen, vnnd mein Forir, welcher im Stättl wol bekhant, vnnd reutet heunt die ganze nacht durch, damit Ir vor Tags in Stattlein khombt, Wann Ir nun darinnen seit, werden euch kheine Reutter nichts thun, daryber ich zwischen 5 vnnd 6 Vhrn in Gottes Namen fort die ganze Nacht durch geritten, ausser etwa einer stundt, da wür vor Tags, weiln die Pferdt von den starckhen reutten etwas matt worden, auch da Vnnß ein Parthey antreffen solle, desto bösser fechten oder im fall der macht desto bösser durchgehen khundten, ein stund gefüttert, nach solchen sein wür wider fort, vnnd weiln vnß der Pott aweckh geführet, damit wür vf khein dorf khommen, vnd dardurch nicht verrathen würden, da es aber recht Tag worden, hat er vnß wider vf den Rechten weeg gefürth, da wür dann durch ein Dorf, daß dem von Rabenstein, welcher vnder vnß haubtman gewesen, zugehört hat, da ich dann den Potten voran ins Dorf geschickht, ob kheine Reutter darinnen, oder ob die Leuth nichts von Inen gehört, die mir sagen lassen daß gestern abents ein Troppen Reutter nacher Altkkürch khommen, welches mir zwar nicht gefallen, ein alß andern weeg aber forth, vnnd durch daß Dorf gangen, vnnd weiln der Pott den leutten gesagt, daß wür Kayl. weren, sein sie vnder die haußthürn geloffen, und gerueffen, Gott der Allmächtige gebe euch glückh vnd Seegen, mit dem Creuz gegeben, in einer halben stundt binn ich in ein wältlein khommen, meine Leuth da stehen: vnd ich mit den Potten biß zue endt desselben geritten, da dann gleich wider eines khleines wältlein gewesen, darauß zwey bürger herauß gangen, welche, da sie vnnß gesehen, den Potten, weiln er geritten, nicht gleich gekhent, wider zurückh in waldt sich begeben, darauf ich den Potten gesagt, er soll Inen wackher nachreutten, vnnd Inen rueffen, welches er gethan, vnnd sye zu mir gebracht, welche mich berichtet, daß gestern abent ein Troppen von etlich vnnd 30. Mann zu Pferdt hinein khommen, vnd sollen von allen Compag. Wann sye Ire hinderstehige Gelter vf dem Landt eingeforderet, auch hinein khommen, daryber ich die Bürger mit mir zurückgenommen zu meinen Leutten alß mit vnseren Adjutanten vnnd meines Generals Vfwartter, welche pro Spass mitgerütten vnderredt, welche mir alles zu disponirn, weiln sie nichts zu commendirn gehabt, heimbgestelt vnnd gesagt, waß ich Inen sowohl alß denen Forirschüzen befelchen werde, weiln ich die verantwortung habe, demselben nachkhommen, darauf hab ich mich alsobalden resoluirt, vnnd mit meiner Troppen durch die zwey wälter in einen hollen weeg gangen, vnweit dem Stättlein, aldar ich abgesessen 15. Forirschüzen von Iren Pferdten absteigen, vnd Ire Mußqueten nemmen lassen, vnd weiln mir die Zwey Bürger gesagt, daß von diser Troppen etlich Reutter, wie sye herauß gangen in der Vorstatt vor dem Würthshauß gedrunckhen, alß hab ich den Adjutanten vnnd dem Vfwarter auß dem hollen weeg Vor mir herzugehen, biß an die Vorstatt, da wür dann Vnuermerckht hinkhommen, da ich Inen befolchen alsobalden Vor daß Würthshauß zugehen, ich aber binn mit meinen 15. Mann vf daß Thor zugangen, welches mir weiln der Pott vorhero zum Thorwartt gangen, gleich vfgemacht worden, vnd ich eylents dem Schloss zuegangen, vnder dessen haben meine Leuth der Bürger Irer sag nach die Reutter noch vor dem würthshauß angetroffen, etliche davon Todt geschossen, vnd verfolgt, Ich aber vnder dessen, da Ich an daß Schloßthor khommen, hab ich selbiges zuegefundten, binn ich gar an daß Thor gangen, die Schnalln an den khlain Thürl, welches in der grossen Thür eingeschnitten gewesen, Nidergetruckht, welches alsobalden vfgangen, darauf ich meinen Leuten befolchen, sollen sich wol Vorsehen, vnnd guete achtung vf Ire gewöhr geben, vnnd mir fleissig nachuolgen, darauf ich durch den Schlosshof, vf ein Stiegen, die mich gerat hinauf vor daß Zimmer, allwo der Reingräfliche Regimmentsquartiermaister, an Tisch mit etlichen Reuttern gesessen, vnnd gelt gezölt, getragen, habe die Thür vfgemacht vnd gefragt, ob sie wollen quartier haben, eß hat aber kheiner von Inen nichts geantworttet, sondern sein zimblichermassen erschrockhen, der Regimmentsquartirmaister, welcher auß dermassen einen schönen roten Rockh mit Silber Verbraumbt, ist vom Tisch vnd gegen mir mit blossen Degen loß gangen, den ich aber mit der in der handt gehabten Pistoln vf die Prust geschossen, daß er gleich ybern hauffen gefallen, meine Fourirschüzen haben ebenmessig zween Reutter Todt geschossen, die ybrigen haben sich zur Thür hinauß gelassen, vnnd sein auf daß aufm Tisch ligende Gelt zuegeloffen, die Reutter aber haben sich wider im Schloss Versteckht, auch sein etliche in der Statt herauß gewesen, aber alle gefundten worden, wie sich dann drey vf den in Schloss von lautter quatterstuckhen vfgebauthen Thurn sich retirirt haben, darunter der Rittmaister Mütternacht [Mitternacht; BW], welcher aber nur dissmahl ein Affanterier oder auffwarter beym Reingrafen gewesen, aber nacher vnder vnser Armee Rittmaister wordten, vnnd An. 1648. bey mir alß ich Commendant in Amberg gewesen, neben dem Rittmaister Neustain [Neu(en)stein; BW] gelegen, da ich dann in beywesen diser zwey Rittmaister, vnd etlich meiner officir disen Casum yber Tisch erzölt, waryber gedachter Rittmaister angefangen zuelachen, darauf ich Ihn gefragt, warumben er lachen thue, ob er Villeicht vermeinth, daß solches nicht also were, hat er mir darauff zur antwortt geben, daß er mein discurs gar wohl khan glauben, weiln er dselbsten mit am Tisch gewesen, wie sie daß Gelt gezölt, auch den quartirmaister von mir hat Todt schiessen sehen, habe er nur gesehen wo er zur Thür hinauß khönte, wie er dann neben noch zween sich in den hochen Thurn rettirirt, vnnd ich Inen selbst Quartier versprochen, hette derentwegen miessen lachen, daß ich Ihn nit mehr khennen solte, wie nun alle Reutter, ausser der 10. welche in der vorstatt getrunckhen, vnnd von meinen Fourirschüzen zu pferdt sein verjagt: theils Nidergeschossen worden, alle deren noch 26. gewesen, bekhommen worden, hab ich sie zusammen in ein woluerwarthes orth sezen lassen, vnder dessen aber ist der eine Thorwarth vom andern Thor khommen, vnd mich berichtet, wie daß etliche vnd 30. pferdt neben einen Corneth vnd Trompeter daraußen weren, vnd in die Statt begehrten, hab ich dem Thorwarth befolchen, er solte Inen sagen, das Thor were mit Müsst verwarth, khönte sobalden nicht vfgemacht werden, solten nur zum andern Thor reutten, selbiges ist alzeit offen. Vnder dessen hab ich meine Leuth zu mir genommen, eylents vnder daß Thor mich verfiegt, zwey Forirschüzen ins Thorstüblein gethan, Inen befolchen, sobalden ich einen Schuß werde thun, solten sie auch fewer vnder die khomenden Reutter, geben, dem Thorwarth aber befohlen, sobalden die Reutter khommen, solte er Inen daß Thor vfmachen, vnd herein lassen, wann sie gar herein sein, solle er daß Thor wider hinder Inen zuemachen, welches er auch fleissig verrichtet, ich aber binn mit meinen Leutten, beym Innern Thor, welches zimblich weit von den eussersten war, gebliben, vnd daß Thor zuegemacht, biß die Reutter khommen, da dann der Trompeter wackher geblasen, vnder dessen haben sie gerueffen, man solte vfmachen, hab ich daß khlaine Thürl welches im grossen Thor eingeschnitten gewesen, vfgemacht, vnd sie gefragt ob sie Quartier haben wollen, darauf sye nach Iren Pisstolen gegriffen, Ich aber habe gleich zum Thor hinauß vf den Corneth mit meiner Pisstoln feuer geben, vnnd Ihm dergestalten getroffen, daß er gleich vom Pferdt herunter gefallen, meine zwey Forirschüzen haben auch gleich auß dem Thorstübl vnder dise Reutter Vorbefolchenermassen feuer geben, vnd da sie Ire Pferdt wendten vnd wider zurück wollen, haben sie daß Eusser Thor hinder Inen zuegemacht gesehen, darauf ich noch einmahl gerueffen, ob sie Quartier haben wollen, waryber sie mit grosser Forcht Ja geantworttet, also hab ich Ihnen befolchen solten alsobalden Ire Pisstollen loß lassen, von Pferdten absteigen Ir gewöhr zusammen vf einen hauffen legen, sobalden solches geschehen, hab ich erst daß Thor vfgemacht vnnd mit meinen 13 Forirschüzen, auss der zwey, welche wie gedacht im Thorstübl gewesen, zu Inen gangen, sie alsobalden gefänckhlich genommen, welche ausser des Corneths noch 34. Mann gewesen, vnd zu den andern in verhafft genommen, in einer halben stundt darauf ist der Adjutant vnnd vfwartter Reuttner mit den berüttenen Forirschüzen auch wider khommen, vnnd 3. gefangene Reutter mitgebracht, waryber ich froh worden, daß ich meine wenige Manschafft wider zusammen bekhommen, binn also mit den Adjutanten vnd vfwartter zu meinen gefangenen gangen, vnd Inen selbige gewisen, auch Inen erzölth wie ich meine sachen angegriffen, vnnd wie es mir glückhlich ergangen, vnder disen discurs khombt der Thorwarth von anderm Thor, vnd bericht mich, wie daß wider ein Troppen Reutter von 15 pferdten vorn Thorn weren, hab ich Ihm wider befolchen, wie zuuor, daß er sie wieder zum andern Thor weisen, vnd Inen bedeutten, daß dises Thor verbaut were, welches auch geschechen vnd den andern Thorwarth ebenmessig befolchen, solte die Reutter, welche izt khommen werden, nur herein lassen, ich aber habe meine Forirschüzen, weklche erst khommen sein, geschwindt lassen vsizen, vnnd binn zugleich in aller Eyl vf daß Thor mit meinen Völligen Leutten zugeloffen, alda vnder den Inwendigen Thor, welches ich zuuor wegen meiner wenigen leuth habezugehalten, vnd nur daß khlaine Thürl offen gelassen, aber anizt weiln ich die ganze Mannschaft bey sammen gehabt, daß grosse Thor offen gelassen, vnd deß Feindts Troppen alda erwarth, alß nun selbige beym Eussersten Thor herein gewesen, vnd selbiges hinder Inen von den Thorwarth, gleich bey der andern Troppen geschehen, zuegemacht worden, darauf ich alsobalden vf sie gerueffen, obs Quartier haben wollen, sie haben darauf nicht gleich geantwortt, sondern sich vmbgesehen, da sie aber gesehen daß sie nicht zurückh khönnen, haben sie vmb Quartier gebetten, welches ich Inen bewilliget, haben aber alsobalden von Iren Pferden absitzen miessen, da ich sye dann alsobalden nach den andern gefangenen, die pferdt aber in daß Schloß führen lassen, habe also mit sambt deß Todtgeschossenen Corneths 79. pferdt, vnnd 77. gefangene bekhommen, nach solchen verlauf habe ichs meinem Obristen alß General Veldtzeugmaister berichtet, vnnd sein yber 15. von Adel zu mir hinein khommen, da mich die Statt gespeist, aber nichts zu drinckhen gehabt, aber ich habe alsobalden vf 2. Lutterische von Adl geschickht, meine Peutpferdt, weiln in der Statt kheine vorhanden gewesen, hergeben, vnd Korn vnd wein genug abhollen lassen, da ich dann allezeit ein lange Tafel mit Edelleuten, welches 8. Tag gewehret, mit Essen vnd Trinckhen vnderhalten habe, vnnd weiln ich vernommen, daß der Vriel welcher dem Feindt mit seinen im Landt an sich gehenckhten Leuten merklichen abbruch gethan, daß selbiger vor dem vössten Schloß ligt, darinnen ein Französ. Leutenant gelegen, habe ich mich auch dahin begeben, vnnd nur 2. Soldaten auf der Saluaquardi gelassen, die bürger aber haben daß ain Thor mit Müsst vermachen, daß andere aber starckh bewacht, da ich aber dahin khommen, habe ich zu gedachtem Vriel geschickht, vnnd In solches wissen lassen, hat er sich meiner sehr erfreuet, vnd haben verhofft, daß Schloß balt einzubekhommen, wie ich dann einen Trompetter von meinen gefangenen mit mir genommen, welchen ich hinauf vfs Schloß geschickt, selbiges vffordern lassen, deme der Commandant in ein Korb an einen strückh hinaufziehen lassen, selbigen vollgesoffen, vnd einen doppelten Ducaten an den halß gehenckht, vnd wieder herunter gelassen, mit bedeutten, wann Im in drey Tagen khein entsaz khombt, wolle ers vfgeben, eß hat aber vnser Freudt in selbiger nacht ein Endt genommen, dann allernechst dem fleckhen, darinnen ich losirt ein grosses geschrey außkhommen, in den wür alles gehört, vnnd ein greulicher Lermen gewesen, daryber auch der Commandant ein Feuer vfm Schloß angesteckht, daryber der Vriel, welcher vf den berg ich aber im Marckht herunden gelegen, mit seinen Bauern durchgangen, weiln ich aber nirgents hingewust, alß den weeg nacher Altkürch, hab ich einen wackhern Kerl von meinen Leuthen zu dem nechsten Dorf zu recognoscirn geschickht, welcher balt wider khommen, vnnd mitgebracht, daß es von 5. Kayl. Regimentern zu pferdt die Quartiermaister weren, vnnd Quartier machten, daryber ich frohe worden, vnnd dieselben nacht yber noch im Marcktthtfleckhen ligent bliben, deß morgens aber binn ich mit meinen Leutten, weil der Vriel mit seinen Bauren vnnd mit sich bey Im gehabten 4 stückhen den Abent zuuor weckhgewesen, auch wider nach Altkhürch gezogen, alda ich ein antwortschreiben von General Veldtzeugmaister gefunden, darinnen herkhommen, daß ich mich wider zur Armee vnnd zum Regiment begeben solle, vnnd obwoln mir Burgermaister vnd Rhat gern mit einen stuckh gelt zum Recompens, daß ich sie vorm Brandt erlöst, dann wann alle Troppen, alß von ieder Compagnie eine, weren hinein khommen,hetten sie es in Brandt steckhen sollen, welches die gefangenen bekhent haben, weiln sie aber nicht bey mittlen mit baaren Gelt gewesen, haben sie mir vnder gemainer Statt Insigl ein verförttigte handtschrüfft geben, daß sie mir wollen hundert Ducaten Innerhalb Jahrsfrüst nacher Straßburg, oder wohin ichs begern werde, erlegen, binn also mit meinen gefangenen, da ich zuuor etlichen von Adl einen ieden ein pferdt, auch ieden Forirschüzen eines geben, wider zum Regiment glücklich vnnd mit gueten Contento deß Generalß, ankhommen, alßdann sein wür vf Preysach[128] zu: vnnd daselbst ybern Rein gangen, vnnd etliche Tag vmb Freyburg[129] still gelegen, aber weiln es spat im Jahr gewesen, sein wür yber den Schwarzwald vnnd förders yber die Thonau in Bayrn gangen, in die Wintterquartier, ist auch der Spannische Duca di Fercoi [Feria; BW] diesen wintter gestorben, vnd hab ich mein Quartier mit der Leib Compagnie zu Dinckhelfing[130] gehabt, den Frieling sein wür von der ganzen Armee mit Commendirten Völckhern vor Straubing[131] gangen, da dann von ieden Regiment 300 Mann neben einen haubtmann Fendrich vnd Leutenant Commendirt worden, da es mich dann auch betroffen, vnd alß haubtman, weiln ich deß Obristen Fendrich gewesen, vnnd souil alß Capitenleutenant gewesen, vnnd die Fendrich vnder vnsern Regiment den Leutenanten vorgangen, mit Commendirt worden vnnd gedachtes Straubingen formaliter belägert, vnnd nach 7. Tagen mit Accord einbekhommen, da dann der Obriste vorhauer mit 800. Mann außgezogen, weiln sich aber 300. Mann von den Kayl. darunter befunden, sein selbige sambt den andern gleich uf vnser seitten getretten, vnnd sich vnderhalten lassen, darauf ist der Altringer, der von Reinach, vnnd Johann de Werth in die Statt gezogen, nach disem alß die Wintterquartir ein Endt genommen, sein wür mit zweyen Armeen vor Regenspurg gangen, selbiges formaliter belägert, darvor es harte stöß geben, vnnd die maiste Zeit ybles Regenwetter gehabt, doch lezlich dem Römischen König mit Accordt von Obristen Coya [Kagge; BW] den 12. Juny ybergeben worden, nach dem Regenspurg besezt worden, sein wür vf Donawörth zugezogen, selbiges belägert vnnd eingenommen, Vnnd Gundelfingen[132] gangen, selbige Örther eingenommen, vnnd besezt, von dort auß sein wür den geraden weg vf Nörlingen[133] zuegangen, selbiges belägert, da dann herzog Bernhardt sich vnweit vf ein stundt weegs von vnß vf einen hohen berg sich logirt, daß er gar schön in Vnser Läger sehen khönnen, vnnd haben wür ein alß andern weeg die Statt belägert gehalten, biß entlich die Spannischen mit dem Cardinal Infanten mit etlich Tausent mann ankhommen, da dann der Feindt vf einen Abent mit etlich Tausent pferden vf vnser Comendo Tragoner gangen, welche yber dem wasser gestandten, vnd wacht gehalten, dieselben heryber gejagt, da dann der Obristl. Gannß [Gans; BW] im wasser Todt geschossen worden, worauf vnsere Reutter mit Macht khommen, den Feindt, welcher vermuthlich noch mehr Volckh in die Statt hat bringen wollen, wider yber das wasser verfolgt, da dann Vil Officir vom Feindt, auch der Fürst Altenprandini [Aldobrandini; BW] auch Todt gebliben, vf diss haben wür Kundtschafft bekhommen, daß vnß der Feindt, welcher einen Succurs bekhommen, den andern morgens früe in willens ist anzugreiffen, darauf Graf Göz [Götz; BW], welcher daß Commando vf vnser seitten gehabt, vnnd denselben morgens Preß geschossen, vnnd vnß vergeblich stürmmen lassen, order bekhommen, daß sobalden eß nacht würdt, mit den Völckhern vnnd 4. halben Cordaunen abzuziehen, daryber binn ich mit 100. Mann auß den Laufgraben zu den 4. halben Cordaunen commendirt worden, alda zuuerbleiben, biß die Stückh von dannen vnnd ins Läger gebracht werden, da ich dann vor 10. oder 11. Vhrn nicht hinauf khommen, sobalden ich ein wenig gessen, vnnd vermaint, biß vf den morgen zu khombt der Wachtmaister, herr haubtman er würdt wider mit 300. Mann Commendirt, eß wartt schon der Genneral Adjudant forn beym Fendtlein auf Ihn, der Im führen soll, darauf ich mit meiner Partison zu den Fendtlein gangen, sobalden die Völckher zusammen khommen, hat mich der General Adjudant vor daß Läger in eine Schanz, darinnen 11. stückh gestanden gefürth, alda ich, alß es den morgen angangen, wacker mit schiessen auß den Stückhen vf deß Feindts Linkhen Flügl, welchen ich anfangs gar wol erraichen khönnen Feuer geben, vnnd weiln die Kunstäbl gar guet geschossen, daß es wackher vnder die Tropp gangen, daruon khein staub aufgangen, vnnd disem nach der Römische König, welcher nicht weit von meiner Schanz gehalten, meinen Obristen, alß den General Feldt Zeugmaister alwo noch die haubtstückh gestanden, zu mir geschickht, vnnd mir sagen lassen, ich solte doch besser schießen lassen, dann man sicht kheinen Staub aufgehen, daryber ich geantworttet, Wann man den staub vil sicht vfgehen, so gehts nicht in die Reutter oder Troppen, ist also der General wider zum Römischen König geritten, vnd referirt, waß ich zur antwort geben, da dann der General de Werth, sambt den Croaten etlichmahl vnweit ober eines Kürchl, dieselbigen Troppen angefallen, aber alzeit wider zurückh geiagt worden, alß aber von vnß etliche regiment Teutsche reutter, welche hinder dem Kürchl gehalten, vnnd von vnsern Regiment haubtmann von Angellach mit 200. Mann Comandirt, darinn gewesen, alß hat herr General de Werth den haubtmann auß den Kürchhof heraußgenommen, zwischen den regiment reuttent eingemischt, darauf er mit selbigen Reuttern vnd Croaten, mit ganzer macht vf deß Feindts Reutter loß gangen, vnnd weiln sie auch Mußquetierer vnder sie eingetheilt gehabt, sein selbige, welche bey 300. gewesen, zu rechnen in einen augenblickh Nidergemacht, Johann de Werth ist alsobalden fort, Vnnd vf die Infanteri gangen, welche auch nicht lang gestanden, weiln sie gesehen daß Ire Reutter durchgangen, haben sie sich auch fort machen wollen, aber eß sein wenig daruon khommen, wie dann ebenmässig auch vf vnsern Linkhen flügl, alwo die Spannischen gewesen, auch nicht anderst hergangen, vnd also Innerhalb 6. stunden, die schlacht gewunnen worden, da dann vf deß Feindts seitten 12000. vf der wahlstatt Todt da hingen vf vnser seitten yber 1200 Mann nicht gebliben sein, sobald die Schlacht geschechen, sein wür gleich wider vor Nörlingen geruckht, welche sich aber den andern Tag gleich ergeben, vnnd von Vnnß besezt worden, von darauß sein wür vf: vnd gegen Straßburg, vnnd förders nach Durlach[134] marchirt, selbiges eingenommen vnd etlich Tag darinnen ligent bliben, vnder dessen ist der Johann de Werth vf den Reingrafen [Otto Ludwig v. Salm; BW] zuegangen, selbigen zertrent, in die Flucht: vnnd in die Küzing geiagt, daß er mit großer gefahr mit seinen Pferdt durchgeschwummen, von Durlach auß, sein wür vfs württenberger landt zuegangen, da wür dann guete wintterquartier bekhommen, vnnd ist meines Obristen Regiment vf herrnberg[135] vnnd in dieselbigen Aembter gelegt worden, nach endtung dises Quartiers, sein wür wider ins Elsas, vnnd zu Preysach ybergangen, den Colmern[136] vnd Schleckhstettern[137] die früchten vf den Veldt ruinirt vnnd verderbt, auch die Statt Reichenweyher[138] belägert, vnd mit sturm erobert, da ich dann dem Generalveldtzeugmaister von Reinach, welcher in Preysach gewesen, etlich fass Wein hineingeschickt, dann anselbigen orth der bösste Wein in ganzen Elsaß wachst, darnach sein wür bey Dan[139] hinein, durch St. Marthinsthall,[140] vnnd in Luttringen gangen, Rammervill[141] in Luttringen eingenommen vnd besezt, von dannen sein wür vf Reinermundt[142] zugezogen, selbiges ebenmässig eingenommen, vnnd ist daß haubtquartier darinnen gemacht worden, da wür dann lang still gelegen, vnnd vnß verschanzt gehabt, da dann herr General de Werth hinder der französischen Läger gangen, 2. Regiment Pferdt, welche Krämmer ins Läger confoyrn sollen, chargirt, vnd ganz geschlagen, auch auf die 20000 fl. Peuth bekhommen, nach disen ist der General Gallas mit einer ansehlichen Armee khommen, sein aber vnuerricht still gelegen,[143] biß in den Herbst, biß es starckh vnnd hart gefroren, vnd sein vil Tausend Soldaten vnd Pferdt verdorben vnnd gestorben,[144] alß wür vor hunger nimmer stehen khönnen, sein wider auß Lottringen herauß, durch die vnder Pfalz in daß Tryrische an die Moßl ins Winntterquartir gangen, vnd haben von 117. Wagen, die wür mit vnsern Regiment in Lottrigen gebracht, nicht mehr alß mit Ailfen ins Quartier khommen, da wür aber darauf gar guete Quartier gehabt, vnd disen Wintter ist herr Graf Göz vnser Veldtmarschall worden, den Früeling haben wür mit vnsern Regiment vfbrechen: vnd vor Ober[145] vnnd Vnderlandstein ziehen : vnd selbige zwey örther allain Einnemmen miessen, da wür die erste nacht Vnderlandstein, weiln es nur ein offener Fleckhen, leichtlich einnemmen khönnen, daß waß vor Soldaten darinnen gewesen, nachdem sie Lermen bekhommen, haben sich nach dem Kürchhof welcher mit einer ansehlichen Mawer vmbgeben, vnd am Eckh wo die Lohn in den Rein fölt, an einem so lustigen Orth ligt, alß ich mein tag eines gesehen, daselbst hin rettirirt wie auch in selbiger nacht ein Leutenant mit ein Schiff vnnd 50. Mann vnd Profiant, beym Kürchhof ankhommen, wie er vernommen, daß der Thorhof von welcher vf einer seitten an der Lohn an den Kürchhof gangen, vnnd von vnß besezt ist, hat er sich auch in den Kürchhof zue seinen grossen Vnglück begeben, darinnen sie sich sowohl von der Mauer, alß auch von der Kürchen, alwo sie an allen 40. Orthen Plockheußl gehabt, auch von den Thurn sich häfftig gewörth, vf den Abent hat mich daß ablösen in den Pfarrhauß getroffen, da ich dann alsobalden ein Minen in der Weinbreß, welche hart an der Kürchmauer gestanden, angefangen zumachen, da eß ein wenig finster worden hab ich Stro vnnd holz an daß aine Thor, welches neben dem Pfarrhauß in den Kürchhof gangen, tragen lassen, daryber vnser Wachtmaister Todt geschossen worden, alßdann habe Ichs ansteckhen, vnd solches Thor abbrennen lassen, den Morgen hab ich einen Trommelschlager vf den Kürchhof hineingeschickht, die Kürch vffordern vnd Inen sagen lassen, daß ich albereit ein Minen biß vnder den Thurn verförttiget, daß man selben alle stund khan in den Lufft schickhen, also wolle er der schönnen Kürchen vnnd seiner leuth verschonnen, im fall ers nit glauben wolte, solte er der Commendant vf Parolla herauß khommen, vnd die Minen, welche aber yber 3. Clafter nicht lang gewesen, besichtigen, darauf besagter Commendant, welcher ein Franzoß, vnnd ganz nichts Teutsch, vnnd Ich nichts französisch gekhont, ist er, welcher zwar nur ein Scherschant, aber ein wackherer Kerl gewesen, vnnd 50. Franzosen bey sich gehabt, neben einen Führer, den der Teutsche Leutenant, welcher sich in den Kürchhof rettirirt, mit vnd in Nammen seiner, die zuebesichtigen, vnnd alßdann zu accordirn heraußgeschickht, nachdem ich nun vernommen, daß der Scherschant nit Teutsch khan, hab ich vmb meinen Cammeraden, haubtmann Walis [Walli; BW], in fleckhen, welcher allernechst, vnnd vnser regiment darinn losirt gewesen, geschickt, er solle zu mir zum Essen heraußkhommen, welches alsobalden geschehen, sobalden er khommen, habe den zweyen die Minne gewisen, in welcher ich zu endt derselbigen einen schwarzen Mantl vorgehenckt, da nun gedachte der Scherschant vnnd führer selbige besehen, haben sie gar zum Mantl, wo ich eine Schiltwacht mit einen blossen Degen hingestelt, nicht weitter, vnd nicht gar zu Im khommen lassen, dann sie auch nicht lenger gewesen, hetten wol 6. oder 7. Tag zu arbeitten gehabt, Ehe wür vnder den thurn khommen weren, darauf hab ich die zwey mit meinen Cammeraden in die Pfarrstuben gefürth, vnnd anrichten lassen, sie haben alleweil gezweifelt an der Minne, vnnd verhofft auß Cobelenz,[146] welches nur 3. khlaine meil underhalb, entsezt zu werden, doch lezlich alß sie berauscht gewesen, mit mir einen Accord getroffen, daß sie morgens zwischen 9. vnd 10. Vhrn solten auziehen, welches ich nit eingehen sondern haben wollen, daß sie selbigen Abent noch außziehen solten, welches wol Ir grösstes glückh gewesen, aber sie sein vf Irer mainung geblieben, alß hab ich solches meinen Obristleut. dann vnser Obrist noch nicht beym Regiment gewesen, geschickht, vnd Im solches wissen lassen, darauf er selbsten zu mir im Pfarrhof khommen, vnd den Accord guet gehaissen, vnd habe ich alsobalden 50. Mann vf den Kürchhof hinein Commendirt, die Officir aber sein wider in die Kürchen hinein, den morgen früe khombt vnser Generalwachtmaister Schneder [Schnetter; BW], von vnsern neuen Generalveldtmarschalckh graf Gözen, welchen mein Obristleut. berichtet, daß ich, weiln ich gestern die Possten gehabt, vorgeschribenermassen accordirt hette, vnnd werden die Völckher balt heraußziehen, man helt Inen khen Accord, miessen alle sterben, wür sein alßdann mit dem Regiment herauß vf daß schöne Veldt, vnd Wisen gezogen, vnd in Petali vor den Kürchhof gestelt worden. Da nun dise besazung herauß khommen, haben sich die Teutschen zur Rechten: vnnd die Franzosen zur Linckhen handt stellen: vnd Ir gewöhr Niderleggen miessen, darauf der französisch Serchant gerueffen, daß ist wider den Accord, darauf der Generalwachtmeister Schneder befolchen, daß man den Scherschanten henckhen solle, weiln aber vnser Regimments Profoß kheinen henckher gehabt, hat er Im selbst henckhen sollen, welcher aber seinen Würth yberredt, vnnd Im ein Thaller geben, welcher solche khunsst fleissig verricht, alßdann hat der Teutsche Leutenant henckhen sollen, welchen wür aber zum archibusirn: vnd seine Teutsche Khneckt ganz erbetten, welche er vnß vnder daß Regiment zuuerstossen geschenckht, die 50. Franzosen aber haben wür Nidermachen sollen, darwider wür aber protestirt, mit Vorgeben, wann wür, wie nicht anderst zuuermuthen, vor Cobolenz khommen solten, vnd etwa, wie solches leichtlich in einer belägerung geschehen khan, von vnsern Regiment einer solle gefangen werden, würden sie In auch hangen, eß weren doch 3. Compagnien Reutter da, welche solches verrichten khönnten, darauf eruolgt, vnd habens die Reutter Nidermachen miessen. nach solchen sein wür wider in vnser Quartir gezogen, vnnd weiln wür alle stund vnsers Obristen von Reinach meines gewesten Generalß Brueder erwarttet, ist Im ein Logament frey gelassen, darein Herr Generalwachtmaister gezogen, deß andern Tags haben wür ein Brückhen yber den Lohn gemacht, vnnd ist vnser Obrist selbigen Tag zum erstenmahl zum Regiment khommen, deß andern Tags nachdem der Generalwachtmaister vnnd mein Obrist mit 30. Pferdten vmb die Statt Oberlandtstein geritten, vnnd recognoscirt, wo am Fieglichsten der anfang zum abroschirn gemacht khönte werden, darauf der elteste haubtmann vom Regimment alß der von Hagenbach, sambt seinen Fendrich vnnd Leutenant neben 300 Mann hinunder, vf die nacht khommen, vnnd auß befelch deß Generalwachtmaisters vom Stattgraben anfangen miessen zu abrosirn, welches bey vnser Armee vor diesem Nie geschechen, daryber ist der Schnetter alß Generalwachtmaister durch die Achsel geschossen worden, ist auch der Feindt selbige nacht auß seinen Stattgraben, welcher ganz truckhen aber zimblich tief gewesen, an leuttern heimblich heraußgestigen, den haubtman durch einen Schenckhl geschossen, vnnd mit hinein gefangen genommen, deß andern Tags vf den Abent, sein vnser zwey haubtleuth zum ablösen Comendirt worden, da dann der haubtman Voglgsang ins Weingebürg mit 100. Man nechst dem Laufgraben vf einen Mußqueten Schuß im bereitschaft mich zuentsezen Commendirt worden, ich aber binn in den lauffgraben gezogen, alda mein Obrist sambt einen Ingenier mit mir gangen, der die fordere nacht so schön hat angeben, daß wür von Stattgraben heraußwarts haben miessen anfangen zu Abruschirn, welcher auch angeben, daß ich diese nacht solte ein Retuten verferttigen, wie auch von mir geschechen, er aber hat die Faschinnen selbsten gesezt, aber die Retuten soweit angelegt, daß wohl 200. Mann darinnen plaz gehabt hetten, darauf ich zue Im gesagt, die Retuten ist groß, daß würdt ein schanz, er aber geantwortt, seye also befolchen vnd den Soldaten geschafft, daß sie sollen den graben anfangen, aber Inwendig, darauf ich gesagt, daß hab ich auch mein Tag nicht gesehen, hat er geantwortt, ich sehe es izt, woryber ich erzürnt vnd zu Im gesagt, Ir seit ein Narr, wann der Feindt vf mich solte außfahlen, mießt ich hirinnen in der tieff stehen, vnnd er khombt vf ebner Erdt vnd Boden zu mir, zu disem wo khan ich in den grossen werckh, welches ganz nider vnnd yber 50. oder 60. Schritt nicht von dem graben ist, mich halten, man khönte von der Mauer will geschweigen von den vnd villen Thürnen hineinschiessen, daß sich khein Mensch beym Tag darf darinnen sehen lassen, waß ist mir alßdann ein solches werckh nuz, darauf er geantwortt, er machts nit anderst, er hette villeicht mehr außgesteckh, alß ich gemacht hab, darauf ich geantwortt, daß ist nicht war, bist bösser alß ein Bernheutter, so hilfs außmachen, vnnd bley, morgenden tag so wollen wür zusammen sizen oder stehen in diser schönen Retuten, würst aber gewiß nicht lang da bleiben, darauf er zu meinen Obristen, welcher ein wenig vf der seitten gewest, vnd vnß streitten lassen, gangen vnd mich verklagt, daryber mich mein Obrist vf die seitten gefordert, vnnd mich gefragt ob ich arbeithen lasse, ich aber habe mit Nain geantworttet, es were doch alles vmb sonst,

Alßdann hat mir mein Obrist befolchen, ich solte die Faschinnen legen vnd daß werckh vnd graben nach meiner mainung machen, Er will den Ingenier, welcher greulich yber den herrn khlagt, daß er selbigen ein Bernheitter gehaissen, so lang vf die seitten führen, biß der herr mit dem graben aussenher, einen anfang gemacht hat, darauf sein sie zu den andern haubtman welcher in bereitschafft gangen, vnder dessen hab ich wackher fortgefahrn, mit der Arbeit, daryber mein Leutenant vf den Bauch geschossen wordten, daß er zu Poden gefallen, hat sich also zum feuer, alwo gedachter haubtman in bereitschafft gestandten, tragen lassen, ich aber habe den von Flaxlandt welcher mein aufwartter gewesen, nachgeschickht vnd sehen lassen, wie er doch geschossen, dann wann ich auf den Bauch getroffen würdt, so ist es auß mit mir, also soll er wohl zuesehen, wohin er getroffen worden, alß nun mein vfwartter wider zurückh, ist mein Obrist neben dem Ingenier auch wider zu mir khommen, vnd mein Arbeith gesehen, welche mein Obrist gelobt vnnd gesagt, also khan sich der herr bräf wöhren, vnnd den ganzen laufgraben defendirn, biß In herr haubtmann Voglgsang entsezt, der Ingenier aber hats weder gelobt noch geschendt, sondern hat mir die bössten wordt geben, yber dises hat mein Obrist meines Leutenants gedacht, daß er ein greulichen Schuss hette, vnd mitten vf den bauch, ist selbiger ganz blau, vnnd wo die Kugel hingetroffen ist selbiges orth ganz schwarz alß ein Trommelboden, ist also vösst, vnd hat eine Teufelskhunst, aber er leitt greulichen schmerzen, haben also mein Obrist vnd der Ingenier von mir Iren Abschidt genommen, vnnd ins Quartier geritten, ich aber habe meine Retuten noch vor Tags förttig gemacht, vnnd vf den Abent, sobalden eß finster worden sein wür abgelöst worden, vnnd von mir nit mehr alß 2. Soldaten geschossen worden, Den 7. tag hernach haben sie angefangen zu parlementirn, darauf ich vnnd der haubtman Fogelgsang vom Generalwachtmaister hineingeschickht worden, da sie dann mit Sackh und Packh, fliegenden fahnen, Khlingenden spill begehrt haben abzuziehen, solch Ir resolution haben wür den General hinaußgeschickht, vnnd darbey Mündtlich sagen lassen, daß es 4. bräfe Compagnien, werden schwerlich von Irer Mainung zubringen sein, darauf er vnß Ordre geschickht sollen den accord machen so guet wir khönnen, darauf wür, weiln sie nit anderst gewolt, wür auch nicht alß sie vnß hernacher sehen lassen, gewust, daß sie so wenig Profiant gehabt, den Accord dergestalten geschlossen, daß ohne Trommelschlag, mit zuegethonen oder eingeschlagnen Fendlein solten abziehen, darauf wür den accord zue ständten geschriben, vnnd dem Generalwachtmaister yberschickht worden, selben zu vnderschreiben, dann sie nicht gethraut wegen Vnderlohnstain, weiln Inen der accord dorten (nicht) gehalten worden, sobalden der accord hineinkhommen, haben sie vnß yberal auf den Mauren, vnnd vf die Thürn gefürth, darauf wür vnß verwundert, daß sie sobalden accordirt haben, weiln wür kheine stückh gehabt, hetten würs in 5. oder 6. wochen vnndt Wohl lenger nicht khönnen Einnemmen, werdens schwerlich bey Irer obrigkheit verantwortten khönnen, darauf sie vnß geantworttet, sie weren alle henckhens werth, wann sie nit andere Ursach hetten zu ergeben, allain sie wollen vnß balt Iren mangl weißen, vnnd vnß Iren Vorrath, alß ein halb Thunnen Pulfer, ein Centen Lundten, vnnd 1 1/2 sackh Mehl gewisen, disen 1 1/2 sackh Mehl, haben sie selbigen Abent noch verbachen, vnnd vnder Ire Soldaten ausgethailt, den andern morgen seint sie abgezogen, darbey mein Obrist an statt deß Generalwachtmaisters gewesen, da dann daß orth mit 100. Mann von vnß besezt worden, sein aber von den Cur Mainzischen in 3. tagen abgelöst worden, vnnd sein wür darauf nach der Vöstung Erbrechtstein[147] oder wie mans in Gemain hermanstein nent, gezogen, vnnß oberhalb 3/4 stundt in ein dorf mit dem Regiment gezogen, vnnd vnß daselbst, biß die ganze Armee welches Innerhalb 10. Tagen geschechen, einlosirt gehabt, vnder dessen ist ein Virtlstundt oberhalb vnser ein Schifbrückhen geschlagen worden, vnd ist alsdann die ganze Armee vor Cobolenz gezogen, selbiges formaliter belägert, da dann in einen Ausfahl die Commandirten völcker von den Thonauischen [Heinrich Burggraf v. Dohna; BW] Regiment auß den laufgräben, welche eben selbigesmahl die Affantquarti gehabt, geschlagen, vvnd von Ihnen ein haubtman, samt einen haubtman von vnß der Reutner, welcher von vnsern Völckhern zu den Thonauischen haubtmann hieuorgangen, gefangen worden, da sie dann alle beyde yber den Rhein vf die vösstung gefürth worden, alwo sie Ihn alsobalden zum Fensster außhenckhen wollen, vnnd wann er nicht französisch gekhönt hette, aber nachdem er sie berichtet daß wür die Franzosen zu vnderlandtstein nicht, sondern die Reutter auß befelch deß Generalwachtmaisters Schnetters Nidergemacht hetten, haben sie Ihm daß leben geschenkht, aber sein gestalt, wie Ir brauch, mit Stro außgefült, zum Fenster herunter auß der vösstung gehenckht, vnnd darbey geschworen, wann sie den Generalwachtmaister sowohl alß einen Soldaten solten gefangen bekhommen, er gewiß solte gehenckht werden, nach verweylung etlicher Tagen, sein wür mit vnser Approchen nahe an den Graben khommen, da dann allernechst ein Patri von 11. Stückhen vfgerichtet worden, vnnd die Statt vnaufhörlich beschossen, vnnd mit stürmmeter handt einbekhommen worden, da ich dann deß General Pöse [Brossard; BW] sein huet mit drey schönnen Federn bekhommen, er aber hat sich mit 1500. Mann durch die Statt an den Rhein vf seine alda in bereitschafft gestandene Schif begeben, vnnd vnder den Rhein in daß schönne, vnder der Vösstung ligende newe Gebew begeben, vnnd dahin reterirt, wür aber nicht vill yber 50. gemaine khnecht vnnd etliche Officir gefangen bekhommen, daruor wür vnsern haubtman vor einen Leutenant, cnnd zwey Fenderich loßbekhommen, nachdem wür aber die Press an der Statt Cobolenz wie eine Contercärp vmb den graben herumb verförttigt, sein wür mit der haubt-Armee, vndern Commando herrn Graf Gözen, von dar vfgebrochen, vnd nacher hessen gangen, vnnd daß Stättlein homburg[148] eingenommen, von darauß ist auch daß Schloß vfm hochen berg ligent, beschossen vnnd gestürmbt worden, haben aber vnsere Leuth weiln die Press gar zue hoch geschossen worden, vnd khein Leyttern hinauf reichen khönnen, wider mit grossen verlust ablassen miessen, da dann mein Obrist Melchior von Reinach mit einen Stain vf den Kopf geworffen wordten; daß er am rechten Aug blindt ist wordten; ist auch durch den linckhen Arm, Obristleutn. Weyhr [Weiher; BW] Todt, vnnser haubtman Voglgsang Todt: vnnd vnser haubtman Hagenbach, durch den Schenckhl geschossen, vnnd yber 500. Mann von der Armee todt vnnd beschädigt worden, darauf sein wür nach Warburg[149] gangen, selbiges belägert, vnd eingenommen, nach solches sein wür vf Baderbornn[150] gezogen, solches totaliter belägert, da ich dann, weiln mein Obrister geschossen, der Zeit alß obristleut. nicht bey der stell, gewesen, der Hagenbach geschossen, vnnd der Haubtman Voglgsang Todt, alß hab ich daß Regiment alß eltister haubtman Commendirt, da ich dann neben dem Obrist Steffan Albrecht [Alber; BW] mit seinen vnd meines Obristen Regiment, vf eine Schanz, wie nun an andern werckhen deßgleichen auch geschechen, Sturmb angeloffen, da ich dann neben zweyen haubtleutten von meines Obristen Regiment, alß Hauptmann Folzer, vnnd haubman Franckh gleich im ersten Sturm vf das werckh khommen, ich aber mit ainem Stain vom Thor, welches in den Werckh gestandten, vf das Linckhe Aug geworffen worden, daß ich von der Brustwöhr deß werckhs, darauf ich gestandten, binn hinunder in den graben gefallen, auch aber gleich wider erholt, vnnd zum andernmahl hinauf auf daß werckh gestigen, vnnd ist mir haubtman Franckh nachgefolgt, alß haben wür zwar daß werckh einbekhommen, aber vnß wider auf die Prustwöhr begeben, vnnd feuer auf die Mauer vnnd Schußlöcher geben lassen, vnder dessen ist ein haubtmann von deß Obrist Steffan Albrechts Regiment, im graben darunten geschossen worden, wie auch vil soldaten Todt geschossen worden, wür aber haben vnß noch an der Brustwöhr gehangen, in dem khombt Posst, weiln die Generaln gesehen, daß man nichts richten khan, vnnd Niemants sich in den werckhen haklten khan, wür solten abziehen, In dem solches befolchen worden, sein die völckher in den Graben deß werckhs gelegen, mit grosser Confusion retterirt, wie es dann nicht vill Zeit geben sich lang vfzuhalten, darauf wür vnnß auch vfgemacht, vnnd allgemach hinunder von dem werckh im graben, vnnd förders nach dem laufgraben begeben wollen. Eß ist aber gedachter haubtman Franckh neben meiner Todt, ich aber fornen vf daß Waffen daß die Kugl abgewichen, vnnd mir neben dem Knöpfl durch den Linckhen Arm gangen, vnd alle die Nerfen entzwey, wie ingleichen ist mein Vfwartter bey mir durch daß hinder thail: auch mein Leibschüz durch den Arm: der andere aber Todt: vnnd mein Forirschüz durch das Bein: oder Fueß geschossen worden, sein also, wer hat lauffen khönnen, fort vnd dem Laufgraben zugeloffen, ich aber binn, weiln ich wegen des wurfs vnnd schuß mich erschröckhlich verbluet, vf halben weeg nach dem laufgraben, welcher doch nicht weit gewesen, Nidergefallen und ligent bliben, da dann mein Leutenant auß den lauffgraben gesprungen, vnnd mich bey einem Fueß in der eyl, weiln der Feindt on vnderlaß starckh Feuer herauß geben, erdappt, fortgeschleppt, vnnd mit mir den laufgraben zugeloffen, vnd hineingeworffen, weiln er nicht gewust, ob ich lebendig oder Todt binn, darauf sie mich mit Wein gewaschen, vnnd angestrichen, mich vf 4. Pickhen gebundten, weiln ich mich so sehr verbluet, vnd so schwach gewesen, daß ich weder gehen noch reutten khönnen, ins Läger tragen lassen, deß andern Tags aber hat der Feindt angefangen zu accordirn, vnnd die Statt ybergeben, alwo ich etlich Tag darinnen gelegen, aber von vnserm Veldtscherer welcher mich haillen wollen, vnnd Grienspan[151] in die wunden oder schuss, wie ingleichen meinen Forirschüzen, welcher ebenmäßig durch den Arm geschossen gewesen, gethan, darauf wür vnleydenlichen Schmerzen bekhommen, sonderlichen weiln mir alle Nerfen entzwey gewesen, nach Reparirung der werckh, sein wür vf Sosst[152] gangen, selbiges beschossen vnd eingenommen, da dann ein Regiment zu Fuss, vnnd 3 Compagn. Reutter heßische Völckher abgezogen, von dannen sein wür vf Werle[153] gangen, selbiges auch beschossen vnd eingenommen vnd besezt, von darauß sein wür vor Vna[154] vnd die haubtstatt Dortmundt[155] im Landt von der Marckh geruckht, selbige belägert vnnd eingenommen, da dann der haubtman Harr mit seinen einen Aug, durch beede schenckhl oben im Dickhen geschossen worden, daß er ein ganzes Jahr aufm rückhen lingen miessen, von dort auß sein wür vf Lina,[156] selbiges auch eingenommen, von dar vf Hamb,[157] selbiges totaliter belägert vnnd harte Stöss abgeben, weiln der Feindt starckh darinnen gelegen, doch lezlich mit Accord ybergangen, vnnd ist von vnnß der haubtmann Folzer durch einen Arm geschossen worden, daß also in khurzen wür alle vom Obristen an, ausser deß Obrist Zinten [Zündt]; BW, welcher damals nit beim Regiment, vnd deß Jüngsten haubtman Degele alle geschossen worden oder Todt bliben, Dahero wür wohl Vrsach genommen an den Doctor Werff zugedenckhen, von dannen auß sein wür vf Dorsten,[158] welches ein haubtvösstung, selbiges berent vnnd hat vnnßer Regiment, der Veldtmarschalckh selbsten ganz nahe ans Thor in einen hopfengardten, welcher ganz Niderig oder dis gelegen, hineingefürth, da dann der Feindt zu Ross vnnd Fuss yber 1500. Mann starckh vf vnß außgefallen, ist der General spornstreich zum alten Obristen Kolben [Andreas Kolb v. Raindorf; BW] geritten, vnnd befolchen vnß zu entsezen, welches er fleissig verricht, vnnd dem Feindt biß vf Ir Schlagbrückhen hinein gejagt, da dann vil Volckh von dem Feindt gebliben, Eß hat vnnß vnd den Obristen Kolb auch nit gefehlt, da aber der Obrist Kolb wider zurück khommen, hat er den General berichtet, daß wür da nicht stehen khönnen mit dem Regimment, sondern würden alle zuschandten geschossen, hat er vnnß alsobalden abfordern vnnd zur Armee welche allernechst gestandten Marchirn lassen, Da sie vnnß dann noch zimblich auß der Vösstung mit stückhen vnnd Mußqueten eingeschenckht, daß noch etlich Todt vnd gequetscht worden, nachdem aber der General von den gefangenen, welche der alte Kolb zwey mit sich gebracht, vernommen, daß die hessen und hollender yber 3.000 zu Ross vnd Fueß darinnen ligen, auch schon spat Im Jahr ist, sein wür dauon ab: und in daß Wintterquartier gezogen, ins Bergische Landt,

im Apprill Ao. 1637. binn ich vom Regiment nacher München geschickht worden, da mir auf der Stainern Prückhen zu Cobolenz ein Curfürstl. Curir begegnet, die Armee abzuhollen, dann Johann de Werth und Fürst Sauelli [Savelli; BW] geschlagen vnnd gefangen, nach disem binn ich nach München khommen, vnnd in die obere Pfalz vf Werbung geschickht worden, vnder dessen ist die Armee fort, vnd den Schwabenlandt zuegangen, da ich denn zu Gengenbach[159] wieder zum Regiment vnnd zu der Armee khommen, von dort auß sein wür vf Offenburg,[160] alda der anfang gemacht morden Preysach zu Prouiantirn, da dann jeder zwey wägen gehabt, einen Profiant aufzuladen hergeben miessen, vnnd ist befolchen worden, wer seine bösste sach in Offenburg lassen will, der solls hineinbringen, welches ich aber nicht gethan, weiln ich noch einen Wagen gehabt, habe ich all mein sachen bey mir behalten, vnnd zu meinen Obristwachtmaister von hagenbach gesagt, wo der Kopf: bleibt auch daß andere, darauf er seine sachen, die er albereit in der Statt gehabt, wider hollen lassen, da wür dann alle beyde in der Schlacht vor Wittenweyr[161] vmb all daß vnsere khommen, ich habe 5000. Rthaler ein ganzen Sackhuol Silbergeschirr verlohren, außerlesene Dapezereyen vnd 6. pferdt sambt 2 khnechten vnd wagen, die ich zum Profiant hergelichen verlohren, von Offenburg auß, sein wür vf Schuttern[162] welches ein Closter, zuemarchirt, dorten die nacht yber der Schutter, welches ein khleines wasser, logirt, den morgen ist herzog Bernhardt gegen einen langen Dorf, nechst Schuttern vom Städtlein Lohr[163] herwerz marchirt khommen, da alsdann 1000. Mußquetierer mit 10. haubtleutten, darunter auch ich, mein Obristl. Zint [Zündt; BW] mit gewesen, vnnd sein vf iede Brückhen in dem Dorf, hundert man mit einen haubtman Commendirt worden, da michs dann vf die untter brückhen deß Dorfs, alwo die rechte Landtstrassen durchgangen, getroffen, von Ir Excell. Herrn Veldtmarschalckh Regiment ist herr haubtmann von Starzhausen vf die nechste Brückhen khommen, mein Obristl. aber hat mir befolchen, ich solte die brückhen mit etwas holz verlegen, welches ich zwar gethan, wenn aber ein gewalt were khommen, hette es wenig zu der sachen gedaugt, hann habe ichs bald hingelegt, vnd verbaut, hettens andere eben sobalden wider weckh werffen khönnen, ich aber habe, damit ich nit von meinen Possten mit spot möchte verjagt werden, einen bössern fundt erdacht, habe einen Corpraln mit 15. Mann mit mir genommen, binn neben der Brückhen yber daß khlaine Brückhl, aber ein greulicher dieffer graben gewesen, hindurch vnd durch daß eine Würthshauß, da zwey grosse gegeneinander ybergestanden, gangen, den Corpraln in selbigen gartten hinder dem Würthshauß in daß eckh am endt deß garttens gefürth, selbigen befolchen, sobalden deß Feindts völckher, welche aller nechst ein Virtlstundt von disem Dorf am Weingebürg gestanden, sich mouirn werden, mir solches durch ein Mußquetier zu wissen thun, er aber solle mit der Mannschaft so lang haltent verbleiben, biß selbige vf einen Mußquetenschuß zu Ihn khommen, soll alsdann feuer vnder sie geben, vnd sich vf mich wider ins Dorf reterirn, sobalden nun der Feindt angefangen zue machirn, hat mirs der Corpral zu wissen gethan, vnd darbey sagen lassen, daß 2. Regiment zu Fueß vnnd eines zu pferdt, vf meiner strassen herwerts, die andern aber giengen gegen dem Berg, Oberhalb deß Dorfs, alwo der Obrist Güntter [Johann Günther; BW] mit seinen Regiment gestanden, zue, sobalden ich solches vernommen, daß die 3. Regimenter vf mich zugehen, hab ich mir wol einbilden khönnen, daßich nicht Bastant bin, mit meiner wenigen Manschafft Ihnen ohne Vortl zu resistirn, beuorab, wann sie die 2. grossen vnd hochen würthsheuser hetten eingenommen, hette ich mich nichts blickhen lassen, dörfen, alß hab ich mich geschwindt resoluirt, darmit ich nicht etwann spöttlicher weiß reterirn vnd zurück weichen dörffen, auß zwey bösen daß bösste zu erwählen vnnd meinen Forir sambt seinen Forirschüzen yber den Tiefen graben geschickht, die zwey hohen Würthsheuser in aller eyl ansteckhen lassen, da dann balt hernach mein Corpral Feuer geben, dahero dann Zeit gewesen, daß die beeden heuser Wackher gebränd, ich aber binn mit meiner Mannschafft an der Brückhen gestanden, sobalden nun der Feindt zwischen den Gärten hereingangen, habe ich allgemach meine Soldaten von 5 zue 5 feuer von meiner Brückhen geben lassen, alß nun der feindt gesehen, daß er wegen deß Feuers, weiln es von mehrgedachten Würthsheusern zusammen geschlagen, sein sie wider zurückh vnd hinder den Gärtten vf die nechste Brückhen, allwo der haubtman Starzhausen sein Possten gehabt, haben sie In alsobalden von seiner Brückhen verjagt, vnnd ist er gleich durch den Kopf geschossen worden worden, hette der guete Gaualier gleich mir gethan, wer er villeicht wohl daruon khommen, vnnd ob der Feindt wohl weitter durchs Dorf zugehen resoluirt gewesen, ist doch die Armee vnder disen hinder dem Dorf ankhommen, vnnd sein gleich 1000. Mußquetirer vnder dem Commando deß Obristen Steffan Albrechts, vf diese völckher loßgangen, selbige wider zurückh durch daß Dorf gejagt, so hat sich auch herr Obrist Güntter mit seinem Regiment vnnd 4. Stückhen vf seinen Berg sowohl verhalten, daß der Feindt, ob er wohl doch sich mit grossen verlust reterirn miessen, vnnd ist also der Feindt in grösster Confusion zurückh gegen den Stättlein Lohr gangen, da ich dann mit 15. Mußquetiern hinauß vfs Veldt geloffen, vnnd hinder einen Regiment zu Fueß einen Munitionwagen mit 6. pferden bekhommen, vnnd hetten wür selbigesmahl mit vnser Armee, dem Feindt gefolgt, wür hetten In gewißlich geschlagen, aber wür haben In gehen lassen, biß er vnnß den andern Tag wie hernach volgt geschlagen hat, nach solchem verlauf sein wür, nachdem wür weit nichts von feind gesehen, auch wider zurückh vfs Closter: alda yber die Schutter in vnser Läger gangen, vnnd die ganze nacht in Petali gelegen, deß morgens gar früe, ist der Kayl. General Sauelli mit der Avantquarti voran uf Wittenweyer gangen, da dann daß vfgeladene Prouiant vnnd alle Pagage gefolgt, alda man vnns ein baar stundt rassten lassen, vnder dessen hören wür mit Stückhen schiessen, vnd khombt Posst, der Feindt were vf vnser afantquarti khommen, hetten In auch nicht vernommen, biß er mit Stückhen vnder sie gespillet, darauf wür mit vnserer retroquardi, worinnen fast die bösste Regimenter bestanden, in aller Eyl, vnnd waß die Soldaten lauffen khönnen fortmarchirt, vnd da wür durch die Landtwöhr khommen, haben wür zur rechten handt gesehen, daß vnsere Regimmenter von der Affantquarti durchgehen, da wür nun mit vnsern Regiment avansirt, ist General Sauelli neben den Kayl. Obristen zu vnß geritten khommen, vnnd zu meinen Obristen, als dem [Melchior; BW] von Reinach gesagt, herr meine Völckher seint geschlagen, dorten in den heckhen ist der Feindt, darauf wür alsobalden loßgangen, dieselben welches 2. Regiment zusammen gestossen, als deß Generalwachtmaisters Schmidtbergs, vnd ein Französisch gewesen, dieselben auß Iren Vorthl geschlagen, vnnd gleich 4. Schwarze vnnd weisse Fänhl von Inen bekhommen, vnnd haben wür solchen Posto den ganzen nachmittag manutenirt, vnd Innenbehalten, biß vnß herr Generalwachtmeister von dar ab: vnd vf vnsern rechten flügl hinauf gefürth, da wür dann mit der Affantquardi welche general Götz gefürth hat, biß es finster worden, gestandten, aber alsdann vngefehr vmb 10. Vhr in der nacht, sein wür vfgebrochen, vnnd die ganze nacht marchirt, da wür dann mit sambt den Tag zu Offenburg, ich aber vnd mein Obristerwachtmaister von hagenbach vorhero erzähltermassen, ohne Gelt, vnd alles waß wür zuuor gehabt, ankhommen, dorten haben wür ein baar stundt geruhet, alsdann sein wür förders vf Oberkhürch,[164] da wür die nacht gelegen, khommen, vnd deß dritten Tags, wider fort yber den Schwarzwaldt nacher Neustättl[165] gangen, alda die officir daß ganze Rhathauß voll, welche in diser Occasion in der Affantquarti sich nicht wol verhalten, in den Arresst genommen worden, vnd weiln wider etliche Kayl. Regimenter zu vnß khommen, sein wür gangen Preisach zu entsezen, da wür aber befundten, daß der Feindt so starckh verschanzt, sein wür zwar etliche Tage vor Irem Läger still gelegen, nach solchen aber sein wür unuersehens vfgebrochen, vnnd oberhalb Preysach neben einen Busch, alwo der Feindt 2. schanzen darinnen gehabt, welche zwischen dem schönen fliessenden wässerl so disseits des Rheins vf Preysach laufft vnd zwischen eines khleines Armbs von Rein gelegen, in Petali gestelt, darauf von den Kayl. daß Conhagische Regiment: von vnß aber 1000. Mann vnderm Commando des Obristen Marschalckhs [Philipp Ernst Marschalk; BW], darbey ich auch gewesen, Commandirt worden, vnd haben die zwo schanzen die erste mit Sturm: alwo lautter Franzosen vnnd alle gefrorn oder vesst gewesen, welche wür alle Todt geschlagen, auß der andern aber sein sie alsobalden entloffen, nach diesem haben wür die beyde Schanzen besezt, da ich dann in die erste, in die andere aber Obristl. Göz [Jobst Friedrich v. Götz; BW] Commandirt worden, der Obristmarschalckh ist mit den ybrigen Völckhern fort vnnd vf die Schifbrückhen, welche der Feindt yber einen Armb von Rhein gehabt, vnnd wann er nur 2 Schiff von den Ankhern abgeschnitten hette, so were der Feind von einander separirt worden, weiln aber solches ybersehen gewesen, ist herzog Bernhardt mit villen Gaualirn spornstreich auß der grossen Insel yber die Brückhen deß Armbs vom Rein, welche in 5. Schiffen bestandten, geritten khommen, die Völckher Commendirt, vnnd ist von seinen Pferdt abgestigen, vnsere Leuth zurück getriben, doch weitter nicht alß biß zu meiner Schanz, vnder disen ist herr Obrist von Neimöckh [Neuneck zu Glatt; BW] mit 1000. Reuttern Commendirt worden, bey meiner Schanz durch den Arm deß Rheins zugehen, sobaden er nun in das wasser khommen, ist er mit einen khleinen Stückl vnder dem Linckhen Arm vf sein Rüsstung geschossen worden, daß er dauß den Sattl ins wasser gefallen, da Ihn aber sein Leuth alsobalden wider herauß gezogen, vnnd fortgebracht, hirauf seint auch die Reuter wider zurückh gangen, alß nun der General gesehen, daß vnser Vorhaben nicht recht will angehen, hat er vnnß als die Commendirten völckher wider zurückh vnd zur Armee hollen lassen, da wür alsobalden wider vfgebrochen, vnnd den Guettacher tall[166] zuemarchirt, da wür dann ein Zeitlang still gelegen, von dannen sein wür in die Winterquartier gangen, vnnd ist meines Obristen Regiment in daß Bischoffl. Wienerische gebieth, vnnd hailbrunn,[167] alß mein obrist nacher Neustatt bey der grossen Lindten, vnnd ich vf Mäckhmühl[168] ins Quartier khommen, da ich dann Obristwachtmaister worden, vnnd haben selbigesmahl Ir Kayl. Mayst. mir wegen Stürmung Haydelberg mein Adelsbrief an allen entgelt, auch Iro Curfürstl. Gnaden von Mainz, waß in die ReichsCanzley, weiln selbige eben sich dissmahl zu Wien befunden, ebenmässig geschenckht, vnnd hat mir herr General Veldtzeugmaister Freyherr von Reinach vorgedachten Adelsbrief solchergestalt an allen entgelt mitgebracht,

von disen Quartirn auß, Ao. 1639. seint wür vnderm Commando deß herrn von Geleen, vnnd herrnVeldzeugmaisters von Merscho [Mercy; BW] vf speür[169] übern Rhein gangen, selbiges eingenommen, vnd ein Schifbrückhen daselbst geschlagen, auch etliche wochen daselbst im Veldt still gelegen, vnnd vf der Franzoßen action achtung geben, sobalden vnsere Generaln vernommen, daß etliche Regimmenter Franzosen bey Bingen[170] yber den Rhein in daß guete vnd Vortrefliche Weinländtl, alß ins Ringaw[171] hinyber, sich einlosirt, sein wür eylents mit vnserer Armee von speüer vfgebrochen, vnd dem Main zuegangen, mit dem Fueßvolckh alsobalden, weiln die Reutter im Ländtl Ringau, nicht wohl fort gekhönt, zu höchst ybern Main, vnd vf die Franzosen loß gangen, dieselben ganz geschlagen vnnd ruinirt, auch den Mäußthurn eingenommen, vnd sein ein Zeitlang mit der armee in dem Ringau ligent bliben, vnnd den gueten wein darinnen versuecht, ich aber binn mit meinen Obristen, weiln er kheinen andern Obristwachtmaister von ein andern Regiment haben wollen, mit Im sambt 500. Mann in Schiffen ybern Rhein gefürth, vnnd in Mainz[172] gelegt worden, alsdann haben wür darinnen Schanzen miessen, auch vil heuser in der Vorstatt abbrechen lassen, da ich dann nicht vil ruhe gehabt, sondern ein ganzen Tag beym Arbeitern sein miessen, nach disem ist ein schöne Schifbrückhen vnderhalbder Statt, nechst an der Curfürstlichen Residenz geschlagen worden, vnnd ist die Armee heryber haben Creuzenach,[173] wie ingleichen Bingen, welches zwey schöne Stätt sein, vnnd in ieden ein Vösstes Schloß vfm hohenberg ligen, eingenommen, vnd weiln sich die Franzosen in Lottringen reterirt, alß seint wür mit der Armee wegen Prouiant wider vf Mainz, vnnd yber die Schifbrückhen gangen, alda solang still gelegen, biß die Austhaillung der Wintterquartir gemacht worden, nach solchen, weiln sich der Feindt ganz still gehalten, sein wür vfgebrochen, vnnd ein Jeder in sein assignirtes Quartier: vnd meines Obristen Regiment vf die Fuggerischen herrschaften, da ich alß Obristwachtmaister nach Weissenhorn,[174] mein Obristleüttl. nacher Kürchheimb,[175] meines Obristen Compagl. nacher Bobenhausen,[176] er vor seine Persohn hat nacher Biberach[177] gemiest, nach disen Quartirn sein wür vfgebrochen, vnnd vf Frankhenlandt zugezogen, alda bey der Neustatt[178] ein Zeitlang still gelegen, biß die Völckher zusammen khammen, seint wür forth vf hessenlandt, vnnd vf Fach[179] zuekhommen, von dar auß ist mein Obrist Melchior von Reinnach vor daß Schloß Friedewalt[180] commendirt worden, selbiges zwar eingenommen, ist aber daruor in daß Knye geschossen worden, vnd nachdeme er ins haubtquartir nacher Fach gebracht worden, haben Ihr Erzfürstl. Drchl. Leopoldt wilhelm Ime alsobalden 400. Ducaten, darunter ein stückh von 90. Ducaten gewesen, verEhrt, auch Im sein Kuchen vnnd Keller offerirt, seinen doctor vnnd hof Palbiren geschickht haben sie doch die Kugl nit finden khönnen, auch nicht gefühlet, daß die Knyescheiben ganz zerschmöttert gewesen, da er dann Vnseglichen schmerz gelitten, nach etlichen Tagen sein wür vf Hirschfeldt[181] gangen, selbiges eingenommen, da sich dann mein Obrist in einer Senfften dahintragen lassen, auch nach etlichen Tagen, die wür da still gelegen, fanz matt vnd Kranckh von den grossen schmerzen worden, vnd nach dem ich den letzten Tag, alß die Armee deß andern Tags auch vfgebrochen, mit 500 Tragonnern in selbiger nacht fort, vnnd nacher Humburg[182] vndern Commando deß herrn General Veldtzeugmaisters Margis Careto [Caretto; BW], ehe ich aber fort, binn ich noch einmahl zu meinen Obristen in die Statt geritten, von Im, weiln jederman wohl gesehen, daß er nicht dauon khombt, abschidt genommen, da er mir dann seine Künder vnd sein hinderlassenschaft vfs Allerhöchste recomendirt, vnd befolchen, darauf ich Im bey der handt Versprochen, selbigen fleissig nachzukhommen, vnnd also fort zu meiner Troppen geritten, er mein geliebter Obrist aber ist selbige nacht in Gott seelichen entschlaffen, vnnd den morgens, ehe die Armee marchirt, ansehentlich begraben worden, vnnd ist vnß alßdann die ganze Armee gefolgt, da Wür hunburg[183] schon Innengehab, von darauß sein wür vf Frizlar[184] gangen, alda wür vnß verschanzt, da dann den dritten Tag General Bannier [Banér; BW] mit seiner Armee von Casel[185] hero bey vnnß ankhommen, Vnweit vnsern Läger sich präsentirt, vnnd sich in gesicht vnser in Petali gestelt, da wür dann nicht anderst vermeint er werde vnß angreiffen, hernacher hat er wider angefangen zu marchirn, vnd ist neben vnser Armee vf einen sehr hohen Berg gezogen, da dann von Vnsern Völckhern 3000. Mann zue Fueß, vnderm Commando, deß Generalwachtmaisters Freyherrn Söue [Soye; BW], vnnd herr Obrist von Löwenstain [Hans Ludwig v. Löwenstein; BW], mit 1000. Pferdten Im disen Berg zuuerwöhren Comandirt worden, sein aber nach harten vnd lagen gefecht den Berg von dem Feind herunter geiagt worden, daryber vill Reutter vnd Fueßvolckh, neben herrn Generalwachtmaister Söue [Soye; BW] gebliben, deß andern Tags hat sich der Feindt ein Meil von Vnsern leger gezogen, nacher Willingen,[186] da wür dann ganzer Neun wochen gegen einander gelegen, biß mehr Völckher zu vnß khommen, alß erstlich herr Ge-neral Veldtmarschalckh von Zeelen [Geleen; BW] mit etlich Tausent mann, wie auch herr Graff von der Wahl mit 4000. pferden, alsdann wür vfgebrochen, vnnd Erstlich hat man vnß gegen deß Feindts läger in Petali gestelt, danach haben wür vnß halb rechts wendten: vnnd also fort yber berg vnd thal marchirn miessen, vnnd da zue Zeiten etwas wenigs Lermmen worden, haben wür vnß nur halb linckhs wendten vnnd stellen dörffen, ist die petali gar schön: vnnd zum fechten da gestandten, der-gleichen reterati ich nie solang ich ein soldat gewesen, schöner nit gesehen, vnnd sein selbigen Tag hinder dem Closster hanaw[187] im Veldt In petali stehen bliben, deß andern Tags aber sein wür wider forth, vnd vf häxter[188] zugangen, selbiges belägert vnd eingenommen, nach selbigen sein wür gegen Libstatt[189] gangen, alda die Armee in die reuefir zu zweyen Regimentern in ein Dorf gelegt worden, vnnd ein Zeitlang da still gelegen, nach disem sein wür wider in hessen vf Kürchheimb[190] an der Lohn gangen, selbiges eigenommen, alsdann hat man vnß in die nächsten Dörfer, vmb selbige refier einquartirt, vnnd verlegt, vnd ist vnser hauptquartier zu hunburg an der Lohn gewesen, vnnd haben vnder werenter Zeit Hammelburg[191] ein vösstes Stättl, welches vf einen sehr hochen berg im eben flachen Veldt ringsherumb ligt, belägert vnd eingenommen, da dann befelch von Ir curfrtl. Durchl. daß herr General Comissar meinen Obristleutenant von hagenbach, vor einen Obristen: mich aber vor seinen Obristleütl. vorstellen solle, khommen, welches auch den andern Tag alß St. Marttins tag geschechen, nach solchen verlauff sein wür vfgebrochen, vnnd in vnser Wintterquartier vnd meines Obristen Regiment nach Augspurg[192] gezogen, vnder werenten disen Quartiern ist Genneral Bannier herauß vf die obere Pfalz bey Amberg Vorbey vf Camb[193] gezogen, darinnen Haubtmann Eckh gelegen, welcher selbiges ohne Mußqueten Schuß ybergeben, deme sein Obrist Güntter seinen Proceß machen vnd auß befelch Ir Curfrtl. Durchl. etc. den Kopf zu Straubing weckhschlagen lassen, da dann im ganzen Landt zu Bayrn grosser Lermmen worden, wegen deß Banniers so geschwindter ankhunfft, vnnd weiln er in aller Eyl auch vf Regenspurg, alwo Ir Röm. Kayl. Maytt. selbsten losirt sein, ankhommen, zwar mit stückhen hinein gespilt, weiln er aber gesehen, daß er alda nichts richten khan, hat er sich wider zurückh nacher Kamb begeben, vnder diesen haben Ir Curfrtl. Durchl. etc. mir einen befelch nacher augspurg geschickht, daß ich mich nach Empfahung desselben, khein stundt verlieren, sondern bey nacht oder Tag vf die Posst sezen, vnnd nacher München mich begeben solle, nach solcher ankhunfft mich beym Freyherrn Von Ruepp, alß Kriegspräsidenten anmelden, da ich dann solchen befelch vmb 12. Vhr in der nacht zu Augspurg bekhommen, vmb 1 Vhr hab ich mich vf die Post gesezt, vnd Niemants mit mir genommen alß vnsern Regimentsquartirmaister, der meinen Obrist den Von hagenbach wider antwortt bringt, waß mein verrichtung seyn möchte, zu hinderbringen, sobalden ich nun zu München ankhommen, habe ich bey herrn weisen vf dem Graben mein einkher genommen, vnnd selbigen gefragt, wo ich dem herrn Kriegspräsidenten antreffen möchte, der mir gesagt, daß alle hofherrn mit der Curfürstin in der Kürchen weren, da herr Obrist Ruepp auch anzutreffen sein würdt, an welchen ich in meinen befelch, sobalden ich nacher München khom, angewisen worden, mich beym selbigen alsobalden anzumelden, so habe ich mich alsobalden nach vnser lieben Frawen Kürchen begeben, alda vfgewartt, biß die Curfürstin auß der Kürchen fahrt, da ich mich dann beym herrn Präsidenten angemelt, welcher mich gar freundlich empfangen vnnd mir befolchen mit nacher hof zu gehen, welches ich auch gethan, vnder deßen hat mich herr Graf Kurz hollen lassen, welcher im andern glidt, vnd der lezte Vor der Curfrtl. Gutschen oder Coretten, alß hof- vnnd Landtmarschalckh gangen, da ich mein reuerenz alsobaldt gegen Ime gethan, der mir die handt gereicht, vnnd gar freundtlich empfangen, vnnd gesagt, der herr Obristleut. hat sich nicht gesaumbt vf dem Weeg, vnd werden Ir Curfrtl. Durchl. ein gnädiges gefallen daran haben, daß sich der Herr sobalden eingestelt, wie sie dann ehe die Curfürstin in die Kürchen gefahrn, nach demselben gefragt haben, weiln ich nun gesehen, daß gedachter herr Graf khurz mit mir so freundtlich ist, auch neben seiner biß nacher hof gehen miessen, doch mit entblöstem haubt, ob er er mir wohl zu zehenmahln vfzusezen befolchen, mich der Freyheit vnderfangen, vnd gebetten, Ir hochgräfl. Exella. wollen mich doch gnädig berichten, waß mein verrichtung sein möchte, worauf sie mir geantworttet, sie wustens selber noch nit, wo ich hinkhommen werden, allain haben Ir Curfrtl. Durchl. ein gnädiges vertrauen zu mir, weiln ich mich im Veldt allezeit wohl vnd ehrlich verhalten, alß würdt der herr auf ein orth, daß von importanz ist, gelegt werden, wohin aber, würdt erst bey hof geschlossen werden, da wür nun nach hof khommen, ist herr Graf khurz alsobalden zu Irer Curfrtl. Durchl. mit der Curfürstin hineingangen, Die andern herrn aber, wie ich auch, sein in der Ritterstuben verbliben, eß ist aber herr Obrist Ruepp, alß Krigs Präsident, wie auch herr Obrist Schlez [Friedrich v. Schletz; BW], vnnd herr Teysinger [Teisinger; BW] alß Kriegsrath, alsobalden zum Curfürsten hineingeholt worden, vnder dessen ist herr Graf [Wolf Dietrich; BW] von Törring in der Ritterstuben zu mir khommen, mich empfangen, vnnd vnder dessen, alß mein alter bekhanter brueder vnd Spießgeselln, alß wür Obristwachtmaister mit einander gewesen, er vnder dem von Haslang, vnd ich vnder den von Reinach, mit mir conferirt, nach einer gueten halben stundt, sein die herrn Rhät sambtlichen miteinander heraußkhommen, ist alsobalden herr Graf Kurz vf mich zuegangen, vnnd mir glückh zu meinem Commando nacher Braunaw[194] gewunschen, mir auch benebens befolchen, solte alles sobalden ich dahin khom, ein ordentliche Speficication yberschickhen, waß ich von Augspurg biß dorthin verzörth, mit sambt den Posstgelt, soll mir alßdann schon ein anschaffung geschickht werden, wie ingleichen, wann ich waß beym Curfürsten zu solicitirn hette, oder wolte, soll ich selbige nur Ime yberschickhen, wills Im schon lassen befolchen sein, vnd hat daryber seinen Abschidt von mir genommen, vnd sich nacher hauß begeben, nach Ime ist herr Obrist Ruepp vnnd herr Cammer Präsident [Mändl; BW] auch gefolgt, da ich dann auch mitgegangen, vnd da wür vor die Residenz khommen, hat mir herr Obrist befolchen, morgens vmb 7. Vhr nach Altenhof[195] in den Kriegsrath zu khommen, auch in der still zu mir gesagt, daß ist herr Cammer-Präsident, ich solte Im mein schuldigkheit erzaigen, er wolte mir gern die handt biethen, welches auch alsobalden geschechen, nachdeme ich Ime meine schuldige Reuerenz erwisen, hat er mir die handt gebotten, vnd mich empfangen, vnd zugleich geriembt, daß ich mich sobalden eingestelt habe, dann Ir Curfrtl. Durchl. ein gnädiges gefallen daran gehabt hetten, vnnd waß daß Complementirn mehrers gewesen, wie es pflegt bey hof zu geschechen, doch ohne gelt, den morgen darauf habe ich mich vf die bestimbte Zeit nacher Altenhof begeben, auch sobalden in den Curfürstl. Kriegsrath hineingefordert worden, vnd alda neben herrn Obristen Schlez Nidersizen miessen, da mir dann vom herrn Präsidenten Ihr Curfrtl. Durchl. gnädigsten befelch Mündlich vorgehalten worden, auch alsobalden schrüftlich neben etlichen befelchen, zwey an die Beambten, daß sie mir in allem, waß Ich vor ein Notturfft erachte, an die handt gehen sollen, wie ingleichen einen an Burgermaister vnd Rhat, daß sie mich als einen Commendanten accomodirn sollen, wie auch ein Memorial ybergeben vnnd zugestelt worden, daß ich mich yber ein stundt in München weiters solte vfhsalten, sondern pr. Possto ohne verliehrung einer Zeit nacher Praunna begeben solle welches ich auch fleissig verricht, vnnd den andern Tag, doch mit grosser gefahr wegen deß grossen gewässers, dann recht gegen Prauna yber, in einem furth, alwo ich auch durchreütten miessen, ist ein Frau mit 2. khindern 3. pferdten vnnd dem Knecht ersoffen, vmb 2. Vhr glückhlich ankhommen, da ich dann von denen beamten, wie auch von Burgermaister vnnd Rhat, nachdem ich Ihnen zuvor Ire befelch durch meinen würth den Eckhfelhuber yberschickht habe, solenniter mit villen Complementen empfangen, hat mir auch Burgermaister vnnd Rhat alsobalden die Tafel anpräsentirt, vnnd mich frey zu halten versprochen, welches auch von Ihnen ist redtlich gehalten worden, deß andern Tags hab ich neben den alda ligenden Wahlischen haubtmann Friesen vnnd seinen Officirn, welche erst zwey tag darinnen gelegen, herumb vf dem Wahl die Posten visitirt, vnnd vf den Paterien daß Bettwerkh alles verfault befundten, alsobalden angefangen selbige ganz zuuerneuern, auch in die Contrascarpa Pallisaden sezen lassen, nach solchen alß die Keyl. vnd vnser Armee sich bey Regenspurg conjungirt, habe ich auch nachdem ich Sieben wochen alda gelegen, von München auß Order bekhommen, mich von dannen zu erheben, mich zur Armee vnd zu meinem Regiment, welches ich bey Regenspurg werde antreffen, zu begeben, habe mich alßdann sobalden auf vnd fort gemacht, aber die Armee erst bey Neuburg vorm Waldt[196] angetroffen, darinnen der Obrist Schlang [Slang; BW], Obrist von Pirfeldt [Rudolf v. Birkenfeld; BW], Obrist [Jaroslav Petr Kinský; BW], Obrist Heckhing [Heuking; BW] 4. Obristleütenant. 306. Wachtmaister. 23 Rittmaister darunter ein Marggraf [Karl Magnus; BW] von Baden. 1800. gemaine Reutter, 250 Soldaten zue Fueß 4000. gesattelte: vnd andere Dienstpferdt gelegen, die sich zwar anfänglich dapfer gewörth, aber nach beschiessung einer Press sich vf gnadt vnd vngnadt ergeben miessen, vnnd sein die officir gefangen : die Reutter aber vndergestelt worden, von dannen sein wür dem Bannier, welcher von Camb vfgebrochen, nach, vnd biß an den Böhemmer waldt, vnd Meißnizische gräniz vfm Preßnizer Pass[197] verfolgt, nachdem wür nun einen andern Pass gesucht, sein wür yber den Böhemmer Waldt in Meissen : vnd neben Leibzig vf weissenfelß[198] gangen, alda ein Prückhen yber die Saal geschlagen, auch in der nacht ein Schanz hinyber gelegt, da dann sich deß andern Tags deß Feindts Armee gegen vnß yber, sich präsentirt, welche ihr haubtquartier sonnsten schon zu Merseburg[199] gehabt, allwo General Bannier auch gestorben, nachdem nun Herr General Bicolomini 500. Musquetier mit einem Obristleüt. yber die Brückhen Commendirt, den Weinberg einzunemmen, weiln aber deß Feindts maiste Völckher nechst dahinder gestanden, ist es an ein starckhes treffen gangen, weiln aber vnsere leuth vil zuschwach gewesen, sich gegen einer Armee zu wöhren, alß sein sie von Weingebürg herunter vnnd mit grosser Confusion über die Brückhen gejagt worden, da dann im getreng vill yber die Prückhen hinab gestossen vnd ersoffen sein, vnder welchen es auch meinen Leütenant, welcher albereit einen schuß gehabt, auch getroffen, von dannen hat sich der Feindt gegen vnsere Schanz welche zwar nicht außgebauet gewesen, gewendet, vnnd selbige mit sturm, vnd ganzer macht angegriffen, aber herr Generalwachtmaister Bornuel [Bornival; BW] welcher mit 1000. Mußquetirn, darinnen gelegen, hat sich dergestalten verhalten, daß vom Feind 5. ad 600. Mann daruor sizen bliben, vnnd also mit spott vnuerrichtet abziehen miessen, vnder wehrentern verlauff aber ist herr General Picolomini die Saal vf einen Pisstoln schuß hinauf geritten vnnd sehen lassen, ob man nicht durchsezen khönte, da wür dann, weiln ich mitgeritten 5. Regimenter pferd allernechst yber dem auß einen schönen Dorf eillent herauß vnnd dem Läger, weiln so greulich geschoßen worden, zugeritten, vnnd er fragt den der General, ob nicht einer vorhanden were, der da durch vnnd hinyber schwimmen thete, wolte Ime ein ducat thaller schenckhen, wann er daß Dorf in Brandt steckhen thet, weiln alle Pagagi von den gedachten 5. Regimmentern darinnen gelegen, worauf sich ein Mußquetirer von den goldtischen [Gold v. Lampoding; BW] Regiment sich anerbotten, solches ins werckh zuerichten, sich alsobalden außgezogen, ganz nackhent hinyber geschwummen, vnnd also forth vf das dorff, alß ein Närrischer Mensch zugeloffen, vnnd weiln etliche weiber vnd Reutter Jungen bey einen Fewer gesessen, einen Schirm von Stro wegen deß grossen windts vmb sich gehabt, ist Er hinzu, einen Pischl stro herauß gerissen, selbigen bey Iren Feur angesteckht, damit eylents an daß nechste Tach geloffen, selbiges angezint, vnnd darauf wider gegen vnnß dem Wasser zugeloffen, vnnd obwoln ihm vill Jungen vnnd Weiber nachgesezt vnnd etlichmahl Im so nahe khommen, daß sie nach Im gegriffen, doch weiln er ganz nackhent gewesen, haben sie Im doch nit ergreiffen khönnen, sobalden er vf die saal khommen, ist er ins wasser gesprungen vnnd heryber geschwummen, vnd hat Im herr General Bicolomini 12. Ducaten alsobalden geben lassen, vnnd ist gedachtes Dorf in einer halben stundt, weiln der Windt groß vnnd in maisten alles mit stro gedeckht gewest, hinweckhgebrunnen, sambt all ihrer pagagi, dieselbige nacht ist der Feindt, weiln Ir General zu Merseburg gestorben, vfgebrochen, vnnd vf Hall ferners vf Jena[200] zumarchirt, Wür aber haben Merseburg, welches der Feind hinder Im besezt, eingenommen, von dannen vf Oschüz[201] selbiges auch eingenommen, sein auch wider vf Zwickhau[202] darinnen 2. Regiment gelegen, gangen, selbiges eingenommen, alsdann sein wür durch Meissen vnnd Dirringen, ins Praunschweigerlandt, denen Schweedischen vnnd Weinmarischen, welche sich eher sie vf Merseburg khommen, conjungirt haben allezeit nachgangen, weiln wür aber wegen etlicher besezter Stätt, die vnß im weeg gelegen, vfhalten miessen, vnnd dieselben eingenommen, alß haben sich die Schweedischen vnnd Weinmarischen, vnder dessen mit den hessischen coonjungirt, mit gesambter handt vor Wolfenbithl zu den Praunschweigischen vnnd Linenburgl. Armee gezogen, welche albereit den Tham vnder Wolfenbüthl verferttigt gehabt, daß es schon hoch in der Statt gestandten, alß haben Wür vnß auch nicht gesaumet, sondern mit vnser Armee den Schweden starckh nachgeszt, vnd sein vor Wolfenbittl ankhommen, auf diser seits, alwo der Feindt nur ein schanz am Damb gehabt, darbey die Linnenburgl. vnd Braunschweigl. Losirt gewesen, deß andern tags aber sein wür mit der infanteri durch die Statt marchirt die pagagi aber vnd die Gaballeri sein oberhalb der Statt durch daß wasser gangen, da dann herr General Veldtzeugmaister [Franz; BW] von Mercy mit 4. Regimentern zu pferdt in einen hinderhalt, vnnd in einen Pusch die retroquardi gehalten, da er dann 500. Pferdt vf deß Feindts große schanz durch ein Pusch, da nur ein straßen darzu gewesen, recognoscirn geschickht, Inen befolchen, Wann der Feindt, wie nicht zu zweiflen, starckh vf sie tringen würdt, sie sich zeitlich reterirn, vnd nur zimblich weit ins Veldt hinauß begeben solten, welches auch fleissig geschechen, vnd nach dem sie nahe an die Schanz khommen, ist alsobalden aaß selbiger mit stückhen auf sie Feuer geben worden, da dann nicht allain in Iren läger Lermmen worden, sondern sein gleich 2000. Pferdt vf selbige, die ohne Zweifel schon in bereitschafft gestandten, vf sie loß vnd Inen biß ins freye Veldt nachgangen, vnd verfolgt, darauf herr General Veldtzeugmaister auß seinen hinderhalt heruor gebrochen, Inen den Paß wider in die Schanz zukhommen abgeschnitten, vf die 500. Pferdt neben vilen Obristen vnd officirn gefangen bekhommen, auch etlich hundert auf der wahlstatt gebliben, nach solchem gefecht, ist gedachter General auch fort, vnnd ins Quartir gegen den Abent khommen, vnd ist meines Obristen regiment vf die haubtwacht zum Erzherzog vfm weissenberg, welches ein ganz grosser higl darauf, vor disem ein Citadell hat gebauet soll werden, sein alsobalden 11. stückh zu vnß hinauf gefürth worden, sein auch Ir Erzfürstl. Durchl. nechst disem berg, in Iren Zelt losirt, deß andern tags hat sich der Feindt mit villen Reuttern gegen vnsern Berg Presentirt, darauf sich vnsere Reutter auch dapfer sehen lassen, da wür dann mit vnsern stückhen wackher vnder sie feuer geben, vnder dessen ist auf vnsern berg khriegsrath gehalten worden, vnnd ist die resolution gefallen, morgenden tags den feindt in seinen Vorthl anzugreiffen, welches auch geschechen, vnnd sobalden es tag worden, hat man vnß in Petali gestelt, vnnd seint also in Gottes nammen vf den Feindt loß gangen, sobalden wür nun yber den Paß neben einer khürchen, welche der Feindt starckh verschanzt gehabt, aber nach dem Wür vf selbige zugezogen, haben sie solche verlassen, vnnd in Brandt gesteckht, nach solchen hat man vnß an einen waldt nechst ihren Transchen wider in Petali gestelt, da dann herr von Rauschenberg [Reuschenberg; BW] alß Commandant in wolfenbüttl vnnß vor einen Generalwachtmaister ist Vorgestelt worden, alß solches geschechen, hat er gleich meines Obristen vnnd deß Mercisch Regimment genommen, vnnß an den Waldt gefürth, da wür dann still halten miessen biß er seinen Cüras angezogen, alsdann sein wür fort vnnd in den waldt hineingezogen, da dann der Feindt erschröckhlich mit stückhen geschossen, alß wür nun an die Landtwöhr khommen, haben wür 3. Regimmenter zu Fueß mit 2. Stückhlein darin stehent gefunden, alß haben wür 2. Regimmenter dieselben chargirt, vnd in die flucht gebracht, vnd weiln die Armee nicht zugleich treffen khönnen sondern nur hinder einander herziehen miessen, alß haben die hinder vnnß gerueffen, drauf, drauf, welches zwar von vns geschechen, vnnd den flüchtigen in der Furi nachgangen, vnd alß wür ins Freye Veldt khommen, haben Wür zwar die Reütter halten sehen, Wür aber haben vermeint, eß weren Vnsere, seint also noch weiter Affantcirt, da sich dann die Reutter alsobalden vf vnß gewendet, vnß yber Kopf vnd halß chargirt, daryber ich alß Obristleutl. von Grafen Von hodiz [Hoditz; BW], wie auch mein Obrist vnnd ein haubtmann gefangen worden, der Obristwachtmaister aber, sambt den andern haubtleüten Fendrich vnnd Leütenant sambt 270. Mann seint auf der Wahlstatt gebliben, Vnnd yber 300. Mann gefangen worden, der Graf von hodiz, welcher mich gefangen bekhommen, ist auch in den Linckhen Armb mit Zweyen khugeln geschoßen worden, daß er hernach zu Hildesheimb gestorben, meinen Obristen ist der linckhe arm entzwey getretten gewesen, welchen gedachter Obrister Graf von hodiz nacher Hildesheimb mit sich genommen, ich aber binn den 5ten tag durch herrn General Veldtmarschall Graf Wahl loß gemacht worden, da ich dann bey Irer Erzfürstl. Durchl. Audienz gehabt, welche mir 200. Ducaten Verehrt, vnd seint mir auß vnser Cassa auch 300 fl. geben worden, alß nun die gefangene Vernommen, daß ich wider loß binn, haben sich die maisten bey dem regiment widerumb eingestelt, daß in 14. tagen nit abgangen, den andern tag aber, alß ich loß worden, ist vnser Armee vor Wolfenbitl vgebrochen, vnnd nacher Gantersleben[203] marchirt, da dann wider etliche frische Regimenter zu vnß khommen, alß wür etlich tag alda still gelegen, sein wür nach solchen wider mit ganzer macht vf Wolfenbitl zuegezogen, solches zuentsezen, vnnd mit den Feindt zu schlagen, alß nun der Feindt vnser macht Vernommen, vnd Vermerckht daß wür die Statt mit gewalt begehrn, zuentsetzen, alß hat er sich nach etlichen tagen seine Armee von Vnserer seitten hinweckh vnnd yber den Damb gefürth selbigen hernacher durchstochen, vnnd dauon marchirt, vnnd ist yber den greulichen Wasser daß der Damb durchstochen worden, in Praunschweig[204] Vmb Vill thünnen Goldts, schadten geschechen, daß auch die Bürger darinnen so schwierig worden, daß sie vor deß herzogs von Praunschweig, welcher sich dißmahl darinnen vfgehalten, sein losamment geloffen, mit steinen in die Fenster geworffen, vnnd wann Burgermaister vnd Rhat nicht sobalden darzue khommen weren, hetten sie den gueten herzog Augustum Wohl Todt schlagen dörffen, alß Wie Vorgedacht der Feindt abgezogen, haben Ir Fürstl. Gnaden mit dem Erzherzog Conferenz zu halten begeerth, da Im dann solches Verwilliget worden, darauf dann der Obrist Spiegl [Friedrich Conrad Spiegel; BW] mit 1000. pferdten, den herzog zu confoyrn, gegen Praunschweig geschickht worden, vnnd ist Im der Erzherzog mit 2000. Pferdten vf ein halbe Meil, sambt den maisten officirn, dann man vnß den Abent zuuor ansagen lassen, welcher mit auß dem haubtquartir mit Ir Erzfürstl. Durchl. reütten will, soll sich deß morgens früe darinnen einfindig machen, wie dann sich die maisten, ingleichen ich auch darbey befunden, welches nun auß der massen lusstig zu sehen gewesen, deßgleichen ich in ganzen Krieg souil officier, da einer schöner alß der ander gekhlait gewesen, auch ein Jeder sein schönstes vnd besstes Pferdt, wie leichtlich zuerachten, geritten, niemahls beyeinander gesehen, nach dem nun der alte ganz weiß an haar vnnd Barth, Herzog geritten khommen, ist Im der Erzherzog ein wenig mit seinem außerlesenen Comitat entgegen geritten, da sie dann alsobalden von den Pferdten abgestigen, zusammengangen, vnd ganz freündtlich aneinander empfangen, nach ablegung aller Complementen, sein sye wider zu Pferdt nacher dem haubtquartir geritten, da dann der herzog von Praunschweig, alß ein Gasst die rechte handt gehaltee, doch wider seinen willen, da er sich solches zuthun sich mächtig lang gewägert, nach dem man nun zur Tafel gangen, ist ieder officier in sein Quartier geritten, dann alle beyde Armeen in dreyen Dörffern allernechst beym haubtquartier gelegen, die Reütter aber campirt gehabt, nach solchen verlauf sein wür vfgebrochen, vf Ossterbrück[205] zuegangen, selbiges belägert vnnd eingenommen, von dannen sein wür vf Hornburgstatt,[206] gangen solche auch eingenommen, vnd die Soldaten Vndergestelt, darnach vf Schladen[207] ein Vösstes hauß, ebenmäßig eingenommen vnnd besezt worden, darinnen ein Junger Graf [Georg Friedrich II. v. Hohenlohe; BW] von hochenlohe gelegen, welcher gefangen nach Wien geschickht worden, derentwegen ich in meiner gefangenschafft zu Göttingen, wie hernach volgt, auch desto lenger sizent bliben, von dannen sein wür vf Einböckh gezogen, selbiges weiln es ein Vösster Plaz, mit einen schönen wahl einer Mauer vnnd zweyen Wassergräben vmbgeben, auch 6. Compagl. zu Fueß vnnd 2. zu pferdt darinnen gelegen, auch sich anfangs dapfer gewörth, nach dem wür aber ganz an Irem eussersten graben khommen, auf sie Feuer einwerffen greulichen schaden gethan, daß in einem Tag 230. heuser abgebrent worden, daryber sie angefangen zu Parlementiren, vnnd sein mit sackh vnd Backh abgezogen, nacher solchem haben wür auch daß Vösste Schloß Spiegelsperg[208] eingenommen, von dannen sein wür vf Northeimb, selbiges auch pr. Accord eingenommen, von dannen sein wür vf Göttingen[209] gangen, selbiges formaliter belägert, vnnd hat guete stöß daruor geben, wie es mich ebenmäßig betroffen, in dem ich vnd der Obriste Meir [Miehr; BW], die letzte retuten nechst am Thor, gelegt, alß nun der Tag angebrochen, ist herr Obrist Mier mit der ganzen Mannschafft zurückh, vnnd in die nechste Schanz gangen, mich aber gebetten, ich solte mit mit 40. Mann in dieser retuten verbleiben, vnnd ob es mir wohl alß Obristleütl. nicht gebürth hette, in einem so schlechten Posto zuuerbleiben, sondern hette einen Leütenant oder Fendrich gebürth, in betrachtung daß nur 25. Mann in der retuten Plaz gehabt, die ybrigen 15. Mann neben einen haubtmann Niclaß von Goltischen Regimment, sein hinter der retuten in den lauffgraben gebliben, hab ichs doch dem Obristen zu gefallens gethan, vnnd mit 25. Mann wie schon gedacht, neben dem haubtmann Mauil, von meines Obristen Regimment, vnd einen Leütenant von Goltischen Regimment Mober genant, gebliben, nach dem es nun ein baar stundt tag gewesen, ist ein weib mit Brandtwein khommen, da ich dann 2. Ducaten den Soldaten zuuerdrinckhen geben, darnach befolchen, solten fleissig achtung geben, da es nun vngefehr vmb 10. Vhr gewesen, ist der Obristwachtmaister Kermreutter [Kürnreiter; BW] zu mir khommen, abgestigen, vnd gefragt, weiln Freytag seye, ob ich Fisch hette, darauf ich mit ia geantworttet, vnnd ist eben mein Kerl mit dem Körb, darinnen daß Essen gewesen, ankhommen, mein Jung einer aber, mit dem Trinckhen in etwas zurück gebliben, nun habe ich allezeit die halbe Mannschafft in bereitschafft stehen lassen, alß ich nun meinen Jungen mit den flaschen rueffen lassen, hat der Feindt mit 5. Stückhen auf mein retuten Fewer geben lassen, da dann meine Schiltwacht angefangen zu rueffen, der Feindt, der Feindt felt auß, ist alsobalden der Kermreutter vf sein Pferdt geseßen, vnnd zu seiner Troppen, welche vf 300. Schrütt zurückh bey einer Mühl, gestandten, geritten, darauf dann Erstlich 500. Pferdt khommen, vnnd neben meinen Possto Vorbey gangen, vnnd gleich auf gedachten Kermreutter zue, denselben chargirt, vnnd yber das wasser gejagt, Von dannen sein sie gegen deß Erzherzogs haubtquartier zuegangen, daß Regimment, welches die haubtwach gehabt, ins Quartier hinein gejagt, gleich alß die Reutter herauß vnd Vor mir vorbey gangen, habe ich meinen Mußquetirn Verbotten, vf dieselben nicht fewer zugeben, dann eß würdt balt, wie ich eracht, waß anders khommen, wie auch geschechen, da ich dann khaumb außgeredt, sein 700. Mann zu Fueß, in Vollen lauff auf mich zuegangen, da ich dann meinen Mußquetirn befolchen, feuer zugeben, solten sich nicht ybereyllen, vnd fein Niderschiessen, welches auch geschechen, Vnnd ob zwar der Obrist Mier Versprochen, mich zu entsezen, ist doch solches nicht geschechen, sondern hat seine Possten selbsten Verlaßen, diese Gesellen aber haben sich meiner retuten alsobalden genähert, Vnnd handtgranaten hinein geworffen, da dann zwey Soldaten dauon getroffen, vnnd meinem Veldtscherer, welcher beym Feuer geseßen, den Bauch von einander geschlagen, alß meine wenige Soldaten gesehen, daß vnser entsaz seine schanz verlassen, sein sie auch von hinden hinauß yber die Prusstwöhr gesprungen, da ich dann durch einen rothen Rockh geschossen“.[210] Fritsch geriet in Gefangenschaft, die Belagerung Göttingens[211] wurde abgebrochen. Leider enden auch hier seine Aufzeichnungen.

Am 8.4.1633 war Fritsch mit 50 Soldaten des Regiments Reinach in Weiden einquartiert worden, wurde aber am 1.5.1633 wieder abberufen.[212]

Fritsch war seit dem 27.6.1644 Kommandant in Amberg (Obere Pfalz).[213]

„Die Einnahmen der Amberger Regierung betrugen im März [1648] statt 26 000 nur 2 200 fl. Am 4. Februar war ihre Kasse ganz leer. Durch abgesandte Truppenkommandos konnten in der ganzen Oberpfalz im Juni nur 3 000 fl, bis 30. Oktober nur 2 040 Viertel Getreide aufgetrieben werden. Bei einer Nachschau von Beamten, die von 15 Musketieren begleitet waren, konnten im April in einem Umkreis von 15 km um Nabburg nur 6 Fuder Heu und Stroh gefunden werden. Als die Amberger Regierung am 6. März angewiesen wurde, das Getreide der in den festen Orten geflüchteten Bauern festzustellen, berichtete sie, daß sich dies nicht empfehle, da ‚sonst die arme Leuth daß Herz gar fallen lassen und in ihren ängsten alles verlassen‘ „.[214]

„Wrangel zog am 11. April ab und ließ den Oberstleutnant Andrä Gaudi mit 8 Komp. (je 4 Komp. Deutsche und Schweden) z. F. nebst 50-60 Reitern unter Rittmeister Bellmann mit dem Beinamen ‚Stelzfuß‘, der geborener Oberpfälzer war und nur einen Fuß hatte, zurück. Die vorhandenen Schanzen erklärte Gaudi als Kinderspiel, ließ die Schanze beim unteren Tor mit Grundmauern versehen, das Wasser herumführen und die Stadtgräben vertiefen, daß sie bis zur Mannshöhe mit Wasser gefüllt werden konnten. Bürger und Bauern mußten bei den Schanzen arbeiten und wurden bei träger Arbeit auf den ‚Esel‘ gesetzt. Gaudi forderte von allen erreichbaren Ämtern und Städten der Oberpfalz und Jungpfalz hohe Kontributionen und schrieb deshalb am 18. Mai an den Kommandanten von Amberg,[215] den Oberst Augustin von Fritsch, daß er Befehl habe, Kontribution eintreiben oder zu ‚brennen‘. Bisher [waren ?] sie nicht gebrannt worden. Gaudi bat, Abgeordnete zu den Verhandlungen über die Kontribution nach Neumarkt zu senden, die er ‚auf Parole‘ geleiten lassen wolle, ’so wahr ich ein ehrlicher Cavalier bin‘. Fritsch schlug am 19. Mai vor, den Schweden die Stadt und das Schultheißenamt Neumarkt, die Ämter Heimburg,[216] Pfaffenhofen,[217] Holnstein,[218] Helfenberg,[219] Freystadt,[220] Rieden,[221] die Klöster Seligenporten,[222] Gnadenberg,[223] Ensdorf,[224] sowie das Stift Kastl[225] zu überlassen und außerdem monatlich 400 Taler zu bezahlen. Nach dem Abzug Wrangels wußte sich der Bürgermeister Reindl sehr gut zu Gaudi zu stellen, der sich von ihm bei seinen Gängen durch die Stadt und bei der Besichtigung der Schanzarbeit begleiten ließ. Vom Sonntag, ab 3. Mai predigte immer der Prädikant von Altdorf[226] in der Pfarrkirche, vorher fand katholischer Gottesdienst statt. Die kleinere Hälfte der Neumarkter war wieder protestantisch geworden. Dies führte zu Zwistigkeiten in der Bürgerschaft und diese führten zu Anzeigen an die Schweden, wo Andersgläubige Wertsachen versteckt hielten“.[227] Fritsch war verheiratet mit Marie Salome von Siggerhausen, der Witwe des Obristen Burghausen.[228]

Epitaph in St. Michael in Weiden

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. auch KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 92f.

[2] Amberg; HHSD II, S. 20ff.

[3] Northeim; HHSD II, S. 353f.

[4] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[5] Mauthausen; HHSÖ I, S. 77f.

[6] Freistadt, HHSÖ I, S. 38f.

[7] Drosendorf; HHSÖ I, S. 230ff.: Christian d. J. v. Anhalt schreibt unter dem 9.9.1620: „Wir sind mit der Armee vor Drosendorf gezogen. Die Stadt hat eine Doppelmauer und einen Graben. Die Garnison ist 400 Mann stark. Die Stadt erhebt sich wie eine natürliche Festung. Die Besatzung lehnte die Übergabe ab. 10. September. Wir beschossen von weitem Drosendorf, aber immer quasi zu kurz und zogen schließlich ab“. MILGER, Gegen Land und Leute, S. 82. Der kriegsverständige Jesuitenpater Drexel u. Begleiter Maximilians I. notiert am 13. September in seinem Tagebuch: „Heute kamen wir nach Drosendorf, einem armseligen Städtchen und einer ebensolchen Umgebung. Wir sahen, daß der Feind einen großen Teil der Mauern ganz leicht hätte übersteigen können, und doch er hatte es nicht geschafft oder nicht versucht“. MILGER, Gegen Land und Leute, S. 82.

[8] Budin a. d. Eger [Budyně nad Ohří, Bez. Leitmeritz]; HHSBöhm, S. 85; MILGER, Gegen Land und Leute, S.  84, nach dem Tagebuch des Sekretärs Maximilians I., Mändl: „Nachdem am 26. [9.] Durchlaucht die Halsstarrigkeit dieser Leute verspürt hatte, wurden am nächsten Tag durch beharrlichen Beschuß die Stadttore aufgebrochen und in Brand gesteckt. Sobald die Bürgerschaft und 300 vom Landvolk sahen, daß die Stadt nicht zu halten war, haben sie um Gnade oder Ungnade gebeten. Das hat ihnen Durchlaucht in angeborener Güte bewilligt. Damit der Ungehorsam nicht ungestraft bliebe, hat man die Rädelsführer zu gebührender Strafe verhaften lassen“. Während Mändl die Plünderung verschwieg, schrieb Drexel, der Beichtvater Maximilians I.: „27. September. Budnawar schon vor einiger Zeit von Bucquoy und Mansfeld erobert und geplündert worden, wie die Bürger erzählten, aber von niemandem so grob wie diesmal vom Bayer, der es, wie bei Rebellion üblich, zur Plünderung freigegeben. Menschenleben wurden verschont“. MILGER, Gegen Land und Leute, S. 84.

[9] Pisek [Písek]; HHSBöhm, S. 452f. PÖRNBACHER, Barock, S. 325f., zur Eroberung v. Pisek am 30.9.: „Heute um die dritte Stunde des Nachmittags ist Biska gleich beim ersten Eindringen in die Stadt erobert worden. Alle, die drinnen waren, hat man zusammengehauen und umgebracht. Besonders die Soldaten des Bucquoi haben niemand geschont, kein Geschlecht noch Alter, auch das Kind, das im Bett saß, wurde mit einem Gewehrschuß hingestreckt. Ein gar erbärmlicher Anblick war das, wohin die Einwohner oder die Besatzungssoldaten auch flohen, sie fielen in die Hände der Unseren und wurden getötet oder gefangen. Der Anführer wurde in der Stadt in tausend Stücke zerhauen. Einer Schwangeren, die im Schrecken gebar, wurde der Kopf gespalten, das Kind an der Wand zerschmettert. Man sagt, Bucquoi habe sein Schwert und den Regimentsstab zerbrochen, als er dem Gemetzel Einhalt bieten wollte, aber die Raserei der Soldaten war stärker. Mehrere stürzten sich ins Wasser, um wenigstens so zu entkommen, aber auch dort trafen sie die Kugeln und so starben sie fast einen doppelten Tod. Man sagt, es seien zwölfhundert Schützen in dieser Stadt gewesen, die schon an sich, und auch durch ihre Lage aufs beste befestigt war. Aber nicht einmal einen ganzen Tag hat sie diesem doppelten Heer, dem unsern und dem des Bucquoi, widerstehen können. An diesem Abend liefen von den Böhmen 130 Soldaten ins Lager unseres Fürsten über. Überall herrscht unter unseren Feinden Furcht, Schrecken und großes Zittern, und das ist kein Wunder: schon kennt man den bayerischen Löwen. Zu den ungarischen Truppen im böhmischen Ständeheer der Anführer der böhm. Vorhut: „Es istz war ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter, so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder. Ähnl. auch der Bericht aus Wien: Die Hungern haußen gar übel auch bei den Ewangelischen sine ohmni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen lassen, so erbärmlich ist; wan sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen“. Zit. bei REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456, bzw. 459 über die Verhältnisse im kaiserlichen Heer: „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, daß man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. A. a. O., S. 459.

[10] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[11] Rakonitz [Rakovník]; HHSBöhm, S. 308f. Drexel schrieb am 27.10. in sein Tagebuch: „Wir verließen Kralovice und marschierten quasi Fuß an Fuß mit dem Feind, der seitlich von uns marschierte. In der stockfinsteren Nacht wurden wir abgedrängt, und weil der Feind nahe war, begannen die Unsrigen in derselben Nacht mit ihm zu plänkeln“. Das Ständeheer erreichte Rakovník [40 km vor Prag] vor den Bayerischen. Am 27.10. notierte sich der etwas naive Christian d. J. v. Anhalt: „Nachricht, daß der Feind Rakovnik belagern wird. Befehl, mit meinem Infanterieregiment und zwei Kompanien Landvolk dem Feind die Passage zu verlegen. Kaum hatten wir Stellung bezogen, da erschien der Feind. Man hatte schöne und tapfere Scharmützel, die Ungarn jagten sich gegenseitig herum. Man schätzt 60 Tote beim Feind, bei uns wenige. Die Nacht hat uns getrennt. Der König war rechtzeitig angekommen, um den Feind zu sehen und nahm sein Plaisir daran“. Friedrich V. v. der Pfalz, in militärischen Angelegenheit ebenso naiv, schrieb an seine Gemahlin am 27.10.: „Der Feind hat sein Lager ganz in der Nähe. Ich habe heute ein sehr schönes und heftiges Gefecht gesehen“. MILGER, Gegen Land und Leute, S.  93. Im bayerischen Bericht vom 30.10. heißt es: „Des Feindes und die ganze bayrische Armada sind gegeneinander gerückt, haben mit Geschützen stark aufeinander geschossen, die Reiter sind aufeinander getroffen und das Fußvolk hat scharmütziert. In diesem Treffen ist der Feind geschlagen und zerrieben worden und die Unsrigen haben eine Fahne erobert, die dem General Christian [d. Ä.] von Anhalt gehört haben soll. Der Oberst Kratz hat den Fähnrich, der die Fahne trug, mit samt dem Pferd mit einem Schuß totgeschossen. Das wird von seinem Sohn bestätigt: Man schlug sich wacker um den Wald. Unsere Musketiere machten ihre Sache extrem gut, die Kavallerie aber nicht sehr gut, wir mußten uns zurückziehen. Die Kompagnie von S. A. war auch dabei, deren Standarte genommen wurde, nachdem der Fahnenträger tot war“. MILGER, Gegen Land und Leute, S. 94.

[12] in Schlachtordnung.

[13] Anm. v. Westenrieder: „Der Hofmedicus und Chirurgus Tobias Geiger sagt in seinem hinterlassenen Tagbuch: ‚Anno 1620 bin ich pro Medico Castrensi in Bohem bey der Schlacht zu Prag und Einnemmung des Landes ob der Ens, Under Oesterreich, und ganz Bohem mitgewest; allda allein von der baier. Armada bis in die zwaintzig tausend Menschen todt geblieben, der meiste Theil aber gestorben;‘ theils wegen Mangel an Proviant, theils vor Ungemach, da man auf dem Marsch nach Prag bey Schnee und grimmiger Kälte auf dem freyen Feld campiren mußte, wobey eine Menge schöner Pferde erfroren sind“.

[14] Waidhaus; HHSD VII, S. 781.

[15] Vgl. neuerdings KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[16] Roßhaupt; HHSD VII, S. 781 (unter Waidhaus).

[17] Das geschah nach der lateinischen Inschrift seiner Grabstele am 16.7.1621. Betätigt wird dies durch Preysings Tagebuch; STABER, Eroberung, S. 168. Ein zeitgenössischer Stich enthält die Inschrift „Nobilis et genrosiss. miles, Iacobus Baur ab Eysenek, Bamb. et Wirtzb. peditum legionis archistrategus, qui contra conscriptos ecclesiae et caesaris hostis fortiter dimicans, gloriose occubit 17 Calend. Augusti anno 1621“ (National-Museum Prag, 102 A 190; BOHATCOVÁ, Irrgarten, Nr. 07, S. 53). Dort findet sich auch ein zeitgenössischer Stich mit Baurs Beisetzung (National-Museum Prag, 102 A 191; BOHATCOVÁ, Irrgarten, Nr. 108, S. 53). Sie fand im Domkreuzgang in Würzburg statt. WASSENBERG, Florus, S. 56; KREBS, Schlacht, S. 60, Anm. 1; ARNOLD, Kriegswesen, S. 26; ferner den Bericht Truchsess‘ v. Wetzhausen an Aschhausen, Rosshaupt, 1621 VIII 04; Staatsarchiv Bamberg B 48/92 (Ausfertigung); Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2238, fol. 536-538 (Ausfertigung): Nota, o. D. [nach 1621 VII 16]. Hier ist v. 350 Mann Verlust auf ligistischer Seite die Rede; BA NF I/2, 300.

[18] Vgl. KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[19] Mannheim; HHSD VI, S. 501ff.

[20] Hilsbach; HHSD VI, S. 339. Zwar konnte der Hilsbacher Bürgerausschuss den Angriff zunächst abschlagen, wobei die bayerischen Truppen 27 Mann verloren, doch blieb der der Stadt angekündigte Entsatz durch Mansfeld aus. In dem Bericht des kurpfälzischen Sekretärs Johann Philipp Dorinus hieß es: „Da das Mansfeldische Volk in bischöflich speyrische Gebiete eingefallen, ist ein bischöflicher Mann nach Hilsbach geflüchtet. Aber dieser undankbare, treulose Kuckuck, welcher ohne Zweifel den Meineid und die Untreu gelernt, verrät den Bayrischen ein Kellerloch, das aus einem Keller durch die Stadtmauer hinausging. Indem nun die Bayrischen mit einem Teil ihres Volks uff einer Seiten des Städtleins angriffen und sich die Bürger tapfer wehrten, da brechen unterdeß etliche hundert uff der andern Seiten durch das Kellerloch in den Keller und in die Stadt ein“. GEHRING, Hilsbach, S. 189; WIESER, Eppingen, S. 119. Erbittert durch den Widerstand und die erlittenen Verluste, verbunden mit einer niedrigen Affektkontrolle und einer generellen Tendenz zur Gewaltbereitschaft wurde in der erstürmten Stadt in prima furia ein Massaker an der Bevölkerung verübt, der Stadtleutnant Johann Konrad Diemer an einem Balken über der Stadtmauer erhängt. Hier zog man aus Zerstörung, Vergewaltigung und Mord sexuelle Befriedigung und ästhetisches Vergnügen, als sei man von einem Dämon besessen. In der offiziellen Feldkorrespondenz Tillys mit Maximilian hieß es dagegen lediglich, das der maiste thail der Bürger dan kain geworben Volckh darinnen gelegen, nidergehaut vnndt thails Verwondet worden. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2314, fol. 451 (Ausfertigung): Tilly an Max., Sinsheim, 1622 IV 11. Passivkonstruktionen wie diese schufen eine zusätzliche Distanz zum Gegner. Tatsächlich wurden jedoch mindestens 165 Einwohner getötet, darunter 122 Familienväter, außerdem erwachsene Söhne, Töchter, Ehefrauen, Witwen, unmündige Kinder, Knechte, Mägde und Tagelöhner; die anderen überlebten nur, weil sie bis zu hundert fl. Lösegeld aufbringen konnten. SCHÄFER, Geschichte der Stadt Bretten, S. 330.

[21] Neckargemünd; HHSD VI, S. 548f. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2314, fol. 497 r – 499 v (Ausfertigung): Tilly an Maximilian I., Waibstadt, 1622 IV 14; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 1, S. 621, allerdings mit falscher Datierung; WERTHEIM, Der tolle Halberstädter Bd. 1, S. 179. GELDNER, Tilly, S. 423-448, versucht in seiner Polemik gegen Wertheims Verurteilung der Massaker v. Hilsbach, Neckargemünd, Höchst u. Kronberg (WERTHEIM, Der tolle Halberstädter, S. 426f.) nachzuweisen, dass Tilly in keinem Fälle eine persönl. Schuld treffe, er bei Kronberg wahrscheinl. selbst gar nicht anwesend gewesen sei, u. dass man in allen Fallen dem damaligen Kriegsbrauch (!) entsprechend gehandelt habe, was bei genauerer Untersuchung der Massaker an der Zivilbevölkerung doch mehr als fragwürdig erscheint, wenngleich man sich darauf berief, solche Einnahmen seien mit stürmender Hand, daher jure belli erfolgt seien.

[22] Steinsberg; HHSD VI, S. 757.

[23] Ladenburg; HHSD VI, S. 439ff.

[24] Heidelberg, HHSD VI, S. 302ff.

[25] Wiesloch; HHSD VI, S. 886f.

[26] Mingolsheim; HHSD VI, S. 43f.

[27] Nicht identifiziert.

[28] Wimpfen; HHSD VI, S. 51f.

[29] PFLÜGER, Pforzheim, S. 382f., bzw. HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 122: „Eine Haubitze, die leicht gedreht werden konnte, ruhte auf zwei Balken, welche wieder auf zwei bis drei Achsen mit vier oder sechs Rädern auflagen, doch so weit von den Rädern entfernt, daß diese mit dem Wagen leicht gewendet werden konnten. Die Balken waren mit nach außen gerichteten eisernen Spitzen beschlagen, daher der Name Spitzwagen“. MILGER, Gegen Land und Leute, S. 129: „70 Wagen, darauf Mörser gelegt waren, eine Erfindung des Markgrafen, ferner 1.800 Wagen, deren 150 mit 6 Rädern versehen waren, die mit Spitzen versehen waren und zum Schlagen einer Wagenburg dienten. Die übrige Masse der Wagen war beladen mit Pulver, Sturm- und Schanzzeug und Proviant. Unter der Rüstung befanden sich ferner 12 Schiffe für eine Schiffsbrücke, 40 Feldstücke, worunter zwei Sechspfünder, mit je 7 Pferden, ein großer Böller, der 70 Pfund warf, mit 9 Pferden, 6 neue Kanonen, die 1614 zu Durlach gegossen waren und des Markgrafen Wappen trugen, und 30 kleinere Stücke“.

[30] „Spielen“ ist ein Terminus technicus der Artillerie: Das Verb markiert die aus dem zeitgenössischen Tennisspiel bekannte Flugbahn des Balles u. spielt auf die sogenannten „Göllschüssen“ an, indem man die Kugeln auf- u. in die gegnerischen Haufen hineinprallen ließ; LANGER, Hortus Bellicus, S. 185.

[31] „Unter dem strengsten Treffen sind durch einen Schuß aus einem groben Geschütz 5 Wagen mit Pulver im Markgräfischen Lager angezündet worden, dadurch ein schrecklicher Schaden geschehen, also daß das Pulver auf zween Morgen Ackers im Umkreis Menschen, Vieh und Wagen in die Luft gesprengt, versengt und verbrennt, so eine jämmerliche Lücke in die Schlachtordnung und Wagenburg gemacht, daß also eins zum andern geholfen, daß die Markgräfische Armada ganz zerschlagen und in die Flucht geschlagen“. Nach THEATRUM EUROPAEUM Bd.1, S. 627, zit. bei JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 142. Vgl. den Stich »Aigentliche abbildung vnd kurze erzehlung« bei LAHRKAMP, Dreißigjähriger Krieg, S. 63.

[32] Lorsch (Kr. Bergstraße); HHSD IV, S. 309ff.

[33] Mannheim; HHSD VI, S. 501ff.

[34] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[35] Höchst; HHSD IV, S. 226ff.

[36] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[37] Rohrbach; heute Stadtteil vonm Heidelberg.

[38] Nach der Einnahme der kurpfälzischen Hauptstadt, deren Fortifikationen einer längeren Belagerung ohnehin kaum standgehalten hätten, sei darin, so ein zeitgenössischer Bericht, „ein jämmerlich Zetergeschrey und Wehklagen, durch Niederhauen, Plündern und Geld heraus martern mit Däumeln, Knebeln, Prügeln, Peinigen, Nägelbohren, Sengen an heimlichen Orten, Aufhenken, Brennen an Fußsohlen, mit Schänd und Wegführung der Frauen und Jungfrauen gegangen“. WIRTH, Schicksale Heidelbergs, S. 169; zit. in veränderter Form bei JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 144. Selbst die abziehende Garnison – der englische Kommandant, Sir Gerard Herbert, war beim „dritten Secundiren durch den Kopf geschossen“ worden, an seiner Stelle kommandierte der Holländer Heinrich van der Merven – wurde überfallen u. misshandelt; wahrscheinlich, weil die Belagerung 400 Tote unter den Ligisten gefordert hatte. Die Ligisten rissen ihnen Unter- und Oberwehr [Degen u. Schusswaffen] ab, hatten „etliche auf ein Seil genommen und ihnen Riemen aus dem Leib geschnitten“ und verschonten auch den Kommandanten nicht, so dass Tilly selbst mit dem Degen in der Hand für Ordnung sorgen musste u. den Abziehenden freies Geleit bis nach Frankfurt geben ließ.

[39] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[40] Berlepsch; HHSD IV, S. 44.

[41] Friedland; HHSD IV, S. 135.

[42] Göttingen HHSD II, S. 178ff.

[43] Stadtlohn; HHSD III, S. 69ff.

[44] Emden; HHSD II, S. 134ff.

[45] Höxter; HHSD III, S. 346ff.

[46] Holzminden; HHSD II, S. 240f.

[47] Hameln; HHSD II, S. 192ff.

[48] Verden; HHSD II, S. 464ff.

[49] Rinteln; HHSD II, S. 395f.

[50] Minden; HHSD III, S. 517ff.

[51] Stolzenau; HHSD II, S. 444f.

[52] Nienburg; HHSD II, S. 346f.

[53] Pattensen; HHSD II, S. 376f.

[54] Harenberg, heute Stadtteil von Seelze/Region Hannover.

[55] Hofgeismar; HHSD IV, S. 231f.

[56] Grebenstein; HHSD IV, S. 181f.

[57] Hann. Münden; HHSD II, S. 333f.

[58] Gandersheim; HHSD II, S. 158ff.

[59] Lutter am Barenberge; Schlacht am 27.8.1626; HHSD II, S. 315f.

[60] Salzgitter; HHSD II, S. 407f.

[61] Hoya; HHSD II, S. 245f.

[62] Bleckede; HHSD II, S. 51f.

[63] Verden; HHSD II, S. 464ff.

[64] Boizenburg; HSD XII, S. 5ff.

[65] Itzehoe [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 121ff.

[66] Elmshorn [Kr. Pinneberg]; HHSD I, S. 46.

[67] Breitenburg [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 23f.

[68] Rendsburg; HHSD I, S. 219ff.

[69] Stade; HHSD II, S. 432ff.

[70] Cassel: nicht identifiziert.

[71] Kirchen a. d. Oste: nicht identifiziert.

[72] Geversdorf [LK Cuxhaven].

[73] Vgl. HABERER, Ott Heinrich Fugger.

[74] Buxtehude; HHSD II, S. 90f.

[75] Horneburg; HHSD II, S. 244f.

[76] Kötten: nicht identifiziert.

[77] Wursten; HHSD II, S. 515ff.

[78] Belum; HHSD II, S. 39f.

[79] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[80] Cronenburg: nicht identifiziert.

[81] Altes Land; HHSD II, S. 10ff.

[82] Lemgo; HHSD III, S. 452ff.

[83] Herford; HHSD III, S. 312ff.

[84] Einbeck; HHSD II, S. 128ff.

[85] Volkmarsen; HHSD II, S. 441f.

[86] Hann. Münden; HHSD II, S. 333f.

[87] Trendelburg [Kr. Hofgeismar]; HHSD IV, S. 433f.

[88] Witzenhausen; HHSD IV, S. 478f.

[89] Allendorf [unter Bad Sooden-Allendorf (Kr. Witzenhausen)], HHSD IV, S. 33f.

[90] Eschwege; HHSD IV, S. 114ff.

[91] Eisfeld; HHSD IX, S. 98f.

[92] Rusteberg, HHSD IX, S. 365f.

[93] Heiligenstadt; HHSD IX, S. 186ff.

[94] Duderstadt; HHSD II, S. 123f.

[95] Polle; HHSD II, S. 383.

[96] Brackel; HHSD III, S. 112.

[97] Der ligistische Kommandierende Jost Maximilian Graf v. Gronsfeld, der sich bevorzugt in Geseke aufzuhalten pflegte, traf bei Brakel auf vierzehn schwedische Kompanien und schlug sie in die Flucht, was der glücklos operierende Baudissin, der offenbar größeren strategischen Aufgaben nicht gewachsen war und mehr auf persönliche Bereicherung aus war, in seinem Bericht allerdings genau ins Gegenteil verkehrte. Nach Baudissins Aussage habe „der Feind keine Seide gesponnen, angesehen er mit Fußvolk, Stücken und Cavallerie in allem gefochten, das Feld und die Walstatt quittiren und verlassen müssen und sich über den Paß, da ihm dann nicht mehr beizukommen gewesen, retirirt; in solcher seiner Flucht (!) aber ihm 3 Stück Geschütze abgejagen und 2 Standarten wieder erobert, und also die Unserigendas Feld behalten“. ARKIV II, Nr. 833. Staatsarchiv Hannover Cal. Br. 16/322 (Ausfertigung): Baudissin an Herzog Georg, Höxter, 1632 IX 16; zit. bei DROYSEN, Pappenheim II, S. 378. Pappenheim selbst sprach dagegen v. einem Sieg; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 961, fol. 314f. (Abschrift): Pappenheim an Kurfürst Ferdinand, Hildesheim, 1632 X 10; auch Lebzelter stellte es als einen Erfolg Gronsfelds dar; Hauptstaatsarchiv Dresden Loc. 8240 FLZ 1929-33, fol. 143f. (Ausfertigung): Lebzelter an Johann Georg I. v. Sachsen, Hamburg, 1632 X 04/14. Das war eine bei der schwedischen Feldpropaganda durchaus übliche Methode, den Besiegten als Sieger erscheinen zu lassen.

[98] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[99] Venlo [Provinz Gelderland].

[100] Ruhrort; HHSD III, S. 655.

[101] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[102] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[103] Heldrungen; HHSD XI, S. 205f. Heldrungen wurde gestürmt; die sächsische Besatzung, Eingeflohene u. Bürger wurden mit Degen u. Hellebarden niedergemetzelt, ein Teil der Ortschaft in Flammen auf. Stadtarchiv Hildesheim Best. 100/XLV, Nr. 74.

[104] Sangerhausen [Kreis Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 409f.

[105] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[106] Weißenfels; HHSD XI, S. 487ff.

[107] Naumburg; HHSD XI, S. 341ff.

[108] Halle; HHSD XI, S. 177ff.

[109] Lützen; HHSD XI, S. 286f.

[110] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[111] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[112] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[113] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[114] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[115] Kempten; HHSD VII, S. 352ff.

[116] Rain; HHSD VII, S. 599f.

[117] Donauwörth; HHSD VII, S. 147ff.

[118] Biberach a. d. Riß; HHSD VI, S. 80f.

[119] Sulz [Soultz, Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin].

[120] In den ersten Monaten des Jahres 1634 stellten die Kaiserlichen unter Franz von Mercy und Wilhelm V. von Baden ein neues Heer auf. Der Rheingraf war ihr erster Gegner. Er eroberte nacheinander Sulz, Gebweiler, Ruffach und zwang die Kaiserlichen, sich in die Gegend um Thann zurückzuziehen. Am 2.3. kam es zur Schlacht, in deren Verlauf die Kaiserlichen 1.700 Mann verloren und die Obristen Salm, Mercy und der Marquis von Bassompierre gefangen wurden. Anschließend gelang es ihm, die Städte Thann, Belfort, Altkirch, Neuburg und Freiburg zu erobern.

[121] Unter den vier Waldstädten versteht man Rheinfelden, Bad Säckingen, Laufenburg u. Waldshut.

[122] Stein am Rhein [Kanton Schaffhausen; Schweiz].

[123] Laufenburg; HHSD VI, S. 455f.

[124] Waldshut; HHSD VI, S. 850f.

[125] Säckingen; HHSD VI, S. 46ff.

[126] Rheinfelden; HHSD VI, S. 659.

[127] Altkirch a. d. Ill [Dep. Haut-Rhin].

[128] Breisach; HHSD VI, S. 110ff.

[129] Freiburg im Breisgau, HHSD VI, S. 215ff.

[130] Dingolfing; HHSD VII, S. 141f.

[131] Straubing; HHSD VII, S. 723ff.

[132] Gundelfingen; HHSD VII, S. 257ff.

[133] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.; vgl. ENGERISSER; HRNČİŘİK, Nördlingen (die umfassendste und genaueste Darstellung der Schlacht).

[134] Durlach, heute Stadtteil von Baden-Baden.

[135] Herrenberg; HHSD VI, S. 331.

[136] Colmar, Reichstadt [Ober-Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin]; vgl. STEIN, Protéction.

[137] Schlettstadt/Sélestat, Reichstadt [Elsass, h. Frankreich, Dép. Bas-Rhin]; vgl. STEIN, Protéction.

[138] Reichenweier [Riquewihr; Dép. Haut-Rhin].

[139] Thann [Tann, Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin].

[140] St. Amarinthal [Elsass, Dép. Haut-Rhin].

[141] Rambervillers [Frankreich, Dép. Vosges]. Nach PETERS, Söldnerleben, S. 194f., hatten Werths Truppen Remiremont mit stürmender Hand eingenommen, bis zum 7.8. dort gelegen u. am 10.8. Rambervillers erobert: „Da haben wir uns gut versehen mit Schanzen, so daß die ganze Armee ist beschanzt gewesen. Den 15. September dieses Jahrs hat der König von Frankreich mit 30000 Mann zu schlagen vermeint, aber wegen der vielen Schanzen hat er nicht zu uns gekonnt. Also ist Johann Werth ihm mit der Reiterei entgegen, er aber solches gemerkt und sein Lager aufgeschlagen drei Stunden von uns. Dieses mal ist das Brot bei uns im Lager gar klein gewesen. 2 Pfund Brot für 45 Kreuzer, aber ein Pfund Fleisch für 2 Kreuzer“. LAHRKAMP, Werth, S. 45: „Um Rambervillers entstand ein großes befestigtes Lager mit vier großen Forts, das die Armee, die über 9000 Fußsoldaten zählte, aufnahm. Die Troßweiber hatten in fünf Tagen die umfangreichen Verschanzungen ausgehoben“.

[142] Remiremont [Dép. Vosges].

[143] Der Söldner Hagendorf schreibt in seinen Erinnerungen: „Den 25. Oktober ist der König wieder angekommen mit 70000 [!] Mann. Da sind unsere Reiter aus den Schanzen, haben ihn bis zu den Schanzen gelockt. Da sind die Kanonen kreuzweis auf sie gegangen. Da sind sie wieder zurück, haben nicht uns anzugreifen begehrt, weil sie gesehen haben, daß wir so wohl uns versehen haben. Da lagen wir einander gegenüber bis zum 31. Oktober. Da ist er wieder zurück. Johann von Werth ist ihm 2 mal am hellen Tag ins Lager eingefallen. Da hat Johann begehrt, mit der ganzen Armee auf den Feind zu gehen, aber Gallas hat nicht gewollt“. PETERS, Söldnerleben, S. 150.

[144] Teilweise desertierten die Soldaten, teilweise starben sie zu Hunderten an der ungewöhnlich früh einsetzenden Kälte, der »peste suedoise« u. an Hunger. „Welches allein daher kommt, daß die hohen Offiziere nur ihnen wohl sein lassen, und die zum Proviante habende bessere Mittel auf ihre Tafel verwenden“, wie der bayerische Kriegskommissar Schäffer nach München einberichtete. Bei dem selbst in dieser trinkfreudigen Zeit wegen seiner Trunk- u. Fresssucht bei Freund und Feind gleichermaßen verrufenen u. v. der Gicht, wahrscheinlich als Folgeerscheinung seines übermäßigen Fleischkonsums, verbunden mit Alkoholabusus – der bei vielen Offizieren bis hin zum Nachfolger Christinas, Karl Gustav, üblich war – geplagten Gallas „lebt man wie zu Lebenberg [Leonberg; BW] im Winterquartiere beschehen, noch fortan in Saus und Braus, dessen ich und andere, die es sehen, uns nicht genug wundern konnten“. Zu Gallas vgl. REBITSCH, Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas. „Gicht u. Podagra waren in diesen’ Jahrhunderten der starken Gurgeln und schwachen Nieren‘ eine Art Kavaliers- und Fürstenschicksal“. DIWALD, Wallenstein, S. 74. Eine zeitgenössische französische Karikatur (VOGT, Bild, 165) zeigt den Generalleutnant, wie er seinen Bauch in einer Schubkarre vor sich herschiebt. Diese Verwölbung soll allerdings gemäß der Legende durch den Verzehr von Radieschen u. Zwiebeln bedingt sein, also ein Blähbauch, dessen Gas in einem sichtbaren Strahl durch Rülpsen entweicht.

[145] Oberlahnstein; HHSD V, S. 271f.

[146] Koblenz; HHSD V, S. 178ff.

[147] Ehrenbreitstein; HHSD V, S. 86f.

[148] Homberg a. d. Efze; HHSD IV, S. 236f.

[149] Warburg; HHSD III, S. 752ff.

[150] Paderborn; HHSD III, S. 601ff.

[151] Grünspan: Der nicht ungefährliche Grünspan wurde z. T. in den Feldlagern von Feldscherern in die Wunden gestreut, um Vereiterungen zu verhindern.

[152] Soest; HHSD III, S. 692ff.

[153] Werl; HHSD III, S. 768ff.

[154] Unna; HHSD III, S. 726ff.

[155] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[156] Linn; HHSD III, S. 468f.

[157] Hamm; HHSD III, S. 286ff.

[158] Dorsten; HHSD III, S. 165f.

[159] Gengenbach; HHSD VI, S. 247f.

[160] Offenburg; HHSD VI, S. 607ff.

[161] Wittenweier [Kr. Lahr].

[162] Schuttern; HHSD VI, S. 718f.

[163] Lahr; HHSD VI, S. 441ff.

[164] Oberkirch; HHSD VI, S. 587f. 1638 richtete hier ein schwedisches Korps unter Oysonville ein fürchterliches Blutbad an.

[165] Neustadt [Waiblingen; Rems-Murr-Kreis]; HHSD VI, S. 572f.

[166] Gutach im Breisgau [LK Emmendingen] oder Gutach (Schwarzwaldbahn) [Ortenaukreis].

[167] Heilbronn; HHSD VII, S. 315ff.

[168] Möckmühl; HHSD VII, S. 530f.

[169] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[170] Bingen; HHSD V, S. 43ff.

[171] Rheingau; HHSD IV, S. 374ff.

[172] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[173] Kreuznach; HHSD V, S. 24ff.

[174] Weißenhorn; HHSD VII, S. 801f.

[175] Kirchheim in Schwaben; HHSD VII, S. 356f.

[176] Babenhausen; HHSD VII, S. 55f.

[177] Biberach; HHSD VI, S. 80ff.

[178] (Bad) Neustadt a. d. Saale; HHSD VII, S. 59f.

[179] Vacha (Kr. Bad Salzungen); HHSD IX, S. 447f.

[180] Friedewald; HHSD IV, S. 149.

[181] (Bad) Hersfeld; HHSD, S. 20ff.

[182] Homberg (Efze) [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 236f.

[183] Homberg (Efze) [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 236f.

[184] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[185] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[186] Bad Wildungen; HHSD IV, S. 35ff.

[187] Hanau; HHSD IV, S. 19ff. Fritsch meint hier das in der Bulauwaldung gelegene Servitenkloster.

[188] Höxter; HHSD III, S. 346ff.

[189] Lippstadt; HHSD III, S. 474f.

[190] Kirchhain (Kr. Marburg), HHSD IV, S. 269f.

[191] Hammelburg; HHSD VII, S. 268ff.

[192] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[193] Cham; HHSD VII, S. 124ff.

[194] Braunau a. Inn; HHSÖ I, S. 24ff.

[195] Alter Hof in der Residenz.

[196] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.

[197] Pressnitzer Pass: Der Pressnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Pressnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Pressnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]

[198] Weißenfels; HHSD XI, S. 487ff.

[199] Merseburg; HHSD XI, S. 322ff.

[200] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[201] Oschatz; HHSD VIII, S. 265ff.

[202] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff. Der Erzgebirgschronist LEHMANN schreibt in seiner Kriegschronik, S. 134f.: „Den 6. Junii wurde hefftig geschoßen, 3 Minen gemacht und der Statt so hefftig zuegesezt, daß die Schweden den 7. Junii parlirten, und muste sich die besatzung auf discretion ergeben, des Obristen Johann Beers Reuter absitzen, Standarten, Pferd und Obergewehr zuerücklaßen, des Obristen Hans Heinrich von Schlieben regiement zue fuß aber nur die fehnlein von sich geben, zogen den 9. Junii auß und wurden nach ihrer Armee convoirt“.

[203] wahrscheinlich Bad Gandersheim.

[204] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[205] Osterwieck [HHSD XI, S. 359f.] wurde am 3.8. eingenommen; PETERS, Söldnerleben, S. 171.

[206] Nach der Darstellung Hagendorfs im Regiment Günther wurde Hornburg am 8.8. mit Akkord übergeben. PETERS, Söldnerleben, S. 171.

[207] Schladen; HHSD II, S. 416.

[208] Spiegelberg; HHSD II, S. 102 (unter Coppenbrügge).

[209] Im Tagebuch Hagendorfs, der im Regiment Günther diente, heißt es: „Den 20.[9.] sind wir aufgebrochen, sind gezogen nach Steinbrück, nach Bockenem, nach Alfeld an der Leine, nach Gronau an der Leine. Hier stillgelegen bis auf den 16. Oktober. Darauf gegangen nach Einbeck und das feste Schloß Erichsberg den 17. eingenommen. Einbeck aber haben wir beschossen, schrecklich Feuer eingeworfen, die Stadt in Brand gesteckt. Den 24. haben sie die Stadt aufgegeben mit Akkord, sind abgezogen mit Sack und Pack. Darauf nach Northeim, nach Göttingen. Den 1. November in Dörfern logiert. Rings umher geschanzt / und zugebaut, Kanonen aufgefahren, Feuer eingeworfen, der Stadt heftig und stark zugesetzt. Aber nichts ausgerichtet. Ist auch eine sehr große Kälte gewesen. Sind hier gelegen bis auf den 17. November. Da sind wir gezogen nach Heiligenstadt, gehört zum Eichsfeld, ist kurmainzisch oder katholisch“. PETERS, Söldnerleben, S. 171f.

[210] FRITSCH, Tagbuch, S. 105ff.

[211] Darüber berichtete Mislík an H. Černin am 14.11. Aus dem Feldlager vor Göttingen: Nach Eroberung der Stadt Einbeck seien die Kaiserlichen gegen Göttingen gezogen, dessen Besatzung der Gegner inzwischen verstärkt hatte. Als Obrist Vollmar von Rosen in Begleitung von Göttingen zur schwedischen Armee zurückritt, sei sein Dragoner-Regiment in der Nachhut geschlagen und mehrere Offiziere gefangen genommen worden. Die Kaiserlichen hätten Göttingen zwar angegriffen, doch erfolglos. In Hinblick auf die späte Jahreszeit und das kalte Wetter werde es kaum gelingen, diese Stadt zu erobern. BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1252.

[212] BRENNER-SCHÄFFER, Geschichte, S. 102.

[213] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 220.

[214] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 287.

[215] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[216] Nicht identifiziert.

[217] Pfaffenhofen [Gem. Kastl, LK Amberg-Sulzbach, OPf.]; HHSD VII, S. 578f.

[218] Holnstein, heute Ortsteil von Berching [LK Neumarkt/OPf.].

[219] Helfenberg bei Velburg [LK Neumarkt/OPf.].

[220] Freystadt [LK Neumarkt/OPf.].

[221] Rieden [LK Amberg-Sulzbach].

[222] Seligenporten, heute Ortsteil von Pyrbaum [LK Neumarkt/OPf.].

[223] Gnadenberg, heute Ortsteil v. Berg [LK Neumarkt/OPf.].

[224] Ensdorf [LK Amberg-Sulzbach].

[225] Kastl [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 346f.

[226] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.

[227] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 261f. (die umfassendste Darstellung der Kriegsereignisse in der Oberen Pfalz).

[228] RUDNIK, Tagbuch, S. 8. – N Burghausen [Burkhausen] [ – ], kurbayerischer Obristleutnant, Obrist.

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Aston [Ashton, Asthon, Astin, Austin, Astdong, Ostroi, Aston, Aßdon] sen., Sir Arthur [Arturus, Artuer]

Aston [Ashton, Asthon, Astin, Austin, Astdong, Ostroi, Aston, Aßdon] sen., Sir Arthur [Arturus, Artuer]; Obrist [1590 Fulham, Middlesex ? -8.9.1649 Drogheda, Irland]

Sir Arthur [Artuer] Aston [Ashton, Asthon, Astin, Austin, Astdong, Ostroi, Aston, Aßdon] [1590 Fulham, Middlesex ? -8.9.1649 Drogheda, Irland],[1] der Sohn des Abenteurers Sir Arthur Ashton[2] [ -1627], stand als englische[3] Söldner[4] führender Obrist[5] und überzeugter Katholik in russischen, polnischen und schwedischen Diensten.[6]

1611 wurde er als Gesandter von Jakob I.[7] ins Herzogtum Preussen geschickt.

Im Juni 1612 weilte er mit zwanzig anderen Offizieren in Archangelsk, wo sie ihre Dienste Moskau anboten. Um Soldaten anzuwerben,[8] kehrte er 1613 nach England zurück. Der russische Botschafter in England beschuldigte ihn des Verrats und der üblen Nachrede über den Zaren. Mit der Erlaubnis des Königs warb Aston nun Truppen für Polen an. Sein Sohn[9] diente in vergleichbaren Stellungen und wurde ähnlich beschuldigt. Trotzdem kehrte er mit seiner Familie 1615 nach Moskau zurück, wo er ins Gefängnis geworfen wurde und die Vermittlung James’ brauchte, um freigelassen zu werden. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um zum Russen gewordenen Briten namens Prince Artemy Aston, der 1615 mit vierzehn Kameraden in Moskau erschien.

Aston kehrte dann in den polnischen Dienst zurück und traf 1621 wieder in England ein, wo er zwei Schiffe anheuerte, um 360 Mann nach Polen zu bringen; er selbst segelte mit 300 Mann auf einem dritten Schiff. Augenscheinlich über 2.000 Mann, größtenteils Engländer[10] und Iren,[11] wurden eingeschifft. Christian IV.[12] hielt die Meisten im Sund-Gebiet auf, so dass letztlich nicht mehr als 300 Schotten[13] und Iren in Danzig ankamen. Aston wurde 1622 nach einer anderen Klage des russischen Botschafters, die Angeworbenen würden zum Dienst gegen Russland verwendet, im Marshalsea-Gefängnis gefangen gehalten. Er war es wahrscheinlich auch, von dem die Schweden glaubten, dass er zusammen mit Robert Stewart[14] Truppen für die polnische Armee  anwarb. 1623 geriet Aston in eine Auseinandersetzung mit Sigismund III. Wasa von Polen[15] über die Kosten für seine Werbemaßnahmen und die daraus resultierenden Schulden wurden bis 1631 nicht bezahlt.

Er scheint, während er noch in polnischem Dienst stand, im September 1626 in schwedische Gefangenschaft[16] geraten zu sein. Teilweise wird er als Oberst oder Major[17] – möglicherweise handelte es sich dabei aber um seinen Sohn Arthur – bezeichnet.

Im Januar 1627 berichtete Reichskanzler Oxenstierna,[18] dass ein großer Teil der Soldaten Astons durch einen schwedischen Kapitän[19] namens Stork[20] getötet worden seien; im April wurde Astons Kompanie[21] aus Putzig[22] zu Schiff weggebracht. Es scheint, dass Aston sich um die Freilassung bemühte, aber im Juli 1627 wurde von den Polen einen Gefangenenaustausch verlangt. Im September 1627 war „Major“ Aston immer noch Gefangener der Schweden und bat um die Besuchserlaubnis für seinen Schwager. Nach seiner Freilassung schloss er sich der schwedischen Armee an, in der er als Obrist eines Fußregiments[23] diente.[24]

Der gut unterrichtete Hildesheimer[25] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Conrad Jordan[26] führt Aston in seinem Tagebuch unter dem 14./24.8.1632 als Obrist eines Fußregiments auf.[27]

Aston begleitete Gustav II. Adolf in der Schlacht bei Lützen.[28] Der schottische Kriegsteilnehmer Robert Monro[29] erwähnt ihn als Obrist „Astin“ eines englischen Regiments.

1633 stand er unter dem Befehl von Feldmarschall Dodo von Inn- und Knyphausen[30] im Niedersächsischen Reichskreis.[31] Da Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg[32] nur insoweit als schwedischer General zu handeln bereit war, wie er nicht gegen seine und der Welfen Hausinteressen verstoßen musste – deutlich wurde dies auch in seinem großzügigen Verhalten bei der Kapitulation der Weserfestung Hameln[33] – , sah er die Direktiven Oxenstiernas zum Vorstoß an den Rhein als weniger opportun an, sondern begann am 21.3.1633 mit der Belagerung Hamelns. Begleitet wurde er von seinen eigenen Truppen[34] und schwedisch-finnischen Verbänden,[35] darunter auch englisch-schottischen Verbänden unter Aston und noch dazu verstärkt durch ein hessen-kasselisches Kontingent[36] – dessen Desertionsquote[37] allerdings ständig stieg – unter Melander, dem späteren kaiserlichen Feldmarschall Holzappel.[38] Möglicherweise nahm Aston an der Schlacht bei Hessisch Oldendorf[39] teil, zumindest aber an der Belagerung und Eroberung Hamelns. Anfänglich noch mit 263 Fußsoldaten gelistet,[40] waren es nach einer anderen Aufstellung aus Hameln unter dem 3.7.1633 (a. St.) noch 206 Infanteristen unter seinem Kommando.[41]

Um sich Luft zu verschaffen, bis der von dem ligistischen[42] Ober-kommandierenden Gronsfeld[43] geforderte Entsatz kam, unternahm die eingeschlossene Besatzung Hamelns unter dem Kommando Schel-hammers[44] wiederholt Ausfälle;[45] den ersten am 24.3.1633, wobei die dabei in Gefangenschaft Geratenen „zum Teil vor dem Ausfall durch die patres[46] in der Stadt mit Branntwein[47] betrunken gemacht worden” waren,[48] damit sie überhaupt dazu bereit gewesen waren. Den zweiten unternahm man am 4.4.; dieses Mal gegen ein von Georg auf dem linken Flussufer am Klüthang angelegtes Lager:[49] „Obgleich das Lager so vortheilhaft am Berge (dem Klüt) gelegen und mit Artillerie so wohl versehen war, daß es zur Zurückweisung der ganzen feindlichen Macht ausgereicht hätte, gelang es dennoch durch die Fehler einiger Officiere, welche dafür zur gehörigen Strafe gezogen werden sollten, in dem Augenblicke, wo das Fußvolk an den Angriffspunkt eilte, etwa dreißig Reitern 9 Fähnlein[50] vor den Quartieren wegzunehmen und damit in die Stadt zurück zu eilen. Betrug der Verlust der Schweden auch nur neun Mann, so war doch die Einbüßung der Fahnen ein ‚unerhörter Despekt’ und um so verdrießlicher, da dieselben zum allgemeinen Aerger der evangelischen Völker auf den Wällen umher getragen wurden”.[51] Zwei Tage später unternahm man einen dritten auf der Südostseite der Stadt, was nicht ohne Verluste unter Schelhammers Soldaten und denen der Konföderierten[52] abging: „Die Schotten des Obersten Aston und die Mannschaften des Regiments Salomon Adam,[53] im Ganzen gegen 1000 Mann, ließen sieben Rotten[54] vom alten blauen Regiment[55] im Stich und gaben Fersengeld. Die Blauen konnten allein dem Ansturm des Feindes gegenüber nicht Stand halten, und, obwohl es bald in der ganzen Schaar keinen Unverwundeten mehr gab und Leichen in großer Zahl den Boden bedeckten, den Feind nicht hindern, die Redoute[56] zu besetzen. Da eilte in der höchsten Noth der General-Major[51] Kagge[57] den tapferen sieben Rotten aus dem Lager zur Hülfe, brachte die Regimenter Aston und Adam zum Stehen und jagte an ihrer Spitze die Feinde wieder in ihre Festung hinein”.[58]

Der protestantische Osnabrücker[59] Schuhmacher, Amtsbote und Chronist Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] notiert in seiner Chronik unter dem 4.5.1634: „Denn 4. Maii, am 4. sontag nach dem [heiligen] Ostern, hat der obrist commendant, Astdong genant, durch den trommenschlag anzeigen laßenn, das die soldaten sich sollen zur predigt inn S[anct] Pauli kirchen[60] [in Osnabrück; BW] einstellenn, da der feldtprediger[61] herr Frantz[62] der obristen Stralendorffs[63] das h[eilige] g[öttliche] evangelion gepredigt hat, so die pfafen ungern willigenn wollen, darauf ihm angezeygt, wollen sie es nicht zulaßenn, so sols im Thurm[64] geschehen“.[65]

Am 24.4./4.5.1634 schrieb Wilhelm V. aus Kassel an Oxenstierna: „Demnach auch die Schwedische unndt Finnische[66] trouppen unterm commando des Obristen Stallhansen[67] wiederumb zurück, unns auch das Kolbische[68] regiment, so naher der Pfaltz marchiret, abgehet, so ersuchen den H. Reichscantzlarn wir hiermit freundtlich, dahin bedacht zu sein, wie man sich mit etzlichen trouppen in Westphalen weiter stärcken unndt alsso dem feindt gewachsen sein möge, zumahlen weill auch Astonns unndt Stralendorffs[69] regimente zu fuess, die wir bisshero bey unsern trouppen gehapt unndt gerne ferners behalten mögen, endtzogen worden“.[70]

1634 sorgte der schwedische Generalkriegskommissar[71] Trana[72] dafür, dass die schottischen (?) Truppen Astons Osnabrück am 16.6.1634[73] mit 360 Mann endlich räumen mussten, als er den Räumungsbefehl des Welfen bestätigt hatte. Bellinckhausen hielt diesen Auszug fest: „Denn 16. Junii, montags, der obrist Aßdon mit seinem kriegs volck aus unser statt nach Hildesheym gezogenn, waren 60 mal 6 gelied soldaten sambt aller bagasy“.[74]

Trana selbst hatte immer wieder versucht, den Wert seiner finnischen Landsleute gerade gegenüber den bevorzugten Engländern und Schotten hervorzuheben: „Denn Finnen sind, wenn man sie nicht wie Sklaven schuften läßt, ebenso gut und ansehnlich wie Schotten, zumal in neuen Kleidern“.[75]

Aus Bückeburg[76]  wird unter 1634 berichtet: „Nach Eroberung derselben Stadt[77] ist Obriste Aston hier ins Land mit seinem Regimente ins Winter-Quartier[78] eingelegt worden, welches in Stadthagen,[79] Rinteln[80] und Oldendorf[81] vertheilet, und haben die Leute, ungeachtet mancher Bauer weder Huhn noch Kalb behalten, müssen contribuiren,[82] daher denn auch der Ackerbau für vielen Dörffern ist eingestellet worden“.[83]

„Am 21. Juni 1634 rückte das schwedische Regiment Ostroi[84] in Rodenberg[85] und Grove[86] ein. Doch sobald der Obrist Wichgrebe[87] durch den Bürgermeister Wineker eine Verehrung[88] von 60 Taler[89] erhalten und seine Soldaten mit zwei Faß[90] Branntwein und acht Tonnen[91] Bier ‚tracktirt‘ worden waren, zog das Regiment ohne Marschquartier zu nehmen, nach Lauenau[92] ab“.[93]

Aston nahm an der Belagerung Mindens[94]  teil. Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås] berichtet unter dem August/September 1634 ausführlich über die schleppende Belagerung Mindens und ihre Ursachen: „In NiederSachsen lag itzterwehnter Hertzog Georg zu Lunenburg [Abb. rechts] vor der Stadt Minden: Da Er mit eingang des AugstMonats sich vor engagiret. Den ersten war die Schiffbrücke daselbst schon fertig / vnd ließ der Hertzog den dritten die Armee darüber auff jenseit der Weser marchiren. Das Haubtlager[95] schlug Er eine viertelmeile[96] oberhalb der Stadt am Strom bey der Schiffbrücke gegen Westphalen zu; Der Obriste Aston blieb mit seinem Regiment vnd einiger reuterey gegen des Feindes Schantze[97]  vor der Brücke auff Brunschwiegischer seite liegen; Der Oberste Kriechbaum[98] fassete mit drey Regimentern außm Haubtlager vnter der Stadt auff einem kleinen berge an Westphalischer seiten posto: Daß also die Stadt ziemlich geschlossen ward. Die / disseits auf der Weser gelegene / SchiffMühle ruinirte man stracks anfangs mit den Stücken[99] / vnd war bemühet / der Stadt ein durchfliessendes wasser zunehmen: Welches ihre Mühlen gäntzlich verderben / vnd also verhoffentlich das werck leichter machen würde: So begunte man auch zur stund baterien[100] zuverfertigen / vnd mit den lauffgräben fortzugehen. Das ärgste aber war / daß man so eine schwere sache nicht mit genugsamb proportionirten[101] mitteln angefangen / vnd gar zu schwach an fußvolck davor kommen: daher Welt- vnd Kriegsverstendige befahreten; Es dürffte leicht eine Hildesheimische belagerung darauß werden. Dañ ob wol Hertzog Georg auff die Bremische vnd Brunschwiegische trouppen ziemliche rechnung gemachet / wolte doch der ErtzBischoff zu Bremen[102]  die seinigen / nicht fürters / als zu seines eignen Lands versicherung / gebrauchen lassen: So gieng der Hertzog zu Brunschwieg damit ümb; die / mitten im Lande gelegene / örter / Wolffenbüttel[103] vnd Newstadt[104] / zugleich anzugreiffen / vnd dahin alle seine Macht zuverwenden / verzogs sich daher mit der Brunschwiegischen ankunfft bis auf des Hertzogs tödlichen abgang[105] / vnd folgends / wegen allerhand einfallender vrsachen / den gantzen AugstMonat hindurch / in den HerbstMonat hinein: Da Sie den siebenden erst angelanget. Entzwischen man keinen sondern ernst / der etwas zubedeuten / dargegen vorzunehmen vermochte. Nicht ohne war / das die vneinigkeit zwischen dem / darin commendirenden / Waldecker[106] / Horsten[107] / Pflugen[108] vnd Schelhamer / nicht gering / der mangel an victualien[109] / kraut vnd loth[110] / auch geld / aus ihren eignen aufgefangenen Schreiben / gar wol bekandt / der wiederwille vnter den Bürgern / die nicht fechten / noch arbeiten wollen / vnd denen die gvarnison[111] gar weinig getrawt / oder trawen können / nicht ab- / sondern von tage zu tage mächtig zunam: Gleichwol war deren in der Stadt vortheil / an wällen / gräben / aussenwercken / sehr gros vor den belägerern; Die noch zur zeit zu schwach / vnd keinen rechten rücken oder nachdruck hatten / die Belagerung der gebühr nach fortzusetzen“.[112]

„Minden / wie gedacht / hatte Hertzog Georg zu Lünenburg selbst belagert: Womit es gar langsamb daher / vnd ziemlich liederlich zugieng. Die langsamkeit des wercks entstand so wol aus mangel der / darzu erforderten / mittel / als auch aus den misverständnussen / diffidentz[113] vnd mishelligkeit / ein- vnd vorgriffen / so vnter den hohen Officirern / eines theils dem Königl=Schwedischen Gen-Majeur[114] Sperreuter[115] / vnd Gen-Commissario, Erich Andersson Trana / andern theils dem Brunschwiegischen Gen-Lieutenant[116] Vslar[117] / vnd Obersten Wurm[118] passirten: Deren je einer des andern thun fort vnd fort tadelte / vnd / was der eine befahl / der andere verbot / was der eine bawete / der ander wieder einris. Mit schliessung des orts war es so schlecht bewandt, das am hellen tage ein vornehmer Officirer / mit einer partey von fünffzehen pferden offentlich aus der Stadt nacher Cölln[119] / ümb die nothwendigkeit des entsatzes zuremonstriren / vnd selbigen zubefürdern / durchgegangen. Worzu dan der Feind / wan Er nicht alle seine Macht aus Westphalen gegē den Mäyn- vnd Rheinstrom gewandt / raum und zeit gnug gehabt hette: Sintemahl die belagerung gantzer drey / bis in den vierten Monat gewehret. Weil Er aber der orten geschäfftig / vnd gantz occupiret / gewan das werck hieselbst gleichwol endlich einen fortgang / vnd kam zum begehrten ende. Die belagerer avancirten allgemach / wiewol mit guter musse / durch ihre approchen[120] nach der Stadt wercken zu. Hingegen liessen die belagerte an müglicher gegenwehr nichts ermangeln: Schossen mit Stücken vnd musquetten[121] scharff heraus[122] / vnd thaten nicht weinig schaden. Gestalt / vnter andern / der Gen-Lieutenant Vslar / von einer Canon Kugel getroffen / den vierzehenden WeinMonats das leben eingebüsset. Wie Sie dan auch durch vielfaltige ausfälle nicht weiniger ihre courage erwiesen. Nicht desto minder kam man Ihnen zuletzt an die thore / aussenwercke vnd wassergräben / vnd machte sich zum breche[123] schiessen / darauf man stürmen wollen / fertig: Welches den vier vnd fünff vnd zwantzigsten in der nacht / der sturm[124] angetreten: Allein / weil stracks anfangs der Gen-Commissarius vnd Obriste / Erich Andersson Trana / durch einen / in den kopff angebrachten / schus aus einer musqvette todt geblieben / ward darüber / in deme niemandt / so das werck dirigiret hette / gewesen / davon abgelassen. Wiewol sonst eben weinig damit ausgerichtet worden were: Angesehen man sich dargegen in der Stadt mit abschnitten schon gefast gemachet gehabt.

Zuletzt / fast mehr aus mangel lebens- als defensionsmittel / schritten die belagerte zu einem accord:[125] Vnd ward den ersten vnd andern WinterMonats der ernstliche anfang darzu durch gewisse Deputirte / als von der belagerer seite durch Gen-Major Sperreuter vnd Obristen Wurm / auf des Feindes durch die Obristen Schelhamer vnd Horst gemachet. Derer suchen vor die gvarnison vnd Soldatesca man in allen punctē sehr vernünfftig vnd billig befunden: Dergestalt / das es mit einem geringen temperament Ihnen wol zubewilligen. Allein wegen der Geistlichen wolte die sache schier etwas anstehen: Dan selbige / ob Sie wol / seit der belagerung / ein eigen fähnlein mit zu walle geführet / vnd sich also recht Feindlich erwiesen / itzt noch grosse versicherung / Freyheiten vnd immuniteten[126] begehren dürffen. Wiewol nun dieses ein harter knote war / vnd der Hertzog anfänglich nicht daran wolte / gab Er doch endlich / umb der belagerung nur abzukommen / seinen willen drein. Blieben also die Geistlichen bey allen ihren Gütern / auch von allen contributionen[127] vnd Kriegslasten gäntzlich eximiret[128] vnd befreyet; Vnd zog die gvarnison, über fünffzehen hundert Man starck / den zehenden WinterMonats / in begleitung des Obristen Merode[129] / nach dem Stifft Münster vnd Cölln / mit einem reputirlichen accord ab: Sintemahl Ihnen / nebenst ihrem ober- vnd untergewehr / fliegenden fähnlein / sack vnd pack[130] / auch die Hamelische vnd Mindensche Archiva, darunter alle die gefährliche / mit dem alten General Tilly[131] vnd sonst von vielen gehaltene / correspondentzen vnd vorgehabte consilia[132] waren / imgleichen zwey Stücke Geschütz / vnd einen fewrMörsel[133] mizunehmen / verstattet worden. Davon / ob man wol / dem versprechen nach / Sie an begehrten ort vnd stelle begleitet / dennoch / wegen des bösē wetters / vnd der schlechten nachtlager / bey vierhundert Man / Worunter etliche nicht geringe Officirer / abgestrichen / vnd wieder nacher Minden kommen: Nachdem Sie zuvor des Obristen Schelhamers silberwagen[134] preis gemachet[135] vnd geplündert.[136] In Minden ward der Obriste Kriechbaum zum Commendanten verordnet“.[137]

Aus Rinteln[138] wird berichtet: „Ende des Jahres [1634; BW] erscheint Arthur Asthons Regiment in Rinteln. [Der Rintelner Bürger; BW] Otto Poppelbaum, der scheinbar ein hitziger Mann gewesen ist, soll einen Kapitän dieses Regiment in Quartier haben. Er läuft aufs Rathaus und beleidigt den Rat. Dafür muß er fünf Taler Strafe zahlen und Besserung geloben, wenn er nicht sein Bürgerrecht verlieren will. (12. November [1634; BW])“.[139]

Chemnitz berichtet unter dem Juni/Juli 1635: „Inmittler zeit der Gen-Major Sperreuter sein Regiment / den Obersten Forbus[140] zu Fus / vnd Meyers[141] Dragoner[142] / imgleichen des Obristen Glaubitzen[143] / wie auch die Cratzensteinische[144] und Goltzische[145] völcker zu sich genommen / vnd damit seine marche nach Hüpter[146] gerichtet: Der intention, das Zabeltitzische[147] Brüneckische[148] und Leslische[149]  Regiment ebenmässig an sich zu ziehen. Welches dan geschehen / Vnd hette Er / dafern Er eigentliche Ordre gehabt / an Hameln sein Heil durch eine entreprise[150] versuchen wollen; Durffte aber in ermangelung deren / eines so wichtigen wercks vor seinen kopff / sich nicht vnterfangen. Darumb Er / diesem nach / sich von dannen wieder zurück nach den Stifftern / Minden vnd Osnabrügge / vnd der enden / gegen der Nienburg so damahls übergangen war / zu geschwencket: Vnd derselben / in deme die Obristen / Werner von Merode vnd Lüder von Stralendorff / deren jenner Commendant / dieser mit seinem Regiment darin gelegen / beyde gut Schwedisch / mit vorzeigung des H. ReichsCantzlers schrifftlichen befehls das sie in allem seiner ordre nachleben sollten / den neun vnd zwanzigsten BrachMonats[151] glücklich versichert. Woselbst Er die Schiffbrücke / so Hertzog Georg von Landsberg an die festung zuführē befohlen / vnterhalb der Stadt / bis die / in der festung noch vorhandene/ vnd dem Feinde vor dem zugehörige / Stücke darüber gebracht schlagen / nebenst deme den Obristen Stralendorff / mit seinem Regiment / stracks von dannen aufbrechen / nach der Hoya[152] marchiren / vnd allein die vier Astonische compagnien / darin verbleiben lassen: Weil auch wenig vivres vorhanden / dem Obristen Merode von allen umbliegenden Ämbtern etwas an korn zufordern / vnd hineinzubringen / ordre ertheilet“.[153]

1635 umfasste Astons Regiment – ihm war nach der Eroberung von Nienburg (20.6.1635) das Regiment Meerrettich[154] übertragen worden – 1.100 Mann.[155] Unter dem Befehl von Sperreuter führte er in dessen „Armee volante“[156] acht Kompanien zu ingesamt 1.100 bzw. 1.400 Mann.[157]

Aus Stade,[158] 10.6.1635, datierten Oxenstiernas Anweisungen für Speerreuter und Andeflycht,[159] Assistent des am 25.10.1634 bei der Belagerung Mindens umgekommenen schwedischen Generalkriegskommissars Trana, für die Neuorganisation der schwedischen Armee:

„Memorial gegeben dem herrn general major Clauss Dietrichs von Sperreuttern und dem cammerier[160] Carl Gregersson inn denen, so ihnen bey der königlichen Schwedischen armée inn den Nieder-Sächsisch[161] und Westphalischen crayssen[162] zu verrichten anvertrauet.

Soll sich der Cammerier ehist müglich verfügen an ort und end, da er den general major herrn Clauss Dietrich von Sperreuter und die andere officirer finden wird, sie sampt und insonders von wegen dess herrn reichscanzlers Excellz begrüssen unnd daneben vermelden, welcher gestallt Seine Excellz eben auss denen ursachen sich hierunterwerts auss den vier Ober creysen durch eine so müheseelige, weite reysse begeben, weiln S:e Excellz verstanden, dass die sachen je länger je mehr allhier verrücket würden, wohlverdiente und Ihrer Königl. Matt:[163] und der cron Schweden[164] wol affectionirte cavalleri würden zum theil ihrer charge entsezet, theils auch ärger dann andere accomodiret, und sonsten ausser dem man wenig vonn ihnen wissen wollte, dahero zu befahren, dass das interesse der cron Schweden hindan gesezt und vergessen und die getreue officierer und soldaten vielleicht bey den friedenstractaten[165] entweder aussgeschlossen oder zum wenigsten zum besten nicht gedacht werden möchten, darauss leichtlich erfolgen könnte undanck gegen die crone unnd böser lohn vor der soldatesca mühe und arbeit.

Wie Seine Excell:ce nun allhero inn diesen crayss arriviret[166] befinden sie diesses nit allein waar, sondern noch viele andere consilia unter der hand, so der cron und militiæ zu höchstem vorfang[167] gereichen würden, da der Höchste nicht inns mittel trete und solches unheyl mildiglich abwenden würde.

Nachdem nun dess herrn reichscanzlers Excellz diesses alles also befunden und sich der treuen dienste, so mehrertheils officierer und soldaten, so sich befunden inn dieser armée, nun viele jahre hero Ihrer glorwürdigsten Königl. Maytt. und nach dero absterben der jetzigen Königl. Mtt. und der cron Schweden geleistet, erinnern, auch mit sonderbahrer affection vernommen die beständige treue, so officirer und soldaten noch tragen gegen Ihrer Königl. Mtt. und die cron, und das vertrauen, so sie zu Seiner Excellz. setzen, alss soll obgedachter cammerier sie inns gesampt und sonders desswegen bedancken und zur standthafftigket und guter resolution gebührend erinnern und vermahnen.

Insonders soll er den herrn general major Sperreuter dahin vermügen, dass er wolle zu sich ziehen den obristen von Krazenstein, den obristen Aston, den obristen Zabeltitz, Forbus, Merode und einen jeden bey seinem nahmen, so er affectioniret finden wird bey der cron Schweden treu und im dienste zu verbleiben, und also die armée an einen bequemen ort an dem Weserstrom zusammenziehen und ein corpus formiren, das commendo darüber führen im nahmen der Königl. Maytt und der cron Schweden und dess gemeinen wesens; alle, die er affectioniret finden wird, soll er zu selbiger armée persuadiren.

Den ort betreffend stellt S:e Excell:ce dem herrn general major anheimb, welcher der bequembste sein möchte, da er aber dess commendantz zu Münden oder Nienburg, da selbiges accordiren würde, mächtig sein könnte, soll er das lager allda formiren, damit man von Bremen[168] und andern orten dasselbe desto bas[169] versorgen könne.

Wann er nun der regimenter versichert und sie so wol zu ross als zu fuss bey einander hat, soll er stracks S.e Excellz dessen avisiren und weiter ordre erwarten.

Die intention aber ist diesse, dass der herr general major soll auss der ganzen armée ausslesen eine armée volante, die inn Westphalen verbleibe unter seinem commando, damit er den Weserstrom erhalte und Westphalen suche zu mainteniren wider die feinde so wol als andere widerwertige, da sich einige erheben möchten, der rest aber der regimenter soll zur hauptarmée unter dem herrn feldtmarschalckh Banier[170] geführt werden, beygefügte liste aber weiset auss, welche regimenter man vermeinet commode in Westphalen verbleiben können und welche aussgeführet werden müssen.

Die artillerie und amunition mit der artillerage,[171] so viel man habhafft werden kan, soll alles zu der armée gezogen werden unnd im lager verbleiben uf fernere verordnung.

Da der h. general major die garnisonen in einigen vestungen auch an sich bringen könne, insonders inn Minden und Nienburg, soll er nach müglichkeit daran arbeiten, wie auch die garnison in Ossnabrügge dahin halten.

Der Westphalische creyss soll hinfüro der disposition dess Niedersächsischen creysses nicht mehr unterworffen sein, sondern biss zu anderer etlicher verordnung der herr general major mit dem cammerier darüber disponiren, doch dass es ufs glimpflichste müglich geschehe unnd, so weit es sich immer thun lest, die freye stände auch gehöret werden, dahero dann auch der Schwedische resident[172] darzu gezogen werden solle.

Es will aber vonnöthen sein, dass die stände und auch die gewonnenen lande der gebühr und nach müglichkeit quotifieret[173] werden, damit sie an victualien[174] so viel zusammen bringen, dass die armée auf eine kurze zeit könne erhalten werden.

So balden auch dess herrn reichscanzlers Excellenz erfahren wird, dass die regimenter bey einander und inn gutem humor[175] begriffen, will er entweder selbsten hinkommen und die ubrige, so zu dem herrn Banier sollen, abführen, oder, da er verhindert würde, einen andern abfertigen oder verordnen, der es verrichte.

Sollten nun Ihre F. Gn. der herzog von Lüneburg oder einige andere deswegen einen unwillen fassen unnd sie entweder beschicken oder mit schreiben besuchen sie an sich zue ziehen und von dieser resolution abzueführen, als wirdt der herr general major und andere officiers der gebühr wissen zu anttwortten, innsonders aber dass sie uff Seiner Excellenz alss der cron Schweden gevollmächtigten legati und dess evangelischen bundes directoris (dessen ordre sie allezeit pariret haben und nicht anders wissen dann dass die evangelistische stände so wol hier als inn den Ober crayssen noch inn der alliance bestehen) ordre diesses gethan, unnd also der Königl. Maytt. und cron Schweden zusampt dess evangelischen wesens dienste damit gesuchet; wollten also verhoffen, dass Ihre Fürstl. Gn. sich solches nicht liessen zuwider seyn, sondern, weil Se: Excellz nunmehr inn diesse creysse ankommen, sich mit derselben zusammen thun und uber eines und anders, so der ganzen alliance zu dienste, resolvieren, uff welchem fall sie bereit weren alles zu thun, was redlichen cavallieren unnd soldaten wol anstehe und zu veranttwortten seye. Solte man aber noch weiter urgiren,[176] hat man genug zu remonstriren, welcher gestallt sie erst im nahmen unnd von wegen der cron Schweden geworben, der generalat unter dero nahmen geführet, die Schwedischen fahnen biss dahero unausgesprochen gepflogen, die Schwedische artillerie bey sich hätten und sie derselben gute dienste gethan, dahero jezo nicht könten unverwarneter dinge also davon absezen und ihren guten nahmen bey der posteritet[177] denigriren[178] lassen, referirend sich im ubrigen uff dess herrn reichscanzlers Excellenz, welcher sie wüsten Ihrer F. Gn. gut contentement[179] geben solte.

Diesse treu unnd beständigkeit dess herrn reichscanzlers Excellz inn aller gebühr gegen jederman gedencken, solche an seine principalen recommendiren,[180] nicht von der soldatesca absezen oder einigen accord mit feinden oder freunden eingehen, es seye dann der soldatesca genugsam versehen und versichert, auch ihnen ihr billiges contentement nach aller müglichkeit gegeben entweder von den herrn ständen oder, wann alles andere mangelt, vonn der cron Schweden, nicht zweiflend, es werde die soldatesca dargegen beständig der cron Schweden und inn dero nahmen Seiner Excellz alss legato und directori adsistiren.

Wann nun das volck bey einander, soll kein plaz oder standt dess Westphalischen creysses exempt[181] sein vor contribution, sondern solches so wol aus dem Windischen als allen andern orten genommen werden. Inngleichen, biss so lange die neutralität mit dem herzog von Neuburg[182] ihre abhülffliche maass erlangen wird oder andere ordre erfolget, sollen die Cratzensteinische und Golzische regimenter behalten ihre quartier inn der Marckh zu ihrer ufhelffung, wie dann der herr general major Sperreuter, da er einige mittel im lande finden würde obgedachte obristen zu adsistiren, damit ihre regimenter completiret werden können, sich ihme recommendirt sein lassen wolle.

Das ampt Cloppenburg,[183] so dem herrn general lieutenant Baudissin[184] gegönnet, neben dem closter Bensenberg[185] soll vor contribution und einquartirung verschonet bleiben biss uff andere ordre, wie denn inngleichem die beede graven von Oldenburg[186]  und Ostfriesslandt[187]bey ihrer bestättigten neutralität gelassen werden müssen, bis andere verordnung erfolge.

Was sich an caducgüttern[188] befindet, soll angezeichnet unndt notiret werden, damit man wolverdiente cavalliere bedencken könne.

Uber proviant soll man diesses orts so viel sorge tragen als sich immer thun lest.

Was nuhn inn einem oder anderm passiret, muss schleunig advisiret werden“.[189]

Dr. Conrad Jordan notiert unter dem 14./ 24.7.1635: „Wegen der entstandenen Differenz unter Ihr Fr. Gnd. Herzog Jorgen und Gral-Maj. Sperreuter läßet Obrister Aston in der Newburg[190]  seinen Soldaten den von Schweden schwören“.[191]

Am 28.7./7.8.1635 schrieb Sperreuter aus Salzuflen[192] an Wilhelm V. von Hessen-Kassel:[193]  „Ahn reutherey habe ich bey mihr 9 gute compagnien meines regiments, das Merodische regiment, 3 Lipfeldische[194] compagnien unndt dann in 250 oder 300 commendirte reuter, benebenst 2 compagnien dragonen, ahn fuesvolck aber des herrn Obristen Zabeltitz regiment von 8 compagnien, so complet ist, dann in 500 commendirte musquetirer, wovon ich 250 nacher Nienburgk schicken und derentwegen des herrn Obristen Astons 4 compagnien heraus zue mihr nehmen will. Sonsten seindt auch des herrn Obr. Zabeltitz 4 übrige compagnien aus Göttingen[195] gezogen. Wo dieselbe sich befinden mögen, wirt E. F. G. sonder zweifell wissendt sein“.[196]

Ab September war Aston Kommandant von Nienburg, das am 20./30.6.1635 übergegangen war.[197] „So berichtet der herzogliche Beamte Dietrich von Borgh kurz nach der Übernahme der Stadt durch Arthur Ashton von grundlegenden »Reformen« des Kontributionssystems zuungunsten der Einwohnerschaft. In seinem Brief vom 18. September des Jahres 1635 schildert er, daß mit der Ankunft Ashtons die Grafschaft Hoya zu Kontributionsleistungen in Höhe von 2958 Talern aufgefordert wurde. Im Gegensatz zu ihren kaiserlichen »Vormietern« weigerten sie sich indes, für die Quartierstellung die üblichen Verrechnungssätze von 108 Talern zu akzeptieren. Der durch Borgh vorgebrachte Hinweis, daß nur auf speziellen Befehl des Herzogs die auferlegten Lasten verändert werden könnten, blieb dabei ohne Wirkung. Die Verpflegung[198] schafften die Besatzer dabei aus der umliegenden ländlichen Region heran und handelten damit zu unerschwinglichen Preisen, wobei der Bauer – wie Borgh schreibt – »(…) mit weib unnd Kindt verschmachten muß (…)«. Zudem – vermerkt er über das Verhalten der Schweden – »(…) maßen sie in Ungenauren Satz, [so daß] ihr Handtwerck, (…) ein gülden boden (…)« hatte“.[199]

Im September/Oktober 1635 verhandelten Herzog Georg und Herzog August der Ältere[200] in Celle[201] mit den Schweden in Westfalen über die Räumung Nienburgs gegen eine hohe Geldzahlung. Aston als schwedischer Kommandant von Nienburg war hierzu gegen die Zahlung einer bedeutenden Geldsumme bereit, doch müsse Georg zuvor Generalmajor Sperreuter, der die an den Ufern der Weser kantonirenden[202] Truppen kommandiere, hierfür gewinnen. August der Ältere schickte am 20.9.1635 einen Bevollmächtigten an Sperreuter. Dieser war dem Vorschlag nicht abgeneigt, schrieb dann aber am 20.10.1635 an August den Älteren, „er sey genöthigt, die Erlaubniß des Reichs=Canzlers Oxenstiern, wegen Räumung der Stadt Nienburg einzuziehen“. August der Ältere trat daraufhin in Unterhandlung mit Feldmarschall Kniphausen,[203] der aber noch mehr Geld forderte als Aston und Sperreuter. August der Ältere konnte so viel Geld unmöglich aufbringen und musste die Ausführung dieses seines Lieblingsprojekts verschieben.[204]

„Die Kaiserlichen richteten jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Niederstift Münster, um die Schweden hinauszudrängen. Der General Luttersum[205] (auch Galen-Lüttersheim oder Lüddersen genannt) übernahm nach entworfenem Plane die Ausführung des gefährlichen Werkes. Zudem eroberte er (10. Oktober 1635) die Stadt Haselünne,[206] und nahm die schwedische Garnison vom Regimente Knyphausen[207] gefangen. Achtzehn Tage später nahm er Kloppenburg ein, und machte die Besatzung zu Gefangenen; dann kam die Reihe an Quakenbrück,[208] welches mit Sturm genommen ward; drei Kompagnien unter Krassenstein vertheidigten es, diese wurden theils gefangen theils niedergemacht. Ebenso verloren die Schweden Vechte,[209] Wildeshausen,[210] Frisoite,[211] Fürstenau[212] und andere Orte; nur wollte es Luttersum nicht gelingen, das befestigte Nienhues[213] bei Aschendorf[214] wieder zu gewinnen und von Feind von der Ems zu verdrängen“.[215]

Chemnitz berichtet zu diesen Operationen unter Leitersam ab Oktober 1635: „Dieser zog sich / im WeinMonat / aus dem Münsterischen vnd andern benachbarten qvartieren in ein Corpus, nebenst etlichen stücken geschützes / zusammen / Occupirte das Städtchen Haselüne / vnd Haus Cloppenburg / als zween angelegene pässe von Osnabrügge nach Embden[216] / vnd den Niederlanden / blocqvirte Meppen[217] / darin etliche Astonische völcker lagen / vnd bemächtigte sich fast aller ümbliegenden ort ümb Osnabrügge / ausserhalb Wittlage[218] / so die Königl-Schwedische in handen behielten: Wodurch die Stadt vmbgeben vnd beschlossen ward. Damit es dann / itziger zeit / nicht zum besten bestellet: In dem der Obriste Lumsdain[219] nicht über sechshundert Soldaten darin hatte; Da Er zu rechter besatzung noch einmahl so viel / vnd mehr wol von nöthen gehabt haben würde.

Solchem zubegegnen vnd den kopff zubietē / lies der Obriste Cratzenstein an sich nichts erwinden: Der mit seinen / vnd den Sperreuterischen / wie auch den Kniephausischen oder Lipfeldischen[220] Compagniē / auf Qvackenbrügge / Haselünne vnd der orten zum Feinde eingangen / vnd Ihn ausgejagt / auch sonst demselben hie vnd da abbruch gethan / doch zuweilen nicht weiniger von Ihm erlitten. Bis H. FeldM. Kniephausen / so bald Er vom H. ReichsCantzler wieder angelangt / sich des wercks vnternommen / vnd dahin mit allen ernst zutrachten angefangen: Wie Er eine Considerable[221] Macht gegen künfftiges Jahr auf die beine bringen / vnd damit dieses orts dem Feinde zuschaffen geben möchte.

Worüber es gleichfals ohne rencontren[222] mit dem Feinde nicht abgangen; Gestalt Er dem Feinde im ChristMonat bey der Vechte[223] acht compagnien zu ros vnd fus ruiniret. Der Ihm hinwieder / den sechszehenden nach mitternacht / zu Wilshausen eingefallen / ziemlichen schaden / zumahl an pferden / deren Er eine gute anzahl bekommen / zugefügt / vnd Ihn schier selbst erwischet hette: Wenn Er nicht / fast vnbekleidet / entsprungen doch den Obristen Lieutenant[224] Königmarck[225] gefangen hinterlassen müssen“.[226]

Chemnitz berichtet zum November/Dezember 1635, wobei es immer noch um die Differenzen zwischen Habsburg, Schweden und Braunschweig-Lüneburg wegen der  Überlassung von Regimentern nach dem Prager Frieden ging: „In der Nienburg lag der Obriste Aston: An welchen der Obriste Glaubitz nach vollzogenem accord mit Hertzog Georg / geschrieben / vnd Ihn zu dessen acceptation vnd mit beliebung zu disponiren gesuchet: Allein derselbe bekam eine wiedrige antwort von gedachtem Aston: Das Er vor Gott vnd seinem Gewissen / solche tractaten vnd / von etlichen vnbedachten hohen Officirern vnd Obristen gemachten / accord nicht billigen / oder darin gehalten könte. Ihm were die defension der Stadt Nienburg von der Königin vnd Cron Schweden anvertrawet / Wobey Er bis auf den letzten blutstropffen / bestendig verbleiben wolte / vnd / dergestalt abzutreten / vor vnverantwortlich vnd vnrühmlich hielte. Zu Minden commendirte der Obriste Wolff von Lüdinghausen;[227] Der sambt seinem Major / Hieronimo von Plettenberg[228] von hertzen gut Schwedisch / vnd anfangs / wie die andere Obristen mehrenthails / der zu Brunschwieg[229] genommen abrede zuwieder/ noch weiter bey Hertzog Georg zuverbleiben / sich bewegen lassen / nicht weinig angestanden war: Was Ihm zuthun / vnd ob Er sich rundaus zur Königl-Schwedischen Partey bekennen / oder etwas hinterm berge halten sollte.

Weil Ihm aber von gedachten Obristen Schreiben zukommen / darin Sie durch eine vnd andere motiven / sonderlich / das gute hoffnung / die / zwischen den Königl-Schwedischen vnd Hertzog Georg entstandene differentien aufzuheben / vnd den Hertzog gantz wieder auf diese seite zubringen / Ihn zubereden suchtn / sich ebenmassig vom Hertzog nicht so vrplätzlich gantz vnd gar abzusondern; In betrachtung Er dadurch ferner möchte vor den kopff gestossen / vnd mit einer desperaten resolution sich vollig auf die Keyserliche seite zubegeben / veranlasset werden: Als stellete Er / solches mit dem HoffRath / Martino Chemnitio[230] in rath / vnd ward vnter Ihnen gut befunden: Das der Obriste noch ein zeitlang / bis man sehe / was der Herzog ferner thun würde / temporisiren[231] / inmittelst dergestalt / das er der Stadt versichert vnd meister bleibe / auf seiner hut stehen sollte. Diesem nach fielen die resolutiones beym Hertzog ziemlich verenderlich vnd wandelbar. Bald erklärte Er sich alles guten gegen die Königl Schwedische / vnd warnete Sie vor des Gen Major Sperreuters listigen practicken[232] / wodurch er Ihnen die Regimenter am Weserstrom abzulauren[233] trachten thete: Bald aber / zumahl nachdem Er sich mit seinen Brüdern vnd dem Churfürsten von Sachsen[234] zu Werben[235] unterredet / wandte Er sich auf Feindes seite; Also gar / das Er auch theils seine Regimenter zur Sächsischen Armèe sties / vnd sie Damit ümb ein ansehnliches verstärckte; Bald lies Er sich aufs newe von gedachten Chemnitio bereden / das Er solche trouppen wieder abforderte / vnd ihnen ordre ertheilete: Da man Sie etwa nicht dimittiren[236] wollte / lieber die Cornette[237] vnd pagage zurück zu lassen /vnd desbandiret[238] oder einzeln davon vnd zu Ihm zugehen. Beschwerte sich aber darneben / das Er / alters vnd vnvermögenheit halber / dem Generalat nicht länger vorzustehen vermöchte: Würde auch vom Kriege durch seine LandStände abgehalten; Denen Er / ruhig hinfüro zusitzen / vnd der Regierung abzuwarten / versprochen. Inmittelst könnte Er wol leiden / das FeldMarschalck Kniephausen (so nunmehr das commendo in Westpfalen wiederumb angetreten) mit commendirten reutern aus seinen qvartieren verstärcket würde.

Im fall auch die Königin vnd Cron Schweden Ihm die / bey sich habende / Regimenter zulassen bedencken hette / wüste Er sie derselben nicht zuvorenthalten / vnd Stünde es denen Obristen frey; Ob vnd wan Sie nach der Königlichen Armèe sich wiederumb begeben wolten ? Nür möchte Er wol gern die Stadt Minden / bevorab da Ihm wegen der angrenzung an seine Lande / auch sonsten viel mit daran gelegen / vnd in was postur dieselbe sich damahln eigentlich befünde / inaugenschein [sic !] nehmen; Auf das Sie etwa dem Keyserlichen nicht wieder in die hände geriethe: Zweiffelte aber / ob der Commendant Obriste Wolff[239] Ihn einlassen würde. Dieses nun Ihm abzuschlagen / konnte man keines wegs / bey solcher bewandnus / vor rathsam erachten: Ward Er also mit einem zwar Fürstlichen / doch dergleichen Comitat,[240] das die Stadt vnd Gvarnisonen ausser gefahr / daselbst eingelassen / vnd mit gebührlichem respect empfangen. Da Er dan sich nicht im geringsten nichts vermercken lassen / das Er / in selbiger Stadt einige newerung / oder sonst bey der Königl-Schwedischen gvarnison etwa enderung vorzunehmen / gesinnet; Geschweige / das Er die / zu der zeit darin Commendirende / vnd andere daselbst befindliche Officirer / insonderheit den Major Plettenberg / Ihm von newen solte verpflichtet gemachet haben / oder demselben solches nur anmuthen gewesen sein. Hingegen die Königl-Schwedische nicht weiniger in die Schrancken an genommener dissimulation[241] verblieben; Der guten zuverlässigen hoffnung / es würde der Hertzog / wohin man mit sonderm stets bemühet war / sich gantz vnd gar zu dieser Parthey zuschlagen / hinwiederumb veranlasset werden: In sonderbarer betrachtung / das Er / noch auff der Reise zwischen Hameln vnd Minden / Kurtz zuvor / erwehntes Schreiben von LandGraff Georg zu Hessen / Darmstadt[242] / an Sperreutern / weil es Ihm verdächtig vorkommen / einem boten abgenommen / erbrochen / vnd / nebenst dem einschlus vom Marqvis de Caretto oder Grana,[243] den Königl-Schwedischen / zu bezeugung seiner guten affection, Communiciret; Darneben Ihm der Prager-Friede / so viel die restitution Hildesheim / Stiffts vnd Stadt / belanget / keines wegs anstehen wolte / vnd Er die Pfaffen / so sich vermöge gedachten Friedens angegeben / übel abgewiesen. Vnd dieses war die vrsache / warumb der Obriste Wolff / sambt seinem Major, vnangesehen Sie in Schwedischen pflichten / vnd die Stadt vor die Königin vnd Cron Schweden hielten, auf den, Hertzog noch allwege einen sonderlichen respect vnd in sachen / so der Königin vnd cron diensten nicht zuwieder / dessen ordre fast eben / als da Er Königl-Schwedischer General gewesen / folge zuleisten / kein bedencken trugen: Welches der H. ReichsCantzler mit sich geschehen lassen; In meinung der Hertzog würde mit der Königin vnd Cron sich wieder vereinigen / vnd / wo nicht das Generalat im NiederSächsischen Creisse / der Königin vnd Cron zum besten / aufs newe annehmen / jedoch des Feindes sich gäntzlich abthun / vnd zu voriger Parthey völlig zutreten / resolution fassen“.[244]

Am 1.7.1635 hatten Generalmajor Sperreuter und neun Obristen der Niedersächsischen und Westfälischen Armee aus Lemförde[245] an Georg von Braunschweig-Lüneburg geschrieben: „E. F. G. unterschiedliche orders undt befehlige haben wir mit gebührenden respect empfangen undt was dieselben in gnaden an uns begehrt, absonders darauß woll vernommen. Nun wollen E. F. G. auß meinen deß Gen.-Majors hierbey übrigen schreiben die Ursach warum bis dato die darauf gehörige parition nicht ins Werk gesezet werden können, verstanden haben, Inmaßen wir denn nochmals insgesambt nicht unterlassen sollen, E. F. G. in aller Unterthänigkeit hierdurch hinterbringen, daß, wie wir allemahl E. F. G. uns ertheilten ordinancen gebührenden respect erwiesen, undt was wir befehligt worden, nach unserm Vermögen treulich verrichtet, wir solchem unserm devoir anjetzo mit eben empfangenen gern willigst praestiren wollen. Es haben aber I. Exc. der Hr. R. Canz. Oxenstiern sonder Zweiffel auß höchstwichtigen motiven hiesige Regimenter unter meiner, deß Gen.-Majors conduite in Westphalen zusammenzuziehen undt Ihrer Exc. Order allein zu geleben, verordnt, Anmaßen die uns deßfalls zugekommene schreiben, davon abschrifft, benebest dem Extract habender Instruction hierbey gefügt ist, mit mehreren besagen, Wann uns denn dajenige, so anjetzt passirt, nicht lieb ist, und gleichwohl, gestalten sachen nach bey dieser ungewißheit anders nicht gebühren will, alß hochgedachter Ihrer Exc. Hierunter unverweigerliche Folge zu leisten, undt dero willen uns zu bequemen, Wobey wir dennoch E. F. G. Commando uns keinesweges endtziehen, vielweniger nicht was so deroselben entgegen Committiren, sondern unter sothaner E. F. G. Commando continuirlich länger zu bleiben hoffen und wünschen wollen, auch der ohngezweiffeten Zuversicht leben, E. F. G. mit Ihro Exc. sich allenthalben woll undt leichtlich confirmiren werden, Also gelanget an E. F. G. unser unterthänige Bitte, Sie wollen gnedig gewehren, uns in diesem passu nicht zu verdenken, weniger eines mißtrauen in uns setzen, undt uns hierunter einen ungehorsamb beizumessen u. s. f.

Claus Dieterich Sperreuter.            Arthur Aston.

Christian de Wendt.[246] Hr. v.           Wolf von Glaubitz.

   Cratzenstein Regt.[247]

GW Lenderso[248] in name meins      Friedrich von Zabeltitz.[249]

   Obr. Lambsdam.[250]

Lindsey.[251] Mathias Forbesch.[252]

   Obht. Leßlesche Regter.              L. H. v. d. Goltz,[253] Obr.“[254]

Weiter berichtet Chemnitz zum Februar 1636 und zur Neuaufstellung der Westfalen-Armee: „Ferner disponirte der H. ReichsCantzler den Graffen von Hoditz:[255] Mit seinem Regiment von fünff- oder sechshundert pferden darzu zustossen. Zu fus sandte Er dahin zwelff Compagnien / Obristen Erich Hansson Vllsparr[256] / Obristen Bergs[257] acht Companien Finnen / Fledwoods[258] sechs Compagnien Englische / ohngefehr zusammen zwey tausend Man: So lag noch bey und in der Nienburg der Obriste Aston mit einem guten Regiment über tausend Man starck; Vnd war gleichfals Johan Rüdwens[259] Sqvadron[260] zur Stelle. Vermeinte also der H. ReichsCantzler: Das fusvolck / so zu Felde könnte gebrauchet werden / solte auf drey tausend gute Knechte sich belaufen: Da auch gemeldte trouppen zu ros wieder auf die beine kemen / würde man / nebenst einem oder andern newgeworbenen reuterRegiment / drey tausend pferde zusammenbringen / vnd also mit diesem sechstausend Man defensivè / oder / da es die zeit zuliesse / wol offensivè auf den Feind gehen können“.[261]

„Nachdem der Dodo von Kniephausen Schwedischer Feld-Marchal etzliche Regimenter im Herbste vorigen Jahrs […] wieder an sich gezogen, als sind etzliche Kaysersche im Stift Osnabrück [bei Haselünne; BW] auf dieselbige gestossen, und ist gedachter Kniephausen im ersten Treffen geblieben, ist geschehen den 2 Jan. dieses 1636 Jahrs. Hierauf ist die Ligistische Armade aus der Pfaltz durch Hessen gezogen, und im Westphälischen Kreise mit vielen Regimentern und etzlichen tausend Mann angekommen, allenthalben übel gehauset, und ist auch ein Regimente [unter Caretto;[262] BW], drüber Don Hyacinthus de Vere[263] Obrister gewesen, in die Exterische[264] Voigtey den 1 Febr. eingeleget, und allerley Mittel gesuchet, über die Weser zu kommen, und weilen alle Schiffe gen Hameln und Minden gebracht worden, haben sie etzliche von Brettern zimmern lassen, haben aber mit denselbigen nicht übersetzen können. Diesen Ueberfall vorzubauen hatte Hertzog Georg drei Regimenter ins Land geschicket, als das Boische[265] und Glowitzsche[266] zu Pferde, welche an den Ufern bey der Weser wacht haben gehalten, und das Krachtische[267] zu Fusse in Rinteln, dadurch das Land abermals zum höchsten beschweret worden. Unterdessen haben die Kayserische oder Ligistische ohne Unterlaß um die Contribution schriftlich angehalten, darüber den Egestorf[268] gar ist ausgeplündert, und die Leute jeneits der Weser sehr ruiniret worden.

Weilen aber in nächstfolgenden April [1636; BW] die Schwedische einen neuen Feld-Marschall mit etzlichen Regimentern durch das Fürstenthum Lüneburg auf Nienburg zu, welches Oberste Arturus Ashton mit einem Schwedischen Regimente besetzet hatte, in den westphälischen Krays geschicket, als hat gedachter Feld-Marschalck Lesle[269] das Boische und Glowitzsche Regiment, welche bißher hier im Lande gelegen, und sich an Hertzog Georg ergeben hatten, wieder an sich gezogen, daher denn dieselbige ausgezogen den 11 April. und sich bey Nienburg mit gedachten Lesle conjungiret, und ist alsobald darauf durch eine Partey[260] die Hockesau[270] den 13 Apr. u. bald darauf auch die Hagenburg[271] ausgeplündert worden“.[272]

Nach Oxenstiernas Auffassung waren Astons in Nienburg stationierten 1.000 Mann im Februar und März [1636; BW] dieses Jahres für die in Westfalen stationierte schwedische „Westfalen-Armee“ lebensnotwendig.[273] „Inzwischen haben Herr General Pappenheim[274] / vnd Graff von Gronß-feld[275]/ Anno 1632. mit grosser ruin dieser Lande / sich allhie colligiret[276] / vnd von dannen nacher Mastrich[277] / vnd folgends der Lützer Schlacht[278] zugangen / biß endlich der Durchleuchtiger vnd Hochgeborner Fürst vnd Herr / Herr Georg / Hertzog zu Braunschweig vnd Lüneburg / hochseel. Angedenckens / diesen Ort hart zu blocquiren vnd zu belagern / vnd also von der erst gesagten Ligistischen Garnison zu recuperiren bewogen worden / worauff dann endlich der Ligistischer Obrister Stephan Albrecht[279] den 20. Junij Anno 1635. per accordo abgezogen / vnd hochermelt I. Fürstl. Gn. durch das Marrettische[280] / damals Astonsches / vnd Stralendorffisches Regiment / diesen Ort wieder besetzen lassen / Besagter Artuer Aston / von Nation ein Engelländer aber / diese Posten den Schwedischen übergeben / vnd nach dem er viel tausent Reichsthaler werth / an Englischen Kopffstücken[281] / vnd andern vornehmen Sorten / allhie sich bereichert[282] / vnd an sich gewechselt / die Schwedische Parthey verlassen / vnd nach erreichter Intention mit grossem Gute nacher Engelland wieder zugangen / da dann folgends biß den 3. Julij 1650. dieser Posten in Schwedischen Handen blieben“.[283]

Am 14.6.1636 wurde beim Entsatz der von Kaiserlichen eingeschlossenen Stadt Hanau[284] durch hessische Truppen unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel und schwedische Truppen unter Feldmarschall Alexander Leslie „Obristen Astons Obrister Lieutenant Wiekgrefe[285] durch den leib an der seite […] geschossen“.[286]

„Dabei schrieb am 29. August 1636 ein Oberst Aston aus Nienburg, er habe wegen der für sein Regiment angeforderten Kontribution keine Nachricht bekommen. Der Wildeshauser Drost solle sich am 8. September in Nienburg einfinden, um sich wegen der Kontribution zu verantworten”.[287] Im Mai 1637 wird Aston mit sechs Kompanien zu insgesamt 400 Mann bzw. mit 80 Mann für Minden aufgeführt.[288]

Als der Aufstand der Covenanter[289] begann, kehrte Aston 1639 nach England zurück und wurde 1640 Generalobristwachtmeister. 1641 wurde er in den Adelsstand erhoben. 1642 führte er als Generalobrist die königlichen Dragoner im Englischen Bürgerkrieg. Als Kommandant von Reading[290] wurde er während der Belagerung der Stadt verwundet. 1643 amtierte er als Kommandant von Oxford.[291] 1644 wurde er in den Ruhestand versetzt. 1649 führte er ein englisches Kommando der Royalisten und war Kommandant von Drogheda.[292] Astons Regiment bestand aus etwa 3.000 Soldaten und einigen irischen Konföderationstruppen. Sein Gegner Oliver Cromwell[293]verfügte dagegen über etwa 18.000 Mann und dazu elf schwere 48-Pfünder-Belagerungskanonen. Er hatte jedoch wenig Erfahrung mit Belagerungen. Statt langwierig eine befestigte Ortschaft einzuschließen und auszuhungern, bevorzugte er die riskantere, aber schnellere Option des Sturmangriffs. Er stellte seine Streitkräfte am Südufer des Flusses Boyne auf, um seine Kräfte für einen Sturmangriff zu bündeln. Außerdem kümmerte es ihn nicht, ob von der Nordseite Nachschub in die Stadt gelangte. Zusätzlich blockierte ein Geschwader Kriegsschiffe des Parlaments den städtischen Hafen. Seine Kanonen schlugen aus großer Entfernung zwei weite Breschen in die mittelalterlichen Stadtmauern. Danach befahl Cromwell am 11.9.1649 den Sturmangriff. Zwei Angriffe der Parlamentstruppen wurden zurückgeschlagen, bevor Cromwells Männer sich ihren Weg in die Stadt bahnen konnten. Cromwell gelangte hierbei zu unheilvollem Ruf, indem er in seinen eigenen Worten sagte: „Verbietet ihnen [seinen Soldaten] irgendjemanden in der Stadt zu schonen, den ihr in der Stadt bewaffnet antrefft“. Die Besatzung wurde massakriert, diejenigen, die sich ins Millmount Fort zurückgezogen hatten, noch nachdem sie sich bereits ergeben hatten. Ebenso wurden alle katholischen Kleriker getötet. Eine Gruppe Verteidiger, die sich in der St.-Peterskirche verschanzt hatten, wurde bei lebendigem Leibe verbrannt, nachdem die Parlamentstruppen die Kirche in Brand gesteckt hatten. Aston wurde mit seinem eigenen Holzbein [Abb. links] zu Tode geprügelt. Die Soldaten der New Model Army hatten geglaubt, im Holzbein befinde sich verstecktes Gold.[294]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] MURDOCH, SSNE ID: 1869; STEINMAN, Memoir.

[2] CODIGNOLA, The Coldest Harbour, S. 17.

[3] Engländer: Unter den englischen Truppen befand sich ein hoher Anteil an v. den Lord Lieutenants zwangsrekrutierten, aus dem Königreich ausgewiesenen Kriminellen u. Asozialen, den „masterless men,“ [BEIER, Masterless Man; allgem. auch GEREMEK, Geschichte der Armut; z. B. auch die Chronik des Heinrich v. Weseken aus Wesel (1614); BAMBAUER; KLEINHOLZ, Geusen und Spanier, S. 354: „28. Novembr[is] ist hier auff dem Marckt ein Schott auffgehenckt, der Tags zuvor begangenen Einbruchs und Diebstals halber gefangen, die anderen sind weg kommen“] die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren [MASSON, Register of the Privy Council of Scotland. Second Series 1: 1625-1627, S. 385, 542f.; BRUCE, Calendar of State Papers. Domestic Series 1628-1629, S. 395, 568; OGLE; BLISS, Calendar of the Clarendon State Papers Preserved in the Bodleian Library I: Domestic 1628/29, S. 395, 568; FISHER, The Scots in Germany, S. 91]. Schon bei der Aushebung der Truppen für Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont und Gesindel rekrutiert [LOCKYER, Buckingham, S. 207f. Das galt auch für die Rüstungen 1625-1627; FORTESCUE, A History of the British Army Bd. 1, S. 191-194; allgem. auch COGSWELL, The Blessed Revolution, für die Zeit 1621-24, zu den englischen Zwangsabgaben CUST, The Forced Loan. Vgl. die Nachrichten über englischen Truppen für Christian IV., die zuerst in den Generalstaaten unterhalten wurden; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 51, fol. 155′ (Konzept): Maximilian I. an Ferdinand II., München, 1626 XI 04]. Das war eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden [Nach HAY, War, S. 117ff., eine Möglichkeit der Verringerung der Kriminalität (so auch BEHRINGER, Mörder), was SHARPE, Crime, S. 62-63, 119ff., allerdings in Frage stellt] u. gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotes und Chronisten Rudolf v. Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“.

[4] Söldner: Söldner rekrutierten sich zumeist aus den städtischen u. ländlichen Unterschichten aus ganz Europa, d. h. überschuldete Bauern, entflohene Leibeigene, nachgeborene Bauernsöhne, durch die engen Zunftordnungen quasi erwerbslose Handwerksgesellen u. arbeitslose Bergarbeiter. Teilweise erhielten sogar Straßenräuber bei ihrer Gefangennahme Pardon, wenn sie in die Armee eintraten. Vgl. RATHJEN, Soldaten im Dorf, S. 211ff. Aber auch Straftäter bzw. die, die dem Hexereiverdacht entgehen wollten (=> Hexenverfolgungen im Heer), ließen sich anwerben, u. Vagabunden wurden unter die Armee gesteckt, wie z. B. in England oder in Spanien. Söldnerführer wurden meist unter den Familienmitgliedern der Feudalherren u. deren Gefolge, den schottischen Clans, mitunter auch innerhalb der Bürgerschaften der Städte angeworben, zumeist aber im fremden Gebiet auf einem speziell dafür eingerichteten Musterplatz. Das war ein v. den Städten und Territorien gefürchteter Platz zur Musterung u. Einstellung v. Söldnern, dessen Einrichtung man nach Möglichkeit u. Zahlungen zu verhindern suchte. Der militärische Unternehmer richtete einen Platz, meist in der Nähe einer Stadt, in deren Wirtshäusern oder in Landstrichen ein, die wegen ihrer wirtschaftlichen Krisensituation als besonders geeignet galten, ein, an dem sich die v. Werbern mit einem Handgeld geworbenen Söldner oder Rekruten einfanden. Wenn sie gemustert u. für tauglich befunden wurden, wurden sie durch den Musterschreiber in Musterrollen eingeschrieben u. zum Teil durch Landschützen begleitet, um ein sofortiges Ausreißen zu verhindern, an ihren Bestimmungsort verbracht. Dazu wurden Fangprämien ausgelobt; CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 271. Die Heeresunternehmer hatten ein Werbepatent, das sie zur Stellung einer festgelegten Anzahl v. Soldaten verpflichtete. Konnte die Anzahl nicht erreicht werden, mussten die Werbegelder vom Kriegsunternehmer aus eigener Tasche zurückgezahlt werden. Im Laufe des Krieges wurden so viele Neuanwerbungen notwendig, dass die Werbung trotz steigender Werbegelder immer schwieriger wurde, so dass sich erzwungene Werbungen häuften. BURSCHEL, Söldner, S. 126f.). LANGER, Hortus, S. 92f. Vgl. die selbstkritischen Äußerungen des schottischen Söldners Sir James Turner [1615-1686; MURDOCH, SSNE ID: 63], Memoirs, S. 14: „I had swallowed without chewing, in Germanie, a very dangerous maximie, which militarie men there too much follow; which was, that so we serve our master honnestlie, it is no matter what master we serve; so, without examination of the justice of the quarrel, or regard of my dutie to either prince or countrey, I resolved to goe with that ship I first rencounterd”.

Den Söldnern haftet immer noch negativer Ruf an. Oft werden sie als Totschläger angesehen, die für Geld töteten u. den Bauern ihre Existenzgrundlage nahmen. Die Söldnerhaufen immer wieder als Sammelbecken für Kriminelle, fahrendes Gesindel u. Ausgestoßene beschrieben. Erst in der letzten Zeit wird versucht, diese soziale Gruppe wertneutral zu betrachten u. ihre Herkunft, ihre Lebensweise u. ihre Motivation, Söldner zu werden, zu ergründen; vgl. das Tagebuch des Söldners Hagendorf; PETERS, Söldnerleben. Auch die simple Zuschreibung der Täterrolle ist zu hinterfragen, da sie in vielen Fällen selber von den Kriegsunternehmern oder ihren Offizieren ausgenutzt wurden. Allmählich bildete sich im Zuge der Aufstellung immer größerer Heere ein Offizierkorps heraus, das sich überwiegend aus dem Adel rekrutierte. Meist stammten ihre Offiziere je nach Rang aus dem niederen bis hohen Adel, jedoch aus verschiedenen Ländern. In wenigen Fällen war es sogar möglich, trotz niedriger Herkunft oder auch trotz eines verachteten Berufsstands durch Verdienst in den Adel aufzusteigen. Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das so genannte „Werbepatent“), in dem er  ihn eine festgelegte Anzahl v. Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm einer der v. Städten u. Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteten „Musterplätze“ angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung u. den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden v. den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T.  invalide u. mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen u. noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt u. durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph  II, S. 508. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph Bd. 3, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur dass sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Das Werbegeld war Handgeld für neugeworbene Soldaten; eine Summe, die dem Werbeoffizier zur Ausführung v. Werbungen anvertraut wurde, die je nach Truppengattung u. Armee differierte u. oft v. Werbeoffizieren unterschlagen wurde. Üblich waren etwa 8 Rt., der Durchschnittssatz für Fußsoldaten. Für Kürassiere (mit ganzem Harnisch) erhielt ein Obrist 1635/37 15-20 Rt., für Kroaten 10-13.30 Rt., Kosaken (polnische Reiter) 20 Rt., Dragoner 12 Rt., Arkebusiere 15 Rt.; ERNST, Madrid und Wien, S. 301. 1633 wurden in Mühlhausen bis zu 34 Rt. für einen Söldner ausgegeben bzw. in Rechnung gestellt. Nach der Aufstellung von KAPSER, Kriegsorganisation,  S. 271ff., entstammten v. den 1638-1648 in Kurbayern u. in der Oberen Pfalz Rekrutierten folgenden Beschäftigungsbereichen: 1, 6 % Handel, 16, 2 % Nahrungsmittel- und Gastgewerbe, 28 % Bekleidungs-, Textil- u. Lederverarbeitungssektor, 16, 7 % Baugewerbe, Holz- u. Metallverarbeitung, 17, 3 % Landwirtschaft, Gartenbau u. Viehzucht; alle anderen Gewerbe lagen bei max. 1, 7-1, 1 % oder niedriger. Nach SCHLÖGL, Bauern, S. 157, kam ein Dienstbote im bayerischen Raum auf etwa 12 Gulden pro Jahr (ohne Verpflegung), so dass der Militärdienst angesichts des Werbegeldes unter Umständen attraktiv erscheinen konnte. PARKER, Der Dreißigjährige Krieg, S. 284, vermutet, dass Handgeld, neue Kleidung sowie Aussicht auf Sold u. Beute als Alternative zur Unsicherheit der Existenz (bei rückläufiger Produktion) u. der Möglichkeit, v. Söldnern beraubt oder durch Steuern ruiniert zu werden, betrachtet wurden, u. dass trotz aller Umstände die Armee eine gewisse Sicherheit bot. Für die bayerische Armee 1648 trafen angesichts sinkender Preise u. steigender Löhne aber nur Handgeld u. die Aussicht auf Beute zu. Der einfache bayerische Soldat wurde mit 12 Dukaten abgefunden. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: „Hier ist auch zu sehen, dass der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen“.

Es wurden jedoch zuweilen auch bereits zehn- bis fünfzehnjährige Jungen als Soldaten rekrutiert (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120). Bei den Schweden galten 15 Jahre als ideales Eintrittsalter. Im kursächsischen Fuß-Regiment Eustachius v. Löser fanden sich unter 1145 Mann 209 Weiber, 131 Kinder, 8 Mägde immerhin 80 Soldatenjungen; BORKOWSKY, Schweden, S. 64. Vgl. dazu die sehr positive Darstellung des französischen Gesandten d’Avaux; LORENTZEN, Die schwedische Armee, S. 84ff.: „die Schweden hatten die schönste und disziplinierteste Armee, welche man seit den Legionen des Cäsar gesehen hat. Sie waren beinahe sicher, alles, was sich ihnen entgegenstellte, entweder zu schlagen oder durch Beharrlichkeit zu vernichten. Sie waren im Felde zu allen Jahreszeiten gut, abgehärtet sowohl gegen die Hitze der Hundstage, als auch gegen die heftigste Kälte. Sie hielten drei Monate in den Quartieren aus, in welchen die kaiserliche Armee nicht acht Tage bestehen konnte, so dass mit der Zeit ihnen nichts entwischen konnte. Die Armee war ihr Hof, ihr Gut, sie war ihr wirkliches Vaterland, denn alle Kinder, welche sie seit zwanzig Jahren bekommen hatten, waren im Lager geboren, waren von der Wiege an an das Gewehrfeuer gewöhnt und trugen, erst sechs Jahre alt, ihren Vätern in den Laufgräben oder zur Schildwache das Essen hin. Trotzdem die Armee kein sehr geeigneter Platz ist, die Jugend zu erziehen, so achtete man doch sorgsam auf die Unterweisung, indem man sie in den kleinen Schulen, welche im Quartier, oder wenn man im Felde lag, im Lager waren, Lesen und Schreiben lehrte. Sobald die Armee ihr Lager aufgeschlagen hatte und die Quartiere verteilt waren, gingen die Kinder zu den besonders für die kleinen Schulen eingerichteten Plätzen. Da sind Dinge vorgekommen, welche kaum zu glauben wären, wenn sie nicht von allen Generälen bestätigt wären: es wurde erzählt, dass die Feinde manchmal so nahe gewesen wären, dass ihre Kanonen sogar die Schulen erreichen konnten. Da wären 3-4 Kinder von einer einzigen Kugel hingerafft worden, ohne dass die übrigen auch nur den Platz gewechselt hätten oder die Feder weggelegt hätten, welche sie in den Händen hatten. Solche Standfestigkeit war ganz anders, als die der jungen Lacedämonier, welche sich lieber die Eingeweide zerfleischen ließen, als ihren Diebstahl zu gestehen. Die Rekruten ihrer Infanterie wurden lediglich von diesen Lagerkindern genommen. Im Alter von 16 Jahren nahmen sie schon das Gewehr und desertierten niemals, weil sie kein anderes Leben, keine andere Beschäftigung kannten. Bei der Kavallerie wurden die Bedienten der Herren aufs Pferd gesetzt, wenn sie sieben oder acht Jahre bei der Armee gedient hatten, und waren schon vorher in den Waffen geübt und an den Krieg gewöhnt, bevor sie angeworben wurden, so dass man sagen konnte, dass unter ihnen ebenso viele Offiziere waren, als Soldaten“. Vgl. auch Trossbube; LAHRKAMP, Dreißigjähriger Krieg, S. 199. Söldner rekrutierten sich auch aus ehemaligen Trossbuben (oder Trossjungen). Diese wurden als Bedienung der unteren militärischen Chargen sowie zur Versorgung der Pferde u. für die Beaufsichtigung der Viehherden eingesetzt. Sie stammten häufig aus den Soldatenfamilien, die den Heereszug im Tross begleiteten. Sie wurden oft misshandelt u. von ihren Herrn sogar getötet, ohne dass Anklage erhoben wurde. Teilweise wurden sie auch aus Überlebensgründen v. den Eltern Soldaten mitgegeben. Da die Trossbuben ökonomisch vollkommen abhängig und zudem schlecht versorgt waren, lassen sie sich häufig als Diebe nachweisen. Vielfach gerieten die 13 bis 15 Jahre alten Jungen als Trommlerbuben u. Pferdejungen ins unmittelbare Kriegsgeschehen. Soweit sie eine Muskete bedienen konnten, konnten sie, falls erforderlich, auch im Kampf eingesetzt werden, was häufig bei spanischen Einheiten der Fall war. Trossbuben, die v. ihren Herren schon bei der geringsten Verfehlung totgeschlagen werden konnten (NEBE, Drangsale, S. 134), waren teilweise nur sechs oder sieben Jahre alt, wenn sie zum Militär kamen oder v. ihren Eltern dem Militär übergeben wurden, damit sie dort überleben konnten. Die Älteren wurden bei der Reformation der Bagage auch als Knechte in die Feldartillerie gesteckt, wenn sie dazu brauchbar erschienen (DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 259). Sie wurden als Kindersoldaten u. Soldatenjungen missbraucht, die teilweise unter elendsten Umständen umkamen, v. erbitterten Bauern erschlagen wurden oder v. ihren Herren zurückgerlassen wurden. Vgl. die Pfarrchronik von Vach (10./20.10.1632), GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 27: „Ein Soldatenjung [Offiziersbursche] aus Holland, hat vom Pfarrhof nicht gewollt. Wird ohne Zweifel mit seinem Herrn sein Quartier im Pfarrhof gehabt haben, hab ihm Brot und frisches Wasser gereicht, denn er sonsten nichts trinken wollen, auch nichts zu bekommen gewesen; stirbt auf der Miststatt“. Vgl. auch die Erlebnisse des 16jährigen Curd Kästener, der sich mit 12 Jahren hatte der kaiserlichen Armee anschließen müssen u. am 25.11.1641 der Hungersnot in seinem Regiment nach Erfurt entfloh. BERG, Regulating war, S. 15f.; HAHN, Kriegserfahrungen, S. 9-14. Groß war die Anzahl der Frauen, die neben den Soldatenfrauen im Tross hinter den Soldaten herzogen.

Der Jesuit J. Drexel, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. auf dem Böhmischen Feldzug (1620 X 04); MILGER, Gegen Land und Leute, S. 89: „Sonderbar anzusehen war eine Frau, die ihr Kind auf dem Kopf trug, weil ihre Hände mit Gepäck beladen waren. Es ist unglaublich, wieviel Last eine solche Soldatenfrau schleppen konnte. Rücken, Kopf, und beide Hände waren beladen, dazu beide Hüften mit Bündeln umbunden. Ich sah eine andere, die eine Muskete wie ein Mann vor sich trug und in gleicher Weise ging. Doch weshalb erzähle ich von diesen Absurditäten ? Es gibt sie ohne Ende”. Aufzeichnungen des Barbiers Hartmann Thomas [1588-nach 1623]; WAAS, Chroniken, S. 60: „Dieses 1621. Jahr haben die Soldatenweiber, welche alhier in der Garnison gelegen, alles Obs, auch Kraut und Rüben heimgetragen und gebraucht, zum Teil auch verkauft, also daß die Bürgersleut das wenigs Teil davon bekommen haben, dann fast ein jeglicher Soldat [Ernst I. Graf von Isenburgs Regiment; BW] Weib und Kinder gehabt hat, weil sie auch sieben Jahr zu Aachen in Besatzung gelegen haben, und des Faulenzens gewohnt seind gewesen”. Vgl. auch die Aufzeichnungen des Söldners Hagendorf; PETERS, Söldnerleben. 1623 sollen allein 140 Dienstmägde den Soldaten des Vitzthum’schen Regiments gefolgt sein; RITTER, Einfluss, S. 44; ZIMMERMANN, Tagebuch, S. 11. Doch sollte sich die lange Besatzungszeit der Ligisten in einer allgemeinen Verwilderung der Sitten z. B. auch in Hameln bemerkbar machen. In ihrer Werbung v. 1631 hatte sich die Bürgerschaft bitter über die immer mehr um sich greifende „Unzucht und Hurerei“, die wohl zum Teil auch aus Überlebensgründen heraus praktiziert wurde u. zur Stadtverweisung führte, über Felddiebstähle u. die sich in der Stadt herumtreibenden „ledigen Mannes- und Weibespersonen“ sowie über die übermäßige Heranziehung Hamelner Bürger zu den v. den Soldaten verachteten Schanzarbeiten, da nach Tillys »Schultheißeninstruktion« Huren und Trossleute wie auch verurteilte Verbrecher dazu verpflichtet waren, beklagt. Zum Kindsmord unter Soldatenfrauen vgl. JÜRGENS, Chronik, S. 517: „Den 21. Martii [1634] ist ein todtes Kind in dem Sode bey der Apotheken gefunden worden, welches ein Soldatenweib vom Andreasberge bürtig, Catharina Evers genant, und von einem andern, ehe sie sich verehelichet, geschwängert worden, und deshalben inscio marito darhinein geworfen hatte. Nach wenig Tagen kam es aus, und zwar vom Handtuch, darauf der Wirtinn Nahme gestanden gestanden, und ward das Weib eingezogen und den 25. April alhier auf dem Markte decolliret“. Schon KIRCHHOFF, Militaris Disciplina, S. 106, hatte geklagt: Das „seltzame / wüst und Gottloß gesindtlein / welches daheym Vatter und Mutter / Herren / Frawen / &c. nicht gehorchen / und niemandt redlich gut thun wil: aber den Kriegsleuten ihren Plunder nachträgt: Thut den armen Leuten / wo sie hinkommen / etwa manchmal / sonderlich die Niderländischen / mehr Uberdruß unnd Schaden / dann die Knecht selber: Jn Summa / mit einem kurtzen Nahmen / Hurn und Buben”. Anscheinend hatten sich auch die Soldatenfrauen u. Trossweiber der Konföderierten an dem Gemetzel an den Kaiserlich-Ligistischen in der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf 1633 beteiligt; Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 117 (Abschrift, PS): August Erich an Johann Ernst v. Sachsen-Eisenach, Kassel, 1633 VI 30 (a. St.): „Unter andern sagt mann auch, dz ein solcher ewer unter den soldaten weibern gewesen sei, daß die Heßische und Schwedische sambt andern soldaten weibern die Merodischen und Gronsfeldischen mit meßern unnd gewehr darnieder gestoßen, und ihnen ihre kleider sambt andern außgezogen und abgenommen“. Mit dem Heerwurm zogen die einfachen Soldatenweiber, die die Ernährung der Familie sicherstellen mussten u. zum Teil 50-60 Pfd. geschleppt haben sollen. BURSCHEL, Himmelreich, S. 189: „Ehe, Familie – unter den Bedingungen eines Lebens in und vom Krieg hieß das in erster Linie Hilfs-, Not-, Versorgungs- und nicht zuletzt auch Beutegemeinschaft”. Am 15.2.1645 hatte Maximilian I. wieder einmal angeordnet, dass die Konkubinen u. nicht ehelichen Frauen der Offiziere u. Mannschaften abzuschaffen u. in den Quartieren der Obristleutnants Galgen zu errichten seien; HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 249. Am 24.5.1645 hatte Maximilian auch schon Franz v. Mercy befohlen, „ingleichen sollet Ihr die Concubinen bei der Armada nit gedulden, sondern, waß nit eheliche Weiber seindt, davon wekhschaffen“. HEILMANN, Kriegszüge, S. 230. Allem Anschein nach hatte der Versuch der Durchführung dieser neuerlichen Anordnung zur Verhinderung der „fleischlichen Verbrechen“ – teilweise lebten Soldaten mit Ehefrau u. Konkubine in den Lagern – das „ehrlose Gesinde, wie sie Luther nennt, die also alle Länder nach Kriegen auslaufen, und Seel und Leib und Geld – wie die Huren – feiltragen“ (Sebastian Franck; WOLLGAST, Friedensidee, S. 232) – zu Aufruhr unter den Soldaten geführt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold ausgezahlt und wurden fortgeschickt. Zum Teil sollen doppelt so viele Frauen wie Soldaten mit den Regimentern gezogen sein; HOYOS, Kaiserliche Armee, S. 178.

Auf die unerlaubte Entfernung vom Regiment stand in den Kriegsartikeln die Todesstrafe, die nur nicht verhängt wurde, wenn Bedarf an Soldaten herrschte. Vgl. WINTER, Möser, S. 19f.: „Den 21. März [1628] läßt Hauptmann Föckler einen Reiter, so bei dem Merodischen Regiment, und einen Soldaten, so unter Hauptmann Kestgens, und einen, so unter seiner Compagnie ausgerissen, henken an die Justiz auf dem Markte. Den 2. April aber hat er einem Corporal zu Roß den Kopf, auch der Ursache halben abschlagen lassen”. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f., für 1637: „Den 31. März [10.4.; BW] ist der Oberst Spork mit seinen Völkern allhier vor die Stadt gekommen, hat Quartier begehret und daneben angedeutet, wie ihm Nordhausen auch assignirt worden; des andern Tages ist er wieder von hier nach Nordhausen gezogen. Den 4. [14.; BW] April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren”. Teilweise ließ man Deserteure um ihr Leben würfeln; DOLZ, Versuch, S. 298. Zur Desertion trug auch die Praxis bei, untergesteckte Söldner „zue disem sturmb, wie andere mehr, wider wüllen […] vornen an die spüz” als Kugelfang zu stellen, wie ein kaiserlicher Soldat, der bei der Belagerung Überlingens 1634 verletzt wurde, nach Mitteilung Bürsters über seine Dienste nach der zwangsweisen Untersteckung unter die schwedische Armee berichtete; WEECH, Bürster, S. 67. Vgl. KAISER, Ausreißer; KAISER, Lebenswelt der Söldner. Das bayerische Memorial vom 16.4.1643 [Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern Äußeres Archiv 2763, fol. 23, Punkt 9] bestimmte, dass, wenn ein Neugeworbener ausreiße, sofort nachzuforschen sei, welche besonderen Kennzeichen er habe; diese seien alsbald zu notieren. Wenn trotzdem einer nicht mehr aufgefunden werde, so solle sein Namen an den Galgen geschlagen, u. wenn er Handwerker sei, ein solches den Zünften alsbald zu notifizieren sei, damit dergleichen meineidige Gesellen über kurz oder lang v. Handwerks wegen aufgeschrieben u. zur Strafe gezogen werden könnten. Dies sei den Neugeworbenen, insbesondere den Handwerksgesellen, schon bei der Neuwerbung u. Eidesleistung zu eröffnen. DAMBOER, Krise, S. 264f. Vgl. SIKORA, Söldnergeschichte(n); neuerdings EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; WILSON, Der Dreißigjährige Krieg, S. 942ff.

[5] Obrist [schwed. överste, dän. oberst, tschech. plukovník]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[6] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen u. Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[7] Jakob I. v. England [19. 6.1566 Edinburgh, Schottland-27.3.1625 Theobalds Park, Grafschaft Hertfordshire, England] seit 1567 als Jakob VI. König v. Schottland, seit 1603 bis zu seinem Tode zusätzlich als Jakob I. König v. England u. König v. Irland.

[8] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl v. Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der v. Städten u. Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung u. den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung u. wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden v. den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide u. mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen u. noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt u. durch die Erschießung v. Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f. Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik v. Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200), dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Für unerlaubte Werbung drohte die Todesstrafe; MÜLLER, Unterpfalz, S. 63. Der Schweriner Dompropst u. Ratzeburger Domherr, Otto v. Estorf [1566-29.7.1637], berichtet zum April 1623; DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[9] SSNE ID: 6532.

[10] Engländer: Unter den englischen Truppen befand sich ein hoher Anteil an v. den Lord Lieutenants zwangsrekrutierten, aus dem Königreich ausgewiesenen Kriminellen u. Asozialen, den „masterless men,“ [BEIER, Masterless Man; allgem. auch GEREMEK, Geschichte der Armut; z. B. auch die Chronik des Heinrich v. Weseken aus Wesel (1614); BAMBAUER; KLEINHOLZ, Geusen und Spanier, S. 354: „28. Novembr[is] ist hier auff dem Marckt ein Schott auffgehenckt, der Tags zuvor begangenen Einbruchs und Diebstals halber gefangen, die anderen sind weg kommen“] die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren [MASSON, Register of the Privy Council of Scotland. Second Series 1: 1625-1627, S. 385, 542f.; BRUCE, Calendar of State Papers. Domestic Series 1628-1629, S. 395, 568; OGLE; BLISS, Calendar of the Clarendon State Papers Preserved in the Bodleian Library I: Domestic 1628/29, S. 395, 568; FISHER, The Scots in Germany, S. 91]. Schon bei der Aushebung der Truppen für Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont und Gesindel rekrutiert [LOCKYER, Buckingham, S. 207f. Das galt auch für die Rüstungen 1625-1627; FORTESCUE, A History of the British Army Bd. 1, S. 191-194; allgem. auch COGSWELL, The Blessed Revolution, für die Zeit 1621-24, zu den englischen Zwangsabgaben CUST, The Forced Loan. Vgl. die Nachrichten über englischen Truppen für Christian IV., die zuerst in den Generalstaaten unterhalten wurden; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 51, fol. 155′ (Konzept): Maximilian I. an Ferdinand II., München, 1626 XI 04]. Das war eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden [Nach HAY, War, S. 117ff., eine Möglichkeit der Verringerung der Kriminalität (so auch BEHRINGER, Mörder), was SHARPE, Crime, S. 62-63, 119ff., allerdings in Frage stellt] u. gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotes und Chronisten Rudolf v. Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“

[11] Iren: HENNING, Irish soldiers, S. 35f.: „The Irrländer are a strong enduring people, contented with plain (or little food; when they have no bread, they can endure hunger for three or four days, feeding instead on water, cress, roots and grass, when necessary, they can walk more than twenty miles a day; apart from their musquets they have their bows and long knives“.  „That nation is enduring and hardy; swarthy like gypsies, stocky of build, war-loving … they are so swift, that in one day they can cover sixteen miles. Their dress and caps are altogether barbarous, almost entirely black in colour, because, as is well known, all the sheep in their whole country are black. Their shoes are mostly made of straw. They are contented with plain (or little) food. When they have no bread and are hungry, they dig up roots from the ground and thus satisfy their hunger“. „Während des Dreißigjährigen Krieges machten sich irische Soldaten erstmals einen Namen in der kaiserlichen Armee, insbesondere jene der Regimenter Tyrone und Preston. Bei der Verteidigung von Frankfurt an der Oder im April 1631 gegen ein schwedisches Heer zeichnete sich das irische Regiment durch besondere Tapferkeit aus und wurde dabei vollständig aufgerieben, jedoch unter dem Kommando von Walter Butler als Dragonerregiment neu aufgestellt. Walter Butler war es auch, dem in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges eine besondere Rolle zufallen sollte: Am 25. April 1634 tötete Butler im Auftrag Kaiser Ferdinands II. gemeinsam mit seinem Landsmann Walter Devereaux den kaiserlichen Generalissimus Albrecht von Wallenstein. Dafür wurde Butler vom Kaiser der Grafentitel verliehen und mit böhmischen Ländereien bedacht. Zur ersten Generation irischer Offiziere in der kaiserlichen Armee gehörte auch Oberst Wilhelm Bourke von Gallstown aus dem County Kilkenny, welcher 1633 in kaiserliche Dienste trat und als Oberst seines Kavallerieregiments der schwedischen Reiterei in der Schlacht bei Nördlingen schwer zusetzte. Für diesen Erfolg wurde er wie Butler in den Grafenstand erhoben, mit dem Gut Limberg belohnt und zum Kämmerer Kaiser Ferdinands III. ernannt“. [Wikipedia]. Bei dem Rothenburger Chronisten Dehner heißt es unter 1632; HELLER, Rothenburg, S. 94f.: „lauter Schweden und Finnen, darunter auch Lappländer und Irrländer gewest, die hat man den Burgern einquartiert bey 8. 9. 10. u. mehr, haben mit den Burgern für gut genommen, mit ihnen gebetet und gesungen fast in allen Quartieren“. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotes u. Chronisten Rudolf v. Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. Vgl. auch CLARK, Irish Soldiers.

[12] Christian IV. König v. Dänemark [12.4.1577 Schloss Frederiksborg-18.2.1648 Schloss Rosenborg/Kopenhagen], regierte 1596-1648, Herzog v. Schleswig u. Holstein. 1625 eröffnete er als niedersächsischer Kreisobrist den niedersächsisch-dänischen Krieg, 1626 schwere Niederlage gegen Tilly bei Lutter am Barenberge. Die “dänische” Armee bestand außer einem Freiwilligenaufgebot v. 1.500 Mann, die das Leibregiment verstärkten, zumeist aus niedersächsischen Ausschusstruppen u. norddeutschen Söldnern.Das königliche Leibregiment hatte überwiegend deutsche Offiziere u. bei neunzehn Regimentern standen nur zwei national-dänische. Auch diese hatten sich an die herrschende Gewalttätigkeit angepasst; EHRENBERG, Altona, S. 2: Die dänischen Soldaten haben “den armen Leuten […] die Fußsohlen solange gebraten, bis der Dampf aus den Strümpfen geschlagen, ingleichen anderen die bloßen Beine in siedenheißes Wasser gesetzet, noch andere Personen mit den Haaren hinter die Pferde gebunden und geschleifet”. Als 40 dänische Reiter die katholische Kirche in Altona überfielen, EHRENBERG, Altona, S. 3: „turnierten [sie] gräulich darin, zogen die Leute aus bis aufs Hemde, und wurden zwei Männer getödtet, 20 Personen verwundet, etliche sprangen zum Fenster hinaus, kletterten auf und über die Dächer und suchten sich ein jeder aufs beste zu salvieren”. 1629 milder Frieden v. Lübeck, die Führung der Protestanten ging jedoch auf Gustav II. Adolf v. Schweden über, der Schwedens Aufstieg zur Großmacht u. damit Dänemarks Niedergang forcierte. Vgl. HEIBERG, Christian 4; HEIBERG, Christian 4. – en europæsk statsmand; FINDEISEN, Christian IV.; LOCKHART, Denmark.

[13] Schotten: Von 1626-1632 dienten 25.000 Schotten unter Christian IV. u. Gustav Adolf, was etwa 10 % der Gesamtbevölkerung Schottlands entsprach; PARKER, Military Revolution, S. 200, Anm. 17. 1630 hatte Gustav Adolf 13 Schottenregimentern mit fast 1.000 Offizieren unter seinem Kommando; MINHA, Walter Graf Leslie, S. 139, Anm. 23: Damit „wurde das Schwedenheer zur großen Kriegsschule des anglo-schottischen Adels für den späteren Machtkampf zwischen König und Parlament in der Heimat“. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: „Hier ist auch zu sehen, dass der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen“. In erster Linie heranziehen ist die große Datenbank v. Steve MURDOCH, SSNE; dort auch jeweils die neueste Literatur, bzw. zu dessen Veröffentlichungen => Literaturregister. Bei der Zusammensetzung der schwedischen Armee Gustavs II. Adolf bis Ende 1632 werden folgende Zahlen angenommen: Schweden 8.000 (5, 5 %), Finnen 3.000 (2, 0 %), Deutsche Söldner: Alte Regimenter (vor Juli 1630 aufgestellt) 15.000 (10, 5 %) Neue Regimenter 65.000 (44, 5 %) Britische Söldner 7.000 (5, 0 %) Verbündete: Sachsen 17.000 (11, 5 %) Brandenburg 6.000 (4, 0 %) Hessen-Kassel 6.000 (4, 0 %) Mecklenburg 4.000 (2, 5 %) Stadtmilizen ca. 15.000 (10, 5 %) Gesamtzahl 146.000. Von diesen ca. 150.000 Mann war etwa die Hälfte im Garnisonsdienst eingesetzt, der Rest war auf die verschiedenen Armeekorps aufgeteilt, deren Größe zwischen 3.000 u. 20.000 Mann lag. Im Falle einer möglichen Schlacht wurden diese dann vorübergehend zusammengezogen. Angaben nach BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 69; ENGERISSER, Von Kronach. Je nach Kriegslage schieden nach Gustav II. Adolfs Tod Verbündete wieder aus, der Anteil der Deutschen unter schwedischer Fahne stieg jedoch weiter an. Vgl. MILLER, Swords for hire. Vgl. das Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen Rechten, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Der Osnabrücker Schuhmacher, Amtsbote u. Chronist Rudolf v. Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“. Ein schottischer Obrist erhielt jährlich 380 £ u. hatte Anspruch auf einen Wagen als Teil seiner Ausrüstung. Ein Obristleutnant bekam 190 £, ein Hauptmann 128 £, die Musketiere u. Pikeniere erhielten 6 d (Pence) täglich, der Kürassier 11 d. (Pence). 1 £ = 240 Pence. GRANT, Memoiren, S. 33.

[14] Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 529.

[15] Sigismund III. Wasa [Zygmunt III Waza] [20.6.1566 Schloss Gripsholm-30.4.1632 Warschau], seit 1592 bis zu seiner Absetzung durch den schwedischen Reichstag 1599 König v. Schweden. Personalunion Schwedens mit Polen-Litauen 1592-1599, König v. Polen 1587-1632.

[16] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen des schottischen Söldners Monro bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Mein Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke u. Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt u. wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Bericht aus Stettin vom 8.4.1631; Relation Oder Bericht Auß Pommern. o. O. 1631: „Den 27. Martii sind alhier 108 gefangene eingebracht deren nach mehr folgen sollen / die werden alle in Schweden ins bergwerck gesand / das sie etwas redliches arbeiten lernen“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14. 1633 kostete die Auslösung bei der Kavallerie: Obrist 600 Rt. aufwärts, Obristleutnant 400 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Rittmeister 200 Rt., Kapitänleutnant 70 Rt., Leutnant 60 Rt. bis 10 Rt. für einen Marketender, nach der Schlacht bei Jankau (1645) Obrist 1000 Rt., Obristleutnant 500 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Hauptmann 75 Rt., Kapitänleutnant u. Leutnant 50 Rt.; GANTZER, Archivalien, S. 40f. Einfache Soldaten sollten gegenseitig um einen Monatssold ausgelöst werden.

[17] Major [schwed. major, dän. major, tschech. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen u. Befehle des Obristen u. Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition u. war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch u. im Lager, beaufsichtigte die Wach- u. Patrouillendienste u. stellte das Regiment in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- u. Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie u. 300 fl. bei der Kavallerie, 200 fl. bei der dänischen Armee.

[18] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Oxenstierna gehörte einem der ältesten Adelsgeschlechter Schwedens an. Nach dem Studium des Staatsrechts u. der Theologie in Rostock, Wittenberg u. Jena im Spätsommer 1604 Eintritt in den Staatsdienst bei Karl IX. v. Schweden, Ende 1605 Ernennung zum entlohnten Staatsbeamten, am 10.10.1606 Abreise als Sondergesandter nach Mecklenburg, am 18.3.1607 Rückkehr nach Stockholm, Juni 1609 Ernennung zum Reichsrat, am 6.1.1612 zum Reichskanzler Gustav II. Adolfs v. Schweden, Ende Oktober 1626 zum Generalgouverneur Schwedens in Preußen. Oxenstierna trat für eine umfassende Mitverantwortung des Adels ein, die allerdings nur durch ein starkes Königtum gesichert war. Er wandelte den Reichsrat von einem nur vorübergehend eingeberufenen Gremium zur ständigen Regierung um, die unter seinem Einfluss die Politik Gustav II. Adolfs zumeist unterstützte. Auch der Reichstag, die Versammlung der Stände, wurde v. Oxenstierna reformiert. Er sicherte den Einfluss des Königs u. des Adels gegenüber der Bauernschaft, die durch immer neue Steuern diese neue Politik finanzieren musste. 1629 konnte er mit Polen den Frieden v. Altmark abschliessen, der Schwedens Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg erst ermöglichte. Nach dem Sieg bei Breitenfeld wurde Oxenstierna Bevollmächtigter der schwedischen Krone am Rhein, am 22.1.1632 kam er in Frankfurt am Main am Hofe Gustav II. Adolfs an. Am 5.12.1632 übermittelte Oxenstierna die neue „Regierungsform“ Schwedens an den Reichsrat, am 12.1.1633 wurde er bevollmächtigter Legat Schwedens im Heiligen Römischen Reich und Befehlshaber der dort stationierten Heere Schwedens, am 14.3.1633 Mitglied der Vormundschaftsregierung Königin Christinas, April 1633 Direktor des Heilbronner Bundes. Am 29.7.1634 bestätigte der schwedische Reichstag die neue „Regierungsform“. Nach der Schlacht bei Nördlingen löste sich der Heilbronner Bund wieder auf, was im April 1635 zu dem Treffen Oxenstiernas mit Richelieu in Compiègne führte. 1636 wurde er Leiter der Vormundschaftsregierung für Christina. Nach dem Regierungsantritt Christinas schwand sein politischer Einfluss. Am 20.11.1645 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 24. 9.1650 bejahte er die Erbmonarchie in Schweden. Oxenstierna, der im Laufe dieses Krieges zu einem der größten Gutsbesitzer Schwedens geworden war, gilt als der intelligenteste Politiker seiner Epoche. Vgl. allgemein WETTERBERG, Kanslern. ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 138, charakterisiert Oxenstierna prägnant als „humorlos, gelehrt, willensstark, arrogant, intelligent, ausgestattet mit einem phantastischen Gedächtnis, unerschöpflicher Energie und einem verblüffenden Organisationsvermögen“. MDSZ; GOETZE, Politik; ZIRR, Oxenstierna. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2, IRMER, Die Verhandlungen Schwedens Bd. 1-3.

[19] Kapitän [schwed. kapten, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben u. ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure u. verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich – ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. – sein Anteil aus Beute und Ranzionierung betrug pro 1.000 Rt. Erlös  59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben u. auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte die Feldscher u. die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- u. Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant u. dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[20] N Stork [ – ] schwedischer Kapitän.

[21] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany, tschech. rota]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch u. schwedisch) umfasste v. der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke u. Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie v. einem Hauptmann, die berittene Kompanie v. einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“. Die Kompanie führten ein Hauptmann, ein Leutnant, ein Fähnrich, ein Feldwebel, ein Sergeant, ein Rüstmeister, ein Musterschreiber, die Korporale u. Rottmeister.

[22] Putzig [Putz, LK Putz; heute Polen].

[23] Regiment [schwed. regimente, dän. regiment, tschech. pluk]: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold u. die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl v. Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments v. 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments v. 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 u. 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 u. 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 u. 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 u. 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 u. 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 u. 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, vom Vorgänger übernommen u. oft v. seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet u. kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[24] Nach SSNE 1869.

[25] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[26] Dr. Conrad Jordan [10.11.1591 Bockenem-23.10.1659 Hildesheim], Chronist, seit 1620 Arzt, seit 1629 in Hildesheim wohnhaft, ab 1635 mehrfach Ratsherr, Stadtarchivar; SCHLOTTER, Acta; SCHLOTTER, Hans, Der Rat der Stadt Hildesheim von 1300-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 4, 1986, S. 581-585; SCHLOTTER, Hans, Die Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Hildesheim 1147-1634, in: Norddeutsche Familienkunde Heft 3, 1979, S. 551-558.

[27] SCHLOTTER, Acta, S. 53.

[28] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) u. den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs u. dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff. Vgl. www.ra.se/kra/0425.html; 0425 a Sveriges krig, Krieget i Tyskland 1628-1648) unter 0425:03:107 „Keÿserliche Schlacht Ordnung Wie solche durch den General Walenstein ist gestellet vnd gehalten worden den 6. Novembris Anno 1632. vnd diese Schlachtordnung ist bestanden in nachfolgenden Nehmlichen 26,000 Mann Zue Fues, 2000. Dragons, 8000 Curassier, 5000 Herquebuss: 3000 Croat: insumma 44,000 Mann, die Fronte ist breit 979 Ruthen Reinlandisch macht 4895 Pass“. – Lützen [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 286f.

[29] Robert Monro [Munro] [1590 ?-1680], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 94; http://www.electricscotland.com/history/sweden/robert_munro1; htmhttp://www.electricscotland.com/history/sweden/robert_munro2.htm; generalrobertmonro.com [in Bearbeitung]. BROCKINGTON, Usage of Scottish Mercenaries, online unter: http://generalrobertmonro.com/ebooks/Usage-of-Scottish-Mercenaries.pdf.

[30] Dodo I. Freiherr v. Knyphausen u. Innhausen [2.7.1583 Lütetsburg (Ostfriesland)-11.1.1636 bei Haselünne], braunschweigischer Obrist, Feldmarschall. Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[31] Reichskreis, Niedersächsischer: Der 1512 gebildete Reichskreis umfasste die Gebiete zwischen Weser, Harz u. Elbe einschließlich Magdeburgs, Mecklenburgs u. Holsteins. Kreisausschreibende Fürsten waren die Erzbischöfe v. Magdeburg u. der Herzog v. Braunschweig-Lüneburg. Die wichtigsten Mitglieder waren das Erzstift Magdeburg (seit 1648 Brandenburg), Erzstift Bremen, Lüneburg, Grubenhagen, Calenberg-Göttingen, Wolfenbüttel, Hochstift Halberstadt mit Grafschaft Regenstein (seit 1648 Brandenburg), Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Güstrow, Hochstift Schwerin (Mecklenburg-Schwerin), Holstein-Glückstadt (Dänemark), Holstein-Gottorp (Dänemark), Grafschaft Rantzau (Dänemark), Hochstift Hildesheim u. die Reichsstädte Bremen, Goslar, Hamburg, Lübeck, Mühlhausen u. Nordhausen.

[32] Georg Herzog v. Braunschweig-Lüneburg [17.2.1582 Celle-2.4.1641 Hildesheim], Bruder der Fürstin Clara v. Heringen. Nach Aktivität in dänischen Diensten 1626 Beförderung zum kaiserlichen Obristen u. 1631 zum General. Nachdem Georg 1631 schwedischer Bündnispartner geworden war, wurde er im Januar 1633 v. Oxenstierna mit dem Oberbefehl über die schwedischen Truppen zwischen Elbe u. Rhein beauftragt, den er bis Februar 1634 gemeinsam mit Feldmarschall Dodo v. Knyphausen ausübte. 1635 Beitritt zum Prager Frieden, 1639 Wiederanschluss an Schweden. Er starb während der Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug gegen den Kaiser. KUHLBRODT, Clara von Heringen, S. 72f. Vgl. DECKEN, Herzog Georg.

[33] Hameln [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 192ff.

[34] STEGMANN, Lippe, S. 89f.: „Am 29. März begann die Beschießung von Hameln. Die Truppen hatten schon einige Zeit vor der Stadt gelegen und waren infolge des schlechten Wetters etwas verdrossen, so daß Herzog Georg sie einstmals zur Geduld ermahnen mußte. Darauf sagte ein Soldat: ‘Wohl duldete ich mich, wenn ich mitt einem so bequemen Rock versehen, wie E. F. Gn.’ Der Herzog erwiderte: ‘Mein Bruder, ich bekenne dich leichtlich, dan mich auch im guten Rock freuret, wie viel mehr dir und deinesgleichen, aber duldet euch ein kleines, dann warhaftig die Stadt ewer sein soll, allein schonet der Munition, auch Weiber und Kinder, übriges soll alles zu ewrem Gefallen stehen’ “.

[35] Nach KARWIESE, Hameln, S. 9, 13 Komp. zu Pferd u. 7 zu Fuß, die den Leichnam Gustav Adolfs nach Pommern eskortiert hatten.

[36] Hessen-kasselische Armee: „Armee ohne Land“: PRESS, Hessen, S. 312, über die Armee der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Nach den Zahlen bei BETTENHÄUSER, Die Landgrafschaft Hessen, S. 17, müsste jeder 4. Einwohner der Landgrafschaft Soldat gewesen sein. Hessen-Kassel unterhielt bei einer Einwohnerzahl v. 70.-80.000 eine Armee v. insgesamt 18.000 Mann, die nur durch Kontributionen in den besetzten Gebieten erhalten werden konnte; ein typischer Fall v. Überrüstung. Laut Dorstener Vertrag hatte Amalie v. Hessen-Kassel eine Armee v. 7.000 Mann zu Fuß u. 3.000 Reitern zu unterhalten; dafür zahlte Frankreich jährlich 200.000 Rt.; Staatsarchiv Marburg 4 f Frankreich Nr. 55; Bibliothèque Nationale Paris Manuscrit français Nr. 17885. Vgl. auch SODENSTERN, Die Anfänge.

[37] Desertion: Auf die unerlaubte Entfernung vom Regiment stand in den Kriegsartikeln die Todesstrafe, die nur nicht verhängt wurde, wenn Bedarf an Soldaten herrschte oder wenn Fürbitte erfolgte. JÜRGENS, Chronik, S. 514 (für Hannover): „Den 11. Aprilis [1633; BW] ist ein Königsmarkischer Soldate, so entlaufen, und hie unter Caspar von Lühden Stadt-Companien angetroffen, vor Linden bey dem Galgen stigmatisiret und das rechte Ohr abgeschnitten durch unsern Nachrichter Meister David“. Vgl. WINTER, Möser, S. 19f.: „Den 21. März [1628] läßt Hauptmann Föckler einen Reiter, so bei dem Merodischen Regiment, und einen Soldaten, so unter Hauptmann Kestgens, und einen, so unter seiner Compagnie ausgerissen, henken an die Justiz auf dem Markte. Den 2. April aber hat er einem Corporal zu Roß den Kopf, auch der Ursache halben abschlagen lassen“. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f., für 1637: „Den 31. März [10.4.; BW] ist der Oberst Spork mit seinen Völkern allhier vor die Stadt gekommen, hat Quartier begehret und daneben angedeutet, wie ihm Nordhausen auch assignirt worden; des andern Tages ist er wieder von hier nach Nordhausen gezogen. Den 4. [14.; BW] April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Interessant war in niederländischen Kriegsartikeln „die exakte Maßangabe, mit der das Verbrechen genau abgemessen werden konnte: Schuldig war, wer sich ‚weiter als ein Schoß von einem Canon‘ entfernt hatte (Nr. 14). In denselben Bereich fielen die Fälle, daß Söldner umherstreifen, um Vieh zu stehlen oder allgemein ‚vff die Freybeute‘ gehen (Nr. 16 und 32)“; KAISER, Niederländische Kriegsartikel, III. Der Ausbruch v. Lagerseuchen (1626, nach dem Bericht des braunschweig-lüneburgischen Kapitäns Daniel Meyer) führte teilweise zur Massendesertion; Hauptstaatsarchiv Hannover Cal. Br. 16, Nr. 1141. Teilweise ließ man Deserteure um ihr Leben würfeln; DOLZ, Versuch, S. 298; JÜRGENS, Chronik, S. 525. Zur Desertion trug auch die Praxis bei, untergesteckte Söldner „zue disem sturmb, wie andere mehr, wider wüllen […] vornen an die spüz“ als Kugelfang zu stellen, wie ein kaiserlicher Soldat, der bei der Belagerung Überlingens 1634 verletzt wurde, nach Mitteilung Bürsters über seine Dienste nach der zwangsweisen Untersteckung unter die schwedische Armee berichtete; WEECH, Bürster, S. 67. Vgl. KAISER, Ausreißer; KAISER, Lebenswelt der Söldner. Das bayerische Memorial vom 16.4.1643 [Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern Äußeres Archiv 2763, fol. 23, Punkt 9] bestimmte, dass, wenn ein Neugeworbener ausreiße, sofort nachzuforschen sei, welche besonderen Kennzeichen er habe; diese seien alsbald zu notieren. Wenn trotzdem einer nicht mehr aufgefunden werde, so solle sein Namen an den Galgen geschlagen, und wenn er Handwerker sei, ein solches den Zünften alsbald zu notifizieren sei, damit dergleichen meineidige Gesellen über kurz oder lang von Handwerks wegen aufgeschrieben u. zur Strafe gezogen werden könnten. Dies sei den Neugeworbenen, insbesondere den Handwerksgesellen, schon bei der Neuwerbung u. Eidesleistung zu eröffnen. DAMBOER, Krise, S. 264f. William Crowne [1617 – 1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments u. 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, berichtet über die Kämpfe Gustav II. Adolfs an der Alten Veste bei Zirndorf: „Der König von Schweden hatte hier drei seiner Soldaten für den Mord an zweien seiner Kommandanten und das Überlaufen zum Feind pfählen [im Original „set upon poles alive“] lassen. Nachdem die Schlacht ausgefochten war, hatte man die Soldaten gefangen genommen und hingerichtet“. RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36. Am 28.4.1628 „gab ein Deserteur vor seiner Hinrichtung als Grund für seine Fahnenflucht Überdruß an dem gottlosen Leben der Soldaten an“. WIEGANDT, Wismar, S. 23f. Der Benediktinerabt von St. Georgen im Schwarzwald, Georg Gaisser [1595-1655] berichtet unter 1634; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 569: „Einer von unsern Besatzungstruppen verleitete nach gefaßtem Fluchtplan einen andern zur Teilnahme an dem Verbrechen. Dieser verspricht sich zu beteiligen, eröffnet aber die Sache einigen, während er selbst den morgens Fluchtbereiten, als ob er selbst dazu bereit wäre, begleitet. Die Eingeweihten aber erheben sich aus den Verstecken, andere aber reißen Pferde von der Weide an sich, nehmen die Verfolgung auf, und nachdem sie dem des Fluchtverbrechens Schuldigen vergeblich mit den Schwertern zu Leibe gerückt waren (solche Hiebfestigkeit hatten (ihm) die Zaubermittel verliehen, erschlagen sie ihn mit Prügeln. Dies erschien einigen grausam, weil seine bei demselben Fluchtplan ertappte Frau nach dem Frühstück, von den Soldaten einige Male angeschossen, sterben musste. Milder verfuhr man mit den Töchtern, die man in die Verbannung trieb“. Auch mehrfache Desertion wurden hart bestraft; RICHTER, Historische Nachricht, S. 174 (Chemnitz 1633): „Den 19. Jan. ist ein Schottländischer Soldat, so dreymahl vom Regiment entlauffen, an die Justitz aufn Marckte aufgehencket worden“. Aus Meiningen wird 1646 berichtet, GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 274: „Eben in diesem Monat [August 1646; BW] sind drey Mußquetirer von hiesiger Qvarnison über die Stadt-Mauern hinaus gestiegen, und hinweg gelauffen, aber bey Walldorff wieder vertappt, nieder geschossen, tod herein gebracht, und in der Hocker-Gassen auff dem Graben, an einem auffgerichten Schnapt-Galgen gehängt worden“. BEI DER WIEDEN, Oldendorf, S. 47 (1623): „12. Maii solte ein entlauffener Schelm unter den Soldaten zu Oldendorf auff dem Marckte gehencket werden. Aber der Strik ging loess und der Verurtheilter fiel herab. Derhalben ihm das Leben geschenckt und er diese Graffschafft und das Furstenthumb Braunschweig vorschweren mussen“. JÜRGENS, Chronik, S. 525: „Den 11. Junii [21.6.1636; BW] läßt der Obrist Schlüter 3 ausgerissene Soldaten von Mützefahlen [Wilhelm Kaspar v. Metzfall; BW] Regiment ums Leben spielen, der geringste im werfen mußte hängen“. HELLER, Rothenburg, S. 308f.: „Die gemeinen Soldaten erachteten eine Fahnenflucht nicht für vorliegend und sich ihres Eides ledig, wenn die Fahne, auf die allein sie geschworen hatten, zerstört war; Ebensowenig hielten sie sich für strafwürdig, wenn ihre Fahne vom Feind erbeutet worden war und sie dann in Massen zu ihm übergingen (sich unterstellen ließen)“. Die Desertionsquote unter den Belagerern vor Bergen-op-Zoom (1625) soll sehr hoch gewesen sein. Im Juli lagen noch 20.600 Mann vor Bergen; im Oktober waren es noch 13.200. Insgesamt betrugen die Verluste der Belagerer ca. 40 %; davon waren mehr als ein Drittel Desertierte. Unter dem 23./2.4.3.1636 wird aus Leipzig berichtet; HEYDENREICH, Continuatio Der Leipzigischen Chronicke: „Den 23. dito, hat Hans von Dißkau / Oberster Leutenandt vnter dem Bünawischen Regiment / durch den Regiments Schultzen ein groß Patent / vnter dem Rathhause allhier / anhängen lassen / darinnen etlich hundert Soldaten / so aus zwey Regimentern entlauffen / auff den 5 Maij vors Kriegsrecht citiret worden. Ist aber bald darauff Ordinantz kommen / daß er mit seinem noch vorhandenen Volck auffbrechen / vnd nach Halla zur Armée sich begeben sollte. Welches auch den 27 dieses geschehen“. Die Bestrafung selbst war höchst unterschiedlich, in wenigen Fällen wurden auch Verstümmelungsstrafen verhängt; vgl. ROCH, Neue Lausitz’sche Böhm- und Schlesische Chronica, S. 296f.: „Anno 1641. den 28. Februar. ließ Major von Spiegel einen entlauffenen Mußquetirer zu Löwenberg auff dem Marckte bey der Justiz zwey Finger abhauen / die Ohren abschneiden / und von der Stadt verweisen“. Beihilfe zur Flucht wurde z. T. mit dem Tode bestraft, vgl. BÄHLER, Der bernische Jura, S. 111f.: „Ein Bürger von Courfaivre, der verdächtig war, einem Deserteur zur Flucht verholfen zu haben, wurde ohne weiteres enthauptet und sein Rumpf gepfählt. Soldaten, die sich als Frauen verkleidet hatten, fragten einen Bauern von Mervelier um den Weg ins Solothurnische; als dieser ihnen denselben wies, nahmen sie ihn gefangen und schlugenden ihm, weil angeblich zur Desertion verleitend, den Kopf ab“. Deserteure mussten bei der Kapitulation einer Stadt in der Regel zurückgelassen werden. Am 5.5.1643 schrieb Ferdinand III. an Gallas, jeder überlaufende Knecht solle einen ganzen Monats u. Quartiergeld auf zwei Monate erhalte, er möge dies in geeigneter Form der Gegenseite bekannt machen; BAD‘URA; KOČĺ, Der große Kampf, S. 481, ein geringer Lohn bei einem derartig großen Risiko.

[38] Peter Melander Graf v. Holzappel [8.2.1589 Niederhadamar-17.5.1648 Augsburg], hessen-kasselischer, kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. HÖFER, Peter Graf Holzappel; GEISTHARDT. Peter Melander; LEINS, Soziale und räumliche Mobilität; LEINS, Peter Melander von Holzappel. Militärwirtschaft, Bündnisdiplomatie und Miniaturherrschaft im späten Dreißigjährigen Krieg. Phil. Diss. [in Arbeit].

[39] Schlacht bei Hessisch-Oldendorf am 28.6./8.7.1633: Schwedisch-hessische Truppen unter Dodo v. Knyhausen, hessische unter Melander (Holzappel) u. Georg v. Braunschweig-Lüneburg schlagen die kaiserlich-ligistische Armee unter Gronsfeld, Mérode-Waroux u. Bönninghausen, die an die 4000 Tote Verlust haben. In einer zeitgenössischen Flugschrift war auf die ungewöhnlich hohen Verluste in dieser Schlacht  verwiesen worden; COPIA KÖNIGL. MAY. IN DENNEMARCK / ERGANGENES SCHREIBEN: „Vnnd ist der eigentliche Bericht von den Gräfflichen Schaumbergischen Dienern einbracht / daß derselben auffs höchste etwa in die vierhundert Mann / die man alle hätte zählen können / in Münden [Minden; BW] ankommen wehren / vnnd ist eine solche Schlacht geschehen / daß weder in der Leipzischen Anno 1631. noch Lützischen Schlacht / Anno 1632. so viel Todten auf der Wahlstatt gefunden vnnd gesehen worden / wie jetzo“. Abgesehen von der reichen Beute hatte der Sieg bei Hessisch-Oldendorf  jedoch eine nicht zu unterschätzende Wirkung im protestantischen Lager, glaubte man doch, dass „deß feindes force vollents gebrochen sein solle“; Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 112 (Ausfertigung): Johann Casimir von Sachsen-Coburg an Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach, Coburg, 1633 VII 04 (a. St.). In der COPIA KÖNIGL. MAY. IN DENNEMARCK / ERGANGENES SCHREIBEN hieß es: „Bei den Konföderierten sind fast alle Reuter Reich worden / vnnd ist Silber Geld vnnd Pferde gnug zur Beute gemacht worden / denn der Feind allen seinen Trost bey sich gehabt: Deßwegen vnsere Hohe- vnnd Nieder Officirer vnnd alles Volck dermassen Resolut zum fechten gewesen / daß nit zu glauben / noch gnugsam außzusprechen / vnd ist abermahls der Papisten Ruhm / in der Compositione pacis prächtig angeführt: Daß die Evangelische keine offene FeldSlacht wider die Papisten niemals erhalten / durch Gottes Krafft zu nicht vnd zur offnen Weltkündigen Lügen geworden“. Nach einer Nachricht in den Akten des Staatsarchivs Bückeburg aus dem Jahr 1633 betrug nach der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf (1633) die Zahl der Gefallenen 6.534, die der Gefangenen zwischen 1.700 und 1.800 Mann; ZARETZKY, Flugschrift, S. 7, 3; darunter waren allein 1.000 Weiber; RIEZLER, Baiern Bd. 4, S. 170. Das Flugblatt „HAMMLLISCHE SCHLACHT“ [VD17 1:092231H] geht v. 2.000 Gefangenen aus. In einem Bericht aus Bericht aus Osterode, 1633 VII 01 (a. St., Kopie); Postskriptum, heißt es sogar: „Ferner kompt bericht, daß in etlichen unseren kirchen und schulen der herrlichen vittory halber welche höher als die iüngste vor Lützen erhaltene schlacht zu æstimiren, gebetet und gesungen“ [worden]. Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 146 v.

[40] MANKELL, Uppgifter. S. 186.

[41] MANKELL, Uppgifter, S. 215.

[42] Liga: Die Liga war das Bündnis katholischer Reichsstände vom 10.7.1609 (vgl. ERNST; SCHINDLING, Union und Liga) zur Verteidigung des Landfriedens u. der katholischen Religion, 1619 neu formiert, maßgeblich unter Führung Maximilians I. v. Bayern zusammen mit spanischen u. österreichischen Habsburgern an der Phase des Dreißigjährigen Krieges bis zum Prager Frieden (1635) beteiligt, danach erfolgte formell die Auflösung. Das bayerische Heer wurde Teil der Reichsarmada. Zur Liga-Politik vgl. KAISER, Politik, S. 152ff.

[43] Jost Maximilian Graf v. Gronsfeld [6.11.1596 Rimburg-24.9.1662 Gronsveld], ligistisch-bayerischer Obrist, kurbayerischer Feldmarschall. Vgl. WARLICH, Für Bayern, Habsburg und Reich [Typoskript].

[44] Hans Wilhelm Schelhammer [Schellhamer, Schelhamer, Scheelhauer] [ -1635 Speyer], ligistischer Generalwachtmeister.

[45] Ausfall: Ausfälle aus der Festung dienten der Nahrungsbeschaffung, der Sprengung des Belagerungrings, um die Belagerer aus den Gräben zu werfen, Kanonen unbrauchbar zu machen u. Durchhaltewillen zu demonstrieren. Zum Teil waren diese Ausfälle mit hohen Verlusten verbunden. Soldaten wurden mit Geld u. Rangerhöhungen motiviert, mit vorgehaltener Waffe gezwungen oder es wurde hinter ihnen hergeschossen u. sie durch Ausschank v. Branntwein in betrunkenem Zustand (Hameln 1633) dazu verleitet

[46] Jesuiten: Der katholische Jesuitenorden (Societas Jesu), 1534 gegründet v. dem baskischen Adligen u. ehemaligen Offizier Ignatius v. Loyola, war der wichtigste institutionelle Träger der Gegenreformation. Seine Tätigkeitsfelder waren die Ausbreitung u. Festigung des katholischen Glaubens mit zeitgemäßen Mitteln durch Mission, hervorragenden Unterricht u. Erziehung, die „nachgehende Seelsorge“, wissenschaftliche u. literarische Tätigkeit sowie die Bewunderung erregenden Theateraufführungen. Gerade im bayerischen Heer fanden sich auffällig viele Jesuiten als Militärseelsorger, die aufgrund ihrer Kenntnisse sogar als Geschützausrichter im Kampf tätig waren. Zudem fungierten sie am Kaiserhof u. am kurfürstlichen Hof in München als Beichtväter u. einflussreiche Berater. Die Jesuiten gelobten die Bereitschaft zu jeder Sendung durch den Papst. Die Aufnahme in den Orden setzt ein abgeschlossenes Studium der Theologie u. eines weiteren Faches voraus. Es gab Brüder („Koadjutoren“) u. Priester („Patres“). Die weltlichen Laienbrüder mit zeitlich einfachem Gelübde („Coadjutores probati“) unterschieden sich v. denen mit dem ewigen Gelübde („Coadjutores temporales formati“). Die Priester werden unterschieden nach einfachen Ordenspriestern („Coadjutores spirituales formati“), die mit drei Gelübden („Professi trium votorum“) u. die mit vier Gelübden („Professi quatuor votorum“). Nur Letztere waren für Führungspositionen ausersehen. Zwölf bis fünfzehn Jahre dauerte die gesamte Ausbildung, die ein zweijähriges Noviziat, ein siebenjähriges Scholastikat mit Studium der Theologie u. Philosophie vorsah. Danach folgte eine mehrjährige Lehrtätigkeit (Magisterium), an die sich vier Jahre Theologiestudium anschlossen. Es folgten mehrere Jahre  Seelsorge oder Schuldienst. Erst dann erfolgte das dritte Noviziatsjahr („Tertiat“), ab 33 Jahren konnte man zu den „ewigen Gelübden“ zugelassen werden. Vgl. MÜLLER, Jesuiten, S. 193-214. II. Jesuiter, hier im eigentlichen Wortsinn gebraucht; meist aber abwertende Bezeichnung für Ordensangehörige der Societas Jesu => jesuwidisch bei Happe (in abwertender Bedeutung „Jesu wider“ = „Jesu zuwider“) als Topos konfessioneller Polemik gebraucht wie etwa bei dem Elsässer Kannengießer Güntzer „Jesuzuwider, daß gantze Pfaffengeschmeiß, ale Babisten und abgevallen Mamulucken“; BRÄNDLE; SIEBER, S. 35. III. Jesuwider: Jesu zuwider = Jesuit (Topos der konfessionellen Polemik).

[47] Branntwein: Branntwein wurde auch als Arznei verwendet, besonders gegen die Pest, später war es allgemein das billige Getränk des armen Mannes, mit Wasser gemischt, um dieses teilweise zu desinfizieren, wurde dann durch Bier weitestgehend abgelöst. Branntwein hatte eine lange Lagerfähigkeit u. half, Ernteüberschüsse (Obst u. Getreide) abzubauen, zumal auch schlechtere Qualitäten verwendbar waren u. die Abfälle als Viehfutter verwertet werden konnten. Vor Angriffen oder bei Ausfällen wurden den Soldaten, um ihnen Mut zu machen, regelmäßig Branntwein ausgeschenkt. Der Kriegspraktiker Lavater empfahl in seinem KRIEGSBüchlein, S. 66: „Item / ein Soldat sol insonderheit mit einem Fläschlein foll Brantenwein versehen seyn / und löschet eine Nußschale foll desselben oft besser den durst alß eine halbe maaß Wasser“.

[48] KARWIESE, Hameln, S. 9f.

[49] Feldlager: Der Raum für den Oberkommandierenden u. seinen Stab wurde zuerst ausgemessen, durch eine Barriere u. eingesteckte Spieße, oft auch durch Befestigungen, vom übrigen Lager abgetrennt. Die Fahnen des Regiments wurden in die Erde gesteckt. Hinter jeder standen in langer Reihe die Hütten des Fähnleins oder der Kompanie. Bei der Fahne lag der Fähnrich, der Leutnant in der Mitte u. am Ende der Reihe der Hauptmann. In einiger Entfernung vom Lager war des öfteren ein mit Bastionen versehener Wall u. Graben aufgeworfen, hinter denen auch die Feldgeschütze standen. Vor der Umwallungslinie waren zumeist geschlossene Redouten oder Feldschanzen angelegt.„Den Offizieren und insbesondere den Obristen fehlte es in ihren wetterfesten, zum Teil gefütterten und mit Öfen beheizbaren Zelten auch während der Feldzüge nicht an Bequemlichkeit. Durch zumeist senkrechte Wände boten sie ausreichend Platz. Die dichte Webart und das Aufbringen von Wachs machten den dicken Stoff wasserdicht. Eine zweite Stofflage im Inneren war oftmals kunstvoll bestickt“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 99. Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Hütten durch Raubbau in den Wäldern aus Brettern, Reiser, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh u. Laub, stabilisiert mit Spießen u. mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62, EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS (Hg.), 1636, S. 96f.  Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiziere u. den Hütten u. Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. In der spanischen Flandern-Armee hatte eine Baracke Platz für vier Personen mit zwei Betten. Daneben gab es eine Doppelbaracke für acht Personen mit vier Betten. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, dass sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, 2. Bd., S. 287, Anm.; LAHRKAMP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. War während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. v. Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- u. Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke u. verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ u. deren Frauen u. Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Vgl. auch den Brief des kurkölnische Fähnrichs Johann Christian Schneid(en) an seine Ehefrau; Wahrhaffter Abtruck / eines Cöllnischen Fewerrohr-Fähnrichs auß dem Läger bey Münster. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 97ff.; STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 77ff.

[50] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung v. Freund u. Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg u. Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten u. verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[51] USLAR-GLEICHEN, Belagerung, S. 349; HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 444ff.

[52] Konföderierte: Bei der Zusammensetzung der schwedischen Armee Gustavs II. Adolf bis Ende 1632 werden folgende Zahlen angenommen: Schweden 8.000 (5, 5 %), Finnen 3.000 (2, 0 %), Deutsche Söldner: Alte Regimenter (vor Juli 1630 aufgestellt) 15.000 (10, 5 %) Neue Regimenter 65.000 (44, 5 %) Britische Söldner 7.000 (5, 0 %) Verbündete: Sachsen 17.000 (11, 5 %) Brandenburg 6.000 (4, 0 %) Hessen-Kassel 6.000 (4, 0 %) Mecklenburg 4.000 (2, 5 %) Stadtmilizen ca. 15.000 (10, 5 %) Gesamtzahl 146.000 Von diesen ca. 150.000 Mann war etwa die Hälfte im Garnisonsdienst eingesetzt, der Rest war auf die verschiedenen Armeekorps aufgeteilt, deren Größe zwischen 3.000 u. 20.000 Mann lag. Im Falle einer möglichen Schlacht wurden diese dann vorübergehend zusammengezogen. (Angaben nach BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 69; ENGERISSER, Von Kronach; GLETE, Den svenska armén). Je nach Kriegslage schieden nach Gustav II. Adolfs Tod Verbündete wieder aus, der Anteil der Deutschen unter schwedischer Fahne stieg jedoch weiter an. Der Erzgebirgschronist Lehmann in seiner Kriegschronik, S. 100 (1639): „kein Papist hats so grausam und arg gemacht alß diese Unbändige verteuffelte Deutsche Schweden, die keines Menschen schonten, keine kirche oder pfarr respectirten und kein Weibsbild ungeschändet ließen“. Zu den schottischen Verbänden vgl. MILLER, Swords for hire. Bereits 1627 waren unter den englischen Söldnern viele v. den Lord Lieutenants zwangsrekrutierte, aus dem Königreich ausgewiesene Kriminelle u. Asoziale, die „masterless men“, die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren. Schon bei der Aushebung der Truppen für Ernst v. Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont u. Gesindel rekrutiert. Das war eine einfache u. kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden u. gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen.

[53] Salomon [Solomon, Salm] Adam [Adams] [ – ], schwedischer Obrist. MURDOCH, SSNE ID: 1780.

[54] Rotte: I. „Besonders war es ehedem im Kriegswesen üblich, einen Haufen unter einem gemeinschaftlichen Befehlshaber stehender Soldaten zu bezeichnen, wo die Rotte keine gewisse Zahl hatte, sondern aus 6 bis 100 Mann bestand, am häufigsten aber nur von kleinern Haufen gebraucht wurde; der Vorgesetzte einer solchen Rotte hieß der Rottmeister, und die einzelnen Personen dieses Haufens gegen einander hießen Rottgesellen. Frisch führet folgende Stelle aus dem Fronsberg an: »Es wurden zehen Hakenschützen und einfache Knechte in Eine Rotte gestellt, desgleichen auch sechs Doppelsöldner in Eine Rotte, dieselben sechs oder zehen wählten sich einen Rottmeister aus ihrer Zahl, der empfieng ihre Balleten, ihren Proviant, und führte sie, wohin er sollte, seine Rotte hießen auch seine Rottgesellen.« [ADELUNG] „Es war eine militärische Abteilung unter dem Fußvolk und der Reiterei, wobei die Zahl der zu einer Rotte gehörigen Soldaten wechselte, ohne nähere Bezeichnung der Stärke eine Abtheilung, um einen Führer geschaarter Haufe“. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. II. (ital. rotta: Aufruhr) in Anlehnung an die biblische „Rotte Korah“ (4. Moses 16, 5) hier als eine Bande von Räubern, Aufrührern, Rebellen verstanden.

[55] Altes Blaues Regiment: „Till 1624 bildas Hans (Johan) Georg von Arnims regemente (tyskt, SL, s 423). Denne var från 1625 chef för Blå regementet vilket måste vara samma regemente (så enligt register till SL). Maximilian Teuffel blev chef 6/11 1625 efter att ha tillhört regementet sedan dess bildande 1624 (SL, s 451, n1, korrigering av äldre uppgifter). Teuffel blev i slutet av oktober 1627 chef för Gula Regementet och efterträddes av Hans von der Noth, tidigare övlj vid regementet (SK III, reg). Hans Georg aus dem Winckel (tidigare övlj Gula Regementet, tidigare Röda regementet, 1624-25 kn i Gula, SL, s 530) blev chef för Blå när detta och Gula flyttades till Tyskland (SL, s 620) vilket var i början av juli (10/7). Chef ännu 6/11 1632“. http://www2.historia.su.se/personal/jan_glete/Glete_Varvade_reg_1618-31.pdf. „Das blaue Regiment ist im Jahre 1624 während des polnisch-schwedischen Krieges um Livonia (ein Gebiet des heutigen Lettlands und Südestlands) aus schwedischen Söldnertruppen entstanden. Seit 1632, in der Schlacht bei Lützen, wurde dieses Regiment schon als das Alte blaue Regiment bezeichnet (Altblau Regiment), aber offiziell wurde es in dieser Art angeblich erst 1634 benannt. Als es 1635 zur Auflösung von drei von vier der ältesten schwedischen „bunten” Regimenter kam (des Grünnen, Roten u. Gelben, die fortlaufend im Zeitraum von 1613 bis 1627 entstanden), blieb als letztes das Altblaue übrig. In der Zeit um 1629 wurden noch andere „bunte” schwedische Regimenter aufgebaut (z.B. das Orange, Weiße, Braune u. einige Schwarze), die jedoch in der Zeit bis 1638 aufgerieben wurden. Im Jahre 1650 wurde auch das Altblaue Regiment aufgelöst“. http://www.altblau.cz/de/11-Historisches-Regiment/. Das reduzierte Regiment wurde allerdings erst am 24.1.1652 zu Stettin aufgelöst. [Abb. Stein12]

[56] Redoute, Reduite: Redoute bezeichnet im Festungsbau eine geschlossene Feldschanze, die nach allen Seiten v. gleich starken Brustwehren umgeben ist u. ausschließlich vorspringende Winkel aufweist. Die Redoute war meist auch mit Hindernissen für Artillerie u. Infanterie versehen. Die einfachste Redoute bestand aus einer vierseitigen Form u. ergab bei einem Schräganschlag v. 30° einen „unbestrichenen Raum“ v. 30° vor dem ausspringenden Winkel. Günstiger u. nur wenig schwieriger zu errichten waren die späteren fünf- u. sechsseitigen Redouten, die bei einem Polygonwinkel v. 108° u. 120° bei Schräganschlag einen unbestrichenen Raum v. 12° u. 0° ergaben. Diese Bauweise war bereits im 19. Jahrhundert obsolet. Die so genannte Halbredoute war eine in der Kehle offenes oder halbgeschlossenes Werk, dessen Grundriss eine Frontlinie u. zwei Flanken zeigt. Die Halbredoute wurde früher bei Feldbefestigungen, aber auch im Festungsbau, eingesetzt, insbesondere als Teil einer größeren Festungsanlage (in „zurückspringender Lage“) [Wikipedia].

[57] Lars [Laes] Graf Kagg [Kagge, Kache, Kaggin, Kaggi, Kago, Kalle, Kaach, Gaugk, Kiege] [1.5.1595 Källstorp-19./29.11.1661 Stockholm], schwedischer Reichsmarschall. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=12302.

[58] USLAR-GLEICHEN, Belagerung, S. 349. Die schottischen Musketiere Lumsdens nahmen an der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf teil. Vgl. ÅBERG, Skotska krigare.

[59] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[60] Gymnasialkirche (St. Paulus) des Petrinums, ehemalige Jesuitenkirche.

[61] Feldprediger, Feldkaplan: Im Codex Iuris Canonici (c. 564–572 CIC) bezeichnet der Begriff Kaplan einen Geistlichen mit einem extraterritorialen Seelsorgebereich für einen Sonderbereich, hier der Armee. Maximilian I. v. Bayern hat für seinen Generalvikar Benedikt Rauh am 5.4.1642 eine ausführliche Instruktion erlassen; FRISCH, Rauh, S. 156f.: „Insbesondere sorge der von uns bestellte Generalvicar, dass die Feldcapellane, sowohl bei Infanterie als Reiterei, ein exemplarisches Leben führen. Wenn sie scandalös sich aufführen oder zur Verwaltung der Sacramente weniger tauglich erfunden werden, soll er sie verbessern, strafen, oder nach Fund der Sache vom Heere entfernen. Er soll drei oder vier Verkündiger des Wortes Gottes mit sich zum Heere bringen; sorgen, dass morgens und abends die Gebetsstunden eingehalten werden, zu welchen mit Trompeten etc. ein Zeichen gegeben wird; dan an Sonn- und Feiertagen bei jeder Legion öffentlich Messe gelesen und von den Capellanen Predigten gehalten werden, namentlich dass zur österlichen Zeit die Soldaten ihre Sünden bekennen, und zur heil. Communion gehen, wenn auch ihre Officiere andersgläubig sein sollten. Anstalten soll er treffen, dass kein Soldat, der tödtlich verwundet oder sonst gefährlich darniederliegt, der heil. Wegzehrung beraubt werde. Hauptsächlich soll er darauf sehen, dass die Officiere und Soldaten der Legionen die Concubinen und gemeinen Dirnen von sich entfernen oder zur Ehe nehmen; wenn sie mit guten Worten nicht gehen wollen, soll er sie öffentlich hinauswerfen lassen. Dann soll er dafür sorgen, dass er die schrecklichen Gotteslästerungen und Schwüre sowohl bei Officieren als Soldaten ausrotte, sowie die lasciven Worte. Zu diesem Zwecke soll er durch seine Feldcapellane alle und jeden in Glaubenssachen unterrichten und ihre Kinder im Katechismus belehren lassen. Wenn hierin der Capellan nichts ausrichte, soll er es dem Führer der Legion berichten, wenn dieser nichts zu Stande bringe, soll der Generalvicar es dem Obersten melden und wenn auch dieses nichts fruchte, die Hilfe des Generals in Anspruch nehmen. Nicht weniger bemühe er sich, dass die Feindschaften sowohl unter Hohen als Gemeinen auf jede Art und Weise beigelegt werden. Er selbst soll an Sonn- und Feiertagen vor dem Generalstab predigen. Damit dieses Alles besser vollzogen werde, soll er alle 8 oder wenigstens 14 Tage seine Capellane berufen und einem nach dem andern ausfragen und hören, was für Laster in dieser oder jener Legion grassieren, damit sie in Zukunft geheilt werden können. Endlich soll der General-Vicar so viel als möglich darauf sehen, dass die Kranken und tödtlich Verwundeten zur Reue, Beichte, Communion und wenn es nothwendig zur letzten Oelung disponirt werden; sollten Viele oder Wenige dem Heer nicht folgen können, soll er Geistliche zurücklassen, welche ihnen in ihren letzten Nöthen beistehen“. Eine ähnliche Funktion dürften auch die Feldprediger in den anderen Armeen gehabt haben, die die einzelnen Regimenter begleiteten. In der brandenburgischen Armee erhielt der Feldprediger 1620 gerade einmal 20 fl., also 2 fl. mehr als ein Feldscher oder Trommelschläger, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 24 fl., ein Prädikant 25 fl. Der Kaplan eines kaiserlichen Fußregiments erhielt monatlich 30 fl; nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) für die Infanterie standen ihm  24 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. In besetzten Städten wurden dagegen schon einmal 40 Rt. = 60 fl. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Vgl. auch BRENDLE; SCHINDLING, Geistlichkeit. Vgl. auch die Instruktion für den Feldprediger Magister Paul Martin Alberti; HELLER, Rothenburg, S. 389ff.

[62] Dr. Franz [ – ] schwedischer Feldprediger.

[63] Lüdert [Lydert, Lutter] v. Stralendorff [Strahlendorf, Strallendorff, Strawndorf] [ -1638], schwedischer Obrist.

[64] Dom St. Peter.

[65] BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung und geschicht, S. 280.

[66] Finnen [auch hagapells, hakkapeller genannt, nach hakkaa päälle: hau drauf]: Sammelbegriff für Finnen, Lappen u. Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern u. Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Es gab drei Kavallerieregimenter aus dem finnischen Landesteil Schwedens: Nylands och Tavastehus läns kavalleriregemente, Åbo och Björneborgs läns kavalleriregemente sowie Viborgs och Nyslotts läns kavalleriregemente. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von PLEISS. Zu den verschiedenen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant zu den in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie v. Zeitgenossen als wild u. brutal beschrieben wurden. Zudem standen sie im Verdacht, Wetter machen zu können u. den Teufel anzubeten. Vgl. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 241 (1647): „So ist aber ein solches ungewüdter, luft, saußen und braußen eben zur selben zeit, wol 2 oder 3 tag und nacht lang, angestanden, daß vermaint, eß werde alle heyßer und palest zue haufen werfen, also und daß sich kain schüff von dannen sich möchte bewögen; hat man auch gänzlich dafürgehalten, haben solches (weilen diese Lapp- und Seeländer in dißer und dergleichen hexen- und unholden künsten wol erfahren und bey ihnen für ain freye kunst gehalten und paßirt) ungewidter selbsten gemacht und verzoberet. Dan man für gewiß gesagt, dass ain ganzes regiment under ihnen dem schwarzen Caspar ergeben und verschriben seye, welcher ihnen den weg naher dem Haagen als vorher geloffen und paßiert. Wie dan auch von Eyßne oder Kämpten wird bericht, daß sie ihnen den M. Hämmerlein in ainem glaß gezaiget: diß seye ihr obrister, deme seyen sie verlobt und geschworen, deßen seyen sie mit leib und seel versprochen, dere ihnen trewlich halt und sie ihme redlich dienen“. Auch in anderen Zeitzeugnissen wurden sie als „gottlose, schändliche Menschen, Saumagen“ bezeichnet (so WINTER, Möser’s Aufzeichnungen, S. 46). Aus Staßfurt wird unter 1639 berichtet; GEISS, Chronik von Staßfurt, S. 135: „Den 20. Octobr. wurde unser Lieutenant mit seinen Soldaten abgefordert. Die folgenden Tage mußten wir einen Fähnrich mit ungefähr 50 Finnen und Teutschen, Reiter, denen theils die Pferde gestorben, theils vom Feinde abgenommen waren, und die sich hier wieder beritten machen sollten, ins Quartier nehmen. Es war muthwilliges Gesindel, das sich nicht commandiren lassen wollte. Den 9. November zogen diese Finnen wieder nach Quedlinburg, weil der Fähndrich sich beklagt hatte, daß er sie weder mit Worten noch mit Prügeln zwingen könnte“. Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil u. Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert u. zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Zwischen 1638-1649 waren 15.933 regulär Eingezogene nach Deutschland gebracht worden, daneben Geworbene und Gezwungene. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Vgl. auch BECK, Chronik, S. 26 [Schweinfurt 1631]: „Mit dem König war auch ein Regiment Finnen zu Pferde eingezogen, und hatte auf dem Markte Halt gemacht. Ihr schwaches und mattes Aussehen, ihre geringe, wetterfarbene Bekleidung, ihre kleinen und unansehnlichen Pferde ließen eben nicht viel erwarten, und hätte nicht die Welt von ihren Thaten zu Leipzig gehört gehabt, hätte man wohl fast zweifeln mögen, ob sie auch einen Marsch bis Würzburg auszuhalten im Stande seien. Aber die Bewunderung abnöthigende Schnelligkeit ihrer Bewegungen und die prompte Ausführung jedes Commando’s, ja jedes Winkes der Offiziere erweckte bald bessere Begriffe, die sich, da man noch nicht so ganz wußte, wie die Sache ablaufen werde, allmählig beinahe in Furcht verwandelten“. Vgl. auch die zeitgenössische Einschätzung; GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 72: „An den Finnen und Schweden hette der König diese Vortheil: 1. Könnten sie Frost vnd Kälte besser als Hitze vertragen. 2. Lieffen eher nicht / biß sie gleichsam mit der Natur fechten müsten. 3. Behülffen sie sich kläglich. 4. Ohne alle Meutenacion. 5. Weren vnverdrossen / vnd mit devallisiren fest nit zu erschöpffen / so weit es nicht leicht ein ander Herr mit seinen Vnterhanen gebracht“. Bei dem Rothenburger Chronisten Dehner heißt es unter 1632; HELLER, Rothenburg, S. 94f.: „lauter Schweden und Finnen, darunter auch Lappländer und Irrländer gewest, die hat man den Burgern einquartiert bey 8. 9. 10. u. mehr, haben mit den Burgern für gut genommen, mit ihnen gebetet und gesungen fast in allen Quartieren“. In den Generalstaaten hieß es im August 1633; PLEISS, Der Zug, S. 27: „Ist wacker Volk, die allezeit unter des Königs Batalien gewest seyn … Solche Macht und wacker Volk hat man niemalen in diesen Landen gesehen“. Das „THEATRUM EUROPAEUM, 3. Bd., S. 108f., unter 1633: „Die Schwedische vnd Finnen allesampt ansehenliche starcke starcke Männer / machten die andern Niderländer in dreyen Dingē schamrot / nemlich 1. in Gehorsam / 2. in Ordnung / vnd 3. in Gottesforcht / dann alle Morgen / wann sie auffbrachen / schlossen sie einen Ring / vnnd auff den Knien rufften sie Gott an / beteten vnd sungen / etc“. Ein zeitgenössischer Beobachter schreibt in einem Flugblatt „Schreiben Auß Dem Königklichen Schwedischen Läger. o. O. 1631, S. 43“: „Muß man derhalben rund bekennen daß dem König seine Schweden und Finnen trewlich dienen: Die Finnen sind der mehrtheils kortze Leut ihrer statur halben / aber darbey hertzhafft vnd der Arbeit gewonnet / leben mit wenigem / behelffen sich karglich: wüssen von Wollüsten vberal nichts: den Teütschen Lufft auch mitten im Winter finden sie gar zam / gegen dem ihrigen gehalten. Es sind rechte Eisenbeisser / die niemahlē von hinden sind verwundet worden. Welcher vnder ihnen dem Feind wurde den rucken kehren / der wirdt nie für ihren Landtsman gehalten. Vnnd ist freilich lächerlich / wer die sicht aufziehen. Sie haben Schleiffstein an der seiten hangend / vnnd so bald man anhebt zum Lermen vnnd träffen die Trommel rühren / so wetzen sie ihre dägen / von weitem meint einer nichts ander alsdann es were eine schaar Metzger / oder in hauffen der beysammen / da ein stuck matten solten abmeyen: Aber es laßt sich nicht mit ihnen schimpfen weil es ernst gilt. Der inneren Finlenderen spraach ist gantz von der Schwedischen Nortwegischen / Gottischen vnd Dennenmärckischen / die da vberein stimmen / gescheiden / vnnd ist allein den Finlenderen gemein vñ den Mitternächtigen Völckeren / welche man Lappen nennet“. Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas v. Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 1651 wurde festgestellt, dass 50 % der Kavallerie u. 41 % der Infanterie aus Finnen bestand; PLEISS; HAMM, Der Dreißigjährige Krieg, S. 41. Nach GUTHRIE, The Later Thirty Years War, S. 59, soll Banérs Armee im Juli 1638 um 9.000 Schweden u. 5.000 Finnen verstärkt worden sein, was wohl zu hochgegriffen erscheint. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität.

[67] Torsten Stålhandske [Stolhanscha, Stahlhandschuh, Stahlhanndtschuch, Stalhans, Stallhans, Stalhansch, Stallhuschl, Stalhanß, Stall-Hanß, Stallhaus, Stallhausen, Stolhanski, Starrhase, Lo Stallo, Lo Stallans, Statehornes] [1594 Porvoo/Borgå (Finnland)-21.4./1.5.1644 Haderslev/Nordschleswig], schwedischer Generalmajor. Vgl. http://www.kansallisbiografia.fi/english/?id=2342.

[68] Andreas Freiherr Kolb v. Reindorf [Rhaindorf] [ -13.4.1666], kurbayerischer Obrist.

[69] Lüdert [Lydert, Lutter] v. Stralendorff [Strahlendorf, Strallendorff] [ -1638], schwedischer Obrist.

[70] AOSB II/6, S. 492f.

[71] General(kriegs)kommissar [schwed. allmänt krig kommissionär, dän. generalt war kommissær]: Der General(kriegs)kommissar war das oberste Aufsichts- u. Kontrollorgan für das gesamte Kriegswesen, Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung v. Kriegssteuern (Kontributionen), sowie zur Kontrolle der Kriegskommissare. Er übernahm auch militärische Aufgaben. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) erhielt er monatlich 600 fl., bei der dänischen Kavallerie sogar 908 Rt.; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Als Quartierkommissarius legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung). Der Generalkommissar, der entweder erfahrener Heeresverwaltungsbeamter oder selbst Obrist war, war der Dienstvorgesetzte aller dieser Kommissare, der wiederum seinen Anteil bei seinen untergebenen Kommissaren einforderte. Zudem waren die oft korrupten Generalkriegskommissare verpflichtet, alle Vorkommnisse im Feld u. in der Garnison an den obersten Kriegsherrn einzuberichten, weshalb sie nicht zu Unrecht als die „Augen und Ohren“ etwa Maximilians I. bei der Truppe bezeichnet wurden. Sie besuchten bzw. kontrollierten die vom Hauptquartier entfernt operierenden oder liegenden Regimenter. Bei der Truppe waren sie auf Grund ihrer umfangreichen Kontrollfunktionen im Allgemeinen verhasst. Zudem hatten sie die Weisung, die Kosten der Kriegs- u. Truppenfinanzierung zu senken u. Reduktionen durchzuführen, was zu ständigen, teilweise handfesten Konflikten mit den Obristen als Kriegsunternehmern führen mussten, da die Generalkriegskommissare auch für den Transport u. die Auszahlung des Soldes zuständig waren. Bei besonders unruhigen Truppenteilen waren sie auch für die Ausgabe der Munition zuständig. Der Generalkriegskommissar hatte zudem die Aufgabe, in den besetzten Gebieten nach lohnender Beutekunst (Altäre, Gemälde, Bücher etc.) Ausschau zu halten u. gemäß seinen Weisungen zu beschlagnahmen. Der Generalkriegskommissar trat als Militärsachverständiger bei Liga-, Kurfürsten- u. Reichstagen auf u. war bei Friedensverhandlungen (z. B. beim Abschluss des Lübecker Friedens 1629) und Gesandtschaften beteiligt. Zum Teil kam er durch seine vielfältigen Aufgaben, Einnahmen (Sold etwa 5000 fl., Anteil an Kontributionen ca. 1800 fl. pro Jahr ohne diverse andere Einnahmen), „Verehrungen“ u. Belohnungen zu einem beträchtlichen Vermögen. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare u. Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph v. Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Da die Generalkriegskommissare den Schriftverkehr mit der Kriegskanzlei bzw. dem obersten Kriegsherrn führten, gaben sie oft anders lautende, kritische oder auch gefälschte Berichte weiter. DAMBOER, Krise, S. 27:  „Im Schreiben des Generalkommissars Schäfer an Maximilian vom 13. Dezember 1644 schrieb dieser, die Generalkommissare suchten nichts als des Kurfürsten und der Armada Interesse und würden trotzdem immer verfolgt, gehasst und beneidet“. Vgl. auch KAPSER, Die bayerische Kriegsorganisation, S. 101ff.; SAITO, Das Kriegskommissariat der bayerisch-ligistischen Armee.

[72] Eerikki Antinpoika [Erik Andersson, Andersohn, Anterson „Erich Krana Enderßon“, „Erich Enderson K(o)rona“] Trana auf Sataniemi u. Raisala (Karelien) [1586-24.10.1634 vor Minden], schwedischer Generalkriegskommissar, Obrist.

[73] BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 312.

[74] BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung und geschicht, S. 312. – Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder v. der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter u. Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern u. Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[75] PLEISS, Finnen, S. 59.

[76] Bückeburg [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 80ff.

[77] Minden am 10.11.1634.

[78] Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das – angesichts der um 1, 5 º tieferen mittleren Jahrestemperatur mit extremen Kälteperioden überlebensnotwendig – in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde u. in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten, was immer wieder zu Streitigkeiten unter den Kommandeuren führte. Natürlich versuchten deshalb Magistrate u. Stände immer wieder, diesen kostenintensiven Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten u. ihrem Tross führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats v. Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226. Selbst wenn Truppen erst im Dezember einquartiert wurden, verlangte man doch auch Zahlungen für den vorausgegangenen November; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 387ff. Dazu kam der enorme Bedarf an Feuermaterial, wobei alles nur einigermaßen Brennbare durch die Truppen beschafft wurde. Der Chronist Leopold aus Marktredwitz berichtet über den November/Dezember 1640; BRAUN, Marktredwitz, S. 129: „Über diese 8 Regiment[er] [hinaus] sind auch 200 Polacken mit marchiert, welche – wie ob[en] gehört – zu Oberredwitz logierten: Einige sind auch in Dörflas einquartiert worden. Obwohl wir hier im Mark[t] kein Quartier gehabt, so haben wir doch des Generals Tafel versehen und herrlich in die Küche (ver)schaffen müssen. Auch haben wir für die Regiment[er] hinaus[gegeben] 800 Brot[e], 800 Maß Bier und 2 Rind[er]. Überdies hat (ein)jeder Bürger, der seinen Stadel nicht zugrund reissen oder gar verbrennen lassen wollte, hinaus[ge]geben Fleisch, Fisch, Futter, Bier, Brot und Geld. [Es] ist dadurch auch sehr wenig erhalten worden, denn fast in jedem Stadel [hat] eine Kompanie gelegen, welche (dann) alles Heu, Stroh, ungedroschenes Getreide, Holz und Brettern in das Feld getragen. Es sind daraus Hütte gemacht und hernach meistens verbrannt [worden]. Um das, was liegen geblieben war, haben sich die Nachbarn auch [noch] gezankt. Sie haben auch alle Zäun[e] um die Gärten, Planken [und] Um(b)schrote umgehauen und verbrannt. All(e) unser[e] Fischkästen, [von denen] ein [jeder] vorher um 50 K[ronen] erkauft [worden war], haben sie in einer Geschwindigkeit eingehauen, zerrissen, hinweggetragen und in Grund verdorben. [Auf] dem Freithof, welcher erst neu gemacht worden war, haben sie die Schindel[n] abgeschlagen und sam(b)t dem Tor verbrannt. In Summa, diese Leute haben einen großen Schaden getan in dem unausgedroschenen Getreide, Futter, (Ge)stroh und Holz. [Sie haben auch] fast alle Stadel im Grunde zerschlagen und das Gezimmer verbrannt; denn die Kälte war sehr groß. Daher [haben] sie auch außer[halb] der Stadel noch über 1000 Feuer angezündet und gehalten. Was sie in den Vorstädten ertappt haben, [das haben] sie (hinweg)genommen und das Vieh geschlachtet. Die Nacht [über] hat die ganze Bürgerschaft auf Befehl des Generals um und um auf der Mauer im Gewehr stehen und wachen müssen. Ungeachtet dessen aber sind die Musketiere(r) doch an vielen Stellen über die Mauer herabgestiegen, [sind] in die Ställ[e] eingebrochen, [haben] kleines Vieh erwürgt und was sie sonst [noch] bekommen konnten, [haben sie] mitgenommen und [sind dann] wieder hinausgewischt. Dies geschah (nun) an vielen Orten, [so] daß wir also genug(samb) zu wehren und solches zu verhindern hatten. Die Tor(e) hatte er selbst(en) besetzt und mit seiner Wacht versehen“.

[79] Stadthagen [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 435f.

[80] Rinteln [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 395f. Vgl. STÜNKEL, Rinteln.

[81] Hessisch Oldendorf [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 226f.

[82] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) u. Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), u. der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer u. Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare u. Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph v. Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister u. Advokat Johann Georg Maul [? -nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph v. Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung v. Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. In den bei Angriffen u. Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten u. um ein freies Schussfeld zu haben.

[83] DOLLE, Bibliotheca, S. 22.

[84] Es gibt kein Regiment „Ostroi“ oder „Ostoi“ in den schwedischen Regimentslisten. Ostroi ist identisch mit Sir Arthur Aston. Anscheinend wurden hier entweder Transkriptionsfehler oder Druckfehler bei PRANGE, Begebenheiten in den nachfolgenden Darstellungen übernommen.

[85] Rodenberg [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 398f. Vgl. MITHOFF, Die Chronik.

[86] Grove, heute Ortsteil von Rodenberg [LK Schaumburg].

[87] Heinrich [Henrich, Henich] Wichgreve [Wiehgreve [Weichgreve, Wichgrebe, Wigrefe, Wiekgreve, „Triegraf“] [1597-27.12.1642 Hamburg], schwedischer Obristleutnant.

[88] Verehrung: Derartige „Schenkungen“,auch „Discretionen“, zutreffender aber „corruptiones“ genannt, waren v. Anfang des DK an zumeist erzwungene oder v. vornherein erwartete Leistungen in Geld- oder Sachwerten an die Offiziere u. ihre mitziehenden Ehefrauen u. Konkubinen – so erwarteten Obristen schon einmal 100 Rt. als „Verehrung“ – einer Einheit bis hin zu den untersten Rängen, die den Stadt- oder Gemeindehaushalt je nach Umständen erheblich belasten konnten. Diese mehr oder minder freiwilligen „Verehrungen“ waren zur Abwendung v. Einquartierungen oder zur Durchführung rascher Durchzüge gedacht. So gingen 1627 500 Rt. u. ein Pferd  zur Verhinderung eines Durchzugs v. fünf Kompanien durch Stralsund an Johann v. Götz; Arnim erhielt sogar 1.000 Rt.; NEUBUR, Geschichte, S. 43. Sie waren je nach Rang des zuständigen Offiziers gestaffelt u. wurden von diesen als fester Bestandteil ihres Einkommens betrachtet, zumal Soldzahlungen nicht selten ausblieben. Auch Offiziersgattinnen erwarteten natürlich eine Verehrung. Sogar ein Willkommensgeld beim Einzug der Offiziere wurde erwartet. Vgl. ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Die Reichsstadt Schweinfurt hatte während der zehnmonatigen Einquartierung 1634/35 allein 3.000 fl. für „Verehrungen“ aufzuwenden. MÜHLICH, Chronik 3. Teil, S. 455.

[89] Reichstaler/Gulden: 1 Reichstaler = 1,5 Gulden; 1 Reichstaler = 18 Batzen = 72 Kreuzer = 288 Pfennige, 1 Reichstaler = 21 Schillinge (ß) = 252 Pfennige (δ); 1 fränk. Rt. = 1, 2 fl. (1632), 1 fl. = 50 Liter Bier, = 5 Paar junge Hühner, Entgelt für die Säuberung zweier Wachtlokale. Reichsgulden: 1 Reichsgulden = 60 leichte oder rheinische Kreuzer (kr.) = ⅔ Reichstaler (Rtl.) = 16 gute Groschen = 24 Mariengroschen. Zur Umrechnung v. fl. in €: Wie problematisch eine derartige Umrechnung ist, zeigt www.mhoefert.de/PDFs/30_jaehriger_Krieg.pdf, der 30.000 fl. in ca. 3 Mill. € umrechnet (!). 1 fl. dürfte maximal 50 € entsprochen haben. Nach einer anderen nicht unproblematischen Umrechung würde 1 Rt. heute etwa 27, 3 € entsprechen. Nach WILDGRUBER, Dte feste Stadt Wasserburg, S. 74, entspräche 1 Rt. 60 DM, also etwa 30 €. Wenn selbst Bauernstiefel schon mit 20 fl. aufgelistet sind, würde das 540-1.000 € entsprechen. Sinnvoller wäre es, mit den Preisen für Gebrauchsgüter, Löhne etc. in den betreffenden Jahren zu verfahren, die in den einzelnen Gebieten je nach Kriegslage sehr unterschiedlich sind.

[90] Fass (Bier): äußerst unterschiedliche Maßeinheit, z. B. Lübeck: 149.02 Liter, Österreich: 226.45 Liter, Böhmen: 244.48 Liter, 1 Sachsen: 280.95 Liter, Freiburg/Br.: 390.78 Liter, Sachsen: 393 Liter; Gera: 398.076 Liter; Einbeck: 409.2 Liter, Duderstadt: 422.07 Liter, Wolfenbüttel: 433.73 Liter, Braunschweig: 434.88 Liter, Dresden: 520.12 Liter, München: 1710.5 Liter (?). Angaben nach SCHLAGBAUER, http://www.web-schlagbauer.de/Main/Gewichte/Liter.php?64_38_.

[91] Tonne (Bier): 1 Tonne (Aachen) = 117, 8 Liter; 1 Tonne (Altena) = 139, 112 Liter; 1 Tonne (Berlin) = 100 Stof = 114,5 Liter; 1 Tonne (Braunschweig) = 202, 178 Liter; 1 Tonne (Bremen) = 169, 65 Liter; 1 Tonne (Hamburg) = 173, 38 Liter; 1 Tonne Broyhan (Hannover) = 155, 52 Liter; 1 Tonne (Hildesheim) = 50, 84 Liter (?); 1 Tonne Broyhan (Hitzacker) = 166, 98 Liter; 1 Tonne (Lüneburg) = 203, 28-217, 8 Liter; 1 Tonne (Münster) 149, 296 Liter; 1 Tonne (Oldenburg) = 159, 6 Liter; 1 Tonne (Osnabrück) = 131, 749 Liter; 1 Tonne (Preussen) = 89, 2 Liter; 1 Tonne (Rostock) = 115, 968 Liter; 1 Tonne (Sachsen) = 70, 24 Liter; 1 Tonne (Schleswig-Holstein) = 173, 89 Liter; 1 Tonne (Waldeck) = 145, 024 Liter. Angaben nach SCHLAGBAUER, http://www.web-schlagbauer.de/Main/Gewichte/Liter.php?64_38_.

[92] Lauenau [LK Schaumburg].

[93] MITHOFF, Chronik der Stadt Rodenberg, S. 247.

[94] Minden [LK Minden-Lübbecke]; HHSD III, S. 517ff. Vgl. NORDSIEK, Die schwedische Herrschaft.

[95] Feldlager: Der Raum für den Oberkommandierenden u. seinen Stab wurde zuerst ausgemessen, durch eine Barriere u. eingesteckte Spieße, oft auch durch Befestigungen, vom übrigen Lager abgetrennt. Die Fahnen des Regiments wurden in die Erde gesteckt. Hinter jeder standen in langer Reihe die Hütten des Fähnleins oder der Kompanie. Bei der Fahne lag der Fähnrich, der Leutnant in der Mitte u. am Ende der Reihe der Hauptmann. In einiger Entfernung vom Lager war des öfteren ein mit Bastionen versehener Wall u. Graben aufgeworfen, hinter denen auch die Feldgeschütze standen. Vor der Umwallungslinie waren zumeist geschlossene Redouten oder Feldschanzen angelegt.„Den Offizieren und insbesondere den Obristen fehlte es in ihren wetterfesten, zum Teil gefütterten und mit Öfen beheizbaren Zelten auch während der Feldzüge nicht an Bequemlichkeit. Durch zumeist senkrechte Wände boten sie ausreichend Platz. Die dichte Webart und das Aufbringen von Wachs machten den dicken Stoff wasserdicht. Eine zweite Stofflage im Inneren war oftmals kunstvoll bestickt“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 99. Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Hütten durch Raubbau in den Wäldern aus Brettern, Reiser, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh u. Laub, stabilisiert mit Spießen u. mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62, EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS (Hg.), 1636, S. 96f.  Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiziere u. den Hütten u. Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. In der spanischen Flandern-Armee hatte eine Baracke Platz für vier Personen mit zwei Betten. Daneben gab es eine Doppelbaracke für acht Personen mit vier Betten. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, dass sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, 2. Bd., S. 287, Anm.; LAHRKAMP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. War während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. v. Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- u. Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke u. verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ u. deren Frauen u. Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Vgl. auch den Brief des kurkölnische Fähnrichs Johann Christian Schneid(en) an seine Ehefrau; Wahrhaffter Abtruck / eines Cöllnischen Fewerrohr-Fähnrichs auß dem Läger bey Münster. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 97ff.; STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 77ff.

[96] Meile: 1 Meile = ca. 7,420 km, eine schwedische (auch große) wie auch westfälische große Meile wurde mit 10 km bzw. 10, 044 km gerechnet. In der Regel kein bestimmtes Maß, sondern eine Strecke, „die ein Fußgänger ohne Anstrengung in zwei Stunden zurücklegen“ konnte. HIRSCHFELDER, Herrschaftsordnung, S. 192.

[97] Schanze: geschlossenes, auf dem Feld angelegtes Erdwerk, zur Belagerung u. zur Verteidigung. Schanzgräber waren für die Anlage v. Belagerungs- u. Verteidigungswerken zuständige Arbeiter (Schanzbauern), die im Tross des Heeres mitzogen u. dem Schanzmeister unterstanden. Sie waren weitgehend verachtete Menschen, die in der sozialen Hierarchie der Heere nur wenig über den Prostituierten standen u. schlecht bezahlt wurden. Nach DILICH, Krieges-Schule, S. 42, hatte der Rumormeister „Huren und Buben“ zu dieser Arbeit zu zwingen. Auch verurteilte Straftäter wurden zu Schanzarbeiten herangezogen. Diese „Condemnatio ad opera publica“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Bürger u. Geistliche der besetzten Städte sowie Klosteruntertanen, die zu diesen Arbeiten zwangsverpflichtet bzw. dafür ausgelost wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig u. entzogen sich ihr durch die Flucht. Zum Teil wurden Kinder ab 12 Jahren zu dieser harten Arbeit eingesetzt, sogar ganze Schulklassen dazu getrieben. Vgl. auch die Beschreibung der Drangsalierung der Bürger Iglaus 1647 bei STERLY, Drangsale, S. 64f. Um seine eigenen Truppen zu schonen, zwang Johann v. Götz bei der Belagerung der Feste Marienberg (Würzburg) eine große Anzahl von Bauern der Umgebung, Schanzarbeiten zu verrichten, ‚vnd die Stücke, die Er mit Pferden nicht dahin bringen konnte, hinauffzuziehen: Worüber dan viele todt geblieben, vnd daher die Bauren aller orten sich häuffig absentiret vnd verlauffen‘ (CHEMNITZ, Königlich Schwedichen […] II, S. 581). Auch eingeflüchtete Bauern wurden zu diesen schweren Arbeiten gezwungen. Im schwedischen Heer wurden dazu bevorzugt die ohnehin sozial deklassierten Finnen eingesetzt (vgl. auch TOEPPEN, Hoppes Chronik, S. 77). Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen. Im 17. Jahrhundert wurden zunehmend auch Soldaten durch die Aufnahme der Schanzpflicht in die Artikelbriefe für Schanzarbeiten herangezogen; ein Versuch der Fürsten, ein bisher ungenutztes Reservoir an billigen Arbeitskräften zu erschließen, eine Reaktion auf die neuen militärischen Erfordernisse (Belagerungs- und Grabenkrieg, Ausbreitung der Festungen) und Ausdruck des fürstlichen Willens, die Soldaten körperlich, geistig u. sittlich zu disziplinieren (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 138, 255). Bei den Schweden wurden bevorzugt Finnen zu diesen schweren Arbeiten herangezogen. Aus Iglau wird unter 1647 berichtet, wie der schwedische Kommandant Österling die nur noch 299 (v. ehemals 13.000) Einwohner fassende Stadt während der Belagerung durch die Kaiserlichen zur Schanzarbeit trieb;  STERLY, Drangsale, S. 64f.: „In das kaiserliche Lager langte immer mehr und mehr schweres Geschütz an; als dieses der Kommandant erfuhr; ließ er er voll Grimm die Einwohner wie das mit aller Gewalt auf die Schanzarbeit treiben, und erließ das strengste Verboth, daß außer dieser Arbeit sich keine Manns- noch Weibsperson sehen lasse. Was war dieses für ein Trübsal unter den armen Bürgern ! dieselben hatten ihren geringen Vorrath an den nothwendigsten Lebensmitteln bereits aufgezehrt, und konnten sich bei dem bestehenden strengsten Verbothe, nicht auszugehen, keine andere beischaffen; vom Hunger und Durst gequält, und daher ganz erschöpft, mussten sie sich dennoch den schwersten Arbeiten unterziehen. Der Kommandant war taub gegen alles Bitten und Flehen; verlangten einige die Erlaubniß, sich aus der Stadt zu entfernen, so ließ er sie in den Zwinger einschließen, ihnen des Tags ein bischen Brot und ein wenig Wasser reichen, dafür aber unter Schlägen zur Arbeit anhalten. Als der Kommandant die Deserzion zweier seiner Leute am vorhergehenden Tage erfuhr, und besorgte, daß Mehrere diesem Beispiele folgen dürften, so ließ er den Arbeitenden Fußeisen anlegen“. Augsburg 1632; STETTEN, Geschichte 2. Bd., S. 211: „Den 14. Septembris ließ der Gouverneur Oxenstirn [Bengt Bengtson Freiherr v. Oxenstierna; BW] etliche Bischöfliche, Capitlische und Fuggerische Beamte und Vögte, so ihre Unterthanen bey der Schantz-Arbeit zu erscheinen nicht angehalten hatten, zur Straffe durch den Profosen etliche mal um das höltzerne Roß oder Esel herumführen“. Fehlte es auf Grund von grassierender Pest an zwangsverpflichteten Bürgern, mussten auch Soldatenfrauen Schanzarbeiten leisten. Zur Schanze vgl. auch STUHR, Die Schanze.

[98] Melchior v. Kriechbaum [Kriegbaum, Krigbaum, Krichbaum] [ -März 1639 in Wien enthauptet], schwedischer Obrist.

[99] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5-19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis. Halbe Kartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. „Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite v. 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen v. gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen v. Brand- u. Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[100] Batterie: Geschütze wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen nannte man Batterie. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, dass man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete u. zwei kleinere Batterien im Winkel v. ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER]

[101] proportionierten: angemessenen.

[102] Johann Friedrich v. Schleswig-Holstein-Gottorf [1.9.1579 Gottorf-3.9.1634 Altkloster], Erzbischof v. Bremen, Fürstbischof v. Lübeck u. Bischof v. Verden.

[103] Wolfenbüttel [LK Wolfenbüttel]; HHSD II, S. 503ff.

[104] Neustadt am Rübenberge [Region Hannover]; HHSD II, S. 343ff. Vgl. REESE bzw. WINKEL.

[105] Friedrich Ulrich Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel [5.4.1591 Wolfenbüttel-11.8.1634 Braunschweig].

[106] Philipp Theodor Graf v. Waldeck-Eisenberg [Waldecker] [2.11.1614 Arolsen-17.12.1645], kaiserlicher Obrist. [Abb. Stein10]

[107] Johann v. der Horst [ -8.1.1649], kurbayerischer Generalwachtmeister.

[108] Christian Pflug [ – ], ligistischer Kriegskommissar.

[109] Viktualien: Lebensmittel; das zum Lebensunterhalt Erforderliche, was auch für Einquartierungen galt. Aus der Verpflegungsordnung Tillys vom 16.10.1623 geht hervor, welche Mengen an Nahrungsmitteln in den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt bzw. durch Zahlungen (als Teil des Soldes, der nicht oder nur in großen Abständen eintraf) abgelöst werden mussten. So hatte bereits ein Rittmeister samt Anhang pro Tag Anspruch auf vier Maß Wein, zwanzig Maß Bier, zwanzig Pfd. Brot, zwölf Pfd. Fleisch, zwei Hennen u. ein halbes Schaf – dazu kamen die üblichen Extravaganzen, die aus weit entfernten Orten geholt wurden – , was natürlich auch für seine Dienerschaft berechnet war. So forderte der Obristleutnant Christian Vitzthum v. Eckstädt [um 1586-1652] im Februar 1627 wöchentlich v. Stolberg; ZEITFUCHS, Stolberg, S. 273: „1. Korb Rosinen grosse und kleine. 2. Hüte des besten Zuckers. 6. Pfund Mandeln. 2. Pfund Ingber 1. Pfund Pfeffer (ganz) Ein halb Pfund Nägelein [Gewürznelken]. Ein viertel Pfund Saffran. 1. Pfund ganzer Zimmet. 1. Pfund Muscaten-Blumen. Ein viertel Pfund Muscaten-Nüsse. Von allerley Confect und eingemachten Sachen / so viel dessen wöchentlich von nöthen sey. 1. Schock Pommeranzen und Citronen. 3. Pfund Parmesan Kese. 4 Fäßgen rothe Rüben. 1. Fäßgen Gurcken / Capren / und 1. Fäßgen Oliven. 1. Fäßgen Limonien und eins Pommeranzen-Schalen. 1. Fäßgen eingemachten Ingber. Ein halber geräucherter Lachs. Ein halber grüner Lachs. 20. Pfund Stockfisch. 8. Pfund geräucherter Ahl. 6. Pfund dürre Forellen. 1. Viertel Centner Ungarische Pflaumen. 5. Pfund Reiß. 4. Pfund Hiersen beneben der Milch dazu vonnöthen 60. Pfund Butter samt 4. Schock Käse. Ein halb gut wohl gemästetes Rind. 3. Kälber. 4. Läm̃er. 8. Hüner. So viel grüne Fische / als man wöchentlich bedarff. 2. Faß Bier. 1. Faß Breyhan. Ein Eymer des besten Rheinischen Weins. 1. Stein Lichte. 1. Scheffel Saltz. 12. Scheffel Hafer alle Tage auf 14. Pferde / auch Heu und Streu / so viel man von nöthen. 1. Maaß Kirchmuß und 1. Zwiselber Muß. 2. Schock Aepfel / wie auch grosse und kleine Nüsse. Weiß und schwarz Brodt / so viel die Woche aufgeht“. Zu den ungewöhnlicheren Süßwaren zählte „manus christi“ („Hand Christi“), der man Heilwirkung nachsagte u. v. Naumburg 1632 für Gustav II. Adolf beschafft werden musste; BORKOWSKY, Schweden, S. 47. Dabei handelte es sich dabei meist um eine Stange gekochten Zuckers, die mit Veilchen, Zimt oder Rosenwasser gewürzt war. Häufig enthielten diese bonbonähnlichen Stangen auch Blattgold. Nach anderen Rezepturen war es ein besonderer Sirup. Ein Berittener oder Knecht in der Musterung hatte immerhin noch zwei Pfd. Fleisch, drei Pfd. Brot, eine Maß Wein u. drei Maß Bier zu fordern – drei bis fünf Maß Bier je nach Geschlecht pro Tag galten auch sonst als üblich – , was zur raschen Auszehrung einer Landschaft führte, zumal die eingeforderten Naturalabgaben im Laufe der Zeit noch weiter anstiegen u. v. Jahr zu Jahr neue Verpflegungssätze erforderten [KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopädie, Bd. 220: „Victualien“].

[110] Kraut und Lot: Pulver u. Blei. Kräuter, z. B. Wolfskraut, wurden als Beigabe zum Schießpulver verwendet, da sie als Zaubermittel galten, um eine bessere Wirkung des Kanonen- oder Gewehrschusses zu erreichen. Daher stammt auch die Bezeichnung des Pulvers als „Büchsenkraut“ oder „Zündkraut“. – Lot: hier als Gewicht für die Bleikugel.

[111] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie u. Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis u. die Fourage mussten v. der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden u. waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger u. Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[112] CHEMNITZ, Königlichen Schwedischen […] Kriegs Ander Theil, S. 550f.

[113] Diffidenz: Misstrauen, Zweifel.

[114] Generalmajor [schwed. generalmajor, dän. generalmajor, tschech. generalmájor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen, bayerischen, dänischen u. schwedischen Armee wahr. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen u. dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen u. dem Feldmarschallleutnant.

[115] Claus Dietrich Freiherr v. Sperreuter [Sperreut, Stierreuth] [um 1600 Walsrode-9./20.1.1653 Innsbruck], schwedischer, dann kaiserlicher Obrist, ab 1646 venetianischer Generalmajor. Vgl. LEISTIKOW, Sperreuter.

[116] Generalleutnant [schwed. generallöjtnant, dän. generalløjtnant]: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn u. war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen u. schwedischen Armee der höchste Befehlshaber u. Stellvertreter des Kaisers u. des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen u. militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. 1625 wurde er mit 908 Rt. monatlich in der dänischen Armee besoldet; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Als Rekompens erhielt er in der kaiserlichen u. kurbayerischen Armee für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung v. Adligen u. Absetzung v. Territorialherrn in den besetzten Gebieten u. lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare u. die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[117] Thilo Albrecht v. Uslar [13.12.1586 Wake-14./24.10.1634 vor Minden], braunschweigisch-lüneburgischer Generalleutnant.

[118] Georg Ernst Wurmb [Wurm, Worm] [24.08.1590 Nordhausen-13.12.1645], braunschweig-lüneburgischer Obrist.

[119] Köln; HHSD III, S. 403ff.

[120] Approchen: Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung v. Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbes s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden v. den zu den ingenieurtechnischen Truppen gehörenden Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z.B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. Bei mittelalterlichen Burgbelagerungen wurden Sappen häufig eingesetzt, um das Mauerwerk der belagerten Festung aufzubrechen und die Mauer so weit auszuhöhlen, dass sie, evtl. durch Verbrennen des Stützgebälks, zum Einsturz gebracht werden konnte. Die Approchen bestanden aus einem Graben von etwa 2,5 m Sohlenbreite u. etwa 1,25 m Tiefe, der bis zur 3. Parallele im Zickzack geführt auf der der Festung zugekehrten Seite mit einer etwa 1 m hohen Erdschüttung versehen war. Die einzelnen Approchenzüge legte man vor den einspringenden Winkeln der Festungswerke an und führte die einzelnen Schläge so, dass ihre Verlängerung mindestens 50 m vor dem weitest vorspringenden Festungswerk vorbeischlug. Jeder vorwärtige Schlag wurde bogenförmig über den rückwärtig hinaus nach hinten verlängert, was man Haken oder Crochet nannte. Diese Haken dienten als Ausweichstellen u. der Aufstellung kleinerer Wachposten. Die zickzackförmigen Approchen wurden als einzelne Sappen ausgeführt. In geringerer Entfernung zur Festung, etwa v. der zweiten Parallele an, kam die vom Sappeur mit Wälzkorb u. sonstigem Hilfsgerät auszuführende völlige Sappe, später (ab etwa 1870) die einfache Erdwalze zur Anwendung. In nächster Nähe zur Festung, etwa vom Fuß des Glacis ab, hätten die Zickzacks allzu spitzwinklig werden müssen, um gegen bestreichendes Feuer geschützt zu sein. Man ging deshalb auf dieser Strecke v. der Anwendung der Zickzacks ab u. führte hier die Approchen derartig in gerader Richtung auf die Saillants der Angriffsfront weiter, dass sie durch Traversierung (Traversensappe, Würfelsappe) gegen bestreichendes Feuer geschützt wurden. Die Anlage v. Approchen seitens der Angreifer wurde v. den Verteidigern durch die langjährige Anpflanzung von tiefwurzelnden Pflanzen auf dem Glacis der Festung erschwert [Wikipedia].

[121] Muskete [schwed. musköt, dän. musket]: I. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel u. den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln u. legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) u. die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen haben sich angeblich förmlich überschlagen. Je nach Entfernung hatten jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Im Nahkampf wurde auch Schrot verwendet. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 544ff. Eine einfache Muskete mit Forquette (Stützgabel), Bandelier u Kugelform kostete etwa 3 ¼ fl., die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge v. 102 cm und wog etwa 4,5-4,7 kg bei einem Kaliber v. zumeist 19,7 mm [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm]. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- u. Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten u. Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Bis 220 Meter konnte man noch unter günstigen Voraussetzungen eine Trefferquote von 25 % erzielen. ENGERISSER, Von Kronach, S. 552: „Ab ca. 200 m Entfernung waren Musketenschüsse unter normalen Feldbedingungen gegen gepanzerte Soldaten praktisch ohne Effekt und ab 300 m verursachten sie gegen Ungepanzerte auch nur noch Prellschüsse. Die maximalen Schussweiten mit einer gut passenden und verdämmten Kugel lagen bei 350-400 m, d. h. nach spätestens 400 m senkte sich eine waagrecht abgeschossene Kugel in den Boden“. Vgl. „Luntenschloßmuskete, Suhl um 1630“. Online verfügbar unter: engerisser.de/Bewaffnung/Luntenschlossmuskete.html. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung v. maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. II. Es gab auch Jagdmusketen mit kleinem Kaliber u. langem Lauf, die v. Scharfschützen verwendet wurden. Zum Teil machte man aus Unberittenen Dragoner, indem man ihnen Musketen gab. SCHWARTZ, Die Neumark, S. 52. Der Preis für eine Muskete lag je nach Qualität zwischen 4 u. 6 Rt., also zwischen 6 u. 9 fl.

[122] Chemnitz meint hier wahrscheinlich Scharfschützen mit speziellen Gewehren, kleinkalibrigen Waffen mit 8 bis 10 mm Kaliber, während die Muskete in der Regel 19 mm Kaliber hatte, mit langem Lauf, um die Treffsicherheit zu erhöhen. Auch mit gezogenen Vogelbüchsen erzielten Bürger bei Belagerungen gute „Erfolge“. STEIGE, Bolkenhainische Denkwürdigkeiten, S. 231. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.

[123] Bresche, Breche, brescia, bresica: durch Geschützfeuer erreichte Sturmlücke in der Stadtmauer oder auch in einer Verschanzung. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, dass man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete u. zwei kleinere Batterien im Winkel v. ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER]

[124] Sturmlauf: heftiger, schnell vorgetragener Angriff mit dem Ziel, den [völlig unvorbereiteten] Gegner zu überraschen, seine Verteidigung zu durchbrechen. Zum Teil wurden für die Erstersteigung der Mauern oder des ersten Eindringens in die Stadt, Festung etc. Geldprämien bis zu 1000 Rt., die „erste Beute“ – der erste Eindringende durfte sich das vermeintlich beste Haus zur Plünderung aussuchen – oder Rangerhöhungen (so etwa bei der Erstürmung Frankfurts a. d. Oder 1631), v. den Offizieren ausgesetzt worden. Die Sturmkolonnen sollten Wälle oder Festungen auf Sturmleitern ersteigen, sich dort festsetzen u. das Tor v. innen öffnen, um den nachrückenden Soldaten den Weg frei zu machen. Teilweise wurde allerdings auch Branntwein ausgeschenkt, um die Angst zu betäuben, oder es wurden Gefangene bei allen Armeen als Schutzschilder vor der ersten Sturmreihe vorangetrieben; vgl. die Aussagen eines Untergesteckten (1634) => Gottmann, Peter in den „Miniaturen“; GAIER; SCHÜRLE; PRAßER, Schwabenspiegel 3. Bd., S. 80. Zum Teil wurden die zögernden Soldaten, wenn einer ihrer Anführer fiel, v. anderen Offizieren geschlagen oder gar getötet (Freiberg 1639); BENSELER, Geschichte Freibergs, S. 968: „Als dieß nun die Andern, welche nachdrangen und sich gleichfalls zum Sturme anschickten, sahen, wollten sie nicht weiter, ob sie schon von ihren Offizieren mit bloßen Degen heftig angetrieben und einige sogar erstochen wurden, sondern warfen die Musketen und andere Gewehre weg und flohen, wobei die in der Stadt gar manchen noch erreichten und mit ihren kurzen Wehren, Schlachtschwertern und Morgensternen tödteten“.

[125] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen u. Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung v. Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung v. Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen erwarteten je nach Lage der Dinge meist einen ehrenvollen Abzug u. zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Auch wurde festgelegt, z. B. 1634 Landsberg/Warthe beim Abzug der kaiserlichen Garnison; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 196: „Ingleichen sollen sie vor- vnd bey dem Abzug einigen Einwohner / Bürger vnnd Schutzverwandten / er sey Geist- oder Weltlich / im geringsten nicht beleydigen / vielmehr aber / was jedweder Officierer vnnd Soldat der Burgerschafft schuldig / so entlehnet / oder mit Gewalt abgenommen / vorm Abzug richtig bezahlen“. Überläufer waren in der Regel vom Abzug ausgenommen. Vgl. auch die genauen Bestimmungen im Akkord v. Dömitz (26.12.1631; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 497ff.). Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden, z. B.. wegen der Undiszipliniertheit ihrer Truppen oder weil die Abziehenden gegen den Akkord verstießen, nicht eingehalten. CHEMNITZ über durch Wallenstein gewährten Akkord für die Besatzung v. Glogau (1633), Königlichen Schwedischen [ …] Krieg, 1. Buch, 60. Kap., S. 273: „Schrieten also die / darin gelegene / hohe Officirer zum accord / Den der Hertzog von Friedland / mit sack vnd pack / brennenden lunten / fliegenden Fähnlein auszumachiren / vnd gerade auf Landsberg begleitet zu werden / bewilliget / doch schlecht gehalten, in deme Er sie bald vor / bald hinter sich zurücke geführet / dadurch den Soldaten abgemattet / vnd dergestalt schwierig gemacht / das letztlich erst im WinterMonat fast weinig vnd ohngefehr dreyhundert mann davon in Pommern überkommen“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger unter dem 3.12.1634; BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 233: „Und seind disen tag uf dem Asperg ankommen 3. Stuckh Officiers, ein Leutenant, Fendrich und Corporal, welche von dem Tubadelischen [Georg Christoph v. Taupadel; BW] Volckh, so von Schorndorff außgezogen [25.11. war Schorndorf gefallen; BW], entrunnen, dann ihnen die kaiserische den accord nit gehalten, Sie betrüglicher weiß 6. Tag umbgefüert, hernacher erst gezwungen sich underzustellen, oder sollten nidergemacht werden: Und seind alle Officier dabey gefangen genommen worden“.

[126] Immunität: Schutz vor Strafen.

[127] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“.

[128] eximiert: ausgenommen, befreit.

[129] Werner [Wennemar] Freiherr v. Merode [Meroda, Marode] zu Schloßberg [ -1648], schwedischer Obrist.

[130] Abzug, ehrenvoller: Gemeint ist „mit Sack und Pack, klingendem Spiel, brennenden Lunten, Kugeln im Mund“; HELLER, Rothenburg, S. 180, Anm. ***: „Diese Zugeständnisse waren die höchsten militärischen Ehren, welche einer abziehenden Besatzung eingeräumt wurden. Zu größerer Feuerbereitschaft führten die Musketiere im Gefecht für die nächsten Schüsse die Kugeln im Mund; auch ließ man die Lunten an  b e i d e n  Enden brennen, um, wenn der Brand beim Aufdrücken auf die Zündpfanne verlöschen sollte, noch feuerbereit zu sein. Eine Erschwerung der Bedingungen für abziehende Truppen waren: Abgelöschte Lunten, später, nach Einführung der Radschlösser, abgeschraubte Steine“. Ergänzt wird das meist „mit fliegenden Fahnen, Ober- und Untergewehr“ u. Bagage. Allerdings wurde auch diese Vereinbarung, z. T. aus vorgeschobenen Gründen, nicht immer eingehalten.

[131] Johann ‘t Serclaes Graf v. Tilly [Feb. 1559 Schloss Tilly, Gemeinde Villers-la-Ville/Villers; Herzogtum Brabant-30.4.1632 Ingolstadt], ligistischer Feldmarschall. Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[132] Consilia: Beratungen.

[133] Feuermörser, Mortier: Steilfeuergeschütz, dessen Rohre aus geschmiedeten Schienen bestanden, die, wie bei einem hölzernen Fass, durch eiserne Reifen zusammen galten wurden. Bei einem Kaliber v. bis zu einem Meter Durchmesser waren die Feuermörser bis zu 2, 50 m lang u. wurden vor dem Abschuss in die Erde eingegraben. Ihre Stahlkugeln hatten eine sehr steile Flugbahn, man konnte mit ihnen also hinter Mauern schießen. Sie dienten auch zum Werfen v. Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) u. mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll). Nach Pflummerns Aufzeichnungen konnte man mit ihnen Kugeln v. 100 Pfund u. mehr werfen; SEMLER, Tagebücher, S. 68. Vgl. auch die Abbildung bei FREYTAG, Der Dreißigjährige Krieg 1. Bd., S. 89.

[134] Silberwagen: Wagen der Offiziere, auf dem ihr silbernes oder versilbertes Tafelgeschirr und ihre Beute transportiert wurde.

[135] Preis machen: erbeuten.

[136] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung v. Festungen u. Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. JANSSEN, Bellum iustum, S. 137: „Sei der Krieg als Mittel zur Erhaltung der Gerechtigkeit unter den Menschen gestattet, so sei auch das Beutemachen in einem gerechten Krieg als ein legitimes Mittel, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen oder von der Führung eines ungerechten Krieges abzuschrecken, gerechtfertigt. Daß dem Feind alle Güter, die ihm zur Schädigung der gerechten Sache dienen, entwendet werden dürften, liegt, so Grotius, auf der Hand. Des weiteren gäbe es drei schwerwiegende Gründe, aus denen es gerecht erscheine, die Güter des Feindes in Besitz zu nehmen. 1. Als Ausgleich für die Güter, die der gegner sich entweder vor oder während des Krieges widerrechtlich angeeignet hat; 2. Als Entschädigung für die Kriegskosten, die dem gerecht Kriegführenden entstanden sind; 3. Als abschreckende Strafe für den Übeltäter. Sich den Besitz des ungerechten Feindes aus Habgier anzueignen, sei jedoch nicht zulässig. Der gerechte Krieg rechtfertige nicht die Plünderung des Gegners“. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen u. Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames u. ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. v. Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“ Auch eigene Einheiten fielen über andere Einheiten her, um sie auszuplündern, wie etwa 1634 in Leipheim; BROY, Leipheim, S. 146f.

[137] CHEMNITZ, Königl. Schwedischer […] Kriegs Ander Theil, S. 550f.

[138] Rinteln [LK Schaumburg]; HHSD II, S. 395f. Vgl. STÜNKEL, Rinteln.

[139] STÜNKEL, Rinteln, S. 37.

[140] John Forbes, Baron de Puittachie [ -1638 bei Hagenburg], schwedischer Obristleutnant. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 4332.

[141] Anton [„Curd“, „Cord“] Meier [Meyer] [ – ], braunschweig-lüneburgischer, dann schwedischer Obrist.

[142] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon, tschech. dragoun]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel v. Reitern u. Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen u. zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd u. eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung u. Deckung v. Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- u. Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll sogar zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[143] Wolf v. Glaubitz [Glowitz, Globitz] auf Kasel [ – ], braunschweigischer, dann schwedischer Obrist.

[144] Wilhelm v. Wendt zu Crassenstein [Kratzenstein, Cratzenstein] [13.3.1603 Diestedde-15.3.1644 Nienburg], hessen-kasselischer, dann schwedischer Generalmajor.

[145] Christoph Heinrich v. der Goltz [1.1.1600 Klein Mellen-9.9.1643 Damitz], schwedischer Obrist. Vgl. die Erwähnungen bei mdsz.thulb.uni-jena.de/anhang/person_gesamt.php; SCHWARTZ, Neumark; BERG, Regulating war, S. 60f.

[146] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.

[147] Friedrich Freiherr v. Zabeltitz [Zabellitz, Zebeltitz, Sabalitz, Sabeiditz, Sabblowitz, Gabeltitz, Jabeltz, Rabeltitz, Zabelditzky] u. Topper [20.3.1595 Topper-13.12.1643 Minden], schwedischer Obrist, Generalmajor.

[148] Anton Brunnecker [Brunacher, Brunneck, Brünneck, Breunecker, Brünecker, Brauneck, Braunegk, Bruncker, Buncker, Brunecker, Brennekenki, Braurock, „Grünecker“] [ – ], braunschweig-lüneburgischer, dann schwedischer Obrist.

[149] Alexander Leslie [Lesley, Lesle, Lessle, Leßle, Lassle, Letzle, Lasle, Lesly, Laslay], 1st earl of Leven [um 1580-4.4.1661 Balgonie, Fife], schwedischer Feldmarschall. MURDOCH, SSNE ID: 1; dort auch weiterführende Literatur; McANDREW, Scotland’s Historical Heraldry, S. 513ff.; TERRY, The Life; MURDOCH; GROSJEAN, Alexander Leslie; BACKHAUS (Hg.), Brev-II.

[150] Entreprise: Unternehmen, Unterfangen.

[151] 29.6. (a. St.).

[152] Hoya [LK Nienburg/Weser]; HHSD II, S. 245ff.

[153] CHEMNITZ, Königl. Schwedischer […] Kriegs Ander Theil, S. 730.

[154] Friedrich v. Meerettig [Merrettig, Meretig, Merredich, Merrettich, Marettich, Maretti] [1584-13.1.1633 Grimma], braunschweig-lüneburgischer, dann schwedischer Obrist.

[155] MANKELL, Uppgifter, S. 217.

[156] „armée volante“: Der Söldnerführer Ernst v. Mansfeld hatte gelegentlich große Teile seines Fußvolkes mit Tross- oder Beutepferden beritten gemacht, um an Mobilität zu gewinnen; schon zu seiner Zeit nannte man dies eine „armée volante“. Darunter verstand man schnelle Dragoner-Einheiten. „corps volante“: eine sehr bewegliche Reitereinheit für überraschende Raids im Feindesland, wie sie vor allem Königsmarck zugeschrieben wird.

[157] MANKELL, Uppgifter, S. 218.

[158] Stade; HHSD II, S. 432ff.

[159] Carl [Caroll] Andeflycht [Gregersson, Gregersen, Gregersohn, Gregors Sohn, Gragersohn, Kregersohn, Georgessohn, Gresersschon] [ – ], schwedischer Generalkriegskommissar. Vgl. BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[160] Cammerier: Kammermeister: (höherer) fürstlicher Bediensteter einer Finanzverwaltung, hervorgegangen aus dem Vorsteher einer Kammer; vereinzelt auch zu persönlichen Diensten herangezogen. Der Landeskämmerer war in einigen Gegenden eine obrigkeitliche Person, die für die herrschaftlichen Einnahmen einer ganzen Provinz verantwortlich war.

[161] Reichskreis, Niedersächsischer: Der 1512 gebildete Reichskreis umfasste die Gebiete zwischen Weser, Harz u. Elbe einschließlich Magdeburgs, Mecklenburgs u. Holsteins. Kreisausschreibende Fürsten waren die Erzbischöfe v. Magdeburg u. der Herzog v. Braunschweig-Lüneburg. Die wichtigsten Mitglieder waren das Erzstift Magdeburg (seit 1648 Brandenburg), Erzstift Bremen, Lüneburg, Grubenhagen, Calenberg-Göttingen, Wolfenbüttel, Hochstift Halberstadt mit Grafschaft Regenstein (seit 1648 Brandenburg), Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Güstrow, Hochstift Schwerin (Mecklenburg-Schwerin), Holstein-Glückstadt (Dänemark), Holstein-Gottorp (Dänemark), Grafschaft Rantzau (Dänemark), Hochstift Hildesheim u. die Reichsstädte Bremen, Goslar, Hamburg, Lübeck, Mühlhausen u. Nordhausen.

[162] Reichskreis, Niederrheinisch-westfälischer: Zumeist nur Westfälischer Reichskreis genannt, 1500 geschaffen, umfasste die Gebiete zwischen der Weser u. der späteren Grenze der Niederlande, in dem Teile des zum kurrheinischen Reichskreis gehörigen Erzstifts Köln lagen. Kreisausschreibender Reichsstand war seit Beginn des 17. Jahrhunderts der Bischof v. Münster, der das Amt nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit mit Brandenburg u. Pfalz-Neuburg teilen musste. Vgl. Reichskreis.

[163] Christina Königin v. Schweden [17.12.1626 Stockholm-19.4.1689 Rom]. Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden; BUCKLEY, Christina; HEYDEN-RYNSCH, Christina von Schweden. OPITZ, Hausmutter und Landesfürstin, S. 366f.: „Sie wurde wegen ihres ausgesprochen männlichen Kleidungs- und Lebensstil berühmt und galt den Zeitgenossen als lebendes Beispiel für die virilen Tugenden hochgeborener Frauen. Erst sechs Jahre alt war sie gewesen, als ihr Vater Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen fiel. Schon ein halbes Jahr später hatte sie der schwedische Reichstag zur Königin erklärt und ihr offiziell gehuldigt. Die Regentschaft für die Minderjährige führte der Reichskanzler Axel Oxenstierna. Christine selbst wurde in einer Weise auf die Regierungsübernahme vorbereitet, wie sie sonst nur für männliche Thronfolger üblich war. Bald beherrschte sie mehrere Fremdsprachen, las und sprach mühelos Latein und besaß umfassende Kenntnisse der antiken wie der modernen europäischen Literatur, Philosophie und Geschichte. In den Belangen der Regierung und des Staatswesens unterrichtete sie der Reichskanzler selbst, der sie auch über den Zustand des Landes und die täglichen politischen Fragen auf dem laufen hielt. Christine lernte mit Begeisterung und Selbstdisziplin, vernachlässigte Schlaf, Essen und Körperpflege, die sie wie andere »weibliche« Interessen und Beschäftigungen geringschätzte. Schon mit 16 Jahren nahm sie regelmäßig an den Sitzungen des Reichsrates teil, der nichts ohne ihr Wissen entschied. 1644 leistete sie den Eid als Königin von Schweden und übernahm dann die Regierungsgewalt. Christines Auftreten und Sachkenntnis gaben ihr Autorität im eigenen Land, erregten aber auch international Aufsehen – zumal sie fast berüchtigt war für ihre soldatisch-männliche Lebensführung und ihre »unweibliche« wissenschaftliche Neugierde, die sie in Korrespondenz und Austausch mit berühmten Gelehrten und Philosophen zu befriedigen suchte. Mit Leidenschaft und großem finanziellen Aufwand ließ sie aus anderen Ländern Kunstschätze, Bücher und wertvolle alte Handschriften zusammentragen, ihre Sammlung war eine der reichsten in ganz Europa. Sie scheute nicht vor Krieg und Raub zurück, wenn sie sich etwas aneignen wollte: Noch unmittelbar vor Beendigung des Dreißigjährigen Krieges besetzte die schwedische Armee Prag – und es scheint, daß der militärisch unmotivierte Feldzug allein der kaiserlich-rudolfinischen Kunstsammlung gegolten habe, die dort aufbewahrt wurde“.

[164] „Drei Kronen“: Die „Drei Kronen“ waren die der Schweden, Goten u. Wenden, als deren Herrscher sich die schwedischen Könige bezeichneten. Auch Dänemark beanspruchte die „Drei Kronen“ als Herrschaftsanspruch über die drei skandinavischen Königreiche (Dänemark, Schweden, Norwegen) seit der Union v. Kalmar (1397) für sich. Zudem führte auch Christina in der Titulatur „Großfürstin v. Finnland, Herzogin zu Estland u. Karelien, Fräulein über Ingermanland“.

[165] Prager Frieden: Der in Folge der schwedischen Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen (5./6.9.1634) vereinbarte Prager Frieden zwischen Johann Georg I. v. Sachsen u. Ferdinand II. wurde am 30.5.1635 unterzeichnet. Bei diesem Friedensschluss, dem fast alle protestantischen Reichsstände beitraten, verzichtete der Kaiser auf seinen Anspruch, den Augsburger Religionsfrieden v. 1555 allein zu interpretieren u. damit das Restitutionsedikt v. 1629 durchzuführen. Ergebnis war eine begrenzte Festschreibung des konfessionellen Status quo. Weitere Ergebnisse waren: die Festschreibung der Translation der pfälzischen Kurwürde auf Bayern, der Ansprüche Sachsens auf die Lausitz u. die Bildung eines Reichsheers (wobei Johann Georg I. v. Sachsen u. Maximilian I. v. Bayern eigene Korps führen ließen, die als Teil der Reichsarmee galten). Die bestehenden Bündnisse waren aufzulösen, fremde Mächte sollten den Reichsboden verlassen, etwaige Ansprüche auf den Ersatz der Kriegskosten seit 1630 wurden aufgehoben, eine allgemeine Amnestie sollte in Kraft treten. Zudem kann der Prager Frieden als einer der letzten kaiserlichen Versuche betrachtet werden, ein monarchisches System im Reich durchzusetzen. Maßgebliches Mittel dazu war die sogenannte Prager Heeresreform, mit der der Kaiser den Versuch unternahm, nahezu alle reichsständischen Truppen unter seinen Oberbefehl zu stellen u. zugleich den Ständen die Finanzierung dieses Reichsheeres aufzuerlegen. Diese Vorstellungen ließen sich ebenso wenig verwirklichen wie das Ziel, durch die Vertreibung der ausländischen Mächte Frankreich und Schweden zu einem Frieden im Heiligen Römischen Reich zu gelangen. Vgl. die Einschätzung des Pfarrers Bötzinger, Leben und Leiden, S. 33f.: „Mitten in unsere Not drang das Gerede von einem Frieden, der zu Prag geschlossen sein sollte. da hielten wir die Nase hoch und schnupperten, wo der Wind wohl in der Zukunft herwehen werde. Die Bauern richteten sich wieder etwas gerade, maßen die Felder aus und bekümmerten sich um das Vieh. In den Städten räumte man die Brandplätze auf, besserte die Mauern aus und sah die Tore und Wachtürme nach. Meine Ursel nahm die Kinder, legte ihnen die Hände ineinander und sagte ihnen etwas Schönes vom lieben Gott und seiner großen Vatergüte, und ich schlug die Bibel auf und strich mir alle Stellen an, in denen von Friede, Freude und Einigkeit die Rede war. Indessen stellte sich gar bald heraus, daß alles Lug und Trug gewesen war, was man geredet hatte, und daß an Durchmärschen und Einquartierungen mit ihren Greueln und Grausamkeiten noch kein Ende abzusehen war“. Auch HAPPE schätzte den Prager Frieden zu Recht als trügerisch ein; Happe I 396 v – 397 r, mdsz.thulb.uni-jena.de; vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik, S. 87. Zur Forschungslage vgl. KAISER, Prager Frieden.

[166] arriviret: angekommen.

[167] Vorfang: vorgreifende Maßnahme, Maßregel.

[168] Bremen; HHSD II, S. 69ff.

[169] bas: besser.

[170] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. 1614 Offizier unter Gustav II. Adolf v. Schweden, 1620 Beförderung zum Hauptmann, 1621 zum Obristen, 1623 zum Generalmajor, 1630 zum Generalleutnant, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1632 Übernahme des Oberbefehls in Süddeutschland, 1633 Beförderung zum schwedischen Feldmarschall u. Übernahme des Oberbefehls über die in Schlesien stehenden Truppen. Nach der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 Bruch mit Sachsen, Zurückdrängung seiner Armee nach Norden, am 4.10.1636 Sieg bei Wittstock über kaiserlich-sächsische Truppen unter Melchior v. Hatzfeldt, Eroberung Erfurts u. Belagerung Leipzigs, nach Verstärkung seines Heeres durch Truppenkontingente des verstorbenen Bernhards v. Sachsen-Weimar 1640/1641 vergeblicher Vorstoß auf Regensburg, anschließend Rückzug nach Böhmen u. Sachsen. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[171] Artillerage: das zur Artillerie nötige Zubehör. => Artillerie.

[172] Alexander [v.] Erskein [Esken, Eske, Erskeine, Eßkhen, Eschen] [31.1.1598 Greifswald-27.7.1656 Zamość], schwedischer Kriegsrat, Resident. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=15450. Sohn eines nach Pommern ausgewanderten schottischen Kaufmanns. Nach den Studien unter anderem in Wittenberg (1617), Leipzig, Jena u. Rostock (1623) nahm er Dienste bei Sophia v. Dänemark, der Mutter Christians IV. v. Dänemark, den er jedoch aus gesundheitlichen Gründen wieder aufgab. In Stralsund beriet er auf Wunsch Gustav II. Adolfs den schwedischen Obristen Fritz Petrowitz Rosladin während der Belagerung der Stadt. Zwischen 1628 u. 1630 fungierte er als Vertreter Schwedens und Assistenzrat in Stralsund, ab 1632 als Kriegsrat sowie Resident in Erfurt u. zuständig für ganz Thüringen. Vgl. die Erwähnungen bei PETER, Eisenach. Er spielte eine entscheidende Rolle in den Verhandlungen Schwedens mit dem eigenwilligen Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar, den auch Frankreich auf seine Seite zu ziehen hoffte u. den gerade die schwedische Generalität, vor allem Banér, für nicht besonders geeignet hielt. Reichskanzler Oxenstierna bestätigte ihn in seinen Funktionen im Februar 1633. 1634 war er Kriegsrat der schwedischen Hauptarmee im Reich u. Resident in Thüringen. Zudem betrieb er nach eigener Aussage planmäßig Archivraub, wie der bei Johan Oxenstierna tätig gewesene Prediger Schupp berichtet: „Der Raub, den ich in Teutschland gethan habe, ist ein Briefe-Raub. Wann wir mit der Armee an einem Ort, sonderlich in ein Kloster, oder Jesuiter-Collegium kamen, habe ich alsobald geeilet nach dem Archiv zu, und habe alle Brieff eingepacket. Wann ich dann Zeit gehabt, habe ich sie durchgelesen, dadurch bin ich hinter so viel arcana, hinter so viel stücklein kommen, dass ihr es nicht wohl glauben können“. SCHUPP, Salomo, BL E VIIe, zit. bei DROSTE, Im Dienste der Krone, S. 391. Nach dieser Erfurter Zeit wurde er als Berater zu Johan Banér abgeordnet. 1637 versuchte er die schwedische Macht in Pommern zu reorganisieren. 1642 wurde er auf Wunsch Torstenssons als Kriegsrat erneut bestätigt. 1644 wurde er Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ unter dem Gesellschaftsnamen „der Fürsichtige“.1645/46 amtierte er als Assistenzrat Torstenssons in Leipzig. 1648 wurde er Kriegsratspräsident unter dem Befehl des späteren Königs v. Schweden, Carl X. Gustav, u. Gesandter auf dem Westfälischen Friedenskongress. Ende April 1648 trat die schwedische Generalität in Nördlingen zusammen. An dem Treffen nahm auch Erskein teil, zu diesem Zeitpunkt noch Kriegs- u. Assistenzrat der schwedischen Königin, aber auch Bevollmächtigter der schwedischen Armee in Deutschland u. der Gesandten der Krone in Osnabrück. Die Generalität legte fest, der Krieg sei „vom römischen Reich abzuführen, damit selbiges sich etwas zu der Schwedischen Armee kunfftigem Aufnemmen recolligiren (erholen) könne, … hingegen sei sedes belli ipsa (der eigentliche Kriegsschauplatz) nach den Erblanden zu transferirn und dort zu conserviren … Churbaiern vermittelst aller coniungirten Macht … zu ruiniren“. SAMBRAUS, Feldzug, S. 84. Diese Nördlinger Beschlüsse hatten die satisfatio militum zum Ziel, die Geldabfindung der schwedischen Armee bei ihrer Abdankung. Ihr ganz eigenes Interesse stellten die Generäle in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen und wußten sich in Übereinstimmung mit ihrer Regierung, wenn auch die Vorstellungen über die Höhe der satisfatio militum beträchtlich auseinander gingen. Die schwedische Generalität hat offenbar einen baldigen Friedensschluss nicht mehr ausgeschlossen, jedoch wohl schon damals über den Friedensschluss hinaus mit einem längeren Verbleib im Reich gerechnet, aber außerhalb des österreichischen Reichskreises. Im erholten Reich konnte Schweden gelassen Geldabfindung, Abdankung u. Abzug seiner Armee betreiben. Inwieweit Erskein hinter den Vorstellungen stand, im Norden Deutschlands einen geschlossenen schwedischen Soldatenstaat zu errichten, bedarf noch der Untersuchung. Erskein behauptete von sich, er habe als Kriegskommissar wichtiges Archivmaterial aus den besetzten Städten retten können. Vor allem im Eichsfeld, in Pommern u. Prag „sammelte“ er dieses Material u. bewahrte es in seinem Domizil Erskeinschwinge bei Stade auf. Anlässlich der Eroberung der Prager Kleinseite u. der gewaltigen Kriegsbeute durch Hans Christoffer von Königsmarck am 26.7.1648 erbeutete er unter anderem eine bemerkenswerte Bücherei. Er war an den Verhandlungen in Prag u. Nürnberg nach dem Westfälischen Frieden beteiligt. Nach Schweden zurückgekehrt, wollte ihn Königin Christina zum Freiherrn erheben, was Erskein aber zweimal ablehnte. Vom November 1650 bzw. von 1652 an amtierte er als Rat in den schwedisch besetzten Herzogtümern Bremen u. Verden, wo Königsmarck als Gouverneur eingesetzt war. 1652 wurde er geadelt, 1653 wurde er Präsident in Bremen u. Verden. 1655 wurde er zum Freiherrn erhoben (nicht introduziert). 1656 geriet er bei der Eroberung Warschaus in Gefangenschaft u. starb später in Zamoisk. Begraben wurde er in St. Peter in Bremen. MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 1508; BAUER, Erfurter Personalschriften S. 192; DROSTE, Im Dienst der Krone, S. 390−391; SCHULZE, Das Stader Reichsarchiv; HILDEBRAND, Erskein; JÖRN, Servorum Dei Gaudium [MDSZ].

[173] quotifieret: ihren Anteil zugerechnet.

[174] Victualien: Lebensmittel.

[175] Humor: Gemütsart, Stimmung, Charakter, Verfassung.

[176] urgieren: drängen, fordern.

[177] Posteritet: Nachwelt.

[178] denigriren: in Abrede stellen, leugnen, anschwärzen.

[179] contentement: Zufriedenheit.

[180] principalen recommendiren: ihren Vorgesetzten empfehlen.

[181] exempt: ausgenommen, befreit.

[182] Wolfgang Wilhelm v. Pfalz-Neuburg [4.11.1578 Neuburg a. d. Donau-20.3.1653 Düsseldorf]. Vgl. KÜCH, Die Politik des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm. Wolfgang Wilhelm war wohl doch ein „offenbar recht beschränkter und unbeweglicher Geist, starr an einmal bezogenen Positionen festhaltend und von einem durch nichts zu erschütternden Bewußtsein wirklicher oder vermeintlicher Rechtspositionen durchdrungen, auf deren buchstäblicher Einhaltung er zu bestehen pflegte, ohne sich zu fragen, ob die Erreichung dieses Zieles nach Lage der Dinge möglich sei oder nicht“. SCHMIDT, Philipp Wilhelm, Bd. 1, S. 25f. KÜHN-STEINHAUSEN, Korrespondenz, S. 9, charakterisiert ihn wohl zu positiv. Vgl. LEFFERS, Neutralitätspolitik. „Sein Hof, der Unsummen verschlang, zählte zeitweise etwa 300 Personen. […] Die Hofmusik, darunter acht Musiker und 20 Sänger, kostete 1638 rund 5.000 Reichstaler. Sophie von der Pfalz bemerkte in ihren Memoiren über den Hof Wolfgangs, als sie 1650 Düsseldorf besuchte, dass die Dienerschaft am Düsseldorfer Hofe verbrauchte Kleidung trage, und dass die Tapisserien, Betten und Stühle alt seien. Der brandenburgische Gesandte Georg Ehrentreich von Burgsdorff bescheinigte ihm boshaft die Schwäche zum Wein, indem er feststellte, dass sein Weinbecher mit zwei Maß (Liter) einst als Taufbecken für die Mutter und Großmutter Wolfgangs gedient hatten“ [Wikipedia-Artikel].

[183] Cloppenburg [LK Cloppenburg]; HHSD II, S. 100f.

[184] Wolf Heinrich v. Baudissin [Bauditz, Baudis, Baudish] [1579 (1597 ?) Schloss Lupa (Niederlausitz)-4.7.1646 Elbing (Belschwitz)], schwedischer, dann kursächsischer Generalleutnant. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=19088.

[185] Bersenbrück, Zisterzienserinnen-Kloster; HHSD II, S. 44.

[186] Anton Günther Graf v. Oldenburg u. Delmenhorst [10.11.1583 Oldenburg-19.7.1967 Rastede], Herzog v. Oldenburg.

[187] Ulrich II. Graf v. Ostfriesland [6.7.1605-1.11.1648 Aurich], 1628-1648 Graf v. Ostfriesland.

[188] Kaduktgut: ein wegen Erbenlosigkeit oder => Felonie heimgefallenes Grundstück, Gut etc., das gern als schwedische Donation an verdiente Offiziere oder Offiziere mit finanziellen Forderungen auf Zeit verliehen wurde.

[189] AOSB I/13, 1. Abt., Bd. 13, S. 281.

[190] Nienburg/Weser [LK Nienburg/Weser]; HHSD II, S. 346f.

[191] SCHLOTTER, Acta, S. 221.

[192] [Bad] Salzuflen [LK Lippe]; HHSD III, S. 48.

[193] Wilhelm V. Landgraf v. Hessen-Kassel [14.2.1602 Kassel-21.9.1637 Leer]. Vgl. ALTMANN, Wilhelm V.; KEIM, Landgraf Wilhelm V. v. Hessen-Kassel I, II; PETRI, Das Militärwesen von Hessen-Kassel; GEYSO, Beiträge I-III.

[194] Johann v. Lipfeld [Lixfeld] [ -Oktober 1642], schwedischer Obristleutnant.

[195] Göttingen [LK Göttingen]; HHSD II, S. 178ff.

[196] AOSB II/6, S. 604 Anm.

[197] MERIAN; ZEILLER, Topographia Westphaliae, S. 88; FEUERLE, Garnison, S. 154.

[198] Verpflegung, Verpflegungsordre, Verpflegungsordinanz: Die Verpflegungsordre sollte in allen Armeen die Verpflegung der Truppen verbindlich festlegen, was aber in der Kriegs- u. Alltagswirklichkeit nicht immer zu leisten war. Aus der Verpflegungsordnung Tillys vom 16.10.1623 geht hervor, welche Mengen an Nahrungsmitteln in den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt bzw. durch Zahlungen (als Teil des Soldes, der nicht oder nur in großen Abständen eintraf) abgelöst werden mussten. So hatte bereits ein Rittmeister samt Anhang pro Tag Anspruch auf vier Maß Wein, zwanzig Maß Bier, zwanzig Pfd. Brot, zwölf Pfd. Fleisch, zwei Hennen u. ein halbes Schaf – dazu kamen die üblichen Extravaganzen, die aus weit entfernten Orten geholt wurden – , was natürlich auch für seine Dienerschaft berechnet war. PAPKE, Landsknechte, S. 22: „Ende 1618 wurden Reiter in Altendresden einquartiert. Ihre Verpflegung regelte ein kurfürstliches Mandat vom 8. November. Es sah für ein Frühstück Butterwecken vor sowie Brot, Butter, Käse und Bier. Zum Mittag sollte Suppe geben mit Rahm, Butter, Eiern, Muskatnelken und Semmeln, danach 5 Pfd. Rindfleisch mit Meerrettich, eine Hammelkeule, Zugemüse, Butter und Käse, Brot und Semmeln und pro Person 2 Kannen »hiehisches« Bier. Dazu wurden Salz, Würze, Essig, Schmalz, Holz für den Herd, Licht für Stuben und Ställe gerechnet, für 9 Personen insgesamt 2 Gulden, 11 Groschen, 6 Pfennige. Unkosten für Bett- und Tischwäsche wurden erwähnt, aber nicht berechnet“. Eigentlich durfte nur der übliche Servis gefordert werden: die dem oder den einquartierten Soldaten zu gewährende Unterkunft u. Verpflegung, festgelegt in den jeweiligen Verpflegungsordnungen. „Servis“ definiert sich als die Abgaben des Hauswirts an den/die einquartierten Soldaten an Holz, Licht u. Liegestatt (Heu und Streu), im Niedersächsischen kam noch Salz dazu; Kleidung, Ausrüstung etc., wurden verbotenerweise verlangt; Essen und Trinken fielen auch nicht darunter, wurden aber trotzdem eingefordert. Stattdessen konnte auch die sogenannte „Lehnung“ gegeben werden. Alle zehn Tage war diese Lehnung für die schwedischen Truppen zu entrichten, bei den unteren Chargen für Kapitän 12 Rt., Leutnant u. Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber u. Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den untersten Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. Für die Konstanzer Garnisonstruppen war 1633 festgelegt; BEYERLE, Konstanz, S. 35f.: „Jedem Hauptmann wöchentlich 1 ½ Eimer [1 Eimer = 293,92717 Liter; BW] Wein, 20 fl. Geld, täglich 6 Brote, sowie Unterhalt für 6 Pferde; der Leutnant erhielt wöchentlich 24 Quart Wein und 6 fl., täglich 3 Brote und Unterhalt für 1 Pferd; der Fähnrich wöchentlich 17 Quart Wein und 4 fl. Geld, täglich 2 Brote und Unterhalt für 1 Pferd; dem gemeinen Soldaten waren täglich 2 Pfd. Brot, eine Maß [1, 83 Liter; BW] Wein und wöchentlich 7 Batzen für das Fleisch zu verabreichen. Die große Schar der niederen Offiziere wie Feldwebel, Feldschreiber, Feldscherer, Fouriere und Korporale sollte ‚durch gemeine Bürgerschaft kostiert und nach eines jeden Hausvaters Vermögen unterhalten werden’ “. Nach der Verpflegungsordnung Gustav Adolfs II. vom 13.5.1632 für das Herzogtum Franken hatte ein Obrist Anspruch auf täglich 12 Mahlzeiten, bestehend aus je 12 Gerichten (im Wert v. je 1/8 Rt). Im Oktober 1623 hatte Tillys Verpflegungsordnung für die Reiterei festgelegt: Rittmeister 4 Maß Wein, 20 Pfund Brot, 20 Maß Bier, 12 Pfund Fleisch, 2 Hennen u. ein halbes Schaf. Ein reformierter Leutnant, Kornett oder Quartiermeister sollten 8 Maß Bier, 8 Pfund Brot u. 4 Pfund Fleisch sowie ein Viertel v. einem Schaf oder Kalb erhalten. Einem Jungen oder einem Weib standen 1 Pfund Fleisch, 2 Pfund Brot und 1 Maß Bier zu. BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 42. Dazu kamen für den gemeinen Soldaten in der Regel täglich 2 Pfund Brot (zu 8 Pfennig), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfennig) u. 1 Kanne Einfachbier (2, 02 Liter zu 8 Pfennig). Statt Fleisch konnten auch Fisch, Butter oder Käse gegeben werden. Zwei Heringe entsprachen 1 Pfund Fleisch, eine Henne ersetzte 1, 5 Pfund Fleisch. Selbst diese Rationen wurden oft v. den Offizieren noch unterschlagen. Nach der kursächsischen Verpflegungsordnung (1632); SPARMANN, Dresden, S. 61, hatten ein Rittmeister u. ein Hauptmann Anspruch auf 6 Essen, Käse, Brot, ein Tischtrunk Bier; ein Leutnant bzw. ein Fähnrich auf 4 Essen nebst einem, Tischtrunk Bier; Führer, Fourier, Feldwebel, gemeiner Webel, Reiter auf 3 Essen (Suppe – Gericht Fleisch und Zugemüse – Käse, Butter) nebst 4 Kannen Bier pro Tag; gemeiner Knecht zu Fuß, Dragoner auf 2 Pfund Brot, 2 Pfd. Fleisch, 3 Kannen Bier. Der Erfurter Rat hält am 16.11.1641 die Klagen dreier gefangener Reiter des Regiments Hatzfeldt fest: „[Sie] berichteten [sie] wehren 5 tage von ihrem Regimente gewesen, undt nach einem Stücke brodts geritten, sie bekömen [sic] gantz nichts, wenn ihnen auch gleich Commiß[brot] zugesendet wehre, bekömen sie doch nichts: sondern die officirer behieltten solches alles vohr sich allein, [Sie] wussten auch nicht wo sie hin soltten, sie hetten deswegen von ihren officirern gantz nichts gehöret“. Zitiert bei BERG, Regulating war, S. 15; vgl. auch KUPER, Feuer, S. 104. So der kaiserliche Feldmarschall Melchior v. Hatzfeldt 1642: „Denn arm und hungrig zu sein, macht schlechte Curagi – wo nit anderes, davor uns der liebe Gott behüte“. ENGELBERT, Hessenkrieg II, S. 43. Der Salemer Mönch Bürster (1644); WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 196: „Dan ehe muoß der burger sterben zehen mal, ehe der soldat verderben ainmahl“. Die Verpflegung erforderte dennoch riesige Mengen an Schlachtvieh, zumal die Soldaten nur schieres Fleisch verlangten, keine Innereien oder Füße wollten, u. der genießbare Fleischanteil z. B. bei Ochsen zwischen 25 u. 55 % je nach Fütterung lag. Von Oktober bis Dezember sollen kaiserliche Truppen im kaisertreuen Hessen-Darmstadt neben 30 000 Pferden 100.000 Kühe und 600.000 Schafe erbeutet haben; PARKER, Dreißigjähriger Krieg, S. 250. In Tillys Verpflegungsordnung von 1627 wie auch in den anderen Ordnungen dieser Art war dagegen der umsichtige Umgang mit Einwohnern ausdrücklich festgelegt. KLOPP, Tilly, S. 546. Zweimal täglich ein Gericht mit zwölf Gängen für einen Obristen war üblich. Vgl. die kaiserliche Einquartierungsordnung Melchior v. Hatzfeldts für Westfalen (1636 III 09): „Wirt ebenmeßigh geklagtt, daß nicht allein die officierer, sondern auch die soldat(en) mitt ubermeßigem banquitier(en), sonderlich mitt verschwendungh vieler weins und geträncks den armen mahn gentzlich außlaugen, derenthalb(en) ein jeder und alle hiemit erinnert, das, was sie dergestalt uppich verzehr(en), ihnen an der contribution abgehe“. SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 127. Bürgermeister u. Rat v. Büren schrieben an die kurfürstlich-kölnischen Beamten in Paderborn u. an den Edelherren Moritz von Büren über Vorfälle der am 1.4.1626 erfolgten Einlagerung einer Korporalschaft der Leibgarde des ligistischen Generalwachtmeisters Timon v. Lintelo, Büren, 1626 April 15; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 185: „Bey Lübbertt Drevelnn ist ein reformirter corporal, so ein matresse bey sich gehapt, einlogirt gewest. Gleich wie der [Corporal; BW] einkommen, hat ihme der wirt nach zustandtt dieser orther unnd settigungh eines ehrlichen menschenn gnugsame speißenn, alß nemblich saurs krautt mit einer bratt- oder metwurst, ein schaffschinckenn, ein stück gerauchert rindtfleisch, ein außgeweßerten schweinenn potharst, dabei, dabei einen halben schaffenn käß nebenn butter aufgesetztt. Der corporal wirfft die speisenn mehrnntheilß zur dehl hinauß, unnd sagtt mit entrustungh zu seinem wirth, solche speisenn solte er einem hudler gebenn. Ob er meinte, das er ein hudler vor sich hette. (46) Er hette woll beßer speiß dem bettler vor die thuer gebenn etc., unnd will sich nicht stillen laßenn, biß ihme der wirth folgendenn tags nach seinem willenn schincken, hüner, kalbfleisch etc. aufzutragenn verpflichtet“. Nach der schwedischen Kammerordnung, 1635 X 04 (Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem I – 34 -179 b) hatte Oxenstierna den Anspruch pro Monat u. gemeinen Reiter auf 4 ½ Rt., 60 Pfd. Brot und 60 Feldmaß Bier festgelegt. Im Juni 1634 sollte Generalkriegskommissar Ossa Erzherzogin Claudia v. Tirol raten, den nach besserer Verpflegung begehrenden hohenemsischen Soldaten gegebenenfalls durch das Landvolk „die Hälse entzwei schießen“ zu lassen, was Claudia nicht tat, um eine weitere Eskalation der Lage zu vermeiden; SCHENNACH, Soldat, S. 71. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar v. Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt geforn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaiser und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. PAPKE, Landsknechte, S. 22:Ende 1618 wurden Reiter in Altendresden einquartiert. Ihre Verpflegung regelte ein kurfürstliches Mandat vom 8. November. Es sah für ein Frühstück Butterwecken vor sowie Brot, Butter, Käse und Bier. Zum Mittag sollte Suppe geben mit Rahm, Butter, Eiern, Muskatnelken und Semmeln, danach 5 Pfd. Rindfleisch mit Meerrettich, eine Hammelkeule, Zugemüse, Butter und Käse, Brot und Semmeln und pro Person 2 Kannen »hiehisches« Bier. Dazu wurden Salz, Würze, Essig, Schmalz, Holz für den Herd, Licht für Stuben und Ställe gerechnet, für 9 Personen insgesamt 2 Gulden, 11 Groschen, 6 Pfennige. Unkosten für Bett- und Tischwäsche wurden erwähnt, aber nicht berechnet“. 1619 mussten ins Lager bei Themar geliefert werden: Rindsmäuler, Gelüng, Rindsmagen, Gekröse, Sülze, Zungen, Rindsherz, Rindsfüße, Rehwild geliefert werden. Dazu kamen Konfekt, Mandeln, Rosinen, Feigen, Nürnberger Küchlein (Lebkuchen), Reis, Muskatblüten, Peffer, Nelken geliefert werden. Vgl. ERB, Die ersten Kriegsereignisse, S. 10f. Vgl. auch die hohen Ansprüche, die Erzherzog Leopold Wilhelm im Dez. 1641 an Northausen stellte; KUHLBRODT, Die Reichsstadt Nordhausen 2. Bd., S. 88f.

[199] FEUERLE, Garnison, S. 157.

[200] August I. der Ältere, Herzog v. Braunschweig-Lüneburg [1568-1.10.1636 Celle], 1610-1636 evangelischer Bischof v.  Ratzeburg, 1633-1636 Fürst v Lüneburg, Teilnahme als Obrist am Krieg gegen Frankreich u. die  Türken unter Rudolf II.

[201] Celle [LK Celle]; HHSD II, S. 94ff.

[202] Kantonierung: „vorübergehende Einquartierung von Truppen in bewohnten Orten, teils für einzelne Truppenteile bei besondern Anlässen, die eine Verlegung aus dem eigentlichen Standquartier notwendig machen, wie Epidemien etc., hauptsächlich aber bei Zusammenziehung größerer Truppenmassen im Frieden oder im Krieg. Die Verteilung der Truppen in der Kantonierung (Dislokation) wird weit vom Feind ab möglichst weitläufig je näher am Feind aber, desto enger genommen, so daß sie zuletzt in ein bloßes Biwak mit Benutzung des in den Ortschaften vorhandenen Unterkunftsraums übergeht“ [http://www.peter-hug.ch/lexikon/Kantonierung].

[203] Dodo I. Freiherr v. Knyphausen u. Innhausen [2.7.1583 Lütetsburg (Ostfriesland)-11.1.1636 bei Haselünne], braunschweigischer Obrist, Feldmarschall. Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[204] DECKEN, Herzog Georg von Braunschweig 3. Bd., S. 39.

[205] Johann Freiherr [Baron ?] v. Leittersam [Lautersam, Leutersheim, Leutersum, Leyterßheim, Lüttersum, Luttersum, Lutersum, Luthersheim, Lentersheim, Lautersheim, Lutersheim, Leytersheim, Lottersheim, Luttersen, Galen-Lüttersheim, Lüddersen, Lautersson] [ -26.10.1647], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[206] Haselünne [LK Emsland]; HHSD II, S. 210.

[207] Dodo I. Freiherr v. Knyphausen u. Innhausen [2.7.1583 Lütetsburg (Ostfriesland)-11.1.1636 bei Haselünne], braunschweigischer Obrist, Feldmarschall. Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[208] Quakenbrück [LK Osnabrück]; HHSD II, S. 385f.

[209] Vechta [LK Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[210] Wildeshausen [LK Oldenburg]; HHSD II, S. 492ff.

[211] Friesoythe [LK Cloppenburg]; HHSD II, S. 155f.

[212] Fürstenau [LK Osnabrück]; HHSD II, S. 156f.

[213] Haus Nienhues [LK Emsland].

[214] Aschendorf, heute Stadtteil von Papenburg [LK Emsland].

[215] DIEPENBROCK, Geschichte, S. 431f.

[216] Emden; HHSD II, S. 134ff.

[217] Meppen [LK Emsland]; HHSD II, S. 327f.

[218] Wittlage, heute Stadtteil von Bad Essen [LK Osnabrück].

[219] Sir James [Jacob] Lumbsden [Lumbsdaine, Lumsden, Lunsdane, Lumbsten, Lumsdail, Lumsdell] of Innergelly [ -1660 ?], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID 3003.

[220] Johann v. Lipfeld [Lixfeld] [ -Oktober 1642], schwedischer Obristleutnant, Obrist.

[221] considerable: beträchtlich, beachtlich, erheblich, ansehnlich.

[222] Rencontren: Treffen.

[223] Vechta [LK Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[224] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant, tschech. podplukovník]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, v. den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch v. Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten u. die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren u. Soldaten bewies u. für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments u. die Anwerbung v. Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- u.Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse u. Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] u. 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen u. dänischen Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen u. Garnisonsdienst zwei Quartiere u. damit auch entsprechende Verpflegung u. Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[225] Hans Christoffer [Christoph] Graf v. Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc, Kingmark, King Marx, Königs Morik] [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. 1616 Anstellung als Page bei Herzog Friedrich Ulrich v. Braunschweig-Lüneburg u. Eintritt als Reiter in kaiserliche Kriegsdienste, 1630 Verabschiedung als Fähnrich bei Reformierung der Armee Wallensteins, 1631 Kapitän in schwedischen Diensten, 1633 Beförderung zum Major, 1634 zum Obristleutnant, 1636 zum Obristen, am 25.3.1640 zum Generalmajor als Lohn für die Werbung größerer Truppenformationen in Westfalen, im Januar 1645 zum Generalleutnant, am 17.5.1648 Sieg mit Turenne u. Wrangel bei Zusmarshausen über die kaiserlich-kurbayerischen Truppen unter Holzappel u. Gronsfeld, am 1.6.1648 Beförderung zum Feldmarschallleutnant, am 16.7.1648 erfolgreicher Angriff auf die Prager Kleinseite u. Raub der berühmten „Silberbibel“. Zusammen mit Carl Gustav Wrangel war Königsmarck der erfolgreichste schwedische Kriegsgewinnler, am 26.3.1651 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 10.4.1651 in den Reichsrat berufen u. am 14.4.1655 in Stade zum Feldmarschall u. Gouverneur des Herzogtums Bremen und Verden ernannt. Sein im Krieg erworbenes Vermögen soll 130.000 Rt. jährliche Rente abgeworfen haben, was einem Vermögen von mindestens 2.600.000 Rt. entsprochen haben müsste. Vgl. BACKHAUS, Wrangel, Königsmarck, Bielke, S. 116-128; FIEDLER, Verwaltung; WAGNER, Pforr. Vgl. [RÜDIGER], Leben und Thaten; FRITZEL, Der Stader Raum, S. 14ff. => Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc, Kingmark, King Marx], Hans Christoffer [Christoph] Graf v. [I], [II], [III], [IV], [V], [VI], [VII], [VIII], [IX], [X], [XI], [XII] in den „Miniaturen“.

[226] CHEMNITZ, Königl. Schwedischen ]…] Kriegs, 4. Buch, 59. Kap., S. 912f.

[227] Wilhelm v. Lüdinghausen, gen. Wolff [28.12.1596 Buschhof (Birži, Lettland)-26.7.1647 Eger], schwedischer Obristleutnant, Generalmajor.

[228] Hieronymus v. Plettenberg [Plettenburg, Plettoberg] [ -1675 oder 1676], schwedischer Obristleutnant.

[229] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[230] Dr. Martin Chemnitz („der Jüngere“) [13.5.1596 Rostock-24.10.1645 Jägerndorf (Schlesien)], schwedischer Hofrat, Kommissar u. Resident, älterer Bruder des schwedischen Hofhistoriograph Bogislaw Philipp v. Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås], schwedischer Resident, 1636 v. Kaiserlichen in Westfalen gefangen u. jahrelang inhaftiert. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=14806.

[231] temporisieren: verzögern, aufschieben.

[232] Praktiken: Anschläge.

[233] ablauern: eine Gelegenheit, einen Vorteil ablauern: eine Gelegenheit nützen; hier: abspenstig machen.

[234] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-8.10.1656 Dresden], regierte 1611-1656, verheiratet mit Magdalena Sibylla v. Preußen [1586-1659]; ESSEGERN, Fürstinnen. Nach der Verpfändung der Ober- u. der Niederlausitz militärisches Eingreifen gegen Friedrich V. u. die abtrünnigen Länder der böhmischen Krone, nach der Niederlage Friedrichs V. erfolgloses Eintreten für dessen Kurrechte. 1631 Scheitern des Versuchs, Kursachsen als Führungsmacht der protestantischen Reichsstände als dritte Kraft gegenüber der kaiserlich-ligistischen Seite u. der schwedischen Partei zu etablieren, nach Tillys Einmarsch in Sachsen Anschluss an Schweden, nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 u. dem Prager Frieden 1635 Übertritt auf die kaiserliche Seite, 1645 Waffenstillstand mit Schweden u. Frieden v. Eilenburg. THOß, Sachsen; GOTTHARD, Johann Georg I.; BURKHARDT, Der Dreißigjährige Krieg und die sächsische Politik.

[235] Werben (Elbe) [LK Stendal]; HHSD XI, S. 492f.

[236] dimittiren: entlassen.

[237] Kornett: das Feldzeichen der kleinsten Einheit der Reiterei (entsprach der Kompanie). „[ …] bei den soldaten ist das cornet dasjenige zeichen, so die helden bei frewd und mut erhaltet, darnach sie alle sehen, und wo dieses verloren, so ist herz und mut und die ganze compagni, das ganze regiment, das feld verloren“ [DWB]. – Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung v. Freund u. Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg u. Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten u. verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[238] debandieren: von débandade: Auflösung, hier: auseinander rennen, auflösen.

[239] Wilhelm v. Lüdinghausen, gen. Wolff [28.12.1596 Buschhof (Birži, Lettland)-26.7.1647 Eger], schwedischer Obristleutnant, Generalmajor.

[240] Hofstaat, Komitat: Anhang, Begleitung, Geleit, Gefolge. Viele Obristen führten ihre Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Der mobile Hofstaat aller Offiziere u. ihrer Ehegattinnen trieb die Einquartierungskosten zusätzlich in die Höhe. Leone Cropello de Medicis hatte 1628 bei sich: einen Gesellschafter v. Adel, Haushälter, Kornett, Hofmeister, Kammerdiener, Sekretär, Gestlichen mit Jungen, Tafeldecker, Aufwärter, 3 Pagen, Trompeter, Koch mit Jungen, Schneider, zwei Sattler u. ein Pferdeschmied mit Frauen, Feuereinmacher, Aufwärter in der Küche, Küchenfrau, Domestiken u. Musikanten, ingesamt 51 Personen; KELLER, Drangsale, S. 91, Anm. Auch Köche, Possenreißer etc. wurden mitgeführt. Am 24.5.1630 schrieb Maximilian I. v. Bayern dem Obristen Cronberg, es sei ein „unverantwortliches procedere, da die Obersten sich den Fürsten gleich halten wollen, werden die Quartieer ruinirt und erschöpft“. OMPTEDA, Die von Cronberg, S. 521.  Dass gerade auch Offiziersfrauen z. T. ein großes Gefolge (50 Personen u. 50 Pferde) wie die Gemahlin v. Johann Philipp Cratz Graf zu Scharfenstein mit sich führten, erwähnt HELML, Der Dreißigjährige Krieg, S. 59. Das Amtsprotokoll (1626 VIII 29), SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg , S. 281, täuscht hinsichtlich der Gesamtzahl: „Die Gravin von Ahnolt hat 9 pferdt, darzu wirdt außm ambt Stromberg contribuirt. Obrist Gallas hat 15 pferdt. Der ist nit hier. Der haubtmann hat 10 pferd, capitanleutenant 7, drey fendriche 12, cap(itan) S(t). Eloi 4, drei veltwaibell 9, drey furier 3, aventurier 12, ingenieur 5“. Dies waren lediglich die in Wiedenbrück stehenden Pferde. Selbst Hauptleute einer Kompanie unterhielten schon zu Anfang des Krieges einen eigenen kleinen Hofstaat u. hatten nicht selten achtzehn Personen u. vierzehn Pferde mit sich. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen u. 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Der schottische Söldner Robert Monro, „der Schwarze Baron, der als Freiwilliger mitgekommen war, erhielt die Erlaubnis, für einen Grafen Tafel zu halten, der gewöhnlich mit mehr als sechzehn Personen zu Tisch erschien. Die Besucher des Grafen, seine Pferde und seine Diener wurden dabei ebenfalls standesgemäß versorgt“. MAHR, Monro, S. 27. Bei den ligistischen Cronberg’schen Reitern (363 Soldaten) wurden in Langenau (Schwaben) „600 pferde, 66 weiber, 78 mädel, 307 jungen, 94 kinder und grosse anzahl hunde“ festgestellt; ZILLHARDT, Zeytregister, S. 128. „Die Offiziere führten ein Leben in Luxus, tranken täglich ihren Wein und forderten neben Geld, Fleisch, Weißbrot, Hafer und Heu auch Delikatessen, so der Örter nicht zu bekommen. Sie brachten nicht nur ihr Gesinde mit, sondern luden auch noch Freunde und Verwandte ein. Die Bauern mußten mit Pferd und Wagen bereitstehen, wenn die hohen Herren Jagden veranstalteten, und bei Truppenverschiebungen hatten sie den Transport zu bewerkstelligen. Eine Untersuchungskommission, die auf ständige Klagen der fürstlichen Räte und auch des Kurfürsten eingesetzt worden war, stellte lediglich fest, daß entsprechende Berichte stark übertrieben seien, und Anholt konnte auf die fehlenden Soldzahlungen verweisen, ohne die die Soldaten sich weder Lebensmittel noch Waffen oder Kleidung kaufen könnten. Erst Ende Mai 1623 trafen neues Geld sowie Waffen und Rüstungen ein, und Anholt erließ eine neue Ordonnanz, nach der die Soldaten nur noch das gewöhnliche Servis fordern durften, d. h. Bett, Feuer, Salz, Zwiebeln und Essig, alles Weitere aber bezahlen sollten“. TESKE, Bürger, S. 68.  Auch fand man bei den Kompanien fünfzig Weiber u. dreißig Jungen, was die Unterhaltskosten in die Höhe trieb, u. gerade in einem solch kleinen Wigbolden im mikroökonomischen Bereich den Ruin auf Jahre hinaus bedeutete. Der Aufwand für Erzherzog Leopold Wilhelms eigene Bedürfnisse u. seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 612: Schweinfurt hatte 1646 dan den Hofstaat des Erzherzogs zu liefern: „3 Ochsen, 8 Kälber, 12 Castraun, (Kapaunen ?) 4 Säuglämmer, 1 gemästetes Schwein,4 indianische Hennen, 40 Stück altes Geflügel, 12 junge Tauben, 1 ½ Zentner Schmalz und Butter, 500 Eyer, 1 Eymer Weinessig, 1 Mltr. Kochgerste, 1 Mltr. Erbsen, 1 Scheibe Salz, 30 Pf. Holländischer Käs, 1000 Pf. Brod, 60 Striche Haber, 30 Eymer Wein, 100 fl. an Geld für rauihes Futter, Oel und Gewürz. Hieran lieferte die Stadt: 6 Eymer 44er, 25 Eymer 45er Wein, 19 Mltr. Haber, 6 Mltr. Korn, 1200 Pf. Brod, 2 Mltr. Weizenmehl, 4 Saugkälber, 1 Schwein, 2 indianische Hühner, 1 dergleichen Hahn, 1 Hahn, 20 alte Hühner, 10 Paar Tauben, 1 Sack mit Kochgerste, 1 Mltr. Erbsen, 4 Schock Eyer, 1 Scheibe Salz, 2 Holländische Käse, 1 Eymer Essig. Auch wurden dem Oberstallmeister des Erzherzogs 3 Eymer und dem Futtermeister 2 Eymer Wein verehrt. Mit diesen ihnen gelieferten Lebensmitteln fuhren sie am 28 d. weg, und ihre Zehrung, die 50 Thaler kostete, mußte die Stadt bezahlen. Nach der Aussage der Bedienten war obgedachte Forderung nur der fünfte Theil der Nothdurft zur wöchentlichen Haushaltung des Hofstabs, die andern vier Theile müßten andere Städte herbeyschaffen. Welches auch glaublich war, weil nach ihrem Berichte tägliche 600 Personen an 40 Tafeln bey dem Erzherzoge gespeiset wurden“. „Als Leopold am 15. September [1646; BW] in Ammerthal war, wurden täglich 20 Ochsen, 100 Schöpse, 6 Kälber, 4 Ztr. Schmalz und Butter, 6 Säcke Weizenmehl, 120 Stück altes und 80 Stück junges Geflügel, 20 Eimer Wein, 60 Eimer Bier, 3 Zentr. Fische sowie 3000 Pfd. Schwarz- und Weißbrot verlangt“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 240. Die anti-kaiserliche „36. Extraordinari. 1634“ teilte unter dem 14./24.6.1634 mit; Archives Municipales Strasbourg AA 1065: „Mit Regenspurg hat es / Gott lob / kein Noth / wie deßwegen Ihre Fürstliche Gn. vor Forchheim von demselben Commendanten [Lars Kagge; BW] wider Schreiben bekommen / auch gestern glaubhaffter Bericht eingelangt / daß sich der Feindt darvor sehr ruinire vnd consumire / auch schon durch Gegenwehr / Absterben vnd Entlauffen in zehen tausendt Mann verlohren / gelte im Läger ein pfundt Roßfleisch acht Kreuzer / sey zwar grosse Zufuhr / weiln aber der Vngarische König eine grosse Hoffstatt von ohngefehr 3000. Vngar- Böhm- vnnd Oesterreichischen Herrn / welche widerumb ihre Diener haben / vmb sich hat / so alles zu sich ziehen / als kompt dem gemeinen Soldaten wenig zu theil“.

[241] Dissimulation: Verstellung, Heuchelei. Der als hohe Kunst der Verstellung betrachteten Dissimulation hat REPGEN, Kurie I/1, S. 315-321, eine kleine Abhandlung gewidmet.

[242] Georg II. Landgraf v. Hessen-Darmstadt [17.3.1605 Darmstadt-11.6.1661 Darmstadt], heiratete 1627 Sophie Eleonore v. Sachsen [1609-1671], Tochter Kurfürst Johann Georgs I. v. Sachsen, u. regierte v. 1626 bis 1661. 1627 Hauptakkord mit Wilhelm V. v. Hessen, der Georg Oberhessen, die Niedergrafschaft Katzenelnbogen u. die Versicherung seiner Ranggleichheit zugestand. 1636 übernahm Georg an Stelle des geächteten Wilhelm V. die Verwaltung Niederhessens, das v. kaiserlichen Truppen besetzt wurde. Wilhelms V. Witwe Amalie Elisabeth begann 1645 mit Hilfe Frankreichs u. Schwedens den Kampf gegen Georg II.; sie erreichte 1647 einen Waffenstillstand u. 1648 einen Friedensvertrag, der Georg zur Rückgabe großer Teile der gewonnenen Gebiete zwang. „Hessen-Darmstadt, Georg II. Landgraf von“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/118884352> (Stand: 8.3.2012). Vgl. DIEHL, Georg II.; BECK, Die Neutralitätspolitik Landgraf Georgs II.; WACHENDORFER, Möglichkeiten und Grenzen.

[243] Francesco [Antonio] Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], marchese di Grana [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto u. Grane] de Savona e Caretto, conte di Millesimo [1594/1590/1592-9.11.1651/1652], kaiserlicher Feldmarschall.

[244] CHEMNITZ, Königl. Schwedischen ]…] Kriegs, 3. Buch, 58. Kap., S. 910f.

[245] Lemförde [LK Diepholz]; HHSD II, S. 290f.

[246] Christian v. Wendt [ – ], schwedischer Obrist.

[247] Wilhelm v. Wendt zu Crassenstein [Kratzenstein, Cratzenstein] [13.3.1603 Diestedde-15.3.1644 Nienburg], hessen-kasselischer, dann schwedischer Generalmajor.

[248] Bernhard Jakob v. Henderson [ -1637 bei der Belagerung von Breda], schwedischer Obristleutnant.

[249] Friedrich Freiherr v. Zabeltitz [Zabellitz, Sabalitz, Sabeiditz, Gabeditz, Gabeltitz, Rabeltiz, Zabelditzky] zu Ullersdorf  [20.3.1595 Töppen-13.12.1643 Minden], schwedischer Obrist, Generalmajor.

[250] Sir James [Jacob] Lumbsden [Lumbsdaine, Lumsden, Lunsdane, Lumbsten, Lumsdail, Lumsdell] of Innergelly [ -1660 ?], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID 3003.

[251] Harry [Henry, Harrie] Lindsay [Lyndsay, Linse, Lindesheim, Lindsey] [ – ], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID 220.

[252] Matias [Matthias, Matthew] Forbes [Forbes of Lund, Finnesse Forbes, Fin-Forbes, Fin-Forbes, Forbus, Vorbusch] auf Jackarby [Fårbus uff Jackerby] [ -20.3.1641], finnischer Obrist in schwedischen Diensten.

[253] Christoph Heinrich v. der Goltz [1.1.1600 Klein Mellen-9.9.1643 Damitz], schwedischer Obrist. Vgl. die Erwähnungen bei mdsz.thulb.uni-jena.de/anhang/person_gesamt.php; SCHWARTZ, Neumark; BERG, Regulating war, S. 60f.

[254] DECKEN, Herzog Georg 2. Bd., S. 410.

[255] Zdenko [Zdeňek] Graf Hoditz v. Hoditz u. Wolframitz [Hodický z Hodic a Olramovic; Hoditsch, Hoeditz] [ -29.7.1641], schwedischer Obrist.

[256] Erik Hanson [Åke Hansson, Erich Hansen oder Jansohn] Ulftspar [Ulfsparre, Ulsparr, Wulff Sparr] af Broxvik [1599 ?/1600-1652], schwedischer Obristwachtmeister u. Obrist.

[257] Johan [Hans] Berg auf Nurmis [ – ], schwedischer Obrist.

[258] George Fleetwood [Fletewood, Fleetwodt, Fledwudh, Flitwud, Flitut, Flituuth] [10.7.1605-11.6.1667 Jälunda], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID 2008. [in Bearbeitung]

[259] John Ruthven [Ruthwen, Ridvin, Ruthuinn, Rüdtwein, Rüdtwin, Rüdwein, Rüdwen, Rödven, Rudderhus] [ – ], schwedischer Generalmajor.

[260] Schwadron, Esquadron, Geschwader [schwed. skvadron, dän. squadron, tschech. eskadrona]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (v. lateinisch exquadra = Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks u. der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach TROUPITZ, Kriegs-Kunst, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380. Bei den Schweden entsprach 1634 eine Schwadron einem halben Regiment (vier Kompanien). Die Schwadron hatte einen Rittmeister, einen Leutnant, einen Kornett, einen Wachtmeister, einen Quartiermeister u. die Korporale.

[261] CHEMNITZ, Königlichen Schwedischen […] Kriegs, S. 945.

[262] Francesco [Antonio] Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], marchese di Grana [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto u. Grane] de Savona e Caretto, conte di Millesimo [1594/1590/1592-9.11.1651/1652], kaiserlicher Feldmarschall.

[263] Don Jacinto [Hyacintho, Hyacinthus de [di] Vera [Verra, Wera] y Contreras [ – ], kaiserlicher Obrist.

[264] Die Extervogtei, ein Teil des Amtes Schaumburg, Gft. Schaumburg. Die Extervogtei umfasste das Gebiet der Kirchspiele Hohenrode u. Exten sowie einen Teil des lippischen Kirchspiels Silixen; SCHMIDT, Die alte Grafschaft Schaumburg, S. 46.

[265] Jacob v. Boy [Boye, Boi, Boie, Poyen, Boiye] [ – ], schwedischer Obristleutnant, Obrist.

[266] Wolf v. Glaubitz [Glowitz, Globitz] auf Kasel [ – ], braunschweigischer, dann schwedischer Obrist.

[267] Dietrich v. Kracht [Cracht, Kranche], Freiherr u. Ritter [1603 Brahme bei Cottbus-6.7.1657 Schlabendorf], schwedischer, kaiserlicher Obrist.

[268] Der Klosterhof Egestorf (als Nachfolger des im Zuge der Reformation aufgelösten Augustinerinnenklosters Egestorf südwestlich von Oldendorf, Gft. Schaumburg) unterstand direkt den Schaumburger Grafen.

[269] Alexander Leslie [Lesley, Lesle, Lessle, Leßle, Lassle, Letzle, Lasle, Lesly, Laslay], 1st earl of Leven [um 1580-4.4.1661 Balgonie, Fife], schwedischer Feldmarschall. MURDOCH, SSNE ID: 1; dort auch weiterführende Literatur; McANDREW, Scotland’s Historical Heraldry, S. 513ff.; TERRY, The Life; MURDOCH; GROSJEAN, Alexander Leslie; BACKHAUS (Hg.), Brev-II.

[270] Höckersau, heute Ortsteil von Bückeburg [LK Schaumburg] Das Vorwerk und heutige Gut Höckersau liegt an der Aue bei dem Dorf Evesen, Amt Bückeburg, Grafschaft Schaumburg. Frdl. Mitteilung von Herrn Uwe Biesterfeld.

[271] Hagenburg, Ortsteil der Samtgemeinde Sachsenhagen [LK Schaumburg].

[272] DOLLE, Bibliotheca, S. 24f.

[273] CHEMNITZ, Königlich Schwedischen […] Kriegs, S. 945.

[274] Gottfried Heinrich Graf v. Pappenheim [8.6.1594 Treuchtlingen-16.11.1632 bei Lützen], ligistischer u. kaiserlicher General. Vgl. STADLER, Pappenheim.

[275] Jost Maximilian Graf v. Gronsfeld [6.11.1596 Rimburg-24.9.1662 Gronsveld], ligistisch-bayerischer Obrist, kurbayerischer Feldmarschall. Vgl. WARLICH, Für Bayern, Habsburg und Reich [Typoskript].

[276] colligiret: gesammelt.

[277] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[278] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) u. den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs u. dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff. Vgl. www.ra.se/kra/0425.html; 0425 a Sveriges krig, Krieget i Tyskland 1628-1648) unter 0425:03:107 „Keÿserliche Schlacht Ordnung Wie solche durch den General Walenstein ist gestellet vnd gehalten worden den 6. Novembris Anno 1632. vnd diese Schlachtordnung ist bestanden in nachfolgenden Nehmlichen 26,000 Mann Zue Fues, 2000. Dragons, 8000 Curassier, 5000 Herquebuss: 3000 Croat: insumma 44,000 Mann, die Fronte ist breit 979 Ruthen Reinlandisch macht 4895 Pass“. – Lützen [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 286f.

[279] Stephan v. Alber [Albrecht, Albers] [ -9.8.1638 bei Wittenweier], ligistischer Obrist.

[280] Friedrich v. Meerettig [Merrettig, Meretig, Merredich, Merrettich, Marettich, Maretti] [1584-13.1.1633 Grimma], braunschweig-lüneburgischer, dann schwedischer Obrist.

[281] 1 Koppstück = 8 Groschen; STÜNKEL, Rinteln, S. 20.

[282] Krieg als Geschäft ?: KREBS, Schlacht, S. 2: „Wie die übliche mehrjährige Reise an fremde Höfe, so gehörte es womöglich auch zum Inbegriffe einer guten Erziehung, eine Zeitlang unter den Augen eines bekannten Feldhauptmanns die Kriegskunst practisch erlernt zu haben. Man knüpfte auf diese Weise Bekanntschaften an, welche sich später vortheilhaft verwerthen liessen und bei der eigenthümlichen Art der Soldzahlung wurde der Krieg namentlich von verarmten Adligen häufig als ein Geschäft aufgefaßt, bei welchem man verdienen und verlieren konnte“. Diese Auffassung mag vor allem für den Nordwesten des Reiches gegolten haben. LATOMUS, Historicæ Relationis Semestralis Continuatio (1639), S. 16: „Auß Alten Stettin in Pommern wurde vom 15. 25. Septembr. geschrieben / Obrister Schlang vnnd andere vornehme hohe Officirer / vnter der Banerischen Armee / hätten etliche vberauß schwer beladene Wägen mit köstlichen Sachen vnd jhrem Schatz daselbst hin geschickt / vmb selbige von dar nach Schweden zu verschiffen. Sic nos, non nobis, mellificamus apes ! GERMANI“. Nach KSOLL, Die wirtschaftlichen Verhältnisse, S. 54f., war dagegen das Interesse bayerischer Adliger (vgl. ALBRECHT, Maximilian I., S. 12ff.) am Militärdienst (aber wohl nur in der Anfangsphase !) sehr gering, da die Aussichten, zu einem Vermögen zu gelangen, als sehr riskant eingeschätzt wurden, zumal die Aufbringung eines Regiments durch einen Obristen hohe finanzielle Eigenleistungen erforderte. KSOLL übersieht dabei wohl auch, dass dies vielleicht mit der wesentlich geringeren Bezahlung in der bayerischen Armee zusammenhängen könnte, was jedoch relativ zu sehen ist, angesichts der Einkünfte hoher Offiziere, die z. T. als Monatssold das Jahresgehalt eines Hofrats beanspruchten u. erhielten; vgl. die Klagen J. S. v. Törring, dass drei seiner Söhne Kriegsdienst leisteten, die er „in die acht vnnderschiedlich mahlen mit grossen Spesa“ hatte „mundieren miessen“; KSOLL, Die wirtschaftlichen Verhältnisse, S. 117. Zum Ärger Maximilians I. über das Desinteresse des bayerischen Adels am Militärdienst WOLF; BREYER, Geschichte Maximilians I.,  Bd. 1, S. 307. Baur v. Eysenek, Truchsess v. Wetzhausen, Hirschberg, Herrliberg, Schmidt v. Wellenstein,  Herzelles u. Schönburg waren würzburgisch (vgl. auch ARNOLD, Kriegswesen); Zum gestiegenen Anteil 1635-1649 KAPSER, Die Kriegsorganisation, passim. Zacharias Allert [?-nach 1660] hält in seinem Reisetagebuch unter dem 19.2.1627 fest; KREBS, Zacharias Allerts Tagebuch, S. 47f.: „Zu Mittag hat mit den Herren Herr Friedrich Rost, des Raths zu Halle und jetziger Abgesandter an den kaiserlichen Hof, mit Herrn Balzer und dero Orten bei Quartirung der kaiserlichen Armee ausgestanden, wie auch die Soldaten erstlich als Hallunken und Bettler aufgezogen, hernach [als] grosse Cavaliere, prächtig bekleidet von ihnen abgezogen“. Banér hatte 1 Mill. Rt. bei Hamburger Banken deponiert, Königsmarck verfügte über jährlich 130.000 Rt. Renten, der ehemalige hessen-kasselische Generalleutnant, dann kaiserliche Feldmarschall Holzappel besaß über 770.000 fl. Bargeld (vgl. GEYSO, Beiträge III, S. 168ff.), selbst Isolano hinterließ noch 133.000 fl.; FRAUENHOLZ, Das Söldnertum 1. Bd., S. 45f.

[283] MERIAN; ZEILLER, Topographie Braunschweig-Lüneburg, S. 162.

[284] Hanau [Main-Kinzig-Kreis]; HHSD IV, S. 199ff.

[285] Heinrich [Henrich, Henich] Wichgreve [Wiehgreve [Weichgreve, Wichgrebe, Wigrefe, Wiekgreve, „Triegraf“] [1597-27.12.1642 Hamburg], schwedischer Obristleutnant.

[286] CHEMNITZ, Königlichen Schwedischen […] Kriegs, S. 1018. Vgl. auch MÜLLER. Bau und Bedeutung, S. 110f.

[287] STRAHLMANN, Wildeshausen, S. 30.

[288] MANKELL, Uppgifter, S. 242.

[289] Covenanter: (englisch covenant – „Bundesschluss“) diejenigen schottischen Gruppierungen, die sich am 28.2,1638 in einem Treueeid auf den National Covenant verpflichtet hatten, gegen den bestehenden Episkopat unter den englischen Stuart-Königen für ihre Kirche am Presbyterianismus festzuhalten.

[290] Reading [Grafschaft Berkshire, England].

[291] Oxford [Grafschaft Oxfordshire, England].

[292] Immunität: a) Schutz bestimmter Personengruppen vor rechtlichen Maßnahmen. b) verfassungsrechtlicher u. kirchenrechtlicher Sonderstatus von geistlichen Personen bzw. von deren Grund u. Boden. Immunität umfasste ganze Kloster-Bezirke oder auch z. B. die sogenannte Dom-Freiheit, in der sich die Domkirche u. die Höfe der Domherren befanden.

[293] Oliver Cromwell [25.4.1599 Huntingdon-3.9.1658 Westminster], während der kurzen republikanischen Periode Lordprotektor v. England, Schottland u. Irland. Ursprünglich ein einfacher Abgeordneter des englischen Unterhauses, stieg er im Bürgerkrieg des Parlaments gegen Karl I. erst zum Organisator, dann zum entscheidenden Feldherrn des Parlamentsheeres auf. Mit der von ihm betriebenen Hinrichtung Karls I. endeten alle Versuche der Stuart-Könige, England in einen absolutistisch regierten Staat umzuwandeln. Allerdings scheiterten am Ende auch Cromwells Bestrebungen, England dauerhaft in eine Republik umzuwandeln [Wikipedia].

[294] RUSSELL; PRENDERGAST, The Carte Manuscripts, S. 134; CARLTON, Going to the Wars, S. 329f.; FREY; FREY, A History, S. 153f.; WHEELER, The Irish and British Wars, S. 212ff.

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Schmiel, Christian

Schmiel, Christian; Rittmeister [ – ] Christian Schmiel [ – ] stand 1637 als Rittmeister[1] in schwedischen Diensten.[2]

Aus Eisleben,[3] das 1636 1598 Einwohner und Fremde durch die Pest[4] verloren haben soll,[5] wird unter 1637 über die Einquartierung[6] Schmiels berichtet: „Denn 24. Martii 637 hatt der General[7] Panier[8] abermals eine assignation[9] ausgehendiget, weil des Obristen[10] Schlangen[11] seine ruckstendige forderung cassiret, auch deswegen ein sonderbares cassatorium[12] vndt protectorium[13] des Obristen Schlange zugeschickt worden, dass die Stadt Eisleben Rittmeister Christian Schmielen auf eine Compagnie[14] zu Pferd 1500 thlr. vnd auf eine Compagni Traioner[15] 1200 thlr.[16] erlegen vndt den Vnterhaldt darauf richten auch vor des Paniers seine Hofstadt[17] monatlich 500 darzugeben vndt abstatten sollen. Welche ordre, nachdeme der Obriste Lieutenandt[18] Dörflingk[19] mit etzlichen geschlagenen Regimentern[20] zu Halla[21] vbergangen vndt den 1. April zu Seeburgk[22] angelanget, auch in die 70. Pferdte hereinkommen. Den 2. April aber mit den Regimentern sich vor der Stadt vf den alten GottesAcker logiret, da dan gedachter Rittmeister Schmiel mit etzlichen Pferdten hereinkommen, das quartier eingenommen vndt binnen dreyen tagen die 2.700 thlr. haben wollen mit betrauung Feuers vndt schwerdts, oder dass die vor der Stadt liegenden Regimenter auch hereingelegt vndt nicht ehe wieder [ … ] wegk gefuhret werden sollen, es wehre dan zuuohero gedachtes geldt ausgezahlet. Alss man sich nun dahin resoluuiret, dass man Vleiss anwenden wollte, wie das meiste zusammengebracht werden möchte, so ist der Rittmeister Schmiel nebenst seinen Reutern und Traionern hierin geblieben, der Obriste Leutenandt Dörflingk aber ist mit denen bey sich habenden Regimentern, so vber 1500 zu Ross vndt Fuss gewesen, desselben tages nach Hettstadt[23] gezogen vndt sich aldar Einquartiret vndt des andern morgens ferner nach Quedlinburgk[24] vndt Halberstadt[25] gehen wollen.

Alss nun des Dörflings March von der Keyserl.[26] verkundtschafft worden, ist der Keyserl. Obriste Truckmüller[27] zu Mersseburgk[28] [S. 180] mit ein 800 Pferdten durch die Sahle gesetzet vndt in der nacht alhier in der Stille vorbey vndt nach Hetstedt marchiret. Da sie dan den 3. Aprilis die Schwedischen frue morgens in Hedtstedt vberfallen, etzliche niedergeschossen,[29] in die 600 gefangen genommen[30] vndt in die Flucht geschlagen, auch alle [ … ] Pagagi,[31] so sie bey sich gehabt, zur beute[32] bekommen. Wie nun Rittmeister Schmiel solche Post vernommen, hatt er sich alssobaldt desselben tages auch von hier wegk nach Halla begeben. Kegen abent seindt die nachtquartier begehret, denen man zu abwendung desselben 150 thlr. spendiren mussen vndt seind alsso fordt nach Schraplau[33] gangen.

Denn 15. Aprili seindt abermals 100 Schwedische von Hall anhero kommen vndt 360 thlr. abgeholet, vnd desselben tages wieder uf Halla gangen.

Denn 18. April 1637 hatt der Herr Ober Aufseher[34] Nicol von Loss[35] etc. weil die Burgerschafft dem Rath nicht pariren wollen, die Contribution[36] vor sich gezogen, den Schwedischen ihr geldt eingefordert, vndt Mattes Rauen und Samuel Erhardten zu Einnehmern verordtnet.

Denn 26. April hatt Rittmeister Schmiel durch seinen Leutenandt[37] abermals 1400 thlr. alhier abholen lassen.

[ … ] Denn 4. Maji 637 nachdeme die Keyserl. vnd Churfl.[38] vonn Meissen[39] auf vndt nach Eilenburgk[40] gezogen vndt sich des Muldenstroms bemehtiget, istgedachter Rittmeister Schmiel nebenst seinen Volck[41] vndt andern Officirern in grosser eil aus Halla durch das Ambt[42] Friedeburgk[43] vndt nach Egeln[44] gezogen“.[45]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Schwadron, Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler u. Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler u. Plattner 1 Feldkaplan u. 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- u. Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, 175 fl. bei den Kürassierern (1640), den Arkebusieren, Dragonern u. Kroaten 150 fl.; SCHMID, Quellen, S. 157f., während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich dotiert gewesen, in der kursächsischen Armee dagegen mit 174 fl.; MÜLLER, Das Söldnerwesen, S. 13. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 25.11.1635, waren es 250 fl.; MÜLLER, Schicksale, S. 70. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute u. Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Kavallerie ein Rittmeister 20 Rt. 20 Gr. zehntätige Lehnung, bei der Infanterie 1 Rt. 12 Gr. 11. Pf., BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. In der Leipziger Garnison erhielt ein schwedischer Rittmeister 1642/43 monatl. 62 Rt. 12 Gr. u. 33 Rt. für 6 Pferde, 1644 65 Rt. u. 10 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- u. Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren 1645 200 Rt. Ranzion (Lösegeld) für ihn aufzubringen. Ein verletzter Rittmeister erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 300 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1666, S. 598.

[2] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[3] Eisleben [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 103ff.

[4] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, v. HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] u. seinen Zeitgenossen neben Krieg u. Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX [=> mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest v. 1625 an der Pest v. 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden u. etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- u. Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später traten Bewusstseinsstörungen u. Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende u. äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten u. Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm u. waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen v. selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 % zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer u. erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle v. Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- u. Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder v. Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat u. die eine Letalität v. 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren starke Atemnot, Husten, blaue Lippen u. blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de] lassen vermuten, dass es sich bei der Pest v. 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status u. Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung u. Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse u. andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser u. Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne v. vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet u. wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“. Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. „Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest u. Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt v. den Heiligen Sebastian u. Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit u. Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der v. „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurden, aber auch v. Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand v. Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 92ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung u. wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. https://www.unterdietfurt.de/gemeindeinfo/geschichte/dreissigjaehriger-krieg: „Diejenigen, die mit den Pestkranken Umgang hatten, wie z.B. Geistliche mussten ein zwei Finger breites und eine Spann langes hölzernes Kreuz auf der Brust tragen, damit der Umgang mit ihnen gemieden wurde“. Im Niddaer Kirchenbuch – in Nidda erlagen etwa 1.800 Personen, davon mehr als 1.200 aus 80 Dörfern der Umgebung der Pest – war als Rezept verzeichnet: „Contra pestem.

Eine Handt voll Angelica Kraut vnd wurtzel

1 Handt voll Golt wurtz, wurtzel vnd Kraut

1 Handt voll Weinrautten

1 Handt voll Brombetterbletter

1 Handt voll wermut

Dieses alles klein geschnitten und in ein Zinkann gethan, ein maß wein Essig darüber gegossen vnd al so lang kochen (?) lassen, wolverdeckt, danach mit der Kant gehob. zugemacht, daß kein dampff darauß geht, in einen Kessel mit wasser geseit, vnd 9 stund sieden lassen. Wann dieser widder kalt worden, in einen Helm gethan, vnd zu wasser gebraut, Essig vnd Kraut mit einander. Wan dan ein alt Persohn die Pest anstösset, gibt man ihm vier oder fünff löffel voll, darunter muß einer Haselnuß groß guter Thiriack gerieben werden vnd lkaß man ihn, ob er kaii schwitzen darauff oder sich sonsten wol bewegen, damit er nit schlafe. Dißes hat Gottlob an Bekanten allein vilen leicht geholfen“. RIESCHER, Die Wetterau, S. 381. Vgl. auch LAMMERT, Geschichte; RUFFIÉ; SOURNIA, Die Seuchen, S. 17ff.; BERGDOLT, Der Schwarze Tod; SEELBACH, In dieser harten und sterbenden Zeit, S. 292ff.; LWL-Archäologie für Westfalen [Hg.], Pest !

[5] GRÖSSLER; SOMMER, Chronicon Islebiense, S. 168.

[6] Einquartierung: Vgl. dazu die ausführliche Analyse bei PLEISS, Bodenständige Truppen, für die schwedisch-finnischen Truppen 1630-1650; S. 22: „Die Soldaten bekamen eine Eintrittskarte (‚Polett‘, ‚Palet‘, Ballette‘), die ihnen ein Dach über dem Kopf und gleichzeitig die Versorgung mit Lebensmitteln verhieß. Auf diese Weise wurden die meisten Wohnhäuser der Stadt zu Wirtshäusern. Der Hauswirt war verpflichtet zum ‚Servis‘ (Lagerstatt, Licht, Wärme) imd zum ‚Unterhalt‘ (Essen, Trinken, Taschengeld). Auf dem Papier der Verträge war meistens ein Wahlrecht für den Wirt vereinbart, ob er seine Soldaten mit Naturalien unterhalten oder ihnen Geld zur Selbstversorgung geben wollte. In der Praxis bürgerte es sich bald ein, daß die Soldaten beides forderten. Darüber hinaus hatte der Wirt oftmals den Soldaten zu ‚remunerieren‘, d. h. Für Kleidung und Ausrüstung zu sorgen, sogar Pferde zu beschaffen. Die Lasten, die auf so einer Einquartierungs-‘Bollette‘ lagen, waren jedenfalls vielfältig und nicht geringfügig und nicht geringfügig. Die Offiziere pflegten außerdem noch ‚Blindbolletten‘ zu fordern, mit denen sie Freunde, Besucher und nicht enrollierte Dienstboten unterbrachten – oder aber Geschäfte machten. Nicht alle Quartiere wurden wirklich von Soldaten bewohnt. Es gab auch ‚Hülfsquartiere‘, die den wirklich belegten Nachbarn mit Naturalien oder Geld beistehen mußten. Die Zeit, die ein Soldat und seine Angehörigen in ein- und demselben Quartier verbrachten, schwankte zwischen einer Nacht und mehreren Jahren“. Die kostenaufwendige Einquartierung v. Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren u. Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen u. Steueraufkommen u. auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften u. Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Vgl. die Klagen der Einwohner Steinbachs im Oktober 1628; KLEINEHAGENBROCK, Württembergisch Franken, S. 247: „Wir kommen solcher Gestalt in je länger je größern Schuldenlast, unndt müßen uns einen wie den anderen Weg darbey von den Reütern uffs eüsserst tribulieren und ihnen die meisterschaft gannz und gar laßen, unsere Beth, darinnen wir bey nacht nach außgestandener harte arbeitunsere Ruhe haben soltten, haben wir ihnen eingeraumbt, hergegen müssen die unserigen sich mit dem Strohe behelffen, welches zur Feldarbeit schlechten Appetit bringen thuett. Wir seien also wohl bey unsern Reütern dran, daß wir nicht all Zeit, wann wir wollen, in die Stueben dörfen, viel weniger nur eine helle weiße Suppen mit Ruhe eßen können. So sein wir theils und sonderlich ich, Schultheiß zu Steinbach, mit kleinen Kindern überfallen, derentwegen mancher seiner Stueben, wie etwas bishero wegen einbrechender Kellt nit mehr entbehren kann“. Ein Soldat pro Bürger bzw. zehn Mann pro Haus galten z. B. in Mainz während der schwedischen Besatzungszeit als Faustregel. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten u. Abgabe v. Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Universitätsangehörige, Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte u. Gastwirte. 50-75% Anteil in Bezug auf die Bevölkerungszahl galt es verkraftbar. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. Nach dem Überlinger Dr. Pflummern; SEMLER, Tagebücher, S. 393 (1642); sind „dise völckher zu roß vnd fůß nicht darumb zu vnß kommen, vnß oder daß land vor dem feind zu sichern, oder gegen denselbigen sich im veld sehen zu lassen, sonder allein hinder den mauren oder vnderm tach den bauch vnd seckhel zu füllen vnd alßdan den weeg weitter zu nemmen vnd vnß dem feind zum raub zu hinderlassen“. In den Quartieren gab es zudem Mord u. Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger u. Bauern waren trotz demonstrativ errichteter Quartiergalgen u. hölzerner Esel alltäglich. Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph 3. Bd., S. 359. Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden mußen“. Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Zur Einquartierung Königsmarcks in Verden wird berichtet; PFANNKUCHE, Die neuere Geschichte, S. 123: „mit einem Reiterregimente von 12 Compagnien und mit 4 Compagnien Dragoner, so daß auf die größeren Häuser eine Einquartierung von 30 Mann und darüber mit den Pferden fiel. Während 12 Tage, die dieser Druck dauerte, wurden überdem Lieferungen von Kleidern, Stiefeln, Schuhen, sogar auch Degen u. s. w. und von den vermögenderen Bürgern zu Gunsten einzelner Officiere Summen von 50, 60, 80 auch 100 Thalern beigetrieben“, was letztlich die Einwohner in die Flucht trieb. Die zehnwöchige Einquartierung des Leibregiments Königmarcks im Land Hadeln 1645 soll 201,987 Rt. verschlungen haben; CHRONIK DES LANDES HADELN, S. 309. Eine längere Einquartierung konnte so den Ruin ganzer Gemeinden u. Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger v. Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644): „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“ VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 609 (Leipzig 1643): „Den 2 Augusti hat sich ein 70jähriger Mann / Richter zu Zwey Nauendorff / aus Furcht / weil er von dem Käyserlichen Anmarch gehöret / selbst erhencket“.

[7] General: Zumeist als Oberbegriff für alle Generalsränge, z. T. auch nur für Befehlshaber verwendet, wenn eine genauere Zuordnung des Rangs dem Zeitzeugen nicht möglich war oder um in den schriftlichen Zeugnissen Papier zu sparen. Darunter fielen in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, „General(feld)wachtmeister“ („Generalmajor“ bei den Schweden). Etwa 20 % der bayerischen Generäle hatten sich „von der Pike auf“ hoch dienen müssen, während die Beförderung in der schwedischen Armee je nach Verdienst wesentlich schneller erfolgte. Sowohl in der kaiserlichen als auch in der kurbayerischen Armee spielten Herkunft, Gönner u. verwandtschaftliche Beziehungen („Freundschaft“) eine entscheidende Rolle bei der Karriere. Bereits Anfang 1628 hatte Maximilian I. festgestellt: „An der fromen khaisers gueten intention ist zwar nit zu zweiflen; aber er ist seiner ministrorum bevorab denen, die daß kriegswesen dirigirn und füehren, so wenig mechtig alß dieselbige ihrer soldatesca; die experienz hat bißher gewisen, daß die generales des khaisers und die soldaten der generalen ordinanzen nur so weit in acht nemmen, alß es ihnen gelegen und gefellig. Daher alle ietzige confusiones.“ Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 218, fol. 63: Memorial für Richels Sendung nach Kurmainz, Januar/Februar 1628.

[8] Johan Banér [Banner, Bannier, Banier, Panier, Pannir, Panner, Bannhir] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. 1614 Offizier unter Gustav II. Adolf v. Schweden, 1620 Beförderung zum Hauptmann, 1621 zum Obristen, 1623 zum Generalmajor, 1630 zum Generalleutnant, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1632 Übernahme des Oberbefehls in Süddeutschland, 1633 Beförderung zum schwedischen Feldmarschall u. Übernahme des Oberbefehls über die in Schlesien stehenden Truppen. Nach der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 Bruch mit Sachsen, Zurückdrängung seiner Armee nach Norden, am 4.10.1636 Sieg bei Wittstock über kaiserlich-sächsische Truppen unter Melchior v. Hatzfeldt, Eroberung Erfurts u. Belagerung Leipzigs, nach Verstärkung seines Heeres durch Truppenkontingente des verstorbenen Bernhards v. Sachsen-Weimar 1640/1641 vergeblicher Vorstoß auf Regensburg, anschließend Rückzug nach Böhmen u. Sachsen. Schon während des Marsches war Banér v. einem heftigen Fieber befallen worden. Todkrank u. in einer Sänfte getragen kam er am 18.5.1641 nach Halberstadt u. starb dort zwei Tage später. Er bestimmte zuvor noch Lennart Torstenson zu seinem Nachfolger. Banér hatte 1 Mill. Rt. bei Hamburger Banken deponiert. Nach Ansicht des französischen Marschalls Guébriant trotz der Differenzen über die gemeinsame Kriegsführung „digne d’d’étre estimé le second Gustave de Septentrion“. Zit. bei LORENTZEN, Die schwedische Armee, S. 88, Anm. 3. Seit 1633 Mitglied Nr. 222 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Haltende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 235ff. BJÖRLIN, Banér; BOËTHIUS, Banér. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner; ZIRR, Die Schweden; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau.

[9] Assignation: Anweisung.

[10] Obrist [schwed. överste, franz. mestre de camp, dän. oberst, tschech. plukovník]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. In der Garnison Leipzig bezog ein schwedischer Obrist der Kavallerie 1642/43 noch 200 Rt., 1644 120 Rt. u. 30 Rt. Servis, ein Obrist der Infanterie dagegen nur 69 Rt. u. 30 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Seit Kriegsanfang war man auf Beute fixiert. Zeitungsbericht aus München, 3.12.1620; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 316: „So meldet Herr Wentzin [Lorenz Wensin v. Rohlstorf zu Kronwinkel; BW] das er biß in 60000 fl. wehrt bekommen vnnd mus ein schlechter Obr: oder Hauptmann sein der in diesem Krieg nicht vber 30000 fl. erobert“ habe. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollte, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten u. offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630: HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 14f.: „Unndt wurde eß uf solchenn fall sich leichtlich gebenn, ob Euer Kay. Mayt. alßdann auff solcher Leute Dienste, die nichtes mehres alß groß unndt reich zu werden suchenn, die auch wol, wenn sie den Seckel gefulllet, lieber inn ruhe zu sizenn, alß zu fechten begehrenn möchtenn, sich mehr, alß auff ihrer gehorsamen Churfürsten undt Ständte gutten, getreuesten und gehorsambsten affection werden verlassenn können“. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, v. denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de edoced000228/start.htm, [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 mille, Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Maximimilian v. Waldstein; BW]“. Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.; KAPPELMEYER, Die Obristen der Krone Schweden.

[11] Erik [Erich] Klarson Slang [Slange, Schlange, Schlang, Schlangk, Schlenk, Schläge] [1600-2.11.1642 bei Breitenfeld], Sohn des finnischen Adligen Claes Eriksson Slang (gest. 1625), schwedischer Kornett (1630), Obrist (1635) u. Generalmajor (1640). ZIRR, Die Schweden.

[12] [mandatum] cassatorium: Aufhebungsanordnung.

[13] protectorium: Schutzbrief.

[14] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany, tschech. rota]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch u. schwedisch) umfasste v. der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke u. Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie v. einem Hauptmann, die berittene Kompanie v. einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“. Die Kompanie führten ein Hauptmann, ein Leutnant, ein Fähnrich, ein Feldwebel, ein Sergeant, ein Rüstmeister, ein Musterschreiber, die Korporale u. Rottmeister. Bei den kursächsischen Berittenen gehörten ausser dem Rittmeister noch ein Leutnant, ein Fähnrich, zwei Korporale, zwei Trompeter, ein Musterschreiber, ein Fourier, ein Feldschreiber, ein Sattler, ein Plattner, ein Justitiengehilfe u. ein Fahnenschmied dazu; MÜLLER, Söldnerwesen, S. 13.

[15] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon, tschech. dragoun]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ oder „Musketier zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel v. Reitern u. Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen u. zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd u. eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten als Musketiere in den Kampf geschickt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung u. Deckung v. Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- u. Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff. Ein verletzter gemeiner Reiter erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 30 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1665, S. 596, 597; Nr. 1666, S. 599. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 fl. 55 kr. in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll sogar zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Ein gemeiner kaiserlicher Reiter erhielt 1635 monatl. 6 fl.; MÜLLER, Schicksale, S. 70; ein gemeiner schwedischer Reiter in Leipzig 1644 4 Rt. monatl. Löhnung; ZIRR, Die Schweden, S. 803; nach der Ordinanz Erzherzog Leopold Wilhelms (1645) erhielten Kroaten 5 fl., Dragoner dagegen 4 fl.; KUHLBRODT, Die Reichsstadt Nordhausen 2. Bd., S. 291. BEAUFORT-SPONTIN; Harnisch, S. 83ff.; BRNADIC, Imperial Armies, S. 24ff. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd Zu den Waffen vgl. auch http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.htm.l.

[16] Reichstaler/Gulden: 1 Reichstaler = 1,5 Gulden; 1 Reichstaler = 18 Batzen = 72 Kreuzer = 288 Pfennige, 1 Reichstaler = 21 Schillinge (ß) = 252 Pfennige (δ); 1 fränk. Rt. = 1, 2 fl. (1632), 1 fl. = 50 Liter Bier, = 5 Paar junge Hühner, Entgelt für die Säuberung zweier Wachtlokale. Reichsgulden: 1 Reichsgulden = 60 leichte oder rheinische Kreuzer (kr.) = ⅔ Reichstaler (Rtl.) = 16 gute Groschen = 24 Mariengroschen. Zur Umrechnung v. fl. in €: Wie problematisch eine derartige Umrechnung ist, zeigt www.mhoefert.de/PDFs/30_jaehriger_Krieg.pdf, der 30.000 fl. in ca. 3 Mill. € umrechnet (!). 1 fl. dürfte maximal 50 € entsprochen haben. Nach einer anderen nicht unproblematischen Umrechung würde 1 Rt. heute etwa 27, 3 € entsprechen. Nach WILDGRUBER, Die feste Stadt Wasserburg, S. 74, entspräche 1 Rt. 60 DM, also etwa 30 €. Eine Umrechnung v. 1 fl. über den heutigen Feinsilbergehalt v. 15 g in 8 € ist ebenso problematisch; MÜLLER, Die Belagerungen, S. 450. Wenn selbst Bauernstiefel schon mit 20 fl. aufgelistet sind, würde das 540-1.000 € entsprechen. Nach BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 262, soll der fl. einen Wert v. 150 € besessen haben. Sinnvoller wäre es, mit den Preisen für Gebrauchsgüter, Löhne etc. in den betreffenden Jahren zu verfahren, die in den einzelnen Gebieten je nach Kriegslage sehr unterschiedlich sind.

[17] Comitat, Hofstaat: Anhang, Begleitung, Geleit, Gefolge. Viele Obristen führten ihre Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Der mobile Hofstaat aller Offiziere u. ihrer Ehegattinnen trieb die Einquartierungskosten zusätzlich in die Höhe. Leone Cropello de Medicis hatte 1628 bei sich: einen Gesellschafter v. Adel, Haushälter, Kornett, Hofmeister, Kammerdiener, Sekretär, Gestlichen mit Jungen, Tafeldecker, Aufwärter, 3 Pagen, Trompeter, Koch mit Jungen, Schneider, zwei Sattler u. ein Pferdeschmied mit Frauen, Feuereinmacher, Aufwärter in der Küche, Küchenfrau, Domestiken u. Musikanten, ingesamt 51 Personen; KELLER, Drangsale, S. 91, Anm. Auch Köche, Possenreißer etc. wurden mitgeführt. Am 24.5.1630 schrieb Maximilian I. v. Bayern dem Obristen Cronberg, es sei ein „unverantwortliches procedere, da die Obersten sich den Fürsten gleich halten wollen, werden die Quartieer ruinirt und erschöpft“. OMPTEDA, Die von Cronberg, S. 521. Dass gerade auch Offiziersfrauen z. T. ein großes Gefolge (50 Personen u. 50 Pferde) wie die Gemahlin v. Johann Philipp Cratz Graf zu Scharfenstein mit sich führten, erwähnt HELML, Der Dreißigjährige Krieg, S. 59. Das Amtsprotokoll (1626 VIII 29), SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg , S. 281, täuscht hinsichtlich der Gesamtzahl: „Die Gravin von Ahnolt hat 9 pferdt, darzu wirdt außm ambt Stromberg contribuirt. Obrist Gallas hat 15 pferdt. Der ist nit hier. Der haubtmann hat 10 pferd, capitanleutenant 7, drey fendriche 12, cap(itan) S(t). Eloi 4, drei veltwaibell 9, drey furier 3, aventurier 12, ingenieur 5“. Dies waren lediglich die in Wiedenbrück stehenden Pferde. Selbst Hauptleute einer Kompanie unterhielten schon zu Anfang des Krieges einen eigenen kleinen Hofstaat u. hatten nicht selten achtzehn Personen u. vierzehn Pferde mit sich. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen u. 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Der schottische Söldner Robert Monro, „der Schwarze Baron, der als Freiwilliger mitgekommen war, erhielt die Erlaubnis, für einen Grafen Tafel zu halten, der gewöhnlich mit mehr als sechzehn Personen zu Tisch erschien. Die Besucher des Grafen, seine Pferde und seine Diener wurden dabei ebenfalls standesgemäß versorgt“. MAHR, Monro, S. 27. Bei den ligistischen Cronbergischen Reitern (363 Soldaten) wurden in Langenau (Schwaben) „600 pferde, 66 weiber, 78 mädel, 307 jungen, 94 kinder und grosse anzahl hunde“ festgestellt; ZILLHARDT, Zeytregister, S. 128. „Die Offiziere führten ein Leben in Luxus, tranken täglich ihren Wein und forderten neben Geld, Fleisch, Weißbrot, Hafer und Heu auch Delikatessen, so der Örter nicht zu bekommen. Sie brachten nicht nur ihr Gesinde mit, sondern luden auch noch Freunde und Verwandte ein. Die Bauern mußten mit Pferd und Wagen bereitstehen, wenn die hohen Herren Jagden veranstalteten, und bei Truppenverschiebungen hatten sie den Transport zu bewerkstelligen. Eine Untersuchungskommission, die auf ständige Klagen der fürstlichen Räte und auch des Kurfürsten eingesetzt worden war, stellte lediglich fest, daß entsprechende Berichte stark übertrieben seien, und Anholt konnte auf die fehlenden Soldzahlungen verweisen, ohne die die Soldaten sich weder Lebensmittel noch Waffen oder Kleidung kaufen könnten. Erst Ende Mai 1623 trafen neues Geld sowie Waffen und Rüstungen ein, und Anholt erließ eine neue Ordonnanz, nach der die Soldaten nur noch das gewöhnliche Servis fordern durften, d. h. Bett, Feuer, Salz, Zwiebeln und Essig, alles Weitere aber bezahlen sollten“. TESKE, Bürger, S. 68. Auch fand man bei den Kompanien fünfzig Weiber u. dreißig Jungen, was die Unterhaltskosten in die Höhe trieb, u. gerade in einem solch kleinen Wigbolden im mikroökonomischen Bereich den Ruin auf Jahre hinaus bedeutete. Der Aufwand für Erzherzog Leopold Wilhelms eigene Bedürfnisse u. seinen Hofstaat scheint enorm gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 612: Schweinfurt hatte 1646 dan den Hofstaat des Erzherzogs zu liefern: „3 Ochsen, 8 Kälber, 12 Castraun, (Kapaunen ?) 4 Säuglämmer, 1 gemästetes Schwein,4 indianische Hennen, 40 Stück altes Geflügel, 12 junge Tauben, 1 ½ Zentner Schmalz und Butter, 500 Eyer, 1 Eymer Weinessig, 1 Mltr. Kochgerste, 1 Mltr. Erbsen, 1 Scheibe Salz, 30 Pf. Holländischer Käs, 1000 Pf. Brod, 60 Striche Haber, 30 Eymer Wein, 100 fl. an Geld für rauihes Futter, Oel und Gewürz. Hieran lieferte die Stadt: 6 Eymer 44er, 25 Eymer 45er Wein, 19 Mltr. Haber, 6 Mltr. Korn, 1200 Pf. Brod, 2 Mltr. Weizenmehl, 4 Saugkälber, 1 Schwein, 2 indianische Hühner, 1 dergleichen Hahn, 1 Hahn, 20 alte Hühner, 10 Paar Tauben, 1 Sack mit Kochgerste, 1 Mltr. Erbsen, 4 Schock Eyer, 1 Scheibe Salz, 2 Holländische Käse, 1 Eymer Essig. Auch wurden dem Oberstallmeister des Erzherzogs 3 Eymer und dem Futtermeister 2 Eymer Wein verehrt. Mit diesen ihnen gelieferten Lebensmitteln fuhren sie am 28 d. weg, und ihre Zehrung, die 50 Thaler kostete, mußte die Stadt bezahlen. Nach der Aussage der Bedienten war obgedachte Forderung nur der fünfte Theil der Nothdurft zur wöchentlichen Haushaltung des Hofstabs, die andern vier Theile müßten andere Städte herbeyschaffen. Welches auch glaublich war, weil nach ihrem Berichte tägliche 600 Personen an 40 Tafeln bey dem Erzherzoge gespeiset wurden“. „Als Leopold am 15. September [1646; BW] in Ammerthal war, wurden täglich 20 Ochsen, 100 Schöpse, 6 Kälber, 4 Ztr. Schmalz und Butter, 6 Säcke Weizenmehl, 120 Stück altes und 80 Stück junges Geflügel, 20 Eimer Wein, 60 Eimer Bier, 3 Zentr. Fische sowie 3000 Pfd. Schwarz- und Weißbrot verlangt“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 240. Die anti-kaiserliche „36. Extraordinari. 1634“ teilte unter dem 14./24.6.1634 mit; Archives Municipales Strasbourg AA 1065: „Mit Regenspurg hat es / Gott lob / kein Noth / wie deßwegen Ihre Fürstliche Gn. vor Forchheim von demselben Commendanten [Lars Kagg; BW] wider Schreiben bekommen / auch gestern glaubhaffter Bericht eingelangt / daß sich der Feindt darvor sehr ruinire vnd consumire / auch schon durch Gegenwehr / Absterben vnd Entlauffen in zehen tausendt Mann verlohren / gelte im Läger ein pfundt Roßfleisch acht Kreuzer / sey zwar grosse Zufuhr / weiln aber der Vngarische König eine grosse Hoffstatt von ohngefehr 3000. Vngar- Böhm- vnnd Oesterreichischen Herrn / welche widerumb ihre Diener haben / vmb sich hat / so alles zu sich ziehen / als kompt dem gemeinen Soldaten wenig zu theil“.

[18] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant, tschech. podplukovník]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, v. den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Heirat, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch v. Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten u. die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren u. Soldaten bewies u. für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments u. die Anwerbung v. Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- u. Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse u. Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] u. 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen u. dänischen Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. 1632/33 musste Prag für einen Obristleutnant des Regiments Anton v. Weveld 600 fl. monatlich aufwenden; HALLWICH, Wallenstein‘s Tod 2. Bd., S. 264. Lt. Verpflegungsordonnanz Gustav II. Adolfs standen ihm 8 Essen im Wert v. Je 1/8 Rt., 8 Pfd. Brot, 6 Maß Wein u. Servis zu; PLEISS, Die Werber I, S. 295. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 25.11.1635, hatte die jeweilige Stadt 160 fl. aufzubringen; MÜLLER, Schicksale, S. 70. In der Leipziger Garnison erhielt er bei der Kavallerie 1642/43 100 Rt., zu Fuß 61 Rt., 1644 70 Rt. bzw. 30 Rt. u. 18 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen u. Garnisonsdienst zwei Quartiere u. damit auch entsprechende Verpflegung u. Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) gab es für einen verletzten Obristleutnant 500 fl. Belohnung; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., S. 598. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Obristleutnant nach der Schlacht bei Jankau (1645) 500 Rt. Ranzion (Lösegeld) aufzubringen.

[19] Georg v. Derfflinger [Derfling, Doerfling, Dörffling, Törfling, Dorfling, Dorflinger, Dörflink] [20.3.1606 Neuhofen/Österreich-14.2.1695 Gusow], schwedischer Obrist.

[20] Regiment [schwed. regimente, dän. regiment, tschech. pluk]: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold u. die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl v. Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments v. 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments v. 1.200 Mann mit 260-300.000 fl. angesetzt. Die Aufwendungen Prags für die 23monatige Einquartierung des Regiments Anton v. Weveld u. eine Fähnlein Maximilians v. Walstein betrugen 206.235 fl. 30 kr.: HALLWICH, Ungedruckte Briefe 2. Bd., S. 264f. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 m[ille], Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Waldstein; BW]“. Richelieu hielt fest; Vertrewlich freundlich Gespräch: „Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung“. Das entsprach 264.000 fl. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 u. 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 u. 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 u. 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 u. 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 u. 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 u. 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, vom Vorgänger übernommen u. oft v. seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet u. kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige. Selbst in Zeitungsmeldungen gab es etwa am 3.4.1633 aus Franken Zweifel an den Angaben; BÖNING, Dreißigjähriger und Öffentlichkeit, S. 395: „Die Friedländische Armee ligit hin vnnd wieder vmb Schlackenwald / Schlackenwert / Dachaw / etc. ist aber bey weitem nicht so starck / alß man es außgeschryen / seyn wol viel Regimenter / aber sehr Schwach / vnd theils vber 400. Mannn nicht starck / mehrentheils Genötigte vnd Gezwungene“. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630; HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 15f.: „Meine Arme Lande aber mußenn nicht alleinn daß Volck, so im Lande sich befindet, unnderhalten, sondern auch dennen, so inn andere Lande einquartiret, den Soldt unndt swart ann Reichsthalernn in specie oder mit großem auffgeldt nachschickenn. Ja sie mußen zu behueff der Servicen sderer, so ausserhalb Landes ihre Quartier habenn, viel tausent Thaler auffbringen, auch muß der Soldt gantz ubermäßig unndt nicht nach Monaten, wie soonst bey allenn Kriegenn gebräuchlich, sondernn nach wochenn gereichet werdenn, nicht allein denen, so nurt etliche wenig wochen in den Quartieren verbleiben, sondern auch denen, welche zu 12, 18, 20 unndt mehr Monaten ihre Quartier behalten, daß also der Soldat im Jahr auff 13 Monat dienet, da doch bey wenigen Kriegen erfahrenn wordenn, daß volle 12 Monat im Jahr außgezahlet worden weren. Der soldt wirdt auch dergestaldt, alß wann alle Regimenter complet werenn, gemahnet, da doch die recreuten offters kaum inn 6 Monatenn erfolgenn. Ich will geschweigenn, daß vielleicht wol derer Regiment köndten gefunden werden, welche niemahl, auch auff gegenwertige stunde, nicht complet wordenn, muß also der Soldt vom 1. Novembris ann den Soldaten vor voll gegeben werdenn, da doch derer viel allererst im Martio oder Aprili oder wol nimmer zum Regiment kommen. Es werdenn auch nicht allein starcke summen zu behueff der Artillerie erhobenn, sondern noch darzu vor iedere Companie Rüstwagen, Pferde, Lunten, Karrenn, Schuppen unndt waß des dinges viel mehr begehret. Dieß alles wirdt auch mit solcher indiscretion unndt scharffer militarischer Exe-[S. 16]cution unndt dabey vorgehendenn Excessen, derer gegen Euer Kay. Mayt. erwehnung zu thuen Ich fast bedenckenn trage, von den armen Leuten erzwungen unndt darüber viel seuffzenn unndt bittere threnen außgepreßet. Eß geschiehet auch solches mit seiner solchen manier, daß wol Niemandt, der eß sonst nicht wuste, sollte glauben können, daß noch ein Churfürst im Lande. Theilß der Soldaten sagen ungescheuet, sie fragten nichtes nach mir, unndt wiße mann noch nicht, wie lange Ich Chuerfürst unndt Herr im Lande bleiben werde. Geschiehet eß aber einmahl, daß mann etwaß, so im Lande zu suchen, ann mich gelangen leßet, so stehet so baldt die commination [Strafandrohung; BW] dabey, wolle Ich eß nicht anordnen, so wolle mann eß selbst suchenn, wo mann eß findet, unndt dieses alles wierderfähret mir von frembden nationen, theilßs vonn geringen officirern unndt wol gemeinen Soldaten“. Richelieu gegenüber Beichtvater Père Joseph über die mangelhafte Organisation der kaiserlich-bayerischen Armeen u. zum Zustand der französischen Armee (1638); Vertrewlich freundlich Gespräch: „Zum andern ist das Teutschland vor Zeiten wohl ein mächtig Land gewest / aber die langwürige Krieg vnd so wohl Freund als Feind haben es also verderbt / daß es jhme nicht mehr gleich vnd nicht der dritte Theil am Volck vbrig vnd selbiges also erarmet ist / daß der Arm dem Reichen gleich / das grosse / breite vnd weite Land öd ligt / vnd niemand bey seinem wohnen kann. So haben wir gut wider ein so verderbt Reich / vnd wider einen solchen Fund zu kriegen / der gleich wohl eine erfahrne tapffere Soldatesca in Anzug bringen kann / aber ohne Ordnung / ohne Bezahlung / ohne Disciplin, das gantze Teutschland ist fast ein Quartier vnd stehet dem Soldaten preiß / allda noch er / noch der Inwohner zu leben hat / vnd wann er in das Feld ziehet / keinen Proviant / oder andere Nothwendigkeit sind / daß er also in Mangel dessen von seinen eygnen Vnordnungen sich verzehrt. Die Regiment vnd Compagnien seynd viel in Anzahl / aber mit wenig gemeinen Knechten ersetzt / vnd die Officier erpressen doch die Contributiones für völlig. Bey den Regimenten befinden sich wenig Obristen in Person / also wann Fehler vorüber gehen / so wohl im Feld als in Quartieren / ist niemand der helffen / der den man zu red stellen köndte. Wo ein Corpus beysam̃en / commandiren vnterschiedene Generales, der ein will für sich / der ander hindersich / der ein es auff Welsch / der ander auff Teutsch haben. Vnd das gemeine Wesen gehet vnter dessen zu Scheitern. Die höchste Häupter sehen von weitem zu / vermeynen es mit Ordinantzen, Commissarien, Currieren, Botten vnd Brieffen zu erbesseren / ziehen doch niemand schuldigen zu gebührender Straff / lassen allein das gute Glück walten. Aber bey solcher manier zu kriegen ohne ein rechtes General Haupt / ohne Geld vnd Disciplin, ohne Vorsehung vnd Rarh / mit verderbung eygener Land vnd Leuth / allda denen Soldaten alles preiß stehet / vnd sie sich selber vntereinander spoliren, plündern / vnd auffreiben auch alle Vnbild / Vnfugsamkeit / vnd Laster gleichsam gestattet wirdt / kann weder Göttlicher Segen / noch menschlich Glück bestehen. Wann Gott vnsern Feinden nit bessern Sinn gibt / so haben wir ein gewunnes Spiel. Wann sie aber wolten kriegen wie wir / mit ordentlicher Bezahlung / daß der Vnderthan beym Fe