Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey], Wilhelm [Guillaume de] Freiherr [1634], Graf [1649] von

Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey], Wilhelm [Guillaume de] Freiherr [1634], Graf [1649] von; Feldmarschall [um 1590 – 13.12.1659 Schloss Dymokury]  Wilhelm von Lamboy [um 1590[1] – 13.[2]12.1659 auf Schloss Dymokury[3] (nahe Podebrady, nordwestlich von Mestec Králové); [4] Baron von Cortesheim[5] und Herr auf Dessenaer-Wintershoven,[6] Neuschloss[7] und Bielerad – 1642 an Lamboy gegangen,[8] – entstammte einer ritterlichen, „nicht eben berühmten“ Familie aus dem Hochstift Lüttich. Sein Vater war der 1636 verstorbene Wilhelm von Lamboy, seine Mutter Marguerite de Méan. Sein Bruder Georg brachte es bis zum kaiserlichen Obristen. Um 1641 heiratete er in Schwaben Sibylle, die Tochter des Johann Freiherr von Boyneburg auf Markt Bissingen,[9] Statthalter zu Innsbruck, und der Catharina Gräfin von Montfort. Mit ihr hatte er einen Sohn und vier Töchter.Er erlernte in den Spanischen Niederlanden das Kriegshandwerk und soll von Bucquoy selbst mit nach Böhmen gebracht worden sein.1621 wurde er zum kaiserlichen Obristen befördert. Weitere Nachrichten bis 1632 fehlen uns bisher.Am 31.3.1632 schlugen Horst und Lamboy südlich von Pattensen[10] Herzog Georgs Kavallerie.[11] Lamboy hatte um 1631/1632 im kurkölnischen Auftrag fünf Reiterkompanien geworben; weitere kamen im Lauf der Zeit dazu. Das Regiment focht bei Lützen[12] und wurde von Wallenstein[13] in die kaiserliche Armee eingegliedert. In der Schlacht von Lützen soll er sich zusammen mit seinem Obristlieutnant Tavigny durch Tapferkeit ausgezeichnet haben. Er geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung erhielt er ein kaiserliches Dankschreiben, das ihm ein „Gnadenrekompens“ versprach, von Wallenstein das Gut Oels[14] mit der von Zdeněk von Waldstein erbauten Veste Neuschloss bei Arnau.[15] Arnau selbst fiel nach Wallensteins Ermordung mit kaiserlicher Resolution vom 5.11.1635 ebenfalls an ihn.„Am 20. November [1632; BW] zogen Kaiserliche unter Ernst von Suys und Oberst Wilhelm von Lamboy in Zwickau[16] ein. Eine Woche später quartierten sich die bis dahin vor der Stadt gelegenen Kroaten in Bürgerhäusern ein, so dass oftmals 20, 30 oder 40 Personen verpflegt werden mussten.Vor Weihnachten schickte Bernhard[17] von Chemnitz[18] Infanterie und am 25. Dezember Kavallerie vor die Stadt. Die Kaiserlichen unternahmen einen Ausfall, bei dem sie unter großen Verlusten zurückweichen mussten. Der anschließenden Belagerung und Beschießung setzte sich Suys entschlossen entgegen. Die Vorstädte wurden abgebrannt, das Stadtschloss, das Zeughaus und die einzige Kirche verschanzt. Ohne Aussicht auf Entsatz ging Suys dann am 5. Januar 1633 einen Vergleich ein. Die Kaiserlichen zogen sich unter Anrichtung großer Schäden über Schneeberg[19] nach Böhmen“.[20]Lamboy nahm 1633 an Holks zweitem Terrorfeldzug in Sachsen teil.Der Hofer[21] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 – 1648] hält fest: „Ebenselbiges abends montags den 5. augusti kam generalfeldtmarschall-lieutenant Holeki [Holk;[22] BW], obriste Hatzfeldt, Picolomini, Bredau [Breda; BW], Lamboji und Orosio Pauli [Pál Orosi; BW] mit allen ihren völckern allhier an. Der andern völcker march gieng auf Adorf[23] und Plauen,[24] und weilen niemandts von fürstlichen herrn beamten noch burgermeister und rathspersonen sich wegen besorglicher wegführung finden lassen wollte, hat obristen Hopffeldt [al]so beym herrn apothecker logirt und diesen abend die obgemeldte obristen insgesamt bey sich zu gast gehabt.Dienstags frühe den 6. augustii vor seinen aufbruch hinter[25] [sie] alle thoren und thürlein der gantzen stadt verbrennen, ingleichen die vor dem jahre bey dem Obern Thor gebauete brustwehr oder schanze demoliren und alles niederreißen lassen“.[26]„Am 4. August 1633 war der Befehl Wallensteins an den Feldmarschall ergangen, ‚allda dem Feind eine diversion zu machen‘, damit der ‚Kurfürst zu Sachsen desto ehender den Frieden zu suchen verursacht werden wird‘ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.; Hallwich, ADB 12, S. 743, nennt den 11. August als Datum des Einmarschbefehls). Einer der Hauptgründe war freilich, daß die Verpflegungssituation der in Böhmen um Eger,[27] Pilsen[28] und Brüx[29] liegenden kaiserlichen Regimenter unhaltbar geworden war, und man sich von einem Zug nach Sachsen Verbesserung erhoffte. Tatsächlich stand auch der Plan, die Expedition nach Leipzig[30] auszudehnen und dort reiche Beute zu machen, von Anfang an fest. Holk beeilte sich deshalb, die an der Grenze Böhmens stehenden Regimenter zusammenzuziehen, um auf Wallensteins Befehl hin ‚unversehener Weise etwas zu tentiren, Chemnitz,[31] Freiberg[32] und Zwickau berennen zu lassen, daß wir zu leben können haben und, ehe Volk dahin einkommt, sie zu überraschen‘ (ebd.).Der Angriff auf Sachsen begann am Sonntag, dem 14.8., in drei Hauptstoßrichtungen mit drei getrennten Truppenabteilungen, welche sich am 15. und 16.8. in Zwickau vereinigen sollten,[33] um dann über Altenburg[34] weiter nach Leipzig zu ziehen. Während das Korps unter dem Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld über Hof und Plauen[35] Zwickau erreichen sollte, hatte der östliche Heeresteil unter dem Obersten Franz von Ulfeld die Aufgabe, auf Freiberg, die Gebiete vor Dresden[36] und Chemnitz vorzudringen, während das Hauptheer unter Holk von Joachimsthal (Jáchymov),[37] wo ‚Rendezvous‘ gehalten worden war, auf direktem Wege über Schwarzenberg,[38] Aue[39] und Schneeberg Zwickau erreichen sollte. Hatzfeld, welcher die leichte Reiterei und die Kroaten befehligte, war in Eger aufgebrochen und zog zunächst über Hof nach Adorf: „[…] zu Hof, Wunsiedel[40] und andern Orten haben sie alle Thor zerhauen, dann keine Stadt mehr versperrt sein soll‘. Am 15. August rückte Hatzfelds Korps von Adorf gegen Oelsnitz[41] vor, welches am 16.8. kapitulierte[,] woraufhin das dortige Schloß in Brand gesteckt wurde, schließlich nach Plauen, welches am gleichen Tag besetzt, die Stadt geplündert und die Tore ausgebrannt wurden. Weiter ging die Spur der Verwüstung nach Mylau[42] und Reichenbach[43] und schließlich über Reichenbach nach Werdau.[44] Werdau, ‚wo sie die Rathspersonen und sonderlich Bürgermeister Sausen mit Radeln[45] heftig marterten, wurde gänzlich ausgeplündert, Stollberg von einem Reiterhaufen erst gebrandschatzt, dann doch in Brand gesteckt. Mehrere Rathsherren, die kurz zuvor das Geld beigeschafft hatten, wurden mit Stroh verbrannt‘. (Droysen/Holck etc.). In Zwickau, welches, von der Pest entvölkert, widerstandslos eingenommen wurde, war die Vorhut bereits am 16.8. eingetroffen, während die letzten Kompanien erst am 17.8. Plauen verließen.Der Oberst Franz Graf von Ulfeld war am 14.8. mit 24 Kompanien Reitern, den Dragonern und einem Kroatenregiment aus dem Gebiet von Dux (Duchcov)[46] und Brüx (Most) in Böhmen aufgebrochen. Bereits am 15.8. zeigten sich einige seiner Reitertruppen vor Freiberg, allen voran die Kroaten unter dem Obersten Daniel Beygott, ‚eine fast längliche Person mit einem rotgülbligten Barte, so doch gut Deutsch geredt‘. Freiberg weigerte sich aber, seine Tore zu öffnen, weshalb Ulfeld, der sich nicht zu lange verweilen wollte, seinen Weg weiter nach Chemnitz nahm, welches am 16.8. aufgefordert und eingenommen wurde.Altenburg wurde am Abend des 17.8. (Mittwoch) von einem 3000 Pferde starken Reiterkorps, bestehend aus den Regimentern Hatzfeld, Neu-Piccolomini, Bredau [Breda; BW] und Orossy [Orosi; BW] unter dem Hatzfeldischen Obersten Hans Rudolf von Bredau überfallen, welcher mit seinen Regimentern von Plauen über Reichenbach und Crimmitschau[47] gleich weiter in Richtung Altenburg vorgedrungen war: ‚[…] da ging alsobalden die scheckliche Plünderung an allenthalben. In welchen Häusern niemand vorhanden, denen haben sie zehn Mal so arg mitgefahren; wo Bier in Keller gewesen, ist dasselbe weggelassen worden; der Hausrath zerstümmelt auf die Gassen geworfen und zertreten […]. Wohl in die hundert Leichen sind anitzo zu begraben, weil gestern und vorgestern niemand hat begraben werden können. Vorgestern ist auch dem Lazaristen[48] das Pferd, so die leichen hinaus geschafft, auch gestohlen und dessen Wärter entlaufen. Jetzo hat man mit grosser Mühe ein anderes geschafft‘. (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.). Nach der Aussage des Theatrum Europaeum[49] (Bd. III, S. 109), welches den Einfall in Altenburg drastisch, jedoch in üblicher Manier etwas propagandistisch übersteigert schildert, waren die kaiserlichen Truppen ‚gantz plötzlich und unversehens mit vier Tausend Pferdten allda ankommen / alles geplündert / die Weibs-Personen zu todt geschändet / und die Mannspersonen zu todt geschraufft[50] / geprügelt / und auff allerley Marter und Weis getödtet. Kirchen / Schulen / Pfarrhäuser wurden geplündert […], die Todten wurden aus den Särcken geworffen / die Weiber ranzioniert und geschändet / Tafeln und Flügel aus der Kirchen genommen / der Syndicus erschlagen / die Apothecken in grund verderbet [usw.]‘.Leipzig erreichte man bereits in der Frühe des 18. August. Nachdem am 21.8. der Feldmarschall Holk und Feldzeugmeister Rudolf Colloredo mit der Artillerie eingetroffen waren, wurde die Stadt von Mitternacht an 12 Stunden lang heftig beschossen, so daß am 22.8. ein Akkord abgeschlossen und die Stadt übergeben wurde. Leipzig mußte 70.000 Reichstaler Ranzion erlegen und eine große Menge an Handelswaren, welche die Kaufleute in der Stadt zurücklassen mußten, fiel in die Hände der kaiserlichen Truppen. Lediglich die Pleissenburg, auf welcher der kursächsische Oberstleutnant Christoph von Trandorf befehligte, konnte sich den Eindringlingen widersetzen. (Chemnitz II, S. 121; Krebs/Hatzfeld, S. 271 nennt August Adolf von Trandorf)“.[51]Der Hofer Chronist Rüthner hält fest: „Montags den 2. september frühe brach obrist Orosio Pauli mit seinen croaten auf, hingegen marchirte die gantze cavallerie, so auf dem dörfern herum logiret, auf 14 regimenter an, darunter picolominisch, Hatzfeldt, ulfeldisch, Lambois, altsächßisch,[52] folckisch,[53] kuschckisch[54] und dragouner, welche meistens in die stadt, etliche wenige aber auf das landt einquartieret worden.Bey währender dieser quartierung kam in der Mordgaßen bey dem goldschmiden Becken feuer aus, darob groß schrecken entstanden. Nachmittags zogen die völcker ein, und war aller raum und stallung zu wenig, das liebe getraidig, so nicht allein schon in scheunen, sondern noch auf dem felde, wurde allens ausgedroschen und zu schanden gemacht. Kein tropfen bier war vorhanden, kein brod zu bekommen, und musten die müller nichts als mahlen, in summa das elend nahm dermaßen überhandt, dass es zu erbarmen. Es kam auch dies tages zum andernmahl abends um 10 uhr feuer in der Mordgaßen bey dem fleischer aus. Und ob man wohl verhoft, es würde diese einquartirung nur eine nacht werden, so kamen doch dienstags den 3. septembris noch mehr reißig volck und dragouner an. Da musten viel pferd unter dem freyen himmel stehen, so gieng auch kein tropfen waßer in keinen röhrkasten[55] und wurde das jammer und elend alle tage und stunde je länger je größer. Mittwochs den 4. septembris war alles noch stille. Donnerstags aber den 5. frühe geschahe der generalaufbruch, wurden viel häußer mitspoliret und die leute sehr rantionirt“.[56] […] „Sontags den 8. septembris wurde anstatt der predigt eine betstunde gehalten. Montags darauf den 9. septembris gieng erst die hauptspolirung von dem lambrischen völckern an. Da ist so übel gehaust worden als in einer spolirung von diesen.[57] Alt und jung wurden gereitelt, geschlagen, verwundet und dermaßen tractiret, dass es nicht zu beschreiben, wie denn ihnen auch ein heimlich gewölb durch des stadtpfeifers Nicol pohls tochter, so neben Dorotheen Küfnerin, Melchior Küfners tochter, mehr eines zeuchmachers tochter und andern mit hinweggeführet, in der kirchen verrahten, daraus sie einen unsäglichen schatz bekommen. Diesen abend reiseten sie noch fort“.[58]Rüthner hält weiter fest: „Sonnabends den 20. septembris wurde auf erfordern obrist Ulfelds Friedrich Hofman, ein bürger, in der nacht nach Rößlau[59] abgefertiget, so anstatt der abgeforderten peigoltischen [Beygott; BW] andere lebendige salv guard hieher legen wolte, da dann sein obristerlieutenanth eine ganz strenge anforderung, wöchentlich 60 thaler, 6 faß bier und 600 pfund brod, begehrte, endlich aber 25 thaler, 1 vaß bier und 100 pfund brod gemittelt worden. Als nun sontags den 29. septembris am Sankt Michaelistag die beigoltischen croaten von Schwarzenbach[60] aufgebrochen und die ulfeldische salv guard ankommen, gelangete unter der vesperpredigt viel heerd rind- und schweinevieh von der Zedwizer Straße an, denen sobald von Schlaiz aus der hauptmarch unterm commando des obristen Lamboj folgete, welche quartier begehrten, unangesehen die eingerißene infection[61] praetendiret wurde. So vermochte doch nichts zu helfen, sondern quartireten in 26 standarten kayserliche archibusierer und dragouner in- und auserhalb der stadt, durchsuchten sowohl die gesunden als inficirten häuser ohne scheu zu grund aus. Montags den 30. septembris gegen 8 uhr geschah der aufbruch gegen Eger mit dem verlaß, dieses land und Marggrafthum hinführo zu quittiren, auch verblieb die ulfeldische salv guard nicht, sondern ritte untern praetext, eine begleitung zu thun, neben empfangenen 25 thalern mit fort, weil auch die kayserlichen regimenter unterschiedlich viel heerden vieh und sonderlich in 500 stück schaff mit anhero brachten, so die metzger anzunehmen willens, dass fleisch aber nicht wieder leidentlich geben wollten. Hat endlich ein ehrentvester rath solche schaffe dergestalt angenommen, stechen und das pfund fleisch um 4 pfennig geben lassen, dass die ohnedieß nothleidende gemeine stadt darob sich höflich zu bedancken hatte“.[62]Im September 1633 „fiel der kaiserliche Oberst Lamboy, in den Quellen zuweilen auch ‚Lamberg’ genannt, mit 3.000 Reitern in die Orlasenke ein. Das Haus Oppurg[63] und auch der Schösser wurden ausgeplündert. In Kospoda[64] wurden unter anderem die Kornböden der Pfarre leergeräumt, wofür die Gemeinde gegen Jahresende einen Groschen für zwei neue Schlüssel verrechnete. Die schwedischen Reiter in Neustadt[65] wurden von Lamboy vertrieben und die Stadt geplündert. Darüberhinaus mußten die Bürger 3.000 Taler bezahlen, damit ihnen nicht der Rote Hahn auf die Dächer gesetzt wurde.Die Pößnecker[66] kauften sich durch Zahlung eines größeren Geldbetrages von der Plünderung los, mußten aber später noch einmal 130 Taler nach Saalfeld[67] senden. Dort hat dieser Zug im Anschluß drei Tage lang gewütet. 4.000 Taler ‚Brandversicherung’ mußten die Saalfelder Bürger aufbringen. Die Kirchen wurden erbrochen, Altartücher und Kelche, bis auf einen mitgenommen.[68] Bürgermeister Boner[69] soll damals allein an Hausrat 900 Gulden eingebüßt haben. ‚Dabei waren auf dem dortigen Rathause alle Kästen aufgeschlagen und die darin befindlichen Urkunden herausgerissen worden. Unter ihnen befand sich auch der kursächsische Konsens (von 1540) über einen von der Stadt Saalfeld zu Gunsten ihres ‚gemeinen Kirchkastens’[70] gemachten Rentenkauf. Es handelte sich dabei um drei ältere Schuldverschreibungen von zusammen 5800 Gulden, welche die Städte Schleiz,[71] Saalburg[72] und Tanna,[73] da sie einst für die ausgestorbenen Herren von Gera gebürgt hatten, mit 280 Gulden der damaligen Benediktinerabtei in Saalfeld verzinsen mußten. Diese Schuldbriefe hatte Graf Albrecht von Mansfeld erworben und an die Stadt Saalfeld weiterverkauf, an die bisher auch die Zinsen richtig bezahlt worden waren. Jener kursächsische Konsens war nun dem Lamboy in die Hände gefallen. Er eile nach Schleiz und nahm auch den regierenden Bürgermeister von Saalfeld mit nach hier. Am 26. September 1633 traf er in der Stadt ein und sich zunächst für die Zusicherung, sie mit Plünderung zu verschonen, 2563 Taler zahlen. Dann kündigte er ihr die Saalfelder Forderung und drohte im Nichtzahlungsfalle wieder mit Plünderung und Brand. So mußte sich Schleiz wohl oder übel zur Bezahlung der Schuldsumme verstehen. In der Nacht des 29. September erhielt der Oberst Lamboy 1400 Taler und seine Offiziere 347 ½ Taler auf Abschlag. Dafür sollten nicht mehr als 2.000 Pferde in Stadt und Herrschaft Schleiz einquartiert und in Oschitz[74] an dem von Kospoth und 11 Bauerngütern verübter Brandschaden mit eingerechnet und kompensiert werden ! Der mitgebrachte Bürgermeister von Saalfeld wurde durch Drohungen Lamboys gezwungen, in die Cession[75] der Schuldverschreibung zu willigen und zu versprechen, die eigentlichen Schuldurkunden in Monatsfrist an Schleiz auszuliefern’ “.[76] „Am 14. November des Jahres versuchte der Schleizer Rat bezüglich der Lamboy’schen Erpressung Schadensbegrenzung zu betreiben: Man schrieb an die Stadt Saalfeld und forderte, dass letztere den kurfürstlichen Konsens von 1540 gegen Erstattung der von Schleiz gehabten Unkosten zurückerwerben möchte und weigerte sich, bis dahin die Zinsen zu bezahlen. ‚Hierauf aber wollte Saalfeld sich nicht einlassen und wandte ein, die Cession sei ihrem Bürgermeister mit Gewalt abgenötigt, doch hinterher vom Rate nicht anerkannt worden. Nun entwickelte sich ein langjähriger Streit zwischen beiden Städten. 1652 ließ sich Saalfeld von Lamboy ein Attest ausstellen, daß dieser nur 1400 Taler erhalten, im übrigen ihm aber Schleiz nur eine bislang uneingelöste Schuldverschreibung gegeben habe. Der weitere Prozeß wurde dann vor dem kursächsischen Landgericht zu Jena,[77] vor der Regierung zu Altenburg,[78] dem Reichskammergericht zu Speier[79] und zuletzt vor der reußischen Regierung in Gera[80] verhandelt. Da er sehr kostspielig wurde, verstanden sich endlich beide Teile zu einem Vergleiche, der am 22. Juli 1661 in Neustadt a. O.[81] geschlossen wurde. Danach sollte Schleiz in fünf Jahren 2.500 Gulden an Saalfeld zahlen und Saalburg und Tanna im Verhältnis ihrer Bürgerschaft an der Bezahlung teilnehmen. Außer dem erpressten Gelde berechnete sich übrigens Schleiz den Schaden des Lamboyschen Überfalles auf 2194 Taler 16 Groschen 2 Pfennige, welches dann der Stadt aus der gemeinen Kriegskasse wiedererstattet werden sollten’ “.[82]Im Oktober dieses Jahres fiel Lamboy wieder in Meißen und Thüringen ein und rieb die aus Neustadt a. d. Orla abziehende schwedische Besatzung auf. Danach wandte er sich gegen Weimar[83] und Erfurt,[84] um dann in das Naumburger[85] Gebiet rücken, wo er am 4. unter Melchior von Hatzfeldt bei Graupen[86] gegen Truppen[87] des sächsischen Feldmarschalls vorgehen wollte, was diesen zwang, eine mit Bernhard von Sachsen-Weimar[88] geplante Diversion nach Böhmen wieder aufzugeben. Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][89] aus dem von Eger[90] abhängigen Marktredwitz[91] erinnert sich: „Den 4. dito [4.11.N BW] kamen hierhero etliche Quartiermeister. Die machten Quartier für den General Lamboy auf 15 Kompag[nien] zu Roß. Wir schaffeten zu und warteten auf sie bald die halbe Nacht; aber vergeblich, denn er blieb mit dem Volk zu Dürschaimb [= Thiersheim[92]]. Des morgenden Tags früh begab er sich auf Eger, welche Verachtung uns sehr verdrossen [hat]“.[93]Im Januar 1634 unterschrieb Lamboy den 1. Pilsener Revers.[94]Im Februar 1634 wurde er von Wallenstein zum Generalwachtmeister ernannt – Lamboy hatte übrigens auch den sogenannten 2. Pilsener Revers[95] unterschrieben – ; nach Wallensteins Ermordung wurde die Ernennung am 16.3.1634 durch Ferdinand II. bestätigt.Am 20.5.1634 wurde er auf Fürsprache Ottavio Piccolominis[96] zusammen mit seinem Bruder Georg, der als kaiserlicher Rittmeister diente, in den Freiherrnstand erhoben, zudem empfing er als „Herr von Dessenaer, Wintershove, Neuschloss, Oels und Méan“ die Kämmererswürde. Außerdem erhielt er die Wallenstein’sche Herrschaft Arnau.[97]Anfang Mai von Leitmeritz[98] aus gegen Görlitz[99] geschickt, nahm er die Stadt im Sturm ein, tötete die 200 Mann starke Besatzung und schlug ein kursächsisches Regiment, das zur Unterstützung herangerückt war. Am 15.5. verband er sich in Trautenau[100] mit den Truppen Rudolf Graf Colloredos, der am 13.5. bei Liegnitz[101] schwer geschlagen worden war, so dass der weitere Vormarsch der Schweden und Sachsen nach Böhmen nicht aufzuhalten war. Diese nahmen am 18.7. Leitmeritz ein, erzwangen trotz der kaiserlichen Verstärkung durch Marradas den Elbübergang bei Melnik[102] und standen am 23.7. vor Prag. Nur Streitigkeiten zwischen Arnim und Banér verhinderten den Fall Prags. „Mittlerweile war Colloredo aus Schlesien den Kaiserlichen in Böhmen zu Hilfe gekommen. Bei Podiebrad[103] hatte er die Elbe überschritten und sich vor Prag mit Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy und Marradas vereint. Am 26. Juli standen sie dann am Weißen Berg. Bei ihrem Ansturm auf die Prager Kleinseite wurden sie allerdings verlustreich zurückgeschlagen“.[104]Die „Wochentliche[n] Postzeittungen Nr. 32“ vom 8.8.1634 meldet aus Wien unter dem 16.7.: „Des Feindts Anzug auff Böhmen continuirt / vnd solle derselb nicht weit von Prag sich sehen lassen / verhoffentlich aber / weilẽ Herr General Feldmarschalck Gallas[105] mit 28. Regimentern vor Regenspurg auffgebrochen / vnnd ihme vnter Augen zu gehen vorhabens / als möchte er wol nicht lang daherumb quartieren können / derselb ist anfangs auff Leutmeritz gangen / daselbst Don Balthasar de Marradas / vnnd Herr General Major Lamboy mit etlichen Regimentern zu Roß vnd Fuß / vnnd vielen Commandirten Tragonern / sich verspüren lassen / mit welchen der Sächsische Vortrab scharmuziert / aber gar vnfreundlich von den Keyserischen empfangen / vnd zurück gewiesen worden. Weil nun nach eingebrachter Kundtschafft vernommen / daß beyde Armeen / nemblich die Sächsische vnd Bannierische / iunctis viribus auff gedachter Statt Leutmeritz im anzug begriffen weren / als haben die Keyserische nach reiffer erwegung / vnnd gehaltenem Kriegsraht / rahtsamb befunden / die Statt zu verlassen / vnnd die Brücken hinder sich abzuwerffen / dahero der Feindt / weil er allda nicht vber die Elbe kommen können / hat er auß Mangel der Brücken / seinen Marsch änderen / vnd nacher Melnick / allda die Besatzung imgleichen sich vbers Wasser saluirt / mit den Armeen fortgehen müssen. Coloredo vnd Gallas gehen nunmehr auff den Feindt recht zu / vnd vermeynet man / daß innerhalb wenig Tagen etwas wichtiges werde fürlauffen“.[106]„Auf Aufforderung Piccolominis hatte der Feldmarschall Rudolf Colloredo zu Mitte September 1634 aus Schlesien ein Truppenkontingent nach Franken kommandiert, welches am 4. Oktober unter dem Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy in Eger eintraf (DBBTI V/1002, 1009; Braun/Leopold, S. 51). Die ursprünglich von Piccolomini angenommene Truppenstärke Lamboys von 8000 Mann wurde jedoch bei weitem nicht erreicht, oder Lamboy hatte unterwegs Truppen disloziert. Jedenfalls wird in einem Bericht Hatzfelds an Gallas die Truppenstärke Lamboys mit 2500 Mann angegeben (Krebs, S. 214), eine Zahl, die sich exakt auch mit der bei der wenig später erfolgten Ankunft der Lamboy’schen Völker in Coburg[107] deckt (Karche I, S. 205). Über Marktleuthen[108] und Münchberg[109] näherten sich Lamboys Truppen der brandenburgischen Stadt Kulmbach.Aus seinem Quartier in Kirchenlamitz[110] forderte der Generalwachtmeister die Herren ‚Bürgermeistern und Rath gemeiner Statt Culmbach‘ mittels eines Schreibens zur Übergabe auf: ‚[…] Nachdeme Ich mit Zwölftausend Mann zu Rosß vnd Fueß Kayserlichen Kriegsvolckhs dießerorten im Anzug, Alß werden Sie durch dießes der gepühr vnd ernstlich erinnert, alsobalden nach empfang dieses die schleunige Anordnung zu thun, daß vor die obbemelte mihr vndergebene Kayserliche Armee nottwendiger Proviandt ahn Bier, Brodt vnd anders Nottwendigliche unfehlbar verschaffet und stündlich fertig gehalten [wird], Vnd daneben auch in einer Summa Sechstausend Reichsthaler zur handt gebracht vnd erleget werden […]. Geben Kirchenlamitz den 26. Octobris [Donnerstag] Anno 1634. Der Röm: Key: auch zu Hungarn vnd Böheim Königl. Meytt: Cammerer, GeneralVeldt=Wachtmeister vnd Obrister zu Rosß – Lamboy‘ (StAB Rep. C 48/208).Bei der Stärke seiner Truppen hatte Lamboy, nach üblicher Manier, kräftig übertrieben. Andererseits muß man berücksichtigen, daß der Troß mindestens ein zusätzliches Drittel an Personen umfaßte und Lamboy möglichst nicht nur für einen, sondern für mehrere Tage Proviant erlangen wollte.Dieses Schreiben wurde am folgenden Tag, Freitag, den 17./27. Oktober durch einen Trommelschläger überbracht. Die Stadt entschuldigte sich: ‚[…] weil aber diese arme Stadt […] lange Zeit von der kayserlichen Soldateska‘ notorisch geplündert worden sei, ‚und über dieses alles, das gantze Land und Fürstenthum albereit vor geraumer Zeit von allerhöchstgedachter Kayß: Mayt:[111] und [dem] Churfürsten S. D. von Bayern[112] wie auch dem Stifft Bamberg in Contribution gesetzt worden‘, könne man unmöglich diese Forderungen erfüllen. Gleichzeitig versuchte man einen kleinen Kunstgriff, um die Soldaten vom Betreten der Stadt abzuschrecken, indem man anführte, daß ‚durch die sehr hefftig noch graßirende giftige Seuch und plag der Pestilenz[113] viel hundert persohnen verstorben […]‘. Unterzeichnet ist das Antwortschreiben mit ‚Datum Culmbach den 17. Octobris A: 1634. Bürgermeister vnd Rath daselbst‘. (StAB Rep. C 48/208). Tatsächlich hatte die Stadt gerade eine Pestepidemie überstanden, so daß sich kaum mehr als 40 wehrhafte Bürger in der Stadt befanden.Mit dieser Antwort konnte sich Lamboy natürlich nicht zufrieden geben. Am folgenden Tag, Samstag, den 18./28. Oktober ließ er die Stadt durch einen Trompeter mittels eines Schreibens aus seinem Quartier in Stadtsteinach[114] erneut zur Übergabe auffordern. Gleichzeitig präsentierte sich der Feind in voller Schlachtordnung ‚auf dem Mühlberg oberhalb dem Eichgrund Cauerndorf[115] und [hat] den ganzen Tag daselbsten in Bataille gestanden‘. Mittlerweile hatte sich der Hauptmann der Plassenburg,[116] Hans Christoph Muffel, der weiteren militärischen Vorgehensweise angenommen. Er nutzte die Gelegenheit, den ‚Trompeter, so itzunder vor die steinern brucken kommen will'[,] nach der Truppenstärke des Feindes auszufragen. Muffel notiert dabei: ‚zu Pferd, 3 Regiment: Hatzfeld, Lamboy, Brettau; 3 Regiment zu Fuß: Adelzhoffen, Wangler, daß dritte Regiment weiß er nicht‘. In einer nachträglichen Notiz ergänzt Muffel diese Informationen: ‚1. Brettau, 10 Comp., 2 zu 80 pferd [gemeint ist das Kürassierregiment Johann Rudolf von Bredau, welches zu diesem Zeitpunkt allerdings nur 9 Kompanien hatte]. 2. Lamboy Corazzen[117] 10 Comp. [Arkebusierregiment Lamboy]. 3. Hatzfeld halb Corazzen und halb lange Rohre [Kürassierregiment Melchior von Hatzfeld, 7 Kompanien unter OL Adolf Krafft, die Hälfte davon Arkebusiere]. 4. Wangler zu Fueß [10 Kompanien unter Johann Wangler d. Ä.]. 5. Adelzhofen 11 Comp. zu Fueß [Fußregiment Johann von Adelshofen]. 6. Gallas 8 Comp. [Fußregiment Gallas unter OL Bernhard Heinrich von Westerholt]. S[umma] bey 3000 Mann‘. (C 48/208, ergänzt durch LKKA/DBBTI V). Muffel schätzt die Stärke der Lamboy’schen Truppen erstaunlich gut ein, vielleicht hatte er die Zahl auch über den Trompeter erfahren. Die Stärke der Regimenter zu Pferd dürfte demnach zwischen 250 und 350 Pferden gelegen haben, die Fußregimenter hatten im Schnitt 600 Köpfe.Interessant ist der Weg der Übermittlung der Übergabeaufforderungen an den Markgrafen Christian.[118] Diese wurden von Muffel jeweils mit einem eigenen Anschreiben versehen und solchermaßen auf die Plassenburg expediert, was die Kommunikation wohl nicht gerade beschleunigte. Die Antwort des Markgrafen Christian auf diese zweite durch den Trompeter überbrachte Aufforderung war abschlägig: die Übergabe der Stadt, vor allem aber die der vornehmen Hauptfestung Plassenburg stünde nicht in seiner Entscheidungsgewalt, er wolle ‚aber mit dero confoederirten davon communiciren, inmittelst sollte er sich [Lamboy] in 14. Tags gedulden‘. Eine solche Antwort war nun überhaupt nicht nach dem Geschmack des Generalwachtmeisters, denn am gleichen Tag (28.10.) ‚Nachmittags vm 2. Vhr [hat] eine starke Trouppe von ungefehr 40. Pferden über die Kauerndorffer Aue herein in voller curir [Carriera = Galopp] gegen die steinern Bruken zugesezet. Nachdeme ihnen mit Musqueten und FeuerRohren [Radschloßgewehren] anfangs zihmlich zugepfiffen worden, haben sie sich gegen die Aue hinunter auf Bürbitsch [Pörbitsch, heute Kulmbacher Stadtteil] und gegen den berg hineinretiriret, da ihnen dan unsere Reuter stark nachgesezet und auffeinander starck Feuer geben; darüber aber noch zwey starcke Trouppen zu ungefehr 50. Pferden von Cauernburg herzukommen, und ihr secundirten, auch zugleich das Fusvolk ganz unversehens von Folschniz [Fölschnitz] herein bey der Pulvermühl sich presentirte vnd auf die unsrigen Feuer geben, so haben die Soldaten und Burger die steinern Bruken verlassen, und sich gegen die Vestung und in die Stad zu salviren gezwungen befunden; und weilen aus größter Verwahrlosung und Unachtsamkeit alle Thore offen gestanden, auch die Wachen schlecht bestellt gewesen, ist der Feind wider alles verhoffen ohne einigen Widderstand und Gegenwehr alsobalden in die Stad und Vorstad gekommen, sich derselbigen bemächtiget und die ganze Nacht hindurch mit Aufhauung der Gewölber, Gemächer, Truhen und Kisten alles ausspoliret […]‘.Kulmbach wurde während der Nacht von Samstag auf Sonntag völlig ausgeplündert, so daß der Chronist den entstandenen Schaden auf 2 Tonnen Goldes (200.000 Gulden) schätzte. Als man schließlich damit begann, Feuer in die Stadt zu legen und bereits 9 Häuser und 2 Städel in der Fischergasse vor dem ‚GrünWehrer Thor‘ in die Asche gelegt waren, erklärte sich die Stadtobrigkeit am folgenden Tag, Sonntag, den 29.10.[,] zu Unterhandlungen bereit. Man einigte sich schließlich auf eine Brandschatzung von 2440 Reichstalern.Der Übergabevertrag wurde zwischen Bürgermeister und Rat der Stadt Culmbach und Gioanni Battista Picchi, ‚Ihr: Röm: Keyß: Mayt: deß löblichen Adolßhoffischen Regiments zue Fueß bestellter Obrister Wachtmeister in Namen des Herrn Wilhelmen Freiherrn von Lamboy‘ verhandelt und ist mit 19./29. Oktobris Ao. 1634 datiert. Möglicherweise war Lamboy zu diesem Zeitpunkt mit einem Teil der Truppen schon in Richtung Kronach weitergezogen, denn am 30.10. kamen diese bereits vor Coburg[119] an. Der Wortlaut des Akkords nennt eine Ranzionssumme von 2000 Reichstaler für Lamboy und eine nicht näher spezifizierte Summe für die Unterbefehlshaber, zur Hälfte innerhalb von 4 Tagen, der Rest innerhalb von 14 Tagen zu erlegen. Diese Summe wurde von den Bürgern der einzelnen Stadtviertel erhoben und eingesammelt. Die offiziellen Erhebungslisten, welche die jeweiligen von den Bürgern entrichteten Teilbeträge enthalten, nennen eine Gesamtsumme von 2660 Reichstalern (StAB C 48/208). Möglicherweise liegt hier ein Schreibfehler im Bericht von Longolius vor.Die problemlose Einnahme Kulmbachs durch die Truppen Lamboys war ein relatives Glück für die Stadt, denn es wurden nur 5 Einwohner getötet, darunter der ehemalige Hofsattler Heinrich Hauck, den man ‚vor einen alten Pfaffen angesehen‘, der Krämer Hans Stängel und der Schmied auf dem Markt. ‚Herr Matthias Haßfurther, Bürgermeister, ist in seinem Hauß dermaßen übel tractiret vnd zugerichtet worden, daß er den dritten Tag hernach verstorben‘. Die Verluste der Angreifer waren unerheblich, obwohl einige der Plünderer bei der Abführung ihres Raubes erschossen wurden, ‚auch ihrer drey bei der Pulvermühl liegen geblieben, welche das ungeziefer meistens verzehret‘. Auch berichtete man, daß eine Anzahl gefallener Angreifer mit nach Kronach[120] geführt und dort begraben wurde.An der Plassenburg über Kulmbach versuchte sich der Feind überhaupt nicht erst: ‚Dan ob derselbe wol die Stadt Culmbach mit gewalt eingenommen, vnd gantz ausgeplündert, konte er doch der Festung nichts anhaben, sondern ward genötiget die Stadt, alldieweil aus der festung mit Stücken vnd granaten starck hineingespielet worden, auch zu verlassen‘. (Chemnitz II, S. 581). Daß die Truppen aufgrund der Beschießung von der Plassenburg abzogen, darf bezweifelt werden – eine solche wäre mit Sicherheit noch vor Abschluß des Übergabevertrags erfolgt. Man kann annehmen, daß nach Abschluß des Akkords und der Zusage zur Leistung der Zahlungen der glimpfliche Ausgang der Belagerung nicht mehr durch unnötige Aktionen gefährdet werden sollte. Die Lamboy’schen Völker zogen größtenteils noch am Sonntag, den 29.10., über Kronach in Richtung Coburg ab und nahmen bis zur Erlegung der noch ausstehenden Geldforderungen zwei Geiseln mit“.[121]Bei Rüthner heißt es dazu: „Lamboji nahm seinen march auf Culmbach zu, worinnen damals die pest starck regierte, brennete selbige stadt sonnabends den 10. oct[obris], ohngeachtet von der festung Plassenburg mit stücken auf sie gespielet worden. Jedoch weil die wach bey den Grünen war zu schlecht bestelt und entloffen, [ist er] in die stadt gedrungen, [hat] selbige ausgeplündert und übel hausiret, [ist] auch nicht eher als nach erlegung groser brandschazung gewichen, von dannen er auf Coburg marchiret“.[122] Rüthner berichtet weiter: „Unterdeßen aber kam des obrist Lamboj hofmeister, begehrte, damit die stadt mit der einquartirung möchte verschonet werden, ein stück geldes als 1000 thaler. Wiewohl nun die grose unmöglichkeit vorgeschüzet wurde, hat doch alles nichts helfen wollten, sondern es wurde 600 thaler verwilliget“.[123]„Außer Suhl[124] hatte auch die gesamte Grafschaft Henneberg[125] unter diesem Kroateneinfall furchtbar zu leiden und ‚hat der Feind mit Feuer, Schwert, Raub, Plünderung, Schändung der Weibspersonen also kontinuiert und flagriert,[126] daß es einen Stein erbarmen möchte‘ (Huschke, S. 255). Kaltennordheim,[127] Themar[128] (15./25.10.) und viele andere Orte wurden in die Asche gelegt. Über den Thüringer Wald drangen die Kroaten wegen den um Erfurt liegenden Truppen Banérs jedoch nicht vor, sondern zogen werraabwärts, besetzten Schmalkalden,[129] plünderten Salzungen[130] und machten das ganze Werra-Tal unsicher. Ihr klares Ziel war es, Herzog Wilhelm von Weimar an einer Vereinigung mit den Truppen des Landgrafen Wilhelm von Hessen zu hindern. Herzog Wilhelm legte daraufhin seine Regimenter am 29. Oktober in die Umgebung von Weimar. Dies war notwendig geworden, weil einzelne feindliche Streiftruppen mittlerweile auch über den Frankenwald nach Saalfeld[131] vorgedrungen waren und auf dem Weg dorthin Lobenstein[132] geplündert hatten. Dabei handelte es sich um Lamboy’sche Streifscharen, die, verstärkt durch die auf Rosenberg liegende Besatzung des Kronacher Kommandanten Hans Jacob Bruckner, wiederholt Plünderungszüge in die Reußische Herrschaft Plauen unternahmen“.[133]Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][134] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz erinnert sich: „Am 14. Febris ist der Kaiserische General Lamboy mit seiner Armada aus Böheim(b) zu Eger an[ge]kommen. In seinem Herauszug hat sein Volk drei Tag[e] quartiret um Tiersheim, Leutten [= Marktleuthen[135]] und Kirche[n]lamitz[136] und großen Schaden getan. Auch haben sie auf diesem Marsch Kulmbach[137] überfallen, geplündert und wieder verlassen und sich nach Coburg[138] gewendet, welches er auch er erobert, sam(b)t dem Schloß“.[139]„Wir wenden uns nun wieder den Truppen des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy zu, die wir am Sonntag, dem 29. Oktober 1634, bei ihrem Abzug aus dem geplünderten Kulmbach verlassen hatten. Am 30.10. (n. St.) kamen diese, 2500 Mann in 6 Regimentern stark, mit zwei Feldstücken im Herzogtum Coburg an. Lamboy, der über Kronach herangezogen war, schlug sein Hauptquartier in Großheirath[140] südlich von Coburg auf. Durch ein mittels eines Trompeter überbrachtes Schreiben ließ er noch am gleichen Tag Bürgermeister und Rat der Stadt zur Übergabe auffordern. Die Stadt schickte daraufhin eine Deputation, bestehend aus dem Obristwachtmeister Felix Rauschart, Kommandant über die Bürgerschaft und Stadtgarnison, sowie den Räten Ludwig Wilhelm von Streitberg, Dr. Bonaventura Gauer (Assessor des Schöppenstuhls), Dr. Andreas Peter Wolfrum (Assessor des Consistoriums) und Andreas Hohnbaum (Bäcker auf dem Steinweg) in das Lamboy’sche Hauptquartier. Der wollte allerdings die Delegation überhaupt nicht empfangen, sondern ließ die Verhandlungen durch seinen Bruder, Georg von Lamboy, führen. Lediglich den Oberstwachtmeister Rauschart, den er gut kannte, empfing er persönlich. Lamboy forderte für 5 Kompanien zu Fuß und seine Leibkompanie zu Pferd Quartiere in der Stadt, Proviant für die gesamten Truppen und eine Ranzion von 10.000 Gulden. Die Deputierten, welche die Unmöglichkeit der Forderungen erklärten, wurden bei ihrem Abzug bedroht, daß, sollte man sich am folgenden Tag nicht zugänglicher erzeigen, man mit Coburg wie mit Hof und Kulmbach verfahren wolle. Die geforderte Ranzion konnte nach einigen Tagen schließlich auf 5000 Gulden heruntergehandelt werden, worauf am 26.10./5.11. ein aus 8 Punkten bestehender Übergabevertrag unterzeichnet wurde und Lamboy mit den oben erwähnten Kompanien in die Stadt einzog. Das übrige Volk wurde in die Dörfer rund um Coburg einquartiert, wo alle Dorfschaften zu deren Verpflegung beitragen mußten. Der vereinbarte Übergabevertrag besagte, daß Stadt und Land Coburg bei ihren Herrschaften, Privilegien, Rechten und Gerechtigkeiten sowie Religion und Profan-Frieden belassen werden sollten. Die fürstliche Residenz, Kirchen, Schulen, Sekretariate, das Rathaus, die Kanzlei und das Gymnasium wie auch alle herzoglichen Beamten, Räte, Diener sowie alle Einwohner und Untertanen sollten unbeschadet bleiben und auf dem Lande Plünderungen und andere Insolentien unterbleiben. Auch wurde zugesagt, die Stadt mit keiner weiteren Ranzion zu belegen und Güter und Vermögen der Räte und der in der Stadt befindlichen Adligen unangetastet zu lassen. Wie diese Zugeständnisse eingehalten wurden, wurde sofort nach dem Einzug der kaiserlichen Truppen in die Stadt ersichtlich. Lamboy ließ die Bürgermeister in der Ehrenburg, wo er auch persönlich einzog, festhalten und verlangte von diesen wöchentlich 1000 Taler zu seiner Unterhaltung, nebst Viktualien und Vieh, welche Summe er jedoch aus realistischen Gründen auf 600 und schließlich auf 450 Taler wöchentlich reduzierte.Auf der Veste Coburg war der Oberst Georg Philipp von Zehm Festungshauptmann im Dienste Johann Ernsts von Sachsen-Eisenach, der seit dem Tod Herzog Johann Casimirs Hausherr der Festung war. Zehm, der eigentlich zu den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar gehörte, war von diesem am 9. September 1634, kurz nach Bekanntwerden der Nördlinger Niederlage,[141] erneut als Kommandant der Veste Coburg bestätigt worden (Huschke, S. 235). Das dortige Oberkommando beanspruchte jedoch der von Herzog Johann Ernst bestellte Oberstwachtmeister Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, welcher die bisherige Garnison befehligt hatte. Von der ehemaligen Taupadel’schen Besatzung war, nach dessen Abzug im Februar 1633, eine Kompanie Dragoner unter dem Kapitän Michael Griesheim verblieben, über dessen und seiner Untergebenen Verhalten allerdings in den vergangenen beiden Jahren vielfältige Beschwerden eingekommen waren. Griesheim fühlte sich dem Major Görtz unterstellt, was zu vielfältigen Kompetenzstreitigkeiten führte.Die gesamte Besatzung der Veste sollte Zehm im August 1634 auf Befehl Herzog Wilhelms von Weimar auf 800 Mann zu Fuß und 100 Reiter komplettieren. Davon waren allerdings 500 Mann aus der Landesdefension (Ausschuß) abzustellen, 200 Mann davon sollten die Veste Heldburg[142] besetzen. Die bewaffnete Bürgerschaft Coburgs zählte gegen 530 Mann, von denen sich aber nur ein kleiner Teil auf die Festung begeben hatte. Obwohl die Stärke der Festungsgarnison im Oktober 1634 nirgends explizit angegeben ist, darf man aus den vorhandenen Zahlen annehmen, daß die geworbene Besatzung nicht mehr als 100-120 Musketiere unter dem Hauptmann Michel (meist aus den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar, die dieser ebenfalls am 9. September 1634 dorthin kommandiert hatte) und 70 berittene Dragoner Griesheims umfaßte, wozu noch etwa 120 Ausschuß aus Coburg, Neustadt,[143] Sonnefeld,[144] Neuhaus (am Rennweg)[145] und Hiildburghausen[146] vorgesehen waren. Die Ausschußkompanie kommandiert[e] der Hauptmann von Birkig. Insgesamt umfaßte die Festungsbesatzung wohl 250-300 Mann. Im Laufe der Belagerung erkrankten ca. 60 Personen, 16 kamen zu Tode. Oberst Zehm bat während der Belagerung Herzog Wilhelm mehrmals um eine Verstärkung von 100-150 guten Musketieren, welche zwar öfters zugesagt wurde, tatsächlich jedoch nie ankam. Jedenfalls schreibt der auf die Veste geflüchtete Kommandant der Heldburg, Joachim Ludwig von Seckendorf in einer Rechtfertigungsschrift, es wäre ‚rühmlicher gewesen, es hätten 300 junge Mannschaften in Coburg die Resolution gefaßt und sich auf die Festung, dem Feind zu resistiren begeben, statt alte verlebte Krämer und dergleichen Gesellen hinaufzuschicken‘. (T. Krieg, S. 34, 35, 42, 45).Das Lamboy’sche Belagerungskorps war zahlenmäßig starken Schwankungen unterworfen. Als Lamboy die Stadt mit einer Anzahl berittener Ttruppen am 16.11. für einige Tage in Richtung Römhild verließ, ließ er nur 500 Mann zu Fuß und 60 Reiter zurück. Wenig später wurde jedoch eine Verstärkung Hatzfeldischer Truppen von dem nun quasi verbündeten sächsischen Oberst [später Generalleutnant] Albrecht von Kalckstein herangeführt. Lamboy verfügte damit, außer dem Kürassierregiment Hatzfeld und den Fußregimentern Gallas, Johann von Adelshofen und Graf Rudolf von Thun (letzterer ab Dezember), über zusätzliche Kompanien aus dem Fußregiment [Johann v.; BW] Götz[147] und den Kavallerieregimentern Forgách (Kroaten) sowie Johann Wilhelm von Willich (Arkebusiere), die ihm Piccolomini zur Verfügung gestellt hatte (DBBTI V/1188; Karche III, 137). Offensichtlich ist, daß es in Lamboys Truppenzusammensetzung seit seinem Anmarsch über Kulmbach (s. vorgehendes Kapitel) erhebliche Verschiebungen gegeben hatte. Zehm schätzte die Verstärkungen einschließlich der angekommenen Bergknappen und ‚Minirer‘ auf 1200.Unmittelbar nach der Einnahme der Stadt am 5.11. begannen die Truppen Lamboys mit der Einschließung und Belagerung der Festung. Oberst Zehm, der abwesend war und von Steinheid[148] her anreiste, gelangte gerade noch rechtzeitig in die bereits umstellte Burg. Die Dragoner, welche gerade in Richtung Cortendorf[149] und Lützelbuch[150] zum Furagieren ausgeritten waren, waren durch einen Losungsschuß zum Rückzug ermahnt worden, wurden aber vom Feind umringt und hatten 3 Tote und etliche Verletzte zu beklagen, bevor sie sich in die Festung zurückziehen konnten. Rüger, der gerne zu Übertreibungen neigt, berichtet, daß einer der Verwundeten namens Eucharius aus Hildburghausen ‚also gestochen worden, daß der durch die Wunde gehende Wind sein Licht ausgelöscht‘. Der solchermaßen Verletzte wurde jedoch wundersamer Weise wieder geheilt. Oberst Zehm beklagte sich heftig über die seiner Meinung nach allzu schnelle Übergabe der Stadt und über diejenigen, ‚so accordiert und die Stadt so liederlich übergeben‘.Die ersten Tage und Wochen der Belagerung vergingen, da die feindlichen Truppen noch relativ schwach waren, mit verschiedenen Plänkeleien und Scharmützeln. Die Einschließung scheint zu diesem Zeitpunkt noch nicht so konsequent gewesen zu sein, denn vom Landvolk wurden allerhand Viktualien in die Festung getragen. Unter anderem kamen zwei Schuster aus Sonneberg[151] zum Verkauf von zwei Tragen Schuhen in die Burg, welche man für Spione hielt und verhaftete. Eine Frau, die eine Bürde mit Heu in die Festung tragen wollte, wurde allerdings auf dem Rögnersberg erstochen. Am 9. November wurde ein Bäckerjunge als heimlicher Bote mit der Bitte nach Verstärkung zu Herzog Wilhelm von Weimar abgefertigt. Dieser sollte zum Zeichen dafür, daß er den Belagerungsring erfolgreich überwunden hatte, ein Feuer auf dem Mühlberg machen, was auch gelang. Am 16. November versuchten die Belagerer zum ersten Mal an die Tore der Burg zu kommen um dort Feuer einzulegen, wurden aber durch die beiden auf der Brustwehr stehenden Konstabler Conrad Rüger und Hans Jakob Seidenschanz mit Granaten und Sturmtöpfen[152] abgetrieben. Am 19. November kam der an Herzog Wilhelm abgesandte Bote wieder zurück und machte zum Zeichen seiner Ankunft auf dem Mühlberg wieder ein Feuer, worauf man ihn über den Burggraben in die Festung geleitete. Er brachte die Nachricht, daß Herzog Wilhelm unweigerlich Sukkurs schicken wolle, der jedoch nie eintraf.Die Belagerung der Veste ging indessen, da Lamboy sich für einige Tage zu Konsultationen mit Forgách nach Römhild[153] begeben hatte (am 16.11.), mit relativ geringem Engagement weiter. Rüger berichtet unter dem 20. November von einer merkwürdigen Exkursion von 5 Landesdefensionern, die zum Holzholen in die abgebrannte Schäferei ausrückten. Dabei mußte ihnen die Jungfer Katharina Krug die Gewehre nachtragen. Auf dem Rückweg wurde die Gruppe von einer feindlichen Streifpartei überrascht. Die Männer ‚riefen gedachter Jungfer, welche schon etwas vorgegangen, um Gotteswillen zu eilen und ihnen ihre Gewehre zu bringen, worauf sie wieder zurückgesprungen und den Männern dieselben überbracht, welche nun auf den Feind losgingen. Zu ihrer Defension wurde aus der Festung mit Doppelhaken und Musketen Feuer unter die Feinde gegeben, daß sie ausreißen mußten und kamen die 5 Männer ohne Schaden durch Gottes Hilfe davon, nahmen ihr Holz wieder auf den Hals und brachten es in die Vestung‘. Kommandant Zehm unternahm nun einen einen Versuch die in der Stadt liegenden feindlichen Truppen zu verunsichern. Er ließ zwei Geschütze auf die geheime Ratsstube in der Ehrenburg, in der Lamboy sein Quartier hatte, zwei auf den Markt und zwei auf das Rosenauschlößchen richten und diese abfeuern. Gleichzeitig ließ er einen Ausfall beim Heiligkreuztor und Steintor machen, der allerdings wenig Erfolg hatte, sonderlicher Schaden ‚sei in der Stadt nicht geschehen‘. (T. Krieg, S. 35).- – Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[154] erwähnt Lamboy in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 22. November ist das in Francken liegende keyserliche Volck von des Generalmajors Lampoi Regiment in sechshundert Reuter starck morgens frühe umb 7 Uhr zu Breitenbach[155] im Ambt Gehren[156] eingefallen, da die armen Leuthe theils noch in den Betten gelegen, haben 20 Personen niedergehauen, worunter auch Unseres Genedigen Herrn Floßmeister, über einhundert Personen verwundet, den Pfarr[er] gefangen, nackent ausgezogen und mit hinweg gezogen, den gantzen Flecken ausgeplündert und in die 2000 Stück Viehe, sowohl 100 Pferde, so zum Theil die fremden Leuthe dahin geflohet, genommen und nach 9 Uhren sich wiederumb durch den Wald gemachet. Unsere Völcker, die uns soviel gekostet, liegen dargegen in den Quartieren auf der faulen Seiten, plagen und martern die armen Bauren, schinden, pressen, rauben, stehlen und nehmen, dass nicht wunder wehre, Gott schlüge mit Donner und Plitz darein“.[157] – -Wegen des ausbleibenden Sukkurs wurde der Bote am 4. Dezember erneut mit der dringlichen Bitte um Unterstützung zum Herzog geschickt. Dieses für Herzog Wilhelm, zu diesem Zeitpunkt ja noch schwedischer Generalleutnant, typisch unzuverlässige Verhalten hatten wir bereits bei der am 22.11. ausbleibenden Unterstützung für die heranziehenden Hessischen Truppen unter Kurt von Dalwig erlebt. Wilhelm schien zu dieser Zeit bereits zu taktieren, da er davon ausging, daß sich die Coburger Besatzung länger halten würde und durch das sich abzeichnende Pirnaer Friedensabkommen zwischen dem Kaiser und Sachsen (23.11. 1634) die Veste Coburg in die Neutralität aufgenommen werden könnte. Daß jedoch Wilhelm den Entsatz der Veste zumindest plante, geht aus den Verhandlungen mit dem schwedischen Feldmarschall Johann Banér vom 9.12. hervor, den er, wie sich herausstellen sollte erfolglos, zu einem Vorstoß gegen Franken zu überreden versuchte. Der Coburger Kommandant Zehm hatte Wilhelm durch den abgesandten Boten gemeldet, daß die Kaiserlichen durch die erfolgte Beschießung der Stadt und den Ausfall so in die Furcht geraten seien, ‚daß sie, hätte es nur etwas stärker ausfallen können, die Stadt sollten quittiert haben‘. Auch, daß die in der Stadt liegenden kaiserlichen Truppen Furcht vor einem neuen Überfall hätten und der Herzog mit 2000 Reitern und 1000 Mann zu Fuß diese leicht überwältigen und die Festung entsetzen könne (Huschke, S. 264). Der Kurier kam am 12. Dezember mit der Botschaft zurück, daß die Unterstützung innerhalb der nächsten beiden Tage nun unweigerlich eintreffen sollte. Die Konstabler Rüger und Seidenschwanz wurden deshalb ‚mit 2 halben Karthaunen und 50 Kugeln, 13 Ctr. Pulver und 6 Pfd. Pirschpulver,[158] zum Zündkraut zu gebrauchen‘ in Stellung gebracht um der herannahenden Verstärkung Feuerschutz geben zu können und dem Feind ‚bei der Stahlhütte in Gotsmanns Garten Pahre [Barré] zu schießen‘, diesen also abzuriegeln (Die Stahlhütte, also das Schießhaus für die Armbrustschützengilde, stand an der Stelle des heutigen Landestheaters).Die erwartete Verstärkung blieb natürlich aus. Am 23.12. (2.1.) ordnete Zehm einen größeren Ausfall mit 100 Mann an. Diese kamen bis unter die Tore der Ehrenburg, mußten sich aber nach kurzem Gefecht unter Mitnahme eines Gefangenen wieder in die Festung zurückziehen. Rüger erwähnt diesen Vorfall seltsamerweise nicht, berichtet jedoch von einigen Ausfällen der Dragoner unter dem 21. und 24. Dezember, welche einen Gefangenen einbrachten, der vorgab, ein geborener Grieche zu sein und deshalb nicht antworten wollte. ‚Da wardt befohlen, man solle ihn todt schießen; da konnte er gut deutsch reden‘. Während der nun folgenden Weihnachtsfeiertage hielten sich beide Seiten ruhig.Im Januar 1635 kam Johann Ludwig Fueß, der Kommissar des kaiserlichen Feldmarschalls Piccolomini nach Coburg. Er ließ etliche Mandate wegen monatlicher Kontributionen von 1000 Gulden, Lieferung von Proviant und Beschaffung von Quartieren publizieren. Er selbst verlangte monatlich 200 Taler neben Kost und Futter. Fueß wurde durch den kaiserlichen Oberkommissär Daniel Wolff abgelöst, der eine eigene Vergütung von monatlich 600 Reichstalern und eine sofortige Kontribution von 8000 Talern für die Kriegskasse forderte. Den Beamten und Räten der Coburgischen Städte wurde bei Nichtzahlung mit Arrest und militärischer Exekution gedroht, so daß sie schließlich eine Obligation über 6000 Taler ausstellten. Als die Stadt Coburg diese Kontributionen nicht mehr aufbringen konnte, wurden die Mitglieder des Rates 8 Tage lang in die Regimentsstube auf dem Rathaus eingeschlossen. Kaum hatten sie sich gegen eine goldene Kette und eine Anzahl von Wertgegenständen freigekauft, wurden sie erneut, neben dem Kanzler Dr. Ernst Fomann auf Waldsachsen und dem fürstl. Rat Dr. Peter Wolfrum, in der großen Ratsstube der fürstlichen Regierung inhaftiert und von Soldaten bewacht, bis sie schließlich eine Obligation über 3400 Reichstaler ausstellten, worauf sie freigelassen wurden.Rüger berichtet unter dem 2. Januar von etlichen Ausfällen der Dragoner, die dabei einen Toten und 2 Gefangene zu beklagen hatten. Die Gefangenen wurden von den Belagerern grausam umgebracht. Der eine, weil er zwei Glaskugeln bei sich trug, was als abergläubisches Mittel galt, um das ‚Festmachen‘ also die Unverwundbarkeit des Gegners aufzuheben. Diesem stachen sie die Augen aus, schnitten ihm ein Kreuz auf die Stirn und erschossen ihn. Der zweite, ein Knecht des Dragonerfähnrichs Klaus Börzinger, weil er eine Pirschbüchse bei sich trug, also als Scharfschütze galt.[159] Dieser Knecht sollte, weil er in das Zeughaus eingebrochen war, bereits am Vortag in der Veste erschossen werden, war jedoch von der Schwester Georg Christophs von Taupadel, die sich noch auf der Veste befand, freigebeten worden. Am 20. Januar streuten die Dragoner sogenannte Lähmeisen, also vierzackige Fußangeln, aus und legten Lähmbretter (Bretter mit durchgeschlagenen Nägeln). Der in diesen Hinterhalt gelockte Feind hatte dadurch zahlreiche Verluste an lahmen Pferden.Die Nachrichten des Festungskommandanten Zehm an seinen Landesherren Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach und den de facto schwedischen Generalleutnant Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar wurden im Februar des Jahres 1635 zunehmend dringlicher. Wilhelm legte nach wie vor seine Verzögerungstaktik an den Tag. Am 9./19. Februar wies er Zehm auf die laufenden Friedensverhandlungen hin und erklärte, daß ein solcher Frieden nicht nur einen Waffenstillstand, sondern den Wegzug aller kaiserlicher Truppen aus der Grafschaft Henneberg und dem Herzogtum Coburg nach sich zöge. Sein mangelndes Eingreifen entschuldigte Wilhelm damit, daß der Feind nördlich des Thüringer Waldes keine Feindseligkeiten zeige, er deshalb diesen Zustand gleichfalls nicht durch feindselige Haltungen gefährden wolle. Dem Kommandanten empfahl er, einen Unterhändler zu Lamboy zu schicken und ihn über den bestehenden Waffenstillstand zu unterrichten, der zwangsläufig auch die Festung Coburg einbeziehen würde.Während Herzog Wilhelm zumindest noch produktive Vorschläge machte, beschränkten sich die Ratschläge Johann Ernsts, der keinen militärischen Einfluß hatte, auf reine Durchhalteparolen. Bereits im Januar hatte Zehm geklagt, daß er von seinem Landesherren und dessen Räten keine Antwort bekomme. Zu Anfang Februar legte er diesem die militärische Situation dar. Danach hatte Lamboy umfangreiche Vorbereitungen für einen Sturm machen lassen. Dafür seien zahlreiche Schanzkörbe, Faschinen[160] und Sturmleitern etc. verfertigt worden. Zudem habe man mit der Unterminierung der Veste begonnen, zu welchem Zweck zwei ‚Minierer‘ (Bergbauingenieure in Militärdiensten) und eine große Anzahl an Bergknappen angekommen wären. Zehms kontinuierliches Klagen und die durch seine eigene Hilflosigkeit bedingte Wut veranlaßten Johann Ernst am 10./20. Februar dazu, einen außergewöhnlich scharfen Durchhaltebrief an den Kommandanten zu richten: ‚Herr Obrister, ich weiß nicht, wie ihr gar so verzagt schreibet, Ihr sagt, Ihr seid so lange blockiert gewesen, Ihr müsset aber wissen, Blockierung ist nicht Attackierung, wenn sie Euch etwas tun wollen, so müssen sie Euch auf den Leib, es ist auch die Festung so hoch, daß sie nicht werden so bald hineinsteigen, auf den gesetzten Fall kommen sie hinein, ist es doch nichts Neues, daß man sie wieder herausschlagen [muß]. Es ist leicht von einem Kavalier geredet, daß man Leib und Leben zusetzen will; wenn alles dabei in Acht genommen wird, ists wohlgetan; der Herr Obriste betrachte, es ist kein Geringes, ein Kommando zu begehren und auf sich zu nehmen, man muß auch danach tun, was sein Amt mit sich bringet. […] ich verstehe mich zu Euch als einem Kavalier, Ihr werdet tun, was Euch gebühret, befehle Euch hiermit ernstlich, für mich und mein Haus, daß Ihr unsre Festung bis auf den letzten Mann und letzten Blutstropfen verteidiget, und man will von keinem Akkord wissen; tut Ihr nun wohl, so versichere ich Euch, es soll Euch mit solchem Dank belohnet werden, daß ihr damit sollet zufrieden sein, tut Ihr aber übel, und lebet dem Allen nicht nach, so wird man es von Eurem Kopf fordern‘. (T. Krieg, S. 36).Zehm schrieb seinem Landesherren im Verlauf des Februar, daß die Blockade der Festung nun vehement vorangetrieben würde, ‚fast nicht ein Hund könne mehr herauskommen‘. Die Belagerer hätten zudem mit dem Vorantreiben der der unterirdischen Stollen erhebliche Fortschritte gemacht. Am 17./27. habe man deshalb einen Ausfall unternommen, den Feind aus den Laufgräben geschlagen und eine der Minen einbekommen. Dabei seien 25 der Feinde gefallen, zwei Minierer und etliche Bergknappen habe man gefangengenommen und mit ihren Werkzeugen und Waffen in die Festung gebracht. Ein ‚vornehmer Minierer‘, der sich für einen Fähnrich ausgebe, nach Aussage der anderen aber der Hauptmann sein soll, habe bekannt, deß der ‚Principal Minierer‘, ein Italiener, fest entschlossen sei, unter den Stock der Veste zu minieren. Man habe die dritte Mine bereits angefangen und nach dem Willen Lamboys wolle man alle drei Minen zugleich springen lassen. (Ebd. S. 37).Diese Vorbereitungen werden in einem Brief Lamboys am 22. Februar an Octavio Piccolomini bestätigt. In diesem schreibt Lamboy, daß die Vorbereitungen zu Unterminierung der Festung beendet seien. Durch die Minenstollen könne man bereits die feindlichen Schanzen erreichen. Die Sappeure[161] hätten 40 Tonnen Schießpulver unter die Festung gelegt, falls diese nicht innerhalb von 3 Tagen übergeben werde, solle die Sprengung erfolgen. Am 24. Februar muß Lamboy in einem weiteren Schreiben allerdings zugeben, daß sich die Verteidiger nicht ergeben wollten, sondern auf Hilfe warteten. Der zweite Minenstollen sei nun auch beendet. Am 28. Februar berichtet er, daß die Belagerung der Feste durch Regenfälle und Ausfälle der Verteidiger erschwert würde. Diese warteten auf Hilfe von Johan Banér. Gleichzeitig verteidigt er sich gegen Vorwürfe Piccolominis, der die Sappen und Minen für nicht wirksam genug hielt. (DBBTI V/1160, 1167, 1172).Rüger berichtet von der nun gänzlichen Einschließung der Veste unter dem 26. Februar. Am 28.2. richtete er eine mit Hagel (Hackblei und Eisenstücken) geladene viertel Kartaune auf den von den Belagerern besetzten Hohlweg und provozierte dadurch einen artilleristischen Gegenangriff. Dabei wurde die Schießscharte seiner Geschützstellung getroffen, so daß ihn ein Steinsplitter am Ohr traf und etliche Tage außer Gefecht setzte. Unter dem 5.3. schreibt er von einem Ausfall der Dragoner, welche von der blauen Kemenate mit Doppelhaken, Musketen und Gewehren unterstützt wurden. Die Schildwache der Belagerer, ein geborener Schwede und ehemals zur auf der Veste liegenden Kompanie des Hauptmanns Michel zugehörig, wurde überrascht und wollte fliehen. ‚Sein Hauptmann aber mit Namen Krebs versuchte ihn aufzuhalten, indem er ihm zurief: Wohin ? Wohin ? er aber stößt ihn in den Koth, sagend: Da liegst du und der Teufel !‘ Die Dragoner, die zu Fuß angriffen, machten etliche der fliehenden Belagerer mit Schlachtschwertern (Zweihändern) und kurzem Gewehr (Helmbarten) nieder und nahmen den Rest gefangen, darunter den Hauptmann Krebs.Von einem besonderen Kabinettstücklein berichtet Rüger unter dem 7. März. Die Belagerer hatten zwei 1/4-pfündige Stücklein[162] in einen Garten unterhalb der neuen Bastei gepflanzt und begannen die Festung zu beschießen (diese Bastei, im Süden der Veste, hatte der Konstabler Rüger unter seinem Kommando). ‚Die Feinde gaben nach mir Feuer, fehlten aber die ganze Vestung nicht mehr als 26 mal, welches die darinnen liegenden wohl lachten und folgendes Blendwerk brauchten. So oft sie schossen, warf Caspar Radschmidt mit einem Sturmhäfelein,[163] so mit Kalk und Aschen angefüllt war, an die Mauer, daß es stäubte, wodurch sie vermeinten, sie hätten getroffen. Wie sie aber den Betrug merkten, so trafen sie besser und schossen in die Schießaugen und durch die Blendung auf der neuen Bastei, daß ich aber übel zufrieden war und gedachte sie wieder zu bezahlen, richtete deshalb eine halbe Karthaune auf sie zu und gab Feuer auf ihre Schanzgräben und Batterien und lähmte ihre Stücke gänzlich, welches sie aber bald wieder reparirten und Feuer auf die Basteien gaben, welches noch zu ersehen, aber sie konnten nichts Schadhaftes effekutieren‘.Eine weitere Episode über den anscheinend besonders gewieften Caspar Radschmidt berichtet Rüger wenig später: ‚Den 12. März kommandierte der Hr. Capitän 3 Männer mit Schlachtschwerdtern und kurzem Gewehr auf die vordere Mine, welche im Herrenberg angefangen war [unter der neuen Bastei]. Darunter war auch Caspar Radschmidt, eine Rundtasche habend [Rondartsche = schußfester Rundschild]. Diese gingen auf die Minirer los, bekamen ihrer 4 gefangen und führten sie auf die Vestung. Als sie fast hinan waren, vermerkte Caspar Radschmidt, daß er in der Furie seine Rundtasche verloren habe, dem der Capitän alsbald 6 Mann gab, dieselbe wieder zu holen. Sie gingen hin und bekamen wieder 7 Minirer und ihren Hauptmann, wie auch alle ihre eisernen Keile und Hämmer, nebst einer Flasche, mit welcher sie Vormittag 9 Uhr die in der Vestung genug gehöhnet, indem sie selbige auf eine Stange steckten und uns einen Trunk präsentirten, dem wir Bescheid thun sollten, welches auch durch einen Jäger geschahe, der sie mit einer Pirschbüchse anzäpfte‘.Zu einem spektakulären Zwischenfall kam es am 22. März, als Rüger erneut die Ehrenburg beschoß. Dort hielt sich gerade der Generalwachtmeister Lamboy mit dem Grafen Miklós Forgách und noch 5 Oberstleutnants, angeblich zum Kartenspielen, in der geheimen Ratsstube auf, als eine von Rüger abgefeuerte Geschützkugel einschlug, die steinerne Fenstersäule zerschmetterte, den Tisch um kaum einen Meter verfehlte und zum anderen Fenster wieder hinausfuhr. Rüger berichtet über diesen Vorfall, zwar unter falschem Datum, aber in gewohnt launiger Manier: ‚Den 21. Nov. spielte ich auf den Abend mit einer Feldschlange von der neuen Bastei auf die geheime Rathstube in der Ehrenburg, denn es war berichtet worden, daß der General Lamboy sein Quartier in selbiger genommen, welches auch zugetroffen. Am selbigen Abend war General Lamboy am Tisch gesessen, gespielt, getrunken und lustig gewesen und habe ich von gedachter Stube eine Säule vom Fenster sammt dem Gebäu vom Stuhl, auf welchem Lamboy gesessen, nebst Leuchter und Pocalen von der Tafel weggeschossen, daß Herr und Diener aus dem Gemach gesprungen und wollten diesen fremden gast, weil er ganz seltsam und ihnen übel gefallen, nicht mitspielen lassen‘. (Rügers Relation bei Karche I, S. 477).Der Kommandant Zehm war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich frustriert. Da sich Herzog Wilhelm von Weimar am 3./13. auf eine Reise zu Kurfürst Johann Georg I. nach Dresden begeben hatte (Huschke, S. 286), wandte sich Zehm noch am 12./22.3. an Herzog Johann Ernst mit der Bitte, dieser möge doch wegen etwaigen Sukkurses bei dem Generalmajor Georg von Uslar in Waltershausen[164] anfragen, dem Herzog Wilhelm Weisungen hinterlassen habe. Er beschwerte sich auch bei dieser Gelegenheit über Herzog Wilhelm, dem er etliche Male den Zustand der Festung geschildert habe, auch daß die Besatzung gar zu schwach und durch die stetigen Wachten und die große Kälte sehr abgemattet sei. Viele wären dadurch krank geworden und stürben dahin. Von Herzog Wilhelm habe er bisher nur Vertröstungen erhalten. Außerdem sprach Zehm, trotz der Drohungen Johann Ernsts, diesem gegenüber nochmals die ‚Traktationsmöglichkeiten‘, also Verhandlungsmöglichkeiten zu einer Übergabe an. Wenn nicht spätestens in 4 Tagen Unterstützung zu erwarten sei, ‚werde kein anderes Mittel sein, [als] den Ort zu übergeben und eher mit einem ehrlichen Soldatenakkord abzuziehen, als großer Schand und Extremitäten neben Verlierung des Platzes gewärtig zu sein‘. (T. Krieg, S. 38).Am 12.3. hatte man bereits mit ersten Übergabeverhandlungen, die im Namen Zehms von dem Kapitän Michel geführt wurden, begonnen. Mit welcher Gesinnung Lamboy und der jederzeit informierte Piccolomini dabei vorgingen, zeigt ein Brief Lamboys an Piccolomini vom 12. März. Hierin berichtet Lamboy, Arnim (der kursächsische Generalleutnant) habe einen Eilboten hergeschickt, mit der Anweisung, das ganze Haus Coburg und die gesamte Besatzung innerhalb des Schlosses in den Waffenstillstand aufzunehmen; es handle sich dabei freilich um Schweden und Kompanien des Herzogs (Wilhelm) von Weimar. Kapitän Michel, der als Unterhändler auftrete, sei von seiner eigenen (Wilhelms) Kompanie. Er warte auf Instruktionen. Seine Stellung in Thüringen sei jetzt, nach dem Anmarsch der Regimenter Forgách, Götz und Willich, stark genug, um allen Angriffen standzuhalten. (DBBTI V/ 1188). Piccolomini und Lamboy wußten also sehr genau, daß die Festung bereits in den Waffenstillstand zwischen dem Kaiser und Kursachsen aufgenommen war, wollten aber vorher noch vollendete Tatsachen schaffen.Tatsächlich hätte Zehm nur noch wenige Wochen durchhalten müssen. Die nachgiebige Haltung der Belagerten erscheint besonders vor dem Hintergrund unverständlich, als die Festung, mit der Ausnahme von Brennholz, noch mit genügend Vorrat versehen war. Über 1800 Simmern Weizen und 1200 Simmern Korn (Roggen) waren noch vorhanden (ein Coburger Korn-Simra entsprach 0, 4 bayer. Scheffel oder 88, 94 Liter). Dazu ein großer Vorrat an Erbsen und jede Menge Pulver und Munition. Zudem waren die Dragoner und Soldaten allesamt guten Mutes und gaben vor, ‚eher die von Adel niederschießen zu wollen, als daß die Festung solchergestalt aufgegeben werden sollte‘. Die Schwiegermutter Zehms, eine Rittmeisterin von Luchau, äußerte sich ihrem Schwiegersohn gegenüber, wenn sie gewußt hätte, daß er die Festung also übergeben wolle, so hätte sie ihm ihr Kind nimmermehr übergeben und wollte es wieder zu sich nehmen. (T. Krieg, S. 38, 40).Als Ergebnis der Verhandlungen Michels wurde vorerst vom 16. bis zum 21. März ein Waffenstillstand abgeschlossen. Die Kommandantur der Belagerten nutzte während dieser Zeit ein Angebot Lamboys, den Zustand der Minen zu besichtigen, die gegen die rote und blaue Kemenate vorangetrieben worden waren. Bereits im Januar hatte Lamboy den Vorschlag eines Übergabevertrages ausarbeiten lassen und ihn an den Festungskommandanten übermittelt. Nun wollte er ihm vor Augen führen, daß ein weiteres Verharren der Belagerten aussichtslos sei. Die Besichtigung erfolgte durch den Major von Seckendorf und drei Hauptleute. Diese erkannten zwar, daß die Minen noch nicht so weit fertiggestellt waren, als daß sie eine Gefahr für die Festung dargestellt hätten. Trotzdem wurde, nach erneutem Drängen Lamboys, am 9./19. März 1635 ein Akkord[165] von beiden Seiten unterzeichnet.Dieser erste Übergabevertrag (wörtlich abgedruckt im Theatrum Europaeum III, S. 450) sah den Abzug der Garnison für Mittwoch den 21./21. März gegen Mittag vor. Vorher bat sich jedoch der Kommandant Zehm noch eine Besichtigung der Minen aus. Auch er erkannte die Unzulänglichkeit der bisherigen Vorbereitungen und entschloß sich, nach Befragung eines Kaufmannes, der sichere Nachricht von der Nichteinhaltung des Vertrages durch Lamboy hatte, den Übergabetermin aufzukündigen. Als am Donnerstag, dem 22. März, 40 Pferde Vorspann an der Veste anlangten, um die Besatzung mitsamt Gepäck abzuführen, wurde ihnen ein Tambour mit ablehnendem Bescheid entgegengeschickt, worauf diese wieder abrücken mußten, widrigenfalls das Feuer auf sie eröffnet werden sollte. Piccolomini, der sich in (Bad) Neustadt[166] aufhielt, schrieb am 25.3. verärgert an Gallas, daß die Besatzung von Coburg in letzter Minute die Kapitulation unter dem Vorwand abgelehnt habe, daß sich der (Pirnaer) Waffenstillstand auch auf sie beziehe. Er werde daher Lamboy befehlen, die Festung unter Beschuß zu nehmen. Gallas war eigentlich der Meinung, daß bis zum endgültigen Abschluß des Waffenstillstandes (Prager Frieden) die Festung geschont werden müsse. Lamboy setzte sich jedoch darüber hinweg, mit dem Argument, dieser Waffenstillstand wäre eine fertige Sache, deshalb müsse man vorher noch die Verwirrung der Schweden ausnutzen und diese vertreiben. (DBBTI V/1201, 1203).Lamboy verfiel nun auf eine List. Am 24. März ließ er ein angebliches Schreiben Herzog Johann Ernsts auf die Festung schicken, mit der Behauptung, dieses hätten seine Reiter einem Boten von Eisenach[167] abgenommen, den sie erschossen hätten. In dem Schreiben befahl Johann Ernst, die Festung aufzugeben bevor sie durch die angelegten Minen ruiniert würde. Den Brief hatte Lamboy von seiner Kanzlei fälschen lassen. Dazu hatte man im fürstlichen Rentamt einen alten Befehl gefunden, das Siegel nachstechen lassen und die Handschrift und die Unterschrift des Herzogs nachgemacht. Der Kommandant Zehm war argwöhnisch, auch viele der Umstehenden äußerten Verdacht: ‚Die einen wollte es dünken, es sei eine österreichische Hand, ein anderer meinte, wie kann das richtig zugehen, es ist Neuseser Papier, zu Eisenach hat man dessen nicht. Zehmen hielt den Brief, sobald er ihn bekam, für verdächtig, warf ihn mit einem großen Fluch auf den Tisch, hielt auch das Papier gegen das Fenster und fand das Neuseser Zeichen daran. Seckendorf aber redete es ihm stark aus und beteuerte hoch, es sei richtig. Vor einem anderen Zeugen, der seinen Verdacht äußerte, ergriff er den Kommandanten am Arm und führte ihn weg‘.Tatsächlich spielte von Seckendorf, der mit Nachdruck auf eine Kapitulation hinarbeitete, beim Zustandekommen der Übergabe eine zweifelhafte Rolle. Als der Zeugmeister Philipp Reinhardt sich an Zehm und Seckendorf mit der Frage wandte: ‚Herren, wollt ihr akkordieren, da wir doch an Munition keinen Mangel, auch zu leben haben‘, soll Seckendorf geantwortet haben: ‚wenn sich der alte Narr in die Luft sprengen ließe, sei an ihm nicht viel gelegen, es sei aber um die von Adel und andere ehrliche Leute zu tun‘. Nach Aussage des Hauptmanns von Birkig habe Seckendorf die Dragoner und die Bürger gefragt, ob sie fechten wollten, was diese entschieden bejaht hätten. Darauf hätte Seckendorf eingewandt: ‚Die hinterste Mine sei schon hinein, durch die rote Kemenate durch [den späteren Kongreßbau, heute Carl-Eduard-Bau], biß schon an die Roßmühle, die vorderste Mine durch die blaue Kemenate [das Untere Zeughaus, heute Hohes Haus] bis mitten in den Hof, wenn nun die Mine geht, zersprengt sie die Festung in zwei Teile und verdirbt die zwei Mühlen, was wollet ihr darnach zu fressen haben‘. Darüber wurden die Dragoner sehr zaghaft, welche bis auf den letzten Mann gefochten hätten, ‚wann sie nicht abgeschreckt worden‘. Der Zeugmeister Reinhard sagte aus, die Festung hätte auf jeden Fall erhalten werden können, da es ‚so große Gefahr mit dem Miniren im geringsten nicht gehabt‘. (T. Krieg, S. 39, 40).Zuletzt nutzte alles Argumentieren nichts. Seckendorf drängte mit Vehemenz auf eine Übergabe und die Uneinigkeit zwischen Zehm, Görtz und Griesheim tat ihr übriges dazu. Am 17./27. März wurde der neue Übergabevertrag, bis auf die geänderten Datumsangaben gleichlautend mit dem 1. vereinbarten Akkord, von Wilhelm von Lamboy, Georg Philipp von Zehm und Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, unterschrieben. Danach sollte die Garnison am 18./28. März ‚früh um 8 Uhr mit fliegenden Fähnlein, brenenden Lunten, Kugeln im Mund, ober= und unter=Gewehr, gefüllten bandelieren, klingendem Spiel, Sack und Pack und aller Bagage [Troß], wie die auch Namen haben mögen, abziehen‘. Die Mobilien des regierenden Landesfürsten (Johann Ernst), der fürstlichen Witwe (Johann Casimirs) und der fürstlichen Erben sollten unangetastet bleiben und die fürstlichen Kanzlei-Unterlagen dem Kanzler und Räten der Stadt zugestellt werden. Dem Obersten Zehm sollten alle seine Mobilien, ’so er mit seiner Bagage nicht fortbringen kann, unverrückt bleiben und ihm so weit vergönnt und zugelassen sein, daß er solche in seine Behausung in der Stadt [Haus No. 134 in der Herrengasse] oder auf das Haus, die Roßenau genannt [Rosenauschlößchen …] sicherlich abführen lassen solle und möge‘. Außerdem sollten der auf der Veste gefangengehaltene Obrist Frh. von Haslang und der Oberstleutnant Klepping ohne Forderungen aus ihrem Arrest freigelassen werden. Alle Coburgischen Bürger und Einwohner des Landes sollten sich mit Weib, Kind und allem Hausrat wieder unangestatet in ihre Wohnungen begeben dürfen. (Karche III, S. 139f.).Ein interessanter Sachverhalt findet sich noch unter Punkt 8 des Vertrages: ‚Hierinnen ist auch in specie begriffen des Obrist Taupadels Junger Schwester, welcher mit aller bey sich habenden Bagage, Mobilien, so Ihrem Herrn Bruder und ihr zuständig, es habe Namen wie es wolle, neben sein des Taupadels Kind und dero bei sich habenden Angehörigen, mit der Guarnison frey sicher abziehen, erlaubt seyn solle, wozu ihr denn mit nothwendiger Vorspann zu ihrer Kutschen fortgeholfen werden wird‘. Georg Christoph von Taupadels Schwester befand sich also (seit Oktober 1632) noch Anfang des Jahres 1635 zusammen mit dessen Kind auf der Veste Coburg.Am 28. März 1635 wurde die Veste an Lamboy übergeben und die Besatzung (bzw. Herzog Wilhelm von Weimars Kompanie unter Hauptmann Michel) wurde unter Konvoi durch die Grafschaft Henneberg an Meiningen[168] vorbei nach Eisenach geleitet. Die Akkordvereinbarungen wurden natürlich nicht eingehalten, was Lamboy damit begründete, daß der erste, am 9./19. März vereinbarte Akkord ohne Ursache gebrochen worden war, folglich sei er in dem zweiten nach ‚aller verstendiger General vndt Cavallier judicio‘ auch nicht zu halten schuldig gewesen‘. Die in die Veste eingeflohenen Bürger wurden noch beim Hinuntergehen in die Stadt geplündert, viele mußten sich mit ‚Wachtgeld‘ loskaufen, einige wurden umgebracht. Lamboy ließ die beiden Befehlshaber Oberst Zehm und Major Görtz entgegen den im Akkord getroffenen Vereinbarungen gleich nach ihrem Auszug in der Ehrenburg gefangensetz[t]en – wohl auf deren eigenes Ersuchen hin, da sie sich aufgrund ihres leichtfertigen Handelns vor möglichen Repressalien der eigenen Seite fürchteten. Desgleichen wurde der Wagen mit dem Silbergeschirr des Herzogs Johann Ernst im Wert von 21.000 Gulden beschlagnahmt. Obwohl der Herzog seinen Kämmerer Christoph von Herstall an Lamboy und Piccolomini schickte, sich sogar beim Kaiser beschwerte, konnte er sein Eigentum nicht mehr zurück erhalten. Das Tafelsilber hatte mittlerweile der Feldmarschall Piccolomini in seinen Besitz genommen, dem Lamboy noch am 20. April eine genaue Inventarliste davon zuschicken mußte (DBBTI V/1220). Bei Kenntnis der Habgier Piccolominis, der sich sofort nach Coburg begab, um die Beute zu besichtigen, wird klar, daß hier nichts mehr zu bekommen war.Die Festung wurde mit einer kaiserlichen Garnison von 280 Mann aus dem Adelshofischen Regiment unter dem Hauptmann und Kommandanten Amman belegt (derselbe Hans Wilhelm Amman, der im Juni 1633 von Melchior von Hatzfeldt der Kronacher Bürgerschaft als Stadthauptmann vorgestellt worden war, siehe dort). Dieser wurde am 3./13. Juli anläßlich der Ankunft des kaiserlichen Truppenkontingents unter der Marchese Francesco del Caretto di Grana, von dem Hauptmann Ott von Otten mit 360 Mann aus dem Neu-Hatzfeldischen Regiment abgelöst, welchem die Bürgerschaft wöchentlich 724 Gulden zu ihrem Unterhalt beisteuern mußte. Erst gegen Ende des Jahres 1635 gelangte die Veste aufgrund der Vereinbarungen des Prager Friedens an das Haus Sachsen zurück. Am 12./22. Dezember wurde der neue Kommandant und Festungshauptmann Hanns Hartmann von Erffa bestätigt. Dieser konnte mit seinen Soldaten die Festung allerdings erst am 7./17. März 1636 beziehen, nachdem die Hatzfeldische Garnison unter Hauptmann Otten am selbigen Tag abgezogen war.Am tragischsten endete das Schicksal des Obersten und ehemaligen Kommandanten Georg Philipp von Zehm, obwohl dieser hinter den treibenden und intrigierenden Hauptakteuren der Übergabe schuldbezogen weit zurückstand. In einer 25 Folioseiten umfassenden Apologie versuchte von Zehm später die Beweggründe für sein Handeln darzustellen. Er mußte einen Prozeß wegen Hochverrats über sich ergehen lassen, der jedoch mangels Beweisen eingestellt wurde. Zehm quittierte daraufhin den Kriegsdienst und zog sich auf sein Coburger Anwesen (Herrengasse Nr. 134) zurück. Er wurde zunehmend sonderlicher und ergab sich mehr und mehr dem Aberglauben. Bereits in früheren Jahren, wenn er auf der Festung mit seiner Gemahlin zu Tisch saß, glaubte er des öfteren ein Gespenst, seiner Frau ähnlich, zu sehen. Seine Zuneigung zum Sektenwesen, insbesondere zum Calvinismus, der bei den Protestanten damals noch schlimmer angesehen wurde als die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche, brachte von Zehm mehr und mehr bei seinen Mitbürgern in Verruf. Er starb in seinem Haus in der Herrengasse unter großer Verachtung und wurde auf einem Mistwagen nach Schottenstein[169] geführt und dort begraben. (Karche I, S. 212). Seine Gemahlin, eine Geborne von Würtzburg, war bereits im Jahr 1633 gestorben und am 17. September in das Begräbnis unter dem großen Stein im Kreuzgang der Kirche St. Moritz in Coburg beigesetzt worden. Die Leichenpredigt hielt der Archidiakonus Pfrüscher (Karche III, S. 146). Daß es mit der weiter oben erwähnten Rittmeisterstochter von Lüchau zu einer weiteren ehelichen Verbindung kam, ist nach diesen Vorfällen unwahrscheinlich. Viel mehr ist anzunehmen, daß die Schwiegermutter in spe ihr Kind, wie angedroht, wieder zu sich nahm“.[170]Natürlich hatte Lamboy währenddessen die noch aus Hof ausstehenden Gelder nicht vergessen: „Den 3. februarii samlete man wieder ostiatim den hinterrest lamboischer contribution, so noch 300 thaler. Deswegen der both, so ganz bedrohlige schreiben bracht, drauf warten müßen“.[171] „Den 17. febr[uarii] wurde bey der nacht (denn am tage war um diese zeit keines reisens noch handelns) der lamboische rest der 300 thaler nach Cronach mit hiesiger convoy fortgeschicket, weilen ganz bedrohliche schreiben eingekommen, deswegen so langen verzugs man solchen rest doppelt haben wollen“.[172]„Im 30jährigen Krieg hatte die alte Veste [Lauterburg;[173] BW] den lutherischen Bauern lange Zeit hindurch als letzter Zufluchtsort vor den marodierenden Kaiserlichen gedient, bis 1635 25 Reiter und 20 Musketiere von der Truppe des Generals Lamboy die Burg überrumpelten, da der Kanzler und die Räte des Herzogs Johann Ernst von Coburg ‚den Anmarsch der Feinde nicht rechtzeitig bekanntgegeben hatten, so daß die sonst festen Orte genügend in den Verteidigungszustand hätten gesetzt werden können‘. Die Burg wurde total ausgeraumt und niedergebrannt. Die Herrschaft mit Pfarrer und Gesinde konnte sich in die damals noch dichten Wälder Thüringens retten. In Almerswind[174] wurde die aufgebahrte Leiche von des Schloßherrn ältestem Sohn durch Soldaten aus dem Sarg gerissen und der Kleider beraubt. Auch der Gutshof, der 44 Pferden Stallung bot und zu dem außer ausgedehntem Ackerland Weingärten und Hopfenanlagen gehörten, wurde damals verwüstet“.[175]„Das Terrain für die Friedensbereitschaft des Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach war allerdings schon vor dem Truppendurchzug Carettos von dem Generalmajor Lamboy durch Ausübung massiven Drucks vorbereitet worden. Dieser hatte sich, nachdem er die Veste Coburg eingenommen hatte, bereits im April 1635 erneut an Markgraf Christian gewandt, und mit Nachdruck auf eine Übergabe der Plassenburg gedrungen. Andernfalls werde er seinem Auftrag nach die Festung unterminieren und mit Gewalt erobern. In seinem Brief an Piccolomini vom 17. April fragt Lamboy an, wie er sich zur Armee des Markgrafen verhalten soll. Die Truppen des Markgrafen hätten sich in die Festung Kulmbach zurückgezogen. Deren Auftreten sei zweideutig, letzten Endes blieben sie feindselig. Er selbst verhandle betreffs der Übergabe. Diesem Brief ist eine Abschrift eines Schreibens von Lamboy an den Markgrafen Christian von Brandenburg beigegeben, in welchem er um klare Antwort bittet, ob jener in seiner feindlichen Haltung verharren, oder ein Abkommen schließen wolle. (DBBTI V/1213).Der Markgraf bat sich Bedenkzeit aus, vorgebend, daß die Verhandlungen wegen seines Beitrittes zum Prager Frieden vor dem Abschluß begriffen seien, er sich auch erst mit seinen Verbündeten beraten müßte. Lamboy drängte jedoch auf eine definitive und kategorische Antwort, so daß man schließlich zu einem Kompromiß kam und Christian seinen Obersten Muffel mit der Garnison der Plassenburg unter kaiserliche Kuratel stellte. (Chemnitz II, S. 707). Tatsächlich quittierte der brandenburgische Oberst und Kommandant der Plassenburg noch im Juni 1635 seine Charge als schwedischer Oberst, worauf Markgraf Christian sich mit einer Interzession zugunsten Muffels an den Kaiser wandte und diesen bat, den Obersten mitsamt seiner Familie und seinen Gütern in der Oberpfalz in seinen Schutz zu nehmen“.[176]„Als am 11. August 1635 neuen Stils aus Wien nicht ohne Genugtuung vermeldet wurde, daß ‚im Römischen Reich […] nun die Kays: fast alle Plätz, ausser wenigen so noch mit Schwedischen besetzt, erobert, massen sich dann auch Franckfurt am Main,[177] Straßburg,[178] Manheimb,[179] und andere Orth mehr mehr, mit Accordo an Ihr Kays: Mytt: lauth deß mit Churfürstl: Durchl: zu Saxen beschlossnen Friden ergeben haben’, standen den Frankfurtern bange Stunden erst noch bevor. In der Tat hatten sich die meisten Stände dem Prager Friedensabkommen angeschlossen, die Wiener Meldungen waren jedoch nach dem Gregorianischen Kalender datiert. Frankfurt mußte seine ungeliebten Besatzer zu diesem Zeitpunkt erst noch vertreiben. Die Situation in der untermainischen Reichsstadt spitzte sich zu. Vitzthum hatte in Sachsenhausen[180] zum Ärger der Frankfurter Ratsherren ohne deren Erlaubnis schwedische Soldaten zur Verstärkung eingelassen. Laut Lersner stiegen Soldaten eines Obersts namen Rosa [Reinhold v. Rosen;  BW] mit Leitern über die Sachsenhäuser Mauern, gelangten also heimlich in die Stadt. In der Nacht zum 1. August hätten diese dann die Türme auf der Sachsenhäuser Mainseite eingenommen und die vom Rat eingesetzten Wachen vertrieben. Eine Abordnung der Hanauer Garnison sei durch das Affentor eingelassen worden, um Vitzthum beim Kampf um die Alte Brücke zu unterstützen. Am Sonntag, den 2. August 1635 begann das verheerende Gefecht zwischen der schwedischen Garnison und den Frankfurter Truppen. Zuerst erfolgte die gewaltsame Einnahme der Alten Brücke durch die Garnisonssoldaten, Frankfurt wurde überrumpelt und geplündert. Während sich die meisten Einwohner noch im morgendlichen Gottesdienst befanden[,] ließ Vitzthum ‚das Affenthor auffhawen, und 1000 Mußquetierer neben 500 Pferden einziehen.[’] Nachdem der Rat den Lärm gehört hatte, wurden eilends die Bürgerschaft und die Handwerksburschen zusammengerufen und diese ‚mit Eydt und Pflicht erinnert, gegen die Schweden sich zu wehren’. Die schwedischen Soldaten zogen sich zurück und die Frankfurter, ‚mit Doppelhacken[181] und Mußqueten’ zur Gegenwehr gerüstet, schlugen indes ‚auff der Brücken pallisada’.Ein im Reichsarchiv in Stockholm befindlicher Augenzeugenbericht bestätigt diese Vorfälle an jenem 2. August 1635. Es handelt sich hierbei um einen auf Französisch und mit rascher Hand abgefaßten Brief an Bernhard von Weimar, in dem jener Oberst Rosa, der eigentlich Reinholt von Rosen hieß, unmittelbar von den Frankfurter Ereignissen berichtet. Dieser Obrist war mit seinen aus Mainz[182] und Gustavsburg[183] stammenden Reitern Vitzthum zu Hilfe geeilt und unterstützte dessen Garnisonssoldaten gemeinsam mit weiteren 500 Hanauer Musketieren beim Angriff auf Frankfurt. Im Verlauf des Gefechts verweigerte der Magistrat den Schweden jedoch die ‚Clefs de la Porte’ und ließ sie nicht in die Stadt. Daraufhin hatten sich die schwedischen Truppen zurückgezogen. Die Kommandanten beschlossen, Frankfurt zu stürmen und einzunehmen. Vom Rheingrafen Otto hatte der Oberst zuvor erfahren, daß Matthias Gallas mit seiner Armee anrückte. Um dem Feind den Zugang zu der Reichsstadt zu verwehren, verteilte Rosen seine eigene Kavallerie außerhalb der Stadt um die Mauer, damit diese die Zugangsstraßen sicherten. Frankfurt traf indes Vorkehrungen, um sich selbst zu verteidigen. Die Bürger hatten sich bewaffnet und mit der städtischen Garnison zusammengeschlossen. Überdies brachten sie zahlreiche Kanonen in Gefechtsstellung.In den frühen Morgenstunden des 5. Augusts, einem Mittwoch, begann ein heftiger Kampf zwischen den städtischen Söldnern und Vitzthums Truppen. Die Frankfurter Einheiten feuerten auf die hinter Schanzkörben verborgenen schwedischen Soldaten, es kam zu Toten und Verletzten. Dennoch gelang es Vitzthums Männern, die Frankfurter Soldaten zurückzudrängen. Außerdem ließ der Garnisonskommandant noch am selben Abend die Brückenmühle anzünden, die ‚mit etliche Malter Früchte abgebrand’ ist. Durch die brennende Mühle wurden ‚beyde Städte von einander separiret, man canoniret noch immer, und sollen sie darinnen noch immer grossen Mangel an Medicamenten und anderer provision haben, und hat man ihnen alles mahlwerck genommen’.Am 6. August baten die Stadtoberen den in der Nähe befindlichen kaiserlichen Generalleutnant Gallas um Unterstützung. Inzwischen wurde von Frankfurt aus die Schaumainpforte auf der Sachsenhäuser Seite beschossen, fast alle Fenster des Wachgebäudes gingen dabei zu Bruch. Am Abend des 7. Augusts rückten schließlich 5 000 Soldaten des Grafen Gallas unter dem Kommando des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy in Frankfurt ein. Einer Zeitungsmeldung zufolge waren ‚auff begehren des Magistrats allhier unter Commando des Obr. Wachtmeisters Lamboy und Obr. Kehrauß 13. Keyserl. Regim. uber 8000. starck und zum Succurß kommen, es wird starck uff Sachsenhausen zur Pressa geschossen, sonderlich auffs Wasserthor, und ist schon ein  groß stück gefellet worden, man vernimbt es werde heut noch gestürmet werden, von dem Volck so in Gärten unter Stücken ligt’. Aber nicht nur Lamboy und sein Oberst Kehraus zogen in die Reichsstadt. Von Butzbach[184] rückten schwedische Regimenter unter Sperreuter[s] Kommando heran und Bernhard von Weimar marschierte vom Rheingau aus über Wiesbaden[185] und Mainz herauf. Vitzthum ließ sich deshalb vernehmen, ‚es wolle bald widerumb einen Succurß von 12.000 Mann von Hertzog Bernhards Armee bekommen’. Diese Zeitungsmeldung scheint zum Ausdruck zu bringen, daß der Korrespondent offenbar den baldigen Fall Frankfurts befürchtete. Es drohte immerhin der Zusammenprall von rund 20 000 Soldaten.

Am 8. und 9. August erfolgte der Beschuß Sachsenhausens vom Frankfurter Mainufer aus, man hatte ‚von allen Pastheyen und Thürnen auf die Schwedischen Schantzkörbe, so sie auff die Brücke gebracht’, gefeuert. Die Ironie des Schicksals zeigte sich hierbei in der Tatsache, daß all jene Mauern und Bollwerke nun zur Verteidigung gegen die Schweden dienten, die zuvor unter ihrer Regie mühsam errichtet worden waren. Beobachter wußten ztu berichten, daß ‚uber 1000. Schüsse aus Stücken’ an jenem 8. August auf Sachsenhausen abgefeuert worden waren. Gegenüber dem Fahrtor wurde eine Bresche geschlagen. Kaiserliche und Frankfurter Soldaten durchdrangen sie am 9. August und stürmten in Sachsenhausen ein. Sie gelangten bis zur Dreikönigskirche, stießen dort aber auf die gut verschanzten Schweden und wurden von diesen zurückgedrängt. Die einbrechende Nacht verhinderte einen weiteren Angriff auf die Garnisonstruppen. Im Verlauf dieses Gefechtes hatten die Schweden im übrigen auch den Brickegickel von der Brücke geschossen. Dieser goldene Hahn, das Wahrzeichen der Alten Brücke, war dabei jedoch nicht zum ersten Mal abhanden gekommen. Ein Frankfurter Zeitzeuge namens Flittner gedachte dem durch feindliche Hand Erlegten schließlich in einem ‚historisch-zoetischen’ Gedicht.

Einen Tag später beschossen kaiserliche und Frankfurter Truppen Sachsenhausen mit dreißig Kanonen, die von der Brücke bis zum Leonhardstor aufgestellt waren. An diesem Tag ließ sich Vitzthum endlich durch die Sachsenhäuser und ihren Pfarrherrn Christian Gerlach zum Nachgeben bewegen, nachdem dort 26 Häuser in Schutt und Asche gelegt worden waren. Zeitungsmeldungen zufolge hatte sich der auf diese Weise entstandene Schaden auf ‚in die drey Tonnen Goldes’ belaufen. Von ‚der unschuldigen Bürgerschafft [ist], so zu dreyen mahlen durch Pfarrer und andere fußfallende umb fernere verschonung gebeten’ worden. Auch die Soldaten auf der Frankfurter Seite waren an den Zerstörungen in Sachsenhausen beteiligt. An jenem 10. August hatten diese nicht nur einen Turm, sondern auch einige Wohnhäuser durch Beschuß in Brand gesetzt. ‚Und alleweil mit gantzen, dreyviertel und halben Carthaunen fewer hinuber geben worden, da auch das Fewer so groß worden, daß es bey 30. Häuser hinweg genommen […]’. Angesichts dieser Angaben wird deutlich, daß die beiden Seiten nicht nur aus beweglichen Feld-[,] sondern auch aus schweren Festungsgeschützen gefeuert haben. Als Vitzthum immer noch keinerlei Bereitschaft zum Einlenken zeigte, schossen die Frankfurter sogar ‚mit halben Carthaunen auff seine Arbeiter’. Sie richteten Feldgeschütze auf die schwedischen Soldaten, die gemeinsam mit der Fußartillerie aus Hanau zur Unterstützung in die Reichsstadt gekommen waren. Man war gegen Vitzthum ‚mit eysersten Ernst verfahren, was nun daraus werden wird, weiß Gott, man spielet mit Stücken biß dato nach starck inflammen’.

Der Sachsenhäuser Prediger Christian Gerlach unterstützte nicht nur die Petition seiner ‚Schäfchen’, er war darüber hinaus auch Vitzthum behilflich, wieder Verhandlungen mit den Frankfurter Räten aufzunehmen. Der Geistliche wurde mitsamt einem Trommler auf die Frankfurter Seite geschickt, um dort die Kapitulation der Schweden voranzutreiben, die dann am Abend des 10. Augusts endlich geschlossen werden konnte. Bis zu ihrer Unterzeichnung dauerte jedoch das Feuern der kaiserlichen Truppen an. Vitzthum hatte sich offenbar bis zuletzt geweigert, mit den Frankfurtern zu verhandeln. Er akzeptierte jedoch die Vermittlung des Generalwachtmeisters Lamboy, dem der Vergleich schließlich auch gelang. Über die darauf folgende Aufgabe Vitzthums verbreiteten sich indes unterschiedliche Interpretationen. Angeblich habe der Garnisonskommandant drei weiße Fahnen hissen lassen, Meldungen in den Zeitungen nennen hierfür verschiedene Gründe. Von katholischer Seite aus behauptete man, der Generalmajor sei nicht etwa verhandlungsbereit gewesen, vielmehr habe es ihm an Munition und Proviant gemangelt. Dies wäre so gesehen einer unfreiwilligen Aufgabe gleichgekommen. Folgt man hingegen Zeitungen aus protestantischen Hochburgen, so wollte der Garnisonskommandant einen Waffenstillstand nur aus Pietät, um ‚die Todten zu begraben’.

Am Dienstag, den 11. August 1635 verließ Hans Vitzthum von Eckstädt um sieben Uhr morgens mit seinem vierköpfigen Stab die Reichsstadt Frankfurt am Main in Richtung Gustavsburg, die Besatzung durch die Schweden war beendet.[186] Noch vor dem Garnisonskommandanten zog ein Oberstleutnant namens Bilau mit dem Hanauischen Kriegsvolk ab, dann endlich verschwand Vitzthum mit Sack und Pack, vier Feldstücken und acht fliegenden Fahnen aus Sachsenhausen. Seine einstigen Garnisonssoldaten wurden vor die Wahl gestellt, in den Dienst der Reichsstadt oder zu den kaiserlichen Truppen überzutreten. 200 Mann entschieden sich angeblich für den Verbleib in Frankfurt. Der vertriebene Generalmajor konnte seinen Weg nach Gustavsburg allerdings nicht ungehindert fortsetzen. Übergriffe wurden auf ihn verübt und sein Gefolge in Höchst[187] von den dort befindlichen kaiserlichen Soldaten gefangen genommen. Vitzthum selbst soll angeblich nur noch mit drei Pferden und zwei Dienern an seinem Ziel angekommen sein.

– – „Am 10. August [20.8.1635; BW] wurde der Oberst Joh. Geyso, der seit 12 Jahren dem Herzoge nahe stand […], entsandt. Ein größeres Reitergeschwader scheint ihm zunächst Schutz gewährt zu haben. Noch ehe er sein Ziel erreichte, ging am 14. August von Ramsay folgende Nachricht ein: Einige Regimenter der Bönninghausenschen Armee sind gestern, den 11., dicht an Hanau[188] vorbei auf Frankfurt marschiert. Sachsenhausen ist heute mit Accord gefallen; Vitztum mit seinen Truppen auf Mainz abgezogen. Meinem Oberstleutnant Bilaw, der mit seinen 600 Musketieren nach Hanau zurückwollte, haben die Feinde den Accord nicht gehalten; wer nicht gutwillig Dienste nehmen wollte, ist niedergeschossen“.[189] – –

Die Rezeption des Frankfurter Gefechts ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Berichte über den Verlauf der Ereignisse finden sich in den zeitgenössischen Zeitungen. Einer Meldung vom 18. August 1635 zufolge wurde nur wenige Tage nach dem Abzug des schwedischen  Kommandanten der ‚Accord zwischen den Keyserl. und Schwedischen, wegen Sachsenhausen’ in Druck gegeben und das Szenarium in Kupfer gestochen. Jenen ‚innerliche[n] Krieg zu Sachsenhausen’ hatte kein Geringerer als Matthäus Merian der Ältere angefertigt, um ihn anschließend im Theatrum Europaeum zu veröffentlichen. Auf seiner detailreichen Darstellung finden sich sämtliche Ereignisse dieser zehn Tage im August zusammengefaßt. Man sieht die Palisaden und Schanzkörbe auf der Alten Brücke, stürmende Soldaten, das Eindringen der kaiserlichen Truppen durch die Bresche nahe des Ulrichsteins, die Feuerlinien der schweren Geschütze entlang der Mauer des Fischerfeldbollwercks und schließlich Vitzthums Abzug mit fliegenden Fahnen.

Nur sehr langsam beruhigte sich die Lage im Frankfurter Umland. Die Reichsstadt war noch immer von Truppen der Kriegsparteien umgeben. Lamboy und Hatzfeld standen mit kaiserlichen Truppen in der Frankfurter Landwehr, Matthias Gallas befand sich mit seinen Soldaten im Hauptlager bei Gernsheim[190] auf beiden Rheinseiten. Die Schweden und ihre französischen Hilfstruppen, geführt von Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar und Kardinal de la Valette, hielten sich bei Hochheim[191] am Main auf und Ramsay saß mit seiner Garnison im belagerten Hanau fest. Die Truppen dürften auch noch den letzten Rest des mehrheitlich verödeten Umlandes durch ihre Ausfälle und Marschbewegungen zerstört haben. Dank der Übereinkunft mit Vitzthum war Frankfurt in diesen letzten Tagen der Besatzung nur knapp einer größeren Katastrophe entkommen.

Gleichwohl birgt das gewaltsame Ende der schwedischen Präsenz in der Reichsstadt am Main ungewollt eine jener Anekdoten, die es im Laufe der Geschichte immer wieder gegeben hat. An der Vertreibung des Garnisonskommandanten Vitzthum nach der Kapitulation war ausgerechnet ein Oberst nahmens Kehraus maßgeblich beteiligt gewesen – nomen est omen. Er war derjenige, so der den Schweden nicht eben wohlgesonnene Pfarrer Henrici, ‚der Sachsenhausen den Frankfortern einnahme und den Vitzthum rausjagte’.[192]

„Gallas war der Ansicht, Herzog Bernhard wolle dem Kommandanten von Hanau[193] Proviant zuführen und beorderte deshalb Bönninghausens Regimenter zur Belagerungsarmee von Frankfurt. Doch der Vorstoß, den Bernhard mit etwa 3000 Reitern und 1000 Musketieren unternahm, diente nur zur Verschleierung seines Abzuges auf das linke Rheinufer. Am 14. September 1635 wurden die Franzosen von zwei kaiserlichen Kürassierregimentern bis zu einer Mühle beim Dorfe Hausen[194] an der Nidda zurückgetrieben, zogen aber Verstärkungen an sich und gaben dem Gefecht eine solche Wendung, daß die höheren Offiziere der Kaiserlichen zur Aufmunterung ihrer Leute selbst ins Handgemenge treten mußten. Dabei kam Graf Hatzfeldt unter sein getötetes Pferd zu liegen, Generalwachtmeister Lamboy wurde verwundet, andere Offiziere gerieten in Gefangenschaft“.[195]

Eine Teilnahme Lamboys am 1. Feldzug Gallas’ nach Frankreich konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

„Bönninghausens Fußregiment unter Pape und dem Obristwachtmeister Jakob Volpert wurde unter dem Generalwachtmeister von Lamboy zur Belagerung der Festung Hanau verwandt.“[196]

Bei der Belagerung Hanaus wurde Lamboy am 18.3.1636 bei einem Ausfall der Belagerten verletzt, als er „durch die backen geschossen vnd ziemlich hart, wiewohl nicht tödlich“ verwundet wurde. Der schwedische Gouverneur von Hanau, Generalmajor James Ramsay, ließ es an Spott nicht fehlen, indem er Lamboy einen Brief schrieb und ihn unter anderem bat, ihm „einige newe zeitung zucommuniciren, insonderheit, ob es wahr, daß Hanau belagert; dan man wollte bey ihm etwas davon sagen“.[197]

Im „Theatrum Europaeum“ heißt es: „Kurz zuvor ist vermeldet / wie der Herr Käyserliche General Graff Gallas viel Volcks umb Wormbs[198] und Speyer[199] zusammen gezogen / welches uff Hanaw angesehen zu seyn erachtet wurde / unter welchen der Hertzog von Florentz [Mattia di Toscana; BW] / ist aber gar zu spath kommen / dann wiewol zu der Blocquirung Hanaw (als kurtz zuvor ist angezeigt worden) der Käys. Gen. Wachtmeister / Freyherr von Lamboy alle gute Vorsehung gethan / und starcke Præparatoria ( mit Auffwerffung unterschiedlicher Schantzen) verfertigen lassen / den Belägerten den Außfall gantz und gar zu benehmen / und der bevorstehenden Erndt verlustigt zu machen / so hat sich doch unversehens begeben / daß Landgraff Wilhelm von Hessen mit etlichen von deß Schwedischen Generals Leßle Trouppen sich auffgemacht / unnd ehe man es recht wahr nehmen können / Sonntags den 12. 22. Junii beneben gedachtem General Leutenant Leßle unnd Major Beckerman zu Windecken[200] / unferm von Hanaw / mit der Avantgarde in 6000. starck angelangt / darauff in der Nacht den Belägerten ein Fewer-Zeichen von einer Höhe gegeben / welchem sie mit 4. halben Carthaun-Schüssen geantwortet. Nach solchem hat man sich zum Aufbruch fertig gemacht / unnd gegen dem Käyserischen Läger vor Hanaw angefangen zu marchiren. Und ob wol mehrbesagter Herr Lamboy / als Käyserlicher Wachtmeister / die Hess- und Schwedischen den Sambs- unnd folgenden Sontag auff den Pässen in dem Wald durch stätiges Scharmütziren auffzuhalten vermeynet / und indessen seine Schantzen umb die Statt alle besetzt / unnd mit den Stücken versehen / in Hoffnung der versprochene Succurs nächst diesem ankommen würde: Nichts desto weniger aber seynd besagte Hess- und Schwedische den folgenden Montag als den 13. Junii styl. vet. in aller frühe mit Gewalt durchgebrochen / gegen das Käyserische Läger avancirt / und der Schantzen theils mit Stürmen / Schiessen und Granaten / theils aber in der Güte mächtig worden. Haben also den Paß in die Statt mit Gewalt eröffnet / und den Orth nach jähriger Belägerung mit etlich hundert Wägen starck proviantiert / und mit frischem Volck als I. Fürstl. Gn. Landgraffen Wilhelms Rothen Leib-Regiment in 1200. Mann starck / und einem Regim. Pferdt ( gegen denen das Burgsdorffische [Hans Christoph v. Burgsdorff; BW] / so in 200. Mann nicht mehr gehabt / herauß genommen worden) wiederumb besetzt.

Es ist aber gleichwohl hierzwischen eine veste Real-Schantz von den Käyserischen / welche der Obr. Leutenant Marschall neben 400. commandirten Soldaten vom Jung-Tyllisch- und Bönninghausischen Regiment ingehabt / starck besetzt geblieben / biß endlich die Schwedisch- und Hessische / nach darauff gethanen 160. halben Carthaun-Schüssen / und drey verlornen General-Stürmen / darinnen in etlich hundert Soldaten geblieben / dieselbe auff Gnad und Ungnad bekommen / da dann mehrentheils darinn gelegene Soldaten / wie besagt / in die 400. untergestellt / der Commendant aber als Obriste Leutenant Marschall / unnd Obr. Leutent Papa [Ernst Weseler v. Pape; BW] in die Hanawer Newstatt gebracht / und über Nacht behalten / folgenden Morgen aber nach Windecken geführet worden. Selbigen Abend noch ist Steinheim[201] / einen starcken Canonenschuß gegen Hanaw / oberhalb jenseit Mayns gelegen / mit 1000. Pferdten berennet worden / wohin herr General Lamboy sich reterirt / die Thor beschütten / und sich aufs beste wider allen Anlauff verwahren lassen / wie er dann von seinem Beicht-Vatter einem Jesuiten / das Hochheylig Abendmahl empfangen / und sich mit seinen Soldaten ritterlich zu defendiren / resolvirt / ist aber durch gegebene Ordre daselbst abgefordert / unnd in 200. Chur-Mäyntzische Soldaten von deß Herrn Graffen zu Dona [Heinrich Graf zu Dohna ?; BW] Regiment / so zu Mäyntz / dahin gelegt worden“.[202]

„Der Feldmarschall-Leutnant von Geleen[203] belagerte Osnabrück,[204] wurde aber durch eine neue Armee, die der Feldmarschall Leslie auf Geheiß Oxenstiernas[205] heranführte, vertrieben. Der Kommandant der Festung Minden,[206] ein Major [Hieronymus von] Plettenberg, der Herzog Georg von Lüneburg verpflichtet war, überlieferte die ihm anvertraute Stadt unter Bruch des Ehrenworts in der Nacht vom 5. zum 6. Mai 1636 den Schweden, zum großen Grimm Herzogs Georgs. Der Vormarsch Leslies veranlaßte den hessischen Landgrafen zu Kündigung des Waffenstillstands mit dem Kaiser; er vereinigte sich mit Leslie am 26. Mai bei Lippspringe[207] und zog im Lager von Boke[208] seine Regimenter zusammen. Am 13. Juni brach die vereinigte hessisch-schwedische Armee zum Entsatz von Hanau auf.

Die Belagerung Hanaus leitete der Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy, der über 4 Infanterie-Regimenter, darunter das Regiment Bönninghausen, verfügte. Seine Soldaten hatten rings um die Festung Schanzen angelegt; eine der kleineren war ‚Bönninghausische Schanze‘ benannt. In Hanau verteidigte sich der Gouverneur Jakob Ramsay, ein gebürtiger Schotte in schwedischen Diensten, den Herzog Bernhard von Weimar dort eingesetzt hatte; ‚als Musterbild eines heimatlosen, genußsüchtigen Soldaten von Fortune‘ spielt er im ‚Simplizissimus‘ eine Rolle. Bei der Annäherung der Entsatzarmee floh die kaiserliche Kavallerie, die Schanzen wurden nach Artillerievorbereitung mit leichter Mühe genommen. Nur wenige stärker befestigte Werke leisteten Widerstand, so die ‚Morastschanze‘, wo sich der entschlossene Verteidiger, Obristwachtmeister Buddingen, selbst in die Luft sprengte; von der hessischen Sturmkolonne mußten viele Angreifer seine heroische Tat mit dem Leben bezahlen.

Am 24. Juni schritten die Hessen zum Angriff auf die Hauptschanze, deren Besatzung aus 600 erprobten Soldaten bestand, über die das Kommando der Obristleutnant Ernst Wesseler von Pape und der Obristleutnant Marschall hatten. Sie verfügten über 3 Feldgeschütze. Der Landgraf ließ sie vier Stunden ununterbrochen beschießen und dann seine Regimenter stürmen, doch wiesen die Kaiserlichen drei Sturmangriffe heldenhaft ab, bis nach erneuter schwerer Beschießung durch schwere Mörser die Pulverkammer der Besatzung in die Luft flog. Nun mußten Pape und Marschall sich auf Gnade und Ungnade ergeben, nachdem mehr als 70 Mann in wenigen Stunden gefallen waren. Ihre mannhafte Gegenwehr hatte die Ehre der kaiserlichen Waffen gerettet. Der Landgraf ließ die eroberten Schanzen – es waren insgesamt 22 – niederreißen, die Festung mit Lebensmitteln und frischer hessischer Besatzung versehen, ehe er am 27. Juni wieder abzog“.[209] Der Abzug seines Heeres wird seitdem dort als „Lamboy-Fest“ gefeiert. Der Hildesheimer[210] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 13./23.6.1636 fest: „Heut soll Landgraff Wilhelm Hanaw bey Frankfurt entsetzet und uf ein halb Jahr proviantirt haben, die er den Obrist Lambey als Commendanten ufgeschlagen, 5 Stück Geschütz bekommen, 700 Gefangen und 2000 todt geschlagen“.[211]

Ende Juni hatte Gallas Johann von Götz, Rudolf Graf Colloredo und Suys den Befehl zum Einmarsch nach Frankreich erteilt.[212]

Am 30.6.1636 ersuchte Ferdinand III.[213] Gallas um eine Stellungnahme zu den Kriegsplänen gegen Frankreich.[214] „Was Ihr sowohl an mich als des Herrn Teutschmeisters L. [Stadion; BW] gelangen lassen, das hab ich aus Eueren den vier- fünf- und siebenundzwanzigsten dits datierten Schreiben mehrern Inhalts gnädigst vernomben und daraus Eueren continuirenden eifer und erzaigende Vorsichtigkeit verspürt, will auch gnädigst nit zweifeln, der Feldmarschalk Graf von Göcz[215] werde keine Zeit, sich mit dem Feldwachtmeister Lamboy zu coniungiren, verliren und ihne hierzu, die von des Herrn Churfürsten in Bayern L. an ihn abgangene und auch neulich beigeschlossenen Ordinanz noch mehrers antreiben. Allein wird vonnöten sein, das Ihr ihm gleichwohl an die Hand gebet, wann er etwa separato herauf tat avanziren, solche Vigilanz zu gebrauchen, dass er kein Gefahr geraten möchte.

Sonsten hab ich des Herrn Cardinal Infante L. durch den Marchesen von Castanneda erindern lassen, wasgestalt ich ich zwar nicht zweifle, S. L. werden den Feldmarschalken Grafen Piccolomini nur interim den Conte di Soisson testa zu machen, gegen Artois[216] avanziren lassen und gleichwohl ihren vorgehabten Zug in Frankreich maturiren. Wofern S. L. wider Verhoffen solchen fortzusetzen nicht gedacht wären, so wurde die Notturft erfordern, mich solches meine consilia und actiones darnach richten zu können, unerlangst zu berichten.

Auf den Fal nun wohlbemeltes Herrn Cardinal Infante L. in aigner Person oder durch ein anderes Kriegshaubt, als des Herzogen von Lothringen oder des Principe Tomaso L. [Tommaso Francesco di Savoia-Carignano; BW] mit vorgehabter Macht die Hauptimpressa fortzustellen nicht gesamen [gesonnen ?; BW] wären, sind mir diese Gedachten beigefallen, dass des Herzoges zu Lothringen L. und des von Wörth [Werth, BW] Truppen, wie auch die Polaken mit weder dem Grafen Piccolomini eben den Effect, so I. L. vorhabens gewesen sein, zugeschickt und dardurch der Feind von Burgund und Elsass divertirt oder ein absonderliches Corpo daraus formirt und darmit durch Lothringen in Burgund gerückt ( alwo es sich mit denen vorhin alda vorhandenen kaiserlichen und burgundischen Völkern coniungiren und den Prinz von Condé hoffentlich weichen machen könnte); und auf solchen Erfolg mit weder demselben nachgesetzt oder nachdem sich die Coniunturen erzeigen wurden, auf den Valetta [La Valette; BW] und Weymar gegangen oder entlichen besetzte Truppen mit der Haubtarmada coniungirt und also mit ganzer Macht auf den Valetta und Weymar getrungen werden. Jedoch erwarte ich über eins und das ander Euer Parere oder was sonsten Euer Meinung sein möchte, auf das sobald des Herrn Cardinal Infante L. Erklärung wird einkumben, man ein solche Resolution, wie es I. K. Mt Dienst erfordern, fassen könne und halt ich gnädiglichst darvon, dass, wenn sich der Feldmarschalk Graf Götz mit den westphalischen und anderen Truppen, so Ihr ihm zulassen vermeinet, würd conjungirt haben, er den Hessen und Lesl [Leslie; BW] zugeniegen gewachsen, und man also die Haubtarmada sambt den lotringischen und Wörtischen [Werth] Truppen wie auch denen Polakhen, desto sicherer gegen Frankreich wird wenden können“.[217]

„Beachtliche kaiserliche Kontingente zum Entsatz unter [Karl IV. v.; BW] Lothringen[218] und Lamboy, der an die 3.000 Mann unter sich hatte, waren ja schon Wochen zuvor nach Burgund aufgebrochen. Lothringen  stieß mit seinen Kräften im spanischen Burgund zur Hauptarmade. Lamboy gelang es sogar, Verdun-sur-le-Doubs,[219] eine kleine Grenzfestung zwischen der französischen Bourgogne und der spanischen Franche-Comté[220] einzunehmen.[221] Plötzlich schien, so fürchtete man zumindest in Paris, der Weg nach Lyon[222] für die Kaiserlichen offen zu stehen. Doch Verdun an der Doubs blieb der tiefste Punkt des kaiserlichen Vordringens“.[223]

Am 27.8.1636 hieß es: Vorgestern sei Oberst König mit der Nachricht eingetroffen, dass Prinz Condé am 15.8. die Belagerung Dôles[224] in Burgund aufgeben musste und dass diese dann Karl IV. nach seiner Vereinigung mit Lamboy besetzt hatte. Am nächsten Tag zogen die Kaiserlichen in Frankfurt ein – wie aus dem Reich und dem Herzogtum Mailand seien die Franzosen nun auch aus Burgund vertrieben.[225] Im Winter musste Lamboy sich mit Gallas über den Rhein wieder in das Reich zurückziehen.

Der Hofer[226] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 – 1648] hält fest: „Den 14. decembris [1636 a. St.; BW] kam general Lamboj und sein bruder Georg Lamboj, obrister, hieher gegen abends, alhier zu pernoctiren. Folgendes tages aber den 15. decembris kamen noch 3 obrister, als generalmajor Menteuffel [Manteuffel; BW], obrist Wolfersdörfer [Georg Friedrich v. Wolframsdorf; BW] und obrister Hofmann [Jaroslav Hoffmann; BW], sambt den regimentsstäben auch hernach und hierein in die stadt. Ihre bey sich habende leuthe aber wurden halb in die Altenstadt und halb in die Fischergasse, das übrige volck sambt der bagagie auf die dörfer gegen Nayla[227] zu einquartieret, lagen stille bis den 17. decembris. Da geschahe erst der aufbruch, und commandirte obrist Wolfersdörfer seinen obristenlieutenant, so mit seiner compagnie zu Nayla logiret, wieder zurück auf die churfürstliche armee. Diese führten abermahls der stadt und dem lande ein trefliches fach aus“.[228]

Am 8.4.1637 ging wieder ein kaiserliches Schreiben an Gallas: Vom Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach und von Franz von Hatzfeldt,[229] dem Bischof von Bamberg, seien Beschwerden über die Einquartierung und Aufführung von vier Regimentern in Franken eingegangen. Ein weiteres Regiment, das [Johann v.; BW] Wangler’sche, habe sich dort sogar ohne Bewilligung einquartiert; dieses möge sofort aus Franken abkommandiert werden. Er selbst habe beiden Beschwerdeführern geantwortet, dass ihr Schaden vergütet werde, dass aber jene vier Regimenter bis zur baldigen Eröffnung des Feldzugs noch in Franken bleiben müssen. Die Regimenter seien aufgefordert worden, sich jeder Gewalttätigkeit zu enthalten. Obrist Franz von Mercy, das Dragonerregiment und das Regiment Lamboy seien angewiesen worden, jenseits des Rheins Wache zu halten, um eine Versorgung der feindlichen Garnisonen im Elsass zu verhindern. Er selbst fürchte aber, dass Mercy, der in Burgund liegt, viel zu weit entfernt ist, und dass die übrigen zwei Regimenter dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Daher möge Gallas diese Anweisung aufs Neue überprüfen und bessere und zweckdienlichere Maßnahmen anordnen, die dem Feind die Versorgung seiner Garnisonen unmöglich machen würden.[230]

„Der Bericht eines weim.-franz. Offiziers vom 26. Februar [1638; BW], unterschrieben mit U. v. H. lautete: ‚Gen. Lamboy war zu Rheinfelden,[231] alß er gesehen, dass er … dem Haupt Quartier ein Dorff so Pirke[232] genant nit konnte in d selben Seiten fortkommen, hat er sich über den Rein begeben mit in 400 Pferden auff d Schweizer Seiten, welches dem Obristen Rosa Erkundschafftet worden und Ime bei Basel angetroffen, geschlag und zertrennt, Lamboy, Obrist Enkefurth, wie auch ein Graff v. Fürstenberg, neben vil Obristen und Officiers gefang’.[233] Das Tagebuch der Truppen Herzog Bernhards berichtet, dass der Oberstleutnant Johann von Rosen (nicht der Oberst Reinhold von Rosen) mit dem bergischen Regiment nach Ensisheim[234] geschickt worden war, um etwas abzuholen. Nach dem ersten Gefecht vor Rheinfelden, konnte er mit seiner Truppe nicht mehr zu Herzog Bernhard gelangen. Er zog über Basel, wo er geflohene Reiter sammelte und mit sich nahm in den Clingau. Dort kam er den Befehl, nach Laufenburg[235] zu marschieren. Ihm liefen die über den Rhein Fliehenden gerade in die Arme. ‚Alß nun die Kayserl. also ruiniret und sich etzlicht durch Rheinfelden salvireren wollten, kahmen Sie Obrist Lieutenand Rosen gleich in die Hende, welcher also von diesem treffen fast die beste beute bekahm’ “.[236]

Am 8.3.1638 ergingen wieder kaiserliche Weisungen an Gallas: Mit den Avisos aus Böhmen darüber, dass Feldzeugmeister Salis in Richtung Eger marschiert und von 12 schwedischen Regimentern bis Plauen[237] verfolgt wurde, werde er sich in den Beilagen bekannt machen. Daher müsse das Generalrendezvous bei Leipzig[238] und Merseburg[239] anderswohin verlegt werden. Er überlasse es ihm, ob die Grenzstädte Saaz,[240] Komotau,[241] Brüx,[242] Eger, Elbogen[243] und Leitmeritz besetzt werden sollen und eine Garnison nach Prag zu legen sei. Gleichzeit habe er Goltz beordert, den Regimentern, die Fürstenberg nach Leipzig führen sollte, noch folgende vollständigen Regimenter anzugliedern: die Infanterieregimenter [Rudolf v.] Tiefenbach und [Johann v.] Prösing sowie die Reiterregimenter Kapoun, Lembke, Lamboy und Gonzaga mit sämtlichen Dragonern und Kroaten; diese solle er im Bistum Bamberg konzentrieren. Fürstenberg solle mit Salis schriftlichen Kontakt unterhalten und mit den Regimentern nach Eger und von dort zu dem Ort marschieren, den Gallas zum Rendezvousplatz bestimmt; darüber möge er sich mit dem Kurfürsten von Sachsen einigen – in Frage kämen Chemnitz[244] oder Zwickau.[245] Feldmarschall Colloredo solle zur Armee aufbrechen und sich nach Gallas‘ Befehlen richten; Ferdinand III. überließ es Gallas‘ Gutdünken, ob auch Hatzfeldt zur Hilfe gerufen werden solle. Er habe ferner an Graf Adam von Schwarzenberg, den Statthalter des Kurfürsten von Brandenburg, geschrieben, ob er nicht einen Teil des Brandenburger Heeres entbehren und es zur Vereinigung mit den Kaiserlichen oder den Sachsen abkommandieren könne. Er würde es begrüßen, wenn Gallas baldmöglichst nach Prag kommen und von dort den Feldzug leiten würde.[246]

Der Hildesheimer[247] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Jordan schreibt unter dem 22.5./1.6.1638 in sein Tagebuch: „Fallen die Schweden in Eistell[248] bey Verden[249] und schlagen des Obrist Lambey Regiment ganz auf“.[250] Das „Theatrum Europaeum“ berichtet dazu: „Nicht weniger seynd auch umb den Außgang deß Mayen [1638; BW] zwei alte und sehr wolverdiente Kayserl. Regimenter / Ihr Gn. Freyherrn von Lamboy / und I. Excell. Herrn Graff von Bray [Bruay; BW] / von dem Schwedischen Gen. Major Kingen an der Weser und im Stifft Fehrden hart ruinirt worden. Dann ob zwar bey denselben die Wachten wol bestellt waren / wusten doch die die auffrührerische Bawren in gemeltem Stifft (allwo diese der Käys. beste und stärckste Regim. von Cürassier- und Reutern lagen) mehr Löcher / ja Weg und Steg / daß sie bey der Käyserischen Wacht nicht passiren dorfften. Weil nun die Kays. dahero / daß sie sich wol verwahrt meynten / desto sicherer waren / kamen ihnen die Schwedischen mit hilff bey 400 Bawren / so dem Gener. Kingen zu diesem Anschlag Rath und That geben / unversehens auff den Hals / hieben und schossen sehr viel darnieder / also daß lauffen und außreissen / sich zu salviren / das beste Mittel war. Haben also gedachte beyde Regim. dero Aussag nach / innerhalb 15. Jahren keinen dergleichen Anstoß / als dieser gewesen / erlitten / in dem die Schwedische zu zweyen unterschiedlichen malẽ / als auch oben vermeldet / eine stattliche Baarschaft an Gelt / 6. Standarten / 2. Kessel-Trummeln / viel Kleyder / Pistolen / Bantelieren / Degen / Stieffeln / und bey 600. Pferden überkommen / ja beyden hochgedachten Ihr. Excell. Lamboy und Graffen von Bray ein ansehnlichs weggenommen“.[251]

Lamboy informierte Piccolomini am 27.6.1638 aus Mühlheim:[252] Das ganze Gebiet Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg sei vom Landesheer besetzt worden, ohne dass Kleve Widerspruch erhoben hätte. Er, L., sei aus Köln mit der Hoffnung zurückgekehrt, Hatzfeldt anzutreffen. Nach Gallas Befehl solle Hatzfeldts Armee aus 13 Regimentern bestehen, vorläufig aber werde sie über wenig Reiterei, nur 1.500 Pferde, verfügen. Melander [Holzappel; BW] habe mit den französischen Gesandten Gespräche geführt und biete Karl Ludwig von der Pfalz, den Schweden und anderen seine Truppen an; er sei zu Konsultationen nach Holland gefahren und ein Friedensschluss mit ihm werde nach Velens Meinung auf Schwierigkeiten stoßen.[253]

Lamboy schrieb Piccolomini am 1.7. aus Mühlheim: Am heutigen Tag seien ihm die von Melander [Holzappel; BW] an Alexander II. von Velen gestellten Bedingungen mitgeteilt worden. Jener fordere die Räumung der Städte Essen,[254] Recklinghausen,[255] Lünen[256] und mehrerer weiterer Orte sowie deren Zuweisung an seine Soldaten. Melander stelle immer neue Bedingungen, so dass es fraglich erscheine, ob er überhaupt eine Verlängerung des Waffenstillstands wünsche. Nach den jüngsten Berichten sei Gallas mit der Armee in Richtung Brandenburg ausgerückt. Dänemark werbe angeblich stark, um Schweden zum Frieden zu zwingen. Savelli sei in Mühlheim eingetroffen und werde sich mit dem Regiment nach Burgund begeben.[257] Lamboy wandte sich am 5.7.1638 erneut an Piccolomini: Der Waffenstillstand mit Hessen-Kassel sei wegen Melanders anspruchsvollen Forderungen vorläufig noch nicht verlängert worden; er solle Ende Juni zu Ende gehen. In Jülich seien derzeit die Regimenter Gonzaga, Bönninghausen und Larcari untergebracht. Die Landstände im Herzogtum Berg lehnten jegliche Truppeneinquartierung in ihrem Land ab, ihre Delegierten seien nach Köln gekommen, um darüber zu verhandeln. Auch die Vertreter Jülichs würden wegen der Verhandlungen über die in ihrem Land befindlichen kaiserlichen Truppenquartiere und die dortigen Werbungen erwartet.[258]

Im Dezember hielt sich Piccolomini noch immer in Brüssel auf. Am 6.12. schloss er im Namen des Kaisers mit Estéban de Gamarra im Namen des Kardinal-Infanten einen 12 Punkte-Vertrag über die gegenseitige Hilfeleistung und Vorbereitung der Kampagne des Jahres 1639 ab:

1. Piccolominis Armee wird auf 24.000 Mann, davon 6.000 Reiter ergänzt. Außerdem verbleiben mehrere Regimenter unter Lamboys Kommando.

2. Mit ihrer Teilnahme am Kampf gegen Frankreich ermöglicht die kaiserliche Armee dem Kardinal-Infanten, die nötige Anzahl von Soldaten zur Verteidigung gegen die Holländer abzukommandieren.

3. Gegen Frankreich wird ein Angriffskrieg, im Reich ein Verteidigungskrieg geführt werden.

4. Der Kardinal-Infant stellt das Rekrutengeld für die Regimenter Lamboys sowie für die Ergänzung der Regimenter Piccolominis zur Verfügung.

5. Derselbe stellt die Mittel für Piccolominis Artillerie zur Verfügung und wird dessen Armee vom Beginn der Kampagne an bis zur Rückkehr in die Winterquartiere besolden.

6. Der Kaiser trifft solche Vorkehrungen im Reich, dass kaiserliche Truppen in keinem Fall von Flandern abkommandiert werden müssen.

7. Auf Kosten des Kardinal-Infanten werden bis 2.000 Kroaten oder Polen angeworben und Piccolominis Truppen angegliedert.

8. Die 1.000 Mann zählenden Regimenter Rueblands werden gleichfalls vom Kardinal-Infanten besoldet, jedoch auf Reichsgebiet gelegt und erst zu Beginn der Kampagne Piccolominis Truppen angegliedert.

9. An den günstigsten Orten werden rechtzeitig Magazine für den Vormarsch der Armee errichtet und der Kardinal-Infant besorgt die Distribution der Vorräte.

10. Der Kaiser sorgt für ausreichende Reserven an Proviantwagen und Pferden.

11. Für die mit der Befestigung besetzter Orte und deren Eroberung verbundenen Ausgaben teilt der Kardinal-Infant der Armee Piccolominis Minister zu, die über die nötigen Geldsummen verfügen werden.

12. Das Datum des Beginns der Kampagne wird auf den 1.4. festgesetzt.[259]

Lamboy informierte Piccolomini am 11.12.1638 aus Blomberg,[260] laut Mitteilung Castañedas solle er, L., bei der Armee am Oberrhein mit der Truppe von Götz vereinigt bleiben. Das sei das Ergebnis des Abkommens zwischen dem Kaiser und dem Kardinal-Infanten.[261] Der Kaiser selbst informierte Gallas am 15.12.1638 über Piccolominis und Lamboys Vormarsch in die Niederlande.[262]

Lamboys Bruder Georg, mittlerweile Obristleutnant, hatte an der Doppelschlacht bei Rheinfelden[263] (21.2./ 3.3.1638) teilgenommen, während Lamboy vergeblich versuchte, zusammen mit Savelli und Götz den Fall Breisachs[264] (17.12.1638) zu verhindern. Lamboy ging in die Spanischen Niederlande, um neue Werbungen vorzunehmen.

Diego de Hernani, Rechnungsführer in der spanischen Armee, schrieb am 14.12.1639 aus Brüssel an Piccolomini und teilte ihm den Beschluss des königlichen Rates mit, zum Zweck der Verteidigung der Spanischen Niederlande gegen die Generalstaaten und Franzosen den Truppenbestand zu erhöhen und Geldmittel zu der von Lamboy betriebenen Werbung von 4.000 Fußsoldaten und 4.000 Reitern frei zu machen; ihr Kommando würden Lamboy und Beck übernehmen.[265]

Am 10.12.1639 hatte Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Piccolomini geschrieben und sich über das unrichtige Vorgehen des Generalkriegskommissars Böhmer in Sachen der Kriegsbeisteuer aus Jülich und Berg beschwert. Böhmer habe mit den Ständen beider Länder Abkommen, die im Widerspruch zu den Reichsgesetzen stünden. Er protestierte dagegen, dass aus seinen ausgesaugten Ländern Geldmittel abgeführt würden, die weder dem praktischen Schutz seines Landes noch seiner Untertanen dienten. Seine Länder hätten seit mehreren Jahren für den Unterhalt der kaiserlichen Truppen mehr aufgewandt als die Nachbarländer, nämlich 100 000 Patacons.[266] Die Stadt Sittard[267] sei mit einer spanischen Garnison besetzt worden; vergeblich fordere er den Abzug des Militärs aus Mühlheim, das laut dem Abkommen mit Ferdinand II. von 1635 und 1636 frei von Besatzung sein solle und in dem jetzt Lamboys Truppen liegen. Nach Berg habe Hatzfeldt die Regimenter Sparr und Meutter gelegt. Die Truppen in Jülich sollten dort ein weiteres Jahr überwintern, Städte und Dörfer ruinieren und Ausfälle nach Holland und in die umliegenden Länder machen. Der Kaiser habe keinen Nutzen von seinen Soldaten in Jülich und Berg, denn sie könnten leicht in die Dienste der Vereinigten Niederlande übertreten, wo sie bessere Verhältnisse fänden. Aus diesem Grund verlangte er den Abmarsch der Kaiserlichen und die Einstellung der Werbungen und warnte davor, dass zum großen Schaden für Kaiser und Reich seine Länder zerrissen werden könnten, da sich Holländer, Schweden und Weimarer um Quartiere in ihnen bemühten.[268] Am 21.12. sollten die Generalstände bei den Ständen von Jülich gegen die Einquartierung von Lamboys Truppen in Jülich protestieren. Sie fühlten sich durch die Nähe der kaiserlichen Armee bedroht; auch stehe dies in Widerspruch zu den von den Vereinigten Niederlanden mit dem König von Frankreich geschlossenen Verträgen.[269]

„Im Dezember 1639 erhielt der kaiserliche Generalfeldzeugmeister Lamboy den Befehl, neue Truppen im Herzogtum Jülich zu werben. Wolfgang Wilhelm wehrte sich auf Grund der ihm zugebilligten Neutralität mit allen Mitteln gegen dieses eigenmächtige Verhalten Lamboys. Er wies in einem seiner vielen und wortreichen Schreiben an den Kaiser auf die unabsehbaren Folgen für sein Land hin, wenn durch die kaiserlichen Werbungen nun auch die Gegenpartei mit entsprechenden Maßnahmen beginnen würde. Nur allzu sehr sollte der Herzog mit seiner Prophezeiung, daß man ‚auf beiden Seiten Rheins einen schweren Strauß‘ werde ausstehen müssen, Recht behalten. Doch Lamboy ließ sich nicht beirren, er blieb im Herzogtum Jülich, überfiel Dülken[270] und beschoß Gladbach,[271] wo des Herzogs eigene Truppen lagen. Ja, Lamboy benutzte sogar die Erbauseinandersetzungen um das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg dazu, um unter der Bevölkerung die Nachricht verbreiten zu lassen, nicht der Herzog sei der rechtmäßig regierende Herrscher in Jülich-Berg, sondern Sachsen. Die Bittschriften vom Wiener Hof nach Wien nahmen kein Ende. Sie führten aber zu keiner Änderung der kaiserlichen Entschlüsse. Der Herzog mußte sich vielmehr ‚dieser unvermeidlichen Werbung und Einlogierung bequemen‘. Denn angesichts der bedauerlichen Konstitution des Reiches sei es unverantwortlich, ‚nicht allein diese äußerste Frontieren des Reiches ohne genugsame Versicherung offen und so vielen umgebenden Feinden zum Raub und Preis zu hinterlassen, sondern auch die darin befindlichen Kommoditäten an Mannschaft und Vivres uns selbsten zu Beschützung des Reiches und gedachter Länder zu privieren‘. Also blieben die kaiserlichen Truppen im Herzogtum, sie lagen in Gladbach, Dülken, Sittard, Mülheim und Siegburg.[272] Wolfgang Wilhelms Bemühungen waren vergeblich. Er sagte daraufhin seine Teilnahme am Reichstag ab“.[273]

Lamboy konnte Piccolomini am 25.2.1640 aus Düren[274] berichten, am Vortag sei das Abkommen mit den Jülicher Ständen endlich abgeschlossen worden; seine wesentlichen Punkte bewilligten die Einquartierung und auch die Versorgung von drei Stäben, zwei Regimentern und 22 Reiter- und 5 Infanteriekompanien. Die Geld-, Lebensmittel- und Futterrationen seien bestimmt und es sei auch festgesetzt worden, dass die Truppeneinquartierung auf 5 Monate befristet sei; ausgenommen seien gewisse Einheiten, die bereits im Land einquartiert waren, z. B. die Stadtgarnison von Sittard.[275]

Lamboy war am 22.4. vom Kardinal-Infanten angewiesen worden, statt der altgedienten Soldaten, die für den Feldzug dringend gebraucht würden, die gleiche Anzahl von Neugeworbenen nach Kalkar[276] und Sittard zu legen. Piccolomini, den er von seiner Absicht unterrichtet habe, werde dies zweifellos gutheißen. Ferner sollte Lamboy so schnell wie möglich seine Einheiten sammeln und sich mit ihnen ohne Verzug gegen Frankreich in Marsch setzen.[277]

Piccolomini hatte sich am 11.5.1640 aus Saalfeld[278] an die Stände des Herzogtums Jülich gewandt, sie mögen gestatten, dass nach dem Abmarsch von Lamboys Truppen etliche Abteilungen als Schutz vor einem feindlichen Einfall im Land verbleiben.[279] Lamboy selbst schrieb am 12.5. aus Düren an Piccolomini und rechtfertigte sich gegen „übel fundierte Klagen“, die gegen ihn erhoben und bis zum Kaiser gedrungen seien, und teilte mit, dass er im Begriff stehe, seine eigenen, die von La Rivière aus Kleve heranzuführenden Truppen und die des Kardinal-Infanten zu konzentrieren. Die Franzosen lägen in einer Stärke von 22.000 Mann bei Charlemont.[280] In Sittard und Kalkar habe er, L., Garnisonen von je 500 Mann zurückgelassen.[281]

Am 24.5.1640 teilte Lamboy Piccolomini aus Lemé[282] mit: Gleich bei seiner Ankunft mit der Truppe in Diest[283] habe ihn der der Kardinal-Infant wissen lassen, er solle am 25.5. bei Fontaine-l’Evêque[284] warten. Von General Felipe de Silva habe er die Nachricht erhalten, dass er auch die Spanier dorthin führen werde, dass die Franzosen die Sambre überschritten hätten und sich unter de La Meillerayes Kommando in der gleichen Richtung bewegten. Der Herzog von Lothringen habe sein Lager in der Nähe dieses Orts bereits aufgeschlagen. Die Holländer hielten sich unweit von Brügge[285] auf, ihre Absichten seien unbekannt. Der Kardinal-Infant sei nach Gent[286] abgereist. Er, L., habe auch die zwei in der Stadt Huy[287] einquartierten Reiterkompanien zu sich berufen.[288]

Aus Sailly[289] konnte Lamboy am 26.6. einen größeren Erfolg vermelden: Am 24.6. sei es bei Arras[290] zwischen seinen Truppen und der französischen Reiterei zu einer Schlacht gekommen, in der viele französische Adelige, deren Namensliste beigelegt sei, getötet oder gefangen genommen worden seien.[291] Ein nicht angeführter Absender hatte Kardinal Harrach am 6.7.1640 aus Regensburg informiert: Soeben sei mit der Post aus Köln die Nachricht eingetroffen, „wie General Lamboy mit 8 000 Mann nach Artois ist gangen Arras zu entsetzen, welches die Franzosen mit 4 000 Mann umbringt haben; ist General Lamboy uf ein guete Meil von Arras kommen, 15 Stück bei ihm habend und 5 000 Musquetierer in Hinderhalt umgestellt mit der Cavagleria uf den Feind gangen, wie aber der Feind gesehen hat, dass die unsrigen so wenig seind, haben sie mit der ganzen Armée daraufgangen und der Lamboy hat die Flucht geben bis in das Dorf, da sein Hinderhalt gelegen ist. Alda die Franzosen in ein gross Baath seind kommen, 2 Generals auf dem Platz todt geblieben, einen gefangen und 12 vornehmen Obristen und hohe Oficier gefangen, 3 000 Mann uf der Stelle geblieben“. Diese Ereignisse hätten vor etwa 7 Tagen stattgefunden.[292] Bei Dr. Jordan heißt es unter 15./25.6.1640: „Der Kaiserl. Oder Spanische Gral. Lamboy will 15000 Mann in Arrest bringen, wird aber mit Verlust von 600 in die Flucht von Franzosen geschlagen. Hernach will auch der Cardinal-Infante 200 Officirer hineinbringen, die werden auch in die Kirche gelegt, müssen sich uf Discretion ergeben“.[293]

Aus Goch[294] hatte sich Lamboy am 23.11.1640 an Piccolomini gewandt: Am 16.11. habe er Schloss Sonsbeck[295] [Herzogtum Kleve] besetzt, wo sich eine hessen-kasselische Garnison von 140 Mann befunden habe, dann sei er gegen Kalkar vorgerückt. Einer Mitteilung des Dechants von Xanten[296] nach glaubten die Stände von Kleve, sie würden sowohl die Hessen als auch die Kaiserlichen zum Abmarsch bewegen können. Da er, L., 1.600 Reiter und 3.000 Mann zu Fuß unterzubringen und jetzt ja Hatzfeldt zu gehorchen habe, habe er diesen schriftlich um Erlaubnis zum Vormarsch gegen Kalkar und zur Logierung der Truppen gebeten. Er hoffe auf eine baldige Antwort, damit die Armee nicht dem schlechten Wetter und Regen ausgesetzt sei.[297]

Piccolomini selbst informierte den spanischen Gesandten Salamañca,[298] „veedor“ der Artillerie der Spanischen Niederlande und „secretario de estado y guerra“ und einer der wohl wenigen Freunde Piccolominis in Brüssel, am 25.11. aus Nidda:[299] Der Kardinal-Infant sei der Meinung, in Kleve könnten einige Lamboysche Abteilungen logiert werden, aber der Kaiser, habe den Wunsch ausgesprochen, dass diese Länder Hatzfeldt überlassen bleiben sollten. Letzterer sei plötzlich in Westfalen erschienen und habe dem Vorschlag des Kurfürsten von Köln[300] zugestimmt, dass nämlich mit den Holländern verhandelt werde und dass diese die Hessen zum Abmarsch aus Kalkar bewegen sollen. Auch sei er dafür gewesen, dass die Feindseligkeiten zwischen den spanischen Truppen und den Hessen ein Ende nähmen. Er, P., fürchte, dass sich hinter den Vorschlägen des Kurfürsten von Köln das Streben nach Neutralisierung ganz Westfalens verberge, und warte auf die Order des Kaisers. Inzwischen sei die Nachricht eingetroffen, dass sich der Regensburger Reichstag mit einer mäßigen allgemeinen Kontribution im ganzen Reich einverstanden erklärt habe. Das würde heißen, dass in der nächsten Kampagne eine hübsche Armee aufgestellt werden könnte. Geleen[301] beabsichtige, noch vor Wintereinbruch Freiberg[302] zu befreien, während Banér Stärkung in Form von Reiterei und Geld von Georg von Braunschweig-Lüneburg erhalten und mehrere Regimenter als drohende Warnung für die Erbländer nach Meißen[303] abkommandiert habe. Die Weimarer und Franzosen hielten sich weiter in Braunschweig[304] auf.[305]

Am 27.11. wandte sich Piccolomini erneut aus Nidda an Salamañca: Lamboy lehne seine Subordinierung unter Hatzfeldt ab, ihren Streit um Logierung der Truppen habe ein kaiserliches Patent entschieden, das bestimme, dass Lamboys Truppen nicht in Jülich untergebracht werden dürfen, und Hatzfeldts absolutes Kommando bestätige. Lamboy werde Trier[306] zugewiesen. Das widerspreche der zwischen Lamboy, Leopold Wilhelm und ihm, P., getroffenen Abmachung und erwecke den Eindruck, bei Hofe wolle man alles nach eigenem Gutdünken entscheiden und dirigieren. Leopold Wilhelm sowie der Kardinal-Infant würden sich nach Regensburg[307] begeben und dort werde man sich einigen, wie dem Hause Habsburg am besten zu dienen sei.[308]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „Der von Hatzfeld war um den 6. Decembr. [1640; BW] schon zu Cöllen / der hatte noch 9. Regimenter zu Pferd / und 2. zu Fuß / bestehend u 70. Cornet und 20 Fahnen / er nahme den Weg nach dem Gülicher-[Jülicher; BW] Land / und war sein Competent um die Winterquartiere / der General Lamboy“.[309]

Am 9.12.1640 antwortete Melo aus Regensburg an Piccolomini auf dessen Forderung nach Erhöhung des zahlenmäßigen Truppenstandes und erklärte sich mit der Neumusterung des Lamboy’schen Regiments und anderer Regimenter am Rhein zwecks ihrer Vorbereitung für das nächste Jahr einverstanden.[310]

Am 11.6.1641 schrieb Piccolomini an Malvezzi: Er wolle dem Haus Habsburg bis zum letzten Blutstropfen dienen. Gegenwärtig sei er in Braunschweig und Lüneburg in langwierige Auseinandersetzungen mit den Deutschen, Freunden und Gegnern, verwickelt. Seiner Meinung nach könne nur eine große siegreiche Schlacht auf Frankreichs Boden diesen Krieg beenden und den ersehnten Frieden herbeiführen. Diese Ansicht teile der Kardinal-Infant mit ihm. Der große Feldzug würde im Bündnis mit den regierungsfeindlichen französischen Fürsten unternommen,[311] auf die Piccolomini immer noch große Hoffnungen setzte.

Lamboy hatte Piccolomini am 18.6.1641 aus Noirefontaine[312] bei Bouillon[313] über die Haltung der oppositionellen französischen Fürsten informiert, mit denen er sich zum Kampf gegen Châtillon verbinden wollte: „Euerer Exzellenz berichte gehorsambst, dass als ich uf I. H. Dt Herrn Cardinal Infante gnedigsten Befelich mit denen mit Creutzenach[314] abgeführten Völkern und drei meiner unterhabende[n] Regimenter die Moosel und Land von Lutzenburg [Luxemburg; BW], darinnen doch etliche spanische Regimenter zu mir gestossen, passirt, umb mich mit denen unirten Fürsten zu Sedan[315] folgends zu coniungirn, und den Chastillon, so sich mit seinem Corpo noch nechst darbei befindet, zu attacquiren, ist mir gleich, wie ich heut bei Bouillon in 3 Stund darvon angelangt und weiters forgehen wollen, ein Abgefertigter von hochgedachten Fürsten entgegenkommen, welcher mir von denenselben eine schriftliche Instruction überbracht, wie E. E. hierbei in Abschrift gnedig zu ersehen. Weilen sie dann vor unratsamb halten noch zur Zeit etwas ohne mehrere Forza zu tentieren, sondern uf mehr Volk warten wollen und sie genzlich darfür halten, es werde sich der Herzog von Lothringen wiederumb herüber schlagen und ehists zu uns stossen, als habe für gut angesehen, mich nach ihrer Mainung zu conformiren und umb die Proviand desto näher an der Hand zu haben wieder wiederumb ein Paar Stund zurück gegen Neufchateau[316] zu wenden, unterdessen ich höchstgedachten I. Dt Herrn Cardinal Infante darvon undertänigst Parte gegeben.

Es haben sonsten mehr hochgedachten Fürsten mich ihrer gefasten Resolucion und eifers höchlich versichern und weiters mündlich andeuten lassen, dass sie ihre Trouppen, so noch hin und wieder verstreuet, ufs schleunigst zusammenziehen, sich inwendig 8 Tagen ufs lengst mit mir coniungieren und alsdan uf den Chastillon, oder im Fall ihme nit beizukommen, recht in Frankreich gehen wolten, nit zweiflend, dass sie einen merklichen Zulauf haben, und gute Effecten tun würden.

Der Herzog von Guise ist gleich jetzt bei mir gewesen, und nachdeme er das Volk besehen, in Person uf Lutzenburg verreiset, um sich fürters zum Herzog von Lothringen[317] zu begeben, mit demeselben mündlich zu underreden und seine endliche Resolucion zu vernehmen, damit das vorhabente Intent umb so viel besser zu Werk gesetzt werden möge. Will demnach der Sachen in etwas abwarten, meines Orts schuldigstenmassen mit cooperiren und E. E. des Erfolgs jedesmal gehorsamblich berichten.

Gleich jetzt avisiren mich mehr hochgedachten Fürsten, dass der Chastillon, nachdem er meinen Mar[s]ch vernommen, sich aus seinen Posten begeben, das Wasser Chier[318] passirt und sich zwischen demeselben und der Mass nechst Dousy[319] gelegt habe, aldar ihme nit wohl beizukommen, bleiben also die Fürsten bei obgedachten ihrer gefasten Resolucion“.[320]

Die Schlacht von La Marfée[321] fand am 6.7.1641 zwischen den Truppen Gaspard de Colignys, Maréchal de Châtillon und denen Frédéric-Maurice de la Tour d’Auvergnes, Herzog von Bouillon und Fürst von Sedan statt. Mit 5.000 Mann war er am 5.7. bis Sedan gelangt, wo er etwa 3.000 Mann zu Fuß und Ross unter dem Herzog von Bouillon und des Grafen von Soisson an sich zog. Jenseits der Maas stand Châtillon. Bei strömenden Regen setzte Lamboy am anderen Tag über den Fluss und führte den entscheidenden Angriff.[322] Dr. Jordan hält in seinen Aufzeichnungen unter dem 27.6./7.7. fest: „Der Französische Gral. March. D Chartillori wird von dem Duc d’Brullon um 2 Uhr vor Sedan[323] geschlagen. Comte de Soisson als Caput der Rebellanten bleibt. Lamboy war dabey“.[324]

Am 18.7. wurde Lamboy zum kaiserlichen Generalfeldzeugmeister befördert.

Walter Leslie teilte am 31.7.1641 Piccolomini mit, Lamboy habe am 12.7. Doncherey[325] erobert und große Munitions- und Proviantvorräte erbeutet.[326] Am 25.8. schrieb Piccolomini bedauernd an Leslie, die Versöhnung des Herzogs von Bouillon mit Ludwig XIII. werde unangenehme Folgen nach sich ziehen, insbesondere Lamboy werde seine Absicht, die Soldaten auf französischenm Boden überwintern zu lassen, kaum verwirklichen können.[327]

Auch der Kontakt mit Salamañca war nicht abgerissen. Am 5.9. kommentierte Piccolomini Lamboys Sieg über die Franzosen bei Aire.[328] Lamboy und Karl IV. von Lothringen sollten sich nicht mit der örtlichen Verteidigung begnügen, sondern mit Unterstützung der Spanier und unzufriedenen Franzosen tief ins Land eindringen. Er, P., selbst möchte gern in jener Gegend für die Interessen des Hauses Habsburg kämpfen, sei es an der Spitze der kaiserlichen oder der königlich-spanischen Armee.[329]

Immer neue Hilferufe richtete Erzbischof Ferdinand von Köln an Melchior von Hatzfeldt: ‚Veni, vidi et noli tardare ! Wir warten auf ihn als unseren Erlöser von der weimeranischen Tyrannei‘, fügte er eigenhändig einem Schreiben an Hatzfeldt bei. Doch alle noch so berechtigten Befürchtungen am Bonner[330] Hof waren verfrüht. Der Feind blieb in den letzten Dezembertagen still zwischen Emmerich[331] und Wesel[332] liegen und überschritt noch nicht den Rhein. Man wurde unruhig in Bonn. Sollten Zerwürfnisse zwischen den Verbündeten entstanden sein ? Einen einleuchtenden Grund schien es für dieses auffällige Verhalten nicht zu geben. Man vermutete sogar, die Hessen würden in das Herzogtum Berg einfallen, und man überlegte, Hatzfeldt unter diesen Umständen zunächst in Koblenz[333] warten zu lassen.

Am 6.1.1642 hatte Lamboy die Maas überschritten. Von Breill[334] aus warnte er am 7.1.1642 Piccolomini vor den Weimarern. Diese rückten, mit feindlichen Absichten gegen Köln, an den Rhein heran und stünden gegenwärtig zwischen Venlo[335] und Roermond.[336] Marquis de Lede stehe mit den Spaniern in Bereitschaft, die Weimarer hätten jedoch Hilfstruppen von den Hessen-Kasselischen und den Holländern erhalten.[337]

„Diese Ruhepause, die durch Verhandlungen zwischen Eberstein, Guébriant und den Generalstaaten entstanden war, gab den Kaiserlichen die Möglichkeit, sich in letzter Stunde auf den zu erwartenden Angriff sorgfältig vorzubereiten. Hatzfeldt befand sich noch am 1. Januar [1642; BW] in Würzburg.[338] Der Erzbischof entwickelte eine rege Schreibtätigkeit und wandte sich außer an Hatzfeldt noch an Lamboy, Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich[339] und an den spanischen Befehlshaber in Brüssel. Die Generalstaaten und den Prinzen von Oranien hatte Ferdinand, allerdings ohne sich selbst viel davon zu versprechen, gebeten, die Überfahrt weder zu gestatten noch sie zu unterstützen. Inzwischen hatten Lamboy und Hatzfeldt durch Sonderkuriere des Kaisers Befehl erhalten, in Eile an den Niederrhein zu marschieren, Lamboy wurde gleichzeitig Hatzfeldt unterstellt. Ähnliche Schreiben erreichten Herzog Karl von Lothringen. Der spanische Befehlshaber in Brüssel wurde vom Kaiser aufgefordert, seine bisherige gegenüber den Hessen gewahrte Neutralität aufzugeben und stattdessen gemeinsam mit den Kaiserlichen gegen sie zu marschieren. Wie man in Brüssel hierüber dachte, wurde dem Erzbischof von dort mitgeteilt: nur bei einer Verbindung der Hessen mit den Franzosen beabsichtigten die Spanier, ihre Neutralität gegenüber den Hessen aufzugeben.

Am 8. Januar traf Hatzfeldt, seinen im Raum Montabaur[340] stehenden Truppen weit vorauseilend, in Bonn ein. Am kurfürstlichen Hof hatte man zu dieser Zeit schon alle Vorbereitungen für die Ankunft der Truppen getroffen. Zahlreiche Schiffe waren in den ersten Januartagen für den Rheinübergang der Soldaten nach Andernach[341] unterwegs, Hatzfeldt hatte gewünscht, dort 50 000 Brote vorzufinden. Alle Bäcker mußten eilends das notwendige Brot backen, das sofort nach Andernach weitergeschickt wurde. Die Stadt Bonn war zur Lieferung von 16 000 Pfund Brot verpflichtet, auch Klerus und Klöster mußten Brot liefern. Am 11. Januar erhielt die Stadt Neuß[342] Anweisung, für die zu erwartenden Lamboyschen und Hatzfeldtschen Truppen an jedem dritten Tag je 9000 sechspfündige Brote an den Proviantmeister Johann Dülken, Schultheiß in Oedt,[343] zu liefern. Entsprechende Befehle hatten auch die Beamten von Kempen,[344] Linn,[345] Ürdingen,[346] von Hülchrath,[347] Liedberg[348] und Oedt erhalten. Von Oedt sollte der Proviant auf Kempen und Neuß verteilt werden. Trotz der vor Augen stehenden großen Gefahr wurde der Befehl zur Abgabe von Brot kaum befolgt. Die Bürger von Neuß sträubten sich so sehr, daß Ferdinand sich über sie mit den Worten beklagte: ‚Es sein aber seltsame Leute darin, die was harthörig‘. Auch mit Kempen war es zu Zerwürfnissen gekommen. Der Kaiser schließlich hatte für eine neue Ausrüstung der Hatzfeldtschen Truppen mit Uniformen gesorgt. Wegen des frühzeitigen Abmarsches der Soldaten an den Rhein konnten die Kleidungsstücke nicht rechtzeitig herbeigeschafft werden. Anfang Januar lag die Bekleidung noch in Prag, sie sollte per Schiff nach Eger transportiert, dort durch den Bischof von Würzburg abgeholt, an den Rhein gefahren und von dort per Schiff nach Köln gebracht werden. In Kaiserswerth[349] wurde die Garnison verstärkt. Am 5. Januar erhielten der Amtmann von Linn und die Stadt Ürdingen den Befehl, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Noch immer standen um diese Zeit Franzosen und Hessen auf dem rechten Rheinufer, verhandelten mit Oranien und warteten fast einen Monat auf die Brücke. Die beiden kaiserlichen Heere unter Lamboy und Hatzfeldt rückten näher. In den ersten Januartagen überschritt Lamboy die Maas. Seine Aufgabe war es, sich mit den Hatzfeldtschen Truppen zu vereinigen, um dann gemeinsam den Verbündeten entgegenzutreten. Als Lamboy nach Überschreiten der Maas von einigen Übersetzversuchen der Hessen erfuhr, rückte er schnell und auf eigene Faust in Richtung Süchteln[350] vor, dort blieb er am 9. Januar liegen, mit dem Ziel, bis zum Rhein nach Uerdingen vorzurücken. Die ihm unterstellten Truppen waren 8000-9000 Mann stark, hinzu kamen etwa 1000 Reiter des Obristen Eppe aus Essen.[351] Außerdem hatte ihm Graf de la Fontaine 6 Geschütze mit 120 Pferden sowie 24 Munitionswagen und Ausrüstungsgegenstände überlassen. Schließlich bot der spanische Gouverneur von Geldern,[352] Marquis de Ledo, Lamboy Hilfe für den Fall an, daß die Holländer den Verbündeten Unterstützung zukommen ließen. So fühlte sich Lamboy dem Feind ‚uff jeden Fall ge-wachsen‘ und glaubte zuvorsichtlich, jeden Einbruchsversuch abwehren zu können. Dieser Marsch Lamboys auf Süchteln und sein geplanter Zug nach Uerdingen entsprach nicht den Plänen Hatzfeldts, da hierdurch die notwendige Verbindung zwischen beiden Truppenteilen wegen der größeren Entfernung um einige Tage hinausgeschoben werden mußte. Hatzfeldts Truppen standen zu dieser Zeit ja noch im Westerwald. Was sollte geschehen, wenn nun plötzlich die Verbündeten den schon seit langem erwarteten Übergang vollzogen und Lamboy allein den ersten Gegenangriff zu führen hatte ? Aus diesen Erwägungen gab Hatzfeldt Lamboy zu bedenken, sich rechtzeitig auf die Erft[353] zurückzuziehen, damit die Hessen die notwendige Verbindung nicht verhindern könnten. ‚Sollte auch mein Herr Generalfeldzeugmeister vermeinen, ohne mein Zutun selbigen Feind zu bestehen, so wird doch außer allem Zweifel – weilen ein so großes auf diesem Werk beruhet – das Sicherste sein, wann diese Truppen, so wenigstens in 7000 Mann gutes Volk bestehen, darzustoßen werden‘.

Vielleicht war das für die Kaiserlichen rätselhafte Verhalten der Verbündeten die Ursache dafür, daß Hatzfeldt nicht mehr mit Nachdruck den Rückzug Lamboys forderte. Ob bewußt oder unbewußt störten sie durch ihr Zögern eine klare Entscheidung der Kaiserlichen, die um so zuversichtlicher auf eine Verbindung ihrer Kontingente hofften. Noch am 9. Januar glaubte Lamboy aus diesem Verhalten der Verbündeten schließen zu können, der Feind werde angesichts der nahenden Hatzfeldtschen Verstärkung überhaupt nicht über den Rhein rücken und statt dessen durch das Herzogtum Berg in die Wetterau[354] und in die Landgrafschaft Darmstadt ziehen. So schwankten die Kaiserlichen zwischen Hoffnung und Sorge, Lamboy fühlte sich trotzdem sicher in seinem Lager bei Hüls,[355] wohin er inzwischen marschiert war.

Nachdem die holländische Brücke fertig war und die hessischen Truppen am 12. Januar am Rhein eingetroffen waren, überschritt Guébriant am 12. und Eberstein am 13. Januar den Rhein. In Wallach[356] sammelten sich die beiden Heere; dort wurde der Entschluß gefaßt, Uerdingen anzugreifen und dadurch entweder Lamboy aus seinem sicheren Lager bei Hüls zu locken oder ihn dort anzugreifen, bevor Hatzfeldt kam. Dieser zweite Entschluß war gefährlich. Denn falls die Verbündeten geschlagen wurden, mußten sie nach Holland fliehen, ihre Eroberungen im Reich waren entblößt. Vor allem fehlte es dann an Nahrung. – Gleichzeitig setzten bei Andernach die ersten Hatzfeldtschen Soldaten über den Rhein. Nun mußte sich Lamboy allein den feindlichen Heeren stellen. Denn an eine Verstärkung durch die Hatzfeldtschen Truppen in den nächsten Tagen war nicht mehr zu denken. Damit drohte der kaiserliche Kriegsplan fehlzuschlagen. Lamboy wollte in Hüls ‚Posto fassen‘, den Feind erwarten und ‚ohne erheischende Not, weilen es Ihrer Churf. Durchlaucht also gnädigst befehlen, nichts hazardieren‘. Mit den gleichen Worten (nichts hazardieren) schrieb auch Hatzfeldt aus Köln an Lamboy: die Hatzfeldtsche Reiterei werde so schnell wie möglich herangeführt, das Hauptheer wollte der General über Euskirchen[357] und Erkelenz[358] marschieren lassen, damit der Feind die Verbindung beider Truppenteile nicht verhindern könne. Auch der Erzbischof beschwor mit flehentlichen Worten den gleichsam auf Vorposten stehenden Lamboy, unter allen Umständen zuerst die Verbindung mit Hatzfeldt zu suchen und deswegen notfalls über die Erft auf Neuß zurückzugehen oder sich, falls der Feind bereits auf Uerdingen marschiere, auf die Roer in Richtung Linnich[359] zurückzuziehen. Eigenhändig fügte er hinzu: ‚Es ist so viel an der Conjunction gelegen, daß, wenn gleich unterdessen mein Erzstift was leiden sollte, so ist doch mehr an der Conjunction gelegen. Denn damit kann man den Feind allzeit mit der Gnad Gottes wieder repussieren.

Also gehet so vorsichtig, daß der Feind sich nicht zwischen Euch und den Feldmarschall stelle, weil Ihr allem Ansehen nach allein dem Feind nit gewachsen‘. In dieser Notlage machte der Erzbischof seinen letzten Versuch, Wolfgang Wilhelm von seiner starren Haltung aufzubringen abzubringen. Er schrieb am 13. Januar, in dieser Situation müsse das Allgemeinwohl über die Sonderwünsche gestellt werden. Er könne sich nicht denken, ‚daß einige aus deutschem Blut entsproßene Fürsten … zur Unterstützung der deutschen Libertät anderen ausländischen Potentaten dergestalt Tür und Tor öffnen sollten‘. Wenn jeder sich wie Wolfgang Wilhelm verhielte, ginge schnell die alte schöne ‚Harmonia‘ verloren. Auch Kaiser Ferdinand befahl Lamboy, die Verbindung mit Hatzfeldt zu suchen. Ähnliche Schreiben erreichten außer Hatzfeldt und den Erzbischof den Herzog von Lothringen, Don Melo, die klevischen Räte in Emmerich,[360] die jülich-bergischen Landstände und die Stadt Aachen.[361]

Die Entscheidung über das Schicksal des Niederrheins lag nun ausschließlich in Lamboys Händen. Während sich die Hessen rheinaufwärts in Richtung Uerdingen bewegten, blieb Lamboy – ohne, entgegen seinen ersten Plänen, zu versuchen, die Stadt vor Eintreffen der Hessen zu besetzen – in seinem Lager in Hüls. Er fühlte sich seiner Sache so sicher, daß er dem Erzbischof schreiben konnte, Hatzfeldt möge ruhig jenseits des Rheins bleiben, ‚weilen er ohne dieselben den Weimeranern genugsam gewachsen wäre, sie zu hintertreiben oder zu schlagen, dafern sie so vermessen wären, über den Rhein zu kommen‘. Auch von dem Plan des Erzbischofs, Lamboy möge seine Truppen über die Erft zurückziehen, hielt er nicht viel. Denn die Vereinigung beider Heere könnten die Hessen niemals verhindern, wenn Hatzfeldt die Niers aufwärts zöge und über die Brücke in Oedt das rechte Niersufer erreiche. Da Hatzfeldt nicht weit sei, wolle er auf seine Ankunft warten. So trieb alles unaufhörlich der Entscheidung entgegen. In Bonn und Köln herrschte ‚große Perplexität‘.

Das erste Ziel der Hessen war Uerdingen, um einen sicheren Rückhalt für ein Gefecht gegen Lamboy zu gewinnen. Bereits am 14. Januar erschienen sie vor den Toren der Stadt. Der wachhabende Leutnant wies die Aufforderung zur Übergabe ohne Zaudern ab. Trotzdem mußte man sich auch in Bonn darüber klar sein, daß sich Uerdingen nicht lange gegen den Feind halten könne. Aber gerade dieser wenn auch geringe Widerstand konnte für die Sache der Kaiserlichen von entscheidender Bedeutung werden, wenn es ihnen dadurch gelang, in letzter Minute eine Verbindung zwischen Lamboys und Hatzfeldts Truppen herzustellen. So jedenfalls sah der Erzbischof am Nachmittag des 16. Januar die Kriegslage. Zur gleichen Stunde aber war bereits das Schicksal Uerdingens besiegelt: da eine Hilfe von Lamboy nicht mehr zu erwarten war, ergab sich die Stadt dem Feind, die Garnison wurde in hessische Dienste gezwungen. Oberst Flantz meldete aus Kaiserswerth,[362] wo er alle Bewegungen des Feindes beobachten konnte, wie die Hessen sogleich nach der Eroberung von Uedringen die Orte Langst,[363] Elverich,[364] Nierst,[365] Lang[366] und Strümp[367] besetzten, die Kirche zu Osterath[368] in Brand steckten und das Kloster Mehr[369] plünderten. Am 16. Januar belagerte Guébriant Linn und erkundete das Gelände in Richtung Hüls. Durch Gefangene zog er Auskünfte über Lamboys Lager ein. Am 17. Januar um 4 Uhr morgens wurde zum Aufbruch geblasen. Die Verbündeten mußten eine Entscheidung erzwingen, bevor die Verstärkung durch Hatzfeldtsche Truppen eintraf. Hatzfeldt lag um diese Zeit im Raum Düren und beabsichtigte, zwischen Jülich und Düren bei Nacht über die Roer zu gehen, um über Erkelenz nach Oedt oder Roermond[370] zu marschieren. Ein kleiner Teil des verbündeten Heeres marschierte auf Linn, während sich die Hauptmasse über Fischel[371] den Truppen Lamboys näherte. So schwand auch die letzte Hoffnung des Erzbischofs, Linn möchte den Marsch des Feindes wesentlich verlangsamen. ‚Es gehet grob her, Gott wolle die arme Leut trösten, nach Gott aber ist der Feldmarschall unser größter Trost‘, schrieb er zu dieser Stunde an Hatzfeldt.

Lamboy fühlte sich weiter hinter der Landwehr bei Hüls sehr sicher. Obwohl das Heer der Verbündeten nicht weit von seinem Lager stand, glaubte er weder an einen sofortigen Angriff noch ergriff er selbst irgendwelche Maßnahmen gegen den Feind. Lediglich erhöhte Wachsamkeit war befohlen. Als dann die Verbündeten zwischen 10 und 11 Uhr vor der Landwehr erschienen, soll sich Lamboy gerade beim Essen befunden haben. Nach seiner Gefangennahme berichtete er dem Grafen Eberstein, ihm hätten 8-9000 Mann unterstanden. Die Stärke des zu erwartenden Hatzfeldtschen Kontingents betrug 7000 Mann. Einem vereinigten kaiserlichen Heer wären die Verbündeten kaum gewachsen gewesen. Denn sie verfügten insgesamt über etwa 9000 Mann, davon entfielen auf die Hessen 2000 Man zu Fuß und 1200 zu Pferd.

Über den Verlauf der Schlacht berichtete Eberstein am 18. Januar aus dem Hauptquartier zu St. Tönis[372] an Wilhelm VI. von Hessen-Kassel: „Indem wir uns gestern nach dem Mittag in guter Schlachtordnung vor dem Feind, der hinter einer doppelten Landwehr mit tiefen trockenen Gräben zwischen Krefeld und St. Tönis gestanden, gesetzet, erstlich mit kleinen Regimentsstücklein auf- und über besagte Landwehr in den Feind gespielet und, als inmittels der Feind auch seine Stücke hervorgebracht und damit zu schießen angefangen, haben wir zusampt vor ratsam gefunden, das angefangene Werk mit Ernst zu beschleunigen. Gestalt dann ich mit drei Brigaden den Vorzug gehabt und selbige eben an den Ort, wo des Feinds Stücke und Lamboy selbst gestanden, den Sturm getan, nicht weniger von beiden Seiten der Herr Graf von Guébriant mit seinem Fußvolk angefallen. Und obwohl der Feind in seinem mächtigen Vorteil dermaßen gestritten, daß er auch mit seinem Fähnlein sich über die Landwehr gegen uns ins freie Feld angefangen zu setzen, so habe ich dennoch durch des Allmächtigen Segen den Meinigen vor dem Feind dermaßen zugesprochen, daß sie denselben wieder hinübergetrieben, die erste Landwehr einbekommen und mit dem Feind um seine Stücke eine Zeit lang gefochten. Inmittels ist die Reiterei zu beiden Seiten nacher Krefeld und St. Tönis zu fortgegangen, auch durch die Landwehren, teils durch die Schlagbäume, andere sonsten, ehe es der Feind innegeworden, hinübergekommen, von wenige von Efg. Fußvolk vor des Feinds Stücken und in dem Streiten die Landwehr geschlichtet, wobei dann nicht allein sie immer angedrungen und den Reitern den Weg geöffnet, sondern auch von des Feinds Stücken deren 6 achtpfündige gewesen, fünf ermächtiget und behalten, das sechste auch des Herrn Grafen von Guébriants Völker in Händen gefallen, worüber dann vollends der Feind in die Flucht gebracht und von der Reiterei zu allen Seiten dergestalt bestritten worden, daß alles Fußvolk, Fähnlein und eine Anzahl Standarten, auch die Bagage im Stich geblieben und von der Reiterei nicht gar viel entkommen sein. Die Obristen und hohe Befehlshaber, welche ein sonderbares Werk, sein alle gefangen, worunter Lamboy und die beiden Mercy in der Person, auch bei 3000 von gemeinen Soldaten. Die Gebliebenen werden nicht viel weniger sein, zumal die Felder hin und wieder auf ein großes Stücks Weg voller Toten liegen, von welchen allen die Verzeichnisse noch nicht aufgenommen. Von dieser Seite ist der Obrist Flersheim tot und von Efg. einige Hauptleute und Offiziere, von den gemeinen Knechten aber sind derselben, weil sie am härtesten Posten gefochten, mehr als der französischen geblieben. Des Herrn Lamboy eigener mir getanem Bekenntnis nach ist er in 4000 Reiter und über 4000 Mann zu Fuß stark gewesen, hat von Kurköln Ordre gehabt, der Hatzfeldtschen zu erwarten und zu Beschützung dieses Landes sich in seinem Vorteil zu halten, welches ihm aber nicht angehen wollen“.[373]

Der niederrheinische Chronist Johannes Wilmius [1585 – 1655] stellte die Ereignisse aus katholischer Sicht so dar: „Am 17. Januar 1642, am Tage des hl. Antonius, besetzten die Hessen und Weimarer nach dem Übergang über den Rhein die Stadt Uerdingen. Bei der Gelegenheit erfuhren sie, daß Lamboy seine Soldaten weit über die benachbarten Dörfer verstreut habe und bei Hüls ein Lager aufschlage. In kluger Taktik gingen sie an dem Dorf Fischeln,[374] das sie in Brand steckten, vorbei und machten an der Hückelsmay einen unerwarteten Vorstoß in das Amt Kempen. Die weit umherschweifenden kaiserlichen Truppen bemerkten diesen Einfall zu spät. Wohl wurden sie in aller Eile zusam[m]engezogen und warfen sich in der Nähe der Hückelsmay dem Feind mit großer Tapferkeit entgegen, jedoch ohne Erfolg. Die größeren feindlichen Geschütze rissen große Lücken in die ohne Ordnung und Überlegung kämpfenden kaiserlichen Streitkräfte. Ein ungeheures Blutbad zwang die Unsrigen frühzeitig zur Flucht, bevor sie sich überhaupt zu einer geschlossenen Einheit formieren konnten. Lamboy aber leistete heldenhaften Widerstand. Er wollte um jeden Preis die Feldgeschütze retten und kämpfte bis tief in die Nacht. Schließlich geriet er mit dem General Epp in Gefangenschaft. In geschickter Ausnützung seines Sieges besetzte der Feind sofort den Ort St. Tönis, setzte die neue Kirche mit ihrem Turm in Brand und zerstörte sie. Die planlos fliehenden Kaiserlichen wurden vernichtet“.[375]

Lamboy hatten 8.-9.000 Mann unterstanden, ca. 1.000 (nach anderen Angaben 2.500[376]) wurden getötet, die meisten wurden versprengt[377] oder gefangen genommen (4.000). 146 Fahnen und Standarten, dazu der ganze Tross fielen in die Hände der Sieger. Chaos und Panik hatten so große Verluste verursacht, so dass 29 staatische Reiterkompanien gar nicht mehr zum Einsatz gekommen wären.[378]

Am 31.1. wandte sich Piccolomini an Trauttmansdorff: Es sei die Nachricht von einem Sieg eingetroffen, den die Weimarer über Lamboy errangen. Dieses Ereignis – gemeint war der Sieg der Franzosen unter Guébriant und der Weimarer und Hessen-Kasselischen unter Eberstein in der Schlacht bei Kempen am 17.12.1642 – habe den Kurfürsten von Bayern[379] und Köln Angst eingejagt. Maximilian I. halte es für notwendig, seine Armee zur Verteidigung des eigenen Landes zurückzurufen, Ferdinand von Köln leihe angesichts des von Militär entblößten Westfalens sein Ohr den verderblichen Ratschlägen der Neutralisten. Die Spanischen Niederlande seien abgeschnitten und blieben ohne Hoffnung auf Hilfe aus Deutschland. In dieser Lage habe Leopold Wilhelm große Weisheit an den Tag gelegt und versuche nun, das Unglück durch Hebung der Wehrhaftigkeit der dort verbliebenen Armee gutzumachen, indem er den Kaiser bat, baldmöglichst Mittel zur Verfügung zu stellen, um die verbliebene Truppe zu reorganisieren und neue Männer zur Ergänzung der Regimenter anwerben zu können. Leopold Wilhelm habe ferner von den Spaniern einen Beitrag zur Verstärkung von Hatzfeldts Armee in Westfalen sowie die Stärkung ihrer eigenen Armee in Flandern gefordert. Er habe die Befehle erteilt, die Truppen jenseits der Elbe unter dem Kommando von Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg in einer solchen Stärke zusammenzuziehen, dass die schwedischen Positionen bedroht wären, und wenn sie durch ein Schreiten der Elbe Hilfe erhielten, würde die feindliche Übermacht auch hier geschwächt.[380]

Am 19.2. schrieb Borri Piccolomini erneut aus Wien und informierte ihn über die verlorene Schlacht Lamboys gegen Eberstein und Guébriant bei Kempen am 17.1.1642. Chaos und Panik hätten große Verluste verursacht, so dass die holländischen Reiterkompanien nur mehr Augenzeuge der Tragödie gewesen seien.[381]

Selbst der gutwillige und geduldige Ferdinand von Köln hatte seinen Schützling Lamboy „einen Welschen genannt, der uns alle in das Elendt bringt mit seinen Bravaden und Nonchalance“.[382] Franz Wilfelm von Wartenberg[383] hatte Trauttmansdorff gegenüber die kaiserlichen Pläne für das Desaster verantwortlich gemacht: „Die meiste ruin und desolation sey diesem craiß zugestoßen, alß der Hatzfeld ausm craiß nach Erfurt vom Kayserlichen hoff auß befelcht worden“.[384] 1645 hob Kolowrat die Qualität der kaiserlichen Generäle sehr negativ hervor: „Wie unglückselig haben Euer Mayestät generales, alsbaldt Eur Mayestät persöhnlich dem kriegswesen nit mehr beygewohnt, den krieg biß dato geführt, das haben Euer Mayestät layder erfahren. Und zwar theils durch consumirung der armaden, theils durch verliehrung der schlachten. Examinire mann toties den Gallaß, qui et adhuc continuat, Picolomini, Frantz Albrecht von Saxen bey Schweinitz,[385] Götzen bey Breysach, Savelli bey Reinfelden,[386] Hatzfeld bey Witstok,[387] dem Lamboy zu Güllichischen, dem Gleen [Geleen; BW] zwar bey kleinen occasionibus [!], alle alle unglückselig, allein Euer Mayestät haben glückselig die armas geführt und ahnsehlich triumphirt, wie dann auch dardurch die Römische cron erobert, et quibis mediis ad summum imperii fastigium Vestra Maiestas est evectus [!], iisdem et mediis coronam iam adeptam conservari debet“.[388]

Lamboys zwei Jahre lange Gefangenschaft bis August 1643 in Vincennes[389] – möglicherweise auch deswegen, weil er zusammen mit Geleen und Wahl 1636/37 in Hessen siebzehn Städte, siebenundvierzig adlige Häuser und dreihundert Dörfer in Flammen hatte aufgehen lassen;[390]die gewaltige Auslösung von 25.000 Rt.,[391] die Lamboy selbst hatte aufbringen müssen, wurde nach Aussage des schwedischen Feldpredigers Engelsüß der Witwe Guébriants überlassen[392] – war ein Glück für die Kriegsführung am Niederrhein, was Ferdinand von Köln nicht hinderte, ihn nochmals einzusetzen. Denn er wurde der Nachfolger Holzappels als Oberkommandierender der Truppen im Westfälischen Reichskreis.

Guébriant war in Anerkennung des Sieges bei Kempen im März 1642 zum französischen Marschall ernannt worden. Die Reste der Armee Lamboys hatten sich nach Westen und Süden abgesetzt. „Die Absicht der Kaiserlichen, diese Soldaten aufzufangen und in Hatzfeldts Armee einzugliedern, war schwer zu verwirklichen. Sicherheit bestand für sie erst jenseits der Mosel. Die Truppen waren führerlos. Man plante, Teile von ihnen in der Grafschaft Namur und im Herzogtum Luxemburg zu sammeln. ‚Es ist aber ein so indiszipliniertes Volk, daß nicht weiß, was mit ihnen zu machen‘, klagte Hatzfeldt. Die meisten wollten von spanischen Kommandanten weder Verpflegung noch Munition annehmen, um nicht in spanische Dienste gedrängt zu werden. So eilten sie, ohne Waffen und ohne Ordnung, Hatzfeldts Armee zu. Gleich wilden Tieren habe man sie einfangen müssen. Schließlich stießen etwa 1400 Mann zu Pferd, 600 Reiter und 2000 Frauen zu Hatzfeldt, der sie sogleich auf das rechte Rheinufer führte und von da in die Wetterau, sehr zum Verdruß des Erzbischofs von Mainz, schickte. Andere Teile der geschlagenen Armee, die sich dem Zugriff Hatzfeldts entziehen konnten, zogen weiter rheinaufwärts, beunruhigten die Gegend von Mainz[393] und drangen bis nach Frankfurt,[394] Worms[395] und Heilbronn[396] vor.

Wie ein Lauffeuer sprach sich die Niederlage Lamboys bei den Kaiserlichen herum. Obrist Flantz hatte, als er den Geschützdonner aus der Ferne in Kaiserswerth hörte, sogleich eine Streife mit 30 Mann losgeschickt, die von feindlicher Kavallerie überfallen wurde und mit nur sieben Mann zurückkehrte. Am Abend trafen einige Reiter und Verwundete der geschlagenen Armee in Kaiserswerth ein. Einige in westlicher Richtung geflohene kaiserliche Reiter fanden bei dem spanischen Kommandanten in Venlo[397] Aufnahme, der um einen höheren Soldaten bat, um die flüchtigen Soldaten zu kommandieren. Der spanische Kommandant von Roermond dagegen hatte die Lamboyschen Truppen weggeschickt, die kurze Zeit später von den Verbündeten erneut angegriffen wurden. Eine Gesandtschaft Wolfgang Wilhelms, die sogleich mit den Siegern Verbindung aufnahm, hatte sich davon überzeugt, daß die Armee Lamboys ‚totaliter ruiniert und zunicht gemacht‘ sei. Nicht anders beurteilte Hatzfeldt selbst die Lage: er sah den Fehler der kaiserlichen Kriegsführung in dem Befehl vom Herbst 1641, mit seinen Truppen statt den Westen des Reiches zu schützen nach Erfurt marschieren zu müssen. Denn in diesem Fall wäre es entweder nicht so weit gekommen oder der Feind wäre nicht ‚ohne Schläg entgangen‘. Jetzt aber sei durch Lamboys Verhalten die Schlacht verloren und seine Truppen ‚gänzlich ruiniert‘. Nicht weniger sorgenvoll klangen die Briefe aus Wien, wo man mit den schwersten Beschuldigungen gegen Lamboy nicht sparte. Der Hofkriegsratspräsident Schlick warf Lamboy, der ein ‚schönes Spiel angerichtet‘ habe, vor, er habe ‚ehrvergessener Weise und dergestalt leichtfertig gehandelt, daß es ja nicht gröber sein könnte‘. Im September 1643 urteilte er über Lamboy, ‚daß er etliche Male grob gestolpert sei‘. Er warnte Hatzfeldt, sich mit ihm zu verbinden. Denn wenn auch Lamboy durch die Franzosen gedemütigt sei, werde er zwar sich anfangs zurückhaltend erweisen, ‚so bald aber den Fuß wieder im Stegreif gesetzt, werde ihn die eigene Regiersucht wieder ankommen‘.

‚Einen Welschen‘, der ‚uns alle in das Elend bringt mit seinen Bravaden und Nonchalance‘, nannte Erzbischof Ferdinand den besiegten kaiserlichen Feldherrn. Noch am Tage nach der Schlacht hatte er, in Unkenntnis der Ereignisse, Hatzfeldt mitgeteilt, daß in Bonn, Köln und Andernach viel Brot bereitläge; wegen der Eroberung Uerdingens durch die feindlichen Truppen hatte er davon Abstand genommen, auch nach Neuß Brote zu liefern. Am 19. Januar wurden über 30 000 Pfund Brot per Schiff nach Andernach gesandt. Die Städte Rheinbach,[398] Meckenheim[399] und Ahrweiler[400] erhielten Befehl, ihren Vorrat an Lebensmitteln nach Andernach zu senden. Außerdem hatte der kurfürstliche Beseher Hermann Fischer zwei Schiffe nach Andernach entsandt, in denen je 100 Pferde und 400 Mann Platz finden konnten. Mitten in diese Vorbereitungen trafen in Bonn die ersten Nachrichten durch Obrist Flantz über die Niederlage bei Kempen ein. Die Meldungen überschlugen sich, noch war kein klares Bild über die Lage im niederen Erzstift zu gewinnen. Nach Auffassung des Erzbischofs waren Kempen und Linn verloren, die Lage Kaiserswerths gefährdet, und ob Neuß dem feindlichen Ansturm lange Widerstand leisten konnte, schien dem Erzbischof höchst ungewiß. Wirksame Hilfe gegen die Verbündeten sah Ferdinand, außer in Hatzfeldts Truppen, in der bayerischen Armee, die von allen kaiserlichen Heeren dem Rhein am nächsten lag, und in der Unterstützung durch lothringische Truppen. Eine gewisse Hoffnung hatte Ferdinand auch auf die Spanier gesetzt, mußte aber mit Erstaunen feststellen, daß sie sich verhältnismäßig reserviert verhielten. Gleichwohl versicherte der Gouverneur der spanischen Niederlande in Brüssel, Don Francesco de Melo, Hatzfeldt seines Gehorsams gegenüber dem Kaiser und sandte als Zeichen seiner Hilfe den Baron de Jehay zu Hatzfeldt.

Die erste Reaktion des Kaisers auf die Niederlage bei Kempen war die Entsendung von 2-3 Regimentern der bayerischen Armee an den Rhein, sie sollten in Philippsburg[401] oder Speyer[402] den Rhein erreichen und dann in drei Tagen auf Schiffen, die der Erzbischof von Mainz zu stellen hatte, zu Hatzfeldt stoßen. Auch an den Herzog von Lothringen hatte der Kaiser Befehle zur Bereitstellung von Hilfsvölkern gesandt. Schließlich stellte er selbst Hatzfeldt 50 000 Reichstaler für Munition in Aussicht.

Auch Wolfgang Wilhelm erhielt einen kaiserlichen Befehl, die aufgefangenen Lamboyschen Völker zu verpflegen und Hatzfeldt hierbei behilflich zu sein. Entsprechende Schreiben erreichten den Erzbischof, den Bischof von Osnabrück, den Grafen von Wied, den Abt von Korvey, die jülich-bergischen Landstände und die Städte Köln, Aachen, Dortmund, Duisburg, Brakel und Soest“.[403]

Bei Dr. Jordan findet sich unter dem 1./11.1644: „Die Hessische aus Neuß[404] und andere der Ends Guarnisonen nebest Ständtischen überfallen 3 Regimenter Kayersche, so bey Düren[405] und zwischen Aachen[406] gelegen, und miniren sie auch. Es komen aber etzliche Lamboische und der junge Graf [Christian; BW] von Naßaw von Siegen ihnen zu Hilfe und die Hessische, die bei dem Gral. von Naßaw geplieben, nebst einem Marchioni aus Lotharingia.

Von den Heßischen ist ein junger Landgraf von Hessen [Hessen-Rotenburg zu Eschwege, Friedrich Landgraf von; BW] nur mit 40 Pferden davon(ge)kommen, 400 so sich in einer Schewr retiriret, verbrandt; ihr Dr. Rabenhorst gefangen“.[407]

Am 28.1.1645 wandte sich Piccolomini an Montecuccoli: Der Kurfürst von Köln bemühe sich um die Errichtung eines eigenen Militärkorps in Westfalen; da man aber keine Zeit verlieren dürfe, habe man diese Frage nicht behandelt, sondern sich auf die Anwerbung von 8.000 Mann durch Lamboy geeinigt, was der Kaiser gut geheißen habe. Daraufhin wurde mit Karl IV. von Lothringen abgemacht, dass dieser 6.000 Mann zur Verteidigung dieser Länder bewaffnete. Die Feinde träfen große Vorbereitungen, doch hoffe er, P., die angeführten Vorkehrungen würden zum Schutz hinreichen.[408]

Im Juli 1645 kam es zur Schlacht zwischen Piccolomini und dem französischen Marschall Ranzau. Piccolomini konnte den Gegner über den Fluss Colme zurückdrängen; Ranzau fiel in diesem Gefecht. Die folgenden Monate waren gekennzeichnet von Uneinigkeit mit dem Gouverneur der spanischen Niederlande, die dazu führte, dass die Festungen Mardyck[409] und Lincke[410] wieder an die Niederländer fielen. Wassenberg[411] schreibt über den weiteren Verlauf: „In Flandern hatten die Frantzosen gleiche Fortun: dann nach dem sie den 17. Junij über den Fluß Colme mit 26.000 Mann starck vnterm Hertzog von Orleans gesetzt / haben sich Herr General Piccolomini mit 800. zu Pferd / vnd 6000. zu Fuß vor Düynkirchen[412] vnter das Geschütz / Lamboy aber nach Formen[413] begeben / darauff die Frantzosen auf Borburg[414] vnd von dannen gegen Mardyck / einen zwar kleinen / aber doch festen Ort / welcher den Hafen von Düynkirchen commandirt gewendet / selbiges angegriffen / vnd 4. Batterien darvor auffgeworffen / vnd mit Canoniren grossen Ernst gebraucht / also daß sie selbiges innerhalb 8. Tagen zum Accord gezwungen / vnd den 10 Julij mit vollem Gewähr bey 700 Mann starck / sampt 2 Fähnlein / deren sie 11. an den Hertzog von Orleans übergeben müssen / außgezogen / mit sich führend 50. biß 60. Karren Bagagy vnd Verwundete / aber kein einiges Stück / oder sonst etwas. In diesem Fort haben die Frantzosen 18. Metalline Stück / in dem abgebränten hölzern Wammes / welches ein Blockhauß in der See liegend / vnd von den Spanischen selbst angesteckt worden / 6 halbe Carthaun alles auserlesenes Geschütz / bekommen. Vber diese Einnehmung ist zu Pariß das Te Deum Laudamus in vnser Frawen Kirchen gesungen / vnd die Fahnen auffgehenckt worden. Den 13. 23. Julij hat sich auch das Fort Lincke auff der Colme bey Borburg in Flandern gelegen / den Frantzosen nach 6tätiger Belägerung ergeben / darauß sein 350. Mann starck außgezogen / seynd aber nach Grevelingen[415] geführt / weil sie sich auff discretion ergeben müssen / darin seynd 7. Stück Geschütz gefunden worden. Nach diesem haben sie sich an Borburg ein wolbefestigte vnd treflich versehene Statt gemacht gemacht / selbige von 2. Batteryen mit 44. Stücken dermassen beschossen / daß den Spaniern darin der Muth entfallen / vnd sich auf Gnad vnd Vngnad ergeben / darüber dann auch den 17. 7. Augusti zu Pariß das Te Deum Laudamus gesungen worden“.[416]

Am 15.11.1645 wurde Lamboy zum kaiserlichen Feldmarschall befördert.

Wassenberg berichtet auch ausführlich über die Eroberung von Tienen[417] im Februar 1646 und die blamable Schlappe seiner Untergebenen: „In diesem Monat Februario haben die Mastricher[418] einen artigen Kriegsbossen angestellt / dessen die zu Thienen mit ihrem grossen Schaden gewahr worden. Dann nach dem die Mastricher verkundschafft / daß in besagtem Thienen etliche Trouppen von Herrn Obersten Lamboy logirten / haben sich der Cornet von deß Grafen Pompei, Monsieur Jean Remaque, vnnd Monsieur Grison, Capitain Leutenant / von deß Graffen vom Solms Commandanten zu Mastricht Compag. zusammen gethan / besagtem Herrn Graffen von Solms / angedeutet / daß sie im Werck weren / gegen den Feind etwas zu tentiren / wolte ihnen derhalben etwas volck mit geben. Hierauff wurden zusammen gebracht 350. Fewerrohr vnd 200. Pferd / auß welchen sie 2. Soldaten mit Capuciner Kuten / vnd noch ein anderer wie ein Jesuit bekleidet / damit ist obgedachter Cornet den 27. dito morgends mit auffgehendem Thor gegen Thienen zu marchiret / vnd machte sich / (Wie ein Bawer verstellet / ein Gabel auff dem Nacken / vnd daran ein Säcklein mit Nüssen hangen habende.) mit obgedachten 3. Vermeinten Geistlichen voran / denen kurtz hernacher ein Trompeter ein einem rothen Feldzeichen / diesem aber etliche Soldaten gantz ohne Gewehr / mit Vranienfarber Livree an den Armen gebunden / gleichsam als ob sie Staatische Gefangene wären / gefolget. Der Cornet sampt den 3. Ordes-Personen wurden von der Schildwacht durch die Pforten zur stunde eingelassen / der machte darauf das Fall-Eysen wider zu / vnd muste der Trompeter / beneben den Gefangenen daraussen verziehen. In dem nun der Cornet sich eingeschlossen sahe / ward ihme bey der Sach nicht heimlich / faßte derhalben die Resolution / vnd schlug die Schildwacht mit seiner Gabel vber den Kopff / daß sie deß Aufstehens vergaß / eröffnete eylends das Klinquett / vnd fiel durch Hulff deren draussen in das Corps der Garde / oder Wachthause / darinnen 10. Soldaten vnd 1. Sergeant waren / schlug dieselben tod / da dann in dessen die Mastrichische Reutterey vnd das Fußvolck mit hellem Hauffen ingetrungen / vnd also der Statt Thienen glucklich Meister worden / in welcher sie / vermög beykommender Liste / an officirern gefangen: Den Obristen Wolffen / Collonell zu Fuß / vnd dessen Obr. Leut. Mr. Smet / Capitain: Adolph Hinninckhausen / Regiment-Schultheissen: Mr. de Genostillion / Leutenanten: Mr. Hunige / Obr. Leut. zu Pferd vom Ramsauischen Regim. Hanß Wilhelm Jäger / Leutenant: Mr. Wagner / Rittmeister vnder gedachtem Regiment:: Hans Casper Edel von Plata: reform. Leut:: Mr. Collyn / Capitain von der Lamboischen Garde: Mr. Stael / Cornet in gedachter Garde: Richard de la Reclu / reformirter Cornet vnder dem Lamboyschen Regim: Mr. de Genet / Adjutant vom Lamb. Mr. de Masillen / Sergeant: den Major / von deß Freyherrn Wagners Regiment: Item 2. Fähndriche / 3. Sergeanten / vnd vnterschiedlich andere so Reutter als Soldaten. Ausser diesen gefangenen seynd erhalten worden / 12 Fähnlein / 4. Standarten / 2 Heerpaucken oder Kessel-Trommen 7 300 Pferd vngefehr / vnd andere herrliche Beuten / benebenst der gantzen Lamboyschen Baggage / vber 1200. Reichsthaler werth angeschlagen“.[419]

Am 7.11.1646 erhielt Piccolomini von Formarini aus Pressburg[420] einen neuen Lagebericht über die Reorganisation der kaiserlichen Armee: Gallas wurde zum Armeekommandant ernannt, mehrere Generäle wurden abgelöst. Der Hof will nur mit dem Einverständnis des bayerischen Kurfürsten vorgehen und hat daher E. Traun zu ihm entsandt; dieser brachte den Bescheid zurück, der Erzherzog möge die Armee nicht verlassen, es bestehe auch keine Ursache dazu. Gallas selbst sei für P.s Rückkehr, auch General Borri, aber der spanische Orator am Kaiserhof Terranova sei dagegen. Schlick unterstütze General Goltz, der ihm sein Vermögen hinterlassen hat. Einige heben Holzappel hervor, der Kaiser aber will von dem Häretiker nichts hören und erinnert sich zu gut an den Undank Herzog Franz Albrechts von Sachsen-Lauenburg. Das Artillerie-Generalat scheint Annibale Gonzaga oder Goltz zuzufallen, während Fernemont völlig übergangen wird. Der Kaiser wird alles erst nach seinem Zusammentreffen mit dem Kurfürsten von Bayern entscheiden, das in Regensburg oder München stattfinden soll. Über Polen sei die Kopie jener Schrift gegen Piccolomini an den kaiserlichen Hof gelangt, die unter Beteiligung von Guasco und Lamboy entstanden und an die Minister Philipps IV. geschickt worden war, zugleich aber auch die von Paolo Orsini verfasste Antwort; die Beschuldigungen sind lächerlich und die Antwort treffend.[421]

Am 4.5.1647 hatte Lamboy nach der Beförderung Holzappels zum kaiserlichen Feldmarschall seine Ernennung zum „Kriegs-Commandanten in dem Westphälischen Kreis“ erhalten.

Am 22.5.1647 schrieb Lamboy noch von seinem Besitz Desseneer[422] an Piccolomini: Er habe vom Kaiser den Befehl erhalten, seine Truppen so bald wie möglich nach Westfalen zu verschieben und das dortige Armeekommando zu benehmen. In des Kaisers Patent stehe die Klausel, das er, L., Holzappel subordiniert sei; diesem Punkt werde er nie zustimmen und sei überzeugt, dass Piccolomini ebenso denke.[423] Lamboy wandte sich am 26.5. erneut an Piccolomini: Die Truppen, an deren Spitze er in Westfalen gestellt wurde, stünden in keinem Verhältnis zu der bedrohlichen Anzahl der Gegner. Er, P., möge diese Frage mit Leopold Wilhelm besprechen und erreichen, dass ihm entweder weitere Truppen oder eine größere Geldsumme zugeteilt werden, um eine genügende Anzahl von Männern in Sold nehmen zu können, da sich der Feind sonst des ganzen Kreises bemächtigen könnte. Die Stadt Vechta[424] werde von Königsmarcks Armee arg bedrängt.[425]

Piccolomini hatte sich am 31.8. aus dem Feldlager bei Armentières[426] an den kaiserlichen Generalkriegskommissars Blumenthal gewandt: Die Verhandlungen mit den Holländern hätten einen guten Verlauf genommen und sein, P., Rat, man möge nicht so sehr auf Formalitäten sehen, sondern eine Erleichterung des Friedensschlusses und die Reichsinteressen betreiben, habe sich als gut erwiesen. Dadurch habe sich die Art und Weise der Verhandlungen von denen in Münster unterschieden. Man müsse die trostlosen Verhältnisse in Westfalen berücksichtigen, die nichts anderes verlangten als Blumenthals und Hatzfeldts Weisheit. Die Schuld an schlechten Ergebnissen trage auch Lamboys Geiz, dem ein voller Beutel genüge.[427]

„Vor Ende des Krieges stand das Emsland[428] noch einmal im Mittelpunkt kriegerischer Ereignisse. Im Sommer 1647 operierten schwedische und kaiserliche Truppen im Emsland. Die Kaiserlichen unter dem Kommando des Generals Lamboy hatten hauptsächlich den Auftrag, das Emsland zu sichern und die hessischen Truppen zu vertreiben, die sich in den ostfriesischen Schanzen an der nördlichen Grenze des Amtes Meppen[429] festgesetzt hatten. Von diesem Zug berichtet der Drost Dietrich von Velen am 9. September 1647 nach Münster.[430] Am 3. September erreichte der Generalwachtmeister von Schaar[431] mit einigen Vortruppen die Festung Meppen. Er hatte den Auftrag, den Durchmarsch der Hauptstreitmacht zu organisieren. Am nächsten Morgen kam die Vorhut des lamboyschen Heeres in Meppen an. Sie hielt sich drei oder vier Stunden vor dem Hasetor auf, wurde mit Brot und Bier verköstigt und zog dann weiter über den Hümmling nach Esterwegen,[432] um von dort nach Ostfriesland einzudringen. Dies gelang ihnen allerdings wegen der unzulänglichen Moorgebiete nicht, so daß sie am Tag darauf bereits unverrichteter Dinge zurückkamen. Die Hauptstreitmacht Lamboys erreichte wiederum am folgenden Morgen Meppen. Sie hielt sich ebenfalls nicht lange dort auf, sondern zog die Ems entlang Richtung Ostfriesland. Lamboy beschwerte sich in diesem Zusammenhang darüber, daß in Meppen keinerlei Vorbereitung dafür getroffen worden war, die von Kurfürst Ferdinand zugesagte Verpflegungsleistung von 10.000 Pfund Brot zum Unterhalt der Truppen zu erbringen. Der Drost berief sich darauf, einen solchen Befehl nie erhalten zu haben. Er berichtete im übrigen, daß die Einwohner, nachdem sie von der zu erbringenden Verpflegungsleistung gehört hatten, mit Frau und Kindern in die benachbarten Provinzen geflohen seien und ihre Häuser und Habe zurückgelassen hätten. Die einrückenden Truppen hätten die Häuser besetzt und so versucht, sich selbst zu verpflegen. Von Velen erbat nun Anweisung darüber, wie er die Verproviantierung der Truppen sicherstellen sollte. Er bat darum, den kurfürstlichen Proviantkommissar Drodemio anzuweisen, das eingelagerte stiftische Proviantkorn nach Meppen zu schaffen, um die Truppen verpflegen zu können. Er sicherte Transporthilfe aus dem Amt zu. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen über die Verpflegung wurde deutlich, daß die Vorräte erschöpft waren und sich nicht ‚ein Handvoll Roggen im Magazin‘ befand. Es war entweder bereits konsumiert oder aber in Ostfriesland zum Unterhalt der dort kämpfenden Truppen transportiert worden. Aus diesem und anderen Berichten wird deutlich, daß sich die Schwierigkeiten des Truppenunterhalts und damit deren Fähigkeit militärisch zu operieren, erheblich verschärft hatten und sich zu einem kriegsentscheidenden Problem entwickelten“.[433]

Wilhelm von Westphalen hatte Piccolomini am 4.10.1647 unterrichtet: „Zu continuirung meiner schuldigkeit solle Ihrer Fürstlichen Excellence hiermit berichten, daß die Lamboysche und dessen coniungirte gegentheilige annoch bey Rheinen[434] an der Embs gegeneinander stehen, was dabey vor und nach geloffen, werde Ihre Fürstliche Excellence ungezweiffelt aus Münster von den Königlichen Catholischen herren abgesandten verstendiget sein. Nuhnmehr aber werde ich advisirt, daß einige proviant in der graffschafft Lipp nacher Dettmold[435] zu lieffern ausgeschrieben sey, umb dessen zu des Königsmarcks rückmarche zu gebrauchen. Ob nuhn den herr Veldtmarschalckhen Lamboy verlassen, theils zurück nach der haubtarmee wegen der churbayrischen coniunction gehen werden oder sonsten jegen dieser statt, wie sich verlauten lassen“.[436]

Westphalen schrieb am 25.10.1647 erneut an Piccolomini: „Hiesiger commendant Bertramoville sambt den meinigen sowohl officirn als knechten haben ihre schüldigkeit dabey geleistet, das billig zu belohnen sey. Welcher gestalt sich beiderseits haubtarmeen guberniren, davon werden Ihre Excellence aus dem kayserlichen lager ohngezweiffelt nachrichtung haben. Es will verlauten, als wan die unsrige Magdeburg[437] besetzet und Chursachsen sich gegen die Schweden feindt erkleret haben solle. Die Lamboyschen und Königsmarck sambt den Hessischen und theils Weymarschen stehen annoch bei Rheine verschantzet und hatten die Hessische durch den Obristen Moitz [Motz; BW] mit etlichen trouppen den unsrigen in Friesland eine schantze neben zweyen redouten abgenohmmen. Dahin aber aus dem Lamboyschen lager der Obriste Graf von Hennin [Bournonville; BW] mit einigen trouppen zu roß und fueß commandirt worden, die gedachte schantze und Hessische also mit sturmb angefallen und glücklich erobert, daß den verschiedene thodt pliben und über hundert gefangene neben einem Capitein, 2 Lieutenants und anderen mehren zutheil worden. Sonsten habe erfreulich vernohmmen, daß Dixmünden von den Königlich Catholischen waaffen glücklich erobert. Der Allerhochste verlihe ferneren sieghafften progress, womit verbleibe. Nachsatz: Ob zwar zu Cassell[438] immerfortt mit allem fleis dahin gearbeitett wirtt wie von dem Wrangel noch mehr volcker einlangen undt dem Lamboy das gahraus machen, folgendes dieser statt undt anderer orter bemechtigen mogen, so hoffe jedoch, es werden die kayserlichen waffen solches zu verhindern wissen undt Gott uns weitter beistehen, möchte wünschen, daß mitt Ihre fürstliche Excellence mündtlich underthenig sprechen konnte. Kann alles der feder nitt trauen“.[439]

Westphalen unterrichtete Piccolomini am 1.11.1647: „Ihrer Fürstlichen Ecellence gnedige schreiben vom 6. und 13. Septembris seind mir gestern allererst gelieffert. Ob nuhn dieselbe inmittels zu Münster oder am andern ohrt so lang worden, ist mir unbewust. Nichdestoweiniger thu mich für Ihrer Fürstlichen Excellence gnedige communication unterthenig bedancken. Dieser endts lassen sich die schwedische partheien von dero haubtarmee, welche vor drey thagen zu Northeimb[440] im landt zu Braunschweig vollig gestanden, algemach sehen. Deren zwey starcke zu roß über die Weser ins hiesige stifft gangen, einen ohrt nach dem anderen, da noch ein pferdt oder stück vihe verblieben, überziehen, plündern und rauben. Es wird davor gehalten, daß diese des feindts gantze armee hinein gehen, den Lamboy ruiniren und also der westphalen quartier sich bemechtigen werden. Sollten nuhn die Kayserliche auff den fueß nit nachgehen, wirt der kriegsschwall überhandt nehmmen und die landen vollents im grundt verderben. […] Parece que los Suevos tienen mucha gana de visitar tambien el cerculo inferior del Rheno mientras que san padronos de Westphalia”.[441]

Nach der Aufkündigung des Waffenstillstands durch Kurfürst Ferdinand hatte Lamboy im August 1647 durch das Münsterland hindurch einen Streifzug nach Ostfriesland unternommen, um die hessen-kasselischen Quartiere aufzuschlagen und Königsmarck von der Belagerung Paderborns abzuziehen, was ihm auch gelang. Lamboy gewann die Ems, wo er bei Rheine ein befestigtes Lager bezog. Fast zwei Monate lag ihm dort Königsmarck gegenüber. Am 30.10. musste Königsmarck gezwungen durch den Mangel an Proviant das Lager wieder aufgeben, um die von kaiserlichen Truppen eingenommenen Orte in Ostfriesland zurückzugewinnen. Lamboy selbst wandte sich durch das Sauerland wieder zum Rhein. Unterwegs nahm er noch die Schlosse Windeck[442] und Niedeggen[443] ein. Kleinere Gefechte sowie die Eroberung von Düren[444] sicherten ihm Winterquartiere im Jülischen.

Bereits im Dezember 1647 war Lamboy in Köln erschienen, um im Februar 1648 die Operationen im Westfälischen aufzunehmen. Über Dortmund und Soest stieß er bei Lippstadt auf Johann Geyso, der sich am 3.3. auf Geseke[445] zurückziehen musste. Lamboy eröffnete die Belagerung, die mehr als drei Wochen dauern sollte.

In einem zeitgenössischen Bericht, den der Hildesheimer[446] Arzt Dr. Jordan mitteilt, wird der Sturm auf Geseke geschildert: „Relatio von der Belagerung der Stadt Geseke durch Hanß Voget, Bürgern in Lipstadt[447] advertirt:

‚Dem 3. hujus [3. 3. a. St.; BW] kam der heßische Gral-Lieutenandt Johann Giese [Geyso; BW] anhero, logirte sich zue Erwiete[448] vnnd Cold. (?) Inmittelst Gen. Lamboy in die Seßerbörde[449] ankomen, hat sich H Gen. Giese mit seiner Armee, außbescheiden  4 Compaign. Pferde, so alhie einquartiert, in Geseke gelegt, darauf Gral. Lamboy dafür gerückt, selbe belagert, vnnd mit heftigen Canoniren vnnd Granaten à 500 Pfund schwer hart bedacht, und den 17. die Belagerung quitirt. Zu werender Belagerung sein vnsere Reuter à 8 Compagn. von hierauß geritten, Geseke mit Pulver proviandtirt, folgents sein 6 Compagn. Pferd auß dem Stift Münster vnnd 4 Compagn aus Heßen, darunter H Landtgraf Ernst [v. Hessen-Rheinfels-Rotenburg; BW] alhie ankomen.

Dieselbe den 14. hujus hierauß geritten, damit der Reuterey in Geseke Luft gemacht, vnnd vf den Kayserl. Lager gangen, daßelbe chargirt, vnnd das Fürstl. holsteinische [Philipp Ludwig v. Holstein; BW] Regiment ruinirt, darauf die gantze Kayserl. Reuterey loßgangen, und die Heßischen in confusion gebracht, das von selben 109 Reuter, 2 Rittmeist., 6 Cornet, 4 Coporale vnnd H Landgraf Ernst gefangen, auch etzliche todt blieben. Jedoch sein beinah von den Kayserl. so viel alß von den Heßiuschen geblieben. Vnter wehrendem Scharmützel haben der heßischen Reuter à 41 Compagn. Geseke verlaßen vnnd hie ankomen, auch inquartiert worden, darauf die kayserl. Geseke gestürmet, vnnd mit Hinterlaßung 500 todten, darunter Obrist Goldacker, Obristwachtmeisters vnnd viel Officirer. Die Belagerung vfgehoben, das also Gen. Lamboy wehrender Belagerung vber 1500 Man, so geplieben, gefangen vnnd verleufen, verlohren“.[450]

Dr. Jordan notiert unter dem 21./31.5.1648: „Gral. Camboy erobert das Schloß Brodelwodt oben Gülich“.[451] Danach legte Lamboy sich vor Schloss Breitenbend,[452] das nach vierwöchentlicher Belagerung am 1.6. kapitulierte und geschleift wurde. Während er seine Truppen um Bonn sammelte, hatten hessen-kasselische Truppen unter Johann Geyso den Rhein überschritten und sich bei Grevenbroich[453] gelagert. So brach Lamboy am 12.6. von Bonn auf und ließ seine Truppen nach Zons[454] bringen.

„Am 14. Juni 1648 griff Lamboy die Hessen an der Erft und bei Neuß an. Sie hatten dort ihr Lager aufgeschlagen und es mit einem Wall umgeben. Zum Unglück aller Katholiken der unteren Diözese wurde Lamboy trotz eines schneidigen Angriffs zurückgeschlagen und überwältigt. Die Hoffnung, er werde Israel erlösen, erfüllte sich nicht. Doch auch den Hessen kam dieser Sieg teuer zu stehen. Er hätte beinahe zu ihrem Untergang geführt. In einem Blutbad, wie es größer und schlimmer seit langer Zeit nicht bekannt geworden war, hatten fast alle Offiziere, Kompanieführer, Fähnriche und Regimentskommandeure den Tod gefunden. Unter den mir bekannten Gefallenen befand sich auch Sprewitz“.[455] Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch fest: „Als Sontags Morgen vmb 4 Vhr ist das harte Treffen ohnweit Grevenbrouch[456] in der zwischen dem Feltmarschall Erpe Lamboy vnnd dem heßischen Gral.-Liutnadt Geisen vorgangen, sas beederseits viel Volck verloren, Lamboy aber mit Hinterlassung (von) Stück(en) vnnd mehrentheils Cavalleria das Felt reumen vnnd reterirn müßen“.[457]

Bei dem Schmalkaldener[458] Chronisten Johann Georg Pforr [1612 – 1687] heißt es lakonisch: „Den 4. Junii haben die F[ürstlichen Hessischen Caßelischen völcker unterm commando Generalleutnand Johan Geyßen die Churcöllnische armee, so der Lampoi geführet, am rein auß dem felt geschlag[en“.[459] An sich war das Treffen bereits gewonnen gewesen, als sein Fußvolk die feindliche Bagage plünderte und dabei Verwirrung in die eigenen Reihen brachte, was Geyso zum erfolgreichen Gegenangriff nutzte, bei dem 700 der 3.000 Infanteristen fielen und Lamboy mit dem Rest der Reiterei nach Zons entkommen konnte.[460]

Am 21.8.1648 schrieb Piccolomini aus Landau[461] an Leslie: Er, P., habe Lamboys Interessen stets gefördert und das sei einer der Gründe seiner Streitigkeiten mit den Spaniern gewesen.[462]

Lamboy hatte Piccolomini am 19.9. aus dem Lager bei Biebrich[463] informiert, er habe aus Paris Geheimberichte über Unruhen – gemeint war der Aufstand der Fronde[464] – erhalten, die Hoffnungen auf eine Beendigung des Krieges erweckten. In wenigen Tagen solle es zu großen Veränderungen am Hofe kommen, d’Avaux solle Kanzler werden, Königin Anna rede öffentlich von Frieden und verspreche, ihn Frankreich bald zu geben. Sie habe einen Kurier zu Servien nach Münster geschickt mit dem Befehl, auch mit den Spaniern Frieden zu schließen, wenn diese es wünschten.[465]

Unter dem Oktober 1648 notiert Dr. Jordan: „Zwischen 6. vnnd 7. ist die Stadt Paderborn, nachdem es etzliche Zeit von den landgräflichen Caßelschen General Gresen [Geyso; BW] belagert vnnd Fewer hingeschoßen von dem Chur-Cölnischen Lamboy entsetzet, 3-viertel pfündig Stück, in die Stadt von den Heßen gebracht, auch ihrer, der Heßen, 100 in die Schantzen zuenichtgemacht. Zwischen 9. vnnd 10. Paderborn besetzt vnnd quitirt, sich nach Höxter an die Weser begeben“.[466] 17./27.10.: „General Lamboy schreibt an hiesige Churfürstl. Regierung vnnd begehrt Contribuition, Proviandt vnnd Bawgelder vom Stift“. […] 30.10./9.11.: „Die Kayserl. vnter Lamboy lassen von ihrem gebewd in Höcter ab, vnnd die zusambgeführte Schiffe wieder von einander gehen. Er, lamboy, hatte sein Hauptquartier in Werthe[467] vnter Cöln, war sonsten Vorhabens sein Winterquartier im Stift Halberstadt[468] und Hildeßheimb zue suchen, weil aber das gesambte Hauß Braunschweig. vnnd Lüneburg ihre Gesandten an der Weser hatten, vnnd ihn die böße seq(ue)ntz, so solches nach sich ziehen würden, angedeutet, hat er sein propo[469] geändert“.[470]

Am 22.1.1649 wurde Lamboy auf sein Gesuch hin für seine Verdienste in den Grafenstand erhoben. In der Urkunde heißt es: „in Erwägung des alten Adels Deines Geschlechtes, Wilhelm L., welches seit vielen vergangenen Jahrhunderten unter den ersten Familien des Bisthums Lüttich durch eine Anzahl Männer florierte, um die Fürsten, den Staat und das Vaterland wohlverdient, deren lobwürdiges Exempel Du nicht blos nachzuahmen sondern vielmehr zu überbieten wacker bestrebt gewesen, indem Du von frühester Jugend auf, getrieben von angeborener Tapferkeit und natürlicher Ehrbegierde, der Führung des Schlachtengottes Dich vertrautest und unter des unüberwindlichen kaiserlichen Adlers Auspicien glückhaft die ersten Kriegsdienste nahmst, in diesem Dienste jederzeit das Beispiel besonderer Kriegserfahrung und Tapferkeit liefernd, so dass Du bereits vor sechsundzwanzig und mehr Jahren die Bestallung eines Obersten erlangtest (ut iam ante 26 et amplius annos ad Colonelli munus … promoveri merueris), dann allmählich zu weiteren militärischen Aemtern und endlich zu der ansehnlichen Würde selbst eines kaiserlichen Feldmarschall durch eignes Verdienst allein emporzusteigen verdientest, im ganzen Verlaufe dieser Zeit aber in häufigen Scharmützeln mit dem Feinde, nicht minder jedoch in höchst blutigen Schlachten, wie es bei wandelbarem Glück Vernunft und der Dinge Beschaffenheit erheischten, mit also großer, rühmlicher Klugheit, Ehrenhaftigkeit und Ausdauer Dich hervorthatest, dass Du des Sieges Palme wieder und wieder tapfer erfochtest und weder das Unglück feindlicher Gefangenschaft noch die Vergießung Deines ehrlichen Blutes den Heldensinn und die Standhaftigkeit des Führers oder dessen Treue zu erschüttern vermochte, indem Du vielmehr zahlreiche Deiner Vertheidigung anvertraute Pässe und Plätze, der Kriegskunst und dem Ansturm der Feinde zum Trotz, uns zu erhalten wusstest, andere wieder, durch die Natur wie durch feindliche Besatzungen stark vertheidigt, den Händen der Gegner mannhaft zu entreißen verstandest“.[471]

Lamboy, der das Ratifikationsschreiben des geschlossenen Friedens mit Füßen getreten haben soll,[472] da er seine Einnahmequellen versiegen sah – er soll allein innerhalb von 23 Monaten 160.000 Rt. an der Armee „zusammengespart haben“, was Generalkriegskommissar Blumenthal als Albernheit bezeichnete, die am kaiserlichen Hof geglaubt werde[473] – und andere hohe Offiziere des westfälischen Korps traten in spanische Dienste.

Lamboy wandte sich am 17.6.1649 aus Köln an Piccolomini: Der französischen Haltung sei klar zu entnehmen, dass ihre Erfindungen nur auf eine Verlängerung des Krieges zielen und dass sie bei den Verhandlungen nur Zeit gewinnen wollen, da ihr eigenes Haus brennt. Wenn die Spanier diese schwierige Lage nutzen wollten, müssten sie militärische Erfolge erringen und das Ergebnis könnte ein Universalfrieden werden.[474]

„Auf seine Güter in Böhmen, die er später (1654) um Biehlorad und Dimokur vermehrte, zurückgezogen, schien er jedoch – ein übereifriger Katholik – nur noch eine Lebensaufgabe zu kennen: mit allen Mitteln der Güte und der Gewalt seine protestantischen Unterthanen zur „alleinseligmachenden“ katholischen Kirche zurückzuführen, was er denn auch mit Hülfe von Jesuiten und Dragonern glücklich sehr bald erreichte. Eine im J. 1651 in der Stadt Arnau gegründete ständige „Mission“ des Jesuitenordens sollte allmählich zu einem „Collegium“ erweitert werden, wozu jedoch der von L. gewidmete Stiftungsbeitrag von 15 000 Gulden nicht genügte. Da nun der Stifter, ungeachtet seines fanatischen Katholicismus, zu einer Vermehrung des Kapitals durchaus nicht zu bewegen war, sondern im Gegentheil die unnachsichtige Bedingung stellte, dass eine solche Vermehrung, sei es an Geld oder Grundstücken, niemals begehrt werden dürfe, zogen es seine Freunde, die Jesuiten, vor, die Stiftung später gänzlich aufzugeben und Arnau zu verlassen, wo sich an ihrer Stelle die genügsamen Franciscaner habilitierten. – L., vermählt mit Sibylla, geb. Freiin von Boyneburg-Hohenbruck (nicht Beck) starb auf dem Schlosse Dimokur am 12. Decbr. 1659 (nicht 1651) mit Hinterlassung eines unmündigen Sohnes Johann Lambert, der jedoch, vermählt mit Anna Franzisca, geb. Gräfin Martinitz, schon 1669 das Zeitliche segnete. Mit dessen posthumem Sohne Johann Maximilian erlosch am 16. April 1683 das Geschlecht der Grafen L“.[475]

[1] Nach HÖFER, Ende, S. 257, Anm. 180: 1600. ADB Bd. 17, S. 557, gibt kein Geburtsdatum an. Vgl. auch die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.

[2] NDB Bd. 13, S. 440, 12.12.1659, so auch BEDÜRFTIG, Taschenlexikon Dreißigjähriger Krieg, S. 128.

[3] Dymokury [Bez. Nymburk].

[4] ADB Bd. 17, S. 557-564; NDB Bd. 13, S. 440f.; BNB Bd. 11, Sp. 193ff.

[5] Kortessem [Prov. Limburg].

[6] Desseneer, vermutlich Ort bei Kortessem [Prov. Limburg]; Wintershoven, heute Ortsteil von Kortessem.

[7] Neuschloss [Nový Hrad, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 404f.

[8] Bielohrad [Bělohrad] (Bad Bielohrad); Bez. Lázně Bělohrad].

[9] Bissingen [LK Dillingen a. d. Donau].

[10] Pattensen [Kr. Springe]; HHSD II, S. 376f.

[11] DECKEN, Herzog Georg von Braunschweig Bd. 2, S. 49.

[12] BRZEZINSKI, Lützen 1632, S. 48. Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f. Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff.

[13] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[14] Oels [Oleśnica]; HHSSchl, S. 368ff.

[15] Arnau [Hostinné, Bez. Trautenau]; HHSBöhm, S. 8f.

[16] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[17] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[18] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[19] Schneeberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 320ff.

[20] KUNATH, Kursachsen, S. 122.

[21] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[22] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.

[23] Adorf [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 1f.

[24] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[25] haben oder möglich auch: hinter [sich]

[26] KLUGE, Hofer Chronik, S. 25ff. (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Hofs und seines Umlandes).

[27] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[28] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[29] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[30] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[31] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[32] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[33] Nach dem Hofer Chronisten Rüthner war Holck am 15.8. zusammen mit Melchior von Hatzfeldt, Piccolomini, Breda, Wilhelm von Lamboy und Pál Orosy in Hof eingetroffen und am 16.8. wieder aufgebrochen; KLUGE, Hofer Chronik, S. 17.

[34] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[35] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[36] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[37] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S.540ff.

[38] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.

[39] Aue; HHSD VIII, S. 10ff.

[40] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[41] Oelsnitz [Kr. Stollberg]; HHSD VIII, S. 263f.

[42] Mylau [Kr. Reichenbach]; HHSD VIII, S. 240f.

[43] Reichenbach; HHSD VIII, S. 298f.

[44] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[45] raiteln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[46] Dux [Duchcov, Bez. Teplitz]; HHSBöhm, S. 118f.

[47] Crimmitschau [Kr. Werdau]; HHSD VIII, S. 53ff.

[48] Die Lazaristen, auch Vinzentiner (lat.: Congregatio Missionis, CM) sind ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.

[49] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[50] schrauffen: schrauben: GRIMM; GRIMM, DWB 15, Sp. 1653: „als thätigkeit des henkers: schrauben einen, ist eigentlich eine henkers arbeit, torquere aliquem cochleis adhibitis Frisch 2, 223c; jemanden die daumen schrauben, eine art der tortur Adelung; man wird dich auf die tortur schrauben“. „Dabei werden der Daumen oder andere Finger in eine Zwinge gespannt und deren durch Gewinde miteinander verbundene Backen schraubenförmig zusammengezogen. Dieser Prozess ist äußerst schmerzhaft und nicht selten mit Frakturen verbunden, welche bleibende Schäden an der Hand verursachen können“. [wikipedia].

[51] ENGERISSER, Von Kronach S. 187ff. (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[52] Kürassierregiment des Herzogs  Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg.

[53] Holk.

[54] Wilhelm Kinský von Wchinitz und Tettau ?

[55] Laufbrunnen.

[56] KLUGE, Hofer Chronik, S. 33f.

[57] Gemeint ist: Da wurde übler gehaust als in einer Spolierung zuvor.

[58] KLUGE, Hofer Chronik, S. 34f.

[59] Röslau [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[60] Schwarzenbach an der Saale [LK Hof].

[61] Pest.

[62] KLUGE, Hofer Chronik, S. 38.

[63] Oppurg [Saale-Orla-Kr.]; HHDS IX, S. 329f.

[64] Kospoda [Saale-Orla-Kr.].

[65] Neustadt a. d. Orla [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 301f.

[66] Pößneck [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 342f.

[67] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[68] Kirchenraub galt als eines der abscheulichsten Verbrechen, in den Kriegsartikeln zumindest mit der Todesstrafe bedroht, und wurde nach Art. 172 der „Constitutio Criminalis Carolina“ generell mit dem Tode durch Verbrennung bei lebendigem Leibe bestraft, im Militärstrafrecht mit dem Tod durch den Strang. Mithin war die Bezeichnung „Kirchenräuber“, mit der die kaiserlich-kursächsischen Soldaten bei HAPPE apostrophiert werden, nach dem „Schelm“ eines der schlimmsten Schimpfworte.

Mit Befriedigung stellte z. B. der Stassfurter Pfarrer Möser fest, wie Banér Kirchenraub bestrafen ließ; WINTER, Möser, S. 50. Theatrum Europæum Band 3, S. 616f.: „Unter diesen Crabaten und Polacken ward eine scharpffe Kriegs-Disciplin und gute Ordnung halten / wie dann drey ihrer Soldaten / welche in einem Dorff auß einer Kirchen etwas gestohlen / und darüber ergriffen worden / eine harte Straff haben außstehen müssen / in deme sie alle drey an Pfählen angebunden / und lebendig im Feuer verbrandt worden“.

[69] Christian Viktor Bonner.

[70] Kirchenkasten: Behältnis zur Aufbewahrung des einer Kirche gehörigen oder in ihr gesammelten Geldes (auch Opferstock); auch das Vermögen, das eine Kirche an barem Geld, ausgeliehenen Kapitalien oder sonstigen Revenuen hat. = Kirchenärar.

[71] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.

[72] Saalburg [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 367ff.

[73] Tanna [LK Saale-Orla-Kr.].

[74] Oschitz, heute Stadtteil von Schleiz [Saale-Orla-Kr.].

[75] Cession: Abtretung, Übereignung.

[76] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 94f.

[77] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[78] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[79] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[80] Gera; HHSD IX, S. 134ff.

[81] Neustadt a. d. Orla [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 301f.

[82] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 94ff.

[83] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[84] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[85] Naumburg [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.

[86] Graupen [Krupka; Bez. Teplice] ?

[87] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächische Heer (ab März 2012).

[88] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[89] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[90] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[91] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.

[92] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[93] BRAUN, Marktredwitz, S. 36.

[94] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 374 Anm.

[95] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 399 Anm.

[96] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.

[97] Arnau [Hostinné, Bez. Trautenau]; HHSBöhm, S. 8f.

[98] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[99] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[100] Trautenau [Trutnov]; HHSBöhm, S. 618ff.

[101] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[102] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[103] Poděbrad [Poděbrady, Bez. Nimburg]; HHSBöhm, S. 459ff.

[104] KUNATH, Kursachsen, S. 173.

[105] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[106] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.

[107] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[108] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[109] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[110] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[111] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.

[112] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[113] siehe Begriffsregister.

[114] Stadtsteinach [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 710f.

[115] Kauerndorf, heute Ortsteil von Ködnitz [LK Kulmbach].

[116] Plassenburg, Die [Stadt Kulmbach]; HHSD VII, S. 587.

[117] Kürassiere.

[118] Vgl. STICHT, Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach.

[119] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[120] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[121] ENGERISSER, Von Kronach, S. 395ff.

[122] KLUGE, Hofer Chronik, S. 63.

[123] KLUGE, Hofer Chronik, S. 61.

[124] Suhl [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 426ff.

[125] Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f.

[126] flagrieren: brennen, heimsuchen.

[127] Kaltennordheim [Kr. Bad Salzungen]; HHSD IX, S. 229f.

[128] Themar [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.

[129] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[130] [Bad] Salzungen [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 36ff.

[131] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[132] Lobenstein; HHSD IX, S. 261f.

[133] ENGERISSER, Von Kronach, S. 392.

[134] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[135] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[136] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[137] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[138] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[139] BRAUN, Marktredwitz, S. 51f.

[140] Großheirath [LK Coburg].

[141] ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detailierteste Darstellung der Schlacht).

[142] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[143] Neustadt b. Coburg (OFR.); HHSD VII, S. 516.

[144] Sonnefeld [LK Coburg]; HHSD VII, S. 702f.

[145] Neuhaus am Rennweg [Kr. Neuhaus]; HHSD IX, S. 302f.

[146] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[147] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[148] Steinheid [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 423.

[149] Cortendorf, heute Stadtteil von Coburg.

[150] Lützelbuch, heute Stadtteil von Coburg.

[151] Sonneberg [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 408ff.

[152] Diese Granaten und Sturmtöpfe können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden, und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Die Sturmtöpfe bestanden aus gebranntem Ton und waren mit ungelöschtem Kalk und Asche, meist zusätzlich mit Fußangeln gefüllt. Die Herstellung solcher ‚Sturmhäfelein‘ beschreibt Hans Conrad Lavater in seinem ‚Kriegsbüchlein‘ aus dem Jahre 1644 (70): Die Häfelein werden flach, breit und rund, aber nicht hoch gemachet: in der mitte hol, […] die füllet man mit gerädenem, reinem, wohlgedörretem, vngelöschtem Kalck, und stecket Lämeysen [Fußangeln] darzwischen. Sie seind in dem Sturm gut zu gebrauchen: dann da sie vnder die Feind geworfen werden, zerfallen sie, vnd stäubt alßdann das Kalck dem Feind in das Gesicht: vnd ist solcher staub dem gesicht, vnd die Lämeysen den füssen schädlich und verhinderlich. Ebenso beschreibt Lavater die Verwendung sogenannter ‚Sturmschlägel‘, schnurumflochtener Ballen mit einem Brandmittel gefüllt, in die kurze, mit Bleikugeln geladene Rohrabschnitte, sogen. Mordschläge, eingebunden wurden, welche durch Harnast [Harnisch] und Pantzer schlagen, nicht leichtlich zu löschen, vnd hefftig brennen. Ferner empfahl Lavater das Werfen von Fässern voll Kalck vnd äschen, auff daß die Feinde darvon nicht sehen, vnd halb ersticken. (78).

[153] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[154] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[155] Breitenbach [Ilm-Kreis].

[156] Gehren [Ilm-Kreis].

[157] HAPPE I 342 v – 343 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[158] Pürschpulver: „Bürschpulver, ein feines Schießpulver, welches besonders geglättet und von dem Schmutze gereinigt wird“. [http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/p/kp05346.htm].

[159] Nach dem Kriegsbüchlein von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.

[160] Faschinen: Schanzkörbe, Reisig, Bündel, Holzwälle, Rutenbündel.

[161] Sappen, Sappeure: Approchen ist die Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung von Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbes s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden von den zu den ingenieurtechnischen Truppen gehörenden Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z. B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. [wikipedia]

[162] Rüger meint hier wohl zwei 4-pfündige Stücklein, denn ¼ Pfund Blei schoss bereits ein Doppelhaken mit einem Kaliber von 28 mm, womit man wohl kaum eine Festungsbastion beschossen hätte.

[163] Die Sturmtöpfe bestanden aus gebranntem Ton und waren mit ungelöschtem Kalk und Asche, meist zusätzlich mit Fußangeln gefüllt. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach, S. 405, Anm. 255: „Die Herstellung solcher ‚Sturmhäfelein’ beschreibt Hans Conrad Lavater in seinem ‚Kriegsbüchlein’ aus dem Jahre 1644 (S. 70): ‚Die Häfelein werden flach, breit und rund, aber nicht hoch gemachet: in der mitte hol, […] die füllt man mit gerädenem, reinem, wohlgedörretem, vngelöschtem Kalck, und stecket Lämeysen [Fußangeln] darzwischen. Sie seind in dem Sturm gut zu gebrauchen: dann da sie vnder die Feind geworfen werden, zerfallen sie, vnd stäubt alßdann das Kalck dem Feind in das Gesicht: vnd ist solcher ataub dem gesicht, vnd die Lämeysen den füssen schädlich und verhinderlich’ “.

[164] Waltershausen [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 460f.

[165] Lamboy schloss am 19.3.1635 mit Zehm und Georg Sittig von Schlitz, genannt Görz, den Übergabevertrag von Stadt und Festung Coburg. ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 13.

[166] [Bad] Neustadt/Saale [LK Rhön-Grabfeld], HHSD VII, S. 59f.

[167] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[168] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[169] Schottenstein [LK Coburg].

[170] ENGERISSER, Von Kronach, S. 401ff.

[171] KLUGE, Chronik, S. 80.

[172] KLUGE, Chronik, S. 81.

[173] am Rande von Oberwohlsbach (Rödental) auf dem Spitzberg, einem Ausläufer des Thüringer Waldes am Südhang der Hohen Schwenge im Coburger Land; MAHNKE, Schlösser und Burgen I, S. 84–87.

[174] Almerswind [LK Sonneberg].

[175] MAHNKE, Schlösser und Burgen I, S. 84f.

[176] ENGERISSER, Von Kronach, S. 400.

[177] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[178] Straßburg [Strasbourg, Dép. Bas-Rhin].

[179] Mannheim; HHSD VI, S. 501ff.

[180] Sachsenhausen, heute Ortsteil von Frankfurt/M., HSSD IV, S. 126ff.

[181] Doppelhaken: auch Hakenbüchse: Der Haken war ein bis ins 17. Jahrhundert gebräuchliches schweres Feuergewehr, mit einem Haken am Schaft, mit dem es auf einem dreibeinigen Gestell befestigt war oder auf die Brüstung aufgelegt wurde, um den enormen Rückstoß abzufangen. Diese Waffen wogen 7,5 bis 10 Kilo, nach anderen Angaben sogar mit bis zu 25 Kilogramm. Damit wurden Ladungen mit je 4 Lot Blei, Doppelhaken bis 400 g, verschossen. Als man diese Hakenbüchsen später auch im offenen Feld verwendete, musste man sie in einer Gabel abstützen. Daher nannte man diese Waffe auch Gabelarkebuse. Die Treffgenauigkeit der Hakenbüchsen war so gering, so dass ihr Einsatz nur auf kurze Distanz oder massiert als Batterie sinnvoll war. Die Haken wurden ihrer Größe nach eingeteilt in Doppelhaken, ganze Haken und halbe Haken. Vgl. die ausführliche Beschreibung unter http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Doppelhaken.html.

[182] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[183] Gustavsburg [Gem. Ginsheim-Gustavsburg, Kr. Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 193.

[184] Butzbach [Kr. Friedberg]; HHSD IV, S. 73f.

[185] Wiesbaden; HHSD IV, S. 465ff.

[186] Vgl. VD 17 23:698486D: „Eygentliche Contrafactur der Statt Sachsenhausen / wie dieselbige von der Keyserischen under Herrn General Wachtmeistern Freyherrn von Lamboy / und Herrn Obristen Kehrauß / mit hülff E.E. Raths zu Franckfurt durch Accord eingenom[m]en worden / den 11/21. Augusti / 1635. Augspurg 1635“.

[187] Höchst [Stadt Frankfurt/M.]; HHSD IV, S. 226ff.

[188] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[189] GEYSO, Beiträge III, S. 52.

[190] Gernsheim [Kr. Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 169f.

[191] Hochheim [Main-Taunus-Kr.]; HHSD IV, S. 225f.

[192] RIECK, Frankfurt, S. 170ff.

[193] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[194] Hausen [Kr. Ziegenhain]; HHSD IV, S. 204.

[195] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 316.

[196] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 318f.

[197] CHEMNITZ II, S. 990.

[198] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[199] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[200] Windecken [Kr. Hanau], HHSD IV, S. 475f.

[201] Steinheim a. Main; HHSD IV, S. 427.

[202] THEATRUM EUROPAUM Bd. 3, S. 664f.

[203] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[204] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[205] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[206] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[207] [Bad] Lippspringe [LK Paderborn]; HHSD III, S. 44f.

[208] Boke [LK Büren]; HHSD III, S. 92f.

[209] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 320f.

[210] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[211] SCHLOTTER, Acta, S. 243.

[212] REBITSCH, Gallas I, S. 154.

[213] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[214] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 242.

[215] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 239: Maximilian I. an Johann von Götz, München, 27.6.1636: Ferdinand von Ungarn habe ihn von Götz‘ geplanter Vereinigung mit Lamboy unterrichtet. Der Festung Hanau, der sich der Feind nähert, müsse geholfen werden. Er zweifle nicht, dass Götz sich gegen den Feind in Marsch setzen und zu Lamboy, der 12.000 Mann bei sich habe, stoßen werde. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 241: Ferdinand von Ungarn an Johann von Götz, Donauwörth, 28.6.1636: Falls sich Wilhelm V. von Hessen-Kassel und der schwedische Marschall Leslie mit ihren Truppen gegen Sachsen und Magdeburg in Marsch setzen wollten, solle er mit seinen Abteilungen sofort ausrücken und den Feind auf jede nur mögliche Weise beunruhigen.

[216] Artois (ndl. Artesië; dt. auch Artesien), frühere Provinz im Norden Frankreichs. Artois liegt im Inneren des Département Pas-de-Calais, dessen westlicher Teil das frühere Boulonnais bildete.

[217] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 242.

[218] Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.

[219] Verdun-sur-le-Doubs [Frankreich, Dép. Saône-et-Loire].

[220] Franche-Comté (deutsch: „Freie Grafschaft“, gemeint ist die historische „Freigrafschaft Burgund“; vgl. KÖBLER, Historisches Lexikon, S. 97ff.) ist heute eine Region im Osten Frankreichs. Sie besteht aus den Départements Doubs, Jura, Haute-Saône und Territoire de Belfort.

[221] VERNISY, Trientenaire de l’invasion allemande en Bourgogne, S. 24-28.

[222] Lyon [Frankreich, Dép. Rhône].

[223] REBITSCH, Matthias Gallas, S. 155.

[224] Dôle [Frankreich, Dép. Jura].

[225] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 291.

[226] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[227] Naila [LK Hof]; HHSD VII, S. 492.

[228] KLUGE, Hofer Chronik, S. 112. „ein trefliches fach“, in ironischer Bedeutung: ein schöner Fang.

[229] Vgl. WEBER, Würzburg und Bamberg.

[230] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 432.

[231] Rheinfelden (Baden) [LK Lörrach]; HHSD VI, S. 659.

[232] Birkenfeld [Enzkreis].

[233] Nach dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart leider ohne weitere Bezeichnung zitiert.

[234] Ensisheim [Anze, Dép. Haut-Rhin].

[235] Laufenburg/Baden [LK Waldshut]; HHSD VI, S. 455f.

[236] KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 78.

[237] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.

[238] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[239] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.

[240] Saaz [Žatec]; HHSBöhm, S. 535ff.

[241] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.

[242] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[243] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S. 133f.

[244] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[245] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[246] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 759.

[247] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[248] Eitze, heute Stadtteil von Verden [LK Verden].

[249] Verden [LK Verden]; HHSD II, S. 464ff.

[250] SCHLOTTER, Acta, S. 286.

[251] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 948.

[252] Mühlheim a. d. Ruhr; HHSD III, S. 532ff.

[253] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 644.

[254] Essen; HHSD III, S. 213ff.

[255] Recklinghausen; HHSD III, S. 625f.

[256] Lünen; HHSD III, S. 486f.

[257] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 647.

[258] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 648 a.

[259] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 724.

[260] Blomberg [LK Detmold]; HHSD III, S. 86f.

[261] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 727.

[262] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 728.

[263] Rheinfelden (Baden) [LK Lörrach]; HHSD VI, S. 659.

[264] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.

[265] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 945.

[266] Das entsprach nach der Wiener Verrechnungsart ca. 100 000 Rt.

[267] Sittard, heute Ortsteil von Rheindahlen, Stadtbezirk von Mönchengladbach.

[268] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 944.

[269] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 948.

[270] Dülken [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 179f.

[271] Gladbach [LK Düren]; HHSD III, S. 257f.

[272] Siegburg [Siegkr.]; HHSD III, S. 684ff.

[273] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 67f.

[274] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[275] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 994.

[276] Kalkar [LK Kleve]; HHSD III, S. 374f.

[277] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1027.

[278] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[279] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1034.

[280] Charlemont, heute Ortsteil von Givet an der Maas, Belgien].

[281] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1035.

[282] Lemé [Dép. Aisne].

[283] Diest [Span. Niederlande, h. Belgien]

[284] Fontaine-l’Evêque [Belgien, Provinz Hainaut].

[285] Brügge [Bruges, Span. Niederlande, h. Belgien]

[286] Gent [Gand; Span. Niederlande, h. Belgien].

[287] Huy [h. Belgien, Provinz Lüttich].

[288] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1041.

[289] Sailly-sur-la-Lys [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[290] Arras [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[291] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1052.

[292] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1058.

[293] SCHLOTTER, Acta, S. 319.

[294] Goch [LK Kleve]; HHSD III, S. 260f.

[295] Sonsbeck [LK Moers]; HHSD III, S. 698f.

[296] Xanten [LK Moers]; HHSD III, S. 802ff.

[297] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1103.

[298] BNB XXXI, Sp. 665-667; LEMAN, Richelieu, S. 62: „vêtu à la française et parlant très bien le français il ne pouvait être reconnu comme espagnol“. Eine Biographie dieses interessanten Verbindungsmanns zum kaiserlichen u. bayerischen Hof ist nicht bekannt. Hier müssten die Archivalien im Archiv Générales du Royaume, Bruxelles Secrétairerie d’État et de guerre 560-561: Briefe u. „consultas“ an den Kardinal-Infanten; 645-664; Archivo Historico National, Madrid Sección estado libro 965: Consultas Salamañca-Kardinal-Infant; PARKER, Guide, S. 63; 974-875: Castel-Rodrigo an Salamañca; PARKER, Guide, S. 66, herangezogen werden.

[299] Nidda [Kr. Büdingen], HHSD III, S. 345f.

[300] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.

[301] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[302] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[303] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[304] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[305] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1105.

[306] Trier; HHSD V, S. 372ff.

[307] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[308] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1107.

[309] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 373.

[310] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1109.

[311] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1208.

[312] Noirefontaine [Belgien, Prov. Luxemburg].

[313] Bouillon [Belgien, Prov. Luxembourg].

[314] Bad Kreuznach; HHSD V, 24ff.

[315] Sedan [Frankreich, Dép. Ardennes].

[316] Neufchâteau [Belgien, Prov. Luxemburg].

[317] Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.

[318] Chiers; Fluss in Frankreich.

[319] Douzy [Frankreich, Dép. Ardennes].

[320] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1209.

[321] La Marfée [Frankreich, Dép. Ardennes].

[322] Vgl. VD 17: 1:067088V: „Copia Ihrer Excel. Freyherrn von Lamboj abgangenen Schreibens/ wegen deß zwischen ihme und dem Frantzösischen Mareschal de Chastillon bey Chemerye/ zwo Stund von Sedan/ den 6 Julii/ Anno 1641. geschehenen HauptTreffens : Neben einer Designation der gebliebnen und gefangenen Frantzös: Officier und Soldaten [s. l.], 1641“.

[323] Sedan [Frankreich, Dép. Ardennes].

[324] SCHLOTTER, Acta, S. 345.

[325] Doncherey [Frankreich, Dép. Ardennes].

[326] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1221.

[327] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1229.

[328] Aire-sur-la-Lys [Frankreich; Dép. Pas-de-Calais].

[329] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1233.

[330] Bonn; HHSD III, S. 94ff.

[331] Emmerich [LK Rees]; HHSD III, S. 202f.

[332] Wesel [LK Rees]; HHSD III, S. 773ff.

[333] Koblenz; HHSD V, S. 178ff.

[334] Breill, Haus [Selfkantkr. G.-H.]; HHSD III, S. 117f.

[335] Venlo [Provinz Gelderland].

[336] Roermond [Prov. Limburg, Niederlande].

[337] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1268.

[338] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[339] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[340] Montabaur [Unterwesterwaldkr.]; HHSD V, S. 239f.

[341] Andernach [Kr. Mayen]; HHSD V, S. 12f.

[342] Neuss; HHSD III, S. 556ff.

[343] Oedt [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 585f.

[344] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.

[345] Linn [Stadtkr. Krefeld]; HHSD III, S. 468f.

[346] Uerdingen [Stadtkr. Krefeld]; HHSD III, S. 725.

[347] Hülchrath [Gem. Neukirchen, LK Grevenbroich]; HHSD III, S. 352.

[348] Liedberg [LK Grevenbroich]; HHSD III, S. 462f.

[349] Kaiserswerth [Stadt Düsseldorf]; HHSD III, S. 371f.

[350] Süchteln [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 711ff.

[351] Essen; HHSD III, S. 213ff.

[352] Geldern [LK Geldern]; HHSD III, S. 245ff.

[353] Die Erft ist ein knapp 107 km langer linksseitiger bzw. südwestlicher Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen.

[354] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[355] Hüls [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 353f.

[356] Wallach, heute Ortsteil von Rheinberg [Kr. Wesel].

[357] Euskirchen [LK Euskirchen]; HHSD III, S. 220f.

[358] Erkelenz [LK Erkelenz]; HHSD III, S. 208f.

[359] Linnich [LK Jülich]; HHSD III, S. 470ff.

[360] Emmerich [LK Rees]; HHSD III, S. 202f.

[361] Aachen; HHSD III, S. 1ff.

[362] Kaiserswerth [Stadt Düsseldorf]; HHSD III, S. 371f.

[363] Langst-Kierst, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[364] Ilverich, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[365] Nierst, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[366] Lank-Latum, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[367] Strümp, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[368] Osterath, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss]

[369] Mehr [LK Kleve]; HHSD III, S. 501f.

[370] Roermond [Prov. Limburg, Niederlande].

[371] Fischeln, heute Stadtbezirk von Krefeld.

[372] Seit 1970 Tönisvorst [Kr. Viersen]

[373] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 72ff.

[374] Fischeln, heute Stadtbezirk von Krefeld.

[375] WILMIUS, Chronicon, S. 123.

[376] KRAUS, Maximilian I., S. 260; GONZENBACH, Erlach Bd. 2, S. 182ff.

[377] Vgl. Georg v. Hessen-Darmstadt an Adrian von Enckevort wegen Sammlung der Lamboyschen Soldaten; Kopie; ders. an M. v. Hatzfeldt: Bitte um Verschonung seines Landes angesichts der flüchtenden Lamboyschen Soldaten, März 1642; Schönstein-Archiv Nr. 63; ENGELBERT, Hatzfeldt, 90f.

[378] Statní oblastní archív v Zamrsku Rodinný archiv Piccolominové 29.912 (Ital. Original): Alessandro Borri an Piccolomini, Wien, 1642 II 19.

[379] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[380] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1274.

[381] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1278.

[382] ENGELBERT, Hessenkrieg, S. 95.

[383] Vgl. GOLDSCHMIDT, Lebensgeschichte des Kardinalpriesters Franz Wilhelm Grafen zu Wartenberg.

[384] APW III C 3/2, S. 860. Gemeint war hier sein Abzug zur Belagerung Erfurts im Oktober 1641 auf Befehl Leopold Wilhelms.

[385] ENGLUND, Verwüstung, S. 275.

[386] 21.2./3.3.1638: Doppelschlacht bei Rheinfelden: Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar schlägt die Kaiserlichen unter Savelli und Johann von Werth. Sperreuter, Werth und Savelli geraten in Gefangenschaft.

[387] Wittstock [Kr. Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff. 24.9./4.10.1636: Schwedische Truppen (9150 Berittene und 7228 Infanteristen) unter Johan Banér schlagen die kaiserlich-sächsischen Truppen (9000 Berittene und 9000 zu Fuß) unter Melchior von Hatzfeldt. Dadurch konnten die schwedischen Kontributionsgebiete wieder ausgeweitet werden; Banér hatte bewiesen, dass mit Schweden als Militärmacht in dieser Kriegsphase wieder zu rechnen war. Vgl. Eigentlicher Verlauff Des Treffens bey Wittstock / etc. vorgangen den 4. October / 24. September 1636 [VD17 23.313240S]. Vgl. die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; MURDOCH; ZICKERMANN; MARKS, Battle of Wittstock; ferner HÖBELT, Wittstock; HEßELMANN, Simpliciana XXXIII.

[388] Linz, 1645 I 10; RUPPERT, Kaiserliche Politik, S. 379f. (Übers.): Und durch diese Mittel ist Ew. Maj. über die hohe Würde der Herrschaft hinausgelangt und muss durch eben jene Mittel die schon weggenommene Krone bewahren.

[389] Vincennes [Dép. Val-de-Marne].

[390] LAHRKAMP, Bönninghausen, 323.

[391] Nach ADB Bd. 17, S. 561; NDB Bd. 13, S. 441: 25.000 Kronen.

[392] GONZENBACH, Erlach Bd. 2, S. 321. Vgl. WASSENBERG, Florus, S. 539: „Damahliger zeit ist der hiebevor von den Frantzös-Weimarischen gefangene Keyserliche vornehme Kriegesbeampter / Freyherr von Lamboy auß seiner Gefängnuß im Wald von Vicennes frey gelassen worden / doch also / daß er zuvor auß seinen eigenen Mitteln 25000 Cronen zum Lösegeld bezahlen müssen“. Krone: „nach der Frankfurter taxordnung von 1623 war die welsche crone 2 fl., spanische und französische crone 2 fl. 4 kr., silberkrone 1 fl. 44 kr“ [DWb].

[393] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[394] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[395] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[396] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.

[397] Venlo [Provinz Gelderland; Niederlande].

[398] Rheinbach [LK Bonn]; HHSD III, S. 634ff.

[399] Meckenheim [LK Bonn]; HHSD III, S. 499f.

[400] Ahrweiler; HHSD V, S. 2.

[401] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.

[402] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[403] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 93ff.

[404] Neuss; HHSD III, S. 556ff.

[405] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[406] Aachen; HHSD III, S. 1ff.

[407] SCHLOTTER, Acta, S. 426.

[408] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 500.

[409] Mardyck [Festung; Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Nord]

[410] Lincke: nicht identifiziert.

[411] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[412] Dünkirchen [Dunkerque, Span. Niederlande; h. Frankreich, Dép. Nord]

[413] Formen: nicht identifiziert.

[414] Borburg: nicht identifiziert.

[415] Gravelingen [Gravelines, Span. Niederlande, heute Frankreich, Dép. Nord]

[416] WASSENBERG, Florus, S. 628f.

[417] Tirlemont [Belgien; Prov. Brabant]

[418] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[419] WASSENBERG, Florus, S. 657f.

[420] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[421] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 918.

[422] Desseneer, vermutlich Ort bei Kortessem [Prov. Limburg].

[423] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1046.

[424] Vechta [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[425] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1048.

[426] Armentières [Span. Niederlande; h. Frankreich; Dép. Nord].

[427] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1070.

[428] Emsland; HHSD II, S. 139f.

[429] Meppen; HHSD II, S. 327f.

[430] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[431] Otto Christoph von Sparr, der Stellvertreter Holzappels ! Das sollte man doch wohl wissen.

[432] Esterwegen [Kr. Aschendorf-Hümmling], HHSD II, S. 145f.

[433] SCHÜPP, Amt Meppen, S. 153f.

[434] Rheine [LK Steinfurt]; HHSD III, S. 637f.

[435] Detmold [LK Detmold]; HHSD III, S. 156ff.

[436] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S.133.

[437] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[438] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[439] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 134.

[440] Northeim; HHSD II, S. 353f.

[441] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 134f.

[442] Windeck [Gem. Dattenfeld, Siegkr.]; HHSD III, S. 788.

[443] Nideggen [LK Düren]; HHSD III, S. 561f.

[444] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[445] Geseke [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 253f.

[446] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[447] Lippstadt [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 474f.

[448] Erwitte [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 210f.

[449] Soest [LK Soest]; HHSD III, S. 692ff. Gemeint ist hier natürlich die Soester Börde, und nicht wie angegeben „vermutl. Senner Heide südl. am Teuteburger Wald“ !, wie SCHLOTTER, Acta, S. 487, Anm. 2, annimmt.

[450] SCHLOTTER, Acta, S. 487f.

[451] SCHLOTTER, Acta, S. 489.

[452] Breitenbend, unter Linnich [LK Jülich]; HHSD III, S. 471.

[453] Grevenbroich [LK Grevenbroich], HHSD III, S. 265f.

[454] Zons [LK Grevenbroich]; HHSD III, S. 811f.

[455] WILMIUS, Chronicon, S. 161.

[456] Grevenbroich [LK Grevenbroich], HHSD III, S. 265f.

[457] SCHLOTTER, Acta, S. 490.

[458] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[459] WAGNER, Pforr, S. 174.

[460] Vgl. VD 17 12:630183L: „Warhafftige Relation, deß blutigen Treffens / zwischen dem Keyserlichen Feldmarschalck Freyh. von Lamboy / und Fürstlichen Hessen-Casselischen General Leutenant Johann Geysso / bey Wevelinhoven im Fürstenthumb Gülich den 4. [-] 14. Jun. Anno 1648. vorgangen / darinn die Hessischen Victorisirt / und die Keyserischen daß Feld zu raumen gezwungen [s. l.], 1648“.

[461] Landau a. d. Isar [LK Landau]; HHSD VII, S. 384f.

[462] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1162.

[463] Biebrich [Wiesbaden-Biebrich]; HHSD IV, S. 49f.

[464] Fronde: „(deutsch: die Schleuder) wird eine komplexe Abfolge von Aufständen und Bürgerkriegen bezeichnet, die Frankreich zwischen 1648 und 1653 erschütterten. Kontext war der seit 1635 offen ausgetragene Krieg gegen Spanien und die Habsburger, der mit wechselndem Glück das Königreich erschöpfte, sowie die Regentschaft Annas von Österreich, während der die Königsmacht geschwächt wurde. Gemeinhin wird zwischen zwei Phasen unterschieden: die fronde parlementaire (1648–1649), während der das Parlement, (das heißt die Versammlung der Pairs) von Paris, die Stadt Paris selbst und Teile des Volkes sich gegen die Kriegssteuererhebung und für ein stärkeres Mitspracherecht des Parlements erhoben; die fronde des princes (1650–1652), durch die die „Prinzen von Geblüt“ versuchten, Einfluss über die Regierung der Regentin auszuüben“. [wikipedia]

[465] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1185.

[466] SCHLOTTER, Acta, S. 492.

[467] Kaiserswerth [Stadt Düsseldorf]; HHSD III, S. 371f.

[468] Halberstadt [LK Harz]; HHSD XI, S. 169ff.

[469] proposition: Vorhaben.

[470] SCHLOTTER, Acta, S. 493.

[471] ADB Bd. 17, S. 563.

[472] MEIERN, APW VI, S. 651. Am 6./16.2.1649 waren die Urkunden in Münster ausgetauscht worden; LORENTZEN, Schwedische Armee, S. 157. Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1263, S. 404: Lamboy an Piccolomini, Köln, 1649 VI 17: Der französischen Haltung sei klar zu entnehmen, dass ihre Empfindungen nur auf eine Verlängerung des Krieges zielen u. dass sie bei den Verhandlungen nur Zeit gewinnen wollen, da ihr eigenes Haus brennt. Wenn die Spanier diese schwierige Lage nutzen wollten, müssten sie militärische Erfolge erringen, u. das Ergebnis könnte ein Universalfrieden werden.

[473] Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1271, S. 406: Blumenthal an Piccolomini, Köln, 1649 IX 18.

[474] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1263.

[475] ADB Bd. 17, S. 563f.

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Heister [Heuster], Arnold von

Heister [Heuster], Arnold von; Obrist [ -nach 2.11.1642 bei Breitenfeld] Arnold von Heister [„jung-Heister“][ -nach 2.11.1642 bei Breitenfeld] stand als Generalauditor,  Obristleutnant und Obrist in kaiserlichen Diensten.

Ein Heister war 1622 Offizier unter Anholt und lag in Altenbüren,[1] Ostwig,[2] Nuttlar[3] und Hüsten.[4] Möglicherweise handelte es sich bei ihm auch um den Kapitän Heyßter, den das Paderborner[5] Sitzungsprotokoll vom 1.10.1625 erwähnt: „Dem gogreben und capitein Heyßter zu befhellen, das sie an allen embtern unnd gillden publiciren und verbieten das derselbe welcher die pest in den heusern hat, sich einheimisch verhalten und anderer gesunder leute conversation vermeiden sollen. Werde jemandt ins feldt seiner gelegenheit sich begeben müssen, derselbe soll m[it] einem weißen stockh außgehen“.[6]

Rötger von Plettenberg wurde wie Felipe de Carrasco und Generalauditor Heister, der in Lübbecke weilte,[7] im Januar 1639 vom Transport kaiserlicher Gefangener von Minden[8] nach Wiedenbrück[9] informiert.[10] Im März war er in Dortmund[11] und kümmerte sich um die Abgabe bei Pferdetransporten.[12] Aus Königsaal[13] berichtete er im September Melchior von Hatzfeldt über Plünderungen, die neutrale Haltung der Landgrafschaft Hessen-Kassel sowie den Abmarsch generalstaatischer Truppen von Rheinberg[14] nach Bergen-op-Zoom.[15]

Im Juni 1641 war er zusammen mit Dr. Lohausen bei der Vernehmung des auf dem Ehrenbreitstein[16] arrestierten Obristen Leittersam wegen dessen unkriegerischen Verhaltens bei der Übergabe Vechtas.[17]

Er stand als Obristleutnant in kaiserlichen Diensten unter dem Befehl Lamboys, als er am 17.1.1642 in der von den Kaiserlichen verlorenen Schlacht gegen Kaspar von Eberstein und Guébriant bei Kempen[18] in Gefangenschaft geriet.

Im März und April 1642[19] saß er noch mit Lamboy und Mercy in Neuss[20] im Gefängnis, konnte aber trotzdem seine Beobachtungen dem kaiserlichen Kommandierenden Melchior von Hatzfeldt mitteilen.[21] „Durch das siegreiche Vordringen verstärkten die Verbündeten ihre Truppenkontingente wesentlich. Schon im Februar 1642 meldete Wolfgang Wilhelm [von Pfalz-Neuburg; BW] dem Kaiser, eine große Anzahl von Soldaten, Pferden und Ausrüstungsgegenständen sei den Feinden in die Hand gefallen und die Armeen um viele Tausende verstärkt worden. Sogar Kaiserliche und Spanier seien zu den Hessen übergelaufen, da sie alles im Überfluß besäßen. Wenige Tage später unterrichtete Hatzfeldt den Kaiser, die Verbündeten besäßen nun 7-8000 Pferde, da ihnen ‚das Volk bei diesem Glück zulaufen thut‘. Heister bestätigte im März aus Neuß diese Angaben und schätzte die Zahl der Reiter auf mindestens 6000, während sich jede Brigade um 100 Mann vermehrt habe“.[22]

„Im April und März 1642 wurde Hatzfeldt häufig aus Neuß mit Nachrichten über die Pläne der Verbündeten und mit entsprechenden Gegenvorschlägen versorgt. So wurden die Kaiserlichen über Spannungen zwischen Guébriant und Eberstein, die sich bewußt mieden, unterrichtet, mangelndes Vertrauen der Franzosen gegenüber den Hessen veranlasse sie, jenen keine weitere weiteren Quartiere zu geben. Zugleich meldete Heister, vier Regimenter seien in Frankreich eingeschifft, auch die Holländer wollten vier Regimenter zur Verfügung zu stellen, Ludwig XIII. habe befohlen, ‚den Niederrheinstrom keineswegs zu quittieren und deren Ends sich möglichst zu manutenieren‘. Man fühlte sich in Neuß sehr sicher auf Grund der Siege und Erfolge der letzten Wochen: ‚Sie meinen jetzt, der Himmel hänge voller Geigen‘. Ob dieses Hochmuts bei den Verbündeten dürfe man auf kaiserlicher Seite keine kostbare Zeit verlieren, man solle sich beeilen, vor dem Eintreffen der zu erwartenden Verstärkung an Soldaten, Material und Geld die Initiative wieder an sich zu ziehen. Einen genauen Plan unterbreitete Heister dem kaiserlichen General und schlug ihm vor, die gesamte Kavallerie einschließlich der Infanterie und Dragoner in einer Nacht zwischen die Quartiere zu schieben. ‚Ehe der Feind advertiert wäre, würde die Viktorie zwischen einem weit und breit separierten Feind beinahe gewiß sein, der gräuliche und überflüssige Troß der gemeinen Soldaten keine geringe geringe Konfusion machen. Auch wenn sie schon nacher dem Hauptquartier Neuß zum Fußvolk und Artillerie ihre Retirada – welche sie dem Vermuten nach durch Kaster[23] und Bedburg[24] tun werden – nehmen wollten, würde gesagter Troß in großer Gefahr sein, schwerlich fortzubringen und mehrenteils hinterbleiben müssen, unseren dismuntierten Reitern zum Besten. Hierzu würde noch mehrere Sicherheit verursachen, wann die Spanier 1000 oder 2000 Reiter samt ohngefähr 1000 Musketieren in fertiger Bereitschaft hielten, welche zu prefigierter Zeit und Ort durch Jülich[25] zu den Unseren in Eil stoßen könnten. Noch mehrere Sicherheit wäre, wenn kaiserliche oder bayerische ankommende Regimenter den Mehrenteil ihrer Reiterei voranschickten und straks ohn Verliehrung einiger Zeit nach beschehener Konjunktion mit den Unserigen gerade zwischen Neuß und obspezifizierte Quartieren marschieren‘. Selbst über die zu erwartenden Kriegszüge der Verbündeten hatten sich die Gefangenen Nachrichten zu verschaffen vermocht: ‚Des Feinds Intention belangend, ist einmal keine andere, als die Orter notturftiger Weis mit denen überlassenen statischen Völkern, deren ihrem Vorgehen nach 4000 sein sollen – oder aber mit den Hessen besetzt zu hinterlassen … Und auf Fall, sie sich ganz und gar zu retirieren genötiget würden, vermeinen sie jedoch, dero kaiserliche und bayerische Armee so viel Negotien zu schaffen, daß dieselben gegen ihnen empechiret bleiben und dem verlorenen kölnischen Lande nicht succurieren, sondern die hinterlassenen Garnisonen vielmehr sich befestigen, das ganze Land in Kontribution setzen und halten und ein neues Corpo ohne sonderliche Verhindernis errichten mögen. Und solches um soviel leichter, wenn sie sich oben wieder über Rhein begeben, die im Elsaß albereits geworbene und rekrutierte Truppen zu sich nehmen und ihren geradesten Weg in Bayern hinein fortsetzen täten; auf welchen Fall dem Land Bayern und dem Niederrheinstrom oder kölnischen Lande zu gleicher Hand Rettung zu leisten nicht möglich sein würde. Bei welchen Konjunkturen, wann sie einen festen Fuß zu setzen und etliche Festungen zu verfertigen Zeit gewinnen sollten, wäre leichtlich zu schließen, mit was unschätzbaren Kosten hernacher die Rekuperation dieser Lande dieser Lande wiederum zu Wege zu bringen‘. Aus dem gleichen Brief erfuhr Hatzfeldt, daß man aus Essen[26] 1500 Musketen erhalten habe, obwohl die Stadt in kaiserlichem Besitz war. Solingen[27] hatte 300 Degen an die Verbündeten verkauft“.[28]

Er erlitt in der 2. Schlacht bei Breitenfeld[29] schwere Verletzungen und starb kurz darauf.

[1] Altenbüren, heute Ortsteil von Brilon [Hochsauerlandkreis].
[2] Ostwig, heute Ortsteil von Bestwig [Hochsauerlandkreis].
[3] Nuttlar, heute Ortsteil von Bestwig [Hochsauerlandkreis].
[4] SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 120, Neheim-Hüsten [LK Arnsberg]; HHSD III, S. 551f.
[5] Paderborn; HHSD III, S. 601ff.
[6] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 404.
[7] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 257.
[8] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.
[9] Wiedenbrück [LK Wiedenbrück]; HHSD III, S. 782f.
[10] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 134.
[11] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.
[12] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 257.
[13] Königsaal [Zbraslav, Bez. Prag-West]; HHSBöhm, S. 275f.
[14] Rheinberg [LK Moers]; HHSD III, S. 636f.
[15] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 257; Bergen-op-Zoom [West-Brabant].
[16] Ehrenbreitstein [Stadt Koblenz]; HHSD V, S. 86f.
[17] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 53; Vechta [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 461f.
[18] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.
[19] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 54.
[20] Neuss; HHSD III, S. 556ff.
[21] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 91, Anm. 196; ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 156.
[22] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 100f.
[23] Kaster [LK Bergheim]; HHSD III, S. 381f.
[24] Bedburg [LK Bergheim]; HHSD III, S. 57f.
[25] Jülich [LK Jülich]; HHSD III, S. 367ff.
[26] Essen; HHSD III, S. 213ff.
[27] Solingen; HHSD III, S. 696ff.
[28] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 108ff.
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Hagedorn [Hagendorn], Johann [„Clamor“ ?]

Hagedorn [Hagendorn], Johann [„Clamor“ ?]; Rittmeister [ – ] Johann [„Clamor“ ?] Hagedorn [Hagendorn] [ – ] stand als Rittmeister[1] erst in pfalzgräflichen Diensten, dann lief er in kaiserlichen Dienste über.

Sarazin[2] war 1638 Kommandant in Meppen.[3] Die Verhältnisse in der Garnison[4] müssen jedoch recht desolat gewesen sein, zumal was die Befehlsstruktur betraf. Am 11.5.1638 hatte Johann Freiherr von Ketteler,[5] der Kommandant von Rheine,[6] nach sorgfältiger Planung und Vorbereitung durch einen überraschenden Nachtangriff Meppen seiner pfalzgräflich-schwedischen[7] Besatzung entreißen können.

Das „Theatrum Europaeum“[8] beschreibt die Festung und ihre Lage, um dann auf die Bedeutung für die Pfälzischen und den Angriff im Einzelnen einzugehen: „Gedachte Statt Meppen ist in dem Embser-Landt / an beyden daselbsten ineinander fliessenden Schiffreichen Wassern / Embs und Hase gelegen / von Kunst und Natur zu einer gewaltigen Vestung erbawet / und darumb desto mehr versichert / weil es ein Paß und gleichsamb der Schlüssel zu Frießland ist. Dannenhero besagte Statt und Vestung / in kurtz verflossenen Jahren von unterschiedlich außländischen Nationen besucht / und durch eine General Blocquade von dem Schwedischen Feldmarschalck[9] Knipphausen[10] / bald Absterben der Königl. Majest. zu Schweden / sampt andern Orthen mehr bezwungen worden / welcher jetztgedachte Knipphausen dieselbe / und hernach Herr Gustavus Gustavi Sohn[11] je mehr und mehr bevestiget / die alte Fortificationen nicht allein verbessert / die Gräben erweitert und vermehret / sondern auch mit newerbawten stattlichen Bollwercken[12] und dergleichen Posten außstaffiert / also / daß auß derselben aller offentlicher feindlicher Anlauff leichtlich kann hintertrieben werden. Dann gegen Auffgang der Sonnen ist sie mit einem wässerichten und gantz morassigem Grund umbgeben / darzu mit einem Real-Bollwerck / Gustavus genannt / geziert und verstärcket. Gegen Niedergang derselben ist sie gleichfals / wie gegen Osten / an einem wässerichten Grund gelegen / und nicht allein mit dem newgebawten Bollwerck / so man von seinem Ursprung her / das Schwedische genandt / sondern auch darbey mit den newen Pforten / welche mit einem halben Mond[13] und doppelten tieffen Graben versorgt / allermassen stattlich fortificiert. Gegen Norden kann sie vom Fort Annenberg / und deme aneinander geschlossenen Hornwerck[14] / sampt der Hase-Pforten / und Embser Brücken / allda beyde Ströme zusammen stiessen / genugsamb beschützt werden / wie sie dann auch ferner gegen Suyden / mit beyden stattlichen Bollwercken / ELEONORA und CHRISTINA, sampt den zugwehörigen Wällen und Pallisaden trefflich versichert / welches also vom Situ[15] gedachter Vestung gesagt sey.

Mehr angeregten Platz Meppen / hatte deß abgeleibten Pfaltzgraffen Friederichs[16] sel. Gedächtnuß ältester Sohn Carol Ludwig[17] / gegen Erstattung 60.000 Reichsthaler von der Cron Schweden in seine Devotion gebracht / und weil er (als oben gedacht) entschlossen gewesen / auff Vorschub der Königl. Majestät in Engelland[18] / und anderer Martialischen Favoriten / eine Armee ins Feld zu rüsten / solchen Orth zu seinem Vorhaben bequem erachtet / als dahin er seine meiste Kräften würde ziehen / und von darauß die benachbarte Lande / sonderlich aber das Stifft Münster debandieren[19] können.

Wie nun diesem bevorstehenden Unheil vorzukommen / jedermann in forchtsamer Consideration gestanden / haben Ihre Gn. Käyserl. General Wachtmeister[20] Freyherr von Vehlen[21] / dem gemeinen Catholischen Wesen / und deß Lands Nutzen zum besten ein Mittel ersehen / dardurch man das Vatterlandt auß der Aschen erretten / und die bevorstehende Gefahr abwenden könte: Derohalben ihr Augwerck auff Meppen gericht / und ehe selbiges mit dem newen Pfaltzgräfflichen Volck mehrers erfüllet würde / durch ein Stratagema[22] einzunehmen gute Vorseh- und Anstellung gemacht / zu dem Ende dann dem Herrn Commendanten in Rhenen / Obersten[23] Freyherrn Kettelern / ankündigen lassen / alle mög- und trewliche Kundschafften deßwegen davon einzunehmen / welcher diesem zu Folge / sich darinn fleissig erzeigt / daß er alsobald den an Tag gegebenen Anschlag / durch Hülff deß Rittmeisters Hagendorn / so vor diesem in Meppen gelegē / zu facilitieren[24] / und glücklich zu vollnziehen sich resolviert.

Hierauff haben Ihre Gnaden Herr General Wachtmeister Vehlen / umb mehrer Sicherheit willen / die zu diesem Anschlag nothwendige Instrumenta und Steigleitern verdeckt / und unbekanter weiß von Warendorff[25] auff Rehnen zuführen lassen / von der Stadt Münster[26] auch 200 Mann entlehnt / dieselbe durch unterschiedliche Partheyen / als Convoyers auff Rhenen geschickt: Letztlich / Herrn Obersten Freyherrn Ketteler der Zeit vergewissiget / damit er bey Ankunfft derselben / mit dem meisten theil der Käyserlichen Besatzung zu Rhenen / neben 200. zu Fuß auß der Statt Fürstenaw[27] fertig wäre: die von der Statt Münster entlehnete Soldaten aber zur Guarnison[28] in Rhenen hinterlassen / und er (Herr Oberster Baron Ketteler) inmittelst das Glück auff Meppen versuchen solte / welcher dann diese hochwichtige Impressa[29] auff folgende Manier mit höchstem Ruhm sieghafft zu End geführet.

Demnach er ihme ertheilten Ordre nach die Völcker beysammen gebracht / ist er den 1. 11. May in aller stille und Geschwindigkeit von Münster / Warendorff / Rhenen und Fürstenaw auß in eygener Person auff die Statt Meppen angezogen / bey finsterer Nachts-Zeit durch die Hase gewattet / und hierauff an einem sichern Orth / ohnweit von dem Bollwerck Annenberg und dem Hornwerck gegen Norden zu abgelegen sich nieder gesetzt / das Volck in etwas außruhen / und den mehrern theil der Soldaten / wegen ungestümmen Winds / damit der Anschlag nicht etwa entdecket werde / die Lunten verbergen lassen / hernach sampt etlichen Officierern die Statt selbst recognosciret / die Runten darum mit brennenden Laternen verspührt / und nach dem er der Sachen Beschaffenheit halber mit dem Augenschein sich gnugsamb erkundiget / widerumb zu seinen Truppen sich verfüget / denselben / umb sich zu dem Hauptfall und Einfall der Statt gefast und dapffer zuhalten befohlen / hertzhafft zugesprochen / und der Kayserlichen Pflicht die gesambte Soldatesca erinnert / mit welcher er alsdann nach der Hase-Pforten zu marchirt / zum andern mal durch die Hase gesetzt / und an dem Orth / da die Embs und Hase zusammen stiessen / unter der Losung / Jesus / Maria / die Statt mit allem Ernst angefallen / den Wall bey dem Damm / darauff alle Pallisaden gestanden / attacquirt / die Pallisaden herausser gezogen / erstiegen / und ferner also starck dem Corps de Garde[30] zugeeylet / die allda Wacht haltende Pfältzische Soldaten mehrentheils nieder gemacht / von dar weiter der Hase-Pforten zugeloffen / dieselbe in grosser Fury mit denen zur hand geführten Instrumenten / Exten und Beyheln eröffnet. Darauff seynd die am selben Orth wartende Käyserische Völcker / bestehend in vier Truppen Reuter / und zwey Truppen Mußquetirer[31] mit gantzer Gewalt hinein getrungen / also bald in drey Hauffen sich getheilet / die meiste auff dem Marckte / allda die Pfältzische sich samblen / und Standt halten wollen / zugeeylet / die andere aber inwendig hin und wider nach dem Wall und den Bollwercken geloffen / allda dann es erst recht angangen / die Pfältzische Soldaten mit den Käyserischen also dapffer scharmutziret[32] / daß sich zuverwundern.

Inmittelst haben an der Seyten gegen Suyden bey den Bollwercken Eleonora und Christina etliche commandirte Mußquetirer und Trommelschläger[33] / auff Befehl Herrn Obersten / Freyherrn von Kettler einen falschen und blinden Lärm gemacht / und nachdem sie dieses mit höchster Behendigkeit verrichtet / zugleich auch der ihrigen Ankunfft / das schiessen / ruffen / schreyen und dergleichen / in der Statt vernommen / seynd sie von dar stracks wiederumb zurück nach der Embser Brücken zugelauffen / und an dem Thurn / da die Embs und Hase zusammen stiessen / die Pallisaden herausser gerissen / und den ihrigen die hülffliche Hand gebotten. Nichts desto weniger haben die Pfaltzgräfflichen den Muth nicht fallen lassen / sondern sich dapffer und hertzhafft gewehrt / sonderlich bey denen GUSTAVI und ELEONORÆ Bollwercken wider die Käyserliche zu stehen / sich unterstanden / und hinter den Schantzkörben[34] wacker feuer gegeben / bald aber hernach sich ergeben müssen.

Wie nun die Käyserischen sich der vornehmsten Posten in der Statt bemächtiget / auch deß Marckts / von dar die Pfaltzgräffische auf den Kirchhof gewichen waren / versichert / seynd sie mit gantzer Macht auff den Kirchhof getrungen / und nach grosser allda gefundener Gegenwehr / zuletzt dieselbe also beängstiget / daß sie zu der accommodation[35] schreiten müssen / woselbsten man dan mehrentheil / wie auch den Commendanten Hornecken[36] selbsten gefänglich[37] angenommen.

Demnach aber hernach theils Käyserische Officirer sich deß gefangenen Commendanten halben gezanckt / und ein jeder das Lob darvon tragen wollen / hat derselbe / unangesehen / daß er ein gefangener und disarmirter Mann war / einem Käyserischen Officirer / so seiner gefangenen Person halber mit einem andern gehadert / ein Maulschelle zum gratias[38] geben / worauff er aber vom selben mit dem Degen durchstossen / und also desperat todt geblieben / auch die Statt und Vestung gänzlich übermeistert / und mehr dann 400. Pfaltzgräffliche Soldaten / ausserhalb der Befelchshabern / deren auch nicht wenig gewesen / gefangen / und eine stattliche Beuthe[39] erhalten worden“.[40] Der Historiker Samuel Freiherr von Pufendorf [8.1.1632 Dorfchemnitz-26.10.1694 Berlin] hält dazu fest: „Inzwischen hat der Churfürst von Pfaltz die Stadt Meppe / welche die Königin[41] in Schweden Kniephausen geschencket / von seinen Erben erkaufft / und wolte daselbst seine Armatur / die er durch Hülffe des Königes in England und anderer auffbrachte / zusammen schaffen / auch seine neugeworbene[42] Völcker daselbst versamlen. Selbige Stadt wurde den Kayserlichen überfallen / dazu ihnen ein Schwedischer Uberläuffer Nahmens Hagedorn den Weg zeigete. Denn sie kamen mit den frühesten durch die Hase / und darauff geschwinde auf den Wall / da er am wenigsten befestiget war / der Commendant in der Stadt war der Oberste Horneck / welcher nach Eroberung der Stadt Speyer[43] bey den Schweden in keinem sonderlichen credite stund.[44] Selbiger war gewarnet worden / daß sich der Feind bey Fürstenau zusammen zöge / und war wol selbigen Abend fleißig Runde gegangen / aber nach Mitternacht hatte er sich zu Bette gelegt / die Wachen nicht sonderlich verstärcket / auch nicht die gantze Besatzung munter gemacht. Ob sich nun wohl die Pfältzischen ziemlich wehrten / wurden sie doch von der Menge überwunden / ehe die andern zu Hülffe kamen. Daselbst wurden nun 400. Gemeine[45] / und der Oberste Lieutenant[46] Sarazin nebst andern Officirern gefangen. Hornecken hatte der Kayserliche Officirer Qvartier[47] versprochen / indem er sich aber mit einem andern deßwegen zanckete / gab er ihm aus Desperation eine Ohrfeige / dadurch denn dieser erzürnet wurde / daß er ihm den Degen durch den Leib stieß / der ohne dem vor seine Nachlässigkeit hätte büßen müssen“.[48]

Sarazin selbst machte dabei eine sehr unglückliche Figur, wenngleich der Überfall durch den Überläufer,[49] den Rittmeister Johann Hagedorn, unterstützt worden war: „Die Abtretung des Emslandes an den Pfalzgrafen war unterdessen geschehen, täglich kamen Offiziere an, und das Knyphausische Regiment[50] hatte bereits zu den Fahnen Karl Ludwig’s geschworen. Drohend sprachen die Soldaten ihr Mißvergnügen über diesen Regierungswechsel aus, alle Manneszucht löste sich auf, und der Uebermuth des neuen Kommandanten, des Oberstlieutenants Serasin, der beständig die Besatzung mit blindem Lärm unterhielt, vollendete die Erbitterung der Gemüther. Laut und ungestüm ward Serasin’s Absetzung gefordert, und Obristlieutenant Horneck zum Kommandanten ausgerufen. Inzwischen kamen ununterbrochen frische Truppen aus der Pfalz und England an, die Stadt war mit Soldaten wie überfüllt. Für die Verpflegung wachte der Kommandant auf das sorgfältigste; zur bevorstehenden Ankunft des Pfalzgrafen und seines Bruders Robert[51] wurde im Schlosse aufgeräumt, Milord Gré[52] sollte das Haus des Rentmeisters beziehen. Horneck hatte zugleich einen Plan zur Vergrößerung der Stadt entworfen, nach der Südseite sollte sie erweitert werden, so daß die beiden Hemberge in das Bereich der Mauern träten; auf dem kleinen Hügel sollte für den Pfalzgrafen eine reformierte Hofkirche erbauet werden, die jetzige Pfarrkirche blieb den Lutheranern; auf dem großen Hemberge beabsichtigte man ein Blockhaus und Magazin anzulegen. Die Ankunft des neuen Gebieters ward täglich erwartet, seine Wagen mit Geld und Munition trafen bereits ein. 5. Hagedorn hatte sich nach seiner Entlassung zum General von Velen begeben, und die Vollmacht zur Errichtung einer Schwadron[53] Reiter erhalten. Viele von denen, die früher entlassen waren, sammelten sich jetzt wieder zu des Rittmeisters Fahne. Darauf ward dem General von Velen der Plan zur Eroberung Meppens vorgelegt. Dieser ging auf denselben; denn er kannte die Wichtigkeit des Platzes, und die Nothwendigkeit, ihn vor des Pfalzgrafen Ankunft einzunehmen. An den Kommandanten von Rheine, Obersten von Ketteler, erging alsbald die Weisung, in Stille und Eile möglichst viele Truppen zur Eroberung Meppens zusammenzuziehen.

Horneck bekam von Lingen[54] aus über diese Bewegung Warnungsschreiben. Die Wälle wurden mit doppelter Wache besetzt, jedoch war dieser Schutz zu schwach, weil eben, weil eben der Lieutenant[55] Kornet[56] mit 300 Reitern abwesend war, und der Mangel an Disciplin kaum den fünften Mann auf den Wall kommen ließ.

Es nahete die verhängnißvolle Nacht des ersten Mai’s; die Kaiserlichen, 370 Mann zu Roß und 850 zu Fuß, zogen von Fürstenau heran, Hagedorn mit seinen Reitern unter ihnen; hinter Koldenhove[57] setzten sie durch die Hase, am rechten Ufer derselben im Sande ward Halt gemacht; sie banden nun zum Kennzeichen in dem Dunkel der Nacht ein weißes Tuch um den Arm, und bereiteten sich durch reuiges Gebet zum Sturme vor. Eine Laterne, vom Walle herüberleuchtend, (der Kommandant untersuchte die Wachen,) hätte bald den Muth gelähmt, indem sie Verrath und vorbereitete Abwehr befürchteten. Das Licht entfernte sich wieder, es blies ein schauriger Nordwind, die Thurmglocke schlug Ein. Jetzt ging es vorwärts, Sturmleitern und schwere Hämmer zum Sprengen der Thore voran; Punder Jürgen,[58] ein Hümmlinger[59] und Riese an Leib und Muth, war der erste im Zuge. Unter der Hornschanze wurde die Hase durchwatet, die Wache, ein und zwanzig Mann stark, merkte nichts, und floh nachher bei dem ersten Schusse davon. Die größte Arbeit bot der tiefe Graben und hohe Wall der Festung, Punder Jürgens Muth besiegte das Hinderniß; er hieß seine Begleitung zwischen Hase und Graben zurückbleiben, stieg dann selbst in den Graben hinab, und am entgegengesetzten Walle wieder herauf; als die Schildwache am Schlosse, in dessen Nähe die pfälzische Leibgarde lag, das Geräusch hörte und rief, antwortete Jürgen mit vieler Geistesgegenwart: ‚Schweig‘ doch, fisch‘ ja nur, sollst dein‘ Portion schon haben !‘ ruhig trat der kühne Hümmlinger dann in die Wache, als begehre er Feuer, und streckte die begleitende Schildwache nieder. Punders Genossen, die unterdessen nicht zurückgeblieben waren, tödteten die übrige Wache, eilten schnell zur Hasepforte, haueten hier vier Wächter nieder, sprengten das Thor, löseten die Fallbrücke, so daß die ungeduldigen Krieger in die Stadt strömen konnten. Die Wache an der Emsbrücke feuerten die Kanonen gegen das Hasethor ab, und lief davon. Während auf dem Strietfelde sich der Kampf entwickelte, drang eine Abtheilung der Kaiserlichen bis zur Hauptwache vor, und drückte die Schweden bis zum Rathhause zurück. Die Offiziere, sogar der auf der Hauptwache, lagen in tiefem Schlummer, und meinten beim ersten Erwachen, daß man ihnen zu Ehren die am Vorabende errichteten Maibäume beschösse, wurden aber bald des schrecklichsten Irrthumes gewahr. Am lebhaftesten war das Gefecht am Rathhause, wo Horneck mit den Seinigen wie ein Verzweifelnder kämpfte, und zuletzt von der Uebermacht besiegt und gefangen ward. In demselben Augenblicke ließ der Oberste von Ketteler hinter der Kirche die Trommel rühren; die Schweden glaubten sich im Rücken angegriffen, flohen nach dem Kirchhofe zurück, der ihnen zu einer Art Citadelle diente, wohin auch Horneck eilte, der sich unterdessen aus den Händen der Feinde wieder losgewunden hatte. Alle Kräfte wandten sich jetzt gegen diesen letzten Punkt, und schnell war der Kirchhof mit Sturm genommen. Horneck wurde hier zum andern Male gefangen, und weil er keine Begnadigung wollte, erschossen. Das Ganze hatte zwei Stunden gewährt, um drei Uhr war alles vollendet. Die Besatzung zählte 40 Todte, unter diesen Hauptmann[60] Schwarte[61] und ein Lieutenant; die Zahl der Verwundeten und Gefangenen betrug 640 Mann“.[62]

„An diesem Ereignisse nahmen die Bürger, die sich ruhig in ihren Wohnungen zurückhielten, keinen thätigen Antheil, nur äußerten sie ihre Freude über die Rückkehr unter die beschöfliche Herrschaft. Diese erste Feude ward jedoch auf der Stelle entsetzlich getäuscht; die Sieger eröffneten nämlich Gräuelszenen, als hätten sie Magdeburg erstürmt. Die Thüren der geschlossenen Häuser werden mit Gewalt gesprengt, es beginnt ein wildes Plündern, Rauben und Mißhandeln der ruhigen Einwohner, daß an Menschlichkeit kein Gedanke mehr ist. Fünfzig der rohesten Söldlinge dringen in die Wohnungen der reichsten Bürger, welche die Gefangenen zeigen müssen, rauben alle Kostbarkeiten, schleppen das übrige Bewegliche aus den Häusern auf die öffentlichen Plätze, werfen die Lebensmittel auf die Gassen, ziehen die Zapfen aus den Fässern, reißen die Kleider den Menschen vom Leibe, und wüthen gegen die friedlichen Hausleute auf die empörendste Weise. So dauerte es fünf Stunden, da erst befahlen die Trommeln Schonung, allein umsonst; erst am Nachmittage, wo nichts mehr zu finden war, trat etwas Ruhe ein; da eilte dann die Soldateska aus den Thoren, und raubte die Pferde aus den Weiden.

Die Beute für die zügellosen Söldlinge war um so ergiebiger, weil die Landleute durch den vorjährigen hessischen Raubzug gewarnt, ihre Habe großentheils in die Festung gebracht hatten, um sie gegen ähnliche Ueberfälle gesichert zu [ha]ben. Dieses Alles ging verloren. Die Güter, welche die Erben Knyphausen noch auf dem Schlosse hatten, wurden ebenfalls eine gute Prise für die Plünderer; das Geld, welches von dem Pfalzgrafen vorausgeschickt war, theilten sich die Offiziere. Diese waren der Eroberung recht vergnügt, und äußerten, ‚daß sie manche reiche und große Stadt erobert, geplündert und an ihr Kriegsrecht geübt hätten, doch übersteige die Beute von Meppen alles übrige‘; mancher gemeine Kriegsknecht raubte sich an die 200 Thaler zusammen. An Munition und Proviant war in der Stadt nicht gezählter Vorrath. Die Gefangenen, welche Neutralität gelobten, wurden entlassen“.[63]

Die Generalstaaten hatten das Amt Meppen[64] für den Pfalzgrafen Karl Ludwig gekauft. „Am 27. März 1638 wurde die Festung Meppen deshalb an pfalzgräfliche Truppen übergeben. Aber die militärische Initiative lag nun vor allem auf Seiten der kurfürstlichen Truppen. Vor allem die von Alexander von Velen geführten Soldaten bestimmten das Kriegsgeschehen im Emsland. Sie hatten den Auftrag, das von Schweden besetzte Gebiet zurückzuerobern. In einem Überraschungsangriff konnte als erstes die Festung Meppen am 11. Mai 1638 erobert werden, die man mit 150 Mann Fußtruppen sowie 100 Reitern besetzte. Dies unterstreicht einmal mehr die Schlüsselstellung Meppens im Emsland. Das Kriegsgeschehen änderte sich aber auch nach der Eroberung Meppens nicht wesentlich. Die Berichte über einzelne Gefechte zwischen kaiserlichen, hessischen und pfalzgräflichen Truppen zeichnen ein Bild, das von Eroberung, Rückeroberung, kleineren Überfällen geprägt ist. Die Truppen Alexanders von Velen konnten sich jedenfalls halten und schlugen verschiedene Versuche pfalzgräflicher Einheiten zurück, Meppen zurückzuerobern. Vor allem von Haselünne[65] aus versuchten diese durch häufigere kleinere Angriffe die Festungsbesatzung zu zermürben. Diese unternahm aber unter dem Kommando des Rittmeisters Hagedorn selbst erfolgreiche Ausfälle und verwickelte die angreifenden feindlichen Truppen in mehrere Gefechte. So gab es beispielsweise ein mehrstündiges Musketengefecht, an dessen Ende die versprengten feindlichen Truppenteile flohen. Im Laufe dieser Auseinandersetzung im September 1638 eroberte Hagedorn Haselünne und konnte die Stadt halten. Der Feind zog sich jedenfalls zurück. Es wurden ein Korporal,[66] sieben pfälzische Reiter und zehn Pferde bei dieser Aktion gefangen genommen. Der Kommandant der Festung Meppen von Ketteler forderte im Zusammenhang mit diesen Gefechten zusätzlich 1.000 Mann Reiter- und Fußtruppen an, mit denen er den Feind endgültig schlagen wollte. Diese Truppen konnten aber nicht zur Verfügung gestellt werden. Noch behielt man allerdings mit dem vorhandenen Potential die Oberhand und konnte beispielsweise einen Angriff der pfalzgräflichen Truppen auf die Meppener Mühle mit 50 Musketieren zurückschlagen. Auch Haselünne wurden weiterhin gegen feindliche Angriffen verteidigt“.[67]

In den „Gravamina“ Meppens vom 11.10.1639 an Kurfürst Ferdinand von Köln[68] hieß es, die Kompanie Hagedorns habe in acht Wochen Aufenthalt an Essen und Trinken 2.200 Rtlr. Kosten verursacht.[69]

Hagedorn berichtete Melchior von Hatzfeldt[70] im Dezember 1638 aus Vörden[71] über das Misstrauen gegenüber den unter Derenthal[72] dienenden schottischen und englischen Söldnern.[73] Im Januar 1639 sollte anscheinend das Kommando zwischen Hagedorn und Derenthal aufgeteilt werden.[74]

Koch[75] war kaiserlicher Obristwachtmeister[76] und Kommandant auf Burg Plesse.[77] Im Dezember 1638 berichtete er von der durch die hessen-kasselische[78] Belagerung herrschenden Hungersnot. Er bat um den Abzug seiner Garnison wegen der Aussichtslosigkeit der Lage und kam um seinen Abschied ein, der jedoch nicht gewährt wurde.[79] Er geriet in diesem Monat in Gefangenschaft und bat von Lemgo[80] aus um seine Freilassung. Hagedorn schrieb an den Obristleutnant Kurt Koch,[81] den Kommandanten von Lemgo, die Ranzion[82] an Johann Mönch, einen Bürger aus Lemgo, zu zahlen.[83]

Möglicherweise handelt es sich bei Hagedorn um den ehemaligen LeutnantClamor“ Hagedorn im schwedischen Reiterregiment Knyphausen, der 1634/35 zusammen mit Derendahl unter Obristleutnant Johann von Lixfeld[84] gedient hatte.[85]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[2] Louis [Louys, Ludwig, Johann] v. [de] Sarrazin [Sarazin, Sarazino, Sarazini, Saracini, Serasin, Zarazin, Garazin, Caracui] [29.2.1596 Genf-11.10.1645 Leipnik], schwed. Obrist. ZIRR, Die Schweden, S. 471f.

[3] Meppen [LK Emsland]; HHSD II, S. 327f.

[4] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[5] Johann Freiherr v. Ketteler u. zu Berge, Herr zu Assen [ -Januar 1644 ?], ksl. Obrist u. Drost v. Sassenberg.

[6] Rheine [LK Steinfurt]; HHSD III, S. 637f.

[7] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[8] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[9] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk, dän. feltmarskal]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[10] Dodo I. Freiherr v. Knyphausen u. Innhausen [2.7.1583 Lütetsburg (Ostfriesland)-11.1.1636 bei Haselünne], braunschweigischer Obrist, Feldmarschall. Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[11] Gustaf Gustafsson af Vasaborg [24.4.1616 Stockholm-25.10.1653 Wildeshausen], 1637 greve af Vasaborg), ab 1647 greve af Nystad, unehelicher Sohn Gustavs II. Adolf, schwedischer Heerführer, Reichsrat, 1633 bis 1648 Administrator des Hochstifts Osnabrück.

[12] Bollwerk: Zweck eines solchen Bollwerks war es, den Raum unmittelbar vor dem Wall, den die Verteidiger von der Brustwehr aus nicht einsehen können, seitlich bestreichen zu können. Bollwerke sind also der flankierende Teil eines Festungswalls und besitzen in einer neuzeitlichen Festung somit die gleiche Funktion wie die Türme einer antiken oder mittelalterlichen Stadtmauer. Der Ausdruck Bollwerk war in der Fachterminologie des (deutschen) Festungsbaus nicht an eine ganz bestimmte Bauform gebunden, sondern konnte als Synonym zu Bastion, Bastei oder Rundell (Rondell) oder einem anderen flankierenden Bauwerk gebraucht werden [Wikipedia]

[13] Halbmond oder Demi-lune: Ein im Graben vor einer Bastion errichtetes, aus zwei Facen bestehendes Außenwerk. Sein Grundriss ähnelt dem des Ravelins, doch ist seine Kehle halbmondförmig [wikipedia].

[14] Hornwerk: hornförmige Befestigungsanlage. Als Hornwerk wird eine in den Graben vorgeschobene bastionierte Front bezeichnet, die zu den Außenwerken einer frühneuzeitlichen Festung zählte. Es bestand aus zwei mit einer Kurtine verbundenen Halbbastionen, die durch lange Flanken eingefasst wurden. Der Kurtine konnte ein Ravelin vorgelegt sein. Vom Hornwerk zu unterscheiden ist das Kronwerk, welches sich aus mindestens zwei bastionierten Fronten zusammensetzte. Hornwerke kamen im späten 16. Jahrhundert als Element der altniederländischen Befestigungsmanier auf und wurden üblicherweise an besonders gefährdeten Abschnitten vor einer Bastion oder einem Ravelin errichtet. Die Bestreichung ihrer Flügel erfolgte dabei von den Bastionsfacen aus. Das Hornwerk bildete auch eine der Grundformen von Feldbefestigungen und Brückenköpfen [wikipedia].

[15] Situs: Lage.

[16] Friedrich V. v. der Pfalz, Kurfürst der Pfalz (1620-1623), König v. Böhmen (1619-1620) [26.8.1596 Deinschwang bei Neumarkt/Oberpfalz-19.11.1632 Mainz]. Vgl. WOLF, Winterkönig; BILHÖFER, Nicht gegen Ehre und Gewissen; http://www.hdbg.de/winterkoenig/tilly.

[17] Karl I. Ludwig v. der Pfalz [22.12.1617 Heidelberg-28.8.1680 bei Edingen], 1649 bis zu seinem Tod Pfalzgraf bei Rhein, also Kurfürst der Pfalz.

[18] Karl I. [19.11.1600 Duntermline-30.1.1649 London], 1625 bis 1649 König v. England, Schottland u. Irland.

[19] debandieren, von franz. débandade: Auflösung: lockern, entspannen, hier: auseinander rennen, auflösen.

[20] General(feld)wachtmeister [schwed. generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.

[21] Alexander II. Graf v. Velen u. Megen, Freiherr zu Raesfeld u. Bretzenheim, Graf (1642) [1599-10.10.1675], kurkölnischer Generalwachtmeister. Vgl. KNUST, Alexander von Velen (mit Einschränkungen).

[22] Stratagema: Kriegslist.

[23] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[24] facilitieren: erleichtern.

[25] Warendorf [LK Warendorf]; HHSD III, S. 754ff.

[26] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[27] Fürstenau [LK Osnabrück].; HHSD II, S. 156f.

[28] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[29] Impressa: Angriff.

[30] Corps de garde [courtigwarde, courtigardi, Courtegardi, Cortegarde]: befestigtes Wachthau, Blockhaus, kleiner Schutzbau aus Stein oder Holz, der an strategisch wichtigen Stellen errichtet wird, um feindliche Vorstöße aufzuhalten oder auch als Aufenthalt der Stadtwache am Tor zu dienen. Es ist zur Verteidigung oft auch mit Schießscharten versehen oder sogar mit Kanonen und Gewehren ausgestattet [nach wikipedia].

[31] Musketier [schwed. musketerare, musketör, dän. musketeer]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2 – 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[32] Scharmützel [schwed. skärmytsling, dän. skirmish: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“: Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[33] Trommelschläger: Trommler (Tambour) wurden bei der schwedischen Armee auch als Boten eingesetzt, deren Aufgabe darin bestand, im feindlichen Lager als Kundschafter zu fungieren. Trommelschläger wurden z. T. als Übermittler bei Belagerungen oder Verhandlungen eingesetzt, ein durchaus gefährlicher Job, den sonst Trompeter ausübten. So schnitten 1642 aufständische Bauern einem schwedischen Trommler Nase, Ohren und die Finger ab, um zu zeigen, dass sie an Verhandlungen keinerlei Interesse hatten; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 839. Vgl. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 41: „Sie sollen sich auf allerley Schläge / alß Lermen / Marsch / Versammlung / Troupen / Wacht / Rebell oder Travaille / verstehen / und allerley Marsch und frömder Völkeren Schlag können. Sie sollen nicht Narren und Possenreisser / sonder verständige Leuthe seyn, welche / so man zu dem Feind schicket / Gefangene zulösen: item / Befehl und Bottschaft zuverrichten: Briefe zuüberliefern / ihren Befehl verständig verrichten / auf alles was sie gefraget werden / vernünftig antworten / und was zu schaden gereichen möchte / verhälen / und die Heimlichkeit bey ihren Eiden niemandem offenbaren / sich nüchter halten / und so der Feind sie füllen / und ihnen mit starken trünken zusetzen wollte / solches verweigern und abschlagen: auch so sie gefraget wurden / davon schad entstehen möchte / sich entschuldigen / daß sie deren dingen keine wüssenschaft haben“. Ein Trommelschläger erhielt 1626 als Regimentstrommelschläger in der brandenburgischen Armee monatlich 12 fl.

[34] Schanzkörbe: Aus Weidengeflecht hergestellte hohe Körbe, die mit Erde gefüllt vor Geschützstellungen und Schanzen zur Deckung der Soldaten gegen feindliches Feuer aufgestellt wurden. Die Herstellung dieser Körbe – zwangsweise wurden auch Bürger und Bauern herangezogen – leitete ebenso wie den Schanzenbau der sogenannte Schanzmeister.

[35] Accomodation: Ergebung, Fügung.

[36] N Horneck [ – ], pfälzischer Obristleutnant.

[37] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Mein Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Bericht aus Stettin vom 8.4.1631; Relation Oder Bericht Auß Pommern. o. O. 1631: „Den 27. Martii sind alhier 108 gefangene eingebracht deren nach mehr folgen sollen / die werden alle in Schweden ins bergwerck gesand / das sie etwas redliches arbeiten lernen“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14. 1633 kostete die Auslösung bei der Kavallerie: Obrist 600 Rt. aufwärts, Obristleutnant 400 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Rittmeister 200 Rt., Kapitänleutnant 70 Rt., Leutnant 60 Rt. bis 10 Rt. für einen Marketender, nach der Schlacht bei Jankau (1645) Obrist 1000 Rt., Obristleutnant 500 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Hauptmann 75 Rt., Kapitänleutnant und Leutnant 50 Rt.; GANTZER, Archivalien, S. 40f.

[38] gratias: Dank.

[39] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153.  Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Auf der Suche nach Beute wurden sogar Latrinen erfolgreich durchsucht; SAUERLÄNDER, Geschichte der Stadt Lüdenscheid, S. 107. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“.

Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“. Teilweise waren sogar Pfarrer mit auf Beute ausgezogen“. STÜNKEL, Rinteln, S. 20: „Im Oktober [1623; BW] erhält der Rat Kenntnis von einer für die Stadt sehr unangenehmen Angelegenheit, die unter Umständen die schwerstwiegenden Verwicklungen nach sich ziehen konnte. Uns aber zeigt dieses Vorkommnis, wie sehr schon in den ersten Jahren des Krieges die Moral der Bürgerschaft gelitten hatte. Es handelt sich um folgendes: Bürger der Stadt haben von den kaiserlichen Kriegsvölkern Seiner Exzellenz des Grafen von Tilly, die links der Weser von Exten bis Hemeringen lagerten, unter anderem gestohlenes Vieh gekauft und es durch Tillysche Soldaten nach Rinteln bringen lassen. Bei der Rückkehr von der Stadt in ihre Quartiere haben diese Kriegsknechte die Kirche in Hohenrode aufgebrochen und ausgeplündert. Als der Rat am 2. Oktober davon erfährt, ordnet er sofort eine Untersuchung über diese Vorkommnisse unter den Bürgern und Bürgerschützen an. Dabei stellt sich heraus, daß nicht nur einzelne Bürger im Tillyschen Lager gewesen sind, sondern daß auch Schützen aus allen Korporalschaften die scheinbar billige Kaufgelegenheit wahrgenommen haben und daß in diese schmutzige Angelegenheit, denn es handelt sich ja meist um gestohlene Sachen, nicht nur die Männer, sondern auch deren Ehefrauen und Dienstmädchen und auch die Schutzjuden verwickelt sind. Bürgermeister Curt Hanes Magd hat von den Soldaten Kleider gekauft, ein Knecht dem Juden Leaser eine geringe Kuh für einen Taler abgenommen, ein Fremder hat zwei große Kessel mitgebracht, die Frau von Carl Schnar hat elf Kuhhäute für 4 Tonnen Broihan eingehandelt, Carsten Bohne hat einen Krug für 2 ½ Groschen, Jürgen Bennemanns Magd einige Kleider, Lewin Storck eine Kuh für 2 ½ Taler, Hans Rosemeyer zwei Kühe und ein Rind für 7 Taler gekauft. Andere haben eingehandelt ein Pferd für fünf Koppstück, eine Büchse für einen Taler, Kessel, Messingkannen, Schaffelle, ein Leibstück für drei Brote, fünf Schlösser, die aus dem Hause von Wartensleben in Exten stammten – der Käufer behauptet aber, sie dem früheren Besitzer schon wieder angeboten zu haben – , Feuerschlösser, 15 Stück Leder, Mäntel und Leinwand, ein altes Feuerrohr, Degen, einen Messingkessel für einen Hut, einen kupfernen Kessel für zwölf Groschen, ein Bandelier, eine Kuhhaut, ‚so durchschossen‘, für 2 Koppstück, einen kleinen ‚Pott‘, ein Leinenlaken, ein Stück Samt, Wollgarn usw. Einer kaufte eine Axt von einem Soldaten, ‚der ihn Hungers halber um Gottes Willen gebeten, ihm ein Brot dafür zu geben‘ “.

[40] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 943f.

[41] Christina Königin v. Schweden [17.12.1626 Stockholm-19.4.1689 Rom]. Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden; BUCKLEY, Christina; HEYDEN-RYNSCH, Christina von Schweden.

[42] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.. Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200), dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen[Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Für unerlaubte Werbung drohte die Todesstrafe; MÜLLER, Unterpfalz, S. 63. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566-29.7.1637], berichtet zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[43] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[44] Reichskanzler Oxenstierna hatte Horneck am 30.4. noch aus Mainz befohlen, auf Entsatz zu warten. Horneck kam wegen „der zur Unzeit und ohne noth aufgegebenen Stadt“ in Mainz vor das Kriegsgericht. Die meisten Richter hatten zwar für die Todesstrafe gestimmt, aber Horneck war trotzdem nicht zum Tode verurteilt worden, sondern begnadigt worden. Möglicherweise hatte er seinen Obristenrang verloren, denn 1638 wird er als Obristleutnant geführt. MÜLLER, Der schwedische Staat, S. 83, Anm. 135; S. 117, Anm. 171; AOSB I/7, Nr. 245, S. 238: Oxenstierna an Wilhelm V. v. Hessen-Kassel, Mainz, 6.5.1632.

[45] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion (Lösegeld) zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien. Generell wurden jedoch „teutsche Knechte“ gegenüber etwa den „Welschen“ bevorzugt übernommen.

[46] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[47] Quartier: Pardon, Gnade. Das hing zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450. Nach Lavater, KRIEGSBüchlein, S. 66f., hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „Wann aber ein Soldat eine eiserne / zinnerne / in speck gegossene / gekäuete / gehauene / oder gevierte Kugel schiesset / sol man ihm kein Quartier halten. Alle die / so gezogene Rohre oder Füseschlosse führen führen / haben das Quartier verwürckt. Item / alle diejenigen / die von eisen geschrote / vieregkichte / und ander Geschröt / und Stahel schiessen / oder geflammete Tegen haben / sol man todtschlagen: auch alle diejenigen / so man in einem Land / welches preis gegeben wird / vor dem Feind antrift / sol man henken lassen: Auch alle Spionen haben kein Quartier / sonder sollen ohn alle gnad gehenkt werden. Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Item / alle diejenigen / so ohne Paßporten zum Feind überlauffen / und wider ergriffen werden / sol man todtschlagen“. Auch wurde beim Angriff zum Teil die Parole ausgegeben, kein Quartier zu gewähren; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 609f. (Treffen bei Haselünne 11.1.1636). Doch selbst die Gewährung von Quartier bedeutete nicht, danach nicht noch getötet zu werden.

[48] PUFENDORF, Der Schwedisch- und Deutschen Kriegs-Geschichte, S. 444.

[49] Fahnenwechsel: „sich unterhalten lassen“, d. h., in die Dienste des Gegners zu treten, geschah bei Gefangennahme entweder freiwillig oder auch gezwungenermaßen (=> Untersteckung), wenn man nicht genügend Ranzion stellen konnte oder Gefahr lief, getötet zu werden. Bei der Einnahme von Städten lief man immer Gefahr, dass man zurückbehalten wurde und wieder in die vorigen Dienste zurücktreten musste. Der häufige Fahnenwechsel konnte natürlich aiuch insofern Folgen haben, als gerade die Offiziere gute Detailkenntnisse mit ins gegnerische oder in das Lager von Verbündeten nahmen. OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 538: „Diesesmal gehörte auch Adam Philipp zu den Unsicheren. Um ihn zu halten, stellte ihm der Kurfürst folgendes Ultimatum, vom 4. März 1632: ‚Ir sollt die Ursache schreiben, aus welcher ir merfach geäussert habt, dass ir in unseren und des katholischen Bundes Kriegsdiensten zu continuiren wenig Lust habt oder, eurem Vorgeben nach, gedrungen werdet, ander Resolution zu fassen. Wir haben euch vor anderen zum General-Wachtmeister gemacht. .. Andere hohe und niedere Officirs, auch gemeine Soldatesca würde von euch ein bös und schädlich Exempel nehmen … Ihr habt versprochen zu continuiren und ist das in der jetzigen allgemeinen necessitet eure Schuldigkeit‘. … Der Kurfürst will sich versehen ‚Ir werdet furtherhin einer mehreren discretion und dankbahrkeit bezeigen. Wenn aber ir andere resolution zu fassen gedenket, so begehren Wir, zuvor zu vernehmen: wohin Ir eure Resolution gestelt und ob ir die euch anvertraute charge und das Regiment zu resigniren gemeint wäret‘. Gleichzeitig soll er berichten: ob er endlich den Tross und die pigage [Bagage; BW] reduzirt habe ? Die Antwort Adam Philipps auf diese ernste Mahnung zur Fahnentreue liegt nicht vor. Dass der Verdacht des Kurfürsten gegen ihn wohlbegründet war, wird sich später erweisen; wie auch, dass einige seiner Offiziere ihren jungen Obristen drängten“.

[50] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[51] Rupert Pfalzgraf v. der Pfalz [17./27.12.1619 Prag-29.11.1682 London] Vgl. REBITSCH, Rupert.

[52] William 1st Earl of Craven [Cré] [Juni 1608 Bishop’s Gate, London-9.4.1697 Drury House, Drury Lane, London], Obrist in pfälzischen Diensten. MURDOCH, SSNE ID 1339; http://www.berkshirehistory.com/bios/wcraven_eofc.html.

[53] Schwadron, Esquadron [schwed. skvadron, dän. squadron]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380.

[54] Lingen [LK Emsland]; HHSD II, S. 299f.

[55] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[56] N Kornet [ – ], schwedischer Leutnant.

[57] Koldenhove: nicht identifiziert.

[58] Punder Jürgen [ – ], kaiserlicher Leutnant.

[59] Hümmling: Grundmoränenlandschaft (Geest) im nördlichen Emsland im Westen Niedersachsens und des norddeutschen Tieflandes, mit einem Abstand von knapp 10 km zur Ems. Seine Ausdehnung beträgt in Nordsüdrichtung etwa 28 km, in Ostwestrichtung etwa 14 km. Vom Nordende sind es knapp 30 km bis nach Leer in Ostfriesland [wikipedia].

[60] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[61] N Schwarte [ -11.5.1638 Meppen], schwedischer Hauptmann.

[62] DIEPENBROCK, Geschichte, S. 438f.

[63] DIEPENBROCK, Geschichte, S. 442f.

[64] Meppen; HHSD II, S. 327f.

[65] Haselünne [LK Emsland]; HHSD II, S. 210.

[66] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[67] SCHÜPP, Amt Meppen, S. 150f.

[68] Ferdinand v. Bayern, Kurfürst v. Köln [7.10.1577-13.9.1650 Arnsberg]. Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.

[69] SCHÜPP, Amt Meppen, S. 152.

[70] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.

[71] Neuenkirchen-Vörden [LK Vechta]; HHSD II, S. 468f.

[72] Thomas Derenthal [Derendahl] [ – ], kaiserlicher Hauptmann.

[73] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 221.

[74] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220.

[75] Kurt Koch [ -25.2.1642 Eisleben], kaiserlicher Obrist.

[76] Obristwachtmeister [schwed. major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm  bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[77] Plesse [Gem. Bovenden, LK Göttingen]; HHSD II, S. 381f.

[78] Hessen-kasselische Armee: „Armee ohne Land“: PRESS, Hessen, S. 312, über die Armee der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Nach den Zahlen bei BETTENHÄUSER, Die Landgrafschaft Hessen, S. 17, müsste jeder 4. Einwohner der Landgrafschaft Soldat gewesen sein.  Hessen-Kassel unterhielt bei einer Einwohnerzahl v. 70.-80.000 eine Armee v. insgesamt 18.000 Mann, die nur durch Kontributionen in den besetzten Gebieten erhalten werden konnte; ein typischer Fall v. Überrüstung. Laut Dorstener Vertrag hatte Amalie von Hessen-Kassel eine Armee v. 7.000 Mann zu Fuß u. 3.000 Reitern zu unterhalten; dafür zahlte Frankreich jährlich 200.000 Rt.; Staatsarchiv Marburg 4 f Frankreich Nr. 55; Bibliothèque Nationale Paris Manuscrit français Nr. 17885. Vgl. auch SODENSTERN, Die Anfänge.

[79] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 222.

[80] Lemgo [LK Lippe]; HHSD III, S. 452ff.

[81] Kurt Koch [ – ], kaiserlicher Obristleutnant.

[82] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[83] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218.

[84] Johann v. Lixfeld [ – ], schwedischer Obristleutnant.

[85] STEINWASCHER, Krieg, S. 71.

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Götz [Götze, Götzen], Peter Graf von

Götz [Götze, Götzen], Peter Graf von; Generalwachtmeister [um 1595 Zehlendorf-18.11.1638 vor Vechta gefallen] Götz,[1] ein Bruder des kurbayerischen bzw. kaiserlichen Feldmarschalls Johann von Götz,[2] nach Aussage des Hildesheimer[3] Arztes und Chronisten Dr. Jordan ein Sohn des Peter Götz, Kanonikus zu Halberstadt,[4] hatte als Obristleutnant erst unter Leittersams Kommando gestanden. 1638 diente er als Generalwachtmeister unter dem kaiserlichen Feldmarschall Melchior von Hatzfeldt.

Am 16.7.1635 schrieb Ernst Christoph I. Graf von Rietberg aus Wiesbaden[5] an den kaiserlichen Generalleutnant Gallas:[6] Laut Befehl habe er mit zehn Kompanien Piccolomini den Rhein überschritten. Graf Philipp von Mansfeld habe ihm noch die Regimenter [Peter v.; BW] Götz, Václav Eusebius von Lobkowitz und ein Regiment Kroaten[7] geschickt. Mit diesen sei er direkt auf Hanau[8] marschiert und wolle alles tun, um seinen Befehl zu vollziehen. Im Nachtrag hieß es: Bruay befinde sich heute in der Gustavsburg,[9] wo er Gallas‘ Befehle erwarte.[10]

Im Herbst 1635 nahm Götz an dem katastrophalen Feldzug Gallas’ in Lothringen teil.

Der englische Söldner Sydnam Poyntz [um 1598 Reigate, Surrey – 1663 Virginia, USA] hält fest: „In the meane tyme Gallas marched after the french Army who tooke their retreat towards Metz[11] in Loraine having pillaged the Duke of Sorbrucks Country with the principall Townes as Sorbruck[12] Sweybruck[13] etc. And following the french over the Moselle sent young [Hieronymus v.; BW] Colredo before hym with the Van-gard of 6000 light horse, who meeting with a Troope of french of 200 or thereabout, put them most to the sword, but the principall Officers Kept Prisoners, so going forward marched throrough a Wood, hee saw a party of 2000 french horse which was vpon a Hill with a small Brooke at the foote but upon the other sider of the Hill lay the frenche with his whole Army, Colredo advanced to these 2000 over the Brooke with all his 6000 men, but sent two great Troops to encounter with them und hee marching upon the right hand got to the Top of the Hill, where hee saw the whole Army advancing up the Hill towards hym, but hee slew like a brave soldier most of the 2000 before the rest could come up the Hill. But Colredo thing to make a retreat in good order com̃aunded 2 Coronells with 3000 men wo were Binder, Long [Lang; BW] & Peter Gets [Götz; BW] to hold them in play till hee got over the Brooke und that hee would second them in like case, but his owne soldiers beeing discouraged with that retreat, and the french Army comming on them all fled, and the Ennemy had slaughter of them 6 English Miles. Coronell Lang was slayne, Coronell Binder and Gets ware taken Prisoners. But Colredo got away with some 3 or 400 men and came to Gallas who had a great great check and was clapt in Prison”.[14]

Wilhelm von Slavata teilte am 17.10.1635 Adam von Waldstein mit, ein Bote habe die Nachricht gebracht, dass die kaiserlichen Obristen Götz, Stephan Binder und Elias Lang vom Gegner gefangen genommen, der Großteil der kaiserlichen und ligistischen Reiterei schmählich vor dem Feind geflohen sei und der junge [Hieronymus v.; BW] Colloredo auf königlichen Befehl [Ferdinands v. Ungarn;[15] BW] wegen seiner schlechten Armeeführung ins Gefängnis geworfen wurde, da die kaiserliche Armee um die Hälfte stärker gewesen sei als der Gegner. Dieser habe sich nach dem Verlust von 3.500 Mann, Pferden, Kanonen und Bagage in die Stadt Metz[16] zurückgezogen. Trotzdem glaube er an einen Friedensschluss (!) im Winter.[17] Angeblich soll er am 25.10.1635 in einem Gefecht bei Boulay[18] getötet worden sein.[19]

„Zwei Lautersamsche [Leittersam; BW] Kompagnien unter dem Grafen von Götze, denen in Delmenhorst[20] Quartier verweigert war, fielen am 30. Oktober [1636; BW] von Wildeshausen[21] in das Delmenhorster Gebiet ein und plünderten etliche Dörfer“.[22]

Im Februar 1637 informierte Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg Feldmarschall Morzin und Götz über die Belagerung von Driesen[23] – das durch schwedische Truppen zerstört wurde – durch Wrangel.[24] Von Gefechten mit schwedischen Truppen berichtete Götz Feldmarschall Melchior von Hatzfeldt bei Landsberg.[25] Im September 1637 stand Götz in Prenzlau.[26]

Am 16.1.1638 schrieb Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg aus Kölln an der Spree[27] an Gallas: Er könne Peter von Götz und dessen Truppen im Herzogtum Krossen[28] und in Sternberg,[29] wohin sich jener zurückziehen wolle, keine Quartiere überlassen.[30]

Götz genoss wegen der Plünderungen seiner Truppen in Groß-Glogau,[31] Sagan[32] und Schlesien einen ausgesprochen schlechten Ruf bei Ferdinand III.,[33] der bei Gallas seine Suspendierung und Arretierung einforderte.[34]

Am 21.3.1638 wandte sich der Kaiser aus Pressburg[35] an Gallas: Der Kurfürst von Brandenburg habe sich aufs Neue über Generalwachtmeister Götz beschwert, der sich angeblich nicht, wie er es hätte tun sollen, nach den kurfürstlichen Befehlen richte und alle günstigen Gelegenheiten versäume.[36]

Gallas teilte Ferdinand III. am 27.3.1638 aus Grabow[37] im Mecklenburgischen mit, seiner Meinung nach sei es nicht ratsam, Götz‘ Truppen von der schlesischen Grenze abzuziehen, denn die übrige Armee sei viel zu weit entfernt, um zur Hilfe eilen zu können.[38]

Am 7.4.1638 schrieb der Kaiser an Gallas: Mit Freuden habe er die Eroberung der Schanzen bei Warnemünde[39] zur Kenntnis genommen, er sei mit dem Austausch eines Teils von Piccolominis[40] Infanterie gegen Reiterei einverstanden und überlasse die Verteidigung Schlesiens Gallas‘ Gutdünken. Er könne sich aber nicht erinnern, einen Befehl zum Verlassen der Brandenburger Stellungen an Götz erteilt zu haben.[41]

Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg wandte sich am 13.5.1638 aus Kölln a. d. Spree[42] an Gallas: Falls Gallas nicht ins Feld ziehe, forderte der Kurfürst Verstärkung durch eine bestimmte Anzahl von Infanterie unter Götz an, welcher wie Hans Wolf von Salis dem Kurfürsten zur Verfügung stände.[43]

Im Juni 1638 stand Götz bereits in der Festung Wolfenbüttel,[44] im Juli in Brilon.[45]

Der Hildesheimer[46] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 25./26./27.6.[5./6./7.7.]: „Brachen die Kayserl. Völker auf, so in diesen und Lüneburgischen Fürstenthümbern bis Dato logirt, nachdem sie viel arme Leut gemacht, ausbescheiden des General-Wachtmeisters Peter Götzen“.[47]

Ferdinand von Köln[48] korrespondierte im Juli 1638 mit Hatzfeldt wegen der Einquartierung von Götz in der Grafschaft Waldeck.[49] Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt[50] informierte in diesem Juli Melchior von Hatzfeldt von dem Marsch von Götz über Marburg[51] und durch die Grafschaft Waldeck – auch Johann Ludwig von Nassau-Hadamar teilte Hatzfeldt dies mit;[52] nach dem Schreiben des Grafen Wolrad IV. von Waldeck waren es 80 Kompanien[53] – nach Westfalen.[54] Aus Wildungen[55] schrieb Götz Hatzfeldt im August 1638 von seinen Versorgungsschwierigkeiten und gab seiner Verwunderung über einen kaiserlichen Befehl Ausdruck, in kaiserlichen statt in brandenburgischen Diensten zu bleiben. Zugleich berichtete er ihm über die Tätigkeit von Schnapphähnen.[56]

Im September beschwerte er sich bei Hatzfeldt wieder über die Disziplinlosigkeit der Truppen. Aus Elberfeld[57] klagte er über seine Schwierigkeiten wegen der Verpflegung und Quartierverteilung.[58] Der kaiserliche Obrist Hasenbein informierte Götz über die Werbungen auf kaiserlicher und feindlicher Seite in der Nähe von Höxter.[59]

Die Chronik von Mühlhausen[60] hält fest: „Den 8. October kam der Oberst Götz mit vielem Volke in die Stadt und blieb bis zum 10ten“.[61]

In diesem Oktober berichtete Götz Hatzfeldt über den Marsch verschiedener Regimenter nach Schwerte,[62] Unna[63] und Dortmund[64] sowie über die Belagerung von Lemgo.[65] Nach dem Bericht Anselm Kasimirs von Mainz war das Regiment über Büdingen,[66] Wetzlar[67] nach Dortmund[68] abmarschiert.[69]

„Graf Hatzfeldt erhält auf sein Ansuchen aus Münster[70] zwei Stücke, später noch ein drittes Geschütz leihweise. Er erringt nach der Vereinigung mit den Regimentern des Generalwachtmeisters von Westerholt am 17. Oktober [1638; BW] bei Vlotho[71] in einem einstündigen Gefecht einen völligen Sieg und kann über 1.000 Gefangene machen, darunter den jungen Pfalzgrafen Rupert,[72] Generalleutnant Ferentz und sechs Obristen, dazu alle Fahnen, Geschütze und Bagagewagen des Feindes erbeuten. Viele gegnerische Reiter ertrinken auf der Flucht wegen des hohen Wasserstandes in der Weser, auf kaiserlicher Seite fällt der Generalwachtmeister Peter Götz, ein Bruder des bayerischen Feldmarschalls. King, Königsmarck und der Pfalzgraf Karl Ludwig retten sich in die schwedisch besetzten Städte Minden[73] und Osnabrück“.[74] Dr. Jordan notiert  unter dem 17./ 27.11. lapidar: „Die Schwedische und Pfältzische ziehen mit Accord aus der Vechte,[75] – wofür der General Berent Ackfort von Westerholtz [Hackfort von Westerholt; BW] und Obr. Götz erschoßen – , von dar rückten die Kayerl. unter General Hatzfeld vor Weitlage,[76] da sie unlängst Schiffbruch vor gelitten“.[77] In der Chronik des Adolff Wilhelm Moerbecke zu Stevening [1611 – 1675] heißt es dagegen: „| gescheet synde, ist het keisersche leger affwartz na het Emslant gemarchert ende, noch einige sware stucken en nootwendige ammonitie ut Munster endere andere keisersche garnesonen gelichtet hebbende, die stat Vechte in’t Emsslant belegert ende dapper beschaten. Maer vermitz der regenachtigen wers ende des legen grondes ist der stat niet wel to approcheren geweest, ende hirdor sick aver dee der weken geholden hefft. Doch entlick die keiserschen tot einen generalen storm gereet seende, hebben see geaccordert, ende ist het garnesoen, synde 7 companien met vulle geweer en bagagie, den 23 Novembris utgetrocken. | in dit belegh ist doot gebleven den oversten Westerholt en den oversten luitenant Gotzen, so ein port der stat, doch met disorder, meinden tea verfallen, ende hirdoer neffens ein goet deel soldaten geschaten wierden“.[78]

Im „Theatrum Europaeum“ hieß es: „Wolgedachter Herr Graff von Götzen / als welcher im vordersten Hauffen gegen die Feindt gestanden / ist gleich durch einen Canonschuß niedergelegt / vnd durch dessen Todt bey seinen Officirern vnd Soldaten ein groß Trawren vnd Mitleyden verursacht worden“.[78a]

Im Dezember 1638 berichtete der in Rheine[79] weilende Obristwachtmeister Asmus von Mandelsloh dem Sekretär Christoph Karnap von der Beisetzung Götz‘.[80]

[1] Vgl. auch KELLER; CATALANO, Diarien.

[2] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[3] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[4] SCHLOTTER, Acta, S. 247; Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[5] Wiesbaden; HHSD IV, S. 465ff.

[6] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[7] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.

[8] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[9] Gustavsburg [Gem. Ginsheim-Gustavsburg, Kr. Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 193.

[10] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 58.

[11] Metz, Bistum u. Stadt [Frankreich, Dép. Moselle].

[12] Saarbrücken; HHSD V, S. 315ff.

[13] Zweibrücken; HHSD V, S. 419ff.

[14] GOODRICK, The Relation of Sydnam Poyntz, S. 119f.

[15] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[16] Metz [Bistum u. Stadt], Herzogtum Lothringen.

[17] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 121.

[18] Boulay-Mosel [alter dt. Name: Bolchen; Herzogtum Lothringen, h. Frankreich].

[19] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 543.

[20] Delmenhorst; HHSD II, S. 109f.

[21] Wildeshausen [Kr. Oldenburg]; HHSD II, S. 492ff.

[22] STRAHLMANN, Wildeshausen, S. 19f.

[23] Driesen [Kr. Friedeberg]; HHSD X, S. 429ff.

[24] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 32.

[25] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Landsberg [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[26] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Prenzlau [Kr. Prenzlau]; HHSD X, S. 320ff.

[27] Berlin-Neuköllln; HHSD X, S. 86ff.

[28] Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.

[29] Sternberg [Torzym; Kr. Oststernberg]; HHSD X, S. 467f.

[30] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 551.

[31] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[32] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[33] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[34] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1638 II 21, Ka. 100: Ferdinand III. an Gallas, Pressburg, 24.2.1638.

[35] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[36] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 577.

[37] Grabow [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 35f.

[38] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 582.

[39] Rostock-Warnemünde; HHSD XII, S. 108ff.

[40] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturverzeichnis).

[41] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 589.

[42] Berlin-Neukölln; HHSD X, S. 86ff.

[43] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 611.

[44] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[45] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Brilon [LK Brilon]; HHSD III, S. 119f.

[46] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[47] SCHLOTTER, Acta, S. 287.

[48] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.

[49] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 52; Waldeck; HHSD IV, S. 444f.

[50] Vgl. DIEHL, Georg II.; BECK, Die Neutralitätspolitik Landgraf Georgs II.

[51] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.

[52] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 72.

[53] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 76.

[54] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 63.

[55] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 63; Bad Wildungen [Kr. Waldeck]; HHSD IV, S. 35ff.

[56] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117.

[57] Elberfeld [Stadt Wuppertal]; HHSD III, S. 197ff.

[58] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117.

[59] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 179; Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.

[60] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[61] JORDAN, Mühlhausen, S. 91.

[62] Schwerte (LK Iserlohn]; HHSD III, S. 680f.

[63] Unna; HHSD III, S. 726ff.

[64] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[65] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 117; Lemgo [LK Lemgo]; HHSD III, S. 452ff.

[66] Büdingen; HHSD IV, S. 66f.

[67] Wetzlar; HHSD IV, S. 461ff.

[68] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[69] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 300.

[70] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[71] Vlotho [LK Herford]; HHSD III, S. 738f. 17.10.1638: Pfälzisch-schwedische Truppen unter Ruprecht von der Pfalz und James King of Birness and Dudwick werden von den Kaiserlichen unter Melchior von Hatzfeldt geschlagen. Ruprecht von der Pfalz gerät in Gefangenschaft.

[72] Vgl. REBITSCH, Rupert von der Pfalz.

[73] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[74] LAHRKAMP, Münster, S. 88; Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[75] Vechta [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[76] Wittlage, heute Ortsteil von Bad Essen [LK Osnabrück].

[77] SCHLOTTER, Acta, S. 292.

[78] STROTHMANN, Westfalen, S. 110f.

[78a] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 987.

[79] Rheine [LK Steinfurt]; HHSD III, S. 637f.

[80] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 187.

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Kipshoven [Kipshofen, Kipshoven], Sybert Johannes [Johann]

Kipshoven [Kipshofen, Kipshoven], Sybert Johannes [Johann]; Hauptmann [ – ] Er stand mindestens von 1637 bis 1648 als Hauptmann[1] in den Diensten Ferdinands von Köln.[2] 1637 tauchte er in der Entourage des Johann Adolf Freiherr Wolff, genannt Metternich zur Gracht,[3] auf, ferner 1648.[4]

1642 erlangte er zunächst lokale Berühmtheit und wurde sogar in einem umfangreichen Encomion[5] gefeiert. „Nachdem die vereinigten Hessen[6] und Weimaraner sich der früher genannten Oerter bemächtigt hatten, wandte sich General[7] Guebriant[8] am 18. April [1642; BW] gegen das kurkölnische Städtchen Lechenich,[9] dessen Besatzung nur einige 100 Mann betrug. Aber obschon sie dieses Städtchen bestürmten und verbrannten, so hielten sich doch die im Schlosse belagerten Kaiserlichen unter dem Obristlieutenant[10] Kipshofen so tapfer, daß der Feind am 27. Mai, besonders weil auch ein bairisches Heer zur Hülfe heranrückte, die Belagerung aufheben und sich auf Grevenbroich[11] zurückziehen mußte“.[12]

„Während des 30jährigen Krieges 1642 ward Lechenich von den Franzosen, Hessen und Schweden,[13] die den Ort wegen der vielen daselbst zum Dienst des Kurfürsten aufbehaltenen Jagdhunde den Hundestall Schimpfweis nannten, belagert, die Stadt von dem französischen General, Johann Baptist Budes, Grafen von Guebriant mit Ausnahme des Schlosses durch Sturm genommen, nachdem die patriotische Bürgerschaft, und namentlich der Pfarrer des Orts zuerst Feuer an ihre Häuser gelegt, sich mit ihrem Vieh und geretteten Habseligkeiten auf das Schloß geflüchtet hatten. Diese verteidigten nun unter den tapferen Anführern Johann Kipshoven, Peter Tibanti[14] und 4 andern Lechenicher Helden Johann von der Burg, Johann Sax, Carl Dellinger und Johann Gopp das Schloß, (obschon dasselbe mit keinen Wällen versehen, sondern nur mit 2 breiten und tiefen Gräben umgeben, daß die durch einen Siegeszug am Rheine übermüthig gewordenen Belagerer in ihren langen Hosen (braccati Galli) nach einer fruchtlosen wüthenden Belagerung und Bestürmung von sieben Wochen, auf Osterdinstag, nachdem sie die ganze Gegend eingeäschert hatten, mit Schimpf und Schande nach Bergheim[15] abzogen, und noch auf ihrer Flucht über Kerpen[16] verfolgt, manchen ihrer Leute in den dortigen Büschen und Morästen stecken ließen, und so an Lechenich das non plus ultra ihres Siegeszugs im Erzstift fanden“.[17]

Auch in den damaligen Medien fand diese Belagerung großes Interesse. Unter dem 21.4. berichtete die „Mercurij Relation“ aus dem Erzstift Köln: „Die Weinmarisch: Frantzösischen nachdem sie zu Neuß[18] uffgebrochen / das Geschütz vnd Bagagi[19] daselbst abgeführet / die Guarnison[20] hin vñ wider zum theil geschlichtet[21] / haben dieselbe sich am 18. dito morgens frühe vor Lechenich sehen lassen / daselbst auch Battereyen[22] auffzuwerffen angefangen / empfinden aber durch anstellung des Herrn Kipshouen Commendanten deß Schlosses daselbst / als auch andern Capitain[23] vnd Officirern tapfferen widerstandt / wie dann durch außübung derselben deß Feindts Völcker ziemblich eingebüsset / massen auch der Succurs[24] der Churf, Bayrischen Armada schon theils Sigen[25] vorbey / vnd näher angelanget / verhoffes an dem Feindt begegnet werden möchte.

[…] Die Frantzösisch-Weymarischen befinden sich zwar noch vor Lechenich / die haben vom Sambstag Nacchmittag biß Sontag zu Abendt in 2. ad 300. Canonschüß auff die Statt gethan / doch wenig gewunnen / aber wol in wehrender kurtzer Zeit der Belägerung / in 5. ad. 600. Mann / so nidergemacht / als entlauffen[26] oder sonsten gebliben / verloren / auch seither Sontag zu Nacht mit dem Canoniren eingehalten / auß was vrsachen / waiß man nicht / jedoch am Dinstag widerum vnderschidliche Dörffer vmbtrent Lechnich in Brandt gesteckt vnd zumalen eingeäschert“.

Unter dem 4.5. wurde gemeldet: „Obwoln die Weimnarischen vor Lechenich Pressa[27] geschossen / vnd ein halb Mon[28] mit Sturm erobert / wirdt doch der Sturm auff die Statt wegen der tieffen Wassergräben verhindert / durch einwerffung vil Fewr aber der Statt grosser Schaden beschehen / dargegen ist die Besatzung auß Bonn[29] den Weinmarischen eingefallen / vil Reuter gefangen vnnd 40. Pferdt eingebracht“. Im Bericht vom 9.5. heißt es: „Der Commendant in Lechenich hält sich Mannlich / hat dem Feindt schon vil Volcks erlegt / wie dan vil verwundte nach Duren[30] gebracht werden / allda seynd vier Regiment[31] zu Roß vnd Fuß zu werben[32] Patenten[33] außgethailt / vnd jedem Soldaten drey Monatsold[34] geben worden“. Unter dem 15.5. wird festgehalten: „Die Statt Lechnich ist zwar von den Frantzösisch: Weymarischen erobert / auch zumaln eingeäschert / vnd hat sich das Volck alles aufs Schloß reterirt / die thun dem Feindt gleichwol annoch grossen widerstandt / massen dieselbe / einkommenden bericht nach am 12. dises vom Schloß außgefallen / vnnd die / so sich noch etwan in gehüchtern auffgehalten / außgetrieben / vnd alsbaldt sich wideer aufs Schloß begeben / Nachdem aber nunmehr gewiß / daß Ihre Excell. Graf von Wahl[35] mit Ihrer Churfürstl. Durchl. zu Cölln vnd General Graf von Hatzfeldt[36] sich vnderredet / auch Ordre ertheilt worden / es sollen die ChurBayerische Armee / so bißhero zu Nidda[37] vnd in der Wetteraw gelegen / vnd etwa refrischiret / sich zum Auffbruch gefast machen / auch darauff gedachter Graf von Wahl am verlittenen 13. dises hoher dero Armee entgegen gezogen / danebenst auch die Völcker in Westphalen vndern Commando Ihrer Excell. Graf von Vehlen[38] / so vil deren der Orten entrathen werden können / darzu stossen / vnd zusampt den Hatzfeldischen allhie beym Rhein ligenden Völckern ein Corpo machen sollen / als verhofft man ehist ein andern Lufft / vnd ein bessers / als bißhero geschehen / zu vernemmen. Es will aber hingegen verlauten / ob hette der Feindt bereits etlich Wägen mit Mehl / (so im Läger vor Lechnich gestanden / vnd damit den Ort zu prouiandiren nach der Eroberung willens gewesen /) wider zurück nach Bedbur[39] führen lassen / in mainung daselbst ein Magazin zu machen / sich zu verschantzen[40] vnd zu sehen / auch der Kayserl. zu erwarten / ob er nun auff ankunfft deren standt halten werde / steht zu vernehmen. Gott stehe vns bey“. Weiter wird unter dem 18.5. mitgeteilt: „Die Frantzösisch: Weymarischen befinden sich annoch vorm Schloß zu Lechnich / vnd fallet es ihnen daselbst sawr / die Belägerten aber halten sich tapffer vnd Mannhafft / vnd geben dem Feindt nichts nach / vnangesehen derselbe gestern Sambstags den 17. dito mehr als 100. Canonschuß auff sie gethan / bleiben gleichwol beständig / legen vom Feyndt vil darnider / vnd wirdt demselben auch nunmehr das straiffen vnd außlauffen mit Partheyen[41] verbotten werden / massen die Brücke über Rhein zum Vbermarch gantz verfertiget / auch bericht wirdt / es solten bereits etlich Comp.[42] zu Pferdt vber: vnd wider vber marchiren / dem Feyndt das straiffen zu verbieten / es wirdt auch verhofft / der so lang desiderirte Succurs solle nun ehist heran kommen / vnd wollte Gott / daß er denen belägerten in Lechnich zur errettung nit zu langsam kom̃t.

Den 14. diß haben die Weynmarischen Lechenich mit Sturmb erobert / die Burger haben sich mit Weib vnd Kind in die Kirchen: die Soldaten aber ins Schloß retiriert / welches jetzt starck beschossen wirdt / deßgleichen zwischen Bedbur[43] vnnd Lechnich ob einer höhe ein Läger[44] abgestochen / allda den ChurBayrischen zuerwarten. Sonst hat der Feyndt vor hiesiger Statt vil Menschen vnd Schaaf weggenommen / vnd versamblet sich der Schwedische Succurs von 40. Compag. vmb Wesel“.[45] Unter dem 25.5. heißt es weiter: „Dieser Orten steht es noch in vorigen terminis / die Belägerte in Lechnich halten sich annoch / vnd thun dem Feyndt / wie vor / als noch / grossen widerstandt / verhoffent den lang erwünschten Succurs / welcher / wie man vernimbt / berait einkompt / massen auch die auß den Westphälischen Guarnisonen vnder Ihrer Excell. Herrn Feldzeugmaistern[46] Grafen von Vehlen commandirte / vnd zusamen gezogne Völcker / uff den 25. dito sich zum Auffbruch gefast zu halten erklärt / vnd nachm Rhein zu marchiren commandirt worden / Entgegen will auch vor gewiß außgeben werden / ob sollten etliche Stadische[47] Völcker / vnd benentlich in 17. Compagnyen / den Weymarisch Frantzösischen bereits zugestossen sein / wohin nun / vnd zu was ende diese Conjunction gerichtet / steht zu erfahren / vnd mit nechsten zu berichten“. Dazu wird aus Frankfurt[48] mitgeteilt: „Diser tagen ist General Vehlen mit 2000. Man zu Fuß vnd 1500. Pferdt auß Westphalen zu Wipperfurt[49] / deßgleichen auch die vnberittne Chur Bayrische Reuter bey Bonn[50] angelangt / vnd solle der gantze Succurs inner 2. Tagen folgen / alsdann mit Macht auff den Feyndt zugehn / welcher vor Lechnich durch einen Außfall abermal schaden erlitten / vnd ihme 2. Stuck Geschütz vernagelt[51] worden“. […]

1.6.1642: „Weil die Weinmarischen vorm Schloß Lechnich (so sampt dem Stättlein / welches gantz außgebrennt / 5. Wochen belägert gewest) nichts richten können / vnnd ihrer in 1000. darvor gebliben / auch der Chur Bayrisch Succurs vber die Rheinbrucken allhie zu marsiern angefangen / als haben sie den 27. passato selbige Belägerung auffgehebt / die Stattporten zersprengt / daß Läger / wie auch alle Lechmüll[52] / Dörffer vnd Schlösser in Brandt gesteckt / selbige refier / wie auch Zulpich[53] vnd Eißkirch[54] verlassen / vnd sich gegen den Maaß auff Dalen[55] und Duichen[56] gewendet / aber Deuren[57] / Betpur vnnd vmbligende Ort seynd mit Stadischen Völckern besetzt worden / Die in Gülch[58] haben den Weinmarischen in 50. Pferdt abgejagt / Entgegen dise / 42. hiesige Soldaten beym Dorff OberKersten[59] nidergemacht“.[60]

Ergänzend dazu findet sich in den „Wochentlichen Ordinari Zeitungen“ folgende Angaben: „So seind zu Flüßingen[61] 4000. Mañ auß Franckreich ankommen / von dar zu den Weymarischē zu marchiren / welche Lechenich starck beschiessen vnnd 2. Batterien daruor verfertigen vnd sehr nahe approchirt, der Commendant dariñ aber thut mit den bey sich habenden 1000. Soldaten starcken widerstandt / wie Er dann in einem Außfahl vber 100. Mañ vnd darunder den Guebrianischen Major[62] erlegt.

[…] Demnach die Frantzösisch: Weymarischen den 18. Verlittenen Monats Aprilis sich für die Statt Lechenich begeben / dieselbe starck belägert / auch alsbald Batteryen auffgeworffen / vñ auß 17. groben Stücken[63] zu vnderschidlichen mahlen grausamb darauff Canoniret / wie imgleichen mit Granaten vnd Fewr einwerffen[64] / es zuletzt so weit gebracht / (weilen nach niderfählung der Mauren vnd anzündung deren Häuser vnd Gebäw / die Guarnisonen in der Statt / zusampt deren darinnen noch anwesender Bürgerschafft / auß forcht / es möchte der Feynd ihnen die Retirada zum Schloß abschneiden / sich in zeiten darauß begeben) daß sie dieselbe zwar erobert / nachdem aber alles eingeäschert ware / nichts daselbst gewunnen / nach disem haben sie dem Schloß auffs newe mit allem ernst zugesetzt / auch widerumb mit macht ohne vnderlaß zu vnderschidlichen mahlen darauff canoniret / jedich jedesmahls solche tapffere Gegenwöhr befunden / daß sie den 27. Dito Dinstags frühe (nachdem sie noch 2. Pforten der Statt / so minirt[65] gewesen / gesprengt /) die Belägerung auffzuheben / vnnd den Orth zu quitiren genötiget worden / hernacher haben sie alle ihre Sachen / Geschütz vnd Bagagie zusammen geführet / die Quartier / zusampt etlich Dörffern / als Gymmerich[66] / Dermetzheimb[67] vnnd andere mehr eingeäschert / vnd darvon gangen. Es hat der Feynd weit vber 1000. Mann / so nidergemacht als entlauffen / vor disem Orth verlohren / vnnd soll sich derselbe an jetzo / dem verlaut nach / zwischen Caster[68] vnnd Betbur setzen wöllen / ob er aber der ChurBayrischen Reichs-Armee / auch sonsten der andern Kayserl. Völckern / welche nunmehr nicht allein nahe bey der Hand / sondern schon theils vor Augen seind / daselbst zu erwarten: was auch sonsten die Stadischen Völcker / so sich bey vnnd vmb Neuß[69] her befinden / anfangen werden / stehet zu vernehmen“.[70]

Ergänzungen finden sich im „Theatrum Europaeum“:[71] „Als man oben genannte Gülchische Oerter bemeistert hatte, wurde von GeneralFeldmarschallen Guebrian der Rath genommen / sich vor das Stättlein vnd Schloß Lechenich zu legen / worinnen die Churf. Jaghunde gehalten wurden / darumben es die Weymarischen oder die Frantzosen einen Hundsstall nenneten: Gleichwol aber etliche 100. Mann zu Roß vnd Fuß darinnen lagen / davor man vmb den 18. April. mit 14. Stücken Geschützes vnd zimblichen Gewalt von Reuterey vnd Fußvolck kommen / aber wenig Glück darvor gehabt: Inmassen man viel Volck / Munition vnd Reputation darvor auffgesetzet / vnd nichts bessers außgerichtet / als dz man vnrühmlicher Dingen die Dörffer herumb in die Flam̃e gestecket / das vom Fewer einwerffen hart beschäftigte Stättlein / zeit der verlassung gar abgebrennet / alle Stürm daran / vnd endlich deß Gen. De Guebrian Obr. Leut.[72] Mons. De Floucourt im recognosciren deß Grabens / verlohren / dene Herr Gen. für seine rechte geachtet / vnd sehr betrawret hat: der mehrern Officirern / sampt der Soldatesca[73] zugeschweigen / dabeynebens man auch zwey halbe Carthaunen[74] durch so starckes beschiessen / zersprenget / durch angewendten starcken Ernst zwar sich Eingangs Maij deß Stättleins bemächtiget / die Guarnison ins Schloß getrieben / die nicht viel Pulver mehr vbrig gehabt / vnd eins mahls (wiewohl nur zur Verführung) mit Steinen sich zu wehren angefangen / man aber doch deß Schlosses sich nicht bemächtigen können / vnangesehen selbiges mit keinen Wällen versehen / Sondern von aussen herumb nur mit zweyen / vnd inwendig mit einem Graben vmbflossen: Die aber vmb so viel desto tieffer vnd nicht wie man vermeynet gehabt / außzufüllen gewesen. Es hielten sich zwar die Hineinkommene in den Kellern auff / fiengen an Battereyen gegen dem Schloß zu machen / begaben sich auff den Kirchthurn / verschantzten an demselben / wurden aber nichts destoweniger auß demselbigen / vnnd dem Stättlein wider geschlagen.

Als man nun den anziehenden Bayerischen Succurs nahend gemachet / ist man davon in Eyl den sieben vnnd zwantzigsten Maij abgezogen / nach welchem Burger vnnd Soldaten diß Orths außgesaget / daß / wann man noch sechs Tage darvor were ligend geblieben / sie sich auß mangels Krauts[75] ergeben hätten müssen. Hatte also bey männiglichen das Ansehen gehabt / daß die im Stifft Cöllen vnd Gülchische Lande vervbte vngehaltene Außplünderungen[76] vnnd Brandtschatzungen[77] vor diesem schlecht angesehenen Orth vmb etwas also habe gezüchtiget werden müssen“.[78]

Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås] berichtet dagegen sehr ausführlich über die Vorgänge und die Folgen nach dem Abzug der Französisch-Weimarischen: „Am UnterRheinStrom brachen die Guebrantische, so in den erworbenen quartieren etwas außgeruhet vnd sich gute tage angethan, nachdem eine starcke Convoy, von Wesel[79] aus, mit einer grossen post geldes, so aus Franckreich übergemachet war, bey Ihnen angelanget, endlich auf, vnd versambleten sich zwar an verschiedenen orten: Das General Rendezvous aber aber war zu Düren angestellet. Da dan etliche vermeinet, das es auf Aken[80] angesehen: Hingegen der Churfürst zu Cölln, besorgend, es möchte Lechenich (wie die warheit war) oder Breul[81] gelten, selbige Besatzungen verstärcken lassen. Gestalt Sie auch den achten Tag AprilMonats vor itztgenandtes Lechenich mit der Reuterey kommen und es berennet, denen den neunden das fusvolck, sambt den Stücken, derer neunzehen gewesen, gefolget vnd posto davor gefasset, auch stracks den elfften von zwo, in eil verfertigten, Baterien es zu beschiessen angefangen. Darnebenst Sie mit lauffgräben dem ort starck genähert, inmittelst mit dem schiessen, insonderheit den sechszehenden und siebenzehenden, fortgefahren: Jedoch sonsten nichts fruchtbarliches ausgerichtet, als das Sie, den achtzehenden, einen kleinen halben Mond davor einbekommen vnd behaubtet. Worauff die Belagerte zwar einen ausfall gethan, jedoch, mit verlust von vier todten vnd eines gefangenen, durch den wassergraben wieder hineingejaget worden. Itztgemeldter Wassergraben war ziemlich breit vnd tieff, vnd ward darnebenst von einem Stücke Geschütz, so etwas niedrig gestanden, bestrichen: Welches, selbigen zu passiren, grosse verhinderung verursachet. Weshalben man dahin arbeiten müssen, wie den belagerten diese StreichWehre[82] benommen würde: Darnebenst im negst-angelegenen Walde etliche tausend Fasinen[83] vnd Reiswällen,[84] den graben damit, nach gemachter Breche, auszufüllen, vnd alsdan darauff zu stürmen, verfertigen, auch, angesehen man mehr gegenwehr, wie man vermuthet, empfungen, noch sieben Stücke, worunter drey schwere, so von Neus, vmb grössern ernst davor zu gebrauchen, verschrieben worden, den fünff vnd zwantzigsten tag AprilMonats anbringen lassen.

Nachdem nun Graf Guebriant endlich über den Graben kommen, vnd den neun vnd zwantzigsten eine Mine springen lassen, commendirte Er alsbald zweyhundert Knechte[85] zum anlauff:[86] Welche die Belagerten aus der Breche geschlagen vnd selbige behaubtet. Worauff vmb acht vhren abermahl ein anfall geschehen: Dessen aber die darin nicht erwarten wollen, sondern, nachdem Sie das Städtlein an vnterschiedlichen orten in brand gestecket vnd gantz vnd gar, ausser der Kirche, eingeäschert, daraus aufs Castel entwichen; nachdem Sie biß in die vierte woche sich darin manlich verthedigt gehabt.

Inmittlerzeit war der Feind, vmb nicht nur diesen platz, sondern zumhl das gantze Land zu entsetzen vnd die Guebrantischen einzutreiben, bemühet gewesen. DerFeldMarschall[87] Graff von Hatzfeld war bereits, bey anfange der belagerung, von seiner reise nacher Mäyntz,[88] so allein zu dem ende, den Succurs eilends herunter zu bringen, angesehen, nacher Cölln[89] wieder zurückkommen: Welcher Succurs auch in voller Marche begriffen war, und die Schiffbrücke hieselbst darzu fertig gehalten worden. Enckefort[90] war gleichfals im Cöllnischen angelanget, die zerstrewete vnd täglich wieder zusammenkommende Lamboyische,[91] so sich bereits auf dreytausend starck geschätzet,[92] in eine newe form zu bringen vnd als FeldM. Lieutenant[93] zu commendiren. Bäyerische vnterm FeldMarschall Wahlen, worauff der Churfürst zu Cölln seinen meisten trost gesetzet, näherten auch herbey, und kamen im AprilMonat vmb Franckfurt am Mäyn an: Da Sie sich in die Wetteraw vnd OberHessen verleget. Befunden sich anfangs zwar nicht gar starck, vnd in zimblich schlechter postur: Namen aber an Manschafft vnd Kräfften täglich zu, weil Sie frisch geld bekommen, vnd in besagter Stadt durch die Kauffleute hundert vnd dreyssig tausend Reichsthaler vor Sie ausgezahlet, auch eine grosse anzahl lediger pferde aus Bäyern, zu wieder-aufsetzung der unberittenen, herbey gebracht worden. Wie dan, was im Wirtembergischen vnd sonst in den quartieren noch hin vnd wieder gestecket, alles dahin gegangen: Auch man in Bäyern dermassen zugeworben, das man in selbigem Lande fast alle handwercksbursch, sich vnterhalten zu lassen, gleichsamb zwingen wollen. Der Hertzog von Lottringen[94] hatte sich aus seinem Haubtquartier Worms[95] nicht weiniger erhoben; marchirte über Creutznach[96] vnd den Hunesrück der Mosel zu: Vnd wuste man nicht, was dessen vorhaben; ob Er nicht vielleicht ebenwol herunterwerts hieher das haubt strecken dürffte ?

Die Guebrantische brauchten indessen vor dem Castel zu Lechenich mit schiessen grossen gewalt: Gestalt Sie, den siebenden tag MäyMonats, von allen dreyen davor aufgeworffenen Baterien den gantzen tag, bis in die sinckende nacht hinein, mit Stücken darauff gespielet,[97] gleichwol, angesehen dessen Mauren zwelff schuh[98] dicke, vnd gegossen Werck, daran die kugeln schwerlich hafften vnd einige wirckung thun können, weinig damit ausgerichtet. Wie dan ebenmässig, vnter wehrendem schiessen, der halbe Mond davor angegriffen. Die anläuffer aber, mit verlust ihrer etliche, darunter Graff Guebriants Obr. Lieutenant, zurück geschlagen worden.

Wiewol nun annoch kein Entsatz in der nähe vorhanden, noch derselbe näher, als bis Aldenkirchen[99] in der Graffschafft Säyn jenseits, kommen war, ward doch die Resolution zum aufbruch vnd quitirung des orts genommen: Deren zu folge Graff Guebriant, den sechszehenden tag MäyMonats, Stücke vnd Pagage davor abführen lassen, vnd folgenden tags mit der Armée gefolget.

Zu deren verstärckung dreyssig Compagnien, so die H. Stadten der vereinigten Niederlande abgedancket vnd in Frantzösische dienste überlassen, angelanget: Welche in Düren, Bebber,[100] Hulckeroth,[101] Kempen[102] vnd dergleichen orten zur Besatzung hineingeleget, hingegen die abgelöste Völcker zur Armée gezogen worden. Wie dan die Guebriantische auch Neus, Linn[103] vnd Ordingen[104] den Hessischen allerdings eingeräumet: Damit Sie im felde desto stärcker gegen den Feind sich machen möchten. Fasseten zuerst an der Erffte stand: Woselbst Sie alle ihre Macht zusammengeführet, auch ein newer starcker Succurs, von vier in fünfftehalb tausend Britanniern,[105] zu Ihnen gestossen.

Der Feind wandte hingegen alle seine mittel vnd vermögen dahin an, sich gegen dieselbige proportioniret zu machen. Tausend vnberittener Bäyerischer Reuter waren von Höchst[106] zu Schiffe bey Cölln, vmb sich in diesen quartieren wieder zu montiren, angelanget: Weil aber sonst schwerlich darzu pferde gnug zu finden, als ward vom Churfürsten dessen Lehnleute, ihre schuldige Lehnpferde[107] mit darzu gehöriger Armatur (womit solche Reuter versehen werden könten) herbey zu schaffen, anbefohlen. Wiewol  nun selbige ihre grosse erlittene beschwernusse vnd vnvermögenheit vorgewandt, hatte es doch nicht geholffen, sondern die pferde, woher Sie dieselben auch nehmen wollen, zur hand sein müssen: Wodurch also solche Reuter ziemblich wieder zu pferden kommen, vnd, andern gleich, Herrendienste[108] thun können. Der vollkommene Entsatz von Keyserlichen vnd Bäyerischen, worzu der Gen. FeldZeugmeister von Vehlen, mit seinen Trouppen, aus Westphalen auch gestossen, fieng, den andern tag BrachMonats in der nacht, an, den Rhein über die bey Cölln geschlagene Schiffbrücke zu passiren; vnd hatten die Hatzfeldische vnd Vehlische den vorzug; denen die Bäyerische gefolget: Mit Resolution, gerades wegs auf die Frantzösische vnd Hessische anzugehen. Richteten, den dritten, nachdem Sie eine weile in Schlachtordnung gestanden vnd eine allgemeine Salve gethan, auch die Generale vom Churfürsten zu Cölln abschied genommen, ihre Marche auf Zons: Woselbst Sie etliche tage still gelegen, vnd, den achten, weiter abwerts nach Grimmelingshausen,[109] so nur eine stunde gehens von Neus, vmb sich daselbst zu verschantzen, gezogen. Die Schiffbrücke war, den achten, zu Cölln auch aufgehoben, besser hinunter nach Zons[110] geführet vnd daselbst übergeschlagen: Vnd lies sichs ansehen, das, da die Guebriantische vnd Hessische stand halten würden, es ohne stösse nicht ablauffen dürffte, vnd ein gros blutbad vor der hand were.

Diese aber, wiewol Sie sich angestellet vnd Mine gemachet, als ob Sie in ihrem bey Gräffenbruch[111] an der Erffte[112] geschlagenen  vnd wol-befestigten Lager stand halten wolten, verenderten doch solches vorhaben; brachen, gemeldten achten, von dannen auf, und zogen weiter abwerts den Rhein hinunter: Da Sie langst demselben von Linn ab, bis gegen Ruhrort[113] sich verleget vnd abermahl verschantzet. Vnd galt es itzt dem Bergischen Lande mit gewalt: Woraus Sie alles, was Ihnen dienlich, ins Lager geholet, vnd solches damit in aller abundantz[114] versehen. So war auch der Printz von Orange,[115] mit einer Macht von zwey vnd zwantzig Man, zwischen Rheinberg[116] vnd Orsoy[117] angelanget: Vnd stunden diese beyde Lager so nahe zusammen, das eines das ander, aufn nothfall secondiren konte“.[118]

1644 wird er wieder erwähnt: „Das flache Land aber war so arm, dass sich die Raubzüge [der Hessen-Kasselischen; BW] nicht mehr lohnten. Daher versuchten sich die Hessen zunehmend an den befestigten Adelsburgen, weil sie dort noch Proviant und Beute vorfanden. Am 17. November 1643 nahmen sie im Handstreich die feste Burg Bergerhausen[119] im Amte Lechenich und ließen 80 Mann als Besatzung zurück. Erst sechs Monate später, am 15. April 1644, belagerte eine ‚Churkolnische Abteilung mit 2 Kompanien zu Pferd und 600 Mann zu Fuß mit 2 Cartaunen und einem Feuermörser[120] die Burg’. Zwei Tage später wurde Bergerhausen von Hauptmann Sybert Kipshoven, der sich schon bei der Verteidigung Lechenichs hervorgetan hatte, ‚per accord eingenommen’ “.[121]

[1] Hauptmann: Der Hauptmann (schwed. Kapten) war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[2] Ferdinand v. Bayern, Kurfürst v. Köln [7.10.1577-13.9.1650 Arnsberg]. Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.[3] Johann Adolf Freiherr Wolff, genannt Metternich zur Gracht [24.6.1592 Köln-6.11.1669 Köln], kurkölnischer Landmarschall. Vgl. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff genannt Metternich zur Gracht. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolf, S. 195. Vgl. auch die Erwähnungen bei FÖRSTER, Kurfürst Ferdinand.[4] STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolf, S. 271.[5] SARBURG, Mathias, Verteidigung und Triumph.[6] „Armee ohne Land“: PRESS, Hessen, S. 312, über die Armee der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Nach den Zahlen bei BETTENHÄUSER, Die Landgrafschaft Hessen, S. 17, müsste jeder 4. Einwohner der Landgrafschaft Soldat gewesen sein.  Hessen-Kassel unterhielt bei einer Einwohnerzahl v. 70.-80.000 eine Armee v. insgesamt 18.000 Mann, die nur durch Kontributionen in den besetzten Gebieten erhalten werden konnte; ein typischer Fall v. Überrüstung. Laut Dorstener Vertrag hatte Amalie von Hessen-Kassel eine Armee v. 7.000 Mann zu Fuß u. 3.000 Reitern zu unterhalten; dafür zahlte Frankreich jährlich 200.000 Rt.; Staatsarchiv Marburg 4 f Frankreich Nr. 55; Bibliothèque Nationale Paris Manuscrit français Nr. 17885. Vgl. auch SODENSTERN, Die Anfänge.[7] General: Zumeist als Oberbegriff für alle Generalsränge verwendet, wenn eine genauere Zuordnung des Rangs dem Zeitzeugen nicht möglich war oder um in den schriftlichen Zeugnissen Papier zu sparen. Darunter fielen in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, „General(feld)wachtmeister“ („Generalmajor“ bei den Schweden). Etwa 20 % der bayerischen Generäle hatten sich „von der Pike auf“ hoch dienen müssen, während die Beförderung in der schwedischen Armee je nach Verdienst wesentlich schneller erfolgte. Sowohl in der kaiserlichen als auch in der kurbayerischen Armee spielten Herkunft, Gönner und verwandtschaftliche Beziehungen („Freundschaft“) eine entscheidende Rolle bei der Karriere. Bereits Anfang 1628 hatte Maximilian I. festgestellt: „An der fromen khaisers gueten intention ist zwar nit zu zweiflen; aber er ist seiner ministrorum bevorab denen, die daß kriegswesen dirigirn und füehren, so wenig mechtig alß dieselbige ihrer soldatesca; die experienz hat bißher gewisen, daß die generales des khaisers und die soldaten der generalen ordinanzen nur so weit in acht nemmen, alß es ihnen gelegen und gefellig. Daher alle ietzige confusiones.“ Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 218, fol. 63: Memorial für Richels Sendung nach Kurmainz, Januar/Februar 1628.[8] Jean Baptiste de Budes comte de Guébriant [Guebrian, Gabrian] [2.2.1602 Plessis-Budes-24.11.1643 Rottweil], französischer Marschall.[9] Lechenich [LK Euskirchen]; HHSD III, S. 448ff.[10] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog, in der brandenburgischen Armee sogar 300 fl. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.[11] Grevenbroich [LK Grevenbroich], HHSD III, S. 265f.[12] LÖHRER, Geschichte der Stadt Neuß, S. 319.[13] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.[14] Peter Paul [Petrus Pauli] Tibanti [Tibanthi, Tibante, Debanti] [ – ], kaiserlicher Hauptmann.[15] Bergheim [Rhein-Erft-Kr.]; HHSD III, S. 62ff.[16] Kerpen [LK Bergheim]; HHSD III, S. 389.[17] MEHRING, Geschichte der Burgen, S. 70.[18] Neuss [Rheinkreis Neuss]; HHSD III, S. 556ff.[19] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.[20] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.[21] schlichten: verringern.[22] Batterie: Geschütze wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen nannte man Batterie. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER][23] Kapitän (schwed. Kapten): Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste.  Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.[24] Sukkurs: Hilfe, Ersatz; Beistand, Nachschub.[25] Siegen [LK Siegen-Wittgenstein]; HHSD III, S. 686ff.[26] Desertion: Auf die unerlaubte Entfernung vom Regiment stand in den Kriegsartikeln die Todesstrafe, die nur nicht verhängt wurde, wenn Bedarf an Soldaten herrschte. JÜRGENS, Chronik, S. 514 (für Hannover): „Den 11. Aprilis [1633; BW] ist ein Königsmarkischer Soldate, so entlaufen, und hie unter Caspar von Lühden Stadt-Companien angetroffen, vor Linden bey dem Galgen stigmatisiret und das rechte Ohr abgeschnitten durch unsern Nachrichter Meister David“. Vgl. WINTER, Möser, S. 19f.: „Den 21. März [1628] läßt Hauptmann Föckler einen Reiter, so bei dem Merodischen Regiment, und einen Soldaten, so unter Hauptmann Kestgens, und einen, so unter seiner Compagnie ausgerissen, henken an die Justiz auf dem Markte. Den 2. April aber hat er einem Corporal zu Roß den Kopf, auch der Ursache halben abschlagen lassen“. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f., für 1637: „Den 31. März [10.4.; BW] ist der Oberst Spork mit seinen Völkern allhier vor die Stadt gekommen, hat Quartier begehret und daneben angedeutet, wie ihm Nordhausen auch assignirt worden; des andern Tages ist er wieder von hier nach Nordhausen gezogen. Den 4. [14.; BW] April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Der Ausbruch von Lagerseuchen (1626, nach dem Bericht des braunschweig-lüneburgischen Kapitäns Daniel Meyer) führte teilweise zur Massendesertion; Hauptstaatsarchiv Hannover Cal. Br. 16, Nr. 1141. Teilweise ließ man Deserteure um ihr Leben würfeln; DOLZ, Versuch, S. 298; JÜRGENS, Chronik, S. 525. Zur Desertion trug auch die Praxis bei, untergesteckte Söldner „zue disem sturmb, wie andere mehr, wider wüllen […] vornen an die spüz“ als Kugelfang zu stellen, wie ein kaiserlicher Soldat, der bei der Belagerung Überlingens 1634 verletzt wurde, nach Mitteilung Bürsters über seine Dienste nach der zwangsweisen Untersteckung unter die schwedische Armee berichtete; WEECH, Bürster, S. 67. Vgl. KAISER, Ausreißer; KAISER, Lebenswelt der Söldner. Das bayerische Memorial vom 16.4.1643 [Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern Äußeres Archiv 2763, fol. 23, Punkt 9] bestimmte, dass, wenn ein Neugeworbener ausreiße, sofort nachzuforschen sei, welche besonderen Kennzeichen er habe; diese seien alsbald zu notieren. Wenn trotzdem einer nicht mehr aufgefunden werde, so solle sein Namen an den Galgen geschlagen, und wenn er Handwerker sei, ein solches den Zünften alsbald zu notifizieren sei, damit dergleichen meineidige Gesellen über kurz oder lang von Handwerks wegen aufgeschrieben und zur Strafe gezogen werden könnten. Dies sei den Neugeworbenen, insbesondere den Handwerksgesellen, schon bei der Neuwerbung und Eidesleistung zu eröffnen. DAMBOER, Krise, S. 264f. William Crowne [1617 – 1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments und 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, berichtet über die Kämpfe Gustav II. Adolfs an der Alten Veste bei Zirndorf: „Der König von Schweden hatte hier drei seiner Soldaten für den Mord an zweien seiner Kommandanten und das Überlaufen zum Feind pfählen [im Original „set upon poles alive“] lassen. Nachdem die Schlacht ausgefochten war, hatte man die Soldaten gefangen genommen und hingerichtet“. RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36. Am 28.4.1628 „gab ein Deserteur vor seiner Hinrichtung als Grund für seine Fahnenflucht Überdruß an dem gottlosen Leben der Soldaten an“. WIEGANDT, Wismar, S. 23f. Der Benediktinerabt von St. Georgen im Schwarzwald, Georg Gaisser [1595-1655] berichtet  unter 1634; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 569: „Einer von unsern Besatzungstruppen verleitete nach gefaßtem Fluchtplan einen andern zur Teilnahme an dem Verbrechen. Dieser verspricht sich zu beteiligen, eröffnet aber die Sache einigen, während er selbst den morgens Fluchtbereiten, als ob er selbst dazu bereit wäre, begleitet. Die Eingeweihten aber erheben sich aus den Verstecken, andere aber reißen Pferde von der Weide an sich, nehmen die Verfolgung auf, und nachdem sie dem des Fluchtverbrechens Schuldigen vergeblich mit den Schwertern zu Leibe gerückt waren (solche Hiebfestigkeit hatten (ihm) die Zaubermittel verliehen, erschlagen sie ihn mit Prügeln. Dies erschien einigen grausam, weil seine bei demselben Fluchtplan ertappte Frau nach dem Frühstück, von den Soldaten einige Male angeschossen, sterben musste. Milder verfuhr man mit den Töchtern, die man in die Verbannung trieb“. Auch mehrfache Desertion wurden hart bestraft; RICHTER, Historische Nachricht, S. 174 (Chemnitz 1633): „Den 19. Jan. ist ein Schottländischer Soldat, so dreymahl vom Regiment entlauffen, an die Justitz aufn Marckte aufgehencket worden“. Aus Meiningen wird 1646 berichtet, GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 274: „Eben in diesem Monat [August 1646; BW] sind drey Mußquetirer von hiesiger Qvarnison über die Stadt-Mauern hinaus gestiegen, und hinweg gelauffen, aber bey Walldorff wieder vertappt, nieder geschossen, tod herein gebracht, und in der Hocker-Gassen auff dem Graben, an einem auffgerichten Schnapt-Galgen gehängt worden“. BEI DER WIEDEN, Oldendorf, S. 47 (1623): „12. Maii solte ein entlauffener Schelm unter den Soldaten zu Oldendorf auff dem Marckte gehencket werden. Aber der Strik ging loess und der Verurtheilter fiel herab. Derhalben ihm das Leben geschenckt und er diese Graffschafft und das Furstenthumb Braunschweig vorschweren mussen“. HELLER, Rothenburg, S. 308f.: „Die gemeinen Soldaten erachteten eine Fahnenflucht nicht für vorliegend und sich ihres Eides ledig, wenn die Fahne, auf die allein sie geschworen hatten, zerstört war; Ebensowenig hielten sie sich für strafwürdig, wenn ihre Fahne vom Feind erbeutet worden war und sie dann in Massen zu ihm übergingen (sich unterstellen ließen)“. Die Desertionsquote unter den Belagerern vor Bergen-op-Zoom (1625) soll sehr hoch gewesen sein. Im Juli lagen noch 20.600 Mann vor Bergen; im Oktober waren es noch 13.200. Insgesamt betrugen die Verluste der Belagerer ca. 40 %; davon waren mehr als ein Drittel Desertierte.Dissimulation: Verstellung, Heuchelei. Der als hohe Kunst der Verstellung betrachteten Dissimulation hat REPGEN, Kurie I/1, S. 315-321, eine kleine Abhandlung gewidmet.[27] Bresche, Breche, brescia, bresica: durch Geschützfeuer erreichte Sturmlücke in der Stadtmauer oder auch in einer Verschanzung. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER][28] Demi-lune oder Halber Mond: Ein im Graben vor einer Bastion errichtetes, aus zwei Facen bestehendes Außenwerk. Sein Grundriss ähnelt dem des Ravelins, doch ist seine Kehle halbmondförmig [wikipedia].[29] Bonn; HHSD III, S. 94ff.[30] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.[31] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.[32] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern (auch „Neugeschriebene“ genannt) anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.[33] Werbepatent, Werbekontrakt, Werbekapitulation: Vertrag zwischen einem Landesherrn oder Obristen und einem mit der Werbung von Soldaten beauftragten Offizier. Die unterschriebene und gesiegelte Urkunde war der Nachweis der Berechtigung des Offiziers, Werbungen durchführen zu dürfen, gegenüber Amtsträgern und Untertanen des jeweiligen Ausstellers. Im Werbepatent waren u. a. festgelegt: das Gebiet, in dem die Werbung erfolgen sollte, die Zahl der anzuwerbenden Männer, nach Möglichkeit Name und Alter, bei Werbungen im eigenen Territorium z. T. das Verbot, Angehörige bestimmter Berufe anzuwerben, das Werbe-oder Handgeld, das dem Neugeworbenen sofort auszuzahlen war, sowie Ort und Zeitpunkt zur Versammlung der Geworbenen (=> Musterplatz).[34] Sold: Um 1630 erhielt (theoretisch] ein kaiserlicher Obrist monatl. 500-800 fl. je nach Truppengattung, Hauptmann 160 fl., Leutnant 60 fl:; Fähnrich 50 fl., Feldwebel 21 fl., Korporal 12 fl., Gefreiter 7 fl. 30 Kr., Fußknecht 6 fl. 40 Kr. Eine Kuh kostete ca. 10 fl., 1 einfaches Pferd 30 fl. Der Monatssold der einzelnen Chargen in einer schwedischen Kompanie zu Fuß betrug 1639 für einen Hauptmann 150 fl., Leutnant 35 fl., Feldscher 16 fl., gemeiner Soldat 6 fl.; in einer Kompanie Kürassiere für einen Rittmeister 150 fl., Leutnant 60 fl., Kornett 50 fl., gemeinen Reiter 15 fl.; bei der Artillerie für einen Obristen 800 fl., Oberhauptmann 200 fl., Adjutanten 100 fl., Quartiermeister 60 fl., Feldschergesellen 25 fl., Kommissbäcker 12 fl., gemeinen Kroaten 9 fl., Artilleristen 7 fl. Schon in den Anfangsjahren war der Sold nur ein- oder zweimal im Jahr ausgezahlt worden, so dass die Kontributionsforderungen ständig stiegen. SCHMIDT, Herzogtum Sachsen – Weimar, S. 54f. „Eine Beschwerde über seine Notlage war für den Soldaten gefährlich, wie das Beispiel von neun Soldaten der Schweinitzschen Kompanie zeigt, die am 30. April 1645 zum Tode verurteilt wurden (einer von ihnen wurde tatsächlich in Freiberg gehenkt), weil ‚sie sich ihrer hinderstelligen wöchentlichen Lehnungen halber beklaget’“. GENTSCH, Dreißigjähriger Krieg, S. 209. 1624 hatte man den Offizieren der nach den Kämpfen gegen Bethlen Gábor abgedankten Regimenter während der Verhandlungen in Freistadt vorgehalten, kein Kriegsherr habe je alle Außenstände beglichen, ein Nachlass sei doch üblich; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2345, fol. 69f. (Abschrift): »Fürhalt« an die Offiziere der Liga-Regimenter u. Freikompanien, Freistadt, 1624 V 15. Die sogenannten „freien u. einschichtigen“ Kompanien (1619-1648) schlugen immerhin mit 5.042.840 fl. 58 kr. in der Hauptkriegskostenrechnung zu Buch; GOETZ, Kriegskosten, S. 123; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 282. Der Historiograph Wassenberg schildert ausführlich die Meuterei der Besatzung von Breisach im März 1644 wegen ihres seit acht Monaten ausstehenden Soldes; WASSENBERG, Florus, S. 563ff.: „Nahe bey außgang aber gegenwärtigen Monats hat sich in der Vestung Brisach ein gefährlicher Aufstand angesponnen / in dem alle Frantzösische Compp mit doppeltem Fewer sich auf den Platz gestellet / vnnd eine Ordnung geschlossen / daß man ihnen so leichtlich nicht zukommen können; aber keinen Officirer / als allein die Corporalen bey sich gelitten / auch als die Teutschen auf die Abendwacht ziehen wollen / haben sich die Frantzosen betrohlich gegen sie vernehmen lassen / woferrn nur ein einiger sich vnterstehen würde auß dem hauffen zu gehen / sie denselben auf der ställe niederschiessen wollen; daher sie alle / vnnd einer wie der ander / stehen bleiben müssen.Nach dem derhalben die Frantzösische Kriegesbeampten gesehen / daß ihre Völcker schwürig; haben sie mit vngestümmen Worten gefraget / warumb sie nit auff die Wacht ziehen wolten / damit von Leder gezucket / vnnd einen oder vier gestochen; aber damit anders nichts auß gericht / dann daß die Mußquetierer Fewer geben / 5. Leutenante vnd Fändriche geschossen / die übrigen aber dahin gebracht / daß sie das Hasenpanihr aufwerffen müssen.Hierauf haben sie in gegenwart Herrn General Majors von Erlach / vnnd Freyhern von Oisonville [Oysonville; BW] mit grosser vngestümm geruffen: dem König / vnnd Herrn General Majoren / wolten sie vmbs Geld dienen; welchem sie auch Lebensfrist versprochen; dem Freyherrn aber keines / sondern ihn beym Kopff genommen / mit den hahren übel gerauffet übel gerauffet / vnnd mit schändlichen Worten angegriffen / wäre auch / im fall Herr General Major nicht so hoch gebeten / wol nicht lebendig auß jhren Händen kommen / also daß er mit mercklicher gefahr seines lebens noch errettet worden. Wie sie nun der von Erlach gefragt / was dann jhr Begehren / haben sie jhren in acht Monat außständigen Sold gefordert: weßwegen er sie mit freundlichem zusprechen versichert / sie solten nur wider abziehen / er wolle verschaffen / daß sie bezahlet werden solten; Sie aber zur antwort gegeben / wann das Geld da vor jhnen augenscheinlich lege / als dann vnnd nit eher wolten sie sich zur Ruhe stellen: deßwegen man nothwendig dahin geschlossen / daß man jhnen auf nechstfolgenden Morgen (weil die Nacht albereit vorhanden) drey Monat / vnnd innerhalb vier Wochen das übrige abführen wolle. Mit welcher Erklärung Herr General Major abermals zu jhnen gangen / sie sehr freundlich besprochen / ja Kinder vnnd Brüder heissen müssen; biß er es endlich / wiewol mit gar harter mühe / dahin gebracht / daß sie endlich darein verwilleget; worauff er sie hoch gebeten / daß sie doch die Nacht über ruhig seyn / auch niemand einigen Gewalt thun / noch etwas plündern wolten: welches sie Ihm zwar versprochen; als er aber kaum in seiner Behausung gewesen / haben sie mit geschwinder Behändigkeit die Wippe / Esel / Stock vnd Galgen / sampt der Leiter abgehawen / vnnd über einen hauffen geworffen vnd verbrennet; alle Wirtshäuser geöffnet; was sie an Wein nicht gesoffen / auff die Erde lauffen lassen / viel Becker vnnd Krämer nicht verschonet / die Fleischbäncke / darinnen viel Vorrath gewesen / rein gemacht / vnd also die ganze nacht über mit plundern vnnd rauben einen solchen Gewalt verübet / daß dergleichen (wie man schreibt) in geschichten nicht zu lesen. Deß andern Tages ist Herr Erlach frühe wider zu jhnen kommen / da sie dann alle ganz toll vnd voll gewesen / daher er jhnen auch viel bessere Worte / als vorigen Tages / geben müssen: dann sie sich ohne schew verlauten lassen / woferrn jhre acht Monaten vmb zehen Vhren nicht da legen / wolten sie die ganze Statt außplündern / selbige in Brand stecken / vnd den Johan de Weerd zu ziehen / darbey sie dann weiters dem Herrn General Major vnverschämt ins Gesicht sagen dürffen / daß jetzund sie / nicht aber er / Meister seyen / haben darauff die Schlüssel begehret / vnn gesaget / daß, vngeachtet sie die Schlüssel nicht hetten / dennoch wol hinauß kommen wolten / weßwegen dann Herr General Major wiederum vnverichter sachen abweichen müssen. Als er nun den vnauffhörlichen Ernst vnnd Tollheit dieser Leute gesehen / hat er sich nebens Herrn Freyherrn de Oisonville entschlossen / fünf Monat zu bezahlen; hierauf abermaln zu jhnen getretten / vnnd sie dermassen / wie man Got im Himmel selbst anflehen möchte / gebeten / biß sie endlich diese fünff Monat angenommen / hat jhnen aber die übrigen drey Monat jnner vierzehen Tagen vnfehlbar abzutragen benebenst vollem Perdon solcher jhrer schönen thaten / versprechen müssen / oder sie wolten es noch zehen mal ärger machen. Hat sich also vor Mittag vmb halb zehen Vhr die Vnruhe widerumb gestillt / vnd ein jeder nach seinem Quartier gezogen. Die Teutschen seynd / als wie sie kommen / auff jhrem Platz stehende verblieben vnnd ruhig gewesen; ehe aber die Franzosen abgezogen / haben sie sich nicht zu Friede geben wollen / man habe jhnen dann auch fünf Monat bezahlet / da sie sich auch sonsten mit drey Monaten hetten abweisen lassen“. Der Benediktiner-Abt von St. Georgen im Schwarzwald, Georg Gaisser [1595-1655], berichtet noch zum März 1648: „Ein Soldat mit dem Übernamen Reißteufel, Schuster von Beruf, aus Gmünd gebürtig, der in erster Linie unter denen gewesen sein soll, die neulich Sold gefordert (oder Lebensmittel erpressten ? stipendia exegerant) hatten, wird vom Generalkommissariat zum Galgen verurteilt und heute [27.3.1648; BW] hingerichtet, vom weiblichen Geschlecht aufs höchste beklagt. Drei Jungfrauen, die ihn aus den Händen der Henker zu befreien suchten, erfuhren eine Ablehnung“. STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 1138.[35] Joachim Christian Freiherr, 1642 Graf v. der Wahl [1590-31.8.1644 Ingolstadt], kurbayerischer Feldmarschall.[36] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.[37] Nidda [Wetteraukr.], HHSD III, S. 345f.[38] Alexander II. Graf v. Velen u. Megen, Freiherr zu Raesfeld u. Bretzenheim, Graf (1642) [1599-10.10.1675], kurkölnischer Generalwachtmeister.[39] Bedburg [Rhein-Erft-Kreis]; HHSD III, S. 57f.[40] Schanze: geschlossenes, auf dem Feld angelegtes Erdwerk, zur Belagerung und zur Verteidigung. Schanzgräber waren für die Anlage von Belagerungs- und Verteidigungswerken zuständige Arbeiter (Schanzbauern), die im Tross des Heeres mitzogen und dem Schanzmeister unterstanden. Sie waren weitgehend verachtete Menschen, die in der sozialen Hierarchie der Heere nur wenig über den Prostituierten standen und schlecht bezahlt wurden. Auch verurteilte Straftäter wurden zu Schanzarbeiten herangezogen. Diese „Condemnatio ad opera publica“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Bürger und Geistliche der besetzten Städte sowie Klosteruntertanen, die zu diesen Arbeiten verpflichtet bzw. dafür ausgelost wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig und entzogen sich ihr durch die Flucht. Zum Teil wurden Kinder ab 12 Jahren zu dieser harten Arbeit eingesetzt, ganze Schulklassen dazu getrieben. Vgl. auch die Beschreibung der Drangsalierung der Bürger Iglaus 1647 bei STERLY, Drangsale, S. 64f.. Um seine eigenen Truppen zu schonen, zwang Johann von Götz bei der Belagerung der Feste Marienberg (Würzburg) eine große Anzahl von Bauern der Umgebung, Schanzarbeiten zu verrichten, ‚vnd die Stücke, die Er mit Pferden nicht dahin bringen konnte, hinauffzuziehen: Worüber dan viele todt geblieben, vnd daher die Bauren aller orten sich häuffig absentiret vnd verlauffen‘ (CHEMNITZ, Königlich Schwedichen […] II, S. 581). Auch eingeflüchtete Bauern wurden zu diesen schweren Arbeiten gezwungen. Im schwedischen Heer wurden dazu bevorzugt die ohnehin sozial deklassierten Finnen eingesetzt (vgl. auch TOEPPEN, Hoppes Chronik, S. 77). Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen. Im 17. Jahrhundert wurden zunehmend auch Soldaten durch die Aufnahme der Schanzpflicht in die Artikelbriefe für Schanzarbeiten herangezogen; ein Versuch der Fürsten, ein bisher ungenutztes Reservoir an billigen Arbeitskräften zu erschließen, eine Reaktion auf die neuen militärischen Erfordernisse (Belagerungs- und Grabenkrieg, Ausbreitung der Festungen) und Ausdruck des fürstlichen Willens, die Soldaten körperlich, geistig und sittlich zu disziplinieren (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 138, 255). Bei den Schweden wurden bevorzugt die Finnen zu diesen schweren Arbeiten herangezogen. Aus Iglau wird unter 1647 berichtet, wie der schwedische Kommandant Österling die nur noch 299 [von ehemals 13.000) Einwohner fassende Stadt während der Belagerung durch die Kaiserlichen zur Schanzarbeit trieb;  STERLY, Drangsale, S. 64f.: „In das kaiserliche Lager langte immer mehr und mehr schweres Geschütz an; als dieses der Kommandant erfuhr; ließ er er voll Grimm die Einwohner wie das mit aller Gewalt auf die Schanzarbeit treiben, und erließ das strengste Verboth, daß außer dieser Arbeit sich keine Manns- noch Weibsperson sehen lasse. Was war dieses für ein Trübsal unter den armen Bürgern ! dieselben hatten ihren geringen Vorrath an den nothwendigsten Lebensmitteln bereits aufgezehrt, und konnten sich bei dem bestehenden strengsten Verbothe, nicht auszugehen, keine andere beischaffen; vom Hunger und Durst gequält, und daher ganz erschöpft, mussten sie sich dennoch den schwersten Arbeiten unterziehen. Der Kommandant war taub gegen alles Bitten und Flehen; verlangten einige die Erlaubniß, sich aus der Stadt zu entfernen, so ließ er sie in den Zwinger einschließen, ihnen des Tags ein bischen Brot und ein wenig Wasser reichen, dafür aber unter Schlägen zur Arbeit anhalten. Als der Kommandant die Deserzion zweier seiner Leute am vorhergehenden Tage erfuhr, und besorgte, daß Mehrere diesem Beispiele folgen dürften, so ließ er den Arbeitenden Fußeisen anlegen“.[41] Streifpartei: I. Streifkorps; Reiterabteilung, die entweder zur Aufklärung oder zu überraschenden Handstreichen vom zuständigen Kommandeur ausgesandt wurde oder eine auf eigene Rechnung oder mit Wissen des an der Beute beteiligten Kommandeurs herumstreifende Abteilung, um Beute zu machen, Nahrung zu beschaffen oder die Bevölkerung zu terrorisieren. Am 9.5.1643 schrieb Ferdinand III. an Gallas: „auch die Streifparteien gehören bestrafft […], da sy die unterthanen unerhörter barbarischer weiß tractirn, denenselben wan sy nit gleich alles nach ihrem willen thuen, löcher durch die nasen bohren, strick dardurch ziehen und sie die [wie ?] unvernünfftigen thiere mit herumben ziehen, theils gar pulver in die nasenlöcher, auch mundt und ohren stecken und dasselbe anzünden, oder aber haisses bley hinein gießen, auch wohl ihre händt und fueß abhacken, ganze dörffer außplendern, und viel pferdt und viech mit weckh treiben“. REBITSCH, Gallas, S. 218f. II. Kriegspartei: reguläre Truppenabteilung. Vgl. KROENER, Kriegsgurgeln. III. Banden aus Deserteuren, Straftätern, vertriebenen Bauern, die z. T. in Stärke von 400 Mann bevorzugt Dörfer überfielen. LEHMANN, Kriegschronik, S. 105, zu einer Strafaktion: „Zue Crandorf hielte Sich auf Johans Lorentz, ein versuchter Churfürstlicher reuter, aber arger Mauser, der uff den Schwedenschlag an der Böhmischen gräntze großen schaden gethan. Den nahm Künemann, ein keyßerlicher Leutenandt und werber von den Platten mit 6 musquetiren des Nachts auß den bette, führeten ihn biß an Breittenbrunner Wiltzaun, schoßen in todt, zogen ihn auß und ließen ihn liegen, der den 25. April in einen Winckel auf den Gottesacker wurd begraben“. Vgl. auch das Edikt der Grafschaft Limburg (1627): „waß maßen vnd vielfeltiger Dagten Vorkommen [ist], dass sich in Vnser[er] Graffschafft Lymburg fast täglichen Partheyen vnd Soldaten vnd auch noch woll herrenloses Gesindling in Büschen, Bergen vnd Strauchen auffhalten, welche nicht allein Vnsern Vnderthanen, sondern auch der benachbarten Neutralen pressen, knebeln, fangen, stechen vnd sonsten übell tractieren […], welches allen Rechten, Erbarkeitt, guter Policey vnd gemeiner Wolfahrt, auch des Heiligen Reiches Landtfrieden vnd anderen Satzungen zuwiederläufft“. MARRA, Tod, S. 140. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. Im Juni 1647 ordnete der Kommandant von Lippstadt, Rollin de St. André, an, dass alle herumstreifenden Soldaten ohne Ausweispapiere zu erschießen seien. CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 51. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 617 (1641): „Vmb den Eingang Junii liesse sich ein Brandenburgischer Rittmeister gelüsten in Mechelnburg wider voriges Verbott zustreiffen / der auch dariñen geplündert hatte: Darwider Gen. Major Axel Lille vber einen / dem beschehenē Anbringen zu widerlauffenden actum, sich beklagte. Herr Statthalter Marggraffe Ernst liesse diesen Rittmeister einziehen / vnd im Kriegsrecht widerfahren / darumb er enthauptet / vnnd zehen seiner Gehülffen auffgehenckt worden“.=> Partei.[42] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann, zum Teil allerdings auch nur ca. 30 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.[43] Bedburg [Rhein-Erft-Kreis]; HHSD III, S. 57f.[44] Feldlager: Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Zelte aus Brettern, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh und Laub, stabilisiert mit Spießen und mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62, EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS (Hg.), 1636, S. 96f. Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiere und den Hütten und Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, ass sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, Band 2, S. 287, Anm.; LAHRKANP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- und Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke und verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ und deren Frauen und Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 97ff.[45] Wesel [LK Wesel]; HHSD III, S. 773ff.[46] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt. Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Er erhielt nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) monatlich 1.200 fl.Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.[47] Generalstaaten: Die protestantische Republik der Vereinigten Niederlande, die sich nach dem Zerfall der Niederlande 1581 in einen nördlichen (protestantischen) und einen südlichen (katholischen) Teil [Spanische Niederlande] konstituiert hatte, von Anfang an in den Krieg mit Söldnern und finanzieller Unterstützung involviert war und am 15.5.1648 in Münster durch Friedensschluss mit Spanien offiziell den „Aufstand der Niederlande“ beendete.[48] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.[49] Wipperfürth [Rhein.-Berg.-Kr.]; HHSD III, S. 789ff.[50] Bonn; HHSD III, S. 94ff.[51] vernageln: Durch die Zündlöcher hineingetriebene Nägel machten die Geschütze unbrauchbar.[52] Lechmühle: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten ![53] Zülpich [LK Euskirchen], HHSD III, S. 812ff.[54] Euskirchen [LK Euskirchen]; HHSD III, S. 220f.[55] Dahlen, heute als Rheindahlen Stadtbezirk von Mönchengladbach.[56] Duichen: nicht identifiziert.[57] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.[58] Jülich [LK Jülich]; HHSD III, S. 367ff.[59] Oberkersten: nicht identifiziert.[60] Mercurij Relation, 21.4.1642ff.[61] Flüßingen: nicht identifiziert.[62] Major: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht.[63] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt]. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.[64] Granat(feuer)kugel: eiserne Sprengkugel als „eine spezielle form der granate älteren gebrauchs, die auch in der feuerwerkskunst verwendet wurde“ [DWB]. Zum Teil versuchte man diese in Schlachten (z. B. Hessisch Oldendorf 1633) in die Munitionswagen der Gegner zu werfen. Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 115 v (Ausfertigung): August Erich an Johann Ernst v. Sachsen-Eisenach, Kassel, 30.6.1633 (a. St.). – Feuerkugel: mit Brandsatz versehenes, aus Mörsern abgefeuertes Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte. Teilweise entzündete sich nur ein Viertel dieser Feuerkugeln. CHEMNITZ, Königl. Schwedischer […], S. 407, stellt anlässlich der Belagerung Regensburgs 1634 fest: „fewr-Kugeln / die sehr gros / von schwefel / pech / pulver / zundstricken vnd dergleichen brennenden materien gemachet / vnd vielen schlägen angefüllet waren / gleicher gestalt nicht gefeyret / doch weinig ausgerichtet: Dan deren viele in der lufft zersprungen / etliche in die Donaw gefallen / etliche / so gantz verstopffet gewesen das die zunder nicht zünden können / gefunden worden; Vnd zwar an gefährlichen örtern / ja aufm hew liegend / da sonst die geringste flamme leichtlich ein fewr hette verursachen mögen“.[65] Mine, minieren: graben, untergraben: Anlegen von Untergrabungsgängen unter dem Mauerfuß einer belagerten Festung. Diese Minengänge zielten entweder auf den Einsturz der Mauer oder auf ein Eindringen in die Festung. Über die Unterhöhlung hinaus konnten sie mit einer Pulverladung versehen und zum Sprengen der Mauer benutzt werden. Da man die Arbeitsgeräusche bald hören konnte, wurden Gegenminen gelegt und zur Explosion gebracht. Teilweise wurden die Minen auch dem Gegner gezeigt, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. => Kontramine.[66] Gymnich, heute Stadtteil von Erftstadt [Rhein-Erft-Kreis].[67] Dirmerzheim, heute Stadtteil von Erftstadt [Rhein-Erft-Kreis].[68] Kaster [LK Bergheim]; HHSD III, S. 381f.[69] Neuss [Rheinkreis Neuss]; HHSD III, S. 556ff.[70] Wochentliche Ordinari Zeitungen Nr. 80[71] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.[72] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog, in der brandenburgischen Armee sogar 300 fl. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.[73] Soldateska: Soldaten, teilweise auch abwertend gebraucht für Soldatenhaufen.[74] Kartaune, halbe: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite von 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211.[75] Kraut: Pulver.[76] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil aber auch bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“.[77] Brandschatzung: von der jeweiligen Armee festgelegte Summe, die die Einwohner aufzubringen hatten, um das in Brand Stecken ihrer Stadt, Gemeinde etc. zu verhindern. Bei den Armeen gab es seit dem Mittelalter sogenannte Brandmeister, Spezialisten im Schätzen und bei Nichtbezahlung der Brandschatzung im Feuerlegen. Erzherzog „Leopold Wilhelm musste bereits zwei Monate [20.11.1645; BW] nach seiner ersten Weisung mit einem neuerlichen Befehl die Einhaltung der Disziplin und Abstellung der Exzesse energisch einfordern: Er verhängte ein komplettes Ausgangsverbot in seiner Armee, um Delikte wie Kirchenplünderung, Mord, Brandschatzung und die schendung der weibsbilder zu verhinden“. REBITSCH, Gallas, S. 218.[78] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 849f.[79] Wesel [LK Wesel]; HHSD III, S. 773ff.[80] Aachen; HHSD III, S. 1ff.[81] Brühl [LK Köln]; HHSD III, S. 124ff.[82] Streichwehr: Schutzwehr, Bollwerk, Vormauer, von wo aus der anstürmende Feind mit Feuer bestrichen wird [DWB].[83] Faschinen: Schanzkörbe, Reisig, Bündel, Holzwälle, Rutenbündel.[84] Reiswelle: Bündel von Reisern.[85] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien.[86] Sturmlauf: heftiger, schnell vorgetragener Angriff mit dem Ziel, den [völlig unvorbereiteten] Gegner zu überraschen, seine Verteidigung zu durchbrechen. Zum Teil wurden für die Erstersteigung der Mauern oder des ersten Eindringens in die Stadt, Festung etc. Geldprämien bis zu 1000 Rt., die „erste Beute“ oder Rangerhöhungen (so etwa bei der Erstürmung Frankfurts a. d. Oder 1631), von den Offizieren ausgesetzt worden. Die Sturmkolonnen sollten Wälle oder Festungen auf Sturmleitern ersteigen, sich dort festsetzen und das Tor von innen öffnen, um den nachrückenden Soldaten den Weg frei zu machen. Teilweise wurde allerdings auch Branntwein ausgeschenkt, um die Angst zu betäuben, oder es wurden Gefangene bei allen Armeen als Schutzschilder vor der ersten Sturmreihe vorangetrieben; vgl. die Aussagen eines Untergesteckten (1634) => Gottmann, Peter in den „Miniaturen“; GAIER; SCHÜRLE; PRAßER, Schwabenspiegel Bd. 3, S. 80.[87] Feldmarschall: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.[88] Mainz; HHSD V, S. 214ff.[89] Köln; HHSD III, S. 403ff.[90] Adrian Graf v. Enckevort [Enckevoer, Enckfurth, Enckefurt, Enquenfort] [20.8.1603 Diest-3.6.1663 Ledeč], kurbayerischer Feldmarschall.[91] Gemeint sind hier die geschlagenen Truppen aus der Schlacht bei Kempen am 17.1.1642 zwischen katholischen (kaiserlichen und kurkölnischen) Truppen unter dem Befehl Wilhelms von Lamboy auf der einen und protestantischen (französischen, hessischen-kasselischen und weimarischen) Truppen auf der anderen Seite in der Heide zwischen Kempen, Hüls, Krefeld und St. Tönis am Niederrhein ausgetragen wurde. Das Gefecht endete mit einer vernichtenden Niederlage der kaiserlich-kölnischen Verteidiger. Die Kaiserlichen verloren v. 9.000 Mann 2.000 durch Tod, 5.000 gerieten in Gefangenschaft, 2.000 konnten entkommen; WILSON, The Thirty Years War, S. 633. In der Folge fiel das nördliche Kurköln unter protestantische Besatzung. WASSENBERG, Florus, S. 464ff. (unter Quelle 16). SCHAUMBURG, Die Schlacht.Wilhelm [Guillaume de] Freiherr [1634], Graf [1649] v. Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey] [um 1590 – 13.12.1659 Schloss Dymokury], kaiserlicher Feldmarschall.[92] Chemnitz meint hier die nach der Schlacht bei Kempen auseinander gelaufenen Soldaten Lamboys. Schlacht bei Kempen am 17.1.1642 zwischen katholischen (kaiserlichen und kurkölnischen) Truppen unter dem Befehl Wilhelms von Lamboy auf der einen und protestantischen (französischen, hessischen-kasselischen und weimarischen) Truppen auf der anderen Seite in der Heide zwischen Kempen, Hüls, Krefeld und St. Tönis am Niederrhein ausgetragen wurde. Das Gefecht endete mit einer vernichtenden Niederlage der kaiserlich-kölnischen Verteidiger. Die Kaiserlichen verloren v. 9.000 Mann 2.000 durch Tod, 5.000 gerieten in Gefangenschaft, 2.000 konnten entkommen; WILSON, The Thirty Years War, S. 633. In der Folge fiel das nördliche Kurköln unter protestantische Besatzung. WASSENBERG, Florus, S. 464ff. (unter Quelle 16); SCHAUMBURG, Die Schlacht. – Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.[93] Feldmarschallleutnant: Der Feldmarschallleutnant war ein militärischer Dienstgrad, der gleichzeitig mit dem des Feldmarschalls im 17. Jahrhundert aufkam. Der Kriegsherr pflegte einem Feldmarschall einen „Untermarschall“ oder „Leutnant“ beizugeben, der den Feldmarschall zu unterstützen und zu vertreten hatte. Zu seinen Pflichten gehörten u. a. die Aufsicht über Proviantplätze und -straßen, die Kontrolle der Wachen usw.[94] Karl IV. Herzog v. Lothringen [5.4.1604 Nancy-18.9.1675 Allenbach (bei Birkenfeld)]. Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.[95] Worms; HHSD V, S. 410ff.[96] Bad Kreuznach [LK Bad Kreuznach]; HHSD V, S. 24ff.[97] spielen, mit stücken: Spielen ist ein Terminus technicus der Artillerie: Das Verb markiert die aus dem zeitgenössischen Tennisspiel bekannte Flugbahn des Balles und spielt auf die sogenannten Göllschüssen an, indem man die Kugeln auf- und in die gegnerischen Haufen hineinprallen ließ, um die Moral des Gegners zu schwächen; LANGER, Kulturgeschichte, S. 185.[98] Schuh: altes Längenmaß, das je nach Land meist 28 bis 32 cm maß, in Extremfällen auch 25 und 34 cm.[99] Aldekerk [LK Geldern]; HHSD III, S. 12.[100] Bebber:[101] Hülchrath, heute Ortsteil von Grevenbroich [Rhein-Kreis Neuss]; HHSD III, S. 352.[102] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.[103] Linn, heute Stadtteil von Krefeld; HHSD III, S. 468f.[104] Oedingen [LK Meschede]; HHSD III, S. 584f.[105] Engländer: Unter den englischen Truppen befand sich ein hoher Anteil an von den Lord Lieutenants zwangsrekrutierten, aus dem Königreich ausgewiesenen Kriminellen und Asozialen, den „masterless men,“ [BEIER, Masterless Man; allgem. auch GEREMEK, Geschichte der Armut; z. B. auch die Chronik des Heinrich v. Weseken aus Wesel (1614); BAMBAUER; KLEINHOLZ, Geusen und Spanier, S. 354: „28. Novembr[is] ist hier auff dem Marckt ein Schott auffgehenckt, der Tags zuvor begangenen Einbruchs und Diebstals halber gefangen, die anderen sind weg kommen“] die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren [MASSON, Register of the Privy Council of Scotland. Second Series 1: 1625-1627, S. 385, 542f.; BRUCE, Calendar of State Papers. Domestic Series 1628-1629, S. 395, 568; OGLE; BLISS, Calendar of the Clarendon State Papers Preserved in the Bodleian Library I: Domestic 1628/29, S. 395, 568; FISHER, The Scots in Germany, S. 91]. Schon bei der Aushebung der Truppen für Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont und Gesindel rekrutiert [LOCKYER, Buckingham, S. 207f. Das galt auch für die Rüstungen 1625-1627; FORTESCUE, A History of the British Army Bd. 1, S. 191-194; allgem. auch COGSWELL, The Blessed Revolution, für die Zeit 1621-24, zu den englischen Zwangsabgaben CUST, The Forced Loan. Vgl. die Nachrichten über englischen Truppen für Christian IV., die zuerst in den Generalstaaten unterhalten wurden; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 51, fol. 155′ (Konzept): Maximilian I. an Ferdinand II., München, 1626 XI 04]. Das war eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden [Nach HAY, War, S. 117ff., eine Möglichkeit der Verringerung der Kriminalität (so auch BEHRINGER, Mörder), was SHARPE, Crime, S. 62-63, 119ff., allerdings in Frage stellt] und gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotens und Chronisten Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“.[106] Höchst, heute Stadtteil von Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 226ff.[107] Lehnspferde [Ritterpferde]: Lehnspferde, auch Ritterpferde genannt, waren seit dem Mittelalter die von der Ritterschaft dem Reichsoberhaupt oder dem jeweiligen Lehnsherrn für Kriegs- und Botendienste zu stellende berittene Kriegsmannschaft. Die Ritterpferde wurden später durch laufende Geldleistungen (Ritterpferdsgelder) oder durch eine einmalige Ablösung ersetzt.[108] Herrendienst: Soldatendienst.[109] Grimlinghausen, heute Ortsteil von Neuss [Rhein-Kreis Neuss].[110] Zons, heute Stadtteil von Dormagen [Rhein-Kreis Neuss]; HHSD III, S. 811f.[111] Grevenbroich [LK Grevenbroich], HHSD III, S. 265f.[112] Erft: Die Erft ist ein knapp 107 km langer linksseitiger bzw. südwestlicher Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen.[113] Ruhrort, heute Stadtteil von Duisburg; HHSD III, S. 655.[114] abundantz: Überfluß.[115] Friedrich Heinrich Prinz v. Oranien [29.1.1584 Delft-14.3.1647 Den Haag], Statthalter der Vereinigten Niederlande.[116] Rheinberg [LK Wesel]; HHSD III, S. 636f.[117] Orsoy [LK Moers]; HHSD III, S. 596.[118] CHEMNITZ, Geschichte des Schwedischen […] Kriegs, S. 93f.

[119] Bergerhausen [Gem. Blatzheim, LK Bergheim]; HHSD III, S. 62.

[120] Feuermörser, Mortier: Steilfeuergeschütz, dessen Rohre aus geschmiedeten Schienen bestanden, die, wie bei einem hölzernen Fass, durch eiserne Reifen zusammen galten wurden. Bei einem Kaliber von bis zu einem Meter Durchmesser waren die Feuermörser bis zu 2, 50 m lang und wurden vor dem Abschuss in die Erde eingegraben. Ihre Stahlkugeln hatten eine sehr steile Flugbahn, man konnte mit ihnen also hinter Mauern schießen. Sie dienten auch zum Werfen von Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) und mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll). Nach Pflummerns Aufzeichnungen konnte man mit ihnen Kugeln von 100 Pfund und mehr werfen; SEMLER, Tagebücher, S. 68. Vgl. auch die Abbildung bei FREYTAG, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 1, S. 89.

[121] STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolf, S. 247.

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Craven [Milort Crave, Millord, Milord Gré], William 1st Earl of

Craven [Milort Crave, Millord, Milord Gré], William 1st Earl of; Obrist [26.6.1608 Bishopsgate, London-9.4.1697 Drury House, London]

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Der in pfalzgräflichen Diensten stehende Obrist[1] William 1st Earl of Craven [Milort Creve, Millord, Milord Cré] [Juni 1608 Bishopsgate, London-9.4.1697 Drury House, London],[2] Baron Craven of Hampstead, Viscount Graven of Uffington, war ein enger Vertrauter und langjähriger Freund der Elisabeth von der Pfalz.[3]

Sir Francis Castellion [1561- ], der älteste Sohn von Giovanni Battista, war Master of Arts sowie Member of Parliament. Am 11.5.1603 wurde er zum Ritter (Knight) geschlagen. Er erbte den Besitz seines Vaters Benham Valence, Berkshire, den er 1630 an Carven verkaufte.

Craven, der 1632 die englischen Volunteers[4] als Vorhut kommandierte, Sir Francis Vane of Fulbeck [um 1611-1680][5] und andere Freiwillige und Offiziere wurden bei der Eroberung von Kreuznach[6] und der Kauzenburg[7] am 4.3.1632 schwer verwundet. „König Gustav Adolph über das 14tätige Würgen und den Verlust in seinem Heere sehr erbittert, zwang die Besatzung, welche aus 600 alten Soldaten, Deutschen, Burgundern[8] und Wallonen[9] bestand, ohne ihre Fahnen auszuziehen und Ober- und Untergewehr[10] abzulegen; später schenkte er ihnen die Untergewehre wieder. Die Einbusse in des Königs Heer war namentlich unter dem Adel sehr bedeutend. Viele Officiere wurden getödtet oder verwundet, der König selbst war mehreremale in der grössten Gefahr; – neben ihm wurde ein Musquetier[11] durch den Kopf geschossen, welcher Seiner Majestät auf den Leib fiel. – Da die englischen Freiwilligen den Vortrab unter dem noch sehr jungen Lord Craven bildeten, und die 300 Schotten,[12] unter Oberst-Lieutenant[13] Duglas,[14] die ganze Nacht unter dem Gewehre nahe bei der Stadtmauer stehen mussten, so war ihr Verlust auch am bedeutendsten, denn kein brittischer Officier war nach der Einnahme der Kautzenburg ohne Wunden,[15] Lord Craven bekam einen Piquet-Stoss[16] in die Hüfte, Sir Francis Vane,[17] ein Bruder des Grafen Westmoreland, erhielt einen Schuss durch das Hüftgelenk, Masham[18] wurde durch einen grossen Stein verletzt und Lord Talbot,[19] welcher am nächsten bei Craven gestanden, wurde getödtet“.[20] Friedrich V.,[21] den Craven von Den Haag in das schwedische Lager bei Kreuznach begleitet hatte, schrieb seiner Gemahlin am 29.5.1632 aus Augsburg:[22] „I cannot let Baron Graven depart without accompanying him with this to tell you that he conducted himself most worthily on this journey, during which he showed much courage and affection towards me. Which I do not doubt he would have been able to demonstrate more fully if the King of Sweden had thought fit to allow me to raise an army. Nevertheless I am extremely indebted to him and would dearly like to be able to show him the esteem in which I hold him and that he left here as content with me as I am with him. I pray you to assure him of this and how I appreciated the affection he showed me. I wrote yesterday by the ordinary post and will do so again diligently. I will leave it to him then to tell you in detail what he has seen“.[23]

William Crowne [1617-1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments und 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel und Surrey, erinnert sich jedoch, dass Craven bei den Kämpfen Gustav II. Adolfs an der Alten Veste[24] am 3./4.9.1632 anwesend war.[25] Nachdem Gustav II, Adolf die Aufstellung einer eigenen Armee Friedrichs V. verweigert hatte, war Craven nach England zurückkehrt.

Sarazin[26] war 1638 Kommandant in Meppen.[27] Auch für Graven war dort bereits Quartier gemacht worden. Die Verhältnisse in der Garnison[28] müssen jedoch recht desolat gewesen sein, zumal was die Befehlsstruktur betraf. Am 11.5.1638 hatte Johann Freiherr von Ketteler,[29] der Kommandant von Rheine,[30] nach sorgfältiger Planung und Vorbereitung durch einen überraschenden Nachtangriff Meppen seiner pfalzgräflich-schwedischen[31] Besatzung entreißen können.

Das „Theatrum Europaeum“[32] beschreibt die Festung und ihre Lage, um dann auf die Bedeutung für die Pfälzischen und den Angriff im Einzelnen einzugehen: „Gedachte Statt Meppen ist in dem Embser-Landt / an beyden daselbsten ineinander fliessenden Schiffreichen Wassern / Embs und Hase gelegen / von Kunst und Natur zu einer gewaltigen Vestung erbawet / und darumb desto mehr versichert / weil es ein Paß und gleichsamb der Schlüssel zu Frießland ist. Dannenhero besagte Statt und Vestung / in kurtz verflossenen Jahren von unterschiedlich außländischen Nationen besucht / und durch eine General Blocquade von dem Schwedischen[33] Feldmarschalck[34] Knipphausen[35] / bald Absterben der Königl. Majest. zu Schweden / sampt andern Orthen mehr bezwungen worden / welcher jetztgedachte Knipphausen dieselbe / und hernach Herr Gustavus Gustavi Sohn[36] je mehr und mehr bevestiget / die alte Fortificationen nicht allein verbessert / die Gräben erweitert und vermehret / sondern auch mit newerbawten stattlichen Bollwercken[37] und dergleichen Posten außstaffiert / also / daß auß derselben aller offentlicher feindlicher Anlauff leichtlich kann hintertrieben werden. Dann gegen Auffgang der Sonnen ist sie mit einem wässerichten und gantz morassigem Grund umbgeben / darzu mit einem Real-Bollwerck / Gustavus genannt / geziert und verstärcket. Gegen Niedergang derselben ist sie gleichfals / wie gegen Osten / an einem wässerichten Grund gelegen / und nicht allein mit dem newgebawten Bollwerck / so man von seinem Ursprung her / das Schwedische genandt / sondern auch darbey mit den newen Pforten / welche mit einem halben Mond[38] und doppelten tieffen Graben versorgt / allermassen stattlich fortificiert. Gegen Norden kann sie vom Fort Annenberg / und deme aneinander geschlossenen Hornwerck[39] / sampt der Hase-Pforten / und Embser Brücken / allda beyde Ströme zusammen stiessen / genugsamb beschützt werden / wie sie dann auch ferner gegen Suyden / mit beyden stattlichen Bollwercken / ELEONORA und CHRISTINA, sampt den zugwehörigen Wällen und Pallisaden trefflich versichert / welches also vom Situ[40] gedachter Vestung gesagt sey.

Mehr angeregten Platz Meppen / hatte deß abgeleibten Pfaltzgraffen Friederichs[41] sel. Gedächtnuß ältester Sohn Carol Ludwig[42] / gegen Erstattung 60.000 Reichsthaler von der Cron Schweden in seine Devotion gebracht / und weil er (als oben gedacht) entschlossen gewesen / auff Vorschub der Königl. Majestät in Engelland[43] / und anderer Martialischen Favoriten / eine Armee ins Feld zu rüsten / solchen Orth zu seinem Vorhaben bequem erachtet / als dahin er seine meiste Kräften würde ziehen / und von darauß die benachbarte Lande / sonderlich aber das Stifft Münster debandieren[44] können.

Wie nun diesem bevorstehenden Unheil vorzukommen / jedermann in forchtsamer Consideration gestanden / haben Ihre Gn. Käyserl. General Wachtmeister[45] Freyherr von Vehlen[46] / dem gemeinen Catholischen Wesen / und deß Lands Nutzen zum besten ein Mittel ersehen / dardurch man das Vatterlandt auß der Aschen erretten / und die bevorstehende Gefahr abwenden könte: Derohalben ihr Augwerck auff Meppen gericht / und ehe selbiges mit dem newen Pfaltzgräfflichen Volck mehrers erfüllet würde / durch ein Stratagema[47] einzunehmen gute Vorseh- und Anstellung gemacht / zu dem Ende dann dem Herrn Commendanten in Rhenen / Obersten[48] Freyherrn Kettelern / ankündigen lassen / alle mög- und trewliche Kundschafften deßwegen davon einzunehmen / welcher diesem zu Folge / sich darinn fleissig erzeigt / daß er alsobald den an Tag gegebenen Anschlag / durch Hülff deß Rittmeisters Hagendorn / so vor diesem in Meppen gelegē / zu facilitieren[49] / und glücklich zu vollnziehen sich resolviert.

Hierauff haben Ihre Gnaden Herr General Wachtmeister Vehlen / umb mehrer Sicherheit willen / die zu diesem Anschlag nothwendige Instrumenta und Steigleitern verdeckt / und unbekanter weiß von Warendorff[50] auff Rehnen zuführen lassen / von der Stadt Münster[51] auch 200 Mann entlehnt / dieselbe durch unterschiedliche Partheyen / als Convoyers auff Rhenen geschickt: Letztlich / Herrn Obersten Freyherrn Ketteler der Zeit vergewissiget / damit er bey Ankunfft derselben / mit dem meisten theil der Käyserlichen Besatzung zu Rhenen / neben 200. zu Fuß auß der Statt Fürstenaw[52] fertig wäre: die von der Statt Münster entlehnete Soldaten aber zur Guarnison[53] in Rhenen hinterlassen / und er (Herr Oberster Baron Ketteler) inmittelst das Glück auff Meppen versuchen solte / welcher dann diese hochwichtige Impressa[54] auff folgende Manier mit höchstem Ruhm sieghafft zu End geführet.

Demnach er ihme ertheilten Ordre nach die Völcker beysammen gebracht / ist er den 1. 11. May in aller stille und Geschwindigkeit von Münster / Warendorff / Rhenen und Fürstenaw auß in eygener Person auff die Statt Meppen angezogen / bey finsterer Nachts-Zeit durch die Hase gewattet / und hierauff an einem sichern Orth / ohnweit von dem Bollwerck Annenberg und dem Hornwerck gegen Norden zu abgelegen sich nieder gesetzt / das Volck in etwas außruhen / und den mehrern theil der Soldaten / wegen ungestümmen Winds / damit der Anschlag nicht etwa entdecket werde / die Lunten verbergen lassen / hernach sampt etlichen Officierern die Statt selbst recognosciret / die Runten darum mit brennenden Laternen verspührt / und nach dem er der Sachen Beschaffenheit halber mit dem Augenschein sich gnugsamb erkundiget / widerumb zu seinen Truppen sich verfüget / denselben / umb sich zu dem Hauptfall und Einfall der Statt gefast und dapffer zuhalten befohlen / hertzhafft zugesprochen / und der Kayserlichen Pflicht die gesambte Soldatesca erinnert / mit welcher er alsdann nach der Hase-Pforten zu marchirt / zum andern mal durch die Hase gesetzt / und an dem Orth / da die Embs und Hase zusammen stiessen / unter der Losung / Jesus / Maria / die Statt mit allem Ernst angefallen / den Wall bey dem Damm / darauff alle Pallisaden gestanden / attacquirt / die Pallisaden herausser gezogen / erstiegen / und ferner also starck dem Corps de Garde[55] zugeeylet / die allda Wacht haltende Pfältzische Soldaten mehrentheils nieder gemacht / von dar weiter der Hase-Pforten zugeloffen / dieselbe in grosser Fury mit denen zur hand geführten Instrumenten / Exten und Beyheln eröffnet. Darauff seynd die am selben Orth wartende Käyserische Völcker / bestehend in vier Truppen Reuter / und zwey Truppen Mußquetirer[56] mit gantzer Gewalt hinein getrungen / also bald in drey Hauffen sich getheilet / die meiste auff dem Marckte / allda die Pfältzische sich samblen / und Standt halten wollen / zugeeylet / die andere aber inwendig hin und wider nach dem Wall und den Bollwercken geloffen / allda dann es erst recht angangen / die Pfältzische Soldaten mit den Käyserischen also dapffer scharmutziret[57] / daß sich zuverwundern.

Inmittelst haben an der Seyten gegen Suyden bey den Bollwercken Eleonora und Christina etliche commandirte Mußquetirer und Trommelschläger[58] / auff Befehl Herrn Obersten / Freyherrn von Kettler einen falschen und blinden Lärm gemacht / und nachdem sie dieses mit höchster Behendigkeit verrichtet / zugleich auch der ihrigen Ankunfft / das schiessen / ruffen / schreyen und dergleichen / in der Statt vernommen / seynd sie von dar stracks wiederumb zurück nach der Embser Brücken zugelauffen / und an dem Thurn / da die Embs und Hase zusammen stiessen / die Pallisaden herausser gerissen / und den ihrigen die hülffliche Hand gebotten. Nichts desto weniger haben die Pfaltzgräfflichen den Muth nicht fallen lassen / sondern sich dapffer und hertzhafft gewehrt / sonderlich bey denen GUSTAVI und ELEONORÆ Bollwercken wider die Käyserliche zu stehen / sich unterstanden / und hinter den Schantzkörben[59] wacker feuer gegeben / bald aber hernach sich ergeben müssen.

Wie nun die Käyserischen sich der vornehmsten Posten in der Statt bemächtiget / auch deß Marckts / von dar die Pfaltzgräffische auf den Kirchhof gewichen waren / versichert / seynd sie mit gantzer Macht auff den Kirchhof getrungen / und nach grosser allda gefundener Gegenwehr / zuletzt dieselbe also beängstiget / daß sie zu der accommodation[60] schreiten müssen / woselbsten man dan mehrentheil / wie auch den Commendanten Hornecken[61] selbsten gefänglich[62] angenommen.

Demnach aber hernach theils Käyserische Officirer sich deß gefangenen Commendanten halben gezanckt / und ein jeder das Lob darvon tragen wollen / hat derselbe / unangesehen / daß er ein gefangener und disarmirter Mann war / einem Käyserischen Officirer / so seiner gefangenen Person halber mit einem andern gehadert / ein Maulschelle zum gratias[63] geben / worauff er aber vom selben mit dem Degen durchstossen / und also desperat todt geblieben / auch die Statt und Vestung gänzlich übermeistert / und mehr dann 400. Pfaltzgräffliche Soldaten / ausserhalb der Befelchshabern / deren auch nicht wenig gewesen / gefangen / und eine stattliche Beuthe[64] erhalten worden“.[65] Der Historiker Samuel Freiherr von Pufendorf [8.1.1632 Dorfchemnitz-26.10.1694 Berlin] hält dazu fest: „Inzwischen hat der Churfürst von Pfaltz die Stadt Meppe / welche die Königin[66] in Schweden Kniephausen geschencket / von seinen Erben erkaufft / und wolte daselbst seine Armatur / die er durch Hülffe des Königes in England und anderer auffbrachte / zusammen schaffen / auch seine neugeworbene[67] Völcker daselbst versamlen. Selbige Stadt wurde den Kayserlichen überfallen / dazu ihnen ein Schwedischer Uberläuffer Nahmens Hagedorn den Weg zeigete. Denn sie kamen mit den frühesten durch die Hase / und darauff geschwinde auf den Wall / da er am wenigsten befestiget war / der Commendant in der Stadt war der Oberste[68] Horneck / welcher nach Eroberung der Stadt Speyer[69] bey den Schweden in keinem sonderlichen credite stund.[70] Selbiger war gewarnet worden / daß sich der Feind bey Fürstenau zusammen zöge / und war wol selbigen Abend fleißig Runde gegangen / aber nach Mitternacht hatte er sich zu Bette gelegt / die Wachen nicht sonderlich verstärcket / auch nicht die gantze Besatzung munter gemacht. Ob sich nun wohl die Pfältzischen ziemlich wehrten / wurden sie doch von der Menge überwunden / ehe die andern zu Hülffe kamen. Daselbst wurden nun 400. Gemeine[71] / und der Oberste Lieutenant[72] Sarazin nebst andern Officirern gefangen. Hornecken hatte der Kayserliche Officirer Qvartier[73] versprochen / indem er sich aber mit einem andern deßwegen zanckete / gab er ihm aus Desperation eine Ohrfeige / dadurch denn dieser erzürnet wurde / daß er ihm den Degen durch den Leib stieß / der ohne dem vor seine Nachlässigkeit hätte büßen müssen“.[74]

Sarazin selbst machte dabei eine sehr unglückliche Figur, wenngleich der Überfall durch den Überläufer,[75] den Rittmeister Johann Hagedorn,[76] unterstützt worden war: „Die Abtretung des Emslandes an den Pfalzgrafen war unterdessen geschehen, täglich kamen Offiziere an, und das Knyphausische Regiment[77] hatte bereits zu den Fahnen Karl Ludwig’s geschworen. Drohend sprachen die Soldaten ihr Mißvergnügen über diesen Regierungswechsel aus, alle Manneszucht löste sich auf, und der Uebermuth des neuen Kommandanten, des Oberstlieutenants Serasin, der beständig die Besatzung mit blindem Lärm unterhielt, vollendete die Erbitterung der Gemüther. Laut und ungestüm ward Serasin’s Absetzung gefordert, und Obristlieutenant Horneck zum Kommandanten ausgerufen. Inzwischen kamen ununterbrochen frische Truppen aus der Pfalz und England an, die Stadt war mit Soldaten wie überfüllt. Für die Verpflegung wachte der Kommandant auf das sorgfältigste; zur bevorstehenden Ankunft des Pfalzgrafen und seines Bruders Robert[78] wurde im Schlosse aufgeräumt, Milord Gré sollte das Haus des Rentmeisters beziehen. Horneck hatte zugleich einen Plan zur Vergrößerung der Stadt entworfen, nach der Südseite sollte sie erweitert werden, so daß die beiden Hemberge in das Bereich der Mauern träten; auf dem kleinen Hügel sollte für den Pfalzgrafen eine reformierte Hofkirche erbauet werden, die jetzige Pfarrkirche blieb den Lutheranern; auf dem großen Hemberge beabsichtigte man ein Blockhaus und Magazin anzulegen. Die Ankunft des neuen Gebieters ward täglich erwartet, seine Wagen mit Geld und Munition trafen bereits ein. 5. Hagedorn hatte sich nach seiner Entlassung zum General von Velen begeben, und die Vollmacht zur Errichtung einer Schwadron[79] Reiter erhalten. Viele von denen, die früher entlassen waren, sammelten sich jetzt wieder zu des Rittmeisters Fahne. Darauf ward dem General von Velen der Plan zur Eroberung Meppens vorgelegt. Dieser ging auf denselben; denn er kannte die Wichtigkeit des Platzes, und die Nothwendigkeit, ihn vor des Pfalzgrafen Ankunft einzunehmen. An den Kommandanten von Rheine, Obersten von Ketteler, erging alsbald die Weisung, in Stille und Eile möglichst viele Truppen zur Eroberung Meppens zusammenzuziehen.

Horneck bekam von Lingen[80] aus über diese Bewegung Warnungsschreiben. Die Wälle wurden mit doppelter Wache besetzt, jedoch war dieser Schutz zu schwach, weil eben, weil eben der Lieutenant[81] Kornet[82] mit 300 Reitern abwesend war, und der Mangel an Disciplin kaum den fünften Mann auf den Wall kommen ließ.

Es nahete die verhängnißvolle Nacht des ersten Mai’s; die Kaiserlichen, 370 Mann zu Roß und 850 zu Fuß, zogen von Fürstenau heran, Hagedorn mit seinen Reitern unter ihnen; hinter Koldenhove[83] setzten sie durch die Hase, am rechten Ufer derselben im Sande ward Halt gemacht; sie banden nun zum Kennzeichen in dem Dunkel der Nacht ein weißes Tuch um den Arm, und bereiteten sich durch reuiges Gebet zum Sturme vor. Eine Laterne, vom Walle herüberleuchtend, (der Kommandant untersuchte die Wachen,) hätte bald den Muth gelähmt, indem sie Verrath und vorbereitete Abwehr befürchteten. Das Licht entfernte sich wieder, es blies ein schauriger Nordwind, die Thurmglocke schlug Ein. Jetzt ging es vorwärts, Sturmleitern und schwere Hämmer zum Sprengen der Thore voran; Punder Jürgen,[84] ein Hümmlinger[85] und Riese an Leib und Muth, war der erste im Zuge. Unter der Hornschanze wurde die Hase durchwatet, die Wache, ein und zwanzig Mann stark, merkte nichts, und floh nachher bei dem ersten Schusse davon. Die größte Arbeit bot der tiefe Graben und hohe Wall der Festung, Punder Jürgens Muth besiegte das Hinderniß; er hieß seine Begleitung zwischen Hase und Graben zurückbleiben, stieg dann selbst in den Graben hinab, und am entgegengesetzten Walle wieder herauf; als die Schildwache am Schlosse, in dessen Nähe die pfälzische Leibgarde lag, das Geräusch hörte und rief, antwortete Jürgen mit vieler Geistesgegenwart: ‚Schweig‘ doch, fisch‘ ja nur, sollst dein‘ Portion schon haben !‘ ruhig trat der kühne Hümmlinger dann in die Wache, als begehre er Feuer, und streckte die begleitende Schildwache nieder. Punders Genossen, die unterdessen nicht zurückgeblieben waren, tödteten die übrige Wache, eilten schnell zur Hasepforte, haueten hier vier Wächter nieder, sprengten das Thor, löseten die Fallbrücke, so daß die ungeduldigen Krieger in die Stadt strömen konnten. Die Wache an der Emsbrücke feuerten die Kanonen gegen das Hasethor ab, und lief davon. Während auf dem Strietfelde sich der Kampf entwickelte, drang eine Abtheilung der Kaiserlichen bis zur Hauptwache vor, und drückte die Schweden bis zum Rathhause zurück. Die Offiziere, sogar der auf der Hauptwache, lagen in tiefem Schlummer, und meinten beim ersten Erwachen, daß man ihnen zu Ehren die am Vorabende errichteten Maibäume beschösse, wurden aber bald des schrecklichsten Irrthumes gewahr. Am lebhaftesten war das Gefecht am Rathhause, wo Horneck mit den Seinigen wie ein Verzweifelnder kämpfte, und zuletzt von der Uebermacht besiegt und gefangen ward. In demselben Augenblicke ließ der Oberste von Ketteler hinter der Kirche die Trommel rühren; die Schweden glaubten sich im Rücken angegriffen, flohen nach dem Kirchhofe zurück, der ihnen zu einer Art Citadelle diente, wohin auch Horneck eilte, der sich unterdessen aus den Händen der Feinde wieder losgewunden hatte. Alle Kräfte wandten sich jetzt gegen diesen letzten Punkt, und schnell war der Kirchhof mit Sturm genommen. Horneck wurde hier zum andern Male gefangen, und weil er keine Begnadigung wollte, erschossen. Das Ganze hatte zwei Stunden gewährt, um drei Uhr war alles vollendet. Die Besatzung zählte 40 Todte, unter diesen Hauptmann[86] Schwarte[87] und ein Lieutenant; die Zahl der Verwundeten und Gefangenen betrug 640 Mann“.[88]

„An diesem Ereignisse nahmen die Bürger, die sich ruhig in ihren Wohnungen zurückhielten, keinen thätigen Antheil, nur äußerten sie ihre Freude über die Rückkehr unter die beschöfliche Herrschaft. Diese erste Feude ward jedoch auf der Stelle entsetzlich getäuscht; die Sieger eröffneten nämlich Gräuelszenen, als hätten sie Magdeburg erstürmt.[89] Die Thüren der geschlossenen Häuser werden mit Gewalt gesprengt, es beginnt ein wildes Plündern, Rauben und Mißhandeln der ruhigen Einwohner, daß an Menschlichkeit kein Gedanke mehr ist. Fünfzig der rohesten Söldlinge dringen in die Wohnungen der reichsten Bürger, welche die Gefangenen zeigen müssen, rauben alle Kostbarkeiten, schleppen das übrige Bewegliche aus den Häusern auf die öffentlichen Plätze, werfen die Lebensmittel auf die Gassen, ziehen die Zapfen aus den Fässern, reißen die Kleider den Menschen vom Leibe, und wüthen gegen die friedlichen Hausleute auf die empörendste Weise. So dauerte es fünf Stunden, da erst befahlen die Trommeln Schonung, allein umsonst; erst am Nachmittage, wo nichts mehr zu finden war, trat etwas Ruhe ein; da eilte dann die Soldateska aus den Thoren, und raubte die Pferde aus den Weiden.Die Beute für die zügellosen Söldlinge war um so ergiebiger, weil die Landleute durch den vorjährigen hessischen Raubzug gewarnt, ihre Habe großentheils in die Festung gebracht hatten, um sie gegen ähnliche Ueberfälle gesichert zu [ha]ben. Dieses Alles ging verloren. Die Güter, welche die Erben Knyphausen noch auf dem Schlosse hatten, wurden ebenfalls eine gute Prise für die Plünderer; das Geld, welches von dem Pfalzgrafen vorausgeschickt war, theilten sich die Offiziere. Diese waren der Eroberung recht vergnügt, und äußerten, ‚daß sie manche reiche und große Stadt erobert, geplündert und an ihr Kriegsrecht geübt hätten, doch übersteige die Beute von Meppen alles übrige‘; mancher gemeine Kriegsknecht raubte sich an die 200 Thaler zusammen. An Munition und Proviant war in der Stadt nicht gezählter Vorrath. Die Gefangenen, welche Neutralität gelobten, wurden entlassen“.[90]

Craven geriet am 17.10.1638 bei Vlotho[91] im Kampf der Pfalzgräflichen gegen die Kaiserlichen in Gefangenschaft.[92] Er hatte zehn Kompanien[93] der Leibgarde mit 1.200 Kavallerie und zwei Kompanien Infanterie geführt.[94] Das „Theatrum Europaeum“[95] berichtet dazu:  „Hinwiderumb vnd entgegen haben die Pfältzische in Westphalen von den Kayser-Hatzfeldischen[96] ein ziemlich hartes zur revenge[97] außstehen müssen. Dann nach dem sie eine Zeit hero / von den Kingisch[98]-Schwedischen Völckern / wie vorgedacht / coniungiert im Stifft Münster sich gehalten / darinnen den armen Haußman[99] mit Fewer vnd Schwerdt vbel geprest / vnd alles / wessen sie mächtig werden können / außgeplündert / haben sie sich endlich / als sie auß gedachtem Stifft auffgebrochen / nach der Graffschaft Lippe gewendet / die gantze Macht vor die Hauptstatt desselben / nemblich / vor die Statt Lemgaw[100] gezogen / vnd beneben dem Kingischen Succurß[101] selbige mit einer General Belägerung zu schliessen angefangen / wobey man dann keinen Fleiß gesparet / sondern / beneben starcker Begrabung / auß Minden[102] etliche Stück[103] davor gebracht hat / vmb selbige / nach verfertigten Batteryen[104] gegen die Statt zugebrauchen.

In dem sie nun gedachte Belägerung schon in die 14. Tag lang ernstlich continuirt / haben vnter dessen Ihre Excellentz Herr General Graff von Hatzfeld (als welcher der Schwedisch- vnd Pfältzischen actiones in guter Kundschafft hatte) auß allen Guarnisonen selbiger Gegend eine ziemliche Macht zusammen geführt / mit welcher er / beneben seinen fürnembsten Obristen vnd Officirern / vnversehens von Dortmund[105] ab vnd gegen Lemgaw zugezogen / vmb den Belägerten (mit welchen es bey nahe were geschehen gewesen) so viel müglich / Lufft zu machen.

Die Schwedisch- vnd Pfältzische / nach dem sie gesehen / daß die Kayserisch-Hatzfeldische Völcker / mit ihnen zu schlagen / gegen sie im Anzug / haben sich so balden resolviert / nicht zwar zu weichen / sondern einen standhafften Fuß zu halten / seynd auch gegen die angehende Kayserische Truppen der gestalt vest verblieben / daß sich zu verwundern: Wie dann die Kayserische Reuterey zwey mal zurück geschlagen worden / vnd die Victori anfangs gar zweiffelhafftig gewesen. Da ihnen aber die Kundschafft einkommen / daß Herr FeldMarschalck Hatzfeld mit mehr Völckern / den ihrigen vnter dem Freyhern zu Westerhold[106] zu Hülff / im Marche begriffen / haben sie strack ihre Paggagy[107] / sampt den Stücken nach dem Stättlein Vlothe / in der Graffschafft Ravensperg / gehen lassen / welches / als es Ihr. Excell. Herrn Graffen von Hatzfeld / vorgebracht / solches auch so wol von vnterschiedenen Gefangenen / als Ihr. Excell. recognoscirenden Partheyen selbst bestettiget worden / haben dieselbe vor nothwendig erachtet / solchem Vorhaben vorzubiegen / vndt dem Feindt die Gelegenheit / durch zu wischen / da es anderst müglich seyn könnte / abzuschneiden.

Solches nun desto leichter ins Werck zu bringen / haben Ihre Excellentz von Hatzfeld / durch den Obristen Wachtmeister[108] / Freyherrn von Westerholt / die Brücken zu Ghofeld[109] (worüber die Schwedisch- vnd Pfältzische / in der Flucht gantz sicher nach Minden sich hetten retiriren können) ruiniren vnd abwerffen lassen / welches / nach dem es geschehen / haben die Schwedisch-Pfältzische den Hatzfeldischen nicht mehr so leicht entgehen können / darüber dann Sonntag den 7. 17. Octobr. Nachmittag gegen 2. Vhren / sich beyderseits ein blutiger Streit angefangen / in welchem die Schwedisch- vnd Pfältzische Soldatesque der Hatzfeldischen erstes Salve Ritterlich / vnd ohne vermercktes Wancken / außgehalten / also / dass bey solchem ersten Angriff nicht allein viel verwundet vnd nieder gemacht worden / sondern auch bey einer halben Stund lang  / wer ob- oder vnten lige / nicht vermercket werden können.

Hierbey haben der Obriste Wachtmeister / Freyherr von Westerholt / beneben Ihr. Fürstl. Durchl. deß Hertzogen in Lothringen[110] Vice-Feld-Marschallen / Leutersem[111] den Rechten / beyde Ihre Excell. aber / Herr Graff von Hatzfeld / vnd Herr Peter Graff von Götzen[112] den lincken Flügel geführet / vnd bey solchem ihrem Commando / was dapfferen Obristen vnd Soldaten zuthun gebühren will / redlich verrichtet.

Wolgedachter Herr Graff von Götzen / als welcher im vordersten Hauffen gegen die Feindt gestanden / ist gleich durch einen Canonschuß niedergelegt / vnd durch dessen Todt bey seinen Officirern vnd Soldaten ein groß Trawren vnd Mitleyden verursacht worden.

Im Anfang wollte es sich (wie gedacht) mit den Kayserischen in etwas schlecht anlassen / vnd hatte das Ansehen gewunnen / als wollten die Hatzfeldische sich zum Durchgang gefast machen. In dem aber General Hatzfeld mit einer starcken anzahl Kürassierer[113] den Pfältzischen eingebrochen / vnd durchgehawen / hat sich endlich das Glück (welches niemaln so vnbeständig / als in dergleichen Occasionen zuseyn pfleget) gewendet / dass die Victoria uff der Kayserischen seiten gefallen / welche ihnen darumb desto sawrer ankommen / weil sie darüber vorwolgedachten Herrn Graffen von Götzen / zusampt dem Obr. Tirell[114] (so ein Irländer vnd berühmter Soldat) verlohren. Als nun der der Pfältzischen Ordnung getrennet / ist der Handel erst recht angangen. Vnd ob zwar die Vbrwundene durch die Flucht sich zu salviren gemeynt / seynd sie jedoch allerseits von der Kayserischen Cavallery / vnd zwischen zweyen fliessenden Wassern also eingeschlossen worden / daß ihrer wenig entkommen mögen. Solches nun hat verursacht / daß ein gut theil der Schwedisch- vnd Pfältzischen im Wasser ersoffen / andere das Gewehr hingeworffen / vnd die Kayserischen vmb Quartier[115] angeschryen.

Bey solcher der Sachen beschaffenheit konnte es nicht fehlen / daß alles von der Artillery / Munition / Stücken[116] vnd Pagagy[117] im Stich verbleiben muste / massen dann die Hatzfeldsche 8. grobe Stück[118] / 2. Fewermörsel[119] / vnd etliche kleine Stücklein bekommen. Von Fähnlein[120] vnd Standarten[121] seynd (ohne diejenige / so die Reuter zerrissen / vnd auß denselben / weil sie alle von blawen doppelten Daffet [122]/ vnd mit Silber gestickt waren / Libereyen[123] gemacht) 41. gelieffert / vnd vnter andern Beuthen auch das Hosen- oder Englisch Ritterband[124] / worauff ein köstlicher Zierat / nemblich / der Ritter Sanct Georg / rund vmbher mit Diamanten besetzt / geschnitten gewesen (so der Pfaltzgraff kurtz zuvor empfangen) sampt der Pfältzischen Cantzley / vnd andern vielen Rariteten / gefunden / so balden auch Ihrer Excellentz Herrn Graffen von Hatzfeld gelieffert worden. Ingleichem hat man vnter der Paggagy / auff deß Pfältzischen Kriegs-Zahlmeisters Wagen / 30000. Reichsthaler erhalten / welche aber Ihre Excellentz den Soldaten zu einer Beuth gelassen.

Die Gefangene seynd diese: Pfaltzgraff Robertus[125] / der Jüngere / dessen General Leutenant[126] / Ferentz[127] / 2. Englische Graffen / worunter einer / so der Reichste in Egelland / vnd 2. Regiment[128] vor den Pfaltzgraffen auß seinem Beutel geworben / 6. Obristen / worunter Obr. Boy[129] / Obr. Lohenstein[130] / Obr. Bussard[131] / Obr. Millord / 5. Obriste Leutenanten / 10. Obr. Wachtmeister /12. Rittmeister[132] / 24. Hauptleut / 6. Capitäyn Leutenant[133] / 25. Fähnrich[134] / 16. Corneten[135] / 40. Feldweybel[136] / 13. Feldscherer[137] / 60. Corporalen[138] / vnd bey etlich 100. Soldaten / ohne die jenige / welche von den Westerholtischen / Hahnseischen[139] / vnd vmb Lemgaw gefangen worden.

Der ältest Pfaltzgraff / Printz Carl-Ludwig[140] / nach dem er sich zu salvieren / mit einer Carotzen vnd 6. Pferden durch die Weser setzen wollen / wegen höhe deß Vfers aber / mit Pferden vnd Carozzen auff das Landt nicht kommen können /  ist endlich herauß gesprungen / eine Weyden ergriffen / sich allein salviert / vnd zu Fuß in Minden angelangt / woselbsten auch General Leutenant King (so an der Schulter vnd einem Backen gequetscht worden) selbst sechste kümmerlich ankommen. Vorgedachte Pferdt aber / sampt dem Gutscher / seynd ertruncken / vnd hat man selbige miteinander die Weser hinunter schwimmend gesehen“.[141]

In der Chronik des Adolff Wilhelm Moerbecke zu Stevening [1611-1675] heißt es: „Dit volck hir nu ein tyt lanck gelegen hebbende, syn se in begin van September, ve vorgenomde platzen, so doch kortz darna van die Staten weer fry gemaket syn, bessett latende, van dar ende vortz up Sut-[142] ende Statloen[143] in’t stifft | van Munster[144] vertrocken, starck ungefeer 3.000, so te voete als te perde; alwaer se haer met einige Sweden, gelicht in dee garnesonen an de Weser ende darumtrent, ungefeer 2.000 starck, under het commendo van den generalluytenant Kingh, so umtrent Lingen[145] gepass[ert] waren, ende dor dee graffschap van Bentheim[146] ende het stifft Munster bes tot Statloen haer entgegen quam[en], geconiungert hebben, ende tesamer hant den wegh, so die Swedeschen gekommen waren, weer getrocken syn vortz up Ossenbrugge[147] ende verner up Lemgouv[148] gemarchert, | diesolve stat belegert ende beschaten. Hirentussenen ist den grave van Hatzvelt, so den sommer oder in’t lant von der Marck ende darumtrent met ein goet volck gelegen hadde, up doe bene umtrent met ein goet deel volck gelegen hadde, up dee bene gekommen ende den viant, einigh volck ut die Munstersche garnesonen tot hem genomen hebbende, under ogen getrocken, hetwelcke dee voer Lemgouv vernamen hebbende, syn upgebraken, in meinungh, haer up Minden[149] te retireren. Maer also dee brugge over dee …, als synde den einigen pas up Minden, oder den oversten | Westerholt weinigh tevoeren geruinert wass, syn see genootsaket geweest, haer up Flottau te wende, von waer niet vere syn van die keiserschen [den 17 Octobris] achterhalt ende tot het hoefft te beden gedwungen syn. Die rutery, waermede haer dee paltzgrave ende dee generalluitenant Kingh meinden te salveren, ist erstlick van die keiserschen an seker pass unfersee[ns] averfallen ende voele darvan geruinert ende gefangen. Met dee rest hebben haer dee paltzgrave ende Kinck by Flotau dor dee Weeser (warin noch voelle | verdroncken syn) gesalvert.

Het voetvolck (het welke noch achter wass) dit vermemende, nimpt seker groten ende begravenen kamp tot haren vordeel in, darsolvest haer in posture stellende ende ein tyt lanck dapper gefochten. Mar also see avermannet waren, en dee keiserschen met en grote resolutie up haer anvielen, syn see in ¾ uhres van dee solvige totaliter geslagen, achterlatende 16 stucken, 2 morteers,[150] 41 veendelen[151] ende standarden,[152] alle bagagie, neffens ein grot deel gefangens, warunder waren den iongen paltzgrave prins | Robert,[153] des paltzgraven veltmarschalck Ferens, overste Milort Greve, overste Boy, overste Loo,[154] overste Milart,[155] oversteliutenant van der Wenge[156] unnd ein groot getal rittmeisters, capiteins ende andere geringere officeren. Wie volle avers dar gefangenen als ock dee doden geweest syn, koste men niet gewaer worden. An der keiserschen syde waren von namen doot gebleven den oversten Peter Gotzen ende overste Tirelli[157] neffens 3 a 4 geringere officiren“.[158] Craven wurde für 2o.ooo Pfund freigekauft, was immerhin ca. 66 Rt. entsprach.

Um weitere Hinweise über Cravens Aufenthalt im Reich unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[2] http://www.berkshirehistory.com/bios/wcraven_eofc.html;  MURDOCH, SSNE ID 1339. Das Gemälde stammt von Gerrit van Honthorst.

[3] Elizabeth Stuart [19.8.1596 Falkland Palace, Fife, Schottland-23.2.1662 Westminster, London], Prinzessin v. England u. Schottland, Kurfürstin v. der Pfalz 1613-1623, 1619-1620 Königin v. Böhmen, älteste Tochter Jakobs I. von England [vgl. ASCH, Jakob I.] und Ehefrau von Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz. Nach dem Tode ihres Mannes (1632) kämpfte sie weiter um die Ansprüche ihrer Kinder. Materiell von London unterstützt, blieben die Zahlungen nach der Hinrichtung ihres Bruders Karl I. (1649) aus. Erst 1661 konnte sie nach der Restauration der Stuarts nach England zurückkehren. OMAN, The Winter Queen; MARSHALL, Elisabeth Stuart; MARSHALL, The Winter Queen; LEMBERG, Eine Königin, AKKERMAN, The Correspondence.

[4] Volunteers: Freiwillige oder auch Aventurier: Abenteurer, Schlachtenbummler, die zeitweise auf eigene Kosten im Heer dienten, auch Freibeuter (Kriegsunternehmer). Vgl. ERNSTBERGER, Abenteurer. Von den Städten wurde dagegen verlangt, dass sie diesen oft adeligen Schlachtenbummlern Quartier und Unterhalt gaben. In der „Begründten Summarische Relation“ (Quelle 6) über die Schlacht bei Alerheim (1645) heißt es „Insonderheit ist vnder den Französischen Auenturirn, wie man nachricht hat / eine nit geringe anzahl / vnd darunder vil vornemme Leut / Todt gebliben“.

[5] Sir Francis Fane of Fulbeck [um 1611-1680], hatte als Volunteer ab 1631 unter James Marquis Hamilton [SSNE ID 1348] gedient. SSNE ID 6936.

[6] Bad Kreuznach [LK Bad Kreuznach]; HHSD V, S. 24ff.

[7] Kauzenburg, Höhenburg in Bad Kreuznach im Landkreis Bad Kreuznach.

[8] Es handelte sich um Lothringer: Truppen Karls IV. Herzog v. Lothringen [5.4.1604 Nancy-18.9.1675 Allenbach (bei Birkenfeld)], die im Reich einen außerordentlich schlechten Ruf genossen. Jeremias Drexel SJ, der Maximilian I. auf seinem Böhmischen Feldzug begleitete, gesteht am 30.7.1620; RIEZLER, Kriegstagebücher, S. 92, „dass die Lothringer in dem eroberten Schlosse Aisterheim schlimmer als die Türken hausten. Die Trossknechte im Gefolge der fünf lothringischen Schadronen haben diesem Berichterstatter den Eindruck gemacht, als habe man von vielen Galgen die Diebe gesammelt. Überhaupt scheinen sich die schlimmsten Elemente im ligistischen Heere unter den Lothringern befunden zu haben. Wir erfahren von Angehörigen dieser Truppen, die Krankheit simulierten, um im Wagen gefahren zu werden, dann an einem abgelegenen Ort ihren Fuhrknecht ermordeten und sich mit den Pferden und aller sonst erreichbaren Beute aus dem Staube machten“. THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 493 (1631): „Es hat diß Volck auch an andern Orthen / da sie auffgebrochen / also gehauset vnnd Tyrannisiret / daß es ein Stein erbarmen mögen: alles auff den eussersten Grad verderbet / geplündert / den Haußraht verbrennet / das Bettwerck in die Lufft gestrewet / vnd andern vnmenschlichen Muthwillen verübet / nicht anders als wann die Innwohner ihre abgesagte Feinde gewesen: Sonsten aber waren sie so forchtsamb vnd verzagt / vnnd dorfften ihres Manns / ob sie schon offtmals als demselben an der Anzahl vberlegen / nit erwarten“. Melchior Adam Pastorius [1624 Erfurt-1702 Nürnberg], Bürgermeister und Oberrichter in Bad Windsheim (1631) fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 111f.: „Bald ruckte die Lothringische Armee hernach / die plünderte das gantze Land aus / und suchten diejenige Bauren Leute / so mit ihrem Vieh in die Wälder gewichen waren / mit Hunden auf / etliche übel bekleidete waren im Walde erforen / etliche hatten was Vieh / in die Stadt geflüchtet / das starb Hungers / weilen auch das Futter in der Stadt alles ausgezehret war / man konnte kein Aas hinausführen lassen / daß verursachte Gestanck / Kranckheit und Sterben. Es wurden damals weder Kirchen noch Schulen gehalten / auch keine Wachten gehalten / noch sonsten etwas in der Stadt verrichtet / jederman bliebe zu Hause wie ein Dachs in seiner Höhlen. Und dieses Volck hiesse man den Tyllischen Zug“. Der Chronist Sebastian Dehner [25.8.1612 Rothenburg-13.6.1679] hält fest; HELLER, Rothenburg, S. 77f.: „30. Oktober an einem Sonntag zu Nachts umb Horn ist daß Galgenthor geöffnet worden, da ist der Lothringer mit seinem Volck, lauter Franzosen, hereingezogen, alßbald Rathhauß, Rüstkammer und den Mark mit Schildwach bestellet, auf dem Mark viel Feuer angezündet, dabey Schwein, Schaf, Hünner, Gänß, waß u. wo sie waß gefunden, gebraten, gesotten und recht soldatisch angefangen zu leben. Nach Mitternacht fingen sie an, die Häußer mit Gewalt zu erbrechen und die Leute zu tribuliren, alleß zu plündern, zu nemmen, zu schlagen, daß ein groses Lamentiren, Weinen, Heulen, Klagen und Schreyen in allen Gaßen und Häusern entstanden; die Leuth Geld zu geben mit Stößen und Schlägen genötiget, in manchem Hauß Truhen und Kasten, Alleß zerschlagen, die Leuth auf der Gaßen außgezogen u. s. w. Man hat fast nichts sowohl verschoben, welches sie nicht gesucht und gefunden. Es hat kein Bürgermeister noch Herr mehr aufs Rathhauß gekönnt noch gedörft; Läuten und Schlagen, Kirchen- und Schulengehen ist alles innengestanden. 31. Octobr. Montag gegen Tag, als es hell worden, sind mehr Soldaten in die Statt gelaßen worden und was die Vörige nit genommen und verwüst, haben dieße vollend genommen; sind manche Häußer rein außspoliert worden; ist eine Parthey auß- die andere eingangen. Gegen Ausschlagen sind etliche Teutsche für das lateinische Schulhauß kommen fürgebend, sie wären salva guardia, welchen der H. Rector die Thür geöffnet; aber alß sie hinaufkommen, haben sie den Rector geschlagen, Geld u. Silbergeschmeid und Kleider genommen und damit fort, welchen alßbald bey 16 Franzosen mit ihren Büxen[8] und brennenden Lunten gefolget, ins Hauß gangen, der armen Schuler Mäntel, Kleider, Hüt und Schuhe genommen und alß solche fortwaren, und die Kuhe auß dem Stall war, hat man die Tür in Eil wider von Innen zugeschlagen, were sonst alles genommen und verwüst worden. […] Am Sambst: und Sonntag hat man die Völkher erst recht einquartiert: je einem 4. 5. 6.; denen hat man nach der Volle müßen Freßen und Saußen schaffen, wie und waß sie begeret, und Leibs und Lebens nit recht sicher bey ihnen gewest, oftmalß alleß auß den Häusern geschlagen und darinnen nach ihrem Muthwillen gehauset und den Leuthen mit großer Bedrohung offentlich unter die Augen gesagt, Alleß, waß noch übrig in Häußern, were ihr. ‚Vatter hinauß, mein ist das Hauß !‘ u. s. w. ‚Ihr Rebellen ! Ihr Schelmen ! Ihr Dieb ! Ihr Mayneidige !‘ “

[9] Wallonen: Französischsprachige Bevölkerung in den Niederlanden (Artois, Hennegau, Namur, Luxemburg, Limburg, Teile Flanderns und Brabants), z. T. im Fürstbistum Lüttich. Die Regimenter mit hohem Anteil an Wallonen (z. B. das Regiment Johanns II. von Mérode) waren bei Freund und Feind wegen ihrer Erbarmungslosigkeit seit Anfang des Krieges allgemein gefürchtet. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 459 (1619): „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, daß man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. Zur Einschätzung bei den eigenen Verbündeten (10.1.1632): Man „weiß wohl, wie die Wallonen beschaffen, nur auf Plackherey und rauberey, doch zum fechten seyn sy wenig nuz, es heißt wol dem gemeinen Sprichwort nach: vill geschrey und wenig wohl. Thuet doch den armen undertanen wol soviel plagen als ein ganzes volles Regiment“. HELML, Oberpfalz, S. 121. Nach Ansicht des Grafen Albig von Sulz sei bei ihnen „gantz kein Rgt. zu halten“. HELML, Oberpfalz, S. 87; ENGELBERT, Wallonen. Vgl. auch MITHOFF, Chronik von Rodenberg, S. 235ff. (1629). BECKMANN, Historie 3. Teil, S. 297 (Zerbst 1626): „Den 1. Aug. sein bei 370. Wallonen / mehrentheils ungesundes und dabei boßhaftiges Volck herein gebracht / und im Frauen-Viertel einquartieret worden / wodurch die Stat / welche ohne deß wegen Menge des hereingeflüchteten Volcks voller Kranckheiten gewesen / vollends inficiret worden / so daß manchen Tag 10. biß 12. Personen begraben müssen werden. Gedachte Wallonen aber sein / nachdem sie über 10. Wochen hier gelegen / und viele gute Leute gantz ausgezehret / den 14. Octobr. wiederumb weg machiret“. Vgl. auch das harte Vorgehen Hatzfelds 1637 gegen kaiserliche Marodeure, die hauptsächlich aus Wallonen und Franzosen bestanden; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 791. => „Merode-Brüder“.

[10] Obergewehr, Oberwehr: Zum Obergewehr gehörten Karabiner, Flinten, Musketen, Hellebarten, Partisanen, Piken, Spontons, Kurzgewehre. – Untergewehr, Unterwehr: Degen oder Rapier.

[11] Musketier [schwed. musketerare, musketör, dän. musketeer]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2 – 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[12] Schotten: Von 1626-1632 dienten 25.000 Schotten unter Christian IV. u. Gustav Adolf, was etwa 10 % der Gesamtbevölkerung Schottlands entsprach; PARKER, Military Revolution, S. 200, Anm. 17. 1630 hatte Gustav Adolf 13 Schottenregimentern mit fast 1.000 Offizieren unter seinem Kommando; MINHA, Walter Graf Leslie, S. 139, Anm. 23: Damit „wurde das Schwedenheer zur großen Kriegsschule des anglo-schottischen Adels für den späteren Machtkampf zwischen König und Parlament in der Heimat“. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: „Hier ist auch zu sehen, dass der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen“. In erster Linie heranziehen ist die große Datenbank von Steve MURDOCH, SSNE; dort auch jeweils die neueste Literatur, bzw. dessen Veröffentlichungen => Literaturregister. Bei der Zusammensetzung der schwedischen Armee Gustavs II. Adolf bis Ende 1632 werden folgende Zahlen angenommen: Schweden 8.000 (5, 5 %), Finnen 3.000 (2, 0 %), Deutsche Söldner: Alte Regimenter (vor Juli 1630 aufgestellt) 15.000 (10, 5 %) Neue Regimenter 65.000 (44, 5 %) Britische Söldner 7.000 (5, 0 %) Verbündete: Sachsen 17.000 (11, 5 %) Brandenburg 6.000 (4, 0 %) Hessen-Kassel 6.000 (4, 0 %) Mecklenburg 4.000 (2, 5 %) Stadtmilizen ca. 15.000 (10, 5 %) Gesamtzahl 146.000. Von diesen ca. 150.000 Mann war etwa die Hälfte im Garnisonsdienst eingesetzt, der Rest war auf die verschiedenen Armeekorps aufgeteilt, deren Größe zwischen 3.000 und 20.000 Mann lag. Im Falle einer möglichen Schlacht wurden diese dann vorübergehend zusammengezogen. Angaben nach BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 69; ENGERISSER, Von Kronach. Je nach Kriegslage schieden nach Gustav II. Adolfs Tod Verbündete wieder aus, der Anteil der Deutschen unter schwedischer Fahne stieg jedoch weiter an. Vgl. MILLER, Swords for hire. Vgl. das Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen Rechten, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Der Osnabrücker Schuhmacher, Amtsbote und Chronist Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“.

[13] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[14] George Douglas [Douglitz, Duglitz] of Torthorwald-Mordington [ -15.3.1636 Demmin], schwedischer Obristleutnant.

[15] Kriegsverletzungen: Bei der Vielfalt und Schwere der Verletzungen ist es erstaunlich, wieviel Soldaten überlebt haben. In der Leichenpredigt für Johann Schaff von Habelsee heißt es; PERTZSCH, Heroicum Heroum fideliter & constanter militantium Stipendium: „Insonderheit Anno Sechzehenhundert und vierzig bey Greiffenstein in Slesien / als der Stalhannß mit Fünfhundert Musquetirern und dem Rechten Flügel gegen Ihn kame / Er sich mit den bey sich habenden Troppen / seiner gewöhnlichen Großmüthigkeit nach / deß Stalhannsen Schwager / nemlich den Obristen-Leutenant / so obbesagte Musquetirer commandirte / angegriffen / selbigen alsbald todtgeschossen / und ohnangesehen Er zween Schuß darüber / einen durch zwo Rippen / den andern am lincken Ohr ein- und zum Mund hinaus bekommen / gleichwohl nicht abgelassen / sondern noch einen Cornet, welcher Seiner im Schuß fehlete / erlegt / und selbige rencontra Ritterlich ausgefochten; Nicht anderst auch wieder bald darauf Anno Sechzehenhundert Ein und viertzig für Wolffenbüttel / da zwey Pferde unter Ihm mit Stücken darnieder und Er selbst gefährlich geschossen worden / Sich so Rühmlich gehalten / daß Er zur Obrist-Wachtmeisters Charge gezogen; dieses Officium Er Anno Sechzehenhundert fünf und viertzig / bey Einnehmung Teschen / und Sechzehenhundert sechs und vierzig / in der Blocquada für Frankenstein in Slesien (in welchen beeden Ocasionen Er auch hart an seinem Leib verletzt / also betretten / daß sein Obrister freywillig Ihme die Obrist-Leutenant-Stelle conferirt. Vornehmlich aber hat Er bey dem Treffen zwischen Plan und Trübel / in Führung der Avanguardi, seine bekandte Treüe / dapfern Valor und Heroischen Heldenmuht / mit ungesparter Darsetzung seines Leibes / Lebens und Bluts / Ritterlich / durch zertrennung dreyer Regimenter zu Pferd / als deß Lieffländischen / Wittenbergischen und Durlachischen / auch Eroberung zweyer Standarten / sehen lassen: Wie nicht weniger kurtz darnach Anno Sechzehenhundert acht und viertzig / bey den Dingelfingischen Einfall in der Frantzosen und Schwedischen Läger / in welchem Ihme ein Stück von der Zungen und etliche Zähne aus dem Munde geschossen worden) und sonsten die gantze Zeit durch / seiner wehrender Kriegs / dienste / an allen Plätzen und Oertern / sein Devoir jedesmahl / wieder Unsere und deß Reichs Feinde / mit empfangenen Achtzehn Tödtlichen Stich- und Schüßen durch sein Haubt / Halß / Bauch / arm und Bein (gestalten Er Uns noch jüngst zu Pilsen / die Halbe in seinem lincken Arm zu stücken geschossen / und ausgenommene Röhre Selbst gezeigt) so dapffer und und unverzagt contestirt / daß solches zu seinem Immerwährenden Lob und Ruhm / auch allen Ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der Nachfolge / billich vorgesetzt werden kann“. Vgl. die Kritik Christians des Jüngeren von Anhalt-Bernburg (1620) an der schlechten Behandlung durch Balbiere; KRAUSE, Briefe, S. XI: „ ‚Nichts verdroß mich mehr‘, äußert er sich, ‚als da der Graf Buquoy einen jungen Balbirer, der mich verband, fragte, wo ich geschädigt wäre, antworte: In den Rücken wäre ich von einer Musketenkugel durchschossen worden, da man doch darnach befunden, daß der Schuß, so durch die Brust gegangen, vom Pistol gewesen, der andere aber nicht durchgangen. Und ich mag mich rührmen, daß in dieser Schlacht ich den Feind ins Gesicht gehabt, auch da ich beide Wunden empfangen, ihm nicht den Rücken zugekehrt, welches wenige werden sagen können. Dieser unwissende  Balbirer aber, weil er den Eingang der Pistolkugel vorm unterm rechten Arm nicht sah, und ich vor großen Schmerzen in der Achsel mich auch nicht recht alsbald besann, stieß mir das Instrument vorn in die Brust, da die Pistolkugel ausgegangen, hinein, und zur Schulter, da die Musketenkugel hineingegangen, wieder heraus. Ich meinte, es müßte als sein, und litte es geduldig, dessen mir die Wallonischen werden Zeugniß geben, sahe also das frische neue Blut herauslaufen, daß ich auch endlich den Balbirer zur Rede setzte, und glaube, er habe mich durch das Stören, sonderlich auf diese Weise, mehr verderbt, als die Wunden an sich selbst. – Es sind wol ein fünf Balbirer dieselbe Nacht über mich gewesen und taugte keiner nichts: Napolitaner, Teutsche, Franzosen, Wallonen‘ “. Vgl. auch „Die medizinische Versorgung“, in: EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 119ff. In Schweden verbrachte man Kriegskrüppel ohne Versorgung zusammen mit Leprakranken auf einsame Ostseeinseln wie Gloskär [Åland-Archipel; Finnland]; PLEISS, Der Zug, S. 17, obwohl in den Kapitulationen festgehalten war; MANKELL, Arkiv 3. Bd., S. 265ff.: […] oder sonsten gelähmt und untüchtig gemacht würde, sie nach jedes condition und Verhalt mit Ranzion oder Auswechselung auslösen und einen solchen Beschädigten, so er in Unsern Landen zu bleiben gemeinet wäre, mit notdürft. Unterhalt die Zeit seines Lebens versorgen, oder da er weiter ziehen wollte, mit einem Pass und ehrlichem Zehrpfennig gnädigst verehren lassen“. Der bekannteste aller Kriegsversehrten soll Josias v. Rantzau [18.10.1609 Bothkamp-14.9.1650 Paris], dänischer, später französischer Generalleutnant, gewesen sein. Er soll 60 Wunden davongetragen haben, ein Auge (bei der Belagerung v, Dole), ein Ohr u. vor Arras einen Arm u. ein Bein verloren haben. Vgl. auch FRIEDRICH; SCHRÖDER, Das Massengrab von Lützen, S. 399-404.

[16] Pike: Landsknechtspieß von 3 bis 5 m Länge, die entscheidende Waffe des in geschlossenen Haufen kämpfenden Fußvolkes. Die Pikeniere bildeten die unterste Klasse des Fußvolks. Bei einem Reiterangriff richteten die ersten beiden Reihen des Fußvolkes die Piken gegen die Angreifer. Die Pike war eher eine Defensivwaffe, da die Pikeniere den Rückhalt für die beweglicheren Musketiere bildeten (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, S. 89 f.). Hochrangige Offiziere wie Piccolomini behaupteten gern von sich, sie hätten das Kriegshandwerk „von der Pike auf“ („con una picca“) gelernt.

[17] Sir Henry Vane [ 1589-1655 ], englischer Botschafter. ID 1260.

[18] N Masham [ – ], englischer Volunteer.

[19] N Lord ? Talbot [ -4.3.1632 Kreuznach] Nach WATTS, The Swedish Intellligencer 2. Bd. , S. 81, erhielt er einen Schuss in die Schuler. ID 6916.

[20] PRIEGER, Johann Erhard Peter, Kreuznach [ … ], Kreuznach 1837, S. 23f., Anm. 1.

[21] Friedrich V. v. der Pfalz, Kurfürst der Pfalz (1620-1623), König v. Böhmen (1619-1620) [26.8.1596 Deinschwang bei Neumarkt/Oberpfalz-19.11.1632 Mainz]. Vgl. WOLF, Winterkönig; BILHÖFER, Nicht gegen Ehre und Gewissen; http://www.hdbg.de/winterkoenig/tilly.

[22] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[23] AKKERMAN, The Correspondence, S. 95f. (franz. Original S. 95).

[24] Schlacht an der Alten Veste bei Nürnberg am 3./4.9.1632: vergeblicher Sturm Gustavs II. Adolf auf Wallensteins befestigtes Lager bei Zirndorf und Schlacht an der Alten Veste, 18.9. Abzug Gustavs II. Adolf. Vgl. MAHR, Wallenstein vor Nürnberg; MAHR, Schlacht; ENGERISSER, Von Kronach, S. 108ff. – Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[25] RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36.

[26] Louis [Louys, Ludwig] v. [de] Sarazin [Sarrazin, Sarazino, Sarazini, Saracini, Serasin, Zarazin] [ -1645], schwedischer Obrist.

[27] Meppen [LK Emsland]; HHSD II, S. 327f.

[28] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[29] Johann Freiherr v. Ketteler [ – Januar 1644 ?], kaiserlicher Obrist.

[30] Rheine [LK Steinfurt]; HHSD III, S. 637f.

[31] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[32] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[33] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[34] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk, dän. feltmarskal]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[35] Dodo I. Freiherr v. Knyphausen u. Innhausen [2.7.1583 Lütetsburg (Ostfriesland)-11.1.1636 bei Haselünne], braunschweigischer Obrist, Feldmarschall. Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[36] Gustaf Gustafsson af Vasaborg [24.4.1616 Stockholm-25.10.1653 Wildeshausen], 1637 greve af Vasaborg), ab 1647 greve af Nystad, unehelicher Sohn Gustavs II. Adolf, schwedischer Heerführer, Reichsrat, 1633 bis 1648 Administrator des Hochstifts Osnabrück.

[37] Bollwerk: Zweck eines solchen Bollwerks war es, den Raum unmittelbar vor dem Wall, den die Verteidiger von der Brustwehr aus nicht einsehen können, seitlich bestreichen zu können. Bollwerke sind also der flankierende Teil eines Festungswalls und besitzen in einer neuzeitlichen Festung somit die gleiche Funktion wie die Türme einer antiken oder mittelalterlichen Stadtmauer. Der Ausdruck Bollwerk war in der Fachterminologie des (deutschen) Festungsbaus nicht an eine ganz bestimmte Bauform gebunden, sondern konnte als Synonym zu Bastion, Bastei oder Rundell (Rondell) oder einem anderen flankierenden Bauwerk gebraucht werden [Wikipedia]

[38] Halbmond oder Demi-lune: Ein im Graben vor einer Bastion errichtetes, aus zwei Facen bestehendes Außenwerk. Sein Grundriss ähnelt dem des Ravelins, doch ist seine Kehle halbmondförmig [wikipedia].

[39] Hornwerk: hornförmige Befestigungsanlage. Als Hornwerk wird eine in den Graben vorgeschobene bastionierte Front bezeichnet, die zu den Außenwerken einer frühneuzeitlichen Festung zählte. Es bestand aus zwei mit einer Kurtine verbundenen Halbbastionen, die durch lange Flanken eingefasst wurden. Der Kurtine konnte ein Ravelin vorgelegt sein. Vom Hornwerk zu unterscheiden ist das Kronwerk, welches sich aus mindestens zwei bastionierten Fronten zusammensetzte. Hornwerke kamen im späten 16. Jahrhundert als Element der altniederländischen Befestigungsmanier auf und wurden üblicherweise an besonders gefährdeten Abschnitten vor einer Bastion oder einem Ravelin errichtet. Die Bestreichung ihrer Flügel erfolgte dabei von den Bastionsfacen aus. Das Hornwerk bildete auch eine der Grundformen von Feldbefestigungen und Brückenköpfen [wikipedia].

[40] Situs: Lage.

[41] Friedrich V. v. der Pfalz, Kurfürst der Pfalz (1620-1623), König v. Böhmen (1619-1620) [26.8.1596 Deinschwang bei Neumarkt/Oberpfalz-19.11.1632 Mainz]. Vgl. WOLF, Winterkönig; BILHÖFER, Nicht gegen Ehre und Gewissen; http://www.hdbg.de/winterkoenig/tilly.

[42] Karl I. Ludwig v. der Pfalz [22.12.1617 Heidelberg-28.8.1680 bei Edingen], 1649 bis zu seinem Tod Pfalzgraf bei Rhein, also Kurfürst der Pfalz.

[43] Karl I. [19.11.1600 Duntermline-30.1.1649 London], 1625 bis 1649 König v. England, Schottland u. Irland.

[44] debandieren, von franz. débandade: Auflösung: lockern, entspannen, hier: auseinander rennen, auflösen.

[45] General(feld)wachtmeister [schwed. generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.

[46] Alexander II. Graf v. Velen u. Megen, Freiherr zu Raesfeld u. Bretzenheim, Graf (1642) [1599-10.10.1675], kurkölnischer Generalwachtmeister. Vgl. KNUST, Alexander von Velen (mit Einschränkungen).

[47] Stratagema: Kriegslist.

[48] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[49] facilitieren: erleichtern.

[50] Warendorf [LK Warendorf]; HHSD III, S. 754ff.

[51] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[52] Fürstenau [LK Osnabrück].; HHSD II, S. 156f.

[53] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[54] Impressa: Angriff.

[55] Corps de garde [courtigwarde, courtigardi, Courtegardi, Cortegarde]: befestigtes Wachthau, Blockhaus, kleiner Schutzbau aus Stein oder Holz, der an strategisch wichtigen Stellen errichtet wird, um feindliche Vorstöße aufzuhalten oder auch als Aufenthalt der Stadtwache am Tor zu dienen. Es ist zur Verteidigung oft auch mit Schießscharten versehen oder sogar mit Kanonen und Gewehren ausgestattet [nach wikipedia].

[56] Musketier [schwed. musketerare, musketör, dän. musketeer]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2 – 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[57] Scharmützel [schwed. skärmytsling, dän. skirmish: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“: Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[58] Trommelschläger: Trommler (Tambour) wurden bei der schwedischen Armee auch als Boten eingesetzt, deren Aufgabe darin bestand, im feindlichen Lager als Kundschafter zu fungieren. Trommelschläger wurden z. T. als Übermittler bei Belagerungen oder Verhandlungen eingesetzt, ein durchaus gefährlicher Job, den sonst Trompeter ausübten. So schnitten 1642 aufständische Bauern einem schwedischen Trommler Nase, Ohren und die Finger ab, um zu zeigen, dass sie an Verhandlungen keinerlei Interesse hatten; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 839. Vgl. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 41: „Sie sollen sich auf allerley Schläge / alß Lermen / Marsch / Versammlung / Troupen / Wacht / Rebell oder Travaille / verstehen / und allerley Marsch und frömder Völkeren Schlag können. Sie sollen nicht Narren und Possenreisser / sonder verständige Leuthe seyn, welche / so man zu dem Feind schicket / Gefangene zulösen: item / Befehl und Bottschaft zuverrichten: Briefe zuüberliefern / ihren Befehl verständig verrichten / auf alles was sie gefraget werden / vernünftig antworten / und was zu schaden gereichen möchte / verhälen / und die Heimlichkeit bey ihren Eiden niemandem offenbaren / sich nüchter halten / und so der Feind sie füllen / und ihnen mit starken trünken zusetzen wollte / solches verweigern und abschlagen: auch so sie gefraget wurden / davon schad entstehen möchte / sich entschuldigen / daß sie deren dingen keine wüssenschaft haben“. Ein Trommelschläger erhielt 1626 als Regimentstrommelschläger in der brandenburgischen Armee monatlich 12 fl.

[59] Schanzkörbe: Aus Weidengeflecht hergestellte hohe Körbe, die mit Erde gefüllt vor Geschützstellungen und Schanzen zur Deckung der Soldaten gegen feindliches Feuer aufgestellt wurden. Die Herstellung dieser Körbe – zwangsweise wurden auch Bürger und Bauern herangezogen – leitete ebenso wie den Schanzenbau der sogenannte Schanzmeister.

[60] Accomodation: Ergebung, Fügung.

[61] N v. Horneck [Hornec, Hornack] [ -11.5.1638 Meppen], schwedischer (Obrist)leutnant.

[62] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Mein Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Bericht aus Stettin vom 8.4.1631; Relation Oder Bericht Auß Pommern. o. O. 1631: „Den 27. Martii sind alhier 108 gefangene eingebracht deren nach mehr folgen sollen / die werden alle in Schweden ins bergwerck gesand / das sie etwas redliches arbeiten lernen“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14. 1633 kostete die Auslösung bei der Kavallerie: Obrist 600 Rt. aufwärts, Obristleutnant 400 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Rittmeister 200 Rt., Kapitänleutnant 70 Rt., Leutnant 60 Rt. bis 10 Rt. für einen Marketender, nach der Schlacht bei Jankau (1645) Obrist 1000 Rt., Obristleutnant 500 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Hauptmann 75 Rt., Kapitänleutnant und Leutnant 50 Rt.; GANTZER, Archivalien, S. 40f.

[63] gratias: Dank.

[64] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153.  Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Auf der Suche nach Beute wurden sogar Latrinen erfolgreich durchsucht; SAUERLÄNDER, Geschichte der Stadt Lüdenscheid, S. 107. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“.

Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“. Teilweise waren sogar Pfarrer mit auf Beute ausgezogen“. STÜNKEL, Rinteln, S. 20: „Im Oktober [1623; BW] erhält der Rat Kenntnis von einer für die Stadt sehr unangenehmen Angelegenheit, die unter Umständen die schwerstwiegenden Verwicklungen nach sich ziehen konnte. Uns aber zeigt dieses Vorkommnis, wie sehr schon in den ersten Jahren des Krieges die Moral der Bürgerschaft gelitten hatte. Es handelt sich um folgendes: Bürger der Stadt haben von den kaiserlichen Kriegsvölkern Seiner Exzellenz des Grafen von Tilly, die links der Weser von Exten bis Hemeringen lagerten, unter anderem gestohlenes Vieh gekauft und es durch Tillysche Soldaten nach Rinteln bringen lassen. Bei der Rückkehr von der Stadt in ihre Quartiere haben diese Kriegsknechte die Kirche in Hohenrode aufgebrochen und ausgeplündert. Als der Rat am 2. Oktober davon erfährt, ordnet er sofort eine Untersuchung über diese Vorkommnisse unter den Bürgern und Bürgerschützen an. Dabei stellt sich heraus, daß nicht nur einzelne Bürger im Tillyschen Lager gewesen sind, sondern daß auch Schützen aus allen Korporalschaften die scheinbar billige Kaufgelegenheit wahrgenommen haben und daß in diese schmutzige Angelegenheit, denn es handelt sich ja meist um gestohlene Sachen, nicht nur die Männer, sondern auch deren Ehefrauen und Dienstmädchen und auch die Schutzjuden verwickelt sind. Bürgermeister Curt Hanes Magd hat von den Soldaten Kleider gekauft, ein Knecht dem Juden Leaser eine geringe Kuh für einen Taler abgenommen, ein Fremder hat zwei große Kessel mitgebracht, die Frau von Carl Schnar hat elf Kuhhäute für 4 Tonnen Broihan eingehandelt, Carsten Bohne hat einen Krug für 2 ½ Groschen, Jürgen Bennemanns Magd einige Kleider, Lewin Storck eine Kuh für 2 ½ Taler, Hans Rosemeyer zwei Kühe und ein Rind für 7 Taler gekauft. Andere haben eingehandelt ein Pferd für fünf Koppstück, eine Büchse für einen Taler, Kessel, Messingkannen, Schaffelle, ein Leibstück für drei Brote, fünf Schlösser, die aus dem Hause von Wartensleben in Exten stammten – der Käufer behauptet aber, sie dem früheren Besitzer schon wieder angeboten zu haben – , Feuerschlösser, 15 Stück Leder, Mäntel und Leinwand, ein altes Feuerrohr, Degen, einen Messingkessel für einen Hut, einen kupfernen Kessel für zwölf Groschen, ein Bandelier, eine Kuhhaut, ‚so durchschossen‘, für 2 Koppstück, einen kleinen ‚Pott‘, ein Leinenlaken, ein Stück Samt, Wollgarn usw. Einer kaufte eine Axt von einem Soldaten, ‚der ihn Hungers halber um Gottes Willen gebeten, ihm ein Brot dafür zu geben‘ “.

[65] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 943f.

[66] Christina Königin v. Schweden [17.12.1626 Stockholm-19.4.1689 Rom]. Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden; BUCKLEY, Christina; HEYDEN-RYNSCH, Christina von Schweden.

[67] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.. Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200), dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen[Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Für unerlaubte Werbung drohte die Todesstrafe; MÜLLER, Unterpfalz, S. 63. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566-29.7.1637], berichtet zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[68] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[69] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[70] Reichskanzler Oxenstierna hatte Horneck am 30.4. noch aus Mainz befohlen, auf Entsatz zu warten. Horneck kam wegen „der zur Unzeit und ohne noth aufgegebenen Stadt“ in Mainz vor das Kriegsgericht. Die meisten Richter hatten zwar für die Todesstrafe gestimmt, aber Horneck war trotzdem nicht zum Tode verurteilt worden, sondern begnadigt worden. Möglicherweise hatte er seinen Obristenrang verloren, denn 1638 wird er als Obristleutnant geführt. MÜLLER, Der schwedische Staat, S. 83, Anm. 135; S. 117, Anm. 171; AOSB I/7, Nr. 245, S. 238: Oxenstierna an Wilhelm V. v. Hessen-Kassel, Mainz, 6.5.1632.

[71] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion (Lösegeld) zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien. Generell wurden jedoch „teutsche Knechte“ gegenüber etwa den „Welschen“ bevorzugt übernommen.

[72] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[73] Quartier: Pardon, Gnade. Das hing zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450. Nach Lavater, KRIEGSBüchlein, S. 66f., hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „Wann aber ein Soldat eine eiserne / zinnerne / in speck gegossene / gekäuete / gehauene / oder gevierte Kugel schiesset / sol man ihm kein Quartier halten. Alle die / so gezogene Rohre oder Füseschlosse führen führen / haben das Quartier verwürckt. Item / alle diejenigen / die von eisen geschrote / vieregkichte / und ander Geschröt / und Stahel schiessen / oder geflammete Tegen haben / sol man todtschlagen: auch alle diejenigen / so man in einem Land / welches preis gegeben wird / vor dem Feind antrift / sol man henken lassen: Auch alle Spionen haben kein Quartier / sonder sollen ohn alle gnad gehenkt werden. Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Item / alle diejenigen / so ohne Paßporten zum Feind überlauffen / und wider ergriffen werden / sol man todtschlagen“. Auch wurde beim Angriff zum Teil die Parole ausgegeben, kein Quartier zu gewähren; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 609f. (Treffen bei Haselünne 11.1.1636). Doch selbst die Gewährung von Quartier bedeutete nicht, danach nicht noch getötet zu werden.

[74] PUFENDORF, Der Schwedisch- und Deutschen Kriegs-Geschichte, S. 444.

[75] Fahnenwechsel: „sich unterhalten lassen“, d. h., in die Dienste des Gegners zu treten, geschah bei Gefangennahme entweder freiwillig oder auch gezwungenermaßen (=> Untersteckung), wenn man nicht genügend Ranzion stellen konnte oder Gefahr lief, getötet zu werden. Bei der Einnahme von Städten lief man immer Gefahr, dass man zurückbehalten wurde und wieder in die vorigen Dienste zurücktreten musste. Der häufige Fahnenwechsel konnte natürlich aiuch insofern Folgen haben, als gerade die Offiziere gute Detailkenntnisse mit ins gegnerische oder in das Lager von Verbündeten nahmen. OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 538: „Diesesmal gehörte auch Adam Philipp zu den Unsicheren. Um ihn zu halten, stellte ihm der Kurfürst folgendes Ultimatum, vom 4. März 1632: ‚Ir sollt die Ursache schreiben, aus welcher ir merfach geäussert habt, dass ir in unseren und des katholischen Bundes Kriegsdiensten zu continuiren wenig Lust habt oder, eurem Vorgeben nach, gedrungen werdet, ander Resolution zu fassen. Wir haben euch vor anderen zum General-Wachtmeister gemacht. .. Andere hohe und niedere Officirs, auch gemeine Soldatesca würde von euch ein bös und schädlich Exempel nehmen … Ihr habt versprochen zu continuiren und ist das in der jetzigen allgemeinen necessitet eure Schuldigkeit‘. … Der Kurfürst will sich versehen ‚Ir werdet furtherhin einer mehreren discretion und dankbahrkeit bezeigen. Wenn aber ir andere resolution zu fassen gedenket, so begehren Wir, zuvor zu vernehmen: wohin Ir eure Resolution gestelt und ob ir die euch anvertraute charge und das Regiment zu resigniren gemeint wäret‘. Gleichzeitig soll er berichten: ob er endlich den Tross und die pigage [Bagage; BW] reduzirt habe ? Die Antwort Adam Philipps auf diese ernste Mahnung zur Fahnentreue liegt nicht vor. Dass der Verdacht des Kurfürsten gegen ihn wohlbegründet war, wird sich später erweisen; wie auch, dass einige seiner Offiziere ihren jungen Obristen drängten“.

[76] Johann Hagedorn [Hagendorn] [ – ], schwedischer, dann kaiserlicher Rittmeister.

[77] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[78] Rupert Pfalzgraf v. der Pfalz [17./27.12.1619 Prag-29.11.1682 London] Vgl. REBITSCH, Rupert.

[79] Schwadron, Esquadron [schwed. skvadron, dän. squadron]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380.

[80] Lingen [LK Emsland]; HHSD II, S. 299f.

[81] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[82] N Kornet [ – ], schwedischer Leutnant.

[83] Koldenhove: nicht identifiziert.

[84] Punder Jürgen [ – ], kaiserlicher Leutnant.

[85] Hümmling: Grundmoränenlandschaft (Geest) im nördlichen Emsland im Westen Niedersachsens und des norddeutschen Tieflandes, mit einem Abstand von knapp 10 km zur Ems. Seine Ausdehnung beträgt in Nordsüdrichtung etwa 28 km, in Ostwestrichtung etwa 14 km. Vom Nordende sind es knapp 30 km bis nach Leer in Ostfriesland [wikipedia].

[86] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[87] N Schwarte [ -11.5.1638 Meppen], schwedischer Hauptmann.

[88] DIEPENBROCK, Geschichte, S. 438f.

[89] magdeburgisieren: Unter Hinweis auf die Zerstörung Magdeburgs (1631) machten in den protestantischen Heeren dienende Söldner oft keine Gefangenen und gaben keinen Pardon oder „Quartier“. Magdeburg, eines der wichtigsten Symbole protestantischer Freiheit in Deutschland, wurde am 20.5.1631 nach mehr als halbjähriger Belagerung durch die kaiserlich-ligistischen Truppen unter den FeldmarschällenTilly und Pappenheim erobert, geplündert und zerstört. Das Ereignis trug maßgeblich dazu bei, dass Magdeburg publizistisch zum „heroischen Erinnerungsort des protestantischen Deutschland“ aufgebaut wurde (MEDICK, Ereignis, S. 378). Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2397, fol. 621-621′: Auisen aus Salze, 1631 V 20; Beilage zu fol. 617ff. (Ausfertigung): Adam Ernst von Hagstorf an Maximilian I., Donauwörth, 1631 V 31: „Es ist solches Elend, grösser als Sodom und Gomorrha anzusechen gewest, die leüth haben in der grossen gluet oben zue den thurmen heraus gesechen, ist aber khein hilf gewest“. So schrieb der bayerische Kriegskommissar Adam Ernst von Hagstorf nach dem ligistischen finalen Sturmlauf auf Magdeburg und der Vernichtung der Stadt 1631. Der gewöhnlich gut unterrichtete Kriegskommissar bestätigte in seinem Bericht an Maximilian I., (Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern München Äußeres Archiv 2397, fol. 620-620′ (Ausfertigung): Adam Ernst von Hagstorf an Maximilian I., Donauwörth, 1631 V 31), dass, als „die burger am widerstandt verzweiflethen, sie selber Feuer gelegt hätten“. Im Bericht des Wolf von Mansfeld für Kaiser Ferdinand II. hieß es; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 92/I, fol. 319-319′ (Ausfertigung): Wolf von Mansfeld an Ferdinand II., Magdeburg, 1631 V 21: „vnd obwohl dises fewr anfenglich villeicht were zu dempffen gewesen, hat man doch kein volckh bey bringen können, dan die soldaten sich aufs plindern begeben“. Gronsfelds Obsession gegen den Konvertiten Pappenheim und Vorgesetzten veranlasste ihn, ihm in seinen Erläuterungen zu WASSENBERGS „Florus“ von 1647, S. 203, die Schuld an der Vernichtung Magdeburgs durch bewusste Brandlegung zu geben: „Daß die Bürger die Stadt angezündet / ist der Warheit nicht gemäß / sondern es hat der Pappenheimb seliger mir selbsten bekant / daß er es selbst gethan hätte / vnd solches auß Versehen / daß der Feind ein Hauß recht an dem Ort eingenommen / wo er Pappenheim vber den Wall kommen / in die Stadt / dannenhero er ein Hauß hart darbey anzünden lassen / damit der Feind das andere verlassen müste / vnnd den eintringenden nicht so viel Schaden zufügen künte“. Khunig, Maximilians I. Agent in Prag, hatte von 20.000 Toten in den Kellern und Gewölben Magdeburgs berichtet, die „nit anders als gebratnes fleisch ausgesechen“ hätten. Bei der Siegesfeier habe Tilly den Soldaten „etlich tonnen pier“ ausgeschenkt. Nicolaus Franziskus Khunig, bayerischer Agent in Prag, an Maximilian I. von Bayern, Prag, 1631 VI 07; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 260, fol. 30-31 (Ausfertigung).

[90] DIEPENBROCK, Geschichte, S. 442f.

[91] Gefecht am 17.10.1638 bei Vlotho: Kaiserliche unter Melchior v. Hatzfeldt, Peter v. Götz, der dabei fällt, und Westerholt schlagen ein pfälzisch-schwedisches Korps unter James King. Ruprecht v. der Pfalz gerät in Gefangenschaft, dazu 80 Offiziere u. 1000 Mann, etwa 1.000 waren gefallen. – Vlotho [LK Herford]; HHSD III, S. 738f.

[92] ENGELBERT, Hatzfeldt, N 153; WEISS, Lord Craven; REBITSCH, Rupert, S. 24; HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 607, 608.

[93] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[94] GUTHRIE, The Later Thirty Years War, S. 73.

[95] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[96] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.

[97] Revenge: Vergeltung, Rache.

[98] James [Jakob] King of Birness and Dudwick, Baron Eythin u. Baron Sandshult [Kieg, Kinge, Kyng, Kingy, Kink, Kurden] [1589-9.6.1652 Stockholm], schwedischer Generalleutnant. MURDOCH, SSNE ID 2814; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[99] Hausmann: Bauer.

[100] Lemgo [LK Lippe]; HHSD III, S. 452ff.

[101] Sukkurs: Hilfe, Ersatz; Beistand, Nachschub.

[102] Minden [LK Minden-Lübbecke]; HHSD III, S. 517ff.

[103] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt].  Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575 ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[104] Batterie: Geschütze wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen nannte man Batterie. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER]

[105] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[106] Bernhard Hackfort [Berent Ackfort] Freiherr v. Westerholt [Westerholtz] zu Lembeck [1595-18.11.1638 vor Vechta gefallen], ligistischer Generalwachtmeister.

[107] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[108] Obristwachtmeister [schwed. major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm  bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[109] Gohfeld, heute Stadtteil von Löhne [LK Herford].

[110] Karl IV. Herzog v. Lothringen [5.4.1604 Nancy-18.9.1675 Allenbach (bei Birkenfeld)]. Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.

[111] Johann Freiherr v. Leittersam [Lautersam, Leutersem, Leutersheim, Leutersum, Leyterßheim, Lüttersum, Luttersum, Luthersheim, Lentersheim, Lautersheim, Lutersheim, Leytersheim, Lottersheim, Luttersen] [ -nach 10.10.1647], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[112] Peter Graf v. Götz [Götze, Götzen] [ -18.11.1638 vor Vechta gefallen], kaiserlicher Generalwachtmeister.

[113] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[114] Hugo v. Tirell(i) [Tirell, Tirel, Tirelle, Tyrell(e), Rivel] [ -17.10.1638 bei Vlotho], kaiserlich-kurbayerischer Obrist.

[115] Quartier: Pardon, Gnade. Das hing zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450. Nach Lavater, KRIEGSBüchlein, S. 66f., hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „Wann aber ein Soldat eine eiserne / zinnerne / in speck gegossene / gekäuete / gehauene / oder gevierte Kugel schiesset / sol man ihm kein Quartier halten. Alle die / so gezogene Rohre oder Füseschlosse führen führen / haben das Quartier verwürckt. Item / alle diejenigen / die von eisen geschrote / vieregkichte / und ander Geschröt / und Stahel schiessen / oder geflammete Tegen haben / sol man todtschlagen: auch alle diejenigen / so man in einem Land / welches preis gegeben wird / vor dem Feind antrift / sol man henken lassen: Auch alle Spionen haben kein Quartier / sonder sollen ohn alle gnad gehenkt werden. Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Item / alle diejenigen / so ohne Paßporten zum Feind überlauffen / und wider ergriffen werden / sol man todtschlagen“. Auch wurde beim Angriff zum Teil die Parole ausgegeben, kein Quartier zu gewähren; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 609f. (Treffen bei Haselünne 11.1.1636). Doch selbst die Gewährung von Quartier bedeutete nicht, danach nicht noch getötet zu werden.

[116] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt]. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575 ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[117] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[118] Grobe Stücke: große Geschütze, meist: Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17, 5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde nötig: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge des Kalibers (15 cm), schoss 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-75 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt.

[119] Feuermörser, Mortier: Steilfeuergeschütz, dessen Rohre aus geschmiedeten Schienen bestanden, die, wie bei einem hölzernen Fass, durch eiserne Reifen zusammen galten wurden. Bei einem Kaliber von bis zu einem Meter Durchmesser waren die Feuermörser bis zu 2, 50 m lang und wurden vor dem Abschuss in die Erde eingegraben. Ihre Stahlkugeln hatten eine sehr steile Flugbahn, man konnte mit ihnen also hinter Mauern schießen. Sie dienten auch zum Werfen von Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) und mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll). Nach Pflummerns Aufzeichnungen konnte man mit ihnen Kugeln von 100 Pfund und mehr werfen; SEMLER, Tagebücher, S. 68. Vgl. auch die Abbildung bei FREYTAG, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 1, S. 89.

[120] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[121] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen.

[122] Taffet (Daffet): leichtes glattes Seidenzeug.

[123] Liberey: Livrée (Dienstkleidung).

[124] Hosenbandorden: der von König Eduard III. 1348 gestiftete Hosenbandorden (Orden des blauen Hosenbandes, Orden des Heiligen Georg in England).

[125] Rupert Pfalzgraf v. der Pfalz [17./27.12.1619 Prag-29.11.1682 London] Vgl. REBITSCH, Rupert.

[126] Generalleutnant [schwed. generallöjtnant, dän. generalløjtnant]: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. 1625 wurde er mit 908 Rt. monatlich in der dänischen Armee besoldet; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Als Rekompens erhielt er in der kaiserlichen und kurbayerischen Armee für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[127] Thomas [v.] Ferenz [Ferentz, Ferens, Verentz, Verens] [1594-1647], mansfeldischer, kurpfälzischer Generalleutnant.

[128] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[129] Jacob v. Boy [Boye, Boi, Boie, Poyen, Boiye] [ -17.10.1638 bei Vlotho], schwedischer Obristleutnant, Obrist.

[130] N Lohenstein [Lohe?, Lonstein, Werner von ?; Loo ?] [ – ], kurpfälzischer Obrist.

[131] Pierre de [Peter v.] Brossard [Brosard, Brossar, Broßard, Brosart, Brossarth, Broßarth, Brossarden, Prohard, Prosardo, Prossarde, Prosart, Bossard, Borssard, Broßert, Bruschardt, Bruschhardt, Bussard, Pose] [1594-14.11.1638 in Minden beigesetzt], kaiserlicher Obrist.

[132] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[133] Kapitänleutnant [schwed. kaptenslöjtnant, dän. Kaptajnløjtnant]: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[134] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee erhielt er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460.

[135] Kornett: Ein Kornett war die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entspricht der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold. => Fähnrich; Fahne.

[136] Feldwebel [schwed. fältväbel, dän. sergent]: Unteroffiziersdienstgrad. Der Feldwebel war ein vom Obristen oder Hauptmann eingesetzter Gehilfe in der Infanterie. Er wirkte zunächst an der Einteilung und Aufstellung der Schlachtordnung des Fähnleins mit. Im 17. und 18. Jahrhundert übernahm diese Funktion der Major/Obristwachtmeister, und im Zuge dessen beschränkten sich die Aufgaben des Feldwebels auf den inneren Dienst: auf Empfang und Ausführung der Kommandos der höheren Offiziere, die Abholung und Weitergabe der Losung an die Korporale und Gefreiten, die Aufsicht über die Disziplin der Compagnie und die Erfüllung der herrschaftlichen Dienstverpflichtungen, auf das Schreib- und Rechnungswesen. Der Feldwebel wurde teilweise auch Sergeant genannt, bei Artillerie und Kavallerie hieß er Wachtmeister. Im Schultheißengericht, der genossenschaftlichen und von den Kriegsherren weitgehend unabhängigen Rechtsinstanz in den Landsknechtsheeren (die im Laufe des Dreißigjährigen Krieges von den Unter[kriegs]gerichten abgelöst wurde) dienten Feldwebel als Gerichtsoffiziere. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 20 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) hatte er Anspruch auf 21 fl.; 1634 erhielt er beim Fußvolk 9-14 fl. Sold. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 46ff.

[137] Feldscher: Chirurgus, Wundarzt im Dienst einer Armee, des Generalstabes (hier Hofstabsfeldscherer genannt) bzw. eines Regiments. In der Regel hatten die Feldschere, im Unterschied zu den studierten Medici, ihre Kenntnisse nicht auf Universitäten, sondern auf dem Schlachtfeld oder als Wanderärzte auf Jahrmärkten erworben. Sie waren in erster Linie für die primäre Wundversorgung, darüber hinaus jedoch auch für Knochenbrüche und Amputationen zuständig. Die Verwertung der Menschenhaut bei Delinquenten war ihnen gestattet. Auch waren sie wegen der grassierenden Lagerkrankheiten ständig im Einsatz. Feldschere waren oft schlecht ausgebildet und unzureichend ausgestattet (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 268f.). In der kaiserlichen Armee erhielten sie 60 fl. pro Monat. Die medizinische Versorgung der Soldaten wurde jedoch zum Teil auch von kundigen Ärzten und studierten Medizinern geleistet. Ärztliche Oberaufsicht im Feld hatte der General-Stabs-Chirurgus (neben dem Feld-Medicus). Unter ihm stand der Regiments-Feldscher, seinerseits mit Weisungsbefugnis über die Compagnie-Feldschere. Bei militärischen Einsätzen wurden die Feldscher mitgeschickt. Ihnen oblagen zusammen mit den Führern die Krankenversorgung und die Sorge für die Feldapotheke. Kranke und verwundete Soldaten blieben zumeist in Städten und Orten zurück und fielen diesen zur Last – sofern sie keine Familie als Schutzgemeinschaft im Lager besaßen – , obgleich man dort zum Teil die Aufnahme der Kranken aus Furcht vor der Ausbreitung von Seuchen und vor den Kosten verweigerte. Feldscher wurden schlecht bezahlt; HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 218: „Nach einem Bericht des Regierungs-Medikus Dr. Golla [1643; BW] hat der Feldscherer Kasimir Ebner des Rgt. [Johann Heinrich v:; BW] Haslang im Amberger Feldspital zu St. Katharina über hundert Schwerkranke behandelt, von denen kein einziger starb; Ebner bat um die Anstellung beim Feldspital. Er war in seiner Kleidung so heruntergekommen, daß er kaum über die Straße gehen konnte und stellte die bescheidene Forderung, wöchentlich nur 1 Taler zu erhalten“. Verwundete erhielten z. B. im Neumarkter (Oberpfalz) Lazarett (1647): ein gemeiner Soldat wöchentlich 1 fl. 30 kr.; ein Feldwebel oder Korporal täglich 18 kr.; RIED, Neumarkt, S. 106. Zudem erhielt ein Angeschossener 18 gr. oder den Gegenwert in Heringen, für einen abgeschossenen Daumen gab es 1 Rt., was etwa 36 Eiern entsprach. Finanziert wurden die Spitalkosten über die erhobenen Kontributionen. Daher liegen die Kosten für die medizinische Notversorgung, für das Feldspital (ein studierter Arzt erhielt etwa 260 fl., der „Chirurgus“ 60 fl. monatlich), in der Hauptkostenrechnung nur bei 1 %.

[138] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[139] Ludolf v. Hanensee [Hennense, Hanese] [ -20.4.1640 bei Plauen], kaiserlicher Obrist.

[140] Karl Ludwig Pfalzgraf v. der Pfalz [5.2.1609 Lauterecken-19.7.1631 Werben/Havel], schwedischer Offizier.

[141] THEATRI EUROPÆI CONTINUATIO III, S. 986f.

[142] Südlohn [LK Borken].

[143] Stadtlohn [LK Ahaus]; HHSD III, S. 699f.

[144] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[145] Lingen [LK Emsland]; HHSD II, S. 299f.

[146] Bentheim [LK Grafschaft Bentheim]; HHSD II, S. 40f.

[147] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[148] Lemgo [LK Lemgo]; HHSD III, S. 452ff.

[149] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[150] Mörser, Mortier (frz.): Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) und mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll).

[151] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[152] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen, deren Verlust im Kampfe oder bei der Kapitulation als Verlust der Ehre empfunden wurde. Im Kampf und bei Belagerungen erbeutete Standarten waren dagegen Zeichen des bewiesenen Mutes der Einheit und einzelner Soldaten, so dass ihre Anzahl in zeitgenössischen Berichten meist verzeichnet war.

[153] Rupert Pfalzgraf v. der Pfalz [17./27.12.1619 Prag-29.11.1682 London] Vgl. REBITSCH, Rupert.

[154] N Lohenstein [Lohe?, Lonstein, Werner von ?; Loo ?] [ – ], kurpfälzischer Obrist.

[155] N Milart [ – ], pfälzischer Obrist.

[156] N v. der Wenge [ – ], pfalzgräflicher Obristleutnant.

[157] Hugo v. Tirell(i) [Tirell, Tirel, Tirelle, Tyrell(e), Rivel] [ -17.10.1638 bei Vlotho], kaiserlich-kurbayerischer Obrist.

[158] STROTHMANN, Westfalen, S. 108ff.

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Wenge, N von der

Wenge, N von der; Obristleutnant [ – ] N von der Wenge [ – ] soll 1638 als Obristleutnant[1] in pfalzgräflichen Diensten gestanden haben, als er am 17.10.1638 bei Vlotho[2] im Kampf gegen die Kaiserlichen in Gefangenschaft[3] geriet.[4]

In der Chronik des Adolff Wilhelm Moerbecke zu Stevening [1611-1675] heißt es: „Dit volck hir nu ein tyt lanck gelegen hebbende, syn se in begin van September, ve vorgenomde platzen, so doch kortz darna van die Staten weer fry gemaket syn, bessett latende, van dar ende vortz up Sut-[5] ende Statloen[6] in’t stifft | van Munster[7] vertrocken, starck ungefeer 3.000, so te voete als te perde; alwaer se haer met einige Sweden,[8] gelicht in dee garnesonen[9] an de Weser ende darumtrent, ungefeer 2.000 starck, under het commendo van den generalluytenant[10] Kingh,[11] so umtrent Lingen[12] gepass[ert] waren, ende dor dee graffschap van Bentheim[13] ende het stifft Munster bes tot Statloen haer entgegen quam[en], geconiungert hebben, ende tesamer hant den wegh, so die Swedeschen gekommen waren, weer getrocken syn vortz up Ossenbrugge[14] ende verner up Lemgouv[15] gemarchert, | diesolve stat belegert ende beschaten. Hirentussenen ist den grave van Hatzvelt,[16] so den sommer oder in’t lant von der Marck ende darumtrent met ein goet volck gelegen hadde, up doe bene umtrent met ein goet deel volck gelegen hadde, up dee bene gekommen ende den viant, einigh volck ut die Munstersche garnesonen tot hem genomen hebbende, under ogen getrocken, hetwelcke dee voer Lemgouv vernamen hebbende, syn upgebraken, in meinungh, haer up Minden[17] te retireren. Maer also dee brugge over dee …, als synde den einigen pas up Minden, oder den oversten | Westerholt[18] weinigh tevoeren geruinert wass, syn see genootsaket geweest, haer up Flottau te wende, von waer niet vere syn van die keiserschen [den 17 Octobris] achterhalt ende tot het hoefft te beden gedwungen syn. Die rutery, waermede haer dee paltzgrave ende dee generalluitenant Kingh meinden te salveren, ist erstlick van die keiserschen an seker pass unfersee[ns] averfallen ende voele darvan geruinert ende gefangen. Met dee rest hebben haer dee paltzgrave ende Kinck by Flotau dor dee Weeser (warin noch voelle | verdroncken syn) gesalvert.

Het voetvolck (het welke noch achter wass) dit vermemende, nimpt seker groten ende begravenen kamp tot haren vordeel in, darsolvest haer in posture stellende ende ein tyt lanck dapper gefochten. Mar also see avermannet waren, en dee keiserschen met en grote resolutie up haer anvielen, syn see in ¾ uhres van dee solvige totaliter geslagen, achterlatende 16 stucken,[19] 2 morteers,[20] 41 veendelen[21] ende standarden,[22] alle bagagie,[23] neffens ein grot deel gefangens, warunder waren den iongen paltzgrave prins | Robert,[24] des paltzgraven veltmarschalck Ferens,[25] overste[26] Milort Greve,[27] overste Boy,[28] overste Loo,[29] overste Milart,[30] oversteliutenant van der Wenge[31] unnd ein groot getal rittmeisters,[32] capiteins[33] ende andere geringere officeren. Wie volle avers dar gefangenen als ock dee doden geweest syn, koste men niet gewaer worden. An der keiserschen syde waren von namen doot gebleven den oversten Peter Gotzen[34] ende overste Tirelli[35] neffens 3 a 4 geringere officiren“.[36]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[2] Gefecht am 17.10.1638 bei Vlotho: Kaiserliche unter Melchior v. Hatzfeldt, Peter v. Götz, der dabei fällt, und Westerholt schlagen ein pfälzisch-schwedisches Korps unter James King. Ruprecht v. der Pfalz gerät in Gefangenschaft, dazu 80 Offiziere u. 1000 Mann, etwa 1.000 waren gefallen. – Vlotho [LK Herford]; HHSD III, S. 738f.

[3] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Man Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach LAVATER, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14.

[4] ENGELBERT, Hatzfeldt, N 153; WEISS, Lord Craven; REBITSCH, Rupert, S. 24; HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 607, 608.

[5] Südlohn [LK Borken].

[6] Stadtlohn [LK Ahaus]; HHSD III, S. 699f.

[7] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[8] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[9] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[10] Generalleutnant [schwed. generallöjtnant, dän. generalløjtnant]: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. 1625 wurde er mit 908 Rt. monatlich in der dänischen Armee besoldet; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Als Rekompens erhielt er in der kaiserlichen und kurbayerischen Armee für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[11] James [Jakob] King of Birness and Dudwick, Baron Eythin u. Baron Sandshult [Kieg, Kinge, Kyng, Kingy, Kink, Kurden] [1589-9.6.1652 Stockholm], schwedischer Generalleutnant. MURDOCH, SSNE ID 2814; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[12] Lingen [LK Emsland]; HHSD II, S. 299f.

[13] Bentheim [LK Grafschaft Bentheim]; HHSD II, S. 40f.

[14] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[15] Lemgo [LK Lemgo]; HHSD III, S. 452ff.

[16] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.

[17] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[18] Bernhard Hackfort [Berent Ackfort] Freiherr v. Westerholt [Westerholtz] zu Lembeck [1595-18.11.1638 vor Vechta gefallen], ligistischer Generalwachtmeister.

[19] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis. Halbe Kartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite von 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[20] Mörser, Mortier (frz.): Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) und mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll).

[21] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[22] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen, deren Verlust im Kampfe oder bei der Kapitulation als Verlust der Ehre empfunden wurde. Im Kampf und bei Belagerungen erbeutete Standarten waren dagegen Zeichen des bewiesenen Mutes der Einheit und einzelner Soldaten, so dass ihre Anzahl in zeitgenössischen Berichten meist verzeichnet war.

[23] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[24] Rupert Pfalzgraf v. der Pfalz [17./27.12.1619 Prag-29.11.1682 London] Vgl. REBITSCH, Rupert.

[25] Thomas [v.] Ferenz [Ferentz, Ferens, Verentz, Verens] [1594-1647], mansfeldischer, kurpfälzischer Generalleutnant.

[26] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[27] William 1st Earl of Craven [Milort Creve, Millord, Milord Cré] [Juni 1608 Bishopsgate, London-9.4.1697 Drury House, London], kurpfälzischer Obrist.

[28] Jacob v. Boy [Boye, Boi, Boie, Poyen, Boiye] [ -17.10.1638 bei Vlotho], schwedischer Obristleutnant, Obrist.

[29] N Lohenstein [Lohe ?, Lonstein, Werner von ?; Loo ?] [ – ], kurpfälzischer Obrist.

[30] N Milart [ – ], kurpfälzischer Obrist.

[31] N v. der Wenge [ – ], kurpfalzischer Obristleutnant.

[32] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[33] Kapitän [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[34] Johann Graf v. Götz [Götzen, Götze] [1599 Zehlendorf-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[35] Hugo v. Tirell(i) [Tirell, Tirel, Tirelle, Tyrell(e), Rivel] [ -17.10.1638 bei Vlotho], kaiserlich-kurbayerischer Obrist.

[36] STROTHMANN, Westfalen, S. 108ff.

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Lawich [Lauwigk, Lauwick, Laweck, Laubeck, Lauch], Eusebius [Sewis] von

Lawich [Lauwigk, Lauwick, Laweck, Laubeck, Lauch], Eusebius [Sewis] von; Obristleutnant [ -6.6.1626 Münden]

Eusebius [Sewis] von Lawich [Lauwigk, Lauwick, Laweck, Laubeck, Lauch] [ -6.6.1626 Münden] hatte unter dem Befehl Ernst von Mansfelds[1] an der Schlacht am Weißen Berg[2] 1620 teilgenommen.[3] Damals noch Leutnant,[4] war er Mitglied eines von Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar[5] am 21.7.1621 im Lager von Waidhaus[6] gestifteten Militärordens geworden.[7]

Weihnachten 1623 war er in die Schlacht von Altenoythe[8] involviert, in ligistische[9] Gefangenschaft[10] geraten[11] und möglicherweise untergesteckt[12] worden. Er soll dann aus kaiserlichen Diensten[13] bzw. aus Anholts[14] Liga-Regiment[15] desertiert[16] sein.[17]

1626 wird Lawich, jetzt in der dänischen Armee[18] dienend, wieder erwähnt.

Am 5.6.1626 war Tilly[19] mit acht Regimentern[20] vor Münden[21] erschienen, einer kleinen, aber gut befestigten und mit ausreichenden Truppen versehenen Stadt,[22] deren dänische Besatzung[23] dem Kommando des Grafen Philipp Reinhard I. von Solms-Hohensolms[24] unterstand. Befehligt wurde sie von dem Obristleutnant[25] Eusebius von Lawich,[26] dem als Deserteur der Strang oder das Schwert[27] drohte, wenn die Stadt in die Hände fiel. Ihm war der dänische Obristleutnant Clout (Glotte)[28] zugeordnet.[29] Die Eroberung Mündens, das 1621 2568 Bürger gehabt haben soll, war wie die Göttingens[30] und Northeims[31] auf Betreiben Johann Schweikards[32] als kurmainzischer Schadensersatzanspruch im Herbst 1624 begründet worden und zwei Jahre später umso notwendiger erschienen. Am 19.9.1625 hatte Tilly in einem Schreiben an Aldringen[33] die besondere militärlogistische Notwendigkeit hervorgehoben, „wegen der brauchbaren Schiffe, die sich dort befinden, und wegen des Heranschaffens und des Weitertransports der Lebensmittel, die man aus dem Land Hessen und den Nachbargebieten heranführen könnte“.[34] Dazu sei es in Abstimmung mit Wallenstein[35] nötig, einige Truppen als Besatzung in die Stadt zu legen.[36] Wahrscheinlich wollte man auch den sich häufenden Überfällen Mündener Bürger und Garnisonstruppen auf kaiserlich-ligistische Konvois und Soldaten zuvor kommen. Nachts waren kleine Trupps von Bürgern und Soldaten ausgezogen, um in der Umgebung Beute[37] zu machen. Sie kamen dannnach verschlossenen Thoren mit Pecksen (Päckchen) unter der Bruggen in die Stad“ zurück.[38] Bereits am 14.12.1625 war ein Kurier Tillys mit einem Auftrag Wallensteins „wieder zurück nach Münden kommen“, mit seinem Diener „in die Weßer gejagt“ und der Diener erschlagen worden. Der Kurier, zudem noch „ein Cölnischer von Adell, einer von Hentrig“, konnte sich bei Vaake[39] aus der Weser retten, wenn auch „mit einem Schuß durch die Nasse“ verwundet. Der Bericht endete ahnungsvoll: „wie das gerochen werden wirdt, dz wird vieleicht ein Unschuldiger gewahr werden“.[40] Der Historiograph Nicolaus Helvicus erwähnt in seinem 1641 erschienenen „Caesar Victoriosus“ unter dem März 1626 weitere Streifzüge: „So haben auch etliche Dennemärckische Reuter aus Münden an der Weser ein adelich Schloß Rederod[41] vberfallen / den jungen Graffen von Schlick[42] / so darauf quartirt / gefangen bekommen / zu Friedewald[43] eingefallen / den Holsteinischen[44] Capitän / so ein Freyherr Kinsky[45] genant / gefänglich angenommen / bei welchem sie in die 8000. Reichsthaler / 4. güldene Ketten / vnd ander gülden vnd silber Geschmeid zur Beutte bekommen: Wie sie auch den Freyherrn Vngnad[46] vnnd dessen Fendrich[47] gefänglich nacher Münden geführet“.[48] Am 28.3.1626 hatten Mündener Soldaten Witzenhausen[49] überfallen und dabei Kaiserliche gefangen genommen; einige davon waren „under Osterrode[50] erschoßen und todtgeschlagen“ worden.[51] Als Tilly am 14.5.1626 Grebenstein[52] einnahm, waren einige seiner Soldaten beim Fouragieren[53] erschlagen worden.[54] Zudem beherrschte man im Besitz Mündens und des später fallenden Göttingen[55] die Zugänge ins Thüringische, was für den Verlauf des Schwedischen Krieges bedeutsam werden sollte. Noch im November 1625 hatte Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg[56] seinen Amtmann in Münden ermahnt, ja „keine Tillysche Garnison[57] einzunehmen, noch sich dazu durch gute Worte oder falsche Vertröstungen überreden zu lassen, sondern sich, wie es getreuen Untertanen gebühret, auf unsern und unser geliebten Bruders Herzogs Christian[58] erfolgten Succurs[59] tapfer und standhaft erweisen“ zu wollen.[60] Zuvor hatte der Rat[61] die Einquartierung zweier Kompanien[62] Fußvolk des ligistischen Regiments Mortaigne[63] abgelehnt, die daher nach Moringen[64] und Hardegsen[65] ins Winterquartier[66] verlegt werden mussten.[67]

Im April 1626 hatte Tilly aus München den Befehl erhalten, Moritz V. von Hessen-Kassel,[68] der zu Anfang des Krieges gegen den Willen der Ritterschaft und Stände Truppen für die Union[69] angeworben hatte, zu entwaffnen, dessen Verbindung mit Christian IV.[70] zu verhindern und sich der Städte Münden, Göttingen und Northeim zu bemächtigen. Am 9.5. war der Halberstädter von Göttingen nach Kassel[71] vorgerückt, um den Anschluss Moritz‘ an Dänemark persönlich zu betreiben. Er zog sich unverrichteter Dinge wieder in sein Hauptquartier zurück, als Tilly von Gieboldehausen nach Göttingen vorstieß,[72] allerdings gegen die Intentionen Wallensteins:[73] „Itzt kompt mir Aviso, dass der Herzog Christian mit seinem Volk gegen Münden und Nieder-Hessen sich retirirt hat; der Herr Tilly zieht ihm nach, hat 5mal mehr Volk bei sich als Herzog Christian, guts und ritornoso Volk,[74] nichts desto weniger begert er von mir Succurs[75] unangesehen, dan der König[76] mit seiner ganzen Armee mit seiner ganzen Armee zum Fuchsen[77] stoßen thuet und auf einem oder anders Land der Elbe mich zu ataciren begehrt“.[78]

Die Mündener Bürgerschaft, der mittlerweile gegen den Willen des Herzogs 800 dänische Soldaten[79] aufgezwungen worden waren, beschloss zu akkordieren,[80] als die ligistischen Regimenter vor den Mauern erschienen, was aber von Lawis bzw. Clout trotz dreimaliger Aufforderung verweigert wurde: „Allein hat sich Tilly bemühet / die Stadt mit Accord zu bekommen / inmassen er zu 3 mahlen einen Tromp(e)ter[81] in die Stadt geschickt / ist aber vom Obristen Leutenambt Glotten keine andere resolution erfolget / alß das er gemeinet zu fechten biß in Todt / vnd hat die Besatzung viel hönische vnd Ehrenverletzische wörter wider die heraussen außgegossen“.[82] Als die von Tilly geforderte Übergabe der Stadt von Lawich, der angesichts der ligistischen Übermacht wohl einschätzen konnte, was der Stadt und ihm drohte, daher abgelehnt wurde – angeblich seien Tillys Abgeordnete ermordet worden,[83] was nicht nachweisbar ist, aber der kriegsrechtlichen Legitimation von Gewalt diente – , ließ dieser in der Nacht auf beiden Ufern der Werra Geschützbatterien[84] auffahren, um eindrucksvoll die Stärke der Belagerer zu demonstrieren. Wallenstein, der Tilly wiederholt vorwarf, sich bei Belagerungen zu verzetteln, statt offensiver vorzugehen, hatte die Belagerung Mündens als reine Zeitverschwendung angesehen und als überflüssige Machtdemonstration missbilligt: „Der Herr Gen. Tilly schreibt mir, dass er Münden umbrennt hat und zu ataciren gesinnt ist, ich seh es nicht gern, denn das wird uns das Hauptwerk verhindern“.[85]

Drei Lager wurden ringsherum aufgeschlagen: In der von den Verteidigern – bestehend aus „soldaten, burgern, und herein gewichenem bauersvolckh“[86] niedergebrannten Vorstadt hatte sich Gronsfeld[87] zusammen mit Cortenbach[88] und Schönburg,[89] der als Hitzkopf[90] bekannt war und dessen Reiterkompanien ab Mitte Dezember als „Press- und Fressreiter“[91] vor allem in den protestantischen Herrschaften Frankens stationiert wurden, unter Fürstenbergs[92] Kommando festgesetzt. Die ligistische Führungselite – Gewaltakte wie die folgenden gehörten zum Habitus der Eliten – hatte sich vor der kleinen Stadt versammelt.

Ein anderes Lager war am Zusammenfluss von Werra und Fulda errichtet worden; das dritte auf dem Galgenberg angelegte Lager kommandierte der Generalleutnant[93] persönlich.[94] Am anderen Morgen begannen zwölf Geschütze mit der Beschießung,[95] die nach erneuter, wiederum erfolgloser Aufforderung zur Übergabe fortgesetzt wurde. Am 9.6. dauerte das Bombardement durch die Truppen Fürstenbergs von 5 bis 21 Uhr an. Gegen Abend gingen zwei Regimenter Fußvolk unter Gronsfelds und Fürstenbergs Befehl über den Fluss und begannen nach elf vergeblichen Sturmversuchen[96] den entscheidenden Angriff auf die Stadt.[97] Nach der nur noch etwa eine Viertelstunde dauernden Einnahme wurde Münden nach Kriegsbrauch 24 Stunden zur Plünderung[98] freigegeben. Tilly hatte etwa 100 Tote und 300 Verwundete durch die Sturmangriffe und den anschließenden, wenn auch nur kurzen Straßenkampf zu verzeichnen. Gronsfelds Verwandter Meinrad Matthias von Wolkenstein[99] war „mit zwey kugeln in die linke seiten“ verwundet worden,[100] als der als Konstabel fungierende Mündener Leinenwebermeister Asmus Teufel von der Brücke her, die Ligisten das Brückentor gerade öffneten, aus einer mit Kugeln und Radnägeln[101] geladenen Kanone auf die Eindringlinge feuerte und in der Nacht über die Werra nach Göttingen entkommen konnte.[102] Er berichtete später über die Ereignisse:

„Woll ehrwürdiger, hochgeehrter, sehr wehrter lieber Herr Magister,

auf dessen Begehr will ich hier zum wenigsten so viel als mir noch bewußt, wegen dessen erbärmlichen unerhörten Bluttbadt dieser Stadt, ist mir aber wegen meines oft betrübten Zustandes viell in Vergessen kommen, ist nicht müglich all zubeschreiben.

(I) Der Commendante der dermahlen in der Stadt gelegen, hatt es gegen den Kaiser verwirket, daß er seines Lebens nicht sicher gewesen, weill er ihm so viell Volck entführet, und ein Rebeller worden, und weill die draußen Trompeter geschickt, ob man die Stadt mit Accort uffgeben wolte oder nicht, haben Geistliche undt die vornehmsten im Rahtt, ihn gantz cläglich undt bittlich angefallenn, er müchte doch daß Ende undt Ausgangk bedencken, was es noch geben würde, hatß aber nicht helfen mögen. Undt wie er siehet wie es die Überhandt nimbt, mus ihn sein Diener, droben bey der verwüsteten Kirche erstechen, der Diener ersticht sich selbsten. Er liegt in unßerer Kirche ohne Sark im Grabe. Ich habe ihn 15 Wochen nach seinem Tode noch liegen sehen, man hette ihn mögen uff den Galgenberg graben !

II) In den Tagen undt Belagerung wardt von etzligen Örtern, da sie Patry[103] hatten, ein unerhörtes Schiessen mit großen Stücken[104] gehört, auch manniger erschossen; den Dienstag siebenhundert 48 Schusse, darunter 200 Granaten,[105] schrekliche Feuer Kugell,[106] welche ich mit meiner Handt angeschrieben, darauf gingk der Sturm undt Niederhawen mit den scharffen Barten[107] an, da wardt weder Jung noch Alt, das Kind in Mutter Leibe nicht verschonet, wahrhaftig Blinde, Lahme, Stumme niedergehawen, Ja 8 Predicanten,[108] die von den Dörffern herein geflohen; einer ist von Hemelln[109] Johann[es Deppe] für meinen Fenster niedergehawen. In summa alles was von Menschen ihn fürkommen, muste sterben. Undt obschon etzliche vielle sich mit Gelde ihr Leben retten wollen, auch bey Hunderten, ja bey Taußenden von sich gegeben, haben es die Blutmörder von ihnen genommen, sein andere gekommen, die nichts bekommen können, haben sie sie niedergehawen (wie sie mit dem Weibes Volck umbgangen ist leichtlich zu ermessen.) deren sie auch viell mit ins Lager genommen. Was für ein Jammer undt Zethergeschrey uff dem Schlosse geweßen, weißet der Augenschein nachauß, wo sie auch Lebendige undt Todten oben aus dem Tache undt [/] undt Fenstern, Ja die Mütter mit den Kindern herabgeworffen, in den Graben nach dem Waßer ist mehr als zu viell beweist, auch nieder gehawen, daß das Blut die Treppen herunter geflossen, auch noch an den Wenden auff den Gemachen noch zuersehen. Undt weil ich zu demmahl uff der Brücken, uff dem Turme wohnete, und die Bürger aldar mit Fleiß dass Tohr inn Acht nehmen, da wir da vermeintren sicher zu sein, weill die Tohre mit Gewalt zu gepresset wahren, kommen sie zu uns auß der Stadt uff die Brücken, schießen auch etzliche nieder; wie wir nun sahen, daß es Feindt wahr, steht ein groß Feuer Mörsell[110] uff der Brücken mit drei Körbe voll Radt Nägell, alte eyßern Pötte Stücke, Stücke von alten eyßern Ofen. Da sollte am Schloße die Brustwehr mit bestrichen werden, kehrten wir umb in die Stadt, undt ich steckte es mit bloßer Handt an, wie es an mir noch zu beweißen ist an meinem Leibe, auch wo die Stücke hingeflogen sindt, beweißet der Augenschein. Was aldar uff der Brücken vom Feinde lebte, muste liegen bleiben. Es gingen unßer 36 uff den Turm, da hatten wir viell viell Steine uff damit maurreten wir die Treppen mit zu, undt ich hatte ein Bachsteg vom Schiffe droben, machte ich droben im Turm feste, kamen nu so 14 an herrunter undt kamen in Göttingen, waß da hier vergessen wahr wardt uns aldar 10 Wochen mit Hunger, Kummer undt ander Plage eingetrencket, die anderen so uff de, Turm blieben, ist durch des Bluttmörders, den Tillen,[111] feste Zusage und Verheißen daß Leben geschenket, undt Quartir[112] gegeben, die haben die Todten uff Wagen laden undt bei Hündem[113] uff die Brücken führen undt ins Waßer werffen müssen. Undt weill sie wegen des gar kleinen Waßers nicht wegfließen können, sein sie hin undt wieder in großer Antzahl in den Werdern, undt an Uffern behangen undt liegen blieben, daß sie Hunde, Raben undt Fische freßen undt vertzehren müssen. Das große Stücke, nahmens Bitterböße, da der Land Graf von Hessen[114] die Stadt auch belagert, haben sie nach Caßell[115] gebracht, ist es noch. Wie nun daß große Elende und Niedermatschen, verhoft es sollte nun ein Ende haben, ist es nach den dritten darnach ufs neue wieder angegangen. Denn der Turm, wo die Stadt ihr Pulver ingehabt, hatte der Tilly sein Pulver auch inbringen lassen. Undt wie vermuthlich damit gestreuet, undt vielleicht von der Schildtwache, die dafür gestanden, mit den Lunten angesteckt, leuft unter der Tühr hinein, wirft Maurren, Tühren, die Kirchen nebn dem [/] Turm, vielle Heußer gar zu Boden, viell verdorben, daß auch die Rest von Tühren und undt Mauren hin undt wieder große Haufen liegen, vermeinten die Blutmörder, als sey es von den Bürgern eine Min[116] vergraben und angesteckt, sie zu verderben, geht daß Niederhauen wieder ufs neue an. Was wir zu demmahl lange Zeit außgestanden, undt von ihn leiden müssen, ist Gott undt unßer noch gar wenig leider mehr als zu viell bewust. Undt wenn jeder der diß Unglück mit außgestanden, sein Leiden klagen solte, wo wolte man Zungen, Fädern undt Pappir hernehmen, solches zu beschreiben. Ist zu dammahl noch nicht genug geweßen, sondern uff daß Bluttbad ist die Stadt von den Hessen abermahl belagertt. Und ohn das Niederhauen ein gar schrekliche unerhörte Übermuth mehr als von Feinden leiden müssen, da es doch unser nehesten Nachtbahrn wahren. Es ist wahrhaftig wahr, dass Bürger auß Caßell, die ihre Vettern hier wohnen haben, mit Secken kahmen, undt da ich sie gefragt, was sie mit den Secken machten wollten, sagten sie, ey wir vermeinten, es soll wieder angehen, wie jenesmahl wieso Papenheim[117] die Kaysers Schwartschen,[118] Blanckerschen,[119] Pfankuchen[120] Wittmundt;[121] geschweige des viellen Außschuß[122] dieser Stadt ufferlegt, und ausstehen müßen, sage vorhmahls, steht nicht zubeschreiben. Wolte woll mehr davon schreiben, ist aber zu kurtz angewandt, wie ich nicht anderst weiß, wirdt es in der Kirchen in der Sakristei schriftlich zufinden sein. Vielleicht mag Henricus Wissenschaft davon haben. Doch weiß ichs nicht. Der Herr Magister köntens an ihm vernehmen“.[123]

Wohl auch aus diesen Gründen veranstalteten die Soldaten ein geradezu apokalyptisches Szenarium in der Stadt, das von abends zwischen 8 und 9 Uhr bis früh um 5 Uhr gedauert haben soll.[124] Aus einem zeitgenössischen Bericht voll subjektiven Grauens bis hin zur exzessiven, fast rituellen Zerstückelung von Körpern der Nichtkombattanten[125] geht hervor, dass aus hiesiger Bürgerschaft bei achthundert Persohnen an Bürgern, Weib und Kindern gantz unschuldiger Weise so jämmerlich umbs Leben kommen und getödtet wurden, darunter man weder schwangere Frauen, noch säugender unmündiger Kinder,[126] weder alter noch kranker Leute verschonet, sondern bei und nach dem Einfalle biß in den andern Tag, alle die den Soldaten vorkommende, ohne die Gott sonderlich erhalten, mit Hackebarthen [Hellebarden][127] niedergehauen, daher dieselben lange Weile, ehe sie ihren Geist aufgeben, sich quälen müssen, etliche sind in heiß Wasser geworfen und verbrandt, etliche vom Thurm und anderen hohen Ohrten heruntergestürtzet, etlichen Pulver angehenkt und damit gemartert, etliche gebunden und gegen dem Feuer gebraten, theils Stricke um die Häupter gewickelt,[128] theils aufgehenkt, theils die Augen ausgestochen, krancke schwache Leute auf ihren Siechbetten umgebracht, junge Kinder mit Spießen niedergestochen und dieselben in der Höhe daran zappeln lassen, etliche vornehme alte Rathspersonen[129] von 70, 80 und mehr Jahren, auch einen steinalten Schiffer, so hundert und acht Jahre erreichet, und fast kindisch gewesen, auch mit niedergehauen worden, etliche auf dem Thurm bei der Stadtmauer mit Feuer und Pulver geschmauchet, die todten Körper auf den Gaßen theils entblößet, darunter auch eine schwangere Weibspersohn, so zwar todt, aber die Frucht, salva Reverentia (= es sei gestattet, das zu sagen), halb in der Gebuhrt bestecken blieben und sich noch gereget, etlichen feisten Leuten daß Schmeer[130] und Darmen,[131] anderen das Hertz aus dem Leibe geschnitten, theils von den Dächern wie Vögel heruntergestoßen, hernach haben die Soldaten sich auf die todten Leichnams gesetzet und einer dem anderen zugetrunken, von Vielen ein, zwey oder auch wohl zum dritten Mahle die Rantzion[132] genommen, quartier zugesaget (= Lösegeld genommen, das Leben zugesagt) aber doch nicht gehalten und waß dergleichen unchristliche Thaten damahls mit Schlagen, Verwunden, Schänden,[133] Schmähen und anderen, so fast unsäglich, an Unß, Gott erbarme es, verübt worden, so hat man auch hernach (welches noch auf heutige Stund viele hochbetrübete Witwen am meisten schmertzet) die Todten, sowohl Bürger als Frembde, über zweitausend zweihundert und sechzig,[134] so auß allen Ohrten an den Ecken der Gaßen bei 40, 50 oder mehr zusammen über einen Haufen geschleppt und gebracht worden, auf die Wagen (deren bei 300 vom Lande hereinbeordert worden) geworfen, zur (Werra-)Brücke geführet und von da darab ins Wasser gestürtzet, darunter auch noch etliche Verwundete gelebet und sich hören lassen, auch die Frucht im Mutterleibe, wie sie allbereits im Wasser gelegen, annoch gereget“.[135]

Das war ein Klimax von Gräueltaten,[136] die Demonstration sadistischer Perversion,[137] obwohl nach dem herrschenden Kriegsrecht wegen der Verweigerung des Akkords nicht mehr zwischen Kombattanten und „Nicht“-Kombattanten unterschieden werden musste, wie er selbst in dieser Form in zeitgenössischen Propagandaberichten selten anzutreffen ist. Die Schuld an dem Massaker[138] trug natürlich auch Lawich.

Clout selbst, der sich mit überlebenden Bürgern und Soldaten auf den Friedhof zurückgezogen und dort verschanzt hatte, soll angesichts der Ausweglosigkeit seiner Lage auf eigenen Befehl hin von seinem Leibjungen durch einen Musketenschuss getötet worden sein.[139] Im Augenzeugenbericht des in den Diensten der lutherischen und kaisertreuen Landgrafen von Hessen-Darmstadt[140] stehenden Amtmanns zu Eppstein,[141] Johann Wilhelm Willkühn, hieß es zwar zuerst, dass über zweitausend Bürger getötet und in die Werra geworfen worden seien und dass nicht mehr als zwanzig Bürger das Massaker überlebt hätten, doch unter dem 5./ 15.6. schrieb er, dass viele, die sich nach Kassel geflüchtet oder versteckt hätten, zurückgekehrt seien, als Tilly den Überlebenden Pardon zugesagt habe.[142]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Ernst Graf v. Mansfeld [1580 Luxemburg- 30.11.1626 Rakovica bei Sarajewo], Söldnerführer. Vgl. KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[2] 8.11.1620: Maximilian I. von Bayern schlägt das böhmische Ständeheer unter Christian I. von Anhalt. Friedrich V. von der Pfalz geht nach Den Haag in die Niederlande. Vgl. KREBS, Schlacht.

[3] KREBS, Die Schlacht, S. 201.

[4] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der infanterie 60 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[5] Wilhelm IV. Herzog v. Sachsen-Weimar 11.4.1598 Altenburg-17.5.1662 Weimar], schwedischer Generalleutnant. Vgl. HUSCHKE, Wilhelm IV.

[6] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 781.

[7] HEERMANN, Beytrag, S. 334.

[8] Altenoythe, heute Ortsteil von Friesenoyte [LK Cloppenburg]; HHSD II, S. 8f.

[9] ligistisch: Zur (katholischen) Liga gehörig. Die Liga war das Bündnis katholischer Reichsstände vom 10.7.1609 zur Verteidigung des Landfriedens und der katholischen Religion, 1619 neu formiert, maßgeblich unter Führung Maximilians I. von Bayern zusammen mit spanischen und österreichischen Habsburgern an der Phase des Dreißigjährigen Krieges bis zum Prager Frieden (1635) beteiligt, danach erfolgte formell die Auflösung. Das bayerische Heer wurde Teil der Reichsarmada. Zur Liga-Politik vgl. KAISER, Politik und Kriegsführung, S. 152ff.

[10] Gefangene: Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“.

[11] BARTON, Schlacht, S. 17, 19. WINCKELMANN, Oldenburg. Friedenshandlungen, S. 183.

[12] Untersteckung, Unterstoßung: (zwangsweise) Eingliederung von (insbesondere gefangen genommenen) Soldaten in bestehende unvollständige Verbände. „Die ‚Untersteckung‘ von gefangenen Soldaten des Kriegsgegners war in der frühen Neuzeit allgemein üblich, wurde für gewöhnlich von den Betroffenen ohne Widerstände akzeptiert und scheint gar nicht selten die Zusammensetzung eines Heeres erheblich verändert zu haben“ (BURSCHEL, Söldner, S. 158). In der kurbayerischen Armee – Maximilian I. von Bayern war grundsätzlich gegen die Untersteckung wegen der Unzuverlässigkeit in Schlachten – wurden sie als Kugelfang beim Angriff oder Sturm auf eine Stadt vorausgeschickt; SEMLER, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 67. Franz von Mercy hatte nach seinem Sieg bei Tuttlingen (24.11.1643) an die 2000 Franzosen untergesteckt. HEILMANN, Kriegsgeschichte, S. 69f. Doch wurden schon seit dem Böhmischen Krieg Gefangene, die die Untersteckung verweigerten, oft hingerichtet. HELLER, Rothenburg, S. 158: (1645): „Die [bayr.] Furir aber haben alle Häußer, wo Franz. oder Weimar. gelegen, außgesucht und was sie hinterlaßen, alles weggenommen. Wie sie denn im güldenen Greifen einen Weimarischen Feldscherer sampt seiner Feldtruhen, welcher allhie geblieben und hernach wollen nach Hauß ziehen in Holstein, ertapt, übel gemartert und geschlagen, endlich mit sich hinweggefürt und, wie man gesagt, weilen er ihnen nit wollen dienen, auf dem Feld erschoßen“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70f. (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, daß die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. => Kriegsgefangene.

[13] LOTZE, Münden, S. 70.

[14] Johann Jakob Freiherr v. Bronkhorst-Batenburg, Graf v. Anholt [12.2,1582 Anholt-19.10.1630 Freiburg im Breisgau], ligistischer Generalwachtmeister, 1622 Feldmarschall u. Stellvertreter Tillys.

[15] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[16] Desertion: Auf die unerlaubte Entfernung vom Regiment stand in den Kriegsartikeln die Todesstrafe, die nur nicht verhängt wurde, wenn Bedarf an Soldaten herrschte. JÜRGENS, Chronik, S. 514 (für Hannover): „Den 11. Aprilis [1633; BW] ist ein Königsmarkischer Soldate, so entlaufen, und hie unter Caspar von Lühden Stadt-Companien angetroffen, vor Linden bey dem Galgen stigmatisiret und das rechte Ohr abgeschnitten durch unsern Nachrichter Meister David“. Vgl. WINTER, Möser, S. 19f.: „Den 21. März [1628] läßt Hauptmann Föckler einen Reiter, so bei dem Merodischen Regiment, und einen Soldaten, so unter Hauptmann Kestgens, und einen, so unter seiner Compagnie ausgerissen, henken an die Justiz auf dem Markte. Den 2. April aber hat er einem Corporal zu Roß den Kopf, auch der Ursache halben abschlagen lassen“. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f., für 1637: „Den 31. März [10.4.; BW] ist der Oberst Spork mit seinen Völkern allhier vor die Stadt gekommen, hat Quartier begehret und daneben angedeutet, wie ihm Nordhausen auch assignirt worden; des andern Tages ist er wieder von hier nach Nordhausen gezogen. Den 4. [14.; BW] April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Teilweise ließ man Deserteure um ihr Leben würfeln; DOLZ, Versuch, S. 298; JÜRGENS, Chronik, S. 525. Zur Desertion trug auch die Praxis bei, untergesteckte Söldner „zue disem sturmb, wie andere mehr, wider wüllen […] vornen an die spüz“ als Kugelfang zu stellen, wie ein kaiserlicher Soldat, der bei der Belagerung Überlingens 1634 verletzt wurde, nach Mitteilung Bürsters über seine Dienste nach der zwangsweisen Untersteckung unter die schwedische Armee berichtete; WEECH, Bürster, S. 67. Vgl. KAISER, Ausreißer; KAISER, Lebenswelt der Söldner. Das bayerische Memorial vom 16.4.1643 [Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern Äußeres Archiv 2763, fol. 23, Punkt 9] bestimmte, dass, wenn ein Neugeworbener ausreiße, sofort nachzuforschen sei, welche besonderen Kennzeichen er habe; diese seien alsbald zu notieren. Wenn trotzdem einer nicht mehr aufgefunden werde, so solle sein Namen an den Galgen geschlagen, und wenn er Handwerker sei, ein solches den Zünften alsbald zu notifizieren sei, damit dergleichen meineidige Gesellen über kurz oder lang von Handwerks wegen aufgeschrieben und zur Strafe gezogen werden könnten. Dies sei den Neugeworbenen, insbesondere den Handwerksgesellen, schon bei der Neuwerbung und Eidesleistung zu eröffnen. DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 264f. William Crowne [1617 – 1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments und 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, berichtet über die Kämpfe Gustav II. Adolfs an der Alten Veste bei Zirndorf: „Der König von Schweden hatte hier drei seiner Soldaten für den Mord an zweien seiner Kommandanten und das Überlaufen zum Feind pfählen [im Original „set upon poles alive“] lassen. Nachdem die Schlacht ausgefochten war, hatte man die Soldaten gefangen genommen und hingerichtet“. RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36. Am 28.4.1628 „gab ein Deserteur vor seiner Hinrichtung als Grund für seine Fahnenflucht Überdruß an dem gottlosen Leben der Soldaten an“. WIEGANDT, Wismar, S. 23f. Der Benediktinerabt von St. Georgen im Schwarzwald, Georg Gaisser [1595-1655] berichtet unter 1634; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 569: „Einer von unsern Besatzungstruppen verleitete nach gefaßtem Fluchtplan einen andern zur Teilnahme an dem Verbrechen. Dieser verspricht sich zu beteiligen, eröffnet aber die Sache einigen, während er selbst den morgens Fluchtbereiten, als ob er selbst dazu bereit wäre, begleitet. Die Eingeweihten aber erheben sich aus den Verstecken, andere aber reißen Pferde von der Weide an sich, nehmen die Verfolgung auf, und nachdem sie dem des Fluchtverbrechens Schuldigen vergeblich mit den Schwertern zu Leibe gerückt waren (solche Hiebfestigkeit hatten (ihm) die Zaubermittel verliehen, erschlagen sie ihn mit Prügeln. Dies erschien einigen grausam, weil seine bei demselben Fluchtplan ertappte Frau nach dem Frühstück, von den Soldaten einige Male angeschossen, sterben musste. Milder verfuhr man mit den Töchtern, die man in die Verbannung trieb“.

[17] OPEL, Niedersächsisch-Dänischer Krieg, Bd. 2, S. 534; RILL, Tilly, S. 176; HENNIG, Zur Vorgeschichte, S. 1.

[18] dänische Armee: Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.

[19] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[20] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[21] Unverzichtbar zu den Vorgängen um die Eroberung Mündens die Untersuchungen von Kossert, Eroberung (I), unter http://muenden.kossert.net/ [momentan nicht im Netz]; Kossert, Eroberung (II), Magisterarbeit Freiburg im Breisgau 2007 sowie KOSSERT, „Zu Münden hab ich so gemaust“.

[22] WASSENBERG, Florus, S. 102f.: „Münden an der Werra / ware nicht mit wenigem Volck / sondern mit 4. starcken Fähnlein Knecht vnderm Commando deß Graffen Hans Reinharten von Solms / seines Obristen / Lauwig genannt / besetzet“. WILLINGEROD, Geschichte, S. 252ff.; ROMMEL, Hessen 7. Bd., S. 629f.; FESTSCHRIFT MÜNDEN; ferner auch BEUERMANN, Hannoversch-Münden. Nach XYLANDER, Herzog Christian, S. 16, hatte man schon am 13.5./23.5. mit einem Angriff auf die Stadt gerechnet. 1623 hatte Knyphausen gegen den Widerstand der Stadt Truppen als Garnison hineingelegt; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2332, fol. 370 (Ausfertigung).

[23] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[24] Philipp Reinhard I. Graf zu Solms-(Hohensolms) in Lich [24.7.1593 Cleeberg-18.4.1635 Frankfurt/M.], dänischer, dann schwedischer Obrist, Hofrat, Generalkriegspräsident.

[25] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[26] Eusebius [Sewis] v. Lawich [Lauwigk, Lauwick, Laweck, Laubeck, Lauch] [ -6.6.1626 Münden], dänischer Obristleutnant.

[27] mit dem Schwert hinrichten: Nicht nur das schwedische Militärrecht war, sofern es strikt angewendet wurde, sehr streng, schon für das Schlafen während der Wacht war im Art. 43 für Gemeine das Arkebusieren (Erschießen mittels Arkebuse) vorgesehen. Arkebuse war ein Gewehr, eine Waffe für leichte Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Höhere Offiziere wurden dagegen meist mit dem Schwert hingerichtet. Vgl. „Schwedisches Kriegs-Recht“; BERG, Administering justice. Zum Teil wurden auch einfache Kombattanten mit dem Schwert gerichtet. Als Gnadenerweis wurde der Delinquent manchmal ungebunden durch den Henker mit einem Streich hingerichtet, da ja die Berührung durch den Henker „unehrlich“ machte und ein ordentliches Begräbnis auf dem Friedhof nicht zuließ. Ähnlich wurde in der kaiserlichen und kurbayerischen Armee verfahren. Vgl. auch die Hinrichtung des Obristen Schellart von Dorenwert, Adam Wilhelm, Freiherr zu Gürzenich; Obrist [ -12.10.1627 im Feld vor Rendsburg enthauptet] in den „Miniaturen“.

[28] N Clout [Glotte, Kloth, Clavet] [ -6.6.1626 Münden], dänischer Obristleutnant. Möglicherweise der bei SCHWERHOFF, Köln, S. 335, erwähnte, im Dienst der Generalstaaten gestandene Hauptmann Clout; so auch bei dem Kempener Gerichtsschreiber Scheutt unter 1600 (Capitän Clouth); MANTEN, „… und allen mouthwillen gedrieben“, S. 150, 151.

[29] KHEVENHILLER, Annales Ferdinandei 10. Teil, S. 1259.

[30] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[31] Northeim; HHSD II, S. 353f.

[32] Johann Schweikhard v. Kronberg [15.7.1553-17.9.1626 Aschaffenburg], 1604-1626 Erzbischof u. Kurfürst v. Mainz, Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Georg Hermann Freiherr v. Schweinitz [24.2.1602 Burg Crain (Krain)-30.4.1667 Breslau], kursächsischer Obrist.

[33] Johann Graf v. Aldringen [10.12.1588 Diedenhofen-22.7.1634 Landshut], ligistischer Obrist, später kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen; DUCH, Aldringen (Aldringer), Johann Frhr.

[34] Zum unzureichenden Transportwesen Briefe und Akten NF II/3, Nr. 117, S. 168: Tilly an Maximilian I., Höxter, 1626 V 03; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2353, fol. 4 (Ausfertigung): Tilly an Maximilian I., Bockenem, [1626] I 02. Der Transport zu Land verdoppelte den Preis der Waren.

[35] Vgl. auch CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[36] BRETHAUER, Mündener Blutpfingsten, S. 1.

[37] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153. Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“.

Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“.

[38] HENNIG, Vorgeschichte.

[39] Vaake, heute Teil von Reinhardshagen [LK Kassel], 10 km nördlich von Hann. Münden.

[40] HENNIG, Vorgeschichte, S. 2.

[41] Rückerode unter Hundelshausen, heute Ortsteil von Witzenhausen [LK Werra-Meißner-Kreis]. ?

[42] Georg Friedrich Graf v. Schlick [Schlik] [ -6.3.1642 bei Mansfeld], kaiserlicher Obrist.

[43] Friedewald [LK Hersfeld-Rotenburg]; HHSD IV, S. 149.

[44] Adolf Herzog v. Schleswig-Holstein-Gottorp [15.9.1600 Gottorp-19.9.1631 Eilenburg], kaiserlicher Obrist.

[45] Jan Oktavián Freiherr Kinský v. Vchynice u. Tetau [1604-4.5.1679 Prag], kaiserlicher Obrist.

[46] David Freiherr Ungnad v. Weißenwolf [1604-1672], kaiserlicher Militär.

[47] Fähnrich: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f.

[48] HELVICUS, Caesar Victoriosus, S. 478. Wahrscheinlich BELLUS, Ostreichischer Lorberkrantz 1. Bd. (1626) S. 946, entnommen.

[49] Witzenhausen; HHSD IV, S. 478f.

[50] Osterode; HHSD II, S. 370ff.

[51] HENNIG, Vorgeschichte, S. 2. Zu den Handels- u. Verkehrswegen vgl. RITTER, Ratsherrn, S. 18f.

[52] Grebenstein [Kr. Hofgeismar]; HHSD IV, S. 181f.

[53] Fourage: Unterkunft und Verpflegung und Viehfutter für die jeweilige Einheit.

[54] HENNIG, Vorgeschichte, S. 2.

[55] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[56] Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel [5.4.1591 Wolfenbüttel-11.8.1634 Braunschweig].

[57] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[58] Christian der Jüngere Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel [20.9.1599 Gröningen-16.6.1626 Wolfenbüttel], kurpfälzischer, dann dänischer General.

[59] Sukkurs: Hilfe, Ersatz; Beistand, Nachschub.

[60] LOTZE, Münden, S. 67.

[61] Vgl. allgem. RITTER, Ratsherrn.

[62] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[63] Levin v. Mortaigne [ – 1626], ligistischer Obrist und Kommandant der salzburgischen Verbände; HEINISCH, Salzburg, S. 97; BEISEL, Bavarian Nobility, S. 348; die Erwähnungen bei KAISER, Dreißigjähriger Krieg; † 1626 in der Nähe von Fulda, das Regiment wurde J. L. v. Fürstenberg übertragen. Vgl. den Bericht des Mündener Amtmanns an Friedrich Ulrich: „Daß die Mortaigne Truppen in Gimte, Volkmarshausen, Hilwartshausen, Hemeln und den hessischen Dörfern Baake und Beckerhagen alles ausgeplündert und man befürchte, daß Merode [Johann II. von Mérode-Waroux; BW], der bei Allendorf mit 1500 stehe, auch diesen Weg nehmen werde“. LOTZE, Münden, S. 67.

[64] Moringen [LK Northeim]; HHSD II, S. 331f.

[65] Hardegsen [Kr. Northeim]; HHSD II, S. 206.

[66] Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde und in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten. Natürlich versuchten die Magistrate und Stände, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats von Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226.

[67] LOTZE, Münden, S. 66f.

[68] Moritz Landgraf v. Hessen-Kassel [25.5.1572 Kassel-15.3.1632 Eschwege].

[69] Union: Am 14.5.1608 in Aufhausen bei Nördlingen als ein Defensivbündnis der protestantischen Fürsten der Pfalz, von Ansbach, Kulmbach, Baden-Durlach, Sachsen-Anhalt, Pfalz-Neuburg und Württemberg gegründet, später kamen noch andere Stände sowie 17 Städte dazu, was zur Gründung der katholischen Liga führte. Ihre Schwächen lagen darin, dass Kursachsen und die norddeutschen protestantischen Fürsten sich nicht anschlossen, 1614 Pfalz-Neuburg und 1617 Brandenburg austraten. 1621 löste sich die Union angesichts der militärischen Überlegenheit Habsburgs, Bayerns und Spaniens wieder auf.

[70] Vgl. HEIBERG, Christian 4.

[71] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[72] HUEG, Aus Northeims Sturmzeit, S. 35.

[73] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[74] ritornoso Volk: wieder ausgerüstete Truppen.

[75] Sukkurs: Hilfe, Ersatz; Beistand, Nachschub.

[76] Christian IV. König v. Dänemark [12.4.1577 Schloss Frederiksborg-18.2.1648 Schloss Rosenborg/Kopenhagen]. Vgl. HEIBERG, Christian 4.

[77] Johann Philipp Freiherr Fuchs v. Bimbach [1567-27.8.1626 bei Lutter am Barenberge], General.

[78] Wallenstein an Harrach, o. D. (ca. 14.-19.5.); TADRA, Briefe, S. 357f.

[79] dänische Armee: Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.

[80] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[81] Trompeter: Eigener gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.

[82] »Extract eines Schreibens de dato Heiligenstadt / vom 1. Junij Anno 1626«, in einer titellosen Berliner Zeitung, Nr. 26, 1626, abgedr. bei BUCHNER, Neueste v. gestern I, S. 39.

[83] So behauptet es WILLINGEROD, Geschichte, S. 312ff.; nach dem THEATRUM EUROPAEUM bei MILGER, Gegen Land und Leute, S. 166: „Sie vergriffen sich an den Tillyschen Abgeordneten und traktierten sie übel. Das verursachte große Verbitterung bei dem Grafen Tilly und seinem Volk“. Aus dem Bericht des Osteroder Chronisten Heinrich Wendt (1605-1683; 1635 Stadtschreiber u. Syndikus, 1647 Bürgermeister v. Osterode u. Autor der „Chronica oder Zeytbuch vnd Wahrhafftige Beschreibung der Löblichen Stadt Osteroda“, 1635-1680 verfasst) geht das nicht hervor: „Den 6. Junij ist General Tylli mit 8 Reg[imen]t[e]r[n] Vor Munden gerücket, daselbsten 3 Lager geschlagen. Erstlich in der von den Mundischen selbst abgebranten Vorstadt, die Blum genant, alda der Graff Von Fürstenberg, Obrister und General über artillerey, Herr Cortenbach Undt Schönberg Jhr Qvartier gehabt; Das ander der Stadt, da die Weser und Fulda Zusammenfließen; das Dritte hatt der General Tylli auff dem Galgenberge selbst eine gehabt. Am H[eiligen] Pfingsttag ist beederseits starck geschoßen Und sonderlich hat der Von Fürstenberg über die Weser in die Stadt fast den ganzten tag tapffer feur gegeben. Montags ist nicht viel vorgenommen, allein hat sich der General Tylli bemühet, die Stadt per accordo einZubekommen, Jmmaßen Er Zum Dritten Mahl Trommeter in die Stadt geschicket. Es ist aber Vom Obr[ist]Lieutenant Clout keine ander resolution erfolget, alß daß Er gemeinet Zufechten bis in dem Todt. Und hat die Besatzung Viel Höhnische Worte durch die Trompeter hinauß geboten. Dienstages hat der General befohlen, alle Geschütze gegen die Stadt Zu richten Und so lange Feur Zugeben, biß eine pressa geschoßen würde, daß man mit einem gantzen Regiment Zu Sparung der Soldaten stürmen könte, Welches dan der von Fürstenberg effectuiret Und von Morgen Zu 5 Uhr bis in die Nacht umb 9 Uhr fast in die Tausendt Schüße in die Stadt und wieder die Mauren gethan. Wie dan durch solch starck und unabläßiges schießen die Mauren an der Werra Zerschmettert, die Belagerten aber keines accords jemahls begehret, Alß hat der von Fürstenberg umb 9 Uhr mit 2 Reg[imen]t[e]r[n], Welche erst über die Werra setzen müßen, den Sturm anlauffen laßen Und in einer Viertel Stunde die Oberhandt behalten, in die Stadt gedrungen Und alle ManßPersohnen meistentheils mit Axten vnd Beilen Zu todt gehawen. Der meiste Theil der Bürger und Soldaten haben sich noch eine gute Zeit von dem Kirchhoff, allda Sie sich Zuvor verschantzet, mit Mußqueten Tapffer gewehret. Alß aber Unmüglich denselben Zuerhalten, haben Sie sich uff das Schloß reteriret Und sich davon gewehret, daß es voller Todten Ringsherumb gelegen, darauff dieselbe auch vollents hingerichtet. Es seind aber die Bürgere, Soldaten, Bauren und Schieffleute mehrentheils geblieben vnd weinig davonkommen, die Weiber, deren gar Viel den Soldaten entgegengelauffen Und vermeinet, Jhre Männer Zu erretten, seind mit Barten darniedergehawen. Jn summa es ist ein über die Maß erbärmlicher und Cläglicher Zustandt gewesen Und obwoll viele Wagen von Allendorff und Witzenhausen dahin geschicket, die Todten Zubegraben Und theilß in die Weser Zuführen, konten Sie doch in Vier Tagen das Schloß undt die Stadt nicht gäntzlich saubern, ungeachtet fast alle Cörper, darunter der Obriste Clout selbsten, in die Weser geworffen worden. Sonnabents, den 13. Junij, hat man 18 C[entner] Pulver in einem Thurn gefunden, daßelbe ist angangen, durch was Mittel aber ist unbewust, hat viel Schaden gethan. Jst also die gute Stadt Munden, mit welcher Osteroda alleZeit vndt sonderlich vor alters, wie davon in 5. capittel gemeldet worden, in guten Nachbarlichem Vertrawen gestanden, auff einmahl Jhrer Bürgerschafft beraubet Und seind daselbst Viele Witwen und Weisen in wenig Stunden gemacht“. WENDT, Chronica, S. 404ff.; vgl. auch JÜRGENS, Hannover’sche Chronik, S. 414ff.

[84] Batterie: Geschütze wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen nannte man Batterie. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER]

[85] TADRA, Briefe, Nr. 371; dat. Aschersleben, 1626 VI 12.

[86] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Älteres Archiv 2367, fol. 402 (Ausfertigung): Tilly an Max., Münden, 1626 VI 10. HENNIG, Münden, S. 2, beziffert die Verteidiger – neben der dän. Besatzung – aus der Bürgerschaft auf 400 Mann, darunter auch eine Anzahl junger Frauen (Witwen) u. aus dem Amt Minden rekrutierten Ausschuss auf etwa 300; nach LOTZE, Münden, S. 70, waren es dagegen 600. So betrug die Relation zwischen Belagerern u. Belagerten wenigstens 10:1. Nach LOTZE, Münden, S. 69, hatte Tilly 8 Regimenter mit 24.000 Mann herangeführt; nach dem Bericht des Bürgermeisters Unger waren es 16.000.

[87] Jost Maximilian Graf v. Gronsfeld [6.11.1596 Rimburg-24.9.1662 Gronsveld], ligistisch-bayerischer Obrist, kurbayerischer Feldmarschall. Vgl. WARLICH, Für Bayern, Habsburg und Reich [Typoskript].

[88] Adrian Freiherr v. Cortenbach [Courtenbach, Curtenbach, Cordebach] v. Helmond [ -15.9.1630], ligistischer Obrist.

[89] Otto Friedrich Freiherr v. Schönburg [Schönberg, Schönenberg] auf Wesel [1589-17.9.1631 bei Breitenfeld gefallen], ligistischer Obrist.

[90] 1628 untersagte ihm Max., sich bei Vermeidung der Ungnade in ein Duell mit Wolf Adam v. Steinau einzulassen. DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 292.

[91] Ab Mitte Dez. z. T. in Sommer- u. Winterhausen, dann im Castell’schen Obereisenheim einquartiert. Allein in Obereisenheim kostete die Einquartierung für 58 Pferde, 63 Reiter, 33 Trossbuben u. 1 Frau; (Fürstliches Hausarchiv Castell VI b/14) in 23 Wochen 10.000 Rt.; SPERL, Castell, S. 276. 1629 im Fränkischen Reichskreis bei der Durchführung des Restitutionsedikts eingesetzt, z. B. in Tiefenstockheim; ZIMMERMANN, Schönburger Reiter. Vgl. auch das zeitgenössische Lied „Ein cläglich lied von dem ausgestandenen fünf monat langen Schönberg und Truckhsässischen winterquartier im Hällischen land“; STEIFF; MEHRING, Geschichtliche Lieder, S. 514ff.

[92] Jakob Ludwig Graf v. Fürstenberg [Fürstenberger] [1592-15.11.1627 vor Nienburg], ligistischer Generalfeldzeugmeister.

[93] Generalleutnant: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. Als Rekompens erhielt er für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[94] Vgl. den Kupferstich »Belagerung vnd Einnemmung der Stadt Münden« im THEATRUM EUROPAEUM Bd. 1.

[95] Nach dem Bericht des Kommandanten v. Göttingen, Solms, an Christian IV., Göttingen, 1626 VI 04 (a. St.), Riksarkivet København TKIA A 96, sollen es 15 Geschütze gewesen sein. Nach dem »Diarium Goettingense« wurden 866 Schuss aus 14 Geschützen abgegeben; ECKHARDT, Blutpfingsten, S. 3; nach HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 195, sogar 1.000; nach Solms‘ Bericht 752 Schuss. Vgl. BRETHAUER, Flugblatt-Text, S. 3. Nach dem »Extract« waren es dagegen nur 100 Schuss, was jedoch unwahrscheinlich ist. WAGNER, Tracht, S. 104f., der davon ausgeht, dass die Bresche an einem Tag geschossen wurde. Allerdings setzt dieses den Einsatz einer Generalbatterie (8 Kartaunen mit 42-pfündigen Kugeln, die die Mauerbresche schossen, 6 Halbkartaunen mit 24-pfündigen Kugeln, die die Mauerreste zusammenschossen, u. 4 Viertelkartaunen, die 12-Pfünder verschossen, um die Instandsetzung der Bresche, das Ausheben v. Gräben u. die Aufstellung v. Schanzkörben zu verhindern) voraus, die vor Münden jedoch nicht vorhanden war u. zudem eine gewaltige Pulvermenge erfordert hätte; vgl. die Angaben bei POHL, Profiantirung, S. 115. Ein anschauliches Beispiel einer Batterie bietet die Handzeichnung des Capitain Bénédict de Vassellieu, gen. Nicola, bei CORVISIER, Histoire Militaire, S. 338-339; zur Auflistung der Geschütztypen vgl. FUCHS, Kriegswesen I, S. 241ff. Zur Wirksamkeit der Artillerie vgl. ENGLUND, Verwüstung Deutschlands, S. 424f.: „Sowohl bei sogenannten Kernschüssen als auch bei Visierschüssen zielte man mit dem Geschützrohr in mehr oder weniger waagrechter Position. Ein in dieser Position eingestellter Neunpfünder hatte eine Reichweite von etwas über 350 Metern. Dann schlug die Kugel zum erstenmal auf dem Boden auf, wonach sie regelmäßig einen Sprung machte und noch einmal 350 bis 360 Meter flog, bevor sie kraftlos erneut aufprallte – acht von zehn Kugeln sprangen mindestens dreimal auf. (Der Abprall hing davon ab, ob der Boden eben oder buckelig und uneben war.) Die Kugel flog die ganze Zeit in Mannshöhe. Sie konnte also auf ihrer gesamten Bahn töten und verwunden, und wenn sie im rechten Winkel durch eine dünne Linie von Männern schlug, pflegte sie im Durchschnitt drei Mann zu töten und vier oder fünf zu verwunden, aber es kam auch vor, daß eine einzige Kugel 40 Menschen auf einen Schlag tötete. Menschen und Tiere wurden meistens mit einem hohen und entsetzlichen Reißgeräusch zerfetzt. Es gibt Beschreibungen von Schlachten dieses Typs – wie es aussah, wenn brummende Vollkugeln in die von Pulverdampf eingehüllten und dicht gestaffelten Reihen aufrecht stehender Männer einschlugen: In der Luft über den Verbänden sah man dann eine kleine Kaskade von Waffenteilen, Rucksäcken, Kleidern, abgerissenen Köpfen, Händen, Beinen und schwer identifizierbaren menschlichen Körperteilen. Der tatsächliche Effekt beruhte in hohem Grade auf der Größe der Kugel. Leichte wie schwere Geschütze schossen im großen und ganzen ihre Kugeln mit der gleichen Anfangsgeschwindigkeit ab, etwas unter 500 Meter in der Sekunde, doch je größer die Kugel war – das Kaliber in Pfund bezeichnet das Kugelgewicht – , desto höhere Geschwindigkeit und Durchschlagskraft hatte sie, wenn sie ihr Ziel erreichte: die Beine und Muskeln und Zähne und Augäpfel eines Menschen auf der anderen Seite des Feldes“. Der technische Aufwand war beträchtlich bei 60-Pfündern rechnete man für 8 Tage à 30 Schuss 3 Ztr. Pulver, 13 Wagen mit 99 Pferden, dazu 3 Knechte u. 2 Büchsenmeister sowie deren Zubehör.

[96] Sturmlauf: heftiger, schnell vorgetragener Angriff mit dem Ziel, den [völlig unvorbereiteten] Gegner zu überraschen, seine Verteidigung zu durchbrechen. Zum Teil wurden für die Erstersteigung der Mauern oder des ersten Eindringens in die Stadt, Festung etc. Geldprämien bis zu 1000 Rt., die „erste Beute“ oder Rangerhöhungen (so etwa bei der Erstürmung Frankfurts a. d. Oder 1631), von den Offizieren ausgesetzt worden. Die Sturmkolonnen sollten Wälle oder Festungen auf Sturmleitern ersteigen, sich dort festsetzen und das Tor von innen öffnen, um den nachrückenden Soldaten den Weg frei zu machen. Teilweise wurde allerdings auch Branntwein ausgeschenkt, um die Angst zu betäuben, oder es wurden Gefangene bei allen Armeen als Schutzschilder vor der ersten Sturmreihe vorangetrieben; vgl. die Aussagen eines Untergesteckten (1634) => Gottmann, Peter in den „Miniaturen“; GAIER; SCHÜRLE; PRAßER, Schwabenspiegel Bd. 3, S. 80.

[97] RETZMANN, Eroberung, S. 10.

[98] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Die schwedische Garnison in Augsburg hatte die lutherischen Bürger aufgefordert, „Gott mit uns“ auf die Türen zu schreiben, um sich vor Plünderungen zu schützen; ROECK, Als wollt die Welt schier brechen, S. 248. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, daß wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, daß wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt‘ „. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die aber von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. v. Anhalt-Köthen: Von Gottes gnaden (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Allerdings waren selbst schwedische Feldprediger unter den Plünderern zu finden; MITTAG, Chronik, S. 373. Der in altstädtischen Diensten stehende Magdeburger Daniel Friese und sein Sohn Friedrich über ihre vergeblichen Täuschungsmanöver; NEUBAUER, Magdeburgs Zerstörung 1631, S. 29-31: „Als nun die zwei Musketiere weg waren, nahm der Vater selig eine Axt und schlug den Ofen, Tür und Fenster selbst ein, riss auch das Stroh aus den Betten und streute es im Haus herum, warf auch die alten Inletts und Betten des Gesindes ins Haus, ebenso die Töpfe aus der Küche und ließ das Haus angelweit offen. Es sah aus, als denn die Furien hätten darin getobt, und war eine ziemliche Hilfe, so dass anfangs keiner ins Haus kam, da man allzeit annahm, das Nest wäre schon zerstört. Ferner ließ der Vater selig einen guten Schinken, Knackwürste, geräuchertes Fleisch und was wir an Essen hatten, auf einen Tisch in der Ecke des Hauses, doch so, dass man ihn zur Haustür herein nicht sehen konnte, setzen nebst ein paar Schleifkannen Bier, denn er dachte, wenn ja die Soldaten ins Haus kommen, so würden sie doch, wenn sie das Frühstück sähen, sich daran ein wenig aufhalten und wir uns besser verbergen könnten. Nichts desto weniger kamen Soldaten zu uns hinein, denn sie hatten im Vorüberlaufen die Mutter gesehen. Sie erwischten uns also alle in der Stube, fielen Vater und Mutter an und begehrten Geld“. […] Der Vater sorgte sich, „die Nachbarn möchten aus großer Angst die Soldaten zu uns herüberweisen. Denn sie schrien und tobten in dem Hause wie die bösen Geister und riefen ohne Aufhören nach Beute und Geld. Das hörten wir armen Leute in unserer Kohlenkammer und saßen still wie die Mäuse. Der Vater aber ging nach einer Weile wieder in das Haus und wollte sehen, wie es etwa bewendet wäre. Bald sahen ihn die Soldaten, schrien und liefen auf ihn zu. Die Mutter hörte das Geschrei und lief auch hervor und wir Kinder alle hinterdrein. Der Soldaten waren ungefähr sieben, alle mit brennenden Lunten, und redeten in fremder Sprache, so dass kein Mensch wusste, was sie sagten, nur dass sie stets in die Hände wiesen, wie man Geld zahlt. Da half nun kein Entschuldigen, der Vater mochte sagen, was er wollte, dass nämlich die Soldaten alles genommen hätten. Sie verstanden es nicht, sondern schossen zweimal im Hause nach ihm, Gott aber verhütete es, dass sie dem Vater Schaden taten, sondern in die Wand hinein […] Endlich redete der Vater auf lateinisch mit dem Offizier, dass ihm die Soldaten alles genommen und er also ihnen nichts geben könnte als Kleider, Leinwand, Zinn und dergleichen. Da wurden die wahnsinnigen Furien etwas beruhigt, der Offizier aber begehrte Geld, wo das wäre; dann wollte er die Soldaten alsbald wegführen“. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus nackter Existenznot verübt, da die Versorgung der Soldaten schon vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck u. Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Der Hofer Chronist Rüthner weiß zu berichten, dass Borri fünf seiner Soldaten eigenhändig erstochen habe, die beim Plündern gefasst wurden; KLUGE, Hofer Chronik, S. 192: „Den 8. juni ist Zwickau mit accord übergegangen und aufgegeben worden, jedoch in auszug der schwedischen darinnen gelegene soldaten der accord nicht allerdings gehalten und fast meistentheils spoliret worden, unangesehen der kayßerliche general Borey 5 seiner eigenen leute über den raub erstochen“.

[99] Meinrad Matthias Freiherr v. Wolkenstein [ – August 1626 vor Göttingen], ligistischer Kapitän.

[100] Solms sprach v. dem Verlust v. 2.000 Mann unter Tillys Belagerungsarmee, was ebenfalls nicht den Tatsachen, aber dem üblichen übertreibenden Stil solcher Verlustmeldungen entspricht.

[101] Radnagel: Nägel, um die Schienen eines Rades festzunageln.

[102] LOTZE, Münden, S. 72; RETZMANN, Eroberung, S. 10; ausgestaltet v. Hermann Löns in seinem gleichnamigen Gedicht.

[103] Batterie: Geschütze wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen nannte man Batterie. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER]

[104] Grobe Stücke: große Geschütze, meist: Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17, 5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde nötig: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge des Kalibers (15 cm), schoss 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-75 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt.

[105] Granatkugel: eiserne Sprengkugel als „eine spezielle form der granate älteren gebrauchs, die auch in der feuerwerkskunst verwendet wurde“ [DWB].

[106] Feuerkugel: mit Brandsatz versehenes, aus Mörsern abgefeuertes Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.

[107] Hellebarde: Hieb- und Stichwaffe des 13. bis 17. Jahrhunderts mit einem aus einem Stück geschmiedeten Kopf, der ein Beil, eine Klinge und einen Haken besaß, die zu den Stangenwaffen des Fußvolks gezählt wird. Die Hellebarde hat eine breite („Beil“, „Barte“), eine kurze Klinge („Haken“) sowie am Ende eine Stoßklinge. Der meist 1½ bis 2 Meter lange hölzerne Schaft („Halm, Helm“) besaß oft einen mehreckigen Querschnitt oder Lederwicklungen, um beim Hieb das Wegdrehen der Waffe in der Hand zu vermeiden. Der Bereich zwischen Klinge und Schaft wurde seitlich mit „Schaftfedern“ aus Metall verstärkt.

[108] Prädikant: evangelischer Geistlicher, Prediger.

[109] Hameln; HHSD II, S. 192ff.

[110] Feuermörser, Mortier: Steilfeuergeschütz, dessen Rohre aus geschmiedeten Schienen bestanden, die, wie bei einem hölzernen Fass, durch eiserne Reifen zusammen galten wurden. Bei einem Kaliber von bis zu einem Meter Durchmesser waren die Feuermörser bis zu 2, 50 m lang und wurden vor dem Abschuss in die Erde eingegraben. Ihre Stahlkugeln hatten eine sehr steile Flugbahn, man konnte mit ihnen also hinter Mauern schießen. Sie dienten auch zum Werfen von Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) und mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll). Nach Pflummerns Aufzeichnungen konnte man mit ihnen Kugeln von 100 Pfund und mehr werfen; SEMLER, Tagebücher, S. 68. Vgl. auch die Abbildung bei FREYTAG, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 1, S. 89.

[111] Johann ‚t Serclaes Graf v. Tilly [Feb. 1559 Schloss Tilly, Gemeinde Villers-la-Ville/Herzogtum Brabant; 30.4.1632 Ingolstadt], ligistischer Feldmarschall. Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[112] Quartier: Pardon, Gnade. Das hingt zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29. Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450.

Quartiergalgen: der Quartiergalgen wurde in der Regel zusammen mit einem hölzernen Esel von den Bürgern zwangsweise errichtet, da das Errichten eines Galgens als ehrenrührig galt. => Galgen. Angeblich soll es sich dabei um einen Schnellgalgen gehandelt haben: „Der Schnêllgalgen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eigentlich, ein Galgen in Gestalt eines Griechischen Γ, welchen man ehedem besonders als eine Strafe für ausgerissene Soldaten gebrauchte, indem man sie mit rückwärts gebundenen Händen daran in die Höhe schnellte, d. i. vermittelst eines Seiles schnell in die Höhe zog, und sie eben so schnell wieder fallen ließ, um ihnen dadurch die Arme zu verrenken; der Wippgalgen. 2) Da diese Strafe nunmehr veraltet ist, so wird in weiterer Bedeutung ein Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu henken pflegt, noch ein Schnellgalgen genannt“ [ADELUNG, Bd. 3, S. 1002]. „Man pflegt auch noch jetzt in weiterer Bedeutung einen Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu hänken pflegt, einen Schnellgalgen zu nennen“ [KRÜNITZ]. Aus Meiningen wird 1646 berichtet, GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 274: „Eben in diesem Monat [August 1646; BW] sind drey Mußquetirer von hiesiger Qvarnison über die Stadt-Mauern hinaus gestiegen, und hinweg gelauffen, aber bey Walldorff wieder vertappt, nieder geschossen, tod herein gebracht, und in der Hocker-Gassen auff dem Graben, an einem auffgerichten Schnapt-Galgen gehängt worden“.

[113] Hedemünden, heute Ortsteil von Hannoversch Münden [LK Göttingen].

[114] Moritz Landgraf v. Hessen-Kassel [25.5.1572 Kassel-15.3.1632 Eschwege].

[115] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[116] Mine, minieren: graben, untergraben: Anlegen von Untergrabungsgängen unter dem Mauerfuß einer belagerten Festung. Diese Minengänge zielten entweder auf den Einsturz der Mauer oder auf ein Eindringen in die Festung. Über die Unterhöhlung hinaus konnten sie mit einer Pulverladung versehen und zum Sprengen der Mauer benutzt werden. Da man die Arbeitsgeräusche bald hören konnte, wurden Gegenminen gelegt und zur Explosion gebracht. Teilweise wurden die Minen auch dem Gegner gezeigt, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. => Kontramine.

[117] Gottfried Heinrich Graf v. Pappenheim [8.6.1594 Treuchtlingen-16.11.1632 bei Lützen], ligistischer u. kaiserlicher General. Vgl. STADLER, Pappenheim.

[118] Adam Philipp Freiherr, später Graf v. Cronberg [Cronberger, Kronberg, Cronburg] u. Hohengeroldseck [um 1600 – 3.8.1634 Regensburg], ligistischer Obrist.

[119] Otto Ludwig v. Blan[c]kart zu Odenhausen [ -1633], ligistischer Obrist.

[120] Nikolaus Pfannkuch [ – ], Mündener Stadtkommandant.

[121] N Wittmund [ – ], Mündener Stadtkommandant.

[122] Ausschuss: I. Bürgerwehr: (zumeist relativ wirkungslose, unzuverlässige und aufsässige) Miliz zur selbstständigen Landesverteidigung (vgl. Landwehr), die teilweise schon beim ersten Musketenschuss auseinanderlief oder als Kanonenfutter diente, wenn sie nicht unter dem Schutz von Soldaten eingesetzt wurde. Zum Dienst im Ausschuss konnten sowohl Bürger – meist kleine Handwerker und ärmere Bürger, reichere Bürger drückten sich vor diesem Dienst – als auch Bauern der städtischen Dörfer herangezogen werden. Üblich war die Stellung des 5. oder 10. Mannes. Die Erfurter Bürgerwehr soll aus 1.200 Mann bestanden haben; BEYER; BIEREYE, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 537. Zur Nutzlosigkeit des Bürgerausschusses vgl. die Äußerungen des brandenburgischen Kanzlers Friedrich Pruckmann [1562-1630]; FADEN, Berlin, S. 144: Sie wurden „von ihrer zween angeführt, die ihr Lebetage wohl keinen toten Menschen im Felde gesehen. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen, auch Schreien in beiden Städten [Berlin und Cölln] die ganze Nacht hindurch, dass ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben. Denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg; dem andern entfiel der Ladestecken, dem dritten die Forschett [Gabelstock]; dem vierten versagte die Muskete zwei- bis dreimal; der fünfte steckte die Nase gar in den Ärmel, wenn er schießen wollte, gleich den Mönchen, Pfaffen und Jesuiten, die vor etlichen Jahren zu Paris gassatim gingen, Die dann losgeschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pikeniere trugen die Pike auch gar musterlich, zu geschweigen, dass sie solche sonsten zu gebrauchen sollten gewusst haben. Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt“. FADEN, Berlin, S. 153f. Teilweise wurde schon aus Kostengründen der Ausschuss von Städten abgelehnt; BRUNS, Hallenberg, S. 258f.; WALLHAUSEN, Defensio Patriae. II. Ausschuss, fürstlicher: Truppen der Landstände.

[123] Stadtarchiv Münden, A 2/2001 Nr. 688 – M 1/Sch 2/21: Asmus Teufels [Düwels] Bericht über die Eroberung Mündens, o. J. [zwischen 1632 und 1656?]. Freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Herrn Thomas Kossert, Göttingen. Eine englische Version findet sich bei MEDICK; MARSCHKE, Experiencing, S. 127f.

[124] LOTZE, Münden, S. 73.

[125] Das erinnert an die Topik zweier weit verbreiteter Flugschriften v. 1619: „Spanischer Türck / Oder Wahrer Bericht / der grausamen unerhörten Spannischen und mehr als Türckischen Mordthaten / welche in dem Königreich Böheimb / hin und wider / durch den Conde di Buquoi / an Mann und Weib […] geübt und gebraucht werden“ (Prag 1919); „Zwo erbärmliche Newe Zeitung / Die erste: Von dem Spannischen Türcken / und der grausamen unerhörten Spannischen und mehr als Türckischen Mordthaten / welche in dem Königreich Böheim hin und wieder / durch den Conde di Buquoi / unnd Graf Tampier […] geübt und gebraucht werden“ (Prag 1619).

[126] Nach dem »Extract« sollen „alle Personen so vber 9 Jahre gewesen jämmerlich zu tode gehawen vnd geschlagen“ worden sein; vgl. KHEVENHILLER, Annalen X, S. 1259; OPEL, Niedersächsisch-Dänischer Krieg Bd. 2, S. 535. Möglicherweise hatte man hier mitkämpfende Frauen getötet, galten weibliche Gegner doch als besonders entehrend.

[127] Hellebarde: Hieb- und Stichwaffe des 13. bis 17. Jahrhunderts mit einem aus einem Stück geschmiedeten Kopf, der ein Beil, eine Klinge und einen Haken besaß, die zu den Stangenwaffen des Fußvolks gezählt wird. Die Hellebarde hat eine breite („Beil“, „Barte“), eine kurze Klinge („Haken“) sowie am Ende eine Stoßklinge. Der meist 1½ bis 2 Meter lange hölzerne Schaft („Halm, Helm“) besaß oft einen mehreckigen Querschnitt oder Lederwicklungen, um beim Hieb das Wegdrehen der Waffe in der Hand zu vermeiden. Der Bereich zwischen Klinge und Schaft wurde seitlich mit „Schaftfedern“ aus Metall verstärkt.

[128] raiteln, reuteln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[129] Nach RITTER, Ratsherren, S. 147, war wahrscheinlich Heinrich v. Frilinghusen, Mitglied der Schiffergilde u. Ratsherr, darunter. Nach BRENNEKE; BRAUCH, Calenbergische Klöster, S. 87, zählten Johann Deppe, Pfarrer in Hameln, Konventuale in Bursfelde, u. Heinrich Hüpeden, fallsüchtiger jüngerer Sohn des calenbergischen Rentmeisters Erich Hüpeden (SAMSE, Zentralverwaltung, S. 276), zu den Ermordeten. Zu den Hüpeden RITTER, Ratsherren, S. 156.

[130] Schmer: I. Das Leibesfett von Delinquenten [Armesünderfett] wurde vom Nachrichter (Henker) für medizinische Zwecke verwendet; SEMLER, Tagebücher, S. 174 (1634): „Die haben in volgender nacht herwerts Bermatingen 8 reütter von Bůchhorn kommendt angetroffen, auf welliche die vnserige in vortrab gar zu frühe fewr geben, daß die schwedischen sich gewendt vnd die flucht genommen, sonsten hette man alle 8 ring [leicht; BW] bei den köpffen nemmen mögen. Im nachiagen haben beide meine pferdt vor andern die füeß gebraucht, vnd seyn noch zwen vom feind erritten vnd gefangen genommen, vnd alhero gebracht worden, deren der eine, so quattier [Pardon; BW] angenommen, beim leben gelaßen: der ander aber, so trutzig, kein quattier haben wollen, nechst vorm Wißthor archibusirt vnd hernach wegen fätten leibs vom nachrichter ad usum medicinae vmb mitte deß leibs geschunden und begraben worden“. Das wurde immer wieder in Chroniken festgehalten. So soll nach der Schlacht v. Marignano (1515) das Fett eines feisten Gefallenen als Schmiermittel u. Stiefelfett Verwendung gefunden haben; SCHUBERT, Mobilität, S. 160f. II. Schmalz.

[131] Darm aufspulen: Vergleichbares findet sich in den Erinnerungen des Fähnrichs Zehe aus den Türkenkriegen 1685-1688 über die Gräuel griechischer Freiheitskämpfer; RÖHRIG, Hannoversche Rotröcke, S. 125; vgl. PRÖVE, Violentia, S. 24ff.): „Unter all denen Türken, so in selbiger Action geblieben, sahe man keinen einzigen, so nur das geringste vom Hembde anhatte. Allen waren die Köpfe abgehauen, die Leiber aufgeschnitten und alles Eingeweide herausgenommen. Die Darmen hatten sie ihnen um die Hende und Füße gewunden, die Finger, Zehen und Scham waren ihnen alle abgeschnitten, auch kein einziger darunter, so nur noch eines Fingers breit Fell auf dem ganzen Leibe hatte, sondern waren alle abgeschunden, deren Felle gegerbet und stückweise verkaufet. Lagen sie also wie das stinkende Aas durcheinander, welches ein elend Spektakel anzusehen“. Vgl. die Analyse des Reiterüberfalls in GRIMMELSHAUSENS „Simplicissimus“ durch MERZHÄUSER, Über die Schwelle geführt, S. 76ff.

[132] Ranzion, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29. Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[133] Schändung: Auf Vergewaltigung stand schon in den Kriegsartikeln Gustav II. Adolfs von 1621 die Todesstrafe. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Vgl. auch MAHR, Monro, S. 56f.; Denkschrift über den Ruin der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt infolge des Durchzugs, besonders durch die Kaiserlichen, aus dem Dezember 1634; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff.: „Das kaiserliche, hispanische und ligistische volk ist alles auf unsern gnädigen fürsten und herren gezogen, liegt auch dessen noch ein namhafter anteil im land; jetzo ziehen wieder 4 regimenter hindurch, brauchen einen wunderlichen weg, nicht nach der straßen, sondern gar umschweifig nach einem circumflexu. Wollen viel geld haben, dessen doch bei so vielfältigen, ganz grundverderblichen durchplünderungen keines vorhanden. Vieh, frucht ist alles weg; der wein, den man nicht austrinken können, in die erde gelassen. Die besten flecken und dörfer liegen in der asch. Etlich tausend weibspersonen seind geschändet, – ja gar auch junge knaben, quod horrendum – in der schändung gar getötet. Dem herrn kammerpräsidenten Karspach ist bei seiner lieben alten mutter begräbnis in unversehener behendigkeit eine trupp auf den hals kommen, haben 16 adeliche weibspersonen in der trauer an der mahlzeit befunden, deren 8 sobald genotzüchtigt, eine adeliche jungfrau, so eine Schelmin von Bergen (eine einige tochter ihrer eltern) gar auf den offenen markt gelegt und publice geschändet; 8 derselben adelichen damen seind entloffen, haben sich in ein hühnerhaus verkrochen, bis daß der sturm vorüber gewesen. Zween tag vor unsers gnädigen fürsten und herrn wiederanlangung in dero landen ist ein jählicher einfall in dero flecken Oberrosbach [Ober-Rosbach/Kr. Friedberg; HHSD IV, S. 356f.; BW] geschehen, seind alle und jede sich darin befindende weibsbilder (nur 4 ausgenommen) violento stupro vitiiert worden. Hin und wieder im land seind noch sehr viel weibspersonen verloren, von denen man nicht weiß, wohin sie kommen“. Sogar Reiterjungen waren an solchen Vorgängen beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: „2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können“. Das Kriegstagebuch des Rüthener Bürgermeisters Christoph Brandis (ca. 1578-1658) über die hessische Einquartierung 1636 hält fest; CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.: „Den 7ten April geschah eine schaendliche That. Ein Soldat Namens Mathes quartirte in D-s Hause (c. Da der Name dieses Buergers noch wirklich in Ruethen existirt, so fand ich vor gut ihn hinweg zu lassen.). Dieser Mathes hatte ihn schon vorher durch Einschlagung der Fenster, Thueren und Tischen, ja selbst durch schwere Pruegelsuppen viel molestiert [= belästigt], nun fehlte pro coronide ceterarum crudelitatum [= als Krönung weiterer Gefühllosigkeiten] noch das schlimmste. Am 7ten Morgens, als mehrbesagter Mathes noch auf der Buehne [= dem Lagerboden] lag, rief er herunter, man sollte ihm einen Pott voll Milch bringen oder er wollte alles zusammenhauen. D. schickt seine Tochter ein wackeres 17 Jahr altes Maedchen, ins Nachbarshaus, um welche zu bekommen. Weil nun das Maedchen ein wenig lange ausgeblieben, hat der Mathes destomehr gelermt, bis sie endlich gekommen und ihr Vater ihr gesagt: Sie sollte es dem Soldaten hinauftragen. Sie war iussu Patris [= auf Geheiß des Vaters] kaum heraufgekommen, als sie der Mathes zu seinem Willen haben wollte, sie wehrte sich, so gut sie konnte, und rief nach Huelfe, der Soldat aber stak ihr die geknueffte (geballte) Faust ins Maul. Indeß hatte der Vater doch etwas davon gehoert, er eilte mit seiner Hausfrauen herauf, Mathes aber hatte die Thuer schon zugeschallert [= zugeriegelt], und die armen Eltern mußten durch ein Loch, das Mathes schon einige Zeit zuvor in die Thuer gehauen hatte, ihr eignes Kind schaenden sehen ohne ihr helfen zu koennen. Der Kerl hatte ihr benebens [= dabei] die rechte Brust (d. Im Original steht eine andere bloß in Westfalen uebliche Benennung.) weil es sich vermuthlich zu stark gewehrt hatte, ganz und gar aufgerissen, so daß ein ganzes Stueck nachhero herausgefallen, und das Maegdlein ganz unmenschlich zugerichtet, unter unaufhoerlichen Schmerzen 14 Tage darauf verstorben. Der Vater gieng heute mit mir zu dem Hauptmann, um sich wegen des mehr besagten Mathes zu beklagen; aber er gab uns trozig zur Antwort, wenn es einmal todt seye, koenne er nicht mehr helfen. Er bestrafte auch den Mathes keinesweges, sondern ließ ihn, wie andere frei herumgehen. Der Vater ist untröstlich, und jedem dauert das arme Maegdlein, requiescat in pace [= Möge es in Frieden ruhen !]“. Die Einfügungen in eckigen Klammern stammen von den Herausgebern, in runden Klammern von dem 1. Hg. Cosmann (1789). Die Bestrafung wurde in der Tat sehr unterschiedlich gehandhabt, vgl. etwa die Aufzeichnungen des Schmalkaldener Chronisten Pforr; WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636; BW] sollte ein [schwedischer; BW] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden“. WAGNER, Pforr, S. 133: „Den 27. Jan: [1635; BW] hat [ist] ein corporal von Mersinisch[en; Mercy, BW] regiment vollerweiße ins siechenhauß kommen, die arme leuht darin ubell geschlagen und ein sichen magd genotzüchtigt. Deßwegen der cornet von hießiger compagnia hinaußgeschickt worden, den corporal dieser thatt wegen in arest zu nehmen. Weil sich aber der corporal zur wehr gestellet, hat ihn der cornet todtgeschoßen“. Vgl. auch THEIBAULT, Landfrauen, S. 32, über einen einzigen derartigen Fall in der Werra-Region. Auf Klagen bei Kommandierenden hieß es z. T.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 122: „es sei aus unterschiedenen regimentern kommandiert volk und unter denselben Spanier, Neapolitaner, Burgunder, Italiener etc., die man nicht also in zaum halten könnte“.Vergewaltigung gehörte auch zur üblichen Topik in zeitgenössischen Berichten oder bei Geburt unehelicher Kindern; vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52. Im Taufregister der Kirche zu Wiesa wird als Vater eines am 7.8.1633 getauften Kindes eingetragen: „drey Soldaten“, für den am folgenden Tag getauften Sohn einer Witwe werden „zwene Soldaten“ aufgeführt. Uhlig, Leidenszeiten, S. 11. SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 58, die Schwängerung der Elschen Stovener, Amt Ravensberg (1631), die trotz Eides den Verdacht nicht unbedingt ausräumt, dass der eigene Vater die Tochter geschwängert hatte: „Anno 1631, den 3ten Junij Johan Stovener mit seiner Tochter Elschen, so geschwengert, gefenglich angenommen, und obwoll im gemeinen geschrey, alß sollte der vatter dieselbe geschwengert haben, so hatt doch die Tochter eidtlich beteuret, das ein soldate, so einen blauwen rock angehabt, sie ubergeweltiget und sie also geschwengert. Weil dieselbige nun grob schwanger, alß ist sie biß dahin, der banden entbunden, erlaißen und hat Aloff Varenbruck und was er an gelde alhie im lande hatt (38, 5 Rtl. bei 6 Schuldnern), zu burgen gestellett, diesergestaldt, das, wan sie ihrer weiblichen burde entbunden, sich jeder zeit widder einstellen soll. Zeugen. Und ist g(enante)r Johan Stovener, eine urpheide zue thuen, aufferlagt, welche auch in gegenwart Jorgen Kraecks prestiert“. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es ausdrücklich, dass sich die Schweden in der ganzen Zeit „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice; die Beschwerden der Pommern’schen Gesandten (1630); THEATRUM EUropaeum Bd. 2, S. 190, CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632; DUVE, DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“.

[134] Vgl. die Tagebucheintragung des Hildesheimer Arztes Dr. Jordan: „Den 2. wird Münden mit stürmender Hand eingenomen, den die Croaten durch die Fischer Pfort und Brelehauß ad confluentiam Werra et Fulda hineinkomen, und die Tillische übel darin gehauset, das 1763 Todte in die Weser geworfen, 11 Pastores seind auf der Schicht erschlagen, welche nie begraben“. SCHLOTTER, Acta, S. 11.

[135] Bericht des Stadtsyndikus Christoff Hüpeden an Friedrich Ulrich, zit. bei ECKHARDT, Blutpfingsten, S. 2. Nach LOTZE, Münden, S. 76, betrug der Sachschaden allein 313.638 Rt.; davon waren 73.380 Rt. Bargeld (darunter 11.386 Lösegeld), 3.058 Rt. wurden den Bürgern nach der Plünderung entwendet. Zu den Ranzionsgeldern vgl. PIDERIT, Geschichte, S. 167.

[136] Kriegsgräuel, Kriegsverbrechen: Kriegsgräuel waren die Begleiterscheinung dieses Krieges von Anfang an. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620), zur Eroberung von Pisek am 30.9.1620; PÖRNBACHER, Barock, S. 325f.: „Heute um die dritte Stunde des Nachmittags ist Biska gleich beim ersten Eindringen in die Stadt erobert worden. Alle, die drinnen waren, hat man zusammengehauen und umgebracht. Besonders die Soldaten des Bucquoi haben niemand geschont, kein Geschlecht noch Alter, auch das Kind, das im Bett saß, wurde mit einem Gewehrschuß hingestreckt. Ein gar erbärmlicher Anblick war das, wohin die Einwohner oder die Besatzungssoldaten auch flohen, sie fielen in die Hände der Unseren und wurden getötet oder gefangen. Der Anführer wurde in der Stadt in tausend Stücke zerhauen. Einer Schwangeren, die im Schrecken gebar, wurde der Kopf gespalten, das Kind an der Wand zerschmettert. Man sagt, Bucquoi habe sein Schwert und den Regimentsstab zerbrochen, als er dem Gemetzel Einhalt bieten wollte, aber die Raserei der Soldaten war stärker. Mehrere stürzten sich ins Wasser, um wenigstens so zu entkommen, aber auch dort trafen sie die Kugeln und so starben sie fast einen doppelten Tod. Man sagt, es seien zwölfhundert Schützen in dieser Stadt gewesen, die schon an sich, und auch durch ihre Lage aufs beste befestigt war. Aber nicht einmal einen ganzen Tag hat sie diesem doppelten Heer, dem unsern und dem des [Charles Bonaventure de; BW] Bucquoi, widerstehen können. An diesem Abend liefen von den Böhmen 130 Soldaten ins Lager unseres Fürsten über. Überall herrscht unter unseren Feinden Furcht, Schrecken und großes Zittern, und das ist kein Wunder: schon kennt man den bayerischen Löwen“. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 163f., Anm. 2: „Den 17. November 1621 Abends fielen sieben Cornet Reuter, unter Commando des Bayerischen General-Feld-Wachtmeisters Grafen von Anholt [Johann Jakob v. Anholt; BW] Commando in den [kurpfälzischen BW] Flecken Beerfelden, plünderten, ohnerachtet ihrer Verpflegung, denselben aus, nahmen 21 Pferde, und tractierten die Leute unmenschlich, daß sie, um ihr Leben zu retten, sich in die Wälder flüchteten. Folgenden Tags wurde durch den continuirenden Nach- und Rückzug von etlichen tausend Mann von der Bergstraße gegen Moßbach [Mosbach; BW] in dem Amt Freyenstein [Freienstein; BW] vollends alles aufgerieben, auch die Kirche ihres Kelchs und Ornats beraubet, der Pfarrer [Heinrich Lambinus; BW] erbärmlich geschlagen, und mit Stricken dermaßen geknebelt [=> geraitelt; BW], daß ihm Gesicht und Gehör vergangen, das Blut zu den Augen herausgedrungen, und er in wenig Tagen sterben müssen. Sie nannten ihn anders nicht, als einen Lutherischen Schelmen und wollten ihn mit Bedrohung der Castration zwingen, daß er den Kirchen-Gesang: »Erhalt uns, Herr, bey deinem Wort usw.« verschweeren sollte. Sie preßten ihm auch durch große Marter 600 fl. aus“. Hans Sonnenbächer, Schultheiß, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 206: „Mansfeldische Reiter, uf 30 stark, seien bei ihnen durchgestreift. Philipp Stumpf sei uf Schultern gehauen worden, denen sie als ein alten eisgrauen Mann gestöckt und gepleckt, ins Dorf genommen, mit Füßen ufgehängt, mit Lunten gebrennet, auch salvo honore [= mit Verlaub zu sagen (Entschuldigungsformel)] in Mund Urinam reddiert [= uriniert], endlich herab ufs Genick sehr übel fallen und schlagen lassen“. Der Pfarrer von Mönchsdeggingen, Christian Spradtler, am 4.1.1634 über die am 13.12.1633 erfolgte Plünderung und seine Marter; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 51f.: „und einer unter ihnen, der sich des Ochsenwürthen, würthen von Nereßheim, welchen man vor diesem verbrand, Sohn genennet, sich öffentlich vernemen lassen, habe sich dem leibigen Satan ergeben ewiglichen. Alsobalden die anderen dreyen seine Spießgesellen gerufen, deren sich dann ein jeder mit seinen Instrumenten baldt gefaßt gemacht. Der erste mit einem hültzern reiteltopff, mich damit zu reiteln, der ander mit einem langen Strickh, mich damit zu binden, der dritte mit einem Schraufzeig mich damit zu klueben, Der vierte mit einem großen erdenen Topff darinnen etliche maß wasser, so sie den schwedischen trunckh nennen, gema(h)nt, mir damit den garauß zu machen“. Hans Hoxer in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 213: „Ewald Weißen Frauen hätten sie die Nasen abgehauen. Ihm, Zeugen selbst, ein Strang um den Kopf gelegt und geknebelt, daß er ihnen etwas an Geld, so er in einem Säckel im Garten gescharret gehabt, geben, womit sie aber nicht content [= zufrieden] gewesen, sondern fürbaß [= weiter] einen Strang an beiden Armen gemacht, das Seil hinterrücks über ein Apfelbaumen Äste geworfen, schwebend ufgezogen, auch eine gut Weil hängen und sich bedencken lassen. Zeug aber [durch]gehalten und ferner nicht geschnellt [= hochgezogen worden]. Sonsten hätten sie in Gewölbe, darinnen er sein und anderer Leut Sachen verwahret gehabt, ufgebrochen und alles genommen, dabei zu verstehen geben, das hätte man unserm gnädigen Fürsten und Herrn [dem Landgrafen] zu danken. Vom Schänden wäre viel gehört worden, dann mit seines Nachbarn Barthel Schelches Eheweib hätten sie Schande geübt und doruf ins Wasser geworfen, welche kürzlich hernach, vermutlich aus Schrecken, gestorben“. Heinrich Clodius, Schulmeister, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 215: „Die Weimarischen hätten ihn, Zeugen selbst, in die Scheuer geführt, geknebelt, die Hände uf den Rücken gebunden, mit brennenden Lunten Pulver in die Hosen geblasen, auch deromaßen mit ihme übel gehaust, daß er den Mund noch nicht recht öffnen könne. Sie haben Jakob Schäfern mit dem Hals ufgehängt und ein Weil hängenlassen, bis er ihnen das Geld zu geben verwilliget. Niklas Glappacher hätten sie ein Kordel um die Pudenda [= Geschlechtsteile] gemacht, so lange zugezogen, bis er ihnen ufs 60 Gulden geben. Matthes Hammans Weib, samt andern viel mehr, Daumen ufgeschraubt um willen, Geld zu geben und zu verraten“. Pfarrer Heinel von Waldkirchen (1632), zit. nach www.krumhermersdorf.de/literatur/urkunden: „Weil man etliche Soldaten unten im Dorfe abgesetzet und [ihnen] die Pferde genommen [hat] welches nicht nur hiesige Leute, sondern auch benachbarte verübet, [haben] General Holcks Völker [Soldaten] auf ihres Generals Befehl das Dorf angestecket [angezündet]; niedergehaun, was sie angetroffen, also daß sie etlichen die Köpfe in einem Hieb abgehauen [haben] und der Kopf den Berg [hin]abgelaufen, das Corpus [Körper] aber liegengeblieben [ist], welches jämmerlich zu sehen gewesen. Und sonst übel verfahren, wie die Rudera [Spuren] noch ausweisen „. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 23f.: „Zu dieser Zeit ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewähret bis auf das 1637. Jahr; do man dann bald nichts anderes hörte als Rauben, Stehlen, Morden, Sengen und Brennen. Die armen Leut[e] wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch gereitelt. Vielen [wurden] die Augen ausgestochen [und] Arm[e] und Bein[e] entzweigeschlagen. Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten. Etliche [wurden] von ferne beim Feuer gebraten, (teils) im Rauchschlot aufgehenkt und Feuer unter sie geschüret. Etliche [sind] in die Backöfen gestoßen, Stroh vorgemacht und angezündet [worden]. Kein und Schwefel [wurde ihnen] unter die Nägel gesteckt und angezündet. Die Daumen [wurden] geschraubet, spitzige Knebel ins Maul gestecket, [so] daß das Blut haufenweiß heraus geloffen [ist]. Hernach(er) [ist] der ganze Leib durch den Mund mit Urin und Mistwasser gefüllet [worden], die Fußsohlen [wurden] aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen aus den Leibern geschnitten und vielen die Rippen in dem Leib entzwei geschlagen. In Summa, die große Pein und vorhin unerhörter Marter – davon auch der Teufel in der Höll[e] Mitwissenschaft haben mochte – so sie den Menschen in vielen Wegen (an)getan, bis sie gestorben oder verschmachtet oder preßhaft worden, ist nicht zu beschreiben. Da hat manches fromme Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herrn oder Nächsten Sachen, die lange verwahret gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der Schwangern und Sechswöchnerin[en] mit Schänden nicht verschonet. Und welches ja ein Greuel anzuhören: achtjährige Mägdlein sowohl, [als] auch 60 bis 80jährige Weibspersonen [sind] zu Tode gemartert, hernach ausgezogen, in die Teich geworfen oder auf der Straße liegen [ge]lassen [worden]. Zuletzt durft[e] sich kein Mensch mehr in Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sich, [ganz] gleich [ob es] im Morast oder in gebirgigen Steinklüften war, denn da hatten sie Hund[e], welche auf die Menschen abgerichtet [waren, so] daß also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach, da sind viel[e] Leut[e] in den Wäldern hin und wieder erschossen und niedergehauen worden; auch unbegraben liegen [ge]blieben“. THEATRUM EUROPAEUM Bd. III, S. 278f., über die Lage in Schlesien nach der verlorenen Schlacht bei Liegnitz am 13.5.1634, in der die kursächsische Armee unter Hans Georg von Arnim die kaiserliche unter Johann von Götz und Rudolf Graf Colloredo schlug: „Die Kayserische nach deme sie bey der Lignitz geschlagen / haben sie in Schlesien besonders zwischen Lignitz und Glatz gar übel gehauset / sonderlich dieweil sie zumahl kein Oberhaupt gehabt / alles was sie gekönt / außgeplündert / und die Inwohner allen Orten wegen grosser angelegter Marter und Peinigung verjagt / auch auß den Wälden / dahin sie sich umb sicherheit willen begeben / gleich wie das Wild auff dem Felde gehetzet / das Frauenvolck wie ein Heerd Vieh zusammen in ihr quartier getrieben / und nackend und bloß mit ihnen zu tanzen / und sonsten zu gehorchen gedrungen: über das dz arme Volck beym Feuer und in Backöfen gebraten / die Augen außgestoßen / Riemen auß den Rücken lebendig geschnitten / Arm und Beyn / Ohren und Nasen / die männliche Glieder und säugende Brüste abgeschnitten / oder darmit empor gehoben / mit Spännern und Hämmern zerklopfft / angeschnürt / umb geführt / Kühn und Schwefel unter die Nägel und in die heimliche Ort gesteckt / angezündt / und damit biß zum Hertzen hinauff gebrent und also verbrent: mit Pistolstöcken die Daumen geschraubt / mit den Bärten und Haren auff den Steinen herumb geschleppt / zerbrochene spitzige Stecken in Hals gesteckt / biß das Blut hauffenweise herauß gelauffen / den Mund unnd Bauch mit Mistpfitzen / Urin / und anderer Unsauberkeit angefüllt / in die Brunnen geworffen / von Dachrinnen gewipffet / die Fußsohlen auffgeschnitten und Salz drein gestreuet / Arm / Bein und Rippen im Leib entzwey geschlagen und zertretten / Hände / Nasen und Ohren abgeschnitten / auffgehenckt / und Feuer unter die Füsse gemacht / und darmit weder Alter noch Jugend / weder Mann noch Weib / weder Edel noch Unedel / weder Schwangern noch Sechswöcherin / noch keines anderen Unterschiedes verschonet / den Eltern die Kinder auß den Armen gerissen / und in stücken zerhauen /zerrissen oder wider die Wände geschmissen / die Augen den armen Leuten auß dem Kopff gerättelt / wie sie reden / und unsäglichen Marter / Schmertzen und Pein angethan / als nicht alles zubeschreiben / wie die zu Goldberg / Reichenbach / und an anderen Orthen und Stätten / Flecken / und Dörffern erfahren: sonderlich zu Reichenbach / welche doch allezeit den Keyserischen / wie billich / miltiglich contribuiret / und alle mögliche Hülff und Vorschub gethan / welchen auch die Bürgermeister auffgewartet / ihnen entgegen gangen / und mit Glimpff der Statt bestes reden wollten / aber nicht gehört / sondern nur die Gewaltthätlichkeiten mit Morden / Schänden / Plündern in Kirchen und Häusern / auch biß für und auff den Altaren und Gotteshäusern verübet / wie darvon in Truck außgelassene offene Schrifften und Klagten bezeugen“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 237, Bericht der Amberger Regierung vom 19.3.1646: „Wie dan auch dergleichen unmenschlich procedur den 13. diss auch vorgangen, indeme Georg Schmid, untertan zu Kemnath, welcher mit 5 kleinen kindern beladen von Hirschau nacher hauss und futter gehen wollen, ist er von 9 reuttern erdappt, in das wirtshaus geführt und von ihm begehrt worden, speckh, butter und früchte zu weisen, weiln er aber nichts gewußt, haben sie ihn mit prügeln, eisernen stenglein, schrodhacken und säbeln anfangs uf die schienbein, daß dieselbige ganz zerschmettert, so lange geschlagen, bis die spreissel davon gefallen, hernach ins creuz, in die rechte seiten, über den rückhen und lenden mit einer schrothacken also getroffen, das er etlichsmal zu boden gefallen. Andern morgen früe vortags haben sie ihn mit eisernen stänglein abermahlen jemerlich geschlagen, den urin und koth in einen hafen gelassen, under einender gerührt und ainer, den sie den türkhen genannt, nachdem die andern ihne uf die arm gestanden, das maul mit einem eisernen stänglein aufgespreizt und diesen unflath also unbarmherzig hineingegossen und abwärts im hals gestrichen. Nach diesem allen haben sie ihn wieder ufs geführt und alss er inen uf starkes zusprechen nicht anzeigen khönnen, zu boden geschlagen, mit füssen getretten, gestoßen und mit sporn gestochen und alss er mit weiters laufen müssen, hat ine der türk mit einem prügel über den Arm, rückhen, lenden, füß und fußsohlen unaufhörlich geschlagen, mit ins holz geführt, einen strickh an halss gelegt und an einen paumb gehängt, doch daß er die erden mit den zehen berühren khönnen, bis ihn endlich der zehnte reutter, so bei diesen gewest, abgehauet, und nach hauss zu gehen haissen“. Vgl. die Rechtfertigung der Kriegsgräuel bei dem Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich [Gustav Horn gewidmet], dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, Discurs, S. 6, 19. Vgl. NEITZEL; HORATH, Kriegsgreuel; KAISER, „Ärger als der Türck“. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 152f.: „In Ruppertsgrün [bei Elsterberg] trennten sie [die Schweden 1640; BW] dem 83jährigen Pfarrer mit glühenden Eisen Ellenbogen, Kniescheiben, Fußzehen ab und marterten ihn zu Tode. Seiner Haushälterin gaben sie Mistjauche zu trinken und zerschlugen ihr mit Pistolen das Gesicht. Anderen Dorfbewohnern banden sie die Köpfe unter den Beinen zusammen und hängten sie verkehrt herum auf. Dann schlugen sie auf diese ein oder legten Feuer unter die Unglücklichen. Einen Bauern ließ man im Backofen ersticken, einem anderen schnitt man die Ohren auf, und gab sie ihm kleingehackt zu essen“. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
„Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. VOLLBRECHT, Dreißigjähriger Krieg, S. 57f.: „So zündeten die schwedischen Soldaten am 5. Mai [1636; BW] die Glandorfer Glandorf [LK Osnabrück; BW] Kirche und das ganze Dorf an. Das soll eine Strafaktion gewesen sein, weil einige Zeit vorher Glandorfer Bürger bei der Verteidigung ihres Ortes einige schwedische Soldaten getötet hatten. Hierbei kam es auch zu Greueltaten gegenüber den Wehrlosen. Es wird berichtet, dass die schwedischen Soldaten von den drei Töchtern des Hofes Schultewerth eine kreuzigten und eine andere über dem Herdfeuer erstickten“. Während des Dreißigjährigen Krieges massakrierten schwedische Truppen am 18.6.1633 einen Großteil der männlichen Bevölkerung von Kirchhofen. Die Opfer wurden bei lebendigem Leib in einer Weinpresse zu Tode gequetscht. Insgesamt wurden dabei rund 300 Bauern aus Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler als angebliche Rebellen niedergemetzelt. Vgl. auch FURTENBACH, Ober-Ländische Jammer- Und Straff-Chronic, S. 67ff. über die Einnahme Memmingens durch die Kaiserlichen (1633). „Bis ins Jahr 1636 war Pruntrut von den in der Umgebung lagernden Kaiserlichen blockiert. Die Mißhandlungen der Landleute draussen in den Dörfern bis ins Delsbergertal durch die Truppen blieben an der Tagesordnung. So wurde in Courchavon wie zwei Jahre vorher in Fontenais der Schmied, ein armer alter Mann am Strohfeuer zu Tode gesengt. In Bassecourt liess man den Sohn einer guten Familie, absichtlich zu diesem Zwecke eingesperrt, verhungern. Ein anderer musste in Vermes angesichts eines mit Speisen wohlbesetzten Tisches den gleichen Tod sterben; dessen Vater, in einem nahen Speicher eingeschlossen, musste ebenfalls verhungern. Einem armen Kinde, das einen harmlosen Brief von Prunstrut nach Delsberg tragen sollte, ließ der Obristleutnant Mora ein Ohr abhauen“. => Kriegsverbrechen in den „Materialien“.

[137] Dagegen glaubt SCHINDLING, Strafgericht Gottes, S. 33f., feststellen zu müssen: „Eine Fanatisierung der Kriegsführung durch konfessionelle Unversöhnlichkeit läßt sich – anders als in den französischen Religionskriegen des 16. Jahrhunderts – im Reich nur in wenigen Einzelfällen [Hervorhebung durch BW] beobachten und existierte mehr als ein Phänomen in der die Kriege begleitenden Propaganda als in der Wahrnehmung und den Handlungsalternativen der den Krieg bestimmenden Entscheidungsträger und Akteure“.

[138] Massaker: „Massaker“ wurden in den offiziellen Berichten an Maximilian I. von Bayern schlichtweg geleugnet, so etwa im Fall der Stadt Germersheim, die nach mehrtätiger Belagerung am 12.8.1622 im Sturm genommen wurde. Die Sieger hatten alles niedergemacht, was sich nicht durch die Flucht hatte retten können: „Massacre fand keins statt; nur im Anfang wurden 3 bis 4 Bürger erschlagen, auch keine Brunst noch Schändung der Weibsbilder unangesehen die Cosaggen und allerlei Gesindel dazu gefallen, nicht ergangen“.HEILMANN II, Kriegsgeschichte II, S. 146. Dass Notzucht zudem aus Rücksicht auf die Empfindlichkeit Maximilians ohnehin nicht erwähnt wurde, liegt auf der Hand, trotz der Klagen Tillys in der »Schultheißen-Instruktion« (1626 X 16); ZIEGLER, Dokumente II, S. 985ff. Das „Diarium Gottingicum“ (Stadtarchiv Göttingen AB III/5, Band 1, S. 84-86) des Georg Mengershausen; zit. bei ECKHARDT, Blutpfingsten 1626 (hier „Diarium Goettingense“): „Den 31. Maii kam die betrübte, elende, jämmerliche Zeitung einen, daß leider Tilly gestrigs Abends zwischen 8 und 9 Uhren sich der Stadt Münden (nachdeme er dieselbe den ganzen Tag mit 14 groben Stücken und bei die 866 Schossen beschossen und die Maur fur der Mohlenpforten vom Brauerhaus an bis an das Schlachthaus auf Verräterrei eines gottlosen Bürgers zu Münden, Jürgen Krüger genannt, und nachdeme auch die Bürgerschaft abgemündet (?), unentsetzet plieben und nicht mehr raten können, herniedergeschossen und daselbst in der Lieken (?) eingefallen, sonsten auch noch an zwei andern Oertern mit Sturmleitern übergestiegen) bemächtiget und sich dieselbe erobert und die Bürgerschaft, Soldaten und was nur ann Weib und Kindern, auch darin vorhandenen Pauren anzutreffen gewesen, alle herniedergemetschet und jämmerlich ermordet, auch des folgenden Morgens was hin und wieder uff den Türmen und Zwingern noch übrig vom Mannvolk, ferner herniederstechen und umbringen lassen, was an Jungfrauen und jungen Ehefrauen vorhanden, mit sich hinaus ins Lager geschleppet, Ranzion (Lösegeld) von denselben begehret, was sich nicht ranzionieren noch Entgelt geben können, herniedergehauet und in Summa der Kinder in der Wiegen, auch Mutterleib, nicht verschonet, und Summa Summarum ärger denn kein Türk, Tartar oder Tieren bishero gehauset, mit den armen Leuten umbgangen. Hatte zwar viel Feuerkugeln, worin noch 4 Pfund Pulver gewesen, eingeschossen, so auch in Gebäude, Stroh und anders eingefallen, angangen, aber, weil die Bürger die ersten Feuerkugeln, sobald bekommen, gedämpfet und laufen lassen, keine angezündet, sondern nur das Stroh und Kleider, worein sie gefallen, alleine schwarz geschmoket. Und hatte forters, wie Tilly die Stadt einbekommen, dieselbe dem Volk zu plündern übergeben, die dann forters mit dem Volk übel gehauset, alles uff und in Stücken zerschlagen, was nur zu bekommen, weggeraubet und außer der Stadt ins Feldlager bringen lassen. Waren auch etzliche Häuser angestecket, aber bald wieder geleschet. Sonsten auch viel vornehmer und ehrlicher Leute hatten ihr Leben zubüßen müssen. Und demnach Tilly des Morgens vor anfangendem Schießen einen Trompeter fur der Stadt geschickt und, ob sie sich geben wollte oder nicht, fragen lassen, mit Bericht, dessen sie solches nicht tun würden, er alsdann aufs Aeußerste ansetzen und im eroberten keinem Quartier geben wollte. Und der Rat und Bürgere sich wohl gern uff Arrest geben wollen, hat aber Illm., Herzog Christians, darin gelassener Obrister-Leutenant, Cloth genannt, solches nicht nachgeben wollen, mit Anzeigung, itzo würde Entsatzung ankommen, und hätte er der Stadt und nicht ein Rat derselben nötig und müsse er dieselbe verteidigen, wollte ihnen für allen Schaden gut sein. Ist aber im ersten Anfall solcher Leutenant etliche mal mit einer Helleparten durchstochen worden und all seine Soldaten sein herniedergemetschet worden.

Haben sich so noch etliche Bürger in dem Turm des Nachts bis gegen den Morgen verborgen, darnach sich mit Seilen daraus gelassen, durchs Wasser gesetzet und sein also mit Hinterlassung ihrer Weib und Kinder davon kommen. Es ist nachmals von dem Syndico zu Münden, N. Hüpeden, wahrhaftig resolvieret worden, daß die Kriegsleute unter anderm ein kleines Knäblein, etwa vom Jahr, einem ehrlichen Bürgersmann in seinen Disch gestecket und darnach denselben zugeschlossen, wie aber über etliche Tage hernach der Disch eröffnet, ist das arme Kind tot darin befunden worden. Es hatte Tilly den guten, ehrlichen Leuten in der Stadt selber Zeugnis gegeben, sie hätten sich ehrlich und ritterlich gewehret, und hätte nicht gemeinet, daß sie sich also zur Wehr stellen würden, gestalt denn ihm auch viel Volks davor plieben sein sollte, sonderlich, wie sie schon in der Stadt gewesen, da noch 2 Stücken von der Brücken, mit Hagel geladen, unter sie und derselben eine große Anzahl herniedergeschossen und wie die Holzäpfel herniedergefallen wären. Es ist nach der Zeit oft und vielmals und sonderlich bei der Belagerung der Stadt Northeim gesagt, daß Ihre Exzellenz oftmals erwähnet, sie könnte sich des Blutbads ohne Unmut nicht erinnern, sondern es wäre Ihrer Exzellenz dasselbe oft täglich, als wäre es frisch, vor Augen. Selbiges 31. Maii wurden über Göttingen vorm Albaner Tor 11 Feuerkugeln in Form einer Granaten, gleich wären dieselbe angestecket, und daß das Feuer daraus geschlagen, an dem Firnament öffentlich von vielen Leuten gesehen. Den 1. Junii kamen zwar viel Bürgere von Münden, auch Frauen und Kinder, so teils von den Zwingern und Türmen sich mit Stricken gelassen, teils und was die Weiber und Kinder, so mit den Soldaten aus der Stadt kommen, anhero nach Göttingen, konnten aber keinen eigentlichen Bericht einer vom andern geben, nur das sie sagten, beide Bürgermeistere wären tot, der Pastor M. Udenius, auch der Amptmann zu Münden, mit ihren Frauen gefangen, Amptschreiber, Schultheiß und andere aber niedergemetztelt, konnten doch aber keine Gewißheit davon sagen … Es hätte der Feind die folgenden Tage noch die toten Körper, so hin und wieder auf den Straßen und in den Häusern gelegen, sehr tyrannisert, indem er denjenigen, so etwa ein wenig fett gewesen, das Fett aus und von dem Leibe schneiden und schinden, etliche mit Pulver anstecken und vieler einen und die übrigen, was an Bürgern, Soldaten und Pauersleuten in der Stadt geplieben, auf viel Wagen bei das Wasser fahren und hineinwerfen lassen, und weil eben die Weser etwas klein, hätte sich das Wasser wegen Vielheit der toten Körper an etlichen Oertern etwas aufgestauet. Ja, Jungfrauen und Frauen schänden wäre der Bösewichter beste Kurzweil gewesen. Den dritten Tag nach der Eroberung sein die Erschlagenen von Bürgern, Pauren und Soldaten, so an 2 200 gewesen, uff die Brücken geführet und in die Weser geworfen, und da schon etliche darunter gewesen, so zwar in etwas gequetschet oder verwundet, aber noch gelebet und daß ihnen noch wohl zu helfen, geschrien und sie nicht hineinzuwerfen gebeten, hat es doch helfen, sondern sie hinuntergeschmissen werden müssen. Und sein darunter viel vornehme Bürger in Münden nicht verschonet worden. Den 4. Junii berichteten die von Münden anhero gekommenen und verstreueten Leute, daß gewiß, daß von Bürgern, Pauren und Soldaten von Mündischer Seiten bei die 2 500, auch von dem Feind fast nicht weniger geplieben, auch ein vornehmer Obrister und vier vornehme Konstabel bei den Geschützen aus der Stadt erschossen, auch, nachdem all der Feind die Stadt einbekommen und nach der Hand sein übriges Pulver in einen Pulverturm in Verwahrung pracht und dessen bei 4 Fuder und des Mündischen Pulvers noch bei die 15 Tonnen gewesen, solcher Turm in Brand geraten, das Pulver angestecket, solcher Turm elendiglich zerrissen und bei die 15 Häuser in der Nachbarschaft jämmerlich zerschlagen worden. en 5. Junii kamen etzliche Bürger aus Münden anhero, anzeigend, daß viel Leute … aus Münden in Witzenhausen zerstreuet lägen, aber wegen Hungers sterben müßten, weil sie daselbst nichts inbekommen hätten“. KOSSERT, Die Eroberung der Stadt Muenden 1626. Online verfügbar unter: muenden.kossert.net [z. Zt. nicht im Netz], bzw. dessen Magisterarbeit mit dem gleichen Titel, Freiburg i. Breisgau 2007. In dem zeitgenössischen Flugblatt „Continuatio der beschehenen Schlacht vor Hameln / aus Oldendorff den 29. Junii Anno 1633“ (Kungliga Bibiotheket Stockholm Svea krig Nr. 22a) wurde das Massaker an den verwundeten und fliehenden Kaiserlichen damit begründet, es sei „auf ein Metzgen außgangen / vnd solches fast biß an die Thor von Minden continuirt / ohne daß wir die vnserigen wieder zu einige stand bringen können / weiln sie wegen vieler außgegossenen Schmähworten / welche von den Hamelischen vnd diesen Combattanten noch deß Morgens ausgegossen / vnglaublich verbittert / waren / vnd mit dem Degen die bösen Zungen straffen wollten“. So sollen, was wortwörtlich dem Schlachtbericht Knyphausens an den Bremer Bürgermeister Havemann entnommen ist [SATTLER, Knyphausen, S. 652], konfessionell gefärbte Schmähungen des Gegners an diesen Exzessen schuld gewesen. Der finnische Rittmeister Duesse soll wegen dieses Abschlachtens sogar um seinen Abschied gebeten haben. Bei Mannschaften und Offizieren sprach man davon, man sei hier wie bei Rinteln auf die Schlachtbank geführt worden. Zu den bekanntesten Massakern gehörte außer der Eroberung und Zerstörung Magdeburgs (vgl. die Erinnerungen des Magdeburger Bürgermeisters Otto von Guericke; Neubauer, Magdeburgs Zerstörung 1931, S. 43f.); der Bieberauer Pfarrer Johann Daniel Minck; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 244f.) auch das »Pasewalker Gemetzel«, MILGER, Gegen Land und Leute, S. 199f., die Eroberung Neubrandenburgs, MILGER, Gegen Land und Leute, S. 203; die Eroberung Frankfurts a. d. Oder am 3.4.1631, nach dem Bericht im THEATRUM EUROPAEUM, Teil 2; bei Griesa, Frankfurt (Oder) S. 47f.; die Erstürmung von Höchstadt/Aisch am 28.2./10.3.1633 (vgl. die Bamberger Dominikanerin Maria Anna Junius; Hümmer, Bamberg, S. 121f.); die Erstürmung Reichenbachs (1634), JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 368f.; die Beilage zum Bericht des Kommandanten Schrautenbach und des Kellers Uloth zu Lichtenberg über den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff. Zur Barbarisierung des Krieges in der calvinistisch geprägten Lehre des Althusius vgl. BEHNEN, Krieg, S. 92; allgem. DAHM; KRAWIETZ; WYDUCKEL. Der Völkerrechtler Hugo Grotius rechtfertigte kriegsbedingte Massaker an Zivilisten mit dem »jus talionis« des Alten Testaments; z. B. SCHÄTZEL, Grotius, S. 336f.; DUFFY, Siege warfare, S. 253; BEI DER WIEDEN, Niederdt. Söldner, S. 86ff.; DIESNER, Stimmen.

[139] »Extract«, zit. bei BUCHNER, Neueste v. gestern Bd. 1, S. 39f. Nach RILL, Tilly, S. 177, ließ er sich durch seinen Diener erstechen (!). Nach dem »Diarium Goettingense« wurde er dagegen schon beim ersten Einfall etliche Male mit einer Hellebarde durchstochen (ECKHARDT, Blutpfingsten, S. 3). Nach LOTZE, Münden, S. 72, sei er möglicherweise gegen Lösegeld freigelassen u. nach Witzenhausen geleitet worden. Solms‘ Bericht zufolge ist er durch zwei Hellebardenstiche verwundet u. zuletzt mit einer Musketenkugel durch den Kopf getötet worden; HENNING, Münden, S. 2; nach SAMSOEN DE GÉRARD, Der unerschrockene Feldmarschall, S. 123, soll er v. seinem Diener erdolcht worden sein. Vgl. die Darstellung im THEATRUM EUROPAEUM; MILGER, Gegen Land und Leute, S. 167: „Von Morgen 5 Uhr bis in die Nacht um 9 Uhr wurden an die 1.000 Schüsse in die Stadt und wider die Mauern getan, bis schießlich die Mauern an der Werra ganz zerschmettert waren. Dann hat der Obrist von Fürstenberg um 9 Uhr mit 2 Regimenten, welche erst über die Werra setzen müssen, den Sturm anlaufen lassen und in einer viertel Stunde die Oberhand erhalten und die Stadt erstiegen. Worauf dann der Jammer anging und alles, was den Soldaten unterkam, ohne Gnade niedergemetzelt wurde, ohne Schonung von Weibs- noch Mannspersonen. Angesichts der Tyrannei der Tillyschen hat der Obrist sich mit den seinigen in das Schloß zurückgezogen und die Tillyschen von da aus mit so scharfer Lauge gezwackt, daß alles ringsherum voller Toter lag. Am Ende wurde er von den Tillyschen übermannt und mit all den seinigen niedergemacht. Von 2.500 Bürgern, Soldaten, Bauern und Schiffsleuten, so in der Stadt gewesen, sind nicht mehr 20 davon gekommen, ohne was an Weibern und Kindern, die diese Bluthunde auch nicht verschonten, ermordet wurde. Gleichwohl sind bei solcher Eroberung von den Tillyschen auch etliche hundert Mann auf dem Platz geblieben, und viele wurden beschädigt“.

[140] Georg II. Landgraf v. Hessen-Darmstadt [17.3.1605 Darmstadt-11.6.1661 Darmstadt]; „Hessen-Darmstadt, Georg II. Landgraf von“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/118884352> (Stand: 8.3.2012). Vgl. DIEHL, Georg II.; BECK, Die Neutralitätspolitik Landgraf Georgs II.; WACHENDORFER, Möglichkeiten und Grenzen.

[141] Eppstein [Main-Taunus-Kreis]; HHSD IV, S. 108ff.

[142] ECKHARDT, Blutpfingsten, S. 2. HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 195, spricht v. 2.260 getöteten Soldaten, Bürgern u. Bauern, was wahrscheinl. dem Bericht Hüpedens entnommen ist, den dieser wiederum aus dem »Diarium Goettingense« abgeschrieben hat (ECKHARDT, Blutpfingsten, S. 2); so auch HUEG, Aus Northeims Sturmzeit, S. 38. Die „Hospithalsrechnung“ v. 1626 geht v. 800 getöteten Mündener Bürgern aus. Vgl. die Aufzeichnungen des Fuldaer Chronisten Hartung; HAAS, Hartung, S. 75: „Anno 1626 hatt sich baldt dass gantz Hessenlandt in des Tillisch macht geben, undt die hauptstadt Cassell, wie auch im landt zu Braunschwig, undt Minnen [Münden] die stadt mit stormerhandt eingenohmen, undt alles folck darin gelegen, burger undt saldatten, uber die 2000 man, weyb undt kinder, in Minnen, nidergehauwen undt geschossen, uber 14 man nich beim leben bleiben; undt dann mit Tillisch folck besez wordten; undt Göttigen mitt ackordt vom Tilli eingenohmen undt mitt etlicher companyen saldatten besez wordten, wie auch Norhemb ingenohmen, undt dann vor Hanauwer gezogen, der Tilli mit seiner armadten“. Der Tilly-Apologet SAMSOEN DE GÉRARD, Der unerschrockene Feldmarschall, S. 123, verteidigt auch hier dessen Vorgehen: „Die Erstürmung von Münden ist eins der Ereignisse, die man häufig versuchte, gegen den Feldmarschall auszubeuten. Und doch verdient dieser keinen Vorwurf in dieser Angelegenheit. Er hatte als Ehrenmann gehandelt, er hatte alles getan, was er konnte, um die Stadt zu schonen und sie zu retten. Seine drei Aufforderungen zur Übergabe waren abgewiesen worden; man hatte seine Unterhändler beschimpft, mißhandelt und getötet. Es war also erforderlich gewesen, die Stadt im Sturmangriff einzunehmen. Die Plünderung einer erstürmten Stadt gehörte zu den von jedermann anerkannten Rechten des Eroberers, und der General konnte sie nicht verhindern. Die Greueltaten, deren Opfer Zivilpersonen wurden, waren die natürlichen Folgen der Teilnahme der Einwohner an den Straßenkämpfen, und sie müssen der zu wilden Rachsucht berechtigterweise erzürnter Soldaten zugeschrieben werden, die kein General unter solchen Umständen hätte hemmen können“.

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Maestro [Delmaistro, „Baron Dalmeister“], Thomaso Graf del

Maestro [Delmaistro, „Baron Dalmeister“], Thomaso Graf del; Obrist [ – ] 1629 wird als Obristwachtmeister[1] der Piccolominischen[2] Reiter Thomaso del Maestro genannt.[3] Maestro hatte zuvor im Veltlinkrieg unter Pappenheim[4] als Hauptmann[5] gedient, allerdings in dessen Infanterieregiment.[6]

Der Rudolstädter[7] Landrichter Michael Heubel [1605-1684][8] schreibt in seinen „Anmerkungen“ unter 1628: „Kahm das keyserliche Picolomnische Regiment in diese Obere Grafschaft und darvon der Obriste Wachtmeister Baron Dalmeister anhero in Illmen,[9] wahr oft bey Meinem Gnädigen Herrn[10] zur Tafel, hielte zwart guth Regiement {hilte gute ordre und Regiement}, kostete aber in 6 Wochen viel Geldt und gastirte Meinen Gnädigen Herrn p beym Abzuge köstlich“.[11]Ende Juli 1629 lag die Kompanie[12] des Sergeant-Majors [Obristwachtmeister] Thomaso del Maestro in Aschersleben.[13] Vom 07.11.1629 an zogen vier Kompanien Piccolominische Reiter, aus der Mark kommend, durch Anhalt. Es mussten 40 Vorspannpferde, wegen der vielen Bagage,[14] gestellt werden. Maestro wollte Rasttage im Anhaltischen halten.[15] Das Piccolomini-Regiment befand sich Ende 1630 bis Juli 1631 in Casale[16] und in der Markgrafschaft Montferrat. In einer Rechnungsliste ist die Kompanie des Sergeant-Majors Maestro aufgeführt.[17] „Thomaso del Maestro wurde 1635, vielleicht schon früher, Obristleutnant[18] des Arkebusier-Regiments[19] Freiherr von Leutersheim,[20] 1636 Obrist[21] und Inhaber des Regiments; er wurde in der Schlacht bei Wittstock[22] 1636 schwer verwundet”.[23] 1635 hatte Leittersam sein Arkebusierregiment an Prinz Kasimir von Polen[23a]abgeben müssen, 1636 sollte es sein Obristleutnant Maestro als Obrist übernehmen. Anlass war, dass Leittersam einen Hauptmann des Regiments Pallant von Moriamez,[23b]  der ihm Satisfaktion verweigert hatte, durch seine Soldaten hatte erschießen lassen.[23c]

Deveroux[24] wurde im Mai 1638 von der aufständischen Bevölkerung zunächst nach Hannover,[25] zuletzt in die Grafschaft Schaumburg abgedrängt. Im Verlauf dieser Ausweichmanöver wurde die Truppe von Deveroux und die 100 Mann unter Carrasco[26] vom schwedischen General King[27] attackiert und nach 12-stündiger Schlacht in die Flucht geschlagen. King verfolgte Deveroux bis nach Neustadt am Rübenberge.[28] Dort vereinigte sich Deveroux mit del Maestro und beide konnten King am 23.6.1638 eine Niederlage zufügen.

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obristwachtmeister [schwed. major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, iJn besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[2] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[3] ELSTER, Piccolomini-Regimenter, S. 27.

[4] Gottfried Heinrich Graf v. Pappenheim [8.6.1594 TJreuchtlingen-16.11.1632 bei Lützen], ligistischer u. kaiserlicher General. Vgl. STADLER, Pappenheim.

[5] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[6] STADLER, Pappenheim, S. 161.

[7] Rudolstadt [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.

[8] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 118.

[9] Stadtilm [Ilm-Kreis]; HHSD IX, S. 413ff.

[10] Albrecht Günther Graf v. Schwarzburg-Rudolstadt [8.8.1582-20.1.1634], 6. Kind und 3. Sohn Albrechts VII. von Schwarzburg [1537-1605] und der Juliane Gräfin von Nassau-Dillenburg [1546-1588], Cousin von Christian Günther I., Graf von Schwarzburg-Sondershausen, nach dem Tod der Mutter [31.8.1588] zusammen mit seinen 9 Geschwistern von Catharina von Schwarzburg [1543-1624], Gemahlin von Günther XLI. von Schwarzburg gen. „der Streitbare“, aufgezogen. Im Frühjahr 1590 Reise ins Nassauische und Heirat des Vaters mit Elisabeth Gräfin von Leiningen-Westerburg [29.7.1568-27.10.1617] am 3.3.1591 in Ottweiler. Erziehung Albrecht Günthers zusammen mit Ludwig Günther durch Magister Thomas Brömel [um 1557-1635], 1598-1601 Besuch der Universität Jena, dann 1601-1602 der Universität Straßburg sowie Kavalierstour nach Frankreich bis Ende 1603. Albrecht Günther scheint sehr reiselustig, aber von geringen geistigen Fähigkeiten gewesen zu sein. 1605 Übertragung der Administration der Grafschaft für 6 Jahre auf Carl Günther. 1606 erneut in Frankreich, 1608 wahrscheinlich in den Niederlanden, England und Schottland, 1609-1612 erneuter Aufenthalt in Paris, bei Ausgaben von 10.000 fl. pro Jahr. 1612 erhielt er durch Teilungsvertrag Stadtilm, 10.000 fl. zum Bau eines Schlosses und das volle Wohnrecht in Schwarzburg. Ab Oktober 1612 erneut bis Juli 1613 in Paris, Ende 1613-1615 wieder in Stadtilm, wo der Schlossbau voranschritt. 1624 wurde ihm im „Erfurter Rezess“ Frankenhausen zugesprochen. Wahrscheinlich auf einer Reise in Erfurt am 20.1.1634 auf Haus Marienburg in Erfurt an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben [mdsz].

[11] HEUBEL Bl. 61; mdsz.thulb-jena.de

[12] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80,J manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[13] ELSTER, Piccolomini-Regimenter, S. 29.

[14] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[15] KRAUSE, Urkunden Bd. 1, S. 419 (Fußnote).

[16] Casale [Casale Monferrato; Piemont, Italien].

[17] ELSTER, Piccolomini-Regimenter, S. 32.

[18] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[19] Arkebusier [schwed. arquebusier, dän. arquebusier]: Leichter, mit einer Arkebuse bewaffneter Reiter, eigentlich berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß). Die Arkebuse (später Karabiner genannt) war ein kurzes Gewehr von ca. 1 m Länge, eine Waffe für bis zu über 100 g schwere Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Der Karabiner war leichter als die Muskete, die Geschosse waren ebenfalls leichter, ihre Durchschlagskraft war auch geringer. Gerüstet war der Arkebusier mit einem Kürass aus schussfreiem Brust- und Rückenstück (dieses wurde mit 11 Rt. veranschlagt) oder auch nur dem Bruststück. 1635 wurde von Nürnberger Plattnern ein Arkebusier-Harnisch, der vorn und hinten schusssicher war, für 3 Rt. angeboten; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1239. Seitenwehr war ein kurzer Haudegen, in den Sattelhalftern führte er 1 – 2 leichte Pistolen. Er wurde zumeist in kleineren Gefechten oder für Kommandounternehmen eingesetzt. In den Schlachten sollten sie die Flanken der eigenen angreifenden Kürassiere decken und in die von ihnen geschlagenen Lücken eindringen. Er erhielt als Verpflegung die Hälfte dessen, was dem Kürassier zustand, zudem auch weniger Sold. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 464ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123, BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 96. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter, wenn die Mittel vorhanden waren, in Kürassierregimenter umgewandelt. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. auch http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[20] Johann Freiherr von Leittersam [Lautersam, Leutersheim, Leutersum, Leyterßheim, Leitersheimb, Lüttersum, Luttersum, Lutersum, Luthersheim, Lentersheim, Lautersheim, Lutersheim, Leytersheim, Lottersheim, Luttersen, Galen-Lüttersheim, Lautersson, Lutrum, Reiterssam, Lüddersen, Lüdersen, Ludersen, Lauterno][um 1600 Enniger im Münsterland-26.10.1647 Steinfurt am Sundern], ksl. Obrist, Generalwachtmeister u. Feldmarschallleutnant.

[21] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[22] Schlacht bei Wittstock am 24.9./4.10.1636: Schwedische Truppen (9150 Berittene und 7228 Infanteristen) unter Johan Banér schlagen die kaiserlich-sächsischen Truppen (9000 Berittene und 9000 zu Fuß) unter Melchior von Hatzfeldt. Dadurch konnten die schwedischen Kontributionsgebiete wieder ausgeweitet werden; Banér hatte bewiesen, dass mit Schweden als Militärmacht in dieser Kriegsphase wieder zu rechnen war. Vgl. Eigentlicher Verlauff Des Treffens bey Wittstock / etc. vorgangen den 4. October / 24. September 1636 [VD17 23.313240S]. Vgl. die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; MURDOCH; ZICKERMANN; MARKS, Battle of Wittstock; ferner HÖBELT, Wittstock; HEßELMANN, Simpliciana XXXIII. Vgl. Quellen 32, 33. – Wittstock [LK Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff.

[23] ELSTER, Piccolomini-Regimenter, S. 32 (Fußnote); ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 568.

[23a] Johann II. Kasimir [Johann II. Kasimir Wasa, poln. Jan II Kazimierz Waza, lit. Jonas Kazimieras Vaza, lat. Ioannes Casimirus] [21.3.1609 Krakau-16.12.1672 Nevers] aus der schwed. Dynastie Wasa, 1648-1668 als König v. Polen u. Großfürst v. Litauen der gewählte Herrscher Polen-Litauens sowie bis zu seinem Tod Titularkönig v. Schweden.

[23b] Karl Dietrich [Theoderich] Freiherr v. Pallant u. Moriamez [Morialmé, Moriame, Moriane, Marie Mehr, Mariame] [um 1595 Breitenbend-4.12.1642], ksl. Obrist.

[23c] WREDE, Geschichte 3. Bd., 2. Teil, S. 450.

[24] Walter Deveroux [Deverock, Deureux, Deudreux, Deberoix, Ebrox, Deberol] [ -Januar 1640 Prag], kaiserlicher Obrist.

[25] Hannover; HHSD II, S. 197ff. Bei JÜRGENS, Hannoversche Chronik, wird er nicht erwähnt.

[26] Don Felipe de [Philippo di] Carrasco [Carrasco, Carssos, Carasko, Korasko, Corasco, Cattrecho] Cisnero [Dessineros] [ – November 1646], ksl. Obrist.

[27] James [Jakob] King of Birness and Dudwick, Baron Eythin und Baron Sandshult [Kieg, Kinge, Kyng, Kingy, Kink, Kinck, Knige, Kurden] [1589-9.6.1652], schwedischer Generalleutnant. MURDOCH, SSNE ID: 2814; MURDOCH; WALES, James King; BLACKER, Brief Sketches, S. 364f.; BACKHAUS, Brev I, II.

[28] Neustadt am Rübenberge; HHSD II, S. 343ff.

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Sprengspiel [ Springespiel, Sprengespoel, Sprengfeil, Springweil, Trennipoul], Lambert

Sprengspiel [Springespiel, Sprengespoel, Sprengfeil, Springweil, Trennipoul], Lambert; Rittmeister [ – ] Lambert Sprengspiel [Springespiel, Sprengespoel, Sprengfeil, Springweil, Trennipoul] [ – ] stand als Rittmeister[1] in kaiserlichen Diensten.

Am 7.3.1638 geriet er beim Überfall auf die schwedische[2] Besatzung von Wildeshausen[3] in Gefangenschaft.[4] Der Hildesheimer[5] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Conrad Jordan[6] notiert dazu in seinem Tagebuch unter dem 25.2./7.3.1638: „Eodem Sontages Nachts fällt der Kayserl. Rittmeister Sprengespoel Trennipoul[7] in Wilshausen, in Meinung die Schwedische niederzumachen, weil aber immer allert,[8] und sich mit den Seinigen nach der Brücken reterirt und dem Trennipoul seine andere Hülff nicht zukomen kann, wird er und drey Rittm:, 3 Luitnands[9] nebest andern gefangen, etzliche 40 davon auch niedergemacht, und in die Schwedische Guarnison nach der Vechte[10] geführt“.[11] Im Dezember 1638 wandte sich das Domkapitel[12] zu Minden[13]  an den kaiserlichen Feldmarschall[14] Melchior von Hatzfeldt[15] wegen der Rückgabe von Gefangenen und Pferden durch Sprengspiel.[16]

Das Domkapitel in Minden beschwerte sich im Januar 1639 über widerrechtliche Kontributionsforderungen[17] Sprengspiels, da das Stift Minden nach Lemgo[18] kontribuiere.[19] In diesem Januar hielt Sprengspiel sich in Fürstenau[20] auf und verteidigte sich gegenüber Hatzfeldt wegen der Beschwerden des Mindener Domkapitels und der des Konvents[21] von Levern[22] wegen seiner Exekution.[23]

Im März 1642 schrieb Generalkriegskommissar[24] Düssen[25] an Hatzfeldt und teilte ihm mit, dass nach Aussage Alexander II. von Velens[26] Sprengspiel einen Diamantring des inhaftierten schwedischen Hofrats Christoph Ludwig Rasche[27] unterschlagen haben soll.[28] Im April lag Sprengspiel in Vechta, um, wie er Arco[29] mitteilte, Werbungen[30] durchzuführen; im September dieses Jahres hielt er sich in Zons[31] auf.[32]

Zum April 1644 schreibt das „Theatrum Europaeum“:[33] „Im Erzstifft[34] Bremen waren zweyhundert Käyserische / vnter dem Rittmeister Springweil angelangt. Die rottierte Bawern[35] oder Schnaphanen[36] / wurden allerseits geschlagen / vnd niedergemacht“.[37]

Chemnitz hielt zum Juni 1644 fest: „Sintemahl der ErtzBischoff[37a] oder Administrator hieselbst, nach dessen voriger abMarche, den meister gespielet vnd sich je länger, je stärcker in KriegsVerfassung gestellet: Hatte auch gute hülffe aus Westphalen von selbigen Völckern, welche ab- vnd zugerücket, vnd Ihm zuweilen einen Reuterdienst geleistet; Insonderheit Rittmeister Springespiel, so verschiedene Ritte hin vnd wieder gethan; Bey deren einem Er den dritten tag Brachmonat [3.6.; BW] gleichwol etwas eingebüsset; In deme Er mit einer partey von achtzig bis hundert pferden zu Stoltenaw durch die Weser gesetzet, vnd ins vorwerck gegenüber sich gestellet, aber vom Gen. Maj. H. Gustaff Steinbock[37b] verkundschaffet worden. Sintemahl derselbe den Obristen Eysenberg[37c] mit zweyhundert pferden auf Ihn auscommandiret: Der Ihm, wie Er durch die Weser [S. 68] zurück gangen, aufn fus gefolget, Ihn jenseit erreichet vnd dergestalt geputzet, das Er, nebenst einem Cornet, einem Corporal vnd Trompetter, dreyssig gemeine Reuter gefangen, vnd vierzig vnd montirte pferde dabey im stiche lassen müssen“.[37d]

Alexander II. von Velen schrieb im Dezember 1645 an Sprengspiel und mahnte die noch ausstehenden Werbe-[38] und Montierungsgelder[39] aus dem Stift[40] Verden an.[41]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Schwadron, Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute und Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[2] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm.