Begriffe E

Ebed-Melech: Gestalt der Hebräischen Bibel im Buch Jeremia (Jer 38-39 EU). Ebed-Melech diente als Kämmerer am Hof des judäischen Königs Zidkija. Zidkija jedoch hatte Jeremia in eine Zisterne werfen lassen, da dieser den Untergang Jerusalems durch die Babylonier vorausgesehen hatte. Es war eine Prophezeiung, die Zidkija nicht akzeptieren konnte. Ebed-Melech glaubte Jeremias Worten und erbat sich vom König, den Propheten aus der Zisterne zu befreien. Zidkija gewährte es ihm. Mit „zerrissenen alten Lumpen“, die Ebed-Melech zu einem Seil verband, zog er Jeremia aus dem Brunnen. Kurz vor der Einnahme Jerusalems durch die Babylonier gewährte Gott Jeremia, seinen Retter Ebed-Melech zu warnen, und ihm zu versichern, dass ihm nichts durch die Babylonier geschehen werde. Über das weitere Schicksal Ebed-Melechs verliert die Bibel kein Wort [wikipedia].

Ecce Homo: Sehet, welch ein Mensch: die Worte des Pilatus, mit denen er den Juden den gegeißelten, mit der Dornenkrone gekrönten und mit einem Purpurmantel bekleideten Jesus vorstellte (Joh. 19, 5).

écharpe: Schärpe.

Eclipsis, spanische: Ekliptik: scheinbare Bahn an der Fixsternsphäre der Sonne in einem Jahr; Sonnenfinsternis. „Spanisch“ ist die Anspielung Happes auf die Tatsache, dass die Truppen Friedrichs v. Sachsen-Altenburg mit spanischen Geldmitteln aufgebracht wurden u. auch nur kurze Zeit zusammengehalten werden konnten. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 1. Bd. , S. 734.

Edelhof: „im Mittelalter ein Hof innerhalb einer Stadt, der einem Adligen oder Geistlichen gehörte und von den Steuern und anderen bürgerlichen „Beschwerungen“ (Wachdienst usw.) befreit war. Seit dem 15. Jahrhundert achteten die Räte der Städte verstärkt darauf, dass bei Verkauf solcher Höfe die Käufer sich verpflichteten, alle Lasten, die auf anderen Häusern lagen, ebenfalls zu tragen und das Grundstück nur an einen Bürger weiterzuverkaufen“ [nach WIKIPEDIA: „Freihof“]. => Freihaus.

E. E. Rat: ein ehrenfester, ehrbarer Rat.

e. g.: exempli gratia: zum Beispiel.

E. G. E. H.: Euer [Edler] Gestrenger Ehrenfester Hochgelahrter.

Egelei: Bier aus Egeln [Salzlandkreis; HHSD XI, S. 98f.].

Eheberedung: Ehevertrag zur Regelung finanzieller Vereinbarungen.

Ehebruch: Im Art. 120 [CCC, S. 33] hatte die „Constitutio Criminalis Carolina“ Karls V. in Berücksichtigung des Kanonischen Rechts den Ehebruch des Mannes mit dem der Frau gleichgestellt und nur beiden Ehegatten das Recht auf Klage zugestanden. Hinsichtlich der Bestrafung verwies die Carolina auf deutsches und kaiserliches Recht, welche Strafe im Einzelfall anzuwenden war, blieb daher unklar. Deshalb blieb die Bestrafung in den einzelnen Territorien sehr unterschiedlich. Die Strafen reichten von Köpfen und Verbrennen bis hin zum Pranger, Stäupen oder Gefängnis. Die erwähnte Geldstrafe (MDSZ, HAPPE I 171v) muss dem Erfurter Chronisten KRAFFT und auch anderen seiner Zeitgenossen als äußerst milde Bestrafung erschienen sein. So ließ der braunschweigische Obrist und Generalquartiermeister Joachim von Carpe(n)zon, braunschweigischer Obrist und Generalquartiermeister, 1623 seine Frau wegen Ehebruchs durch seinen Regimentsscharfrichter hinrichten; THEATRUM EUROPAEUM 1. Bd., S. 749f.; WIARDA, Ostfriesische Geschichte 4. Bd., S. 196ff.; THEATRUM EUROPAEUM 1. Bd., S. 951. Die Bestrafung war im militärischen Bereich vom Personalmangel abhängig. „Der Soldat Jacob Weiditz war im Amt Rochlitz wegen Ehebruchs in Haft genommen worden und der Schösser strebte einen Inquisitionsprozess an. Auf seinen Bericht erging jedoch der Befehl, das Verfahren erst nach dem Krieg zu führen und den verhafteten Soldaten vorab zum Dienst zurückzuschicken. Als ursächliches Motiv des milden Vorgehens klingt hier die Notwendigkeit an, in Zeiten des Krieges innerhalb der geworbenen Truppen die personellen Ausfälle möglichst gering zu halten“. LUDWIG, Strafverfolgung, S. 200. GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 236. Doppelter Ehebruch (Beischlaf zweier Verheirateter) wurde wie Bigamie in der Regel mit dem Tode bestraft; KLUGE, Hofer Chronik, S. 14 (1633).

Ehehalte: jemand, der die ee (ehe), d. h. das Gebot des Herrn hält = Dienstbote, Dienstmann, Hausgenosse.

ehrenfest: alte Anredeformel edler Männer je nach Rang.

Ehrenverwahrung: Ehrenerklärung, Leumundszeugnis.

Ehrgraben: Latrine.

ehrist: baldmöglichst.

ehr vnd oberbet: die Ehre des Tischgebets ? um Hinweise wird gebeten !

Ehrverletzungen: Beleidigungen der Bürger durch die bei ihnen einquartierten Soldaten waren an der Tagesordnung, die zum Teil lebensgefährlich werden konnten. BEYERLE, Konstanz, S. 30: „Johann Andelfinger beklagte sich über seinen einquartierten Fourier, daß er ihn ‚geschelmt und diebet, sein Frau ein Hex und Unholden gescholten, auf Leib und Leben gedräuet’. Gleichermaßen beschwer sich der Patrizier Guldinast, daß ihm des Obersts Feldwebel Schelm, Dieb, Bärenhäuter und anderes zugerufen habe“.

Eichelbrot: Dazu nahm man die im Oktober gesammelten großen u. gesunden Früchte, die in einem trockenen, ungeheizten Vorratsraum aufbewahrt wurden. Im Frühjahr keimten die Eicheln. Die Keime wurden nicht entfernt, da sie wegen ihres hohen Vitaminsgehaltes besonders wertvoll waren. Das daraus produzierte Eichelmehl hatte nur einen geringen Nährwert, außer Brot herzustellen, streckte man damit in Notzeiten auch andere Lebensmittel, um den Magen zu füllen. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg 3. Bd., S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“.

Eichsfeld: historische Landschaft u. Teil des Fürstbistums Mainz im südöstlichen Niedersachsen, im nordwestlichen Thüringen u. im nordöstlichen Hessen zwischen Harz u. Werra. Die größten Orte des Eichsfelds sind die Städte Dingelstädt, Duderstadt, Heiligenstadt u. Leinefelde-Worbis sowie der Flecken Gieboldehausen. Die wirtschaftliche Lage war desolat, viele Eichsfelder ließen sich als Soldaten anwerben oder lebten v. Plünderungen im Gefolge der Heere. Vgl. auch JORDAN, Chronik 3. Bd., S. 92 (Mühlhausen 1639): „Die Eichsfelder kamen herunter und ließen sich von den Bauern als Pferde gebrauchen; 6 spannten sich vor einen Pflug, und der siebente regirte den Pflug. Für einen Acker zu pflügen bekamen sie 21 Gute Groschen“. Teilweise unternehmen sie großangelegte Plünderungszüge. So auch Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 30.3./9.4.1639: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Bl. 137r. „Avis: daß ein hauffen Eißfeldischer pawren, vndterm prætext, alß wehren Sie hatzfeldische, vor Franckenhausen gerücktt, vndt denselbigen ortt, vmb 400 Thlr: gebrandtschatzet. Dergleichen händel soll es mehr geben, Gott bewahre einem jeglichen, das seinige“.

Eidam: Schwiegersohn.

eifern: zornig strafen.

Eigenbehöriger: Unfreier, der zu Abgaben an den Leibherrn verpflichtet war. Wichtigste Abgabe war die Sterbfallszahlung, d. h. die beim Tod eines Hofbesitzers fälligen Abgaben durch den Anerben. Im Fürstentum Osnabrück waren die meisten Bauern Eigenbehörige.

Eigentumsbauer: unabhängiger Bauer.

Eigentumsdelikte: Eigentumsdelikte auch grösseren Umfangs waren in den Garnisonen durch Soldaten, ihre Ehefreuen, Kinder u. Trossangehörige zu jeder Tages- u. Nachtzeit üblich u. wurden entweder meist nachsichtig oder gar nicht geahndet. Der Jenaer Chronist Beier (1642); TRAEGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60: „24. Mart. haben auch bei mir die Moncadischen [Mateo [Mattheo] marques de Moncada [Moncado, Moncade, Morcado] y [de] Cardona [ -1656], kaiserlicher Obrist; BW] Soldaten des nachts eingebrochen vnd vnter andern mir genommen 4 Hammel: 5 Ziegen: 3 Enden: ein Fass Käse: eine Tonne Kraut: brot v. ein gekröset Fleisch“.

Eimer: altes Flüssigkeitsmaß = 70, 9347 Liter (Erfurt), Leipziger Weineimer 75, 85 Liter, Biereimer 86, 89 Liter, 1 Eimer = 79, 73 Liter (Schmalkalden), 60, 68 Liter (Erzgebirge), 69 Liter (Nürnberg), ca. 76 Liter (Olmütz), 1 Eimer = 3 Hosen = 72 Kannen = 144 Nösel =  67,3632 Liter (Sachsen), 1 Eimer Überlingen) = 32 Maß = 38, 528 Liter, 1 Eimer (Wasserburg) = 64, 20 Liter.

Eimer: 1 Eimer (Wein) = 32, 725 Liter (Meiningen).

Eimer: 1 Eimer (Pfullendorf) = 12 Quart = 38, 5 Liter.

Eimer: 1 Eimer (Uckermark) = 60 Quart = ca. 69 Liter.

Eimer: 1 Überlinger Eimer = 32 Maß = 38, 528 Liter.

Eimer: 1 Eimer (Württemberg) = 160 Maß = 293, 02717 Liter.

Einbalsamierung: Als Einbalsamierung oder Balsamierung bezeichnet man das Verzögern oder Verhindern der Fäulnis von Leichnamen durch künstliche Mittel, namentlich durch Tränken der Weichteile mit fäulniswidrigen Substanzen. Die Einbalsamierung stellt einen Teil der Mumifizierung dar. Eine Gleichsetzung beider Begriffe kann nicht vorgenommen werden, obwohl sie eng miteinander verwandt sind. Die Einbalsamierung wurde vorgenommen, wenn die Beisetzung in der Heimat wie bei Gustav II Adolf aus Kriegsgründen erst später möglich war.

einbinden: DWb Bd. 3, Sp. 153, 16: „geld zum geschenk einbinden: leute die viel einbinden, werden oft zu kindtaufen gebeten“.

einflehen: Die Flucht in die nächsten Städten war nicht umsonst. Im März 1636 verlangte die Reichsstadt Nordhausen von hereingeflüchteten Adligen über 20 Jahren 2 Reichstaler, von Bürgern und Bürgerinnen 1 Taler, von einem Bauern je nach Vermögen 12 oder 6 Groschen. Für ein fremdes Pferd waren 12 Groschen zu zahlen. KUHLBRODT, Clara von Heringen, S. 82. Dazu kamen in der Regel auch Abgaben für Ochsen, Kühe etc. KLUGE, Hofer Chronik, S. 180 (1641): „Den 11. januarii wurde der sächßischen von adel hier eingeflehet rindt- und schaafvieh, so theils zum thor hinaus, alles wieder hereingetrieben und aufs neue verarrestiret, und solten von einem stück rindvieh 1 thaler, von einem schaaf aber 1 groschen geben, unangesehen, daß das liebe vieh zum theil dermassen verhungert, daß es kaum gehen konnte, wie dann auch viel dahingefallen und aus mangel futters umkommen müßen“. In Weimar hielten sich z. B. 1640 außer 2863 Einwohnern 4103 Fremde auf. PFISTER, Bevölkerungsgeschichte, S. 14. => Flucht.

einflicken: „verb. reg. act. nur in den niedrigen Sprecharten, in einigen figürlichen Ausdrücken. Etwas einflicken, einschalten. Er flickt sich überall ein, schmeichelt sich ein, verschafft sich Zugang. Sich bey einem einflicken“ [ADELUNG].

einforiren: einquartieren.

einhaischungen: Forderungen.

einheben: in den Verdacht einer Verschuldung, Schuld bringen, verklagen.

einhellig: gänzlich, in allen Punkten übereinstimmend.

einiger alter Kerl: einziger Knecht, versuchter, „guter“: „beschossener“ Knecht, d. h. kriegserfahren, in Schlachten u. Belagerungen erprobt, erfahren im Umgang mit Waffen. Ein derartiger „versuchter“ Knecht, möglichst noch „teutsch“, erhielt 1632 5 fl. Monatssold.

Einläufiger: Dorfbewohner mit wenig oder gar keinem Grundbesitz.

Einquartierung: Die kostenaufwendige Einquartierung von Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren und Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen und Steueraufkommen und auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften und Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten und Abgabe von Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte und Gastwirte. Bei dem Naumburger Advokaten Johann Georg Maul heißt es 1636; Wagner; Wünsch, Staffel, S. 116: „Als der Schwedische Feld-Marschal Banner in diesen Jahre als Feind in unsere Stadt einrückte, bekam ich einen Rittmeister George v[on] Haacken mit 6 Reutern und einer Menge Pferde ins Haus, derselbe verlangte also bald, als er zu mir kann, 300 f Ranzion, weil ich ein churf[ürstlicher] Bedienter sey, und man mich vor reich angegeben hatte. Wiedrigenfals würde er mich als einen Gefangenen mit sich nehmen, er liess mich auch durch 10 Mann Reuter 2 Tage lang bewachen, welche mit Fluchen und Gottes Lästern bey grosen Toback Dampf in meinen Schreib-Cabinetgen so lange marterten, bis ich endlich 200 f in Ermangelung des Geldes mit Geschmeide zu bezahlen versprach, ich gab ihm also zwey stärcke goldene Armbänder, so ich meinen Weibe zum Mahlschatz gegeben. ingleichen an güldenen Ringen, Becher und dergleichen, so mein Weib 1634 von ihren verstorbenen Eltern geerbet, und muste zusehen, dass meine Frau ihre Arm-Bänder dem Rittmeister selbst an die Hände anschliessen, und nicht sauer dazu sehen durfte. Dis waren verfluchte Diebes Hände“. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. In den Quartieren gab es zudem Mord und Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger und Bauern waren trotz errichteter Quartiergalgen und hölzerner Esel alltäglich. Bürgermeister und Rat der Stadt Büren berichteten an die kurfürstlich-kölnischen Beamten in Paderborn und den Edelherrn Moritz von Büren über die Einlagerung ligistischer Truppen Ostern 1626 und den bürgerlichen Alltag; Schütte, Dreißigjähriger Krieg , S. 186: „Ein ander rheuter Olivy genant, so in Jost Wisenn hauß logirt gewest, unnd Georg Rißen zur beylagh gehaptt, hatt in einem tagh, welcher gem. Rißenn zugefallen, mehr alß vor vierthalb kopstück bier gedrunckenn, denn nachtt umb zhenn uhrenn noch 4 maß holenn lassenn enndtlich umb eilff uhrenn durch den jungen brantwein gefurdertt. Alß Risenn die spate nachtzeitt, auch die große kosten selbigenn tags, welche sich höher dan 2 daler in alles angeloffen, praetendirt, hatt er seinen knecht geschicktt, welcher gem. Rissenn die thür mit gewaldtt eroffnett, ihme auß der cammer mit bloßer wehr gejagtt, und alß der sich verborgen, hin unnd wieder gesuchtt. Folgenden morgen ist Olivy selb zu Rißen kommen, hat mit demselben wegen versachten brantweins zum hefttigstenn expostulirt, ein bretstuell ergrieffen, (49) unnd Rißenn schlagenn wollenn, welcher den streich abgewendt. Worüber Olivy noch mehr ergrimmt, denn degen entblöst unnd Rißen damit zugesetztt. Aber derselb hat einenn prügel erwischtt, unnd seinenn reuter damit zum hauß hinauß gejagtt. […] Alß nun zum abzugh gerhatenn, hatt Olivy durch seinen knecht vonn gem. Rißen daler unnd ein pfundt pulver fördernn laßenn mit vorgebenn, daß damit der unwill zwischen ihnen beidenn aufgehobenn sein soltt, sonsten er ihne über fünff meill verfolgen unnd den halß zerbrechenn wolt. Alß aber Rißen sich darzu nicht verstehenn wollen, unnd Olivy selbst in Rißen abwesenn ins hauß kommen, unnd vonn deßenn frauwenn pulver gefördertt, sie aber vorgeben, sie hette keins, hatt er sich vernemmen laßen, ihr mann hette zwar ihme kein pulver geschickt aber er hette noch pulver vor ihme“.Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph III, S. 359. Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden mußen“. Eine längere Einquartierung konnte den Ruin ganzer Gemeinden und Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger von Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644): „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“ Es gab auch Ausnahmen unter den einquartierten Offizieren, wie der Stassfurter PfarrerMöser feststellen konnte: WINTER, Möser, S. 34: „Den 11. [Sept. 1631] zeucht der Oberste-Lieutenant la Vos mit seinen 5 Fähnlein des geschlagenen und wieder zusammengelaufenen Volks, so etwa ein 250 Mann zusammen waren, zwischen 7 u. 8 Uhr Sonntags hier ab nach Magdeburg, handelten redlich, wie er denn ein guter Mann war, denn er uns wohl hätte können plündern lassen, weil wir nunmehr gleichsam Feinde waren, läßt aber niemand einiges Leid thun, wiewohl der Soldaten halben, die, wie es pflegt zu gehen, die Leute in den Quartieren vorher auch genug beschweret, es vielleicht so genau nicht zugegangen, die etwan bei einem oder andern etwas genommen, so ihnen im Wege gelegen, gleichwohl aber hat man darüber nicht klagen hören. Ja, er hat auch Pferde und Wagen, derer man etliche zur Abfuhr der Bagage und Kranken aufbringen müssen, richtig wieder zurück geschickt“. SCHÖNAUER, Landesfestung und Universität, S. 62: Ein Quartiervater im bayerischen Ingolstadt berichtet 1632, dass „er sein lebtag lang so unverschambt, und unsauere leuth nie gehabt noch gesehen hab, dan sye reverendo [mit Verlaub; BW] , den Wein gleich under den Tisch lassen, und sonsten auf khein haimblich gemach gehen, sonder gleich under den fenster niederhockhen“.

einquartirung Rolla: Einquartierungsrolle: Aufzeichnung des Regimentsquartiermeisters über die Belegung der einzelnen Häuser mit der Anzahl der zugewiesenen Soldaten u. der Pferde, was regelmäßig zu Streitigkeiten unter den Betroffenen u. den eigentlich ausgenommenen Bürgern (Bürgermeister, Ratsherrn, Geistliche, Ärzte u. Apotheker). Gegen entsprechende „Verehrungen“ versuchten viele, weniger Soldaten aufnehmen zu müssen. => Einquartierung.

einreden: widersprechen.

einsetzen: ins Gefängnis stecken.

Einspann: Gefährt.

Einspänniger, Einspänner: a) Kriegsknecht mit einem Pferd; fürstlicher Diener, Stadtknecht, dem man ein Pferd hielt, damit er als reitender Bote im Dienst der Stadt unterwegs war. Bei starken Stürmen u. Gewittern ritt er, geschützt durch eine Blechhaube, durch die Straßen;  b) Eigentümer eines kleinen bäuerlichen Besitzes, der meist nur Handdienste leistet; c) reitender Bote, Geleit- u. Meldereiter.

eisen, aufeisen: das gefrorene Wasser aufhacken, vor allem in den Stadtgräben, um die Befestigungsanlagen offen zu halten.

Eisen, in die: in die Steigbügel, nachreiten.

Eisenfaktor: Vertreter des Landesherrn auf der Eisenerzhütte in Elbingerode: „1438 setzte Graf Botho zu Stolberg, der sich die meiste Zeit in Thüringen aufhielt, seinen Anteil an Elbingerode als Pfandobjekt ein. Er verpfändete diesen dem mit seiner Ehefrau verwandten Grafen Heinrich von Schwarzburg und dessen gleichnamigen Sohn auf 12 Jahre. Noch vor dem Einlösen dieses Pfandes wurde die Höhe der Pfandsumme im Jahre 1443 im gegenseitigen Einvernehmen verändert. Mehr als 100 Jahre konnte das Pfand durch die Stolberger nicht eingelöst werden. Eine Berechnung der gesamten Pfandschulden führte 1561 auf das Ergebnis von rund 26.000 Taler, die die Grafen zu Stolberg nicht aufzubringen vermochten, obwohl Elbingerode durch die Einnahmen aus dem Eisensteinbergbau, die bedeutsamen Eisenhütten an der Bode und die ausgedehnten Waldgebiete mittlerweile auch für sie sehr lukrativ geworden war. Der braunschweigische Lehnsherr wurde 1564 aktiv. Für ein vorgestrecktes Kapital nahm er Elbingerode unter dubiosen Vorwänden in Besitz und verteilte mehrere Hypotheken an die Gläubiger der Stolberger Grafen. Letztere erreichten zwar die Rückgabe, aber aufgrund ihres immensen Geldbedarfs mussten die Stolberger Elbingerode 1574 erneut an Asche von Holle und 1584 für die Summe von 91.303 Taler an Statius von Münchhausen verpfänden. Dieser hatte 1600 bzw. 1604 durch Hintergehen der Grafen zu Stolberg bei den Herzögen von Braunschweig die Afterbelehnung mit Elbingerode erreicht. Der letzte Lehnsbrief für die Grafen zu Stolberg über das Amt Elbingerode, zu dem neben dem im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Schloss und dem inzwischen mit Stadtrechten privilegierten gleichnamigen Flecken, einige Meiereien und mehrere bedeutsame Hüttenwerke an der Bode gehörten, war von Herzog Wolfgang zu Braunschweig-Lüneburg 1590 für die Stolberger Grafen ausgestellt worden. Herzog Georg von Braunschweig-Calenberg weigerte sich im Jahre 1635 endgültig, die Grafen zu Stolberg erneut mit Elbingerode zu belehnen“. [WIKIPEDIA] Zu den Kriegsereignissen vgl. LINDEMANN, Geschichte der Stadt Elbingerode i. H., S. 188-201. HARNISCH, Der Elbingeröder Hüttenbezirk im Dreißigjährigen Krieg, S. 59-64.

Eisenfeger: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten !

eisenfest: DWb 3. Bd., S. 369: „fest durch zauberei, unverwundbar, und verstärkt stahleisenfest“. Der Erzgebirgschronist und Pfarrer Christian Lehmann liefert die entsprechenden „Exempel“; SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann, S. 186f.: „Ich habe gekannt einen benachbarten Dorfrichter, der Ao. 1632, 15 Aug. im Holckschen Marsch mit seinen Bauern erkühnte, dem Feind im Marschieren Abbruch zu tun. Er traute seiner Fertigkeit und hatte sich daneben mit etlichen Hellebarden und Bauerngewehr [einschneidige, bis zu 50 cm lange messerartige Waffe mit Griffschalen aus Holz, Horn oder Bein; BW] bewaffnet. Da er eine Feldlänge herauf kommen, stoßen auf ihn 4 Reiter, 2 Croaten und 2 Deutsche, die geben Feuer auf ihn, dass ihm zwei Kugeln durch die Kleider in die Seite gegangen, aber nicht durch die Haut. Er bat um sein Leben, gab dem einen ein Stück Geld, die anderen wollten auch befriedigt sein, und weil er nicht mehr zu geben hatte, brannten sie ihm wieder zwei Kugeln auf den Leib, die eine ging auf die Brust, die andere durch den Hut am Kopf, dass ihm vom Stoß und Knall das Blut zum Maul und Nase heraus ging und er niederfiel als wäre er nun gar tot. Da aber die Soldaten wegritten, machte er sich zwar davon, lebte noch 7 Jahr, aber hat sein Leben bekranken und beseufzen müssen. Ao. 1630 lebte in einem Dorf [Königswalde; BW] nahe Annaberg ein gelehrter und beherzter Erbrichter [Christian Reppel; BW], der sich in feindlichen Zeiten an der Böhmischen Grenze für einen Obersten unter den Bauern bestellen ließ und damals auch die Stadt Annaberg mit belagern half. Der selbe hatte sich so stahleisenfest gemacht, dass ihm so gar kein Schuss noch Stoß verwunden konnte. Er ließ zur Probe mit Messern und Degen auf sich stoßen, mit Pfeilen auf sich losschießen, die aber nicht trafen oder doch nicht beschädigten. Doch war er nicht fest vom Feuer und Tod. Der Feind brannte ihm sein Erbgut weg, nahm ihm all sein Vieh, Vorrat und Lebensmittel. Da er in der Hitze den Räubern nachlief, und darauf Wasser getrunken, bekam er die Schwind- und Wassersucht und musste im besten Alter dahin sterben. In dieses gewesenen Richters-Gemeinde diente zur selben Zeit ein verwegener stahlfester Bauernkerl unter den Kaiserlichen zu Pferde, welcher sich Hostiam conscratam lassen im Fuß einheilen, und von keinen Waffen noch Geschoss konnte geöffnet werden. Er ritte einesmals mit 100 Mann auf Partie aus, fiel ein Dorf an, welches aber als ein Flecken mit einer Mauer umgeben war und zwei Tor hatte. Die Bauern ließen ihn ein, schlossen dann die Tore plötzlich, umringten ihn und die seinen allenthalben mit Äxten und Spaltkeulen [im Bergbau Axt zum Spalten; BW], schlugen im Grimm alles nieder, zogen sie nackend aus, und stützten damit eine Grube voll. […][ …] Die Bauern haben im vorigen Krieg an den verhauenen Pässen nach Böhmen wohl 100 solche Gebackene mit Spaltkeulen aufgemacht. Ein starker Eisenfester wurde mit einem silbern Knopf [weil die erste Kugel nicht helfen wollte] erschossen; ein anderer im Duell mit einem durch die Erd gezogenen Degen niedergestochen; ein anderer vermeintlich Gebackener hielt im Saufgelage die bloße Brust dar, und gab seinen Degen hin, man sollte eine Probe tun und auf ihn zustoßen. Gott strafte die Pravade, und ging der Degen durch und durch“. In der Hannover’schen Chronik heißt es; JÜRGENS, Chronik, S. 546f.: „Rittmeister Immernüchtern aus Wolfenbüttel (der sonst Levin Sander hieß) wurde in einem holen Wege bey Lutter von einer Lüneburgischen Partey gefangen, anfangs wird ihm Quartier zugesagt, aber für Hildesheim auf dem Galgenberge jussu Principis ihme müssen den Rest geben. Man hat 20 Schüsse auf ihn gethan und ist keiner durchgangen. Dannenhero ward ihm der Kopf mit einem Beile entzwey geschlagen, daß er wie ein Bähre gebrüllet, unter den Galgen geschleppet und unbegraben liegen lassen“. Vgl. auch FUNKE, „Naturali legitimâque Magica“. Zum Teil trug man Glaskugeln bei sich, ein abergläubisches Mittel, um das ‚Festmachen‘ also die Unverwundbarkeit des Gegners aufzuheben.

Eisenkugeln: Das Material u. der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kosteten fünf Rt. – mehr als die monatl. Besoldung eines Fußsoldaten. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Steinkugeln kosteten nur 20 % im Vergleich zu Eisenkugeln.

Eisern: Kränkung.

Eisfahrt: Vereisung der Gewässer, Eisgang auf Flüssen.

eitel: nur, rein.

elargieren: verbreiten, ausdehnen.

Elend: Ausland, Verbannung; Pesthaus.

Elendshaut, Elendsleder: I. Elchhaut, die sehr geschmeidig war und für Koller verwendet wurde, und zudem im Aberglauben der Söldner als kugelfest galt. Gustav II Adolf trug in der Schlacht bei Lützen ein derartiges Koller. Vgl. CURTIUS, Albert Fridlandi Perduellionis Chaos, S. 334ff. über die Ermordung der Wallensteinschen Gefolgsleute in Eger 1634: „Terzky erreichte seinen Degen, und stellte sich in einer Ecke des zimmers zu löwenmüthiger Gegenwehr. Er schalt Gordon einen treulosen, schändlichen Kerl, der als eine feige Memme durch Wein, List und Betrug ihn und seine Freunde unterdrücke, foderte ihn und Lesley heraus, focht mit Geraldino, und Deveroux oder d’Everoux, so daß diesem sein Degen entzwey sprang, erlegte zween von den Soldaten, und verwundete einen Spanier, namens Lerda, tödtlich. Endlich mußte er doch unterliegen. Er fiel, bekam drey Dolchstiche ins Gesicht, und weil man ihm wegen seines Gollers voin Ellendshaut lange nichts anhaben konnte, und doch nicht schießen durfte, koben die Mörder den Schösel des Gollers oder Collets auf, und stachen ihn todt. Des Carve obrige Nachricht, (S. 323), womit auch Khevenhiller übereinstimmt, ist unstreitig die richtige. Loredano sagt, daß es Illo gewesen, der sich in der Ecke gewehret, zween Soldaten erleget, den Capitain Lerda, einen Spanier, tödtlich verwundet, und zehn Wunden empfangen habe; hingegen Terzky habe seinen Degen nicht erreichen, und wegen seines dicken Collets von Ellendshaut nicht verwundet werden können, sondern sey durch die Menge der Soldaten zu Boden geworfen worden, allwo er drey Dolchenstiche in das Gesicht, und einen in den Unterleib bekommen habe. Man sieht sogleich, daß der Correspondent des Loredano falsch informiert gewesen, und daß hier Illo mit Kinsky verwechselt worden ist. Graf Galeazzo Gualdo Priorato erzählet eben dieses, fast mit des Loredano Worten, in seiner Historia della Vita d’Alberto Valstain, Duca di Fridland; fol. 61“. II. Sie wurde auch als teueres Hilfsmittel (meist aber Hirsch- oder Rehleder) Kranken zum Schutz gegen das Durchliegen untergelegt.

Elendsleder: => Elendshaut.

Elle: 1 Elle = 55,5-55,8 cm, wie üblich unterschiedliche Angaben: Bautzen: 47, 59 cm; Altenburg/Thüringen: 56,759 cm; Braunschweig: 57,05 cm; Leipzig: 55,638 cm; Mecklenburg: = 2 Fuß = 57,4 cm; Breslau 57,612 cm; Böhmen 57,2-60, 3 cm; Pommerm: 2 Fuß = 59,377 cm; Anhalt: 63,59 cm; Aachen: 66,722 cm; 1 Elle (Köln) = 55,3 cm, weitere Beispiele unter: http://www.web-schlagbauer.de/Main/Gewichte/Meter.php?64_37_.

Else: Ehefrau.

eludieren: etwas vermeiden, etwas vereiteln, täuschen.

emarcerieren: dahinschwinden, vergehen.

Embarquement: Einschiffung.

embarquiren: einschiffen.

embolium: Zwischenspiel (auf dem Theater).

embrassieren: ausnutzen; zwischen zwei Feuer bringen.

Embuscade, Emboscade, Embouscade: Hinterhalt.

emergentzien: Ereignisse, Vorfälle.

Emissarius: Kundschafter, Spion.

empeschiren: hindern, verhindern.

Emportement: Aufwallung, Jähzorn.

Emissarius: Kundschafter, Spion.

emploiieren: anwenden, gebrauchen.

emportieren: die Oberhand gewinnen, den Sieg davon tragen; wegtragen, fortschaffen; mitnehmen; aufbrausen, sich ereifern.

Emportierung: Wegschaffung, Wegnahme.

emungiert: geprellt, erpresst.

Encomion: Loblied, in der griechischen Literatur Bezeichnung für Preisgesang auf hervorragende Männer, der von einem Chor beim Festzug gesungen wurde.

endomagirt: beschädigt.

Enfilade:Die Enfilade wurde in den nassauischen Reformen v. Johann dem Mittleren v. Nassau-Siegen u. seinem Vetter Prinz Moritz v. Oranien um 1580 entwickelt. Damit sollte die geringe Feuerkraft der Musketen wegen des langen Nachladevorgangs optimal auszunutzt werden, um möglichst ständig feuerbereite Schützen in der Front zu haben. Dabei Die Schützen gingen nach dem Schuss in einer oder zwei Reihen (französisch: en file) außen um die Formation herum u. reihten sich hinter ihr zum Nachladen wieder ein. Das Verfahren wurde zu einer der wichtigen Kampfformen der Arkebusiere u. Musketiere bis weit ins 17. Jahrhundert hinein. Bei diesem Verfahren stellten sich die Schützen in geschlossenen Reihen bis zu zehn Mann hintereinander u. bis zu zehn Mann nebeneinander auf, der Abstand zur benachbarten Abteilung betrug jeweils fast 2 m. Die Vordermänner der Reihen gingen bei Kampfbeginn ein kleines Stück nach vorne u. feuerten ihre Arkebusen oder Musketen ab. Anschließend marschierten sie außen durch die Gassen nach hinten, während die zweiten in der Reihenfolge in die Feuerstellung gingen u. alle anderen nachrückten. Dann stellten sich die zweiten hinten an, die dritten feuerten, usw.. Wenn alle einmal geschossen hatten, hatten die ersten Schützen im Normalfall genug Zeit gehabt, ihren Vorderlader wieder schussbereit zu machen [nach WIKIPEDIA].

en foy de Cavalier: auf Kavaliersehrenwort.

Engeltaler: sächsische Silbermünze.

Engländer: Unter den englischen Truppen befand sich ein hoher Anteil an von den Lord Lieutenants zwangsrekrutierten, aus dem Königreich ausgewiesenen Kriminellen und Asozialen, den „masterless men,“ [BEIER, Masterless Man; allgem. auch GEREMEK, Geschichte der Armut; z. B. auch die Chronik des Heinrich v. Weseken aus Wesel (1614); BAMBAUER; KLEINHOLZ, Geusen und Spanier, S. 354: „28. Novembr[is] ist hier auff dem Marckt ein Schott auffgehenckt, der Tags zuvor begangenen Einbruchs und Diebstals halber gefangen, die anderen sind weg kommen“] die unter der Bedingung amnestiert worden waren, z. T. unter Androhung der Todesstrafe, nie wieder nach England zurückzukehren [MASSON, Register of the Privy Council of Scotland. Second Series 1: 1625-1627, S. 385, 542f.; BRUCE, Calendar of State Papers. Domestic Series 1628-1629, S. 395, 568; OGLE; BLISS, Calendar of the Clarendon State Papers Preserved in the Bodleian Library I: Domestic 1628/29, S. 395, 568; FISHER, The Scots in Germany, S. 91]. Schon bei der Aushebung der Truppen für Mansfeld hatten die Lord Lieutenants befehlsgemäß die für die Landesdefension benötigten „trained bands“ geschont und Gesindel rekrutiert [LOCKYER, Buckingham, S. 207f. Das galt auch für die Rüstungen 1625-1627; FORTESCUE, A History of the British Army Bd. 1, S. 191-194; allgem. auch COGSWELL, The Blessed Revolution, für die Zeit 1621-24, zu den englischen Zwangsabgaben CUST, The Forced Loan. Vgl. die Nachrichten über englischen Truppen für Christian IV., die zuerst in den Generalstaaten unterhalten wurden; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 51, fol. 155′ (Konzept): Maximilian I. an Ferdinand II., München, 1626 XI 04]. Das war eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, mit Randgruppen fertig zu werden [Nach HAY, War, S. 117ff., eine Möglichkeit der Verringerung der Kriminalität (so auch BEHRINGER, Mörder), was SHARPE, Crime, S. 62-63, 119ff., allerdings in Frage stellt] und gleichzeitig seine Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten zu erfüllen. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotes und Chronisten Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“.

Enke: (Pferde-)Knechte.

entblöst: Es war üblich, dass den Gefallenen die Kleider ausgezogen wurden. Die Schweden ließen sogar die Kleidung reinigen, flicken u dann wieder an die Mannschaften austeilen.

entbrechen: sich enthalten, hier: nicht verkaufen.

enthaupten: Die Enthauptung im Gegensatz zum Erhängen am Galgen galt nicht als ehrenrührige Todesstrafe. Standespersonen war die Hinrichtung in aufrecht kniender Haltung mit dem Schwert vorbehalten, während niedere Ränge auf einem hölzernen Richtblock mit dem Beil enthauptet wurden. Nicht nur das schwedische Militärrecht war, sofern es strikt angewendet wurde, sehr streng, schon für das Schlafen während der Wacht war im Art. 43 für Gemeine das Arkebusieren (Erschießen mittels Arkebuse) vorgesehen. Arkebuse war ein Gewehr, eine Waffe für leichte Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Höhere Offiziere wurden dagegen meist mit dem Schwert hingerichtet. Vgl. „Schwedisches Kriegs-Recht“; BERG, Administering justice. Zum Teil wurden auch einfache Kombattanten mit dem Schwert gerichtet. Ähnlich wurde auch in der kaiserlichen und kurbayerischen Armee verfahren. Vgl. die Hinrichtung des Obristen Schellart von Dorenwert, Adam Wilhelm, Freiherr zu Gürzenich; Obrist [ -12.10.1627 im Feld vor Rendsburg enthauptet] in den „Miniaturen“.

entblöst: Es war üblich, dass den Gefallenen die Kleider ausgezogen wurden. Die Schweden ließen sogar die Kleidung reinigen, flicken und dann wieder an die Mannschaften austeilen.

entbrechen: befreien, abtun, entledigen, entgehen.

entleischen: entwischen.

Entreprise: Unternehmen, Unterfangen.

entschlafen: töten.

entschütten: verteidigen, aus der Not helfen, lösen, entsetzen, entledigen.

Entwaffnung: WAGNER, Pforr (1626), S. 98: „Den 30. Martii hat der Hertzoch von Holstein [Adolf Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp; BW] den bürgern alhier alle ihre gewehr abnehmen und aufs schloß führen laßen, weil er sich vor einem uberfall befürchtet, deßwegen er auch getrewet, so gegen ihme waß vorgenommen würde, ein jeder soldat sein quartir anzustecken“. VOGEL, Annales, S. 612. Im Mai 1644 musste „die Bürgerschafft [Leipzigs; BW] auff Begehren General Königsmarcks / weil sie den Vergleich nicht unterschreiben wollten / den sie vor diesen mit Torstensohn gemacht / damit man sich keines Aufstandes zubefahren / darzu die auffgeworffenen Sechziger grosse Lust hatten / so wohl Ober- als Untergewehr bey 500 Thaler Straffe in E. E. Raths Zimmerhoff liefern“. Oft wurde auch in den besetzten Städten die Bürgerschaft entwaffnet, angeblich um Aufstände zu verhindern, in Wirklichkeit aber, um die noch brauchbaren Waffen an die Soldaten auszuteilen. KRAH, Südthüringen, S. 100. „Und daß sich die bewaffnete Macht auch damals gegen jede Überraschung von Seiten der Bewohner sichern wollte, beweist der Befehl vom 29. November 1634: ‚Auf Befehl der Römischen Kayserlichen, auch zu Hungarn und Böheimb (Böhmen) Königlichen Majestät, unseres aller Gnädigsten Herrn und deroselben verordneten Herrn Generals Exzellentz, sollen alle Inwohner der Stadt Meiningen, hohes und niedriges Stands, sie seien, wer sie wollen, alle ihre Gewehr und Waffen, Musqueten, Pistolen, Pantelier- und Feuerrohr, Rapir, Banddegen, Helleparten, Partisanen, Kurz- und Langespieß, Dolche, Spitzhammer, und was dergleichen mehr, wie sie auch Namen haben, bey ihren Eydes-Pflichten und bey Vermeidung (von) Leibs- und Lebensstrafe, alsobald und ungesäumt dem Herrn Obristenwachtmeister , so in dem Wirtshaus zur Meise quartiert, überliefern und – – – hiervon das wenigste nicht zurückbehalten oder verbergen, sondern hierinnen schuldigen Gehorsam leisten‘. Und der Kommandant von Maßfeld forderte am 1. Dezember durch den Kanzler das Jagdzeug zurück, das im Vorhof des Schlosses gewesen und durch den Oberförster von Henneberg aus Maßfeld weggeholt worden sei. Über diese Waffenlieferungen berichtete der Kanzler allerdings seinem Kurfürsten am 3. März: ‚Alle Gewehr und Waffen hat man den Untertanen abgenommen – – – unter dem Schein, als hätte man sich eines Aufstandes zu befahren. Es aber hernach solche Waffen meistenteils den unbewehrten Soldaten gegeben worden‘. Die Ausrüstung der Truppe scheint also schon nicht mehr die beste gewesen sein“. KRAH, Südthüringen, S. 100.

eodem successu: mit dem gleichen Erfolg.

eo infante: also unberedt.

Epicurier: Epikuräer: Genussmensch.

Epiphaniae Domini: Erscheinung des Herrn, der ursprüngliche u. heute noch meist gebrauchte Name des am 6. Januar, dem historischen Weihnachtsdatum, begangenen christlichen Festes. Im Volksmund u. in vielen Kalendern ist es auch als Dreikönigsfest, Dreikönigstag oder Theophanie, früher auch als „Groß-Neujahr“ oder „Hoch-Neujahr“ bekannt.

Equipage: veraltet für Mannschaft, hier: Reiterei.

erarnen: verdienen.

Erbe: Grundstück.

Erbeszucker: Kräuter-, Gewürzzucker.

Erbherr: Besitzer und Verleiher eines Erbgutes; Grundherr.

Erbkötter: Bauer, der keinen Anteil am alten Ackerland, den Gewannen, hat, nur Landwirtschaft betreibt, ohne einen gewerblichen Nebenberuf auszuüben. Man unterschied zwischen Erbköttern (Bauernsöhnen u. deren Nachkommen, die einen eigenen Besitz erhielten, u. deren Erbkotte zwischen den Höfen der Erben lagen) u. Markköttern (alle übrigen Kötter, deren Markkotte meist außerhalb der Höfe lag).

Erblandhofmeister: Der Landhofmeister im Elsass war so etwas wie der Chef der vorderösterreichischen Landesbeamten in Ensisheim. Der Titel Erblandhofmeister ist wahrscheinlich nur noch ein Ehrentitel ohne aktive Funktion [Frdl. Mitteilung v. Herrn Johann v. Pechmann].

Erb[landmund]schenk: meist erbliches reines Hofamt ohne administrative Tätigkeit.

Erbrichter: Gemeindemitglied, das dem Dorfgericht vorstand. Der Erbrichter wurde vom Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit (Grundherr) eingesetzt u. konnte das Amt an seine Nachkommen weitergeben. Auch die Bezeichnung Erblehnrichter war gebräuchlich.

Erbsälzer: Patriziat der Stadt Werl, das im ausgehenden 14. Jahrhundert aus nur 48 Familien bestand.

Erbsasse: mit erblichem Grundbesitz, Hausbesitz angesessener Vollbürger; Alteingesessener.

Erbscholtisei: Gut, das mit dem Amt eines Schultheißen, verbunden war. Dieses Amt, das in neuerer Zeit durch Wahl der Gemeindemitglieder übertragen wurde, die aber noch der obrigkeitlichen Bestätigung bedurfte, war früher auch oftmals mit dem Besitz bestimmter Güter (Schulzengut, Schulzenlehen, Bauermeisterlehen, in Schlesien Scholtisei, Erbscholtisei, Scholten- oder Scholzengut genannt) verbunden.

Erbuntertänigkeit: eine der Leibeigenschaft ähnliche Abhängigkeit der Bauern vom Gutsherren. Merkmale der Erbuntertänigkeit waren die Arbeitspflicht (glebae adscriptio) sowie Frondienste, u. Gesindezwang für die Angehörigen.

Erget: mit Gras u. Gebüsch bewachsenes Ödland (Viehweide).

„Ergötzung“, „Ergötzlichkeit“, Verehrung, Schenkung, „cortesia“, „Discretion“, „Präsentgeld“: Derartige „Schenkungen“ oder auch „Discretionen“ waren v. Anfang des Dreißigjährigen Krieges an zumeist erzwungene oder v. vornherein erwartete Leistungen in Geld- oder Sachwerten an die Offiziere einer Einheit, die den Stadt- oder Gemeindehaushalt je nach Umständen erheblich belasten konnten. Diese mehr oder minder freiwilligen „Verehrungen“ waren zur Abwendung v. Einquartierungen oder zur Durchführung rascher Durchzüge gedacht. Sie waren je nach Rang des zuständigen Offiziers gestaffelt u. wurden v. diesen als fester Bestandteil ihres Einkommens betrachtet, zumal Soldzahlungen nicht selten ausblieben. Das galt selbst für die unteren Chargen, z. B. in der Grafschaft Bentheim; BURKERT, 30 Jahre Krieg, S. 26: „Am 17. Februar 1623 hatte man ‚den Lütnanant von Becken moten verehren 20 Reichstaler, dem Herrn Korporal 6, dem Hofmeister des Leutnants 1, Trompeter 1‘. Wenn die Heerführer selbst nicht zu erreichen waren, dann wurden eben diejenigen bestochen, die ihnen möglichst nahe kamen, in der Hoffnung, daß diese im Gegenzug ihren besänftigenden Einfluß auf ihre Vorgesetzten geltend machen würden. So auch eine Frau Rittmeister, derzu Ehren der Nordhorner Richter ein Essen gab und ihr dabei noch sechs Taler als Geschenk machte. Da aber die ebenfalls anwesenden Soldaten an der Speisetafel gewalttätig wurden, erhielt die Frau noch einmal den gleichen Betrag – mit der Bitte, die verängstigten Ratsmitglieder vor den Soldaten zu verstecken“. Vgl. ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Käuflichkeit, Nebeneinkünfte wie Ranzionierungen (auch durch Menschenraub), übliche Geschenke wie etwa die z. T. sehr kostenintensiven „Verehrungen“ je nach Rang, die umfangreichen „Donationen“ u. „Exspektanzen“ sowie Tauschkultur bildeten dabei eine Einheit. Zudem gab es „Verehrungen“ als Belohnung für die Gefangennahme hoher Offiziere in einer Schlacht oder in einem Treffen. Vgl. HEILMANN, Kriegsgeschichte von Bayern II/2, S. 1045: „Am 11. April 1634 erhielten der Oberstlieutenant Johann von Wendt und die Hauptleute Christoph und von der Steig, die sich bei der Eroberung von Rain ausgezeichnet, goldene Ketten und zwar Wendt eine solche von 80-100 Gulden, und die Hauptleute von 40-59 fl. Werth“. HEILMANN, Kriegsgeschichte von Bayern II/2, S. 1045: „Im Jahre 1643 erhielt ein Rittmeister vom truckmüller‘schen Croatenregiment 1 goldene Kette, welche um 250 fl. erhandelt worden, sammt 1 glatten Gnadenpfennig. Am 15. Mai 1645 wurde dem Obersten Hans Jakob Kolb ‚welcher S. Kurfst. Durchl. wegen der wider die weimarischen und französischen Armada erhaltenen Victori Relation gethan und bei solchem Treffen sonderbar gute Dienste erwiesen‘ verehret: 1 goldene Kette, 500 fl. werth, sammt 1 kurfürstlichen Bildnißpfennig mit Engelsköpfen, dann 1500 fl. in Dukaten“. => Dankbrief: Ein kaiserlicher Dankbrief kam einer heutigen Ordensverleihung gleich. Dazu gehörte auch die Gnadenkette: Halsketten, die fürstliche Personen vor dem Aufkommen der Verdienstorden an verdiente Militärs, Höflinge, Beamte etc. oder auch bloß als Zeichen ihrer Huld zu verleihen pflegten; solche Ketten waren öfters mit Münzen oder Medaillen mit dem Bildnis des Spenders, Emblemen, Sprüchen etc. verziert. => Ergötzlichkeit.

Ergötzlichkeit: „häufig mit dem nebensinn von remuneratio, vergütung, verehrung, erkenntlichkeit, belohnung, trinkgeld“ [DWb]. ergötzen: „einem etwas vergüten, ersetzen, ihn dafür entschädigen, machen dasz er seinen verlust vergesse“ [DWb].

„Erhalt uns Herr bey deinem Wort“: Dass Martin Luthers „Kinderlied“ von 1542 bei einer katholischen Besatzungsmacht verboten war, war bei dessen Titel selbstverständlich. Das vor dem Hintergrund der Türkenkriege als Auftragswerk 1542 entstandene antipäpstliche u. antitürkische Kampflied wurde wegen seiner provokativen zweiten Zeile „und steur des Papsts und Türcken mord“ über Jahrhunderte als der umstrittenste protestantische Gesang angesehen.

„Ein Kinderlied, zu singen, wider die zween Ertzfeinde Christi und seiner heiligen Kirchen, den Bapst und Türcken, etc.

Erhalt uns Herr bey deinem Wort

Und steur des Bapsts und Türcken Mord,

Die Jhesum Christum deinen Son

Wolten stürtzen von deinem Thron.

Beweis dein Macht, HERR Jhesu Christ,

Der du Herr aller Herren bist,

Beschirm dein arme Christenheit,

Das sie dich lob in ewigkeit.

Gott heilger Geist du Tröster werd,

Gib deim Volck einrley sinn auff Erd.

Sthe bey uns in der letzten Not,

Gleit uns ins Leben aus dem Tod“. [LUTHER, Martin, Werke. 35. Bd., Weimar 1923, S. 465-468].

erklecken: genügen, helfen, nützen, ausreichen.

erlassen Volck: abgedankte Soldaten.

ermbt: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten !

ernanntes Geld: Meistgebot.

Ernst, mit: mit Kampf.

Ernstkugel: JACOBSSON, Technologisches Wörterbuch 1. Bd., S. 614: „alle diejenigen Kugeln, die aus Kanonen, Haubitzen und Mörsern geworfen werden, und nicht allein in Kugeln, Bomben, Granaten, Kartetschen und andern kleinen und eisernen Kugeln bestehen, sondern auch aus mancherley künstlichen Feuerkugeln, die von verschiedenen Materien zusammen gesetzt sind. Hiezu gehören Feuerkugeln, Feuerbälle, Transchekugeln, Feuerregen, Leuchtkugeln, Kettenkugeln, Pechkränze, Dampf- und Blendkugeln, Giftkugeln, Stinkkugeln, Totenköpfe, Diener oder Knecht, Feuerwerksbündel, Heimliche oder Legfeuer, Feuerwerkerhagel, glühende Kugeln, und dergleichen mehr, die sämmtlich zu nennen allzu weitläuftig wäre“. Erwähnt anlässlich der Belagerung Paderborns durch Rabenhaupt u. Königsmarck; Eygentliche vnd warhafftige Relation, Worinnen vermeldet welcher gestalt die Statt Paderborn / vnderm Commando Deß Gräffl. Vehlischen Regiments Obristen Lieutenant Ernesten de Bertremouille, Von den Hessisch-Königsmarck- vnd Weymarischen Völckern belägert worden. Geschehen den 28. Augusti Newen Cal. dieses lauffenden 1647. Jahrs. Gedruckt im Jahre Christi / M. Dc.XXXXVIII. [o. O.], S. 5.

Eroberung Magdeburgs: Magdeburg, eines der wichtigsten Symbole protestantischer Freiheit in Deutschland, wurde am 20.5.1631 nach mehr als halbjähriger Belagerung durch die kaiserlich-ligistischen Truppen unter den FeldmarschällenTilly u. Pappenheim erobert, geplündert und zerstört. Das Ereignis trug maßgeblich dazu bei, dass Magdeburg publizistisch zum „heroischen Erinnerungsort des protestantischen Deutschland“ aufgebaut wurde (MEDICK, Ereignis, S. 378). Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2397, fol. 621-621′: Auisen aus Salze, 1631 V 20; Beilage zu fol. 617ff. (A): Adam Ernst von Hagstorf an Maximilian I., Donauwörth, 1631 V 31: „Es ist solches Elend, grösser als Sodom und Gomorrha anzusechen gewest, die leüth haben in der grossen gluet oben zue den thurmen heraus gesechen, ist aber khein hilf gewest“. So schrieb der bayerische Kriegskommissar Adam Ernst von Hagstorf nach dem ligistischen finalen Sturmlauf auf Magdeburg und der Vernichtung der Stadt 1631. Der gewöhnlich gut unterrichtete Kriegskommissar bestätigte in seinem Bericht an Maximilian I., (Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern München Äußeres Archiv 2397, fol. 620-620′ (A): Adam Ernst von Hagstorf an Maximilian I., Donauwörth, 1631 V 31), dass, als „die burger am widerstandt verzweiflethen, sie selber Feuer gelegt hätten“. Im Bericht des Wolf von Mansfeld für Kaiser Ferdinand II. hieß es; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 92/I, fol. 319-319′ (Ausfertigung): Wolf von Mansfeld an Ferdinand II., Magdeburg, 1631 V 21: „vnd obwohl dises fewr anfenglich villeicht were zu dempffen gewesen, hat man doch kein volckh bey bringen können, dan die soldaten sich aufs plindern begeben“. Gronsfelds Obsession gegen den Konvertiten Pappenheim und Vorgesetzten veranlasste ihn, ihm in seinen Erläuterungen zu WASSENBERGS „Florus“ von 1647, S. 203, die Schuld an der Vernichtung Magdeburgs durch bewusste Brandlegung zu geben:“Daß die Bürger die Stadt angezündet / ist der Warheit nicht gemäß / sondern es hat der Pappenheimb seliger mir selbsten bekant / daß er es selbst gethan hätte / vnd solches auß Versehen / daß der Feind ein Hauß recht an dem Ort eingenommen / wo er Pappenheim vber den Wall kommen / in die Stadt / dannenhero er ein Hauß hart darbey anzünden lassen / damit der Feind das andere verlassen müste / vnnd den eintringenden nicht so viel Schaden zufügen künte“. Khunig, Maximilians I. Agent in Prag, hatte von 20.000 Toten in den Kellern und Gewölben Magdeburgs berichtet, die „nit anders als gebratnes fleisch ausgesechen“ hätten. Bei der Siegesfeier habe Tilly den Soldaten „etlich tonnen pier“ ausgeschenkt. Nicolaus Franziskus Khunig, bayerischer Agent in Prag, an Maximilian I. von Bayern, Prag, 1631 VI 07; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 260, fol. 30-31 (Ausfertigung).

eröset: verödet, erschöpft.

erpochen: durch Pochen, d. h. durch Trotz, etwas erzwingen.

errathen: einen Ratsbeschluss fassen.

„Ersatzsoldaten“: Der Stadtleutnant Valentin Scharfe v. Nordhausen musste 1642 gleich sieben neue Soldaten für einen von ihm im Streit getöteten Besatzungssoldaten stellen; LESSER, Historische Nachrichten von […] Nordhausen, S. 357: „Ein grösser Unglück begegnete ihm An. 1642. den 20. Sept. da er mit den allhier liegenden Vierlingischen Soldaten, so seinem Bedienten, der um 6 Uhr Bier holen sollen, die Flasche mit Bier genommen, und mit dem bloßen Degen eine Wunde in den Kopf gehauen hatten, ins Handgemenge kam, und einen Soldaten mit einer Pistole tödlich schoß, weßwegen er sich in des Syndici. Hrn. Doct. Michaelis Haus retiriret, aber alsobald von denen hiesigen Soldaten arretiret wurde. Ob nun wohl ein Edler Rath alsofort sich gegen den Obristen Seestett, Schwedischen Commendanten in Manßfeld, unter welchen der Hauptmann Vierling gehörete, erkläret, unpartheyisch Recht ergehen zu lassen, hat doch ermeldter Obrister begehret, den Lieutenant in des Capitain Vierlings Verwahrung zu stellen, und denselben nach Manßfeld zur Rechtfertigung zu schicken, oder er wolte den Rath dem Thäter gleich achten. Weil aber E. E. Rath dem Obristen alle Umstände, und der Zeugen, wie auch des beschädigten eigene Aussage kurtz vor seinem Tode berichtete, blieb der Beklagte zu Nordhausen. Endlich wurde die Sache so vermittelt, daß der Lieutenant dem Obristen in Manßfeld innerhalb 6. Wochen 6 Knechte, und dem Capitain Vierling für den entleibten 1. Knecht verschaffen mußte, worauf er wieder loß kam“. Entsprechend höher fiel dies z. B. bei Obristen aus. Der rheinische Adlige Marsilius III. von Pallant [1571 ?-?] hält in seinem Tagebuch unter dem 28.2.1626 die Buße für den berüchtigten Adam Wilhelm Schellart v. Dorenwert, Freiherr zu Gürzenich [Goerzenich] [ -12.10.1627 im Feld vor Rendsburg enthauptet] fest; KONRADS, Das Tagebuch, S. 96: „Schellart von Obbendorf, Herr zu Gürzenich, muß dem Kaiser drei Jahre lang eine Kompanie Reiter bezahlen und auf seinen Beutel werben, weil er einen spanischen Leutnant entleibt hat, der von Langerwehe in dem Amt Wilhelmstein gebürtig gewesen ist, und dessen Bruder Diener hat den Offermann in Langerwehe erschossen. Zudem muß der Herr zu Gürzenich 1.000 Pferde im Namen des Kaisers werben, wozu der Herr von Gürzenich die Unkosten und das Anrittgeld vorschießt“. Diese Geldbuße lag im fünfstelligen Reichstalerbereich.

erschießen: helfen.

ersitzen: bleiben, sitzen, stecken bleiben; (im Kampf) fallen.

erstes Blatt: Gemeint ist hier die prima plana: das erste Blatt der Musterrolle, auf dem die Personen verzeichnet waren, die zum Kompaniebefehl gehörten: Hauptmann, Rittmeister, Leutnants, Fähnriche, Kornett (als Oberoffiziere der prima plana), Feldwebel, Führer, Fourier, Musterschreiber, Feldscherer (Unteroffiziere der prima plana). Korporäle, Gefreite, Spielleute und Fourierschützen galten dagegen als gemeine Befehlshaber.

Ertag, Erchtag: bayerische Bezeichnung des Dienstags.

ertattert: erschreckt, verschüchtert.

ertränken: Die Strafe des Ertränkens – teilweise auch als „Säckung“ bezeichnet – wurde hauptsächlich bei Frauen angewandt (mit Ausnahme der „Wasser-“ oder „Schwemmprobe“ bei Hexereiverdacht); zudem bei schwerem Diebstahl, Notzucht, Bigamie, Unterschlagung, Gotteslästerung. Ertränken galt als schwerere Strafe als die Hinrichtung durch den Strang. Die Art der Strafe erklärt sich zunächst daraus, dass Wasser Reinheit symbolisierte und damit sühnende Reinigung ermöglichte. Darüber hinaus und in diesem Fall erscheint das Ertränken als „spiegelnde Strafe“ nach dem Talionsprinzip: Die Strafe wurde angewandt bei Kindsmord: Die Kindsmörderin wurde ertränkt, weil sie ihr Kind ertränkt hatte. GÖSCHEL, Chronik von Langensalza Bd. 3, S. 71: „Am 28. September 1647 wurde bei der Spendemühle ein todtes Kind gefunden, welches die eigene Mutter, eine Magd, ins Wasser geworfen hatte; sie büßte die unnatürliche That mit dem Tode im Wasser, denn kurze Zeit darauf wurde sie in der Unstrut ersäuft, damit sie auf dieselbe Weise durch die Hände der Gerechtigkeit ende, auf welch durch ihr Unrecht ihr Kind geendet hatte“. SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 689: „Den 3. Februarii [13.2.1645; BW] hatte eine leichtfertige Vettel aus dem Ampt Weida bürdig / ein Kind hier gezeuget / und nach dem sie es ermordet / unter dem schein /n als wolt sie etwas von Holtz zusammen lesen / in einem Tragkorb für das Thor an den Kellerberg gebracht / und unter das alte Laub hinter einer Eichen verborgen. Dieses Kind hat ein Hund von Eckhardsbach gefunden / und mit sich iedoch unbefressen in das Dorff geschleppet; in dem es nun ruchbar worden, hat man auff diese Person gemuthmasset / darumb ist sie auch durch die Stadt-Gerichte zu gefänglicher Hafft  gebracht und examiniret worden / da sie denn die That / wiewol nach vielen Umbschweiffen / gestanden. Darauff ist durch ordentliche gerichtliche Personen / an dem Ort da es die Vettel hingelegt / und vom Hund gefunden / wiederbracht  / und mit gebräuchlichen Ceremonien auffgehoben worden. Hernach hat es die Vettel selbst genommen und in die Bütteley getragen. Umb solchen erschrecklichen Kinder-Mord ist sie den 18. Martii im Mühlgraben beym Gießrade nach Urtheil und Recht ersäuffet worden“.

erwinden: umkehren, umdrehen, aufhören, ablassen, zurückbleiben, ruhen, aufhören, unterbleiben, unterlassen, ermangeln, fehlen.

Erzbischof: Der Erzbischof (griech. arché für Erster, Anfang, Führung und epískopos für Aufseher) war Leiter einer Landeskirche und hatte deren Bischöfe zu weihen, Als Bischof eines Erzbistums war er den anderen Bischöfen gleichgeordnet. Seit der Karolingerzeit wurden die angesehenen Bischöfe auch Archiepiscopus genannt. Im Alten Reich nahm der Erzbischof (und Kurfürst) von Mainz eine herausragende Stellung ein. Er wurde von dem 24-köpfigen adligen Mainzer Domkapitel gewählt, das bei Vakanz des erzbischöflichen Stuhls auch die Regierungsgewalt ausübte. Als Erzbischof regierte er als Bischof den Diözesansprengel, er war Oberhirte der eigenen Diözese und der aus den Diözesen seiner Suffraganbischöfe bestehenden Kirchenprovinz. Als Inhaber des heiligen Mainzer Stuhls war er der bedeutendste geistliche Reichsfürst.

Erzfunk: Schelm.

Erzgebirge: Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann u. Pfarrer [11.11.1611 – 11.12.1688] berichtet; SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann, S. 133: „Spottweise nennen dieses Gebirge die böhmischen Papisten und Mammelucken das Hunger- und Haberland, den beständigen Exulanten zum Schimpf, die sich meist bei der böhmischen Verfolgung von 1624 bis 50 in dieses Gebirge retterirt (= gerettet) und niedergelassen haben, teils sind (sie) wider hineingelaufen nach den Ägyptischen Fleischtöpfen, das davon ein Sprichwort entstanden: So lange ein Teil Exulanten in Beckers Psalter singen und was zuzubüßen haben, sind sie gute Lutheraner, wenn sie aber müssen in dem Habermann beten und schmal leben, da liefen sie wieder nach dem böhmischen Mehl und Knödlein“.

Erzkanzler: Als Inhaber der obersten, auf das Schreibwesen bezogenen Würde im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation u. Direktor des Reichstags konnte er Einfluss auf die kaiserliche Politik nehmen und wichtige Verwaltungsresorts lenken. Der Mainzer Erzbischof wurde durch dieses Amt zum ersten Reichsstand. HARTMANN, Mainzer Kurfürst; HARTMANN, Kurmainz; BRENDLE, Reichserzkanzler.

Escalade; escaladieren (span. escalar = mit Sturm einnehmen, frz. escalader, escalade) Erstürmung, Ersteigung von mittels Sturmleitern, also die Ersteigung von Mauern oder steilen Böschungen. Die Sturmleiter war ein wichtiges mittelalterliches Kriegsgerät. Häufig einholmig mit an der Spitze angebrachten Haken war es leicht und gut zu gebrauchen. Die Sturmkolonnen sollten Wälle oder Festungen auf Sturmleitern ersteigen, sich dort festsetzen und das Tor von innen öffnen, um den nachrückenden Soldaten den Weg frei zu machen. Der erste Soldat, der über die Mauer kam, erhielt in der Regel eine besondere Prämie. Vgl. das THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 349, über die Erstürmung von Frankfurt/Oder am 13.4.1631 durch die Schweden: „denen ein Meißnischer Leutenandt / genandt Andreas Aner von Pegaw gebürtig / auff einer Sturm-Leyter vorgestiegen / vnd der erste auff der Mawer gewesen / auch wegen solcher Mannlichen That tausend Reichsthaler vnnd ein Capitäinschaft von dem König bekommen“.

Escarmouche: => Scharmützel, kleineres Gefecht.

Esch: Feld, auf dem etwas Essbares wächst, Fruchtland, Feldflur, Gemarkung.

eschappiren: entkommen, entwischen.

Esel, auf den Esel setzen: in Verlegenheit, Schande bringen; erzürnen. Beim Einrücken v. Truppen in eine Stadt mussten Galgen u. hölzerner Esel oder Pferd gezwungenermaßen v. den Zimmerleuten (meist auf dem Markt) errichtet werden. NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 21. Das Sitzen auf einem hölzernen Esel gab es als Militärstrafe für ungehorsame Soldaten; HINCKELDEY, S. 169; ZEITFUCHS, Stolberg, S. 271; z. T. als Strafe für Not- oder Unzucht; PESCHEK, Geschichte, S. 46; als Ehrenstrafe im peinlichen Strafrecht; MEINHARDT, Peinliches Strafrecht, S. 147; HINCKELDEY, Strafjustiz, S. 171; allgem. QUANTER, Die Schand- und Ehrenstrafen. Das Eselreiten wurde auch Ratsherrn u. Bürgern beim Ausbleiben der Kontribution angedroht. Dabei wurde ein auf die Kante gestelltes Brett in Eselform verwendet, das dem darauf Sitzenden nur die schmale Seite bot, so dass es tief ins Gesäß einschnitt; Abb. bei KÖNIG, Hexenprozesse, S. 49; erwähnt bei WREDE, Körperstrafen, S. 426* (für 1620 in Görlitz). Vgl. den Bericht des Chronisten Sebastian Dehner; HELLER, Rothenburg, S. 11: „1620. Mittwoch den 5. Januar hat Marggr. J. Ernst allhie auf dem Mark nebst bei der Trinkstuben wegen der Soldaten, damit sie im Zaum gehalten würden, einen Galgen, Schneller oder Schnerr, wie manß nennt, und einen Eßel aufrichten lassen. Der Esel ist gemacht geweßen von Brettern geformt und so hoch als eines Schmieds Notstall, der Schnöller und Galgen ungefähr 3 oder 3 1/2 mannßhoch. […] Wenn er den Eßel verdient, hat man ihn rittlingsweiß daraufgesetzt auf die Kante und zu beiden Seiten an jeden Fueß einen schweren Stein oder Plock gehengt und ihn bey 2, 3 oder mehr Stund, nachdem er verdient, darauf sitzen lassen“. Aus der Unteren Pfalz heißt es jedoch auch; MAIER, Unterpfalz, S. 323f.: „Auf vorgebrachte Klagen hin wurden die Übeltäter von ihren Offizieren entweder gar nicht bestraft oder im schlimmsten Fall auf die Esel gesetzt; wie ernst die Delinquenten diese Strafe nahmen, erkennt man daran, daß von den darauf Sitzenden manchmal ‚auch etliche Maß Wein gesoffen‘ wurden“. MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 596 (Schweinfurt 1644): „Als Martin Geißler, Scabinus [Schöffe; BW}, am 20. October von der Spitalkirche nach Hause gehen wollte, hieb ihm ein besoffener Gallasischer Soldat, ohne alle Ursache, auf offener Gasse, bey dem Hause des Bürgermeisters Billing hinterwärts mit einem Säbel eine große Wunde in den Kopf, daß er zu Boden sank. Der Soldat wurde sogleich ins Stockhaus gesezt und am 29. d. recht exemplarisch gestraft; denn er mußte 3 Tage hintereinander, jeden Tag 5 Stunden, auf dem Esel reiten. Weil dieß ein Soldat einem Bürger gethan hatte, war es ein schlechter Handel, wozu die Soldaten noch lachten. Wenn aber dieß ein Bürger einem Soldaten gethan hätte, würde man die ganze Bürgerschaft für Rebellen ausgeschrieen und es an den Kaiser und an alle Generäle berichtet haben“. Auch aus Rothenburg wird 1631 berichtet, dass dieser Vorgang fast schon alltäglich wurde; HELLER, Rothenburg, S. 64. Teilweise wurde das Reiten auf dem Esel auch Zivilpersonen angedroht bzw. vollzogen; STETTEN, Geschichte 2. Bd., S. 211: „Den 14. Septembris ließ der Gouverneur Oxenstirn [Bengt Bengtson Freiherr v. Oxenstierna; BW] etliche Bischöfliche, Capitlische und Fuggerische Beamte und Vögte, so ihre Unterthanen bey der Schantz-Arbeit zu erscheinen nicht angehalten hatten, zur Straffe durch den Profosen etliche mal um das höltzerne Roß oder Esel herumführen“. SCHRÖDER, Chronik der Stadt Minden, S. 583: „Welche Exzesse sich in dieser Stadt die Soldateska erlaubte, geht aus einem Briefe dieses Feldherrn [Torstensson; BW] an den Generalmajor Sabelitz [Zabeltitz; BW] hervor, daß ‚ein Majeur von der Garnison sich unterstanden einen Bürger gleichsamb unerhörter Sache auf den Esel setzen und demselben noch dazu eine Bürde oder Last von Steine an die Beine hengen zu lassen‘ “. Aus Leobschütz (1645), auf Anordnung Königsmarcks; MINSBERG, Geschichte der Stadt Leobschütz, S. 80f.: „Der übermüthige Königsmark aber brach unter nichtigem Vorwande die geschlosseneKapitulation, ließ die Besatzung während des Ausrückens gefangen nehmen, mißhandelte den Befehliger, schickte ihn gebunden nach Jägerndorf, ließ den Rath der Stadt, welche das geforderte Lösegeld von 5000 Thaler nicht herbeizuschaffen vermochte in den Schloßthurm werfen, sieben Tage lang den Verhafteten Nahrung und Obdach entziehen, den Kaufmann Adam Pusch aber, der es wagte, dem schwedischen Gewalthaber deshalb Vorstellungen zu machen, auf den vor dem Rathaus stehenden hölzernen Esel setzen. Die Hände und Füße mit schweren Gewichten belastet mußte der Unglückliche, während häufiger Regen vom Himmel strömte, auf dem schneidenden Rücken des Marterholzes, vom 25ten November von 2 Uhr Nachmittags bis Abends gegen 9 Uhr namenlose Schmerzen [S. 81] erdulden. Erst als die Ranzion gelegt war erhielten die fast verhungerten Rathleute ihre Freiheit wieder“. Aus Zwickau (1632) wird berichtet; WILHELM, Descriptio, S. 181: „Den 14. wurde ein Soldat auffm Esel gesetzt / welches zuvorhin offt geschehen / das er einem WeibesVolck Vnehr angemutet vnd sie zwingen wollen / dem wurden Stöcke an die Füsse gelegt / so dem guten Bruder sehr vexiret / welches gewähret / biß nach Mittag vmb 3. Vhr / do gehet ein Soldaten Jung vorvber / deme befehlen andere alda stehende Soldaten / er sollte dem die Stöcke von Füssen thun / so er verrichtet / vnnd solche auff einen Holtzwagen / so gleich vorvbergegangen geworffen / Es ist aber derselbe folgende Nacht auff die leiter gebracht worden / vnnd gehencket werden sollen / darbey grose Ceremonien vorlieffen / in deme man den Commendanten vnterschiedlich zu geruffen / vñ vmb gnade geschrien / so eine gute halbe Stunde gewehret / allein es hatte endlich das ansehen / als wen es nur zur Pravada wehre angestellet gewesen“. Zudem galt der Esel nicht nur als Symbol der Dummheit, sondern auch als Reittier der Synagoge. Vgl. DIETRICH, Eselritt.

eseln: schwer arbeiten wie ein Esel.

eskaladieren (Eskalade, frz.: escalader, escalade) bedeutet mittels Sturmleitern ersteigen, also die Ersteigung v. Mauern oder steilen Böschungen. Dieses Gerät war ein wichtiges mittelalterliches Kriegsgerät. Häufig einholmig mit an der Spitze angebrachten Haken war es leicht u. gut zu händeln. So sollten die Sturmkolonnen den Wall der Burg oder Festung auf Sturmleitern ersteigen, versuchen sich dort festzusetzen u. das Tor von innen öffnen, um den Reserven den Weg frei zu machen [WIKIPEDIA].

Espan: Platz in der Flur, der als Viehweide dient.

Essigwasser: Essigwasser, Wasser mit Weinessig versetzt, ein nichtalkokolhische Getränk als „Posca“ bekannt, wurde schon an römische Bürger u. vor allem an Legionäre als „Tischwein“ ausgeschenkt, an die Söldner des DK, wenn der Vorrat nur für Offiziere ausreichte.

estampida: überstürzte Flucht.

Estandarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen.

Estat [franz. état]: Zustand, Stand, Lage.

Estime: Wertschätzung, Hochachtung.

Estland: Nach dem Auseinanderbrechen des Ordensstaates unter den Angriffen Iwans IV. „des Schrecklichen“ (Livländischer Krieg) unterstellte sich Estland 1561 der schwedischen Herrschaft. Der Süden Estlands um Dorpat bildete zusammen mit der Nordosthälfte des heutigen Lettland das Herzogtum – vorher Ordensland – Livland. Es wurde 1561 polnisches Lehen, kam aber im Vertrag v. Altmark 1629 ebenfalls zu Schweden. Livland wurde (als durch die Schweden erobertes Land) anders behandelt als das eigentliche Estland, das sich freiwillig unterworfen hatte. Vor allem war die ständische Vertretung stark eingeschränkt. Die einheimischen Bauern genossen unter der schwedischen Herrschaft weitaus größere Freiheiten als unter der nachfolgenden russischen. 1710 (endgültig 1721 mit dem Frieden von Nystad) wurde Estland unter Peter I. russisch. Die „Drei Kronen“ waren die der Schweden, Goten u. Wenden, als deren Herrscher sich die schwedischen Könige bezeichneten. Auch Dänemark beanspruchte die „Drei Kronen“ als Herrschaftsanspruch über die drei skandinavischen Königreiche (Dänemark, Schweden, Norwegen) seit der Union v. Kalmar (1397) für sich. Zudem führte auch Christina in der Titulatur „Großfürstin von Finnland, Herzogin zu Estland und Karelien, Fräulein über Ingermanland“.

Estomihi: 7. Sonntag vor Ostern.

Estrapade: Dem Opfer wurden die Arme hinter dem Rücken an den Handgelenken zusammengebunden. An den Handgelenken wurde dann das Opfer nach oben gezogen u. aus steigender Höhe fallen gelassen. Die Länge des Seils war so gewählt, dass der Sturz noch vor dem Boden abrupt beendet wurde, was dem Opfer bei steigender Fallhöhe den Schulterbereich zerriss. Dafür errichtete, einem Galgen ähnliche Geräte wurden auch Schnellgalgen oder Wippgalgen genannt [WIKIPEDIA]. „Der Schnêllgalgen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eigentlich, ein Galgen in Gestalt eines Griechischen Γ, welchen man ehedem besonders als eine Strafe für ausgerissene Soldaten gebrauchte, indem man sie mit rückwärts gebundenen Händen daran in die Höhe schnellte, d. i. vermittelst eines Seiles schnell in die Höhe zog, und sie eben so schnell wieder fallen ließ, um ihnen dadurch die Arme zu verrenken; der Wippgalgen. 2) Da diese Strafe nunmehr veraltet ist, so wird in weiterer Bedeutung ein Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu henken pflegt, noch ein Schnellgalgen genannt“ [ADELUNG, Bd. 3, S. 1002]. „Man pflegt auch noch jetzt in weiterer Bedeutung einen Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu hänken pflegt, einen Schnellgalgen zu nennen“ [KRÜNITZ]. Vgl. die Beschreibung einer „Wippe“ bei KREBS, Hans Ulrich Freiherr von Schaffgotsch, S. 147.

et absque salario: u. ohne Gehalt.

et haec merces nostrorum meritorum: u. dies ist der Lohn unserer Verdienste.

et in otio: und in Ruhe.

et quia figulus figulum odit: u. weil ein Töpfer den anderen hasst (nach einem Epigramm v. Tacitus) für: „Eifersucht“.

et tamen: und trotzdem.

Etter: eingezäuntes Feld, Mark, Gemarkung, Bezirk.

Eucharistie: Abendmahl oder Herrenmahl, heilige Kommunion, Altarsakrament, allerheiligstes Sakrament, in einigen Freikirchen Brotbrechen, in den Ostkirchen heilige oder göttliche Liturgie genannt, ist ein Sakrament. Die Liturgie der Eucharistie wird je nach Konfession als eine Wiederholung des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung u. Kreuzigung verstanden, als unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers oder als eine Feier zur Erinnerung an dieses Mahl [WIKIPEDIA].

evanesciret: hingeschwunden, verschwunden.

evitiret: vermieden.

Exaktion: a) Eintreibung, b) Geschoss (allgemeine Vermögensabgabe).

exaggerieren: übertreiben.

exaltieren: sich [künstlich] aufregen, sich in einer dem Anlass unangemessenen, übertriebenen Weise (über etwas, jemanden) erregen, ereifern.

Exauctoration: Abdankung, Entlassung.

Exaudi: 6. Sonntag nach Ostern.

Exception: Ausnahme, Einrede, Einwand, Einwendung.

excepto: dem Vernehmen nach.

Exceßisten: Gewalttäter.

excipieren: einwenden.

ex commiseratione: aus Mitleid.

ex commune aerario: aus der Stadtkasse.

ex composito: nach vorheriger Absprache.

excedieren: überschreiten, über das Maß hinausgehen; herausnehmen, entfernen.

Exekution: (notfalls gewaltsame) Umsetzung v. Bestimmungen u- Auflagen; Zwangsvollstreckung, Zwangseintreibung v. Kontributionen. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war. Der Memminger Arzt Christoph Schorer [2.12.1618 Memmingen-12.2.1671 Memmingen] schreibt in seiner „Chronick“ eine derartige Exekution, SCHORER, Memminger Chronick, S. 146f.: „Was die Soldaten / im Hornung / Merzen vnd April [1637; BW] / vor grewliche Tyranney geübet / die Thor gesperret / den vornembsten Burgern eingefallen / eine grosse Summa gelt zuerpressen / ist vnbeschreiblich. Zu diesem Elend kam noch ein Verbott / vnd Ringerung etlicher Müntzsorten im Römischen Reich / also daß der arme Mann vmb sein gering übrigs Geltlen kein bissen Brodt bekom̃en konnte. O deß grossen Elendts ! über diesen grossen Jam̃er / kam im Mayen Ordinantz / daß die Stadt 1 ½ Regiment vom Piccolominischen Volck verpflegen solle: Darzu man Monatlich 3200. Gulden geben muste. Als man den 10. May durch einen Commissarium mit den Officirern rechnete / war die Stadt gezwungẽ der Officirer Rechnung / welche sie nach ihrem Beliebẽ gemachet / zu vnderschreiben. Den 31. May waren Herrn Burgermeister vnd Geheimbde [Ratsherren; BW] in Arrest / in deme die Officirer viel tausent Gulden begehrten. Den 2. Junii haben die Officirer die vornehmbste Häusser bezogen / vnd sich mit Gewalt eingelegt / Geld zu erpressen / wehrete biß auff den 7. Junii. Man forderte das Gericht und Rath zusamen / vmb Mittel zu sehen Gelt auffzubringen / aber es scheinete vnmöglich / also weil nunmehr die Burgerschafft vmb ihr baares Gelt / Gold /Silbergeschirr vnd Kleinodien gäntzlich gekommen / hat man sich resolvirt / den Soldaten Zin / Kupffer vnd Kleider anzubieten. Darauff gieng den 10. Junii das Exequiren widerum an. War ein kläglicher Tag / konnte kein Burger dem andern helffen / bald hörte man wie die Soldaten da / bald dort eingefallen / vnd Gelt presseten. Den 13. Junii war der Rath widerumb arrestirt / vnd Soldaten in der Burger Häuser geschicket / von manchem 200/300/400 biß in 500 fl. zuerpressen: Da man sich dann mit ihnen vergleichen / oder so lang zu Essen vnd zu Trincken geben müssen. Wie sich dann befunden / dass sie auff die 2049. fl. von den Burgern in ihren Häusern erpresst: auch 160. Kühe vñ 60. Pferdt ihnẽ weg genom̃en / solches auch vnder grossem heulen vnd wehklagen der armen Burger / vnd ihren kleinen Kindern fort biß nach Ochsenhausen getriben / doch hernacher widerumb allher gebracht / vnd auff 30. Stuck an ihrer Forderung in behalten. Als man ihnen nun satisfaction gegeben / an Vieh / Gelt / Geltswerth vnd Obligationen / etlich tausent Gulden betreffent / seyn sie (die vom Beckischen Regiment) den 17. Junii weggezogen / worauff die Stadt widerumb etwas Lufft / vnd die Schlüssel zu den Thoren bekommen. Es befande sich nach ihrem Abzug / als die Rechnungen von Biberach / Ravenspurg / Kauffbeuren / Leutkirch vnd vnserer Stadt zusamen getragen wurden / daß die Beckische [Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec]; BW] Soldaten / diese bemelte Stätt innerhalb 5. Monaten auff die 130000. fl. gekostet“.

Executioner: Beauftragter zur (notfalls gewaltsamen) Umsetzung von Bestimmungen und Auflagen; Zwangsvollstrecker; Eintreiber. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122: „Wie elend es mit Aufbringung dieser Contribu[tion] hergegangen, ist Gott alleine bewust und nicht zu beschreiben, indem die Cassen solchen liederlichen Leuten, die keinen Verstand, kein Gewissen und kein Geschick dazu gehabt, auch nicht verpflichtet gewesen und denen Einwohnern nach Belieben die Soldaten ins Hauss geschicket und solchen Jammer damit angerichtet, dass sie es am jüngsten Tag nicht verantworten können. Und obzwar wohl nach Petrip[auli] alle Soldaten von hier weg waren, so sind doch zur Eintreibung alter Reste etliche [schwedische; BW] Soldaten von Erfurth aus zur Angst und Plage der Armen Leute, denn die Reichen gaben wenig oder gar nichts, hier geblieben, und ob ich schon vor dieses mahl gar nichts schuldig gewesen, bin ich doch nicht ungeschorn geblieben, sondern unschuldiger Weisse geteillet worden“. Teilweise wurden die soldatischen Eintreiber von der drangsalierten Bevölkerung angegriffen; LEHMANN, Kriegschronik, S. 98: „Also gings auch einen Buckauer [Bockau bei Aue; BW] Junggesellen Michael Mathes; der hatte helffen untter die Exequirer schießen, welche von Schwedischen Cornet von Schwartzenberg auß Schneberg Contribution einzuehohlen geschicket worden. Darüber eiferte auch der Cornet und zwang mit Connivenz des Ampt-Mans, damit nicht alles weggebrandt würde, den Richter in der Bucke [Bockau bei Aue; BW], daß er den Mathes einnehmen und schließen laßen, welchen hernach der landtknecht abgehohlt, und den 23. Martii auf befehl des Cornets von stundt an der henckersknecht auf den marckt enthaupten und den kopf vor den thor auf eine stange stecken müßen, ungeachtet von denen Exequirern keiner todt blieben“.

Exekutionsmedia: Vollstreckungsmittel.

Executorialien: Vollstreckungsmaßnahmen. PIERER, Universal-Lexikon Bd. 6, S. 34: „richterlicher Befehl, mittelst dessen dem in einem Proceß Verurtheilten aufgegeben wird, dem ergangenen Urtheil innerhalb einer gesetzten Frist nachzukommen. Nach dem älteren deutschen Reichsproceß mußten solche Executorialien bes. erbeten werden. Durch den jüngsten Reichsabschied von 1654 wurde aber, wenigstens für den Reichskammergerichtsproceß, bestimmt. daß dieselben einem jeden Urtheil in der Weise einverleibt werden sollten, daß sogleich am Schlusse der Sentenz ein Termin zur Befolgung des Urtheils u. zur Beibringung der Bescheinigung über diese Befolgung angefügt würde. Verstrich dieser Termin erfolglos, so hatte der Verurtheilte dann um ein Mandatum de exequendo zu bitten“.

exempli gratia: zum Beispiel.

exempt, exemt: ausgenommen, befreit. Exemtion bedeutet jede Befreiung v. ordentlicher Gerichtsbarkeit u. Zuerkennung eines besonderen Gerichtsstandes, auch die Befreiung vom Dienst im Ausschuss. Das Exemtionsrecht stand nur dem legitimen Landesherren zu.

Exempt: ranghöchster Unteroffizier eines Regiments, vor allem bei der Garde-Kavallerie, seltener bei der Garde-Infanterie (nie aber bei der Artillerie). Der Exempt tat auf Kompanieebene Dienst als Offiziersstellvertreter u. nahm spätestens seit dem 17. Jahrhundert eine Zwitterstellung zwischen Unteroffizier u. Offizier ein. Anfangs waren Exempten oft die einzigen Unteroffiziere ihrer Truppenteile u. damit direkte Vorgesetzte der Mannschaften. Ihre Aufgaben glichen damit zunächst jenen der Sergeanten oder Korporale anderer Korps. Mit Entstehung einer festgefügten Unteroffiziershierarchie im 17. U. frühen 18. Jahrhundert rückten sie an die Spitze des Unteroffizierskorps. Von den Dienstverpflichtungen der übrigen Unteroffiziere, wie Exerzierausbildung oder Quartiersaufsicht, waren Exempten seitdem befreit. Stattdessen taten sie meist Dienst als Offizier der Wache. In Adelsgarden hatten Exempten zusätzlich meist den Rang eines Hauptmanns bzw. Rittmeisters inne [nach WIKIPEDIA].

Exemtion: 1. jede Befreiung von ordentlicher Gerichtsbarkeit u. Zuerkennung eines besonderen Gerichtsstandes, auch die Befreiung vom Dienst im Ausschuss. Das Exemtionsrecht stand nur dem legitimen Landesherren zu. 2. Befreiung v. Kriegslasten.

exenterieren: die Eingeweide herausnehmen.

Exequien: Beerdigung, Begräbnis, Totenmesse, Trauerfeier.

Exequierer: Soldaten mit besonderem Auftrag zur Drangsalierung der Bevölkerung, die in Häuser gelegt wurden, um Leistungen aller Art zu erpressen. Der Memminger Arzt Christoph Schorer [2.12.1618 Memmingen-12.2.1671 Memmingen] schreibt in seiner „Chronick“ eine derartige Exekution, SCHORER, Memminger Chronick, S. 146f.: „Was die Soldaten / im Hornung / Merzen vnd April [1637; BW] / vor grewliche Tyranney geübet / die Thor gesperret / den vornembsten Burgern eingefallen / eine grosse Summa gelt zuerpressen / ist vnbeschreiblich. Zu diesem Elend kam noch ein Verbott / vnd Ringerung etlicher Müntzsorten im Römischen Reich / also daß der arme Mann vmb sein gering übrigs Geltlen kein bissen Brodt bekom̃en konnte. O deß grossen Elendts ! über diesen grossen Jam̃er / kam im Mayen Ordinantz / daß die Stadt 1 ½ Regiment vom Piccolominischen Volck verpflegen solle: Darzu man Monatlich 3200. Gulden geben muste. Als man den 10. May durch einen Commissarium mit den Officirern rechnete / war die Stadt gezwungẽ der Officirer Rechnung / welche sie nach ihrem Beliebẽ gemachet / zu vnderschreiben. Den 31. May waren Herrn Burgermeister vnd Geheimbde [Ratsherren; BW] in Arrest / in deme die Officirer viel tausent Gulden begehrten. Den 2. Junii haben die Officirer die vornehmbste Häusser bezogen / vnd sich mit Gewalt eingelegt / Geld zu erpressen / wehrete biß auff den 7. Junii. Man forderte das Gericht und Rath zusamen / vmb Mittel zu sehen Gelt auffzubringen / aber es scheinete vnmöglich / also weil nunmehr die Burgerschafft vmb ihr baares Gelt / Gold /Silbergeschirr vnd Kleinodien gäntzlich gekommen / hat man sich resolvirt / den Soldaten Zin / Kupffer vnd Kleider anzubieten. Darauff gieng den 10. Junii das Exequiren widerum an. War ein kläglicher Tag / konnte kein Burger dem andern helffen / bald hörte man wie die Soldaten da / bald dort eingefallen / vnd Gelt presseten. Den 13. Junii war der Rath widerumb arrestirt / vnd Soldaten in der Burger Häuser geschicket / von manchem 200/300/400 biß in 500 fl. zuerpressen: Da man sich dann mit ihnen vergleichen / oder so lang zu Essen vnd zu Trincken geben müssen. Wie sich dann befunden / dass sie auff die 2049. fl. von den Burgern in ihren Häusern erpresst: auch 160. Kühe vñ 60. Pferdt ihnẽ weg genom̃en / solches auch vnder grossem heulen vnd wehklagen der armen Burger / vnd ihren kleinen Kindern fort biß nach Ochsenhausen getriben / doch hernacher widerumb allher gebracht / vnd auff 30. Stuck an ihrer Forderung in behalten. Als man ihnen nun satisfaction gegeben / an Vieh / Gelt / Geltswerth vnd Obligationen / etlich tausent Gulden betreffent / seyn sie (die vom Beckischen Regiment) den 17. Junii weggezogen / worauff die Stadt widerumb etwas Lufft / vnd die Schlüssel zu den Thoren bekommen. Es befande sich nach ihrem Abzug / als die Rechnungen von Biberach / Ravenspurg / Kauffbeuren / Leutkirch vnd vnserer Stadt zusamen getragen wurden / daß die Beckische [Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec]; BW] Soldaten / diese bemelte Stätt innerhalb 5. Monaten auff die 130000. fl. gekostet“.

exequieren: Eintreiben von Geldern und Nahrungsmitteln; wegen einer Sache gegen jemanden vorgehen, (Bestimmungen) durch-setzen, (zwangs)vollstrecken; ahnden, verfolgen. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war.

ex hoc casu facillime apparet: dies ist leicht aus dem Fall zu ersehen.

eximiert: ausgenommen, befreit.

ex jure belli: auf Grund des Kriegsrechts.

ex lege diffamari: wegen Verleumdung.

ex oppositio: gegenüber, auf der Gegenseite.

ex ora eius: aus seinem eigenen Mund.

Exorbitantien: Exorbitantien: Verstöße, Verfehlungen, Ausschreitungen. Graf Georg Friedrich v. Hohenlohe-Weikersheim versah den Begriff mit folgender erläuternder Auflistung; KLEINEHAGENBROCK, Hohenlohe, S. 117: „eigenwillige[ ] Einquartierung, Geltexactionen [Geldforderungen], Pressuren, Abnehmung des noch übrigen Vorraths an Vivers [Lebensmittel], Entführung der Pferdt und Viehß, Verohnsicherung der Straßen, Raub, Plünderung, Mord, Quehlung der armen Laith und andern dergleichen ohnleidentlichen Insolentien“. Stadtarchiv Nördlingen Kriegsakten 1634/II, fol. 186: „Ordnung. Wie es mit der Verpflegung / deren Soldaten zu Roß vnd Fuß / Welche im heyligen Röm: Reich in den Quartiren vnd Quarnisonen in Ihrer Kays: Majest: dienst sich befinden / observirt vnd gehalten werden solle“, ausgestellt v. Gallas, Heilbronn, 1634 X 04. Wider dise verordnete verpflegung sollen die Stände vnd deren Vnderthanen / weder von den Obristen / noch deren vnderhabende Officirern oder Soldaten zu Roß vnd Fuß / durch gewalt oder sonsten auff einigerley weiß noch wege getriben vnd beschwert werden. Da auch dergleichen durch Officirer oder gemeine Soldaten beschehen / oder durch betrohung vnnd würckliche thätlichkeiten gesucht werden wolte: So ist ihnen Ständten vnd deren Vnderthanen hiemit erlaubt / wie nicht wenigers auch die straiffenden partheyen / so in: oder ausserhalb der Quartier vnd auff den strassen rauben / plündern / vnd andere Exorbitantien verüben / so gut sie können vnd mögen / in verhafft zu nemmen / vnd ein solches gehöriger orten zu berichten / damit wegen deren abstraff vnd aller vngelegenheiten verhütung die verfügung gethan werden mögen. Desgleichen wurde das Ausreiten mit Ober- u. Untergewehr aus den Quartieren oder das Einfallen in andere Quartiere mit Strafen an Leib u. Leben bedroht. Über Tillys Soldaten wird im Frühjahr 1626 in der Goldenen Aue berichtet: Seine Truppen „sind anfänglich gar fromm gewesen und haben sich bedeuten lassen, dann aber schlimmer und ärger geworden, haben endlich kein gut Wort mehr gegeben, sich selber Quartier genommen, alles aufgezehret, Kisten und Kasten aufgebrochen und aus Häusern, Kirchen, Böden, Kammern und Ställen alles geraubt und mitgenommen“. HILLER,  Heringen, S. 127. Vgl. auch ZEITFUCHS, Stolberg, S. 271f., über die Truppen Bindtaufs 1626: „Doch war hiebey keine Ordre, was man denen Soldaten oder Officiern geben sollte / sondern ein jeder forderte alles mit der Schwere nach eignen Gefallen. Was für Müh / Unlust und Beschwerligkeit / ja auch Hunger / die Bürger wegen dieser Einquartirung ausgestanden / ist nicht genug zu beschreiben. Denn etliche wöchentlich zu 10. 15. ja auch zu 25. Thalern und wohl darüber geben müssen / daß es manchem Bürger die Zeit / da sie hier gelegen / 100. 200. 300. ja wohl 500. Gülden gekostet; wie es denn auch nach Abzug derselben der Stadtschreiber Schüßler aus der Roll zu Rathhause insgesamt überschlagen / da diese Einqvartirung weit über 30000. Gülden gestanden. Ja da sie nur einer Witbe 486. Gülden 9. Gr. 5. Pf. gekostet / so ist leicht daraus abzunehmen / was der gesamten Bürgerschafft auffgangen sey. Welche denn so wohl als das Rathhaus gäntzlich erschöpfet / daß mancher Bürger von Hauß und Hof gejaget worden / auch musten etliche wie die Hunde von den Soldaten sich schlagen und prügeln lassen. Und weil sonderlich auch Pest und eine grosse Theurung anfiel / daß ein Scheffel Rocken 2. Thaler / 1. Scheffel Gersten 2. Gülden oder 2. Thaler und der Hafer 16. Groschen galt / war bey manchem Bürger nichts mehr übrig / als das liebe Leben. Ja da fast gantz und gar nichts mehr zum besten / wurde E. E. Rath gezwungen / etliche Haupt-Verschreibungen ihres Einkommens zu versetzen / und zu Sangerhausen und anderswo etzliche 100. Gülden darauff zu borgen / dafür sie Wein / Rocken und Hafer kauffen musten / damit biß zum Aufbruch die Soldateska zu unterhalten / welcher / nachdem sie 22. Wochen hier gelegen / den 13. Julij erst erfolget. In solcher Zeit wurde nun nicht allein alles / was in der Stadt war / aufgezehret / sondern es kam auch noch dieses hinzu / daß / weil die Reuter mit den Pferden fast alle Grasung vor den Thoren abgehütet hatten / die Bürger das meiste Vieh abstehen musten / welches so wohlfeil ward / daß man eine Kuhe um 4. Güld. kauffen konnte / dadurch dann die Bürger vollends um das ihrige kom̃en sind“. Im März 1634 schrieb Reichskanzler Oxenstierna: „Der General könne nur dann ehrlich leben, wenn er sein angewiesenes bestimmtes Quartier habe, woraus er das Nötige beziehe. Die Generale seyen dazu meist homines von der Fortune, die ihren Staat anders nicht führen könnten, auch weder Land noch Leute hätten, und wenn sie es schon besässen, so sey ihnen nicht zuzumuthen, davon zu leben und dabei zu dienen, sie müssten dann selnst mit Desordre leben. Der General könne also den Obersten oder Soldaten, wenn er auch auf diese Weise lebe, nicht strafen: der Oberst müsse also entweder betteln oder die Quartiere mißbrauchen. Es seyen Leute, die nicht allein amore patriae et libertatis dienten, sondern etwas zu gewinnen. Der gemeine Reiter könne nicht leben von seiner Gage; gleichwohl habe kein Regiment nach des Königs Tod ‚meutenirt’. Die Noth zwinge sie zum Rauben; dieß missbrauchten also die leichtfertigen Vögel. Man müsse also den Soldaten bezahlen, dann werde das Andere selbst fallen. Wolle man alle Exorbitantien gleich mit Henken strafen, so sey es schwer, die Hände mit solchem Blut zu besudeln, da der Soldat nicht zu leben habe. Erfolge die Bezahlung – sagte Oxenstierna und er statuiere dann bei den Exorbitantien doch kein Exempel, so solle man von ihm sagen, er habe gelogen wie ein leichtfertiger Vogel !“. SODEN, Gustav Adolph 2. Bd., S. 91.

exorbitieren: übertreten.

Expedientz [frz. expédient]: Ausweg, Notbehelf.

experiren: versuchen.

expiratio: Trinkgeld für ausgestandene Todesangst.

explizieren: auseinandersetzen, entwickeln, erklären, erläutern, interpretieren, klarlegen, präzisieren, veranschaulichen, verdeutlichen, verständlich machen.

Explorant: Kundschafter.

expostulieren: zur Rede stellen, sich beschweren, fordern.

expracticieren: ausführen, stattfinden.

expracticirt: erschlichen.

expractisirte Dissension: vorgegebene, vorgetäuschte Meinungsverschiedenheit.

expresse promittiert: ausdrücklich versprochen.

exprobieren: Vorwürfe machen, vorwerfen, vorhalten, tadeln.

extentieren (extendieren): (den Leichnam) öffnen.

Extentierung: Leichenöffnung, Herausnahme der Organe.

extolliren: preisen, rühmen.

extorquieren: abnötigen, gewaltsam entziehen, erpressen.

Extorsion: Erpressung.

extra professionem: außerhalb des Berufs.

extrema unctio: letzte Ölung, heute Krankensalbung genannt.

extremis conatis: mit außerordentlichen Wagnissen.

Extremität: äußerstes Ende.

Extremiteten: äußerst scharfe Verfolgungen.

exturbiren: vertreiben, gewaltsam hinausjagen.

Exzess: Ausschreitung, Ausschweifung, Händel, im Übermaß.

Eyerfladen: (feine) Pfannkuchen bzw. Blinzen bzw. Eyerflecke. NEUDECKER, Die Baierische Köchin in Böhmen, S. 509. Freundl. Hinweis v. Herrn Wolfgang Klughardt.

Veröffentlicht unter Begriffsregister | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Begriffe E

Begriffe W

Wachtfrey: vom Wachtdienst befreit.

Wachtgeld, Wachgeld: ADELUNG, 4. Bd., Sp. 1320: „Das Wáchgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1. Geld, welches man dem bezahlet, der die Nacht bey jemanden wachet. 2. Geld, welches jemand demjenigen bezahlet, der die Wache für ihn verrichtet; da es denn in manchen Städten eine Abgabe ist, welche die Bürger zur Unterhaltung der Lohnwächter oder Stadtsoldaten geben“.

Wachtmeister [schwed. Sergeant]: Unteroffiziersdienstgrad. Der Wachtmeister war zuständig für die Sicherheit des Lagers u. der Truppen sowie für die Einteilung, Aufstellung, Beaufsichtigung der Wachen u. Ausgabe der Losung. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen u. 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Mit der Einrichtung stehender Heere wurde die Bezeichnung „Wachtmeister“ synonym für Feldwebel verwendet. Ein Wachtmeister der Reiterei erhielt in der brandenburgischen Armee monatlich 40 fl.

Wachtmeister: Bezeichnung für einen zur Wache abgeordneten Bürger.

Wachtmeisterleutnant: Er entsprach dem späteren Feldwebelleutnant u. war der unterste Offiziersdienstgrad. Der Wachtmeisterleutnant fungierte als Adjutant in militärischen Einheiten, Festungen u. größeren Städten.

wacken: DWb 27. Bd., Sp. 204: „fluszkiesel, frei daliegender stein, felsblock, basalt“.

wadeln: hin- und hergehen, schwankend gehen.

Waffen, geächtete: : Gewehre mit gezogenen Läufen, die eine bessere Treffsicherheit aufwiesen, durften nach allgemeinem Kriegsbrauch nicht eingesetzt werden. Nach dem „Kriegsbüchlein“von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon):„wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. => vergiftete Waffen.

Waffenplatz: a) Platz, wo Truppen bewaffnet zusammen kommen, zu Paraden, Waffenübungen, zur Aufstellung vor der schlacht; b) in einer Festung ein Platz, der zur Truppenaufstellung freigelassen wird, Esplanade, zwischen der Zitadelle u. der eigentlichen Stadt, c) in den Bastionen die freien Plätze, die im gedeckten Weg bei den ausspringenden u. eingehenden Winkeln entstehen u. zur Aufstellung v. Truppen verwendet werden; d) die Gewölbe am Eingang der Minengänge, in denen Soldaten postiert sind, um die Arbeitenden gegen Angriffe zu schützen; e) befestigter Ort, wo Waffen u. andere kriegsvorräte angesammelt werden u. der als Stützpunkt für ein Heer dienen kann; f) Platz zur Waffenübung [nach DWb].

Waffenstillstand v. Kötzschenbroda am 6.9.1645 zwischen Schweden und Kursachsen: Kurz vor Ablauf der Waffenstillstandsdauer v. sechs Monaten (am 31. März 1646) wurde, nach längeren Verhandlungen in Eilenburg, der Waffenstillstand bis zu einem allgemeinen Waffenstillstands- oder Friedensvertrag verlängert. Die Kontributionen wurden auf 8.000 Reichstaler reduziert. Mit dem Waffenstillstand v, Kötzschenbroda schied Kursachsen aus dem Krieg aus.

Wagemeister: a) Wagemeister: der Vorgesetzte einer öffentlichen Wage. b) DWb Bd. 27, Sp. 378, 45: „bei den hammerwerken ist der wagemeister ein verpflichteter beamter, der die erze verwiegt und ihre verwendung überwacht“ […] „auf den zinnhütten ein bergbedienter, welcher das geschmelzte zinn wieget und verwahret“.

Wagenburg: zu einer Defensivformation aufgefahrene Wagen eines Wagenparks oder Konvois.

Wagenmeister: Aufseher über die Trosswagen des Heeres (auch über Fracht- und Reisewagen, Post- und Jagdwagen sowie den Kutschenstall bei Hof). In einem kaiserlichen Reiterregiment erhielt er 30 fl. monatlich.

Wagsauterturm: nordöstliche Spitze der im 16. Jh. erweiterten Stadtbefestigung Überlingens.

Wahlstid: Walstatt, Schlachtfeld, die ursprüngliche Bedeutung ist ‚von Leichen bedecktes Schlachtfeld‘ oder überhaupt ‚Ort, wo gekämpft worden ist‘.

Waidfarb: der aus den Blättern der Waid-Pflanze gewonnenen Farbstoff. Der Raum zwischen Erfurt, Langensalza, Gotha, Arnstadt und Weimar war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert ein bevorzugtes Anbaugebiet aufgrund der besonderen Färbekraft des dortigen Waids und der Anbindung des Thüringer Beckens an die wichtigen Fernhandelsstraßen in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung. Der Niedergang des Waidhandels Anfang des 17. Jahrhunderts war bedingt durch die wachsende Konkurrenz des in Übersee produzierten Indigo und die Beeinträchtigung des Fernhandels durch den Dreißigjährigen Krieg.

Walachen: Der Begriff „Walachen“ als Fremdbezeichnung für die Bewohner der Walachei kommt ursprünglich aus dem Germanischen u. wurde durch südslawische u. dann teilweise lateinische u. griechische Vermittlung in verschiedenen Gebieten zur Bezeichnung vor allem romanisierter oder romanischer Volksgruppen verwendet [nach WIKIPEDIA]. Sie galten nach Auffassung der kaiserlichen Armeeführung allerdings als nicht besonders zuverlässig. THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd. (1642), S. 875: „Von der Käiserl. Croaten und Wallachen mehr als Barbarischen Proceduren in Schlesien mit Manns- und Weibs-Personen schriebe ein guter Freund / daß man Ehren halben es nicht alles melden dörffte / und dannoch dergleichen erschröckliche unchristliche Excessus nicht bestraffet würden / darum die arme Leut auß Desperation zum theil in die Oder geloffen / und sich selbsten ersäufften; ein sehr tribulirter Mann sey darum in die Oder gesprungen / habe unwissend einen Pfal angetroffen / und sich selbsten gespisset / den Schwangeren würden die Frücht auß den Leib geschnitten / die andern mit Gewalt geschändet / etliche entführet; darwider aber geschehe kein Einsehen“. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 5. Bd., S. 104 (Juli 1643): „Kurtz nach Eingang dieses Monats / Julii) stunde der Obriste Wrangel mit 3000. Pferdten ein gute Zeit für der Wienerischen Brücken / zu welchen etlich hundert Wallachen übergefallen. Diese (Wallachen) führeten in ihren Fahnen nachfolgende Wort: PRO VERBO DEI, ET PATRIA, SUSCIPIMUS HÆC OMNIA: Das ist: für Gottes Wort / vnd vnser Vaterland / fangen wir dieses alles an. Vnd ob man ihnen zwar den Käyserlichen Pardon vnterschiedlich angebotten / haben sie sich doch von den Schwedischen nicht separiren wollen“. Die in gegnerischen Diensten stehenden Walachen wurden unbarmherzig verfolgt, wie etwa durch den kaiserlichen Obristen Alessandro Freiherr (Graf) v. [del] Borri (1643); CHEMNITZ, Königlich Schwedischen in Teutschland geführten Krieges 4. Teil, 3. Buch, S. 39f.: „Die Wallachen thaten mit zufuhr von Saltz vnd allerhand lebensmitteln den Schwedischen[S. 40] dieses orts sehr nützliche dienste: Wiewol der General Borry, wan Er derer mächtig worden, ja köpffen, hencken, radbrechen und viertheilen ihrer nicht geschonet“. Am 4.4.1643 schrieb Borri aus Prossnitz an Gallas; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1443, S. 471: Der kaiserliche Kriegsrat habe ihm versichert, er werde in Olmütz an die 600 Mann u. in der Umgebung der Stadt an die 300 Mann der gegnerischen Truppe finden. Nach seiner Ankunft musste er feststellen, dass die schwedische Truppe mehr als doppelt so stark war. Die eigenen Soldaten desertierten während der Truppenverschiebungen, ein Kroatenregiment sei spurlos verschwunden. Die Hälfte der Reiter sei krank, Kavallerie, Dragoner u. Artillerie ohne Kommando; die Offiziere seien samt den Dienern davon gelaufen. Die Wallachen wollten keinen Kriegsdienst versehen, sondern nur rauben, plündern u. brandschatzen.

Walachei: historische Landschaft im Süden des heutigen Rumänien. Die Walachei, als historische Landschaft, setzt sich aus der Kleinen Walachei (Oltenia) im Westen u. der Großen Walachei (Muntenia) im Osten zusammen. Zu Beginn des 15. und Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich schrittweise die osmanische Oberhoheit durch, deren definitive Ausgestaltung um die Mitte des 16. Jahrhunderts stattfand u. in der Phanariotenzeit Anfang des 18. Jahrhunderts kulminierte [nach WIKIPEDIA].

walcke: Kampf, Gefecht; übertragen auch Prügel.

Wälckener: Walker: der Tuche, Felle, Hüte u. s. w. walkt, dem Walker fiel es auch zu, die Tuche und Kleider zu reinigen und zu waschen. Ferner befasste er sich auch mit dem Färben der Tuche.

Waldochse: „der wilde ochse, namentlich der im 17. jahrh. ausgestorbene ur, auerochse“ [DWB].

Waldstädte: Säckingen, Rheinfelden, Laufenburg und Waldshut waren die vier vorderösterreichischen Waldtstädte in der Landgrafschaft Breisgau. Friedrich Markgraf von Baden hatte sie zusammen mit Rheingraf Otto Ludwig im Juni 1633 eingenommen. WEECH, Badische Geschichte, S. 343.

Waldvogt, Waldfaut: DWb Bd. 27, Sp. 1207: „vom oberherrn eingesetzter forstverwalter, auch amtmann in waldbezirken“.

Walfisch: Der Walfisch ist eine unbewohnte deutsche Insel, die in der zur Ostsee gehörenden Wismarbucht liegt. Sie liegt zwischen der Stadt Wismar (etwa 4,5 km nördl.) u. der Insel Poel. Im Jahr 1627 fand der Name Walfisch erstmals Erwähnung. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die Insel v. Wallensteins Truppen der Stadt entzogen u. durch den Bau einer Bastion zur Festung ausgebaut. Die Überreste dieser Schanze liegen heute im Wasser. Deutlich sind eine rechteckige u. eine sternförmige Pfahlsetzung zu erkennen. Die Eichenpfähle aus dem Stern konnten auf das Jahr 1644 datiert u. damit einer späteren schwedischen Ausbauphase zugeordnet werden. Im Jahr 1632 ergab sich die Festung den Schweden, woraufhin sich auch Wismar geschlagen gab. Nach der Besetzung Wismars im Dreißigjährigen Krieg begannen die Schweden auf der Insel die Festung Walfisch auszubauen. Sie diente der Sicherung der Hafenzufahrt der frisch erworbenen Besitzung Wismar [nach WIKIPEDIA].

Walker: Tuchwalker, er hatte auch die Tuche u. Kleider zu reinigen u. zu waschen.

Walkmühle oder Vollmühle (auch: Walke, Dickmühle, Filzmühle, Lochwalke oder Bläue): „eine seit dem Hochmittelalter eingesetzte Maschine zur Verarbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben bei der Herstellung von Walkstoffen, die früher als Tuch bezeichnet wurden. Sie ersetzte das Walken mit den Füßen, mit dem frisch gewebte Tücher durch Stoßen, Strecken und Pressen gereinigt und an der Oberfläche verfilzt wurden, damit sie dichter und geschmeidiger wurden. Walkmühlen, die es in Europa schon im 12. Jahrhundert, vereinzelt auch früher gab, führten oft zu sozialen Problemen, weil eine Walkmühle bis zu 40 Fußwalker ersetzen konnte. Sie wurden deshalb, aber auch weil fußgewalkte Stoffe von besserer Qualität waren, teilweise verboten“ [Wikipedia].

Wallbüchsen: reine Festungswaffen, die Ladungen v. 8 Lot Blei verschossen. Diese Wallbüchsen waren ca. 1,25 m lang u. konnten v. einem Mann allein noch v. einer Wehr zur anderen getragen werden, um sie an einem Schussloch oder Bock abschießen zu können.

Wallonen, Wallen: Französischsprachige Bevölkerung in den Niederlanden (Artois, Hennegau, Namur, Luxemburg, Limburg, Teile Flanderns u. Brabants), z. T. im Fürstbistum Lüttich. Die Regimenter mit hohem Anteil an Wallonen (z. B. das Regiment Johanns II. v. Mérode) waren bei Freund u. Feind wegen ihrer Erbarmungslosigkeit seit Anfang des Krieges allgemein gefürchtet. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 459 (1619): „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, daß man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. Bereits 1620 hieß es im eigenen kaiserlichen Lager; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 338: „Vnsere Wallonen haussen vber die massen vbel / also daß schier niemand auff den strassen sicher / gilt Jhnen alles gleich / nehmen den Freunden mehr als dem Feind“. Zur Einschätzung bei den eigenen Verbündeten (10.1.1632): Man „weiß wohl, wie die Wallonen beschaffen, nur auf Plackherey und rauberey, doch zum fechten seyn sy wenig nuz, es heißt wol dem gemeinen Sprichwort nach: vill geschrey und wenig wohl. Thuet doch den armen undertanen wol soviel plagen als ein ganzes volles Regiment“. HELML, Oberpfalz, S. 121. Nach Ansicht des Grafen Albig v. Sulz sei bei ihnen „gantz kein Rgt. zu halten“. HELML, Oberpfalz, S. 87; ENGELBERT, Wallonen. Vgl. auch MITHOFF, Chronik von Rodenberg, S. 235ff. (1629). BECKMANN, Historie 3. Teil, S. 297 (Zerbst 1626): „Den 1. Aug. sein bei 370. Wallonen / mehrentheils ungesundes und dabei boßhaftiges Volck herein gebracht / und im Frauen-Viertel einquartieret worden / wodurch die Stat / welche ohne deß wegen Menge des hereingeflüchteten Volcks voller Kranckheiten gewesen / vollends inficiret worden / so daß manchen Tag 10. biß 12. Personen begraben müssen werden. Gedachte Wallonen aber sein / nachdem sie über 10. Wochen hier gelegen / und viele gute Leute gantz ausgezehret / den 14. Octobr. wiederumb weg machiret“. Vgl. auch das harte Vorgehen Hatzfelds 1637 gegen kaiserliche Marodeure, die hauptsächlich aus Wallonen u. Franzosen bestanden; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 791. => „Merode-Brüder“.

Walkmühle: Mühlwerk, in dem Hämmer auf die zu walkenden Stoffe wie Tuche, Leder niederfallen, um diese zu reinigen und zusammenzufilzen.

Wallschild (Ravelin): im Festungswesen ein eigenständiges Werk, dessen Aufgabe es ist, die Kurtine, also den Wall zwischen zwei Bastionen, zu schützen – daher sein deutscher Name Wallschild – u. gleichzeitig deren Facen zu flankieren [WIKIPEDIA].

Wallschütze: Wallschützen waren Schützen, die den sogenannten Wallgang besetzten, der bei Befestigungen hinter den Geschützbänken am Wall entlang führte. Sie bedienten reine Festungswaffen, die Wallbüchsen, die Ladungen v. 8 Lot Blei verschossen. Diese waren ca. 1,25 m lang u. konnten vo.einem Mann allein noch v. einer Wehr zur anderen getragen werden, um sie an einem Schussloch oder Bock abschießen zu können.

wälsche Sünde, wälsche Hochzeit: Homosexualität.

Walstatt, „Wahlstitte“: Schlachtfeld, Kampfplatz, ursprünglich mhd. „Leichenfeld“, „v. Leichen bedecktes Schlachtfeld“ oder überhaupt „Ort, wo gekämpft worden ist“; DWb 27. Bd., Sp. 1360, 62. RUDERT, Kämpfe, S. 74: „Eine zeitgenössische Flugschrift schildert das Elend des Schlachtfeldes mit der krassen Wirklichkeitsmalerei eines Callot: ‚Ich bin heute auff der Wahlstadt / da die Schlacht geschehen / gewesen / es liegt noch alles voll todten Cörper vnd beschedigte / so noch leben / aber auch ausgezogen / darunder schöne vnd sonder zweiffel Adeliche Personen / deren nicht ersterben können / zu befinden / die vornemsten von den vnserigen vnd von den Schwedischen / seind auffgehoben vnd begraben worden / theils sollen nach Leipzig geführet / vnd allda begraben werden / die Kayserlichen aber lassen die jhrigen liegen / wo sie geblieben / fürnehme vnd gemeine‘. – ‚Die Todten liegen von Leipzig an biß auf die Hohe Leine / seynd noch viel lebendige vnter den Todten / denen Hände vnd Füsse abgeschossen seyn / bitten vmb das Jüngste Gericht man soll sie nur todt schiessen / daß sie jhrer Marter loß kommen / wollen sie sich laben / müssen sie Christen Blut trincken‘ “. Der Reichspfennigmeister u. Oberkommissär Hans Adolf v. Wolfstirn am 12.9.1634 an den Rat der Stadt Nördlingen über das Schlachtfeld; SPONSEL, Die Schlacht, S. 206f.: „es sei alles [ … ] dermaßen erfüllet, daß es den fürraißenden ganz erschröckhlich, den angrenzenden in der nähe wohnenden aber wegen jetzigen von tag zu tag zuenehmenden großen Unleidenlichen gestanckhs und besorgender inficirungen des [sic !] lufts nicht länger zuerdulden, noch zu ertragen“ sei.

waltfischer: Srauchdieb, der im Wald auf Beute lauert.

Wams, Wammes: ursprünglich das unter dem Panzerhemd getragene gesteppte Untergewand; seit dem 15. Jahrhundert allgemein unter dem Überrock (Schecke) getragen, entwickelte sich dann selbst zum Obergewand (Landsknechttracht).

Wandel: Verkehr, Gang, Lebensführung,

Wanderung: Stockwerk.

Wandmacher: Weber.

wantrouwen: argwöhnen.

Wanzenkraut: „ist ein zartes Gewächs, das Trauben-förmig blühet, und Saamen trägt, der Geruch ist sehr stark, doch nicht so gar unangenehm, daß man ihn mit dem Wanzengeruch vergleichen, oder gar viroß nennen sollte, es ware das Gewächs vor wenigen Jahren sehr berühmt unter dem Namen Römischer, oder Schlesischer Thee, und man hat es daher häufig in Gärten gepflanzt. Man verordnete es hauptsächlich in Theen und Getränken, und hielte es vor eine besondere Brustarzney, wider Keichen, heftige Husten, Schwindsuchten, und andere Brust-Zustände, man sahe es überhaupt wegen seiner gelinden Schärfe, und durchdringenden Geruch vor eine sehr eröfnende, verdünnernde, zertheilende, gelind erwärmende, und Nervenstärkende Arzney an, und brauchte es daher wider die Verstopfung des Monatlichen, Bauchweh, Grimmen, Podagra, und alle Glieder-Zustände. Man hat es meistens getrocknet in denen Apotheken; es behaupten aber einige, daß es also leichtlich wegen seines allzu starken Geruchs berausche“. EBERHARD, Onomatologia medica completa […]. 1. Bd., S. 229.

Warden: Weidenpflanzung zur Sicherung gegen das Wasser in Deichgegenden.

warmes Bad: heißes Gefecht, Blutbad.

warschouven: warnen.

Warte: Teil der äußeren Verteidigungsanlagen (Landwehr) einer Festung oder Stadt. Meist befestigter Turm weit vor der eigentlichen Befestigung, um Feinde rechtzeitig ausmachen u. durch Signale die Bevölkerung früher warnen zu können.

Wartegeld: Ordentliche Wochentliche Post-Zeitungen 1631 Num. XI. Anno 1631, http://brema.suub.uni-bremen.de/zeitungen17/periodical/pageview/953644: Danach ließ der Kurfürst von Brandenburg auch an einfache Soldaten außer 2 Rt. Werbegeld auch 1 Rt. Wartegeld bezahlen, um sie im Fall des Falles in seine Leibkompanie aufzunehmen. Vgl. auch KAISER, Michael, Söldner im stand-by-Modus ?, unter: http://dkblog.hypotheses.org/508. Wartegeld wurde auch von der Schwedischen Krone an verdiente Offiziere beim Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bezahlt, ab dem Obristen aufwärts 1000 Rt. jährlich, mit der Verpflichtung, nicht gegen die Krone zu dienen.

Warthügel: Hügel, der eine hohe Warte, einen Beobachtungs- oder Aussichtspunkt bildet, um Truppenannäherungen schnell feststellen zu können, als Teil eines Frühwarnsystems.

warwulff: abschätzig für einen gefräßigen, gierigen Menschen.

waschen: schwätzen = v. Wäscher; DWb Bd. 27, Sp. 2246: „in der bedeutung ruht das hauptgewicht auf dem vielen reden, dem sinn und verstand fehlt; wäscher ist ein unwissender, unbesonnener oder auch frecher mensch, [27, 2247] der von dingen zu reden pflegt, die er nicht versteht“.

Wäscherung: Geschwätz; von Wäscher; DWb 27, Sp. 2246: „in der bedeutung ruht das hauptgewicht auf dem vielen reden, dem sinn und verstand fehlt; wäscher ist ein unwissender, unbesonnener oder auch frecher mensch, [27, 2247] der von dingen zu reden pflegt, die er nicht versteht“.

Waschpfennig: Taufgeschenk.

ins Wasser ducken: heute bekannt als das sogenannte „waterboarding“, eine Methode des simulierten Ertränkens, früher, um das Geständnis versteckter Wertsachen zu erpressen. LEHMANN, Leben und Sterben, S. 248 (nach den Aufzeichnungen des Trusener Pfarrers Lucas).

Wassergraf: ein vereidigter Müller mit Aufsicht über die Mühlen u. der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Untertanen, die nach dem Mühlenzwang die Mühlen benutzen mussten, nicht benachteiligt wurden.

Wasserkunst: System zur Förderung, Hebung u. Führung v. Wasser, meist hergestellt oder überwacht v. einem Kunstmeister. Zunächst bezeichnete der Begriff Wasserkunst nur die Einheit aus Pumpwerk u. Wasserbehälter, später wurde der Begriff auch für die Gesamtanlage des Röhrensystems verwendet. Die ersten Wasserkünste wurden aus Holz erbaut, später aus Stein. Sie bestanden aus einem Pumpwerk u. dem antreibenden Wasserrad sowie aus einem Hochbehälter, in dem das Wasser gespeichert wurde. Durch ein Röhrensystem, meistens in Form ausgehöhlter Baumstämme – den Deicheln –, wurde das Wasser an die Verbrauchsorte (Wasserbütten, Steintröge) geleitet, um eine Wasserversorgung der höher gelegenen Wohnhäuser zu gewährleisten [WIKIPEDIA].

Wasserrunze: Wassergraben.

Wassersarg: Waschbecken.

waterstoringe: Regenguss.

Wassersucht: Umgangssprachlicher Ausdruck für einen Überschuss an Wasser u. Mineralsalzen in den Gewebsspalten einschließlich der Körperhöhlen. Dadurch entstehen unter der Haut oder Schleimhaut weiche, nicht gerötete, schmerzlose Schwellungen – man nennt sie Ödeme -, in die man mit dem Finger richtiggehende Dellen hineindrücken kann. Läuft die Flüssigkeit in die freie Bauchhöhle hinein, was insbesondere infolge einer Blutstauung bei der Leberzirrhose vorkommt, so spricht man v. Bauchwassersucht oder Aszites. Am häufigsten tritt die Wassersucht im Zusammenhang mit Herzkrankheiten auf, bei denen das geschwächte Herz nicht mehr in der Lage ist, das venöse Blut aus den unteren Körperbereichen hochzupumpen (Herzschwäche). Infolge des dadurch in den Venen erzeugten Drucks tritt Flüssigkeit in die Umgebung aus u. verursacht zum Teil erhebliche Schwellungen an Unterschenkeln u. Füßen, später auch im Oberschenkel- u. Gesäßbereich. Ist das Herz sogar zu schwach, um das Blut aus der Lunge zurückzubefördern, so füllt sich diese ebenfalls mit Flüssigkeit. Eine derartige Form der Wassersucht, die den Gasaustausch in den Lungenbläschen erheblich erschwert u. dadurch lebensgefährlich werden kann, nennt man Lungenödem. Eine andere Ursache der Wassersucht liegt in Erkrankungen der Nieren, in deren Folge diese nicht mehr in der Lage sind, Flüssigkeit aus dem Blut herauszufiltern u. auszuscheiden, so dass sie sich überall im Körper ansammelt. Ein solches renales Ödem zeigt sich bevorzugt im Gesicht, besonders an den Augenlidern [nach: https://www.lecturio.de/lexikon/wassersucht].

Watsack: Sack oder Behältnis für Kleider u. anderes, das man auf die Reise mitnimmt, Felleisen, auf dem Rücken getragen oder zu Pferd oder Wagen mitgeführt [DWB].

Watzen: männliche Schweine, Eber.

Webel [Waibel, Weibel], gemeiner: Der gemeine Webel, der monatlich 21 fl. Sold erhielt, vertrat die Interessen der Soldaten gegenüber den Offizieren. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 48f. Er wurde v. den Soldaten ernannt u. sorgte für das Marschtempo seiner Soldaten. Es gab einen Hurenwebel, der die Aufsicht über die Huren u. Tross- bzw. Soldatenjungen hatte u. mit diesen bei der Reinigung der Quartiere helfen musste.

Wecholder: Wacholderholz; verbranntes Wacholderholz diente der Luftreinigung bei der Pest.

Wecke: weibliches Geschlechtsteil.

Wedemhaus: Pfarrhaus.

wedewe: Witwe.

Wegbereiter: Artillerieknecht, zuständig für die Befahrkeit der Wege für die Artillerie.

Wege pflastern: bestechen.

Wehmutter: Hebamme.

Weichaus, heute Stadtteil v. Ziegenhain (Schwalmstadt): „ehemalige Vorstadt der Wasserfestung Ziegenhain, östlich der Schwalm, wurde dann Teil der Stadt Ziegenhain u. ist somit heute Teil eines Stadtteils v. Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Weichaus schließt östlich an den Ziegenhainer Stadtteil Festung an u. erstreckt sich entlang der Wiederholdstraße u. der Kasseler Straße (beides Teilstücke der Bundesstraße 254). Die Straße „Weichaus“ liegt am Nordrand der einstigen Vorstadt. Weichaus wurde 1585 erstmals erwähnt, war allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits nach Anzahl der Haushaltungen (83 Hausgesesse) größer als Ziegenhain (79 Hausgesesse) selbst. Der Dreißigjährige Krieg brachte einen Rückgang in der Bevölkerung beider Stadtteile: 1639 gab es noch 60 Haushaltungen in Ziegenhain u. 59 in Weichaus. Danach wuchs Weichaus erheblich stärker als Ziegenhain. Im Jahre 1705 wurden 84 Haushaltungen in Ziegenhain, aber bereits 135 in Weichaus gezählt. Im 19. Jahrhundert wuchsen die alten Stadtteile Festung u. Weichaus allmählich durch weitere Bebauung zusammen“ [WIKIPEDIA].

Weichbild, Weichbildstadt: 1) Bezeichnung für Minderstädte: Orte mit eingeschränktem Stadtrecht. Wichtigstes Recht einer Minderstadt war das Marktrecht, denn damit waren wirtschaftliche Vorteile für die Bewohner des Ortes verbunden. Minderstädte hatten eine wichtige Versorgungsfunktion für das Umland, sie waren die zentralen Orte der untersten Ebene. 2) äußere u. innere Erscheinungsform eines städtebaulichen Ensembles. Es kann aber auch auf die gesamte Ausdehnung eines bewohnten Gebietes angewandt werden u. damit ihre Begrenzung meinen. Der Wortteil Weich kommt dabei v. einem alten Wort für Siedlungen.

weicher Lutheraner: ausgleichsbereiter Lutheraner.

weiches Getreide: Gerste u. Hafer wurden als weiches oder rauhes Getreide, Korn u. Weizen wurden als hartes oder glattes bezeichnet.

weiches Wetter: feuchtes regnerisches Wetter, das den Erdboden aufweicht, daher auch kotiges Wetter.

Weichfeld: Bezirk, in dem das Stadtrecht gilt.

Weichhaus: „hohes gebäude mit hausdach, der stadt- oder burgmauer aufgekragt, zu schutz und aufenthalt der besatzung“ [DWb].

Weidicht: Dickicht.

Weimarer, „Weymarische Armee“: die „sogenannten „Bernhardiner“, die Regimenter Bernhards v. Weimar, die sich auch Torstensson nicht unterordnen u. nicht allzuweit v. Frankreich entfernen wollten. HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau, S. 304. Sie galten auch schon vor ihrer Meuterei 1647 u. dem Übergang in die schwedische Armee als schwierig in der Führung. Über diese weimarischen Verbände hieß es, dass manche Gemeine eine hohe Charge deswegen abgelehnt hätten, damit sie keinen „Staat“ zu führen brauchten u. ihr Geld, dessen mancher Gemeiner 8-10-12-20000 im Vermögen haben soll, sparen könnten. Staatsarchiv Hannover Erskein-Sammlung E II, fol. 69; zit. bei LORENTZEN, Schwedische Armee, S. 119, Anm.1. In der Bietigheimer Stadtschreiberchronik wird die Disziplin dieser Verbände hervorgehoben: „Und ob man zwar diser mal contenter Völker Widersetzlichkeit halber, umb willen selbige eine Zeit lang negst an disem Herzogthumb und gar darinnen bey Vaihingen an der Enz logiert, nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Hauptstadt Stuetgardten in großer Sorg, Angst und Gefahr gestanden, so seind jedoch dieselbe allhie zue Bietigkheimb mit so gueter Manier, Ordnung und Disziplin voribermarchiert, daß sich zu verwundern gewesen. Dann die noch auf dem Feld in Gottes Hand so gestandene liebe, nahends reife Früchten gar wenig Schaden (ußerhalb was in dem March an den Straßen notdrungenlich sein mußte und wohl zu verklagen were) leiden durften. Waren insgemein recht dapfere, wohl mundirte Soldaten“. BENTELE, Protokolle, S. 220f.; vgl. dagegen die durchwegs negative Darstellung bei ENGLUND, Verwüstung.

Weingeld: Außer den „normalen“ Aufwendungen für die Küche der Offiziere wurde u. a. auch ein besonderes Weingeld erhoben.

Weinhauer: Winzer.

Weinwarm: warme Weinspeise, vor allem für Wöchnerinnen.

Weißbier: obergäriges Bier, das mindestens zur Hälfte aus Weizenmalz hergestellt wurde.

weißbrennen: sich als unschuldig hinstellen.

weißer Stab: das Zeichen der Pilger u. Bettler, symbolisiert hier das Zeichen der Landflüchtigkeit, für Kriegsgefangene, Aufrührer, die Übergabe auf Gnade u. Ungnade (DWb 17. Bd., Sp. 336, 28), der Niederlegung aller Würden u. den Verzicht auf allen Besitz.

Weißes Regiment: schwedisches Fußregiment [Inhaber Jost v. Rehn, William Burt, Dodo v. Knyphausen, Louis de Sarrazin, 1638 aufgelöst, Rest an Christoffer v. Steinecker].

Weißgerät: weißleinene Wäsche.

Weißgerber: Die Weißgerberei ist ein Gerbverfahren, bei dem die Gerbung mit Mineralien bewirkt wird, wie Alaun oder Kochsalz. Das Weißgerben, auch Mineralgerbung genannt, erzeugt ein besonders helles, fast weißes Leder. Das Weißgerben wurde vor allem für feinere u. dünnere Leder v. Kalb, Schaf u. Ziege eingesetzt. Die daraus gewonnenen Lederqualitäten Chevreauleder (Ziegenleder), Glacé (Kalbsleder) oder Kid (Ziegenleder) wurden vorzugsweise zu Handschuhen, Beuteln, Buchdecken u. Etuibezügen weiterverarbeitet. Im Gegensatz zu vielen anderen Handwerken entwickelte sich in der Gerberei bereits im Mittelalter eine Spezialisierung anhand v. Verfahren u. zu verarbeitendem Material. So entstanden die Gewerke der Lohgerber oder Rotgerber, Sämischgerber, Corduaner u. eben der Weißgerber. In der Handwerkerhierarchie des Mittelalters u. der Frühen Neuzeit standen die Weißgerber hinsichtlich Ansehen, Ruf u. Einkommen unter den Rot- oder Lohgerbern [nach WIKIPEDIA].

Weißgewandt: Bettzeug aus weißem Leinen.

Weißpfennig: auch kurz Albus oder rheinischer Groschen genannt, eine silberne Groschenmünze des Spätmittelalters. Der Wert des Albus sank bis zum 17. Jahrhundert auf einen halben Batzen (2 Kreuzer). In Hessen galten seit dem 17. Jahrhundert 32 Albusse einen Reichstaler; mit dieser Relation wurde in Hessen bis in das 19. Jahrhundert gerechnet, z. B. in Hessen-Kassel mit 1 Albus= 12 Heller bis 1834.

Weitrasen: die zum Dorf gehörigen Weideflächen.

Welle: Reisigbündel.

Welle, grüne: belaubtes Reisig.

Wellerwand: Wand aus dünnen Wülsten, durch umwickelte Staken (Pfahl, Stange) hergestellt, später Fachwerkswand aus Lehm u. Stroh.

Wellholz, Wellenholz: walzenförmiges Reisigbündel.

Welsche: pejorativ für „Italiener“ (bzw. Südländer), z. T. auch für alle aus dem Süden stammenden Nichtdeutschen.

welscher Gebrauch: ventro-dorsale Kopulation.

wend hoyck, wendehoike, wendeheuke: Wendemantel, Spottname eines Menschen, der iin Religionsfragen sehr wetterwendisch (mit häufigem Glaubenswechsel) oder ein Heuchler ist. Der protestantische Schuhmacher Rudolf von Bellinckhausen; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 177: „Ist das nicht ein recht wetter han. Er ist zuvor gut lutersch, darnach calvinisch, widerumb catholisch und ein gut freundt der Jesuiters und singt nun widerumb des herrn Luthers lied wider dem Bapst“.

wenne: Geschwulst.

Wenzelsdom (Katedrála sv. Václava): errichtet von 1107 bis 1131 als romanische Basilika, im 14. Jahrhundert gotisch u. im 19. Jahrhundert neugotisch umgebaut, hier ist König Wenzel III. beigesetzt.

Werbe: Damm, Böschung.

Werbegeld: Handgeld für neugeworbene Soldaten; Summe, die dem Werbeoffizier zur Ausführung von Werbungen anvertraut wurde, die je nach Truppengattung und Armee differierte und oft von Werbeoffizieren unterschlagen wurde. Üblich waren etwa 8 Rt., der Durchschnittssatz für Fußsoldaten. Für Kürassiere (mit ganzem Harnisch) erhielt ein Obrist 1635/37 15-20 Rt., für Kroaten 10-13.30 Rt., Kosaken (polnische Reiter) 20 Rt., Dragoner 12 Rt., Arkebusiere 15 Rt.; ERNST, Madrid und Wien, S. 301. 1633 wurden in Mühlhausen bis zu 34 Rt. für einen Söldner ausgegeben bzw. in Rechnung gestellt. WAGNER, Pforr, S. 160: „Den 27. [Dezember 1641 a. St.; BW] kam der Beyerische Major Ilck mit dießer ordre alhier [an], daß er von statt und ambt [Schmalkalden; BW] 5200 thlr werbgelder erheben und ein compagnia tragoner alhier darvon werben und richten solde, in welches begehren die beampten alßobalden gewilliget und mit allem ernst die werbgelder von den armen und ubel geplagten leuhten heraußgetrieben. Und nachdem er schnellen zulauff gehabt und dadurch die compagnia balt complet bekom[m]en, alß ist er den 28. Martii deß 1642. jahrs ufgebrochen und sich nach Hilperhaußen [Hildburghausen, Thüringen; BW] geleget. Uff dieße völcker hat statt und ambt an werb: und wochengelder uber 12000 thlr verwendet. Alßo hat dießer geplagte ort dem Beyerfürsten eine comp: werben müßen, worzu D.[oktor; BW] Happel, alß er bey der Beyerisch[en] armee geweßen, trewlich geholfen haben solle“.Teilweise wurden die Werbegelder auch so hoch angesetzt, weil das „Debochieren“, das Abwerben gegnerischer Soldaten, weit verbreitet war.Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über Ermes’ Werbemethoden; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Nach der Aufstellung von KAPSER, Kriegsorganisation, S. 271ff., entstammten von den 1638-1648 in Kurbayern und in der Oberen Pfalz Rekrutierten folgenden Beschäftigungsbereichen: 1, 6 % Handel, 16, 2 % Nahrungsmittel- und Gastgewerbe, 28 % Bekleidungs-, Textil- und Lederverarbeitungssektor, 16, 7 % Baugewerbe, Holz- und Metallverarbeitung, 17, 3 % Landwirtschaft, Gartenbau und Viehzucht; alle anderen Gewerbe lagen bei max. 1, 7 – 1, 1 % oder niedriger. Der protestantische Schuhmacher Rudolf von Bellinckhausen; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 211: „Die bauer bengels, so hin und wider von der pflug, auch von den schaffenn und schweinen ihrn herrn entlauffen und sich bey uns undter die soldatenn begebenn und annehmen laßen, golcken und krolen auf allen gaßenn, singenn, rufen und kreyen, rufen, lauffen und wyßen nicht, was sie fur großen muth wyllen treiben wollen, aber es wehret einn zeitlang, Gott wirdts ein mahl wendenn“. Dass entgegen den Vorschriften auch Kinder angeworben wurden, geht aus KAPSER, Kriegsorganisation, S. 269, hervor; ihr Anteil lag bei 12, 7 %; bei den Ungedienten bei 19, 73 %; KAPSER Kriegsorganisation, S. 266. Nach SCHLÖGL, Bauern, S. 157, kam ein Dienstbote im bayerischen Raum auf etwa 12 Gulden pro Jahr (ohne Verpflegung), so dass der Militärdienst angesichts des Werbegeldes unter Umständen attraktiv erscheinen konnte. PARKER, Dreißigjährige Krieg, S. 284, vermutet, dass Handgeld, neue Kleidung sowie Aussicht auf Sold und Beute als Alternative zur Unsicherheit der Existenz (bei rückläufiger Produktion) und der Möglichkeit, von Söldnern beraubt oder durch Steuern ruiniert zu werden, betrachtet wurden, und dass trotz aller Umstände die Armee eine gewisse Sicherheit bot. Für die bayerische Armee 1648 trafen angesichts sinkender Preise und steigender Löhne aber nur Handgeld und die Aussicht auf Beute zu. Der einfache bayerische Soldat wurde mit 12 Dukaten abgefunden. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: „Hier ist auch zu sehen, daß der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen“.

Werbepatent, Werbekontrakt, Werbekapitulation: Vertrag zwischen einem Landesherrn oder Obristen und einem mit der Werbung von Soldaten beauftragten Offizier. Die unterschriebene und gesiegelte Urkunde war der Nachweis der Berechtigung des Offiziers, Werbungen durchführen zu dürfen, gegenüber Amtsträgern und Untertanen des jeweiligen Ausstellers. Im Werbepatent waren u. a. festgelegt: das Gebiet, in dem die Werbung erfolgen sollte, die Zahl der anzuwerbenden Männer, nach Möglichkeit Name und Alter, bei Werbungen im eigenen Territorium z. T. das Verbot, Angehörige bestimmter Berufe anzuwerben, das Werbe-oder Handgeld, das dem Neugeworbenen sofort auszuzahlen war, sowie Ort und Zeitpunkt zur Versammlung der Geworbenen (=> Musterplatz).

Werbung: Botschaft, Auftrag, Anliegen.

Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. Plath, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen[Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

Werbung: Botschaft, Auftrag, Anliegen.

Werder: topografische Bezeichnung für Flussinseln u. (seltener) für Inseln in stehenden Gewässern. Weiterhin bezeichnet Werder eingedeichtes oder aus Sumpf trockengelegtes u. als Moorbesiedlung urbar gemachtes Land.

Werg: Flachs, Hanf.

Werk: „Ab dem 16. Jahrhundert wird dieser Begriff verwendet als Überbegriff für eine einzelne isolierte Befestigungsanlage, oft als Teil einer Festung und kann u. a. eine Schanze, ein Bastion, ein Blockhaus oder ein Ravelin sein“. [http://de.wikipedia.org/wiki/Fachbegriffe_Festungsbau].

Werkstück: behauener Stein, Baustein.

Wermutwein: „wermutwein ist starck vnnd bitter … hat grosse krafft vnd tugent, dann er tödt die würm im leib … solcher tranck eröffnet vnd reynigt[…]; also nützt auch das haupt offt mit wermutwein gewaschen, dann er trucknet die flüsz, heylet, sonderlich den grindt“ [DWB].

Wernigerode, Grafschaft: http://www.hoeckmann.de/deutschland/regionen/wernigerode.htm: „Die Grafen von Haymar/Haimar verlegen 1121 ihren Sitz auf die Burg Wernigerode am Nordrand des Harzes. Sie haben neben Grafschaftsrechten auch die Verwaltung des Reichsforstes am Nordostharz inne. Hinzu kommen Vogeteirechte über die Klöster Brübeck und Ilsenburg sowie 1343 Grafschaftsrechte um Wernigerode, die sie von den Grafen von Regenstein erlangen. Schon 1268 tragen sie die Grafschaft Wernigerode den Markgrafen von Brandenburg zu Lehen auf, 1381 dem Erzstift Magdeburg.1429 sterben die Grafen von Wernigerode aus und die Grafschaft geht an die Grafen von Stolberg über. Die Lehnsherrschaft wechselt 1449 von Magdeburg wieder an Brandenburg. Seit 1645 nennt sich eine Linie der Grafen von Stolberg Stolberg-Wernigerode. Ab 1680 kommen die landesherrlichen Rechte verstärkt an Brandenburg/Preußen, welches 1714 die Steuer- und Militärhoheit übernimmt. Die mediatisierten Grafen Stolberg-Wernigerode behalten aber noch einige Hoheitsrechte. 1807 kommt die Grafschaft an das Königreich Westphalen und 1814/22 wieder an Preußen. Die Grafen behalten noch bis 1879/1931 standesherrliche Vorrechte, obwohl die Grafschaft seit 1876 gänzlich in Preußen eingegliedert ist. Heute ist die Grafschaft ein Teil des Bundeslandes Sachsen-Anhalt“.

Wernigerode, Schloss: Das Schloß Wernigerode war ursprünglich eine mittelalterliche Burg, die den Weg der deutschen Kaiser des Mittelalters auf ihren Jagdausflügen in den Harz sichern sollte. Eine erste Burganlage wurde im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts über der Stadt Wernigerode errichtet. Diese Anlage hat im Laufe ihrer Geschichte verschiedene durchgreifende Änderungen miterlebt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gab es einen starken Ausbau im Stil der Spätgotik, wovon noch zwei vorhandene Vorhangbogenfenster im Schloßinnenhof Zeugnis ablegen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde die Burg zu einer Renaissancefestung umgebaut, heute noch im Renaissance-Treppenturm sichtbar. Im 30jährigen Krieg schwer verwüstet, begann Graf Ernst zu Stolberg-Wernigerode im späten 17. Jahrhundert mit dem barocken Umbau der Burgreste zu einem romantischen Residenzschloß in Form einer Rundburg. [www. schloss-wernigerode.de]; JURANEK, Schloß Wernigerode.

Westfalen, Herzogtum: Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation u. gehörte bis 1803 zu Kurköln. Das Land war staatsrechtlich eine Besonderheit, weil das Gebiet nur insofern ein geistliches Territorium war, als der Kölner Kurfürst als Herzog v. Westfalen Landesherr war. Wie das Vest Recklinghausen blieb es ein vom Erzstift Köln getrenntes eigenständiges Territorium. Die Versuche, eine Landverbindung durch den Erwerb der Grafschaften Mark u. Berg zu schaffen, scheiterten zuletzt unter Erzbischof Dietrich von Moers. Verfassungsrechtlich unterstand das Land zwar den Kölner Erzbischöfen u. dem Kölner Domkapitel, in der Verfassungspraxis blieb es jedoch ein eigenständiges Territorium. Es gelang den beiden Ständen (adlige Ritterschaft u. Städte) u. hierbei insbesondere dem im Landtag vertretenen Adel, ein erhebliches Mitspracherecht durchzusetzen u. auch gegen absolutistische Tendenzen im 17. u. 18. Jahrhundert zu bewahren [nach WIKIPEDIA]

Westfälischer Friede: Am 24.10.1648 in Münster und Osnabrück unterzeichneter Vertrag zwischen Frankreich, Schweden und dem Reich. Er bestätigte den Rechtsstand des Augsburger Religionsfriedens von 1555 und dehnte ihn auch auf die Reformierten aus. Für die geistlichen Güter galt der 1.1.1624 als Termin. Der Friede schwächte das Reich, da umfangreiche Gebiete wie das Elsass an Frankreich, Bremen, Verden und Vorpommern an Schweden abgetreten werden mussten. Nun etwa 300 Reichsgliedern mussten zudem wesentliche Rechte wie etwa das Bündnisrecht zugestanden werden. Bayern behielt die Friedrich V. aberkannte Kurwürde, für seinen Nachfolger Karl Ludwig wurde eine neue Kur eingerichtet und die Kurpfalz restituiert. Die Schweizer Eidgenossenschaft und die Republik der Vereinigten Niederlande wurden als selbstständige Staaten anerkannt. Online verfügbar unter http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/index_aufruf. Der Salemer Mönch Sebastian Bürster zur Einschätzung dieses Friedens; Sebastian Bürster’s Beschreibung des Schwedischen Krieges, S. 189: „Ist aber wol zue besorgen, man werde noch arbat und mit dem krüeg zue schaffen gnuog bekomen, wan kain krüeg mehr vorhanden sein würd; alßdann werden erst die nachparn und underthonen ainanderen in daß haar wachßen und hinder ainanderen komen und werden erst nach und nach die dieb und diebstäl an tag und herfür kommen; quia nihil ita opertum, quod non aliquando reveletur [weil nichts so verborgen ist, dass es nicht irgendwann an den Tag kommen werde; BW]; darumben bald newe galgen werden müeßen uffgericht werden“. Stausenbacher Chronik des Bauern Caspar Preis heißt es für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Stausenbacher Chronik, S. 67f.: „Wie nun der liebe Friden, wie gesagt, einmal getroffen worden nach Gottes seinem lieben Willen, da wurden die Völker alle in dem gantzen deutschen Land ausgeteillet in Städen und Dörfer, als nach eines iden [jeden, BW] Vermögen, als in ein Dorf einen oder zwen, drey oder vier, nach dem das Dorf war. Die musten wir arme Leuth verplegen, musten jinen Gelt geben, den Perden Haffern und Häw. Da musten wir arme Stausenbächer auch einen Reutter mit einem Weib und dreyen Perten halten und musten vor dem, ehe die Völker ausgeteillet worden, gar ein groß Gelt geben, dan die schwedische Arme must aus dem Reich mit Gelt gebracht werden. Da musten wir Stausenbächer in das Fridengelt geben zum erstenmal [S. 73] zu unserem Pard dreysig sex Reichstaller uff einen Hauffen. Ich meine, es must ein jiglicher Gelt gedenken, dan wir waren gar wenig habhafft noch zu der Zeitt in allen Dörfern. Ich vor meine Persohn von meinen Sachen must darzu geben fünf Reichstaller. Da lieff und tracht ein ider, das er sein Gelt bekam, und meineten alle, wan wir das Fridengelt erlegt hätten, so dan würden wir wider gutte Sach und Ruhe haben, aber die Ruden steubt uns noch mehr. Darnach kamen da die Völker uns noch über den Halß und brästen und qwälletten uns noch mehr. Es ist doch nicht zu sagen noch zu erzehlen, allen den Jamer, die Trübsal und das Hertzenleyt, das wir arme Leuth haben müsen leyden und ausstehen in achtzehen Jaren. Es glaubet es kein [S. 74] Mensch, dan die es erfahren haben mit grosem Schmertzen und Hertzenleyt“.

westgotisch: aus Västergötland (südwestliches Schweden) rekrutiertes Regiment, auch als Regiment des Erik Soop bekannt, der in der Schlacht bei Breitenfeld am 17.9.1631 die Kavallerie aus Västergötland führte; hier geführt von seinem Obristleutnant Erik Larsson. Als Carl Hård im September 1631 das Regiment übernahm, bestand es noch aus 8 Kompanien mit 120 Pikenieren, 240 Musketieren und 128 Offizieren.

Wettekarrer: Dienstfuhrleute.

wetter han: wetterwendischer Mensch mit häufigem Glaubenswechsel. Der protestantische Schuhmacher Rudolf von Bellinckhausen; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 177: „Ist das nicht ein recht wetter han. Er ist zuvor gut lutersch, darnach calvinisch, widerumb catholisch und ein gut freundt der Jesuiters und singt nun widerumb des herrn Luthers lied wider dem Bapst“.

weyer: Fächer oder Wedel.

Wicheler: Wahrsager, z. T. auch Zauberer.

Widenhof: Die Einkünfte dieses Anwesens standen dem Ortspfarrer zu.

widerbillig: unnatürlich, unrichtig, falsch, unbegründet.

Widerstand: Schon während des Böhmischen Krieges stießen die Truppen auf erbitterten Widerstand der Bevölkerung. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620) schrieb, MILGER, Gegen Land und Leute, S. 76: „Die Aufwiegler der rebellischen Bauern sagen, die Umstände hätten es geboten, sich tapfer zu verteidigen, denn aus Böhmen sei Hilfe genaht. So sammelten sich an die 9.000 Bauern an verschiedenen Orten. Viele der Unsrigen, vor allem Umherstreifende und Einzelne, wurden erschlagen, zwei Männern bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen, anderen die abgetrennten Genitalien in den Mund gesteckt, Ohren und Nasen abgeschnitten. Doch die Unglücklichen bezahlten dafür. Dörfer, Felder, und eine Stadt wurden gänzlich verbrannt“. Im Erzgebirge nutzte die Bevölkerung ihre Geländekenntnis aus; LEHMANN, Kriegschronik, S. 25 (1620): „Am Bömischen gebirge lagen die keyßerlichen Compagnien fast in allen Flecken und Stadtlein. […] Dargegen Pasten die Bergleute und Bauern, die alles verlohren hatten und nichts verdienen kunten, diesen reubern mächtig auf in buschen und höhlen, wegen und schoßen Sie herunder. Das wahr der zeit der Gebirger Nahrung: die Bauern erschlugen die fußgänger in Dörfern ubern Plundern zue Dutzent und mehrern. Mann hat unterschiedliche Exempel gewust, daß Sich Burger und Bauern uff die gehen felsen und berge sich retterirt und, wen die keyßerlichen Squadronen oder Compagnienweise drunder hinmarchiret, daß die Bergleute große wacken und stücker felsen von vielen Centnern loßgemacht und untter die völcker hienunder lauffen, Roß und wagen, oft gantze Caretten voll zerschmettern laßen“. Der wachsende Widerstand führte zu entsprechenden Vergeltungsaktionen; WAGNER, Pforr, S. 97: „Den 9. Maii 1624 haben die Schönbergische reutter das dorff Hergeß im ambt Hallenbergk in brantt gesteckt, weil sich selbige bauren den reuttern wiedersetzet. Bey dieser einquartierung ist ein corporal gehenckt und ein reuter bey nacht erschlagen worden“. Der zuständige Landesherr brachte sogar Verständnis für die Bauern und Bürger auf. Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Lüneburg schrieb an die niedersächsischen Stände, 5.9.1625; HOFFMANN, Harzschützen, S. 36: „Wo mag in der weiten Welt ein vernünftiger, rechtliebender Mensch sagen, daß die armen Bauern sich sollen das Ihrige nehmen, Weiber und Kinder schinden, Haus und Hof abbrechen sehen, ohne dazu sauer zu sehen dürfen ? Wer kann sie schelten, wenn sie, obwohl ohne Befehl, mitunter versucht haben, sich in dem Ihrigen zu schützen. Wenn Tilly sich damit entschdigt, daß er die Exzesse seiner Soldaten nicht angeordnet habe, noch an ihnen Gefallen trage, aber das Kriegsvolk nicht eben so genau im Zaume halten könne, wie sollten wir unsere durch Hunger und Kummer erbitterten Bürger und Bauern im Zaume halten ?“ Tillys Verluste Ende August 1625 durch den bewaffneten Widerstand von „Bauren und Bürgern“ sollen angeblich bereits über 2000 Mann betragen haben; BOBLENZ, Harzschützen, S. 54. WAGNER, Pforr (1626), S. 98: „Den 30. Martii hat der Hertzoch von Holstein [Adolf Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp; BW] den bürgern alhier alle ihre gewehr abnehmen und aufs schloß führen laßen, weil er sich vor einem uberfall befürchtet, deßwegen er auch getrewet, so gegen ihme waß vorgenommen würde, ein jeder soldat sein quartir anzustecken“. Der Osteroder Chronist Heinrich Wendt berichtet über den Widerstand der Harzschützen, die auch gemeinsam mit den dänischen Truppen operierten; WENDT, Geschichte, S. 409ff.: „Umb diese Zeit hatten sich ein Hauffen HartzBauren und andere Schnaphanen Zusammenrottieret, darüber vornehmlich Hanß Warnecken von Aistorff [Hans Warnecke von Eisdorf] commendirte, Welcher hernacher Zum Schartzfeld in 4 Theile gelegt Und vor Osteroda an dreyen Ohrten uffgehänget, das Vierte Viertel ist Zum Schartzfeld gelaßen. Diese haben nicht allein den Kaiser[lichen] Abbruch gethan, besondern auch andere Reisende Leute herumb gerückt Und die Straßen umb Osteroda vnd am Hartz herumb gar Unsicher gemacht, Es seind fürst[liche] patenta angeschlagen Und darin befohlen worden, diese Gesellen Zu verfolgen. Man hat sie dennoch so bald nicht dempffen können. Bey denn Kaiserlichen, sonderlich dem GeneralCommissario Christoff von Lerchenfeld ist die Stadt Osteroda in Verdacht kommen, Alß wan die Stadt mit solchen Schützen oder Schnaphanen es hielte, denselben allen Vorschub thäte. Hingegen der Graff von Solmß, domaliger Dennemarckscher Commendant, in Wolffenbüttel sich beschweret, daß die Stadt Osterode gegen solche Schützen, die sich in des Königes (Christian IV. von Dänemark) Diensten gebrauchen ließen, feindlich erwiesen, mit dieser angehängten commination, Wofern die Stadt bemelten Schützen kein Paß oder repas verstatten, auch alle Notturfft an vivers gegen BeZahlung abfolgen laßen wurde, daß alßdan solches vindiciret und an der Stadt und deren Einwohnern gerochen werden solte. Darumb dan Osteroda von diesen Schnaphanen nicht wenig molestiren gehabt, Dan wan die Stadt Osteroda dem fürst[lichen] Befehl Zufolge von den Schützen, Welche anhalten wollen, haben sich die Schützen der Bürger alßbald wieder bemächtiget Und die Jhrigen dagegen loßbekommen. Es haben auch diese Schützen FeindeBrieffe an die Stadt geschrieben, darauff auch am PfingstMontag 1627 einen Bürger Nahmens Andreas Segelkcken von der Stadt hinweggenommen vnd denselben jämmerlich ermordet. Des Mitwochens in den H[eiligen] Pfingsten seind sie mit fliegenden Fähnlein über der Freyheit uff einen Hügel gerücket Und haben Bier, Brodt und Wein aus der Stadt abverlangen laßen. Jm Uffbruch aber sich feindlich beZeiget, Kühe vnd Schaff, Vieh und Pferde mitgenommen. Die Bürgere seindt außgefallen, haben Jhnen das Vieh wieder abgejaget und einen Von den Schützen, von Echte bürtig, gefangen mit weggenommen. Nach übergebung der Stadt Northeimb ist der Kaiser[liche] Commissarius Johan Moller vor Einbeck bey dem Huefethurn von den Schnaphanen beraubet, welches dan Veruhrsachet, daß der Graff von Fürstenberg Zwey Compagn[yn] uff dem Huefethurn gelaßen, Welche von den Städten Einbeck vnd Osteroda verpfleget werden müßen. Jedoch ist solche Besatzung uff Vielfältige Bitte und gegen Revers der Städte Eimbeck und Osteroda, daß Sie, respective jhre Wartthürmer, selbst besetzen vnd den Schnaphanen kein Vorschub thun, sonderlich aber die Von Einbeck die Verfügung schaffen wolten, daß das Buschholtz umb die Huefethurn ringsherumb einen Mußqueten Schuß lang ab- und niedergehawen werden solte, hinwieder abgeführet. Geschehen im Monath Decembri 1627. Bey solcher Abführung hat auch der General Tilly von den beeden Städten Einbeck und Osteroda 4.000 Th[a]l[er] begehret Und sich daneben erkläret, daß Sie alßdan hinfürters mit weitern Contributionen verschonet bleiben sollten“. Auch Nachbarschaftshilfe gehörte zum bäuerlichen Widerstand; BRUNS, Hallenberg, S. 261f.: „Anno 1632 am 16. Februarii ist von den Braunsheusern morgents umb 6 uhr ein geschrey ankommen, das ein rott reuter neben etlichen muscatierern dem dorf zusetzen und dasselbig ausplundern wolt. Darauf die burgerschaft durch den glockenschlag eilents zusamen kommen, welchen befohlen worden, mit ihren gewehren in aller eil dem dorf zuzueilen und die nachbarn mit ihrem viehe zu entsetzen. Als die burgere aber ins dorf kommen, ist das samptliche viehe an pferdten, kuhe und schaffen alsbereits mit etlichen reutern und den mus(c)atierern fortgeschickt worden ohn allein 6 oder 7 reuter, so noch im dorf ferner zu plundern sich aufgehalten, welche sich, als sie der burger ansichtig worden, fuga salvirt ohn allein einer, der nitt in solcher eil fortkommen konnen, hat sein pferdt vor einen schlagbaum im dorf mit saddel, zaum und einer pistolen verlasen und sich pedibus salvirt, soll aber durch ein hand geschossen sein. Die burger haben den reutern und dem viehe nach der Clögensbaum nachgeeilet, dieselben am Struett daselbsten ereilet, zertrennet, das deren etliche durch das gewälte nach Rengershausen zu, etliche aber auf Neukirchen zugerant und das viehe unden an der Struet beim Neukirschen Fort daselbst stehen lasen, welches die burger wieder zurück getrieben und den nachbarn restituirt, ohn allein vier pferde, welche die nachbarn alhier zur statt [Hallenberg, BW] fuhren wollen, aber die reuter dieselben auf der Eigersbach ereilet und bei sich behalten. Dieser reuter sollen ungefehr 40 und 10 muscatirer gewesen sein. die Braunshauser aber haben der burgerschaft wegen solcher muhe zwey ohmen [1 Ohm = 157 Liter; BW] bier verehrt“. Zum Teil erlitten die Bauern ganz erhebliche Verluste; so der Fuldaer Chronist Hartung; HAAS, Hartung, S. 107: „Den 5. july [1632] sindt etliche company Hessigs reutter bey Hunnfelt [Hünfeld] ankomen, so sindt die bauwer da selbs herum ein wenig aufrohrs gewessen, undt ihrer etliche hundert sich bey Mackenzell zusamen geschlagen, auss dem ampt Biberstein undt auss dem ampt Mackenzell, undt haben die reutter nit wollen durch lassen, aber die reutter sind ihrer mechtig worden, undt bey Mackenzell bey dem höltzgen und in dem höltzgen, da haben die reutter alle zeit bey die 200 bauwer erschossen undt erhauwen; sie haben die bauwer in dem höltzgen alss von den baumen herunner geschossen, dass sie sich uberworffen haben; undt haben die reutter darnach so ubel mit den bauersleutten umbgangen, wo sie einen haben antroffen, haben sien darnider geschossen oder gehauwen, hatt sich keiner dorffen lassen getrost sehen“. Zum Teil wurden die Bauern auch von ihren Amtleuten zum Widerstand aufgerufen, die sie allerdings dann im Stich ließen; LEHMANN, Kriegschronik, S. 37f. (1632): „Friderich Turk, der Ambtschößer zue Grünhein hatte Seine bauern dermaßen animirt und abgericht in seinen Dörfern, daß Sie ihnen nicht allein gut gewehr geschaft, sondern auch frisch vorn feind stunden, keine gefahr scheueten und sich dreflich wehreten, sonderlich wen Er darbey wahr und ihnen zuesprach. Die tollkühnen Grünheiner [Grünhain; BW] wusten nicht, wie es ihren Nachbarn gegangen wahr und lieffen confuß ohne führer und kundtschaft durcheinander mit Sensen, Heugabeln, Spießen, röhren und Musqueten den Feindt entgegen und in Dörffern zuesammen bloß auf Amtsbefehl: Die Amptleute selbst stunden post principia, sahen von ferne zue, theils hatten Sich aufs Jägerhauß nach der Bucka [Buckau; BW] salvirt und ließen die armen amptsbefohlenen in stich und niederhauen. Das volck wahr so verblendet, daß Sie den feindt mit glockenstürmen, schießen und schreien wolte abschrecken, und alß solches der General hörte und sahe, hat er sich hefftig verwundert ueber der Bauern verwegenheit, daß sie sich untterstünden, seiner gantzen Armee entgegen zu setzen und zuegleich sich uber der armen leutte Niederlage erbarmet, daß Sie von Ihren Amptleuten so ubel angeführt wurden. Doch daß Er ein schrecken ins gebirg brachte, ließe er zuegleich anfangen zue brennen und uffs neue zue morden“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 35f. (1632): „Da nun der feindt schon zum Schneberg lag, gebotten die Amptleute uber 500 Mann auf und besezten damit die Schantze; darunter die Defensioner die besten wahren, hatten aber keinen rechten führer, keine kundtschafft, wie starck der Feindt wehre, keinen nachdruck, keinen muth und verstunden nicht, was krieg wahr. Obgleich die defensioner, so zue Eger und Ölsnitz gefangen und wieder ledig geworden und izt gerade durch die schantze anheim kahmen, die gantze Macht des Holckens beschrieben, die Leute warneten und einen bösen außgang prophezeiten, hielten es doch die furnembsten vor einen spott und zagheit, fuhren in ihrer thumkünheit fort und beredeten das volck, es wehre nur eine parthei von 3 oder 400 Pferden. Den 17. August führete der Oberförster in der Lauter 300 der besten Durch die Wälder an Schneberg – die Holckische Armee lag umb die Stadt her – an Plöselstein gegen uber, Von welchen Sie das gantze lager kundten uber sehen und gaben uber 100 Mahl feuer ins lager, blieben biß an Morgen, erschoßen auch ezliche 5 und 6 partheien auß der Schlem [Schlema bei Aue; BW] und andern Dörfern. Die andern liefen auf den raub auß in die Dörfer, tragen Milch zuesammen, fingen einen krieg an mit hüner und gänsen, ziegen und böcken, schlachteten, brieten und kochten in der Schantze. Den 19. August kahmen in der Nacht 400 Pferde an die Schantze. Der Oberförster in der Lautter scharmizirte eine weile mit dem Feindt, biß ihn die Kranichsfedern von Hut geschosen wurden. Do fiele auch der muth, und riße auß jedermann, und wurde die Schantze wüste und Unbesezt gelaßen. Ob nun wohl die Amptleute Ihre Gemeine warneten, daß Sie weib und kindt, viehe und mobilien solten wegschaffen, inmaßen Sie auch 3 tage vor den March gethan und diselben auf die Wälder salviret hatten, welche von ferne den Tumult, Drommeln und Pfeiffen, Keßel-Paucken, schießen und geschrey gehöret, die umbherstreiffenden partheien und mordbrände von gebirge sahen, wurden dennoch bürger und bauern, Mann vor Mann, auch die defensioner bey lebensstraf aufgeboten und fortgetrieben, mit ihren besten gewehr zue Schwartzenberg zu erscheinen, Darzue die Gräntzwachen von Wiesenthal beruffen worden, also daß in 300 Mann des Morgens zue Schwartzenberg zu erscheinen und den feindt biß in die Lautter entgegen zogen. Die andere Manschaft folgete in 300 Mann starck den grundt hienunder, Darzue viel auß den Ampt Grünhein kamen, welche alle mechtig ubel eingebüßet“.Teilweise zog man in die Wälder, um von dort aus den Kampf fortzusetzen; LEHMANN, Kriegschronik, S. 58 (1632): „So arg es herginge, und die Keyßerlichen mit feuer und schwerd dieses gebirg beschedigten, blieben dennoch die Bauern halßstarrig, wollten Sich zue keiner Contribution verstehen, sondern ließen ihre heußer wüste stehen, lagen mit Weib und kindt, Pferd und viehe und, was Sie noch hatten, in der Kälte und Frost auf den Wilten Wald und hütten, legten Sich des tages in die vortheil und schoßen untter die feinde, wurden auch oft selbst getroffen“. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 33 (1633): „Den 5. Mai ist eine starke schwedische Partei vor den schönen, wohlverwahrten Markt Breßet [= Pressath] [ge]kommen, haben mit Gewalt hinein begehret, solchen Ort brandschatzen und in ihre Kontribution bringen wollen. Aber auf ihres Pfaffen, Forstmeisters und zweier Bürgermeister Antrieb haben sich die Bürger gewehret und der Schwedischen etliche erschossen, worauf die Schwedischen Gewalt gebrauchet, den Markt erstiegen, die Tor[e] aufgehauen, auch an etlichen Orten angezündet und den schönen Marktflecken ganz abgebrannt [haben]. Es sind auch über (die) 60 Personen im Feuer erstickt und zu Boden geschossen worden. Man hat in etlichen Kellern Vater, Mutter und Kinder, welche im Feuer erstickten, liegend gefunden“. Auch der Widerstand der Bürger gegen eine starke und kostenaufwendige Salvaguarde hatte z. T. katastrophale Folgen; Das THEATRUM EUROPAEUM (1632); nach MILGER, Gegen Land und Leute, S. 240: „Zu Freiberg bei Augsburg haben indessen die Bürger übel mit der schwedischen Salva Guardi verfahren, die in siebzig Mann stark war und die doch um ihres Schutzes und Besten willen eingelegt worden war. Sie haben dennoch selbige bei nächtlicher Weile durch die Hilfe etlicher Truppen der Krabaten niedergemacht. Welche unredliche Tat aber der schwedische General Banner nicht ungerächt gelassen. Denn er hat stracks etliches Volk von Augsburg aus dahin kommandiert. Das Städtlein, inzwischen von den Kaiserlichen verlassen, wurde mit Macht angefallen, die Tore mit Petarden gesprengt und, obwohl die Bürger stark Feuer heraus gegeben, mit Gewalt erobert. Das Kriegsvolk hat alle Mannschaft darin niedergehauen, die Weiber und Kinder aber in das Feld hinaus geschafft, hernach das Städtlein geplündert und in Brand gesteckt“. „Als im Mai 1633 der kaiserliche ObristleutnantJensen Reiter in das Soester Gebiet geschickt hatte, um die Lage zu erkunden, fielen Bauern aus Hattrop über sie her, erschossen einen und brachten einen zweiten als Gefangenen nach Soest. Als die Kaiserlichen im Juni drohten, das Bördedorf Klotingen abzubrennen, und dort zehn Reiter aus dem Bilandschen Regiment schon bereitstanden, überfielen die Klotinger Bauern diese Reiter, nahmen ihnen die Pferde, Sättel, Gewehre, Kleidung und Geld. Ihre Beute brachten sie in die Stadt, die ausgeplünderten Reiter aber ließen sie laufen. Am folgenden Tag entwaffneten die Klotinger nochmals drei Reiter und erschlugen dabei zwei von ihnen. Den dritten führten sie bis vor die Stadt, zogen ihn nackt aus und jagten ihn fort. Wenig später erschlugen die Klotinger einen weiteren Reiter. Der Rittmeister Zersen aus dem Bilandschen Regiment wollte sich darüber in Soest beschweren. Vor der Stadt lauerten ihm Bürger und Bauern auf, die ihm sein Pferd unter dem Leib wegschossen. Seine Pistolen und sein Zaumzeug wurden ihm genommen, dann durfte er fliehen. Nach einem Klagebrief Bilands an seinen Befehlshaber Bönninghausen war dieser Vorfall erledigt“. WIDDER, Soest Bd. 3, S. 801. VOGEL, Annales, S. 612.Im Mai 1644 musste „die Bürgerschafft [Leipzigs; BW] auff Begehren General Königsmarcks / weil sie den Vergleich nicht unterschreiben wollten / den sie vor diesen mit Torstensohn gemacht / damit man sich keines Aufstandes zubefahren / darzu die auffgeworffenen Sechziger grosse Lust hatten / so wohl Ober- als Untergewehr bey 500 Thaler Straffe in E. E. Raths Zimmerhoff liefern“. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 10 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Im August 1631 haben zwei Reiter in Nesselbach zur Nachtzeit in einer Stube Feuer gelegt, worüber die Bauern sich sehr erzürnten. Sie haben beide totgeschlagen, dadurch aber dem Dorf großen Jammer zugefügt’ “. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Am 27. April [7.5.1632; BW] sind drei Soldaten zu Fuss, Brandenburgischen Regiments, unter den Kompanie[n ?; BW] des Obristleutnants Winkler, in Baudenbach begraben worden. Sie wurden von den Kürrnhöchstettern und ihren benachbarten Anhängern im Schlosshof ‚nicht allein jämmerlich geschlagen und übel zerlästert, sondern gänzlich entleibt und tod geschlagen’ “. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Der schwedische Reiter Matthäus Bücher, der in Baudenbach und Hambühl zur Salva Quardia einquartiert war, ist ‚auf Ausreißen mit andern Reitern’ entleibt, und von den Hirten im Holz tot aufgefunden worden. (Sch.)“. VOGEL, Annales, S. 612. Im Mai 1644 musste „die Bürgerschafft [Leipzigs; BW] auff Begehren General Königsmarcks / weil sie den Vergleich nicht unterschreiben wollten / den sie vor diesen mit Torstensohn gemacht / damit man sich keines Aufstandes zubefahren / darzu die auffgeworffenen Sechziger grosse Lust hatten / so wohl Ober- als Untergewehr bey 500 Thaler Straffe in E. E. Raths Zimmerhoff liefern“. SEMLER, Tagebücher, S. 59: „Vast vmb gleiche zeitt [Ende Juli 1633; BW] sein auch 9 Frantzosen welliche hievor vnder den Schwedischen geritten, von den vnsrigen aber gefangen vnd vnder herrn obrist König sich vnderhallten laßen), von Ravenspurg ausgerißen, vnd alß die nach Schönaw kommen, haben sie den veberlingen vnderthonen daselbst ihre roß vnd anders hinwegg nemmen vnd sich darmit zum feind begeben wollen. Deren aber die bauren maiserworden vnd haben selbige gefänglich nach Veberlingen gebracht, von dannen sie in einem schiff herrn obrist König nach Lindaw zugeschickt und nach schleunigem proceß alle neun mit dem strang hingericht worden. Welliche strenge sie mit ihrem selbst (!) maul verschuldt, in deme sie den bauren, so sie gefangen, vnder augen antrowen dörffen, wan sie wider auf freyen fůß gestellt (wie sie ihnen in tam corrupta disciplina militari [in einer solch verdorbenen militärischen Disziplin] die rechnung ohnfehlbar gemacht) daß sie derselben bauren häußern einen rothen haanen aufstöcken wollen. Daran sie aber sancta iustitia [die heilige Justiz] gehindert“. Das „Theatrum Europaeum“ berichtet zum März 1636 über Sachsen, 3. Bd., S. 637: „So haben die Bawren hin vnd wider ex desperatione alles was sie angetroffen / darnieder vnd  Todt geschlagen / dann ihnen Freund vnd Feind das Vieh abgenommen / sie darnieder massacrirt / den Feldbaw gesperrt / vnd alle Excessen verübt“. SEMLER, Tagebücher, S. 76 (1633): „Die bauren, so ab dem Land herein salvirt vnd thailß die zaichen an dem leib mitgebracht, haben bericht, dass hin vnd wider vil todte bauren, welliche der feind ermördt vnd hinwiderumb auch nit wenig Schwedische, die auf dem straiff von den bauren erschlagen worden, ligen, vnd in den wälden ettliche ledige roß vmblauffen“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 98 (1636): „Interim begibt sich, daß ettliche Vitzthumbische soldaten oder reuter von den compagnien, so vor Hohentwiel gelegen, ohne verlaubnuß außgerißen, oder auf die beit und raub geridten, der waren uff die 7 oder 8, die hierumben und biß auff Weingarten oder Waldsee alle straßen gar unsicher machten, sonderlich an dem Bodensee hetten ihren ihren uffenthalt mehrern thails zue Mimmenhaußen und Urnow. Unangesehen manß allhie zue Salem ungern gesehen, haben ettliche closterdiener und auch pauren solches in die harr länger nit kenden zuesehen noch gedulden, haben uff sie gespannen, selbe bekomen zue Mimmenhaußen in einer behaußung, hinaußgefüert gegen ainen weyher, schröcklich ermördt und nidergemacht; aber übel übersehen, dan ainer ihnen außgerißen, darvonkomen und entrunnen; darauß dan, wie volgen wird, groß übel ervolgt und erstanden“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 134 (1641): „Item in vigilia assumptionis vel Bernardi hat sich begeben, alß 5 oder 6 Zellerische am Undersee, stattlich und wohlmundierte reütter underm obristen und commendanten Rost, zwar nit uff beit zue reuten ihr intent gewesen, in unsern hof zue Bachopten ihr nachtquatier in einem stall zue nähmen begerten, so guotwillig verlaubt, vermainten nur rüebig und, weil sie sich wohl vermacht, sicher zue sein, seyen sie von underschidlichen herrschaften zue Osterach erfahren (weil eß gar viel dieser orten zuovor rauber und roßbeuter abgeben, [81.] deren sie müesten ergelten) sich uffmachten, sie alldort in unserm hof und stall, unwüssend deß hofmaisters diß orts, uberfallen,ainen nach dem anderen herauß uff die müste gezogen, half darfür kain büdten noch quatier, unangesehen solche unschuldig, wie die schwein oder oxen erschlagen und ermordt, (dass dan unß zum großen nachthail, weilß in unserm hof, darbei auch der unsrigen underthonen zwen oder 3 gewe0en, gerathen) ihnen ihr pferd, pistolen und waß sie hatten, verkauft und abgenohmen“. Der Pfarrer Aegidius Henning [ca. 1630-1686] hält fest; BUS, Die Zeit der Verheerung, S. 215f. (nach MÜLLER, Aegidius Hennig, S. 96): „So wie die Soldaten den Herren Bauern übel mitspielen, wenn sie ihrer habhaft werden, so legen die Bauern manchen, der zurückbleibt, schlafen. Ich habe des Öfteren gehört, daß sie über den und jenen von ihnen gesagt haben: Er hat manchen schlafen gelegt ! Er hat da und dort einen Reiter niedergeschossen. Was ? Sie rühmen sich selbst ihrer Mord- und Diebestaten, und es tut ihnen leid, daß sie es nicht noch schlimmer machen können“.

Passiver Widerstand geschah z. B. durch Flucht in ein Fluchtlager, wie es LEHMANN, Kriegschronik, S. 113, beschreibt: „Der Schwedische Obrist Hans Wachtmeister lag mit seinem Regiement in Caden [Kaaden [Kadan, Bez. Komotau; BW], deßen Maußer machten das gantze gebirg fertig. Den weil sie an der Elbe nicht mehr streiffen kundten, fielen Sie uber das gebirg in Meißen und Vogtland und preßeten gelt, viehe, victualien herauß und raubten, was Sie kunten, darvon große furcht und erschrecken entstunde, daß die gebirger, so was zue verzehren hatten, mit ihren mobilien, viehe und menschen in die Städte wichen und die traffen es am besten, die armen und das bauersvolck, die mit den Viehe und futter nicht untterkommen kunten, salvirten Sich in hartten winder auf die Böhmischen Walder, nechsten Hämmer und Waltheußer, so lang sie doselbst sicher wahren, endlich auf den wildten Walt; ihre heußer wahren dicke beume, hutten von Reißig mit brette[r]n, schindeln oder tüchern bedeckt, daß weder vor regen noch stöbern half, theils nahmen ihre Zueflucht zum Felsen, krochen in der füchse und beeren hohlen und wahren alda sicherer vor den wilden thieren den vor den feinden. Dorneben stunde das arme viehe, welches vor frost und hunger verschmachtete, weil mann wegen stetter Unsicherheit wenig futter hinauß schaffen kundte. Doheim hatten die Menschen ihre mobilien in faßen und laden gefaßet in die keller geschaffet und vermauren oder in die Schächte verstecken laßen, das Samgedreit verborgen in steinmauern, in schlackenhaufen, in Waltgruben, Zien und bücher in die brunnen und bein-heuser, die Kirchen=Cleinodien, kelche etc. in die anzuchten, in die gräber und untter den Mist, so noch von vorigen Marche in Pfarr- und Kirchenheußern lagen, den Handwerckszeug untter die Ufer an bächen in Wald und auf die beume, der Weiber kleidungen in die hohlen beume, oben mitt Mooß zudecket. Do lagen gantze Communen bey einander wie ein heerlager, die gründtner, Waldersdörfer, Crotendörfer, Scheibenberger, 3 wochen in hunger und kummer, in furcht und angst, in stündlicher gefahr tag und nacht und wurden entlich Der feinde beute“. Auch die Frauen setzen sich zum Teil gegen ihre Peiniger zur Wehr. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632; DUVE, DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22.: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“.Vgl. auch RATHJEN, Soldaten im Dorf, S. 199ff. => Eichfelder Bauern, Drömling, Harzschützen.

Widerstand, bäuerlicher: SCHMIDT, Der Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Am 27. April [7.5.1632; BW] sind drei Soldaten zu Fuss, Brandenburgischen Regiments, unter den Kompanie[n ?; BW] des Obristleutnants Winkler, in Baudenbach begraben worden. Sie wurden von den Kürrnhöchstettern und ihren benachbarten Anhängern im Schlosshof ‚nicht allein jämmerlich geschlagen und übel zerlästert, sondern gänzlich entleibt und tod geschlagen’ “. SCHMIDT, Der Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Der schwedische Reiter Matthäus Bücher, der in Baudenbach und Hambühl zur Salva Quardia einquartiert war, ist ‚auf Ausreißen mit andern Reitern’ entleibt, und von den Hirten im Holz tot aufgefunden worden. (Sch.)“. SEMLER, Tagebücher, S. 59: „Vast vmb gleiche zeitt [Ende Juli 1633; BW] sein auch 9 Frantzosen welliche hievor vnder den Schwedischen geritten, von den vnsrigen aber gefangen vnd vnder herrn obrist König sich vnderhallten laßen), von Ravenspurg ausgerißen, vnd alß die nach Schönaw kommen, haben sie den veberlingen vnderthonen daselbst ihre roß vnd anders hinwegg nemmen vnd sich darmit zum feind begeben wollen. Deren aber die bauren maister worden vnd haben selbige gefänglich nach Veberlingen gebracht, von dannen sie in einem schiff herrn obrist König nach Lindaw zugeschickt und nach schleunigem proceß alle neun mit dem strang hingericht worden. Welliche strenge sie mit ihrem selbst (!) maul verschuldt, in deme sie den bauren, so sie gefangen, vnder augen antrowen dörffen, wan sie wider auf freyen fůß gestellt (wie sie ihnen in tam corrupta disciplina militari [in einer solch verdorbenen militärischen Disziplin] die rechnung ohnfehlbar gemacht) daß sie derselben bauren häußern einen rothen haanen aufstöcken wollen. Daran sie aber sancta iustitia [die heilige Justiz] gehindert“. SEMLER, Tagebücher, S. 76 (1633): „Die bauren, so ab dem Land herein salvirt vnd thailß die zaichen an dem leib mitgebracht, haben bericht, dass hin vnd wider vil todte bauren, welliche der feind ermördt vnd hinwiderumb auch nit wenig Schwedische, die auf dem straiff von den bauren erschlagen worden, ligen, vnd in den wälden ettliche ledige roß vmblauffen“. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 64 (1630): „Als der König von Stralsund weg zoge / filen etliche Crabaten auß Grypswald / streifften bey Anklam in ein Dorff. Demnach nun ein Schwedischer Capitein / so on Anklam commandirte, von solchem Kundschafft empfieng / schickete er etliche Dragoner vnd Reuter auß / welche die Crabaten / deren bey 60. waren / meistentheils niderhaueten: die übrigen so sich salvirten, wurden hernach von den Bawern auffgesucht vnd erschlagen“. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 64f. (1630): „Vmb selbe Zeit streifften in 300. Schwedische Dragoner / neben 150 Reutern in die VckerMarck biß an Brenßlaw / 6. Meilen von Stättin / trieben auß dreissig Dörffern alles Viehe hinweg. Wie nun hierauff ein Priester zu Melchaw von den Käyserischen vmb Hülff bate / wurden alsbald von 200. so allda in Besatzung lagen / die Helffte auß commandiret, immittels kamen auch bey 400. Bawren durch den Glockenschlag zusammen / da die Schwedischen solches innen wurden / eyleten die Reuter mit dem Vieh nach dem nechsten Holtz / die Dragoner aber versteckten sich im Hinderhalt / vnd wie die Käyserische vnd Bawren ankamen / brachen sie herfür / umbringeten sie / vnd haweten alles nider / was sich zur Wehr stellete / also dass nur vier Mußquetierern in Brenslaw wider kamen / das Viehe aber vnd die übrige Bawren trieben die Schwedische nach Uckermünde“. LATOMUS, Relatio Historicæ Semestralis Continuatio, S. 66f.: „VMb diese Zeit [Januar 1631; BW] hat sich bey dem Dorff Bischoffroda / vngefähr eine Viertelstunde von Eißleben gelegen / nachfolgendes begeben: Es wurde eine zimbliche Anzahl Bawersweiber / darbey auch etliche Manspersonen waren / welche zu Eißleben auff dem Marckt gewesen / von 6. Reuttern angegriffen: Als sie sich nun zur Wehr gestellet / sind zwo Manspersonen von ihnen erschossen worden / dessen aber vngeachtet / wehreten sich die andern hefftig / vnd risse das Weibsvolck die Reuter / weil sie sich verschossen / von den Pferden / richteten sie mit Messern / Parten vnd Prügeln vbel zu / namen ihnen auch die Pferdt / Pistolen / Dägen / Mäntel / also daß vier von den Reutern darvnder ein Edelmann / todt blieben / die andern aber sehr verwundet in das nechst darbey gelegene Holtz gekrochen. Es hat sich eine Fraw also vnder den Reutern hervmb gerissen / vnd vnder ihnen mit einem Messer also gehauset / daß sie außgesehen / als wann sie sich im Blut gewaschen hette / hat doch keinen schaden an ihrem Leib bekommen“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 98 (1636): „Interim begibt sich, daß ettliche Vitzthumbische soldaten oder reuter von den compagnien, so vor Hohentwiel gelegen, ohne verlaubnuß außgerißen, oder auf die beit und raub geridten, der waren uff die 7 oder 8, die hierumben und biß auff Weingarten oder Waldsee alle straßen gar unsicher machten, sonderlich an dem Bodensee hetten ihren ihren uffenthalt mehrern thails zue Mimmenhaußen und Urnow. Unangesehen manß allhie zue Salem ungern gesehen, haben ettliche closterdiener und auch pauren solches in die harr länger nit kenden zuesehen noch gedulden, haben uff sie gespannen, selbe bekomen zue Mimmenhaußen in einer behaußung, hinaußgefüert gegen ainen weyher, schröcklich ermördt und nidergemacht; aber übel übersehen, dan ainer ihnen außgerißen, darvonkomen und entrunnen; darauß dan, wie volgen wird, groß übel ervolgt und erstanden“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 134 (1641): „Item in vigilia assumptionis vel Bernardi hat sich begeben, alß 5 oder 6 Zellerische am Undersee, stattlich und wohlmundierte reütter underm obristen und commendanten Rost, zwar nit uff beit zue reuten ihr intent gewesen, in unsern hof zue Bachopten ihr nachtquatier in einem stall zue nähmen begerten, so guotwillig verlaubt, vermainten nur rüebig und, weil sie sich wohl vermacht, sicher zue sein, seyen sie von underschidlichen herrschaften zue Osterach erfahren (weil eß gar viel dieser orten zuovor rauber und roßbeuter abgeben, [81.] deren sie müesten ergelten) sich uffmachten, sie alldort in unserm hof und stall, unwüssend deß hofmaisters diß orts, uberfallen,ainen nach dem anderen herauß uff die müste gezogen, half darfür kain büdten noch quatier, unangesehen solche unschuldig, wie die schwein oder oxen erschlagen und ermordt, (dass dan unß zum großen nachthail, weilß in unserm hof, darbei auch der unsrigen underthonen zwen oder 3 gewe0en, gerathen) ihnen ihr pferd, pistolen und waß sie hatten, verkauft und abgenohmen“.  Der Zeitzeuge Hanns Kahn aus Klings/Rhön; LEHMANN, Leben und Sterben, S. 212.: „Man war seines Lebens nicht sicher. Nicht sicher auf Feldern und Straßen, deswegen die Ackerleute immer ihr Gewehr bei sich führten. War daran Mangel, wurden die Sensen an lange Stangen gemacht, die zuvor am hinteren Ende gerade geschmiedet [wurden], daß sie wie Spieße standen. Manche Partei haben wir, gleich ob schwedisch oder kaiserlich, so von unserem Dörflein verscheucht […] Es war eine verderbte Zeit. Jeder trug im Wald das Gewehr, lauerte Soldaten auf, die man totschoss oder abknickte, wenn man einen erwischte. Der Drangsale wegen lag immer das Rohr [Gewehr] versteckt und so wüst es zuvor nur den Bauern [erging], so erging es den Soldaten, so von uns gefangen wurden. Es war fast kein ehrbares Volk mehr auf Erden“. Das „Theatrum Europaeum“ berichtet zum März 1636 über Sachsen, 3. Bd., S. 637: „So haben die Bawren hin vnd wider ex desperatione alles was sie angetroffen / darnieder vnd  Todt geschlagen / dann ihnen Freund vnd Feind das Vieh abgenommen / sie darnieder massacrirt / den Feldbaw gesperrt / vnd alle Excessen verübt“. THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 839 (1642) über den bäuerlichen Widerstand im Drömling (1642), einer Niedermoorlandschaft an der Grenze von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Es grentzet mit Chur-Brandenburg bey Garleben / der alten Marck / auch mit dem Lüneburgischen und Magdeburgischen ein Ort im Tremling oder Trommeling genant / mit Gehöltze und Morast umgeben / welchen böse Bauren bewohnen / die hatten von den Schwedischen und andern von Jahren hero viel Schaden erlitten. Als nun General Königsmarck im Eingang Februar. sich daselbsten herum mit 12. Regimentern legte / auff der Käiserl. Anzug Achtung zu geben / so legten sich diese Bauren an ihrem Paß mit Weib und Kindern / und allem ihrem Vermögen / fielen der Soldatesque ein / und thaten ziemlichen Schaden. Es wurde ein Trommelschläger zu ihnen geschicket / ob sie Freunde oder Feynde seyn wollten: Weil sie nun gewust / daß ihnen so leichtlich nicht beyzukommen / schnitten sie ihm Ohren / Nasen / und Finger ab / und schaffeten ihn von sich. Sie hatten sich nahend auff 1500. verstärcket / und schickten auß ihrem Mittel zum Ertzhertzog [Leopold Wilhelm; BW] / mit Bitte ihnen zu vergönnen / daß sie darauff schlagen möchten. Wie nun die Nachricht geloffen / so solle sie Ihre Hochfürstl. Durchl. mit Geld beschencket / und ihnen Officirer mitgegeben haben / ihre Gelegenheit / Ort und Pässe zu recognosciren.

Sie hatten einen Hauptmann unter sich selbsten gemacht / und zu Ihrer Durchl. nach Tangermünd ferners geschicket / der sich erbotten hatte die Schwedischen zu verfolgen / diesen sollen nun Ihre Hochfürstl. Durchl. eine güldene Ketten samt 1000. Ducaten / und einen Beltz mit Sammet überzogen / geben lassen / wie er aber dieses Gnaden-Präsent verdienet habe / ist weiter nicht erfahren worden“. Vgl. auch ZAHN, Der Drömling, S. 2f., ZAHN, Die Altmark, S. 47. SCHNEIDER, Saxonia vetus et magna […], S. 161: „Unweit von hier fähet sich bey der Fornitz der sogenannte Drömling an, welches eine waldige Gegend im Wolfenbüttelischen ist, die sich auf etliche Meilen erstreckt, und sehr verwegene grundlose Bauern zu Bewohnern hat, welche denen Nieder-Lausitzern im Spreu-Walde gantz gleich, und im 30jährigen Religions-Krige viel hundert Soldaten caputiret, ja sich gar nicht gescheuet haben, etliche Regimenter in ihren Feld-Lagern anzugreifen: wie sie denn Anno 1639. denen Käyserischen bey Stendel [Stendal; BW] eingefallen, sie geschlagen, und ihnen 2. Feldstücken nebst andern Geschütze abgenommen: item Anno 1642. zwey starcke Schwedische Regimenter fast gar ruiniret etc. wovon die damahligen Relationen zeugen“. Der Pfarrer Aegidius Henning [ca. 1630-1686] hält fest; BUS, Die Zeit der Verheerung, S. 215f. (nach MÜLLER, Aegidius Hennig, S. 96): „So wie die Soldaten den Herren Bauern übel mitspielen, wenn sie ihrer habhaft werden, so legen die Bauern manchen, der zurückbleibt, schlafen. Ich habe des Öfteren gehört, daß sie über den und jenen von ihnen gesagt haben: Er hat manchen schlafen gelegt ! Er hat da und dort einen Reiter niedergeschossen. Was ? Sie rühmen sich selbst ihrer Mord- und Diebestaten, und es tut ihnen leid, daß sie es nicht noch schlimmer machen können“.

Widerstand von Frauen: LATOMUS, Relatio Historicæ Semestralis Continuatio, S. 66f.: „VMb diese Zeit [Januar 1631; BW] hat sich bey dem Dorff Bischoffroda / vngefähr eine Viertelstunde von Eißleben gelegen / nachfolgendes begeben: Es wurde eine zimbliche Anzahl Bawersweiber / darbey auch etliche Manspersonen waren / welche zu Eißleben auff dem Marckt gewesen / von 6. Reuttern angegriffen: Als sie sich nun zur Wehr gestellet / sind zwo Manspersonen von ihnen erschossen worden / dessen aber vngeachtet / wehreten sich die andern hefftig / vnd risse das Weibsvolck die Reuter / weil sie sich verschossen / von den Pferden / richteten sie mit Messern / Parten vnd Prügeln vbel zu / namen ihnen auch die Pferdt / Pistolen / Dägen / Mäntel / also daß vier von den Reutern darvnder ein Edelmann / todt blieben / die andern aber sehr verwundet in das nechst darbey gelegene Holtz gekrochen. Es hat sich eine Fraw also vnder den Reutern hervmb gerissen / vnd vnder ihnen mit einem Messer also gehauset / daß sie außgesehen / als wann sie sich im Blut gewaschen hette / hat doch keinen schaden an ihrem Leib bekommen“.

Widerstand der Stadtbevölkerung gegen Garnison: Aus dem kaiserlich-ligistisch besetzten Hameln wird 1533 berichtet; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 362: „Man gibt auß / der Obrist Leutenant oder Gubernator Schelhammer hab vor etlich Tagen 3. Bürger hencken lassen / welche nit mit zu Wahl gehen vnd fechten wöllen“.

„Widerwertige“: Bezeichnung der Lutheraner für Kaiserliche bzw. alle, die katholisch waren.

Wiederlage: Schadensersatz.

Wiedertäufertaler: Die Wiedertäufertaler sind als einfache und Halbtaler sowie als Doppeltaler bekannt. Auch Goldabschläge kommen vor. Die meisten dieser Stücke stammen nicht aus der Zeit des Wiedertäuferreichs, sondern sind Nachprägungen aus dem 17. Jahrhundert. Auch Taler mit dem Bildnis van Leydens und der Umschrift: IAN.VAN.LEYDEN.KONICK.DE.WEDERDOPER.TO.MVNSTER (Jan van Leyden, König der Wiedertäufer zu Münster) sind spätere Prägungen. [numispedia].

Wiekhaus: hausähnlicher Teil einer Befestigung. „Als Wiekhäuser bezeichnet man feldseitige Auskragungen mittelalterlicher Stadtmauern, die in einigen Städten zu kleinen Mauerhäusern oder -türmen ausgebaut wurden. Sie sind in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in die wehrhafte Stadtmauer eingebaut, trugen zu deren Erhöhung und Stabilität bei und wurden an Stelle von Wehrgängen zu Verteidigungszwecken errichtet. Zudem nutzte man die bestehende Mauer als Teil des Gebäudes. Im Armierungsfall musste das Haus den städtischen Truppen geöffnet werden. In späterer Zeit – vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg – wurden Wiekhäuser verschiedentlich mit einfach-schmucklosen Fachwerkkonstruktionen zu kleinen Wohnhäusern, so genannten Wohnbuden, Wick-Buden (niederdt.: Wikbaud) umgebaut“ [Wikipedia].

Wigbolde: Weichbild; Bezeichnung für Minderstädte (Freiheit, Weichbild).

Wildbann: 1) das Recht, einen gebannten Jagdbezirk zu halten, vom Jagdrecht unterschieden und mehr als dieses; 2) der eingeschlossene Jagdbezirk selbst.

wimblen: Trauben lesen.

Wind, Windspiel: Jagdhund.

Windischland: Slowenien.

Windkopf: Wolkengebilde, aus dem das kommende Wetter zu ersehen ist; Dummkopf.

Winkelehe: illegitime, im Feld oder in der Garnison geschlossene Ehe, teilweise v. den im Tross mitziehenden „Geistlichen“. Die aus dem Mittelalter stammende Winkelehe ging sehr einfach u. ohne Feierlichkeiten vonstatten: Oft in einem Winkel des Hauses wurde die zukünftige Ehefrau vom Bräutigam gefragt, ob sie ihn zum Ehemann haben wolle. Bei einer positiven Antwort wurde die Ehe gültig. Diese Ehe konnte wie alle Ehen im Mittelalter nicht geschieden werden. Da es aber keine Zeugen gab, hatte die Frau, die verlassen wurde, es schwer nachzuweisen, dass sie wirklich eine Ehe mit demjenigen eingegangen war, der das Gegenteil behauptete [WIKIPEDIA]. Da die Heiratserlaubnis durch die Obristen nur selten erteilt wurde, wurden die Marketenderinnenwagen zu fahrbaren Bordellen, was auch die Vergewaltigungen und den großen Prozentsatz an Geschlechtskrankheiten erklärt.

Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das – angesichts der um 1, 5 º tieferen mittleren Jahrestemperatur mit extremen Kälteperioden überlebensnotwendig – in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde und in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten, und immer wieder zu Streitigkeiten unter den Kommandeuren führte. Natürlich versuchten deshalb Magistrate und Stände immer wieder, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten und ihrem Tross führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats von Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226. Selbst wenn Truppen erst im Dezember einquartiert wurden, verlangte man doch auch Zahlungen für den vorausgegangenen November; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 387ff. Dazu kam der enorme Bedarf an Feuermaterial, wobei alles nur einigermaßen Brennbare durch die Truppen beschafft wurde. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz berichtet über den November/Dezember 1640; BRAUN, Marktredwitz, S. 129: „Über diese 8 Regiment[er] [hinaus] sind auch 200 Polacken mit marchiert, welche – wie ob[en] gehört – zu Oberredwitz logierten: Einige sind auch in Dörflas einquartiert worden. Obwohl wir hier im Mark[t] kein Quartier gehabt, so haben wir doch des Generals Tafel versehen und herrlich in die Küche (ver)schaffen müssen. Auch haben wir für die Regiment[er] hinaus[gegeben] 800 Brot[e], 800 Maß Bier und 2 Rind[er]. Überdies hat (ein)jeder Bürger, der seinen Stadel nicht zugrund reissen oder gar verbrennen lassen wollte, hinaus[ge]geben Fleisch, Fisch, Futter, Bier, Brot und Geld. [Es] ist dadurch auch sehr wenig erhalten worden, denn fast in jedem Stadel [hat] eine Kompanie gelegen, welche (dann) alles Heu, Stroh, ungedroschenes Getreide, Holz und Brettern in das Feld getragen. Es sind daraus Hütte gemacht und hernach meistens verbrannt [worden]. Um das, was liegen geblieben war, haben sich die Nachbarn auch [noch] gezankt. Sie haben auch alle Zäun[e] um die Gärten, Planken [und] Um(b)schrote umgehauen und verbrannt. All(e) unser[e] Fischkästen, [von denen] ein [jeder] vorher um 50 K[ronen] erkauft [worden war], haben sie in einer Geschwindigkeit eingehauen, zerrissen, hinweggetragen und in Grund verdorben. [Auf] dem Freithof, welcher erst neu gemacht worden war, haben sie die Schindel[n] abgeschlagen und sam(b)t dem Tor verbrannt. In Summa, diese Leute haben einen großen Schaden getan in dem unausgedroschenen Getreide, Futter, (Ge)stroh und Holz. [Sie haben auch] fast alle Stadel im Grunde zerschlagen und das Gezimmer verbrannt; denn die Kälte war sehr groß. Daher [haben] sie auch außer[halb] der Stadel noch über 1000 Feuer angezündet und gehalten. Was sie in den Vorstädten ertappt haben, [das haben] sie (hinweg)genommen und das Vieh geschlachtet. Die Nacht [über] hat die ganze Bürgerschaft auf Befehl des Generals um und um auf der Mauer im Gewehr stehen und wachen müssen. Ungeachtet dessen aber sind die Musketiere(r) doch an vielen Stellen über die Mauer herabgestiegen, [sind] in die Ställ[e] eingebrochen, [haben] kleines Vieh erwürgt und was sie sonst [noch] bekommen konnten, [haben sie] mitgenommen und [sind dann] wieder hinausgewischt. Dies geschah (nun) an vielen Orten, [so] daß wir also genug(samb) zu wehren und solches zu verhindern hatten. Die Tor(e) hatte er selbst(en) besetzt und mit seiner Wacht versehen“.

Winselnfall: Klagefall, Schmerzensfall.

„Wintersoldaten“: Teilweise traten Bauern(knechte) während der „stillen Zeit“ im Winter ins Heer ein, um dann zu Beginn der Frühjahrskampagne wieder zu desertieren, obwohl darauf die Todesstrafe stand. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 170: „Am 2. Mai 1642 wurde ‚ein armer Bauernkerl, so unter Graf Suys ausgerissen war, allhier auf dem Marktplatze gehenkt und am Abend auf dem Gottesacker an der Mauer begraben’ “.

Wippe: „Schnellgalgen, Wippgalgen, ein Galgen in Gestalt eines Griechischen r, gemeiniglich für die Deserteurs bestimmt. Ehemals wurden die Ausreißer an einen solchen Galgen mit rückwärts gebundenen Händen schnell in die Höhe gezogen oder geschnellt, und geschwinde wieder herabgelassen, um ihnen dadurch die Arme zu verrenken, welche Strafe jedoch jetzt veraltet ist. Man pflegt auch noch jetzt in weiterer Bedeutung einen Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu hänken pflegt, einen Schnellgalgen zu nennen“. [KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopädie] Vgl. Strapekorde, von ital. tratto di corda:Wippe/Wippen/Schnellen; d. h. Ausstreckung und Ausdehnung der Glieder, besonders im Kurfürstentum Sachsen für Wild, Fisch- und Krebsdiebe; Strafe des Wippens mit dem Galgen, Folter mit dem Strick, hier: Tortur; vgl. GRIMM; GRIMM Bd. 19, Sp. 879, 22. Vgl. DÖPLER, Theatrum Poenarum, S. 900 f.; LUDWIG, Strafverfolgung, S. 211, Anm. 35; Callots Radierung „L’Estrapade“, GALEN, Dreißigjähriger Krieg Bd. 1, 187.

Wippgalgen [Schneller, Schnerr]: Schnellgalgen, oben mit einem Korb versehen, in dem der Delinquent in das nahe Gewässer mehrmals getaucht oder auch aufs Geratewohl hineingeschleudert wurde. => Strapekorde.

Wirtschaft: Bewirtung, Gastmahl, Gelage, Mahlzeit, Fest, festliches Mahl, Hochzeit, Gastwirtschaft.

Wirtschaftshauptmann: Verwalter der ländlichen Liegenschaften der Stadt.

Wische: (abgeleitet v. niederdeutsch für ‚Wiese‘) Name einer Landschaft im Nordosten der Altmark in Sachsen Anhalt. Sie ist ein ehemaliges Überflutungsgebiet der Elbe. Die Wische liegt westl. der Elbe u. östl. des Flusses Milde-Biese-Aland. Am Westrand liegen Seehausen u. Osterburg, im Nordosten Werben. Im Süden begrenzt die Arneburger Höhe das Gebiet. Die Wische liegt rund 22 Meter über NHN. Der Norden der Wische ist auch als Garbe bekannt [nach WIKIPEDIA].

Wispel: 1 Wispel (Altona) = 1099.2-1648.8 Liter; 1 Wispel (Beeskow bei Frankfurt an der Oder) = 1329 Liter; 1 Wispel (Boitzenburg/Elbe) = 1294.2 Liter; 1 Wispel (Brandenburg) = 1262-1319.07 Liter; 1 Wispel (Braunschweig) = 1245.8 Liter; 1 Wispel (Celle) = 1091 Liter; 1 Wispel (Dresden) = 2492 Liter; 1 Wispel (Eberswalde) = 1299 Liter; 1 Wispel (Fürstenwalde) = 1299 Liter; 1 Wispel (Gardelegen) = 1196 Liter; 1 Wispel (Greiz) = 3765.9 Liter; 1 Wispel (Hamburg) = 1099.2 – 1648.8 Liter; 1 Wispel (Havelberg) = 1237 Liter; 1 Wispel (Kyritz) = 1216 Liter; 1 Wispel (Bad Langensalza) = 1319.07 Liter; 1 Wispel (Leipzig) = 1297.9 – 2492 Liter; 1 Wispel (Lenzen/Elbe) = 1288 Liter; 1 Wispel (Lüneburg) = 1596 Liter; 1 Wispel (Mecklenburg/Schwerin) = 813.6-1292.4 Liter; 1 Wispel (Mecklenburg/Strelitz) = 1368.2 Liter; 1 Wispel (Müncheberg) = 1299 Liter; 1 Wispel (Neuruppin) = 1299 Liter; 1 Wispel (Perleberg) = 1196 Liter; 1 Wispel (Prenzlau) = 1206 Liter; 1 Wispel (Preußen) = 1313.5-1429 Liter; 1 Wispel (Pritzwalk) = 1196 Liter; 1 Wispel (Sachsen) = 2523.4 Liter; 1 Wispel (Salzwedel) = 1155 Liter; 1 Wispel (Schleiz) = 4616.8 Liter; 1 Wispel (Stendal) = 1113 Liter; 1 Wispel (Tangermünde) = 1075 Liter.

Wochenbett: der Zeitraum v. sechs Wochen nach der Niederkunft.

Wochengeld: das den Soldaten zu gebende Geld, das auf zehn Tage berechnet war, bei den Schweden „Lehnung“ genannt, ein alle zehn Tage zu entrichtender Sold für die schwedischen Truppen, z. B. Kapitän 12 Rt., Leutnant u. Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber u. Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den unteren Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. BURSCHEL, Sozialgeschichte, S. 975f.

wohlbeschossen: kriegserfahren, im Umgang mit Waffen geübt.

wolversucht: d. h. ein „beschossener“ Soldat, der bereits in Schlachten u. Belagerungen erprobt war.

Wolf: offene, wunde Hautstelle.

Wolfsklinge: runde, etwas breitere Schwertklinge mit einem Wolfszeichen.

Wolfsschanze: strategisch wichtiger Brückenkopf am linken Donauufer an der Straße nach Wien. Vgl. FEIL, Die Schweden, S. 397f., 423ff.

won, wonne: Wiesenland.

Worthalter: Fürsprecher, Vertreter vor Gericht, Verteidiger, Advokat.

Wuhne: sumpfiges Loch auf einer feuchten Wiese.

Wundbrand: historische Bezeichnung für alle Arten v. Wundinfektion u. deren Folgeerscheinungen.

Wurdeland: Grundstück zu Bürgerrecht.

Wurf: Maul.

würfeln: Das Würfelspiel um das eigene Leben galt z. T. als relativ milde Strafe; KAISER, Ausreißer, S. 60. JÜRGENS, Chronik, S. 525: „Den 11. Junii [21.6.1636; BW] läßt der Obrist Schlüter 3 ausgerissene Soldaten von Mützefahlen [Wilhelm Kaspar v. Metzfall; BW] Regiment ums Leben spielen, der geringste im werfen mußte hängen“. OPFERMANN, Die Geschichte des Heiligenstädter Jesuitenkollegs. Teil 1, S. 157 (1632): „Aber während dieser [Obrist Johann Berg-höfer; BW] die Bürger bedrängte, besetzte ein anderer Oberst [Thomas Sigmund v. Schlammersdorff; BW] die Dörfer des Eichsfeldes und durch unglaubliche Räubereien und Brände fügte er dem Lande bedeutenden Schaden zu. Das bekannte [Zisterzienserinnen-; BW] Kloster Anrode brandschatzte er und besetzte die Burg Gleichenstein. Bei ihrer Eroberung kam es zu folgenden beispiellosen Verbrechen: 2 Bauern von denen, die sich aus den Nachbardörfern in die Burg geflüchtet hatten, waren in der Nacht herausgekommen, um Futter zu holen. Bei der Rückkehr wurden sie von den Soldaten gefangengenommen und aufgefordert, um ihr Leben zu würfeln, mit der Bestimmung, der Sieger solle den Besiegten an einem Baume in der Nähe der Burg aufhängen. Beide lehnten diesen Todesdienst ab und keiner wollte der Henker seines Nachbarn und guten Freundes sein. Als dieser Kampf eine zeitlang anhielt, zwang man den einen von ihnen widerwillig zu tun, was er freiwillig nicht wollte. Nach dem ungeheuerlichen Verbrechen wurde sein Kamerad in die Burg zurückgeschickt, um öffentlichen den Belagerten zu melden, sie sollten schnell auf die ausbedungene Übergabe eingehen, wenn sie nicht einen ähnlichen Tod erleiden wollten“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger (12./22.9.1634); BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 205: „Und haben also die Kaiserische selbige Nacht das Dorff Asperg innbehalten, morgens aber stillschweigender weiß verlassen, aber 8. häuser angezündt und abgebrant, auch des Commissarii Godelmans [Jeremias Godelmann; BW] Gutschen wolgeladen  mit sich hinweggefüert. Es haben selbige Soldaten hernacher (wie ein fürnemmer gefangner hieoben außgesagt, allwegen 6. miteinander umbs leben spihlen müssen, daß darvon einer sterben solle, weil Sie das Dorff Under Asperg so schandlich wider verlassen“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (17.2. a. St.1635); BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 258: „Haben 6. Rheingrävische Musquetierer von der Leib Compagni mit einander umbs Leben spihlen müessen, weil sie Truchen geplündert, dann einer musste davon sterben, hats verspihlt ein Junger kerle auß der undern Pfaltz gebürtig, der auch gleich archibusiert worden, die andere aber seind auff den abend durch die Spißruoten geiagt worden“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (11.3. a. St. 1635), BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 266: „Vormittag ist die Execution gegen erstgemelten 2. Roßdieben fürgenommen worden, die haben miteinander sphilen müssen, deren der eine 11. der andere 8. geworffen, dieser letste war aus der Gravschafft Mümpelgart, und wurde gleich darauf archibusiert: der ander aber nach mittag durch die Spßruoten geiagt“. SCHILLING, Patrick Ruthven, S. 155 Anm. (nach einer Ulmer Chronik): „Den 31. Januar 1633 ist zu Ulm Hans Löffler aus Tyrol, ein dortiger geworbener Soldat, mit dem Strang gerichtet worden. Zuvor hat er mit noch zwei andern seiner Kameraden, die mit ihm fahnenflüchtig geworden waren, um das Leben würfeln müssen. Er warf 7, die andern 8 und 10. Von diesen mußte jeder 4mal durch die Spießruten laufen, worauf sie wieder unter die Fahne gestoßen wurden“. Aus Schorndorf wird 1634 überliefert, dass Militärs wie Taupadel auch Bürger um ihr Leben würfeln ließen; PFLUMMERN, Tagebücher III, S. 214q: „Zue Schorndorf 4 stuttgartische Burger ausreissen wöllen, die Obrister Dubadel ergriffen, zum Spilen genottigt und einer, so es verspilt, alsbald aufgehenkht worden, seines Weibs und viler klainer Kinder Pitten ohngeacht“.

Würtze: 1. Aus Malz zubereitete zuckerhaltige Flüssigkeit zum Gären von Bier. Teilweise wurde in den Lagern und den Garnisonen (trotz des Widerstands der örtlichen Brauer) das Einfachbier selbst produziert, um nicht von zweifelhaften Lieferungen bzw. von den überhöhten Preisen (200 bis 300 % waren durchaus üblich) örtlicher Produzenten abhängig zu sein. 2. süße Feuchtigkeit, reiner Rebensaft.

„Würzburg“: Bezeichnung eines 1631 v. dem Würzburger Bischof Franz v. Hatzfeldt errichteten Infanterie-Regiments, das nur noch 75 Mann umfasste, als es in der Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 unter dem Befehl des Hauptmanns Willich eingesetzt wurde; BRZEZINSKI, Lützen, S. 26.

Würzburg, Hochstift: Hochstift Würzburg war die Bezeichnung für das v. den Bischöfen v. Würzburg in ihrer Eigenschaft als Reichsfürsten beherrschte Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Im 17. u. 18. Jahrhundert wurde das Hochstift auch „Herzogtum Franken“ bezeichnet. Julius Echter v. Mespelbrunn [1573-1617] führte die Gegenreformation im Hochstift Würzburg durch u. gründete 1579 das Julius-Spital sowie 1582 die Universität Würzburg. Auch wurden die zahlreichen Hexenprozesse in Würzburg u. seinen Ämtern wieder aufgenommen, die unter Philipp Adolf v. Ehrenberg [1622-1631] ihren Höhepunkt fanden u. 1749 mit dem Tod der Maria Renata Singer v. Mossau endeten. Als Mitglied in der katholischen Liga hatte das Bistum im Dreißigjährigen Krieg stark zu leiden. Der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna übertrug am 20.6.1633 Bernhard v. Sachsen-Weimar die Bistümer Würzburg u. Bamberg als Herzogtum Franken, der sich jedoch nach der Niederlage bei Nördlingen nicht darin behaupten konnte. Bischof Franz v. Hatzfeld (1631-1642) verwaltete, wie mehrere seiner Nachfolger, zugleich das Bistum Bamberg.

Wüsche: Wische = niederdeutsch für Wiese, ein nur dünn besiedeltes Feuchtgebiet.

Wüstung: I. Wüstung als zerstörter oder verlassener Ort bzw. ist eine Rechtsfolge (bei Landesverrat, Ketzerei etc.). II. Wüst liegende, v. den Bauern verlassene Siedlung oder auch Feldflur.

Wütruben: Wutrübe, Schierlingswurzel.

Wursten, Land: historische Landschaft zwischen Bremerhaven u. Cuxhaven. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges kämpften die Wurster zusammen mit den Hadlern gelegentlich gegen die Kaiserlichen. Die letzten (protestantischen) Erzbischöfe bemühten sich jedoch meist erfolgreich darum, das Erzstift aus den kriegerischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Nach dem Westfälischen Frieden v. 1648 wurde das Bistum Bremen säkularisiert u. fiel an Schweden. Anschließend wurde die Region in die lang anhaltenden Konflikte zwischen Dänemark u. Schweden um die Hegemonie in Nordeuropa hineingezogen (Nordische Kriege) [nach WIKIPEDIA].

Veröffentlicht unter Begriffsregister | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Begriffe W

Wrangel [Wrangler, Vrangel, Vrange, Brengel], Helm [Helmold, Helmut] [Wilhelm, Wilm], genannt der „tolle Wrangel“, der „rasende Wrangel“

Wrangel [Wrangler, Vrangel, Vrange, Brengel], Helm [Helmold, Helmut] [Wilhelm, Wilm], genannt der „tolle Wrangel“, der rasende Wrangel“; Generalmajor [1600 Koil/Kohila (Estland)-23.8.1647 bei Třebel]

Helm Wrangel,[1] auch genannt der „tolle“ bzw. „dulle Wrangel“, war schwedischer Obrist und Generalmajor. Er wird manchmal fälschlich als Sohn des schwedischen Feldmarschalls Carl Gustav Wrangel bezeichnet, er war jedoch der Cousin von Herman Wrangel, stammte aus Finnland (nach dem Hildesheimer Arzt Schlotter ein „geborener Schwede“) und stand 1631 als Leutnant/Fähnrich in schwedischen Diensten.[2]

1632 war er noch Rittmeister.

„Ein Glück war es, daß Pappenheim[3] Ende Juni [1632; BW] dem Eichsfeld den Rücken kehrte, als er von dem Anzug Herzog Georgs und Baudissins Kunde erhielt. Als man in Erfurt[4] davon hörte, machte man sogleich den Versuch, das Land wieder in Besitz zu nehmen. Kriegsrat Dr. Buchard zog mit einigen Kompanien zu Fuß und etwas Reiterei unter [Helm; BW] Wrangel und [Christoph Friedrich v.; BW] Eßleben von Mühlhausen[5] aus gegen Dingelstädt,[6] das Wrangel überfiel und eroberte. Dabei fiel ein Teil des Städtchens einer Feuersbrunst zum Opfer, die durch das mitgelaufene Gesindel entstanden war. Als sich nun die Eichsfelder Bauern zusammenrotteten, und man hörte, daß der Feind sich rächen wolle, zog Burchard nach Mühlhausen zurück und bat den Residenten [Alexander Erskein; BW] dorthin zu kommen, um zu beraten, wie man das Eichsfeld für Herzog Wilhelm wiedergewinnen könne. Erskein begab sich sofort nach Mühlhausen und ordnete an, daß 800 Mann Ausschuß und einige hundert Reiter gegen Heiligenstadt[7] marschieren, die Stadt besetzen und alles Getreide nach Mühlhausen bringen sollten. Den Herzog aber bat er, dem Grafen [Georg Ludwig v.; BW] Löwenstein oder dem Obersten Eßleben zu befehlen, mit allem geworbenen Volk nach Duderstadt[8] zu ziehen, damit man vor den Lüneburgern dort sei und Herzog Georg dann keinen Grund mehr habe, auf seiner Weigerung – er war von Gustav Adolf aufgefordert worden, nach Nürnberg[9] zu kommen, hatte sich aber geweigert, da ihm die Belagerung von Duderstadt und Wolfenbüttel[10] wichtiger zu sein schien – zu verharren“.[11]

Gustav II. Adolf ließ Ǻke Tott und Helm Wrangel ins Gefängnis werfen, weil sie einen Streit durch ein Duell entscheiden wollten,[12] was üblich, aber verboten war.

Der Hildesheimer[13] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 3./13.12.1633: „Heut ward durch den Captein-Leutnand Kock, der Braunschweig.-Schwedische Abgesannter, Rittmeister Wrangel, ein gebohrner Schwed, forsan des General Wrangel Sohn, so alhie den Tractaten beywohnen sollte, kegen Abend eingeholet“.[14] 5./15.12.: „Kegen Abend fuhr Hauptmann Bingweiß [Pinquis; BW] den abgesannten Rittmeister im Rusischen Schlitten, Rittmeister [Louis v.; BW] Rodoan saß bey ihm vorn im Schlitten, ein Trompeter ritt vorher und bließ. It. noch 2  andere Reuter einer vor dem andern hinterher; beede Schlitten-Fahrer hatten hinten uff ihren Crabeten-Mützen ganze Eyerfladen[15] gesteckt“.[16] 9./19.12.: „Nachmittages zwischen 2 & und 3 Uhren kam Hauptmann Oße wieder von General-Wachtmeister Herrn von Gleen [Geleen;[17] BW], darauf umb 4 Uhr der Banniersche Rittmeister wieder dimittirt, und durch den Commendanten und Obristwachtmeister Kelli wieder auß dem Almers-Thore begleitet, auch kam als bald Rittmeister Homburg wieder herein“.[18]

Ende 1633 war Helm Wrangel Obristleutnant des Reiterregiments Delloni (Delloney) und Garnisonskommandant zu Babenhausen.[19] Er fügte der bayerischen Garnison von Memmingen[20] in einem Kampf empfindliche Verluste zu. Im Juni 1634 zerstreute er das Kroatenregiment von Corpes.

„Horn hatte am 14. Juni 1634 in Memmingen ‚Rendezvous‘ gehalten, dort seine Truppen zusammengezogen und war anschließend nach Augsburg[21] weitergezogen. Wegen des Anzugs der italienisch-spanischen Armee (unter dem spanischen Kardinalinfanten Fernando) zögerte er jedoch nach wie vor, Schwaben zu verlassen. Nicht besonders dienlich war auch das Verhalten Herzog Bernhards, welcher trotz mehrerer an ihn gesandten Boten sich nicht eindeutig zu einer gemeinsamen Vorgehensweise äußern wollte. Wahrscheinlich wußte Bernhard, der zwischenzeitlich auf Donauwörth[22] im Anmarsch war, selbst nicht, welches wohl die passende Strategie zu Regensburgs[23] Rettung sein könnte. Um nicht tatenlos in Augsburg liegen müssen, entschloß sich Horn am 21. Juni das Städtchen Aichach[24] einzunehmen.

— Die anti-kaiserliche „36. Extraordinari. 1634“ meldet unter dem 11./21.6. aus Schwaben: „Sontags ist Herrn Feldmarschalcks Horns Excellenz zu Augspurg angelangt / vnd marschirt die ganze Armee jetzo über die Lechhäuser[25] Brücken in Bayern / seynd in 14.000 Mann starck zu Roß vnd Fuß / außerlesenes Volck / die haben deß Obristen Forbuß [Arvid Forbes; BW] vnd Schneideweins [Johann Schneidewind; BW] Regimenter auß Augspurg mitgenommen / vnd das Schlammersdorffische wider hinein gelegt / sie haben bereits Aicha beschossen / so sich aber dapffer wehret: Man vermeynet / der Marsch möchte ferner gegen München gehen. Der liebe Gott wölle ihnen glücklichen Succeß verleyhen“.[26] —

Dort lag eine Besatzung von 300 Mann vom Schnetter’schen Regiment. Diese machten zwar anfänglich Anstalten zur Verteidigung, kapitulierten aber bald, da sie von den sich bereits [sich] auf dem Anmarsch befindlichen bayerischen Hilfstruppen unter Johann von Werth noch keine Nachricht hatten. Werth war zwar bereits bis auf wenige Stunden an die Schweden herangekommen, seine kroatischen Kundschafter aber von diesen abgefangen worden. Der daraufhin entgegengeschickte schwedische Vortrab unter dem Obersten Erasmus Platow griff allerdings etwas zu hitzig an, weshalb es zu einem Gefecht mit etlichen Toten, Verwundeten und Gefangenen kam, wodurch das Vorhaben Horns offenbar wurde und Werth sich mit seinen Truppen rechtzeitig zurückziehen konnte. Das Kroatenregiment des Marcus Corpes, 800 Mann, erlitt erneut schwere Verluste, als es sich unter Verfolgung des schwedischen Obristleutnants über das Kurländische Regiment Helmold (Helm) Wrangel bis nach Dachau[27] retirieren mußte. (Chemnitz II, S. 472)„.[28]

Nach der Schlacht bei Nördlingen[29] [5./6.1634] wurde seine Einheit mit dem Regiment des verstorbenen Obristen Rabe Arn von Oeynhausen verstärkt. Im Ende September wurden 250 Berittene gemustert. Nach der Schlacht bei Wittstock[30] [4.10.1636] wurde er zum Obristen ernannt.

In dem „Reyßbüchlein“ des irischen Feldkaplans Thomas Carve [1590 Mobernan, Co. Tipperary, Irland – 1672 ?], der ab 1636 als katholischer Priester ein irisches Regiment in kaiserlichen Diensten begleitete,[31] heißt es: „Als nun die unsrigen den Feind gezwungen, befestigte Orte aufzusuchen, befahl Gallas[32] seinen Obristen, die festen Städte und Schlösser zur kaiserlichen Devotion zu zwingen. Das geschah so, daß zugleich den Schweden jede Proviantierung abgeschnitten wurde, und besonders denen zu Stralsund,[33] Anklam,[34] Greifswald[35] und Demmin.[36] So verwüsteten sie zu diesem Ende auch das ganze umliegende Land, so daß der Feind für lange Zeit keine Hoffnung auf Lebensunterhalt haben konnte“. Die Rechtfertigung für Gallas‘ Vorgehen lieferte Carve gleich mit: „Ich will dafür halten, dies sei mit Gottes Billigung geschehen. Dies Land hatte das schwedische Kriegsvolk aufgenommen und unterstützt und dadurch das ganze Römische Reich jämmerlich verdorben, so daß es jetzt gleiches Elend und Verderbnis erleiden muß. […] Durch diese Mittel verringerte sich ihr Nachschub sehr, so daß der Obrist Wrangel genötigt war, nicht ohne Gefahr seine Leute auf verschiedene Orte aufzuteilen. Baner schickte ihnen zwar bisweilen einige Schifflein mit Korn zu, sie wurden aber entweder von den unsrigen abgefangen oder wirkten nicht viel bei einem so großen Haufen … die Kürassiere des Grafen Broy [Bruay; BW] trafen zwei Boten, die des jungen Wrangel an den Älteren trugen, in dem er das erbärmliche Elend sehr beklagte, in dem er und Baner steckten“.[37]

Am 12.2.1638 schrieb Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg aus Kölln a. d. Spree[38] an Gallas: Helm Wrangel sei mit einer größeren Anzahl von Offizieren und mehr als hundert Reitern auf ihre Seite übergelaufen, was angeblich wegen eines von ihm verübten Mord geschehen war. Er verhandle nun über dessen Vorschlag, ein noch auf gegnerischer Seite liegendes Regiment herüber zu führen, wozu er mehr als hundert Pferde brauche.[39] Am 12.3. teilte Ferdinand III.[40] aus Pressburg[41] Gallas mit, dass der Brandenburger Wrangel mehrere hundert Pferde gegeben habe und ihn gegen Pommern einsetzen wolle. Wrangel habe versprochen, den Gegner nach Kräften zu schädigen und Quartiere gefordert.[42]

1639 übergab der nun in kurbrandenburgischen Diensten stehende Wrangel Gardelegen[43] an die Schweden,[44] zusammen mit den von ihm kommandierten 10 Kompanien. Im Tagebuch des Christoph von Bismarck[45] [1583 – 1655] heißt es unter 1639: „Wie nun bald nach Abzug der Kaiserlichen und Sächsischen[46] sich die Schwed. Armee genähert und zu Bleckede[47] auf dem Lande Braunschweig und Lüneburg zugegangen, sind von Berlin etliche Truppen Reiter auf Salzwedel[48] und Gardelegen unter dem Rittmeister Kalckreuter und einem andern kommandiert, zu denen der tolle Helm Wrangel auf empfangene Ordre die Altmark für Fremde zu defendieren mit seinem Rgt. zu Pferde gestoßen und den 2 Sonnt. p. 3 Könige war der 20.1.[1639; BW] in Gardelegen mit sonderlicher Praktik eingelassen. Ob nun wohl, sobald von der Schwedischen Anwesenheit in der Nachbarschaft Kundschaft angekommen, dieser Brand. Reiterei geraten worden, zu weichen und sich zu salvieren, so hat doch bei dem Wrangel, so schon heimlich Conspirat. mit Stahlhansen [Stålhandske; BW] gehabt, nichts gelten müssen und was er in Sinne gehabt, alsbald den 29. wie etliche Schwedische Regimenter vor Gardelegen gekommen sich erweisen, daß er den 30. hinausgeritten und also accordiert, daß die Stadt nebst dieser Brandenb. Reiterei in der Schweden Hand wieder geraten und des Obristen Strick Rgt. zu Fuß zu completieren hineingelegt worden“.[49] Auf Adam von Schwarzenbergs Befehl wurde Wrangel zum Strang verurteilt und dies in Berlin an seinem Bildnis vollstreckt, später wurde er allerdings auf Verwendung Torstenssons begnadigt.[50]

Ab dem 12.6.1639 lag Wrangel in Zittau,[51] der in sechs Wochen Aufenthalt von ihm und seinen Truppen angerichtete Schaden betrug 30.000 Rt.[52]

Zossen[53] wurde 1641 Mittelpunkt militärischer Auseinandersetzungen. Im „Theatrum Europaeum“[54] heißt es dazu: „Die Winter-Quartier musten für die Käis. erweitert werden / darum lagen sie folgends von Lignitz[55] bis nach Troppau[56] / auff ungefehr 25 Meil Wegs in die Länge / so schön war allbereit dieses fruchtbare Land zugerichtet.

Es muste auch Stalhans dem stück Brodt zu Ehren seine Quartier weiter / und theils zu Luckau[57] in Nied. Lausitz suchen / daselbsten er gegen dem Ende Januarii sein Haupt-Quartier nahme / und den Obr. Tollen Wrangler [Helm Wrangel; BW] in die Marck nach Britzen[58] streiffen liesse / den Rittmeister Straussen / und die andere aus Cotbuß[59] gewichene zu suchen. Weilen sie nun auch von dannen nach Pritzen gewichen waren / und ohne das nicht mehr viel in diesem Städtlein zu finden war / plünderte sein Volck Kirchen und Schulen / prügelten die Leuthe / schlugen darüber einen Bürgermeister todt / schändeten das Weibsvolck / und hauseten grausam. Von dannen giengen sie auf Mittelwalda[60] und Zossen / brenten im Städtlein Zossen / und wollten sich deß besetzten vesten Schlosses mit aller Gewalt bemeistern / zu welchem Ende sie kleine Stücke bey sich hatten. Es war fast überall um schweres Brandschätzen uñ Gelt zu thun / deßwegen sie auch den Ober-Lands-Hauptman im N. Laußnitz Seyfrieden von der Dame mit sich nahmen. Sie thaten und litten Schaden : Inmassen ihnen die Goldackerische ofters einfielen / und nur allein für dißmal bey 200. ruinirten. Die Stalhansischen aber griffen auff das Schloß Zossen mit Ernst / beschossen es / und bliebe von einem Canon-Schuß der darinnen ligende Hauptman Centemeyr / dessen Lieutenant sich mit etlichen auff einen Thurn salvirte /und noch etwas wehrte / aber doch im Januario auff Gnad und Ungnad ergeben muste. Worüber die in Berlin / auß Furcht / daß sie die nächsten am Reyen werden seyn müssen / die 3. Vorstädte zu Cöllen an der Sprey[61] theils einrissen / und darunter das Churfürstl. und andere andere Vorwercke ansteckten / auch an der Kirchen zu S. Gertraut etwas anfingen abzubrechen : daß also fast nichts als das Churfürstl. Reit- und Ballen-Hauß diß Orts stehend geblieben / welche beyde zur Defension verschanzt wurden / um welcher Defension willen man sich also menagiret hat : und kamen doch die Stalhansischen weiter nicht / als biß an dieses Zossen / allda sie den gefundenen Vorrath zuvorn verzehrten / die Thor verbrenneten / bey ungefehr 800. Mann über dieser Expedition im Stich liessen / worauff sie wieder / wo sie herkommen waren / hinkehreten : zuvorn aber aus dem Teltawischen[62] / und andern Orten herum / das Geträyde / Vieh und Pferd weg holten“.[63]

Am 29.1.1641 brach Stålhandske von Cottbus auf und ging über Calau[64] und Luckau nach Zossen. 2.000 Mann zu Fuß und 1.500 Reiter mit Kanonen hatte der schwedische General dabei an seiner Seite, als er mit dem strategischen Fernziel Berlin und Cöln zunächst in Zossen einzog. Die Schweden hatten die zur Sicherung Berlins nach Südosten verschobenen kaiserlichen Reiterkompanien schon langsam zurückgedrängt, so dass neue Kräfte aufgeboten werden mussten. Auf schnellsten Wege wurde deshalb die in Beeskow[65] stehende Dragonerkompanie des Hauptmanns Zehntmehner nach Zossen verlegt, um den dort wichtigen Notteübergang zu sichern und durch hartnäckigen Widerstand, den bedrohten Residenzstädten Berlin und Cöln Zeit für notwendige Verteidigungsmaßnahmen zu geben. Die Burg Zossen hatte schon Kurfürst Joachim II. zur Verteidigung der Landesgrenze strategisch genutzt. In aller Eile ließ Hauptmann Zehntmehner das Schloss zur Verteidigung rüsten. Die kleine Besatzung zählte nur 130 Dragoner. An schweren Waffen gab es lediglich Doppelhaken, Gewehre mit großem Kaliber, die auf einem Block befestigt waren und wie Geschützte zur Sturmabwehr verwendet wurden. Der Kommandant sah vom Burgturm, wie die Schweden in dichten Reihen das Schloss von allen Seiten eng umzingelten. Die ersten Kugeln drangen in die Festung ein. Zwar war das ‚feste Haus Zossen’ durch die umgebenden Sumpfgebiete schwer zugänglich und die Besatzung durch die Wälle, den mächtigen Festungsturm und die starken Kellergewölbe gegen die einschlagenden Geschosse notdürftig geschützt – doch als drei Tage lang schwere Artillerie- und Musketenfeuer auf die Verschanzungen niedergeprasselt war, wies die Besatzung manche Lücke auf. Am vierten Tag der Belagerung riefen dröhnende Trommeln und schmetternde Trompeten im schwedischen Lager zum Sturmangriff auf die erschütterte Festung auf. Schnell wurden die Burggräben mit Steinen aufgefüllt, als die Stürmenden auch schon mit lautem Siegesgeschrei auf die angelegten Leitern über die Mauern drangen. Hauptmann Zehntmehner erlag einem Kugelregen. Sofort übernahm sein Leutnant seine Aufgabe und schlug mit seinen Dragonern die schwedischen Truppen mit schweren Verlusten zurück. Er versuchte den Tod des beliebten Kommandanten zu verheimlichen, doch vergebens. Die Nachricht über das Unglück drang zu den Reitern und löste Mutlosigkeit aus. Resignation begleitete die Aktionen der Brandenburger in den nächsten Tagen. Zwar gelang es ihnen, noch einmal alle Sturmversuche zurückzuschlagen, doch als General Stålhandske seine Truppen zum dritten Male gegen die Schlosswände anrennen ließ, durchbrachen sie die Wände. Es gelang nur wenigen Reitern, nach Berlin zu reiten und die schreckliche Nachricht zu übermitteln. Der Leutnant flüchtete, als die Schweden ins Schloss einbrachen. Die Schweden belagerten den Turm mit einem Scharfschützen, der jeden erschoss, der über den Marktplatz ging. Der Leutnant konnte aber durch den Morast verschwinden.

Nach dem Fall des ‚festen Hauses Zossen’ war der Weg nach Berlin für die Schweden frei. Doch der erwartete Angriff von General Stålhandske blieb aus. Die hartnäckigen Verteidigungen des Schlosses Zossen durch den tapferen Hauptmann Zehntmehner und seine Dragoner hatte Schweden die Luft genommen, einen Angriff auf die stärkste kurfürstliche Hauptstadt zu wagen. Die ungebetenen Gäste zogen zehn Tage nach Zossens Eroberung, nachdem sie ‚allen Vorrat verzehrt’ und alle strategisch wichtigen Anlagen des Schlosses samt dem starken Festungsturm in Mitleidenschaft gezogen hatten, in die Lausitz zurück, wobei Wrangel in Cottbus noch bis Mitte Mai blieb. Die eigenen brandenburgischen Soldaten, die nun noch in Zossen blieben, erwiesen sich unter ihrem Führer Goldacker als ebenso lästig wie die Schweden, da sie mindestens genauso erbärmlich wie die Feinde hausten. Dem damaligen Zossener Amtmann, Hans von Waldow, gelang es angesichts des leidgeprüften Ortes, beim Kurfürsten Erleichterung hinsichtlich der Kontributionen zu erlangen.

„Ein kaiserliches Heer war unter dem Erzherzog Leopold[66] aus dem Magdeburgischen zum Entsatz der blockierten Festung herangerückt. Generalleutnant von Klitzing vereinigte die braunschweig-lüneburgischen Truppen gegen den inneren Wunsch der Herzöge mit dem schwedischen Heere unter den Generalen Phul und [Helm; BW] Wrangel sowie den Weimaraner Truppen unter dem französischen Marschall Guébriant im Juni vor dem Kiebitzer Damm am Großen Bruchgraben, um die Blockade von Wolfenbüttel[67] zu decken. Da aber die Kaiserlichen nördlich dieses Hindernisses über Germersleben-Schöningen[68] vorrückten, zogen die Alliierten gleichfalls auf Wolfenbüttel, so daß beide Heere parallel miteinander gleichsam in die Wette marschierten und fast gleichzeitig vor der Festung anlangten. Am 17. Juni marschierte die kaiserliche Armee durch Wolfenbüttel, auf das linke Okerufer, wo die schwedisch-deutsche Armee schon stand, und nahm unter den Kanonen der Festung eine Stellung, derjenigen der Alliierten gegenüber. Hier kam es am 19. Juni zu einer blutigen und lange unentschiedenen Schlacht, in der es sich hauptsächlich um Steterburg[69] und den Besitz des dortigen Waldes handelte. Bei den Verbündeten stand das schwedische Heer auf dem rechten, das deutsche Heer auf dem linken Flügel. Die Stärke des verbündeten Heeres betrug 22 000 Mann, die des kaiserlichen 20 000 Mann. Von den Truppen des verstorbenen Herzogs nahmen sein berühmtes Leib-Kavallerie-Regiment, das ebenso berühmte Kürassier-Regiment Anton Meier und die Kürassier-Regimenter v. Warberg, Koch und von Dannenberg, von der Infanterie das rote Regiment v. Schlütter[69a] und das blaue Regiment mit je 6 Kompagnien, sowie endlich vom Leib-Infanterie-Regiment v. Bessel und vom gelben Regiment v. Waldow je 2 Kompagnien in der Gesamtstärke von 5400 Mann an der Schlacht teil. Namentlich zeichnete sich Generalleutnant v. Klitzing mit den drei alten Kavallerie-Regimentern Georgs aus. Die gesamte Kavallerie der Verbündeten unter dem General v. Königsmark führte durch einen umfassenden Angriff auf den kaiserlichen rechten Flügel, der diesen zum Weichen brachte, die Entscheidung zugunsten des protestantischen Heeres herbei. Das Leib-Kavallerie-Regiment unter dem Oberstleutnant v. Schönberg drang dabei in zwei bayerische Infanterie-Regimenter ein, nahm 2 Obersten gefangen und eroberte 6 Fahnen und 4 Kanonen. Die Kaiserlichen wurden bis unter die Wälle der Festung getrieben, zogen am 24. durch Wolfenbüttel und setzten den Rückzug bis Schöningen fort“.[70]

1644 scheint er an der Seeschlacht zwischen Schweden und Dänen im sogenannten „Torstensson“-Krieg teilgenommen zu haben. Der Hildesheimer[71] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 13./23.10.1644 eine ausführliche Relation Wrangels fest.[72]

1645 wurde er Generalmajor der Kavallerie.

Dr. Jordan notiert unter dem 19./29.11.1645: „Helm Wrangelß untergebene 15 Regimenter movirn sich und marschiern über die Steinbrugk nach Bethmer[73] an der Langen Wische, woselbst das Hauptquartier gewesen, wardt also das gantze Landt Lüneburg, worunter die vorigen sehr getrofen, und hiesiges Stift, welches jedoch ihrer ordinari Königsmarckischen Contribution nicht haben mußte, gantz quitirt, wiewol es dermaßen hergenommen, das er es wol fühlen wirdt“.[74] Am 12.1./22.1.1646 erwähnt ihn Dr. Jordan noch einmal: „Helm Wrangel werden die begehrte 50 Pferde von hiesigem Stift vnnd von hierauß fortgeschickt“.[75]

Wrangel verstarb am 25.8.1647 an seinen Verletzungen, die er in dem Reitergefecht am 25.8.1647 bei Třebel [76] gegen kaiserliche Truppen unter Johann von Werth erlitten hatte.[77] Nach den Aussagen des Teilnehmers William Forbes[77a] fiel er dagegen am 12./22.8.1647.[77b]

In der Saalfelder[78] Chronistik heißt es: „30. Augusti [9.9.1647; BW] kam ein Fürst aus Holstein [HolsteinSonderburg-Beck, August Philipp v.; BW], wie auch des also genanten tollen Wrangels Witwe mit ihres Mannes Cörper und 250 Pferden an, außer was sich in die Vorstädte geleget“.[79]

Beigesetzt wurde er in der Grabkapelle von St. Marienkirche zu Wismar,[80] wo er angeblich als „grauenhafte Mumie“ Besuchern gezeigt wurde.[81]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Ausführlicher Lebenslauf bei BAENSCH, Geschichte, S. 134ff.

[2] PLEISS, Finnen, S. 11.

[3] Vgl. STADLER, Pappenheim.

[4] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[5] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[6] Dingelstädt [Kreis Eichsfeld]; HHSD IX, S. 77f.

[7] Heiligenstadt [Kreis Eichsfeld]; HHSD IX, S. 186ff.

[8] Duderstadt [Kreis Göttingen]; HHSD II, S. S. 123f.

[9] Nürnberg; HHSD VII,  S. 530ff.

[10] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[11] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S.71ff.

[12] HEILMANN, Kriegswesen, S. 266.

[13] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[14] SCHLOTTER, Acta, S. 108.

[15] Eyerfladen: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten.

[16] SCHLOTTER, Acta, S. 109.

[17] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[18] SCHLOTTER, Acta, S. 110.

[19] Babenhausen [LK Unterallgäu]; HHSD VII, S. 55f.

[20] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[21] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[22] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[23] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[24] Aichach [LK Aichach-Friedberg]; HHSD VII, S. 3.

[25] Lechhausen; heute Stadtteil von Augsburg.

[26] Archives Municipales de Strasbourg AA 1065.

[27] Dachau [LK Dachau], HHSD VII, S. 129ff.

[28] ENGERISSER, Von Kronach, S. 289f. (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[29] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff. Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

[30] 24.9./4.10.1636: Schwedische Truppen (9150 Berittene und 7228 Infanteristen) unter Johan Banér schlagen die kaiserlich-sächsischen Truppen (9000 Berittene und 9000 zu Fuß) unter Melchior von Hatzfeldt. Dadurch konnten die schwedischen Kontributionsgebiete wieder ausgeweitet werden; Banér hatte bewiesen, dass mit Schweden als Militärmacht in dieser Kriegsphase wieder zu rechnen war. Vgl. Eigentlicher Verlauff Des Treffens bey Wittstock / etc. vorgangen den 4. October / 24. September 1636 [VD17 23.313240S]. Vgl. die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; MURDOCH; ZICKERMANN; MARKS, Battle of Wittstock; ferner HÖBELT, Wittstock; HEßELMANN, Simpliciana XXXIII.

[31] Vgl. die Erwähnungen bei WORTHINGTON, Eyewitnesses.

[32] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[33] Stralsund [Kr. Stralsund]; HHSD XII, S. 292ff.

[34] Anklam [Kr. Anklam]; HHSD XII, S. 153ff.

[35] Greifswald [Kr. Greifswald]; HHSD XII, S. 194ff.

[36] Demmin; HHSD XII, S. 175ff.

[37] MILGER, Gegen Land und Leute, S. 314. Vgl. ferner Slg. 15: Autographensammlung des Königlichen Hausarchivs der Niederlande. Online verfügbar unter: sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_LHA/FB/Slg_15_00_Findbuch.pdf, Nr. 192: Helm Wrangel an Fürst August von Anhalt-Plötzkau; Aschersleben 1636.

[38] Berlin-Neuköllln; HHSD X, S. 86ff.

[39] Badura; Kočí, Der große Kampf, Nr. 558.

[40] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[41] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[42] Badura; Kočí, Der große Kampf, Nr. 569.

[43] Gardelegen [Kr. Gardelegen]; HHSD XI, S. 130ff.

[44] Du Jarrys, Der dreißigjährige Krieg Bd. 1, S. 176.

[45] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 52.

[46] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab April 2012).

[47] Bleckede [Kr. Lüneburg]; HHSD II, S. 51f.

[48] Salzwedel [Kr. Salzwedel]; HHSD XI, S. 404ff.

[49] SCHMIDT, Tagebuch, S. 89f.

[50] PAULI, Allgemeine preußische Staaten-Geschichte Bd. 3, S. 610.

[51] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.

[52] PESCHECK, Handbuch Bd. 2, S. 582f.

[53] Zossen [Kr. Teltow/Zossen]; HHSD X, S. 408f.

[54] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[55] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[56] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.

[57] Luckau [Niederlausitz; Bez. Cottbus]; HHSD X, S. 268ff.

[58] Berlin-Britz [Ortsteil Berlin-Neukölln]; HHSD X, S. 39f.

[59] Cottbus [Stadtkr.]; HHSD X, S. 134ff.

[60] Mittenwalde [Kr. Teltow/Königs Wusterhausen]; HHSD X, S. 281f.

[61] Berlin (u. Cölln), HHSD X, S. 21ff.

[62] Teltow [Kr. Teltow/Zossen]; HHSD X, S. 373f.

[63] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 576f.

[64] Calau [Kr. Calau]; HHSD X, S. 151ff.

[65] Beeskow [Kr. Beeskow-Storkow/Beeskow]; HHSD X, S. 15ff.

[66] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[67] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[68] Germersleben, vgl. Groß-Germersleben [Kr. Wanzleben]; HHSD XI, S. 155f.; Schöningen [Kr. Helmstedt]; HHSD II, S. 419f.

[69] Steterburg [Stadt Salzgitter]; HHSD II, S. 442f.

[69a] Wilhelm (v.) Tietz, genannt Schlüter [Schlütter] [1601 Burgwedel-20.1.1646 Hameln], braunschweigisch-lüneburgischer Obrist; seit 1642 Mitglied Nr. 381 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Leuchtende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 446f.; http://www.die-fruchtbringende-gesellschaft.de/index.php?article_id=16&wWidth=1366&wHeight=607.

[70] WERSEBE, Geschichte, S. 32ff.

[71] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[72] SCHLOTTER, Acta, S. 438ff. Vgl. auch GREVE, Geographie und Geschichte, S. 279ff.

[73] Bettmar, heute Ortsteil von Schellerten [LK Hildesheim].

[74] SCHLOTTER, Acta, S. 455.

[75] SCHLOTTER, Acta, S. 456.

[76] Třebel, heute Ortsteil von Černosín, Bez. Tachov.

[77] SCHULTZE, Neu-Augirte Und Continuirte Chronica, S. 486; HÖFER, Ende, S. 82.

[77a] William Forbes [Forbus, Vorbus, Vorbusch, Forbutz, Forby] [2.2.1614 Fiddes, Schottland-14./24.7.1654 an der Schanze Burg], schwedischer Obrist. Seit 1649 Mitglied Nr. 527 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ („Der Sonderliche“). Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 2262; PLEISS, Das Kriegstagebuch.

[77b] PLEISS, Das Kriegsfahrtenbuch, S. 148.

[78] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[79] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 190f.

[80] Vgl. die Abbildung bei BAENSCH, Geschichte, S. 142; Wismar [Kr. Wismar]; HHSD XII, S. 133ff. VD17 23:265252M: HERTZBERG, Joachim: „Christliche Leich-Predigt Aus dem 7. cap. Hiobs : Bey hochansehnlicher Leichbestätigung Des … Herrn Helm Wrangeln / der Kön. Mtt. und Reiche Schweden hochberühmten General-Majorn über die Cavallerie, Welcher den 12. Augusti des lauffenden 1647. Jahrs in einer vornehmen bey Tribul in Böhmen vorgegangenen Occasion tödtlich verwundet worden / und folgenden Tages selig eingeschlaffen / Dessen Leiche nach Wißmar gebracht / und den 15. Decemb. daselbst in St. Marien Kirchen mit überaus stattlichem Geprenge und Adelichen Ceremonien beygesetzet worden“. Rostock 1648.

[81] BARTHOLD, Geschichte des großen deutschen Krieges, 2. Theil, S. 598. Online erhältlich unter: books.google.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Wrangel [Wrangler, Vrangel, Vrange, Brengel], Helm [Helmold, Helmut] [Wilhelm, Wilm], genannt der „tolle Wrangel“, der „rasende Wrangel“

Hunolstein [Hundelstein, Hundtstein, Honolstein] zu Dürrkastel, Johann Wilhelm Freiherr Vogt von

Hunolstein [Hundelstein, Hundtstein, Honolstein] zu Dürkastel, Johann Wilhelm Freiherr Vogt von; Generalwachtmeister, Feldmarschallleutnant [24.4.1599 Dürkastel-29.9.1665 Breslau]

Johann Wilhelm Freiherr Vogt von Hunolstein[1] zu Dürkastel[2] [24.4.1599 Dürkastel-29.9.1665 Breslau[3]] war verheiratet mit Maria Elisabeth von Steinkallenfels [ca.1605- 10.7.1669].

Im Münsterland hatte man versucht, sich gegen die Einquartierungen ligistischer Truppen zu wehren. „Wie in Dülmen,[4] das am 12. Februar [1623; BW] aufgab, als Oberstleutnant Mathias de Gallas[5] mit vier Geschützen das Öffnen der Tore erzwang, so wich man in Ramsdorf[6] den massiven Drohungen der anrückenden Truppen. Zwar hatte man im Wigbold[7] beschlossen, bewaffneten Widerstand zu leisten, musste sich aber MItte Februar ebenfalls der Einquartierung durch Kapitän Hundtstein beugen.[8] Das Kapitel der ‚Rebellion’ war damit für die Ramsdorfer aber keineswegs abgeschlossen.

Am 13. März 1623 schrieb Graf Anholt an Ahaus,[9] Ramsdorf, Südlohn[10] und Ottenstein,[11] daß er seinen Hauptmann Jakob Kob von Nürdingen[12] befohlen habe, einen Teil seiner Kompanie bei ihnen unterzubringen. Ihre bisherige Besatzung solle bei seiner Ankunft sofort abrücken. Die Ausführung dieser Order gestaltete sich in Ramsdorf allerdings mehr als schwierig, denn die bereits im Wigbold sitzenden Soldaten unter Befehl Hundtsteins wollten das Feld nicht ohne weiteres für ihre Nachfolger räumen. Offensichtlich hatten sie sich im Wigbold bereits ‚häuslich’ eingerichtet und waren nicht bereit, ihr Quartier gegen eine ungewisse Zukunft andernorts zu tauschen. Beim geplanten Wechsel der Besatzung kam es daher zu einigen Zwischenfällen. In einem Bericht, denn die fürstbischöflichen Kommissare bei der Untersuchung der ‚Rebellion’ 1624 erstellten, sagten die Ramsdorfer aus: ‚Was Hauptmann Kop belangt, denen wollte die von Ranstrup für ihre Person gerne parirt und vermöge seines Patents eingenohmmen haben, sofern er das Hundsteinsche Volck so mit ihre Bagasi [Bagage] alnoch darin gelegen, hette ausschaffen können. Weil aber solches nicht geschehen, sondern das Hundtsteinsche Volck die Bürger und Einwöhneren angereitzet, sie sollten niemandt anders einlassen und sich wiedersetzen, den sie wollten ihr einhabendes Quartier woll verthedigen, so were Kop zugefahren, und der einquartierung ungeachtet die Mühle abgeworffen, das Wasser streichen lassen, und etliche schuß auff das Stättlein getan. Dagegen die Bürgeren acht oder zehn Schuß ins Veldt abgehen laßen, und ob sie woll niemandten verletzt hetten, sie gleichwoll den Capitain Kop, so zwey pforten in brandt gestocken und das stättlein zum hefftigsten beängstigt’. Ob die Weigerung, die Soldaten Kob von Nürdings in den Ort zu lassen, wirklich primär der Widersetzlichkeit der hundtsteinischen Truppen zuzuschreiben war, lässt sich aufgrund der nur spärlich vorhandenen Quellen nicht eindeutig klären. Die münsterschen Kommissare, die das Ausmaß der Rebellion und die Gründe dafür zu untersuchen hatten, sahen die Sache jedenfalls etwas anders. Im Verzeichnis jener Städte und Wigbolde, die im Laufe der Untersuchung gegen die Rebellen inspiziert wurden, heißt es zu Ramsdorf, es ‚habe sich gar rebellisch gezeigt’, und die entsprechende Strafe folgte auf dem Fuße“.[13]

Hunolstein hatte 1629 noch im ligistischen Regiment Cronberg gedient. 1637 wird er als Obristwachtmeister erwähnt. In der Bietigheimer[14] Chronik (Herzogtum Württemberg) heißt es unter 1637: „Hierzwischen grassierte der bittere Hunger immer fort, dann wenig ausgesäet und eine schmale Ernte eingesammelt war. Ohngeachtet dessen aber, so kam in Anno [1]637 abermal ein Obrister Wachtmeister von Hundelstein [Hunolstein; BW] mit einer Compagnia Fueßvolk zue uns mit Vorwenden, es wäre dies Städtlin ihme zum Winterquartier assigniert. Sobald er ein Stuck Geld bekommen, wurde er von dreyen General-Adjutanten, selbige aber hinwiederumb vom Freyherrn von Hertzberg [BW] und Rittmeister Waldecken [Philipp Theodor v. Waldeck-Eisenberg; BW] ausgetriben, welche das Quartier behalten, mit Pressen und Einsperren übel verfahren und die Leut heftig geängstet und gemartert. Denn 4. Martii hat man den Freyherrn umb Nachlaß oder nur Milderung des Gelds, einen Fueßfall getan. Aber es war kein Barmherzigkeit zu verspüren. Ohne den Servis mueßte man monatlich geben 650 Gulden“.[15]

Hunolstein war 1639 in kurbayerische Dienste getreten.

Hunoldsteins[16] Brigade nahm Ende September 1640 an dem Sturm auf Höxter[17] teil.

Im „Theatrum Europaeum“[18] heißt es: „Die Käis. eroberten Höxter im dritten Sturm so weit / daß die darinnen gelegene 900. Lüneburgische unterm Gen. Major Eduard Pithan accordirten; sie setzen darauff mit etlichen Truppen über die Weser / streiffeten auff die neugeworbene Lüneburgischen / und selbigen Außschuß / und schickten deren viel mit blutigen Köpffen zu Weib und Kindern; Herzog August zu Braunschweig geworbenes Volck muste deßwegen an die Weser eilen / ferneres Übersetzen / biß Banner kame / zu verhindern“.[19]

„In diesem 1640. jahr hat der ertzhertzog Leopold [Wilhelm][20] alß er mit der kayserlichen armee von 60.000 mann den Bannier [Banér; BW] verfolgete, hat er auch die statt Huxar belagert, dieselbige auch per accordt nach dreymahligen, andere tagen[21] funffmahligen sturm erobert, eß haben darin 900 mann Braunschweigsche völcker unter dem obristen Brauns gelegen, wie nuhn diese belagerung abgangen, kan man aus folgenden besehen. Den 29./19. Septembris Nach dem ihre kayserliche mayestät bruder eine geraume zeit hero gegen den Schwedischen feldmarschallen Johan Bannier zu Fritzlar[22] undt Wildungen[23] zu felde gelegen, undt nach dem auffbruch auff Warburg[24] undt ferner auf Höxer zog, hat er den 19. Septembris durch generall von Gleen [Geleen;[25] BW] die statt mit 5000 pferden berennen laßen, undt folgenden abents und nachts mit seinem gantzen krieges heer gefolget, alsobalt die stücke gepflantzet, undt unterschidtliche läger von Bruchhausen[26] an bis ober der statt von der Klippmühlen an unter dem Bielenberg heer bis an den Brenckhaüser thurn, undt von dannen unter dem Roseberg heer bis nach Albexen[27] (seindt also das ganze läger in die sechtzigtausendt mann bestanden) schlagen lasen, darauff auch alsobalt angefangen mit 12 stücken an zweyen unterschidtlichen örthern auff den Stumrigen walle an den mauren presse zu schiesen, das Peters thoer abgebrandt, undt über 825 grose kugelen (so weit mann nachrichtung hatt) in die statt geschoßen; wie aber die belagerten unter dem commando herrn obristen Brauns undt den dreyn hauptleuten, Milert, Fischers und Wilcken sich tapfer gewehret, undt mit allerhandt mit mittelen (worzu sie auch etliche immekörbe[28] gebrauchet, welche sie über die mauren unter den feindt gewoffen) fünff generalsturm, worunter einer 3 stunden ohne auffhören gewehret, hurtig abgeschlagen, das dem bericht nach über 70 mann todt undt viell gequetschet worden, entlich aber wie noch 5000 man beordert worden, abermahlß einen sturm zu thun, undt nach eroberung keines menschen zu verschonen, hat der gnädige Gott gegen den abendt ein groses schreckliches blitzen undt donner wetter erwecket, dabey ein ungewöhnlicher regen gefallen, das dem feindt alles pulfer naß undt untüchtig worden: Dannenhero die kayserlichen bewogen worden, den belagerten einen accordt anzubieten; sie wolten anfangklich nichtes davon hören, doch entlich, wie der entsatzs ausblieb undt ein klägliches wintzelen undt wehklagen in allen ecken der statt ware, der obriste auch von den belagerten gahr starck hierzu angehalten wurdt, gingen sie den accord ein, da dan verwilliget worden, bey sonnenschein selbigen tages noch mit sack undt pack undt mit fliegenden fahnen, krieges gebrauch nach über die Weeser außzuziehen, wie sie sich aber etwas über bestimte zeit in der statt verweilten, wardt ihnen der accord nicht gehalten, sondern alle miteinander (ausgenohmen den obristen, capitäinen, lietenanten undt fendrichen) sich unterstellen müsen, darauff ist der obriste Mercii [Caspar v. Mercy; BW] mit seinem regiment gelegt worden in Huxar, folgender tages ihre ertzhertzogliche durchlaucht Leopold Wilhelm selber, Ottavio Picolomini,[29] der herr von Stadien [Johann Kaspar v. Stadion; BW], Teütscher Meister, generall von Gleen [Geleen; BW], von Hannibal de Gonzago [Gonzaga; BW], general Breda, general Mercy, graff [Wilhelm Leopold; BW] von Tattenbach, graff von [Maximilian Felix v.; BW] Wolckenstein, graf [Michael Ferdinand von Althan ?; BW] von Altenhann, ein fürst [Eitel Friedrich; BW] von Hohenzöllern, baron de Hoye [Soye; BW], baron de Rhodan [Rodoan], generalwachtmeister Fernemundt [Fernemont; BW], obriste Rackenwitz [Nikola Rajkovič; BW], obriste Zaradetzky, obrist Bonell, obrister Ägydi, obrister Install, obrister de Meers [Mers; BW], obrister Güsenberg [Giesenberg; BW], obrister Zweyer, undt viele andre obristen undt hohe officier mehr mit ihrem sämbtlichen hoffstäben in die stadt logert und seindt bis über die 8000 pferde bis in den vierten tag still darinn gelegen, welche alles getrayt ausgetroschen, bey die 1200 malter rocken,[30] ohne was verfuttert, unter die füse getretten undt über die seiten gebracht, das also kein korn, obst gemüß, oder etwas anders, womit man sich hette laben können, übrig geplieben“.[31]

Am 14.1.1641 wurde Hunolstein Kommandant im oberpfälzischen Amberg.[32] „Die Aufforderung des am 14. Januar eingetroffenen Kommandanten Freiherr von Hunolstein sich zur Verteidigung der Stadt gebrauchen zu lassen, beantworteten die Amberger dahin, daß sie mit dem Dienst unter dem Gewehr verschont werden wollten, jedoch gerne bereit seien, sich zum Arbeitsdienst gebrauchen zu lassen. (Feuerlöschen, Verbauen von Breschen, Zutragen von Speisen und Trank zu den Soldaten auf die Mauer, Tragen von Verwundeten). Hunolstein ordnete am 15. Januar die Ablieferung ihrer Gewehre an. Am 15. Februar erklärten die Amberger sich bereit, zur Verteidigung der Stadt ‚neben der Garnison auf der Stadtmauer’ sich einsetzen zu lassen“.[33] Doch bereits am 14.3.1641 ging Hunolstein wieder zur Armee zurück.[34]

Der schwedische Obrist Slange nahm auf dem Rückmarsch von der fehlgeschlagenen Belagerung Regensburgs[35] 1641 durch Banér mit dem kleinerem Teil seines Regiments in Burglengenfeld,[36] mit dem größeren in Schwandorf[37] Quartier.

Er zog die Besatzung von Burglengenfeld an sich und marschierte am 17.3. abends nach Neunburg vorm Wald[38] ab, wo er am 18.3. um 3 Uhr morgens eintraf. Die ihm unterstellten Nabburger[39] Regimenter wies er an, unverzüglich nach Neunburg zu marschieren. Diese warteten jedoch, bis die Korps von Auerbach[40] und Vilseck[41] eintrafen und brachen erst am 19. 3. nach Neunburg auf. Der Vortrab der Kaiserlichen und Bayerischen, 7.400 Kavalleristen unter Caspar von Mercy am 17.3. Burglengenfeld, das von den Schweden bereits aufgegeben worden war, und brach am 18.3. gegen Cham[42] auf. Slange wartete in Neunburg das Eintreffen der beiden Nabburger Regimenter nicht ab und marschierte am 19.3. nach Cham ab. Bei Neukirchen-Balbini[43] stieß er auf die Vorhut unter Mercy und wurde nach Neunburg hineingeworfen. Über 600 Wagen, alle Handpferde und die Frauen der Offiziere fielen in Mercys Hände.

Zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit ließ Slange in Neunburg 41 Häuser niederreißen, alles Vieh aus den Ställen auf die Straße treiben, seine Pferde hineinstellen und verschiedene Bollwerke errichten. Die beiden Nabburger Regimenter hatten sich am 18.3. mit den Garnisonen aus Auerbach und Vilseck vereinigt und marschierten am 19.3. von Nabburg ab. Sie fanden jedoch Neunburg bereits von kaiserlichen und bayerischen Truppen eingeschlossen. Ein Ausfall Slanges ermöglichte es ihnen in die Stadt zu gelangen. Am 19.3. zog Báner von Cham über Furth[44] und Taus[45] ab. Geleen traf in der Nacht vom 19./20.3. vor Cham ein und nahm sofort die Verfolgung auf. Erzherzog Leopold Wilhelm leitete den Angriff auf Neunburg, der am 19.3. in Neukirchen-Balbini sein Hauptquartier aufschlug. Der Ort wurde von den Kaiserlichen bis auf sieben Häuser völlig niedergebrannt.

Slange „machte Piccolomini, der an der Spitze seiner Reiterei am Ort erschienen war, sogleich klar, daß er nicht daran denke, aufzugeben. Neunburg lag auf dem Weg nach Cham, und um weiter vorrücken zu können, mußten die Kaiserlichen zuerst Slangs Truppe bezwingen. Die Infanterie der kaiserlichen Hauptmacht wurde herangeführt, und am Morgen des 10. [20.] März war auch die gesamte kaiserliche Artillerie herangefahren und aufgeprotzt. Der Angriff konnte beginnen. […] Die einfachste Methode, eine Festung einzunehmen, war das Zernieren, was ein feineres Wort dafür war, daß man alle Ausgänge der Festung verstopfte und dann einfach wartete, bis der Hunger die Menschen in ihrem Inneren zwang, zu kapitulieren. […] Eine Zernierung konnte hier bei Neunburg nicht in Frage kommen, auch eine regelrechte Belagerung nicht. Die Kaiserlichen hatten keine Zeit. Sie mußten Slang und seine Männer schnell aus dem Weg räumen, um weitermarschieren zu können und das schwedische Heer in Cham einzuschließen. Also blieb ihnen nur eine Erstürmung. Es waren stets blutige und gewagte Operationen, im Kreuzfeuer mit Hellebarden und Äxten und Handgranaten anzustürmen und sich auf unangenehm hohe Leitern zu schwingen oder auf blutig geschrammten Händen und Füßen durch eine mit Sprengsteinen gefüllte Bresche in einer Mauer zu kriechen.

Auch solche Festungskämpfe folgten einem bestimmten Ritual. Zunächst verlangte der Angreifer, daß der Verteidiger sich ergeben solle. Die Antwort war in neunundneunzig von hundert Fällen ein Nein, und zwar ungeachtet der Lage. Ohne Kampf aufzugeben machte einen schlechten Eindruck und tat der Ehre Abbruch.[46] Häufig folgte danach ein verbales Spiel von Drohung und Trotz, in dem die Angreifer schworen, zu stürmen und allen und allem den Graus zu machen, während der Verteidiger stolz gelobte, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Dann begann der Kampf. Tatsächlich kam es äußerst selten dazu, daß Mann gegen Mann kämpfte. Sobald die Verteidiger keine Möglichkeit mehr sahen, die Angreifer zurückzuhalten, gaben sie auf, aller wackeren Rhetorik zum Trotz. Oft genügte es, daß der Angreifer eine Bresche in die Mauer schoß.

Diese ritualisierten Kämpfe waren immer üblicher geworden, ein weiteres Anzeichen dafür, daß der Konflikt einiges von seiner Hitze zu verlieren begonnen hatte. Viel von dem merkwürdigen, schönen und trügerischen Licht, das die innere Landschaft der Ideologen erhellt, hatte inzwischen angefangen zu verblassen. Der religiöse Bürgerkrieg war fast ganz vorbei, und an seine Stelle war ein Krieg zwischen verschiedenen europäischen Großmächten getreten. Die von brennendem Geist erfüllten Kreuzfahrer und Fanatiker waren einer nach dem anderen von der Bühne abgetreten, und ihr Platz war von den Condottieri, den Landsknechten und geworbenen Haudegen eingenommen worden. Die Leiden und das Elend der Zivilbevölkerung waren unverändert entsetzlich, aber in bestimmten Kriegssituationen war doch eine gewisse Zurückhaltung zu erahnen. Sie entsprang zum Teil dem mittelalterlichen Ritterideal, das in Europa weiterlebte, aber auch der klassen- und berufsmäßigen Gemeinsamkeit der Krieger. Fanatismus ist etwas für ideologisch Überzeugte, nicht für Männer, die den Krieg zu ihrem Beruf und zu einer Lebensart gemacht haben.

Den ganzen Mittwoch über sprühte die kaiserliche Artillerie Projektile gegen Neunburgs Mauern, die rasch in rollenden Explosionswolken von Staub und kantigen Sprengsteinen zermahlen wurden. Die Aufgabe war nicht besonders schwer, denn die Festungswälle waren wie gesagt vom senkrechten, alten Typ und außerdem in einem Zustand fortgeschrittenen Verfalls, und den Verteidigern fehlten zu allem Unglück eigene Geschütze, um das Feuer zu erwidern. Gegen Abend war ein klaffendes Loch in der Mauer entstanden. Der kaiserliche Befehlshaber entsandte zu diesem Zeitpunkt einen seiner Obersten, um, wie der Brauch und das Ritual es verlangten, zu fragen, ob Slang und seine Männer jetzt bereit seien zu kapitulieren. Die Schweden hatten jedoch die Bresche mit Brettern und Balken wieder geschlossen, und Slang wies die Vorschläge des Obersten glatt zurück und drohte stolz, ihn zu erschießen, falls er es noch einmal versuchte. Eine Weile später wurde ein kaiserlicher Trommler vorgeschickt, um einen neuen Vorschlag zu machen, aber kaum hatte er sich gezeigt, als er mit einem gutgezielten Schuß von dem löcherigen Festungswall niedergestreckt wurde. Die Antwort kam auf der Stelle, dichte Sturmkolonnen wälzten sich durch die Frühjahrsnässe heran, erreichten die Mauern, wurden aber mit hohen Verlusten zurückgeschlagen.

Am Tag darauf wurde die kaiserliche Artillerie näher in Stellung gebracht, und zwei der Türme der Stadt zerbröckelten bald unter dem Beschuß grober Kaliber. Gruppen kaiserlichen Fußvolks rückten durch den Staub vor und kamen den Löchern in der Mauer so nahe, daß sie mehrere Straßen der Stadt mit Musketenfeuer bestreichen konnten. Nun wollten einige von Slangs Offizieren aufgeben; sie hatten alles getan, was von ihnen erwartet werden konnte. Doch Slang lehnte ab. Als sie daraufhin klagten, daß ihre Munition nur Neige gehe, hatte der halsstarrige Oberst sogleich die Antwort parat: »Statt Kugeln können wir Steine nehmen. Davon gibt es genug. Laß die Leute suchen  und sammeln !«. Es ist unwahrscheinlich, daß die schwedischen Reiter dazu kamen, Steine auf ihre Feinde zu werfen, denn sogleich richteten sich die Schauer brummender Kanonenkugeln gegen die Mauer zwischen den beiden zusammengeschossenen Türmen, und binnen kurzem sackte auch sie krachend in sich zusammen. Die kaiserlichen Kanoniere konnten jetzt direkt in die Stadt hineinsehen, bis zum Marktplatz. Nun hatte auch Slang genug, und er beugte sich dem gesunden Menschenverstand des Belagerungsrituals. Er ließ Trompeter die Kaiserlichen anblasen und erklärte sich zur Kapitulation bereit, falls seine Offiziere nicht gefangengenommen würden (die gemeinen Soldaten sollten zurückgelassen werden). Die Gegner lehnten ab. Die Schweden mußten sich auf Gnade und Ungnade ergeben, bedingungslos. Aus der zerschossenen Stadt trotteten rund 90 Offiziere, 1600 Reiter und 180 Musketiere. Neunburg war gefallen. Der Weg nach Cham war frei“.[47]

Slange, Rudolf von Berkefeld, Obrist Heuking, der Kommandant von Nabburg, Karl Magnus von BadenDurlach und [Jaroslav Petr] Kinský gerieten in Gefangenschaft, wurden nach Regensburg und weiter nach Wiener Neustadt[48] gebracht.

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet über diese Vorgänge: „Der Obrist Schlange lag / wie schon obgemelds / mit seinem Regiment und Volck voran / zu Schwandorff[49] / hatte darvon bey 40. Dragoner im Schloß Burglengenfeld[50] / und mag darvon desselben in der verbrandten Stadt auch etwas herunter gelegen haben / inmassen seine Partheyen von darauß nach Regenspurg / so nur vier kleine Meylen darvon gelegen / wo nicht auch auß dem Regenstauffischen[51] / so halber Weg ist / fast täglich gegangen / die andere Obriste / als Heukhing und Herr Kintzky lagen in Nabburg[52] / und ihres Volcks auch theils an der Vilß zu Vilßeck[53] und Auerbach[54] / so als der weiteste Weg auff sieben guter Meilen von Schwandorff / Nabburg aber nur zwey kleiner darvon ist / ligend hatten / desto bessern Auffenthalt zu haben.

Als nun obenerwehnte drey Brücken[55] / in Eyl darüber zu kommen / fertig und zu vorderst alles Käis. und Bäyr. Fuß-Volck / sampt der Artigleria bey Kelheimb[56] in der Still gesamlet und vorhanden gewesen / wurde die Marche mit völliger Käiserl. und Bäyr. Armada / die man auff 20000. starck geschätzet / Sambstags den 6. 16. Martii von Phöringen[57] an der Donau / eine Meyle oberhalb von Neustatt[58] mit starcker Reuterey und wenigem Fuß-Volck / so Herr General Piccolomini und Mercy im Vorzug geführet / und den Nachzug deß Herrn Ertz-Hertzogen Hochfürstl. Durchl. überlassen / so mit übriger Cavallerie angefangen / und theils fuß-Volck / Sonntags den 7. 17. diß gefolget / darauff Montags das Bagagy in Convoy der 10. dabey gelassenen Regimentern / und Dienstags den 9. 19. diß die Artiglioria in Begleitung deß de Suys Regiment fortgangen : welcher gantzer Zug den Weg bey der Stadt am Hof[59] vorbey / theils auff die lincke Hand nach Burglengenfeld / theils zur Rechten über die Regenbrücke bey Weix[60] gerad gegen Wald-Neuburg[61] / da der Schwedische Obriste von Bürckenfeld [Berkefeld; BW] gelegen / zugenommen / deß Fürhabens / dem Schlangen / daß er zu seinem Herrn Generalen nach Chamb[62] nicht mehr kommen sollte / den Weg zu vorderst abzuschneiden.

Es hatte aber der Obriste schlang dessen zuvorhero schon etwas Nachricht / so er den genenneten beyden Obristen mitgetheilet / sie auch / daß er und sie / die unter seiner Conduite waren / Ordre habe sich nach Chamb zu retiriren / wissen liesse / die dann ihren nächsten Weg dahin / auf Wald Neuburg / so von Nabburg nur drey Meylen entlegen / zu nehmen gehabt.

Als nun der Käiserl. und Bäyr. starcke Vortrab sich Burglengenfeld unversehens / und zwar Sonntags den 7. 17. Martii bemächtiget hatte / welches der Obriste Schlang / in den ersten zweyen Stunden zu Schwandorff wissen konnte / verließ er seinen Befelch gemäß / Schwandorff / avisirte es beyde Obristen zu Nabburg dessen / und kam er Sonntags den 7. 17. dieses / deß Nachts um 3. Uhren nach Wald-Neuburg / kleiner dritthalb Meylen von Schwandorff / vermeynend der andern zweyen daselbsten zu erwarten / alsdann solches billich / weilen sie unter seiner Conduite gewesen / also seyn sollen. Es hatten aber diese beyde Volck / so zu Vilßeck und Auerbach gelegen / nicht dahinden lassen wollen / welches die Hinderungs-Ursach gewesen / daß sie mit einander im Wald-Neuburg hald hernach ertappet worden. Dann ob sie wol um den 9. 19. Martii daselbsten ankommen / haben sich doch die Käyserl. und Bäyr. schon so starck mit ihrem Vortrag diß Orts befunden / daß ihnen Schlang und Bürckenfeld entgegen ziehen / und sie sich gesampter Hand durch und in Neuburg schlagen müssen : darauff man sie plötzlich eingeschlossen / und ihnen weder Tag noch Nacht Ruhe gelassen / biß sie sich zu rantzioniren versprochen / sonst haben sie vermeynet biß auff den Tod sich zu wehren / und nicht nachzulassen / unangesehen ihre letzte Wehr nur mit Steinen gewesen.

In specie, so viel uns möglich / hiervon zu melden / seyn die Käiserl. und Bäyerischen so starck fortgerucket / daß sie den 9. 19. Martii nicht nur allein mit den Schlangischen deß Tags gefochten / sondern auch sie in Wald-Neuburg noch selbigen Tags eingesperret / und umzingelt / die Nacht noch das Geschütz darvor gebracht / und den 10. 20. diß den Ort beschossen / der Schlang aber die Bresse deß Nachts etwas wieder verbauet / das den Tag über beschehene Stürmen abgeschlagen / dardurch die Käiserl. und Bäyrischen von 5. à 600. erleget und beschädiget / unter denen ein Obrister-Lieutenant und etliche andere Officirer geblieben / und der Obriste Herr von Bemmelberg [Boyneburg ?; BW] gefährlich verwundet worden / daran er nachmals gestorben : und haben sich die in Neuburg den 11. 21. dieses mit Steinen noch etwas gewehret / doch selbigen Tags mit Vorbehalt der Rantzion auff Discretion ergeben.

Haben demnach diese ergebene alsbalden herauß lieffern müssen / 1500 gerüster Pferd / nach welchen sich die Personen gefangen gestellet / nehmlich vier Obriste : als

Schlang / Schwedischer Leibguardien Commendant.

Jobst Rudolf von Bürckenfeld / sampt seiner Frauen und Kindern.

Wilhelm Heukhing.

Janißlaus Kinßky.

4. Obriste Lieutenant.

3. Obr. Wachtmeister.

23. Rittmeister / worunter Marggraff Cal Magn. von Baden Durlach.

3. Capitän Lieutenant.

23. Lieutenant.

26. Cornet.

3. Regiments Quartiermeister oder Corporalen.

16. Compagnien Quartiermeister.

2. Capitäin zu Fuß.

2. Lieutenant zu Fuß.

26. Standarten.

200. Soldaten zu Fuß.

1800. Montirte Reuter.

400. Dienst und andere Pferd.

500. Roß-Jungen und Knecht / etc.

Welche alle noch selbigen Tag auff Regenspurg fortgeschicket / und über die Steinerne Brücken eingebracht / die vornehmste Officirer / in die Landshüter Herberg / zum Pfauen / und schwarzen Adler eingewissen / die andere zurück herüber nach dem Hoff[63] und Weichs[64] / ins Bäyrische kleine Schlößlein einquartiret / alle Wehrloß gemachet / und fürters daselbsten verwachet worden seyn / von welchen die jenigen / so vor diesem in Käiserl. und Bäyr. Diensten gewesen / sich zu denselben zeitlich wiederum eingestellet / und die vornehmste Officirer / daß sie Wehrloß mit ihrer Wacht in die Kirchen / und / anderswohin nach ihrem Belieben gehen mögen zur Gnad empfangen.

So viel nun auß unterschiedlichen guten Berichten. Es ist uns aber auch über alles dieses eine Delineation deß Orts / sampt etwas mehrern Particularitäten von der Eroberung / durch Beförderung deß Käiserl. Ingeniero Herrn Carolo Cappi, zuhanden kommen / so von obigem nicht sehr discrepirt / darum wir beydes das darüber gefertigte Kupfferstück / und was er zugleich davon berichtet / sampt der darinnen gesetzten Ziffern bedeutung / anhero beyfügen lassen / also lautend:

Als die Käiserliche und Bäyerische armada den 6. 16. Martii von Föringen[65] auffgebrochen / den 7. 17. desselben / über die Nab bey Riglingen[66] / vermittelst einer in sechs Stunden gemachter Schiff-Brücken gegangen / haben noch selbigen Abend Herr Feld-Marschall Piccolomini / und der Bäyrische General Feld-Zeugmeister Herr Franciscus Mercy, mit sechs hundert Pferden / und zwölff hundert commandirten Mußquetirern den Vorzug genommen / und Ihrer Hochfürstl. Durchl. mit übriger Armada den Nachzug gelassen. Den dritten Tag hernach / als den 8. 18. Martii / hat die Avantgarde besagter Trouppen / geführet der General-Wachtmeister Herr Caspar Mercy / den Obristen Schlangen mit dreyen Regimentern zu Roß nahend bey Neuburg an der Schwarzach[67] angetroffen / welcher / als er die Käiserl. Trouppen gesehen / sich in diese Stadt begeben / in deren er von den Käiserlichen umringet worden. Als Ihre Hochfürstl. Durchl. dessen erinnert / und dieselbige mit dem Nachzug / und folgender Armada schon zu Neukirchen[68] ankommen waren / und deren Herr Feld-Marschalck Piccolomini diß Orts erwartet / seynd sie mit mit der Infanteria und Canonen / den 9. 19. Abends für die Stadt geruckt / daselbsten ihre Hochfürstl. Durchl. dem Conte de Suys, General Feld-Zeugmeister Ordnung gegeben / die Artigleria zu plantiren / auff dem Posto mit A. bezeichnet / von dannen man den 10. 20. diß angefangen / die Mauer / an dem Ort / da sie schon vor diesem angegriffen / und mit Holz widerum verwahret war / zu beschiessen. Als man nun innerhalb vier Stunden ein ziemliches daran nieder-geworffen / und doch die in der Stadt mit Erden / und allerlei anderer Matery daran wiederum erbauet gehabt / sind etliche Soldaten commandiret worden / die Bresse zu recognosciren / und sich daran / wo möglich zu logiren. Inzwischen aber wurde ein Hauß mit B. bezeichnet / angesteckt / welches die Käiserliche Soldaten beschädigte / es gieng auch folgende Nacht in der Bresse mit C. bezeichnet / ein Feuer auff / so in einem Keller oder Gewölb unter der Bresse sich gezogen / die Bresse aber mit Holz bedecket / und die Mauer darvon eingefallen war / deßwegen man die Canonen an andere Ort gestellet / mit D. bezeichnet / und angehenden Morgens den 11. 21. Martii den Thurn mit E. gezeichnet angegriffen / durch welchen die Käiserliche Soldaten in die Stadt kommen / und auff die Schwedische getroffen / welche als sie alle Bereitschafft zum Sturm gesehen / sich auff Ertzhertzogliche Clementz ergeben / und seyn denselben Tag noch außgezogen der Obriste Schlang / Bürckenfeld / Hekhin / Kintzky / und Herr Marggraff von Durlach / mit 2000. Pferden / 250. Fußknechten / 26. Reuter-Fahnen / unter denen General Banners Leib-Fahnen gewesen / dabeynebens auch drey Carrozzen mit Frauenzimmer und gefangener Officirer Weiber / die alle der Käiserl. Majest. nach Regenspurg zugeführet worden.

Infanteria.

1. Regiment di Caretto

2. Reg. Suys

3. Reg. Savelli.

4. Reg. Happach und Günther.

5. Reg. Haßlang.

6. Reg. Mercy.

7. Reg. Honolstein.

Cavalleria

8. Regiment Gayling.

9. Reg. di Vera.

10. Reg. Rodoan.

11. Reg. Gonzaga.

12. Reg. Nicolas [Montard de Noyrel; BW].

13. Reg. Spiegel.

14. Reg. Ester.

15. Reg. Briganza.

16. Das alte Regiment Piccolomini.

17. Ihrer Hochfürstl. Durchl. Guardia.

18. 700. Cavalli so von dem Obristen Kolben und Sporcken commandirt worden.

19. Die Käiserlichen Mußquetirer“.[69]

Im November 1642 hielt sich Hunolstein in Worms[70] auf. Im Briefwechsel mit Melchior von Hatzfeldt ging es um die Bezahlung aller Unkosten aus seinen privaten Mitteln.[71]

Aus der Zeit vom Januar bis zum März 1643 stammt die Zusammenfassung der Gründe, warum Gallas[72] die Armee nicht weiter befehligen wollte, sowie über die Schritte, die er zu einer neuerlichen Kommandoübernahme für notwendig hielt: „Von der Röm. K. Mt geheimen Räten I. E. dem Herrn Graf Schlickhen etc und Graf Kurzen etc. hat der Herr Generalleutnant Graf Galas vernommen, dass I. K. Mt[73] genedigst gern hetten, dass er sich wieder zu dero Armada, und zwar alsobalden, begeben tete, aus Ursachen, die alhier unnötig sein zu erzehlen oder zu wiederholen. Nun tuet sich zwar gedachter Graf Galas gegen I. K. Mt allerunderthenigst bedanken umb das gute Vertrauen, so I. Mt seiner wenigen Person sezen, wolte auch (wiewol er alters und anders augenscheinliche Incommodeteten halber für sich selbst entschuldigt zu sein verhofft) nichts lieberes tuen, als dem Werk zue helfen und hierinen vor I. Mt Dienst den letzten Blutstropfen ufzuzezen, aber uf diese Weis, und wie die Sachen anizo beschaffen, will es fast ein wahre Unmöglichkeit sein, dan Magdeburg[74] hat ihme Herrn Generalleutnant zuerkennen, gegen die wenige und schlechte Treu der Soldaten, vorderlichst die Ungeduld etlicher Officiere, die gewont gewesen, alle Jahr ihr ordentliche Winterquartier zue haben. Und danach hat mans ihnen alles passieren lassen, und hingegen ihme Graf Galas nach soviel ausgestandenen Leiden und Ungelegenheiten also übel empfangen und tractiret, dass nit allein er, darbei umb seine Treu gelitten, sondern auch zu I. Mt höchsten und müst die Armada in die Mainung geraten, als wan sie mit aller ihrer Ungeduld und Ungehorsamb recht und wol getan heten, sonderlich aber als sie gesehen, wie ihme die überaus grosse Torto beschehen und die ihme anvertraute Armada in Angesicht seiner aus den Handen genommen worden. So hat auch diese Impression nicht verringert und seine Forza vermehrt, dass eben jüngst nachdem die Franzosen über Rhein gebracht worden, ihme zum andern Mal ohne einzige gegebene Ursache widerfahren tratamente.

Solte nun der Herr Generalleutnant anjetzo zu der Armada kommen und nit […] mit I. H. Dt genedigsten Willen, und dass sie es gern sehen und verlangen teten, ihnen vorgetragen und angedent worden, so siehet der Herr Generalleutnant nit, dass I. K. Mt ein […] nüzlicher guter Dienst könnte erwiesen werden, zuemalen von neuem das Gift so gross bei der Armada, das aussporgirt wird, umb etliche übrige Officieri auch malcontent zu machen, und mit allem Respect von dem Herr Generalleutnant abalienieren, das mit ihme der Herr Graf [Philipp; BW] von Mansfeld als Feldmarschal, Freiherr von Golz [Goltz; BW] als Generalfeldzeugmeister, Herr von Traun volmechtig Generalcommissari und Oberster Wiz [Witz; BW] Generalquartiermeister, mit aller Gewalt kommen, vill Regimenter zu reformieren, also dass ihrer vill bei der Armada sagen, sie bitten Got, dass solches bald geschehe, damit sie dieser Marter einmal abkommen möchten. Dahero hochnötig sein würde, dass I. H. Dt vor ihrem Verreisen der Armada dieses alles wol zu Gemuet führen, sie ihrer Treu, Pflicht und Schuldigkeit erinnern, anmahnen, und dan dass sie selbst des Herrn Generalleutnant desideriert und verlangt. Ohne dieses ist mit des Herrn Generalleutnants Praesenz das ganze Werk nur in noch mehrere Gefahr und Confusion gesetzt. Und damit man sich dessen desto gewisser versichern könnte, auch I. H. Dt mehrmalige Vertröstung in etwas effectuirt wurden, und der Soldat mit Abzug deroselben nit in die Bestürzung gebracht, ob mit dero Abreis nunmehr aller Trost und Hilf vor die Soldatesca verloren, so were hochnötig, denselben zwen Monatssolde zu geben, als einen par und den anderen in Restzetlen nach und nach zu bezallen. Es müsste aber gewiss sein, dan sie schon zum öfteren vertröst worden, es ist aber nichts erfolgt, dan solte es wider geschehen und die Würklichkeit nicht erfolgen, so were die Gefahr umb sovil desto grösser, und man hete ein ihren Dienst nit zu erwarten.

Sodann zweitens, sein bei der Armada drei nötige Personen und alle drei Feldmarschalkleutenants. Der erste ist der [Franz v.; BW] Mercy, welch dem Generalleutnant bei dem Herrn Obristen Vernier geschrieben, wan ihme nit geholfen werde, so müst er die Armada und consequenter I. K. Mt Dinst verlassen, die andere beede sein Trautisch [Traudisch; BW] und Hunoldstein [Hunolstein; BW].

Dritens, die Versicherung zue tun, dass I. Churf. Dt in Bayren ihre Armada von I. Mt nit separiren werden.

Vieertens, die dismundirte Ruter bei der Armada alsobald zu vermundieren, welches seines Erachtens leichtlich geschehen kan, wie dan auch alle in Beheim und Schlesien albereit remondirte Reuter zu ihren Regimentern zue schicken, weil sie ohnedass I. Mt uf diese Weis keinen Dienst tuen, sondern nur das Land ausplündern.

Fünftens, das [Innocentio; BW] Contische und Graf Zuniga Regiment zu Fuss neben die 2 Tragoner Regimenter als des Obristen Lacrona [van der Croon; BW] und Someda, dan das Mirckhowizische [Marcovich; BW] Regiment Croaten, so über 70 Pferd nit stark ist, zu der Armada zu schicken. Von den anderen Völkern, die im Königreich Beheim und Mähren sein, könden diese Völker wol abgelest und die Posten wieder besezt werden, wie dan auch die hinderstellige gesunde Soldaten, so sich hin und wieder in Österreich befänden, zu ihren Regimentern zu schicken. Ein mehrers wird aus beigelegten Puncten ersehen zu sein. Ohne dies bit der Herr Generalleutnant I. E. den Herrn Grafen Schlickhen und Herrn Graf Kurzen zum hochsten, sie wollen es bei I. K. Mt dahin richten, das er dises schweren Lasts möchte in Gnaden enthebt bleiben.

Solte aber dises nit erlangt werden können, und I. Mt es einen als den andern Weg haben wollen, so will zwar der Herr Generalleutnant gehorsamblich pariren und sein Eusserstes und Bestes tuen, aber zu keiner Veranwortung, es gehen auch die Sachen, wie der liebe Gott will, verpunden sein“.[75]

Am 10. (18. ?)6.1643 wurde Hunolstein kaiserlicher Generalfeldwachtmeister und zusammen mit Enkevort im Generalstab von Gallas eingesetzt.[76] Im Januar 1644 versuchte er zusammen mit Generalquartiermeister Reich vergeblich Magdeburg zu entsetzen. „Hunoldstein hingegen war einer der unerschrockenen Haudegen der kaiserlichen Armada, wie ein abenteuerlicher Versuch zur Verproviantierung des durch die Schweden belagerten Magdeburgs zeigte. Mit starker Artillerie, einiger List, jedoch zu wenig Kavallerie wollte sich der Generalwachtmeister den Weg nach Magdeburg freischießen. Allerdings flog der Überraschungscoup auf und die schwedische Reiterei wehrte den Angriff ab, sodass sich Hunoldstein mit seiner Truppe in einem wilden Verfolgungsgefecht nach Wittenberg[77] zurückziehen musste“.[78]

Im April 1644 weilte er in Prag und berichtete Melchior von Hatzfeldt über die Beschießung Grimmas[79] durch Königsmarck, die Hungersnot in Schweinitz[80] und die Übernahme des Regiments des verstorbenen Christian von Nassau-Siegen,[81] wofür sich Graf Heinrich Schlick bei Hatzfeldt eingesetzt hatte.[82]

Im Mai 1644 hatte er im Auftrag des Kaisers die Regimenter im Königreich Böhmen visitiert und 3.950 Mann registriert, während die Generäle – ein übliches Verfahren, da sie daran verdienten – 6.685 Mann angegeben hatten.[83]

Nach dem desaströsen Feldzug von Gallas im so genannten „Torstensson“-Krieg erwog er im Herbst 1644 zusammen mit Traudisch den Austritt aus kaiserlichen Diensten.[84]

Im Januar 1645 berichtete er Hatzfeldt von seinem Marsch von Magdeburg nach Großenhain.[85] Zugleich unterrichtete er Johann Georg I. von Sachsen über die Verfolgung kaiserlicher Truppen durch Königsmarck.[86] „Der kranke Gallas zog daher mit über 1.000 Mann in Magdeburg ein und schickte die letzten verbliebenen, marschfähigen Soldaten unter dem Kommando von Generalwachtmeister Hunoldstein über die eingefrorene Elbe in Richtung Böhmen. Hunoldstein organisierte den Rückmarsch über Wittenberg mit weniger als 2.000 Mann Infanterie und unberittener Reiterei sowie Artilleriegeschützen in einer Wagenburgformation dermaßen geschickt, dass auch Generalmajor Königsmarck, dessen Truppen von Gallas ebenfalls als schon abgemattet bezeichnet wurden, den Kaiserlichen nicht viel anhaben konnte. Obzwar der schwedische Reichshistoriograph Chemnitz, der sich freilich auf die Berichte der eigenen Armee stützen konnte oder musste, angab, Königsmarck hätte 1.000 kaiserliche Soldaten beim Rückmarsch nach Böhmen gefangen genommen, schien Ferdinand III.[87] zufrieden gewesen zu sein und informierte seinen Generalleutnant, dass Hunoldstein die Infanterie gut nach Prag gebracht hätte“.[88]

Am 3.4.1645 wurde Hunolstein zum Feldmarschallleutnant befördert. Die Korrespondenz zwischen ihm und Gallas über die Verteidigung der Donau und Niederösterreichs gegen Schweden, um die er sich kümmern sollte,[89] liegt im Gallas-Archiv.[90]

Im Januar 1646 lag er in Mautern[91] und wies auf die Folgen der zugefrorenen Donau hin.[92] Die Eroberung von Schloss Schiltern[93] war Gegenstand der Korrespondenz mit Melchior von Hatzfeldt.[94] Im Juni ging es um die Verhaftung von Hunolsteins Feldscher in Wien. Die Belagerung von Korneuburg[95] schilderte er im Juli dieses Jahres.[96] „Aber Anno 46. den 26. Julii / Alten Cal. ist dieser Ort wieder mit Accord an die Käiserische übergangen / nach dem sich der Schwedisch Obrist Copi [Koppey; BW] 10. Wochen lang gehalten / und ihr / der Käiserischen / über zwölffhundert todt / und gequetscht worden seyn sollen“.[97] Im September 1646 ging es um die Verstärkung von Regensburg,[98] da Kämmerer und Rat sich an ihn gewandt hatten.[99]

Das strategisch wichtige Eger[100] fiel am 18.7.1647 nach Beschießung, Minenkampf, aber nur zweimaligem Sturm und wurde übergeben von dem Obristen Franz Paradeiser, der dafür zum Tode verurteilt,[101] aber auf Bitten Montecuccolis,[102] Hunolsteins und anderer zu Weihnachten unter Verweisung vom Hofe begnadigt wurde. [103]

Das Oberkommando lag in der letzen Kriegsphase 1647/48 außerhalb der bayerischen Erblande und der Oberen Pfalz allein bei dem kaiserlichen Feldmarschall Holzappel;[104] tatsächlich handelte es sich jedoch um zwei getrennte – und zumeist auch wegen der Uneinigkeit ihrer Befehlshaber getrennt marschierende und schlagende – Armeen mit zum Teil unterschiedlichen Zielsetzungen.Holzappel hatte zudem sein Kommando nur unter der Bedingung angetreten, von den Befehlen des Wiener Hofkriegsrats unabhängig zu sein: Er sollte „absolute commandiren und ohne Einholung der kaiserlichen Bewilligung operiren und schlagen“,[105] was entfernt an Wallensteins Vollmachten in den „Göllersdorfer Vereinbarungen“ erinnerte und nach Montecuccoli wohl auf Schlicks Betreiben zurückging, der mit Holzappel befreundet war.[106]Der Begriff „absolute“ wurde anscheinend von Holzappel so interpretiert, dass bei gemeinsamer Kriegsführung außerhalb Bayerns den bayerischen Generälen kein Teilnahmerecht am kaiserlichen Kriegsrat eingeräumt werden musste, was Richel schon am 10.9.1634 bemängelt hatte.[107]Bei der Formierung der Armee hatte Hunolstein durch Ferdinand III. das Kommando über das kaiserliche Fußvolk erhalten: „So baldt Du vernehmen würdest, daß unsere in denen Innen- und Niederösterreichischen Landten gelegenen Völckher über die Donau gehen, Du auch mit Deinen underhabenden Regimentern gleich aufbrechen, bey Linz[108] über die Donau gehen und zwischen Freistadt[109] und Schlag[110] im Landt ob der Enns an der Böhmischen Grenz so lang stehen bleiben sollst, biß der Graff von Holzappel weitere Verordnung Deines Verhaltens zuschicken werde. Bey welchen dann die haltung guter Disziplin und Ordnung hoch von nöthen sein wird“.[111] Das war allerdings trotz seiner Gönner am Kaiserhof in der Praxis kaum durchsetzbar, denn schon bei den ersten Operationen in Böhmen hatte sich gezeigt, dass diese Vollmacht für Holzappel gegen den Einfluss der Hofkriegsräte – und später Maximilians I.[112] – nicht durchsetzbar war. Auch hier erwies sich der „habsburgische Erbabsolutismus mit seinen extremen Personalismus, Nepotismus und Intrigenwesen“[113] letztlich als zu stark, zumal die „Habichte“ der »partido militar« am Kaiserhof bereits Piccolomini[114] als neuen Oberkommandierenden protegierten.

Holzappel selbst hatte beim Kaiser angefragt, ob er bei einem Ausweichen Wrangels ins Reich noch vor dem Winter Eger oder Schweinfurt[115] angreifen sollte.[116] Ferdinand III. hatte ihm befohlen, am Gegner zu bleiben.[117] Beim Kriegsrat in Bela[118] hatte sich nur der vorwärts drängende und Piccolomini treu ergebene Montecuccoli für einen weiteren Vormarsch bis in die Gegend von Leitmeritz[119] plädiert, während die übrigen Teilnehmer Werth, Fernemont, Hunolstein, von der Beck, Reich und Traun sich für das Abwarten bis zum Eintreffen der kaiserlichen Verstärkungen und der bayerischen Reichsarmada ausgesprochen hatten.[120]

Holzappel hatteHunolstein, Montecuccoli und Traudisch während des Rückzugs der schwedischen Armee aus Böhmen ausdrücklich das rücksichtsvolle Fouragieren in Sachsen und den thüringischen Fürstentümern befohlen.[121] Mit wachsender Sorge wurden in dem ruinierten Land die Bewegungen der beiden Armeen beobachtet und deren Abzug erwartet.[122] In Jena[123] wurde am 29.10. endlich der Fluss überschritten.[124]

„Am 15. Oktober hatte Kurfürst Maximilian den Kaiser gebeten, ihm den Feldmarschalleutnant Hans Wilhelm Vogt zu Hunoldstein zu überlassen, der unter Holzappel die kaiserlichen Fußvölker befehligte. Bei der bayerischen Reichsarmada sei die ‚Generalzeügmeisterstell noch nit ersetzt’, beim Korps vor Memmingen[125] sei höchste Gefahr und er, Maximilian, finde Hunoldstein bei der ‚Memmingischen Belagerung sonderbahr vonnöten’. Die Bitte Maximilians war durchsichtig genug. In demselben Schreiben schlug er dem Kaiser vor, Generalfeldzeugmeister Enkevoer vom Oberbefehl über das Memminger Belagerungskorps abzulösen, um Enkevoer anstelle Hunoldsteins bei der kaiserlichen Hauptarmee, oder wo es sonst nötig sei, zu verwenden. Mit dem Tausch der beiden Generäle wollte Maximilian unmittelbaren Einfluß auf die Belagerung von Memmingen nehmen. Ein kaiserlicher kommandierender General vor Memmingen war ihm offenbar nicht so recht. Feldmarschalleutnant Hunoldstein, mit der Beförderung zum bayrischen Generalfeldzeugmeister gelockt und dann bei der Reichsarmee, wäre sein Befehlsempfänger geworden und Enkevoer weit weg im Einsatz. Das Anliegen Maximilians hat der Kaiser zweifellos durchschaut. Er war – wie oft schon – konziliant und zur Abgabe Hunoldsteins bereit, allerdings hätten er und Holzappel gern die Reitergeneräle Werth und Sporck wieder in Verwendung bei der kaiserlichen Hauptarmee gesehen, ohne jedoch expressis verbis ein Junktim herzustellen.

Der Kaiser hat Holzappel am 29. Oktober in einem ‚Handbriefl’ aus Prag aufgefordert, Stellung zur Bitte des Kurfürsten von Bayern zu nehmen. Er trage keine Bedenken, Hunoldstein an die bayrische Reichsarmee abzugeben. Aber vorher, ehe er sich gegenüber dem Kurfürsten äußere, wolle er Holzappels ‚guttachten’ zu folgenden Punkten: wenn Holzappel der Abgabe Hunoldsteins zustimme, wer solle dann ‚zum Commando über die infanteria’ bei der kaiserlichen Hauptarmee bestellt werden; ob Enkevoer diese Aufgabe übernehmen solle und wer dann an seiner Stelle ‚daroben in Tyrol und Schwaben’ die Kriegsvölker und Garnisonen kommandieren solle, oder, ob Enkevoer im Kommando von Tirol und Schwaben zu belassen sei; wer habe dann anstelle Hunoldsteins das kaiserliche Fußvolk zu befehligen ?

Die Entwicklung ging über diese Anfrage des Kaisers hinweg. Am 25. November hatten die Schweden Memmingen übergeben. Der Kaiser überließ es jetzt Holzappel, den geeigneten Zeitpunkt für Hunoldsteins Freigabe zu bestimmen: Holzappel möge ihn für die nächsten Operationen noch verwenden, wenn er wolle“.[126]

Der Pfarrer Johannes Cervinus [um 1579 – 1659][127] aus Wetterfeld[128] in Oberhessen erinnert sich an die Einquartierung des Regiments Hunolstein 1647/48 in Laubach, das die Stadt durch Pallisaden, Zäune und Dornen vor einem möglichen Angriff schwedischer Truppen sichern sollte:[129] „Die Hohensteinischen Volker haben 19 tag lang in groser furcht, bis auf den 14 tag Januarii gelegen, sich umb die gantze stadt, mit stacketen zeunen und dornen vermacht, auf den kirchhof in der Stadt grose Haufen dornen geschleift, die garten elend vergraben und verwusten, und doch aus furcht vor den schwedischen Volckern under Obristen Brangel [Carl Gustav Wrangel; BW] und Konigsmark und Underhessen“.[130] Das Regiment Hunolstein lag noch bis Mitte Januar in der Wetterau,[131] bevor es abgezogen wurde.

„Am 29. Januar 1648 war endlich doch ein Kriegsrat zwischen dem kaiserlichen und bayrischen Befehlshaber in Hammelburg[132] zustande gekommen, an dem einerseits Holzappel, Fernemont, Hunoldstein und [Ernst Adam v.; BW] Traun, andererseits Gronsfeld und sein Generalquartiermeister Marimont teilgenommen hatten. Das Ergebnis war die grundsätzliche Einigung, daß die ‚kaiserlichen und bayrischen Waffen zu einem Corpus zusammentreten’ sollten, wenn sich Schweden und Franzosen ihrerseits vereinigten. Im anderen Falle sollte die bayrische Armee die französische binden, die kaiserliche Armee dagegen sollte, unterstützt von einigen bayrischen Reiterregimentern, die schwedische abwehren. Holzappel und seine Generalität haben ohne jeden Änderungswunsch diesen bayrischen Vorschlägen zugestimmt. Das nächste Ziel der kaiserlichen Operationsführung – schon angestrebt, aber noch nicht offen genannt – war die Anlehnung an die bayrische Armee, die im Vergleich zur kaiserlichen geradezu in einem prächtigen Zustand war.[133]

Nach dem Kriegsrat vom 29. Januar hatten das kaiserliche Fußvolk und die Reiterei Montecuccolis von Hammelburg über Kissingen bis Neustadt zunächst Sperrstellungen hinter der fränkischen Saale eingenommen,[134] um die Aufklärungsspitzen[135] der Schweden abzuweisen, einen Durchbruch der schwedischen Armee nach Schweinfurt[136] zu verhindern und um den rechten Reiterflügel unter Feldmarschalleutnant Trauditsch aus Südthüringen heranzuziehen“.[137]

Im Februar 1648 verhandelte er in Würzburg, um von dem als schwedenfreundlichen Bischof Johann Philipp von Schönborn[138] die Zustimmung zum Bau einer Behelfsbrücke zu erhalten, damit Holzappel den Main überqueren konnte.[139]

„Es hat heut‘ die K. Armada die Avantgarde, und ist die Kavallerie sämmtlich an hiesigem unserm Hauptquartier vorübermarschiert, die haben etliche vom 1. bis letztem Regiment wol besichtigt und darauf in des Feldherrn Zimmer allhier, da Hunoldstein, Herzog Ulrich [v. Württemberg; BW], Gol[t]z und Royer gewesen, kommen und gesagt, sie seien zum höchsten erschrocken gewesen über den elenden Stand der kaiserlichen Kavallerie, sie getrauten sich solche mit 3000 Mann zu schlagen, so wenig seien deren vorhanden; die aber so gegenwärtig, wären mit matten, schlechten Pferden beritten und nicht wenig davon mit keinem Gewehr versehen“.[140]

Am 19.3.1648 trat er in bayerische Dienste unter Beförderung zum Generalfeldzeugmeister,[141] im April erhielt er Reuschenbergs Fußregiment übertragen.

Nach der verlorenen Schlacht bei Zusmarshausen[142] mussten die Schuldfrage und die Umverteilung der Zuständigkeiten geregelt werden.

Der gegen den Willen der Generäle – der karrieresüchtige Fernemont, seit 30 Jahren Piccolomini treu ergeben, ein erklärter Gegner Maximilians I, der sich bereits am 19.5. vergeblich um Holzappels Stelle beworben hatte[143] und nun bis zur Ankunft des noch in Prag weilenden Reuschenberg interimistisch die kaiserliche Armee kommandierte,[144] und Wachenheim waren für den Rückzug[145] vor den Schweden, während bei einer zweiten Abstimmung nur Hunolstein, der um seine Reputation und die Reaktion des Kurfürsten besorgt war, dagegen stimmte; Schäffer, Willeson und Druckmüller hatten bereits die Seite gewechselt . Der eingeleitete Rückzug nach Ingolstadt[146] glich keinesfalls einer fluchtartigen Absetzbewegung. Das wurde jedoch später von Maximilian I. unterstellt, was Fernemont aus Sorge um seine Reputation gegenüber Piccolomini im Laufe der späteren Untersuchungen vehement in Abrede stellte: „Daß sich aber in der that befinden solle, alß wann des feindts gewaldt nichts veranlaßt hette, und es ein unzeittiger schrecken und flehen geweßen sei, kan ich in der wahrheit nicht sagen, daß bei so vielen ehrlichen generalspersonen, cavalliren und soldaten, die I. Ksl. Maj. und I. Kfl. Durchl. in Bayern so lange jahr bei so vielfeltigen schwehren occasionen ehrlich gedient haben, einzigen schrecken und unzeitige forcht, davor unnß Gott behütte, sondern vielmehr eine trewen ehrliche und wohlmeinende betrachtung unnser beiderseits und des gemeinen wesens wohlfahrdt gespühret; alßo ist viel mehrerß von allen mit großem hertzens wehemut protestiret und bedauert worden, wie schwehr es einem jedwedem vorkommen, wegen der reputation und des nachklangß zue einer retirada zue votiren, wiewohl nunmehr eine große gefahr vor augen stünde“.[147]

Nach der Arrestierung Gronsfelds übernahm Hunoldstein das Kommando über die kurbayerische Armee.

„Am 26. Juni [1648; BW], nachdem die Schweden und Franzosen schon in Mühldorf[148] eingezogen waren, berichtete Graf [Ferdinand Lorenz v. Wartenberg; BW] von Wartenberg als Oberst, daß die Bauern zwischen Mühldorf und Neuötting[149] samt ihrem Hauptmann, Herrn [Georg Konrad; BW] von Lerchenfeld, davon gelaufen seien, nachdem der Feind einige Musketenschüsse getan“. „Aus einem Schreiben vom 29. Juni erfahren wir den Namen des Oberbefehlshabers der Streitkräfte rechts des Inns. Darin berichtet die Regierung von Burghausen[150] an die Pflegen, daß ein Schreiben eingelaufen sei, wonach sämtliche Untertanen der Regierung zur Verteidigung des Inns befohlen seien, daß man ‚von Hunoltstein‘ – es ist dies der Generalfeldzeugmeister – möglichst an die Hand gehen solle, daß sich wohl einige besorgte Untertanen zur Verteidigung des Inns meldeten, aber der Großteil derselben aus Schrecken und Feigheit von Haus und Hof gelaufen und mit Roß und Vieh sich zur Flucht ins Gebirg begeben hätten. Die Städte, Märkte und Dorfschaften seien verödet, dermaßen, daß man keine Leute mehr auftreibe zu Schanzarbeiten, zur Führung des Proviants, zur Einlieferung der ‚Fourage, des Brots, Biers und anderer Notdurft‘ mehr. Wie wenig Verlaß auf die Landfahnen war, geht aus einem Bericht des Vizedoms von Burghausen vom 29. Juni hervor, worin er schreibt, daß der Generalfeldzeugmeister das allgemeine Aufgebot wieder zurückgenommen habe wegen ‚der baim allgemainen Glockenstreich besorgte Confusiones und üble Consequentien‘ und daß er begehrt hätte, die Maxlrainischen[151] Schützen möchten ‚eilfertig nacher Mühldorf geschickht werden‘ „.[152]

Grimmelshausen, der als Schreiber im Regimenter Elter an diesem Feldzug teilnahm, schreibt im „Springinsfeld“: „Ich lag unter sieben doch schwachen Regimenten in Wasserburg,[153] als beide Feindsarmeen suchten, selbigen Ort zu bezwingen und über besagten Fluß in das gegenüberliegende volle Land zu gehen, in welchem etliche steinalten Leute die Tag ihres Lebens noch niemals keine Soldaten gesehen hatten; weil aber wegen unserer tapferen Gegenwehr unmöglich war, etwas daselbst auszurichten, unangesehen sie uns mit glühenden Kugeln zusprachen, gingen sie auf Mühldorf, und wollten dort ins Werk setzen, was sie zu Wasserburg nicht zu tun vermocht; aber ihnen widerstand daselbst einer von Hunoldstein, ein kaiserliche Generals-Person, bis sie der vergeblichen Arbeit müd wurden, und ihr Hauptquartier zu Pfarrkirchen[154] nahmen, allwo sie erstlich der Hunger und endlich die Pest zu besuchen anfing, die sie auch endlich zwischen dem Tirolischen Gebirg und der Donau, zwischen dem Inn und der Isar hinausgetrieben, wenn sie das Generalarmistitium, so dem völligen Frieden vorging, nicht veranlaßt hätte, bessere Quartiere zu beziehen“.[155]

Nach dem Abzug vor dem vergeblich belagerten und unter Verlust von fünf- bis sechshundert Mann wieder aufgegebenen Wasserburg,[156] dessen Verteidigungsbereitschaft Wrangel offensichtlich falsch eingeschätzt hatte, angeblich hatte man den Geschützdonner bis Frauenchiemsee[157] gehört,[158] zerstörte er Schloss Hohenburg,[159] verwüstete Gars[160]und scheiterte erst vor Mühldorf am entschlossenen Widerstand Hunolsteins: „Der Feind ist vergangnen Montag Abendts imb 7 Uhr zu Mildorf [Mühldorf] vorderist wegen üblen gestanckhß und Podenlosen erdrichs aldort aufgebrochen. Das Leger hinder ihm angezindt, sowoll auch den Marckht Volgens abgebrent und seine leger (damit die Unsrigen ienseits deß Wassers neue schanzen erheben miessen) zu Neumarckht[161] geschlagen, man sagt fir gwiß daß bei dem feind ain reitter über 2 oder 3 schuß Pulver mit mehr habe, deßwegen er eine starckhe anzahl wagen und Confoi nacher Donauwerdt[162] umb Khraut und fett abgeordnet, denen von den Unserigen auf dienst (ß) geworden. 200 von den feinds Confoi nidergemacht auch etwaß von Munition nacher Inglstat einbracht der Überrest aber ist nach Donauwerdt entwischt“.[163]

Im sogenannten „Kuhkrieg“ schlugen sich Kaiserliche zusammen mit den zwar dank der Organisation durch Generalkommissar Schäffer besser versorgten Bayerischen mit den Nördlingern bei Pfäfflingen[164] um das geraubte Stadtvieh, um an notwendige Verpflegung heranzukommen.[165] An Gronsfelds Stelle war durch Georg Christoph Freiherr von Haslangs eigenmächtiges Handeln Hunolstein getreten. „Maximilian hatte mit Patent vom 13. Juni 1648 die curagierte Vorentscheidung Haßlangs gebilligt: ‚demnach Wir den Hunoldstein das Commando über unsere unterhabende Reichsarmada und insonderheit die Versicherung des Innstroms gnädigst anvertraut …’ Später, als das Feindbild an Konturen gewonnen hatte, unterstellte Piccolomini das kaiserliche Fußvolk zusätzlich dem Kommando Hunoldsteins, ungeachtet, daß dieser nun fie bayrische Reichsarmee zu führen hatte. Hunoldstein war zu äußerstem Widerstand entschlossen und mehr als ein Jahrzehnt Befehlshaber von Fußvolk gewesen. Als nördlicher Eckpfeiler der Verteidigung entlang der beiden Ströme wurde ein Brückenkopf am Südufer der Donau bei Vilshofen[166] gehalten, ausgebaut und dem Kommando Ruischenbergs[167] übergeben.

Generalfeldzeugmeister Hunoldstein und Generalfeldmarschall Ruischenberg ordneten sich der Autorität Piccolominis unter, ohne ihre Selbständigkeit aufzugeben. Neben Generalleutnant Piccolomini wurden beide die Seele des Widerstandes an Inn und Donau. Unstimmigkeiten oder auch nur Auffassungsunterschiede hat es zwischen dem kaiserlichen Generalleutnant und dem bayrischen Generalfeldzeugmeister Hunoldstein nicht gegeben. Piccolomini konnte die kaiserliche Immediatarmee und die bayrische Reichsarmee wie eine Armee führen“.[168]

Doch hatte Maximilian I. schon am 19.6. Enckevort[169] die erledigte Feldmarschall-Stelle angetragen, der am 11.7. in kurbayerische Dienste trat, am 22.7. in Salzburg vereidigt und am 2.8. der Armee vorgestellt wurde. Der gekränkte Hunolstein, dem der Kurfürst wegen seiner lothringischen Besitzungen misstraute, dem aber der „disgust“ genommen werden sollte, „weil er sonst zum Feinde gehe“ (!), wurde am 7.6. offiziell entlassen – Dankbarkeit war nicht gerade eine der Stärken des Kurfürsten –  und dankte ab.[170]Auch Reuschenberg war in kaiserliche Dienste getreten. Nach Haslangs Bericht wäre mit ihm ohnehin wenig geholfen; man vermisse bei ihm die Disziplinierung der Truppen, er sei hochmütig und wenig beliebt.[171]

Gronsfeld war nach wie vor bemüht, die Schuld an der verlorenen Schlacht von Zusmarshausen dem gefallenen Holzappel zuzuschieben, der das Oberkommando geführt habe, wie er auch von Maximilian I. „des öfteren gnädigst bevelcht worden, ihme, grafen, nicht allein nachzugehn, sondern auch nachzugeben, wie die formalia lautten. 2. hat gemelter graf [Holzappel] eine lange zeit die generales beeder armaden zu sich gefordert und confuse rhat gehalten, da dan gar selten das iehnig, waß ein oder der ander votirt, notirt oder prothocollirt“ worden. Das habe solange gedauert, bis es zwischen Hunolstein und Montecuccoli Streit um den Vorrang geben habe,so dass man jeweils für sich Kriegsrat gehalten und nur die jeweiligen Beschlüsse übermittelt habe, was dazu geführt hätte, dass „man zuweiln 2, 3 und 4 mahl, ehe man sich vergleichen khönen, hin- und herschickhen und vil zeit vergebens verliehren missen“. Erst nach Holzappels Tod sei die Entscheidung des kaiserlichen Hofes zu Gunsten Hunolsteins gefallen und gemeinsamer Kriegsrat gehalten worden, wobei Generalkriegskommissar Schäffer das Protokoll, zum Teil allerdings sehr willkürlich, geführt habe. Zudem habe er sich auf kurfürstlichen Befehl hin an die Mehrheitsentscheidung halten müssen: „6. haben Kfl. Durchl. mich pure et simpliciter an die majora gepunden, also daß ich die wenigste authoritet bei der armada gehabt, sondern nur nudus executor alienorum sententiarum [lediglich Vollzugsorgan fremder Entscheidungen; BW] gewesen bin, […] do ich mich dan den maioribus simpliciter confirmiret [einfach der Mehrheit angeschlossen; BW]“,[172] was ihm allerdings sowohl von Maximilian I. als auch von kaiserlicher Seite als Führungsschwäche ausgelegt wurde und er vorübergehend in München im Arrest saß, während der Krieg noch weiter ging. Nach einem Kriegsgerichtsverfahren wurde Gronsfeld jedoch freigelassen.

Hunolstein stand auch nach dem Krieg noch in kaiserlichen Diensten.

Am 9.11.1655 wurde Hunolstein zum Feldzeugmeister befördert.[173]

[1] Hunolstein, heute Ortsteil v. Morbach im Hunsrück [LK Bernkastel-Wittlich]. Vgl. neuerdings den ausgezeichneten Artikel v. Alexander Nicolay, https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wilhelm_von_Hunolstein. Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Diarien.

[2] Château-Voué („Dür(r)kastel“) [Frankreich, Dép. Moselle] .

[3] wikipedia.org/wiki/Liste_der_kaiserlichen_Generale_der_Frühen_Neuzeit/V; nach: wikipedia.org/wiki/Hunolstein_(Adelsgeschlecht) 1664. Nach KAPSER, Kriegsorganisation, S. 90, schon 1655 verstorben.

[4] Dülmen [LK Coesfeld]; HHSD III, S. 180f.

[5] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Feldmarschall u. Generalleutnant. 1606 Eintritt in spanische Dienste, 1615-1617 Teilnahme am Friaulischen Krieg, 1618 Beförderung zum Hauptmann, Kommandant v. Riva u. Bekanntschaft mit Johann v. Aldringen. Durch dessen Vermittlung 1629 Wechsel aus kurbayerischen in kaiserliche Dienste, nachdem Gallas die Festnahme wegen Unbotmäßigkeiten u. Erpressungen angedroht worden war. Am 18.7.1630 zusammen mit Aldringen Beteiligung an der Plünderung Mantuas, wo er (nach heutigen Begriffen) ein Millionenvermögen erbeutete. Am 10.3.1632 Erhebung in den Reichsgrafenstand, am 13.10.1632 Ernennung zum kaiserlichen Feldmarschall, im September 1633 zum Generalleutnant unter Wallenstein. Zusammen mit Aldringen u. Piccolomini betrieb Gallas die Entlassung Wallensteins. Am 24.1.1634 Übernahme des Oberbefehls über das kaiserliche Heer, nach Wallensteins Ermordung, deren Planung u. Durchführung er Piccolomini überlassen hatte, erhielt er dessen Herrschaft Friedland. Am 5./6.9.1634 hatte Gallas entscheidenden Anteil am Sieg über die Schweden bei Nördlingen. Sein schlechter Ruf als Trinker u. Spieler sowie glücklos verlaufene Feldzüge wie im Winter 1633 in Schlesien, 1635/1636 in Lothringen, 1637 gegen Johan Banér u. im Winter 1644 im Rückzug vor Lennart Torstensson brachten ihm bis heute den Ruf eines “Heeresverderbers” ein. Im November 1639 wurde Gallas entlassen, anschließend erneut berufen, im Januar 1645 wiederum entlassen, um dann von Dezember 1646 bis zu seinem Tod letztmalig das Kommando zu übernehmen. Vgl. REBITSCH, Gallas I; REBITSCH, Gallas II; BECKER, Gallas; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; KILIÁN, Johann Matthias Gallas; REBITSCH; ÖHMAN, KILÍAN, 1648.

[6] Ramsdorf, heute Ortsteil v. Velen [LK Borken].

[7] Weichbild; Bezeichnung für Minderstädte (Freiheit, Weichbild).

[8] WESKAMP, Heer der Liga, S. 185.

[9] Ahaus [LH Ahaus]; HHSD III, S. 9f.

[10] Südlohn [LK Borken].

[11] Ottenstein [LK Ahaus]; HHSD III, S. 598.

[12] Nürtingen [LK Esslingen]; HHSD VI, S. 579f.

[13] BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 37f.

[14] Bietigheim, HHSD VI, S. 83f.

[15] BENTELE, Protokolle, S. 199.

[16] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher.

[17] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.

[18] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[19] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 371.

[20] Leopold Wilhelm Erzherzog v. Österreich [5.1.1614 Wiener Neustadt-20.11.1662 Wien] Bischof v. Straßburg (1625-1662) u. Passau (1625-1662), Erzbischof v. Magdeburg (1629-1635), Olmütz (1637-1662) – da er keine kirchlichen Weihen hatte, wurden Administratoren eingesetzt, 1640-42 Johannes Kaspar Stredele v. Montani u. Wisberg, 1643–1648 Kaspar Karas v. Rhomstein – , Breslau (1655-1662) u. Halberstadt (1627-1648), Administrator v. Hersfeld, Fürstabt v. Murbach u. Lüders, Hoch- u. Deutschmeister (1641-1662), Generalstatthalter der Spanischen Niederlande (1646-1656), Oberbefehlshaber über die kaiserlichen Truppen u. kaiserlicher Generalissimus (seit 1639). 1640 Siege über die schwedischen Truppen in Böhmen u. Niedersachsen, Frühjahr 1641 militärische Erfolge in der Oberpfalz u. Entsatz Regensburgs mit Rückzug Johan Banérs, am 2.11.1642 Niederlage in der 2. Schlacht bei Breitenfeld u. Niederlegung des Oberkommandos, 1645 neuerliche Ernennung zum kaiserlichen Oberbefehlshaber u. Abgabe der Erzbistümer Magdeburg u. Bremen, Spätherbst 1646 Ernennung zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande durch Philipp IV., 30.1.1648 Frieden Spaniens mit der Republik der Vereinigten Niederlande, 20.8.1648 Niederlage in der Schlacht bei Lens, 21.1.1656 päpstliche Bestätigung der Wahl Leopold Wilhelms zum Bischof v. Breslau 1655, 1656 Niederlegung des Amtes des Generalstatthalters. 1657 versuchten einflussreiche katholische Kreise, Leopold Wilhelm für eine Kaiserkandidatur zu gewinnen. Vgl. die ausgezeichnete Dissertation v. SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBITSCH; ÖHMAN; KILÍAN, 1648.

[21] sagen ?

[22] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[23] [Bad] Wildungen; HHSD IV, S. 35ff.

[24] Warburg; HHSD III, S. 752ff.

[25] Graf Godfried Huyn [Ghuyn, Hai] van Geleen [Geldern, Gleen, Gelern, Cleen, Gelaine, Glayn, Güllen, Glwn, Glam, Glede, Glaien, Klein] [1595 oder um 1598 Geleen-27.8.1657 Alden Biesen], flandrischer Adliger, ab 1618 in bayerischen Kriegsdiensten als Obrist (1631), Generalwagenmeister (1633), kaiserlicher Feldmarschallleutnant (1634), Feldzeugmeister (1636) u. Feldmarschall (1645), 1632 Aufnahme in den Deutschen Orden, 1634-1657 Landkomtur der Deutschordensballei Alden Biesen; , 1644/45 kaiserlicher General des westfälischen Kreisdefensionsheeres; 1645-1647 Oberbefehlshaber des kurbayerischen Heeres. Er verteidigte 1632 Wolfenbüttel gegen Georg v. Braunschweig-Lüneburg, 1633 erhielt er ein Kommando in Westfalen, 1634 verteidigte er Münster gegen Lüneburger, Hessen u. Schweden. 1636 zum kaiserlichen Generalwachtmeister ernannt, verließ er nach der erfolgreicher Vertreibung Johan Banérs aus der Oberpfalz 1641 die Armee u. zog sich 1642 als Landkomtur des Deutschen Ordens auf die Ballei Altenbiesen zurück. 1644 erhielt er das Generalat im Westfälischen Reichskreis, 1645 wurde er bei Alerheim gefangen genommen. 1646 wurde Geleen der Oberbefehl für Truppen des Erzherzogs v. Österreich Leopold Wilhelm übertragen. An Stelle des gefallenen Franz v. Mercy erhielt er das Kommando über die kurbayerischen Truppen. Wie alle seine Kriegsgefährten Gegner des Waffenstillstands Maximilians I. v. Bayern mit Schweden u. Frankreich erhielt er 1647 seinen Abschied. Sein Kommando wurde Jost Maximilian v. Gronsfeld übertragen. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Geleen; WIGAND, Denkwürdige Beiträge.

[26] Bruchhausen; HHSD III, S. 122.

[27] Albaxen, heute Stadtteil von Höxter [LK Höxter].

[28] Bienenkörbe.

[29] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini, Picolominie] P. d’Aragona, Herzog v. Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Teilnahme am Böhmischen Krieg, unter Pappenheim Dienst als Obristleutnant, 1627 wurde er Kommandant der Leibgarde Wallensteins, Teilnahme am Mantuanischen Erbfolgekrieg u. am 16.11.1632 an der Schlacht bei Lützen, Mitunterzeichner des 1. Pilsener Revers u. Hauptakteur bei der Verschwörung gegen Wallenstein, danach erhielt er reiche Schenkungen in Böhmen, er war kaiserlicher Feldmarschall in der Schlacht v. Nördlingen am 5./6.9.1634, es folgten Kämpfe in Lothringen, am 7.6.1639 Sieg über die französische Armee unter Feuquières bei Diedenhofen (Thionville) u. Ernennung zum kaiserlichen Geheimen Rat bzw. zum Herzog v. Amalfi durch Philipp IV. v. Spanien, am 5.9.1639 Ernennung zum Befehlshaber der kaiserlichen Hauptarmee in Böhmen. Nach mehreren Niederlagen u. der Katastrophe Piccolominis u. Erzherzog Leopold Wilhelms gegen Torstensson in der Schlacht bei Breitenfeld am 2.11.1642 legte er den Oberbefehl nieder, 1644 war er erneut bei den Kämpfen der Spanier in den Niederlanden aktiv, 26.5.1648 Ernennung zum Generalleutnant, Einsatz als Prinzipalgesandter bei den Nürnberger Verhandlungen zur Umsetzung des Westfälischen Friedens (Mai 1649-Juli 1650), 1650 Erhebung in den Reichsfürstenstand. Seit 1641 Mitglied Nr. 356 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Zwingende“; CONERMANN, Mitglieder, S. 408f. Vgl. BARKER, Piccolomini, S. 322-369; WOLTZ, Piccolomini, S. 93-145; ZIRR, Die Schweden; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBiTSCH; ÖHMAN; KILÍAN, 1648; BECUCCI, Ottavio Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten v. ELSTER (=> Literaturregister).

[30] Das würde einer Gesamtmenge v. 170.400 bis 340.800 Liter entsprechen.

[31] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 101f.

[32] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 188. Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[33] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 194.

[34] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 195.

[35] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[36] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.

[37] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.

[38] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.

[39] Nabburg [LK Nabburg], HHSD VII, S. 491f.

[40] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.

[41] Vilseck LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[42] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.

[43] Neukirchen-Balbini [LK Schwandorf].

[44] Furth i. Wald [LK Cham]; HHSD VII, S. 221f.

[45] Taus [Domažlice]; HHSBöhm, S. 598ff.

[46] Für die kampflose Aufgabe einer Festung erfolgte im Regelfall die Hinrichtung des Kommandanten !.

[47] ENGLUND, Verwüstung, S. 246ff.

[48] Nach den Mitteilungen Franzins an W. E. v. Lobkowitz, Regensburg, 1641 III 22,  habe sich Slang mit dem Markgrafen v. Durlach u. 2.000 Reitern Leopold Wilhelm ergeben, sei nach Regensburg u. dann nach Wien gebracht worden. Slangs Reiterei bilde angeblich den Kern v. Banérs Kavallerie u. bestehe größtenteils aus Finnen. Badura; Kočí, Der große Kampf, Nr. 1176.

[49] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.

[50] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.

[51] Regenstauf; unter Neuburg a. d. Donau, HHSD VII, S. 501.

[52] Nabburg [LK Nabburg]; HHSD VII, S. 491f.

[53] Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[54] Auerbach [Vogtland]; HHSD VIII, S. 12f.

[55] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 607: „Käiserl. Majest. liesse die Stadt Regenspurg mit 2. Regimentern auff 800. Mann zu Fuß geschätzet / alsbalden stärcker besetzen / und die Herren Stände / wie bey obigem Reichstags-Verlauff befunden / zum verharren vermahnen : auch wurde Volck bey Kelheim zusammen geführet / dergleichen auch bey Ingolstatt. Herr General Piccolomini / und der von Geleen reyseten unterschiedlich hin und wieder / und gaben Ordre : auch waren sie und andere / zu forderst deß Herrn Ertz-Hertzogen Hochfürstl. Dl. bey Käiserl. Maj. zu Regenspurg / und wurde Kriegs-Rath gehalten : unter anderm 3. Brücken / eine bey Kelheim / über die alte Mühle / die andere bey Sintzing über die Laber / und die dritte bey Rigling und Ort über die Nab geschlagen / das zusammenziehende Volck in Eyl gegen dem Regen über zu bringen : es wurden auch etlich tausend auß Oesterreich herauff zu kommen erfordert / und nichts was zur Defension / und Resistentz nöthig war / unterlassen“.

[56] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 349ff.

[57] Pförring [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 582f.

[58] Neustadt a. d. Donau [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 513.

[59] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.

[60] Weichs [LK Dachau]; HHSD VII, S. 793f.

[61] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.

[62] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.

[63] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.

[64] Weichs [LK Dachau]; HHSD VII, S. 793f.

[65] Pförring [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 582f.

[66] Riegling, heute Ortsteil v, Sinzing [LK Regensburg].

[67] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.

[68] Neukirchen-Balbini [LK Tirschenreuth].

[69] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 607ff.

[70] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[71] ENGELBERT, Hatzfeld, Nr. 495.

[72] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[73] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[74] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[75] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1390.

[76] REBITSCH, Gallas, S. 232, 244. Vgl. auch REBITSCH, Generalstab, S. 321-325.

[77] Wittenberg [Kr. Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[78] REBITSCH, Gallas, S. 244, 263f.

[79] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.

[80] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[81] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 495.

[82] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 366.

[83] REBITSCH, Gallas, S. 211.

[84] REBITSCH, Gallas, S. 280f.

[85] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 495. Großenhain; HHSD VIII, S. 135f.

[86] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 238.

[87] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[88] REBITSCH, Gallas, S. 293.

[89] REBITSCH, Gallas, S. 325.

[90] Státní oblastní archív v Litomĕřicích (Dĕčín), Rodinný archiv Clam-Gallasové XV/14-16 (21 Einheiten, 1645 IV 10-1645 XII 08).

[91] Mautern [BH Krems]; HHSÖ I, S. 416f.

[92] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 495.

[93] Schiltern, heute Ortsteil von Langenlois [Bezirk Krems-Land].

[94] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 495.

[95] Korneuburg [BH Korneuburg]; HHSÖ I, S. 359ff.

[96] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 495.

[97] MERIAN; ZEILLER, Topographia Provinciarum Austriacarum, S. 12.

[98] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[99] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 495.

[100] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[101] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 171, fol. 4-5 (Ausfertigung): Ferdinand III. an Holzappel, Prag, 1647 XI 16: Bestätigung des Urteils durch Ferdinand III.

[102] Vgl. SCHREIBER, Raimondo Montecuccoli.

[103] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 172, fol. 185-186 (Ausfertigung): Ferdinand III. an Holzappel, Prag, 24.12.1647.

[104] HÖFER, Ende, S. 6.

[105] HOFMANN, Melander, S. 247; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 1053: „Gedachter General Melander thäte benebenst denen zu sich erforderten General und Obristen / den mitgebrachten Käys. Befehl / so er von Käys. Maj. erhalten / eroffnen: Nemlich daß 1. er Gen. Melander / Graf zu Holtzapffel / alle Gen. Personen / und Officirer / absolutè commandiren wolte […]. Daß General Melander / wenn sich eine gute Gelegenheit mit dem Feinde zuschlagen eräugnen würde / befugt seyn wolte / ohne Erholung Käyserlichen Spezial-Befelchs in eine Haupt-Action zutretten“. Vergleichbar ist diese Vollmacht jedoch wohl mit dem „assoluto comando“ Piccolominis, das Formarini in seinem Schreiben an Piccolomini, Wien, 1648 XI 25 (Státní oblastní archív v Zámrsku Rodinný archiv Piccolominiové Nr. 26737) erwähnt; vgl. das Verständnis Maximilians I. in dessen Bestallungspatenten, „die fast alle gleich lauten, gingen zwar noch dahin, dass der Oberst oder Obristleutnant das Regiment erhalte und das Recht habe, es ‚absolute zu kommandieren’; aber die Patente fahren fort, Maximilian versehe sich, dass solches für eine Gnade und das Regiment in gutem esse und disziplin gehalten werde“. DAMBOER, Krise, S. 248f.

[106] VELTZÉ, Ausgewählte Schriften Bd. 3, S. 59. Nach HÖFER, Ende, S. 256, Anm. 167, habe die kaiserliche Armee keinen Umweg zur Verschonung der Schlick’schen Güter bei Plan gemacht, da diese Güter ohnehin schon im Juni 1647 v. schwedischen Truppen geplündert worden seien (!).

[107] BA NF II/9, Nr. 105, S. 210.

[108] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[109] Freistadt; HHSÖ I, S. 38f.

[110] Schlag [Oberösterreich, Mühlviertel].

[111] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 167, fol. 85 (Entwurf): Ferdinand III. an Hunolstein, Pressburg, 1647 VI 06.

[112] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[113] BARUDIO, Gustav Adolph, S. 599.

[114] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.

[115] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[116] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 351-357 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Leskau, 1647 IX 19.

[117] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 462-463 (Entwurf): Ferdinand III. an Holzappel, Prag, 1647 IX 23.

[118] Belá [Horní Bĕlá und Dolní Bĕlá; Bez. Pilzeň-sever].

[119] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[120] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 397-398 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Bela, 1647 IX 21.

[121] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 170, fol. 305 (Ausfertigung): Hauptquartier Hartenstein, 1647 X 20. TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 995, S. 318: Walter Leslie an Piccolomini, Pressburg, 1647 II 12: Man warte begierig auf Melanders Ankunft, v. dem man sich eine Erneuerung der Militärdisziplin erwarte. Der Auffassung KROENER, Soldat, S. 113, dass nach eingehenden neueren Forschungen der fehlende soziale Antagonismus zwischen Bauern u. Soldaten dazu geführt habe, dass bei Plünderungen zwar Gewalt angewandt wurde, Morde u. Massaker jedoch selten gewesen seien (!), lässt sich nicht nachvollziehen.

[122] „Den 20. Octob. und nachgehende Tage hatt die Kayserl. und bayersche Armee und der General Feldmarschall Graff Peter von Holzapffel, sonst Melander genannt, und der bayrische General Graff Gronsfeld gleichen march genommen, das Haubtquartier zu Dobizschen [Dobitschen, Kr. Schmölln] gesezt und den 25 ej. fd. zu Zeitz, den 26. zu Eysenberg ankommen, von dannen sie weiter nach Jena, Weymar und Heßen sich gewendet“. Stadtarchiv Altenburg Ratsbibliothek C I 79: FÖRSTER, Annales Altenburgenses II. Vgl. BEUST, Jahrbücher Bd. 3, S. 18, 77. Die bayerische Armee war über Werdau, Ronneburg, Gera, Stadtroda in Jena eingetroffen. Beide Armeen zogen über Isserstedt (5 km nw: Jena), Isseroda, Hayn, Arnstadt (17 km ssw: Erfurt) u. Wandersleben weiter. Zwischen dem 20. u. 30.10. lag das Hauptquartier in Wobeck bei Fritzlar. Genaue Angaben über die Bewegungen der schwedischen u. kaiserlich-bayerischen Truppen bei ihren Durchzügen durch Thüringen enthält der Schreibkalender Wilhelms IV. v. Sachsen-Weimar für die Zeit vom 28.9. bis 5.11. (a. St.). Hauptstaatsarchiv Weimar A I Nr. 1, fol. 343-345.

[123] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[124] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1647/10/18 (Ausfertigung): Holzappel an Piccolomini, Hauptquartier Isserstedt, 1647 X 31.

[125] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[126] ERNST, Ende, S. 132f.

[127] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 64f.

[128] Wetterfeld, heute Ortsteil von Laubach [LK Gießen].

[129] Laubach [LK Gießen].

[130] WÖRNER; BENOIT, Wetterfelder Chronik, S. 90.

[131] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[132] Hammelburg [LK Bad Kissingen]; HHSD VII, S. 268ff.

[133] Schon 1646 hatte Kurfürst Maximilian I. Erzherzog Leopold Wilhelm u. dessen Armee als „Bärenhäuter und Straßenräuber“ tituliert. So jedenfalls der Erzherzog an seinen Bruder, Niederdorf, 30.11.1646. SCHREIBER, Leopold Wilhelm, S. 64, bzw. 66, Anm. 67.

[134] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 46-47 (Ausfertigung): Kaiserliches Hauptquartier Hammelburg, 5.2.1645 an Hunolstein u. die Kommandanten der berittenen Freikompanien. Kompanie (auch Freifahne), die keinem Regiment und keinem Regimentsstab unterstellt war. Bei den Kaiserlichen waren dies Hannemann, Unger und Augustin.

[135] Das galt vor allem für das Korps unter Königmarck.

[136] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[137] HÖFER, Ende, S. 155.

[138] Vgl. WILD, Johann Philipp von Schönborn.

[139] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 164 (Ausfertigung): Hunolstein an Holzappel, Würzburg, 1648; HÖFER, Ende, S. 157.

[140] Maximilian I. an Ferdinand III., München, 27.4.1648, zit. bei SCHMIDT, Kalvinist, S. 140. Der Bericht stammte v. Generalkriegskommissar Schäffer.

[141] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 377-384 (Ausfertigung): Ferdinand III. an Holzappel, Prag, 27.3.1648.

[142] 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne und Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[143] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1648/5/13 (Ausfertigung): Fernemont an Ferdinand III., Augsburg, 1648 V 19.

[144] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1175, S. 374: Fernemont an Piccolomini, Linz, 1648 IX 05: Der Widerstand des bayr. Kf gegen die Abkommandierung v. Hilfstruppen nach Böhmen beweise seine bösen Absichten, sein Warten auf den Niedergang des Kaiserhauses. Seit zwei Monaten spreche man am Ort v. einer Niederlage der spanischen Armee in Flandern u. v. Turennes unmittelbar bevorstehendem Angriff auf die kaiserliche Armee. Zwar sei Pfalzgraf Carl Gustav nach Böhmen gekommen, aber man müsse sich fragen, ob ein Friedensschluss, den der Kaiserhof so sehr ersehnt u. mit solchem Eifer betreibt, in dieser traurigen Lage wohl mögl. sein wird.

[145] Wie auch aus Schäffers Protokoll hervorgeht; Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1648/7/75.

[146] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[147] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1648/7/75 c (Ausfertigung): Fernemont an Piccolomini, Vilshofen, 1648 VI 20.

[148] Mühldorf [LK Mühldorf]; HHSD VII, S. 462f.

[149] Neuötting [LK Altötting]; HHSD VII, S. 511.

[150] Burghausen [LK Altötting]; HHSD VII, S. 115.

[151] Maxlrain [Gem. Beyharting, LK Bad Aibling]; HHSD VII, S. 436f.

[152] URZINGER, Mühldorf und Umgebung IV.

[153] Wasserburg am Inn [LK Rosenheim]; HHSD VII, S. 790ff. Wrangel hatte am 11.6. sein Hauptquartier in Haag aufgeschlagen; SCHLERETH; WEBER, Chronik, S. 40. Von hier aus leitete er die Belagerung Wasserburgs. Die Stadt wurde am 16.6. durch schwedisch-französische Truppen beschossen, die aber am 18.6. unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten; vgl. den Kupferstich »Gelegenheit der Stadt Wasserburg / vnd wie die Königl: Schwed: vnd Frantzösische Armen einen Versuch darauff gethan den 5. Juny / vnd de 8. dito wider abmarschiret Ano 1648«, Historisches Museum Frankfurt; LANGER, Kulturgeschichte, Abb. 128. Nach Mitteilung des Propsts v. Weyarn hatten die Konföderierten dabei 600 Mann verloren; BIRKMAIER, „Weil ich noch leb“, S. 56; RIEZLER, Baiern Bd. 5, S. 641. Über seine Motive, die Belagerung Wasserburgs aufzugeben u. sich nach Mühldorf am Inn zu wenden, Wrangel an Carl Gustav v. Pfalz-Zweibrücken, Mühldorf am Inn, 1648 VI 15/VI 25; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Friedensakten 56 c, fol. 217-224 (Abschrift); ferner HÖFER, Ende, S. 210ff. Anscheinend hatte der permanente Regen (vom 11.6. bis 29.9.) nach den Aufzeichnungen der Äbtissin v. Frauenchiemsee (STALLA, Haidenbucher, S. 164) den Übergang über den Inn verhindert. Vgl. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2979, fol. 548 (Ausfertigung v. Grimmelshausen): Elter an Maximilian I., Wasserburg, 1648 VI 25, dass „des feindts armee […] annoch beÿ Mühldorf stehe, unnd in zueführung holtzes und anderm, so zu bauung einer pruckhen tauglich, sich noch embsich bearbeÿthe“. So auch nach Aussagen schwedischer Gefangener (dt. Abstammung), dass Flöße aus Balken u. Blockhäusern gebaut werden sollten u. dass man unterhalb v. Mühldorf über den Inn setzen wollte; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2979, fol. 589 (Ausfertigung): Elter an Maximilian I., Wasserburg, 1648 VI 28. An diesem Tag verlieh der Kurfürst Elter den Rang eines Kämmerers.

[154] Pfarrkirchen [LK Rottal-Inn]; HHSD VII, S. 581f.

[155] KELLETAT, Simplicianische Schriften, S. 211f.

[156] Vgl. HÖFER, Ende, S. 210ff.

[157] Frauenchiemsee [LK Traunstein]; HHSD VII, S. 206f.

[158] WILDGRUBER, Haidenbucher, S. 162.

[159] Schloss Hohenburg, bei Lenggries [LK Bad Tölz-Wolfratshausen].

[160] SCHMALZ, Gars, S. 37; BACKMUND, Chorherrnorden, S. 82ff.; HAUSER; SCHMALZ, 2000 Jahre Gars) mit dem Kloster OSACan; zu Au vgl. SCHMALZ, Au; BACKMUND, Chorherrnorden, S. 46ff.

[161] Neumarkt-Sankt Veit [LK Mühldorf]; HHSD VII, S. 506f.

[162] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[163] BIRKMAIER, „Weil ich noch leb“, S. 59f.: Propst v. Weyarn an Abt v. St. Georgenberg, Weyarn, 1648 VII 10; WILDGRUBER, Haidenbucher, S. 185f.

[164] Pfäfflingen, heute Stadtteil von Nördlingen [LK Donau-Ries].

[165] VOGES, Reichsstadt Nördlingen, S. 235.

[166] Vilshofen [LK Passau], HHSD VII, S. 772f.

[167] REUSCHENBERG, „Jesus Maria und kein Quartier !“; EHRENPREIS, Feldmarschall Johann von Reuschenberg.

[168] HÖFER, Ende, S. 208f.

[169] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 773f. Maximilian Kurz hatte deswegen mit Traun Verbindung aufgenommen; Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1648/7/ad 72 (Ausfertigung): M. Kurz an Traun, Salzburg, 1.7.1648. Piccolominis Zustimmung war bereits eingeholt. Am 21.7. hatte auch Ferdinand III. sein Einverständnis erklärt; LAHRKAMP, Werth, S. 200f. Am 15.10.1649 wurde E. wegen der zwischen ihm u. Maximilian I. bestehenden Differenzen entlassen; ENCKEVORT, Geschichtliche Nachrichten, S. 100ff.

[170] HÖFER, Ende, S. 221.

[171] Staatsbibliothek Cgm 1938: Sonnenleitners Beiträge, fol. 216 (Abschrift): Georg Christoph von Haslang an Maximilian I., Schärding, 1648 VI 12.

[172] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv Alte Feldakten 1648/7/75 f (Ausfertigung).

[173] STAUDINGER, Anlage 7*; HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 1122; TÖPFER, Urkundenbuch. Vgl. ferner die Hinweise bei ENGELBERT, Hatzfeldt.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Hunolstein [Hundelstein, Hundtstein, Honolstein] zu Dürrkastel, Johann Wilhelm Freiherr Vogt von

Croon [de la Croon, Corona, Croen, Crona, Lacron, La Cron, Cron, von der Kron, „der Lawen“], Jan [Johann, Jean] Freiherr van der

Croon [de la Croon, Corona, Croen, Crona, Lacron, La Cron, Cron, von der Kron, „der Lawen“], Jan [Johann, Jean] Freiherr van der; Feldmarschallleutnant [um 1600-6.11.1665 Prag]

Croon, der in Weert[1] in den Spanischen Niederlanden geboren wurde, Herr auf Divice, Zahorschan/Zahorzan (heute Zahořany) mit Tasov und Kluky [8.11.1650[2]], begann seine militärische Karriere als Pikenier und nahm 1624 an der Belagerung Bredas[3] teil. Danach kämpfte er unter Wallenstein[4] in Ungarn und nahm 1630 an der Eroberung Mantuas[5] teil. Auch an den Schlachten bei Lützen (1632),[6] Nördlingen (1634),[7] Thionville (1639),[8] so jedenfalls der katholische irische Feldkaplan Thomas Carve [1590 – 1672 ?],[9] und Breitenfeld (1642)[10] war er beteiligt.[11] Er stand als Obrist seit 1640, Inhaber und Kommandeur eines Dragonerregiments sowie als Generalfeldwachtmeister [24.10.1652] und Feldmarschallleutnant [8.8.1665] immer in kaiserlichen Diensten.[12]

Am 13.10.1642 schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm[13] aus seinem Feldlager bei Grafenstein[14] an den für die Verteidigung Böhmens zuständigen Rudolf Graf Colloredo, was die Deserteure[15] und das vagabundierende Kriegsgesindel anginge, habe er Croon angewiesen, sie zur Armee zurückzuführen.[16] Gallas[17] erteilte Croon am 25.5.1643 aus Königgrätz[18] ausführliche Instruktionen: Er solle mit seinem Regiment und Gallas‘ Dragonerregiment, insgesamt 1.000 Mann, ohne Bagage[19] nach Poděbrad [20] aufbrechen, seine Soldaten zwischen dieser Stadt und Nimburg[21] diesseits der Elbe gegen Prag[22] zu dislozieren und die gegnerischen Aktionen sorgfältig verfolgen. Sollte der Gegner einen Elbe-Übergang versuchen, solle er ihn daran hindern. Unter keinen Umständen dürfe er vor dem Anmarsch der Hauptarmee die befohlene Stellung verlassen. Sollte er trotz allem den Vormarsch des Gegners nicht verhindern können, solle er bei den bei Poděbrad liegenden Kroaten[23] und Kapoun Hilfe suchen, der mit 1.500 Reitern bei Leitmeritz[24] stehe. Croon solle vor allem folgende Elbstellungen schützen: Leitmeritz, Melnik,[25] Brandeis,[26] Nimburg, Poděbrad und Kolin.[27] Die dortigen Kommandanten seien angewiesen, ihm in allem behilflich zu sein. Ferner sei der Gegner an einem etwaigen Vormarsch nach Prag oder längs der Eger nach Pilsen[28] zu hindern. Sollte sich der Gegner aber nach Königgrätz wenden, solle er mit den Dragonern sofort gegen Kolin und Pardubitz[29] vorrücken.[30]

Johann Graf von Götz[31] informierte Melchior von Hatzfeldt im März 1644 von der Übergabe des Schlosses Herrnstadt[32] an Croon.[33] Am 19.10.1644 wies Croons Regiment im Lager bei Bernburg[34] 204 einsatzbereite Reiter, 120 Abgesessene, 159 bei der Kampagne nach Holstein Gefangene und Verwundete und 8 zurückgelassene Kranke und Verwundete auf.[35] Torstensson informierte am 18.10. Johan Oxenstierna: Am 7.[17.]10. habe Königsmarck den Gegner angegriffen und viele Pferde und Wagen mit Lebensmitteln und Futter erbeutet. Täglich würden Gefangene vorgeführt, die von großem Lebensmittel- und Futtermangel sprechen, die zum Tod vieler kaiserlicher Soldaten führe.[36] Ferdinand III.[37] schrieb am 25.10. an Reichsvizekanzler Kurz: Seit seiner Abreise habe sich der Zustand der kaiserlichen Armee nicht nur nicht gebessert, sondern verschlechtert. Der Gegner (gemeint war Königsmarck) habe bei einer Fouragierung 2.000 Pferde in seine Hand gebracht, Königsmarck habe mit 4.000 Reitern teils in Aschersleben,[38] teils in Halberstadt[39] sein Lager aufgeschlagen und die kaiserliche Armee von allen Seiten umzingelt.[40] Ähnlich pessimistisch äußerte sich auch der sächsische Kurfürst am 26.10. gegenüber Gallas: Er sei über den jüngsten Misserfolg der kaiserlichen Reiterei und den zunehmenden Mangel im kaiserlichen Feldlager stark beunruhigt und bezweifle, ob mit einer Vereinigung seiner Truppen mit der kaiserlichen Armee diese noch vor dem Untergang zu retten wäre. Auch gab er seiner Unzufriedenheit darüber Ausdruck, dass das gegen Königsmarck einzusetzende Korps Montecuccoli[41] anderswohin kommandiert wurde und dass die Hilfstruppen aus Schlesien und Mähren zu spät anmarschierten.[42] Auch Croons Regiment hatte bei dieser missglückten Aktion 46 Gefallene und Gefangene eingebüßt.[43]

Im Januar 1645 hatte Croon das Kommando in Pilsen übernommen.[44] Er meldete Hatzfeldt schwedische Truppen bei Saaz[45] und die Belagerung von Olmütz.[46] Im Februar informierte er ihn von dem schwedischen Überfall auf Luditz[47] und schwedischen Truppenbewegungen bei Saaz und Kaden.[48] Heinrich von Mercy und Jan von Werth[49] unterrichtete er vom Aufbruch der schwedischen Armee.[50] Am 4.3.1645, zwei Tage vor der verhängnisvollen Schlacht bei Jankau,[51] schrieb Walter Leslie, der wohl wichtigste Informant Piccolominis am Kaiserhof, aus Prag an seinen Gönner Piccolomini: Seit 14 Tagen manövriere Hatzfeldt vor der Front des Gegners, doch sei es zu keinem Treffen gekommen. Torstensson habe geplant, nach Oberösterreich zu ziehen, aber Hatzfeldt konnte es verhindern, hielt ihn stets zur rechten Hand, so dass dem Gegner nichts anderes übrig blieb, als nach Mähren zu marschieren. Einem abgefangenen Brief zufolge forderte Torstensson Rákóczy auf, nach Olmütz zu ziehen, während er selbst der Armee in Böhmen zu schaffen machen wollte. Olmütz sei jedoch so gut versorgt, dass es sinnlos sei, es zu belagern. Der Kommandant von Pilsen, Croon, habe gemeldet, dass Torstensson die Moldau noch nicht überschritten habe und sich in dem den einflussreichen Eggenberg zugehörigen Mirowitz[52] aufhalte. Der Kaiser habe Hatzfeldt befohlen, eine Schlacht zu suchen, nicht nur aus Gründen des Übergewichts der Kaiserlichen, sondern auch wegen des Kurfürsten von Bayern,[53] der mit Rücksicht auf die Bedrohung des Reichs durch die Franzosen den Abmarsch seiner Truppen nach Mähren nicht wünsche.[54]

Am 17.6.1645 informierte Rudolf Graf Colloredo aus Prag Gallas über die militärische Lage in Böhmen und Truppenverschiebungen, da die Absicht des Gegners wohl auf Pardubitz gerichtet sei: „Li dragoni d’V. E. sono in marcia, quelli del Corona, mentre non verra replicato l’ordine, lasciarò a Pardobiz, non avendo gente da presidiare quel posto et poterebbe correr risico d’esser perso, mentre l’inimico venisse avanti, confrontando tutti l’avisi che l’intenzione dell’inimico sia a Pardobiz”.[55] Ein kleiner Teil der Dragoner Croons war im Juni unter Souches‘ Befehl zur Befehl zur Verteidigung Brünns[56] eingesetzt.[57] Formarini, kaiserlicher Obrist und Vertrauter Piccolominis, teilte diesem am 23.9.1645 aus Linz[58] mit: Vor zwei Tagen sei der Erzherzog von dort aufgebrochen, um mit einem Teil der Armee zu Maximilian I. von Bayern zu stoßen und die Franzosen zu schlagen. Inzwischen sei Torstensson in Krems[59] einmarschiert und habe unterwegs alle Dörfer in der Umgebung von Korneuburg in Brand gesetzt. Königsmarck stehe nun abermals in Böhmen und ziehe von Leitmeritz gegen Königgrätz. Er, Formarini, habe sich nach Hilfstruppen umgesehen für den Fall, dass der Gegner bis Nachod[60] – hier hatte Piccolomini seinen Besitz aus der Konfiskationsmasse des ermordeten Wallenstein[61] –  käme, dessen Verteidigung hauptsächlich in den Händen der Untertanen liege, und habe diesbezügliche Versprechungen Croons aus Pilsen und Fernemont erhalten.[62] Am 28.11.1645 beschwerte sich Croon aus Klattau[63] bei Gallas: Studenten hätten in Pilsen die Hauptwache angefallen und als er sie verhaften wollte, habe sie der Stadtrat in Schutz genommen und ihm bedeutet, er sei kein Kommandant und habe in Pilsen keine Rechte. Wenn er weiterhin auf kaiserlichen Befehl Kommandant von Pilsen bleiben solle, müsse seine Autorität gestützt werden.[64] Im Dezember meldete er Hatzfeldt, dass Torstensson bei Landshut[65] und Trautenau[66] liege, seine Vereinigung mit Königsmarck und Torstenssons Aufbruch nach Friedland,[67] während sich das kaiserliche Hauptquartier in Budweis[68] befand.

Im Januar 1646 informierte er Hatzfeldt aus Pilsen über die Besetzung der Schlösser Schwihau[69] und Ruppau[70] durch kaiserliche Truppen sowie Leopold Wilhelm über die Bedeutung einer Besetzung von Schloss Rabenstein.[71] Weiter meldete er Hatzfeldt das Erscheinen schwedischer Truppen bei Komotau,[72] die Eroberung von Schloss Brüx[73] durch schwedische Truppen und die Besetzung von Schloss Rabenstein sowie auf Grund von Gefangenenaussagen die vermutliche Stärke der Regimenter Wrangels.[74] Am 11.2.1646 schrieb er aus Pilsen an Piccolomini: Die Armee des Erzherzogs stehe in Klattau, halte Kontakt mit der Oberen Pfalz und sei einsatzbereit, wenn der Gegner von Eger[75] her eindringen wollte. Eine kaiserliche Abteilung habe General Mortaigne gefangen genommen; wichtige Briefe, für Torstensson bestimmt, seien bei ihm gefunden worden. Man habe ihn nach Eger gebracht, wo er bis zur Aufklärung dieser Korrespondenz verbleiben solle.[76] Im Mai berichtete er Hatzfeldt über die Befestigung von Pilsen. Er informierte Piccolomini aus Pilsen am 24.6.1646: Montecuccoli habe sein Lager an der Oder bei Liegnitz[77] aufgeschlagen, aber die Schiffsbrücken weiter bewachen lassen. Der schwedische Generalmajor Arwid Wittenberg halte seine günstige Stellung bei Glogau[78] und erwarte Verstärkungen aus Pommern. Montecuccoli habe 3.000 Mann vor Korneuburg[79] gelassen, die seine Truppen verstärken sollen, sobald er die Stadt besetzt habe. Vorläufig sei es noch zu keinem Treffen beider Armeen gekommen. Die kaiserliche Hauptarmee stehe bei Hanau,[80] die bayerische bei Aschaffenburg,[81] die schwedische und französische Armee vor Wetzlar.[82] Eine Schlacht scheine bald bevorzustehen. Der König von Polen betreibe Werbungen gegen die Türkengefahr.[83] Im Juli schrieb er Hatzfeldt von den Vorbereitungen zur Krönung Ferdinands IV. zum böhmischen König in Prag und zum ungarischen König auf dem ungarischen Landtag. Zugleich berichtete er ihm von der Eroberung von Schloss Korneuburg und die Eroberung von dem dann gesprengten Schloss Frankenstein[84] durch den in Schlesien operierenden Raimondo Montecuccoli. Der schwedische Generalmajor Wittenberg werde durch Truppen aus Stettin[85] verstärkt.[86] Im August informierte er ihn über die Belagerung von Lehnhaus[87] durch Montecuccoli.[88]

Ferdinand III. teilte am 21.9. aus Pressburg Colloredo mit: Er werde über die Lage im Hinblick auf die Unterstützung Wittenbergs und die Ereignisse bei Glogau Bescheid wissen. Er selbst habe bereits am 1. dieses Monates Montecuccoli angewiesen, eine gewisse Anzahl seiner Reiter von der Truppe abzukommandieren und die Abgänge durch die in Böhmen, Schlesien und anderen Erbländern stehende Kavallerie und Infanterie zu ersetzen. Colloredo solle daher sämtliches vor Friedland[89] stehendes Kriegsvolk Montecuccoli unterstellen. Ferner habe er de Souches angewiesen, die zwei in Brünn und Ungarisch-Hradisch[90] liegenden Kompanien abzulösen; eine komme nach Pardubitz, die andere nach Leitmeritz, Aussig[91] und Tetschen.[92] Das in Pardubitz liegende Regiment Croon solle zu Montecuccoli abkommandiert und diesem unterstellt werden.[93] Am 24.10.1646 informierte Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Egingen[94] Colloredo: Croon sei der Meinung, der Gegner wolle von Leipzig[95] aus dem ganzen Pilsener Kreis Kontributionen auferlegen. Da er, Colloredo, die Lage gut kenne, solle er zwecks Verhinderung der gegnerischen Absichten eine gewisse Anzahl Reiter nach Elbogen[96] oder einen anderen geeigneten Ort legen.[97]

Im Januar 1647 berichtete Croon Hatzfeldt aus Pilsen von der Befestigung von Ohlau[98] und Göltzsch[99] durch Arvid Wittenberg, im Februar vom Rückzug Montecuccolis in die Grafschaft Glatz[100] und dessen Kämpfen mit Wittenberg.[101]

Croon war Ende Februar/Anfang März 1647 wieder im Kreis Eger erschienen. Vom 17.2. bis 29.12.1647 berichtete er regelmäßig in zumindest 54 erhaltenen Schreiben dem in den Spanischen Niederlanden weilenden Piccolomini über die Kriegsereignisse in Bayern, Böhmen und Schlesien.[102]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][103] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz[104] erinnert sich an den Februar bzw. März 1647: „Weil am 18. Februar das kaiserliche Hauptquartier samt der ganzen Armada aufgebrochen ist, um sich gegen Böheim(b) zu wenden, sind die hier eingeflohenen Leute den 25., 26. und 27. dito wieder nach Hause gezogen. Es hat aber nit lange dauern wollen, indem uns im jüngst gesetzten Datum ein edler Rat der Stadt Eger in der Nacht durch einen eigenen Boten andeuten ließ, daß der kaiserliche Generalwachtmeister Graf Lacron mit den nassauischen [Ludwig Heinrich v. Nassau-Dillenburg, BW] und königseckischen [Ernst Graf Königsegg, BW] Regimentern zu Roß im Egerkreis angelangt [wäre]. Sie würden samt der Garnirischen [Garnier; BW] Eskadron, die bisher im Egerland gelegen habe, ihren nächsten Weg nach Franken nehmen, um daselbst ihre Winterquartiere zu beziehen. Wir sollten daher die hierum(b)gelegenen Dorfschaften durch Boten warnen und zum Zeichen, daß Kriegsvolk vorhanden sei, unsere Doppelhacken[105] auf dem Kirchturm losbrennen lassen. Daraufhin ist dann alles Volk wieder hereingeflohen. […]

Um 1 Uhr [am 28.2.; BW] nachmittags kamen die Quartiermeister von diesen Völkern vor das Tor. Sie hatten Order von H[errn] Oberst Paradeiser aus Eger, daß es die kaiserlichen Dienste jetzt nit anders leiden  wollten und er unumgänglich wider seinen Willen befehlen müsse, daß wir dem kaiserlichen Generalwachtmeister, Ihro Gräfl. Gnaden von Lacron, ferner H[errn] Generalwachtmeister Günther, dazu Graf Deuring [Maximilian v. Töerring; BW] als auch H[errn] Oberstleutnant Cappell vom königseckischen Regiment das Nachtquartier hier im Markt, ihren Völkern aber das Quartier außerhalb – in den Vorstädten – geben sollten. Als wir das bewilligt [hatten] und ans Austeilen der Quartiere gingen, wollten die Quartiermeister damit keineswegs zufrieden sein, sondern begehrten auch für die vollen Regimenter – samt Troß und Bagage – die Quartiere im Ort, was wir gänzlich abgeschlagen haben. Wir erklärten uns [aber] bereit, dem H[errn] Grafen entgegenzugehen, um deswegen mit ihm zu reden. Sie wollten aber darauf nit antworten und einwilligen, sondern begehrten, wir sollten die Bilette ausgeben, Quartier machen oder sie wollten es selbst(en) tun, wie sie es ja bereits begonnen hatten. Wir haben darwider protestiert und ihnen (auch) die schwere Verantwortung freigestellt. Als sie aber [mit dem Quartiermachen] fortfuhren, bin ich [zusammen] mit H[errn] Richter, dem Grafen entgegen[ge]gangen, in der Hoffnung, solches [doch noch] abzuwenden. Als wir auf den Anger hinauskamen, sind [dort] die Völker alle in Bataglia[106] gestanden, die Generalspersonen aber waren noch hinterstellig und in Eger beim Trunk geblieben. Dahero konnten wir nichts anderes richten, als daß sie uns für gefangene Leute annahmen und uns solange nit frei lassen wollten, bis wir ihnen vorher die Quartierung bewilligten. Wir (be)warfen uns auf die Order und sagten, daß wir nit darwider handeln dürften. Wir baten sie auch, sie sollten sich gedulden, bis der Graf herbeikäme. Es war aber alles vergebens, denn unser Kapitänleutnant [Uchatz v. Abschütz; BW] hatte neben den Quartiermeistern zu viel Offiziere(r) und Reiter hereingelassen, die nit wieder hinauszubringen [waren]. Als sie daher die Quartiere nach ihrem (eigenen) Belieben gemacht hatten und damit fertig waren, machten sie die Tor[e] und Schranken auf und zogen alle – außer 2 Kompagnien, die zu(m) Dörflas[107] lagen – mit Heerpauken und Trompetenschall ein.

Als sie in die Häuser gekommen waren, fingen sie alsobald(en) nach ihrem Gefallen zu hausen an, schatzten die Bürger um Geld und plagten sie deswegen sehr. Geld sollten und mußten sie ihnen schaffen, das übrige, das sie sonst(en) in den Häusern fänden, wäre ohnedies von Rechts wegen ihnen. So machten diese Leut(e), die wir auf Befehl und Order als Freund(e) in den Markt und in die Vorstädt(e) [her]einnehmen sollten, unseren Leuten großen Jammer und [großes] Herzeleid. Um 9 Uhr nachts kamen dieGeneralspersonen. Wir brachten viel[e] Klagen vor. Es wurde auch alsobald(en) versprochen, alles abzuschaffen, was aber doch nur ein Spiegelfechten[108] war.

Es wurde mit großer Gewalt vorgegangen. Unsere Leute wurden die ganze Nacht über um(b) Geld und allerhand Sachen [angegangen] und hart geängstigt. Und obwohl wir am nötigsten der Hilfe bedurften, haben wir [dennoch] den Grafen Lacron, der das Kommando hatte, im Schlaf nit anschreien und beunruhigen dürfen.

Früh morgens – am 1. Martii also – hat der Graf auf unser Anschreien hin zwar den Aufbruch befördert und zu Pferd blasen lassen, doch sind bei diesem Lärm(en) noch viel[e] gute Leute in ihren Häusern spoliert, ausgezogen und sehr übel tractiert worden. Man hat ihnen auch auf ihre Wagen und Pferd[e] Fleisch, Kälber, Hühner, Butter(n) und Fässer Bier und auf den Weg 8 bis zu 10 Meßlein Hafer(n) mitgeben müssen. H[err] B[ürgermeister] Christof Miedel ist bei dem Aufbruch so geängstigt worden, daß er oben, von seinem Erkerfenster herauß auf den Misthaufen gesprungen ist. Obwohl die Offiziere(r) die Reiter an etlich[en] Orten mit Prügeln und bloßem Degen abgewehrt haben, so konnten sie aber doch nit überall sein. [Vielfach] kamen sie auch zu spät.

Dieses ein[z]ige Nachtquartier hat sehr viel gekostet [und] hat auch mehr einer feindlichen Plünderung als einer Quartierung    gleichgesehen. Wir haben dies alsobald(en) nach ihrem Abreisen sowohl H[errn] Oberst Paradeiser, als auch einem edlichen Magistrat berichtet und dabei auch – weil wir sie nit mehr verpflegen und besolden konnten – um(b) Abforderung unserer Salva Guardi[a] angehalten, worauf in der Nacht Schreiben an den Grafen kamen, worin sich die Stadt und der Kommandant wider unseren zugefügten Schaden hoch beschwerten. Wir haben sie (hi)nachgeschickt, haben aber den Schaden behalten müssen“.[109]

Am 3.3.1647 berichtete Croon Piccolomini, dass die kaiserliche Hauptarmee von Sulzbach[110] aufgebrochen und auf dem Weg nach Böhmen sei: „Und wollen sich seltsame Sachen ereignen, denn dahero die Chur Bayerische Gesanten, mit dem Feind ein Armistitio der Waffen, und unsere Armee ausgeschlossen, absonderlich getroffen, und sollen auch wegen der Neutralitet ferners in Tractaten stehen, dahero die französische Armee bereits vom Bodensee weg, und am Sch[w]äbische Gemündt[111] angelanget sein. Zugleich hatten die Schweden Lindau[112] verlassen, und sollen diese nachfolgen; was nun dieses causiren möchte, gehet mit der Zeit zu vornehmen“ [vernehmen ?; BW].[113] In diesem Sinne hatte er auch Hatzfeldt von den Ulmer Verhandlungen zwischen Kurbayern und den Feindmächten wegen eines Waffenstillstands informiert.[114] Zugleich meldete er in diesem Monat die Eroberung von Schloss Johannesberg[115] durch Wittenberg.[116] Im April ging es in der Korrespondenz mit Hatzfeldt um die Befestigung verschiedener Orte in Böhmen und um die Belagerung Regensburgs[117] durch kurbayerische Truppen. Zugleich meldete er ihm Gefechte bei Olmütz, Mährisch-Neustadt[118] und Eulenberg[119] sowie den Tod Gallas‘.[120] Bei dem Chronisten Leopold aus Markredwitz wird er allerdings mit Hieronymus von Lodron verwechselt, der im April 1647 zum Unwillen der kaiserlichen Generalität Schweinfurt[121] den Schweden übergab.[122]

Im Mai meldete Croon Hatzfeldt die Besetzung Schweinfurts durch schwedische Truppen, erörterte die Kriegslage in Böhmen, Mähren und Schlesien sowie die Belagerung des von dem kaiserlichen Obristen Paradeiser verteidigte Eger.[123]

Feldmarschallleutnant Traudisch hatte im Mai 1647 von dem kaiserlichen Oberkommandierenden Holzappel den Aufklärungs- und Sicherungsauftrag für das westliche und nordwestliche Böhmen erhalten. Von Croon, dessen Kürassierregiment nicht unter dem Befehl Traudisch‘ stand und das am 17.6. in Pilsen eingetroffen war,[124] erhielt das kaiserliche Armeehauptquartier wertvolle Hinweise über die Bewegungen des schwedischen Gegners. Croon galt als besonders einfallsreicher, rühriger Regimentskommandeur und Stadtkommandant. Holzappel wies ihn zudem an, alle Maßnahmen zur Pulverfabrikation in Pilsen zu ergreifen.[125] Es gelang ihm auch, drei persönliche Befehle Ferdinands III. an den Kommandanten von Eger, Paradeiser, in die belagerte Festung bringen zu lassen. Paradeiser hatte kaiserliche Befehle erhalten, die Festung bis „zum letzten Blutstropfen“ oder bis zum Entsatz zu halten.[126] Holzappel dankte Croon ausdrücklich für die Übermittlung dieser Befehle.[127]

Für das erfolgreiche Treffen Werths gegen schwedische Einheiten bei Třebel[128] hatte Croon durch die entsprechende Aufklärung und die ausreichende Pulverergänzung in Pilsen wertvolle Vorarbeit geleistet.

Croon hatte auch zu Piccolominis umfangreichen und kostenaufwendigen Netzwerk von Informanten gehört und den in den Spanischen Niederlanden Weilenden über die wichtigen Vorgänge im Reich bzw. am kurbayerischen Hof unterrichtet: „Und wollen sich seltsame Sachen ereignen, denn dahero die Chur Bayerische Gesanten, mit dem Feind ein Armistitio der Waffen, und unsere Armee ausgeschlossen, absonderlich getroffen, und sollen auch wegen der Neutralitet ferners in Tractaten stehen; dahero die französische Armee bereits von Bodensee weg, und am Schwäbische Gmündt[129] angelanget sein. Zugleich hatten die Schweden Lindau[130] verlassen, und sollen diese nachfolgen;was nun dieses causiren möchte, gehet mit der Zeit zu vornehmen“.[131] Er hielt ihn auch über den Abfall der weimarischen Regimenter von der französischen Armee und ihren Übergang ins schwedische Lager auf dem Laufenden. Einen Teil dieser abgefallenen Weimarer konnte Königsmarck am 23.8. bei Hildesheim[132] seinem Korps eingliedern.[133]

Um gegen die Eger belagernden Schweden etwas ausrichten zu können, musste erst die Schanze bei Königswart[134] genommen werden. Hiermit beauftragte Ferdinand III. am 14.10. – einen Tag später sollte die vereinte kurbayerisch-kaiserliche Armee aufbrechen – Croon.[135] Mit seinem Kürassierregiment, den allerdings recht schwachen Regimentern Puchheim und de Mers, den aus Tachau[136] abgezogenen Kompanien und unterstützt durch kurbayerische Kavalleristen aus Waldsassen[137] sowie etwas Artillerie begann Croon am 23.10. den Angriff, der schon zwei Tage später erfolgreich war.[138] Im Anschluss daran übernahm Croon die Blockade von Eger.[139] Der Erfolg blieb jedoch zweifelhaft, denn ihm standen nur das eigene Regiment und das des kaiserlichen Obristen Jobst Friedrich Graf Götz zur Verfügung. Zwar konnten einige für die Stadt bestimmte Versorgungsgüter abgefangen werden, so auch ein Transport von fünfzehn Fuhrwerken aus Nürnberg.[140] Doch es gelangten immer wieder Güter hinein, weil der Ring um Eger nicht lückenlos geschlossen werden konnte. Holzappel erließ daher einen Aufruf an die Nachbarorte, mit dem er jedem für das Einschleusen von Lebensmitteln die übliche Strafe des Abschneidens von Nasen und Ohren androhte. Dass der Befehl auch vollstreckt wurde, zeigen die Erinnerungen Leopolds aus Marktredwitz: „In dieser Woche(n) sind 3 Männer, die etwas auf dem Rücken nach Eger tragen wollten, von den bayer. Reitern gefangen genommen worden. Dem einen davon ist der Bart samt der Haut, dem anderen die Nase(n) und dem dritten sind die Ohren[141] abgeschnitten worden. Dann hat man sie wieder laufen lassen“.[142] Ein ähnliches Mandat hatte Ferdinand III. auch Nürnberg zugehen lassen.[143] Angeblich war noch am 1.12.1647 aus dem wichtigen Magazin Erfurt,[144] Leipzig[145] und der „schwedischen Realfestung“ Schweinfurt[146] ein großer Provianttransport [ein Teil der Kontributionen] unter Begleitung von 15.000 (1.500 ?) Reitern und 300 Fußsoldaten nach Eger abgesandt worden.[147] Der Chronist und Bürgermeister Leopold erinnert sich an den November 1647: „Den 5. dito ist der kaiserliche Oberst, H[err] Jan de Lacron, der Kommandant zu Pilsen, mit seinem Regiment Dragonern zusammen mit dem Oberst Graf [Jobst Friedrich; BW] Götz und seinem Regiment zu Pferd und an die 1300 Männer zu Fuß aus Böhmen heraus über Bärnau[148] spät in der Nacht hierher[ge]kommen, nachdem er vorher durch seine (geschickten) Quartiermeister – was nicht abzuwenden war – für das gesamte Volk die Quartiere bestellt und machen lassen hat.

Als sie nun herein[ge]kommen waren, ist der Markt angefüllt worden mit Volk, Pferden und Wagen und stark belegt gewesen. Nach dem Abendessen haben uns die beiden Obersten scharf examiniert und uns vorgehalten, ihnen klar anzudeuten, was wir bisher, sowohl dem Feind nach Eger, als auch dem churbayerischen Oberst [Beltin; BW] nach Waldsassen[149] geben und kontribuieren mußten.

Auf unsere (Ver)antwort(ung) hin hat uns der Oberst Lacron angedeutet, daß wir hinfort weder dem Kommandanten, noch dem Rat zu Eger etwas an Viktualien – ganz gleich, ob es Bier, Brot, Fleisch, Salz, Getreide oder sonst was sei – geben oder schicken dürften. Gleichfalls sollten wir auch gar nichts mehr an Geld – ganz gleich, ob es sich um Steuer, Um(b)geld, jährliches Gefälle oder [um] den Rest einer hinterstelligen Kontribution [handeln würde] – weder heimlich noch öffentlich geben oder schicken; denn wenn er erfahren würde, daß wir es uns gelüsten würden, nur für 1 Kreuzer oder für den Wert eines Kreuzers hineinzubringen, so sollten wir für nichts anderes als für Feinde und Verräter der Römischen Kaiserlichen gehalten und als Rebellen mit Feuer und Schwert verfolgt werden.

Desgleichen wundere es ihn nit wenig, daß wir als Verächter nit in Königswart[150] erschienen wären und, nachdem er uns nach der Eroberung der Schanz[e] geschrieben, es unterlassen hätten, dorthin zu kontribuieren. Er wolle sich deshalb eine Bestrafung vorbehalten. Unterdessen aber sollten wir uns mit ihm vergleichen.

Wir haben ihm daraufhin ein Paar Handschuhe versprochen und uns entschuldigt, daß uns von der Königsberger[151] Schan-z[e] aus niemals eine Zitation[152] zugekommen sei. Wir erboten uns auch, hinfüro zu kontribuieren, doch (ver)hofften wir, der Herr Oberst würde es mit uns – als den getreuen, armen und verlassenen Untertanen der Röm. Kaiserl. Majestät, die ohnehin vom Feind [bereits] verdorben und [schon immer] mit großen Quartierungen beschwert worden sind – so machen, daß wir weiter bei unserem Hüttlein (ver)bleiben könnten und er uns in seinen Schutz nehme. Daraufhin hat er versprochen, uns Paß, Repaß und Salva Guardi[a] zu geben und uns aufs beste zu schützen. Was wir dem Oberst zu Waldsassen schuldig wären, das sollten wir ihm geben; von dato an sollten wir ihm aber nichts mehr geben und es ihm durch Schreiben aufkündigen.

Obwohl der Oberst auf unser Anhalten hin allen Soldaten gebieten ließ, gute Order zu halten, so haben sich doch in vielen Häusern sehr lose Gäste befunden, die von der Bürgerschaft viel Geld erpreßt haben. Den andern Tag – also den 6. – sind sie nach dem Frühstück aufgebrochen und insgesamt nach Wunsiedel[153] marschiert. Eodem ist auch ein Leutnant vom Graf Serinischen [Zrinyi, BW] Regiment hie[r]hero [ge]kommen und mit diesen Völkern fort[ge]gangen.

Als nun diese Völker nach Wunsiedel [ge]kommen [waren], haben sie vorher einige Offiziere(r) hineinpartiert. Die haben dort um ihr Geld gefrühstückt und vor[ge]geben, daß die Völker bald nachkommen und [dann] gegen Hof marschieren würden. Als sie aber an[ge]kommen [waren], hat sich ein Teil der Offiziere und der Dragoner zu Fuß dem Tor genähert. Die sind alsobald(en) zur Wache hinein, haben ihr die Lunte ausgelöscht und das Gewehr abgenommen, haben die Tore und Schranken ganz geöffnet, und [daraufhin] ist der ganze Schwall in die Stadt hineingedrungen.

Obwohl der Hauptmann daselbst Lärm(en) geschlagen und die Bürger ins Gewehr bringen ließ, war es doch schon zu weit [ge]kommen. Durch die vorgewiesene kaiserl. Order war alles bald gestillt und für alle Völker Quartier gemacht worden.

Als sie sich nun zu Wunsiedel ordentlich eingelegt hatten, kamen um(b) Mitternacht aus Wunsiedel 2 Boten mit Schreiben vom Oberst Lacron, des Inhalts, daß wir alsobald nach Verlesung nach(er) Wunsiedel 2 geschworne Boten schaffen, die daselbst stetig(s) aufwarten und allezeit den 3. Tag [wieder] abgelöst werden sollten; außerdem zum Schanzen 4 Zimmerleute und 10 starke Arbeiter mit Hauen, Schaufeln und 3000 langen und starken Brettnägeln.

Wir haben alsobald wieder geantwortet, daß die Boten und Schanzarbeiter mit dem Tag folgen und die Nägel gemacht und (hi)nachgeschickt werden sollten. Weil aber kein Zimmermann [vorhanden sei], baten wir, uns mit diesen zu verschonen. Der Oberst hat aber wiederum(b) um 2 anhalten lassen, die wir ihm dann auch endlich schickten.

Den 7. November haben wir dem Oberst Beltin nach Waldsassen 4 Eimer[154] Weißbier, 1 Kar[155] Hafer(n), 4 Haselhühner und etliche Vögel, dem Hauptmann Zenati 1 Eimer [Weißbier] und dem Regiment Schulthes[156] auch 1 Eimer geschickt und dabei unsere Notdurft anbringen lassen. Wir haben zugleich auch einen Boten mit Schreiben an einen edlen, festen, hochweisen Rat der Stadt Eger ablaufen und den Oberst Beltin bitten lassen, daß er diesen Boten nach Eger passieren lassen wolle. In dem Schreiben haben wir einem edlen Magistrat der Stadt Eger das ernstliche Verbot des Oberst zu vernehmen [ge]geben und klagten dabei [auch über] unseren armen elenden Zustand und die schwere Quartierung, wodurch uns alle Mittel genommen und abgeschnitten wären, die verakkordierten 100 Reichstaler zu schicken. Weil uns außerdem vom Oberst im Namen der röm.-kaiserl. Majestät unter Verlust von Leib und Leben verboten worden sei, den Vergleich [aufrechtzuerhalten], mußten wir auch den renuncieren und aufkündigen. Bald darauf hat der kaiserl. Fähnrich Erhard Weib, der bei der Eroberung der Stadt mit ausgezogen war, eine Anweisung von e[inem] edlen Rat bei uns eingebracht, die wir auch angenommen und bezahlt haben. Den 10. November ist H[err] Oberst Lacron zu Wunsiedel mit einem Teil seiner Völker nach Hohenberg[157] gerückt, wo auch die Churbayerischen zu Waldsassen zu ihm gestoßen sind. Sie sind alsdann ins Egerische gerückt und haben daselbst alle Schlösser um(b) die Stadt Eger, wie Seeberg,[158] Großlehnstein,[159] Reichelsdorf,[160] Pograt,[161] (Stadt) Königsberg,[162] (Schloß) Kinsberg[163] besichtigt und besetzt.

Eodem [haben wir] auch H[errn] Oberst Lacron und H[errn] Graf Götz(en) 2 Faß Weißbier nach Wunsiedel gesandt.

Den 11. November ist ein Hauptmann mit 50 Musketiere(r)n und 3 Munitionswagen, die H[errn] Oberst Lacron gehörten, aus Böheim(b) kommend, hier durch. Diesem hat man zur Fortbringung der Munition zu Manzenberg[164] 14 Ochsen bis nach Wunsiedel vorspannen müssen.

Den 13. Nov. ist um(b) 1 Uhr nachmittags aus Verwahrlosung in dem Malzhaus in Wunsiedel in Herrn Eichters Behausung Feuer aus[ge]kommen. Es ist neben 2 weiteren Häusern – in dem einen hat H[err] Hauptmann gewohnt – abgebrannt, wodurch nit allein viel Malz und Getreide verbrannt worden sind, sondern auch noch die Mobilien, die Kleidung, Kleinodien, kostbare Gewehre, künstliche Uhrwerke und viele andere, dem Hauptmann gehörende, kostbare Sachen von hohem Wert. Der Mälzer ist entlaufen. Der Oberst Lacron hat mit bloßem Degen seine Soldaten zum Löschen und [zur] Rettung gezwungen“.[165] […] „In der Nacht des 13. ist auch Post anher(o) [ge]kommen, daß zu Mitterteich[166] an die 1000 Mann kaiserlicher Völker liegen sollten. Wir haben daher(o) alsobald(en) sowohl H[errn] Oberst Lacron nach Wunsiedel, als auch H[errn] Oberst Beltin nach Waldsassen[167] geschrieben und gebeten, daß sie sich unseretwegen bemühen sollten, damit wir von diesen Völkern verschont bleiben würden.

H[err] Oberst Lacron hatte auch alsobald(en) den Völkern (zu)geschrieben, uns, die wir in seiner Kontribution wären, mit Quartierung zu verschonen und hat uns zugleich auch einen Leutnant zur S[alva] Guard[ia] herabgesandt. Am andern Tag aber sind um(b) 10 Uhr die Quartiermeister herüber[ge]kommen und haben für alle Völker Quartier begehrt. Obwohl wir inständig um(b) Verschonung gebeten haben, haben wir doch endlich den Kommandanten dieser Völker, dem Grafen Brusse und außerdem noch folgenden Personen Quartier verschaffen müssen: dem Obersten Paschewe [Pachonhay; BW], dem Major des Obristen Bocke, 2 Oberstwachtmeistern, 1 Oberstleutnant, 2 Kriegskommissaren, den 2 Sekretären des Feldmarschalls Graf von Holzapfel [Holzappel; BW] (mit Stallmeistern und Leibpferd), 4 Hauptleuten, 4 Leutnanten, 2 Rittmeistern, etlichen Fähnrichen und anderen Offiziere(r)n (mit 40, mit Kleidung beladenen und [je] mit 6 Pferden bespannten Wagen), etlichen Reitern und an die 50 Musketiere(r)n. Die übrigen 7-800 Mann der Reiterei sind zu Pfaffenreuth,[168] Manzenberg, Reutlas,[169] Wölsau,[170] Haag,[171] Lorenzreuth,[172] Thölau,[173] Meußelsdorf,[174] Leutendorf,[175] Dörflas[176] und Sichersreuth[177] gelegen. Sie sind am andern Tag gegen Wunsiedel, wo sie bei H[errn] Oberst Lacron gefrühstückt haben und dann nach Weißenstadt[178] gezogen. Dem Grafen haben wir neben anderem auch 1 Eimer[179] Wein verschaffen sollen; er hat sich aber mit einem halben Eimer begnügen lassen.

Den 14. November hat uns H[err] Oberst Lacron eine Assignation zugeschickt und geschrieben, daß er auf Befehl der röm.-kaiserl. Majestät die Stadt Eger aufs engste blockieren und alle Schlösser ringsherum(b) besetzen müsse. Weil er [diesbezüglich] auch das Haus Kinsberg hinter Waldsassen mit 50 Dragonern besetzt habe, sollten wir zur Unterhaltung selbiger Völker 30 Mann täglich mit je 2 Pfund Brot, 1 Pfund Fleisch und 2 Maß Bier verpflegen und [die Verpflegung] neben den Servicegeldern, neben Hafer(n), Heu und Streu, alsobald zusammenrichten und morgen früh dahin(ver)schaffen. Weil wir aber mit so vielen Völkern bedrängt waren, haben wir dem Oberst geschrieben, daß bei der vorausgegangenen Quartierung alles aufgezehrt worden und es uns nit möglich sei, solches ins Werk zu richten. Da wir überdies auch über unser Vermögen hinaus mit [viel] zu vielen Portionen angesetzt wären, bäten wir um(b) Erleichterung und Moderation.

Den 15. November ist ein Leutnant mit 50 Mann an[ge]kommen, der den nach Kinsberg gehörigen Proviant mitnehmen sollte. Weil das aber nit möglich war, haben wir versprochen, inner[halb] 2 Tagen soviel (gewiß) einzuschicken, wie uns der H[err] Oberst befehlen würde. Darauf[hin] ist er mit seinen Völkern abgezogen; doch hat er einen Reiter hier gelassen, der auf [den Proviant] warten sollte.

Unterdessen haben wir H[errn] Bürgermeister Adam Scharf(en) und den Richter, H[errn] Sebastian Schmidt, zum H[errn] Oberst nach Wunsiedel geschickt und bitten lassen, daß er doch sowohl die überschickte Assignation mildern, als auch seinen Leutnant, den er uns zur S[alvia] Guard[ia] geschickt habe, wieder abfordern wolle. Die H[errn] Abgeordneten haben aber an diesem Tag nit vor ihn kommen können. […] Am anderen Tag – am 16. Nov. – hat sich der H[err] Oberst auf das inständige Anhalten unserer Herren Abgeordneten [hin] dahin erklärt, daß es bei der täglichen Verpflegung mit 20 Mann (ver)bleiben soll; die übrigen 10 Mann sollten Dörflas, Reutlas, Wölsau, Lorenzreuth und Thölau verpflegen.

Den 17. November sind 4 mit 16 Ochsen bespannte Wagen nach Kinsberg mit Fleisch, Bier, Brot, Hafer(n), Heu und Streu und mit den Servicegeldern abgeschickt worden. Sie sind glücklich (da)hin und zum andern Tag wieder nach Haus[e] gekommen.

Weil [zu] dieser Zeit auch etliche Bauern aus dem Egerland hierhergekommen waren, Getreid[e] einzukaufen und vorgaben, daß sie es zur Unterhaltung der kaiserlichen Besatzung auf dem Schloß Seeberg (ge)brauchen würden, haben wir diesbezüglich H[errn] Oberst geschrieben, ob wir ihnen [et]was [verab]folgen lassen dürften. Er hat (sich) darauf erklärt, daß es wohl geschehen dürfe, da er nit begehre, die Gewerb[e] zu hindern, doch sollten wir den Leuten ausdrücklich andeuten, daß sie darvon nit das geringste in die Stadt Eger bringen dürften, da es ihre Hälse kosten und ihre Dörfer und Häuser in Rauch und Feuer aufgehen müßten.

Den 20. November ist sehr spät abends ein Reiter von Wunsiedel herausgesprengt [ge]kommen und hat begehrt, daß man ihm eilfertigst einen reitenden Boten bis nach Waldsassen verschaffen solle. Wenn wir dies nit als[o]bald befördern würden, stünde sein Leben in Gefahr und wir hätten nichts als Unglück zu erwarten. Wir haben bald Mittel gemacht und [ihm] ein gutes Pferd und einen Boten verschafft. Wir haben das so verstanden, daß die schwedischen Völker, die sich um Hof sehen ließen, danach getrachtet haben, nach Eger zu kommen; zu dem End[e], zu verwehren, [daß] der Oberst Lacron und der Graf Götz mit allem berittenen Volk und auch mit der Reiterei aus Waldsassen gegen Eger gehen [können].

Wie sich nun die kaiserlichen und churbayerischen Völker in Münchenreuth[180] konjungiert hatten und in der Nacht bis an Eger [herange]gangen waren, hatten sie (soviel) Kundschaft eingebracht, daß die schwedischen Völker – an die 1200 [Mann] stark – bereit[s] schon in die Stadt [ge]kommen waren. [Daraufhin] sind die kaiserlichen Völker wieder in ihre Quartier[e] nach Wunsiedel [ge]gangen. [Als] aber auch die bayerische Reiterei wieder in ihr Nest wollte und an Waldsassen [herange]kommen [war], haben sie befunden, daß schon etliche schwedische Reiterei vor Waldsassen gestanden hatte. Da sie nit hineinkommen konnten, sind ihrer 400 bei Wölsau über das Wasser herauf und auf Manzenberg, Pfaffenreuth und Waldershof und dann gegen Wiesau[181] hinüber.

Unterdessen haben die Schwed[ischen] mit den Waldsassenern etwas scharmütziert. Weil es aber zu wohl verwehrt war und auch viel Fußvolk drin lag, haben sie [weiter] nichts richten können, als daß sie die Städel, einen nahe bei Waldsassen gelegenen Hof und das Dorf Kondrau[182] angezündet und das Vieh (hin)weggetrieben haben. Dann sind sie wieder auf Eger.

Den 21. November sind 30 Lacronische Dragoner nach Oberredwitz [ge]kommen. Drei davon sind hereingeritten, haben Schreiben gefertigt, die wir alsbald an den Oberst Beltin nach Waldsassen schicken mußten.

Den 22. November hat uns in der Nacht H[err] Oberst Lacron aus Wunsiedel geschrieben, daß es Kaiserl. Majestät Kriegsdienst unum(b)gänglich erfordere, daß das Haus Kinsberg mit Proviant versehen würde. Wir sollten daher alsbald (nach dem Empfang) 6 Strich Mehl, 10 Eimer Bier, 1 gutes Rind, 1 Salzschäube[183] und anderes mehr dahin(ver)schaffen. Bei Verbleibung (dessen) sollten wir seine Ungnad[e] und die militärische Exekution zu gewärtigen haben. Daraufhin haben wir noch selbe Nacht 2 Säck[e] Mehl, 8 Eimer Bier, 44 Laib[e] Brot, 1 gute, feiste Kuh, 1 Salzschäube usw. zusammengerichtet und fortgeschickt.

Zwei Stunden nach dieser Abschickung sind H[err] Oberst Lacron und Graf Götz mit ungefähr 500 Reitern hierher[ge]kommen. Wir haben zwar unter [dem] Tor mit Boten aufgewartet, er hat aber diesmal nit durchgewollt, sondern ist außerhalb vorbei gegen Dörflas und Mitterteich [zu].

Am Nachmittag sind 2 Boten von Eger mit einem offenen Schreiben hierher[ge]kommen. Eines davon war von einem edlen Rat der Stadt Eger an H[errn] Oberst Lacron, worin sie um(b) Erledigung eines bei ihm gefangenen Boten, der ein ehrlicher Mann aus Eger wäre, baten. Das andere war ein offenes Schreiben vom kaiserlichen Feldmarschall H[errn] Graf von Holzapfel, wegen des französischen H[errn] Ambassadors [d’Avangour; BW], der sich in Eger befand.

Item ward auch in einem Brieflein von dem französischen Ambassadeur gemeldet, daß er zu[r] Erlangung seiner Gesundheit ein ‚Rebitzer weißes Bier‘ vonnöten hätte. Er bat uns deshalb, wir sollten ihm – was ja auch sonst in solchen Fällen kriegszulässig sei – ein Fäßlein folgen lassen. Wir haben das aber [erst] H[errn] Oberst Lacron berichtet [und angefragt], ob er es zulassen würde.

Weil sich nun diesmal H[err] Oberst Lacron mit seinen (bei sich habenden) Reitern zu Waldsassen befunden [hat], wo er 2 Tage verharrte, hat er uns von dort aus geschrieben, daß wir das begehrte Weißbier mit nach Eger folgen lassen könnten.

Da H[err] Oberst Lacron diesmal zu Waldsassen erfahren [hatte], daß das in Eger ankommende schwedische Volk Petschau[184] und andere in Böheim(b) gelegene Ort[e] ausgeplündert und den Raub nach Eger [ge]bracht habe, um von dort aus wieder nach Hof zu gehen und sich dort festzusetzen, (also) ist er ihnen am 24. mit den Bayerischen etwas [hi]nach[ge]gangen, hat [ihnen] etliche Gefangene abgenommen und ist selbe Nacht samt den churbayerischen Völkern wieder in die Quartier[e] nach Wunsiedel [ge]kommen. Weil nun die Stadt ohnedies von den Kaiserlichen stark angefüllt [war], hat man die Churbayerischen in die Neustadt losiert, wo sie etliche Tag[e] (beisammen) verblieben sind.

Den 29. November schrieb uns H[err] Oberst Lacron, daß der französische Ambassadeur, Freiherr von Arancourt [d’Avangour; BW], der sich auf seinen empfangenen Schuß [hin] in Eger (wiederumb) kurieren ließ, bei ihm um ein Fäßlein Weißbier angehalten habe, weshalb wir ihm ein Fäßlein auf einem Schubkarren überschicken sollten; was auch am 30. November geschehen ist.

Eodem – also am Tag Andreas – ist von Manzenberg eine starke bayer. Partei herab[ge]kommen. Weil sie wegen großen Schnees nit wohl hinten[her]um reiten konnten, hat man sie durch den Markt reiten lassen. Als diese kaum nach Oberredwitz gekommen [waren], kamen von Waldershof die Quartiermeister des H[errn] Grafen Brusse herabgesprengt, die für den Grafen und für 600 Pferde Quartier begehrten, da sie wegen des in Eger ankommenden Feindes wieder zurück- und hierher beordert worden seien. Wir haben sofort H[errn] Oberst de Lacron in Schriften gebeten, diese Völker von hier wieder abzufordern, da wir sonst abermal[s] verhindert würden, das (im Werk begriffene) Proviant nach Kinsberg zu schicken. Er hat uns hierauf in der Nacht wiederum(b) geschrieben, daß eine solche Quartierung für dieses Mal nit zu ändern gewesen wäre; doch habe er [auch] dem Grafen geschrieben, daß er morgenden Tags zufrühest von hier abziehen soll. Weil er aber zu den vorigen noch 30 Mann auf das Schloß Kinsberg gelegt habe, wolle er uns (v)ermahnt haben, unsere Portionen eilfertig dahinzuschicken. Andern Tags – den 1. Dezember also – ist der Graf Brusse nach gehaltenem Frühstück mit allem Volk auf[ge]brochen und hat den[selben] Weg, den er gekommen war, [auch hinzu] wieder genommen.

Eodem ist das Proviant nach Kinsberg auf 2 Wagen abgeführt worden: 300 Pfund Brot, 150 Pfund Fleisch, 4 Eimer Wein, 1 Maß Branntwein, 1 Buch Papier,[185] 30 Gulden an Geld, dazu Hafer(n), Heu und Streu“.[186]

„Den 3. ist H[errn] Oberst Lacrons Gemahlin von Pilsen aus durch die Pfalz hie[r]hero [ge]kommen. Weil ihre Pferde im tiefen Schnee sehr abgemattet waren, hat sie ihren Hofmeister vorausgeschickt und um 6 frische Pferd[e] für ihre Karrete[187] bitten lassen, die [ihr auch] alsobald verschafft worden sind.

Als sie – bereits eine Stunde in der Nacht – mit 50 Pferden zur Konvoi hier angekommen war, haben wir sie gebeten, über Nacht bei uns zu (ver)bleiben. Sie hat sich dafür bedankt und gemeldet, daß sie gar nach Wunsiedel zu ihrem Herrn wolle. Ihre Kutschpferd[e] aber hat sie – neben 20 Reiterdragonern, die ihre Pferd[e] ebenfalls sehr abgeritten hatten – , die Nacht über bei uns gelassen.

Den 5. Dezember hat uns H[err] Oberst Lacron aus Wunsiedel geschrieben, daß er uns aus der Verpflegung nach Kinsberg entlassen wolle, wir aber dafür wöchentlich 40 Reichstaler einliefern sollten. Wir haben hierauf geschrieben und gebeten, ob es nicht auf 30 Taler moderiert werden könnte, haben aber daraufhin nichts erhalten“.[188] […]

„Um  diese Zeit sind auch (sonst) noch 3 Regimenter kaiserlichen Volks in das Markgraf[en]tum(b) gelegt worden; eines um(b) Goldkronach,[189] eines um(b) Kulmbach[190] und eines um(b) Münchberg[191] und Weissenstadt.[192]

Als (auch) H[err] Oberst de Lacron aus Wunsiedel die H[erren] Reußen zur Kontribution beschrieben und auf [die] Verweigerung seines Begehrens durch militärische Exekution an die 100 Stück Vieh um(b) Schleiz[193] hinwegtreiben ließ, hat er den 7. dito von denselben 95 Stück grobes Rindvieh hie[r]hero geschickt und befohlen, sie bei unseren Burgen einzuteilen und bis auf seine weitere Verordnung mit Futter (wohl) versehen zu lassen.

Den anderen Tag hat er durch seinen Hofmeister den Leuten, denen das Vieh gehörte, 67 Stück[e] wieder zurückgegeben; die übrigen 28 Stück, die die besten und ausgeschossensten[194] waren, hat er noch länger(s) hier gelassen, bis sie zum Schluß unsere Metzger haben kaufen müssen.

Nachdem nun die vorgedachten kaiserlichen Regimenter im Markgrafentum angelangt waren und auch das um(b) Weißenstadt ankommende Regiment am 7. Dezember auf Order des kaiserlichen Feldmarschalls Graf von Holzapfel das Quartier zu Wunsiedel nehmen und haben sollte, Oberst Lacron aber ohne kaiserl. Spezialorder nit weichen wollte, sind im Lande Jammer und Not aufs neue angegangen, so daß die aus Wunsiedel in Thiersheim, [Markt]leuthen und anderen Ämtern das Vieh allenthalben zusammentreiben ließen und [es solange] behielten, bis man es mit einem großen Stück Geld(es) wieder ausgelöst hatte.

Den 11. Dezember hat uns H[err] Oberst Lacron durch 2 Reiter ein Schreiben aushändigen lassen, worin er begehrte, daß wir alsobald(en) einen Schlitten mit einem Boten und Pferden verschaffen sollten, damit ihm von den Reitern von Weidhaus[195] herauf nach Wunsiedel 1 Eimer Wein gebracht werden könne; was wir alsbald zu Werk gerichtet haben. Eodem [haben wir an] Herrn Oberst die 60 Gulden eingesandt.

Nachdem allhier ein [all]gemeines Geschrei erschollen war, das uns auch im Vertrauen von vornehmen Leuten aus Wunsiedel entboten worden war, daß die Lacronische[n] Völker, wenn sie dort aufbrechen würden, ihren Marsch hie[r]hero nehmen und uns zu guter Letzt spoliieren würden, haben wir zur Erkund(ig)ung des Gemüts des H[errn] Oberst – wie er gegen uns gesinnt sein möge – geschrieben und ihm solches Geschrei zu vernehmen gegeben, obwohl wir solches nit glaubten und auch zu ihm das hohe Vertrauen hätten, daß er selbst dann nichts glauben würde, wenn Mißgünstiges gegen uns eingekommen wäre und wir wegen etwas Fälschlichem beschuldigt würden, sondern daß er uns vorhero erst zu Verhör und Verantwortung kommen lassen würde, womit wir uns denn nochmals als kaiserliche, jederzeit getreu verbliebene Untertanen nit allein mit Hab und Gut, sondern auch mit Leib und Leben seinem hohen Schutz unterworfen haben wollten, da wir uns dieses Mal sonst von aller Welt verlassen [vorkämen].

Auf dieses Schreiben [hin], das Herr Bürgermeister Adam Scharf eingehändigt hatte, hat H[err] Oberst wissen wollen, von wem wir’s hätten. Das sollte und müßte man ihm sagen. Obwohl H[err] Scharf vorgegeben hat, daß es ein bloßes Geschrei wäre und er niemand zu nennen wüßte, da wir es ja auch niemals geglaubt hätten, hat sich der H[err] Oberst nit abweisen lassen wollen, sondern hat befohlen, den Herren zu sagen, daß sie schriftlich zu berichten hätten, von wem sie solches [erfahren] hätten.

An diesem Tag sind auch H[err] Georg Adam Söldner und H[err] Hans Albrecht Rampf von Eger hie[r]hero [ge]kommen, die auch bei H[errn] Oberst Beltin zu Waldsassen und bei Oberst Lacron zu Wunsiedel gewesen sind. Sie haben im Namen eines edlen, festen, hochweisen Magistrats der Stadt Eger bei uns angebracht, in welch elendem und verderblichen Zustand sich die Stadt Eger anjetzo befände, indem sie im vergangenen Monat November dem schwedischen Kommandanten [Koppey, BW] 3000 Reichstaler geben (und bezahlen) mußten, wodurch die arme Stadt und die ganze Bürgerschaft so erschöpft sei, daß gar kein Geld mehr vorhanden sei. Weil sie nun auch noch auf das instehende Monat Dezember abermals 2000 Taler geben sollten und müßten, bei ihnen aber keine Mittel mehr vorhanden seien, müßten sie besorgen, daß die ganze Bürgerschaft mit Weib und Kind und leeren Händen davongehen müßte, wenn man nit Mittel finden und ergreifen könnte. Sie baten deshalb im Namen eines edlen, festen, hochweisen Rates und der ganzen Bürgerschaft der Stadt Eger, wir sollten uns hier und wieder bei ehrlichen Leuten bemühen, damit ihnen in solcher Not 1000 Taler vorgeliehen würden, für die sie solche annehmliche Versicherungen aufrichten würden, daß damit jedermann wohl zufrieden sein könne.

Wir haben uns gegen sie so erklärt: Obzwar wir vermöge unserer Pflichten ohne dies verbunden wären und der lieben Stadt Eger als unserem Haupt in dieser, ihrer höchsten Not mit Rat, Tat und untertänigsten Diensten beizuspringen [bereit wären], so wüßten wir eben hierzu weder die Mittel noch einen Weg oder gar einen Vorschlag. Wir hätten selbst unter Juden und Christen so viele Schulden gemacht, daß wir weder die Hauptsumme, noch den Zins bezahlen könnten, wodurch wir all unser [Ver]trauen und [unseren] Glauben verloren hätten. Wir wollten (es) jedoch nicht unterlassen, uns in der Nachbarschaft zu erkundigen und zu werben“.[196] […]

„Eodem haben wir H[errn] Oberst Lacron nach Wunsiedel nochmals ein Entschuldigungsschreiben geschickt wegen dem, was in diesen Tagen vorgegangen ist. Er hat es (zwar) angenommen, uns aber ernstlich (v)ermahnen lassen, in Treu und Gehorsam(b) gegen kaiserliche Majestät beständig zu (ver)bleiben“.[197] […]

„Den 19. dito haben H[errn] Oberst 60 fl. eingeschickt. Den 21. dito ist H[err] Rittmeister Hermann mit seiner Freikompagnie – an die 100 Pferd[e] stark – hier durch und gegen Wunsiedel, wo er von Oberst Lacron Order bekommen, sich bis auf weitere Verordnung zu Thölau, Sichersreuth und Wendern einzulegen“.[198] […]

„Den 28. dito schrieb uns H[err] Oberst Lacron, daß wir die 2 Mönche(n), die bei ihm das H[eilige] Fest gehalten [haben], mit einem Schlitten bis nach Tachau fahren lassen sollten. Wir haben sie auch alsbald verschafft. […] Den letzten Dezember hat H[err] Oberst Lacron ein Paar Ochsen zur Vorspann [angefordert], damit das aus Mies[199] ankommende Weiße Bier nach Wunsiedel geschafft werden konnte“.[200]

Langsam gelang es Croon, Eger im Winter vollständig einzuschließen.[201] Der Schmuggel in die Stadt musste unterbunden werden. Der Chronist Leopold erinnert sich an den Januar 1648: „Als die Lacronischen Dragoner am dritten Januar nahe der Stadt Eger etliche Personen angetroffen haben, die Tabak bei sich hatten, den sie in die Stadt bringen wollten, haben sie ihnen den Tabak abgenommen und sie gefangen mit nach Wunsiedel gebracht. [Dort] haben sie ausgesagt, daß sie den Tabak vom Schlosser Link(en) aus Arzberg[202] [erhalten hätten]. Dieser aber hat vor[ge]geben, daß er von einem Fuhrmann aus Rebitz von Nürnberg[203] hereingebracht worden sei, worauf uns alsbald(en) Herr Oberst geschrieben, daß wir diesen Fuhrmann festmachen und bis auf seine weitere Order gefangen halten sollten. Der Fuhrmann Hans Keyßler hat sich aber damit entschuldigt, daß er von dem Tabak nichts anders(t) wüßte, als daß er seinem Knecht zu Kemnath aufgeladen worden sei, um ihn hier beim Herrn Bürgermeister Christoph Hagen abzulegen, der ihn auch angenommen hat. Wir haben wegen diesem Tabak große Ungelegenheit gehabt; denn der Verdacht, den der Herr Oberst auf uns geworfen hatte, war schwer abzulehnen.

Den 11. Januar hat der Oberst Lacron seinen Adjutanten mit einem sehr schweren Wagen nach Nürnberg gesandt. Er hat seinen Weg (auf) hierher(o) genommen. Wir mußten ihm 2 Schlitten mit 4 Ochsen verschaffen und die auf dem Wagen liegenden Waren bis nach Pullenreuth führen. Den 12. Januar sind Troß und Bagage der Hermannsischen Kompagnie – an die 150 Pferd[e], meist mit Weibern und Jungen besetzt – aus Böheim(b) hieher(o) gekommen. Man hat sie durch den Ort und nach Wunsiedel ziehen lassen. Den 13. dito sind an die 50 Reiter von Wiesau herübergekommen. Man hat auch sie durchgelassen. Sie sind aber [in] selber Nacht zu Sichersreuth verblieben. Weil sie Kranke bei sich gehabt [haben], haben wir ihnen Ochsen und Schlitten zur Fortbringung derselben bis nach Sichersreuth verschafft.

Eodem – [am] 15. Januar abends – ist aus der Pfalz H[err] Rittmeister Friedrich von Schellenbach mit 60 Pferden herübergekommen. Weil es spät war, hat unser Fähnrich, der damals von H[errn] Oberst Lacron auf S[alva] Guardi[a] hierhergelegt [worden war], die Schranken nit öffnen und nit durchreiten lassen wollen; in der Meinung, daß er hier verbleiben [wolle], wenn er nur erst hereingekommen wäre. Das hat aber den Rittmeister so sehr verdrossen, daß sie [nun] auch mit Schmähworten so stark aneinandergekommen sind, daß sie unsern Fähnrich gewiß verstoßen hätten, wenn wir nit ins Mittel getreten wären. Wir haben ihm 2 Boten gegeben. Er ist mit großem Unwillen außen herum(b) geritten und hat uns gedroht, solches nit zu vergessen“.[204]

„Den 20. dito hat H[err] Oberst Lacron durch einen Dragoner zu Fuß ein Schreiben herabgeschickt, worin er befohlen [hat], daß H[err] Bürgermeister Christoph Hagen ein Pferd mit aller Zubehör und Rüstung ausstaffieren solle, weil er von dem Tabak, der jüngst nach Eger gebracht werden sollte, Wissenschaft hatte und er ihn auch in seinem Hause in Verwahrung gehabt hat. Er hat es aber beim Oberst dahin gebracht, daß er ihm nur 1 Paar Stiefel und Sporen verschaffen musste“.[205] […]

„Den 1. Febr[uar] ist H[err] Oberst Lacron neben seiner Frau und etlichen Reitern und Wagen hier durch und gegen Pilsen“.[206]

Am 5.2.1648 schrieb Croon aus Wunsiedel an W. E. von Lobkowitz: Die kaiserliche Armee stehe in Franken, die gegnerische an der Weser; die Absichten der wenigen Regimenter Königsmarcks in Halberstadt[207] seien ihm nicht bekannt. Markgraf Christian von Brandenburg[208] habe die dortige Verpflegung seines Regiments verboten, doch müsse er trotz des Verbots Lebensmittel dort nehmen, wo er sie finde.[209]

„Den 10. dito hat der Oberst des Lacronischen Regiments, Herr Johann Flettinger, der in Abwesenheit des Oberst in Wunsiedel das Kommando führte, durch seinen Hofmeister um(b) eine Diskretion[210] anhalten lassen, wie er das auch vorher schon etliche Male getan hat. Wir haben uns erboten, die Handwerksleut[e], die bei ihm gearbeitet haben, bezahlen zu wollen und hofften, daß der Herr Oberst damit zufrieden sei, da sich [die Summe] auf 30 fl. erstrecken würde.

Den 10. schrieb uns der H[err] Oberst, daß wir am morgenden Tag zu allerfrühst unsere Wochengelder einschicken sollten. Außerdem sollten wir noch 4 gute Pferde zur Vorspann und 4 Boten in Bereitschaft halten, da morgen früh die ganze Bagage des Regiments bei uns durch- und gegen Pilsen gehen würde. Ingleichen sollten wir auch stündlich 3 Boten zu Waldsassen bei H[errn] Oberst Beltin aufwarten lassen.

Den 11. dito sind nit allein Bagage und Troß, sondern auch alle unberittenen Dragoner zu Wunsiedel aufgebrochen und unter dem Kommando des Hauptmannes Prudenz hier durch. Weil wir alles in Bereitschaft hatten, was zu ihrem Fortzug dienlich war, haben sie sich hier nit allzulang aufgehalten, sondern sind mit guter Order gegen Mitterteich. Sie waren mit Huren und Buben an die 400 [Mann] stark. Wir haben ihnen 4 gute Pferd[e] und 2 Ochsen zur Vorspann gegeben, die sie nit über den Böhmerwald hinein mitgenommen haben. Das beste Pferd aber und den besten Ochsen haben sie behalten, die übrigen haben sie zurückgesandt.

Damals ist die lacronische Besatzung auch vom großen Lehenstein,[211] nahe bei Eger, gewichen, worauf die Schwedische Besatzung von Eger ausgefallen ist, um alle Werke, die die kaiserliche Besatzung gemacht hatte, zu schlichten, die Palisaden umzureißen und in die Stadt zu bringen, in der zu dieser Zeit der größte Mangel an Holz war.

Den 14. dito ist der Leutnant, der jüngst auf den Dörfern Lorenzreuth, Wölsau und Pfaffenreuth losierte, mit 16 Pferden hierhergekommen. Er hatte Order vom Oberst Flettinger, ihn hier einzulassen, ihm Quartier zu geben und ihn mit Futter und Mahl zu versehen. Er ist 2 Tage und Nächte hier gelegen, um dritten [Tag] hat ihn der Oberst wieder nach Wunsiedel ab- gefordert. Seine Reiter haben in der Fastnacht um(b) Mitternacht einen großen Lärm verursacht, indem sie sich auf der Gasse(n) mit bloßem Degen so zerfetzt haben, daß der Leutnant genug(sam) zu wehren und der Bader zu flicken bekam“.[212]

„Eodem [15.2.; BW] haben wir auch vom Sekretär des H[errn] Oberst aus Wunsiedel ein Schreiben bekommen, worin er uns zu vernehmen gab, daß H[err] Rittmeister Hermann in der Kriegskanzlei in Prag schon lange darum angehalten hätte, Redwitz zu seinem Quartier zu bekommen, was er auch erlangt habe. Nun habe er bei seinem Oberst angebracht, daß er es nun auch beziehen wolle. Er würde uns deshalb in höchstem Vertrauen raten, jemanden aus unserer Mitte hinaufzuschicken, damit alles unterbaut werden könne. Wir haben daraufhin in der Nacht H[errn] Bürgermeister Christoph Hagen und H[errn] Niklas Lipparth (da)hingeschickt. In der Unterhaltung hat sich der Oberst letz[t]lich dahin erklärt, daß sie ihrem Prinzipal berichten mögen, daß wir zwischen zwei Dingen wählen könnten: entweder die Quartierung annehmen oder 100 Reichstaler zum Kauf eines guten Pferdes zahlen. Die Entscheidung wolle er noch am gleichen Tag wissen. – Obwohl wir den Betrug merkten und wußten, daß die Kriegskanzlei keine Wissenschaft von der Sache hatte, haben wir trotzdem die 100 Reichstaler bewilligt; freilich mit der Kondition, daß er uns nit allein mit der Quartierung, sondern, wenn es zum Aufbruch und Abzug käme, auch mit dem Durchzug verschonen würde und seinen Zug außenherum(b) nehmen würde. Auch müßte er uns zur Bezahlung einen leidlichen Termin einräumen.

Darauf erklärte er schriftlich, daß wir ihm bei seiner parola[213] sicherlich trauen sollten, und wenn wir morgigen Tages neben den Wochengeldern 50 fl. abstatten und in den folgenden acht Tagen die [restlichen] 100 fl. bezahlen würden, dann sollte uns weder das Hermannische Quartier noch der Marsch im geringsten hinderlich sein. Wir haben die 50 fl. alsobald(en) überschickt und seinem Sekretär einen Rekompens[214] versprechen müssen“.[215] […]

Den 22. dito ist die Bagage vom Lacronischen Regiment wieder(umb) aus Böheim(b) zurückgekommen und daselbst über Nacht verblieben. Andern Tags sind sie hier durch und wieder auf Wunsiedel. Sie waren alles in allem an die 400 [Mann] stark. Beide Hauptleute – Prudenz und Nicolai haben neben anderen Offizieren hier [ge]frühstückt, den(en) Soldaten [aber] hat man neben Brot 3 Eimer Bier vors Tor hinausgegeben“.[216]

Den 28. dito haben wir dem Oberst nach Wunsiedel 2 Kitzen, 1 Hasen und Rehschlegel schicken müssen. […] Den 3. Marti[i] ist auch H[err] Oberst Flettinger mit etlichen Offizieren hierher gekommen und dem H[errn] Oberst entgegen [geritten]. Um(b) 1 Uhr nachmittags ist H[err] Oberst Lacron, welcher über Nacht zu Tirschenreuth[217] gelegen [hatte], hier durch und wiederum(b) nach Wunsiedel.  Herr Oberst Flettinger hat uns diesmal den Leutnant Nostitz, welchem wir für 10 Tag[e] Quartier geben mußten, mit 5 Pferden hier gelassen, von denen wir 3 (Pferd) nach Pfaffenreuth und 2 (Pferd) nach Manzenberg gelegt haben.

Den 13. dito schrieb uns H[err] Oberst Lacron aus Wunsiedel, daß er notwendig den Lehenstein[218] bei Eger wieder besetzen müsse. Wir sollten daher(o) alsobald(en) 4 Fuhren, 2 Zimmerleute, 6 Schanzmänner mit Schanzzeug – Sägen und Hacken – dahin (ver)schaffen, damit sie morgen bei anbrechendem Tag dort seien; doch sollten wir es geheim(b) halten und die Leute auch auf etwa 5 Tag[e] mit allerhand Notdurft versehen.

Wir haben die 4 Fuhren mit 10 Ochsen bespannt und sie neben Hans Leopoldt und 6 Männern zum Schanzen nach Wunsiedel geschickt. Dem H[errn] Oberst haben wir anbei geschrieben, daß wir die Leute nimmermehr fortgebracht hätten, wenn wir ihnen angedeutet hätten, nach Lehenstein zu fahren. Deshalb möge es dem H[errn] Oberst belieben, sich am besten durch Dragoner dorthin befördern zu lassen. Wir müßten den Oberst auch bitten, uns für entschuldigt zu halten, daß wir keine Zimmerleute geschickt hätten, da wir weder in unserem Gebiet einen hätten, noch von anderen Orten einer zu haben war. Er wolle unsere (geschickten) Leute auch bald wieder nach Hause lassen. Zu dieser Zeit haben sich die kaiserlichen und churbayerischen Armeen an der Donau und Altmühl befunden, wohin auch die schwedische Armee bald gefolgt ist.

Den 17. dito sind unsere Schanzer und Schanzfuhren durch Konvois vom Lehenstein wieder zurückgekommen. Sie haben [weiter] nichts als eine Spitzhaue(n) hinterlassen.

Den 25. Marti[i] ist die Fr[au] Oberst Lacronin von Pilsen wieder zurück anhero [ge]kommen und die Nacht über hier verblieben. Sie hatte etliche Hauptleute und andere Offiziere, 10 Wagen und eine starke Konvoi – [alles] in allem an die 130 Pferd[e] – bei sich. Des andern Tags früh ist sie wieder fortgezogen, nach Wunsiedel. Wir haben ihr einen Auerhahn mit auf den Weg verehrt. Als die Frau Obristin aber nach Wunsiedel an das Tor gekommen war, hat der H[err] Oberst [zu ihr] geschickt, daß sie alsbald wieder umkehren und nach Redwitz und Waldsassen zu eilen sollte. Sie ist dahero wieder anhero [ge]kommen und 12 Pferd[e] zur Vorspann und Bier und Brot begehrt.  Wir haben aber in solcher Eil[e] nit mehr als 1 Pferd und 4 Ochsen zur Vorspann einspannen können.

Als unterdessen die Post nach Wunsiedel gekommen war, daß die ganze schwedische Armada in die Pfalz und auf Amberg[219] im Anzug sei, ist der H[err] Oberst zu Wunsiedel ebenfalls mit Sack und Pack aufgebrochen und in Eile auf Waldsassen zu gegangen. Die Bagage aber ist [erst] (auf) hierhero [ge]kommen und dann nach Waldsassen gefolgt. So ist Wunsiedel von solcher Einquartierung, die 21 Wochen gewährt hat, wieder befreit worden. Da die Stadt Eger bisher von den kaiserlichen und churbayerischen Völkern stark blockiert und [ab]gesperrt war, hat der Stadt eine lange Zeit [hindurch] nichts zukommen und auch niemand aus- und eingehen können; denn von Wunsiedel aus, wo der Oberst Lacron mit seinem Regiment Dragonern neben der starken Kompanie des Rittmeisters Hermann lag, wurden besetzt gehalten: das Schloß Kinsberg, das Schloß Seeberg, der Lehenstein und Gehag, die er alle sehr befestigt und mit Palisaden wohl verwehrt hatte“.[220] […]

Den Kommandanten der Festung Forchheim[221] hatten die Kaiserlichen bei ihrem Rückzug vor den schwedisch-französischen Konföderierten zur Verwahrung der von ihnen aus Mangel an Zugpferden zurückgelassenen Geschütze zwingen müssen.[222] Angeblich hatten die Kaiserlichen deswegen ein paar Dutzend Dörfer abgebrannt.[223] Als man den schwedischen Truppen die Herausgabe verweigerte, hatten diese mit der Beschießung Bambergs gedroht.[224] Nach einer Mitteilung des bayerischen Feldmarschalls Gronsfelds an Holzappel waren fünf schwedische Regimenter in Bamberg einmarschiert.[225] Nach Aussage Croons hatte der Bischof von Bamberg, Melchior Otto – seit 1647 amtierte der ehemalige schwedische Kommissar David Schmidtlein als sein Kammermeister[226] – , dem Gegner die Kanonen dagegen zur Verfügung gestellt.[227] Sie wurden nach Windsheim zu Wrangel gebracht,[228] an den sich der Bischof, da Ferdinand III. 60.000 Rt. Schadenersatz gefordert hatte, zumal durch entstellende Berichte Coronas die Übergabe als Verrat am Kaiser hingestellt wurde,[229] vergeblich wegen einer Auslösung gewandt hatte.[230] Wrangel hatte im Verlauf der weiteren Operationen versucht, Turenne zu einem gemeinsamen Vorgehen in der Oberen Pfalz zu bewegen, um von dort aus mit der schwedischen Armee Eger zu entsetzen, das kurz vor dem Fall stand. Croon versuchte schon seit einem halben Jahr mit zunehmendem Erfolg die Festung auszuhungern. Nachdem Turenne auf Grund der Weisungen aus Paris gemeinsame Operationen abgelehnt hatte, wollte Wrangel allein zum Erfolg kommen. Dabei setzte er auf die Stärke der schwedischen Kavallerie unter Königsmarck und ihre Operationstüchtigkeit. Königsmarck wurde mit seinem Korps allein auf Eger angesetzt. Auf seinem Raid requirierte er umso mehr, je näher er Eger kam. Es gelang ihm Coronas Blockade zwischen Wunsiedel und Waldsassen zu durchbrechen. Am 6.4. konnte er mit seinem Korps in Eger einrücken. 300 Wagen mit Proviant und über 100 Stück Vieh hatte er dabei. Die Diversion Königsmarcks ließ aber einen Angriff Wrangels auf die heranmarschierende kaiserliche Verstärkung unter Puchheim nicht zu.

Während der schwedischen Besetzung Egers mussten die Marktredwitzer auch noch Kontributionen an die Kaiserlichen abliefern: „Als wir uns nun mit den Schwedischen in Eger zum Teil verglichen hatten und [gerade] in Richtigkeit gekommen waren, schrieb uns wieder der H[err] Oberst Lacron aus Pilsen, daß wir in das Schloß Kinsberg täglich 30 Mann verpflegen sollten. Wenn wir es nit tun würden, sollten wir durch die militärische Exekution dazu gezwungen werden.

Da sich aber dieses Begehren monatlich auf 300 Gulden erstreckte, haben wir nach Pilsen geschickt und schriftlich und mündlich gebeten, uns mit einer solchen Unmöglichkeit zu verschonen. Inzwischen schickten und schrieben die Völker im Schloß Kinsberg täglich, daß sie die die begehrten 30 Portionen in natura zu unserem höchsten Schaden selbst(en) holen würden, wenn wir mit ihnen nit [hin]einkommen würden. Wir schickten ihnen daher bis zur Rückkehr einer Resolution des H[errn] Oberst einstweilen 1 Kar[231] Hafer(n), etlich[e] 20 Laib[e] Brot, 1 Kalb, 3 12 Eimer Bier, 4 Maß Branntwein und um(b) 1 Gulden Tabak.

Den 14. April kam unser abgeschickter Hanns Leopoldt von Pilsen mit der Resolution des Oberst zurück. Er schrieb uns, daß er unser Schreiben samt den Beilagen empfangen, [an]gesehen und unser Bitten auch mündlich vernommen habe, daß es [aber] nit seine Meinung sei, uns ganz zu verderben. Er wolle es mit uns auch so machen, daß wir uns nit zu beschweren haben würden. Er habe einen Überschlag gemacht und das Geringste, was wir auf das Schloß Kinsberg liefern sollten, betrage alle Woche(n) 1 1/2 Kar Korn, 6 Kar Hafer(n), ein halbes Rind, 6 Eimer Bier, etwas an (Ge)stroh, 6 Schaufeln und 6 Hauen. Dabei müßte es verbleiben.

Im übrigen sollten wir, so gut wir es nur könnten, dem Feind nach Eger keine Kontribution liefern, keine Schanzer schicken und uns so verhalten, daß wir immer getreue Untertanen der röm.-kaiserl. Majestät blieben. Obwohl wir uns diesmal gern einer größeren Gnade versehen [hätten], so haben wir es aber nit ändern [können], sondern geschehen lassen müssen.

Es schrieb uns an diesem Tag an diesem Tag auch abermals der Kommandant zu Kinsberg, der Hauptmann Nicolaus Reiß, daß es gut wäre, wenn wir die Sachen [hin]einschicken würden. Wenn wir es nicht täten, wollte er es mit uns anders machen. Auch sollten wir ein Fuder Heu und 1 Fuder Stroh zum Betten mitschicken.

Den 15. April haben wir 2 12 Kar Hafer(n), 6 Eimer Bier, ein halbes Rind, 2 Pfund Licht, 2 Bücher[232] Papier und um(b) 30 Kreuzer Brot hineingesandt. Den 18. April sandten wir wieder 170 Pfund Brot, 3 Kar Hafer(n) und 3 1/2 Eimer Bier hinein. Den 20. Kam H[err] Fähn(d)rich Peter vom Lacronischen Regiment mit 5 Pferden und brachte uns vom Oberst Lacron ein Schreiben, worin er begehrte, daß wir alsobald und hinfort seinem Hauptmann nach Kinsberg 2 Fuder Heu und 2 Fuder Stroh schicken sollten, nachdem er bei der jüngst überschickten Assignation die rauhe Fourage vergessen habe. Ihm selbst aber sollten wir 1 Faß von dem braunen Bier, von dem seine Liebste (all)hier getrunken habe, seinem in Tachau liegenden Hauptmann schicken, von dem er es selbst abholen und nach Pilsen bringen lassen wolle.

Als wir zu all dem die Anstalten machen und bereit[s] mit der Aufladung von 5 Fuhren für Kinsberg im Werk begriffen waren, kam Bericht ein, daß 300 schwedische Reiter zu(m) Hof angelangt wären und nach(er) Eger gehen wollten. Wir haben daher die Wagen wieder abgeladen und das Fortschicken eingestellt“.[233]

„Als nun etwas von schwedischer Reiterei in Eger eingekommen war, haben wir eingehalten, weiter Proviant nach Kinsberg zu schicken. Daraufhin hat uns der Hauptmann daselbst am 23. April durch 2 (geschickte) Dragoner sehr bedrohlich sagen lassen, daß wir uns einstellen sollten, wenn wir nicht etwas anderes erwarten wollten !

Weil aber wegen der schwedischen Völker mit Wagen und Vorspann nit recht fortzukommen war, haben wir durch 18 Personen 20 Maß Hafer(n), 126 Pfund Brot und 2 Pfund Lunte(n) hineintragen lassen. Den Trägern haben wir nit allein Essen und Trinken, sondern auch jedem ein[en] halben Taler geben müssen. Als aber der Hauptmann mit dieser Lieferung übel zufrieden war, das Völlige einzuschicken begehrte oder uns zu Hause selbst [auf]suchen wollte, haben wir am 25. April abermals durch 23 Personen 2 1/2 Kar Korn, 136 Pfund Brot, 1 Kalb, etlich[e] Pfund Speck und auch etwas Zwiebel(n) hineintragen lassen. […] Den 27. April haben wir abermals durch 29 Personen nach Kinsberg 25 Meß und 2 Napf Hafer(n) 49 Laib[e] Brot, 2 Pfund Licht und auf einen Wagen 3 Eimer Bier und etwas Heu geschickt. Als sie hinein[ge]kommen waren, haben sie dort H[errn] Oberst Lacron mit dem ganzen Regiment [vor]gefunden. Der begehrte auch, daß man ihm morgenden Tags gewiß 1 Fuder Heu [hin]einschicken solle. Wir haben daraufhin wieder H[errn] Bürgermeister Christian Hagen und H[errn] Christian Steinhäuser zu ihm geschickt, ihn zu bitten, daß er doch die Assignation erträglicher machen wolle. Man hat ihm auch, neben 1 Fuder Heu, einen Auerhahn(en) mitgeschickt. Als sie aber hinein[ge]kommen waren, ist der H[err] Oberst mit dem Regiment schon weg gewesen“.[234] […] „Den 4. Mai haben wir dem Oberst Lacron auf sein abermaliges Begehren hin 1 Faß Rotbier von 5 12 Eimern nach Tachau überschickt. Von dort hat er es selbst abholen und nach Pilsen bringen lassen“.[235]

„Den 11. Mai sind früh vor Tags[anbruch] an die 36 Pferd[e] von den Lacronischen Dragonern aus Kinsberg bei Waldershof vorbei und im Land herum(b)gestreift bis Rehau.[236] Von dort sind sie auf Selb[237] zurück und gegen Arzberg.[238] Nachdem sie aber vom schwedischen Rittmeister Legat(en), der von Hof[239] heraus mit 100 Pferden gegen Eger wollte, (v)erkundschaftet worden waren, setzte er ihnen nach, bis er sie bei Schlottenhof[240] angetroffen, 5 niedergeschossen, 9 gefangengenommen und sie mit 20 gesattelten Pferden nach Eger gebracht hatte“.[241]

Leopold aus Marktredwitz schreibt weiter: „Nachdem zu dieser Zeit die kaiserliche Armada oben am Lech [17.5. bei Zusmarshausen;[242] BW] von den Schwedischen etwas geschlagen worden war, ist der kaiserliche Oberst Lacron beordert worden, zur kaiserlichen Armee hinaufzugehen“.[243] Am 1.8.1648 berichtete Croon aus Beraun[244] an Piccolomini, den neuen Oberkommandierenden der kaiserlichen Armee nach dem Tod Holzappels in der Schlacht bei Zusmarshausen am 17.5.1648 über die Eroberung der Prager Kleinseite durch Königsmarck: „Den traurigen Zustand mit Prage habe ich zur Berichten nichts unterlassen wollen, dass der Königsmarck nach Prage kommen, die Kleine Seite mit Schand undt Spott erobert, solche einen Halbentag geplündert, über 180 Person wird gehawet, den Obristen Purggrafen, Cardinal und andere grosse Herren, so auf der Kleinen Seite gewohnet, gefangen genommen. Der General Wittenberg ist gestern auch ankommen und weilen der Herr Graf Puchheimb hinein gelanget, werden die Alt- und Neustätter, welche zwei Blutsiege fanden auch gesterket.

Herr Cardinal [Ernst Adalbert v. Harrach; BW], Ober-Purggraf [Jaroslav Bořita v. Martinitz; BW], Ober-Hofmeister [František Oldřich v. Kolowrat-Libštejnský; BW], Obrister Landrichter [František Matyás Karel v. Sternberg; BW] undt General-Commissar von Collowrath [Vilém Albrecht v. Kolowrat-Krakovský; BW] worden in ihren Hausern verwacht, aber erstlich alle ihre Häuser, wie auch die Kleine Seiten, einen halben Tag ausgeplündert. General Wittenberg soll an vorgangenen Freitag früh selbsten mit seinen Herren in Schloss ankommen sein, und ebenso dann Königsmarck in kaiserlichen Zimmer wohnen“.[245] Am 3.8. informierte er Piccolomini über den Ausfall der Prager Studenten gegen die Schweden auf der Kleinseite: „Wegen Prage ist mir nichts anders ankommen, als wie Eure Excellenz hierbei liegende gnedig zur Erfahrung haben. Allein sollen die Studenten und andere mehr von der Altstadt etwann auf Schiefen oder wie sie gekönt vorgangene Woche herüber auf die Kleine Seite gefallen sein, und den Feind etwas Schaden zugefügt haben. Aber balden wieder hinüber gegangen sein“.[246]

Die Adelserhebung erfolgte am 21.11.1650, das Inkolat 22.11.1650. Raimondo Montecuccoli errang zusammen mit Leopold Wilhelm I. von Baden-Baden 1662 einen glänzenden Sieg über ein zahlenmäßig überlegenes Heer der Pforte bei St. Gotthard an der Raab. Darunter war neben den Kommandeuren Sporck, Sparr, Spieckh, de la Guschenitz als Befehlshaber der kaiserlichen Kroaten und Graf Fugger auch Croon.

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Weert [ehemals Spanische Niederlande, heute Prov. Limburg, Niederlande]. Sein niederländischer Name lautet Jan von der Croon, in Klammern finden sich die den Quellen auftauchenden Schreibweisen. Vgl. neuerdings den ausgezeichneten Artikel v. Alexander Nicolay, https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_van_der_Croon.

[2] Nach PROCHÁZKA, Genealogisches Handbuch, S. 346, 1650. Croon kaufte Zahorschan/Zahorzan (heute Zahořany) mit Tasov den 10.1.1652 und Divice mit Solopisky den 4.1.1663. Kluky bekam er von Jan Müller von Goldenkron (ze Zlaté Koruny) in 1661 und verkaufte es an seinen Cousin Franz [Freiherr] von Jonghen (de Hungaria) den 18.11.1662 [freundliche Hinweise v. Herrn Haanen.

[3] Breda [Niederlande, Prov. Nord-Brabant].

[4] Eusebius [Albrecht] v. Wallenstein [Waldstein]; Herzog, General [24.9.1583 Heřmanice-25.2.1634 Eger] Herzog v. Friedland u. Mecklenburg, Fürst v. Sagan, genannt der „Friedländer“. Wallenstein entstammte der wenig begüterten evangelischen Arnauer Linie des böhmischen Adelsgeschlechts der Waldstein (Valdštejn) u. wurde auf Gut Hermsdorf (Heřmanice) in Nordböhmen geboren. Nach dem Tod des Vaters übersiedelte er 12-jährig zu seinem Vormund Jindřich Slavata auf Schloss Koschumberg (Košumberk). Hier besuchte er ab 1595 die höhere Schule der Böhmischen Brüder zur Erziehung junger Adliger, ab 1597 das humanistische Gymnasium im schlesischen Goldberg (Złotoryja). Im Frühjahr 1597 kehrte er zurück, um im August 1599 die zur Reichsstadt Nürnberg gehörige Universität Altdorf zu besuchen. Nach einigen gewaltsamen Auseinandersetzungen entlassen, kehrte er im Februar 1600 nach Böhmen zurück. Die nächsten drei Jahre liegen noch heute im Dunklen, sicher ist, dass er die übliche große Kavalierstour junger Adliger unternahm, die ihn durch das Reich in die Niederlande, nach Frankreich u. Italien führte, wo er wohl an der Universität Padua studierte. Umfassend scheint seine Bildung nicht gewesen zu sein, er schrieb jedoch gut Tschechisch u. Deutsch, Spanisch las er fließend, in Französisch u. Latein besaß er Kenntnisse, das Italienische beherrschte er gut, wie er auch italienische Kultur u. Lebensstil stets bewunderte. 1602 nach Hause zurückgekehrt, begann er seine militärische Laufbahn 1604 in der kaiserlichen Armee unter der Führung Giorgio Bastas in Ungarn als Fähnrich des Fußvolks im Kampf gegen die Türken. Vor Kaschau (Kassa-Košice) wurde er anscheinend wegen seiner Bewährung im Kampf zum Hauptmann befördert. 1605 soll er nach eigenen Angaben an der „ungarischen Krankheit und Pest“ erkrankt sein, möglicherweise auch bereits an der Syphilis, einer Berufskrankheit v. Soldaten. Nach dem Frieden v. Zsitva-Torok vom 11.11.1606, der die osmanische Herrschaft über einen Teil Ungarns anerkannte, scheint er zunächst den Wechsel auf den niederländischen Kriegsschauplatz auf spanischer Seite geplant zu haben, doch seine Konversion, angeblich veranlasst durch die Jesuiten v. Olmütz (Olomouc), ebnete ihm im Frühjahr 1607 den Weg in den Hofdienst als Kämmerer des Erzherzogs Matthias, des späteren Kaisers Matthias. 1608 wurde er als Hauptmann im Fußregiment des Maximilian v. Liechtenstein angenommen. Im Mai 1609 heiratete er – wie sein Horoskop es vorausgesagt hatte – die begüterte, etwa gleichaltrige Lukrezia Nekšova v. Landek, die schon 1614 verstarb u. deren Erbe ihn zu den reichsten Mitgliedern des mährischen Herrenstandes machte. Militärisch aktiv wurde er erst wieder im Friauler Krieg, als er dem späteren Kaiser Ferdinand II. 120 Kürassiere u. 80 Fußsoldaten für 6 Monate zur Verfügung stellte, was ihn sicher 80.000 Gulden gekostet haben muss, aber Ferdinand II. zu Dank verpflichtete. Beim Ausbruch der „Böhmischen Rebellion“ war er zwar Obrist der mährischen Stände, wechselte aber auf die habsburgische Seite: Am 30.4.1619 erstach er seinen eigenen Obristwachtmeister, brachte die mährische Kriegskasse v. 96.000 Taler an sich u. ließ seine Truppen in Richtung Wien marschieren. Reiter des Grafen Thurn bewogen die meisten jedoch zur Umkehr. Ferdinand gab schließlich die Kriegskasse u. die Reste des Wallenstein-Regiments zurück, trotz aller üblen Nachrede blieb Wallenstein aber in seiner Gunst. Er kehrte erst nach Beendigung des Aufstandes nach Böhmen zurück u. erwarb über 50 „Rebellengüter“ zu Schleuderpreisen – die er wie seine eigenen bisherigen Güter ökonomisch geschickt verwalten ließ. Bei seiner Heirat 1623 mit Isabella Maria v. Harrach, der Tochter des einflussreichen Karl Graf v. Harrach, gehörte ihm bereits ein Viertel Böhmens. Am 2.1.1620 erhielt er sein zweites Obristenpatent, im August dieses Jahres avancierte er zum „Obristen v. Prag“. 1621 hatte Wallenstein dem Kaiser bereits enorme Summen geliehen, am 5.1.1622 wurde er deshalb mit Friedland u. Reichenberg als „ewigen erblichen Lehen“ belehnt. Im April 1623 konnte er die umfangreichen Smiřicky-Güter aus den Konfiskationen erwerben, im Juni 1623 wurde er zum Generalwachtmeister befördert u. am 7.9.1623 zum Fürst v. Friedland erhoben, das er zwei Tage später als erbliches Lehen erhielt. Die Erhebung zum Herzog v. Friedland erfolgte am 13.6.1625, am 25.7.1625 erhielt er sein Patent als General und Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee. Er stellte in diesem Jahr ein Heer v. 40.000 Mann auf – den Kriegstheoretikern u. -praktikern der alten Schule galt ein Heer von 25.000 Mann gerade noch als führbar – , um in den Niedersächsisch-Dänischen Krieg eintreten zu können. Die Finanzierung in diesem „Krieg der Gulden“ besorgte zunächst sein Bankier Hans de Witte, später sollte der Kaiser für die Kosten aufkommen. Dazu führte er ein Kontributions- u. Steuersystem ein, das Spanien bereits bei den Kämpfen in den Niederlanden praktiziert hatte. Dabei wurde nach der Devise verfahren: „Der Krieg ernährt den Krieg.“ Dies hatte zur Folge, dass die Quartiere meist sehr schnell ruiniert waren u. die Armee ständig in Bewegung sein musste. Am 25.4.1626 konnte Wallenstein den Söldnerführer Ernst II. v. Mansfeld an der Dessauer Brücke schlagen u. verfolgte ihn und seine Anhänger bis hinein nach Ungarn. 1627 erwarb er das schlesische Herzogtum Sagan u. besetzte Mecklenburg u. Pommern, am 16.2. 1628 wurde er gegen den Widerstand der Reichsfürsten wegen der Vertreibung der angestammten Mecklenburger Herzöge zum Herzog v. Mecklenburg, Friedland u. Sagan erhoben. Am 21.4.1628 wurde er zum „General Obristen Feldhauptmann“ u. in Verfolgung des habsburgischen „Ostseeplans“ u. der damit beanspruchten Teilhabe am Dominium maris baltici, zum „General des Ozeanischen u. Baltischen Meeres“ ernannt, was zum Konflikt mit Schweden führen musste. Im selben Jahr scheiterte er allerdings mit der Belagerung Stralsunds, am 22.8.1628 gelang es ihm jedoch, Christian IV. v. Dänemark bei Wolgast zu schlagen, dem er am 5.6.1629 noch einen milden Friedensschluss verschaffte. Nach diesem Lübecker Frieden schien der Krieg „ein Loch“ bekommen zu haben, man schien diese riesige Armee nicht länger zu brauchen, über die ständig neue Klagen der Reichsstände u- der betroffenen Landschaften beim Kaiser einliefen; auch die Rangerhöhungen Wallensteins waren den Ligaständen ein Dorn im Auge. Auf dem Regensburger Kurfürstentag musste der Kaiser in die Entlassung (am 13.8.1630) seines Feldherrn einwilligen u. das Heer um drei Viertel reduzieren. Wallenstein, der auch gegen das kaiserliche Restitutionsedikt opponierte, musste im September 1630 den Freitod seines Bankiers Hans de Witte hinnehmen, der bisher das Wallensteinische System der Kriegsfinanzierung aufrecht erhalten hatte. Er zog sich auf seine böhmischen Güter zurück. Allerdings führte die Landung Gustav II. Adolfs – deren Bedeutung Ferdinand II. im Gegensatz zu Wallenstein völlig unterschätzte – u. dessen Sieg bei Breitenfeld dazu, dass der Kaiser Wallenstein zur Rückkehr überredete. Dieser stellte erneut eine Armee auf, deren Finanzierung zum Teil mit spanischen Mitteln erfolgen sollte. Bis heute ist umstritten, welche Vollmachten der Kaiser seinem Generalissimus in den „Göllersdorfer Vereinbarungen“ vom 13.4.1632 wirklich zugestehen musste. Wallenstein begann sein 2. Generalat mit der Befreiung Böhmens, führte einen sehr verlustreichen Ermattungskrieg an der Alten Veste bei Zirndorf u. zog sich nach der Schlacht bei Lützen wieder nach Böhmen zurück. Wallenstein ging davon aus, die Schweden nicht durch weitere militärische Unternehmungen, sondern durch Verhandlungen aus dem Reich zu verdrängen, während man auf katholischer Seite v. einem entscheidenden Schlag gegen die Schweden träumte. Sein Verhalten ließ auch immer mehr Störungen erkennen, die auf seine verschiedenen Krankheiten zurückgeführt werden, auch scheint sein fester Glaube an die Sterne durch seinen Hofastrologen Seni (Senno), der ihm v. Gallas vermittelt worden war, noch mehr bestärkt worden sein. Seine treuesten Gefolgsleute Trčka, Kinský, Ilow, Bubna u. a., führten in seinem Auftrag Verhandlungen mit Kursachsen, Schweden, Bernhard v. Sachsen-Weimar, den Franzosen u. den exilierten böhmischen Adligen. Man misstraute diesen Angeboten, Gerüchte liefen um, Wallenstein plane einen Staatstreich, er wolle die Kurfürsten beim Kopf nehmen und König von Böhmen werden etc., sorgfältig v. Piccolomini u. seinen Handlangern ausgestreut u. v. den zahlreichen Gegnern Wallensteins am kaiserlichen, bayerischen u. spanischen Hof gern aufgegriffen. Im 1. Pilsener Revers vom 12.1.1634 hatte Wallenstein versucht, seine Generäle u. Obristen an sich zu binden, aber dieser Revers wurde zum Anlass genommen, ihn am 20.1.1634 abzusetzen u. Gallas zum neuen Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee zu ernennen. Außerdem wurde der Befehl erteilt, Wallenstein tot oder lebendig zu ergreifen. Den 2. Pilsener Revers unterzeichneten nur noch die Hälfte seiner Generäle u. Obristen, die andere Hälfte hatte sich längst abgesetzt. Piccolomini veranlasste letztlich die Durchführung seiner Exekution, während sich die eingeweihten Aldringen u. Gallas im Hintergrund hielten. Die in Kenntnis der Absetzung ihres Feldherrn rebellierende Prager Garnison zwang Wallenstein u. seine Gefolgsleute Trčka u. Ilow zum Rückzug nach Eger, wo man wohl den Vorstoß Bernhards v. Weimar erwarten wollte. Der Stadtkommandant v. Eger, John Gordon, gewährte ihnen die Aufnahme, ließ sich aber v. Butler u. Leslie, denen Wallenstein immer noch vertraute, für den Anschlag auf Wallenstein gewinnen. Am Abend des 25.2.1634 töteten iro-schottische Söldner erst die im Schloss tagenden letzten Vertrauten Wallensteins. Er selbst wurde wenig später durch den Iren Deveroux mit einem Partisanenstich getötet, was vor allem in München u. Madrid tiefe Befriedigung auslöste. Der angebliche Verrat Wallensteins konnte nie schlüssig bewiesen werden, während die Beteiligten an der Exekution ihre Belohnungen einforderten u. bekamen. Das Mordzimmer wurde schon bald nach dem Tode des Generalissimus zu einem Anziehungspunkt für Besucher, wie der Landrichter HEUBEL in seinen „Begebenheiten“ (S. 105) aus eigener Anschauung berichtete. Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein; EMICH u. a. Hg., Wallenstein.

[5] Mantua, Hauptstadt der Prov. Mantua; Lombardei. Vgl. dazu REBITSCH, Galles, S. 46ff.

[6] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff.

[7] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

[8] Schlacht bei Thionville [Diedenhofen Thionville [Span. Niederlande, heute Dép. Moselle; Frankreich] am 7.6.1639: Die kaiserliche Armee unter Ottavio Piccolomini besiegt die Franzosen unter dem Marquis de Feuquières, der dabei verwundet in Gefangenschaft gerät und am 13.3.1640 in Thionville stirbt. „

[9] Vgl. CARVE, Reyßbüchlein, S. 80f. (hier „La Caronische”).

[10] Schlacht bei Breitenfeld am 23.10./2.11.1642: Die Schweden unter Torstensson besiegen die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Ottavio Piccolomini. Vgl. RUDERT, Kämpfe; WALZ, Der Tod, S. 160ff.

[11] HAANEN, Croon, S. 243; unter: http://www.showeert.nl/artikelen/7militaire zaken//haanen JvdCroon-feit-fictie msg119.pdf;  HAANEN, De militaire levensloop, unter http://www.showeert.nl/artikelen/7 20militaire zaken/haanen mil-leven-Jvd jrbkw15.pdf. Dort finden sich auch wichtige Hinweise zu seiner weiteren Karriere. Es ist Herrn Haanen zustimmen, dass Croon eine ausführliche Biographie verdient hätte.

[12] SCHMIDT-BRENTANO, Kaiserliche und k. k. Generale, S. 53. Für die entsprechenden Korrekturen danke ich Herrn Emile Haanen.

[13] Leopold Wilhelm Erzherzog v. Österreich [5.1.1614 Wiener Neustadt-20.11.1662 Wien] Bischof v. Straßburg (1625-1662) u. Passau (1625-1662), Erzbischof v. Magdeburg (1629-1635), Olmütz (1637-1662) – da er keine kirchlichen Weihen hatte, wurden Administratoren eingesetzt, 1640-42 Johannes Kaspar Stredele v. Montani u. Wisberg, 1643–1648 Kaspar Karas v. Rhomstein – , Breslau (1655-1662) u. Halberstadt (1627-1648), Administrator v. Hersfeld, Fürstabt v. Murbach u. Lüders, Hoch- u. Deutschmeister (1641-1662), Generalstatthalter der Spanischen Niederlande (1646-1656), Oberbefehlshaber über die kaiserlichen Truppen u. kaiserlicher Generalissimus (seit 1639). 1640 Siege über die schwedischen Truppen in Böhmen u. Niedersachsen, Frühjahr 1641 militärische Erfolge in der Oberpfalz u. Entsatz Regensburgs mit Rückzug Johan Banérs, am 2.11.1642 Niederlage in der 2. Schlacht bei Breitenfeld u. Niederlegung des Oberkommandos, 1645 neuerliche Ernennung zum kaiserlichen Oberbefehlshaber u. Abgabe der Erzbistümer Magdeburg u. Bremen, Spätherbst 1646 Ernennung zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande durch Philipp IV., 30.1.1648 Frieden Spaniens mit der Republik der Vereinigten Niederlande, 20.8.1648 Niederlage in der Schlacht bei Lens, 21.1.1656 päpstliche Bestätigung der Wahl Leopold Wilhelms zum Bischof v. Breslau 1655, 1656 Niederlegung des Amtes des Generalstatthalters. 1657 versuchten einflussreiche katholische Kreise, Leopold Wilhelm für eine Kaiserkandidatur zu gewinnen. Vgl. die ausgezeichnete Dissertation v. SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBITSCH; ÖHMAN; KILÍAN, 1648.

[14] Grafenstein [Grabštejn]; HHSBöhm, S. 169.

[15] Auf die unerlaubte Entfernung vom Regiment stand in den Kriegsartikeln die Todesstrafe, die nur nicht verhängt wurde, wenn Bedarf an Soldaten herrschte. Vgl. WINTER, Möser, S. 19f.: „Den 21. März [1628] läßt Hauptmann Föckler einen Reiter, so bei dem Merodischen Regiment, und einen Soldaten, so unter Hauptmann Kestgens, und einen, so unter seiner Compagnie ausgerissen, henken an die Justiz auf dem Markte. Den 2. April aber hat er einem Corporal zu Roß den Kopf, auch der Ursache halben abschlagen lassen“. Teilweise ließ man Deserteure um ihr Leben würfeln; DOLZ, Versuch, S. 298. Zur Desertion trug auch die Praxis bei, untergesteckte Söldner „zue disem sturmb, wie andere mehr, wider wüllen […] vornen an die spüz“ als Kugelfang zu stellen, wie ein kaiserlicher Soldat, der bei der Belagerung Überlingens 1634 verletzt wurde, nach Mitteilung Bürsters über seine Dienste nach der zwangsweisen Untersteckung unter die schwedische Armee berichtete; WEECH, Bürster, S. 67. Vgl. KAISER, Ausreißer; KAISER, Lebenswelt der Söldner.

[16] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1332.

[17] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Feldmarschall u. Generalleutnant. 1606 Eintritt in spanische Dienste, 1615-1617 Teilnahme am Friaulischen Krieg, 1618 Beförderung zum Hauptmann, Kommandant v. Riva u. Bekanntschaft mit Johann v. Aldringen. Durch dessen Vermittlung 1629 Wechsel aus kurbayerischen in kaiserliche Dienste, nachdem Gallas die Festnahme wegen Unbotmäßigkeiten u. Erpressungen angedroht worden war. Am 18.7.1630 zusammen mit Aldringen Beteiligung an der Plünderung Mantuas, wo er (nach heutigen Begriffen) ein Millionenvermögen erbeutete. Am 10.3.1632 Erhebung in den Reichsgrafenstand, am 13.10.1632 Ernennung zum kaiserlichen Feldmarschall, im September 1633 zum Generalleutnant unter Wallenstein. Zusammen mit Aldringen u. Piccolomini betrieb Gallas die Entlassung Wallensteins. Am 24.1.1634 Übernahme des Oberbefehls über das kaiserliche Heer, nach Wallensteins Ermordung, deren Planung u. Durchführung er Piccolomini überlassen hatte, erhielt er dessen Herrschaft Friedland. Am 5./6.9.1634 hatte Gallas entscheidenden Anteil am Sieg über die Schweden bei Nördlingen. Sein schlechter Ruf als Trinker u. Spieler sowie glücklos verlaufene Feldzüge wie im Winter 1633 in Schlesien, 1635/1636 in Lothringen, 1637 gegen Johan Banér u. im Winter 1644 im Rückzug vor Lennart Torstensson brachten ihm bis heute den Ruf eines “Heeresverderbers” ein. Im November 1639 wurde Gallas entlassen, anschließend erneut berufen, im Januar 1645 wiederum entlassen, um dann von Dezember 1646 bis zu seinem Tod letztmalig das Kommando zu übernehmen. Vgl. REBITSCH, Gallas I; REBITSCH, Gallas II; BECKER, Gallas; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; KILIÁN, Johann Matthias Gallas; REBITSCH; ÖHMAN, KILÍAN, 1648.

[18] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.

[19] Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte, die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[20] Poděbrad [Poděbrady, Bez. Nimburg]; HHSBöhm, S. 459ff.

[21] Nimburg [Nymburk]; HHSBöhm, S. 413ff.

[22] Prag [Praha]; HHSBöhm, S. 470ff.

[23] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.

[24] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[25] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[26] Brandeis a. d. Elbe [Brandýs nad Labem]; HHSBöhm, S. 62f.

[27] Kolin [Kolín]; HHSBöhm, S. 280ff.

[28] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[29] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.

[30] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1510.

[31] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[32] Herrnstadt (Wasosz, Kr. Góra, Guhrau); HHSSchl, S. 184ff.

[33] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 255.

[34] Bernburg [Kr. Bernburg]; HHSD XI, S. 37ff.

[35] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 430.

[36] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 428, bzw. 429 u. 430: Liste der gesunden und der kranken Männer der im Feldlager zu Bernburg liegen kaiserlichen Regimenter.

[37] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[38] Aschersleben; HHSD XI, S. 23ff.

[39] Halberstadt; HHSD XI, S. 169ff.

[40] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 430.

[41] Vgl. SCHREIBER, Montecuccoli.

[42] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 439.

[43] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 430.

[44] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 250.

[45] Saaz [Žatec]; HHSBöhm, S. 535ff.

[46] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 250; Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[47] Luditz [Žlutice]; HHSBöhm, S. 347f.

[48] Kaaden [Kadaň]; HHSBöhm, S. 241ff.

[49] Vgl. LAHRKAMP, Jan von Werth.

[50] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 250.

[51] Jankau [Jankov, Bez. Beneschau]; HHSBöhm, S. 226.

[52] Mirowitz [Mirovice]; HHSBöhm, S. 376.

[53] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[54] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 519.

[55] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 606.

[56] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[57] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 612.

[58] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[59] Krems; HHSÖ I, S. 363ff.

[60] Nachod [Náchod]; HHSBöhm, S. 386f.

[61] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[62] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 675.

[63] Klattau [Klatovy]; HHSBöhm, S. 262ff.

[64] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 713.

[65] Landshut [Lanžhut]; HHSBöhm, S. 317.

[66] Trautenau [Trutnov]; HHSBöhm, S. 618ff.

[67] Friedland [Frýdlant]; HHSBöhm, S. 155f.

[68] Mährisch Budweis [Moravské Budějovice, Bez. Trebitsch]; HHSBöhm, S. 352.

[69] Schwihau [Švihov, Bez. Klattau]; HHSBöhm, S. 562f.

[70] Ruppau [Roupov; Böhmen].

[71] Rabenstein an der Schnella [Rabštejn nad Střelou, Bez. Pilsen-Nord]; HHSBöhm, S. 505.

[72] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.

[73] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[74] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 250.

[75] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[76] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 776.

[77] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[78] Glogau [Glogów; Schlesien]; HHSSchl, S. 127ff.

[79] Korneuburg [BH Korneuburg]; HHSÖ I, S. 359ff.

[80] Hanau; HHSD IV, S. 19ff.

[81] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.

[82] Wetzlar; HHSD IV, S. 461ff.

[83] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 850.

[84] Frankenstein [Zabkowice Śląskie]; HHSSchl, S. 95ff.

[85] Stettin [Szczecin]; HHSD XII, S. 280ff.

[86] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 250.

[87] Lehnhaus [Wleński Gródek; Kr. Löwenberg]; HHSSchl, S. 273f.

[88] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 250.

[89] Friedland [Frýdlant]; HHSBöhm, S. 155f.

[90] Ungarisch Hradisch [Uherské Hradiště]; HHSBöhm, S. 636ff.

[91] Aussig [Ústí nad Labem]; HHSBöhm, S. 13ff.

[92] Tetschen [Děčín]; HHSBöhm, S. 610ff.

[93] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 890.

[94] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, vermuten Göggingen; HHSD VI, 3S. 62, 429, 524. Gemeint ist hier aber Eggingen (heute Stadtteil v. Ulm); HHSD VI, S. 817f.

[95] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[96] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S. 133f.

[97] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 911.

[98] Ohlau [Olawa]; HHSSchl, S. 373ff.

[99] Göltzsch, bei Ohlau [Schlesien].

[100] Glatz [Kłodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[101] ENGELBERT, Hatzfeldt; Nr. 330.

[102] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1002.

[103] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[104] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.

[105] Doppelhaken, auch Hakenbüchse: Der Haken war ein bis ins 17. Jahrhundert gebräuchliches schweres Feuergewehr, mit einem Haken am Schaft, mit dem es auf einem dreibeinigen Gestell befestigt war oder auf die Brüstung aufgelegt wurde, um den enormen Rückstoß abzufangen. Diese Waffen wogen 7,5 bis 10 Kilo, nach anderen Angaben sogar mit bis zu 25 Kilogramm. Damit wurden Ladungen mit je 4 Lot Blei, Doppelhaken bis 400 g, verschossen. Als man diese Hakenbüchsen später auch im offenen Feld verwendete, musste man sie in einer Gabel abstützen. Daher nannte man diese Waffe auch Gabelarkebuse. Die Treffgenauigkeit der Hakenbüchsen war so gering, so dass ihr Einsatz nur auf kurze Distanz oder massiert als Batterie sinnvoll war. Die Haken wurden ihrer Größe nach eingeteilt in Doppelhaken, ganze Haken und halbe Haken. Vgl. die ausführliche Beschreibung unter http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Doppelhaken.html.

[106] Schlachtordnung.

[107] Dörflas, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Marktredwitz i. Fichtelgebirge].

[108] etwas nicht Vorhandenes vorgeben, etwas vorgaukeln, prahlen, anführen, betrügen, heucheln.

[109] BRAUN, Marktredwitz, S. 289f.

[110] Sulzbach-Rosenberg; HHSD VII, S. 728ff.

[111] Schwäbisch Gemünd; HHSD VI, S. 720ff.

[112] Lindau (Bodensee); HHSD VII, S. 414ff.

[113] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf,  Nr. 1011.

[114] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 330. Zu den Ulmer Verhandlungen vgl. IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[115] Schloss Jánský Vrch (deutsch Johannesberg, auch Johannisberg) in Javorník [Jauernig; Bez. Jesenik] war bis 1945 die Sommerresidenz der Breslauer Bischöfe.

[116] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 330.

[117] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[118] Mährisch Neustadt [Uničov; Bez. Olmütz]; HHSBöhm, S. 354.

[119] Eulenberg [Sovinec]; HHSBöhm, S. 138f.

[120] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 330.

[121] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[122] BRAUN, Marktredwitz, S. 295.

[123] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 330.

[124] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 167, fol. 325: Croon (Corona) an Holzappel, Pilsen, 1647 VI 17.

[125] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 167, fol. 341: Holzappel an Croon (Corona), Budweis, 1647 VI 17.

[126] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 167, fol. 601: Holzappel an Croon (Corona), Budweis, 1647 VI 26; fol. 680-681: Holzappel an La Corona, Budweis, 1647 VI 29.

[127] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 167, fol. 726: Holzappel an Croon (Corona), Budweis, 1647 VI 30.

[128] Třebel, heute Ortsteil von Černosín, Bez. Tachov. Vgl. dazu HÖFER, Ende, S. 81ff.

[129] Schwäbisch Gemünd; HHSD VI, S. 720ff.

[130] Lindau (Bodensee); HHSD VII, S. 414ff.

[131] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1011, S. 326: Croon (Corona) an Piccolomini, Pilsen, 1647 III 03 (!).

[132] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[133] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 169, fol. 91 (Ausfertigung): Croon (Corona) an Holzappel, Pilsen, 1647 IX 04; APW II C/3, Nr. 304, 314, 323.

[134] Bad Königswart [Lázně Kynžvart, Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 20f.

[135] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1647/10/8 a: Ferdinand III. an Croon (Corona), Prag, 1647 X 14.

[136] Tachau [Tachov]; HHSBöhm, S. 595ff.

[137] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1647/10/8 b: Ferdinand III. an Beltin, Kommandant von Waldsassen, Prag, 1647 X 14.

[138] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 171, fol. 26-27: Croon (Corona) an Holzappel, Pilsen, 1647 XI 04.

[139] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 171, fol. 125-126: Croon (Corona) an Holzappel, Wunsiedel, 1647 XI 25.

[140] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[141] Ohr abschneiden: Im Mittelalter war das Ohrenabschneiden häufig mit der Verweisung verbunden gewesen. Bei Diebstahl, Gotteslästerung, Tragen verbotener Waffen und Desertion wurde meist ein Ohr abgeschnitten und an den Galgen genagelt. In der Hannoverschen Chronik heißt es unter 1633; JÜRGENS, Chronik, S. 514: „Den 11. [21.4.1633; BW] ist ein Königsmarkischer Soldate, so entlaufen, und hie unter Caspar von Lühden Stadt-Compagnien angetroffen, vor Linden bey dem Galgen stigmatisiret und das rechte Ohr abgeschnitten durch unsern Nachrichter Meister David“. Das Abschneiden eines Ohres galt als Strafe und Warnung zugleich, in Zukunft ein ordentliches Leben zu führen. Von Caspar Ermes, schwedischer Kommandant in Erfurt, wird berichtet; KRAFFT 156 r – 156 v; mdsz.thulb.uni-jena.de: „1643 hat der Commandant [einem Mann] die Ohren und Nasen abschneiden lassen und  den Galgen und das Rad auf die Stirn und die Backen gebrannt, weil er Degen, Sporen, Flore aus der Kaufmannskirche gestohlen [hatte] und auch davon gelaufen war“. Vgl. auch NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 81.

[142] BRAUN, Marktredwitz, S. 318.

[143] Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 168, fol. 271: Kaiserliches Mandat an Nürnberg, Pilsen, 1647 VIII 26.

[144] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[145] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[146] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[147] DOLLACKER, Oberpfalz (1930), S. 48.

[148] Bärnau; HHSD VII, S. 73.

[149] Waldsassen [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 785ff.

[150] Bad Königswart [Lázně Kynžvart, Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 20f.

[151] Königsberg a. d. Eger [Kynšperk nad Ohří, Bez. Falkenau], HHSBöhm, S. 277f.

[152] Zitation: Ladung.

[153] Wunsiedel; HHSD VII, S. 836f.

[154] Zwischen 64, 14 – 68, 418 Liter.

[155] Ein im Egerland bis heute übliches Getreidemaß. 1 Kar = 8 bayr. Metzen = 32 Napf; 1 bayr. Metzen = 37, 06 l. 1 Kar fasste also 2, 9 hl. Beim Hafer wurde es zu 3, 08 hl. gerechnet.

[156] Ein offensichtlicher Lesefehler, gemeint ist Regimentsschultheiss.

[157] Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 307f.

[158] Seeberg (seit 1950 Ostroh, Stadt Eger); HHSBöhm, S. 566f.

[159] Gemeint ist hier wohl Liebenstein [Libštejn, seit 1950 Libá; Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 339f.

[160] Reichersdorf  [Hradiště, Ortsteil von Eger (Cheb)].

[161] Pograth [Podhrad, heute Ortsteil von Eger (Cheb)].

[162] Königsberg a. d. Eger [Kynšperk nad Ohří, Bez. Falkenau], HHSBöhm, S. 277f.

[163] Kinsberg [Hrozňatov, heute Ortsteil von Eger (Cheb)].

[164] Manzenberg, heute Ortsteil von Marktredwitz.

[165] BRAUN, Marktredwitz, S. 315ff.

[166] Mitterteich [LK Tirschenreuth]

[167] Waldsassen; HHSD VII, S. 785ff.

[168] Pfaffenreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[169] Reutlas; heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[170] Wölsau, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[171] Haag, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[172] Lorenzreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[173] Thölau, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[174] Meußelsdorf, heute Ortsteil von Markredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[175] Leutendorf, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[176] Dörflas, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Marktredwitz i. Fichtelgebirge].

[177] Sichersreuth, heute Ortsteil von Bad Alexandersbad [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[178] Weißenstadt; HHSD VII, S. 803f.

[179] Zwischen 64, 14 – 68, 418 Liter.

[180] Münchenreuth, heute Ortsteil von Waldsassen [LK Tirschenreuth].

[181] Wiesau [LK Tirschenreuth].

[182] Kondrau, Ortsteil von Waldsassen [[LK Tirschenreuth].

[183] Schäube: die Scheibe (Scheube) Salz, eine Masse Salz, die in eine flache zylinderförmige Holzeinfassung gepresst und transportiert wird. Die Scheibe entsprach etwa einem Scheffel Salz = 17 Metzen = 119 Pfd. Kramgewicht. Zum Teil entsprach die Scheibe (Scheube) aber auch 1 ½ Zentner.

[184] Petschau [Bečov nad Teplou, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 443.

[185] Buch: Ein Buch Schreibpapier hat 24 Bogen, ein Buch Druckpapier 25 Bogen.

[186] BRAUN, Marktredwitz, S. 318ff.

[187] Karrete: [schlechte] Kutsche, Karre.

[188] BRAUN, Marktredwitz, S. 322.

[189] Goldkronach; HHSD VII, S. 240.

[190] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[191] Münchberg; HHSD VII, S. 464.

[192] Weißenstadt; HHSD VII, S. 803f.

[193] Schleiz; HHSD IX, S. 380ff.

[194] ausgeschossen: hervorragend, großgewachsen.

[195] Waidhaus; HHSD VII, S. 781.

[196] BRAUN, Marktredwitz, S. 223ff.

[197] BRAUN, Marktredwitz, S. 325.

[198] BRAUN, Marktredwitz, S. 325.

[199] Mies [Stříbro]; HHSBöhm, S. 372f.

[200] BRAUN, Marktredwitz, S. 326.

[201] Österreichisches Staatsarchiv Reichskanzlei Kriegsakten 172, fol. 309-310: Croon (Corona) an Holzappel, Wunsiedel 1647 XII 29; Kriegsakten 175, fol. 200-201: Croon (Corona) an Holzappel, Wunsiedel, 1648 II 11.

[202] Arzberg; HHSD VII, S. 31f.

[203] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[204] BRAUN, Marktredwitz, S. 326f.

[205] BRAUN, Marktredwitz, S. 327.

[206] BRAUN, Marktredwitz, S. 327.

[207] Halberstadt; HHSD XI, S. 169ff.

[208] Vgl. STICHT, Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach.

[209] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1094.

[210] Diskretion bedeutet hier Verehrung, Geschenk [!], keinesfalls eine Schonung oder Minderung der Leistungen, wie BRAUN, Marktredwitz, S. 328, Anm. 591, anführt.

[211] Liebenstein [Libštejn, seit 1950 Libá; Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 339f.

[212] BRAUN, Marktredwitz, S. 328.

[213] Parole: Zusicherung, Ehrenwort, Versprechen, Ankündigung; militärische Anordnung, Losungswort.

[214] Ausgleich, Entschädigung, Belohnung.

[215] BRAUN, Marktredwitz, S. 329.

[216] BRAUN, Marktredwitz, S. 329.

[217] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.

[218] Liebenstein [Libštejn, seit 1950 Libá; Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 339f.

[219] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[220] BRAUN, Marktredwitz, S. 330f.

[221] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[222] Österreichisches Staatsarchiv Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 259 (Ausfertigung): Kommandant v. Forchheim an Fernemont, Forchheim, 1648 II 14.

[223] Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/52 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 II 17; B 33/II/3/59 (Ausfertigung, teilweise chiffr. mit Dechiffrierung): Melchior Otto an Göbel, Bamberg, 1648 II 17. Bis 1647 waren im Hochstift 8 Städte, 6 Marktflecken, 65 Dörfer, 7 Schlösser, 32 Kirchen, zahlreiche Höfe, Häuser, Spitäler, Mühlen etc. vernichtet worden.

[224] Österreichisches Staatsarchiv Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 107 (Ausfertigung): Holzappel an Melchior Otto, Hauptquartier Kipfenberg, 1644 III 08.

[225] Österreichisches Staatsarchiv Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 216-218 (Ausfertigung): Jost Maximilian v. Gronsfeld an Holzappel, Hauptquartier Beilngries, 1648 III 15; Vgl. dagegen Wrangels Darstellung gegenüber Johan Oxenstierna, Feuchtwangen, 1648 III 11/21; APW II C/4, 2, Nr. 178, S. 324.

[226] Kammermeister: (höherer) fürstlicher Bediensteter einer Finanzverwaltung, hervorgegangen aus dem Vorsteher einer Kammer; vereinzelt auch zu persönlichen Diensten herangezogen. [DRW]

[227] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1100, S. 353: Croon (Corona) an W. E. v. Lobkowitz, Wunsiedel, 1648 III 14.

[228] Vgl. den Bericht des Kommandanten v. Rottenburg/Neckar an Wolf Ferdinand v. Fitsch, Kommandant v. Glatz, Rottenburg, 1648 III 09; Österreichisches Staatsarchiv Reichskanzlei Kriegsakten fol. 112-114.

[229] Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/69 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 III 23; B 33/II/3/72 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 III 23; B 33/II/3/74 (Ausfertigung): Melchior Otto an Gesandte in Osnabrück, Forchheim, 1648 III 29; B 33/II/3/75 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 III 31; B 33/II/3/76 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Würzburg, 1648 IV 03: Man habe einen Bericht den kaiserlichen Hof gesandt, an den auch Holzappel, „aber umbstendig und außführlich, den gantzen verlauf überschrieben habe, doch nicht wissen wir, waß daruf folgen werde, ärger alß wir biß dato ohne das tractirt worden, kan man unß fast hinführo auch nicht woll tractiren, man hatte uns in verpleibung der stuck extradition noch ein paar dutzet dörfer abgebranndt“. Melchior Otto verwies darauf, dass 3.000 Kavalleristen den Forchheimer Kdt dazu gezwungen hatten; Österreichisches Staatsarchiv Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 331-332 (Ausfertigung): Melchior Otto an Holzappel, Bamberg, 1648 III 24.

[230] BECK, Schweinfurt, Sp. 85.

[231] Ein im Egerland bis heute übliches Getreidemaß. 1 Kar = 8 bayr. Metzen = 32 Napf; 1 bayr. Metzen = 37, 06 l. 1 Kar faßte also 2, 9 hl. Beim Hafer wurde es zu 3, 08 hl. gerechnet.

[232] 1 Buch Papier entsprach 24 Bogen Schreibpapier.

[233] BRAUN, Marktredwitz, S. 336ff.

[234] BRAUN, Marktredwitz, S. 339.

[235] BRAUN, Marktredwitz, S. 340.

[236] Rehau [LK Hof]; HHSD VII, S. 613.

[237] Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 694f.

[238] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[239] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[240] Schlottenhof, heute Ortsteil von Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[241] BRAUN, Marktredwitz, S. 340.

[242] Zusmarshausen [LK Augsburg]; HHSD VII, S. 849f. 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne und Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[243] BRAUN, Marktredwitz, S. 340.

[244] Beraun [Beroun]; HHSBöhm, S. 31f.

[245] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1149.

[246] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1150.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Croon [de la Croon, Corona, Croen, Crona, Lacron, La Cron, Cron, von der Kron, „der Lawen“], Jan [Johann, Jean] Freiherr van der

Rodoan [Rodovan, Rhodan, Rodean], Freiherr Gerhard von

Rodoan [Rodovan, Rhodan, Rodean], Freiherr Gerhard von; Obrist [ –  ] Rodoan [ – ]stand als Obrist in kaiserlichen Diensten.

1638 muss er unter Melchior von Hatzfeldt an der Schlacht bei Vlotho[1] gegen die Pfalzgräflich-Schwedischen unter Ruprecht von der Pfalz und King teilgenommen haben.[2] Im Januar und April 1639 war er Kommandant von Burgsteinfurt[3] und an den Übergriffen auf Nordwalde,[4] Borghorst[5] und Überwasser[6] beteiligt.[7] Ende September 1640 kam es unter dem Befehl Leopold Wilhelms zur Eroberung Höxters.[8] In einer Chronik aus Höxter heißt es dazu: „In diesem 1640. jahr hat der ertzhertzog Leopold [Wilhelm] alß er mit der kayserlichen armee von 60.000 mann den Bannier [Banér; BW] verfolgete, hat er auch die statt Huxar belagert, dieselbige auch per accordt nach dreymahligen, andere tagen[9] funffmahligen sturm erobert, eß haben darin 900 mann Braunschweigsche völcker unter dem obristen Brauns gelegen, wie nuhn diese belagerung abgangen, kan man aus folgenden besehen. Den 29./19. Septembris Nach dem ihre kayserliche mayestät bruder eine geraume zeit hero gegen den Schwedischen feldmarschallen Johan Bannier zu Fritzlar[10] undt Wildungen[11] zu felde gelegen, undt nach dem auffbruch auff Warburg[12] undt ferner auf Höxer zog, hat er den 19. Septembris durch generall von Gleen [Geleen; BW] die statt mit 5000 pferden berennen laßen, undt folgenden abents und nachts mit seinem gantzen krieges heer gefolget, alsobalt die stücke geplantzet, undt unterschidtliche läger von Bruchhausen[13] an bis ober der statt von der Klippmühlen an unter dem Bielenberg heer bis an den Brenckhaüser thurn, undt von dannen unter dem Roseberg heer bis nach Albexen[14] (seindt also das ganze läger in die sechtzigtausendt mann bestanden) schlagen lasen, darauff auch alsobalt angefangen mit 12 stücken an zweyen unterschidtlichen örthern auff den Stumrigen walle an den mauren presse zu schiesen, das Peters thoer abgebrandt, undt über 825 grose kugelen (so weit mann nachrichtung hatt) in die statt geschoßen; wie aber die belagerten unter dem commando herrn obristen Brauns undt den dreyn hauptleuten, Milert, Fischers und Wilcken sich tapfer gewehret, undt mit allerhandt mit mittelen (worzu sie auch etliche immekörbe gebrauchet, welche sie über die mauren unter den feindt gewoffen) fünff generalsturm, worunter einer 3 stunden ohne auffhören gewehret, hurtig abgeschlagen, das dem bericht nach über 70 mann todt undt viell gequetschet worden, entlich aber wie noch 5000 man beordert worden, abermahlß einen sturm zu thun, undt nach eroberung keines menschen zu verschonen, hat der gnädige Gott gegen den abendt ein groses schreckliches blitzen undt donner wetter erwecket, dabey ein ungewöhnlicher regen gefallen, das dem feindt alles pulfer naß undt untüchtig worden: Dannenhero die kayserlichen bewogen worden, den belagerten einen accordt anzubieten; sie wolten anfangklich nichtes davon hören, doch entlich, wie der entsatzs ausblieb undt ein klägliches wintzelen undt wehklagen in allen ecken der statt ware, der obriste auch von den belagerten gahr starck hierzu angehalten wurdt, gingen sie den accord ein, da dan verwilliget worden, bey sonnenschein selbigen tages noch mit sack undt pack undt mit fliegenden fahnen, krieges gebrauch nach über die Weeser außzuziehen, wie sie sich aber etwas über bestimte zeit in der statt verweilten, wardt ihnen der accord nicht gehalten, sondern alle miteinander (ausgenohmen den obristen, capitäinen, lietenanten undt fendrichen) sich unterstellen müsen, darauff ist der obriste Mercii [Caspar ? von Mercy] mit seinem regiment gelegt worden in Huxar, folgender tages ihre ertzhertzogliche durchlaucht Leopold Wilhelm selber, Ottavio Picolomini, der herr von Stadien [Johann Kaspar von Stadion; BW], Teütscher Meister, generall von Gleen [Geleen; BW], von Hannibal de Gonzago [Gonzaga; BW], general Breda, general Mercy, graff [Wilhelm Leopold; BW] von Tattenbach, graff von [Maximilian Felix von; BW] Wolckenstein, graf [Michael Ferdinand von Althan ?; BW] von Altenhann, ein fürst [Eitel Friedrich; BW] von Hohenzöllern, baron de Hoye [Soye; BW], baron de Rhodan [Rodoan], generalwachtmeister Fernemundt [Fernemont; BW], obriste Rackenwitz [Nikola Rajkovič; BW], obriste Zaradetzky, obrist Bonell, obrister Ägydi, obrister Install, obrister de Meers [Mers; BW], obrister Güsenberg [Giesenberg; BW], obrister Zweyer, undt viele andre obristen undt hohe officier mehr mit ihrem sämbtlichen hoffstäben in die stadt logert und seindt bis über die 8000 pferde bis in den vierten tag still darinn gelegen, welche alles getrayt ausgetroschen, bey die 1200 malter rocken,[15] ohne was verfuttert, unter die füse getretten undt über die seiten gebracht, das also kein korn, obst gemüß, oder etwas anders, womit man sich hette laben können, übrig geplieben“.[16]

Slange nahm auf dem Rückmarsch von der fehlgeschlagenen Belagerung Regensburgs[17] 1641 durch Banér mit dem kleinerem Teil seines Regiments in Burglengenfeld,[18] mit dem größeren in Schwandorf[19] Quartier. Er zog die Besatzung von Burglengenfeld an sich und marschierte am 17.3. abends nach Neunburg vorm Wald[20] ab, wo er am 18.3. um 3 Uhr morgens eintraf. Die ihm unterstellten Nabburger[21] Regimenter wies er an, unverzüglich nach Neunburg zu marschieren. Diese warteten jedoch, bis die Korps von Auerbach[22] und Vilseck[23] eintrafen und brachen erst am 19. 3. nach Neunburg auf. Der Vortrab der Kaiserlichen und Bayerischen, 7.400 Kavalleristen unter Caspar von Mercy am 17.3. Burglengenfeld, das von den Schweden bereits aufgegeben worden war, und brach am 18.3. gegen Cham[24] auf. Slange wartete in Neunburg das Eintreffen der beiden Nabburger Regimenter nicht ab und marschierte am 19.3. nach Cham ab. Bei Neukirchen-Balbini[25] stieß er auf die Vorhut unter Mercy und wurde nach Neunburg hineingeworfen. Über 600 Wagen, alle Handpferde und die Frauen der Offiziere fielen in Mercys Hände.

Zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit ließ Slange in Neunburg 41 Häuser niederreißen, alles Vieh aus den Ställen auf die Straße treiben, seine Pferde hineinstellen und verschiedene Bollwerke errichten. Die beiden Nabburger Regimenter hatten sich am 18.3. mit den Garnisonen aus Auerbach und Vilseck vereinigt und marschierten am 19.3. von Nabburg ab. Sie fanden jedoch Neunburg bereits von kaiserlichen und bayerischen Truppen eingeschlossen. Ein Ausfall Slanges ermöglichte es ihnen in die Stadt zu gelangen. Am 19.3. zog Báner von Cham über Furth[26] und Taus[27] ab. Geleen traf in der Nacht vom 19./20.3. vor Cham ein und nahm sofort die Verfolgung auf. Erzherzog Leopold Wilhelm leitete den Angriff auf Neunburg, der am 19.3. in Neukirchen-Balbini sein Hauptquartier aufschlug. Der Ort wurde von den Kaiserlichen bis auf sieben Häuser völlig niedergebrannt.

Slange, wegen seiner Verteidung der Stadt auch der „schwedische Leonidas“ genannt , „machte Piccolomini, der an der Spitze seiner Reiterei am Ort erschienen war, sogleich klar, daß er nicht daran denke, aufzugeben. Neunburg lag auf dem Weg nach Cham, und um weiter vorrücken zu können, mußten die Kaiserlichen zuerst Slangs Truppe bezwingen. Die Infanterie der kaiserlichen Hauptmacht wurde herangeführt, und am Morgen des 10. [20.] März war auch die gesamte kaiserliche Artillerie herangefahren und aufgeprotzt. Der Angriff konnte beginnen. […] Die einfachste Methode, eine Festung einzunehmen, war das Zernieren, was ein feineres Wort dafür war, daß man alle Ausgänge der Festung verstopfte und dann einfach wartete, bis der Hunger die Menschen in ihrem Inneren zwang, zu kapitulieren. […] Eine Zernierung konnte hier bei Neunburg nicht in Frage kommen, auch eine regelrechte Belagerung nicht. Die Kaiserlichen hatten keine Zeit. Sie mußten Slang und seine Männer schnell aus dem Weg räumen, um weitermarschieren zu können und das schwedische Heer in Cham einzuschließen. Also blieb ihnen nur eine Erstürmung. Es waren stets blutige und gewagte Operationen, im Kreuzfeuer mit Hellebarden und Äxten und Handgranaten anzustürmen und sich auf unangenehm hohe Leitern zu schwingen oder auf blutig geschrammten Händen und Füßen durch eine mit Sprengsteinen gefüllte Bresche in einer Mauer zu kriechen.

Auch solche Festungskämpfe folgten einem bestimmten Ritual. Zunächst verlangte der Angreifer, daß der Verteidiger sich ergeben solle. Die Antwort war in neunundneunzig von hundert Fällen ein Nein, und zwar ungeachtet der Lage. Ohne Kampf aufzugeben machte einen schlechten Eindruck und tat der Ehre Abbruch. Häufig folgte danach ein verbales Spiel von Drohung und Trotz, in dem die Angreifer schworen, zu stürmen und allen und allem den Graus zu machen, während der Verteidiger stolz gelobte, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Dann begann der Kampf. Tatsächlich kam es äußerst selten dazu, daß Mann gegen Mann kämpfte. Sobald die Verteidiger keine Möglichkeit mehr sahen, die Angreifer zurückzuhalten, gaben sie auf, aller wackeren Rhetorik zum Trotz. Oft genügte es, daß der Angreifer eine Bresche in die Mauer schoß.

Diese ritualisierten Kämpfe waren immer üblicher geworden, ein weiteres Anzeichen dafür, daß der Konflikt einiges von seiner Hitze zu verlieren begonnen hatte. Viel von dem merkwürdigen, schönen und trügerischen Licht, das die innere Landschaft der Ideologen erhellt, hatte inzwischen angefangen zu verblassen. Der religiöse Bürgerkrieg war fast ganz vorbei, und an seine Stelle war ein Krieg zwischen verschiedenen europäischen Großmächten getreten. Die von brennendem Geist erfüllten Kreuzfahrer und Fanatiker waren einer nach dem anderen von der Bühne abgetreten, und ihr Platz war von den Condottieri, den Landsknechten und geworbenen Haudegen eingenommen worden. Die Leiden und das Elend der Zivilbevölkerung waren unverändert entsetzlich, aber in bestimmten Kriegssituationen war doch eine gewisse Zurückhaltung zu erahnen. Sie entsprang zum Teil dem mittelalterlichen Ritterideal, das in Europa weiterlebte, aber auch der klassen- und berufsmäßigen Gemeinsamkeit der Krieger. Fanatismus ist etwas für ideologisch Überzeugte, nicht für Männer, die den Krieg zu ihrem Beruf und zu einer Lebensart gemacht haben.

Den ganzen Mittwoch über sprühte die kaiserliche Artillerie Projektile gegen Neunburgs Mauern, die rasch in rollenden Explosionswolken von Staub und kantigen Sprengsteinen zermahlen wurden. Die Aufgabe war nicht besonders schwer, denn die Festungswälle waren wie gesagt vom senkrechten, alten Typ und außerdem in einem Zustand fortgeschrittenen Verfalls, und den Verteidigern fehlten zu allem Unglück eigene Geschütze, um das Feuer zu erwidern. Gegen Abend war ein klaffendes Loch in der Mauer entstanden. Der kaiserliche Befehlshaber entsandte zu diesem Zeitpunkt einen seiner Obersten, um, wie der Brauch und das Ritual es verlangten, zu fragen, ob Slang und seine Männer jetzt bereit seien zu kapitulieren. Die Schweden hatten jedoch die Bresche mit Brettern und Balken wieder geschlossen, und Slang wies die Vorschläge des Obersten glatt zurück und drohte stolz, ihn zu erschießen, falls er es noch einmal versuchte. Eine Weile später wurde ein kaiserlicher Trommler vorgeschickt, um einen neuen Vorschlag zu machen, aber kaum hatte er sich gezeigt, als er mit einem gutgezielten Schuß von dem löcherigen Festungswall niedergestreckt wurde. Die Antwort kam auf der Stelle, dichte Sturmkolonnen wälzten sich durch die Frühjahrsnässe heran, erreichten die Mauern, wurden aber mit hohen Verlusten zurückgeschlagen.

Am Tag darauf wurde die kaiserliche Artillerie näher in Stellung gebracht, und zwei der Türme der Stadt zerbröckelten bald unter dem Beschuß grober Kaliber. Gruppen kaiserlichen Fußvolks rückten durch den Staub vor und kamen den Löchern in der Mauer so nahe, daß sie mehrere Straßen der Stadt mit Musketenfeuer bestreichen konnten. Nun wollten einige von Slangs Offizieren aufgeben; sie hatten alles getan, was von ihnen erwartet werden konnte. Doch Slang lehnte ab. Als sie daraufhin klagten, daß ihre Munition nur Neige gehe, hatte der halsstarrige Oberst sogleich die Antwort parat: »Statt Kugeln können wir Steine nehmen. Davon gibt es genug. Laß die Leute suchen  und sammeln !«. Es ist unwahrscheinlich, daß die schwedischen Reiter dazu kamen, Steine auf ihre Feinde zu werfen, denn sogleich richteten sich die Schauer brummender Kanonenkugeln gegen die Mauer zwischen den beiden zusammengeschossenen Türmen, und binnen kurzem sackte auch sie krachend in sich zusammen. Die kaiserlichen Kanoniere konnten jetzt direkt in die Stadt hineinsehen, bis zum Marktplatz. Nun hatte auch Slang genug, und er beugte sich dem gesunden Menschenverstand des Belagerungsrituals. Er ließ Trompeter die Kaiserlichen anblasen und erklärte sich zur Kapitulation bereit, falls seine Offiziere nicht gefangengenommen würden (die gemeinen Soldaten sollten zurückgelassen werden). Die Gegner lehnten ab. Die Schweden mußten sich auf Gnade und Ungnade ergeben, bedingungslos. Aus der zerschossenen Stadt trotteten rund 90 Offiziere, 1600 Reiter und 180 Musketiere. Neunburg war gefallen. Der Weg nach Cham war frei“.[28]

Slange, Rudolf von Birkenfeld, Obrist Heuking, der Kommandant von Nabburg, Karl Magnus von Baden-Durlach und [Jaroslav Petr] Kinský gerieten in Gefangenschaft, wurden nach Regensburg und weiter nach Wien gebracht.[29]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet über diese Vorgänge: „Der Obrist Schlange lag / wie schon obgemelds / mit seinem Regiment und Volck voran / zu Schwandorff[30] / hatte darvon bey 40. Dragoner im Schloß Burglengenfeld[31] / und mag darvon desselben in der verbrandten Stadt auch etwas herunter gelegen haben / inmassen seine Partheyen von darauß nach Regenspurg[32] / so nur vier kleine Meylen darvon gelegen / wo nicht auch auß dem Regenstauffischen[33] / so halber Weg ist / fast täglich gegangen / die andere Obriste / als Heukhing und Herr Kintzky lagen in Nabburg[34] / und ihres Volcks auch theils an der Vilß zu Vilßeck[35] und Auerbach[36] / so als der weiteste Weg auff sieben guter Meilen von Schwandorff / Nabburg aber nur zwey kleiner darvon ist / ligend hatten / desto bessern Auffenthalt zu haben.

Als nun obenerwehnte drey Brücken[37] / in Eyl darüber zu kommen / fertig und zu vorderst alles Käis. und Bäyr. Fuß-Volck / sampt der Artigleria bey Kelheimb[38] in der Still gesamlet und vorhanden gewesen / wurde die Marche mit völliger Käiserl. und Bäyr. Armada / die man auff 20000. starck geschätzet / Sambstags den 6. 16. Martii von Phöringen[39] an der Donau / eine Meyle oberhalb von Neustatt[40] mit starcker Reuterey und wenigem Fuß-Volck / so Herr General Piccolomini und Mercy im Vorzug geführet / und den Nachzug deß Herrn Ertz-Hertzogen Hochfürstl. Durchl. überlassen / so mit übriger Cavallerie angefangen / und theils fuß-Volck / Sonntags den 7. 17. diß gefolget / darauff Montags das Bagagy in Convoy der 10. dabey gelassenen Regimentern / und Dienstags den 9. 19. diß die Artiglioria in Begleitung deß de Suys Regiment fortgangen : welcher gantzer Zug den Weg bey der Stadt am Hof[41] vorbey / theils auff die lincke Hand nach Burglengenfeld / theils zur Rechten über die Regenbrücke bey Weix[42] gerad gegen Wald-Neuburg[43] / da der Schwedische Obriste von Bürckenfeld [Berkefeld; BW] gelegen / zugenommen / deß Fürhabens / dem Schlangen / daß er zu seinem Herrn Generalen nach Chamb[44] nicht mehr kommen sollte / den Weg zu vorderst abzuschneiden.

Es hatte aber der Obriste schlang dessen zuvorhero schon etwas Nachricht / so er den genenneten beyden Obristen mitgetheilet / sie auch / daß er und sie / die unter seiner Conduite waren / Ordre habe sich nach Chamb zu retiriren / wissen liesse / die dann ihren nächsten Weg dahin / auf Wald Neuburg / so von Nabburg nur drey Meylen entlegen / zu nehmen gehabt.

Als nun der Käiserl. und Bäyr. starcke Vortrab sich Burglengenfeld unversehens / und zwar Sonntags den 7. 17. Martii bemächtiget hatte / welches der Obriste Schlang / in den ersten zweyen Stunden zu Schwandorff wissen konnte / verließ er seinen Befelch gemäß / Schwandorff / avisirte es beyde Obristen zu Nabburg dessen / und kam er Sonntags den 7. 17. dieses / deß Nachts um 3. Uhren nach Wald-Neuburg / kleiner dritthalb Meylen von Schwandorff / vermeynend der andern zweyen daselbsten zu erwarten / alsdann solches billich / weilen sie unter seiner Conduite gewesen / also seyn sollen. Es hatten aber diese beyde Volck / so zu Vilßeck und Auerbach gelegen / nicht dahinden lassen wollen / welches die Hinderungs-Ursach gewesen / daß sie mit einander im Wald-Neuburg hald hernach ertappet worden. Dann ob sie wol um den 9. 19. Martii daselbsten ankommen / haben sich doch die Käyserl. und Bäyr. schon so starck mit ihrem Vortrag diß Orts befunden / daß ihnen Schlang und Bürckenfeld entgegen ziehen / und sie sich gesampter Hand durch und in Neuburg schlagen müssen : darauff man sie plötzlich eingeschlossen / und ihnen weder Tag noch Nacht Ruhe gelassen / biß sie sich zu rantzioniren versprochen / sonst haben sie vermeynet biß auff den Tod sich zu wehren / und nicht nachzulassen / unangesehen ihre letzte Wehr nur mit Steinen gewesen.

In specie, so viel uns möglich / hiervon zu melden / seyn die Käiserl. und Bäyerischen so starck fortgerucket / daß sie den 9. 19. Martii nicht nur allein mit den Schlangischen deß Tags gefochten / sondern auch sie in Wald-Neuburg noch selbigen Tags eingesperret / und umzingelt / die Nacht noch das Geschütz darvor gebracht / und den 10. 20. diß den Ort beschossen / der Schlang aber die Bresse deß Nachts etwas wieder verbauet / das den Tag über beschehene Stürmen abgeschlagen / dardurch die Käiserl. und Bäyrischen von 5. à 600. erleget und beschädiget / unter denen ein Obrister-Lieutenant und etliche andere Officirer geblieben / und der Obriste Herr von Bemmelberg gefährlich verwundet worden / daran er nachmals gestorben : und haben sich die in Neuburg den 11. 21. dieses mit Steinen noch etwas gewehret / doch selbigen Tags mit Vorbehalt der Rantzion auff Discretion ergeben.

Haben demnach diese ergebene alsbalden herauß lieffern müssen / 1500 gerüster Pferd / nach welchen sich die Personen gefangen gestellet / nehmlich vier Obriste : als

Schlang / Schwedischer Leibguardien Commendant.

Jobst Rudolf von Bürckenfeld / sampt seiner Frauen und Kindern.

Wilhelm Heukhing.

Janißlaus Kinßky.

4. Obriste Lieutenant.

3. Obr. Wachtmeister.

23. Rittmeister / worunter Marggraff Cal Magn. von Baden Durlach.

3. Capitän Lieutenant.

23. Lieutenant.

26. Cornet.

3. Regiments Quartiermeister oder Corporalen.

16. Compagnien Quartiermeister.

2. Capitäin zu Fuß.

2. Lieutenant zu Fuß.

26. Standarten.

200. Soldaten zu Fuß.

1800. Montirte Reuter.

400. Dienst und andere Pferd.

500. Roß-Jungen und Knecht / etc.

Welche alle noch selbigen Tag auff Regenspurg fortgeschicket / und über die Steinerne Brücken eingebracht / die vornehmste Officirer / in die Landshüter Herberg / zum Pfauen / und schwarzen Adler eingewissen / die andere zurück herüber nach dem Hoff und Weichs / ins Bäyrische kleine Schlößlein einquartiret / alle Wehrloß gemachet / und fürters daselbsten verwachet worden seyn / von welchen die jenigen / so vor diesem in Käiserl. und Bäyr. Diensten gewesen / sich zu denselben zeitlich wiederum eingestellet / und die vornehmste Officirer / daß sie Wehrloß mit ihrer Wacht in die Kirchen / und / anderswohin nach ihrem Belieben gehen mögen zur Gnad empfangen.

So viel nun auß unterschiedlichen guten Berichten. Es ist uns aber auch über alles dieses eine Delineation deß Orts / sampt etwas mehrern Particularitäten von der Eroberung / durch Beförderung deß Käiserl. Ingeniero Herrn Carolo Cappi, zuhanden kommen / so von obigem nicht sehr discrepirt / darum wir beydes das darüber gefertigte Kupfferstück / und was er zugleich davon berichtet / sampt der darinnen gesetzten Ziffern bedeutung / anhero beyfügen lassen / also lautend:

Als die Käiserliche und Bäyerische armada den 6. 16. Martii von Föringen auffgebrochen / den 7. 17. desselben / über die Nab bey Riglingen / vermittelst einer in sechs Stunden gemachter Schiff-Brücken gegangen / haben noch selbigen Abend Herr Feld-Marschall Piccolomini / und der Bäyrische General Feld-Zeugmeister Herr Franciscus Mercy, mit sechs hundert Pferden / und zwölff hundert commandirten Mußquetirern den Vorzug genommen / und Ihrer Hochfürstl. Durchl. mit übriger Armada den Nachzug gelassen. Den dritten Tag hernach / als den 8. 18. Martii / hat die Avantgarde besagter Trouppen / geführet der General-Wachtmeister Herr Caspar Mercy / den Obristen Schlangen mit dreyen Regimentern zu Roß nahend bey Neuburg an der Schwarzach angetroffen / welcher / als er die Käiserl. Trouppen gesehen / sich in diese Stadt begeben / in deren er von den Käiserlichen umringet worden. Als Ihre Hochfürstl. Durchl. dessen erinnert / und dieselbige mit dem Nachzug / und folgender Armada schon zu Neukirchen[45] ankommen waren / und deren Herr Feld-Marschalck Piccolomini diß Orts erwartet / seynd sie mit mit der Infanteria und Canonen / den 9. 19. Abends für die Stadt geruckt / daselbsten ihre Hochfürstl. Durchl. dem Conte de Suys, General Feld-Zeugmeister Ordnung gegeben / die Artigleria zu plantiren / auff dem Posto mit A. bezeichnet / von dannen man den 10. 20. diß angefangen / die Mauer / an dem Ort / da sie schon vor diesem angegriffen / und mit Holz widerum verwahret war / zu beschiessen. Als man nun innerhalb vier Stunden ein ziemliches daran niedergeworffen / und doch die in der Stadt mit Erden / und allerlei anderer Matery daran wiederum erbauet gehabt / sind etliche Soldaten commandiret worden / die Bresse zu recognosciren / und sich daran / wo möglich zu logiren. Inzwischen aber wurde ein Hauß mit B. bezeichnet / angesteckt / welches die Käiserliche Soldaten beschädigte / es gieng auch folgende Nacht in der Bresse mit C. bezeichnet / ein Feuer auff / so in einem Keller oder Gewölb unter der Bresse sich gezogen / die Bresse aber mit Holz bedecket / und die Mauer darvon eingefallen war / deßwegen man die Canonen an andere Ort gestellet / mit D. bezeichnet / und angehenden Morgens den 11. 21. Martii den Thurn mit E. gezeichnet angegriffen / durch welchen die Käiserliche Soldaten in die Stadt kommen / und auff die Schwedische getroffen / welche als sie alle Bereitschafft zum Sturm gesehen / sich auff Ertzhertzogliche Clementz ergeben / und seyn denselben Tag noch außgezogen der Obriste Schlang / Bürckenfeld / Hekhin / Kintzky / und Herr Marggraff von Durlach / mit 2000. Pferden / 250. Fußknechten / 26. Reuter-Fahnen / unter denen General Banners Leib-Fahnen gewesen / dabeynebens auch drey Carrozzen mit Frauenzimmer und gefangener Officirer Weiber / die alle der Käiserl. Majest. nach Regenspurg zugeführet worden.

Infanteria.

1. Regiment di Caretto

2. Reg. Suys

3. Reg. Savelli.

4. Reg. Happach und Günther.

5. Reg. Haßlang.

6. Reg. Mercy.

7. Reg. Honolstein.

Cavalleria

8. Regiment Gayling.

9. Reg. di Vera.

10. Reg. Rodoan.

11. Reg. Gonzaga.

12. Reg. Nicolas.

13. Reg. Spiegel.

14. Reg. Ester.

15. Reg. Briganza.

16. Das alte Regiment Piccolomini.

17. Ihrer Hochfürstl. Durchl. Guardia.

18. 700. Cavalli so von dem Obristen Kolben und Sporcken commandirt worden.

19. Die Käiserlichen Mußquetirer“.[46]

Piccolomini enthob ihn seiner Charge.[46a]

Das Regiment Rodoan war dann Sperreuter unterstellt, der mit seiner Reiterbrigade dem kurbayerischen Korps zugeteilt wurde, was zu gewissen Spannungen zwischen beiden Armeekorps führen sollte.[47]

Nach den Angaben bei dem Historiographen und Habsburg-Anhänger Wassenberg in seinem 1647 neu aufgelegten „Florus“ war er an dem verlorenen Gefecht Lamboys gegen die Franzosen, Weimarer und Hessen-Kasselischen unter Guébriant und Kaspar von Eberstein am 17.1.1642 bei Kempen[48] beteiligt und dabei in Gefangenschaft geraten.[49]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet zum Regiment Rodoan: „Man hatte in gantz Thüringen / wo Käiserl. Volck gelegen / mit grossem Verlangen auff dessen Auffbruch gewartet und gehoffet : dergleichen Hoffnung man / sonderlich zu Jena[50] / schon im Aprilen gehabt / unangesehen die Quartier anfänglich biß auff den ersten May durchs gantze Land begehrt worden waren. Es hatten aber die Schweden in Laußnitz und Schlesien so gute Progressen gethan / / daß man Ursach gehabt / auff dergleichen zeitlichen Auffbruch zu hoffen / auch war ein Courrier mit schrifftlicher Ordinantz hierzu vorhanden.

Den 24. Aprilis Nov. [neuen Stils; BW] name solchen Auffbruch von Jena deß Don Hannibals Gonzaga Regiment zu Fuß / und hofte man das Moncadische sollte solchem auch bald folgen : die Ursach dieser Hoffnung war / der Stadt beschehene augenscheinliche Außsaugung / und daß auch ihre verderbte Neben-Christen[51] (wie davon geschrieben worden) ihnen eben sowol nicht mehr helffen konten : Inmassen sie ihr Elend in der Stadt und auf dem gantzen Land so groß befanden / daß sie solches genugsam zu beschreiben nit getraueten / zumal wollte das Moncadische / so 300. starck in der Stadt bliebe / doppelt verpfleget seyn / nur daß es sich zum Durchzuge stündlich fertig hielte“.[52]

„Das Moncadische Regiment zoge um den 7./17. Maji auch aus Jena[53] nach Zeitz[54] / daselbstẽ 14. Käis. Regim. Rendesvous hielten / hingegen war der Ob. von Wolfframsdorff mit seinẽ und dem Rodoanischen Regim. samt etwas Gallasischen Dragonern / in allem 100. Reutern starck / auff dem Weg von Rudelstatt[55] sich im verderbten Jena einzuquartieren : die hatten Weymarische[56] Dörffer und Vorwercke geplündert / Pferd / Rind- und Schaf-Viehe hinweg getrieben / denen etliche vom Adel / samt etwas Weymarischen Bürgern nachgesetztet / aber etliche Bürger darüber im Stich geblieben.

Der ernst- und gäntzliche Auffbruch wollte noch nicht erfolgen / die Zahl-Monat wurden auß den Quartieren gezogen / und kein Abzug attendiret; Gott drohete dem Thüringer-Land von Kälte und Dürre einen Mißwachs / und General Piccolomini befande selbsten / daß / weilen überall nichts zu geben / nichts zu nehmen wäre / so müste man diß Jahr nothwendig Frieden machen / es continuirte aber der Krieg einen als andern Weg.

Den 1. 11. Junii nahmen die in Jena gebliebene Völcker erst ihren Fortzug nach Zeitz[57] und Böhmen / und die 9. ferners an der Saal gelegene Regimenter / so Erfurt[58] blocquirt halten sollten / musten nach Schlesien wandern“.[59]

Der Jenaer Chronist Beier berichtet unter 1642: „5. Maii Leutenand Valentin Hansen zeucht aus Jena mit seinen anbefohlenen [Annibale; BW] Gonzagischen Regimente; v. verbleibet alleine in Jena Mathaeus von Moncado [Moncada; BW] alß derselbe den 14. Maii auch abziehen sol, kömet zuevor in der Nacht mit 12 standarten von truppen Kürißirn angezogen oberster Rudolph Georg von Wolframsdorfff v. Oberster Wachmeister Christian im Hoffe [Imhof; BW] vnter den Rodoanischen Regimente; v. habe ich zur salva guarda bekommen Riccardum Morsus, einen Irländer von Rittmeister Joanne Bresla; alß den 20. Maii oberster Wolframsdorff auszeucht, v. allein das Rodoanische Regiment in Jena verbleibet, Kommen den 25. Maij dorzu die Tragoner Reuter des Obersten Martini von Pachanhai [Pachonhay; BW] v. hat mir der Comendant v. oberster wachtmeister Christian im Hoff ins Hauß zur salva guardia Caspar Gosman aus dem Stifte Münster. Nachdem den 1. Jun. der gänzliche Abzug aus Jena geschehen ist, haben wir den 5. Jun. am Feiertage der h. Treieinigkeit das danckefeste gehalten in beisein Herzog Wilhelms zu Sachsen …“.[60]

[1] Vlotho; HHSD III, S. 738f.

[2] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 226 (S. 282).

[3] Burgsteinfurt; HHSD III, S. 135ff.

[4] Nordwalde [LK Steinfurt].

[5] Borghorst; HHSD III, S. 102f.

[6] Überwasser; unter HHSD III, S. 539 (Münster).

[7] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 52 (S. 70) bzw. 100 (S. 149).

[8] Höxter; HHSD III, S. 346ff.

[9] sagen ?

[10] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[11] [Bad] Wildungen; HHSD IV, S. 35ff.

[12] Warburg; HHSD III, S. 752ff.

[13] Bruchhausen; HHSD III, S. 122.

[14] Albaxen, heute Stadtteil von Höxter [LK Höxter].

[15] Das würde einer Gesamtmenge von 170.400 bis 340.800 l entsprechen.

[16] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 101f.

[17] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[18] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.

[19] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.

[20] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.

[21] Nabburg [LK Nabburg], HHSD VII, S. 491f.

[22] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.

[23] Vilseck LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[24] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.

[25] Neukirchen-Balbini; vgl. HELML.

[26] Furth i. Wald [LK Cham]; HHSD VII, S. 221f.

[27] Taus [Domažlice]; HHSBöhm, S. 598ff.

[28] ENGLUND, Verwüstung, S. 246ff.

[29] Nach den Mitteilungen Franzins an W. E. v. Lobkowitz, Regensburg, 1641 III 22,  habe sich Slange mit dem Markgrafen von Durlach und 2.000 Reitern Leopold Wilhelm ergeben, sei nach Regensburg und dann nach Wien gebracht worden. Slanges Reiterei bilde angeblich den Kern von Banérs Kavallerie und bestehe größtenteils aus Finnen. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1176.

[30] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.

[31] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.

[32] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[33] Regenstauf; unter Neuburg a. d. Donau, HHSD VII, S. 501.

[34] Nabburg [LK Nabburg]; HHSD VII, S. 491f.

[35] Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[36] Auerbach [Vogtland]; HHSD VIII, S. 12f.

[37] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 607: „Käiserl. Majest. liesse die Stadt Regenspurg mit 2. Regimentern auff 800. Mann zu Fuß geschätzet / alsbalden stärcker besetzen / und die Herren Stände / wie bey obigem Reichstags-Verlauff befunden / zum verharren vermahnen : auch wurde Volck bey Kelheim zusammen geführet / dergleichen auch bey Ingolstatt. Herr General Piccolomini / und der von Geleen reyseten unterschiedlich hin und wieder / und gaben Ordre : auch waren sie und andere / zu forderst deß Herrn Ertz-Hertzogen Hochfürstl. Dl. bey Käiserl. Maj. zu Regenspurg / und wurde Kriegs-Rath gehalten : unter anderm 3. Brücken / eine bey Kelheim / über die alte Mühle / die andere bey Sintzing über die Laber / und die dritte bey Rigling und Ort über die Nab geschlagen / das zusammenziehende Volck in Eyl gegen dem Regen über zu bringen : es wurden auch etlich tausend auß Oesterreich herauff zu kommen erfordert / und nichts was zur Defension / und Resistentz nöthig war / unterlassen“.

[38] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 349ff.

[39] Pförring [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 582f.

[40] Neustadt a. d. Donau [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 513.

[41] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.

[42] Weichs [LK Dachau]; HHSD VII, S. 793f.

[43] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.

[44] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.

[45] Neukirchen-Balbini [LK Schwandorf].

[46] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 607ff.

[46a] WREDE, Geschichte 3. Bd., 2. Abt., S. 441, Anm. 7.

[47] KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 101.

[48] Kempen; HHSD III, S. 384ff.

[49] WASSENBERG, Florus, S. 466. Vgl. auch die Chronik des Adolff Wilhelm Moerbecke zu Stevening [1611 – 1675]; STROTHMANN, Westfalen, S. 125.

[50] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[51] Katholische Mitbewohner, Nachbarn

[52] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 834.

[53] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[54] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[55] Rudolstadt [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.

[56] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[57] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[58] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[59] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 834.

[60] TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60f.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Rodoan [Rodovan, Rhodan, Rodean], Freiherr Gerhard von

Ruebland [Rübländer, Rübeland, Rübelant, Rubland, Rutlandt], Johann Christoph Freiherr von der [de]

Ruebland [Rübländer, Rübeland, Rübelant, Rubland, Rudlandt], Johann Christoph Freiherr von der [de]; Obrist [um 1600-1655]

Johann Christoph Freiherr von der [de] Ruebland [Rübländer, Rübeland, Rübelant, Rubland, Rutlandt] [um 1600-1655] [1] stand als Obrist[2] und Generalquartiermeister[3] in kaiserlichen Diensten.

1638 hatte er noch unter Piccolomini[4] gedient. Am 11.1.1638 schrieb er aus Brüssel an Piccolomini: Er sei beim Kardinal-Infanten und den spanischen Ministern zur Audienz gewesen und habe sich dort über das zögernde Einhalten der Versprechungen zur finanziellen Unterstützung der kaiserlichen Armee beschwert. Der Kardinal-Infant habe die Einhaltung der Verträge und großen Geldmengen zugesagt.[5] Ferdinand III.[6] wandte sich am 16.3. aus Pressburg[7] an Piccolomini: Er schicke Instruktionen, die ihm Ruebland einhändigen solle und informierte ihn über den ungünstigen Verlauf des Krieges am Niederrhein.[8] Am 20.3. schrieb Piccolomini aus Brüssel an Ruebland und berichtete ihm über die verlorene Schlacht bei Rheinfelden.[9] Die Stadt Aachen[10] sei bedroht, Caretto di Grana treffe Vorkehrungen zu deren Verteidigung. Auch Köln[11] rüste sich, Kurfürst Ferdinand von Köln[12] habe Truppeneinquartierungen im Stift Stablo[13] bewilligt.[14] Piccolomini informierte Ruebland am 22.3.1638: Er habe die Befehle an Johann von Götz[15] abgeschickt. Suys habe 1.500 jüngst in Lüttich[16] angeworbene und in Maastricht[17] stationierte französische Soldaten überfallen und geschlagen. Johann und Bernard de Voord seien aus französischen Diensten zum Kaiser übergetreten. Er, Piccolomini, habe sie dem Kaiser empfohlen.[18] Von Juli bis Ende September hielt Ruebland Piccolomini weiter über Kriegsgeschehnisse auf dem Laufenden, unter anderem über den Vormarsch seines Regiments in Luxemburg, die Lage der Kaiserlichen in Württemberg und Baden etc.[19]

Der Benediktiner-Abt von St. Georgen im Schwarzwald,[20] Georg Gaisser [1595-1655],[21] erwähnt ihn in seinem Tagebuch: „13.[11.1638; BW] Horst, Truckhmüller [Druckmüller; BW], Capon [Kapoun; BW] Rublandt, [Johann; BW] Wolf und andere Obersten erschienen, nachdem sie auf ihrem neuerlichen Zuge das Schloß Gutenberg[22] vergeblich angegriffen, das Wiesental verheert und sich einer Beute von etwa 300 Stück Vieh und 100 Pferden bemächtigt hatten, infolge Rückberufung bei der Eschinger Musterung, von wo sie, in die untere Markgrafschaft beordert, den Weg hier vorbei nahmen“.[23]

Im Dezember hielt sich Piccolomini noch immer in Brüssel auf. Am 6.12.1638 schloss er im Namen des Kaisers mit Gamarra im Namen des Kardinal-Infanten einen 12 Punkte-Vertrag über die gegenseitige Hilfeleistung und Vorbereitung der Kampagne des Jahres 1639 ab:

1. Piccolominis Armee wird auf 24.000 Mann, davon 6.000 Reiter ergänzt. Außerdem verbleiben mehrere Regimenter unter Lamboys Kommando.

2. Mit ihrer Teilnahme am Kampf gegen Frankreich ermöglicht die kaiserliche Armee dem Kardinal-Infanten, die nötige Anzahl von Soldaten zur Verteidigung gegen die Holländer abzukommandieren.

3. Gegen Frankreich wird ein Angriffskrieg, in Deutschland ein Verteidigungskrieg geführt werden.

4. Der Kardinal-Infant stellt das Rekrutengeld für die Regimenter Lamboys sowie für die Ergänzung der Regimenter Piccolominis zur Verfügung.

5. Derselbe stellt die Mittel für Piccolominis Artillerie zur Verfügung und wird dessen Armee vom Beginn der Kampagne an bis zur Rückkehr in die Winterquartiere besolden.

6. Der Kaiser trifft solche Vorkehrungen im Reich, dass kaiserliche Truppen in keinem Fall von Flandern abkommandiert werden müssen.

7. Auf Kosten des Kardinal-Infanten werden bis 2.000 Kroaten oder Polen angeworben und Piccolominis Truppen angegliedert.

8. Die 1.000 Mann zählenden Regimenter Rueblands werden gleichfalls vom Kardinal-Infanten besoldet, jedoch auf Reichsgebiet gelegt und erst zu Beginn der Kampagne Piccolominis Truppen angegliedert.

9. An den günstigsten Orten werden rechtzeitig Magazine für den Vormarsch der Armee errichtet und der Kardinal-Infant besorgt die Distribution der Vorräte.

10. Der Kaiser sorgt für ausreichende Reserven an Proviantwagen und Pferden.

11. Für die mit der Befestigung besetzter Orte und deren Eroberung verbundenen Ausgaben teilt der Kardinal-Infant der Armee Piccolominis Minister zu, die über die nötigen Geldsummen verfügen werden.

12. Das Datum des Beginns der Kampagne wird auf den 1.4. festgesetzt.[24]

Vom 20.3. bis zum 15.4.1639 informierte Ruebland Piccolomini weiter über den Zustand seiner Regimenter, deren Ergänzungen durch Werbungen,[25] den beschwerlichen Marsch durch Thüringen und die kriegerischen Aktionen der Schweden (die Brandschatzung Kulmbachs).[26]

Das „Theatrum Europaeum“[27] fasst zusammen: „Gelangen solchemnach an das Eichsfelde / von demselben etwas weniges zu erzehlen / in welchem sich der von Königsmarck / neben andern / eben wohlherum getummelt hat. Die unterthanen dieses Ländleins haben vielmahls hart herwider gehalten / dardurch sie ihres erlittenen Schadens eigene Verursacher geworden. Im Aprilen seynd bey ihnen zwey Käiserliche Regimenter[28] / das Rubländische und Hesterische einquartiret gelegen / welche hin und wider ohne Widerstand gestreiffet / beschädiget / und die Recruiten in Thüringen zerstöret. Der General King gieng diesen Monat über 3000. zu Roß starck / und that ihnen hieran Einhalt. Die Schwedische auß Erfurt[29] haben sich etlichemahl bemühet / selbiges Völcklein zur Contribution[30] zu bringen / seyn aber iedesmahl unverrichter Sachen zurück kommen. Im Eingang deß Junii zogen die Käiserliche herauß / der von Grießheim aber behielte / als Ober-Amptmann / noch hundert Tragoner[31] / das Ländlein darmit vor Schwedischer Contribution zu schützen / und solche hergegen von seinen Benachbarten zu fordern / welches ihm doch über angewendeten starcken Ernst nicht gelingen wolte. Dann nachdeme gedachte beyde Käiserliche Regimenter auß dem Ländlein abgezogen waren / und der Ober-Amptmann sich seines Intents würcklich gelüsten liesse / wurde der Obriste von Königsmarck / so die Kingische Trouppen zu Pferd zugleich führete / benebens dem Plettenbergischen und anderm Fußvolck / derer beyder man an der Weser bey Münden[32] damals nicht bedorffte / nach dem Eichsfeld commandiret / den Ober-Amptmann im Zwang / welchem aber der Obriste Eppe / so hiebevor Hessisch gewesen / auß dem Stifft Oßnabrück in eil zu vermeynter Hülffe kam.

Dann als nun dieser zu Duderstatt[33] mit 1000. abgemüdetem Volck zu Roß ankommen / und etwas außzuruhen gedachte / waren ihme die Schwedischen zu schnell und starck auff den Halß kommen / hatten ihn zeitlich in Unordnung / und was sich zu Pferd nach dem Salberg begeben / in die Flucht gebracht / ihn darauff nechstens mit seinem Uberrest in Duderstatt eingesperret gehalten / und so bald das Fußvolck mit der Artillerie ankame / den Orth beschossen / welchen er keinen Tag gehalten / sondern sich ergeben / und darinnen / sammt denen / die sich zu ihme retiriret hatten / in 500. starck gefangen genommen worden: Und obwohlen der Ober-Amptmann mehr obgedachte zwey Käiserliche Regimenter wieder zurück beruffen / seynd sie doch bey so gestalten Sachen bald durch und auff Saltzungen[34] zu gegangen / und haben den Orth geplündert / von dannen nach dem Fuldischen[35] / und wo sie hin erfordert waren / sich wendende / dannenhero der von Königsmarck den Meister gespielet / und ausserhalb vorerwehnter Gefangener von den Zerstreueten noch vielmehr zur Beut bekommen. Ob auch wohl der Ober-Amptmann sich auff Gleichenstein[36] sich innen halten / der gleichwol auch Rüstenberg[37] in eil mit etwas Fußvolck vom Land besetzet / und doch endlich mit Accord sich ergeben. Worauff sich andere Städtlein deß Eichsfeldes / und unter denselben Heiligenstatt[38] zum ersten auch ergaben / dardurch unter die Contribution gebracht / der Ober-Amptmann aber / darum / daß er im Accord[39] keinen Orth / wohin er geführet werden sollen / ernennet / auch einen im Accord mit begriffenen verpartiret hatte / ungestellter seiner Soldaten / in Arrest genommen wurde“.[40]

Am 9.5.1639 schrieb der kaiserliche Kriegssekretär Johann Friedrich Fischer aus Wien an Piccolomini: Melchior von Hatzfeldt sei mit 4.000 Kürassierern[41] und 5.000 Infanteristen in der Nähe von Würzburg[42] anmarschiert. Ferdinand III.[43] habe beschlossen, ihm, Piccolomini, nicht nur die angeforderten 500 Reiter, sondern auch die Regimenter Ruebland und Heister zu überlassen. Er, Fischer, begnüge sich mit den 6.000 von Piccolomini abkommandierten Infanteristen und warte auf Soldaten aus Mailand, wohin er einen weiteren Kurier mit der Bitte um Hilfe entsandt habe. Er glaube, dass die Regimenter Gallas und Lodron anrücken sollten und dass man zusammen mit Hatzfeldt, den Ungarn[44] und Kroaten,[45] die unter Isolano und Földváry unterwegs seien, insgesamt 30.000 Mann zur Verteidigung der Erbländer aufstellen könne.[46]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe[47] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 14. [24.5.1639; BW] ist der Keyserliche Obriste Rübelant mit seinen Reutern morgens frühe umb 3 Uhr vor Greußen[48] kommen. Als aber die Schweden von dannen auch hinweg gewesen, hat er die Reuter im Felde füttern lassen. Er aber ist mit wenigen in die Stadt geritten und hat darinnen gefrühstücket, ist darnach wieder friedlich zurücke nach dem Eichsfeld gezogen. Zu Clingen[49] und Westgreußen[50] aber haben seine Reuter übel gehauset und unter anderm den Leuthen alle ihre Pferde und Viehe genommen“.[51] „Den 8. Juni [18.6.1639, BW] ist ein Keyserlicher Lieutenant mit in die fünftzig Pferde starck aus dem Eichsfeld anhero kommen. Deme haben wir für das Rubelandische und Heisterische Regiment zwantzig Pferde geben müssen, worzu aus dem Clingischen Theile sieben gegeben worden, als eines von Clingen, eines von Großenehrich,[52] eines von Wenigenehrich[53] und Amte Rohnstedt,[54] drey aus dem Ebeleben,[55] eines von denen von Heringen[56] und Großmehlra.[57] Noch eines ist von Holzthaleben[58] kommen, das ist dem Verwalter, Tobiae Schuhearten, verkauft worden, hat es an Herrn S. Ernst Tentzeln Geldern bekommen“.[59]

Am 17.7. schrieb Piccolomini an den Kardinal-Infanten: Die Unsicherheit über die gegnerischen Pläne erlaube es ihm nicht, sich vom Kriegsschauplatz zu entfernen. Er habe Meldungen über gegnerische Truppenkonzentrationen bei Montmédy[60] sowie über die Vorbereitungen und den Marsch Châtillons gegen Thionville[61] erhalten. Seiner Meinung nach müssten die Stellungen zwischen Sambre und Maas bewacht und Quesnoy[62] und Avesnes[63] gehalten werden. Ludwig XIII. wolle angeblich selbst kommen und Guise[64] besetzen; die Städte Hesdin[65] und Durlan[66] seien auch bedroht. Man dürfe die Armee nicht durch eine Abkommandierung schwächen, ebenso müssten die von Beck kommandierten Reserven und das Regiment Ruebland am Ort bleiben.[67] Am 29.7. teilte Beck aus Thionville Piccolomini mit, der von ihm, Beck, in Givet[68] zurückgelassene Obrist habe gemeldet, dass Charlemont[69] sehr schwach besetzt sei und Obrist Jacob zwischen Philippeville[70] und Marienbourg[71] stehe. Er habe nur das 500 kroatischen Reitern und wenigen Infanteristen bestehende Regiment Heister sowie das 130 Reiter zählende Regiment Ruebland zur Verfügung. Der Gegner treffe große Vorbereitungen bei Metz;[72] Meldungen zufolge sei 28.7. Ludwig XIII. nach Verdun[73] gekommen. Proviant und Munition würden hingebracht und täglich kämen Verstärkungen an. Einige Truppen habe der König in Mouzon[74] gelassen, scheinbar für einen Angriff auf Juois.[75]

Am 11.1.1640 hatte Piccolomini aus Schüttenhofen[76] Ruebland zugesagt, er werde das für die Erneuerung seines Regiments notwendige Geld, nämlich 20 Rt. pro Dragoner und 25 Rt. pro Arkebusier,[77] erhalten. Die Zeit sei gekommen, da jeder Obrist die Pflicht habe, sich persönlich an die Spitze seines Regiments zu stellen, keine überflüssigen Beschwerden zu erheben. Für einen Wechsel der Quartiere bleibe keine Zeit mehr, die Kürassierregimenter seien wegen ihrer Bewährung den Dragonern vorgezogen worden.[78] Piccolomini informierte am 24.1.1640 den Kardinal-Infanten, Bruck, Gall und Ruebland würden auf seinen Befehl hin an die Elbe vorrücken.[79] Am 24.1. schrieb Obrist de Bechamp aus Janowitz[80] an Piccolomoni: Ein bis nach Kauřim [81] vorgedrungener Späher habe gemeldet, dass er den Gegner nirgends erblickt habe und dass auch die Bevölkerung nirgends auf ihn gestoßen sei. Er bemühe sich um die Aufrechterhaltung der Verbindung zu Ruebland; dieser sei, seinen Ermittlungen nach, noch nicht nach Kuttenberg[82] gekommen und so warte er in Janowitz[83] auf weitere Befehl. Ferner habe er alle Elbe-Übergänge von Königgrätz[84] nach Brandeis[85] rekognosziert und insgesamt fünf gezählt.[86] Am 28.1. schrieb Piccolomini am Maximilian von Trauttmansdorff: Für den Kampf gegen die Schweden sei er gerüstet; er habe die Armee zum Angriff auf die einzelnen Elbstädte aufgeteilt und Bechamp und Ruebland ihre Aufgaben zugewiesen; Fernemont stehe bei Kolin.[87]

Die weitere Entwicklung in Böhmen beschreibt das „Theatrum Europaeum“: „Es liessen unterdessen die Käis. die Brücken an der Gissera[88] / als zu Drassnitz[89] und Jungen-Buntzel[90] / auch anderer Orten / repariren / welcher Mangel sie / benebenst der Witterung sehr auffgehalten / auff die Bannierische zu tringen / und hatten doch im Nachhauen nicht geringen Schaden zugefüget.

Dieweiln nun Banner sich zur Böhmischen Leyppa[91] / und dort herum gesetzet / im Rücken aber Melnick[92] / Rauditz[93] / Leutmaritz[94] noch gar nicht verlassen / sondern gering besetzet : Als konten die Käiserlichen nicht anderst / dann die Gissera auffwerts gehen / als nach Eycha[95] und Tornau[96] / gegen der Gabel[97] und Leyppe / dem Banner den Paß / wo müglich / abzuschneiden / der ihnen aber / unangesehen sie in 16000. starck dahinwerts gezogen / zuvor kommen / und starck genug war / darum sie ihme nach Beschaffenheit der Oerter und Pässen / nicht also / wie sie wol gerne wollten / beyzukommen vermochten / der Obriste Rubländer aber wurde mit mehrerm Volck versehen / und in Jungen-Buntzel[98] geleget / gegen den Schwedischen zu partiren“.[99] Ruebland nannte sich selbst „Kommandant zu Leitmaritz und des ganzen Elbstroms“. [99a]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „Den Obristen von Rosen wurden von seinem Major Johann von Ratschin / vom alten Regiment 6. Compagnien zugebracht / darum konnte er abermahlen nicht fey[r]en / sondern nahme seinen Vetter Wolmaren / den Tollen zu sich / und überfiele noch selbige Nacht / von Ziegenhain auß / deß Croatischen Obristens / Petern Logy [Losy; BW] Regiment und Quartier zu Allendorff[100] / die noch andere 6. Compagnien Rubländischer Tragoner bey sich hatten, darüber der Obriste durch einen Pistolen-Schuß selbsten verwundet worden / der sich deßwegen auff den Kirchhoff salviret / aber sein Obrister Lieutenant[101] todt geblieben / in angestecktem Quartier neun Standarten verbronnen / ein Standarte und ein Capitäin[102] mit Beuten und Pferden darvon geführet / und sie alle so hefftig aufgeschlagen worden / daß wann der Obriste Fetuari nicht nahe im Anzuge gewesen / so wäre dieses gantze Regiment gantz und gar zu scheitern gegangen“.[103] Das „Theatrum Europaeum“ berichtet weiter: „Der von Hatzfeld ging nach den 10. 20. Octobris vor geendigter Dorstischen Expedition über die Weser / und legte sich vor Münden an der Werra[104] Casselischen Gebieths / das wollte Cassel[105] nachdencklich und beschwerlich fallen / zeit währender Goßlarischer[106] Handlung dergestalt tribuliret zu werden / darum solches nach Nothdurfft geändert wurde / und hat man Käis. theils um Glimpff willen Ursach gehabt hiermit nachzulassen. Der Käiserliche Obriste Rubland wurde mit Reuterey und Fuß-Volck nach Duderstat[107] / ins Eychsfeld / und gegen Mühlhausen[108] geschicket / was möglich / einzunehmen / deme der / von Hatzfeld bald folget : Um den 19. 29. Ocrobris waren die Schwedischen auß beyden Oertern / auch Gleichen[109] oder Gleichenstein[110] / doch nicht ohne Accord, schon getrieben / und sollte es nunmehr auch Göttingen gelten: Doch gienge Herr General von Hatzfeld durchs Eychsfeld nach Thüringen und Erffurt[111] / davon bald folgen wird“.[112]

Im November 1641 war Ruebland im Eichsfeld stationiert,[113] im Dezember 1641 in Duderstadt.[114] Happe notiert: „Den 6. [16.; BW] [Dezember] habe ich wieder einen mühseligen Tag gehabt, denn 1.) habe ich wegen der borische [bayerischen; BW] Reuter zu Ebeleben, 2.) wegen der Rübelandischen zu Keula, 3.) wegen der Gonzagischen zu Greußen, 4.) wegen der Gonzagischen alhier zu Sondershausen[115] und entlichen 5.) mit denen Walischen [Wahl; BW] viel zu thun gehabt“.[116]

Im Juli 1642 war Ruebland Kommandant in Glatz[117] und berichtete Melchior von Hatzfeldt von dem Überfall auf Braunau.[118] Am 22.8. schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm[119] aus dem Feldlager vor Groß-Glogau[120] an Rudolf Graf Colloredo: Seinen Brief vom 13.8. mit der Mitteilung von der Bereitstellung von 2.000 Kanonenkugeln und 100 Ztr. Schießpulver habe er erhalten. Das genannte Kriegsmaterial solle der Armee zugeführt werden, da es für die Operationen vor Glogau gebraucht werde; den Transport von Glatz nach Glogau würden Soldaten Rueblands besorgen. Er, Leopold Wilhelm, habe auch beim böhmischen Statthalter ausgiebige Hilfe angefordert.[121]

Im April 1643 informierte Ruebland aus Glatz Piccolomini über den schwedischen Vormarsch in der Lausitz und in Mähren. Auch wenn Piccolomini, nun mit der Absicht, nach Spanien zu gehen, sich nach Wien begäbe, würde ihm der Kaiser seiner Meinung nach die Einwilligung verweigern, denn die Anwesenheit des Gegners in einem Erbland erfordere mehr als je den Einsatz tapferer Generäle und fähiger Führer.[122] Der kaiserliche Hauptmann Cernilau informierte Ruebland am 20.5. aus Landeshut:[123] Am heutigen Tag sei der Gegner vor Schweidnitz[124] anmarschiert und werde mit 1.000 Mann, 500 Pferden und vieler Bagage für die Nacht sein Lager bei Schönau,[125] 2 Meilen vor Löwenberg,[126] aufschlagen. Zweifellos marschierten diese Truppen zur Armee, was auch sein Vertrauensmann in Schweidnitz bestätigt habe. Er, Cernilau, brauche dringend Hilfe, da der Gegner ihn mit Sicherheit überfallen werde und die Landeshuter Garnison mit 300 Mann schwach sei.[127] Ruebland schrieb einen Tag später an Gallas,[128] von verschiedenen Stellen seien ihm Berichte zugegangen, dass der Gegner aus Schweidnitz ausgerückt und zweifellos zu einem Angriff gerüstet sei.[129] Für die folgenden Jahre fehlen Erwähnungen.

Am 1. September 1647 war Enckevort mit dem Fußregiment Ruebland und aus Konstanz[130] herangeführter Artillerie vor Ravensburg[131] gerückt und hatte durch sein bloßes Erscheinen die schwedische Besatzung verführet, die Stadt eilig zu verlassen und sich nach Überlingen[132] zurückzuziehen. Damit war dem Gegner die Communication zwischen Überlingen und Memmingen[133] abgeschnitten. Es reift die Zeit, den Fuß wieder weiter ins Reich zu stellen und dafür ein Corpus aufzurichten, hatte Enckevort angesichts seiner bisherigen Erfolge gefordert. Am 29. September war Enckevort mit seinem und dem Rueblands zur Belagerung Memmingens vor die Stadt gerückt.

„Memmingen gehörte seit 1286 zum Kranz der Reichsstädte. Sie lagen im Westen, besonders im Südwesten, und nannten sich ‚Des Heiligen Reiches freie Städte‘, untertan allein dem Kaiser, als Gemeinwesen frei und selbst verwaltet. Memmingen war mit Mauern und Toren gut bewehrt und besaß ein eigenes ländliches Territorium von zwölf Dörfern. In Memmingen hatte die Reformation Einzug gehalten. Die Stadt war im Ulmer Waffenstillstand[134] vom Kurfürsten von Bayern[135] den Schweden eingeräumt worden, was er konnte, denn es hatte eine bayrische Besatzung. Ob er über eine Reichsstadt verfügen durfte, ist eine andere Frage.

Am 29. September 1647 traf Generalfeldzeugmeister[136] von Enkevoer bei Memmingen ein. Seine beiden Fußregimenter ‚Enkevoer‘ und ‚Rübland‘ folgten. Kurfürst Maximilian von Bayern war mit dem kaiserlich-bayrischen Rekonjunktur-Rezeß vom 7. September wieder an die Seite des Kaisers getreten. Bis zum 28. September hatten die Bayern acht Fußregimenter, drei Reiterregimenter und das Dragonerregiment Bartels vor den Toren Memmingens versammelt. – Es waren die Fußregimenter Cobb, Fugger, Marimont, Mercy, Ners, Royer, Reuschenberg und Winterscheid, die Reiterregimenter La Pierre, Jung-Kolb und Walpott-Bassenheim sowie das Dragoner-Regiment Bartels. – Ihre Streitmacht umfasste 83 Kompanien. Die bayrische Belagerungsartillerie mit dem Fuhrpark an ‚Stückwagen‘, auf denen die schweren Rohre, Lafetten, Kugel- und Munitionswagen mit Pulver, Pech und Petarden,[137] Kränen, Winden und Zugbrücken wurde von 1.074 Pferden bewegt. Noch mehr Dienstpferde der Reiterei und Zugpferde des Tross'[138] kamen hinzu. Am 30. September übernahm Enkevoer ganz selbstverständlich als der ranghöchste General das Kommando vor Memmingen. Zu seiner Rangautorität kam zweifellos sein persönliches Ansehen, bestätigt durch seine jüngsten Erfolge.

Am 28. September war Feldmarschall Wrangel der Brief zugestellt worden, mit dem der Kurfürst von Bayern den Waffenstillstand mit Schweden widerrief.[139] Zwei Tage zuvor hatte Wrangel ein französisches Eingreifen in Süddeutschland als höchst ungewiß bezeichnet.[140] Der bayrisch-französische Waffenstillstand bestand noch – und hat über die Zeit der Belagerung hinaus gehalten.

Feldmarschall[141] Holzappel versorgte Enkevor mit Lageorientierungen: ‚Der Kriegszustand hat sich so weit geändert, daß wir uns mit den Churbayrischen numehr über das Erz(gebirge) aus dem Königreich ins Meissensche gezogen und entschlossen, dem feindt auf den Hals zu gehen, welcher den einkommenden Zeitungen nach bey Zeitz[142] stehe. Ob er nun aber an die Elbe oder in Niedersachsen gehen wirdt, solches kann man noch nicht eigentlich wissen‘ (Lageorientierung vom 18. Oktober).[143] Kaiserliche und Bayern konnten Memmingen belagern, ohne schwedische oder französische Entsatzversuche befürchten zu müssen.

Enkevoer nahm sein Hauptquartier im Dorfe Buxheim[144] nordwestlich von Memmingen, nahe der Iller. Die drei bayrischen Generalwachtmeister[145] de Lapier, Rouyer und Winterscheid mit ihren Frauen und Enckevort allein bezogen verschiedene Häuser und Säle in der Kartause des Klosters zu Buxheim. Zwischen Buxheim und Hart[146] errichteten die acht bayerischen Fußregimenter ein befestigtes Lager. Die beiden kaiserlichen legte Enkevoer in den Ort Hart, südwestlich Memmingen. Im Süden und Südosten schloß sich die Masse der bayerischen Reiterei bis nach Memmingerberg[147] an. In diesem Dorf stand das Reiterregiment Walbott und kontrollierte die ostwärts führende Straße nach Mindelheim.[148] Rund um das Dorf wurden Schanzen aufgeworfen. Über die Dörfer Grünenfurt,[149] Amendingen[150] und Egelsee[151] fand der Belagerungsring aus Schanzen und Redouten in einem nordöstlichen und nördlichen Bogen wieder Anschluß an die Iller. Damit war Memmingen vollständig eingeschlossen.

Die nächsten Städte, auf die man sich zur Versorgung stützte, waren Mindelheim im Osten und Leutkirch[152] im Südwesten. Nach Mindelheim wurden die transportfähigen Verwundeten in feste Unterkünfte gefahren. Leutkirch mußte Brot liefern und ‚etliche Persohnen und Pferdt hinunder in das Lager nacher Buxheimb schicken und dann Wochentlich offgemelten General Enckenfort einen Wagen – den die Burger den Freßwagen nenneten – mit allerhand zur Kuchen dienende Sachen, so jedesmal 100 Gulden kostete‘.[153]

Schon am 20. September hatte der bayrische Generalwachtmeister de Lapier mit seiner Reiterei die Stadt von aller Zufuhr abgeschnitten. Kurfürst Maximilian forderte in einem Mahnschreiben den Magistrat auf, weder mit Rat und Tat den Schweden zu helfen, noch der Bürgerschaft zu erlauben, gegen die Waffen des Heiligen Reiches Widerstand zu leisten. Vielmehr solle der Magistrat den Kommandanten dahin bringen, ohne Verzug mit seinen Kriegsvölkern abzuziehen, um allen ‚Extremitäten und Gefahren vorzubeugen, in die sonst die Reichsstadt geraten würde“.[154]

Der Söldner Peter Hagendorf[155] unter dem Kommando von Winterscheid hat in seinem Tagebuch eine kurze Beschreibung der Belagerung hinterlassen: „Den 27. September angekommen zu Memmingen im Jahr 1647. Unser Lager aufgeschlagen bei dem Kloster Buxheim. Bald mit Schanzen und Laufgräben gearbeitet und zwei Batterien davor gelegt. Auf der großen Batterie hat mein Oberst Winterscheid als Generalwachtmeister kommandiert. Darauf sind gestanden 2 dreiviertel halbe Kartaunen,[156] 4 halbe Kartaunen, 2 Schlangen.[157] Auf der kleinen Batterie hat kommandiert der Oberst Rouyer [Royer; BW], sind ebensoviel Kanonen daselbst gestanden. Damit haben sie nichts anderes geschossen als glühende Kugeln.[158] Noch haben wir 4 Feuer-Mörser gehabt[159] und geschossen Tag und Nacht. Den 5. Oktober sind sie ausgefallen, uns von den Batterien weggetrieben und 5 Stück vernagelt.[160] Überdem haben sie noch etliche Ausfälle getan. Aber wir haben sie bald wieder hineingejagt. Überdem haben wir uns besser versehen und die Mauern und ihre Batterien mit Kanonen und Minen verwüstet, daß sie sich haben müssen ergeben.

Wir haben auch etliche Male die Schanzen gestürmt, so das Krugstor und das Westertor, aber nichts gerichtet, außer viel Volk verloren. Den 23. November im Jahr 1647 haben sie akkordiert, den 25. November abgezogen. Darin sind gelegen 350 Mann. Der Oberst Przyemsky hat hier kommandiert. Mit Sack und Pack sind sie abgezogen, sind eskortiert worden bis nach Erfurt“.[161]

Der Chronist Christoph Schorer, Sohn des namensgleichen Dr. jur. Christoph Schorer, Memminger Ratsadvokat und über zwei Jahre bei den Westfälischen Friedensverhandlungen anwesend, hat dagegen in seiner „Memminger Chronick“ (1660) den Verlauf der Belagerung aus der Sicht der Betroffenen ausführlich dargestellt.

„Der Kommandant Memmingens, Obrist Sigismund Przyemski, ein gebürtiger Pole, befehligte nur zwischen 400 und 500 Mann, darunter etwa 70 Reiter. Dennoch war er zu äußerstem Widerstand entschlossen. Über die Neutralität Bayerns machte er sich keine Illusionen. Die Kaiserlichen und Bayerischen waren ihm an Zahl und Artillerie um ein Vielfaches überlegen. Für Przyemski zählte seine gute Versorgungslage mit Lebensmitteln und Munition sowie die fortgeschrittene Jahreszeit. Mit jedem neuen Herbsttag würden die Belagerer mehr den Unbilden der Witterung ausgesetzt sein, während seine schwedische Besatzung den Schutz der festen Unterkünfte hatte. Es kam darauf an, die Verteidigungskraft seiner Soldaten so lange wie möglich zu erhalten und den an sich schon hohen Verteidigungswert der Festung weiter zu erhöhen.

Am 21. September, einen Sonnabend, ließ der Kommandant die Bürgerschaft auf die Zunfträume kommen und forderte sie durch seinen Major auf, die Stadt zusammen mit der Besatzung zu verteidigen. Die Bürger weigerten sich unter Hinweis auf ihre kaiserliche Obrigkeit. Sie seien ungewollt als ein ‚subjektum passivum‘ unter die schwedische Besatzung geraten. Damit spielten sie auf den Ulmer Waffenstillstand an, der ihre Reichsstadt ungefragt an die Schweden ausgeliefert hatte.

Am anderen Tage ließ Przyemski an mehreren Stellen einen Verteidigungsaufruf anschlagen, den Marktplatz während der Sonntagspredigt einzäunen, von Soldaten unter Gewehr umstellen und seine Kavallerie in den Gassen und am Markt aufreiten.

Er rief den Magistrat und die Bürger durch Trommelschläger bei Strafe für Leib und Leben auf den Markt und in die Einzäunung. Dort stand er selbst auf einem Podest. Die Bürger, welche den Gottesdienst besucht hatten, wurden sogleich von den Kirchenstufen zu ihm gelenkt. Jetzt sprach Przyemski, zuerst zum Rat, dann zu den einzelnen Zünften. Sie sollten an Ort und Stelle erklären, ob sie ihn als Kommandanten anerkennen, zu ihm halten und ihm und seinen Soldaten bei der Verteidigung der Stadt beistehen wollten; diejenigen, die sich nicht dazu verstehen wollten, sollten auf die Seite treten, an denen werde er eine scharfe Exekution vornehmen lassen – und der Scharfrichter wartete schon, für alle sichtbar. Niemand trat auf die Seite und der Magistrat beriet sich kurz. ‚Nachdem nun die Bürger solchen Ernst und Gewalt gesehen, haben sie in sein (Przyemskis) Begehren gezwungen einwilligen müssen‘.

Zweihundert Handwerksgesellen wurden ausgewählt, bewaffnet und zum Wachdienst unter Aufsicht der regulären Truppe eingeteilt. Für seine Soldaten reduzierte der Kommandant damit das ermüdende Wachestehen. Alle erwachsenen Einwohner, Männer wie Frauen, mußten sich einüben, etwa ausbrechende Feuer zu löschen. Bürger der Stadt, hereingeflohene Bauern aus den umliegenden zu Memmingen gehörenden Dörfern, meist aber die Gesindeleute wurden zum Schanzdienst vor den Mauern herangezogen. Auch Frauen mußten mit hinaus. Vor zwei besonders gefährdeten Stadttoren ließ der Kommandant Erdbastionen aufwerfen und durch ein ‚Ravelin‘ verbinden. Vier schon vorhandene Außenwerke ließ er verstärken, und das alles in der kurzen Zeitspanne von etwa Mitte September bis Anfang Oktober. Einen Müllersknecht, der den Schanzdienst eigenmächtig verlassen hatte, ließ er zur Abschreckung an den Pranger stellen und einen Bauern, der lässig gearbeitet hatte, an den Pfahl auf dem Markt. Während fast der ganzen Zeit der Belagerung wurde geschanzt und gebaut, denn erst mit der Anlage der Annäherungsgräben (Approchen) deckten die Belagerer ihre Angriffsrichtungen auf. Zerstörte oder beschädigte Erdwerke ließ Przyemski ohne Verzug – bei Tag und Nacht – neu aufrichten oder ausbessern. Immer wieder gab es dabei Verluste. Einmal wurde ‚ein Mägdlein beym Schantzen tod geschossen‘, später eine erwachsene Magd.[162] Das Dach über dem Pfarrhof ließ Przyemski abtragen und in der so gewonnenen Feuerstellung eine schwedische Geschützbatterie auffahren, welche die Kaiserlichen und Bayrischen nicht zum Schweigen brachten.

Die Besatzung wagte elf Ausfälle, teils zu Pferd, teils zu Fuß, einmal sogar mit ‚zwey Regiments-Stücklein‘.[163] Mit mehreren dieser Vorstöße drang sie bis in die Approchen vor. Jedesmal kam es dabei zu blutigen Nahkämpfen mit Blankwaffen und Handgranaten (die es schon gab). Ein Ausfall am 5. Oktober mit 150 Mann und allen schwedischen Reitern führte bis in die Geschützstellungen des Belagerungskorps. Die kaiserlich-bayrischen Truppen verloren dabei fünf Gefallene, 49 Verwundete und 17 Gefangene, außerdem fünf Kanonen, die unbrauchbar ‚genagelt‘ wurden. Nach einem Ausfall am 10. Oktober, bei dem die Bayern 20 Tote und 52 Verwundete beklagen mußten, wurde für den folgenden Tag eine beiderseitige Waffenruhe vereinbart, in der die Toten geborgen und übergeben wurden. Bei einem Nachtangriff der Schweden erlitt das Regiment Rübland hohe Verluste, nach Aussagen von Gefangenen waren angeblich 50 Mann gefallen, die ‚Gequetschten‘ (Verwundeten) nicht gerechnet. Bei ihren Ausfällen hatte die schwedische Besatzung das Überraschungsmoment meist für sich. Von der Stadtmauer und den Toren konnte sie schwächer besetzte Abschnitte bei den Kaiserlichen und den Reichsvölkern ausmachen und dort ihre Angriffe ansetzen,wobei sie sich gedeckt in dem Graben vor der Stadtmauer bereitstellte, solange er in ihrem Besitz war.

Die Belagerer standen an vielen Stellen bis zu den Knieen im Wasser ihrer Approchen. Dennoch hatte die Belagerung erhebliche Fortschritte gemacht. Die Belagerten hatten zwar, nicht zuletzt wegen der ‚Beihilfe‘ der Bürgerschaft, stärkeren Widerstand geleistet, als von Enckevoer vermutet. Doch hatten sich die Fußsoldaten der Reichsvölker an einigen Stellen bis zum Graben vor der Stadtmauer vorgeschanzt und vorgekämpft. Dabei hatten sie die ‚Kontre-Escarpe‘ durchbrechen müssen, die ‚Gegenböschung‘ vor der Stadtmauer, die in den Stadtgraben hinab führt. Die Schweden mußten ihre Ausfälle einstellen. Enckevoer am 5. November: ‚ … seither meinem jüngsten an Euer Execellenz (Holzappel) Bericht seindt unsere Werkhe, nach geschehener Durchbrüch und Eroberung der Contrescarpa, bis in den (Stadt)graben gebracht, daß nuhn zu allem ernstlichen Angriff geschritten (werden kann). undt nechstens, wann die schier auch zu endt geführte minen zu ihrer völligen Anfertigen gelangt sein werden, ein guter Effectus dierser Operation … zu hoffen (ist)‘.[164]

Die Entscheidung mußte der unterirdische Minenkampf und die Belagerungsartillerie bringen. Bis Mitte Oktober waren 53 Bergknappen zur Unterstützung des Belagerungskorps eingetroffen. Sie unterstanden einem Bergmeister und drei Berghauptleuten. Das Krugstor und das Lindauer Tor standen dem Lager der bayrischen Fußregimenter am nächsten. Gegen beide Tore wurden die ersten unterirdischen Stollen, die ‚Minen‘, vorangetrieben. Die Schweden hatten den Erdaushub beobachtet, trieben in Richtung auf die Minen einen Gegengraben vor und bauten einen quer dazu verlaufenden Abschnitt, um von dort in die Minen eindringen zu können. Dennoch ließen die Belagerer unter dem von den Schweden errichteten Erdwerk am Lindauer Tor am 5. November die erste Sprengkammer detonieren. Die Sprengung zeigte kaum Wirkung. Möglicherweise war der Stollen wegen der schwedischen Gegengräben zu tief angelegt worden. Die andere Mine gegen das Krugstor wurde von den Schweden entdeckt und zugeschüttet.

Am 6. November wurde eine zweite Kammer unter dem Erdwerk vor dem Lindauer Tor gezündet, diesmal mit mehr Erfolg, das Werk wurde beschädigt, aber noch nicht zerstört. Die Mine gegen das Krugstor stellten bayrische Fußtruppen nach einem Gegenangriff wieder her und die Knappen ließen eine neue Pulverladung am 7. November ‚springen‘, wieder ohne nennenswerten Effekt. Dennoch stürmten die Belagerer gegen das Werk rechts vom Krugstor, das zuvor sturmreif geschossen worden war. Sie waren bereits auf und in dem Werk, als die Schweden einen Gegenstoß führten, der die Eingedrungenen wieder zurückwarf. Es wurde so hart und erbittert gekämpft, daß die Angreifer wieder sechs Gefallene und 68 Verwundete bergen mußten. Am Tage darauf schossen die Schweden in die Stollen vor dem Krugstor. ‚Deshalb wurde mit der Mine ein und einen halben Klafter[165] zurückgegangen, selbige mit starken Brettern und großen Nägeln festgemacht, nach diesem auf der rechten Hand eine Kammer verfertigt und darin drei Tonnen Pulver gethan und dann für den Gebrauch verwahrt‘. Diese Sprengladung warf nur einige Palisaden um. Doch die folgenden Sprengungen unter den Erdwerken brachten Einsturz und Tod, wie die beim Lindauer Tor am 11. November. Neun ‚contraminierende‘ Soldaten der Schweden kamen dabei ums Leben, ‚etliche Soldaten und Schantzleut wurden auch empor gehebt, die aber beym Leben erhalten worden …‘. Teils wurden die den Stadtmauern vorgelagerten Erdwälle und Böschungen zum Einsturz gebracht, teils wurde so gesprengt, daß der Stadtgraben zugeschüttet wurde Erst dann, bei freiem Schußfeld gegen die Steinmauern und Tore der Stadt, konnte die Belagerungsartillerie ihre volle Wirkung entfalten. Gegen die Erdwerke richteten die Kanonen mit ihren Vollkugeln und damaligen Granaten wenig aus.

An schwerer bayrischer Artillerie, an ‚Stücken‘, waren vor Memmingen sechs Mörser und 20 großkalibrige Kanonen in Feuerstellung. Die Mörser oder Böller ‚warfen‘ Eisenkugeln, Steinkugeln, Granaten und Feuerballen im Steilfeuer in die Stadt. Die Kanonen auf ihren aufgeworfenen Bastionen schossen im meist direkten Richten mit flacher Flugbahn gegen die Tore und gegen die beabsichtigten oder vorgetäuschten Einbruchsstellen in der Stadtmauer. Am Abend des 5. Oktober wurde – wohl als Antwort auf den gelungenen Ausfall der Schweden – eine grausam erdachte Kanonade eröffnet. Neben dem ohrenbetäubenden Dauerbeschuß mit explodierenden Granaten und schweren Vollkugeln wurden an die 50 Feuerballen, schon im Fluge brennend, in die Stadt geworfen. Zwei Stadel mit noch ungedroschenem Getreide gerieten in Brand, auf den lodernden und funkensprühenden Flammenherd richtete die Belagerungsartillerie jetzt alle Rohre und schoß im zusammengefaßten Geschütz- und Mörserfeuer in das neue, gut sichtbare Ziel. Bei den Löscharbeiten ‚geriet alles in große Unordnung und ein jeder das seinige zu salviren trachtete‘. Die Brände wurden kaum noch gelöscht, Wasser kam nicht mehr herbei, die beiden nächst stehenden Wohnhäuser fingen Feuer. Przyemski erschien ‚in eigener Persohn‘. Die ihren Hausrat wegtragen wollten, ließ er mit Schelten und Schlägen davon abbringen, trieb sie wieder zum Wasserschleppen und ließ von seiner Begleitung den herausgeretteten Hausrat aufnehmen und in die Flammen werfen. Die Menschen löschten wieder, ihre einzige Chance, verbliebenes Hab und Gut zu retten: ‚ … daher durch des Kommandanten Fleiß und Vorsichtigkeit verhütet wurde, daß das Feuer weiter kam‘. Przyemski publizierte erneut einen Befehl, wonach alle Scheunen und Häuser von Stroh zu räumen waren und es nur noch unter freiem Himmel, in Gärten und an abgelegenen Orten, gestapelt werden durfte. Am 19. Oktober brach noch einmal an drei Stellen zugleich Feuer in der Stadt aus, das aber bald gelöscht werden konnte.

Gleich anderen erfolgreichen militärischen Befehlshabern war es Przyemski in die Wiege gelegt, bei Freund wie Feind die Psyche zu beeinflussen. Einmal wurde eine Soldatenfrau aus dem kaiserlich-bayrischen Troß aufgegriffen und vor ihn gestellt. Er schenkte ihr einen halben Taler, damit sie sich in der Stadt Weißbrot kaufe, und schickte sie dann mit dem Brot zu den ihrigen vor der Mauer zurück. Man kann sich ausmalen, was sie dort alles zu erzählen hatte. Von Hungersnot in der Festung wird sie nichts berichtet haben. Wie Przyemski die Bürger zur Teilnahme an der Verteidigung Memmingens brachte, wie er dabei seinen Major vorschickte, wie er Stimmung und Haltung der Bürger teste, wie er auf dem Marktplatz selbst sprach, einzeln zum Rat und zu den Zünften, mit der sichtbaren Drohung seiner bewaffneten Soldaten und des Scharfrichters, wie er seine Ansprache aufbaute, das alles war ein psychologisches Meisterstück. Einen Tag nach dem 5. Oktober, nach der gerade noch unter Kontrolle gebrachten Feuersbrunst, als ‚alles voller Schrecken und Angst‘, versammelten sich Frauen der Stadt, die Przyemski mit einem Fußfall bitten wollten, daß er rechtzeitig einen Übergabevertrag schloß, damit Stadt und Bürgerschaft samt ‚Weib und Kindern‘ nicht zu Grunde gingen. Er ließ sie gar nicht erst vor, sondern ausrichten, er wisse auch ohne sie sehr wohl, was er zu tun und zu lassen habe. Sie sollten sich heim begeben und das ihre tun. Wenn sie aber etwa wieder bei ihm vorstellig werden wollten, und selbst wenn es noch mehr seien und dabei die vornehmsten Frauen der Stadt, so werde er sie trotzdem alle ohne Ausnahme nach draußen zum Schanzen führen lassen. In dieser Antwort lag zugleich eine unverhohlene Warnung an den Rat der Stadt, kein Weiberregiment zuzulassen.

Przyemski tat viel, damit das Geld seinen Wert behielt, ‚daß in Brodt, Korn, Fleisch, Schmaltz und andern Sachen kein Aufschlag oder Steigerung fürlieff, sondern alles in dem Preiß bleiben mußte, wie es vor der Belagerung gewesen. Wer darüber that, gegen den verfuhr er mit strenger Execution‘. Auch mit drakonischen Strafen hätte er wohl auf Dauer den Geldwert nicht stabil halten können, wenn die notwendigen Lebensmittel zur Neige gegangen wären. Aber die im Menschen schlummernde Bereicherungssucht und den Wucher dämpfte er doch. An Grundnahrungsmitteln waren genügend Vorräte angelegt und den Sommer 1647 über aufgestockt worden. Die einfachen Soldaten gaben den Bürgern Memmingens immer wieder zu verstehen, daß ihr Kommandant und seine Offiziere sehr erfahren seien. Nie wurde bei den einfachen Soldaten Unwillen oder Ungeduld bemerkt. Sie ‚hatten solchen Eyffer und Begierd, daß die Verletzte, ehe sie gar heil worden, den Posten, wan sie nur kondten, zu eileten. Wann ein Ernst oder Anstalt zum Stürmen wahrgenommen worden, seyn auch der Officier Knecht und Jungen mit Gewehr auff die Werck geloffen und helffen fechten, ob sie dessen schon kein Befelch gehabt‘.

Insgesamt verschossen die Belagerer bis in die zweite Hälfte November um die 5.200 Schuß aus Kanonen und Mörsern. Sie verbrauchten dabei etwa 550 Zentner Pulver und 140 Zentner Lunten. Allein an die bayrischen Fußvölker waren rund 125.000 Musketenkugeln ausgegeben worden. Die schwedische Besatzung verbrauchte etwa 200 Zentner Pulver.

Am 12. November war ein Feldtrompeter[166] Enckevoers vor die Stadtmauer Memmingens geritten. Auf gekennzeichnete Trompe-ter, die bestimmte Signale schmetterten, wurde nicht geschossen; sie waren die Parlamentäre zwischen feindlichen Truppen und den Kriegsparteien. Der Trompeter überbrachte ein Schreiben Enckevoers, ‚darinnen guter Accord[167] zu geben anerbotten‘, die Aufforderung, die Stadt durch einen Vertrag zu übergeben. Und der Trompeter rief über die Mauer, man habe sechs Minen fertig, die sofort gezündet werden könnten. ‚Extremitäten und Gefahren‘ wurden immer größer, ein Sturm auf die Stadt, nachdem Minen die Breschen gesprengt hatten, die Freigabe der Stadt zur Plünderung[168] und Willkür für die stürmenden Soldaten, nach damaligem Kriegsbrauch, praktiziert von allen Armeen. Der Trompeter wurde nicht in die Stadt eingelassen, sondern mit einer mündlichen Antwort ‚manierlich‘ abgewiesen.

Endlich, am 20. November, schickte Przyemski seinen Trompeter zu Enckevoer mit dem Wunsch, ihn sprechen zu wollen. Zunächst machte Enckevoer zur Bedingung, daß ein schwedischer Major und ein bayrischer Obristwachtmeister gegenseitig als Geiseln auf Zeit genommen wurden. Dann schwiegen alle Waffen. Przyemski ritt im Vertrauen auf das ihm gegebene Kavaliersehrenwort Enckevors zu ihm, um über die Übergabe zu verhandeln. Hauptgrund war der Mangel an Kugeln und Pulver. Am Ende der Belagerung hatten die Bürger als Bleiersatz ihr Zinngeschirr abgeben müssen und in Memmingen ‚hat man nach der Schwedischen Abzug mehr nicht dann nur zwei Tonnen Pulver, an Bley und Kugeln aber fast nichts gefunden‘.

Przyemski ritt in die Stadt zurück, er war mit den ersten Übergabebedingungen nicht einverstanden. Die beiden Geiseln wurden zurückgestellt, die Feindseligkeiten wieder aufgenommen. Doch stürmen ließ Enckevoer noch nicht, noch wartete er zu und vertraute seiner Kriegserfahrung. Am 22. November nahm die Belagerungsartillerie die Beschießung wieder auf, am Abend wurden zusätzlich Granaten geworfen und zwei Häuser zerstört. Jetzt wurde der Rat der Stadt bei Przyemski vorstellig und schilderte die Not. Przyemski zeigte sich zunächst erzürnt – er schickte aber doch ein Schreiben mit neuen Übergabepunkten an Enckevoer.

Schon seit Wochen hielt Przyemski Reiter auf dem Markt in Bereitschaft und ließ sie in den Gassen patrouillieren, ‚damit von Burgern und Inwohnern nichts wider die Schwedische Völcker practicirt werde‘. Am Abend des 23. November traf die Antwort der kaiserlich-bayrischen Belagerer bei Przyemski ein. Ein bereits von Enkevoer abgezeichneter ‚Accord‘ zur Übergabe der Reichsstadt, mit dem eigenhändigen Zusatz Enkevoers, ‚daß es dabey sein Verbleiben haben werde‘. Dieses Angebot war sein letztes.

Unterschrieben wurde der Übergabevertrag von Przyemski für die schwedische Seite, von Enkevoer, Lapier, Rouyer und Winterscheid für die kaiserlich-bayrische. Enckevoer hat die drei bayerischen Generalwachtmeister mit unterzeichnen lassen, das honorierte ihren Anteil am Belagerungserfolg und enthob ihn langatmiger Rechtfertigung der Übergabebindungen vor Kurfürst Maximilian. Die kaiserlich-bayrischen Truppen besetzten das ihnen eingeräumte Krugstor. Die beiderseitig gemachten Gefangenen wurden ohne Zahlung oder Verrechnung von Lösegeld ausgewechselt. Die Schweden hatten 55 Tote und etwa 60 Verwundete. Sie begruben ihre Toten und setzten die gefallenen Offiziere in der Sankt Martinskirche bei. Am 25. November zog die schwedische Besatzung in mustergültiger Ordnung mit noch 260 Musketieren[169] und 66 Reitern unter 12 wehenden Fahnen ab. Alle mobilen Waffen und 20 Bagagewagen führten sie mit. 100 bayrische Reiter eskortierten sie durch die eigenen Reihen in Lichtung auf Leipheim an der Donau. Enkevoer und Przyemski nahmen nebeneinander stehend den Ausmarsch ab.

Przyemskis Marschziel war die zentral gelegene Festung Erfurt, der große schwedische Etappenplatz zwischen Ostsee und Süddeutschland, zwischen Niedersachsen und Böhmen, zwischen Schlesien im Osten und Hessen im Westen. Sein Marsch führte ihn von Leipheim[170] zur Festung Schweinfurt,[171] von da zur Festung Königshofen im Grabfeldgau,[172] nach Suhl,[173] dann über den Thüringer Wald nach Erfurt. In Erfüllung der Übergabebedingungen wurden die zurückgelassenen schwedischen Verwundeten versorgt und gepflegt. Auch ihnen war freier Abzug nach Gesundung zugesichert“.[174]

„Am schwersten hatte das kaiserlich-bayrische Belagerungskorps gelitten. 199 Soldaten waren gefallen, 478 verwundet worden und 285 hatten die Fahnenflucht den harten Bedingungen und tödlichen Gefahren der Belagerung vorgezogen. Über 900 Mann, oder – in der durchschnittlichen Iststärke kaiserlicher Regimenter am Kriegsende gerechnet – fast drei Fußregimenter waren bei der Belagerung verloren gegangen.

Zwar war Memmingen mit dem Ulmer Waffenstillstand den Schweden von Kurfürst Maximilian selbst eingeräumt worden, im herbstlichen Rekonjunktions-Rezeß mit dem Kaiser aber hatte Maximilian sich auch den schwäbischen Reichskreis ausbedungen, um seine Reichsarmee zu unterhalten. Damit der ganze Kreis vor dem Winter in Kontribution gesetzt werden konnte, mußte Memmingen erobert werden. Deshalb hatte Maximilian seine Armee geteilt, deshalb zwölf Regimenter vor Memmingen beordert und nicht alle Truppen Feldmarschall Gronsfeld unterstellt. Für die weiteren Operationen spielte Memmingen keine Rolle mehr, doch Maximilians Fixierung auf Memmingen hat nicht nur an den kaiserlich-bayrischen Kräften gezehrt, sie hat auch die Konzentration der Kräfte bei der Hauptarmee vermindert.

Der polnisch-schwedische Kommandant Przyemski hingegen hat während seiner energischen, an Initiativen reichen und psychologisch geschickten Verteidigung Memmingens – in der Phase des Rückzugs der schwedischen Armee – starke kaiserlich-bayrische Kräfte gebunden. Den 29. September 1647 trat Wrangel seinen Rückzug zur Weser an, an dem Tag war das bayrische Belagerungskorps vor Memmingen vollständig versammelt, an dem Tage traf Enkevoer ein, die Belagerung begann. Die acht Wochen der Belagerung war die Zeit der höchsten Gefährdung der schwedischen Hauptarmee. Wenn Caspar Schoch mit seinem Reiterregiment den Ausschlag für die Operationsfreiheit der Kaiserlichen in Schwaben gegeben hat, so trug Sigismund Przyemski dazu bei, die schwedische Hauptarmee bei ihrem schwierigen Rückzug zu entlasten. Operativ gesehen war die Belagerung von Memmingen ein schwerer Fehler der kaiserlich-bayrischen Seite“.[175]

Bei einem Nachtangriff der schwedischen Besatzung erlitt das Regiment Ruebland hohe Verluste. Nach Aussagen vion Gefangenen waren fünfzig Mann gefallen, die Verwundeten nicht eingerechnet. Nach der Belagerung Memmingens erholte sich das Regiment in Leutkirch, bevor es nach Nördlingen[176] abkommandiert wurde.

‚Zum Jahresende, am 18. Dezember 1647, kamen der Generalfeldzeugmeister Enkeford und der Obrist Rübland mit zwei Regimentern Fußvolk an um sich verpflegen zu lassen; ungeachtet, dass bereits vier andere Kompanien in der Stadt lagen. Der Rat sandte den Syndicus Scribonium zur Kaiserlichen Majestät in Prag um die pure Impossibilität (Unmöglichkeit) zu repraesentieren (darzulegen), sowie die unerträgliche Last zu deprecieren (um sich dafür zu entschuldigen, dass die Stadt die auferlegten Lasten nicht zu leisten in der Lage wäre). Der Syndicus hatte zwar Audienz, aber er brachte weder Hilfe noch einigen Trost mit. Währenddessen lagen die hohen Offiziere in der Stadt, die Soldaten auf den Dörfern. Sie brachen alles Eisen-Werk aus den Häusern und trieben Handelsgeschäfte damit. Die Stadt musste täglich 800 Pfd. Brot, 200 Pfd. Fleisch, 400 Maß Bier und 30 Säcke mit Hafer herausschaffen.’ (Pa)“.[177]

Ferdinand III. hatte am 22.1.1648 wegen der Beschwerden Eberhards III. von Württemberg und auch des kaiserlichen Generalfeldmarschalls Holzappel den Regimentern Enckevort und Ruebland, das ohnehin wohl der Remontierung[178] bedurfte, den Aufbruchsbefehl nach Böhmen erteilt, was jedoch später wieder rückgängig gemacht wurde. „Die geplante große Operation Melanders wurde abgeblasen. Der Kaiser gab Befehl, die Regimenter Enckevoirt und Ruebland und alle Völker Bönninghausens[179] aus Schwaben abzuziehen; besetzt bleiben sollten nur Lindau,[180] Asperg,[181] Rottweil,[182] Offenburg[183] und Wülzburg.[184] Bönninghausen möge sich im kaiserlichen Hoflager zu Prag einfinden, sein Oberkommissar Hafner erhalte durch Traun eine neue Verwendung. Über diesen hatte Bönninghausen noch am 30. Januar Traun geschrieben, Hafner sei ‚zwar ein guter frommer Mann‘, aber so ängstlich, daß er Kurbayern und die Reichsstände mehr als Ihre Majestät fürchte. Nun ordnete Melander in einem Schreiben, das Bönninghausen, der sich in Windsheim[185] aufhielt, am 12. Februar erhielt, an, auf kaiserlichen Wunsch sollten die Besatzungen von Windsheim, Weißenburg[186] und Rothenburg[187] und die Regimenter Enckevoirt und Ruebland zur Hauptarmee stoßen. Die sechs zum Regiment Conti gehörigen Fähnlein hätten nach Iglau[188] in Böhmen zu marschieren; der Kaiser werde Ordre geben, ob auch die beiden Regimenter Enckevoirt und Ruebland ‚zur völligen remonta‘ in Böhmen Quartiere nehmen sollten. Am 13. Februar erteilte Melander Anweisung zum Aufbruch des Regiments Ruebland nach Ochsenfurt,[189] da man die Frühjahrskampagne beginnen werde“.[190]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Die Diarien.

[2] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[3] Generalquartiermeister: Der Generalquartiermeister leitete das Quartieramt (mit zwei Oberquartiermeistern und dem Stabsquartiermeister sowie drei weiteren Offizieren), unterstützt von der Kriegskanzlei. Die Eingänge wurden dem Feldmarschall vorgetragen und die Antwortschreiben dementsprechend zur Billigung vorgelegt. Für technische Fragen wurden Ingenieure des Stabs herangezogen. Die mündliche Befehlsübermittlung oblag zwei bis vier Generaladjutanten. Das Quartieramt lieferte je nach Eingang Berichte an den Kaiser, den Hofkriegsrat, Weisungen an die Kommandeure der Feldarmeen, an die örtlichen Kommandeure und Festungskommandeure, an alle zuständigen Verwaltungsbehörden und gab Lageberichte an hohe abwesende Generäle und Nachrichten an die Gesandten des Westfälischen Friedenskongresses heraus. Der Generalquartiermeister hatte als Dienstvorgesetzter alle Quartiermeister der einzelnen Regimenter unter sich, sein Amt war eine sehr lukrative Einnahmequelle wegen der „Verehrungen“, um Einquartierungen (gerade bei den Winterquartieren) abzuwenden oder zu erleichtern. Zudem war er meist auch Inhaber eines eigenen Regiments, das die besten Quartiere zu erwarten hatte.

[4] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[5] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 548.

[6] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[7] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[8] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 572.

[9] Rheinfelden (Baden) [LK Lörrach]; HHSD VI, S. 659. 21.2./3.3.1638: Doppelschlacht bei Rheinfelden: Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar schlägt die Kaiserlichen unter Savelli und Johann von Werth. Sperreuter, Werth und Savelli geraten in Gefangenschaft.

[10] Aachen; HHSD III, S. 1ff.

[11] Köln; HHSD III, S. 403ff.

[12] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.

[13] Stablo [Stavelot; Belgien, Prov. Lüttich].

[14] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 575.

[15] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[16] Lüttich [Liège; Belgien].

[17] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg]

[18] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 578.

[19] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 655.

[20] St. Georgen im Schwarzwald [LK Schwarzwald-Baar-Kreis].

[21] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 93f. Vgl. auch SCHULZ, Strafgericht.

[22] Gutenberg, heute Ortsteil v. Lenningen [LK Esslingen].

[23] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 775 (2. Auflage 1984, heute noch erhältlich bei Stabsstelle Archiv von 79002 Villingen-Schwenningen).

[24] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 724.

[25] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er  ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm einer der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteten „Musterplätze“ angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (vgl. „Werbegeld“). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T.  invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph  II, S. 508. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur ass sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; PLATH, Konfessionskampf, S. 482.

[26] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 771; Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[27] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[28] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 ((offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[29] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[30] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts, des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“ Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky.

[31] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.

[32] Hann. Münden; HHSD II, S. 333f.

[33] Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.

[34] [Bad] Salzungen [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 36ff.

[35] Fulda; HHSD IV, S. 154ff.

[36] Gleichenstein, Burg [Kreis Eichsfeld]; HHSD IX, S. 147.

[37] Rusteberg [Kreis Eichsfeld], HHSD IX, S. 365f.

[38] Heiligenstadt [Kreis Eichsfeld]; HHSD IX, S. 186ff.

[39] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag; Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[40] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 79f.

[41] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[42] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[43] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[44] Ungarn: Schriftlich erwähnt werden „hussarones“  (ursprünglich Grenzsoldaten in den ungarischen Festungen) erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des  Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem einen Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Zur zeitgenössischen Einschätzung vgl. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456f. (1619): „Es ist zwar ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter; so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder“. Eine ganz ähnliche Klage findet sich auch in dem Wiener Bericht vom 27. Oktober [1619]: „Die Hungern haußen gar übel auch bei den Evangelischen sine omni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen alles, so erbärmlich ist; wann sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen“.

[45] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.

[46] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 811.

[47] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[48] Greußen [Kyffhäuserkreis].

[49] Clingen [Kyffhäuserkreis].

[50] Westgreußen [Kyffhäuserkreis].

[51] HAPPE II 265 r – 266 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[52] Großenehrich [Kyffhäuserkreis].

[53] Wenigenehrich [Kyffhäuserkreis].

[54] Rohnstedt [Kyffhäuserkreis].

[55] Ebeleben [Kyffhäuserkreis].

[56] Heringen [Kreis Nordhausen].

[57] Großmehlra [Unstrut-Hainich-Kreis].

[58] Holzthaleben [Kyffhäuserkreis].

[59] HAPPE II 268 v – 269 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[60] Montmédy [Frankreich; Dép. Meuse].

[61] Thionville [Span. Niederlande, heute Dép. Moselle; Frankreich].

[62] Quesnoy [Le Quesnoy; Frankreich, Dép. Nord].

[63] Avesnes-Chaussoy [Frankreich, Dép. Somme].

[64] Guise [Frankreich; Dép. Aisne].

[65] Hesdin [Frankreich; Dép. Pas-de-Calais].

[66] Durlan [Frankreich; Dép. ?]: nicht identifiziert.

[67] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 864.

[68] Givet [a. d. Maas; Frankreich, Dép. Ardennes].

[69] Charlemont [Ortsteil von Givet an der Maas, Belgien].

[70] Philippeville [Belgien; Provinz Namur].

[71] Marienbourg [Belgien; Provinz Namur].

[72] Metz, Bistum u. Stadt, [Frankreich; Dép. Moselle].

[73] Verdun [Frankreich, Dép. Meuse].

[74] Mouzon [Frankreich; Dép. Ardennes].

[75] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 876; Juois [im ehemaligen Herzogtum Luxemburg, am Fluss Chiers].

[76] Schüttenhofen [Sušice, Bez. Klattau]; HHSBöhm, S. 558.

[77] Arkebusier: Leichter, mit einer Arkebuse bewaffneter Reiter, eigentlich berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß). Die Arkebuse (später Karabiner genannt) war ein kurzes Gewehr, eine Waffe für bis zu über 100 g schwere Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Sie erhielt ihren Namen vom hakenförmigen Hahn der Luntenklemme, der das Pulver in der Zündpfanne entzündete. Gerüstet war der Arkebusier mit einem Kürass aus schussfreiem Brust- und Rückenstück (dieses wurde mit 11 Rt. veranschlagt) oder auch nur dem Bruststück. Seitenwehr war ein kurzer Haudegen, in den Sattelhalftern führte er 1 – 2 Pistolen. Er wurde zumeist in kleineren Gefechten oder für Kommandounternehmen eingesetzt. In den Schlachten sollten sie die Flanken der eigenen angreifenden Kürassiere decken und in die von ihnen geschlagenen Lücken eindringen. Er erhielt als Verpflegung die Hälfte dessen, was dem Kürassier zustand, zudem auch weniger Sold. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 464 ff. Des öfteren wurden Arkebusierregimenter, wenn die Mittel vorhanden waren, in Kürassierregimenter umgewandelt.

[78] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 961.

[79] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 970.

[80] Kohljanowitz [Uhlířské Janovice; Bez. Kuttenberg]; HHSBöhm, S. 278f.

[81] Kauřim [Kouřim, Bez. Kolin]; HHSBöhm, S. 257ff.

[82] Kuttenberg [Kutná Hora]; HHSBöhm, S. 307ff.

[83] Janowitz [Janovice, Bez. Freudenthal]; HHSBöhm, S. 226f.

[84] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.

[85] Brandeis a. d. Elbe [Brandýs nad Labem, Bez. Prag-Ost]; HHSBöhm, S. 62f.

[86] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 971.

[87] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf Nr. 977; Kolin [Kolín]; HHSBöhm, S. 280ff.

[88] Jizera (deutsch Iser, polnisch Izera), rechter Nebenfluss der Elbe in Tschechien.

[89] Draschitz [Dražice, Bez. Jungbunzlau];HHSBöhm, S. 115f.

[90] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[91] Böhmisch Leipa [Česká Lípa]; HHSBöhm, S. 57f.

[92] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[93] Raudnitz [Roudnice nad Labem, Bez. Leitmeritz]; HHSBöhm, S. 511ff.

[94] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[95] Böhmisch Aicha [Český Dub, Bez. Reichenberg]; HHSBöhm, S. 44.

[96] Turnau [Turnov, Bez. Semil]; HHSBöhm, S. 633f.

[97] Deutsch Gabel; [Německé Jablonné; seit 1650 Jablonné v Postještě]; HHSBöhm, S. 109f.

[98] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[99] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 360.

[99a] JAHNEL, Der dreißigjährige Krieg in Aussig, S. 94.

[100] Allendorf; HHSD IV, S. 33f. [unter Bad Sooden-Allendorf (Kr. Witzenhausen)].

[101] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[102] Kapitän (schwed. Kapten): Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste.  Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[103] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 200f.

[104] Hann. Münden; HHSD II, S. 333f.

[105] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[106] Vgl. REIMANN, Goslarer Frieden.

[107] Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.

[108] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[109] Gleichen [Kreis Eichsfeld].

[110] Gleichenstein [Kreis Eichsfeld]

[111] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[112] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 600.

[113] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 300.

[114] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 227; Duderstadt; HHSD II, S. 123f.

[115] Sondershausen [Kyffhäuserkreis].

[116] HAPPE II 447 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[117] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[118] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 133; Braunau [Broumov]; HHSBöhm, S. 63ff.

[119] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[120] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[121] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1315.

[122] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1444.

[123] Landeshut [Kamienna Góra; Schlesien]; HHSSchl, S. 261ff.

[124] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[125] Schönau [Kromolin, Kr. Glogau]; HHSSchl, S. 481.

[126] Löwenberg [Lwówek Śląski]; HHSSchl, S. 296ff.

[127] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1503.

[128] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[129] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1505.

[130] Konstanz; HHSD VI, S. 419ff.

[131] Ravensburg; HHSD VI, S. 644ff.

[132] Überlingen; HHSD VI, S. 807f.

[133] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[134] Vgl. IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[135] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[136] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt: Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[137] Petarde: durch „Petardiere“ angebrachte Sprengladung, die am Tor oder an einer Brücke mit einem Brett angeschraubt oder aufgehängt und mit einer Lunte gezündet wird. Dabei kommen auf 50 Pfd. Metall 4 Pfd. Pulver. Damit wurden Festungsringe an Schwachstellen aufgesprengt, ohne die Wehranlage zu zerstören. Durch die Bresche drangen Sturmtruppen ein, während die aufgesprengten Eingänge zum eigenen Schutz schnell wieder geschlossen werden konnten, wenn der äußere Ring u. die Festung oder das Schloss erobert waren.

[138] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Der schwer bewegliche Tross und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S.19.

[139] APW II C 4/1, Nr. 2: Wrangel an J. Oxenstierna, Hauptquartier Saaz, 1647 IX 18/28.

[140] APW II C 4/1, Nr. 1: Wrangel an J. Oxenstierna, Hauptquartier Saaz, 1647 IX 16/26.

[141] Feldmarschall: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl., die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[142] Zeitz; HHSD XI, S. 519ff.

[143] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 170, fol. 255: Holzappel an Enckevort, Hauptquartier Elterlein, 1647 X 18.

[144] Buxheim; HHSD VII, S. 122.

[145] Generalwachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor“ bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig.

[146] Hart, heute Stadtteil von Memmingen.

[147] Memmingerberg [LK Unterallgäu].

[148] Mindelheim; HHSD VII, S. 450ff.

[149] Grünenfurt, Weiler von Memmingen.

[150] Amendingen, heute Stadtteil von Memmingen.

[151] Egelsee, heute Stadtteil von Memmingen.

[152] Leutkirch im Allgäu; HHSD VI, S. 466ff.

[153] FURTENBACH, Ober-Ländische und Straff-Chronic, S. 172.

[154] HÖFER, Ende, S. S. 115f.

[155] Vgl. MÜLLER, Das Leben; BURSCHEL, Himmelreich und Hölle; PETERS, Söldnerleben; PETERS, Söldnerleben (2. Aufl.).

[156] Kartaune, halbe: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5 – 11,5 cm), schoß 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt.

[157] Feldschlange: Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34faches Kaliber (10, 5-11, 5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt.

[158] Feuerkugel: Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.

[159] Feuermörser: grobes Geschütz der Belagerungsartillerie, mit dem Bomben, Karkassen (aus glatten Rohren abgefeuerte Brandgeschosse, die aus einem schmiedeeisernen, mit Leinwand ummantelten und mit einem Brandsatz gefüllten Gerippe bestehen) und andere Feuer-Kugeln (Geschosse mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung) im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnten.

[160] Durch die Zündlöcher hineingetriebene Nägel machten die Geschütze unbrauchbar.

[161] PETERS, Söldnerleben, S. 185f.; Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[162] In einem geheimen Brief vom 28.10. bat der Rat Memmingens die Ulmer um Hilfe. Über 3.000 Kanonenschüsse und 200 Feuerballen, dazu 100 glühende Kartaunen waren in die Stadt geschossen worde. ZILLHARDT, Zeytregister, S. 217, Anm. 449.

[163] Regimentsstück: leichtes Feldgeschütz, durch Gustav II. Adolf eingeführt, indem er jedem Infanterie-Regiment ständig zwei leichte Geschütze zuordnete. Die Bedienung übernahmen erstmals besonders eingeteilte Soldaten. Die Regimentsstücke waren meist 3-Pfünder-Kanonen. Sie wurden durch eine Protze im meist zweispännigen Zug, gefahren vom Bock. d. h. der Fahrer saß auf der Protze, beweglich gemacht. [wikipedia]

[164] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 171, fol. 44-45: Enckevort an Holzappel, HQ Buxheim, 1647 XI 05.

[165] Klafter: 1 Klafter entspricht etwa 2,5 bis 3 m3, als Längenmaß: 1 Klafter entspricht 6 Fuß, also etwa 1,80 m.

[166] Trompeter: Eigener gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.

[167] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag; Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[168] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, daß wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, daß wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; Theatrum Europaeum Bd. 4, S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck u. Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Der Hofer Chronist Rüthner weiß zu berichten, dass Borri fünf seiner Soldaten eigenhändig erstochen habe, die beim Plündern gefasst wurden; KLUGE, Hofer Chronik, S. 192: „Den 8. juni ist Zwickau mit accord übergegangen und aufgegeben worden, jedoch in auszug der schwedischen darinnen gelegene soldaten der accord nicht allerdings gehalten und fast meistentheils spoliret worden, unangesehen der kayßerliche general Borey 5 seiner eigenen leute über den raub erstochen“.

[169] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[170] Leipheim [LK Günzburg]; HHSD VII, S. 401.

[171] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[172] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.

[173] Suhl; HHSD IX, S. 426ff.

[174] HÖFER, Ende, S. 118ff.

[175] HÖFER, Ende, S. 127f.

[176] Nördlingen; HHSD VII, S. 525ff.

[177] Nach PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, zitiert bei SCHMIDT, Der Aischgrund, S. 45.

[178] Remontierung: Wiederaufstellung und -ausrüstung von Truppen.

[179] Vgl. LAHRKAMP, Bönninghausen.

[180] Lindau; HHSD VII, S. 414ff.

[181] Asperg; HHSD VI, S. 29ff.

[182] Rottweil; HHSD VI, S. 676ff.

[183] Offenburg; HHSD VI, S. 607ff.

[184] Wülzburg; HHSD VII, S. 835f.

[185] Bad Windsheim; HHSD VII, S. 63f.

[186] Weißenburg; HHSD VII, S. 799ff.

[187] Rothenburg [Kr. Saalekreis/Bernburg]; HHSD XI, S. 396f.

[188] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.

[189] Ochsenfurt; HHSD VII, S. 557.

[190] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 356f.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Ruebland [Rübländer, Rübeland, Rübelant, Rubland, Rutlandt], Johann Christoph Freiherr von der [de]

Schmidberg [Schmiedberg, Schmidtberg, Schmidtberger, Schmiedeberg, Schmiedeberger, Smidberger, Schmitberger, Smidberger, Smitsberg], Ludwig von

Schmidberg [Schmiedberg, Schmidtberg, Schmidtberger, Schmiedeberg, Schmiedeberger, Smidberger, Schmitberger, Smidberger, Smitsberg], Ludwig von; Generalmajor [1594 Weißenburg-1657 Lehrensteinsfeld]

Schmidberg, Ludwig vonDer aus Weißenburg[1] stammende Ludwig von Schmidberg [Schmiedberg, Schmidtberg, Schmidtberger, Schmiedeberg, Schmiedeberger, Smidberger, Schmitberger, Smidberger, Smitsberg] [1594 Weißenburg-1657 Lehrensteinsfeld] wahrscheinlich ein schwäbischer Adliger, diente möglicherweise 1617 als Rittmeister[2] im Regiment[3] des Obristen[4] Bernhard Schaffalitzki zu Mukadel[5] der Republik Venedig.[6]

1628/1629 stand er als Kapitän[7] in den holstein-gottorfischen Diensten Friedrichs III.[8] und lag unter dem Befehl des Statthalters von Friedrichstadt,[9] Adolf von Wael,[10] in der Lither Schanze.[11] Am 6.5.1629 nahm Sir Charles Morgan[12] mit englisch-dänischen Truppen die Schanze. „Van Wael konnte sich mit Kapitän Schmidtberg über die Zweckmäßigkeit der Maßnahmen nicht einigen. Beide gerieten in Streit, während die Soldaten in der Schanze die Waffen niederlegten und ihren rückständigen Sold[13] verlangten. Die außerhalb des Werkes stehenden Kaiserlichen verhielten sich völlig neutral und sahen nur dem Spektakel zu. Die fürstlichen Soldaten liefen über und wurden in die königlichen Truppen[14] eingereiht, die kaiserliche Kompanie[15] ließ sich vorübergehend internieren“.[16] Nach dem Frieden von Lübeck[17] 1629 scheint er in schwedische Dienste[18] getreten zu sein.

Im Dezember 1631 stand Schmidberg als Obristleutnant[19] in der Entourage des schwedischen Feldmarschalls[20] Gustaf Horn[21] bei der Belagerung und anschließenden Besetzung von Heilbronn.[22] Horn zog nach der Besetzung mit einem Großteil der schwedischen Truppen bereits am 25.12.1631 weiter. Schmidberg wurde Stadtkommandant von Heilbronn und verfügte über 500 Mann.[23]

Schmidbergs Aufgabe bestand insbesondere darin, die Befestigungen Heilbronns auszubauen. Im Januar 1632 ließ er Schanzen vor dem Sülmertor und ein Bollwerk an der Nordostecke der Stadt anlegen. Im März 1632 wurde auf seinen Befehl das vor den Toren der Stadt gelegene Heilbronner Karmeliterkloster abgerissen, da es den Schweden bei der Belagerung der Stadt gute Dienste geleistet hatte und dem Feind nicht mehr dienlich sein sollte.[24] 1632 beschenkte Gustav II. Adolf Schmidberg mit den Gütern von Hans Heinrich von Ehrenberg,[25] die Schweden in diesem Krieg annektiert hatte. Schmidtberg scheint diese Donation[26] jedoch nie in Besitz genommen zu haben, nach der Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen 1634[27] wurde sie dann ohnehin gegenstandslos.

Er führte als Obrist ein Regiment „teutscher Franzosen“,[28] später wurde er französischer Generalmajor.[29]

Nach der Schlacht bei Nördlingen beklagte sich Pfalzgraf Ludwig Philipp,[30] der Bruder Friedrichs V.[31] und Administrator der Pfalz, aus Frankenthal[32] bei dem schwedischen Reichskanzler:[33] [ Abb. links] „Dem Obristen Plato[34] sei zwar das Amt Neustadt[35] allein angewiesen worden, aber der Obrist Schmidtberger habe mit drei Kompanien in Genheim (wohl Gönnheim)[36] ohne Begrüßung bei dem Pfalzgrafen Quartier genommen, weder seine noch der königlichen Witwe Häuser, Witwengefälle, Untertanen mit Plündern[37] und Rauben verschont. Dabei ‚pressten sie den armen Leuten ganz unmögliche, der Konföderation zuwiderlaufende Löhnungen[38] aus und wollten dem Anschein nach seinen unschuldigen Pupillen,[39] wie auch eigenem Land und Leuten den Garaus machen …’ Man sei von diesem ‚Freundesvolk’ so bedrückt, daß ‚man die Pferde nicht mit Sicherheit vor das Tor bringen könne’ usw. usw. Oxenstierna fand keine bessere Erwiderung als die: Wenn ihm der Pfalzgraf nicht auf andere Weise beistehen könne, so möge er ihn in Zukunft mit solch bitteren und unverdienten Schreiben verschonen … Immerhin aber verließen die schwedischen Garnisonen[40] das Elsaß und überließen es Frankreich ‚zur Verwahrung’“.[41]

„Wenige Tage vorher trat übrigens an Holtz[42] noch ein verlockender Antrag heran. Der französische Oberst von Schmidtberg wollte denselben veranlassen, wenn das Regiment abgedankt, mit 4 bis 5 auf französischen Fuss gesetzten Compagnien,[43] gegen 1000 fl Werbegeld[44] für jede Compagnie, in französische Dienste zu treten und jene innerhalb 8 bis 10 Tagen nach Elsasszabern[45] zu stellen. Die eine Hälfte der Summe sollte gleich, die andere nach Präsentirung des Volks bezahlt werden. Holtz wies aber den Antrag zurück; er wollte den Fremden nicht dienen. In einem Schreiben an den oben erwähnten Obersten Oepp[46] spricht er sich darüber folgendermassen aus, dass er diessmal mit keinem kriegführenden Theile etwas mehr zu thun haben wolle, sondern dass er sich jetzt gänzlich selbiger Actionen entschlagen, ‚da ich doch überaus treffliche offerirte gute Mittel gehabt habe, noch vor Abdankung meines Regiments, bei der Kron Frankreich mich damit zu employren und zu weiteren Kriegsdiensten einzulassen. Aber wie ich vorvermelter Massen nie keinem ausländisch frembden Stand zu dienen begehrt, also habe ich’s auch solchesmal nicht thun wöllen, wird mich auch künftighin die Tag meines Lebens niemand darzu bringen oder bewegen mögen’. Er habe die Absicht, nunmehr auf seine Güter zu gehen ‚und selbe zu besitzen’ “.[47]

800 Mann des Regiments Heinrich von Metternich[48] waren nach dem Fall Speyers[49] am 21.3.1635 in sein Regiment eingetreten. „Inzwischen nahmen die um Güglingen[50] liegenden bayerischen Truppen immer mehr ab. Ständig waren sie gegen die von Mannheim[51] und Heidelberg[52] aus operierenden Schweden[53] im Einsatz. Doch auch diese befanden sich in einer schwierigen Situation. In der Festung Mannheim bestand mehr als die Hälfte der Besatzung von ca. 2000 Mann aus ehemals bayerischen Soldaten, die in Speyer gefangengenommen worden waren und nur auf eine Gelegenheit warteten, wieder überzulaufen. Als der Mannheimer Kommandant Oberst Schmidberg am 19.5. mit 500 Soldaten, unterstützt von 2.000 Reitern, die von einer kaiserlichen Garnison besetzte Stadt Gernsheim[54] angriff, überschritt Werth[55] bei Wieblingen[56] (zwischen Heidelberg und Mannheim) mit zwei Dragonerregimentern[57] den Neckar, woraufhin die Schweden sich eilends wieder auf Mannheim zurückzogen“.[58] „Am 10.9. ergab sich die französische Garnison in Mannheim unter Oberst Schmidberg dem kaiserlichen Regiment Pappenheim[59] gegen freien Abzug nach Hagenau,[60] allerdings gegen Hinterlassung der Fähnlein[61] und Niederlegung des Obergewehrs.[62] Am Tag darauf zogen Schmidbergs Soldaten (ca. 400 Mann) aus der Festung und verließen als letzte feindliche Truppen die bayerische Unterpfalz“.[63]

An der Schlacht bei Wittenweier[64] 1638 nahm Schmidtberg teil. Der Kriegsteilnehmer und spätere Kommandant von Weiden,[65] Augustin von Fritsch,[66] berichtet:  … „deß morgens gar früe, ist der Kayl. General Sauell[67] mit der Afantquarti voran uf Wittenweyer gangen, da dann daß vfgeladene Prouiant vnnd alle Pagage[68] gefolgt, alda man vnns ein baar stundt rassten lassen, vnder dessen hören wür mit Stückhen[69] schiessen, vnd khombt Posst, der Feindt were vf vnser afantquarti khommen, hetten In auch nicht vernommen, biß er mit Stückhen vnder sie gespillet,[70] darauf wür mit vnserer retroquardi, worinnen fast die bösste Regimenter bestanden, in aller Eyl, vnnd waß die Soldaten lauffen khönnen fortmarchirt, vnd da wür durch die Landtwöhr[71] khommen, haben wür zur rechten handt gesehen, daß vnsere Regimmenter von der Affantquarti durchgehen, da wür nun mit vnsern Regiment avansirt, ist General Sauelli neben den Kayl. Obristen zu vnß geritten khommen, vnnd zu meinen Obristen, als dem von Reinach[72] gesagt, herr meine Völckher seint geschlagen, dorten in den heckhen ist der Feindt, darauf wür alsobalden loßgangen, dieselben welches 2. Regiment zusammen gestossen, als deß Generalwachtmaisters Schmidtbergs, vnd ein Französisch gewesen, dieselben auß Iren orthl geschlagen, vnnd gleich 4. Schwarze vnnd weisse Fänhl von Inen bekhommen, vnnd haben wür solchen Posto den ganzen nachmittag manutenirt, vnd Innenbehalten, biß vnß herr Generalwachtmeister[73] von dar ab: vnd vf vnsern rechten flügl hinauf gefürth, da wür dann mit der Affantquardi welche general Götz[74] gefürth hat, biß es finster worden, gestandten, aber alsdann vngefehr vmb 10. Vhr in der nacht, sein wür vfgebrochen, vnnd die ganze nacht marchirt, da wür dann mit sambt den Tag zu Offenburg,[75] ich aber vnd mein Obristerwachtmaister[76] von hagenbach[77] vorhero erzähltermassen, ohne Gelt, vnd alles waß wür zuuor gehabt, ankhommen, dorten haben wür ein baar stundt geruhet, alsdann sein wür förders vf Oberkhürch,[78] da wür die nacht gelegen, khommen, vnd deß dritten Tags, wider fort yber den Schwarzwaldt nacher Neustättl[79] gangen, alda die officir daß ganze Rhathauß voll, welche in diser Occasion in der Affantquarti sich nicht wol verhalten, in den Arresst genommen worden“.[80]

Unter dem Befehl Bernhards von Sachsen-Weimar[81] avancierte Schmidberg im weiteren Verlauf des Krieges zum Generalmajor. Er war an der Belagerung der Festung Philippsburg[82] beteiligt und amtierte vorübergehend als Stadtkommandant von Speyer.[83] Nach dem Tode Bernhards von Weimar und dem Übergang von dessen Heer unter französische Herrschaft stand Schmidberg ab 1639 in französischen Diensten.

Der Jenaer[84] Chronist Beier hält fest: „17. Decembr. [1640; BW] Sein 62 große geschütze nach Jena komen v. haben des nachts vber vf der Landvesten gestanden gestanden; darauf ist den 18. Decbr. General Joan Baner[85] in Jena ankommen, v. in der guldenen Sonnen eingezogen; nach ihm sein den 19. Decbr. die franckzösischen oder weimarischen Völcker vnter den Generalmajor Christoff Fridrich Thubarten[86]  Feldmarschalken Schmiedebergen: Comte de Gabrian[87]: Graffen von Nassau,[88] obersten öhme,[89] damals hat oberster Koch[90] meinen Fischkasten[91] aufschlagen lassen v. ist mein Kellerhaus von 4 Musquetieren[92] aufgebrochen, welche aber Nicodemus Reuter, Commissarius mit bloser wehr abgetrieben hat“.[93]

1641 berichtete er Ludwig XIII.[94]  über das Kriegswesen im Elsass. 1645 kämpfte er unter Turenne[95] gegen die kaiserlichen Truppen.

In der Schlacht bei Herbsthausen[96] geriet Schmidberg in Gefangenschaft. „Marschall Turenne war am 26. März mit 8000 Mann, größtenteils Deutschen, auf einer Schiffbrücke bei Speyer über den Rhein gegangen und hatte, da Mercy[97] ohne ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten[98] ein Treffen scheute, sich mehrerer Orte in Franken und Schwaben bemächtigt; Ende April nahm er sein Hauptquartier zu Mergentheim.[99] Da er der kurbayerischen Armee somit ihre Musterplätze[100] und Unterhaltsmittel weitgehend entzog, erbat und erhielt Mercy von Maximilian den Befehl zum Angriff. Er sammelte seine Truppen um Feuchtwangen[101] und beabsichtigte, wie seinerzeit bei Tuttlingen[102] die Gegner unvermutet zu überfallen. Am Abend des 4. Mai marschierten die Bayern ohne Trommelschlag in tiefer Stille von Feuchtwangen ab, kampierten nachts in freiem Felde, brachen am 5. mit anbrechendem Tag wieder auf und stießen beim Dorfe Herbsthausen unweit Mergentheim auf die Feldwachen des Feindes.

Marschall Turenne hatte rechtzeitig seine Truppen alarmieren lassen und Zeit gefunden, mit dem Hauptteil seiner Armee eine Schlachtordnung zu formieren, so daß den Bayern die angestrebte Überraschung nicht völlig gelang. Er selbst stand mit dem Fußvolk auf dem rechten Flügel, angelehnt an ein Wäldchen und vor der Front durch tiefe Gräben gedeckt, während Generalmajor von Rosen[103] mit der weimarschen Kavallerie, die den linken Flügel bildete, auf einer Anhöhe Stellung genommen hatte. Unter dem Losungswort ‚Sancta Maria‘ rückte die bayerische Infanterie unter dem Kommando des Feldzeugmeisters[104] von Reuschenberg[105] auf dem linken bayerischen Flügel, welchen Jan von Werth befehligte, gegen Turennes Infanterie vor, – die Geländeverhältnisse erlaubten keine Kavallerieattacke – warf den Gegner mit Ungestüm über den Haufen und drang bis zum Dorfe Herbsthausen vor. Mit minderem Erfolg focht der rechte kurbayerische Flügel unter Sperreuter[106] und Gayling,[107] der beim Vorrücken durch Rosens Reiter zum Weichen gebracht wurde; in diesem Moment eilte der Obrist Hans Jakob Kolb,[108] der mit drei Reiterkompanien ‚noch dahinden gewest und in dieser Occasion einen sondern Ruhm verdient‘, ihm zur Hilfe, verstärkt durch etliche Regimenter, die Jan von Werth geistesgegenwärtig vom linken Flügel heranführte. Unter dem Anprall der bayerischen Reiterei wandten sich auch die weimarischen Regimenter zur Flucht, nachdem das Gefecht nur etwa eine Stunde gedauert hatte. Auf der Verfolgung wurde Rosen gefangen, Turenne, der vergeblich versucht hatte, mit der Infanterie im Dorfe Herbsthausen den Kampf zu erneuern, jagte nach Mergentheim zurück, mit mit zwei Reiterregimentern, die zu spät zur Schlacht gekommen waren, einen geordneten Rückzug zu decken. Beide Regimenter – sein Leibregiment[109] und das des Obristen Tracy[110] – wurden von der bayerischen Avantgarde angegriffen, in die Flucht geschlagen ‚und mehrerntheils ruinirt‘. Mercy ließ sammeln, sandte die Reiterei zur Verfolgung aus und rückte gegen Mergentheim, wo sich die Besatzung des festen Schlosses in Stärke von 200 Mann sogleich ergab.

Noch einmal hatten die Bayern einen großen Erfolg errungen; Turennes Armee bestand nicht mehr. Neben Rosen waren der französische Maréchal-de-Camp Schmidtberg und die Generalmajore de Bussy-Lameth[111] und Marquis du Passage[112] gefangen,[113] dazu 183 Offiziere und etwa 2500 ‚gemeine Reuter und Fußknecht‘;[114] sechs Geschütze sowie 59 Standarten[115] und Fahnen wurden erbeutet. Die ohne allen Zusammenhalt an Rhein und Main flüchtenden Trümmer der Armee wurden auf der Verfolgung ereilt und gefangen, andere gerieten auf einzelne, ohne Kunde der Niederlage marschierende kaiserliche oder bayerische Regimenter und wurden niedergemacht,[116] so Turennes zu Schwäbisch-Hall[117] gelegene Garnison,[118] die nicht am Treffen teilgenommen hatte, bei Sindringen[119] am Kocher, wo sie durch den Dragonerobristen Creutz[120] überfallen wurde. Die moralische Wirkung des Sieges war groß; zumal Werth hatte durch sein rechtzeitiges Eingreifen entscheidend zum Erfolg beigetragen. Von Mercys Armee waren 300 Mann gefallen, darunter der Obrist Beauvau[121] und drei Hauptleute.[122] Die Gefangenen wurden in bayerische Regimenter eingereiht.[123] Feldmarschall Mercy schrieb dem Kurfürsten, sie würden wohl gut tun müssen, ‚denn, wenn sie ausreißen sollten, will ich von ihnen brav aufhängen, auch selbige, wann es vonnöten, schon vorausschicken und totschlagen lassen‘ „.[124]

Schmidberg selbst wurde bis zur Auslösung in die Festung Ingolstadt[125] verbracht.

„Zu Deidesheim[126] ‚pernoctierten[127] 10. Sept. [1646; BW] 4 Kompagnien Dragoner[128] mit etlichem Fußvolk. Die daselbst gelegenen Schmidtbergischen wurden abgeführt, hingegen ein Fähnrich,[129] ein Sergeant,[130] zwei Korporale[131] und zehn Gemeine eingelegt. Das Schmidtbergische Regiment Dragoner pernoctierte dann 16. Sept. in Grombach,[132] wo es ziemlichen Schaden an Früchten und Wein zufügte‘ „.[133] „Am 27. November 1646 überfielen Soldaten des in schwedischen Diensten stehenden Regiments Schmidberger das von kaiserlichen Truppen besetzte Windecken.[134] Dabei gingen das Schloß und Teile der Kirche in Flammen auf. Die Bürger wurden ausgeplündert und das Vieh geraubt, das Bauern aus umliegenden Dörfern zur Sicherheit in die ummauerte Stadt gebracht hatten“.[135]

Nach dem Waffenstillstand zwischen Bayern und Frankreich 1647 kam Schmidberg wieder frei. Gleichzeitig kam Heilbronn wieder unter französische Besatzungsherrschaft, woraufhin Schmidberg dorthin zurückkehrte. Am 20.7.1647 waren die abgefallenen Weimarer (11 Regimenter, die den Marsch unter Turenne[136] nach Flandern verweigert hatten; die Soldzahlungen[137] waren wieder einmal ausgeblieben) unter ihrem Anführer, dem ehemaligen Jenaer Studenten Wilhelm Hempel,[138] über den Neckar gegangen. Nach der Chronik von Bietigheim[139] (Herzogtum Württemberg) war Hempel am 10.7. dort erschienen, ohne aber nach erfolgten „Repraesentierung der geringen Burgerschaft höchster Armuten“ große Ansprüche zu stellen. Doch waren das Schütz’sche[140] und Roßwurm’sche[141] Rgt zurückgeblieben und mussten vom 28.-30.7. (darunter 1.500 Dienst- und Bagagepferde) verpflegt werden: „Deswegen mancher Bürger, sogleich im Anfang umb sein Stücklein Brots kommen, von Haus zu gehen sich vernommen lassen“.[142]

Am 21.8.[1647; BW] erklärte sich die Reichsstadt Rottweil[143] für „gut katholisch“. „Die Besatzungen zu Offenburg[144] in der Ortenau und zu Aschberg [Asperg ![145]] hatten sich als ‚gut kaiserlich‘ erklärt. Dieselbe Erklärung hatte die Reichsstadt Rottweil mit ihrem bayrischen Kommandanten, dem Obristen Bißinger,[146] am 21. August ‚zu ihrem unsterblichen Ruhm‘ abgegeben. Das weiter in französischem Solde stehende weimarische Regiment Alt-Rosen, 400 Dragoner stark, hatte einen Angriff auf Rottenburg[147] am Neckar vor. Mit Bürgern Rottweils und seinen Soldaten überraschte Bißinger das sorglos dahinziehende Regiment ‚im freyen Veldt‘ – wohl in der Rast und ohne ausreichende Sicherung durch Feldwachen. Er ‚zertrümmerte‘ es in einem blutigen Gefecht: ‚… den Obristen Schlagmann[148] mit vier Schüssen verwundet, so bereits auch gestorben. Den Major,[149] drey Capitain[150] neben etzlich und zwainzig Underofficieren[151] und viel gemeinen Soldaten gefangen. Den Rest, was nicht ausgerissen, worunder zween Capitain, eztliche Leutenant[152] und Fendrichs,[153] niedergehauen und alle Bagage[154] bekommen‘ „.[155]

In einem Schreiben aus Überlingen[156] an den Kommandanten von Schweinfurt,[157] Steinecker,[158] vom 30.8.1647 hatte sich der dortige Kommandierende Volckmar[159] beschwert:

Vor dieses mahl laße Ich denselben wißen, das der Kays. Gen. vnd FeltZeugmeister Baron d’Enckevoir[160] sich mit etlichen Spanischen vnd Tyrolischen[161] Völckern aus dem Gebürge beÿ Hohen Embs[162] zusam̃en gezogen, vnd sich in der Bregentzer[163] Clause befinden thut, hat hin vnd wieder auff dem Lande die Leuthe zur Arbeit verschrieben, vmb solche demolirte Clause[164] wieder zu repariren; Inmittelst streiffet der von Chur-Baÿern abgetrettene Oberster zu Pferd, Caspar Schoch,[165]  mit seinem Regiment hin vnd wieder im Lande herumb, wodurch Er meine qvartier nicht wenig incommodiret,[166] vnd wie wol man Ihme solches gern verwehren wolte, so befinde Ich Mich dazu nicht bastant,[167] die Frantzosen vnterm conduicte[168] des Herrn Feltmarschallens Schmidberger habe Ich zwar dieser tagen zu einer assistence beruffen, seint auch albereit bis auff auff 6 stundt von Mir gewesen, das Ich vnd der H. Oberster Wiederholt[169] auff Hohentwiel[170] vnß mit Ihnen zu conjungiren gedacht, allein Ich weiß nicht aus was Vhrsachen bemelter Herr FeltMarschall seine intention geendert, vnd seinen marche wieder zu rügke genommen hat, sonsten diesen ietzigen Feindt bald hette gestewret werden sollen, hoffe aber noch, weil des H. Gen. vnd FeltMarschallens Excell. ohne diß resolviret, einige trouppen von der armeë herauff zu schicken, das dieser Krieg bald ein ende nehmen werde“.[171]

„Französische Truppen unter einem General Schmidtberg standen am Oberrhein, sie waren Turenne nicht nach Flandern gefolgt. Eine Zeitlang hat die Gefahr ihrer Vereinigung mit der starken schwedischen Besatzung von Überlingen[172] bestanden. Erste Anzeichen hatte ein Agent an Enkevoer bereits vor dem 31. August gemeldet:[173] der schwedische Kommandant von Benfeld[174] (linksrheinisch, südlich Straßburg) habe Infanterie und Kavallerie über den Rhein geführt, um zu den Truppen Schmidtbergs zu stoßen. Enckevoer vermutete, daß diese schwedischen Truppen nach ihrer Vereinigung mit den französischen Schmidtbergs das Tal der Kinzig aufwärts marschieren wollten, um über Villingen[175] und Donaueschingen[176] den Bodensee zu erreichen. Die schwedische Absicht war offensichtlich. Die ‚kleinere‘ Vereinigung schwedischer Truppen von links des Rheins mit französischen rechts des Rheins sollte den Anstoß geben, sich – gemeinsam – zur ‚größeren‘ Vereinigung mit der Besatzung Überlingens in Bewegung zu setzen. Weitere französische Truppen aus Breisach[177] konnten dazu stoßen. Die schwedische Absicht scheiterte schon im Ansatz.

Zu diesem kaiserlichen Erfolg haben die Stadt Rottweil[178] und ihr Kommandant einen wesentlichen Beitrag geleistet, als sie das Regiment Alt-Rosen aufrieben. Die hohen Verluste des Regiments, detailliert von Enckevoer genannt, waren für Schmidberg ein Grund, den Marsch zum Bodensee nicht anzutreten. Bei der Aktion Bißingers[179] und der Bürgerschaft Rottweils hat es sich nicht um eine der häufigen ‚Razzien‘ von nur lokaler Bedeutung gehandelt, die ebenfalls vorgenommen wurden. Nur weil sich die gesamte Reichsstadt ‚gut kaiserlich‘ erklärt hatte, konnte Bißinger eine Aktion solchen Umfangs wagen, war doch der Waffenstillstand zwischen dem Kurfürstentum Bayern und dem Königreich Frankreich nach wie vor in Kraft. Zwischen der Bürgerschaft Rottweils und der Besatzung muß ein gutes Verhältnis geherrscht haben, sonst wäre die bayrische Besatzung wohl nicht dem Beispiel der kaisertreuen Stadt gefolgt“.[180]

Am 8.6.1648 erschien Schmidberg zusammen mit Obrist Ehm[181] sowie einem Infanterieregiment und einer Abteilung Kavallerie in Bruchsal:[182] „Ohnangesehen die Völker meistens schon trunken waren, haben sie noch 5 Ohm[183] von Jhro kurf. Gn. Wein geleert und an den meisten Häusern Thüren und Läden ausgehauen“.[184] Am 10.11.1648 kam er zusammen mit Turenne und Ehm in Heilbronn an.[185]

„Die Garnison [in Lauingen;[186] Herzogtum Neuburg; BW] muss trotz der Abführung des Rauchhaupt’schen[187] Regimentes noch beträchtlich gewesen sein. Die Bürgerschaft musste im November eine sechsfache Anlage aufbringen (= 3000 fl.), im Dezember eine zehnfache (= 6000 fl.), im Januar 1649 eine zwölffache (= 7000 fl.), im Februar ebenso. Als daher die Regierung zu Neuburg[188] im Januar an die Stadt das Ansuchen stellte, für die fürstliche Kammer ein Anlehen von 3000 fl. zu bewerkstelligen, musste man antworten, es seien weder Mittel noch Wege dazu vorhanden. Am 25. Februar wurde das Herzogtum Neuburg der Stadt Lauingen zur Beihilfe assigniert. Im März und April war der Stadtschreiber bald in Ulm[189] bei den schwäbischen Kreisständen, um die ausständigen Beihilfegelder einzutreiben, bald in Heilbronn bei Generalfeldmarschall Schmidberger, um die Beschwerden der Stadt vorzubringen. Man wurde vertröstet, dass im Mai die »evacuation« der Völker erfolgen werde. Infolgedessen wurde dem Kommandanten eine silberne vergoldete Kanne mit 400 Dukaten (= 1380 fl.) und seinem secretari 50 Reichstaler (= 75 fl.).

Die Freude war leider etwas verfrüht, an die Entfernung der französischen Okkupationstruppen konnte vorläufig noch nicht gedacht werden. Im April entstand sogar ein heftiger Streit zwischen dem Kommandanten und dem Rat der Stadt. Ersterer blieb trotz der Gegenbefehle des Marschalls Schmidberger auf seinen alten Forderungen stehen. Als der Rat deren Erfüllung verweigerte, liess der Kommandant sofort die Exekution[190] in Kraft treten. Die 4 Stadttore wurden gesperrt und den Ratsherren das Betreten des Rathauses verboten. Der Dekan Pistorius vermittelte dahin, dass wenigstens die Exekution wieder aufgehoben wurde. Im Laufe der Verhandlungen wurde auch eine Verpflegungsordre vereinbart, welche am 21. April in Kraft trat. Von den bereits eingenommenen Tractamentsgeldern[191] gab der Kommandant nichts mehr heraus. Gundelfingen[192] hatte in diesem Monat 600 fl. Contribution[193] zu leisten.

In Lauingen stieg die Not immer höher. Schon anfangs Mai betrug der Ausstand von Contributionsgeldern seitens leistungsunfähiger Bürger bei 1200 fl. Es wurden deshalb einige Personen in Haft genommen. – Wegen Mangel an Lebensmitteln wurde den Pfründnern im Spital die Hälfte ihres Brotes entzogen. Die Stadt konnte ihre Beamten und Lehrer nicht mehr besolden. Die Ernte dieses Sommers (1649) fiel sehr spärlich aus. Der Zehent zu Dattenhausen[194] und Unterbechingen[195] brachte kaum ein Sechstel des normalen Ertrages ein. Am 17. September wurde zur Verhütung einer Teuerung verboten, Getreide nach auswärts zu verkaufen. – Die Strassen waren noch so unsicher, dass man die Nördlinger[196] Messe nicht besuchen konnte.

Schon im Mai wurde von seiten des Rates eine Deputation an die französischen Gesandten nach Nürnberg[197] geschickt, sie erhielt die Vertröstung, »die evacuierung der Stadt werde mit ehistem erfolgen«. Da dieses Versprechen sich gar bald als eitel Dunst erwies, so wurde die Bürgerschaft ungeduldig. Die Kerzenmeister versammelten sich ohne Erlaubnis des Rates und schickten 4 Bürger nach Heilbronn zu Generalfeldmarschall Schmidberger. Es ging unter der Bürgerschaft das Gerücht, der Rat habe an Contributionsgeldern 1500 fl. mehr eingehoben, als nötig gewesen wäre. Rat und Kommandant waren mit diesem eigenmächtigen Vorgehen der Zünfte sehr übel zufrieden. Die vier Gesandten wurden nach ihrer Rückkehr in den Turm gelegt, nach einigen Tagen (15. Juni) aber auf Fürbitte des Dekans wieder ihrer Haft entlassen“.[198]

1649 wurde Schmidberg von Turenne zum Oberbefehlshaber über alle französisch besetzten Orte im Reich erhoben und erwarb den Ort Lehrensteinsfeld[199] sowie Anteile von Adersbach[200] und Ittlingen.[201] Unter dem 20.2.1649 heißt es aus Heilbronn: „Turenne kommt mit großem Gefolge und seinem ganzen Stab[202] hier durch, um zur Teilnahme am Krieg der Fronde[203] gegen Hof und Regierung (Mazarin)[204] nach Frankreich abzugehen und führt einen Teil der hiesigen Besatzung hinweg, so daß noch 265 Mann unter dem Kommandanten de la Roche[205] zurückbleiben. Schmidberg, der das Kommando über sämtliche von den Franzosen besetzten Plätze erhalten hat, wird von Mazarin aufgefordert, dem König treu zu bleiben, da es mit der Macht des Herrn von Turenne aus sei. Der Kommandant de la Roche quält und peinigt Rat und Bürgerschaft auf jegliche Weise, besonders durch Entziehung der Thorschlüssel und Sperrung der Thore, wodurch der Gelder zu erpressen weiß“.[206]

Seinen Altersruhesitz nahm er im Schloss Lehrensteinsfeld.[207] Lehrensteinsfeld_Rosenzweig[Abb. rechts: Rosenzweig] Zumindest ein Teil des Ortes war 1535 im Besitz von Philipp von Gemmingen, welcher auch 1540 das Schloss erbauen ließ. 1591 kam durch die Heirat von Philipp Dietrich von Gemmingen mit Barbara von Mentzingen ein weiterer Teil des Ortes zu den Gemmingen. Die Gemmingen konnten ihren Besitz und ihre Rechte am Ort durch Zukäufe auch vergrößern, jedoch zersplitterte der Besitz durch Erbteilung und wurde unrentabel, so dass die Ganerben Johann Leonhard von Mentzingen, Weiprecht von Gemmingen und Johann Schertel von Burtenbach das Schloss samt Dorf 1649 an den im Dreißigjährigen Krieg vermögend gewordenen Schmidberg verkauften. Hierbei wurden Schloss und Dorf als „freiadelig“ bezeichnet.[208]

Unter dem 19.4.1650 wird aus Heilbronn berichtet: „Auf den Ruf Turennes aus Frankreich, der den Frondekrieg weiter führt, verlässt der Kommandant de la Roche mit dem größten Teil der französischen Besatzung die Stadt, in welcher nur noch 30 Mann zurückbleiben. Aber ehe noch die Stadt einen Entschluß fassen und durch Ueberrumpelung der wenigen Soldaten sich selbständig stellen konnte, hat Schmidberg wieder auf 300 Mann verstärkt. Nachdem am 16./26. Juni in Nürnberg[209] der Friedensexekutionshauptrezeß[210] feierlich subscribiert und publiziert war, erfolgte den 5./15.Juli der Abzug der französischen Besatzung, und an demselben Tag ziehen die Kurpfälzer, ca. 400 Mann stark, hier ein“.[211]

Ein später tragischer Nachklang findet sich in der Bietigheimer[212] Chronik für 1650: „Den 6. Julii ist die Stadt Hailbronn evacuiert worden und der darinnen gelegene Herr General Maior Schmidberger Französischer Weinmarischer Armee mit seinen Underhabenden Fueßvölkern allhier [Bietigheim; BW] über die Brücken geraist und seinen march über sich Lewenberg[213] und dem Rhein zue genommen. In währendem solchem march ist ein abgedankter Bayerischer Trommenschlager[214] in die Kronenwirts Behausung kommen und mit etlichen Schmidbergischen Soldaten Sprach gehalten, auch sich zue den selben auf die Auwisen hinaus verfüegt. Der ward bey dem Schmidbergischen Hauptmann Heelin[215] angegeben, als ob er das Volk in Frankreich zuo marchiren verlaiten und abwendig machen wollte. Deswegen ermeldeter Heelin gleich ohne verhört des Trommenschlagers auf ihn dargeritten und ihne mit dem Pistol zu Boden geschossen. Weiln er aber von solchem Schuß nicht gebliben und wider ufgestanden, in die Enz gesprungen und im Wasser sich zue salvieren gemeint, als ist besagter Heelin ererst in ein Fischerschifflein gestanden und ihme Trommenschlager zugefahren, den er ohne alle Barmherzigkeit wie ein Hund mit der Pardisanen[216] im Wasser vollends nidergemacht und erstochen. Und hat man nachgehends uber seinem Abschid ersehen, daß er Geörg Wenckelmann gehaißen, gebürtig von Libeck“.[217]

1651 wurde Schmidberg aus französischen Diensten entlassen. Daraufhin widmete er sich dem Ausbau der Ortsherrschaft in Lehrensteinsfeld. Er versuchte, Lehrensteinsfeld zu einem selbstständigen ritterschaftlichen Besitz auszubauen. Wahrscheinlich siedelte er Neubürger an, da der Ort wie alle umliegenden Orte nach dem Dreißigjährigen Krieg durch Kriegseinwirkungen und die Pest stark entvölkert war. Schmidtbergs hohe Gerichtsbarkeit über Lehrensteinfeld wurde 1650 und 1659 von den Kaisern Ferdinand III. bzw. Leopold bestätigt.

Schmidberg starb 1657 im Alter von 63 Jahren[218] und wurde in der Gruft der alten Laurentiuskirche in Lehrensteinsfeld begraben.

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Weißenburg i. Bayern [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 799ff.

[2] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute und Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[3] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[4] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – und aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen und Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[5] Bernhard Schaffalitzky [Schafelitzky] zu Mukadel [„Mückenthal“] [31.8.1591 Brackenheim-21.10.1641 Paris], französischer Generalmajor. Vgl. den Beitrag von Jörg WÖLLPER in den „Miniaturen“ unter schaffalitzky-zu-mukadel-bernhard-von.

[6] HANNA, Die Ritteradligen von Hutten, S. 509.

[7] Kapitän [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. sein Anteil aus Beute und Ranzionierung betrug pro 1.000 Rt. Erlös  59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156.Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[8] Friedrich III. Herzog v. Schleswig-Holstein-Gottorf [22.12.1597 Gottorf-10.8.1659 Tönning].

[9] Friedrichstadt [Kreis Nordfriesland]; HHSD I, S. 62ff.

[10] Adolf van Wael [ – ], Statthalter v. Friedrichstadt.

[11] Schanze: geschlossenes, auf dem Feld angelegtes Erdwerk, zur Belagerung und zur Verteidigung. Schanzgräber waren für die Anlage von Belagerungs- und Verteidigungswerken zuständige Arbeiter (Schanzbauern), die im Tross des Heeres mitzogen und dem Schanzmeister unterstanden. Sie waren weitgehend verachtete Menschen, die in der sozialen Hierarchie der Heere nur wenig über den Prostituierten standen und schlecht bezahlt wurden. Nach DILICH, Krieges-Schule, S. 42, hatte der Rumormeister „Huren und Buben“ zu dieser Arbeit zu zwingen. Auch verurteilte Straftäter wurden zu Schanzarbeiten herangezogen. Diese „Condemnatio ad opera publica“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Bürger und Geistliche der besetzten Städte sowie Klosteruntertanen, die zu diesen Arbeiten verpflichtet bzw. dafür ausgelost wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig und entzogen sich ihr durch die Flucht. Zum Teil wurden Kinder ab 12 Jahren zu dieser harten Arbeit eingesetzt, ganze Schulklassen dazu getrieben. Vgl. auch die Beschreibung der Drangsalierung der Bürger Iglaus 1647 bei STERLY, Drangsale, S. 64f.. Um seine eigenen Truppen zu schonen, zwang Johann von Götz bei der Belagerung der Feste Marienberg (Würzburg) eine große Anzahl von Bauern der Umgebung, Schanzarbeiten zu verrichten, ‚vnd die Stücke, die Er mit Pferden nicht dahin bringen konnte, hinauffzuziehen: Worüber dan viele todt geblieben, vnd daher die Bauren aller orten sich häuffig absentiret vnd verlauffen‘ (CHEMNITZ, Königlich Schwedichen […] II, S. 581). Auch eingeflüchtete Bauern wurden zu diesen schweren Arbeiten gezwungen. Im schwedischen Heer wurden dazu bevorzugt die ohnehin sozial deklassierten Finnen eingesetzt (vgl. auch TOEPPEN, Hoppes Chronik, S. 77). Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen. Im 17. Jahrhundert wurden zunehmend auch Soldaten durch die Aufnahme der Schanzpflicht in die Artikelbriefe für Schanzarbeiten herangezogen; ein Versuch der Fürsten, ein bisher ungenutztes Reservoir an billigen Arbeitskräften zu erschließen, eine Reaktion auf die neuen militärischen Erfordernisse (Belagerungs- und Grabenkrieg, Ausbreitung der Festungen) und Ausdruck des fürstlichen Willens, die Soldaten körperlich, geistig und sittlich zu disziplinieren (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 138, 255). Bei den Schweden wurden bevorzugt die Finnen zu diesen schweren Arbeiten herangezogen. Aus Iglau wird unter 1647 berichtet, wie der schwedische Kommandant Österling die nur noch 299 [von ehemals 13.000) Einwohner fassende Stadt während der Belagerung durch die Kaiserlichen zur Schanzarbeit trieb;  STERLY, Drangsale, S. 64f.: „In das kaiserliche Lager langte immer mehr und mehr schweres Geschütz an; als dieses der Kommandant erfuhr; ließ er er voll Grimm die Einwohner wie das mit aller Gewalt auf die Schanzarbeit treiben, und erließ das strengste Verboth, daß außer dieser Arbeit sich keine Manns- noch Weibsperson sehen lasse. Was war dieses für ein Trübsal unter den armen Bürgern ! dieselben hatten ihren geringen Vorrath an den nothwendigsten Lebensmitteln bereits aufgezehrt, und konnten sich bei dem bestehenden strengsten Verbothe, nicht auszugehen, keine andere beischaffen; vom Hunger und Durst gequält, und daher ganz erschöpft, mussten sie sich dennoch den schwersten Arbeiten unterziehen. Der Kommandant war taub gegen alles Bitten und Flehen; verlangten einige die Erlaubniß, sich aus der Stadt zu entfernen, so ließ er sie in den Zwinger einschließen, ihnen des Tags ein bischen Brot und ein wenig Wasser reichen, dafür aber unter Schlägen zur Arbeit anhalten. Als der Kommandant die Deserzion zweier seiner Leute am vorhergehenden Tage erfuhr, und besorgte, daß Mehrere diesem Beispiele folgen dürften, so ließ er den Arbeitenden Fußeisen anlegen“. Augsburg 1632; STETTEN, Geschichte 2. Bd., S. 211: „Den 14. Septembris ließ der Gouverneur Oxenstirn [Bengt Bengtson Freiherr v. Oxenstierna; BW] etliche Bischöfliche, Capitlische und Fuggerische Beamte und Vögte, so ihre Unterthanen bey der Schantz-Arbeit zu erscheinen nicht angehalten hatten, zur Straffe durch den Profosen etliche mal um das höltzerne Roß oder Esel herumführen“. Fehlte es auf Grund von grassierender Pest an zwangsverpflichteten Bürgern, mussten auch Soldatenfrauen Schanzarbeiten leisten. Zur Schanze vgl. auch STUHR, Die Schanze.

[12] Sir Charles Morgan of Pencarn [1575/1576-1642 Bergen-op-Zoom/1643], Sohn des Edward Morgan of Monmouthshire; 1596-1603 in niederländischen Kriegsdiensten; 1603 Rückkehr nach England u. Ritterschlag; ab 1604 Friedensrichter in Monmouthshire; seit 1607 erneut in den Niederlanden, dort u. a. Befehlshaber der englischen Truppen während der Belagerung v. Bergen op Zoom (1622); 1626-1629 Kommandeur einer englischen Expedition zur Unterstützung Christians IV. v. Dänemark u. Norwegen [1577-1648], Kommandant in Stade, danach wieder in niederländischen Diensten; ab 1637 Gouverneur v. Bergen op Zoom. Vgl. DODD, Arthur Herbert, Morgan, Sir Charles, unter: http://wbo.llgc.org.uk/en/s-MORG-CHA-1575.html.

[13] Soldrückstände: Soldrückstände waren von anfang des Krieges an ein Problem. Hauptmann Burgunder von der Ley stand während des Gradiskaner-Krieges als Hauptmann im Dienst des Erzherzogs Ferdinand von Österreich. Er musste sein Tafelsilber verpfänden, um die Soldrückstände seiner Soldaten ausgleichen zu können; PECHMANN, Obrist Gabriel Pechmann. So waren bei den beiden würzburgischen Regimentern 160.000 fl. Sold für 22 Monate ausgeblieben; den letzten Sold hatte man im Dez. 1621 erhalten. Nach DÜRR, Ehrenberg, S. 14, sollen (unter Berufung auf Staatsarchiv Würzburg Militärsachen 3105/150) 160.000 fl. im Herbst 1622 ausgezahlt worden sein. Anfang 1624 drohten Schönburg u. Wolf Dietrich Truchsess v. Wetzhausen Ehrenberg mit Plünderung; DÜRR, Ehrenberg, S. 23. Vgl. Staatsarchiv Würzburg Militärsachen 3105 (Ausfertigung): Truchsess v. Wetzhausen an Ehrenberg, Eschwege, 1624 VII 02; ders. an Tilly, Eschwege, 1624 VII 02. Die dann getroffene Regelung sah vor, dass beide Regimenter jeweils 1/3 des ihnen v. Okt. 1622 bis Sept. 1624 zustehenden Solds erhielten; DÜRR, Ehrenberg, S. 24f. 1624 hatte man den Offizieren der nach den Kämpfen gegen Bethlen Gábor abgedankten Regimenter während der Verhandlungen in Freistadt vorgehalten, kein Kriegsherr habe je alle Außenstände beglichen, ein Nachlass sei doch üblich; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2345, fol. 69f. (Abschrift): »Fürhalt« an die Offiziere der Liga-Regimenter u. Freikompanien, Freistadt, 1624 V 15. Die sogenannten „freien u. einschichtigen“ Kompanien (1619-1648) schlugen immerhin mit 5.042.840 fl. 58 kr. in der Hauptkriegskostenrechnung zu Buch; GOETZ, Kriegskosten, S. 123; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 282. Der Benediktinerabt von St. Georgen im Schwarzwald, Georg Gaisser [1595 – 1655], berichtet noch zum März: „Ein Soldat mit dem Übernamen Reißteufel, Schuster von Beruf, aus Gmünd gebürtig, der in erster Linie unter denen gewesen sein soll, die neulich Sold gefordert (oder Lebensmittel erpressten ? stipendia exegerant) hatten, wird vom Generalkommissariat zum Galgen verurteilt und heute [27.3.1648; BW] hingerichtet, vom weiblichen Geschlecht aufs höchste beklagt. Drei Jungfrauen, die ihn aus den Händen der Henker zu befreien suchten, erfuhren eine Ablehnung“. STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 1138. GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 209: „Eine Beschwerde über seine Notlage war für den Soldaten gefährlich, wie das Beispiel von neun Soldaten der Schweinitzschen Kompanie zeigt, die am 30. April 1645 zum Tode verurteilt wurden (einer von ihnen wurde tatsächlich in Freiburg gehenkt), weil ‚sie sich ihrer hinderstelligen wöchentlichen Lehnungen halber beklaget’ “. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 764 (1637): „Es hatten damalen etliche Comp. Reuter vnter dem Obr. Leutenant Cronenberger [Nicolas (Nikolaus) v. Cronenburg (Cronberger, Cronenberger); BW] von der Kayserl. Werthischen Armee in den Cöllnischen Landen angefangen zu meuteniren / vñ mit ernst Gelt haben wollen / sonsten sie ihre Dienste anderstwo zu præsentiren wüsten: Dieweil sie nun von gedachtem ihrem Obristen Leutenant deßwegen zur Patientz gewiesen / vnd sothaner importunitet halber wolmeynend gestrafft worden / haben sie denselben alsbalden niedergeschossen / darvon zwar hernach von den Thätern 6. auffgehänckt / vnd etliche archibusirt worden / der meiste theil aber nach Kerpen in der Stadischen Dienst sich begeben“. Aus Osnabrück (1634) über die schwedische Garnison; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 275: „Die soldaten werden nicht bezahlt, bekommen keine leynung [=> Lehnung; BW], doch mußen die burger, einn jeder nach ihren stande, alle wochen gewiß ihr contribution außgeben. Die soldaten brechen des nachts den burgern ihn ihre heuser durch dycke mauren und fenster. Den armen hauß[leuthen] nehmmen sie butten [außerhalb; BW] der stad leynwand und was sie sonst fur war zur stad zu kaufe bringen. Ja, bey liechten tag berauben sie die haußleuth mit gewalt auf denn straßen“. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634): „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Da der Sold fast ständig ausblieb, musste man sich bei den Schweden mit der von den besetzten Städten erpressten => Lehnung behelfen.

[14] dänische Armee: Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold. Insgesamt gesehen lag der Sold höher als in der kaiserlichen oder ligistischen Armee.

[15] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[16] KNÜPPEL, Günter, Das Heerwesen des Fürstentums Schleswig-Holstein-Gottorf, S. 107.

[17] Friede von Lübeck: Friede von Lübeck vom 22.5.1629 zwischen Ferdinand II. und Christian IV. von Dänemark: Der König und sein Sohn verzichteten auf die norddeutschen Stifte.

[18] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[19] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[20] Feldmarschall: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl., die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[21] Gustav Karlsson Horn af Kanckas, Greve af Björneborg [22.10.1592 Örbyhus im Kirchspiel Vendel-10.5.1657 Skara], Feldmarschall. Schwiegersohn Axel Oxenstiernas, hatte in Jena, Tübingen u. Rostock studiert u. galt als integrer, nobler Offizier, schwedischer Feldmarschall (seit 1628). Am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, am 9.3.1632 Niederlage gegen Tilly in Bamberg. In den folgenden beiden Jahren Kampf gegen Aldringen in Süddeutschland, Oberschwaben, im Breisgau u. im Elsass. Vgl. auch EISELEIN, Geschichte, S. 174ff. Am 6.9.1634 in der Schlacht bei Nördlingen in Gefangenschaft geraten, blieb Horn auf Betreiben Maximilians I. v. Bayern u. wegen der Weigerung der schwedischen Regierung, die geforderte Summe zu seiner Auslösung aufzubringen, sieben Jahre in Ingolstadt u. der Feste Burghausen in Haft. Am 24.3.1642 wurde er gegen Johann v. Werth, Graf Hans Christoph v. Puchheim u. Lorenz v. Hofkirchen ausgetauscht. Anschließend kehrte er nach Schweden zurück, wurde Oberbefehlshaber der Truppen in Südschweden, 1651 Militärgouverneur in Livland u. Präsident des Kriegskollegiums, 1653 Reichsmarschall. NORDISK FAMILJEBOK Bd. 11, 1909, S. 1115-1116; HOFBERG Bd. 2, S. 518f.; HUSCHKE, Herzog Wilhelm. Vgl. http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=13818.

[22] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.

[23] DÜRR, Heilbronner Chronik, S. 164.

[24] DÜRR, Heilbronner Chronik, S. 166.

[25] Hans Heinrich v. Ehrenberg [3. Juni 1580-30.4.1647 Würzburg), war der letzte Ehrenberg. Er tauschte 1637 einen Teil seiner Besitztümer im Kraichgau gegen am Main gelegene Ländereien seines Vetters Johann Conrad von Helmstatt ein. Hans Heinrich v. Ehrenberg blieb kinderlos, womit die Familie derer v. Ehrenberg ausstarb.

[26] Donation: Schenkung, Übertragung. Ursprünglich im Römischen Recht eine unentgeltliche Zuwendung. Diese schwedische Art der “Schenkung” von nach dem „Kriegsrecht“ angeeigneten weltlichen und geistlichen Besitzungen unterschiedlicher Größe war jedoch nicht immer kostenlos. Zum Teil erhielten Offiziere Ämter und Klöster auch mit der Auflage, aus deren Einkünften neue Regimenter aufzustellen oder alte zu ergänzen. Neben der gewöhnlichen Kontribution mussten noch ganz erhebliche Summen aufgebracht werden. So musste sich etwa Bernhard von Sachsen-Weimar für das “Herzogtum Franken” verpflichten, innerhalb von 4 Jahren 600 000 Reichstaler an die Krone Schweden zu bezahlen und mit den im Heilbronner Vertrag (April 1633) vereinbarten Zahlungen zu beginnen. Zudem wurde Reichskanzler Oxenstierna und schwedischen Gesandten kostenlose Bewirtung versprochen, Bernhard von Sachsen-Weimar übernahm auch die hohen Schulden der beiden Stiftern (Würzburg und Bamberg) und musste zudem den Schweden den Besitz alles vorhandenen Getreides und des Weines einräumen. Das “Herzogtum Franken” bestand vorwiegend aus den Hochstiften Bamberg und Würzburg. Die wichtigen Festungen Königshofen und Marienberg in Würzburg blieben jedoch in schwedischem Besitz. Vgl. DEINERT, Die Schwedische Epoche; SCHAROLD, Geschichte. DEINERT, Die Schwedische Epoche; SCHAROLD, Geschichte.

[27] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

[28] LAHRKAMP, Werth, S. 83.

[29] Generalmajor [schwed. generalmajor, dän. generalmajor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.

[30] Ludwig Philipp [23.11.1602 Heidelberg-8.11.1655 Crossen], Sohn des Kurfürsten Friedrichs IV. u. jüngerer Bruder Friedrichs V. v. der Pfalz u. nach dessen Tod 1632 Vormund des Kurprinzen u. Administrator der Kurpfalz.

[31] Friedrich V. v. der Pfalz, Kurfürst der Pfalz (1620-1623), König v. Böhmen (1619-1620) [26.8.1596 Deinschwang bei Neumarkt/Oberpfalz-19.11.1632 Mainz]. Vgl. WOLF, Winterkönig; BILHÖFER, Nicht gegen Ehre und Gewissen; http://www.hdbg.de/winterkoenig/tilly.

[32] Frankenthal; HHSD V, S. 100ff.

[33] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[34] Erasmus Freiherr v. Platen-Hallermund [Platow, Platho, Plato] [5.3.1590 Granskevitz auf Rügen-15.3.1663 Erxleben], schwedischer Obrist.

[35] Neustadt a. d. Weinstraße; HHSD V, S. 259f.

[36] Wahrscheinlich handelt es sich aber um Geinsheim, heute Ortsteil von Neustadt a. d. Weinstraße.

[37] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Die schwedische Garnison in Augsburg hatte die lutherischen Bürger aufgefordert, „Gott mit uns“ auf die Türen zu schreiben, um sich vor Plünderungen zu schützen; ROECK, Als wollt die Welt schier brechen, S. 248. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, daß wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, daß wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt‘ „. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die aber von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: Von Gottes gnaden (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Allerdings waren selbst schwedische Feldprediger unter den Plünderern zu finden; MITTAG, Chronik, S. 373. Der in altstädtischen Diensten stehende Magdeburger Daniel Friese und sein Sohn Friedrich über ihre vergeblichen Täuschungsmanöver; NEUBAUER, Magdeburgs Zerstörung 1631, S. 29-31: „Als nun die zwei Musketiere weg waren, nahm der Vater selig eine Axt und schlug den Ofen, Tür und Fenster selbst ein, riss auch das Stroh aus den Betten und streute es im Haus herum, warf auch die alten Inletts und Betten des Gesindes ins Haus, ebenso die Töpfe aus der Küche und ließ das Haus angelweit offen. Es sah aus, als denn die Furien hätten darin getobt, und war eine ziemliche Hilfe, so dass anfangs keiner ins Haus kam, da man allzeit annahm, das Nest wäre schon zerstört. Ferner ließ der Vater selig einen guten Schinken, Knackwürste, geräuchertes Fleisch und was wir an Essen hatten, auf einen Tisch in der Ecke des Hauses, doch so, dass man ihn zur Haustür herein nicht sehen konnte, setzen nebst ein paar Schleifkannen Bier, denn er dachte, wenn ja die Soldaten ins Haus kommen, so würden sie doch, wenn sie das Frühstück sähen, sich daran ein wenig aufhalten und wir uns besser verbergen könnten. Nichts desto weniger kamen Soldaten zu uns hinein, denn sie hatten im Vorüberlaufen die Mutter gesehen. Sie erwischten uns also alle in der Stube, fielen Vater und Mutter an und begehrten Geld“. […] Der Vater sorgte sich, „die Nachbarn möchten aus großer Angst die Soldaten zu uns herüberweisen. Denn sie schrien und tobten in dem Hause wie die bösen Geister und riefen ohne Aufhören nach Beute und Geld. Das hörten wir armen Leute in unserer Kohlenkammer und saßen still wie die Mäuse. Der Vater aber ging nach einer Weile wieder in das Haus und wollte sehen, wie es etwa bewendet wäre. Bald sahen ihn die Soldaten, schrien und liefen auf ihn zu. Die Mutter hörte das Geschrei und lief auch hervor und wir Kinder alle hinterdrein. Der Soldaten waren ungefähr sieben, alle mit brennenden Lunten, und redeten in fremder Sprache, so dass kein Mensch wusste, was sie sagten, nur dass sie stets in die Hände wiesen, wie man Geld zahlt. Da half nun kein Entschuldigen, der Vater mochte sagen, was er wollte, dass nämlich die Soldaten alles genommen hätten. Sie verstanden es nicht, sondern schossen zweimal im Hause nach ihm, Gott aber verhütete es, dass sie dem Vater Schaden taten, sondern in die Wand hinein […] Endlich redete der Vater auf lateinisch mit dem Offizier, dass ihm die Soldaten alles genommen und er also ihnen nichts geben könnte als Kleider, Leinwand, Zinn und dergleichen. Da wurden die wahnsinnigen Furien etwas beruhigt, der Offizier aber begehrte Geld, wo das wäre; dann wollte er die Soldaten alsbald wegführen“. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus nackter Existenznot verübt, da die Versorgung der Soldaten schon vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck u. Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Der Hofer Chronist Rüthner weiß zu berichten, dass Borri fünf seiner Soldaten eigenhändig erstochen habe, die beim Plündern gefasst wurden; KLUGE, Hofer Chronik, S. 192: „Den 8. juni ist Zwickau mit accord übergegangen und aufgegeben worden, jedoch in auszug der schwedischen darinnen gelegene soldaten der accord nicht allerdings gehalten und fast meistentheils spoliret worden, unangesehen der kayßerliche general Borey 5 seiner eigenen leute über den raub erstochen“.

[38] „Lehnung“: alle zehn Tage zu entrichtender Sold für die schwedischen Truppen, z. B. Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den unteren Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. BURSCHEL, Sozialgeschichte, S. 975f.

[39] Pupillen: Kinder, Waisen.

[40] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[41] SCHÜTTE, Pfälzer Land, S. 49f.

[42] Georg Friedrich v. Holtz zu Niederholtz [1.11.1597-10.8.1666], Obrist, Generalfeldzeugmeister. WÖLLPER, Georg Friedrich von Holtz, unter: http//www.koni.onlinehome.de; HOLTZ, Generalfeldzeugmeister Georg Friedrich vom Holtz.

[43] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[44] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[45] Elsass-Zabern oder Zabern [Saverne; Stift Strassburg; heute Frankreich, Dép. Bas-Rhin].

[46] [Johann] Wilhelm [Wennemar] v. Epp[e] [ – Dezember 1643], ligistischer, dann hessen-kasselischer, kaiserlicher Obrist.

[47] HOLTZ, Holtz, S. 67.

[48] Heinrich v. Metternich [ – ], kurbayerischer Obrist.

[49] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[50] Güglingen [LK Heilbronn]; HHSD VI, S. 273f.

[51] Mannheim; HHSD VI, S. 501ff.

[52] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[53] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen/ den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Betellbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“.

[54] Gernsheim [LK Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 169f.

[55] Jan Freiherr v. Werth [1594 Büttgen-16.9.1652 Benatek], bayerischer, kaiserlicher General der Kavallerie. Vgl. LAHRKAMP, Jan von Werth; KAISER: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/W/Seiten/JanvonWerth.aspx [17.6.2014].

[56] Wieblingen; unter HHSD VI, S. 308 (Heidelberg).

[57] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise führten die Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. auch http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[58] MAIER, Unterpfalz, S. 276.

[59] Philipp Graf v. Pappenheim-Alesheim [1605-1651 ?], kaiserlicher Obrist.

[60] Hagenau [Elsass, h. Frankreich, Dép. Bas-Rhin].

[61] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[62] Obergewehr, Oberwehr: zum Obergewehr gehörten Karabiner, Flinten, Musketen, Hellebarten, Partisanen, Piken, Spontons, Kurzgewehre.

[63] MAIER, Unterpfalz, S. 278.

[64] Schlacht bei Wittenweier am 30.7./9.8.1638: Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar schlägt die kaiserliche Armee unter Graf Johann von Götz und Federigo Duca di Savelli bei Wittenweier im Breisgau. Die Truppen Bernhards erbeuteten 12 Stück Geschütz, 60 Fahnen und die gesamte Bagage der Gegner. Dazu blieben 1500 Mann tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld, 1300 gingen in Gefangenschaft. Auf protestantischer Seite zählte man etwa 600 Tote und 1000 Verwundete. => Quelle 5.

[65] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.

[66] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 92f.

[67] Federigo Duca di Savelli, Signore di Poggio, Principe d’Albano, (auch Friedrich Herzog v. Savelli) [Rom vor 1600;

19.12.1649], kaiserlicher Feldmarschall.

[68] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte, die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[69] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5 – 11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt]. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5 – 11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5 – 9 cm), Rohrgewicht: 12 – 24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14 – 20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12 – 15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575 ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen „Halben [?; BW] Kartaunen“ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[70] spielen [mit den Stücken]: Einsatz, Abfeuern (der Feldgeschütze) als Terminus technicus: „mit den Geschützen spielen“, um die Moral des Gegners zu schwächen.

[71] Landesverteidigung: Milizen aus von Offizieren angeleiteten Stadtbürgern und Bauern zum Schutz gegen Durchzüge marodierender Heere und Soldaten; Anlage zum Schutz von Gebietsgrenzen: mit dichten Hecken bestandener oder mit Palisaden gesicherter Wall in Kombination mit einem Graben. „Daß die angestellte Landesdefension Erfolg haben konnte, wenn es sich bei den Übergriffen um kleinere Gruppen von Plünderern handelte, zeigte sich in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt, als man in (Düsseldorf-)Gerresheim eine Gruppe brabantischer Soldaten gefangennahm, die ‚die Gerresheimer Kirch spoliert’ (geplündert) hatten. Dreizehn von ihnen wurden am 27. Januar 1625 gehenkt und sechs enthauptet“. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff, S. 78.

[72] Melchior Freiherr v. Reinach [ – August 1640 Hersfeld], kurbayerischer Obrist.

[73] General(feld)wachtmeister [schwed. generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. So erhielt er pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 33 Rt. 26 Alb. Anteil; HOFMANN, Peter Melander, S. 155 . Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.

[74] Johann Graf v. Götz [Götzen, Götze] [1599 Zehlendorf-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[75] Offenburg [Ortenaukreis]; HHSD VI, S. 607ff.

[76] Obristwachtmeister [schwed. major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm  bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[77] Johann Philipp v. Hagenbach [ – ], kurbayerischer Obristwachtmeister.

[78] Oberkirch [Ortenaukreis]; HHSD VI, S. 587f.

[79] Neustadt [Waiblingen; Rems-Murr-Kreis]; HHSD VI, S. 572f.

[80] FRITSCH, Tagbuch, S. 166f.

[81] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[82] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.

[83] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[84] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[85] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall.

[86] Georg Christoph v. Taupadel [Tupadel, Tupadell, Taubadel, Toupadel, Tubal, Taubald, Thobadel, Dupadel, Dubald, Dubadell, Dubalt, „Raupartl“, Teupold] [um 1600 Fichtenberg – 12.3.1647 Basel], schwedischer Generalleutnant.

[87] Jean Baptiste de Budes comte de Guébriant [Guebrian, Gabrian] [2.2.1602 Plessis-Budes-24.11.1643 Rottweil], französischer Marschall.

[88] Wilhelm Otto Graf v. Nassau-[Katzenelnbogen]Siegen,; Obrist [1607-24.8.1641] Obrist in staatischen, dann in französisch-weimarischen Diensten.

[89] Johann Bernhard v. Ehm [Ehem, Öhm, Öhme] [26.3.1587 Schloss Bockenheim -15.9.1657 Basel], schwedisch-weimarischer, dann französischer Obrist.

[90] N Koch [  – ], französischer Obrist.

[91] Fischkasten: Als Fischkasten oder Bünn werden Behälter zur Aufbewahrung von lebenden Fischen bezeichnet. Die heute aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Kunststoff oder Metall gefertigter Kästen sind seit dem Mittelalter bekannt. Für die unerlässliche Zufuhr von Sauerstoff beziehungsweise Frischwasser sorgen Löcher im Boden- und Wandbereich, Deckel verhindern das Entkommen der Fische. In geeigneter Weise ins Wasser platziert, können Fische so einige Zeit aufbewahrt werden. [wikipedia]

[92] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[93] TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 58.

[94] Ludwig XIII. König v. Frankreich [27.9.1691 Fontainebleau 27.9.1601-14.5.1643 Saint-Germain-en-Laye], seit 1610 nominell, seit 1617 auf den Thron gelangt, König v. Frankreich u. Navarra mit dem Beinamen „Louis le Juste“ (deutsch: Ludwig der Gerechte).

[95] Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne [11.9.1611 Sedan-27.7.1675 Sasbach], Marschall v. Frankreich.

[96] Schlacht bei Mergentheim (Herbsthausen) am 5.6.1645: Die bayerische Armee unter Franz von Mercy und Johann von Werth schlug die französische Armee unter Marschall Turenne. Herbsthausen [Bad Mergentheim, Main-Tauber-Kreis]; HHSD VI, S. 330.

[97] Franz Freiherr v. Mercy [Merci, Merse], Herr zu Mandre u. Collenberg [zwischen 1580 u. 1590 Longwy (Lothringen)-3.8.1645 Alerheim], kurbayerischer Feldmarschall.

[98] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[99] (Bad) Mergentheim [Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 41ff.

[100] Musterplatz: ein von den Städten und Territorien gefürchteter Platz zur Musterung und Einstellung von Landsknechten oder Söldnern im 16. und 17. Jahrhundert, dessen Einrichtung man nach Möglichkeit zu verhindern suchte. Der militärische Unternehmer richtete einen Platz, meist in der Nähe einer Stadt, in deren Wirtshäusern oder in Landstrichen ein, die wegen ihrer wirtschaftlichen Krisensituation als besonders geeignet galten, ein, an dem sich die von Werbern mit einem Handgeld geworbenen Söldner oder Rekruten einfanden. Wenn sie gemustert und für tauglich befunden wurden, wurden sie durch den Musterschreiber in Musterrollen eingeschrieben und an ihren Bestimmungsort verbracht. Die Heeresunternehmer hatten ein Werbepatent, das sie zur Stellung einer festgelegten Anzahl von Soldaten verpflichtete. Konnte die Anzahl nicht erreicht werden, mussten die Werbegelder vom Kriegsunternehmer aus eigener Tasche zurückgezahlt werden. Im Laufe des Krieges wurden so viele Neuanwerbungen notwendig, dass die Werbung trotz steigender Werbegelder immer schwieriger wurde, so dass sich erzwungene Werbungen häuften. BURSCHEL, Söldner, S. 126f.). LANGER, Hortus, S. 92f. Vgl. Die selbstkritischen Äußerungen des schottischen Söldners Sir James Turner [1615-1686; vgl. MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 63], Memoirs, S. 14: „I had swallowed without chewing, in Germanie, a very dangerous maximie, which militarie men there too much follow; which was, that so we serve our master honnestlie, it is no matter what master we serve; so, without examination of the justice of the quarrel, or regard of my dutie to either prince or countrey, I resolved to goe with that ship I first rencounterd”.

[101] Feuchtwangen [LK Feuchtwangen]; HHSD VII, S. 196f.

[102] Tuttlingen [LK Tuttlingen]; HHSD VI, S. 806f.

[103] Reinhold v. Rosen [Rosa, Rosau, Roß], der „Gute“, Herr v. Bollweiler u. Herrenstein [nach 1595, um 1604 Ninigall, Livland – 8./18.12.1667 Schloss Dettweiler, Kr. Zabern; Elsass], schwedisch-französischer Obrist, Generalmajor.

[104] Generalfeldzeugmeister [schwed. general för artilleriet, dän. generelt feldzeugmeister]: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt. Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Er erhielt nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) monatlich 1.200 fl.Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[105] Johannes Ernst Freiherr v. Reuschenberg [Rauschenberg, Ruischenberg] [29.3.1603 in Setterich getauft–15.3.1660 Köln], kurbayerischer, kaiserlicher Generalfeldzeugmeister, Feldmarschall. Vgl. REUSCHENBERG, „Jesus Maria und kein Quartier !“; EHRENPREIS, Feldmarschall Johann von Reuschenberg.

[106] Claus Dietrich Freiherr v. Sperreuter [Sperreut, Stierreuth] [um 1600 Walsrode-9./20.1.1653 Innsbruck], schwedischer, dann kaiserlicher Obrist, ab 1646 venetianischer Generalmajor. Vgl. LEISTIKOW, Sperreuter.

[107] Heinrich Christoph Gayling [Gehling, Geiling] v. Altheim [1604–20.12.1654], kurbayerischer General.

[108] Hans [Johann] Jakob Kolb v. Kager [Reindorf, Rhaindorf], genannt „der junge Kolb“ [ – ], kurbayerischer Obrist.

[109] Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark und in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen. Zudem waren in der Regel die Ausstattung und Verpflegung besser als in anderen Regimentern bzw. wurden von den Neugeworbenen eingefordert.

[110] Alexandre de Prouville, marquis deTracy [1596 oder 1603-1670], französischer Generalkriegskommissar, Obrist u. Feldmarschall. Vgl. LAMONTAGNE, Léopold, PROUVILLE DE TRACY, ALEXANDRE DE, unter: http://www.biographi.ca/en/bio/prouville_de_tracy_alexandre_de_1E.html.

[111] Charles de Bussy de Lameth [Lamoussé, L’Amoussay], Baron de Marigny, Seigneur de [ – ], französischer Generalmajor.

[112] N Marquis du Passage [ – ], französischer Generalmajor.

[113] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen des Söldners Monro bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Man Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14.

[114] Knecht, gemeiner [schwed. knektar, finn. nihti] : dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr., schwedische u. finnische Knechte erhielten 1632 nur 1 ½ Rt., deutsche in der Royal-Armee dagegen das Dreifache. Ein Soldat oder Reiter einer Streifschar aus einer Garnison erhielt von 1.000 Rt. Beute quasi als Gefahrenzuschlag 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion (Lösegeld) zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien. Generell wurden jedoch „teutsche Knechte“ gegenüber etwa den „Welschen“ bevorzugt übernommen und bei den Schweden besser besoldet.

[115] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen, deren Verlust im Kampfe oder bei der Kapitulation als Verlust der Ehre empfunden wurde. Im Kampf und bei Belagerungen erbeutete Standarten waren dagegen Zeichen des bewiesenen Mutes der Einheit und einzelner Soldaten, so dass ihre Anzahl in zeitgenössischen Berichten meist verzeichnet war.

[116] Kriegsverluste: LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges“. Nach Scharmützeln, Gefechten etc. fielen viele Verwundete Bauern zum Opfer; LATOMUS, Relationis Historiæ Semestralis Continuatio (1641), S. 19: „Alles / was nicht gefangen / muste fast Haar lassen / dann was sonsten auß der Schwedischen Hände entronnen / vnd vnter die Bawren kam / wurde von denselben vollends von Brod gethan“.

[117] Schwäbisch Hall [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 723ff.

[118] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[119] Sindringen [Forchtenberg; Hohenlohekr.]; HHSD VI, S. 744.

[120] Georg Creutz [Kreitz, Kreuz] [ – ], kurbayerischer Obrist.

[121] N v. Beauvau [ – 5.5.1645 bei Herbsthausen gefallen], kurbayerischer Obrist.

[122] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Ein kommandierender Hauptmann einer Streifschar aus einer Garnison erhielt quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller, sein Leutnant 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller, jeder Soldat oder Reiter 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[123] Untersteckung, Unterstoßung, „Unterstellung“, „Unterhaltung“: (zwangsweise) Eingliederung von (insbesondere gefangen genommenen) Soldaten in bestehende unvollständige Verbände. „Die ‚Untersteckung‘ von gefangenen Soldaten des Kriegsgegners war in der frühen Neuzeit allgemein üblich, wurde für gewöhnlich von den Betroffenen ohne Widerstände akzeptiert und scheint gar nicht selten die Zusammensetzung eines Heeres erheblich verändert zu haben“ (BURSCHEL, Söldner, S. 158). Die „Relation deren Geschichten / Ritterlichen Thaten und Kriegßhandlung“, S. 12, berichtet, wie Bucquoy mansfeldische Söldner zur Unterstellung zwang: „Dann als mann sie (in der Zahl ohngefehr 1200.) gen Crumaw bracht / hat man sie Rotten vnd Hauffen weiß in Kammern so eng zusammen gesperrt / daß sie weder sitzen noch niderligen können / auch neben dem wenig Essen / das man ihn vorgestellt / ihnen gar nichts zu tricken geben / vnd es also etliche Tag vber / mit inen getrieben / Sie dardurch zu nötigen / daß sie dem Keyser ihre Dienst versprechen müsten / als auch geschehen. Dann nach dem sie auffs eusserst allerhand Ungemach außgestanden / vnnd etliche Tag kein tropffen zu trincken vberkommen / haben sie fast alle vnder solchem erschröcklichen Joch vnd Zwang sich schmücken vnd biegen / vnd dem Feind ihre Dienst zusagen müssen“. In der kurbayerischen Armee – Maximilian I. von Bayern war grundsätzlich gegen die Untersteckung wegen der Unzuverlässigkeit in Schlachten – wurden sie als Kugelfang beim Angriff oder Sturm auf eine Stadt vorausgeschickt; SEMLER, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 67. Franz von Mercy hatte nach seinem Sieg bei Tuttlingen (24.11.1643) an die 2000 Franzosen untergesteckt. HEILMANN, Kriegsgeschichte, S. 69f. Doch wurden schon seit dem Böhmischen Krieg Gefangene, die die Untersteckung verweigerten, oft hingerichtet. HELLER, Rothenburg, S. 158: (1645): „Die [bayr.] Furir aber haben alle Häußer, wo Franz. oder Weimar. gelegen, außgesucht und was sie hinterlaßen, alles weggenommen. Wie sie denn im güldenen Greifen einen Weimarischen Feldscherer sampt seiner Feldtruhen, welcher allhie geblieben und hernach wollen nach Hauß ziehen in Holstein, ertapt, übel gemartert und geschlagen, endlich mit sich hinweggefürt und, wie man gesagt, weilen er ihnen nit wollen dienen, auf dem Feld erschoßen“. MAHR, Monro, S. S. 157, bei der Einnahme der Schanze bei Oppenheim: „Als unsere anderen Leute sahen, daß das Schloß gefallen war, rannten sie los, die vorgelagerte Schanze zu erstürmen, in der sich neun Kompanien Italiener mit ihren Fahnen befanden. Ihre Offiziere sahen nun, daß das Schloß hinter ihnen überrumpelt war und daß der Angriff vor ihnen losbrach, da warfen sie ihre Waffen weg und riefen nach Quartier, die ihnen auch gewährt wurde. Ihre Fahnen wurden ihnen abgenommen. Da sie alle bereit waren, in unsere Dienste zu treten, wurden sie vom König Sir John Hepburn zugewiesen, der nicht nur ihr Oberst wurde, sondern auch ein guter Schutzherr, der sie in guten Quartieren unterbrachte, bis sie neu eingekleidet und bewaffnet waren. Aber sie zeigten sich undankbar und blieben nicht, sondern liefen in Bayern alle davon. Nachdem sie einmal die warme Sommerluft verspürt hatten, waren sie vor dem nächsten Winter alle verschwunden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70f. (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, daß die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. => Kriegsgefangene.

[124] LAHRKAMP, Werth, S. 153ff.

[125] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[126] Deidesheim [LK Bad Dürkheim]; HHSD V, S. 71.

[127] pernoctieren: übernachten.

[128] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[129] Fähnrich (Kornett): Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f.

[130] Sergeant [schwed. sergeant, dän. sergent]: Der Sergeant war Unteroffiziersdienstgrad. Der Feldwebel war ein vom Obristen oder Hauptmann eingesetzter Gehilfe in der Infanterie. Er wirkte zunächst an der Einteilung und Aufstellung der Schlachtordnung des Fähnleins mit. Im 17. und 18. Jahrhundert übernahm diese Funktion der Major/Obristwachtmeister, und im Zuge dessen beschränkten sich die Aufgaben des Feldwebels auf den inneren Dienst: auf Empfang und Ausführung der Kommandos der höheren Offiziere, die Abholung und Weitergabe der Losung an die Korporale und Gefreiten, die Aufsicht über die Disziplin der Compagnie und die Erfüllung der herrschaftlichen Dienstverpflichtungen, auf das Schreib- und Rechnungswesen. Der Feldwebel wurde teilweise auch Sergeant genannt, bei Artillerie und Kavallerie hieß er Wachtmeister. Im Schultheißengericht, der genossenschaftlichen und von den Kriegsherren weitgehend unabhängigen Rechtsinstanz in den Landsknechtsheeren (die im Laufe des Dreißigjährigen Krieges von den Unter[kriegs]gerichten abgelöst wurde) dienten Feldwebel als Gerichtsoffiziere. 1620 erhielt er in der kurbrandenburgischen Armee monatlich 15 fl. , der tägliche Unterhalt war 1631 mit 9 Groschen angesetzt.

[131] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[132] Grombach [Bad Rappenau, LK Heilbronn], HHSD VI, S. 266.

[133] BAUR, Speier, S. 44.

[134] Windecken, heute Stadtteil von Nidderau [Main-Kinzig-Kr.], HHSD IV, S. 475f.

[135] BUS, Die Zeit der Verheerung, S. 224.

[136] Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne [11.9.1611 Sedan-27.7.1675 Sasbach], Marschall v. Frankreich.

[137] Soldrückstände: Soldrückstände waren von anfang des Krieges an ein Problem. Hauptmann Burgunder von der Ley stand während des Gradiskaner-Krieges als Hauptmann im Dienst des Erzherzogs Ferdinand von Österreich. Er musste sein Tafelsilber verpfänden, um die Soldrückstände seiner Soldaten ausgleichen zu können; PECHMANN, Obrist Gabriel Pechmann. So waren bei den beiden würzburgischen Regimentern 160.000 fl. Sold für 22 Monate ausgeblieben; den letzten Sold hatte man im Dez. 1621 erhalten. Nach DÜRR, Ehrenberg, S. 14, sollen (unter Berufung auf Staatsarchiv Würzburg Militärsachen 3105/150) 160.000 fl. im Herbst 1622 ausgezahlt worden sein. Anfang 1624 drohten Schönburg u. Wolf Dietrich Truchsess v. Wetzhausen Ehrenberg mit Plünderung; DÜRR, Ehrenberg, S. 23. Vgl. Staatsarchiv Würzburg Militärsachen 3105 (Ausfertigung): Truchsess v. Wetzhausen an Ehrenberg, Eschwege, 1624 VII 02; ders. an Tilly, Eschwege, 1624 VII 02. Die dann getroffene Regelung sah vor, dass beide Regimenter jeweils 1/3 des ihnen v. Okt. 1622 bis Sept. 1624 zustehenden Solds erhielten; DÜRR, Ehrenberg, S. 24f. 1624 hatte man den Offizieren der nach den Kämpfen gegen Bethlen Gábor abgedankten Regimenter während der Verhandlungen in Freistadt vorgehalten, kein Kriegsherr habe je alle Außenstände beglichen, ein Nachlass sei doch üblich; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2345, fol. 69f. (Abschrift): »Fürhalt« an die Offiziere der Liga-Regimenter u. Freikompanien, Freistadt, 1624 V 15. Die sogenannten „freien u. einschichtigen“ Kompanien (1619-1648) schlugen immerhin mit 5.042.840 fl. 58 kr. in der Hauptkriegskostenrechnung zu Buch; GOETZ, Kriegskosten, S. 123; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 282. Der Benediktinerabt von St. Georgen im Schwarzwald, Georg Gaisser [1595 – 1655], berichtet noch zum März: „Ein Soldat mit dem Übernamen Reißteufel, Schuster von Beruf, aus Gmünd gebürtig, der in erster Linie unter denen gewesen sein soll, die neulich Sold gefordert (oder Lebensmittel erpressten ? stipendia exegerant) hatten, wird vom Generalkommissariat zum Galgen verurteilt und heute [27.3.1648; BW] hingerichtet, vom weiblichen Geschlecht aufs höchste beklagt. Drei Jungfrauen, die ihn aus den Händen der Henker zu befreien suchten, erfuhren eine Ablehnung“. STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 1138. GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 209: „Eine Beschwerde über seine Notlage war für den Soldaten gefährlich, wie das Beispiel von neun Soldaten der Schweinitzschen Kompanie zeigt, die am 30. April 1645 zum Tode verurteilt wurden (einer von ihnen wurde tatsächlich in Freiburg gehenkt), weil ‚sie sich ihrer hinderstelligen wöchentlichen Lehnungen halber beklaget’ “. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 764 (1637): „Es hatten damalen etliche Comp. Reuter vnter dem Obr. Leutenant Cronenberger [Nicolas (Nikolaus) v. Cronenburg (Cronberger, Cronenberger); BW] von der Kayserl. Werthischen Armee in den Cöllnischen Landen angefangen zu meuteniren / vñ mit ernst Gelt haben wollen / sonsten sie ihre Dienste anderstwo zu præsentiren wüsten: Dieweil sie nun von gedachtem ihrem Obristen Leutenant deßwegen zur Patientz gewiesen / vnd sothaner importunitet halber wolmeynend gestrafft worden / haben sie denselben alsbalden niedergeschossen / darvon zwar hernach von den Thätern 6. auffgehänckt / vnd etliche archibusirt worden / der meiste theil aber nach Kerpen in der Stadischen Dienst sich begeben“. Aus Osnabrück (1634) über die schwedische Garnison; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 275: „Die soldaten werden nicht bezahlt, bekommen keine leynung [=> Lehnung; BW], doch mußen die burger, einn jeder nach ihren stande, alle wochen gewiß ihr contribution außgeben. Die soldaten brechen des nachts den burgern ihn ihre heuser durch dycke mauren und fenster. Den armen hauß[leuthen] nehmmen sie butten [außerhalb; BW] der stad leynwand und was sie sonst fur war zur stad zu kaufe bringen. Ja, bey liechten tag berauben sie die haußleuth mit gewalt auf denn straßen“. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634): „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Da der Sold fast ständig ausblieb, musste man sich bei den Schweden mit der von den besetzten Städten erpressten => Lehnung behelfen.

[138] Wilhelm Hempel [ – ], weimarisch-französischer Reiter.

[139] Bietigheim [Bietigheim-Bissingen, LK Ludwigsburg], HHSD VI, S. 83f.

[140] N Schütze [Schutz, Schiz] [ – ], französischer Obrist.

[141] Hans Georg v. Rußwurm [Rosswurm, Russwurmb] [16.6.1602-6.5.1667] weimarisch-französischer Obristleutnant, Obrist u. Generalmajor, später schwedischer Generalmajor, dann kaiserliche Dienste.

[142] BENTELE, Protokolle, S. 221.

[143] Rottweil [LK Rottweil]; HHSD VI, S. 676ff.

[144] Offenburg [Ortenaukreis]; HHSD VI, S. 607ff.

[145] Asperg [LK Ludwigsburg]; HHSD VI, S. 29ff.

[146] Hans [Johann] Friedrich Freiherr v. Bissingen [Pissinger] [um 1601 – 12.5.1663 Schramberg], kurbayerischer Obrist.

[147] Rottenburg [LK Tübingen]; HHSD VI, S. 674ff.

[148] N Schlagmann [ -August 1647], französischer Obrist.

[149] Major [schwed. major, dän. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie und 300 fl. bei der Kavallerie, 200 fl. bei der dänischen Armee.

[150] Kapitän [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. sein Anteil aus Beute und Ranzionierung betrug pro 1.000 Rt. Erlös  59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156.Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[151] Unteroffizier: Feldwebel, Führer, Fourier, Musterschreiber, Feldscherer waren die Unteroffiziere der Prima plana. Auf drei Unteroffiziere kamen pro 1.000 Rt. Beute und Ranzionierung 11 Rt., 66 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Korporäle, Gefreite, Spielleute und Fourierschützen galten dagegen als gemeine Befehlshaber.

[152] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als einer Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[153] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee erhielt er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als Fähnrich einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156.

[154] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte, die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[155] HÖFER, Ende, S. 111; zu Rottweil vgl. HHSD VI, S. 676ff.

[156] Überlingen [Bodenseekreis]; HHSD VI, S. 807f.

[157] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[158] Christoffer [Christoff, Christoph] v. Steinecker [Steinaecker, Steindecker, Steinerkher, Steineger] [13.8.1612 Zerbst-12.2.1671 Lindow], schwedischer Obrist.

[159] J. Volkmar [Volckmar, Volckmann] [ – ], schwedischer Obrist.

[160] Adrian Graf v. Enckevort [Enckevoer, Enckfurth, Enckefurt, Enquenfort, Enckenfurth] [20.8.1603 Diest-3.6.1663 Ledeč], kurbayerischer Feldmarschall.

[161] Gemeint sind vorderöstereichische Truppen der Claudia de’ Medici [4.6.1604 Florenz-25.12.1648 Innsbruck], Erzherzogin v. Österreich u. Landesfürstin v. Tirol. WEISS, Claudia de’ Medici.

[162] Hohenems [Bez. Vorarlberg, Österreich].

[163] Bregenz; HHSÖ II, S. 446ff.

[164] HÖFER, Das Ende, S. 56: „Nachdem die Schweden die Belagerung von Lindau aufgehoben hatten, räumten sie Feldkirch und Bregenz, ließen jedoch die Neuburg zwischen den beiden Städten besetzt. Die Schweden ‚rasierten in Bregenz Schloß und Schanzen‘ und zogen gegen Ravensburg. Die Befestigungen der Bregenzer Klause wurden geschleift, Palisaden, Blockhäuser und Holzbrücken verbrannt“.

[165] Caspar v. Schoch [„Don Kaspar“, „Kaspar“, „Cäsperle“, Schach] [25.11.1610 Kleinholzleute bei Isny-16.8.1672 Bregenz], kurbayerischer, dann kaiserlicher Obrist.

[166] incommodiert: belästigt.

[167] bastant: widerstandsfähig.

[168] conduicte: Führung.

[169] Conradt Widerholt [1598 Neidlingen oder Ziegenhain (Hessen)-13.1.1667 Kirchheim unter der Teck], württembergischer Major, Obrist. => Jörg Wöllper in den „Miniaturen“.

[170] Hohentwiel [Singen, LK Konstanz]; HHSD VI, S. 352ff.

[171] Riksarkivet Stockholm: Skoklostersamlingen II. Carl Gustaf Wrangels arkiv E 8487: Beilage zu Christoffer v. Steinecker an Carl Gustav Wrangel, Schweinfurt, 10./20.9., ohne Präsentationsvermerk.

[172] Überlingen [Bodenseekreis]; HHSD VI, S. 807f.

[173] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 69: Enckevort an Obrist v. Rost, Kommandant von Konstanz, o. O., 1647 VIII 31.

[174] Benfeld [Elsass; Frankreich, Dép. Bas-Rhin].

[175] Villingen im Schwarzwald [Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kr.]; HHSD VI, S. 834ff.

[176] Donaueschingen [Schwarzwald-Baar-Kr.]; HHSD VI, S. 150f.

[177] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.

[178] Rottweil [LK Rottweil]; HHSD VI, S. 676ff.

[179] Hans [Johann] Friedrich Freiherr v. Bissingen [Pissinger] [um 1601-12.5.1663 Schramberg], kurbayerischer Obrist.

[180] HÖFER, Ende, S. 113.

[181] Johann Bernhard v. Ehm [Ehem, Öhm, Öhme] [26.3.1587 Schloss Bockenheim-15.9.1657 Basel], schwedisch-weimarischer, dann französischer Obrist.

[182] Bruchsal [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 120ff.

[183] 1 Ohm: ca. 120 bis 150 Liter.

[184] BAUR, Speyer, S. 56.

[185] DÜRR, Heilbronner Chronik, S. 184.

[186] Lauingen (Donau) [LK Dillingen/Donau]; HHSD VII, S. 396f.

[187] Johann Gottlieb Rauchhaupt [ – 1667], französischer Obrist.

[188] Neuburg a. d. Donau [LK Neuburg-Schrobenhausen]; HHSD VII, S. 497ff.

[189] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[190] Exekution: (notfalls gewaltsame) Umsetzung von Bestimmungen und Auflagen; Zwangsvollstreckung, Zwangseintreibung von Kontributionen. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war. Der Memminger Arzt Christoph Schorer [2.12.1618 Memmingen-12.2.1671 Memmingen] schreibt in seiner „Chronick“ eine derartige Exekution, SCHORER, Memminger Chronick, S. 146f.: „Was die Soldaten / im Hornung / Merzen vnd April [1637; BW] / vor grewliche Tyranney geübet / die Thor gesperret / den vornembsten Burgern eingefallen / eine grosse Summa gelt zuerpressen / ist vnbeschreiblich. Zu diesem Elend kam noch ein Verbott / vnd Ringerung etlicher Müntzsorten im Römischen Reich / also daß der arme Mann vmb sein gering übrigs Geltlen kein bissen Brodt bekom̃en konnte. O deß grossen Elendts ! über diesen grossen Jam̃er / kam im Mayen Ordinantz / daß die Stadt 1 ½ Regiment vom Piccolominischen Volck verpflegen solle: Darzu man Monatlich 3200. Gulden geben muste. Als man den 10. May durch einen Commissarium mit den Officirern rechnete / war die Stadt gezwungẽ der Officirer Rechnung / welche sie nach ihrem Beliebẽ gemachet / zu vnderschreiben. Den 31. May waren Herrn Burgermeister vnd Geheimbde [Ratsherren; BW] in Arrest / in deme die Officirer viel tausent Gulden begehrten. Den 2. Junii haben die Officirer die vornehmbste Häusser bezogen / vnd sich mit Gewalt eingelegt / Geld zu erpressen / wehrete biß auff den 7. Junii. Man forderte das Gericht und Rath zusamen / vmb Mittel zu sehen Gelt auffzubringen / aber es scheinete vnmöglich / also weil nunmehr die Burgerschafft vmb ihr baares Gelt / Gold /Silbergeschirr vnd Kleinodien gäntzlich gekommen / hat man sich resolvirt / den Soldaten Zin / Kupffer vnd Kleider anzubieten. Darauff gieng den 10. Junii das Exequiren widerum an. War ein kläglicher Tag / konnte kein Burger dem andern helffen / bald hörte man wie die Soldaten da / bald dort eingefallen / vnd Gelt presseten. Den 13. Junii war der Rath widerumb arrestirt / vnd Soldaten in der Burger Häuser geschicket / von manchem 200/300/400 biß in 500 fl. zuerpressen: Da man sich dann mit ihnen vergleichen / oder so lang zu Essen vnd zu Trincken geben müssen. Wie sich dann befunden / dass sie auff die 2049. fl. von den Burgern in ihren Häusern erpresst: auch 160. Kühe vñ 60. Pferdt ihnẽ weg genom̃en / solches auch vnder grossem heulen vnd wehklagen der armen Burger / vnd ihren kleinen Kindern fort biß nach Ochsenhausen getriben / doch hernacher widerumb allher gebracht / vnd auff 30. Stuck an ihrer Forderung in behalten. Als man ihnen nun satisfaction gegeben / an Vieh / Gelt / Geltswerth vnd Obligationen / etlich tausent Gulden betreffent / seyn sie (die vom Beckischen Regiment) den 17. Junii weggezogen / worauff die Stadt widerumb etwas Lufft / vnd die Schlüssel zu den Thoren bekommen. Es befande sich nach ihrem Abzug / als die Rechnungen von Biberach / Ravenspurg / Kauffbeuren / Leutkirch vnd vnserer Stadt zusamen getragen wurden / daß die Beckische [Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec]; BW] Soldaten / diese bemelte Stätt innerhalb 5. Monaten auff die 130000. fl. gekostet“.

[191] Traktament: Verpflegung(s)gelder, Bewirtung, Besoldung; Gastmahl: Eigentlich durfte nur der übliche Servis gefordert werden: die dem oder den einquartierten Soldaten zu gewährende Unterkunft und Verpflegung, festgelegt in den jeweiligen Verpflegungsordnungen. „Servis“ definiert sich als die Abgaben des Hauswirts an den/die einquartierten Soldaten an Holz, Licht und Liegestatt (Heu und Streu), im Niedersächsischen kam noch Salz dazu; Kleidung, Ausrüstung etc., wurden verbotenerweise verlangt; Essen und Trinken fielen auch nicht darunter, wurden aber trotzdem eingefordert. Stattdessen konnte auch die sogenannte „Lehnung“ gegeben werden. Alle zehn Tage war diese Lehnung für die schwedischen Truppen zu entrichten, bei den unteren Chargen für Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den untersten Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. Dazu kam für den gemeinen Soldaten in der Regel täglich 2 Pfund Brot (zu 8 Pfennig), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfennig) und 1 Kanne Einfachbier (2, 02 Liter zu 8 Pfennig).

[192] Gundelfingen a. d. Donau [LK Dillingen/Donau]; HHSD VII, S. 257ff.

[193] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. In den bei Angriffen und Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten und um ein freies Schussfeld zu haben.

[194] Dattenhausen, heute Ortsteil von Altenstadt [LK Dillingen/Donau].

[195] Unterbechingen, heute Ortsteil von Haunsheim [LK Dillingen/Donau].

[196] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[197] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[198] RÜCKERT, Lauingen II, S. 47ff.

[199] Lehrensteinsfeld [LK Heilbronn].

[200] Adersbach, heute Ortsteil von Sinsheim [Rhein-Neckar-Kreis].

[201] Ittlingen [LK Heilbronn].

[202] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Die Bedeutung ergibt sich metonymisch: Der Stab war das Zeichen der Amts- und insbesondere der militärischen Obergewalt. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchsen auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen. Vgl. die Lebensmittelmengen, die der Stab Piccolominis 1635 in Dülken beanspruchte; ARBEITSGRUPPE VIERSEN, S. 90.

[203] Fronde: „(deutsch: die Schleuder) wird eine komplexe Abfolge von Aufständen und Bürgerkriegen bezeichnet, die Frankreich zwischen 1648 und 1653 erschütterten. Kontext war der seit 1635 offen ausgetragene Krieg gegen Spanien und die Habsburger, der mit wechselndem Glück das Königreich erschöpfte, sowie die Regentschaft Annas von Österreich, während der die Königsmacht geschwächt wurde. Gemeinhin wird zwischen zwei Phasen unterschieden: die fronde parlementaire (1648–1649), während der das Parlement, (das heißt die Versammlung der Pairs) von Paris, die Stadt Paris selbst und Teile des Volkes sich gegen die Kriegssteuererhebung und für ein stärkeres Mitspracherecht des Parlements erhoben; die fronde des princes (1650–1652), durch die die „Prinzen von Geblüt“ versuchten, Einfluss über die Regierung der Regentin auszuüben“. [wikipedia]

[204] Jules Mazarin [Giulio Raimondo Mazzarini] [14.7.1602 Pescina-9.3.1661 Vincennes], französischer Kardinal.

[205] N de la Roche [ – ], französischer Kommandant.

[206] DÜRR, Heilbronner Chronik, S. 185.

[207] Vgl. Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand B 50 U 11-U12. Abbildung: Rosenzweig: wikimedia commons.

[208] Nach wikipedia.

[209] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[210] Nürnberger Exekutionstag oder Friedensexekutionskongress: Der Nürnberger Exekutionstag oder Friedensexekutionskongress zwischen dem April 1649 und dem Juli 1650, an dem Wrangel wie auch Karl Gustav teilnahmen, diente der Klärung von Fragen, die bei der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden in Osnabrück und Münster nicht geklärt worden waren. Die Ergebnisse wurden im Nürnberger Reichs-Friedens-Rezess vom 26.7.1650 niedergelegt. Behandelt wurden insbesondere Probleme der Demobilisierung und des Truppenabzuges aus den besetzten Gebieten.

[211] DÜRR, Heilbronner Chronik, S. 186.

[212] Bietigheim [Bietigheim-Bissingen, LK Ludwigsburg], HHSD VI, S. 83f.

[213] Leonberg [Kr. Böblingen]; HHSD VI, S. 463f.

[214] Trommelschläger: Trommler (Tambour) wurden bei den Armeen auch als Boten eingesetzt, deren Aufgabe darin bestand, im feindlichen Lager als Kundschafter zu fungieren.

[215] N Heelin [ – ], französischer Hauptmann.

[216] Partisane, Partisain, Partison: Der Sponton der Unteroffiziere, auch Partisane genannt, war mit etwa 2,5 m länger und hieß mit ersterem Kurzgewehr im Gegensatz zur längeren Pike. Die Partisane ist ca. 1,8 m lang, der Schaft besteht aus einem stabilen Holz und trägt einen aus einem Stück geschmiedeten Aufsatz. Der Aufsatz besteht aus einer breiten, symmetrischen, doppelschneidigen, spitz zulaufenden Mittelklinge sowie zwei gebogenen Seitenklingen. Die Seitenklingen sind weniger wuchtig als die Mittelklinge und erinnern der Form nach an einen liegenden Halbmond aus dem ein kurzes Schwert (die Mittelklinge) ragt. Mit den beiden Seitenklingen ist es bei geschickter Anwendung möglich, den Gegner zu entwaffnen bzw. seine Waffe einzuklemmen. Zusätzlich verhindern die beiden Seitenklingen das zu tiefe Eindringen der Partisane in den Gegner, was das anschließende Herausziehen der Waffe erleichtert. Der stabile und wuchtige Aufsatz ermöglicht es dem Anwender, leichte bis mittlere Rüstungen zu durchdringen. [wikipedia]

[217] BENTELE, Protokolle, S. 234; Lübeck; HHSD I, S. 153ff.

[218] Beschreibung des Oberamts Weinsberg, S. 339.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Schmidberg [Schmiedberg, Schmidtberg, Schmidtberger, Schmiedeberg, Schmiedeberger, Smidberger, Schmitberger, Smidberger, Smitsberg], Ludwig von

Révay [Revai, Rewaj, Rewai], Paul [Paulus] Freiherr von

Révay [Revai, Rewaj, Rewai], Paul [Paulus] Freiherr von; Obrist [1598 Blatnica in der Turz-September 1635 vor Hanau am Main] Paul [Paulus] Freiherr von Révay [Revai, Rewaj, Rewai] [[1598 Blatnica in der Turz[1]-Sptember 1635 vor Hanau am Main] stand als Obrist[2] der Kroaten[3] in kaiserlichen Diensten.[4]

In der Schlacht bei Lützen[5] 1632 führte er fünf Kompanien[6] mit 250 Berittenen.[7]

Questenberg[8] wandte sich am 5.5.1633 aus Wien an Wallenstein:[9] „In deme Eur fl. Gn. vom 30. April erwönen, wan man von 200.000 fl.[10] – 80.000 fl. wöck nimbt, dz noch 120.000 verbleiben würden, haben E. f. g. hiebey den conto alles eingenomben: vnd verwendten gelts, In Eur f. g. vorigen schreiben wär gemeldt, Ich solt die vorigen 20.000 fl.[11] zue der Cravaten Musterung[12] behalten, die sehen aber E. f. g., dz nit vorhanden mehr sein; destwegen wier anderwerttig mit geldt aufkomen müsen, vnd will verhoffen, der Rewaj[13] wird zue rechter Zeit beim H. Gallaß[14] sein, so woll auch der Delitsch. Der Rewaj, weil er lang geworben,[15] sein fürgeben nach complet;[16] der Delitz, weil er lange nach ihme, Reway, dz geldt empfangen vnd mit beuelchshaber aufkomen künnen, so stark als ihm wierdt müglich sein, vnd wird ihme der Vberrest baldt nachfolgen. Also bin ich mit ihm verglichen“.[17] Am 11.5. wandte sich Questenberg erneut an Wallenstein: „Ich hab die Croaten, so viel deren vorhanden auf derselb Zeit sein werden, den 14. machen incaminiren.[18] Der Rewaj, vertröst man mich, sol 600 fur vol sein. Delitsch hat vmb 3 Wochen langsamber zue werben angefangen; wird doch komen vnd mit bringen, was er hat. Palatinus[19] schickt von seinen Hussarn[20] auf ain par Monath 200; die bayde Gebrueder Chiaki[21] jeder auch ain hundert hussaren, vnd haben mihr zuegesagt sich zue bemühen noch andere mehr zue gleichmasigen disponiren zu können. Die pfaffen in Hungarn vermögten auch ethwas, aber thuen nichts; wollen ihrer orth vnd natuer nach lieber haben dan geben“.[22]

Vom 28.9.1633 datiert Wallensteins „Diploma für die croatischen Obristen und Offiziere“: „Wir Albrecht etc. Vhrkunden vnd bekennen hiermit offentlich für iedermänniglich: Demnach der Röm. Kay. Mai.[23] über die Croatische cavalerie besteltter General[24] Ludwig Isolani,[25] Freyherr, so wol der Obr. Corpus,[26] Obr. Logi,[27] Obr. Forgatsch,[28] Obr. Rewai, Obr. Przschichofzky[29] vnd Obr. Delitsch nebenst ihren vnterhabenden officiern vnd reutterey sich in allen occasionen gegen dem Feind hertzhaft vnd tapffer gehalten vnd höchstbemeldter Ih. Mai. dienst mit vnerschrockenem gemütte, auch vngesparet ihre Lebens alles fleißes verrichtet,insonderheit bey diesem Feldtzug, als wir gegen dem feindt gelegen, denselben unablässig vnd dergestalt travagliert,[30] das er in die euserste nohtt dardurch gerahten: Als thun wir sie kraft dieses hiermit versichern, das zu einer wolverdienten recompens[31] von denen nechsteingehenden confiscationsmitteln bemeldtem Gen. Isolani ein gutt von 60.000, Jedem der obbemeltten Obristen aber eines von 30.000, wie auch ieglichem capitain[32] ein es von 10.000 fl., doch mit dem beding, das ieder derselben capitain seinen vntergesetzten officiern, als leuttenantt,[33] fendrich,[34] corporaln[35] vnd andern, eine ergetzlichkeit darvon thun, eingereumet werden solle. Welches dann mehr höchstgedachte Ih. Mai. dero mildesten, zu recompensirung Ihro trew geleisteter dienste stetz gerichteten intention nach sonder allen Zweiffel Ihro allerdings also wolbelieben lassen werden“.[36]

Révays Regiment[37] nahm mit fünf Kompanien zu 215 Pferden an der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634[38] teil.[39]

Zwischen dem 26.1. und dem 14.2.1635 hatte Isolano[40] in sieben Schreiben Beschwerden über die schlechte Militärzucht[41] und gegenseitige Angriffe der kaiserlichen Soldaten an Piccolomini[42] gesandt, die nach seiner Ansicht durch eine mangelhafte Aufteilung und schlechte Quartiere verursacht seien. Bei Hanau[43] sei es zu Schlägereien zwischen Kroaten und Soldaten Bredas[44] gekommen. Letztere hätten wie Räuber den Tross[45] des Kroatenregiments Révay geplündert und einen kroatischen Leutnant erschlagen. Die kursächsischen[47] Soldaten lägen in Eisenach[48] und verhielten sich nicht feindselig. Aber zwischen deutschen Dragonern[49] und Kroaten fänden Raufereien in den Gassen der Städte statt, wo sie einquartiert seien. Er lege den Text eines Verhörs der Deutschen sowie die Aussage eines polnischen[50] Rittmeisters[51] bei. Er habe Homburg[52] vom Feind gesäubert und diesen verjagt.[53]

Wahrscheinlich handelte es es sich bei dem im Folgenden erwähnten vor Hanau gefallenen Obristen um Révay. Die in Frankfurt/M.[54] erscheinende „Relationis[55] Historicae Semestralis Continuatio“ informierte ihre Leser zum Oktober 1635: „Mit der Plocquirung[56] Hanaw ward noch starck continuirt / wie dann 8. biß in 10. Käyserliche Regimenter darvor lagen / und sich in 3. vnterschiedliche Orth außgetheilet / auch vmb besserer Sicherheit haben ihre Quartier vergraben. Als solches der in Hanaw liegende Schwedische Commendant Obrister Ramsay[57] in Erfahrung bracht / hat er alsobald einen Außfall[58] zu Pferdt und Fuß gethan / in geschwinder Eyl / doch heimblich / durch das darbey liegende Gehöltz marchirt / und die Arbeiter unversehens überfallen / deren in 200. nieder gemacht / unter welchen ein vornehmer Obrister neben andern Officerern geblieben / unter wehrendem Scharmützel[59] seynd von den andern 3. Orthen viel Käyserische commandirt worden / aber zu spt kommen / es ist auch gleich anfangs ein Leutenant mit 30. frischen Pferdten vom Gen. Major[60] Lamboy[61]  angesichts / dieses nothleydende zu secundiren / befelcht worden / welcher auch wol was fruchtbarliches hätte effectuiren / und gedachten Obristen erretten können / aber wegen allerhand tergiversationen[62] dieses alles versäumet / und also den Obristen im Stich gelassen / über welchen Leutenant hernach Mitwochs im Läger[63] vor Hanaw ist Standrecht gehalten[64] / und er deßwegen mit dem Schwerdt gerichtet[65] worden“.[66]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Blatnica [LK Martin, Slowakei].

[2] Obrist [schwed. överste, franz. mestre de camp, dän. oberst, tschech. plukovník]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Seit Kriegsanfang war man auf Beute fixiert. Zeitungsbericht aus München, 3.12.1620; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 316: „So meldet Herr Wentzin [L Lorenz Wensin v. Rohlstorf zu Kronwinkel; BW] das er biß in 60000 fl. wehrt bekommen vnnd mus ein schlechter Obr: oder Hauptmann sein der in diesem Krieg nicht vber 30000 fl. erobert“ habe. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollte, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten u. offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630: HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 14f.: „Unndt wurde eß uf solchenn fall sich leichtlich gebenn, ob Euer Kay. Mayt. alßdann auff solcher Leute Dienste, die nichtes mehres alß groß unndt reich zu werden suchenn, die auch wol, wenn sie den Seckel gefulllet, lieber inn ruhe zu sizenn, alß zu fechten begehrenn möchtenn, sich mehr, alß auff ihrer gehorsamen Churfürsten undt Ständte gutten, getreuesten und gehorsambsten affection werden verlassenn können“. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, v. denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 mille, Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Maximilian v. Waldstein; BW]“.Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[3] Kroaten [Crabaten]: kroatische Regimenter in kaiserlichen u. kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die v. „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke u. Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore u. Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung u. Disziplinierung dieser „Streifparteien“ u. wurde v. diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Nach den Beobachtungen Christians II. von Anhalt-Bernburg (1627) waren unter den kaiserlichen Kroaten auch viele Deutsche in kroatischer Kleidung; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: 39v. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. GRANT, Memoiren, S. 81f.: „Diese irregulären Truppen wurden üblicherweise zu jedem verzweifelten Einsatz befohlen, denn ihre Art zu kämpfen ähnelte der der wildn Panduren. Sie trugen kurze Wamse und Harnische aus Stahl, lange, weiße Reiterhosen und Pelzmützen. Ihre Waffen waren lange Luntenschlösser mit gezogenen Läufen, Säbel und Dolche – Raubgut war ihre einzige Bezahlung und alleiniger Antrieb zum Krieg“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) u. Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 394: „Das Schreckensbild des barbarischen Fremden wurde gepflegt: es ist nicht das traditionelle des Türken, stattdessen wird der auf kaiserlicher Seite kämpfende Kroate als ‚Teuffelsgesindel‘ und Landverderber‘ apostrophiert, jede ‚vberauß schreckliche Barbarische Prozedur‘ war von ihm zu erwarten“. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian v. Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte”. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet”. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben. Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ “. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / ob sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“. THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet”. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Über erfolgreichen Widerstand böhmischer Bauern (1632) berichtet WATTS, The Swedish Intelligencer, S.  275: „Am selben 3. Februar begaben sich einige lose Truppen an Krabaten und anderen (auf der Suche nach Plünderung) über den Fluß Moldau in Richtung Pilsen. Als die Bauern davon Nachricht erhielten, sammelten sich 600 von diesen, versenkten zuerst die Boote, in welchem die Krabaten den Fluss überquert hatten. Sie griffen sie dann an und schlitzten die Hälse der Plünderer. Derart bedienten die Bauern die Krabaten des Öffteren, dessen bloßer Namen ihnen mehr verhasst war, als irgendein anderer der Kaiserlichen“. Gefangene Kroaten wurden unter Gustav II. Adolf in schwedische Kupferbergwerke verbracht; DUVE, DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 4; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87. Vgl. WEISE, Grausame Opfer ?

[4] KONZE, Stärke, S. 33; Vgl. auch BRNADIC, Imperial Armies (1) u. (2).

[5] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden u. Hessen-Kasselischen unter Gustav II. Adolf u. den Kaiserlichen unter Wallenstein. Nach WILSON, Lützen, S. 217, betrug die Stärke der kaiserlichen Armee 22.775 Mann, von denen 19.175 an der Schlacht teilnahmen. Die Stärke der schwedisch-hessen-kasselischen Armee betrug nach WILSON, Lützen, S. 220, 19.608 Mann, von denen 18.738 an der Schlacht teilnahmen. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs u. dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung u. Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v-302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff. => Quellen 50-89. [Abb. Stein20]

[6] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[7] WILSON, Lützen, S. 215; BRZEZÍNSKI, Lützen 1632, S. 25; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, S. 453.

[8] Gerhard Freiherr v. u. zu Questenberg-Jameritz [1586 Köln-1.7.1644 oder 1646 Wien], Sohn des Gerhard v. Questenberg (gest. 1587); ab 1604 Schreiber in der Wiener Abteilung der Reichshofkanzlei, ab 1607 Konzipist im Hofkriegsrat, ab 1626 wirklicher Hofkriegsrat, ab 1633 kaiserlicher Kämmerer, 1636 Mitglied der Regentschaftsregierung für Nieder- u. Oberösterreich sowie Ungarn; 1643 diplomatische Mission nach Siebenbürgen; kurz vor seinem Tod Ernennung zum kaiserlichen Geheimrat u. Vizepräsidenten des Hofkriegsrats; 1627 Erhebung in den Freiherrenstand, einer der am besten informierten kaiserlichen Beamten, Anhänger Wallensteins.

[9] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[10] Reichstaler/Gulden: 1 Reichstaler = 1,5 Gulden; 1 Reichstaler = 18 Batzen = 72 Kreuzer = 288 Pfennige, 1 Reichstaler = 21 Schillinge (ß) = 252 Pfennige (δ); 1 fränk. Rt. = 1, 2 fl. (1632), 1 fl. = 50 Liter Bier, = 5 Paar junge Hühner, Entgelt für die Säuberung zweier Wachtlokale. Reichsgulden: 1 Reichsgulden = 60 leichte oder rheinische Kreuzer (kr.) = ⅔ Reichstaler (Rtl.) = 16 gute Groschen = 24 Mariengroschen. Zur Umrechnung v. fl. in €: Wie problematisch eine derartige Umrechnung ist, zeigt www.mhoefert.de/PDFs/30_jaehriger_Krieg.pdf, der 30.000 fl. in ca. 3 Mill. € umrechnet (!). 1 fl. dürfte maximal 50 € entsprochen haben. Nach einer anderen nicht unproblematischen Umrechung würde 1 Rt. heute etwa 27, 3 € entsprechen. Nach WILDGRUBER, Die feste Stadt Wasserburg, S. 74, entspräche 1 Rt. 60 DM, also etwa 30 €. Eine Umrechnung v. 1 fl. über den heutigen Feinsilbergehalt v. 15 g in 8 € ist ebenso problematisch; MÜLLER, Die Belagerungen, S. 450. Wenn selbst Bauernstiefel schon mit 20 fl. aufgelistet sind, würde das 540-1.000 € entsprechen. Sinnvoller wäre es, mit den Preisen für Gebrauchsgüter, Löhne etc. in den betreffenden Jahren zu verfahren, die in den einzelnen Gebieten je nach Kriegslage sehr unterschiedlich sind.

[11] 120.000 fl.

[12] Musterung: Der militärische Unternehmer richtete einen Platz, meist in der Nähe einer Stadt, in deren Wirtshäusern oder in Landstrichen ein, die wegen ihrer wirtschaftlichen Krisensituation als besonders geeignet galten, ein, an dem sich die v. Werbern mit einem Handgeld geworbenen Söldner oder Rekruten einfanden. Wenn sie gemustert u. für tauglich befunden wurden, wurden sie durch den Musterschreiber in Musterrollen eingeschrieben u. an ihren Bestimmungsort verbracht. Auf dem ersten Blatt der Musterrolle, der „Prima plana“, waren die wichtigsten Ämter bis hin zu den Unteroffizieren aufgeführt. Die Heeresunternehmer hatten ein Werbepatent, das sie zur Stellung einer festgelegten Anzahl v. Soldaten verpflichtete. Konnte die Anzahl nicht erreicht werden, mussten die Werbegelder vom Kriegsunternehmer aus eigener Tasche zurückgezahlt werden. Im Laufe des Krieges wurden so viele Neuanwerbungen notwendig, dass die Werbung trotz steigender Werbegelder immer schwieriger wurde, so dass sich erzwungene Werbungen häuften. Vgl. auch BURSCHEL, Söldner, S. 126f.; LANGER, Hortus, S. 92f. Nürnberg soll sogar im Sommer 1625 100.000 fl. geboten haben, um keinen Musterplatz gewähren zu müssen; KOLLMANN, Der Dänisch-Niederdeutsche Krieg, Nr. 58. Zum Teil erfolgte die Musterung sogar, wenn noch nicht alle Waffen vorhanden waren; GRÄF, Söldnerleben, S. 110; SEMLER, Tagebuch, S. 115 (1633). Vgl. die selbstkritischen Äußerungen des schottischen Söldners Sir James Turner [1615-1686; vgl. MURDOCH, SSNE ID: 63], Memoirs, S. 14: „I had swallowed without chewing, in Germanie, a very dangerous maximie, which militarie men there too much follow; which was, that so we serve our master honnestlie, it is no matter what master we serve; so, without examination of the justice of the quarrel, or regard of my dutie to either prince or countrey, I resolved to goe with that ship I first rencounterd”. Teilweise wurden sogar ungemusterte Soldaten als Besatzungstruppen eingesetzt. Vgl. MANKELL, Arkiv, S. 229 (1631 in Arnswalde). HELLER, Rothenburg, S. 308: „In den Musterplätzen wurden die im Auftrag der Regimentsinhaber auf den Werbeplätzen angeworbenen Mannschaften durch einen Kommissar des Kriegsherren […] gemustert: Es wurde der Personalstand aufgenommen, d. h. Stammrollen (damals Musterrollen genannt) angelegt, Waffen, Pferde, Ausrüstung auf Kriegsbrauchbarkeit nachgesehen und die Mannschaft vereidigt. Die Muster- und vor allem die Werbeplätze bildeten eine schwere Landplage und Fürsten und Städte scheuten keine Kosten, ihr Gebiet davon freizuhalten. Wo die Werbetrommel ertönte (umgeschlagen) wurde), strömte das landfahrende Gesindel zugleich mit den nicht viel besseren Gartbrüdern (abgedankte Soldaten, die sich vom Garten, d. h. Betteln im Herumziehen, nährten) zusammen und hielt auch nach Annahme des Werbegeldes nicht die geringste Spur von Kriegszucht; erst mit dem Schwur unterwarfen sie sich dem Kriegsrecht. – Auf eigene Faust verübten die Neugeworbenen Bedrückungen und Erpressungen schwerster Art, legten sich beim Bürger und beim Bauern ein und waren nur durch Geld und reichliche Wegzehrung zum Weiterziehen zu bewegen – allen Vorschriften zum Trotz, die ein Einlagern der zum Musterplatz marschierenden Neugeworbenen nur für eine Nacht erlaubten“.

[13] Paul [Paulus] Freiherr v. Révay [Rewaj, Rewai] [1598 Blatnica in der Turz-1635 Hanau am Main], kaiserlicher Obrist.

[14] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Feldmarschall u. Generalleutnant. 1606 Eintritt in spanische Dienste, 1615-1617 Teilnahme am Friaulischen Krieg, 1618 Beförderung zum Hauptmann, Kommandant v. Riva u. Bekanntschaft mit Johann v. Aldringen. Durch dessen Vermittlung 1629 Wechsel aus kurbayerischen in kaiserliche Dienste, nachdem Gallas die Festnahme wegen Unbotmäßigkeiten u. Erpressungen angedroht worden war. Am 18.7.1630 zusammen mit Aldringen Beteiligung an der Plünderung Mantuas, wo er (nach heutigen Begriffen) ein Millionenvermögen erbeutete. Am 10.3.1632 Erhebung in den Reichsgrafenstand, am 13.10.1632 Ernennung zum kaiserlichen Feldmarschall, im September 1633 zum Generalleutnant unter Wallenstein. Zusammen mit Aldringen u. Piccolomini betrieb Gallas die Entlassung Wallensteins. Am 24.1.1634 Übernahme des Oberbefehls über das kaiserliche Heer, nach Wallensteins Ermordung, deren Planung und Durchführung er Piccolomini überlassen hatte, erhielt er dessen Herrschaft Friedland. Am 5./6.9.1634 hatte Gallas entscheidenden Anteil am Sieg über die Schweden bei Nördlingen. Sein schlechter Ruf als Trinker u. Spieler sowie glücklos verlaufene Feldzüge wie im Winter 1633 in Schlesien, 1635/1636 in Lothringen, 1637 gegen Johan Banér u. im Winter 1644 im Rückzug vor Lennart Torstensson brachten ihm bis heute den Ruf eines “Heeresverderbers” ein. Im November 1639 wurde Gallas entlassen, anschließend erneut berufen, im Januar 1645 wiederum entlassen, um dann von Dezember 1646 bis zu seinem Tod letztmalig das Kommando zu übernehmen. Vgl. REBITSCH, Gallas I; REBITSCH, Gallas II; BECKER, Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[15] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl v. Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der v. Städten u. Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung u. den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung u. wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden v. den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide u. mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen u. noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt u. durch die Erschießung v. Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f. Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik v. Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200), dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Für unerlaubte Werbung drohte die Todesstrafe; MÜLLER, Unterpfalz, S. 63. Der Schweriner Dompropst u. Ratzeburger Domherr, Otto v. Estorf [1566-29.7.1637], berichtet zum April 1623; DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[16] Laut Patent vom 14.3.1633 500 Mann neu geworben; WRDE, Die K. und K. Wehrmacht 3. Bd., 2. Hälfte, /. 765.

[17] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 310.

[18] incaminieren: einleiten, anzetteln, einfädeln.

[19] Miklós [Nikolaus] Graf Esterházy de Galanta [8.4.1582 Galántha (bei Pressburg-11.9.1645 Großhöflein (Burgenland)], Palatin v. Ungarn. Sohn des calvinistischen Magnaten Franz Esterházy v. Galántha (1533-1604); Konversion zum katholischen Glauben; ab 1618 Obergespan des Sohler Komitats und Magister curiae regiae (Reichsmarschall); 1619/20 Befehlshaber Kaiser Ferdinands II. (1578-1637) an den Grenzen Ungarns; seit 1622 kaiserlicher Kämmerer; 1622-1625 Kreis-Oberbefehlshaber der Bergstädte; ab 1625 Palatin v. Ungarn; 1626 Erhebung in den Grafenstand; 1630 u. 1644 Oberbefehlshaber über die kaiserlichen Truppen in Ungarn; seit 1628 Ordensritter vom Goldenen Vlies. – Palatin: im Königreich Ungarn in den Jahren 1350 bis 1848 der vom König vorgeschlagene und vom Reichstag gewählte königliche Stellvertreter und gleichzeitig der oberste Richter des Landes. Palatin: im Königreich Ungarn in den Jahren 1350 bis 1848 der vom König vorgeschlagene und vom Reichstag gewählte königliche Stellvertreter und gleichzeitig der oberste Richter des Landes.

[20] Husar: Man muss zwischen polnischen u. ungarischen Husaren unterscheiden. Schriftlich erwähnt werden „hussarones“ erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die ungarischen Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem ein Panzerstecher (hegyestor, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Die Husaren waren zunächst als leichte Kavallerie im polnischen Heer eingesetzt, bevor die Veränderung zur schweren Reiterei erfolgte. Die gepanzerten polnischen Flügelhusaren („Hussaria“) trugen Brustpanzer, Armschienen und kniehohe Lederstiefel. Zwei am Rückenpanzer befestigte große Flügelstangen ragten bis zu einen Meter über den Kopf, um allein durch ihren Anblick und das Rauschen Schrecken zu verbreiten. Zudem sollte der Rücken vor Säbelhieben und den von Tartaren verwendeten Lassos geschützt werden. Die Lanze war die Hauptwaffe, mit der die Flügelhusaren ihre Angriffe ritten. Daneben gab es leicht bewaffnete Husaren, die zur Aufklärung eingesetzt wurden.

[21] a) Stephan Graf Czáky [Csáki, Chiaki] [3.5.1603 Ruskov- 10.11.1662 Zipserhaus] und b) Ladislaus [Lassel] Graf Czáky [Csákim, Chiaki][1602 Adorján an der Berettyó-1.9. 1654 Pressburg], kaiserlicher Kämmerer u. ungarischer Obrist.

[22] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 326.

[23] Vgl. BROCKMANN, Dynastie; BIRELEY, Ferdinand II.

[24] General: Zumeist als Oberbegriff für alle Generalsränge, z. T. auch nur für Befehlshaber verwendet, wenn eine genauere Zuordnung des Rangs dem Zeitzeugen nicht möglich war oder um in den schriftlichen Zeugnissen Papier zu sparen. Darunter fielen in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, „General(feld)wachtmeister“ („Generalmajor“ bei den Schweden). Etwa 20 % der bayerischen Generäle hatten sich „von der Pike auf“ hoch dienen müssen, während die Beförderung in der schwedischen Armee je nach Verdienst wesentlich schneller erfolgte. Sowohl in der kaiserlichen als auch in der kurbayerischen Armee spielten Herkunft, Gönner u. verwandtschaftliche Beziehungen („Freundschaft“) eine entscheidende Rolle bei der Karriere. Bereits Anfang 1628 hatte Maximilian I. festgestellt: „An der fromen khaisers gueten intention ist zwar nit zu zweiflen; aber er ist seiner ministrorum bevorab denen, die daß kriegswesen dirigirn und füehren, so wenig mechtig alß dieselbige ihrer soldatesca; die experienz hat bißher gewisen, daß die generales des khaisers und die soldaten der generalen ordinanzen nur so weit in acht nemmen, alß es ihnen gelegen und gefellig. Daher alle ietzige confusiones.“ Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 218, fol. 63: Memorial für Richels Sendung nach Kurmainz, Januar/Februar 1628.

[25] Goan Lodovico Hector Graf Isolano [Isolani, Isolary, Isolan, Isolana, Isalon, Iselon, Isolani, Isola, Isolai, Isolam, Isolanus, Insulanus] [1586 Görz-17.3. oder 29.3.1640 Wien], Sohn des zypriotischen Adligen Giovanni Marco Isolano, ab 1619 kaiserlicher Hauptmann, Obrist (1625) u. General (1632) der kroatischen Reiter, seit 1635 kaiserlicher Kämmerer, 1634 Erhebung in den Grafenstand. Vgl. BÜCHELER, Von Pappenheim zu Piccolomini, S. 103ff. Dass Isolano häufig auch in anderen Berichten unter den Toten v. Lützen 1632 aufgeführt wird, mag damit zusammenhängen, dass man ihn hier mit N Isolano [ -20.11.1632 Leipzig], einem kaiserlichen Offizier, verwechselte, der verwundet nach Leipzig verbracht u. dort bei der Einnahme durch kursächsische Truppen totgeschlagen wurde.

[26] Markus v. Corpes [Corpus, Corpusz, Corpitz, Corps, Cörber, Coepus, Korpus, Korbitz, Carpus, Kargis] [ -29.7.1638 bei Benfeld], Obristleutnant (1628) u. Obrist (1631/32) eines kaiserlichen Kroatenregiments.

[27] Peter [Pál, Petrus] Freiherr v. Losy [Losey, Loosi, Loßi, Loschi, Loschy, Lossii, de Laucy, Lohse, Logy] [ -nach 1640], kaiserlicher Rittmeister (1624) u. Kroaten-Obrist (1630), 1635 Todesurteil wegen Beteiligung an Wallensteins [1583-1634] „Verschwörung“, jedoch Begnadigung.

[28] Miklós VII. Forgách [Forgatz, Forkar, Fargotsch, Fürgatz] Graf de Gýmeš [Ghymes] u. Gács [1586-14.9.1635 Pressburg], kaiserlicher Obrist.

[29] Jan Karel [Johann Karl] Freiherr (1651) Přichovský z Přichovic [Prischoffsky,Pschioffsky, Psionsky, Prisiosky, Briovsky, Petzloffsky] [um 1595-3.5.1660], kaiserlicher Obrist. JELINEK, Die Böhmen I, S. 45f.

[30] travagliert: Mühe gegeben.

[31] Rekompens: ständig v. Offizieren u. Beamten eingeforderter Ausgleich, eine Entschädigung u. Belohnung für geleistete Dienste (Erlaubnis zur Plünderung bei Einnahme einer Stadt oder Festung) oder noch zu leistende Dienste z. T. aus noch zu konfiszierenden Gütern; HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., Nr. 759, S. 628. OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 12. Tilly wandte sich nach der Schlacht bei Stadtlohn (1623) „geradezu mit der Bitte an Ferdinands reiche Liberalität und Milde um eine besondere Begnadigung, durch welche der Kaiser ihn ‚mehr und mehr festiglich obligieren und verknüpfen konnte‘. Er hatte sich als ein solches ‚kräftiges incentif‘ die böhmische stadt Leutmeritz ausersehen, wollte sich jedoch auch mit einer Anweisung auf pfälzische oder oberösterreichische guter begnügen“.

[32] Kapitän [schwed. kapten, dän. kaptajn, tschech. kapitán]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben u. ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure u. verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich – ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. – sein Anteil aus Beute u. Ranzionierung (Lösegeldern) betrug pro 1.000 Rt. Erlös 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung u. Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung u. Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, u. die eigentlich militärischen Aufgaben wurden v. seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben u. auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte die Feldscher u. die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- u. Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant u. dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Infanterie ein Kapitän 4 Rt. 22 Gr. zehntätige Lehnung; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. Laut kaiserlicher Verpflegungs- u. Soldordnung (1636) standen ihm monatl. 130 fl. zu; SCHMID, Quellen, S. 153.

[33] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant, tschech. poručik]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatl. zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Laut kaiserlicher Verpflegungs- u. Soldordnung (1636) erhielt er monatl. 50 fl.; SCHMID, Quellen, S. 153. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt bei der Kavallerie ein Leutnant 6 Rt. 16 Gr. zehntätige Lehnung, bei der Infanterie dagegen nur 3 Rt. 16 Gr. 7 ⅓ Pf.; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. Als Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Leutnant nach der Schlacht bei Jankau (1645) 50 Rt. Ranzion (Lösegeld) aufzubringen. Ein verletzter Leutnant erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 70 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1665, S. 596, 597; Nr. 1666, S. 598.

[34] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik, tschech. praporčík]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie u. Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen v. Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) u. die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann u. Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee bekam er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Laut kaiserlicher Verpflegungs- u. Soldordnung (1636) standen ihm monatl. 40 fl. bzw. 38 fl. zu; SCHMID, Quellen, S. 153, 159. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt ein Fähnrrich bei der Kavallerie 5 Rt.  zehntätige Lehnung, bei der Infanterie 1 Rt. 16 Gr. 7 ⅓ Pf.; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. Als Fähnrich einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein verletzter Fähnrich erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 100 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1668, S. 599. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Fähnrich nach der Schlacht bei Jankau (1645) 40 Rt. Ranzion aufzubringen.

[35] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal, tschech. desátník]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt ein Korporal nur ca. 1-2 Rt. zehntätige Lehnung; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. Ein verletzter Korporal erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 70 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1665, S. 596, 597, 598; Nr. 1666, S. 598. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.

[36] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 591f.

[37] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[38] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Sachsen-Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

[39] ENGERISSER, Nördlingen 1634, S. 65, 277.

[40] Goan Lodovico Hector Graf Isolano [Isolani, Isolary, Isolan, Isolana, Isalon, Iselon, Isolani, Isolam] [1586 Görz-März 1640 Wien], kaiserlicher Kroaten-Obrist. Vgl. BÜCHELER, Von Pappenheim zu Piccolomini, S. 103ff.

[41] Indisziplin: Der Chronist Sebastian Dehner [1612-1679] (1620); HELLER, Rothenburg ob der Tauber, S. 11: „1620. Mittwoch den 5. Januar hat Marggr. J. Ernst [v. Brandenburg-Ansbach; BW] allhie auf dem Mark nebst bei der Trinkstuben wegen der Soldaten, damit sie im Zaum gehalten würden, einen Galgen, Schneller oder Schnerr, wie manß nennt, und einen Eßel aufrichten lassen. Der Esel ist gemacht geweßen von Brettern geformt und so hoch als eines Schmieds Notstall, der Schnöller und Galgen ungefähr 3 oder 3 ½ mannßhoch. […] Wenn er den Eßel verdient, hat man ihn rittlingsweiß daraufgesetzt auf die Kante und zu beiden Seiten an jeden Fueß einen schweren Stein oder Plock gehengt und ihn bey 2, 3 oder mehr Stund, nachdem er verdient, darauf sitzen lassen“. MÖSER, Staßfurt, S. 217 (1639): „Den 9. Novbr. ziehen die Finnen, dergl. gottloses  grobes Volk wir fast nie gehabt, wieder nach Quedlinburg, weil sich ihr Commandant, der Fähnderich beklagt, daß weder mit Worten, noch mit Prügeln er sie zwingen könnte“. Vgl. auch Maurus Friesenegger OSB [1590 Dießen-11.5.1655 Andechs], Abt v. Kloster Andechs (1634) über spanische Einheiten; MATHÄSER [Hg.], Maurus Friesenegger, S. 41f.: „Ein Haufen hungriger Soldaten fiel in unser Maierhaus ein, und brach alle Türen der Stallungen mit Gewalt auf, um daraus zu nehmen, was ihmen gefiele. Und besonders gefielen ihnen die Schweine, die ihnen aber auf das Feld entlaufeten. Wir sprachen eilends unsere Quartiers-Offiziere um Abhilfe an, die auch eilends samt dem Colonell dem Maierhaus zulauften, um sich diesen einheimischen Räubern entgegen zu stellen. Wenn uns in diesen Zeiten noch um das Lachen gewesen wäre, so war dieß gewiß ein lächerlicher Auftritt, zu sehen, wie die Gemeinen den Schweinen, und die Offiziere den Gemeinen auf dem Felde nachlauften, daß jenen die Lumpen und diesen die Haare in die Höhe flogen. Endlich wurden 2 von diesen Gewalttätigen, die ihrer 90 waren (damit unsere gebietenden Herren nicht nur gegen die Bauern, sondern auch gegen die ihrigen streng zu sein schienen) gefangen genommen, an einen Pfahl, der in dem Hofe des Maierhauses in die Erde gechlagen ward, angebunden, und zum Totschießen verurteilt, denen wir aber Pardon des Lebens ausbitten mußten, vielleicht, um uns verbindlich zu machen“.

[42] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[43] Hanau [Main-Kinzig-Kreis; HHSD IV, S. 199ff.

[44] Hans [Johann] Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon, Bredaro, Berda, „Lorda“] [um 1595 Zeestow-14.11.1640 bei Riebelsdorf], kaiserlicher Feldmarschall.

[45] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[45]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[46] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung v. Festungen u. Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. JANSSEN, Bellum iustum, S. 137: „Sei der Krieg als Mittel zur Erhaltung der Gerechtigkeit unter den Menschen gestattet, so sei auch das Beutemachen in einem gerechten Krieg als ein legitimes Mittel, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen oder von der Führung eines ungerechten Krieges abzuschrecken, gerechtfertigt. Daß dem Feind alle Güter, die ihm zur Schädigung der gerechten Sache dienen, entwendet werden dürften, liegt, so Grotius, auf der Hand. Des weiteren gäbe es drei schwerwiegende Gründe, aus denen es gerecht erscheine, die Güter des Feindes in Besitz zu nehmen. 1. Als Ausgleich für die Güter, die der gegner sich entweder vor oder während des Krieges widerrechtlich angeeignet hat; 2. Als Entschädigung für die Kriegskosten, die dem gerecht Kriegführenden entstanden sind; 3. Als abschreckende Strafe für den Übeltäter. Sich den Besitz des ungerechten Feindes aus Habgier anzueignen, sei jedoch nicht zulässig. Der gerechte Krieg rechtfertige nicht die Plünderung des Gegners“. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen u. Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames u. ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. die zeitgenössischen Berichte über die Plünderung Perlebergs (1638) durch Kaiserliche; CRUSIS, Höchstnöthige und heilsame Erinnerung, S. 20f. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. v. Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. PFLUMMERN, Tagebücher III, S. 21 (1631): „Diser täglichen Einfähl und Blinderung wegen seind nit allein in castris sonderbare Kaufpläz, sonder auch in allen Dörfern bis auf Schömerberg herauf sowol mit Leinwat, Klaider, Hausgeschirr und allerhandt Mobilien solche Handthierungen, das es sich der Frankhforter Mess zue Wien vorm Kerntherthor vergleichet. Wirdet alles von Soldaten umb ein Spottgelt bekhomen, hernach aber von andern Leuten, so sich mit Victualien in das Leger wagen und dergleichen Sachen eintauschen, widerumb etwas theurers verhandlet. Es mangelt auch nit, das vil catholisches Baursgesindt in die verlassne ulmisch- und wirtenbergische Flekhen sich einschlaicht, und was der Soldat nit fortbringen könden, quasi per spicilegium [sozusagen als Ährenlese] gar aus dem Weg raumet“. Doch hält PFLUMMERN, Tagebücher I, S. 24 (1631), fest: „Disen Tag ist in castris alles zum morndigen Aufbruch fertigzuehalten anbevolhen und derowegen das Straifen, Blinderen und Brennen nit gespert worden, ausserhalb was diejenige Buest betrifft, welche vergangne Täg hero mit grosser Anzahl in das Leger khomen, den Raub aufzuekhaufen, immassen Paurs- und Burgersleit diser Handlung etlich Meil Wegs und bis von Saulgen herunderzugezogen. Disen seind zum Theil die erkhaufte Wahren widerumb abgenomen, theils das Gelt, ehe sie eingekhauft, mit Straich und Schlägen ausgebrest worden“. PFLUMMERN, Tagebücher I, S. 25f. (1631): „In unserem Anwesen seind bekhante Leut von dem Leger heraufkhomen, in deren Gegenwart die ganze Armada aus dem Leger verrukht und den Zug uber die Gögglinger Brukh genomen, die referirn, das obgleich vergangenen Tag diser Aufbruch mänigklichen angesagt worden, habe man jedoch im Fortraisen merkliche Ohnordnung gespirt, und seie nit allein vom Proviant, sonder auch von den colligirten Beuten ein zimbliche Anzahl hinderlassen worden, dahero die benachparte Bauren nach Abzug des Volkhs in das Leger gefallen und solche Reliquias jeder nach seinem besten Vermögen undereinander theilen wöllen. Als aber die gögglinger und thonaustetter Gemeintsleut eine Praelation [Vorrang] haben und die frembde Leut, so vermuetlich weniger Schaden dan sie gelitten, darvon abtreiben und ausschliessen wöllen, seien hierauf dise beede Paurenpartheien etwas hart aneinander khomen, also das mancher die Wahrzeichen mit blauen Augen und geschwollnem Kopf mit sich nacher Haus gebracht“. PFLUMMERN, Tagebücher I, S. 44 (1631): „Es hat ein Zeithero von allen Dörfern das arme Paursvolkh seine Ross und Viehhaab zue errötten etlich hundert Stukh in die Statt Biberach getriben, auch aller Orten, da Plaz und Gelegenheit verhanden ware, in Stallungen, Scheuren, Häusern, auch jederweylen bei der grösten Kältin allein in vermaurenten Höffen auf dem Schnee und Eys undergebracht, gleichwol darbei solche Sicherheit nit befunden, das dem alhiesigen Soldaten nit zue Zeiten guete Beuten darvon zuekhommen weren, dan manche Nacht 2, 3, 4 oder noch mehr Stukh von Rossen, Vih, Schweinen etc. verlohren und uber angesteltes fleissiges Nachsuchen nit mehr zue Hand gebracht worden. Es werden zwar die Marchatänter dessen bezüchtiget, welche das Vih alsbald abschlachten sollen; jedoch Etlicher Mainung auch dahin gehet, daß die Burgere solch Maisterstukh gleichfahls erlernet haben“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“ Auch eigene Einheiten fielen über andere Einheiten her, um sie auszuplündern, wie etwa 1634 in Leipheim; BROY, Leipheim, S. 146f.

[47] Vgl. SENNEWALD, Die kursächsische Armee.

[48] Eisenach [LK Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[49] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[50] Polen, Polacken [„Husacken“, „Hussaria“]: Die übliche, zunächst nicht pejorative Bezeichnung für die im kaiserlichen Heer wenig geschätzten polnischen Truppen, die hauptsächlich von Spanien besoldet und in habsburgischen Diensten standen. Vgl. Wallenstein an Gallas, 30.1.1633; NÉMETHY, Das Schloß Friedland, S. 106: „wenn die nacion siehet das ihnen einer nachgiebt oder ihrer von nöthen hat so seind sie insuportabili [unerträglich; BW]“. Die Kampfkraft dieser Truppen galt als gering. Einerseits galt ihre Führung als schwierig, andererseits waren sie wegen ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit im Umgang mit Muskete, Pistole, Säbel, Lanze und Wurfspeer gesuchte Söldner. Von Philipp Graf v. Mansfeld-Vorderort gegenüber Ilow stammt die negative Beurteilung; HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 512: „Die Beschaffenheit vnserer Pohlen habe Ich gestern dem Herren ausführlich, sowohl dem Herren Veldtmarschalch auch ieczo bey diesem überschriben. Der Herr zweifle nur nit, daß ihnen nicht viel hunderterler persvasiones eingeprediget, getruncken vndt geßen worden; die Bestien haben auch capiret, aber viel eher aus dem gedechtnüß verlohren, alß der Wein aus dem Kopf und Magen verdeyet worden. Sie freßen wohl weder Sambstag noch Freytag Butter oder Ayer; sich aber sonsten für den catholischen glauben, daß Römische Reich oder auch ihr aigeneß Vatterlandt ainige Vngelegenheit zue machen, seindt sie gancz keine leüth. Warheit oder Ehr hat bey ihnen nicht lenger bestandt, alß weil es ihnen zum profit dienet; wan der aufhöret, schwehren sie für fünff groschen einen Aydt, daß Gott nie zur Welt gebohren. Mit diesen ehrlichen Leuthen habe Ich diese Tage hero meine Zeit zuebringen müßen; kehme es nur endtlich zue nuczbahren diensten deß Kaysers, möchte man alleß deßen vergeßen. […] mitlerweile mich bey Herrn Veldtmarschalch helffen entschuldigen, daß Ich mit diesen Leuthen nicht eher erscheine, ist ia ie ein pur lautere Vnmöglichkeit geweßen, sie ehender fort zue bringen; hoffe zu Gott, wir werden noch entlich zue rechten Zeit kommen, inmaßen dann dieser Canali nur in der ersten furi arbeit vndt action geben werden muß, worauf dieselbe inmittelß, doch ohne maßgeben, bestermaßen bedacht sein wollen“. Vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik (Oktober 1636), S. 89: Die polnischen Reiter „soffen sehr viel bier auß, machten es mit Plündern, schenden erger denn alle feinde, ritten uff die welde, durchschändeten die Weibsbilder, dass Sie nicht gehen kundten, nötigten die Steinalten Weiber, dass Sie starben, zernichteten alles in heußern, weil ihrethalben alles uff die Welder und in die Städte gewichen wahr, haben viel vergrabene sachen aufgesucht, vermaurete keller gefunden, zien und kupfer mitgenommen, kirchen erbrochen, kelche, leichen- und Altartücher mitgenommen. Den 31. October s. n. fiel das Fest aller heiligen ein, drumb blieben Sie liegen, feyerten es mit fasten und speisen nur von öhl, Eßig und fischen, wo sies haben kundten, wahren aber nichts desto frömmer und brachen an Sontag frühe auf und marchirten auf Presnitz und Wiesenthal. Das ärgste und grausambste an ihnen wahr, dass Sie schöne kinder, gleich wehren Sie Turcken oder Tartarn, mitgenommen“. WAGNER, Pforr, S. 129. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 616f.: „Vnder diesen Crabaten vnd Pollacken ward eine scharpffe Kriegs-Disciplin vnnd gute Ordnung gehalten / wie dann drey ihrer Soldaten / welche in einem Dorff auß einer Kirchen etwas gestohlen / vnnd darüber ergriffen worden / eine harte Straff haben außstehen müssen / in deme sie alle drey an Pfählen angebunden / vnd lebendig im Fewer verbrändt worden. So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / vnd deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / vnangesehen er eine grosse Summe Gelts für sein Leben gebotten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart vnnd Ansehen deß Edelmanns enthauptet / vnd hernacher folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Bei dem Rothenburger Chronisten Dehner werden die polnischen Kosaken aus der Ukraine als „Husacken“ bezeichnet; HELLER, Rothenburg, S. 20. Vgl. auch SCHWARTZ, Die Neumark, S. 53ff.

[51] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[52] Homburg a. Main [Gem. Triefenstein, LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 319.

[53] TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1148, S. 359.

[54] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[55] Relation: I. Bericht, Meldung. II. Auch für Zeitung verwandt. Vgl. KNAUER, Magdeburg, S. 251: „Auch wenn so manches Zeitungsunternehmen nur kurze Zeit überdauerte, lassen sich um die Mitte des 17. Jahrhunderts gleichzeitig etwa 40 bis 60 deutschsprachige Zeitungen nachweisen, mit einer durchschnittlichen Auflage von ca. 350 bis 400 Exemplaren. Der Preis für das Jahresabonnement einer wöchentlichen Zeitung betrug, nach Belegen aus der zweiten Jahrhunderthälfte, etwa 2 Gulden; für ein Blatt, das zweimal wöchentlich erschien, waren im Durchschnitt 3 Gulden (bzw. 2 Reichstaler) zu ‚berappen‘. Das entsprach ungefähr dem Wocheneinkommen eines Handwerksgesellen der oberen Lohnskala und ließ zumindest theoretisch den gelegentlichen Erwerb von Zeitungsblättern zu“. => Zeitung.

[56] Blockade [blocquade, plocquade]: Absperrung, Einschließung, Besetzung, Belagerung. Die oft sehr zeit-, personen- u. kostenintensive Blockade u. Einschließung einer Festung zielten auf Aushungerung der Bevölkerung. Der Salemer Mönch Bürster berichtet über die Blockade Überlingens 1644; WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 196: „Den 19. Februarii hat der commendant [Courval; BW] wol uff zway oder anderthalb hundert personen außgelaßen, welche herr obriste Wolff widerum haißen zuerugg hineinzuetreiben oder niderzueschießen und nit paßieren laßen, uff welches ain solches geschray, jamer, heylen und wainen, insonders klainer kindern und schwangeren weiber, daß doch ainen harten stain und letstlichen auch ihn hat mießen bewegen; hat er solche laßen verwahren biß er befelch vom obristen Merzi [Franz v. Mercy; BW] bekomen, wie er sich mit ihnen solle verhalten, welche also lange zeit im veld in großer kelte, regen und wind, tag und nacht uffgehalten, und letstlich befelch komen, solche alle widerumb zuemahlen zuerugg hineinzuejagen oder aber niderzueschießen. Allain welche gelt gehabt, weil nun deß beschaids von Merzi erwartet, haben sich interim ihre ettliche redimirt oder außkauft, daß man sie hat laßen laufen, entreunen und darvon komen, welche außgeben, daß man kain kazen noch hund nit mehr darinnen thue sehen und ain solches schwarzes brod thue backen, daß manß nit oder kümmerlich kendte glauben und allberait an schmalz schon großen mangel. Und sollen die gemaine soldaten, deren über 600 nit, deren maßen also elend und der mehrer thail so kraftloß herumber gehen, daß sie die muggen oder fliegen schier möchten umbstoßen. Lassen auch schon kuglen biß in die schanzen, unangesehen sie so weit vorhußen, heraußlaufen, wie sie dann voriger tagen in ainem schuz ihr drey getroffen, 2 gebliben, der drüdte ob er möchte curiert werden, ist ungewiß“. Dagegen wurden Ausfälle aus der Festung unternommen, um Nahrung zu beschaffen, den Belagerungsring zu sprengen, die Belagerer aus den Gräben zu werfen u. diese zuzuschütten. Doch es gelangten immer wieder Güter hinein, weil der Ring wie z. B. um Eger 1647 nicht lückenlos geschlossen werden konnte. Holzappel erließ daher einen Aufruf an die Nachbarorte, mit dem er jedem für das Einschleusen von Lebensmitteln die übliche drakonische Strafe des Abschneidens v. Nasen u. Ohren androhte. Dass der Befehl auch vollstreckt wurde, zeigen die Erinnerungen Leopolds aus Marktredwitz: „In dieser Woche(n) sind 3 Männer, die etwas auf dem Rücken nach Eger tragen wollten, von den bayer. Reitern gefangen genommen worden. Dem einen davon ist der Bart samt der Haut, dem anderen die Nase(n) und dem dritten sind die Ohren abgeschnitten worden. Dann hat man sie wieder laufen lassen“. BRAUN, Marktredwitz, S. 318. Ein ähnliches Mandat hatte Ferdinand III. auch Nürnberg zugehen lassen, das ebenfalls Transporte nach Eger hatte abgehen lassen. Österreichisches Staatsarchiv Wien Kriegsakten 168, fol. 271: Kaiserliches Mandat an Nürnberg, Pilsen, 1647 VIII 26.

[57] Sir James Ramsey [Ramsay, Rammsey, Rambssee, Rhamsay, Ramsoi, Ramsoy, Ramsaeus, Ramsa, Ramsai, Romsai] “the Black” [“Black Ramsay”] [1589-28.6.1639 auf Schloss Dillenburg], schwedischer Obrist. Vgl. MURDOCH, SSNE ID: 3315.

[58] Ausfall: Ausfälle aus einer Festung bzw. Stadt dienten der Nahrungsbeschaffung, der Sprengung des Belagerungrings, um die Belagerer aus den Gräben zu werfen, Kanonen unbrauchbar zu machen u. Durchhaltewillen zu demonstrieren. Zum Teil waren diese Ausfälle mit hohen Verlusten verbunden. Soldaten wurden mit Geld u. Rangerhöhungen [=> Quelle 870: „Kurtze / vnd in Particulari einkommene Relation“-Frankfurt/Oder 1631] motiviert, mit vorgehaltener Waffe wie in Brünn 1645 gezwungen, hinter ihnen hergeschossen oder durch Ausschank v. Branntwein in betrunkenem Zustand (Hameln 1633) dazu verleitet. Zum Teil mussten auch Bürger in vorderster Front mit ausfallen.

[59] Scharmützel [schwed. skärmytsling, dän. skirmish]: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“: Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand, mit denen auch Schlachten eröffnet wurden. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände v. bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut v. Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[60] Generalmajor [schwed. generalmajor, franz. maréchal de camp, engl. major general, dän. generalmajor, tschech. generalmájor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen, bayerischen, dänischen u. schwedischen Armee wahr. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen u. dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen u. dem Feldmarschallleutnant.

[61] Wilhelm [Guillaume de] Freiherr (1634), Graf (1649) v. Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey, Lambert, Lampert, Lampar, Lompey] [um 1590 Kortessem-13.12.1659 Schloss Dymokury], Sohn des Wilhelm v. Lamboy (gest. 1636), zunächst in spanischen Kriegsdiensten, noch vor Mitte der 1620er Jahre kaiserlicher Obrist, später Generalfeldwachtmeister (1634), Feldzeugmeister (1641) u. Feldmarschall (1645); 1647-1649 Kommandeur der kaiserlichen Truppen im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis, Erhebung in den Freiherren- (1634) u. Grafenstand (1649).

[62] tergiversieren: kehrt machen, lügen.

[63] Feldlager: Der Raum für den Oberkommandierenden u. seinen Stab wurde zuerst ausgemessen, durch eine Barriere u. eingesteckte Spieße, oft auch durch Befestigungen, vom übrigen Lager abgetrennt. Die Fahnen des Regiments wurden in die Erde gesteckt. Hinter jeder standen in langer Reihe die Hütten des Fähnleins oder der Kompanie. Bei der Fahne lag der Fähnrich, der Leutnant in der Mitte u. am Ende der Reihe der Hauptmann. In einiger Entfernung vom Lager war des öfteren ein mit Bastionen versehener Wall u. Graben aufgeworfen, hinter denen auch die Feldgeschütze standen. Vor der Umwallungslinie waren zumeist geschlossene Redouten oder Feldschanzen angelegt.„Den Offizieren und insbesondere den Obristen fehlte es in ihren wetterfesten, zum Teil gefütterten und mit Öfen beheizbaren Zelten auch während der Feldzüge nicht an Bequemlichkeit. Durch zumeist senkrechte Wände boten sie ausreichend Platz. Die dichte Webart und das Aufbringen von Wachs machten den dicken Stoff wasserdicht. Eine zweite Stofflage im Inneren war oftmals kunstvoll bestickt“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 99. Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Hütten durch Raubbau in den Wäldern aus Brettern, Reiser, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh u. Laub, stabilisiert mit Spießen u. mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62, EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS (Hg.), 1636, S. 96f. Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiziere u. den Hütten u. Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. In der spanischen Flandern-Armee hatte eine Baracke Platz für vier Personen mit zwei Betten. Daneben gab es eine Doppelbaracke für acht Personen mit vier Betten. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, dass sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, 2. Bd., S. 287, Anm.; LAHRKAMP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. War während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. v. Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- u. Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke u. verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ u. deren Frauen u. Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Vgl. auch den Brief des kurkölnische Fähnrichs Johann Christian Schneid(en) an seine Ehefrau; Wahrhaffter Abtruck / eines Cöllnischen Fewerrohr-Fähnrichs auß dem Läger bey Münster. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 97ff.; STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 77ff.

[64] Militärgerichtsbarkeit: Nach dem kaiserlichen Generalauditor Sestich war das Kriegsrecht so scharf, dass nur wenige davon kommen würden, wenn man ein ganzes Lager anklagte; MAILÁTH, Geschichte von Östreich 3. Bd., S. 392. Vgl. die  Auffassung des schottischen Söldnerns MONRO, His Expedition, S. 161f.: „The tragicall end of this Dutch Colonell Metzlaffe [Mitzlaff; BW], should teach all Cavaliers, to whom Strengths are concredited, not to give over without great necessitie; especially being made fore-seene of a Relieffe to come. And the greatest blame, that was imputed unto him, was his too much neglect of the duties of his Calling, being too carefully to entertaine Cameradeship night and day, the fruit whereof in the end was ignominie, with the losse of life and credit. Which should teach all men to avoide such a beastly life, dishonouring the noble profession of Armes. We seen then no law or justice is more strict or more summary, than the Discipline military, where the Articles we are sworne unto, are our lawes, [S. 162] which being transgressed, we are subject to the punishment: and it our lawes were not strict, and our punishment sharpe, ist were impossible to keepe us in obedience. But I  am sorry, that for the most part we abstaine more for feare of punishment, than for the obedience to God and the law. This censure though hard from me, the truth is still the same, though man were silent“. Das Militärrecht scheint in vielen Fällen ein reines Willkür-Recht gewesen zu sein, trotz der Normen in den Kriegsartikeln, Erlässen der Heerführer etc., abhängig v. der Laune des Obristen, Obristleutnants etc. den Zeitumständen, der Anzahl der Soldaten, die man brauchte etc., trotz gelegentlichem harten Durchgreifen der Obrigkeit. SCHMIDT, Chronici Cygnei Pars Posterior, S. 683 (Zwickau 1643): „Den 16. Februarii hat der Obrist. Leut. de La Tour, einem seiner Reuter / weil er bey Nächtlicher weil einen Schoß gethan / als bald in einer Viertelstunden nach begangener That auff dem Marckt an die Justiz / unerachtet er auch nur gebetten / man wolöte ihm zuvor das H. Abendmahl (denn er war Evangelisch) reichen / lassen auffhängen: Dargegen hat ein anderer einer armen elenden Frauen eine Hand abgehauen / und aber einer die S. Katharinen Kirche bestohlen / welchen gar keine Straff angethan worden“. Wallenstein schrieb am 12.1.1626 aus Aschersleben an den zuständigen Leutnant des Generalprofoses; KOLLMANN, Der Dänisch-Niederdeutsche Krieg, Nr. 150, S. 88: Der Generalprofosleutnant sei nach Halle geschickt worden, um die Straße zwischen Halle und Leipzig frei und sicher zu halten. Nun müsse er erfahren, dass dort Menschen überfallen und beraubt werden. Darum befehle er ihm, die Sicherheit herzustellen und die Schuldigen hinrichten zu lassen. Wer Untertanen des sächsischen Kurfürsten Schaden zufügen oder dessen Land betreten wolle, solle nicht durch Erhängen, sondern dadurch hingerichtet werden, dass er bei lebendigem Leib aufs Rad geflochten werde. Sollte der Leutnant nicht gehorchen, würde diese Strafe ihn selbst treffen. Wenn es zu weiteren Überfällen auf den Straßen kommen sollte, müßte er annehmen, dass der Leutnant selbst an solchen interessiert sei.

Nicht nur das schwedische Militärrecht war, sofern es strikt angewendet wurde, sehr streng, schon für das Schlafen während der Wacht war im Art. 43 für Gemeine das Arkebusieren (Erschießen mittels Arkebuse) vorgesehen. KORSCHELT, Geschichte von Oderwitz, S. 232: „Besonders übte der Kurfürst von Sachsen große Strenge gegen die Excesse seiner Truppen. So wurde z. B. am 21. Februar 1637 ein Reiter, der beim Straßenraub überwunden, erschossen und von seinen Kameraden Schande halber schnell verscharrt worden war, auf kurfürstlichen Befehl wieder ausgegraben, nachträglich geköpft und, damit der Gerechtigkeit Genüge geschehe, aufs Rad geflochten. Später wurden in Dresden einmal sechs und ein andermal sieben Soldaten mit dem Schwert hingerichtet“. Der Pfennigmeister Bleymann aus Düren Anfang 1636: „Solch Brennen, Plünderen, Rauben mit adelichen Häusseren und Kirchen ist es, dass nicht wol zu beschreiben ist; hausen unchristlich, arger als Turken, und werden taglich arger. Als heud werden 6, 8, 10 hingericht – schrecklich, aber hilft nicht. Zeit ich hie gewesen, ist wol ein halb Compagnie Volk gericht, aber hilft nicht“. KAISER, Überleben im Krieg, S. 211. William Crowne [1617-1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments u. 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, berichtet über die Kämpfe Gustav II. Adolfs an der Alten Veste bei Zirndorf: „Der König von Schweden hatte hier drei seiner Soldaten für den Mord an zweien seiner Kommandanten und das Überlaufen zum Feind pfählen [im Original „set upon poles alive“] lassen. Nachdem die Schlacht ausgefochten war, hatte man die Soldaten gefangen genommen und hingerichtet“. RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36. Labe stand als Kornett in kaiserlichen Diensten, als er am 26.3.1625 in Arnstadt vor dem Siechhof wegen „Freireiterei“ hingerichtet wurde. KLAUS, Chronik: Arnstadt 704-2000, Teil 1. SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 647f. (Zwickau 1641): „Den 29. [April, 9.5.1641; BW] ließ der Obriste Schliebe [Hans Heinrich v. Schlieben; BW] einen Mußqvetirer / darumb daß er einẽ Hauptman hatte bestohlen / aufhängen. Dieser war nur für 14. Tagen durch die Spießruthen gejaget worden: Er hat etliche mal zuvor gesagt, er möchte es machen wie er nur wolt / so wurde er nicht gehänget / biß auff Ostern / da wär seine Zeit umb / und dieses erging auch in der That also. Denn in Oster-Feyertagen kam er ein / und den dem andern Tag nach dem Fest wurde er gehänget“. Das Strafrecht wurde äußerst unterschiedlich gehandhabt, vgl. SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 683 (1643): „Den 16. Februarii [26.2.1643; BW] hat der Obrist. Leut. De La Tour, einen seiner Reuter / weil der bey Nächtlicher Weyl einen Schoß gethan / alsbald in einer Viertelstund nach begangener That auff dem Marckt an die Justitz / unerachtet er auch nur gebeten / man wollte ihm zuvor das H. Abendmahl (denn er war Evangelisch) reichen / lassen auffhängen: Dargegen hat ein anderer einer armen Frauen eine Hand abgehauen / und aber einer die St. Katharinen Kirche bestohlen / welchen gar keine Straff angethan worden“. GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 268 [1642]: „In solcher Zeit hat ein Reuter einen armen Taglöhner, Linhard Schleichern, auff dem Unter-Rasen über seiner Arbeit mit vielen Hieben und Stichen dergestalt ohne einige gegebene Ursach verwundet, daß er vor tod herein getragen worden, gleichwol durch Gottes Gnad und angewänden Fleiß der Wund-Aertzte wieder zu recht gebracht, der Reuter aber ist, andern zum Abscheu, auff dem Marckt allhier archibusiret worden“. GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 247f.: „Den 21.Julii ist, im Beyseyn des gantzen Leibregiments, Hertzog Wilhelms zu Sachsen, unter dem Commando dero Obristen Lieutenants, Rudolph Georg von Wolfframsdorff, so umb den auff dem Marckt auffgerichteten Galgen zu Pferd mit auffgezogenen Hahnen gehalten, öffentlich Stand-Recht gehalten worden, über Jacob R. ins gemein der lange Jacob genant, welcher zu Kaltennortheim, da er im Qvartier gelegen, voller Weiß den jenigen Stock, an welchen die Soldaten, an welchen die Soldaten wegen ein und des andern Verbrechens geschlossen worden, umbgerissen, und darbey Chur-Fürstlicher Durchläuchtigkeit zu Sachsen gelästert, und ist ihm daselbst zuerkännt worden, dass ihm erstlich die rechte Hand abgehauen, darnach das Maul geschlitzt, ein Zeichen auf die Brust geschnitten, und endlich gehängt werden solle. Welches alles so bald an ihm exeqviret worden, indem ihm auff einem hierzu gemachten Stock die rechte Hand abgehauen, an den Galgen genagelt, das Maul geschlitzt, die Brust zerschnitten, und endlich gehängt, gegen Abend aber wieder herab genommen, an die Land-Strassen beym Fröschlein-Brück begraben, und der von ihm umbgerittene Stock auff sein Grab gesteckt und eingegraben worden“. MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd. , S. 525f. (Schweinfurt 1640): „Etliche Baierische Reuter von der Compagnie des Obersten Druckmüller, die in Werneck einquartirt waren, ritten am Sonntage, den 19. April, bezecht zum Spitalthore hinaus und erblickten ein armes 25jähriges Mädchen von Westheim, das sich schon lange hier aufgehalten hatte, beym Hanenbrünnlein, wo es Hopfen pflückte. Einer von diesen Reutern sprengte auf dasselbe los und wollte es schänden. Aber das Mädchen, dem seine Ehre lieber war, als das Leben, rettete sich tief in den Main hinein; der Reuter ritte nach, hielt es mit dem Säbel, schleppte es heraus, und nachdem er es etliche Mal überritten hatte, schoß er es durch den Kopf, daß es starb. Der Thäter ritte nun seinen Cameraden nach; aber sein verdienter Lohn blieb nicht aus. […] Am  23. d. wurde abends vor dem Thorschlusse ein Galgen, den man zu Werneck verfertigt hatte, von vier Reutern begleitet, hieher geführt und an dem Orte, wo der Reuter das arme Mädchen so schändlich gemordet hatte, aufgerichtet. Am 25. d. zwischen 12 und 1 Uhr mittags brachten 20 Reuter den Uebelthäter geschlossen von Werneck hieher, der sogleich an diesen Galgen gehenkt wurde“. Was das schwedische Kriegsrecht angeht, so fällt schon auf, dass das je nach Territorium, Lage oder Befehlshaber recht lax gehandhabt wurde, was z. B. auch Vergewaltigung angeht. Bei dem Chronisten Pforr aus Schmalkalden heißt es, WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636, BW] sollte ein [schwedischer, BW] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden“. Befehlshaber wie Pfuel dagegen griffen hart durch. Der Naumburger Domprediger Johann Zader [19.10.1612 Zeitz-17.3.1685 Naumburg] unter Zeitz 1640; OPEL, Die Städte Naumburg und Zeitz, S. 58: „Dazumahl hatt den 19. December General Pful eine scharffe Execution gehalten vber etliche von seinen völcker, welche auf dem lande vbel mit denen leuten vmbgegangen waren. Erstlich wurden 3. gehenckett auf dem alten Margkt, darunter ein Calvinist, einer auch ein Papist, welche sich beyde zu unser lutherischen religion bekennett, vnder diesen wurden zween, deren einer ein qvartiermeister, ehe sie gehenckett, auf die reder gelegett vnd mit Schwedischen träncken gefullett. Nach diesem wurden einem Corporal die Nase, beyde ohren, vndt 2. Finger von der rechten handt abgeschnitten, vndt zur stadt hinausgeführett. Darnach haben Ihrer 6. sich niederlegen und einer den andern mit prügeln schlagen mußen, biß der provoss inhalt gethan. Weiter haben Ihrer 3. sich entblößen mußen die oberhelffte des leibes, war sonsten dazumahl eine grimmige kälte, vndt einer nach dem andern durch die spießruhten laufen mußen, da denn des Generals Trajoner den ganzen Margkt lang uff beyden seiten gestanden, vndt die Durchhinlauffenden mit spießruhten gehauen, davon auch einer gestorben. Lezlich seindt etliche Soldatenjungen in dem Rahtshofe von Bauerburschen desgleichen mit Spießruthen tractiret worden“. Vgl. dagegen SODEN, Gustav Adolph 2. Bd., S. 465f. (Nürnberg 1634): „Peter Richter, Quartiermeister im Regimente des Obersten Wolf Adam von Steinau war wegen Raub und Mordthaten zum Tod verurtheilt worden. Man schenkte ihm aber wegen seiner dem gemeinen evangelischen Wesen geleisteten treuen Dienste und auf Fürstliche und andere vornehme Verwendungen Verwendungen aus Gnadn das Leben und ließ ihn auf einen versperrten Thurm setzen. Oberst Steinau reclamirte ihn aber und man ließ ihn gegen geleistete Urfehde abfolgen“. Bei Kirchenraub scheint man auf beiden Seiten allerdings sehr rigide vorgegangen zu sein. Mit Befriedigung stellt z. B. der Stassfurter Pfarrer Möser fest, wie Banér Kirchenraub bestrafen ließ; WINTER, Möser, S. 50: „Den 4. Januar [1634] läßt der General Baner einen Reiter, ist ein Schottischer von Adel gewesen, in Magdeburg richten. Das Urteil hat ihm diesen Tod und Peinigung gegeben, daß man ihm die rechte Hand mit einem heißen Eisen verbrennen, etliche Zwick mit Zangen geben, und dann darauf ihn lebendig viertheilen sollte. Weil er aber 1000 Thaler gegeben, ist das Urteil gelindert und ihm erst der Kopf abgeschlagen, darnach geviertheilet worden. Sein Verbrechen ist dieses: Als voriges Jahr den zweiten Adventssonntag sein Rittmeister mit seiner Compagnie, nachdem er abgedankt haben soll, aus dem Reich marschirt, kommen sie in Guelpzig, nicht weit von Alsleben an der Saale gelegen, eben unter dem Gottesdienste, u. weil der Edelhof, welchen zu der Zeit unser ältester Bürgermeister allhie, Valtin Halke, wegen seiner darauf stehenden Schuld inne hatte, vor ihnen zugeschlagen wird, tollisiren sie nach der Kirche, der Rittmeister, ein Trompeter, und dieser reiten gar hinein. Der Rittmeister treibet mit bloßem Degen die Leute übern Haufen, daß sie hinter den Altar laufen und häufig über einander fallen im großen Schrecken, indem auch drei Schüsse hinein geschehen sein. Der jetzo berührte Maleficant aber reitet vor den Altar, reißt dem Pfarrer, so eben die Leute communicirt (darunter auch eine adelige Wittwe, eine Crosigken von selbigem Hause, so Georg Ernst Lampen gehabt, gewesen, welche auch bald hernach allhier wegen solchen Schreckens gestorben und den 3. März begraben worden), den Kelch aus der Hand, gießt den consecrirten Wein auf die Erde, und nimmt Kelch u. Patenichen [Patenen; BW] mit“. Manchmal kann man sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, als wäre man gegen Ethnien besonders scharf vorgegangen. Das THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 616f.: „Unter diesen Crabaten und Polacken ward eine scharpffe Kriegs-Disciplin und gute Ordnung halten / wie dann drey ihrer Soldaten / welche in einem Dorff auß einer Kirchen etwas gestohlen / und darüber ergriffen worden / eine harte Straff haben außstehen müssen / in deme sie alle drey an Pfählen angebunden / und lebendig im Feuer verbrandt worden“. Das „Theatrum Europæum“ 3. Bd., S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Bei der Nonne Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg im Schwedenkriege, S. 222, heißt es dagegen ausdrücklich, dass die Schweden in der ganzen Zeit sich „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Über die Ereignisse in der freien Reichstadt Mühlhausen (1639) JORDAN, Mühlhausen, S. 91f.: „Den 12. Juni [22.6.1639; BW] nahm der schwedische Obristlieutenant [Janns (Junis); BW] mit 12 Fahnen oder Compagnien sein Quartier in der Stadt; diese lagen hier bis zur Ernte. Es wurden auch 2 Soldaten auf dem Markte an einen Galgen gehangen; für den dritten thaten die Officiere eine Fürbitte wegen seiner Jugend, und als er pardonirt, mußte er 3 Mal Spießruthen laufen“. Die Thomas-Chronik hält dazu fest; JORDAN, Mühlhausen, S. 260: „Den 12. Juni [22.6.; BW] bekam ein schwedischer Obristleutnant, Junis genannt, sein Quartier mit 12 Fähnlein Fußvolks in die Stadt, dieselbige zu unterhalten. Zur selbigen Zeit wird ein Galgen auf dem Obermarkt aufgerichtet, daran sollten drei gehängt werden. Für den dritten geschah Fürbitte von dem Offizier und ward seine Jugend angesehen, und da er des Henkers erlassen ward, mußte er dreimal durch die Spießruthen laufen. Die andern zwei mußten hängen“. Dass das Militärrecht sehr unterschiedlich angewandt wurde, zeigt auch PFLUMMERN, TAGEBÜCHER I, S. 45 (1633): „Ein Soldatenjung von 13 Jahren wirdet vom Scharpfrichter des Regiments mit Rueten ausgehauen, wegen er eines Marchatenters Magt vor etlichen Tag mit einem Tolchen vorsezlich im Zorn erstochen“.Das „Theatrum Europaeum“ 3. Bd., S. 796, berichtet: „Wenig Tag vor gedachtem Anzug der Käys. und Chur-Sächsischen Armeen gegen Eulenburg und Torgaw hat der Käyserl. General Leutenant / Graff von Hatzfeld zu Riesen [Riesa; BW] in Meissen 112 Mann. / der Käys. Armee gehörig (darumb daß sie neben noch andern / in die 400. starck / über 15. Meyl-Wegs von der Armee sich begeben / und in der Laußnitz Stätte und Dörffer gebrandtschätzet / geplündert / die Unterthanen und andere Leuth erschröcklich tractirt / ermordet / und sonderlich mit den Weibsbildern und schwangern Frawen unchristlich procedirt hatten) theils hencken / verbrennen / rädern / viertheilen / theils aber auch gar spiessen und in die Hecken hencken lassen. Diese Gesellen und Freybeuter / meistentheils Frantzosen und Wallonen hatten sich Merode Brüder [so genannt nach Werner von Mérode, Obrist in schwedischen Diensten] genandt / und eines vesten Hauses impatronirt / welches sie auch mit Proviandt ziemblich versehen. Dieweil sie aber den Hatzfeldischen Rumor-Meister / welcher sie von so bösem Vornehmen gütlich abmahnen wollen / spottlich tractirt / und sich nicht abschröcken lassen wollen / seynd etliche Regimenter wider sie außcommandirt / und sie von denselben zur Ubergab bezwungen worden. Worauff man den Rädelsführern vorgesetzten Proceß gemacht / die übrigen / so nicht also tyrannisiret / haben in den Eysen gehen / und an den gefährlichsten Orthen gegen dem Feind schantzen müssen“. Die „Condemnatio ad opera“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war auch im herkömmlichen Strafrecht vorgesehen, hier natürlich als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Zuständig war der Auditor (Auditeur) als militärischer Justizbeamter: Richter eines Unterkriegsgerichts, der für sämtliche militärische Gerichtssachen innerhalb eines Regimentes u. dessen Trosses zuständig war. Mit dem Unterkriegsgericht stand der Auditor einer Instanz vor, die im 17. Jahrhundert das genossenschaftliche Schultheißengericht (vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 54ff.) ablöste, u. so war der Auditor kein erfahrener Söldner, sondern ein ausgebildeter, nicht dem Regiment angehörender Jurist (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 141ff.), der aus der Beamtenschaft des Kriegsherrn rekrutiert wurde. Er unterstand dem Befehl des Obristen, erhielt aber nur 20 Rt. samt Gebühren pro Monat u. war deshalb empfänglich für „Verehrungen“, zumal auch er meist mit Familie, immer aber mit Gesinde u. einem Soldatenjungen reiste. Er wurde in der Regel auf die Initiative des Feldmarschalls bzw. des Obristen hin tätig. Ihm waren zwölf Geschworene u. ein Gerichtsschreiber zugeordnet. Der Auditor bedurfte der Erfahrung in Inquisitions- u. Kriegsgerichtsprozessen sowie in bürgerlichen u. natürlichen Rechten, genoss aber teilweise ein recht fragwürdiges Ansehen. Die nach den Grundsätzen des Militärstrafrechts verhängten Urteile betrafen zumeist Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung. Todesurteile wurden teilweise, insbesondere bei entstehenden Unruhen in der Truppe, dem Kommandeur vorgelegt u. nach dessen Bestätigung in der Regel öffentlich vollstreckt. Deswegen wurde zumeist auch ein Quartiergalgen auf einem öffentlichen Platz errichtet. Vgl. auch STIELER, Auditeur, über seine Erfahrungen in der brandenburg-preussischen Armee; vgl. BERG, Der Spate. Dienstvorgesetzter der Auditoren war der Generalauditor: Er war der vom Kriegsherrn berufene Dienstvorgesetzte aller Regimentsauditoren, der Rechtsspezialisten, die aber dem betreffenden Regiment nicht angehörten u. die zunächst die Untersuchung aller auftauchenden Delikte nach den Grundsätzen des Militärstrafrechts durchführten. Er übte dementsprechend mehr Gewalt aus u. war gefürchteter als ein Regimentsauditor. Vgl. „Schwedisches Kriegs-Recht“; BERG, Administering justice, S. 9, 16f. Zudem war er auch in Rechts- u. Grundstücksgeschäften für die Generalität u. hohe Offiziere tätig; vgl. MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Teil, S. 619.

[65] Köpfen: Die Enthauptung galt im Gegensatz zum Erhängen am Galgen nicht als ehrenrührige Todesstrafe. Standespersonen war die Hinrichtung in aufrecht kniender Haltung mit dem Schwert vorbehalten, während niedere Ränge auf einem hölzernen Richtblock mit dem Beil enthauptet wurden. Nicht nur das schwedische Militärrecht war, sofern es strikt angewendet wurde, sehr streng, schon für das Schlafen während der Wacht war im Art. 43 für Gemeine das Arkebusieren (Erschießen mittels Arkebuse) vorgesehen. Arkebuse war ein Gewehr, eine Waffe für leichte Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Höhere Offiziere wurden dagegen meist mit dem Schwert hingerichtet. BECKER, Peter Müller’s Chronik, S. 60 (Frankfurt/M.): „Anno 1626 den 11. Tag Augusti ist dieser Spanier mit dem Schwert gericht worden, welcher des Marktschiffers Reitknecht erstochen hat. Der Henker hat ihn nit angerührt, sondern er ist ganz ledig in den Kreis gangen, welchen die Soldaten gemacht hatten. Als er ist gericht gewesen haben ihn die 4 Todtengräber in ein Leichkar gelegt und ihn nach dem Gutleuthof getragen; alda ist er begraben worden“. Vgl. „Schwedisches Kriegs-Recht“; BERG, Administering justice. Zum Teil wurden auch einfache Kombattanten mit dem Schwert gerichtet. Ähnlich wurde auch in der kaiserlichen und kurbayerischen Armee verfahren. Vgl. die Hinrichtung des Obristen Schellart v. Dorenwert, Adam Wilhelm, Freiherr zu Gürzenich; Obrist [ -12.10.1627 im Feld vor Rendsburg enthauptet] in den „Miniaturen“. Das Hinrichtungsritual als „Theater des Schreckens” mit Schwert, Galgen u. Rad galt als gesellschaftliches Reinigungsritual u. als vom Rat inszeniertes Abschreckungsmittel bei Eigentumsdelikten, Raub, Totschlag, Vergewaltigung, Religionsdelikten u. Hexerei. Die Todesurteile wurden in Ausnahmefällen etwa in Fällen politischer Justiz in der Stadt vollstreckt. Der Delinquent/die Delinquentin sollte in angemessener Kleidung ruhig u. gefasst in den Tod gehen. Erwünscht war eine Mahnung an die Menge sowie ein Gebet für das Seelenheil. Wichtig war der Unterschied zwischen einer ehrenhaften Leibesstrafe – u. damit einem anschließenden ehrlichen Begräbnis – u. einer unehrenhaften Leibesstrafe. Auch der Scharfrichter hatte seine Rolle bei diesem Ritual. Missrichtungen führten dagegen zu Tumulten u. einer massiven Bedrohung des Scharfrichters, weil hier das vorzuführende moralische Exempel gescheitert war. Außerdem sah man in Missrichtungen ein Gottesurteil, der Delinquent wurde in der Regel begnadigt. Zu den Missrichtungen vgl. IRSIGLER; LASSOTTA, Bettler und Gaukler, S. 249f. Teilweise wurde der Delinquent auch begnadigt, wenn eine Frau Fürsprache einlegte u. ihn heiratete. Vgl. die Erinnerungen des Pfarrers Klingsporn; NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 229.

[66] THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 571.

Veröffentlicht unter Miniaturen | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Révay [Revai, Rewaj, Rewai], Paul [Paulus] Freiherr von

Dunkel [ Doneckel, Dunckel, Dünckel, Doel, Donckel], Wilhelm

Dunkel [Doneckel, Dunckel, Dünckel, Doel, Donckel], Wilhelm; Obrist [ -2.7.1646] Wilhelm Dunkel [Doneckel, Dunckel, Dünckel, Doel, Donckel] [1] [ -2.7.1646] stand als Obrist[2] in kaiserlichen Diensten.

Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås], der sich auf Akten des schwedischen Reichsarchivs stützen konnte, berichtet unter dem Januar 1635: „Die / vom Hertzog[3] besetzt gelassene / beyde ort / Wechtersbach[4] vnd Gellhausen[5] / giengen / so bald Er sich fast movieret / sambt denen / darin gewesenen / knechten[6] verlohren. Wechtersbach / Städtlein vnd Schlos / anderthalb stunde über Gellhausen gelegen / berandte der Obriste Bredaw[7] den fünffzehenden tag Jenners / nach mittage / durch die reuterey / vnd griff es den sechszehenden zu nacht / mit fusvolck vnd dragonern[8] an: Die solches / vnangesehen der / darin gelegene / Capitain[9] / sambt seinen ohngefähr sechszig oder siebenzig dragonern / sich tapffer gewehret / dennoch endlich / da dieselbige sich gantz verschossen gehabt / erstiegen / vnd die darin fast alle ohne vnterscheid / ob Sie wohl ümb accord[10] gebeten /  auch sich / in verweigerung dessen / letztlich zu rançon[11] erboten / niedergemachtet. Zu Gellhausen wurden stracks hernach die Rüttwenische[12] dragoner vom Feinde vnvermuthlich überrumpelt / theils in die panne gehawen / vnd der rest sambt ihrem Commendanten gefangen / auch dragoner-fahnen dem Feinde zu theil“.[13]

Eine etwas andere Darstellung findet sich im „Verlauff  mit Gellhausen, auß des Obersten Bredas[14] beyden Schreiben, sub dato, den 14./24. und 17./27. Januarij 1635.

Als gedachter Obrister mit 3 Regimentern[15] zu Roß und 1 Dragonern, gehabter Ordinantz nach Fulda[16] biß auf Salmünster[17] marchiret, Herren veldtmarschalchen[18] Graffen von Mannßfeldt[19] die Hand zu bieten, ist Herzog Bernhard seiner gewar worden, und in Person neben 10 Regimentern auf Ihn avanzirt, weil aber gedachter Bredaw auch aldo gestanden, hat er den Feindt durch seinen Obristen Wachtmeister,[20] Dunckel genanndt, mit 300 Pferden die Avantguardia chargiren[21] und bey die 200 Pferde davon niderhauen lassen, darauf sich der Feindt, weiln er von einem Soldaten der Unserigen berichtet worden, daß Veldtmarschalch Piccolomini[22] mit allen Trouppen im anzuge, widerumb gewendet, sich gegen Hanau[23] und Franckfurth retiret und die Stadt Gelhausen mit 2 Regiment Dragonern und 200 Mann zu fuß besetzet hinderlaßen, davon interim der General Wachtmeister[24] Benigkhausen[25] mit etlichen Trouppen Manßfeldischer Armeé bey gedachtem Obristen Bredaw angelanget, und seyndt sie zusammen fürters uff Gellhausen zu marschiret, selbigen Ortt attaquiret und mit Gewalt erobert, darinn 9 Fändel,[26] ein Obr. Leutenant,[27] ein Obr. Wachtmeister, ein Haubtmann[28] und Leutenant,[29] 4 Fändrich[30] neben mehr andern unter Officirern[31] und Soldaten gefangen[32] bekommen, und den uberrest nidergehauen …“[33]

Nach Mitteilung Carettos[34] gegenüber Melchior von Hatzfeldt[35] lag das Regiment Dunkel im Januar 1639 in Düren,[36] bis es im Februar seinen Marschbefehl erhielt.[37]

1640 bis 1645 kämpfte Dunkel in den Niederlanden und am Rhein.

Nach den Angaben bei dem Historiographen und Habsburg-Anhänger Wassenberg[38] in seinem 1647 neu aufgelegten „Florus“ geriet Dunkel in dem verlorenen Gefecht Lamboys[39] gegen Franzosen, Weimarer und Hessen-Kasselische[40] am 17.1.1642 bei Kempen[41] in Gefangenschaft.[42] Im Juni 1642 tauchte er zunächst in Köln[43] auf. Im August dieses Jahres weilte er in Düren[44] und ersuchte Hatzfeldt, wieder in kaiserliche Dienste treten zu dürfen.[45]

1643 nahm er an der Schlacht bei Tuttlingen[46] am 24.11.1643 teil.

Dunkel wird 1645 in der Chronik von Bietigheim[47] (Herzogtum Württemberg) erwähnt: „Etlich wenig Tag vor diesem grundverderblichen Refrechierquartier [die Einquartierung La Pierres;[48] BW] als den 27. Septembris ist Beßigheimb,[49] welches mit Schwedisch[50] Volk besetzt war, von dem Kay. Obrist. Dunckhel berennt und den 30. dis von dem General Wachtmeister Sparn[51] beschossen, auch mit Accord erobert worden. Welche Belägerung dem Städtlin Bietigheim auch viel Schrecken und Uncosten verursacht“.[52] Im Dezember 1645 lag er in Buchen.[53] Wie Damian von Nideggen Hatzfeldt berichtete, stand Dunkel im Februar 1646 als Kommandant im Raum zwischen Rhein und Maas im Einsatz gegen gegnerische Truppen.[54]

In der in Frankfurt/M.[55] erscheinenden „Relationis Historicæ Semestralis Continuatio“ heißt es zum Juli 1646: „Monntags den 22. Junii A. vnd 2. Julij N. C. war der Nider-Hessische Commendant in Neuß[56] / Herr Obrister Rabenhaupt[57] / mit 750. Pferden / vnd 400. zu Fuß / von dar auß ins Stifft[58] Cölln gangen / vmb gegen etliche Widerspänstige vmb Bonn[59] / der Contribution[60] halber / einen Ernst vorzunehmen / wie er dann etliche Personen gefänglich / vnnd viel Viehe wegtreiben lassen. Als solches der Käyserl. Obr. Dunckel vernommen / hat er die Chur-Cöllnische reutterey / in 500. Pferd starck / versamlet / auch eylends darauff fortgesetzt / in Hoffnung das Viehe / (so wol in 500. Stück Rindern bestanden:) abzuiagen / deßwegen an einem gewissen Paß den Hessischen vorgewarttet / da sie dann einander in die Haar gerathen / also daß nach einem harten Gefecht die Käyserl. endlich die Flucht nehmen müssen / worbey er / Obrister Dunckel selbst / sampt 70. der seinen / auff dem Platz tod geblieben. 180 Mañ aber / sampt 2. Capitäinen[61] / beneben etlich Vnder-Officiern / gefänglich nach Neuß eingebracht worden / darbey dann der Bauern auch vber etlich vnd 20. ins Graß gebissen“.[62]

Wassenberg schreibt in seinem 1647 neu aufgelegten „Florus“: „Den 22. Junij A. vnd 2. Julij N. C. war der Nider-Hessische Commendant in Neuß / Herr Oberst. Rabenhaupt mit 750 zu Pferd / vnnd 400. zu Fuß / von dar auß ins Stifft Cölln gangen / vnd gegen etliche Widerspänstige vmb Bonn / der Contribution halber / einen Ernst vorzunehmen / wie er dann etliche Personen gefänglich / vnd viel Viehe wegtreiben lassen. Als solches der Keyserl. Obriste Dunckel vernommen / hat er die Chur-Cöllnische Reuterey / in 500. Pferd starck / versamblet / auch eylends darauff fortgesetzt / in Hoffnung das Viehe / (so wol in 500. Stück Rindern bestanden:) abzujagen / deßwegen an einem gewissen Paß den Hessischen vorgewartet / da sie dann einander in die Haar gerathen / also daß nach einem harten Gefecht die Keyserlichen endlich die Flucht nehmen müssen / worbey er / Obrister Dunckel selbst / sampt 70. der seinen auff den platz tod geblieben / 180. Mann aber / sampt 2. Capitäinen / beneben etlich Vnder-Officirern / gefänglich nach Neuß eingebracht worden“.[63]

Chemnitz berichtet dazu: „Vnterdessen aber hatten die Churcöllnischen aus Bonn, Lechenich,[64] Briel[65] vnd andern Besatzungen,[66] nebst theils Hausleuten,[67] vnterm Obristen Dunckel, sich zusammengethan, vnd denen Hessischen, in meinung die beute[68] Ihnen wieder abzujagen, nachgesetzet; da dan Hessische, solches vernehmend, den raub mit theils Völckern voran gehen lassen, mit den übrigen sich in den busch zu beyden seiten der Passage gantz vortheilhafftig geleget, vnd auf die erst-ankommende Cöllnische dermassen fewr gegeben, daß der Obriste Dunckel selbst, nebenst etlichen andern Officirern vnd vielen gemeinen Soldaten, stracks ins gras gebissen, der Rest zwar auf die andere Trouppen sich reteriren wollen, jedoch von den Hessischen verfolget, nebenst ihren Cameraden chargiret[69] vnd in die flucht gebracht worden. Worüber deren nicht weinig, wie imgleichen der Hausleute eine merckliche anzahl aufm platze, vnd über hundert gefangen hinterblieben: Mit denen vnd gesambter beute die Hessische Eyskirchen[70] glücklich erreichet“.[71] In der Chronik des Adolff Wilhelm Moerbecke zu Stevening [1611-1675] ist festgehalten, wobei die Verluste wesentlich geringer angegeben sind: „Met het utgaen van die manet Aprilis hebben die Hessen ut Windeck[72] seker plats in’t Bergesche lant averfallen ende geplundert.[73] Mar weer na huiss kerende, syn se van die keiserschen under den oversten Dunckel (so hirvan verwittiget wass) angestastet ende geslagen, achterlande umtrent 60 gefangenne neffens 40 a 42 doden“.[74]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] WREDE; SIMEK, Geschichte der K. und K. Wehrmacht 3. Bd., S. 465, verwenden die Schreibweise Doneckel.

[2] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – und aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen und Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[3] Bernhard Herzog v. Sachsen-Weimar [16.8.1604 Weimar-18.7.1639 Neuenburg am Rhein], schwedischer, dann französischer General. 1622 Teilnahme an den Treffen bei Wiesloch und Wimpfen, 1623 bei Stadtlohn. 1625 Eintritt in dänische, 1631 in schwedische Dienste, April 1632 Beförderung zum General. In der Schlacht bei Lützen übernahm er nach dem Tod Gustav Adolfs von Schweden den Oberbefehl über das schwedische Heer, als Donation erhielt er das Herzogtum Franken. 1635 Eintritt in französische Dienste, 1638 Sieg über die Kaiserlichen bei Rheinfelden, Dezember 1638 Einnahme von Breisach. Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst; RÖSE, Herzog Bernhard der Große; DROYSEN, Bernhard von Weimar I, II.

[4] Wächtersbach [Main-Kinzig-Kr.]; HHSD IV, S. 443f.

[5] Gelnhausen [Main-Kinzig-Kreis]; HHSD IV, S. 164ff.

[6] Knecht, gemeiner [schwed. knektar, finn. nihti] : dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr., schwedische u. finnische Knechte erhielten 1632 nur 1 ½ Rt., deutsche in der Royal-Armee dagegen das Dreifache. Ein Soldat oder Reiter einer Streifschar aus einer Garnison erhielt von 1.000 Rt. Beute quasi als Gefahrenzuschlag 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion (Lösegeld) zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien. Generell wurden jedoch „teutsche Knechte“ gegenüber etwa den „Welschen“ bevorzugt übernommen und bei den Schweden besser besoldet.

[7] Hans [Johann] Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf], kaiserlicher Feldmarschall.

[8] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[9] Kapitän [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. sein Anteil aus Beute und Ranzionierung betrug pro 1.000 Rt. Erlös  59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156.Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[10] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen erwarteten je nach Lage der Dinge meist einen ehrenvollen Abzug und zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Auch wurde festgelegt, z. B. 1634 Landsberg/Warthe beim Abzug der kaiserlichen Garnison; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 196: „Ingleichen sollen sie vor- vnd bey dem Abzug einigen Einwohner / Bürger vnnd Schutzverwandten / er sey Geist- oder Weltlich / im geringsten nicht beleydigen / vielmehr aber / was jedweder Officierer vnnd Soldat der Burgerschafft schuldig / so entlehnet / oder mit Gewalt abgenommen / vorm Abzug richtig bezahlen“. Vgl. auch die genauen Festlegungen im Akkord von Dömitz (26.12.1631; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 497ff.). Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden, z. B.. wegen der Undiszipliniertheit ihrer Truppen oder weil die Abziehenden gegen den Akkord verstießen, nicht eingehalten. CHEMNITZ über durch Wallenstein gewährten Akkord für die Besatzung von Glogau (1633), Königlichen Schwedischen [ …] Krieg, 1. Buch, 60. Kap., S. 273: „Schrieten also die / darin gelegene / hohe Officirer zum accord / Den der Hertzog von Friedland / mit sack vnd pack / brennenden lunten / fliegenden Fähnlein auszumachiren / vnd gerade auf Landsberg begleitet zu werden / bewilliget / doch schlecht gehalten, in deme Er sie bald vor / bald hinter sich zurücke geführet / dadurch den Soldaten abgemattet / vnd dergestalt schwierig gemacht / das letztlich erst im WinterMonat fast weinig vnd ohngefehr dreyhundert mann davon in Pommern überkommen“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger unter dem 3.12.1634; BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 233: „Und seind disen tag uf dem Asperg ankommen 3. Stuckh Officiers, ein Leutenant, Fendrich und Corporal, welche von dem Tubadelischen [Georg Christoph v. Taupadel; BW] Volckh, so von Schorndorff außgezogen [25.11. war Schorndorf gefallen; BW], entrunnen, dann ihnen die kaiserische den accord nit gehalten, Sie betrüglicher weiß 6. Tag umbgefüert, hernacher erst gezwungen sich underzustellen, oder sollten nidergemacht werden: Und seind alle Officier dabey gefangen genommen worden“.

[11] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[12] Wahrscheinlich Truppen des Patrick [Patricius, Peter, Padruig, Patkell] Ruthven [Ruthwen, Rutwen, Ruthuen, Rudtwein, Redwen, Reddewin, Retwin, Rittwein, Rudven, Rödwijn, Rödven, Rödwen, Rutwein, Rüttwein, „Rotwein“] of Forth and Brentfort [ca. 1572 Ballindean -24.1.1652 in oder bei Buxtehude], schwedischer Feldmarschall.

[13] CHEMNITZ, Königlich: Schwedischen in Teutschlands geführten Kriegs Ander Theil, 3. Buch, S. 641f.

[14] Hans [Johann] Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf], kaiserlicher Feldmarschall.

[15] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Sp