Kratz [Cratz, Craz, Cräz, Crätz, Kreitz, Gratz] Graf zu Scharfenstein [Scharffenstein], Johann Philipp

Kratz [Cratz, Craz, Cräz, Crätz, Kreitz, Gratz] Graf zu Scharfenstein [Scharffenstein], Johann Philipp; Feldmarschall [1591 Engers am Rhein-6.7.1635 in Wien hingerichtet] Johann Philipp Kratz [Cratz, Craz, Cräz, Crätz, Kreitz, Gratz] Graf zu Scharfenstein [Scharffenstein],[1] Freiherr von Riesenburg,[2] ein Sohn des Anton Kratz zu Scharfenstein [um 1560 Scharfenstein im Rheingau-24.6.1619 Engers am Rhein], war eine der obskursten Gestalten dieses Krieges. Sein Geschlecht stammte ursprünglich von Burg Scharfenstein[3] bei Kiedrich[4] nahe Rüdesheim.[5] Er soll Besitzungen zu Salzbrunn[6] bei Saaralben[7] besessen haben. 1628 kaufte er von Herzog Karl IV. von Lothringen die Herrschaft Saargemünd[8] um 200.000 fl. Zudem besaß er durch seine 2. Ehe mit Eleonora Colonna von Fels (seine 1. Frau Maria von Metternich war 1625 gestorben) große Güter in Böhmen, dazu andere, wahrscheinlich von den im Nassauischen erpressten und gestohlenen Geldern.[9]

In seiner Jugend war er Domherr zu Worms,[10] resignierte aber 1621 und erschien 1620 erstmals als Obrist der Liga. Der Jesuitenpater, Beichtvater Maximilians I. von Bayern und Schriftsteller Drexel schrieb am 27.10.1620 in sein Tagebuch über den Böhmischen Krieg: „Wir verließen Kralovice[11] und marschierten quasi Fuß an Fuß mit dem Feind, der seitlich von uns marschierte. In der stockfinsteren Nacht wurden wir abgedrängt, und weil der Feind nahe war, begannen die Unsrigen in derselben Nacht mit ihm zu plänkeln. Das Ständeheer erreichte Rakovník[12] [40 km vor Prag] vor den Bayerischen. Am 27.10. notierte sich der etwas naive Christian d. J. v. Anhalt: „Nachricht, daß der Feind Rakovnik belagern wird. Befehl, mit meinem Infanterieregiment und zwei Kompanien Landvolk dem Feind die Passage zu verlegen. Kaum hatten wir Stellung bezogen, da erschien der Feind. Man hatte schöne und tapfere Scharmützel, die Ungarn jagten sich gegenseitig herum. Man schätzt 60 Tote beim Feind, bei uns wenige. Die Nacht hat uns getrennt. Der König war rechtzeitig angekommen, um den Feind zu sehen und nahm sein Plaisir daran“. Friedrich V. v. der Pfalz,[13] in militärischen Angelegenheit ebenso naiv, schrieb an seine Gemahlin am 27.10.: „Der Feind hat sein Lager ganz in der Nähe. Ich habe heute ein sehr schönes und heftiges Gefecht gesehen“.[14] Im bayerischen Bericht vom 30.10. heißt es: „Des Feindes und die ganze bayrische Armada sind gegeneinander gerückt, haben mit Geschützen stark aufeinander geschossen, die Reiter sind aufeinander getroffen und das Fußvolk hat scharmütziert. In diesem Treffen ist der Feind geschlagen und zerrieben worden und die Unsrigen haben eine Fahne erobert, die dem General Christian [d. Ä.] von Anhalt gehört haben soll. Der Oberst Kratz hat den Fähnrich, der die Fahne trug, mit samt dem Pferd mit einem Schuß totgeschossen. Das wird von Anhalts Sohn bestätigt: Man schlug sich wacker um den Wald. Unsere Musketiere machten ihre Sache extrem gut, die Kavallerie aber nicht sehr gut, wir mußten uns zurückziehen. Die Kompagnie von S. A. war auch dabei, deren Standarte genommen wurde, nachdem der Fahnenträger tot war“.[15]

1621 monierte Tilly[16] seine ständige Abwesenheit: Es sei Aufgabe eines Befehlshabers, „billig seinem ambt ab[zu]warten und nicht also spazirn [zu] geen“.[17] Sein Regiment hatte sich der „mustrung, abrechnung halber sehr widerwillig“ bezeigt und sich geweigert abzurücken, da der Befehlshaber häufig abwesend war. Zwar hatte Maximilian I.[18] Cratz zur Anwesenheit aufgefordert,[19] wie es scheint, ohne Erfolg, denn Tilly wies Maximilian I. erneut darauf hin, dass, wenn hier nicht Abhilfe geschaffen würde, „ihre trutzigkeit nicht allein under ihnen weiter greiffen, sondern die ybrige ritterschaft zu gleichem ungehorsamb veranleitet“ würde.[20]

„Besonders schlimm trieben es die Reiter des Regiments Craz, das hauptsächlich aus Niederländern bestand. Auf dem Rückmarsch von Nürnberg[21] in die Oberpfalz plünderten die Reiter Etzelwang,[22] schlugen viele Leute tot und richteten einen Schaden von 5 136 fl an. Dann plünderten sie Adlholz[23] und Atzmannsricht,[24] wo sie die Kirche stürmten, den Altar umstürzten und bei den Bauern einen Schaden von 2 995 fl verursachten. Der Bischof von Bamberg, zu dessen Gebiet die Orte gehörten, beklagte sich hierüber am 7. November bei Maximilian und betonte, daß die Mansfelder,[25] obwohl sie Feinde waren und bei Vilseck[26] lagerten, die Orte geschont hätten. Am 6. November plünderten sie Groß- und Kleinschönbrunn,[27] am 9. Freihung,[28] in den dazwischenliegenden Tagen Ebersbach,[29] Thansüß,[30] Gressenwöhr[31] – hier besonders bei Hans Adam von Wildenstein – Gebenbach,[32] Axtheid,[33] nach dem 9. November 1621 Kaltenbrunn,[34] wo sie 6 Bürger erschossen und Ensdorf,[35] hier brannten sie mehrere Häuser nieder. ‚Sie haben ärger als die Feinde gehaust, Frauenzimmer bei Tag auf offenem Feld geschändet und die vor Schrecken geflohenen Einwohner durch die Drohung alles niederzubrennen, zur Rückkehr gezwungen‘. Auch die Offiziere dieses Rgt. beteiligten sich an den Plünderungen. Maximilian verfügte daher am 29. November 1621 die Abdankung des Rgt., ‚weil sie so fürchterlich hausen, übel diszipliniert sind und man sich auf sie vor dem Feind nicht verlassen kann‘ „.[36]

Die Abdankung scheint aber nicht erfolgt zu sein. Am 8.1.1622 erschien Kratz mit seinem Regiment in Vilshofen,[37] Rieden[38] und Ensdorf in der Oberen Pfalz und plünderte. Die Reiter warfen den Einwohnern Stricke um den Hals, zogen sie daran in die Höhe und erpressten von ihnen das Geständnis, wo sie ihre Wertsachen versteckt hatten.[39] „Am 22. April 1622 schliessen die Räte im Namen des Herzogs [Maximilian I.; BW] einen Befehl an Oberst Cratz, dass er sich mit seinen Reitern gleich nach der Musterung zu Tilly in die Unterpfalz begeben solle. Maximilian schrieb aber eigenhändig auf das Konzept, dass Oberst Cratz sich von ihnen nicht wie ein Rittmeister vom Oberst fortschicken lassen werde, sondern von dem Fürsten selbst Befehle erwarte. Die Ordonnanz sei dementsprechend auszufertigen“.[40]

Kratz trat 1623 in kaiserliche Dienste. Anfang Januar zog sein Regiment erneut durch die Obere Pfalz.[41]

Im August 1625 soll er als Obrist ein Kroatenregiment[42] geführt haben. „Mitten in die Landständeversammlung platzte am 21. August 1625 die Nachricht, daß kaiserliche Truppen, nämlich die Kroatenregimenter unter den Obersten Strozzi, Cratz und Collalto, im Bergischen Land Quartier beziehen sollten. Der [Wilhelm v.; BW] Metternich wußte Rat: ‚Entgegenziehen und mit Verehrungen, anders geht es nicht, erreichen, daß sie nicht ins Bergische kommen’. Und so geschah es. Die Kroaten kamen ins kurkölnische Recklinghausen,[43] wo sie Tilly, von dem bekannt war, dass er seine Soldaten so weit als möglich  in Disziplin hielt, unter seine Aufsicht nahm (‚zu Paß nahm’)“.[44]

Angeblich soll Kratz bereits 1626 von Wallenstein[45] seines Dienstes wieder entsetzt worden sein. In einem auf Befehl Wallensteins verfassten Bericht heißt es über seine Truppen: „Bref, ils ont commis des cruautez si barbares et si horribles qu’il ne se peut rien dire ny penser de plus“.[46] Dem Vernehmen nach soll er versucht haben, mit einem Freikorps in die Dienste Karls IV. von Lothringen[47] zu treten,[48] doch im Frühjahr 1627 kamen die kaiserlichen Regimenter Kratz und Verdugo in das hohenlohische Gebiet und nahmen unbekümmert um den Wallenstein’schen Schutzbrief Quartier in Langenburg[49] und Kirchberg[50] sowie den benachbarten Ortschaften, trotzdem Graf Philipp Ernst ihnen bis Michelfeld[51] westlich Hall[52] entgegengeritten war und den Schutzbrief vorgezeigt hatte. Sie hatten sogar die Unverfrorenheit, von ihm und den übrigen Grafen eine schriftliche Erklärung zu verlangen, dass die Einquartierung durch ein Missverständnis erfolgt sei. Diese Erklärung wurde aber verweigert.

Kratz‘ Frau Eleonora Colonna von Fels zog mit dem Regiment 1627 durch die Obere Pfalz an den Rhein, wobei sie ein Gefolge von 50 Begleitern und 50 Pferden bei sich hatte. Im Juni 1627 erpressten Reiter unter Kratz Abgaben in der Reichsstadt Wimpfen.[53] Wimpfen stellte zum eigenen Schutz eine Bürgerwehr auf. Im August wurde ein Reiter erschlagen, der Kratz bezahlt werden musste.[54]

„Im August und September 1627 war für einige Wochen die Reiterei des kaiserlichen Obristen Kratz von Scharfenstein im Kraichgau[55] einquartiert. Eine Beschwerde der Kraichgauer Ritterschaft deswegen beim bayerischen Kurfürsten wurde auch von der Heidelberger[56] Regierung unterstützt, die zu bedenken gab, daß durch diese Einquartierungen auch pfälzische Untertanen geschädigt wurden, weil sie mit den ritterschaftlichen vermischt wohnten. Kein einziger Bauer durfte sich im Kraichgau[57] mit einem Pferd auf dem Feld sehen lassen, weil es ihm von den kaiserlichen Reitern sofort ausgespannt worden wäre. Garnisonssoldaten, die die Regierung zum Schutz der Untertanen in die Dörfer legte, wurden von den Reitern überwältigt und entwaffnet.

Auch die Markgrafschaft Durlach wurde hiervon in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Abmarsch der Kompanien [Heinrich v.] Metternich und Stein-Kallenfels zur Liga-Armee Ende Juli 1627 hatte Markgraf Friedrich [v. Baden-Durlach; BW] von bayerischen Kurfürsten gebeten, auch die 160 Garnisonssoldaten des Heidelberger[58] Statthalters aus seinem Land abzuziehen. Die Heidelberger Regierung riet dem Kurfürsten jedoch am 7.9. von einem Abzug der Garnisonen aus der Markgrafschaft dringend ab. Inzwischen hatten die kratzischen Reiter dort mit Gewalt Quartiere genommen, obwohl  Metternich sich dem heftig widersetzt hatte, weil das Land schon die bayerischen Garnisonen unterhalten mußte. Die kaiserlichen Reiter versuchten sogar, die bayerischen Soldaten gewaltsam zu vertreiben und vom Unterhalt abzuschneiden. Bei einem Abzug der Garnisonen aus der Markgrafschaft mußte man den Einfall der Reiter in die pfälzischen Ämter Bretten[59] und Heidelberg sowie ins Bistum Speyer befürchten. Bei Markgraf Friedrich hatte die Anwesenheit der kratzischen Reiter in seinem Land einen Sinneswandel ausgelöst: er erklärte jetzt, die bayerischen Garnisonen noch länger unterhalten zu wollen, wofern er vor anderen Einquartierungen in Zukunft beschützt würde“.[60]

In der „Haus-Chronik“ des Schwäbisch Haller[61] Arztes Johann Morhard [1554 – 1631][62] heißt es: „12. Julii 1627 [a. St.; BW] ist der obrist Kratz mit etlich companien in das hällisch gebiet eingefallen, die bawren heufig in die statt geflehwet, under dem Berg[63] nit weniger ein forcht entstanden. Gott helf abermahl.

Kratz hat meine herren[64] umb vil 1000 taler gebrandschetzt, zum abzug das vihe weg zu treiben getrewet, wan man im nit vil 1000 taler erlege. Sich doch entlich mit eim ringen ersettigen lassen.

[…] „21. Sept. in festo (am Fest) Matthaei ist der obrist Kratz nach langer weil und er vil 1000 fl. emungiert (geprellt) entlich hinweg gezogen“.[65]

„Am 6.1.1628 setzte der kaiserliche Kriegskommissar Wolf Reinhard von Ossa die Regierung des Bistums Speyer in Philippsburg[66] vom Befehl des Generals über die kaiserlichen Truppen am Rhein, Graf Wolf von Mansfeld, in Kenntnis, daß die Regimenter zu Pferd zu Pferd und zu Fuß des Obersten Kratz [Cratz] über den Rhein gesetzt werden und mit drei weiteren kaiserlichen Regimentern aus der Wetterau[67] ihren Weg weiter hinauf ins Reich nehmen sollten. Er bat die Philippsburger Regierung, dem kratzischen Kriegsvolk die Überfahrt bei Rheinhausen[68] zu gestatten, wofür dann die speyerischen Dörfer von Einquartierungen verschont werden sollten, und setzte hinzu: ‚Falls aber wieder verhoffen solches abgeschlagen werden sollte, und man selbsten daß überfahr suchen müste, will ich der ungelegenheitten, so darauß entstehen möchten, entschuldigt sein‘. Trotz dieser unverhüllten Drohung verweigerte die Philippsburger Regierung den Kaiserlichen die Überfahrt und ordnete an, alle Kähne, außer dem Postschiff zu Rheinhausen, von den Fährstellen abzuführen und zu versenken. Weil der Landesherr des Bistums Speyer, der Trierer Kurfürst Philipp Christoph von Sötern, seiner Regierung zu Philippsburg befohlen hatte, in solchen Fällen gemeinsam mit der Heidelberger Regierung und anderen umliegenden Herrschaften vorzugehen, informierten die Philippsburger Räte am 10.1. Heidelberg von ihren Maßnahmen und äußerten die Hoffnung, daß auch [Heinrich v.; BW] Metternich die Rheinfähren in seinem Gebiet einstellen und ihnen im Notfall zu Hilfe kommen werde. Um einen Rheinübergang der kaiserlichen Regimenter zu verhindern, schloß sich neben der Heidelberger Regierung auch noch die hessische Regierung in Darmstadt[69] den von Philippsburg getroffenen Maßnahmen an, wodurch die Sperrung der Rheinübergänge bis hinunter zur Einmündung des Mains verlängert wurde.

Metternich war umso mehr daran interessiert, die kaiserlichen Truppen von den rechtsrheinischen Gebieten fernzuhalten, weil Ende Dezember 1627 bereits das ligistische Kavallerieregiment Courtenbach [Cortenbach; BW] bei Höchst[70] über den Main gegangen war, welches von Tilly den Auftrag hatte, durch die Unterpfalz in die Markgrafschaft Baden zu marschieren, um dort zu überwintern. Vier Kompanien des Regiments Courtenbach wurden in der Markgrafschaft Baden-Durlach und im Kraichgau einquartiert. Diese Gegenden waren jedoch durch die Anwesenheit der kratzischen Reiter im August und September immer noch so geschädigt, daß die Mehrzahl der Untertanen ihre Güter verlassen hatte“.[71]

In dem Verzeichnis der Unkosten des Reichsdorfs Gochsheim[72] bei Schweinfurt[73] heißt es für den Juni 1628: „Im Junio ist 1 Campanie Gräzische Reuter hier gelegen. Haben verzehrt über die 550 fl., an Pferden mit genomen 3, Kosten 94 fl“.[74] Das Verzeichnis der Unkosten des benachbarten Reichsdorfs Sennfeld[75] bei Schweinfurt hält für 1628 fest: „Im Junio ist eine Companie Crätzische Reuter hiere gelegen, haben die gemein gekostet 312 fl“.[76]

Im Juli 1628 wurde als Verstärkung bei der Belagerung des von dänischen Truppen besetzten Krempe[77] auch das Kratzsche Regiment angekündigt.[78] In der Chronik der Stadt Beelitz[79] heißt es: „Den 17. September [1628; BW] folgte der Obrist Graf Christoph Philipp Kratz nach, der hatte auch viel Volks bei sich; der Stab und eine ziemliche Menge Kürassiere blieben allhier 4 Tage, das andere Volk lag auf dem Lande“.[80]

Der Romancier Alfred Döblin schreibt in seinem Wallenstein-Roman: „Der ältere Kratz, Graf Hans Philipp von Scharffenstein, wurde in Prag auf dem Kirchgang überrumpelt und aufgehoben. Ihm hatte der Friedländer stolz und mit vielsagenden Blicken versprochen, er hätte ein Herz für seine Soldaten, Kratz solle herrliche Quartiere Quartiere mit seinen Regimentern beziehen. Darauf ging Kratz, verständnisvoll lächelnd, mit sich zu Rate, führte seine Reiter nach Franken und Schwaben, den Markgrafen von Baden herausfordernd. Das Urteil des Wilden, der vom Leben zum Tode befördert werden sollte, war schon gesprochen, als ihm, der riesenstark war, gelang, sein Zellgitter zu zerbrechen, bei Nacht in den Graben zu springen. Dem Wachtposten, der ihn jenseits erwartete, drückte er, ihn hin und her werfend, mit den Ellbogen den Brustkasten ein, entkam in den Kleidern des Ausgeraubten, in den Graben Geschleuderten. In Baden zeigte er sich an der Spitze der von ihm geworbenen Regimenter, schickte einen Hohnbrief an seinen General; nach drei frech im Lande durchbrausten Wochen führte er seine Regimenter über den Rhein zum Herzog von Lothringen“.[81]

Kratz trat in lothringische Dienste und wechselte nach Wallensteins Entlassung wieder in kaiserliche.

1631 verkaufte Holk[82] sein Infanterieregiment dem Obristen Kratz für 6.000 Taler.[83] Mit Bewilligung des Generalissimus wurde Kratz am 28.12.1631 Generalfeldwachtmeister.[84]

Er avancierte am 1.1.1632 zum General der Artillerie und an Stelle des glücklosen und wohl auch zu nachgiebigen Lintelo zum Kommandanten in der Oberen Pfalz.[85] Kratz begann seine Tätigkeit am 13.1.1632 mit der Visitation der Amberger[86] Befestigungswerke, deren Verstärkung sofort mit 150 Arbeitern in Angriff genommen wurde. Dann vereinbarte er mit Marradas und Gallas[87] in Böhmen einen von Tilly empfohlenen Angriff auf Eger,[88] der jedoch auf Anweisung Maximilians unterblieb. Dagegen wurde, was man Lintelo als Versäumnis vorgeworfen hatte, am 23.1. Tirschenreuth[89] besetzt und am 28.1. mit allen verfügbaren Truppen und drei Geschützen von Weiden[90] aus gegen Mitterteich[91] gezogen.

„Konnte der Markgraf [Christian v. Brandenburg-Kulmbach/Bayreuth;[92] BW] den bedrohten Ämtern auch keinen bewaffneten Schutz zuführen, so war er doch nicht gewillt, ihre Besetzung ohne weiteres hinzunehmen. Da ihm kein anderes Mittel blieb, versuchte er wieder einmal auf dem Wege von Verhandlungen, die Lage zu klären. Deswegen wandte er sich sowohl an die kurbayerische Regierung in Amberg[93] als auch an Kurfürst Maximilian persönlich. Auch entsandte er den Rittmeister Joachim von Varell an den Befehlshaber der um Kemnath[94] liegenden ligistischen Truppen, den Obersten Cratz, um letzteren von allen eigenmächtigen Schritten abzuhalten. Eine gewisse Beruhigung im Land trat aber erst ein, als der Kurfürst von Bayern am 15. Februar [1632; BW] in einem persönlichen Schreiben an den Markgrafen versicherte, daß die in der Oberpfalz liegenden Truppen keinerlei böse Absichten hätten und daß Kurbayern sich von eh und je beflissen habe, mit Brandenburg-Kulmbach gute Nachbarschaft zu halten. Erstaunlich ist dieser ganze Vorgang besonders deshalb, weil er zeigt, daß auch nach dem Beitritt der Markgrafschaft zum schwedischen Bündnis offensichtlich zwischen dem Markgrafen und dem Kurfürsten von Bayern noch normale Beziehungen bestanden. Sicher darf man daraus schließen, daß diesem Beitritt in München zunächst nur durchaus formale Bedeutung zugemessen worden war“.[95]

Geschütze, die Lintelo am 28.10.1631 nach Donaustauf[96] hatte bringen lassen – vermutlich jedoch, um seine eigenen Besitzungen zu schützen – forderte Kratz am 27.1. wieder zurück. Als die Nachricht vom Anmarsch schwedischer Korps unter Horn gegen Bamberg[97] eintraf, befahl er am 7.2. alle entbehrlichen Truppen nach Vilseck[98] und zog dann über Auerbach[99] in Richtung Bamberg.[100] In Pottenstein[101] begegnete am 12.2. dem flüchtenden Bamberger Bischof, der ihm die tags zuvor erfolgte Einnahme der Stadt durch Horn mitteilte. Kratz kehrte um, beabsichtigte am 14.2. Creußen[102] zu überfallen, überlegte es sich jedoch anders und blieb bis Anfang März in Auerbach, um seine Truppen mit denen Tillys zu vereinigen.

„Die schwedischen Parteien und ihre Verbündeten gingen in der Folge daran, das gesamte Hochstift Bamberg systematisch einzunehmen. Feldmarschall Horn zog dazu alle entbehrlichen Besatzungen aus dem Raum Nürnberg[103] zusammen. Der markgräflich-kulmbachische Oberst Muffel begann damit, die befestigten Orte in der Fränkischen Schweiz einzunehmen und besetzte Pottenstein. Obwohl Bischof Johann Georg alle Hebel in Bewegung setzte, die katholischen Verbündeten zu mobilisieren, war deren Unterstützung für das Bistum anfangs nur halbherzig. Der bayerische Feldzeugmeister und seit 1. Januar Kommandant der Oberpfalz Johann Philipp Cratz von Scharfenstein, der in Garnison in Auerbach lag, hatte sich bereits am 12. Februar mit 300 Mann zu Roß und zu Fuß nebst etlichen Geschützen zusammen mit dem Grafen Albig von Sulz auf den Weg gemacht, um Forchheim[104] zu unterstützen. Auf halber Strecke kam ihm der Fürstbischof, welcher sich auf die Reise nach Vilseck begeben hatte, mit ‚etlichen 40 Reisigen[105] und Kutschenpferden‘ entgegen. Gemeinsam zog man zurück nach Auerbach (Soden I, S. 188). Dort bat der Fürstbischof den Feldzeugmeister noch einmal eindringlich um Unterstützung. Cratz zeigte sich erbötig, meinte jedoch, er benötige zu einer erfolgreichen Intervention mindestens noch 2 Regimenter zu Fuß und eines zu Pferd. Aus Kronach[106] schrieb der Statthalter Wolfgang Philipp Fuchs von Dornheim am 15. Februar 1632, daß ‚heute Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr der gewesene Rat und Festungshauptmann Carl Neustetter, Stürmer genannt, gestorben ist‘. Der Statthalter und die Beamten von Kronach bekamen am 16. Februar den Befehl, den Ausschuß und das Landvolk in der Hauptmannschaft und in den umliegenden Ämtern zu mobilisieren und für einen möglichen Einsatz bereitzuhalten. Von diesem war jedoch wenig zu erhoffen: so wurde dem Fürstbischof am 17.2. aus Kupferberg[107] und Stadtsteinach[108] gemeldet, daß der Ausschuß nicht mehr nach Kronach will. In Kronach gewähre ihnen die unwillige Bürgerschaft nicht einmal eine Bank zum Niedersitzen. Sie wollten lieber zu Hause bei den Ihrigen für das Stift sterben. Von Amberg wurden 300 Zentner Pulver und 300 Zentner Lunten in die Festung Forchheim transportiert. Am 14. Februar sagte auch der bayerische Kurfürst Maximilian den benötigten Sukkurs (Verstärkung, Zuzug, Entsatz) zu. Nach seiner Anordnung sollten Generalleutnant Tilly 4000 Mann zu Fuß und 1000 Pferde, Graf Cratz 1600 zu Fuß und 1000 Pferde zur Verfügung stellen. Dazu komme der Obrist d’Espaigne mit seinen 5 Cornets Arkebusieren (627 Pferde nach einer Musterung vom 15.1.1632) und der Ausschuß. (Looshorn VI, S. 202, 215ff.). Am 26. Februar besetzte eine Abteilung aus 300 Mann des Regiments Muffel Hollfeld[109] und am folgenden Tag Waischenfeld.[110] Oberst Muffel trug dem Amt auf, innerhalb von 6 Tagen 2400 Reichstaler zu erlegen. Die Bürgerschaft wurde entwaffnet und die gesamte Ausrüstung nach Kulmbach[111] transportiert (ebd. S. 232).

Anfang März 1632 machten die Kaiserlichen Ernst und schritten zur Rückeroberung des Hochstifts. Am 5. März schrieb zu Auerbach Sekretär Beringer zum Bischof nach Vilseck, daß das Volk des Generals Cratz unversehens Hollfeld überfallen habe, die ‚Garnison, ungefähr 300 stark, darunter ein Leutenant, ganz und gar ufgeschlagen und den Hauptmann Guttemberger [Wolff Gerhard von Guttenberg aus dem Regiment Muffel] neben einem Leutenant und Fähndrich gefangen bekommen‘. Nach dem Bericht der Schwester Junius[112] (S. 53) erfolgte der Überfall auf Hollfeld durch Reiter des Regiments d’Espaigne, welche dort ‚Bey 500 schwedten angetroffen, die noch in der Ruh gelegen und sich gar nicht besorgt haben […], welche sie alle nidter gemacht haben / in aller Stille dan es nur Bysch, Basch gangen ist […]‘ (eine erstaunliche Wortwahl für eine Nonne). Cratz nahm sein Quartier zuerst in Pottenstein[113] und schlug am folgenden Tag das Hauptquartier in Pretzfeld[114] auf. Nach Angabe des Pottensteiner Vogts Schmelzing bestand seine Streitkraft aus etlichen 1000 Mann. (Looshorn VI, S. 237).

Beim Vergleich der hinsichtlich ihrer Aussage und politischer Intention höchst unterschiedlich gefärbten Berichte zu diesem Thema, zeigt sich wieder einmal deutlich, daß man sich in der Geschichtsschreibung nicht unkritisch von einseitigem Quellenmaterial beeinflussen lassen sollte, welches, gerade wenn es sich um Primärquellen handelt, in der Regel von den jeweils verfassenden Parteien in ihrem Sinne abgefaßt und möglichst positiv formuliert wurde. In folgendem Fall ist es sinnvoll, sich vergleichend an den offiziellen Berichten beider Seiten zu orientieren. Meist verlässlich sind auch die Briefe Tillys an Maximilian von Bayern, welche in die folgende Schilderung einfließen.

Der bayerische Generalleutnant Tilly war am 22. Februar 1632 mit 72 Fähnlein zu Fuß und 60 Cornets zu Pferd von Nördlingen[115] aufgebrochen. Nach Hurter (Bd. 10, S. 506), betrug die Stärke der Armee 14.500 Mann zu Fuß und 6000 Reiter. Am 27. Februar stand Tilly in Neumarkt,[116] wo er ‚Generalrendezvous‘ hielt. Die Stärke der Truppen soll dabei auf 20.000 Mann, darunter allerdings 8000 Mann neugeworbener bayerischer Ausschuß,[117] und 22 Geschütze gemustert worden sein (Theatr. Europ. II, S. 526). Der bayerische Generalquartiermeister Lorenz Münch von Steinach (Looshorn (Bd. VI, S. 234) nennt ihn von Rinach) beziffert in einem Brief an den Bamberger Fürstbischof aus Nördlingen die voraussichtliche Truppenstärke Tillys mit nur 8000 zu Fuß und 3000 Reitern, ohne jedoch die neugeworbenen Truppen zu berücksichtigen. Tilly selbst spricht in seiner 1632 in Augsburg[118] gedruckten Relation von 12.000 Mann, wobei auch er die 8000 Mann neugeworbenen Ausschusses außer Acht läßt. Die Zahlen werden von Looshorn (Bd. VI, S.2 43/244) bestätigt, welcher in Berufung auf M. Wieland (S. 14f.) die Hauptmacht Tillys mit 12.000 Mann (einschl. der Cratz’schen Truppen von 2000-3000 Mann) plus 8000 Mann bayerischer Landmiliz angibt.

Am 3. März brach Tilly in der Oberpfalz auf und erreichte über Altdorf[119] (4. u. 5. März), Lauf[120] (6. u. 7. März), Neunhof,[121] Eschenau[122] und Neunkirchen[123] am 8. März mit seiner ‚Leibguardj‘ Forchheim (Soden I, S. 192f.). Dort traf er den Generalfeldzeugmeister Johann Philipp von Scharfenstein, der nach Maximilians früherer Anordnung über zusätzlich mindestens 800 Pferde und 1600 Mann zu Fuß verfügte, welche sich vom Hauptquartier Pretzfeld Richtung Hirschaid[124] in Bewegung setzten. Die Truppenstärke des Generalfeldzeugmeisters muß jedoch, wie auch der Pottensteiner Vogt Johann Schmelzing bestätigt, wesentlich größer gewesen sein, denn u. a. gehörten auch drei kaiserliche Regimenter, nämlich das Fußregiment des Grafen Albig von Sulz sowie die berittenen Regimenter Bredau [Johann Rudolf Frh. von Bredau, auch Bredow, welcher 9 Kompanien deutsche Kürassiere führte) und das wallonische Regiment Jung-Merode [Johann II. von Mérode[125]] aus 10 Kompanien Dragonern dazu (Soden I, S. 187 und DBBTI/LKKA V, S. 388, 403).

Nach einer Verpflegungsordonnanz des schwedischen Generalkommissärs Sigmund Heußner von Wandersleben (Looshorn VI, S. 223) betrug die Gesamtstärke der Truppen des schwedischen Feldmarschalls Horn in Bamberg 96 Kompanien Infanterie und 54 Cornets Kavallerie, mithin ca. 96000 Mann zu Fuß und 4300 Reiter, insgesamt 14.000 Mann […].

In Pottenstein ließ Cratz eine Garnison von 57 Musketieren zurück, weswegen die Bewohner den auf der Durchreise von Auerbach nach Forchheim befindlichen Fürstbischof am 8.3. baten, sie von diesen Soldaten zu befreien, die ‚ganz undeutsch sind und die man hier nit verstehen kann‘ (Looshorn VI, S. 238). Es handelte sich dabei um im Bistum Lüttich geworbene Wallonen[126] des Jung-Merodischen Regiments. Der Fürst begab sich am gleichen Tag weiter nach Forchheim, um dort mit Tilly zusammenzutreffen. Dem Dienstag den 9. März brach man nach Bamberg auf. In Hirschaid, eine Stunde vor Bamberg, wurde Kriegsrat gehalten. Es war schon gegen Abend und Tilly schickte eine Kompanie Kroaten vom Regiment Fugger und eine Kompanie Dragoner zum Rekognoszieren voraus (Der bayerische Generalwachtmeister Ottheinrich Graf Fugger[127] führte, außer seinem starken Fußregiment, das einzige bayerische Kroatenregiment, bestehend aus 500 Reitern in 6 Kompanien, geworben 1631, außerdem eine Kompanie Dragoner. Das ‚fuggerische croatisch Regiment‘ ging im Jahr 1635 mit einer Bestallung als Oberst an den späteren kurbayerischen Generalwachtmeister zu Roß und Feldmarschall-Leutnant Georg Truckmüller [Druckmüller; BW]).

Mittlerweile hatten sich auch Bamberger Bürger, dem Herannahen des Ersatzheeres ermutigt, gegen die schwedischen Besatzungstruppen gestellt. Da mehrere seiner Leute bereits von Bürgern getötet worden waren, mußte Horn erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die schwedische Armee[128] von einem Blutbad abzuhalten. Trotzdem fielen etwa 20 Bürger den Soldaten zum Opfer. Die offiziellen Berichte verschweigen, wie nahe Bamberg damals einer Katastrophe entging.

Gustav Horn hatte die Befestigung Bambergs mit Verstärkungen versehen lassen, welches, wie die Nonne vom Heiligen Grab schreibt, nur langsam vor sich ging weil der Boden teilweise noch gefroren war: ‚[…] da haben sie bey unsern closter angefangen zu schantzen / aber es ist so hart gefroren gewessen / das sie nicht haben hauen könen / allso haben sie dissen tag gar wenig gearbeit‘. Horn selbst machte am 9.3. gegen Abend eine ‚Tour um die Retranchements'[129] um die arbeitenden Soldaten anzufeuern, die noch nicht vollendeten Befestigungsabschnitte zu schließen. Ein Teil der Regimenter war deshalb noch mit Schanzarbeiten beschäftigt, als die kaiserlich-bayerischen Truppen heranrückten.

Als Horn die Annäherung der bayerischen Vortruppen bemerkte, schickte er den Grafen [Heinrich Wilhelm Graf zu; BW] Solms zu seinem vor der Stadt an der Seeßbrücke (der späteren Kettenbrücke) mit Schanzarbeiten beschäftigten Regiment, um ein frühzeitiges Engagement mit dem Feind zu verhindern. Parallel dazu schickte Horn jedoch auch durch den Obersten Kochtitzky [Kochczitz; BW] dem Reiterregiment (Wolf Heinrich von) Baudissin, welches die ‚Reiterwacht hatte‘, den Befehl, sich in Bereitschaft zu halten. Dieser Befehl wurde allerdings von dem überbringenden Boten fehlinterpretiert, so daß sich das Baudissin’sche Regiment unter dem Oberstleutnant Johann von Bülow zum Angriff schickte und ‚gar weit gegen das Holz, da der Feind sich sehen lassen avancirt‘. Nachdem Horn dieses bemerkte, begab er sich mit dem Oberst Solms zur Brücke und erteilte dem Bülow’schen Regiment den Befehl sich zu retirieren und hinter den Verschanzungen aufzustellen.

Es war jedoch schon zu spät. Von den bayerischen Kroaten und Dragonern sowie 300 Musketieren unter Feldzeugmeister Cratz und Graf Waldemar von Fahrensbach angegriffen, wurden die Bülow’schen Reiter in Unordnung gebracht und zogen in ihrer Flucht die Solms’schen Knechte, welche eigentlich die Verschanzungen an der Regnitzbrücke sichern sollten, mit sich. Obwohl Horn und Solms sich nach Kräften bemühten, die eigenen Truppen zum Stehen zu bringen und zur Verteidigung zu bewegen, drangen die Bayern in die Stadt ein. Graf Solms wurde bei dieser Attacke ins Bein geschossen. Vom Regiment des jungen Grafen (Johann Jakob von) Thurn unterstützt, gelang es Horn, die bayerischen Truppen wieder über die Brücke zurückzudrängen, welche daraufhin abgeworfen wurde, und die Verschanzungen mit Solms’schen und Muffel’schen Knechten zu besetzen. Die schwedischen Musketiere standen hinter einer Brustwehr aus mit Erde gefüllten Weinfässern und es entspann sich nun ein hartnäckiges Feuergefecht, das bis in die Nacht dauerte. Der Hasselhof sowie viele Gebäude in der Wunderburg und in der Gärtnerei brannten dabei ab. Nachdem Tilly in einem Garten zwei Geschütze hatte auffahren lassen (an dem der Brücke gegenüberliegenden Gasthaus zum Einhorn, jetzt Deutsches Haus) begannen Horns Truppen, sich zwischen 1 und 2 Uhr nachts zurückzuziehen (aus den Stadttoren bei St. Jakob, auf dem Kaulberg und dem ‚Pfeufersthore‘).

Die kaiserlichen Regimenter bemächtigten sich nun der Stadt. Tilly kommandierte sofort seine Reiter zur Verfolgung der flüchtenden schwedischen Truppen. Die Kroaten, eine Anzahl Dragoner sowie die Reste des kaiserlichen Regiments Bredau und des bayerischen Regiments d’Espaigne erreichten die schwedische Nachhut und verbreiteten unter ihr Tod und Verderben. Nach der Jesuitenchronik gelang es dem Baudissin’schen Oberstleutnant Johann von Bülow knapp die Flucht mit nur wenigen Begleitern, welche unterwegs niedergehauen wurden, so daß Bülow alleine entkam. Der schwedische Oberst Georg Wulf von Wildenstein und sein Oberstleutnant Limbach gerieten in Gefangenschaften (BHVB 48, 20, 23). ‚Das Nachsetzen und Verfolgen hat auf unterschiedlichen Straßen von 2 bis 3 Meilen Wegs continuiert [1 deutsche Meile betrug 7, 415 km] und sind hierunter auch von den katholischen Bauern viele Schweden erlegt worden, also daß die schwedische Infanterie, so in allem 5 [?] Regimenter gewesen in diesem und hievorgenannten gegen Hallstadt[130] und selbiger Seite gelegenen Bergen geschehenen Nachsetzen ganz dissipiert[131] und zerstrümmert worden‘. (Nach der Anzahl der 96 Kompanien zu schließen umfaßte die schwedische Infanterie mindestens 12 Regimenter). Auch die schwedische Reiterei erlitt großen Schaden. Insgesamt verloren die Schweden 3000 bis 4000 Mann. Die meisten jedoch durch Überläufer, da viele Soldaten, welche nach der Niederlage von Breitenfeld[132] untergesteckt worden waren, wieder zu ihren alten Fahnen zurückkehrten. Auch Feldmarschall Horn war bereits von 2 Kroaten gefangen worden, als ihn 17 seiner Reiter wieder befreiten. Die bayerisch-kaiserliche Seite hatte nur wenige Tote zu beklagen, doch waren der kaiserliche Oberst Graf Albig von Sulz und ein Oberstleutnant vom bayerischen Regiment Fahrensbach gefallen. Das Kürassierregiment des Obersten Bredau erbeutete bei der Verfolgung das Gepäck und Silbergeschirr des Grafen Solms. Auch die gemeinen Soldaten machten durchwegs gute Beute ‚und oft mancher gemeine Knecht ein gutes Bündel mit Geld, des Silbers, schöne Kleider, Pferde u. a.‘ Die schwedischen Truppen zogen sich nun auf beiden Seiten des Mains, teils über Hallstadt, welches sie anzündeten, teils über Eltmann[133] und Haßfurt[134] in Richtung Schweinfurt[135] zurück. Um die Verfolgung zu erschweren, ließ man die Brücken bei Hallstadt und Eltmann über den Main abbrennen. In Haßfurt sammelte Horn seine Armee so gut wie möglich wieder. Die schweren Geschütze ließ er in der Nacht von den Lafetten heben, in Schiffe laden und nach Schweinfurt führen. 20 leichte Regimentsstücke, welche 3 und 4 Pfund schossen, 3000 schöne neue Musketen samt allem Zubehör, 100 Zentner Pulver, 130 Zentner Lunten und 136 Fäßlein mit Musketenkugeln fielen jedoch den kaiserlich-bayerischen Truppen in die Hände. Nach dem Bericht Gustav Horns an den König verloren beide Seiten an Toten nur jeweils 400 Mann. Am meisten Schaden erlitten das Solms’sche und das Muffel’sche Regiment, speziell die Kompanien des Oberstleutnants Wolf Gehard von Guttenberg und des Hauptmanns Georg Wilhelm von Künsberg.

Bamberg war die erste große Niederlage, welche die Schweden seit ihrer Landung in Deutschland erlitten. Beim Abzug wollten sie bei der Seeßbrücke 2 Tonnen Pulver anzünden, ‚alles zersprengen‘ und dem Gegner den Einzug unmöglich machen, ‚aber Gott, der die seinigen nicht verlest / hat gnad geben / das zwey alte eheleüdt die do gewondt haben solches gwar wordten / und alls Balten wiederumb gelescht / haben aber sich mechtig verbrent / wie sie dan nicht lang darnach alle zwey gestorben seint‘. Auch in vielen Gassen und in den Häusern selbst in den Betten hatte man Pulver und Stroh gelegt um die Stadt zu zerstören, welches die Bürger jedoch verhindern konnten. Bischof Johann Georg kam am Mittwoch den 10. März in die Stadt, welches der Tag der Erhebung des h. Kaisers Heinrich war, und hielt im Domstift wiederum die erste Messe. (Looshorn VI, 239f.; Maria Anna Junius in BHVB Nr. 52, S. 61)„.[136]

Am 4.5. kam Kratz nach Regenstauf[137] und Umgebung ins Quartier und hauste dort fürchterlich. An Frauen und 8-10jährigen Kindern wurden abscheuliche Verbrechen verübt. Seine Reiter plünderten auch die Kirchen aus, warfen in Leonberg[138] die Hostien in den Kot und traten sie mit den Füßen. In dem geplünderten Pielenhofen[139] wurden die Pferde in der Klosterkirche eingestellt; die beiden Kirchen glichen Räuberhöhlen.

Im Mai dieses Jahres stand Kratz vor Weißenburg.[140] Im damals schwedenfreundlichen „Theatrum Europaeum“[141] heißt es:Die Schwedische Besatzung hat sich zwar tapffer gewehrt vnnd der Bayerischẽ etlich hundert erlegt / als sie aber etliche Tag lang sich also auffgehalten /  vnnd vergeblich auff Succurs gewartet / haben sie endlichen / nach dem die Bayerische mehr Geschütz von der Festung Wülzburg (welche Anspachisch vnnd vor diesem dem Graffen von Tylli / wie er auff das Bisthumb Bamberg angezogen / eingeraumet werden müssen / vnnd damals noch in der Bayerischen Gewalt war) herab gebracht / accordiret / vnnd den acht vnd zwantzigsten Maij mit ihren Gewehren / Sack vnd Pack nach Kriegsgebrauch abgezogen. Aber der gemachte Accord ist ihnen bey dem Abzug nicht gehalten worden. Dann die Bayerischen sie vberfallen / geplündert / vnnd wer sich nicht bey ihnen understellen wollen / nidergehawet: solchem nach in das Stättlein eingefallen / alles außgeplündert / Kisten vnnd Kasten zerhawen, Weiber vnnnd Jungfrawen geschändet / deren vber hundert neben den Rathsherren vnd Predigern weggeführet / vnnd die drey Thor verbrennet. Der Obriste Cratz hatte Befelch auch die Mawren niderzureissen vñ Anspach[142] / Schwabach[143] vnd Rott[144] gleichfals zu ruiniren: Aber wegen der Schwedischen Ankunfft zu Donawert[145] / war ihm die Zeit zu kurtz / deßwegen er sich wider durch Aichstätt[146] nacher Ingolstadt[147] begehen muste“.[148] Der Weißenburger Chronist Alexander Döderlein berichtet: „Die Kaiserlichen haben uneingedenk der Akkordpunkte die Stadt totaliter ausgeplündert, sonderlich die Schweden totgehauen, geschlagen, geraidelt,[149] Frauen und Jungfern geschändet, teils zu bestialischer Lust davon geführt, teils Bürger und Herren in Arrest genommen und an die 7/4 Jahre darin gehalten, und die Stadttore mit höchster Gefahr in Brand gesteckt. Es sind nicht mehr als 10 Personen in der Stadt geblieben.“[150] Der schottische Söldner Robert Monro[151] erinnerte sich: „Zu dieser Zeit wurde auch Weißenburg von den Streitkräften des Herzogs wieder eingenommen, die einige Kanonen aus der Festung Wülzburg[152] erhalten hatten. Obwohl sich die Garnison der Schweden tapfer hielt und auch einen ehrenvollen Akkord schloß, brachen die Papisten in unwürdiger Weise ihr Wort, denn diejenigen, die nicht unter ihren Fahnen dienen wollten, wurden niedergehauen, und die Stadt, die sich ihnen willfährig zeigte, wurde trotz des Akkords geplündert. Frauen und Kinder wurden geschändet, während man die Prediger und die Bürgermeister gefangen nach Ingolstadt führte. Der Feind legte daraufhin die Stadttore nieder und verbrannte sie“.[153]

In den Aufzeichnungen des Pfarrarchivs von Heidenheim[154] heißt es dazu: „Um diese Zeit, Dienstag nach Pfingsten, ist die Stadt Weißenburg von etlich tausend kaiserlichem Kriegsvolk, so Ingolstadt[155] und Regensburg herauf kommen, unter dem Kommando des Obristen Cratzen belagert und bis an den fünften Tag stark beschossen worden, darin sich die Bürger und Soldaten ritterlich gewehret. Doch endlich, als sie keinen Entsatz bekommen, Sonntags in festo Trinitatis mordiert[156] und die Stadt übergeben, auch sobalden vom Feind rein ausgeplündert worden. Zeit währender Belagerung sind die kaiserlichen Reuter überall ausgefallen auf die Beut und Plünderung, haben die Dörfer an der Altmühl alle spoliert (beraubt). Berolzheim[157] samt dem Schloß in Brand gesteckt und etlich 70 First in die Aschen gelegt. Heidenheim ist den 25. und 26. Mai aufs neue wieder ausgeplündert und Jung und Alt verjagt worden“.[158] Kratz scheint das nicht beeindruckt zu haben, denn die Dinkelsbühler Geiseln sind wahrscheinlich erst im Frühjahr 1634 wieder frei gekommen.

„Als Gegenreaktion auf die Landshuter[159] und Münchner Geiselnahmen erpresste Johann Philipp Kratz, Graf von Scharfenstein, nach der Einnahme Weißenburgs seinerseits von den Weißenburgern die Stellung von Geiseln ‚quam Landshuti & Monachij ceperat Rex Gustavus‘, Wie König Gustav in Landshut und München Geiseln genommen hatte“.[160] Aus Rache wurde am 11.6.1632 bei der Wiedereroberung Weißenburgs durch die Schweden auch die kaiserliche Besatzung der Wülzburg durch Sperreuters Truppen niedergemacht.[161]

Im Juli dieses Jahres leistete Kratz sich wieder etwas Besonderes in Landsberg:[162] „Auf Befehl des Kurfürsten kam dann der kaiserliche Oberst Kratz von Scharffenstein am 14. Juli mit 8000 Mann am Bayertor vor Landsberg an, hieb die schwedischen Wachen nieder, vertrieb die Feinde und den schwedischen Befehlshaber aus der Stadt. Dabei gingen die kaiserlichen Kroaten und ebenso die Bayern mit den abziehenden Schweden nicht gerade zimperlich um und besetzten dieselbe, während Oberst Kratz selbst ein Lager außerhalb der Stadt bezog, in welchem er bis zum 19. Juli verblieb.

Am 18. Juli, am Tag vor seinem Abzug, berief er die kurfürstlichen Beamten und den Stadtmagistrat zu sich in das Lager und stellte ihnen vor, daß die Schweden unter ihrem General Baner an den Lech marschierten. Weiter sage er, da er dem schwedischen Heer nicht gewachsen wäre, sei ihm vom Kurfürsten befohlen worden, mit seiner Besatzung die Stadt zu räumen. Was ihm aber am meisten am Herzen läge, wäre die Sicherheit der Einwohner und ihrer Habseligkeiten. Sein Rat sei daher, daß sich die Landsberger in Geleitschaft seiner Leute aus der Stadt begäben, alles an wertvollen Hausgerätschaften mit sich nehmen und dann unter dem Schutz seiner Truppen an sicheren Orten ihren Zufluchtsaufenthalt suchen sollten.

Beinahe alle vermögenden Einwohner folgten diesem anscheinend guten Rat. Sie packten ihre Kostbarkeiten zusammen und zogen wohlbeladen mit Frau und Kind mit den Soldaten zum Tor hinaus. Kaum hatte man eine Meile zurückgelegt, so gab Kratz den Seinigen das verabredete Zeichen, worauf die Kroatenhorden über die getäuschten Landsberger herfielen, ihnen alles abnahmen und sie unter Hohn und Schlägen in die Stadt zurückjagten. […] Wegen der an den Landsbergern begangenen Untat wurde er jedoch vom Kurfürsten und vom Kaiser seiner Stelle enthoben und aus dem Militär entlassen, worauf er zu den Schweden überlief“.[163] Soweit die Landsberger Lokalhistorie.

In der Pfarrchronik von Vach[164] (bei Nürnberg) heißt es unter dem 10.11.1632: „An diesem Tag sind die kaiserischen Reiter unter dem kreitzischen Regiment, zu Höchstadt[165] logierend, in unser Dorf zum andern Mal eingefallen, alles Rindvieh weggetrieben, das Dorf geplündert, und mich todkranken Mann aus dem Bett genommen, mit Schlägen so traktiert, daß das Blut von mir geflossen, und mich also mit ihnen nacher Höchstadt geführt, doselbsten ich und mein Sohn Hans Jorg 6 Wochen in harter Gefängnus gelegen, bis ich endlich 400 Reichstaler zu Ranzion [Lösegeld] geben, do bin ich wieder los worden“.[166]

Kratz war neben Aldringen und Cronberg von Maximilian I. als „Berater“ des alternden Tilly vorgesehen.[167]

„Durch den Anmarsch der Horn’schen Armee wurde Aldringen allerdings um die ‚Früchte seines Erfolges in Oberschwaben‘ [die Eroberung Memmingens[168] und Kemptens;[169] BW] gebracht. Horn griff Aldringens Truppen am 9./19. Januar zwischen Memmingen und Kempten an, vernichtete zwei kurbayerische Kavallerieregimenter, darunter das Regiment Cratz und zerstreute 200 Cronbergische Dragoner. Der Oberst Adam Philipp von Cronberg, welcher bei Zirndorf[170] mit seinem berühmten bayerischen Kürassierregiment den Schweden so großen Abbruch getan hatte, wurde durch einen Schuß in die Schulter schwer verwundet, ebenso der uns als Kommandant Bambergs bekannte Giambatista di Galiberto. (Chemnitz II, S. 41: dieser meldet Galiberto irrtümlich als gefallen). Aldringen und Generalfeldzeugmeister Ottheinrich Graf Fugger begaben sich sofort an den Ort des Geschehens, sammelten die verstreuten Truppen und führten neue Regimenter gegen den Feind. Der bayerische Generalquartiermeister und Oberst Lorenz von Münch wurde bei dem folgenden Gefecht tödlich verwundet und starb wenige Minuten später. Sein Oberstleutnant Georg Christoph von Haslang wurde verwundet. Generalfeldzeugmeister Fugger geriet kurzzeitig in Gefangenschaft, konnte sich jedoch befreien, indem er seinen Bedränger, der bereits den Arm um ihn gelegt hatte und ihm Quartier anbot, mit dem Degen durchstieß, aber, ‚weil damals ein sehr ungestümmer Wind war, ist ihm, Generalzeugmeister, der Hut sammt der peruca abgeweht, und von ihm im Stich gelassen worden‘ (Hans Jakob von Starzhausen an Kf. Maximilian am 21.1., StAM T. 252).[171]

„Während die kaiserlichen Truppen am 13. Januar 1633 Kempten – welliches Stättl es zu einem ernstlichen Sturm und Ausblinderung kommen lassen, daß außer den Soldaten in die 700 Bürger sind eingehaut worden – einnahmen, sammelten sich die schwedischen Truppen unter Horn westlich der Iller, um bei Heimertingen[172] den Fluß zu überqueren. Aldringen und Ott Heinrich ließen die Brücke bewachen und zogen die Truppen bei Memmingen zusammen, wo am 19. Januar die Schweden die bayerischen Regimenter Cratz und Cronsfeld[173] in den Quartieren überfielen, weshalb es zur Schlacht im Gebiet der fuggerischen Herrschaft Grönenbach[174] kam. Der bayerische Oberst und Kriegsrat Starzhausen berichtete an Maximilian, daß während des Überfalls Aldringen und Ott Heinrich [Fugger; BW] schnellstmöglich herbeigeritten waren. Das habe die Moral der Truppe erheblich gesteigert und diese zum Durchhalten anstatt zur Flucht veranlaßt. Beide Kommandanten hätten sich mit grossem Herz und muett bei diser occasion erzaigt, und [sich] mit sehr grosser gfahr under den Feindt auch Freundt bis siedz werckh in rechten standt gesezet, zu verschidenen mahlen durchgearbeitet. Beinahe habe jedoch Ott Heinrich Fugger seinen Mut mit dem Leben bezahlt. Er sei von den Feinden verfolgt und von einem mit dem Arm bereit umbfangen, auch gefragt worden, ob er quartir haben welle. Fugger sei allerdings schneller gewesen. Er habe den Angreifer durchstossen, das er gleich vom Pferdt gefallen. Diese mutige Selbstverteidigung wurde aber von einer peinlichen Begebenheit begleitet. Starzhausen schreibt nämlich weiter: alsdann er sich auch von den andern Ritterlich salvirt, aber weil damalen ein sehr ungestümer starcker Windt wahr, Ist ime General Zeugmeister der Huet sambt der paruca abgewehrt und von Ime im stich gelassen worden. In seinem eigenen Bericht an den Vetter Hans in Schwaz bot Ott Heinrich seine Sicht der Ereignisse sowie ein weiteres lebensrettendes Detail, unterschlug aber die blamable Situation mit den Worten: Sonsten wolle E. Ld. ich nit verhalten, das in nächster occasion bei Grönenbach auch mein Persohn nit in geringer Gefahr gewesen, denn es hatte mich einer des Feindts Reiter albereit am Zaum und fragte, ob ich Quartier wollte, Als ich den selben aber den Degen in Leib stiesse, setzte mir ein anderer zwar die Pistole an den Khopf, die hat ihm aber Gott Lob versagt, was weiter erfolgt davon gibe Ich D. Ld. geliebts Gott parte […].

Nicht alle hatten Ott Heinrichs Glück und überlebten die Schlacht. Viele Kriegsknechte wurden wie der Oberst und Generalquartiermeister Lorenz Münch getötet oder überlebten wie Oberstleutnant Haßlang nur schwer verletzt. Wie nach jeder Schlacht mußten neue Soldaten angeworben und vakante Offiziersstellen neu vergeben werden, für die immer auch schon Bewerber bereitstanden. Haßlang, der zwar ein guter, tapferer Soldat sei, aber wenig zur Stärkung seines Reiterregiments beigetragen habe, sollte auf Vorschlag von Ott Heinrich bei dieser Gelegenheit durch Oberstleutnant Eberhard Manteuffel ersetzt werden, der obwohl er nit unserer Religion ist, seit 14 Jahren bey diser Armee gedient, sich ieder Zeit dapfer verhalten und sein fidelitet nunmehr genuegsamb demonstriert hat. Maximilian akzeptierte den Vorschlag und ernannte Manteuffel zum Obersten. Die Fürsprache für den evangelischen Manteuffel zeigt, daß in dem propagierten Kampf um die ›richtige‹ Religion auch überzeugte Katholiken wie Ott Heinrich Fugger nach pragmatischen Gesichtspunkten argumentierten“.[175]

Desavouiert durch Wallenstein erfolgte der Übertritt in schwedische Dienste, denn Kratz fühlte sich zurückgesetzt, weil Aldringen im Januar 1633 den Oberbefehl erhalten hatte. „Mit Ingolstadt ging es nicht so reibungslos. Graf Cratz von Scharfenstein, der damalige Kommandant der Stadt, war der fortwährenden Kränkungen durch Wallenstein überdrüssig und wollte die Stadt dem Feind ausliefern. In der Nacht vom 14. auf den 15. Mai sollte die Übergabe stattfinden. Bernhards Truppen hatten sich jedoch verspätet und kamen erst mit anbrechendem Morgen des 15. Mai (Pfingstfest) vor der Stadt an. Die Wache entdeckte den drohenden Verrat und konnte die Übergabe verhindern. Cratz beteuerte seine Unschuld und konnte unter dem Vorwand fliehen, sich zum Kaiser zwecks Erklärung der Vorgänge begeben zu wollen. Er begab sich allerdings nach Schlesien, wo er zur schwedischen Armee überlief und zum Feldmarschall ernannt wurde. Sein Mitverschwörer, der Oberst Fahrensbach, konnte sich seiner Verhaftung nicht schnell genug durch die Flucht entziehen und wurde zum Tode verurteilt“.[176]

Kratz trat zu Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar[177] über, der ihm die Charge eines Feldmarschalls zugesagt hatte und der Probleme hatte, diese Zusage bei Oxenstierna zu rechtfertigen, weshalb Kratz‘ offizielle Ernennung erst im Juni 1634 erfolgte.[178]

Rašin schilderte in seiner Relation vom 20.10.1635 über Wallensteins Verschwörung eine Begegnung im Juli 1633: „lß dann ist der Friedländer mit Herzog Franz Albrecht und andere Officire lustig gewesen, und haben auß den hüeten getruncken; ich aber bin nit dabei gewesen, sondern allerst zu Liegnitz[179] zu dem Grafen von Thurn kommen, alldahin auch der Kratz kommen, deme der Graf Thurn alles vertraut: wie dann der Kratz selbst zu mir gesagt: es stünde nun alles wol, der Friedländer müsse König werden, alßdann bekäme er seine güter wieder, er wolle ihm gerne alles verzeihen. Hat auch beteuert, daß der Herr Bernhardt ihme die stundt nit gehalten, welches wann er gethan hät, so het er die Festung Ingolstadt bekommen“.[180] Der holländische Diplomat Cornelis Pauw schrieb am 6.10.1633 aus Frankfurt/M.[181] an die Generalstaaten: „Die Gespräche und Mitteilungen über die Person und das Vorhaben des Generals Wallenstein, nämlich daß derselbe den Kaiser verlassen und sich dieser [der protestantischen] Seite angeschlossen haben solle, lauten so unterschiedlich und sind noch mit solchen Unsicherheiten ermengt, daß ich so wichtige weitreichende Angelegenheiten mehr nach dem allgemeinen Reden und Urteil [wiedergebe], als [daß ich] zur Zeit einen richtigen detaillierten Bericht davon geben kann; im allgemeinen melden die Briefe, daß man Frieden stiften und einen neuen böhmischen König erheben wolle, wozu die Krone mit großer Feierlichkeit nach Prag gebracht werde. Der Oberst Cratz, der dem Kaiser gedient hat und hierher nach Frankfurt gekommen ist, bekräftigte das zuvor Gesagte vom General Wallenstein und von seiner großen Unlust gegenüber dem Kaiser, sonderlich [verursacht] durch die Ankunft des Herzogs von Feria und geheime Nachrichten, wonach man diesen Herrn zum Generalat befördern wolle, so daß viele der Meinung sind, dafür halten und darauf wetten, daß der General Wallenstein ihm selbst eine gute Partie bieten und die evangelischen Stände dazu zu Hilfe nehmen werde“.[182]

„Der schwedische Oberst, Freiherr Kratz-Scharffenstein, stürmte gegen Donaustauf,[183] zertrümmerte mit seinen Geschützen die Mauern und legte die Burg in Asche. Von da aus ging sein Marsch zum Kloster Frauenzell,[184] das er plünderte und brandschatzte. Die alten Ritterburgen Brennberg[185] und Heilsberg[186] verwandelte der Schwedenoberst in Schutt und Asche. Von da zog er nach Wiesent,[187] der Besitzung Lintelo’s, welches er ausraubte und zum Teil in Brand steckte“.[188]

Am 25.12.1633 begann Kratz mit der Belagerung der Feste Donauwörth,[189] die am 16.1.1634 übergeben und gesprengt wurde. 1634 wurde er schwedischer Feldmarschall. Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[190] von Marktredwitz[191] schreibt anlässlich der Einquartierung der kaiserlichen Kroatenbanden von Morzin im Frühjahr 1634: „Vor solchen feindlichen Einfällen haben wir uns (ganz) nicht gefürchtet, sondern aus großer Ungeduld uns oft gewünschet, daß nur der Feind kommen und alles niederhauen, sengen und verbrennen möchte, damit nur unseres Jammers und Elends ein End würde. Einen solchen Anschlag hat der schwedische Ober[st] Cra(t)z – welcher hernach zu Wien gerichtet worden – auf hiehero gehabt, ist auch schon auf dem Weg gewesen, aber nit vollbracht etc“.[192]

„In Kronach[193] hatte nach wie vor Wolfgang Philipp Fuchs von Dornheim, Vetter des inzwischen verstorbenen Fürstbischofs Johann Georg, das Statthalteramt inne. Die Nachfolge Johann Georgs hatte seit dem 3. August 1633 der neue Fürstbischof Franz von Hatzfeld[194] angetreten. Dessen Bruder, der kaiserliche Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld, war am 27.6.33 persönlich nach Kronach gekommen, und hatte auf Veranlassung Wallensteins den Leutnant Hans Wilhelm Amman aus dem Hatzfeldischen Regiment ‚Adoltzhofen‘ als Hauptmann über die Bürgerschaft vorgestellt. Amman warb eine Kompanie zu 300 Mann in der Hauptmannschaft Kronach, wurde jedoch im Herbst des Jahres wieder nach Eger[195] abkommandiert. Anstatt seiner wurde der Hauptmann Johann Jacob Bruckher zum Kommandanten ernannt. (Zitter 1666, S. 37). Bruckhner warb bis Ende des Jahres 2 Kompanien, je eine zu Roß und zu Fuß. Der Ausschuß der Hauptmannnschaft drang hingegen auf die Errichtung zweier selbstständiger Kompanien aus den eigenen Reihen (Fehn, S. 224). Die von Bruckher geworbenen beiden Kompanien zu Roß und Fuß wurden deshalb, auch auf nachdrückliches Betreiben der Kronacher Bürger, welche diese mit unerträglichem Aufwand unterhalten hatten, gegen Ende Dezember 1633 an das Regiment Neu-Hatzfeld zurückgeschickt. Eine gewisse Anzahl Reiter (nach Zitter zwischen 20 und 30 Pferde) waren jedoch unter dem Wachtmeister Ratlisch (s. weiter unten) in der Stadt verblieben, bzw. Bis zum Frühjahr 1634 neu geworben worden. Von weiteren Werbungen, auch von Vergrößerung des Ausschusses, wird nicht berichtet. Die Ausschußtruppen unter dem Kapitän Michael Steinmüller werden deshalb wohl auch im Frühjahr 1634 die 130 Mann, welche am 28.7.1633 gemustert worden waren (Fehn, S. 226), nicht wesentlich überschritten haben. Die wehrhafte Bürgerschaft bestand nach wie vor aus etwa 500 Mann.

Seit Februar 1634 hatte Bamberg wieder eine schwedische Besatzung. Provoziert durch die kontinuierlichen Übergriffe der Forchheimer[196] Garnison waren unter dem Kommando des weimarischen Generalmajors Georg von Uslar am 22.2. die bisher in der Umgebung Schweinfurts liegenden Regimenter zu Pferd Uslar und Johann Bernhard von Öhm [Ehm], zu Fuß das Regiment Bartholomäus von Zerotin sowie die beiden schottischen Abteilungen der Obersten Jakob (James) King und Ludowick Leslie in Bamberg eingerückt (BHVB 48, S. 58). Zu Anfang März kamen diese Regimenter unter den Befehl des erst im Januar in schwedische Dienste übergewechselten, designierten Feldmarschalls, Grafen Johann Philipp Cratz von Scharfenstein. Bereits am 13. März 1634 gegen Abend war die Nachricht in Kronach eingetroffen, daß sich etliche Squadrons Reiter in Hummendorf,[197] Küps[198] und den umliegenden Dörfern einquartiert hätten. Die Kronacher Bürgerschaft war beunruhigt, und der Kommandant Bruckher schickte etliche Berittene nach Neuses[199] (Dorf südlich von Kronach) um die Situation zu erkunden. Diese wurden jedoch von den überlegenen feindlichen Truppen bedrängt und wieder zum Rückzug nach Kronach gezwungen.

‚Den 14. Martij praesentirn sich etliche Regimenter von General Graff Kratzen, welcher nun in Schwedischen Diensten vnd zu Bamberg logirte, oberhalb Neusses herauf bis vffn Sand [bei der Hammermühle], schickte etliche parthey herüber zum Gericht welche vnsere wenige Reüther unter welchen sich der Rittmeister Ratlitsch, so damals noch Wachtmeister, sich befande, sich stelleten vnd den gantzen Tag mit ihnen im Veld scharmutzierten, tapffer Feüer vff einander gaben, biß zween vom Feind herabgeschossen wurden, der Feind kombt mit stärckern Partheyen angehieben, jagte unsere Reuther herauff, vnd da sie von vnsern Mußqvetirern, so im Sieghaus[200] lagen nicht secundirt, den kürtzern gezogen haben möchten.

Den 15. Dito stellete sich obernante Kratzische Reütherey nicht allein unterhalb der Statt, sondern giengen auch die Trouppen gerings herumb, daß sich niemand mehr hinaus wagen dorffte, gegen den Haßlacher Berg aber, allwo sich unterschiedliche truppen sehen liessen, setzten die Burger vnd Mußqvetirer an sie vnd scharmutzirten mit ihnen, daß unterschiedliche von Pferden gefallen, vnd den Unserigen zu theil worden.

Derweilen wir Uns nun anders nichts als einer Belägerung zu versehen, unangesehen noch von keinem Fueßvolck Nachrichtung bekommen köndten, in dem alle Lutherische Dörffer vnd Innwohner noch gut Schwedisch, so wurden allerhand nützliche Vorsehung vnd Anstalt gemacht, bevorab daß die hohen Häuser in der Vorstadt, welcher der Stadtmauern zu nahe waren, abzudecken, vnd die Gibelwänd zu Boden zulegen. Item auch die drey Brucken in der Vorstadt als Kaulängerer, Spithal, vnd Haßlacher mit Plöchern zuverpolwercken, die Schranken zu repariren vnd alle päß in obacht zunehmen weren, wie dann beschehen.

Den 16. Dito und 17ten parthierte des Feinds Reütherey vmb die Vorstädte, da es jederzeit scharmützel[201] gab, vnd brachten auch unsere reüther etliche gefangene ein, die berichten, daß der Hertzog Bernhard von Sachsen Weinmar [!] mit seiner Armee von Regenspurg aus im march begriffen vnd derentwegen der General Graff Cratz von Scharpffenstein die stadt solang ploquirt halten solte, biß ermelter Hertzog mit der Armee darbey komme‘.

Die Tatsache, daß Bernhard von Weimar die Belagerung Kronachs nicht auf die leichte Schulter nahm, geht aus seinem ausführlichen Brief vom 18. März 1634 aus dem ‚Haubtquartier Neuses vor Cronach‘ an den schwedischen Reichskanzler Oxenstierna[202] hervor: ‚Nun finden wir zwar solchen plaz, [mehr] alls irgend einen andern wol versehen, so wohln wegen der stärck der guarnison unnd werck [Befestigungen] an ihme selbsten, alls [auch] seiner provision [Vorräte], hingegen der umbliegenden landen ruin und beschwernuss, darinn zu leben; unndt dann des feinds anwesen- und gelegenheit ess zu entsetzen, dahero die belagerung nicht allein viel zeit und ceremonien erfordern, sondern auch ein zimblichen hazard auf sich tragen, da [wenn] selbige nicht mit sonderm eyfer manuteniert [in Angriff genommen] unndt den hindernussen in zeiten vorgebauet würde. […] hoffen daher mitt göttlicher hülff in wenig tagen weit zu kommen, wann wir nur von dem feind auss Böheimb nicht gehindert werden. Ess ist aber derselbe umb Eger zimblich starck unnd in vollem motu [Bewegung], kan in wenig stunden hier sein unnd unss in difficulteten setzen […]‘ (Skrifter II Bd. 7, S. 157f.).

Chemnitz schreibt über die Truppen Bernhards vor Kronach, daß ‚er mehr nicht / als sein Regiment zu pferde [Leibregiment] vnd drey Brigaden zu fus / nemlich das alte blawe / Mizlaffische / vnd seine eigne bey sich gehabt‘, welche Tatsache Bernhard in seinem Brief an Oxenstierna bestätigt (Chemnitz II, S. 338). Die schwedischen Brigaden waren Formationen, die nur für den Kampfeinsatz gebildet wurden und setzten sich ab dem Jahr 1631 aus jeweils 3 ‚Squadrons‘ oder Halbregimentern zu je 4 Kompanien oder effektiv 1512 Mann plus 128 Offizieren zusammen. Anfang 1634 waren die Regimenter Bernhards jedoch so stark zusammengeschmolzen, daß mit Ausnahme des generell starken ‚Alten Blauen‘ Regiments, welches für sich eine Brigade bildete, die übrigen Brigaden, anstatt aus Squadrons, aus jeweils 2 bis 3 schwachen Regimenter[n] zusammengesetzt werden mußten.

Für das Frühjahr 1634 liegen uns leider nur teilweise Regimentslisten des weimarischen Korps vor, allerdings lassen sich aus den bekannten Grundformationen der Regimenter, wie auch der Kenntnis um die Sollstärke der betreffenden Brigaden, relativ zuverlässige Zahlen ableiten. Demnach hatte Herzog Bernhards Leibregiment zu Pferd unter Oberstleutnant Bouillon 12 Kompanien in einer Gesamtstärke zwischen 600 und 800 Pferden aufgeteilt auf 2 Squadrons. Die ‚Alte Blaue Brigade‘ bestand im Prinzip nur aus dem ‚Alten Blauen‘ Regiment unter Oberst Hans Georg aus dem Winckel, dessen Sollstärke 16 Kompanien umfaßte. Oberst Winckel war jedoch mit einigen Kompanien dieses Regiments in Garnison in Augsburg zurückgeblieben, wo er seit April 1633 die Stelle eines Stadtkommandanten bekleidete. Für dieses Regiment liegt eine Verpflegungsordonnanz vom Ostermontag 1634 aus Nördlingen[203] vor, wonach es zu diesem Zeitpunkt 980 Mann plus Offiziere zählte (Brzezinski/Cavalry, S. 47). Das Regiment war kurz vor Kronach mit einigen neugeworbenen Kompanien verstärkt worden. Dennoch dürfte seine Stärke 1100-1300 Mann nicht überschritten haben.

Die Brigade Mitzlaff bestand aus den Regimentern Gersdorf (dessen ehemaliger Kommandant, Oberst Gersdorf, war bei Lützen[204] gefallen, der Oberstleutnant ist nicht bekannt) mit ca. 500 Mann in 8 Kompanien, Joachim Mitzlaffs eigenem Regiment mit ca. 700 Mann in 12 Kompanien und dem Regiment des Obersten Friedrich (Fritz von Rosen) mit ca. 600 Mann in 8 Kompanien, insgesamt ca. 1800 Mann. Bernhards eigene Brigade, auch ‚Grüne Brigade‘ genannt, bestand aus folgenden Regimentern: Herzog Bernhards Grünem Leibregiment zu Fuß mit ca. 800 Mann in 12 Kompanien. Dessen Oberstleutnant Johann Winckler war bei Lützen gefallen. Das Regiment wurde seither von Oberstleutnant Rüdiger von Waldau kommandiert. Das ursprünglich zu dieser Brigade gehörige Regiment Wildenstein (Georg Wulff von Wildenstein war ebenfalls bei Lützen gefallen) hatte dessen ehemaliger Oberstleutnant von Limbach als Oberst übernommen. Dieses Regiment war jedoch nach der Belagerung Regensburgs derart dezimiert, daß nach einer Musterungsanweisung Herzog Bernhards 566 Mann fehlten (Skrifter II Bd. 7, S. 113). Schließlich gehörte zu Herzog Bernhards Brigade noch ein schottisches Regiment unter Oberst Ludovick Leslie und dem Major Alexander Barclay mit 400-600 Mann in 8 Kompanien. Zusammen dürfte die Stärke von Bernhards Brigade 1800 Mann betragen haben.

Die Gesamtstärke von Herzog Bernhards Truppen vor Kronach umfaßte also etwa 4700-5000 Mann zu Fuß und 800-1000 zu Pferd. Dazu kamen einige Kompanien des Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach. Unklar ist, welchen Anteil die um Bamberg logierenden Truppen des Feldmarschalls Johann Philipp Cratz von Scharfenstein an der eigentlichen Belagerung Kronachs hatten. Cratz‘ Infanterie war, bis auf Ludovick Leslies Regiment, welches zu Bernhards Grüner Brigade gehörte, in Bamberg verblieben (vgl. BHVB 53, S. 176). Seine Reiterei umfaßte ca. 800 Pferde. Jedenfalls berichtet Bernhard in dem erwähnten Brief an Oxenstierna: ‚[…] haben über die Blaue, Mizlafische und unsere Brigade, neben unserm regiment zu pferdt, die in Bamberg gelegene trouppen bey unss, dabey ein zimblichen canon unnd materialia‘.

‚Den 18. Martij Nachmittag sahe man die Weinmarische Armee über den Krautsberg in batalia[205] herein marchiren, da allzeit 3. in 4. Brigaden nebeneinander hielten, vnd allgemach fort gieng ungezweiffelt uns zum Schrecken, daß wir die grosse Macht erkennen vnd sehen sollten, wie dann in Ansehung dieses so Sieghafften Fürsten, bey uns das Lachen gar theüer war. Die Regimenter zu Fueß marchirten bey Höffles [Höfles[206]] hinab vff Vockendorf [Vogtendorf[207]] vnd ferner durch das Holtz den Sternberg neben der Rodach herab, biß vff den Seeg-Anger, da sie viel PfälHoltz antraffen, vnd sich verbaueten, ruckten theil am Mittelgriß unter der Stein-Mühl, vnd hätte die gantze Infanterij diß zum Vortheil, daß man wegen unserer hohen Kirchen vnd des Pfarrhoffs aus dem Hauß Rosenberg [Festung[208]] keinen gewissen Schuß aus Stucken in ihr Läger thun kondte, man muste dann durch die Tächer also blind schiessen, welches sie gleichwohl nicht ohne Schaden empfunden haben.

Des andern Abends [18.3.] hat zwischen 4. vnd 5. Uhren ein Schwedischer Trompeter unweit der Brucken bei dem Spital [Spitalbrücke] mit der Trompeten angestossen, welchen die daselbst befindliche Wacht die Augen verbunden, zu dem Regierenden Bürgermeister [Barthel Sünder, gen. Mahler] in die Stadt vnd fürters zu mehrgemeltem Stadthaltern Wolff Philipp Fuchs von Dornheimb, etc. vnd Herrn Commendanten Hanß Jacob Pruckern vffs Hauß Rosenberg geführt, die Herrn Bürgermeister vnd Rath auch so balden zu dessen Anbringen vnd Außsag beruffen worden. Welcher mündlich angebracht, daß sein Fürste Hertzog Bernhard von Sachsen Winmar etc. Ihne abgesandt, vnd befohlen, daß er mit seiner Armada hier vor der Stadt ankommen, vnd in Nahmen der Cron Schweden das Schloß vnd die Stadt hiemit auffgefordert haben wolte, es were nun alles vergebens, und kein Hoffnung mehr, ob man sich schon biß Dato gegen der Cron Schweden vnd dero Bevollmächtigte gewehret, vnd darbey grosse insolentien gegen die benachbarte Fürsten vnd den Adel verübt; daß unser Bischoff sein Lebtag das Bistumb [nicht] mehr betretten, oder Uns ferner schützen werde, welcher nur ein Edelmann, sein Herr aber ein geborner Fürst were, vnd eine grosse Macht uff den Beinen hätte; würde man sich ergeben, so wolte er den Commendanten nicht allein hoch erheben, sondern auch den Rath vnd Burgerschafft in seinen Schutz vnd Schirm nehmen, mit einer gar geringen Guarnison belegen, wo aber nicht, hätte man sich nichts anders zugetrösten, als daß er seine Macht vnd Gewalt anlegen, vnd das Kind im Mutterleib nicht verschonen würde.

Dem Trompeter gab man Essen und Trincken, tractirt ihn wohl, vnd wiederumb diß mündlich zur Antwort, daß man gegen der Röm. Keyserl. Majest. vnd dem Hochstifft Bamberg wie auch gegen Unsern Gnädigen Landes-Fursten vnd Herrn, Herrn Francisco Bischoffen zu Bamberg vnd Würtzburg solches nicht verantworten, [noch viel] weniger in dieses Begehren einwilligen köndten; were sein Herr ein gebohrner Fürst, liessen wirs darbey bewenden. Unser Lands-Fürst aber aus dem Uralten Adeligen Geschlecht deren von Hatzfeld, [welcher] zu einem Dombherrn,[209] vnd fürters wegen seiner grossen Tugenden, als das vornehmste subjectum zum Fürsten des Römischen Reichs erwehlet, welcher keinem gebohrnen Fürsten an hohen Verstand vnd Fürstl. Sitten das wenigste zuvor liesse [um nichts nachstünde], deme hätten wir Pflicht geleistet, bey diesem wolten wir leben vnd sterben; da [wenn] sein Fürst gegen uns einige feindseligkeit vornehmen werde, hätte er nichts gewissers, als daß wir nothwendiger Gegenwehr uns gebrauchen müsten.

Als wir nun diese Nacht, weiln der Trompeter noch nicht abgereist, und keines Einfals vom Feind besorgten, jedoch aber alle Posten vnd Wachten vffs beste bestelleten, unterdessen der Trompeter als ein listiger schlauher Gast viel Vffschnied [Aufschneiderei] vorbracht, vmnd vnder andern daß sich der Bischoff zu Eystätt [Eichstätt] vnd mehr Catholische Bischoffen auch damals erst seinem Herrn untergeben hätten, dahero wir es zu keinem Gewalt kommen lassen solten, hätten uns doch keiner Hülffe zugetrösten‘.

‚Zu Nacht umb 10 Uhr [18.3.] wird Lermen [Alarm] in der Vorstadt, kombt die ganze Wacht, so wir hinter die Steinmühl gestelt, welches der nechste Posten an den Feind war vor das Haßlacher Thor, vnd berichtet, der Feind setze mit gantzer Macht an, sie haben ihn angeschreit, er darauff geantwortet gut Freund, gleichwohl aber hab die Wacht nicht gewust, ob sie Feuer geben dörffen, oder nicht, in deme der Trompeter noch vffm Schloß vnd nit abgefertiget, alß [also] hetten sie sich zurück begeben; diß war eine einfältige Rotte, welche dem Feindt viel Mannschafft erlegen können, ehe er in die Mühl kommen, lassen also den Feind in die Vorstadt einbrechen, ohne einigen Schuß, da wurde Lermen vff allen Posten, die Wachten vff der Spittal Brucken vnd Ziegelanger [heute Bahnhofsplatz] musten ihre Posten verlassen, vnd hatten grosse Zeit das ihnen der Paß [Zugang] in die Stadt nicht abgeschnitten wurde.

Der Feind bemächtiget sich der Vorstadt umb den Spittal, der Rosenau vnd Ziegelanger vnd stelleten so balden ein Wacht in des Knellendorffers Haus am Mühlgraben gegen dem Pfarrhof hinüber, die Schildtwacht stundte heraussen am Eck [bei der Steinmühlgasse]  vnd fieng gegen den unserigen im Zwinger vnd oben vff der Stadtmauern zuschreyen, zuschänden vnd zuschmähen, unsere Leuth begegneten ihnen mit dergleichen, vnd gaben auch vielmahls Feuer hinaus, diese Nacht war man nun allerseits allert[210] vnd in armis. Den Trompeter wolten die Burger todtschlagen, daß sein Herr Feindlich angesetzet, ehe er die Antwort zuruck bekommen, derentwegen [er] mit etlichen Officirern vom Schloß hinab zu den seinigen begleitet werden mußte.

Des andern Tags [19.3.] sahe man daß der Feind zwo Battry am Haßlacher Berg neben dem Mahlers Garten bauete vnd hernach etliche Veldschlangen vnd Feuer Mörschner darauff pflanzete, dann in das Haus vor der Steinmühl bey der Stigen genant, oben vffm Boden zwey Stücklein brachte, vnd sobalden gegen den Pfarrthurn, Pfarrhoff, in Zwinger und in die Stadtmauern zuspielen anfienge, daß sich fast niemand mehr vffm Pfarr-Saal erblicken lassen dörffte. Wir begegneten denen vffm hauß weiln es gantz nahe, mit kleinen Stücklein vnd Doppelhäcken von dem Thurn hindern Pfarrhoff [Pfarrturm] dapffer, daß sie manchmal in 2. Stunden keinen Schuß mehr auffbringen kondten vnd viel darbey sitzen blieben.

Der Feind fienge den dritten Tag [20.3.] an vom Haßlacher Berg mit Stucken in die Stadt zuspielen vnd wurffe viel Feuer-Ballen [Brandgeschosse] vnd Centners Granaten herein, deren eine eine Wand in Pfarrhoff heraus schluge, die ander des Hansen Stöltzlein sein Hauß am Kirchhof durch Fall vnd Schlag in einem Augenblick zu Boden legte, darinnen 14. Menschen, deren man 13. durch Abräumen der Palcken vnd Raiser darunter sie gesteckt, salvirt, die Haußfrau [Anna Stöltzlein] aber todt blieben. Andere solche schwere Granaten so er diese Täg über herein wurffe, geriethen vff das Pflaster, vnd schlugen tieffe weite Löcher hinein, mit Außwürffung der Pflastersteinen Haußhoch, doch Gottlob ohne Schaden der Menschen. Mit Stucken spielete er deßgleichen vom Haßlacher Berg herüber vnd thäten die Kirchen vnd Häußer dort darumb sehr zerlestern, dem steinern Gang, so vom Pfarrhof hinüber in den Thurn gehet, legte er mit schiessen zu boden, daß niemand mehr hinüber kondte, vnd dieselbe schöne Wehr uns benommen wurde.

Uffm Hauß Rosenberg feyrete man zwar auch mit stucken nicht [war man mit Geschützen auch nicht untätig], vnd spielete gegen ihre Batteryen am Haßlacher Berg, wie auch in ihr Läger, aber mit geringen effect, weiln wir mit schlechten Constabeln versehen, vnd der beste wie vorn gemeldet erschossen worden. Der Feind besätzte alle nahe gelegene Häuser an der Stadtmauern mit Mußquetierern, daß ehe sich einer von uns vff der Mauern erblicken ließe, geschwind 10. Oder mehr Schüß vff ihne geschahen, wie dann durch solches hinaußsehen, Herr Michael Steinmüller Capitain über den Außschuß, Herr Paulus Leicht des Raths, vnd Erasmus Glaidsman Wachtmeister erschossen worden. Es war gar ein gefährlicher Handel, indeme der Feind in denen Häusern nechst der Stadt der Stadtmauern logirte, auch in des Wolff Frölichs Wirthshauß zwey Stücklein vffm Saal hinauff vnd ein großes Stuck in der untern Stuben pflantzen ließ, welche vff unsere Wercklein von Holtz gebauet, vnd vff die Stadtmauern continuirlich Feuer gaben‘.

‚Kein Mittel war zufinden, den Feind aus der Vorstadt zubringen, als durch das Feuer, derentwegen vom grösten biß zum kleinsten Burger beschlossen wurde, es möcht treffen, wem es wolte, die Vorstadt anzuzünden, gleich wie unsere Vor-Eltern vor 200 Jahren in An. 1430 gethan, da die Hußiten aus Böhmen herausser gezogen, das Land verheeret vnnd verbrandt, sich der Vorstadt allhie bemächtiget, vnd nicht wider hinaus zubringen gewesen, biß die Vorstadt an unterschiedlichen Orthen angezündet, vnd die Ketzer also vertrieben. Also spendirten Herr Stadthalter, H. Comendant, wie auch Bürgermeister vnd Rath, denen Personen so sich darzu gebrauchen liessen viel Geld aus, daß sie sich hinaus wagten, und Feuer in die Vorstadt, wo sie heimlich beykommen kondten, einlegten. Man wurffe auch Feuer Ballen[211] mit eisernen Zacken gemacht von der Mauern hinder der Kirchen hinaus vff die Häuser der Vorstadt unter der Mauern, welche mit Schindeln gedeckt waren, die da stecken blieben, und die Häuser von obenhinein anzündeten.

Durch diese Mittel wurde die Vorstadt umb und umb in Brand angesetzt, daß die Flammen herein in die Stadt schlugen, die inner Stadt in grosser Gefahr stunde, vnd man vff der seiten gegen der Haßlach die Häuser an den Gibel-Wänden continuirlich mit wasser begießen mußte. Der Feind wurde aus den Häusern vnd vielen Posten zuweichen genöthiget, gleichwol aber als das Feuer hinab in des Tampiers Hauß vffm Platz am Mühlgraben gegen dem Pfarrhof hinüber geriethe, dessen Flammen des Heinrich Murmans Hauß so jenseits des Mühlgrabens gelegen, welches unten mit einem steinern Stockwerck versehen, den Gibel berührte vnd anzündete, hat solches der Feind dermassen zuleschen sich unterstanden, daß unangesehen wir mit gezogenen Feuer-Rohrn vffm Pfarr-Saal vnd Mußqueten in Zwinger ihme biß in die Mitternacht stettig auffgepast, vnd wo sich einer nur erblicken ließ, wie die Spatzen von Tächern herunder geschossen.

Gleichwohl aber [haben] die Officirer, wie wir augenscheinlich gesehen, die Mußquetirer mit kurzen Wehren vnd blossen Degen, dermassen dieses Hauß, alwo sie ihr Hauptwacht gehabt, zuleschen angetrieben, daß [indem] sie große Wisch mit Stroh an die Stangen gebunden [und] sowohl aus denen Bodenlöchern als unten vff der erden in dem fürüberfliessenden Mühlgraben eingetunckt [und] das Wasser an die Gibelwändt geschlagen. Do sich dan diejenigen von Bodenlöchern gantz frey herausser begeben müssen, vnd ob wir zwar einen nach den andern hinweg bürtschten [pirschten], wurde doch allezeit widerumb ein frischer dahin vermüssiget, auff diese weiß zuleschen, welches Hauß vffs wenigst dem Feind in 30. Mann gekostet, biß endtlich deß vorgemelten Tampiers Hauß zugrund gienge, vnd die flammen sich legten, das es keines leschens mehr gebrauchet, vnd der Feind vff solche weiß selbiges zu seinem Vortheil erhalten, hernach aber zu [bei] seinem Abzug selbsten angezündet, vnd biß vff das Gemäuer abgebrendt.

Vnder wehrenter diser action mit dem Feind, setzete mit den Prücknerschen Reutern dessen Wachtmaister der Ratlitsch ein Croat in 20. oder 30. Pferden starck täglich zum obern Thor [nördl. Stadttor in Richtung Festung] hinauß vnder den Feindt, stellete sich alß wan er jhres Volcks were, daß er manchmal, wie man vffm Schloß alles sehen könde, durch vil FeindsTrouppen geritten, vnd vmgeben war. Wan er alßdan seinen Vortheil ersahe, namb er etlich gefangen, vnd führete sie herein; deren er so viel einbrachte, das aller Thürn vnd Gefengnus zu wenig, vnder welchen auch der Hauptmann Muffel von Culmbach sich befunde, vnd etliche Wochen vff dem Hauß Rosenberg gefangen saß, jedoch seinen Tisch bey Herrn Statthaltern Wolff Philipp Fuchsen von Dornheim etc. hette, biß er sich hernach rantionierte, viel Landsknecht oder Trossen, weilen man sie nit zuerhalten wüste, schuß er [Ratlitsch] negst der Waßmühl nider, und ließ sie liegen, das er also dem Feind nit geringen Abbruch thete.

Vnd nach dem wir oben an der Haßlach beim Biengäßlein von Erden vnd Stein zuvorhin ein Schänzlein gebauet, selbiges nur des tags über mit Mußquetirern ungefehr 15 oder 20 besetzten, dem Feind bißweilen etwas abzuzwacken, kombt der Hertzog Bernhard von Weinmar mit in 10 oder mehr Cavalirn unten vom Ziegel-Anger hinder den Häusern die gärten herauff zu recognosciren [erkunden] geritten, welches unsere Mußquetirer gewahr worden, und sich in die Schußlöcher einlegten, bis er etwas näher hinzu kommen möchte, solte auch unfehlbar in unsere Hand kommen sein, wo nicht das Unglück einen Stadtknecht aus der Stadt unversehens darzu geführt, welcher, nach dem er ersehen, daß die gantze Wacht in postur ligt, angeschlagen, vnd gleich Feuer geben will, vffs lauteste zuschreyen anfängt, halt inn, halt innen, es seind heüt unsere Reüther hinausgeritten, das möchten diese sein, vff welches Geschrey der Hertzog der unserigen gewahr wird, sich vff die Seiten wendet, vnd die Flucht gegen den Haßlacher Berg nimbt, alwo sie dann so balden mit Stucken vff das Schänzlein Canonirn, daß sich keiner mehr ersehen lassen dörffte.

In dem nun die mehrste Vorstadt hinweg gebrandt, unter welcher Zeit wir gleichwohl des Feinds intent etwas vffgezogen [verzögert], umb Keyserl. Succurs in Böhmen geschickt, vnd das Feuer sich gelegt, hat mehrermelter Hertzog und seine Generaln getrachtet, wie sie grobe Stuck in die Vorstadt pflantzen möchten, der Stadtmauern etwas nähender zusein, dahero etliche gemäuer, alwo die Häuser zwar abgebrandt gewesen angetroffen, unter andern in Andreas Pohrnschlegels Metzgers gewesenen Schlachthauß am Mühlgraben hinder der unter Badstuben gelegen, zwo halbe Carthaunen [24-Pfünder], neben diesen in Hanß Christen Haus eine halbe Carthaunen, vnd neben des alten Behrn Mistung ein drey viertel Carthaunen [33-35-Pfünder] gebracht, vnd vorn sich gegen der Stadtmauern etwas vergraben, an welchen sie Tag und Nacht starck gearbeitet, nach dem nun alles fertig, vnd wie vorgemelt nechst darober in Wolfen Fröhligs Hauß auch drey Stuck eingepflantzet waren, fieng der feind an von Tag zu Tag mehrer aus Stucken, wie auch vom Haßlacher Berg aus gegen die Stadt zuspielen, Granaten und Feuer einzuwerffen, daß es sausete und krachte, vnd einem die haar gegen Berg gestanden sein möchten. Alle Wehren nahm er uns mit Stucken hinweg, vom Hauß Rosenberg aus kundte man ihme diß Orts den wenigsten Schaden zufügen, wie man dann auch wegen der hohen Pfarrkirchen das Läger, so hinter der Steinmühl vffm Mittelgrieß bis hinab vffm Seeganger geschlagen, mit Stucken fast nicht berühren [konnte], man muste dann durch das Kirchentach schiessen‘.

An dieser Stelle ist es aufschlußreich, einen Blick auf die Belagerungstaktik der weimarischen Truppen zu werfen. Bei Betrachtung des ersten genauen Stadtplan Kronachs von 1853 zeigt sich, daß noch zu dieser Zeit die Häuser der heutigen Schwedenstraße einreihig standen, also noch keine Hinterhäuser besaßen. Eine Ausnahme bildete die untere Badstube (heute Rosenau 1, die Reste der Badstube sind dort noch zu sehen). hinter dieser, zum Mühlgraben hin, hatten die Belagerer zwei halbe Kartaunen in Andreas Bornschlegels Schlachthaus gepflanzt, und gleich daneben,in das Haus des Hans Christ, an Stelle des heutigen Hinterhauses der Schwedenstraße Nr. 8, eine weitere halbe Kartaune in Stellung gebracht. Die beiden davorliegenden Häuser (heute Schwedenstr. 9 und 10) waren bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. Die erwähnten drei schweren Geschütze bildeten also die mauerbrechende Mittelbatterie. Zur südlichen Seite (bei der Mistung des alten Behr – wahrscheinlich anstelle des Hinterhauses Schwedenstraße 7) hatte man die dreiviertel Kartaune plaziert, während auf der nördlichen Seite (im Gasthaus des Wolf Frölich anstelle Schwedenstr. 11) ein weiteres schweres Geschütz positioniert war. Auf den Saalboden des Gasthauses im ersten Stock hatte man zwei kleinere Kanonen geschafft, die dazu dienten, die Verschanzungen der Verteidiger auf der Mauer zu zerstören und die Kronacher daran hindern sollten, die Bresche auszubessern.

Nach der damaligen Belagerungstheorie (z. B. Schildknecht etc.) lag die optimale Entfernung zum Brescheschießen bei 200-250 Schritt, den Schritt zu 2, 5 Fuß, d. h. ca. 0, 75 m gerechnet. Diese konnte hier natürlich nicht eingehalten werden. Trotzdem muß man davon ausgehen, daß die Belagerer sich, allein schon aus Gründen der eigenen Sicherheit, ziemlich nahe an den Mühlgraben zurückbegeben hatten. Belagerungsgeschütze dieser Zeit, wenn es sich nicht um Steilfeuergeschütze, also Mörser oder Haubitzen handelte, konnten bis zu einer maximalen Erhöhung von 10 bis 13 Grad gerichtet werden. Das bedeutet, daß bei maximaler Elevation eine Entfernung von mindestens 50 Metern zur Mauer hätte eingehalten werden müssen, um diese in einer Höhe von 9-11, 5 Metern zu treffen. Wollte man höher schießen, mußte der Lafettenschanz eingegraben werden, was für das Material sehr strapaziös war, da die Lafette beim Schuß auf diese Weise nicht mehr zurücklaufen konnte. Ein weiteres Problem war die Überwindung des Mühlgrabens. Eine halbe Kartaune wog einschließlich Lafette annähernd 3, 5 Tonnen, die dreiviertel Kartaune mehr als 4 Tonnen. Von der Rosenau kommend führten noch im letzten Jahrhundert nur kleinere Holzstege für Fußgänger über den Mühlgraben. Man hatte also diesen entweder teilweise verfüllt oder eine massive Notbrücke errichtet. Der Aufwand war in jedem Fall erheblich, und man kann davon aus, daß man, nach dem die Feuersbrunst abgeklungen war, den 20. März und die darauffolgende Nacht für diese Vorbereitungen benötigte.

Die Bürgerschaft Kronachs, von der Verteidigung der Stadt völlig ermattet, rechnete fest mit einem erneuten Ansturm der Belagerungstruppen. Bürgermeister und Stadtrat ließen zur Stärkung der Moral etliche Eimer Bier unter die Verteidiger austeilen. Am nächsten Morgen (22.3.1634) sah man jedoch mit Erleichterung, daß der Feind in Richtung Neuses abzog. Zwei Squadrons Reiter deckten den Abzug und begannen im Anschluß damit, die übriggebliebenen Häuser der Vorstadt, die Schneidmühlen und Holzlagerplätze anzuzünden. Einzig und allein die Steinmühle, obwohl bereits in Brand gesteckt, konnte durch die Kronacher  von den Flammen gerettet werden.

Mit dem Abtransport der schweren Belagerungsgeschütze, die am Haßlacher Berg oberhalb des Scharfengartens in Stellung gebracht worden waren, hatte die weimarische Artillerie Probleme. Obwohl man zwischen 24 und 30 Pferde an eines spannte und sich den ganzen Vormittag bemühte, konnte man sie nur mit Mühe wieder aus den Schanzen den Berg hinauf bringen. Da nur etliche Cornets Reiter zu deren Schutz abkommandiert waren, versuchten die Kronacher einen Ausfall zur Eroberung der Geschütze. Dieser scheiterte jedoch an der fehlenden Unterstützung durch die Festungsartillerie, welche aus Mangel an guten Konstablern ‚nicht ein Mann oder Pferd getroffen, dahero unser Anschlag vergebens‘ (Zitter 1666, S. 48). Dies war vielleicht gut  so, denn wir erinnern uns an mehrere Situationen der vorhergehenden Belagerungen, in denen die Kronacher, ermutigt durch den Abzug des Feindes, voreilig ausfielen und jeweils bitter einbüßen mußten. Die Bürger taten also gut daran, ihrem Schutzpatron zu danken. ‚Wurde also mit der Hülff Gottes vnd deß H. ErtzEngels Michaels, deme wir alß Patronum Ecclesiae jnständig vmb Beystand anruffeten, dieses Stättlein von eines so grausamen Feinds Belegerung wiederumb befreyet‘.

Der Grund des Abzuges wird von etlichen Quellen mit einem drohenden Entsatz Kronachs durch kaiserliche Truppen unter dem General Gallas erklärt. Tatsächlich hatten die Kronacher während der Belagerung den kaiserlichen Rittmeister Georg Erasmus Heuß von Eusenheim mit der Bitte um Hilfe zu Gallas nach Eger geschickt. Dieser schrieb auch am 5. April nach Kronach und sagte Unterstützung zu. Gleichzeitig instruierte er den uns bekannten Kommandanten von Eger, den Obersten Johann Gordon, die Kronacher mit einer Lieferung Pulver zu unterstützen. Dieser berief sich hingegen auf den Generalwachtmeister Rudolf von Morzin (Marazin), welcher gerade dabei war, mit einem Korps von ca. 5000 Mann über Marktredwitz[212] in das Fichtelgebirge vorzurücken, wo er in Waldershof[213] ein Lager bezog. Beider Schreiben, Gordons vom 7. April und Morzins vom 5. bzw. 8. April (n. St.), kamen erst einige Tage später in Kronach an.

Währenddessen plünderte Morzin mit seinen aus Ungarn, Polen, Kroaten, Italienern, Franzosen und nur wenigen Deutschen bestehenden Truppen die Gegend um Weißenstadt,[214] Münchberg[215] und Helmbrechts[216] aus. Bad Steben,[217] Helmbrechts und Naila[218] wurden gebrandschatzt. Die Stadt Lichtenberg[219] bei Bad Steben wurde am Montag den 31. März/10. April von streifenden Kroaten samt Kirche und dem erst 5 Jahre zuvor von Markgraf Christian neu aufgebauten Schloß komplett eingeäschert. Die Lichtenberger Chronik vermutet, daß diese streifende Abteilung unter einem Obristen ‚Corbitz‘ aus der Kronacher Garnison kam. Die Kronacher Garnison stand aber unter dem kroatischen Leutnant Ratlitsch, welcher mit seinen Reitern erst im Mai, allerdings auf dem Weg über Bayreuth[220] nach Eger zog. In den kaiserlichen Kriegslisten von 1634 von 1634 ist ein Oberst oder Befehlshaber Namens ‚Corbitz‘ nicht verzeichnet. Möglicherweise handelte es sich um Reste des am 5.3.1634 von Christoph von Taupadel zersprengten kroatischen Regiments des Obersten Marcus Corpes, wahrscheinlich jedoch um eine streifende Abteilung Morzins. Nach der kaiserlichen Musterungsliste vom Frühjahr 1634 (Theatr. Europ. III, S. 283) hatte Rudolf von Morzin in seinem Reiterregiment 4 Kompanien Kroaten. Auch erfolgte der Angriff nicht aus Kronacher[,] sondern Hofer Richtung über die Selbitzmühle, wie auch Georg Leopold in seiner Chronik bestätigt, daß die von Wunsiedel her streifenden Morzin’schen Kroaten am 10. Lichtenberg ganz abbrannten. (Zitter, S. 50f.; Holle/Dreißigjähriger Krieg, S. 30-34; Braun/Leopold, S. 41, 43; Sticht, S. 192; Lichtenberger Chronik des Pfarrers Friedrich Küffner von 1699; Chemnitz II, S. 337).

Eine wesentliche Verstärkung Kronachs war, trotz vieler wohlwollender Schreiben und einer Lieferung Morzins über 8 Zentner Pulver, für welches gefangene Frauen in Münchberg die Säcke nähen mußten, nicht in Kronach eingetroffen.

Vielmehr mußten der Kronacher Stadtfähnrich und Rat Nikolaus Zitter und der Viertelmeister Tobias Fleischmann vom Rat der Stadt Kronach nach Eger zu dem Kommandanten Gordon geschickt werden, um zusätzliches Pulver und Munition abzuholen. Die beiden Kronacher durften sich nun zwar die Geschichte der Ermordung Wallensteins von Johann Gordon persönlich erläutern lassen, mußten sich dann aber selbstständig wieder auf den Heimweg machen, wobei ihnen Pferd und Wagen zum Transport von etlichen Fäßlein Pulver und 50 Handgranaten nur bis Hohenberg[221] an der Eger geliehen wurden. Dafür gab ihnen Gordon zur Weiterbegleitung seinen Hauptmann und Kommandanten von Hohenberg Voit von Rieneck mit, der, anstatt Verstärkung heranzuführen, in Kronach ‚viel Völcker vor das Cordonische Regiment alhie geworben‘ hat.

Zu allem Unglück für die Stadt und für die markgräflichen Untertanen wurden im Frühjahr 1634 die in Kronach liegende Bruckner’sche Reiterkompanie unter dem kroatischen Leutnant Ratlitsch von dem Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim nach Eger abgefordert, welche sich plündernd über Bayreuth nach Eger auf dem Weg machte. Bürgermeister und Rat der Stadt Kronach waren über diese Entscheidung gelinde gesagt äußerst ‚befrembd‘, wie sich Zitter ausdrückt, der stets bemüht war, die schwachen Unterstützungsaktionen der kaiserlichen Generalität in Eger wohlwollend zu umschreiben. Die Stadträte Johann Nikolaus Zitter und Johann Pottu der Ältere wurden deshalb zusammen mit dem jüngeren Hans Stauff wieder nach Eger zu dem besagten Oberstleutnant Steinheim (seit 23. Juni Kommandant in Eger) expediert. Dieser ließ die Herren erst einmal vierzehn Tage warten, um sie dann ohne Unterstützung nur mit der frohen Botschaft der kaiserlichen Wiedereroberung Regensburgs versehen (26.7.) versehen, wieder nach Kronach abzufertigen, wohin sie ‚in gröster Gefahr Leibs vnd Lebens durch des Feinds Land […] passirt, vnd allein die Nacht zu Hülff nehmen musten‘. […]

Bernhard von Weimar war mit seinen Truppen, wie wir wissen, bereits am 22. März 1634 (n. St.) von Kronach in Richtung Süden abgezogen und begab sich nach Coburg,[222] wo das Heer 14 Tage lagerte. Die Bedrohung durch kaiserliche Truppen kann nicht der ausschlaggebende Grund für den Rückzug gewesen sein, denn Generalwachtmeister Morzins Truppenkontingent, nicht mehr als 5000 Mann stark, befand sich nach seinem eigenen Schreiben am 8. April (n. St.), also mehr als 2 Wochen später, erst in Wunsiedel. Man kann vielmehr davon ausgehen, daß die großen Verluste seiner Regimenter vor Kronach und seine relativ schwache Truppenstärke, ihn die Zwecklosigkeit seiner Aktion einsehen ließen. Dies wog um so mehr, da er Kronach eben nur mal schnell im Vorbeizug zu erobern gedachte, quasi zur Überbrückung der Wartezeit bis zu einer Antwort aus Kursachsen. Die Verluste des weimarischen Heeres waren, wie gesagt, erheblich. Die vor Ort Gefallenen begruben die Regimenter zum Teil selbst, ein Teil wurde nach dem Abzug von den Kronachern begraben. 6 Wagen mit Toten führten die protestantischen Truppen mit nach Coburg. Etwa 300 Verwundete wurden ebenfalls mit nach Coburg genommen, und im dortigen Konvent, Spital und Seelenhaus untergebracht, welche jedoch fast alle dort gestorben sind. Unter den Gefallenen befand sich ein großer Teil an Offizieren, wie Oberstleutnants, Majore, Hauptleute und Rittmeister, welche in der Moritzkirche zu Coburg begraben wurden, wo man noch geraume Zeit die dort aufgesteckten Fahnen und Totenschilde sehen konnte, deren Inschriften den Tod der Betroffenen vor Kronach bezeugten (Karche I, S. 200; Zitter, S. 49). Im Gegensatz zu den vielen überlieferten Namen der in der Kirche in Wöhrd bei Nürnberg begrabenen schwedischen Gefallenen, sind uns aus der Coburger Moritzkirche keine Namen der Bestatteten erhalten geblieben.

Die Zeit in Coburg nutzte Herzog Bernhard für die Vorbereitung seiner weiteren Aktionen. Für die Verproviantierung seiner Truppen, vor allem derjenigen, welche noch in der Oberpfalz weilten, mußte das Fürstentum 120 Wagen bereitstellen, um das aus Thüringen ankommende Getreide im April und Mai 1634 nach Nürnberg zur Armee schaffen zu können. Den angeheuerten Fuhrleuten wurden allerdings pro Wagen 17 Reichstaler als Fuhrlohn vergütet. Zur Bedeckung dieser Transporte mußte der General Cratz eine Kompanie Reiter stellen, welche die Stadt neben zwei Monro’schen und vier limbachischen Kompanien zu Fuß für mehrere Wochen zu verpflegen hatte“.[223]

„Herzog Bernhard weilte am 26. März/5. April noch in Coburg. Zusätzlich zu den Proviantlieferungen, die er aus Thüringen nach Nürnberg schaffen ließ, kümmerte sich Bernhard auch um den Nachschub an Kriegsmaterial. Binnen weniger Tage mußten aus dem Schloß in Würzburg 100 Zentner Pulver, 45 Zentner Lunten, 50.000 Musketenkugeln sowie 750 dreipfündige, 400 zwölfpfündige und 300 halbe Kartaunenkugeln (24pfündige) nach Schweinfurt transportiert werden. In Coburg erwartete man vergeblich den Zuzug von zusätzlich 9 kursächsischen[224] Regimentern[,] die sich mit Bernhard vereinigen sollten. Die sächsische Armee[225] unter Hans Georg von Arnim wandte sich jedoch nach Schlesien, wo sie am 13. Mai 1634 in der Schlacht bei Liegnitz[226] den Kaiserlichen unter Johann von Götz und Feldmarschall Colloredo eine empfindliche Niederlage beibrachte. Herzog Bernhard war deshalb bereits am Freitag dem 7. April mit seinen Truppen von Coburg aufgebrochen.

Nach dem Tagebuch der Dominikanernonne Maria Anna Junius traf der Herzog am gleichen Tag in Begleitung seines älteren Bruders Herzog Albert,[227] des Feldmarschall Cratz und einem Großteil der Reiterei gegen Abend um 5 Uhr in Bamberg ein, wo er am Abend des nächsten Tages (8.4.) das Kloster der Nonnen zum Heiligen Grab besuchte: ‚[…] alls wir nun zu abent Calatz [kleine Abendmahlzeit, Vesper] gehalten, da leüd man stark bei uns herrein und schreyt, der fürst hertzog Bernhart kum […], so Balt wir das thor auff machen geht hertzog Bernhart gantz fröllich mit lacheten munt auff uns zu, giebt einer schwester nach der andern die hant und fragt wie wir leben […] da hat sich der fürst nur auff die banck bey dem Crutzevix gesetzt und gar freündlich mit den schwestern geredet […] da lauff ich geschwind mit den zweyen schallen vol köstlicher ein gemachter sachen die stiegen rab […], neige mich und sprich zu ihm / ich bitte eüher fürstliche gnaden sie wollen zuvor etwas aus der schallen nehmen / da lacht der fürst und greüffte in die schallen, nimmt einen zitteronen schelfen [Zitronenschale] und iste gleich darvon / da sprich ich wiederumb / eüher fürstlich gnaden wolle auch einen haubtgriffen [großes Stück] nehmen / da sagt er es ist genug, ich thue mich dessen betancken und geht gleich fort‘. (BHVB Nr. 53, S. 181f.).

Am Sonntag, den 9. April, brach Herzog Bernhard bereits wieder von Bamberg auf. Zurück ließ er den Feldmarschall Johann Philipp Cratz, der sein Quartier in des Bürgermeisters Lorbers Haus beim Prediger-(Dominikaner)-Kloster nahm, und den Generalmajor Georg von Uslar, der in das bischöfliche Schloß Geyerswörth[228] zog (ebd. S. 184), zusammen mit 3 Regimentern zu Roß (Uslar, Philipp Sattler und Cratz‘ eigenes Regiment) und 3 zu Fuß (Bartholomäus v. Zerotin, Georg Friedrich von Brandenstein und James King), zusammen zwischen 2000 und 2500 Mann (Chemnitz II, S. 468, 524)“.[229]

Feldmarschall Cratz, zur Versicherung Frankens bisher in Bamberg zurückgeblieben, war mit dem Auftrag, Auerbach in der Oberpfalz zurückzuerobern, am Dienstag, den 3. Mai, mit allem Volk von Bamberg aufgebrochen. Diesem setzte jedoch die Forchheimer Besatzung dermaßen zu, daß er wenig später mit einer großen Zahl Verletzter nach Bamberg zurückkehren mußte.

Über die weitere Vorgehensweise wurden die Bamberger Kommandeure uneins, so daß der Generalmajor Georg von Uslar, der in Bamberg bleiben wollte, und der Oberst[e] Bartholomäus von Zerotin sogar mit dem Degen aufeinander losgingen (BHVB 53, S. 188). Schließlich brachen Cratz und Zerotin am 28.5. auf Anordnung Herzog Bernhards mit einem Teil der Truppen nach Fürth[230] auf. Von dort begab sich sich der Feldmarschall nach Gostenhof [231]und weiter nach Wendelstein,[232] wo er von Herzog Bernhard den Befehl bekam, mit seinen Truppen unter Zerotin noch eine Zeit lang liegenzubleiben, um die Stadt Nürnberg zu schützen. Die mangelnde Disziplin seiner Soldaten war jedoch eine arge Belastung für die Bevölkerung. ‚Seine Reiter streiften auf dem Lande herum, raubten und plünderten und brannten in Lauf[233] 32 Häuser ab‘, weshalb der Rat von Nürnberg ihn ersuchte, mit seinen Truppen wieder nach Bamberg zurückzukehren. Am 9. Juni brach Cratz schließlich mit seiner Soldateska von Wendelstein nach Neumarkt[234] auf, wohin er von Herzog Bernhard kommandiert worden war. (Soden II, S. 499; Murr/Beiträge, S. 79)“.[235]

„Bernhard marschierte zuerst nach Abensberg,[236] wo er sich über Nacht, zum Schutz vor den verfolgenden Kroaten, mit seinen Truppen in einer Wagenburg verschanzte. Da er meinte, den Übergang bei Kelheim[237] nicht gefahrlos gebrauchen zu können, begab er sich mitsamt seiner auf Wägen mitgeführten Schiffbrücke bis nach Pförring[238] zwischen Vohburg[239] und Neustadt a. d. Donau.[240] Eine Abteilung kaiserlicher Reiter von ca. 2000 Mann, die ihm gefolgt war, konnte zugetrieben werden, wobei allerdings der Oberstleutnant des Livländischen Regiments, Fritz von Lewen, gefangen wurde.

Bernhard überquerte die Donau am 27. Mai/6. Juni und langte am 10. Juni (n. St.) wieder in Neumarkt an. Im weimarischen Heer herrsch[t]e mittlerweile akuter Nahrungs- und Futtermangel, ‚in deme sie innerhalb vierzehen Tagen wenig bekommen, auch keiner orten fast das geringste anzutreffen war‘.

Bernhard hoffte mit Hilfe der Stadt Nürnberg die Truppen zu regenerieren, um sie dann erneut gegen Regensburg zu führen (Chemnitz II, S. 392). In Neumarkt traf er am gleichen Tag mit dem General Cratz zusammen, den er, wie wir weiter oben er-fahren haben, mit einem Teil des ihm unterstellten Truppenkontingentes unter dem Obersten Bartholomäus von Zerotin dorthin beordert hatte (Soden II, S. 501, 502). Die vereinte weimarische Armee, zusammen nur noch 16.000 Mann stark, brach bereits am 12. Juni von Neumarkt auf und marschierte nach Feucht,[241] ‚weil die große Hungersnoth sie hin und her getrieben‘. Das Kriegsvolk raubte und plünderte in der dortigen Gegend[,] was es nur bekommen konnte.

Vor allem auf Glocken hatte es die Soldateska abgesehen, weil Bernhard die Absicht hatte, etlche ‚Stücke nach jetziger neuer Manier‘ in Nürnberg gießen zu lassen, der gortigen Geschützgießerei jedoch die Rohmaterialien fehlten. Aus Alfeld, Pommelsbrunn[242] und Kunreuth[243] wurden die Glocken geraubt, auch messingne Epitaphien zu diesem Zweck aus den Kirchhöfen gestohlen. Der Landbevölkerung wurde Kupfer, Zinn und messingnes Geschirr abgenommen. Die Verluste der Weimaraner lagen mittlerweile bei 4000 Mann, wobei der größte Teil durch Hunger, Strapazen und Seuchen ums Leben gekommen war.

Der Plan Bernhards zielte dahin, sich bei der nächsten Gelegenheit mit dem Feldmarschall Horn im Schwabacher Grund zu vereinigen. Weil er ‚aber doch still liegen müsse‘, wollte er inzwischen versuchen, ob er nicht Forchheim einnehmen könnte (ebd. S. 503, 504). Der Herzog wandte sich zuerst nach Lauf, Rückersdorf[244] und Eschenau.[245] Bei dieser Gelegenheit machte er einen Eroberungsversuch der bayerisch besetzten Festung Rothenberg[246] bei Schnaittach, zu welchem Zweck er etliche Regimenter dort zurückließ. Diese begannen am 15.6. mit der Unterminierung[247] der Festung, ‚wozu Nürnberg alle seine Steinbrecher geschickt hatte‘, haben jedoch ‚nur wenig verrichtet, außer daß der Wald von Rückersdorf angezündet und viel Holz vernichtet worden‘. (Murr/Beiträge, S. 77; Heilmann II, S. 471).

Bernhard selbst begab sich mit dem Hauptheer weiter in Richtung Forchheim, wobei er von 8 Regimentern Kroaten und 4 Regimentern deutscher Reiter unter Johann von Werth verfolgt und beobachtet wurde.

Über die Garnison und die inneren Zustände Forchheims zu diesem Zeitpunkt erhalten wir einige interessante Einzelheiten von einem ehemals dort stationierten Überläufer, dessen Aussage in den Nürnberger Akten über den Schwedenkrieg (Bd. 37b) protokolliert sind. Danach bestand die Garnison aus 3 Kompanien zu Fuß, 50 Dragonern und 50 Reitern, darunter etliche bambergische Beamte mit ihren Knechten, die sich zu Ausfällen gebrauchen ließen. Ihre Stärke betrug zusammen etwa 900 Mann. Von der Bürgerschaft waren nur noch 225 Mann vorhanden. Deren Belastung durch die einquartierten Truppen war immens, worauf der bayerische Oberst Fritz von Schletz, Kommandant in Forchheim, allerdings keine Rücksicht nahm. Seine Meinung war, daß wenn nur noch 9 oder 10 Bürger da wären, so müßten sie doch seinen Soldaten Unterhalt verschaffen.

An Mehl und Munition war in Forchheim großer Vorrat vorhanden. Zudem stand der Stadt eine große Anzahl an schwerem Geschütz zur Verfügung. Der persönlich knauserige Kommandant (die Stadt Kronach mußte diese Eigenschaft mehrmals erfahren, als sie um Zusendung von Pulver bat) ging jedoch aus Furcht vor einer Belagerung sehr sparsam mit den Pulvervorräten um. Dies ging soweit, daß die Soldaten nur bei Ausfällen das nötige Pulver erhielten, welches sie auch noch für ihr eigenes oder dem der Bürgerschaft abgepreßten Geld erkaufen mußten. Viele zogen daher auf die Wache, ohne einen Schuß Pulver bei sich zu haben. Als ein Forchheimer Trupp ausfiel, um einen von der damals schwedischen Bamberger Garnison begleiteten Getreidetransport abzupassen, erhielt jeder Musketier nur zwei Schuß Pulver. Die Forchheimer, obwohl 250 Mann stark, konnten deshalb nichts ausrichten und mußten sich erfolglos zurückziehen. (Soden II, S. 509). Zur Belagerung dieser Festung hatte Herzog Bernhard aus Würzburg und Nürnberg 4 ganze und 12 halbe Kartaunen angefordert. 500.000 Pfund Brot und 200.000 Pfund ‚Bisquoten‘ (Zwieback) mußte die Stadt Nürnberg liefern (ebd. S. 513).

Vor Forchheim kam Bernhard jedoch erst am 20. Juni an, da er in Nürnberg am 7./17. Juni an der Beerdigung Courvilles teilgenommen hatte. […] Währenddessen versuchte Herzog Bernhard, der sein persönliches Hauptquartier in Eschenau hatte, mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Belagerung Forchheims voranzutreiben. Man begann damit, die Wiesent abzugraben, um die Mühlen der Stadt außer Betrieb zu setzen. ‚Es wollte jedoch mit einem Dinge recht fort, dann nicht allein Tupadel durch die Amberger etwas Schaden gelitten, und etliche Standarten verloren,[248] sondern auch die am Rotenberg hinterbliebene Trouppen allerhand difficulteten vorgeschützet‘. Bernhard zog deshalb die Belagerungstruppen von der Festung Rothenberg wieder an sich und machte sich, da zwischenzeitlich schlechte Nachrichten aus Regensburg einliefen, wieder zum Aufbruch dorthin fertig. (Chemnitz II, S. 466).

Kelheim war am 16./26. Juni nach tapferer Verteidigung durch den Obristen Friedrich von Rosen in die Hände der Kaiserlichen gefallen. Am 17./27. Juni faßte Bernhard den Entschluß dieses zu entsetzen, da er von seiner bereits geschehenen Übergabe noch nichts wissen konnte, und brach am 18./28. Juni von Forchheim auf, um den Oberst Rosen, dessen Garnison unter starker Lebensmittelknappheit litt, zu unterstützen ‚zu dem ende er 1000 [!] säcke in bereitschaft bringen, in einen vierzig pfund mehl abfassen vnd Sie also zurichten lassen, damit ein reuter einen dergleichen mit Mehl gefülleten sack beqvemlich hinter sich zu pferde führen können‘ (Chemnitz II, S. 468). Zur weiteren Blockade der Festung Forchheim ließ er den Grafen Cratz mit einer Mannschaft von 2200 Mann zurück (Soden II, S. 519, 537)“.[249]

„General Aldringen[250] war mit dem bayerischen Heer am 22. Mai vor Regensburg eingetroffen und hatte die Einschließung der Stadt vollzogen. Eine in Wien gefertigte und in Amberg[251] gelagerte Schiffbrücke wurde in 15 Schiffen auf der Vils und Naab nach  Regensburg gefahren und dort über die Donau geschlagen.

Bernhard von Weimar zog von Herrieden[252] in sehr bedächtigem Zeitmaß über Roth,[253] Neumarkt nach Kelheim, ging hier über die Donau und auf dem rechten Ufer gegen Regensburg vor; er hatte 20 000 Mann bei sich, während die Kaiserlichen 60 000 Mann stark waren. Als Bernhard am 31. Mai vor Regensburg ankam – er bog südlich der Stadt aus und erschien im Osten, auf der Straubinger[254] Seite – zogen sich die auf dem rechten Ufer befindlichen Belagerer, 8 000 Pferde und 5 Rgt. z. F., über die Schiffsbrücke bei Donaustauf[255] auf das linke Ufer zurück; über 400 Mann der Nachhut wurden durch die Schweden niedergemacht. Am 1. Juni folgte Bernhard auf das linke Ufer nach; die Kaiserlichen, bei welchen am 1. Kurfürst Maximilian von Bayern eingetroffen war – seit Dezember 1632 hielt er sich in Braunau[256] auf – stellten sich zwischen Naab und Regen in Schlachtordnung auf, gingen jedoch bei dem weiteren Vorrücken der Schweden auf den Galgenberg zurück, auf welchem sie  am 2. 30 halbe Kartaunen auffahren ließen. Bernhard wagte keinen weiteren Angriff mehr, beließ in Regensburg 4 000 Mann unter dem General Kagge, dem Grafen [Heinrich v.; BW] Thurn, den Obersten Hastver und Brink und zog am 3. über Abensberg[257] ab. Am 4. ging er bei Pförring auf einer Schiffbrücke auf das linke Ufer, blieb vom 5. bis 12. Juni in Neumarkt, wo er mit dem oft erwähnten, früher in kaiserlichen Diensten gestandenen General Craz zusammentraf. Hier scheint ein Angriff auf die Festung Rothenberg und Forchheim beschlossen worden zu sein. Bernhard brach am 12. nach Feucht, am 13. von da nach Lauf[258] an und griff am 15. Rothenberg an, jedoch ohne Erfolg. Oberst Taupadel war mit der Sicherung dieses Unternehmens beauftragt, wurde am 15. bei Hohenstadt[259] von der Amberger Besatzung angegriffen und besiegt; er verlor mehrere Standarten.

Johann von Werth[260] war Bernhard nachgefolgt, erschien am 16. mit 12 Rgt. z. Pf. zwischen Altdorf[261] und Lauf, streifte bis an die Tore vor Nürnberg, ging jedoch dann wieder nach Ingolstadt[262] zurück. Am 16. lagerte Bernhard im Schwabacher Tal zwischen Rothenberg und Forchheim, am 17. war er für seine Person in Nürnberg, Craz in Bamberg. Am 21. begann Craz in Gegenwart Bernhards den Angriff auf Forchheim“.[263]

Die Pfarrchronik von Bruck[264] berichtet für den 18.6.1634: „Hat der Gottesdienst auch nicht nicht können verricht werden, nicht allein wegen meiner Leibsschwachheit, sondern auch wegen des weinmarischen Kriegsvolks, so umb diese Zeit ankommen in diesem Land und sehr übel gehauset, daß niemand vor ihnen bleiben können“.[265] […] 20.6.: „Eben diesen Tag ist das weinmarische Volk für Forchheim gerückt und solches zu blockieren angefangen. Helf Gott, daß etwas Guts gericht werde“. Die Pfarrchronik von Eltersdorf[266] hielt fest (19.6.1634): „Am Montag nach dem 1. Trinitatis ist das weinmarische Volk für Forchheim geruckt, auch vorher bei 14 Tagen im Land gelegen, alles verderbt und unsicher gemacht, daß in etlichen Wochen niemand gewohnet“.[267] Die anti-kaiserliche 36. Extraordinari. 1634 teilt unter dem 13.6./23.6. aus dem Feldlager vor Forchheim noch mit: „Mit vnserer Belägerung gehet es zwar langsam her / gleichwol kan nunmehr niemandt weder auß noch eyn. Das Bawren Volck ligt mit ihrem Vieh / Weib vnd Kindern vnder den Stücken / aber der Mangel an Fütterung wirdt sie endlich zu einer andern Resolution treiben. Herzog Bernhards Fürstl. Gn. lassen jetzo vmb die Statt herumb 5. Forten legen / vnd mit verborgenen Lauffgräben an einander hencken / damit ihnen solcher Gestalt alle Mittel benommen werden / vnnd man desto besser approchiren / vnd die Statt beschiesen kan: So ist den Belägerten bereits das Wasser / so die Mühlen vor vnd in der Statt treibt / benommen vnd abgeleitet / vnd vns die Notturft an Proviandt vnd anderm von Bamberg zuzuführen / eine Brücke vber den Mayn geschlagen worden. Unter dem 14./24.6. hieß es: „Die Forchheimer schießen tapfer herauß / die haben ihre Aussenwerck mit ihrem Außschuß besetzt. Es ist zwar von Herzog Bernhardts Fürstl. Gn. noch kein Schuß hinein geschehen / aber es wirdt mit Schanzen starck gearbeitet / vnd die Armee in vier Theil abgetheilet / vmb ehisten vnderschiedlichen Orten etwas darauff zu tentiren“.[268]

„Wir wollen uns vorerst wieder den Ereignissen in Franken zuwenden, wo wir den jetzt schwedischen Feldmarschall Johann Philipp Cratz von Scharfenstein mit seinem 2200 Mann starken Heereskorps bei der Belagerung der Festung Forchheim zurückgelassen hatten, die noch unter Herzog Bernhard am Dienstag, dem 20. Juni 1634, begonnen worden war. Zu diesem Zweck hatte Cratz auch an eben diesem Tag die bisher noch in Bamberg liegenden Kavallerieregimenter unter dem Generalmajor Georg von Uslar nach Forchheim abberufen. Am folgenden Tag, 21. Juni, wurden auch die Cratz’schen Fußtruppen in Bewegung gesetzt, wodurch die Belagerungstruppen kurzzeitig auf eine Stärke von ca. 3000 Mann zu Fuß und 800 zu Pferd anwuchsen.

Die Aktionen um Forchheim und die Festung Rothenberg bei Schnaittach liefen jedoch nicht sehr erfolgversprechend an. Bereits am 21. und 22. Juni wurde eine große Anzahl Verwundeter und Toter nach Bamberg zurückgeführt, darunter viele Offiziere. Die Dominikanernonne vom Heiligen Grab schreibt darüber etwas spöttisch: ‚[…] nach mitag hat man schon einen wagen vol beschetigter soltaden nacher Bamberg geführt / welche schon den vorcheimer towack versuchet haben wie dan etliche officirer zu früh, alls sie ihren abschiet von uns genuhmen haben, gesagt haben sie wollen zu vorcheim wacker dowack sauffen,[269] welches mir nicht zweiflet sie werden des dowacken, so auff der Basteyen und mauhern zu vorcheim hin naus geBlassen wird, genug empfinden. […] Donerstag den 22. hat man schon 3 schellig [Schelch = Lastkahn] vol verwunden schweden nacher schweinfurt gefürt, welche vor vorcheim und dem rothen Berg haben eingebüst. […] auff den abent kumt ein Büeblein zu uns welches den soltatten einen Bündel nacher vorcheim hat tragen müssen / der sagt uns das volck so alhie weg gezogen sey liege nur eine halbe meil von vorcheim und hertzog Bernhart lieg Im Höltzlein In welches die vorcheimer mechtig schiesen / die reüdterey las sich wol Bisweilen ein wenig sehen werd aber gleich wiederumb zuruckgetrieben / die schweden haben noch keinen schus in die stadt gethon […] Den 23. alls am freidtag zu früh hat man wiederumb 100 geschedigter soltadten nacher Bamberg Bracht / es scheint auch heüt im leger etliche drachoner bey samen gesessen, haben mit einander dowack geschnupt seint gar lustig gewessen / da kumt ungefer [unvermutet] ein falkanet[270] kugel auss der statt under sie 7 macht mechtig rauhm / deren etliche davon hieher zum Badter im steinweg seind kumen und haben sich verbinden lassen welche solchiges selbsten erzelt haben‘. (BHBB 53, S. 195, 196).

Auch am Samstag, dem 24. Juni, wurden wieder 4 Schelche voll Verwundeter auf der Regnitz nach Bamberg geführt. Die Teuerung im Forchheimer Lager hatte mittlerweile solche Ausmaße angenommen, daß eine Maß Bier 4 Batzen und eine Maß Wein einen Reichstaler kostete[271] und doch nicht zu bekommen war. Den Belagerern machte vor allem das starke Schießen der Forchheimer mit schwerem Geschütz zu schaffen, welche nicht nur ‚einen schus auff einmahl, sondern creutzweis in ein ander‘ feuerten. Auf eine Übergabeaufforderung Herzog Bernhards am Sonntag den 25.6. antworteten die Forchheimer, ‚sie wollen sich wehrn Bies auff den letzten man, sie fragen nichts danach wan sie [die Schwedischen] schon alles hinweg Brenen / dan sie haben noch Bier und wein genug das sie mit leschen könen‘ (ebd. S. 197) Die Belagerer zündeten daraufhin 9 Dörfer in der Umgebung der Stadt an.

Die Forchheimer fühlten sich so sicher, daß sie jede Nacht zwei mal sowie gegen Morgen um 8 Uhr in das schwedische Lager ausfielen, auch jeden Morgen ihre Frauen vor die Mauern zum Gras holen schickten. Sobald die Belagerungstruppen sich der Stadt näherten, wurden sie durch heftiges Geschützfeuer zurückgetrieben. Um die Angreifer zu provozieren, ließ der Forchheimer Kommandant Friedrich von Schletz sogar vor den Stadtmauern mustern, welches die Schwedischen mit ansehen mußten, ohne angreifen zu können[,] weil sie sich ‚wegen des mechtigen schiessens nicht haben nahen dörffen‘. So jedenfalls berichtete der Quartiermeister des (Georg Friedrich von) Brandenstein’schen Regiments bei seiner Rückkehr nach Bamberg am Montag dem 26. Juni. Auch wußte er von folgender Begebenheit aus dem Forchheimer Lager zu berichten: ‚es saßen auch drey drachoner Bey samen die schnupfen dowack da kumt unversehens ein kugel aus der statt geflogen die nimmt den einen seinen rechten ellenbogen und drey finger von der hant auch den linken arm hinweg / dem andern hat sie das rechte Bein weggenuhmen aber den dryten hat sie den halben kopf hin weg genuhmen / also das sie gleich alle drey tod Blieben seind‘. (Ebd. S. 199).

Nachdem Herzog Bernhard am 28.6. aus dem Lager bei Forchheim zum Entsatz Kelheims und Regensburgs aufgebrochen war, schien die geringe Autorität, die der Feldmarschall Cratz bei seinen höheren Offizieren hatte, vollends zu schwinden. Die Nonne vom hl. Grab schreibt darüber: ‚Den 30. Alls am freidag ist der oberste ussler [Gen. Maj. Georg von Uslar] sampten dem obersten mejor Beckert von Bamberg weg gezogen dan sie haben ihre empter resi[g]nirt und haben ihr volck andern über geben / aber es ist eigentlich nicht so gewessen sondern sie habens nur fürgeben sie resinirten das sie von vorcheim seint hinweg kumen, dan sie haben mit dem meineidigen Gratzen gar nicht vereinigen können‘.

Auch die einfachen Mannschaften waren schwierig geworden: ‚sie halten darvor man hab sie daher geführt das man ihrer ledig werd dan wan sie lenger in lenger [im Lager] Bleiben müssen so werden sie noch alle nider geschossen und hungers sterben dan die obersten machen sich gar fein aus dem staub und die armen soltaden müsen ihr leben und gesunden leib ein Büssen‘. Am Samstag, dem 1. Juli machten die Forchheimer einen Ausfall in das schwedische Lager und töteten bzw. verwundeten 300 der Belagerer. Eine große Anzahl toter und verwundeter schwedischer Offiziere wurden am gleichen Tag nach Bamberg geführt. Mit ihnen kam auch der Quartiermeister der Schotten (von Ludowick Leslies schottischem Regiment), welcher diese Nachrichten im Dominikanerkloster berichtete.

Über die Verteidigungsstrategien des Kommandanten Schletz weiß die Nonne vom hl. Grab einiges zu berichten: ‚Montag den 3. zu frü zwischen 3 und 4 Uhr ist der comentant wieederumb mit 1000 man in das schwedische leger gefahlen / alls aber die vorcheimer gesehen das der schweden Bey 4000 seint / seind sie wiederumb auff die statt zu / da haben ihnen die schweden mit Begirt nach gesetzt, die [Forchheimer] reüderey ist gleich in die statt kumen, das fusvolck aber hat sich vor der statt zertheilt / welches der comentant befohlen hat / alls Balt hat er 5 gar grosse stück in einander richten lassen / alls nun die schweden […] auff sie zu geeilt, da hat der Comentant die stuck loss Brennen lassen / also hat dieses erschröckliche schiessen die gantze Batallia [Schlachtordnung] der schweden in die lufft auffgehoben / auff das mal seint wiederumb auf die 400 schweden Blieben welches ich von den schweden selbsten gehört hab‘. Besonders hebt die Nonne den Drill der Forchheimer Garnison und die Befehlstaktik ihres Kommandanten hervor: ‚[…] dan die vorcheimer seind so mechtig ab gericht gewessen / dan wan sie hinaus gefahlen so haben sie nur auff den Comentanten gesehen da haben sie schon gewiest was sie thun sollen / dan der Comentant hat allezeit ein rodes und weisses feltzeigen [Feldzeichen] auch eine rodte und weisse fedtern Bey sich gehabt / wan die soltadten gesehen haben daß er das weisze feltzeigen hat so haben sie sich gar nicht förchten törffen / wan er aber das rode hat angehabt so haben sie wol gewiest das sie flucht geben müssen‘. (BHVB 53, S. 200, 201).

Cratz hatte am 1. Juli von der Stadt Nürnberg, deren Vorräte anscheinend unerschöpflich waren, zwei Regimentsstücke, die dazu nötige Munition, mehrere Büchsenmeister und Kriegsvolk, Granaten, Spaten, Hacken, den nötigen Proviant für die Büchsenmeister und Fuhrknechte und schließlich Speis und Trank für die Küche des Grafen angefordert. Der Rat gab, was in seinen Möglichkeiten stand, entschuldigte sich jedoch für die Zukunft, weil die Stadt bei fortgesetzter Blockierung solche Lasten nicht weiter tragen könne. Bereits vorher hatte er 8 Geschütze mit 200 Begleitung nach Forchheim geschickt. Diese Geschütze hatten allerdings wenig Effekt, wie die Nonne Maria Anna bestätigt: ‚Dem 5. alls an der mitwochen haben die schweden etliche stücklein Bekumen welche sie Bey der nacht haben einpflanzen wollen, auch Basteyen [Verschanzungen] auff gebaud / aber der Comentant hat so erschröcklich hinnaus schiessen lassen, das er alles zerschmedern hat lassen, auch die Brucken so die Schweden über das wasser gebaud haben sie alle hinweg geschossen‘.

Dem General Cratz verehrte der Nürnberger Rat ein Faß Wein und ein Kalb. Damit begnügte sich der Graf jedoch nicht, son-dern schickte seinen Sekretär nach Nürnberg, der vom Rat der Stadt eine Summe Geld für die vor Forchheim liegenden Regimenter forderte. Dieser lehnte die Geldforderung ab, schickte aber Proviant für die Soldaten und 4 Zimmerleute. Deren Verpflegung scheint denkbar schlecht gewesen zu sein, denn am 8. Juli kam der nürnbergische Schanzmeister Hans Martin aus Forchheim in die Stadt und beschwerte sich, man hätte ihm und seinen 12 Gesellen bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit bisher weder Sold noch Brot gereicht. Kaum hatte der Rat diesen Lohn und Lebensmittel nach Forchheim gesandt, so kam eine Forderung der fränkischen Kreisräte nach 50 Zentnern Pulver und Lunten für den Feldmarschall. Cratz wiederholte die Forderung am 20. Juli und begehrte dazu 70.000 Pfund ‚Biscottenbrot‘. Nürnberg leerte daraufhin seine Magazine und schickte alles nach Forchheim. (Soden II, S. 537). Diesen Aufwand erforderte bereits eine kleine Armeeabteilung von knapp 3000 Mann. Die reichhaltige Ernte rings um Nürnberg[s] konnte wegen der Gefahr ausfallender Abteilungen und aus Festungen Rothenberg und Forchheim nicht eingebracht werden, zumal die Hälfte der Untertanen von Haus und Hof gejagt waren. Auch aus den eigenen Reihen drohte Gefahr. Die Dragoner des Hippolit Endres Imhoff raubten und plünderten die Bevölkerung aus und schnitten das Getreide ab.

Die Koordination der Forchheimer Belagerung wurde zunehmend schwieriger, denn zu allen Mengelzuständen, unter welchen die Belagerer zu leiden hatten, erkrankte der Feldmarschall Cratz und mußte sich am 14. Juli nach Bamberg führen lassen, wo er sein Quartier im fürstbischöflichen Schloß von Geyerswörth nahm. Die Nonne Maria Anna Junius vermutete dazu: ‚[…] aber soliche kranckheit ist i[h]m nur von kümernus gewesen, dan er sich mechtig geschemt hat, das er zu vorcheim nichts hat könen aus richten, sondern täglich gar vil volck eingebüst / auch seind die vornehmsten obersten und officirer von ihm gewiegen [gewichen] dan sie haben wol gesehen, das soliches nicht zu gewienen ist / weil aber der meynadige [meineidige] Cratz dem hertzog Bernhart versprochen, er wolle ihm vorcheim gewinen ohne Brauchung einiges stuck [Geschütz] / deswegen haben ihme vil obersten soliche ehr gar wol gegünd und sich hinweg gemacht‘. (BHVB, S. 203f.).

Ganz so desolat, wie dies die fromme Dominikanernonne schildert, war die Situation zwar noch nicht, jedoch war der Zustand der schwedischen Truppen vor Forchheim denkbar schlecht. Cratz ließ deshalb auch von Bamberg aus mit seinen Forderungen an den Rat von Nürnberg nicht nach. Der General bat am 24. Juli erneut um Verstärkung seines Kriegsvolkes. Für die Befriedigung der Forderungen seiner Offiziere verlangte er 6000 Taler. Im Falle einer Weigerung drohte er dem Nürnberger Rat mit der Aufgabe der Belagerung. Am 29. Juli war Cratz noch in Bamberg und forderte von dort aus Nürnberg Stücke, Feuerkugeln, Mörser, Munition und Biskotte (Zwieback) an. Außerdem beschwerte er sich über die schlechte Qualität des gelieferten Pulvers. (Soden II, S. 540).

Am Mittwoch, dem 2. August, führte man wieder eine große Anzahl verwundeter Soldaten nach Bamberg. Auch nahm wegen des anhaltenden Mißerfolges die Moral unter den protestantischen Belagerungstruppen kontinuierlich ab. Eine erhebliche Anzahl von Soldaten desertierte, darunter auch viele Offiziere, ‚deswegen der Cratz mechtig erzörnet [war] dan er hat gesagt, er wolle einen Besundern Baum nehmen daran er die ridtmeister und officirer wolle hencken lassen‘. Am 3. August wurde ein Bote abgefangen, der einen Brief von Kronach nach Forchheim transportieren sollte.

In den „48. Ordentliche[n] Wochentliche[n] Zeitungen. 1634“ heißt es in einer Meldung aus Franken vom 27.7./6.8.: „Herrn FeldMarschalcks Cratzens Volck vor Forchheim hatt sich also vergraben / daß man ihnen nicht beykommen kan. Wie die Gefangene berichten / haben die Belägerten Mangel an Proviand / Salz / Kugeln / daß auch die Bürger ihr Zinn zum Kugelgiessen hergeben müssen / seynd in 2. Tagen sehr still gewesen / haben nicht viel geschossen / seydhero sie vorgestern im Außfall also gebutzt worden“.[272]

Die Cratz’schen Truppen wurden schließlich aufgrund mangelnder Bezahlung und Verköstigung so schwierig, daß sie in der Umgebung zu plündern begannen. Als 9 mit Getreide beladene Wagen am 11. August von Windsheim[273] nach Nürnberg fahren wollten, wurden sie bei Seukendorf[274] in der Nähe von Cadolzburg[275] von 50 Cratz’schen Reitern überfallen, die mit der Forderung ‚Geld oder Blut‘ auf sie zusprengten. Als sich die Windsheimer Bürger weigerten, wurden zwei von ihnen sofort erschossen, ebenso ein Knecht von Illesheim.[276] 11 Karrenleute wurden verwundet, die Pferde ausgespannt. Das Getreide blieb auf freiem Felde stehen. Den General bat man um Bestrafung der Placker. (Soden II, S. 543).

Der Nürnberger Rat kam schließlich zu der richtigen Überzeugung, das Forchheimer ‚Blokament‘ schade Nürnberg mehr als Forchheim. Allein an Naturalien, Werkzeug und Munition hatte die Stadt bisher Waren im Wert von 10.271 Reichstalern geliefert. Der General Cratz mußte letztendlich auch zu der Einsicht kommen, daß bei solch dürftigen Voraussetzungen an eine Eroberung der Festung nicht zu denken war. Aus Mangel an Truppen konnte er die Stadt nur zur Hälfte blockieren und dadurch den eigentlichen Zweck einer Belagerung nicht erreichen.

Bedingt durch die nun fehlende Rückendeckung Nürnbergs gab Cratz schließlich entnervt auf und begab sich von Bamberg nach Schweinfurt, offiziell aus Krankheitsgründen, jedoch wird die Enttäuschung über die Aussicht auf irgendeinen Erfolg ein Übriges getan haben. Jedenfalls berichtet die Bamberger Nonne: ‚[Sonntag] den 13. hat man den obersten Cratzen in einem sessel hinab auffs wasser getragen / welchen man auff einen schieff nacher schweinfurt geführt wegen grosser kranckheit wie er für geben, aber seine eigne soltaden haben gesagt er mache sich nur kranck weil er diese fesstung nimmer gewinen kön‘. (BHVB 53, S. 206).

Am folgenden Montagabend des 14. August wurde auch die Blockade Forchheims aufgehoben. Der Abzug der Truppen wurde wegen der Abwesenheit des Generals von den verbliebenen Offizieren ins Werk gesetzt und verlief ziemlich chaotisch. Zwei Geschütze, Munition und ein Teil der Verpflegung fielen beim Abzug über die Regnitz ins Wasser. Noch in der Nacht kamen große Einheiten nach Bamberg, wo sie Stadt und Bürger in Angst und Schrecken versetzten, die Kaufläden erbrachen und die Häuser plünderten. Am Samstag dem 19. August brachen allerdings die Cratz’schen Regimenter und sämtliche schwedischen Garnisonstruppen wieder in Bamberg auf und nahmen ihren Zug über Eltmann weiter auf Schweinfurt und Kitzingen,[277] wo sie sich am 23. August mit den zurückgebliebenen Truppen des Generalmajors Lars Kagg vereinigten und so auf eine Gesamtstärke von etwa 4- 5000 Mann kamen. Kagg selbst begab sich anschließend weiter nach Schweinfurt, um von dort seine Reise nach Schweden fortzusetzen. Der Generalmajor James King zog mit einem Teil seines Fußregiments zu Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg. Die zurückbleibenden Truppen waren gerade dabei, sich am Main einzuquartieren, als den Feldmarschall Cratz der Ruf Bernhards nach Unterstützung erreichte. Am 27. August wurden die Regimenter um Uffenheim[278] zusammengezogen und marschierten über Rothenburg zur Hauptarmee. (Soden II, S. 544, 550; Chemnitz II, S. 525, 526)„.[279]

„Auch Oberst Kratz [Cratz zu Scharffenstein], der die Belagerung nach Herzog Bernhards Abzug am 20. [30.] Juni weiterführte, konnte trotz erheblicher Lieferungen an Kriegsmaterial, Proviant und Personal aus Nürnberg keinen Erfolg verzeichnen. So hob er schließlich die Blockade am 4. [14.] August wieder auf und zog sich über Bamberg nach Schweinfurt zurück – ‚in geradezu schmählicher Eile‘. Mit knapper Not gelang es den Nürnbergern, wenigstens ihre Hilfstruppen und einen Teil ihrer Artillerie zu retten; drei Geschütze warfen sie in die Regnitz, aus der sie die Forchheimer wieder herauszogen. Nun hatte Obristleutnant von Schletz erneut freie Hand und nutzte dies zu einem schon lange befürchteten Rachefeldzug“.[280] „Später, im November 1634, nannte Schletz gegenüber einem Nürnberger Unterhändler die Belagerung Forchheims ‚ein närrisches Beginnen, wenn man einen solchen Platz mit einem Händlein voll Volks‘ angreifen wolle. Nach der Aufhebung der Belagerung habe er ‚ein gar gutes Schreiben an den Rat von Nürnberg erlassen, der es aber keiner Antwort gewürdigt‘. Da habe er endlich ‚als Soldat, der um Reputation und Geld diene, etliche Parteien [ab-]kommandiert, welche die der Stadt zunächst gelegenen schönen Dorfschaften in Asche zu legen befehligt worden. Diesen überaus großen Schden hätte man mit guter Manier und dem Anerbieten von 1000 Dukaten verhüten können‘. […] Schletz scheint überhaupt sehr von sich eingenommen gewesen zu sein“.[281]

Die Pfarrchronik von Bruck (bei Erlangen) hielt Stationen dieses Rachefeldzugs fest [14.8.]: „Ist die Blockierung und Belagerung Forchheim[s] wieder kassiert und aufgehoben worden. Nun helfe Gott uns Verlassenen !“.[282]

Obristleutnant Steinheim teilte Melchior von Hatzfeldt im August dieses Jahres mit, dass Kratz um Schweinfurt, Eltmann[283] und Bamberg stehe.[284] In diesem August meldete der Hofkriegssekretär Johann Friedrich Vischer Hatzfeldt, dass Kratz die Belagerung  von Forchheim[285] wieder aufgehoben habe.[286]

Die Pfarrchronik von Eltersdorf (bei Erlangen) hielt unter 14.8. fest: „Ist man von Forchheim unverricht wieder abgezogen, da sie also eben 10 Wochen davor gelegen“.[287]

Die Vacher[288] Pfarrchronik verzeichnet unter dem 14.8.: „In heut vergangener Nacht ist der Obrist Kratz, nachdem er 9 Wochen vor Forchheim gelegen, aufgebrochen [und] durch Bamberg auf Schweinfurt zu gezogen. Darauf heut, den 5., Dienstag, die Forchheimer ausgefallen, haben Groß-[289] und Kleinreuth[290] [h. d. V.], Buch,[291] Almoshof,[292] Lohe,[293] Kraftshof[294] und andere Dörfer angesteckt, in die 60 Personen, mehrersteils Bauren, erschossen und jämmerlich zerhauen. Nachmittags haben sie das hiesige Dorf an 4 Orten anstecken wollen, doch auf große Bitt Georgen Kerns, Becken, sein Stadel bei der Brucken abgebrannt, das Haus ist etwas errettet worden“.

6. [16.] August. „Heut haben die Forchheimer Flexdorf,[295] Atzenhof[296] und Ritzmannshof[297] angesteckt. Den 6. [richtig: 7.] in Gründlach[298] das schöne Schloß und Kirchen, Bruck, Eltersdorf und Tennenlohe“. Am 6. [16.] (oder erst am 16. [26.] ?) August wurden, wie aus einem Bericht des Baiersdorfer Richters Hans Ludwig Roder hervorgeht, von den Forchheimern auch die letzten Häuser in Erlangen zerstört, die 1632 noch stehen geblieben waren“.[299]

Aus Eltersdorf (bei Erlangen) wird berichtet: 6./16. August: „Sind die Forchheimber ausgefallen und haben mit Brennen in den nächsten Dörfern umb die Stadt großen Schaden getan“. 7. [17.] August: „Sind sie wieder heraufkommen bei eiteler Nacht, ungeacht ein groß und sehr schweres Wetter gewesen, und schröcklich geblitzt, gedonnert und geregnet; und haben wiederumb dergleichen Grausam- und Feindseligkeit mit Brennen verübt, unter andern auch hie haben sie neben anderm das schöne und wohlerbaute Pfarrhaus angesteckt und abgebrennt; zu Bruck desgleichen Pfarrhaus, das Gemeinhaus, die Mühl, ja fast alles, was noch gestanden. Zu Gründlach das Pfarrhaus, Schloß, Kirchen, auch sonst etliche Zimmer [Gebäude]“.[300] In der Großgründlacher Pfarrchronik ist unter dem 17. August verzeichnet: Hat Fritz von Schletz, der römischen kaiserlichen Majestät und kurfürstlichen Durchlaucht in Bayern zu Forchheim kommendierter Obristleutnant (denn also hat sich dieser Landsverderber geschrieben) … diese Kirch, sambt dem adeligem Sitz, neben noch viel anderen Gebäuden … in Brand gesteckt, und in die Aschen gelegt“.[301] „Angeblich war die Einquartierung einer Kompanie Reiter des Obristen Kratz in Gründlach die Ursache, daß der Ort trotz der nach Forchheim gezahlten Kontribution eingeäschert wurde“.[302]

„Die Nachricht von dem Fall Regensburgs, die Herzog Wilhelm am 3. August erhielt, versetzte ihn in lebhafte Unruhe. Er wies seine Offiziere an, ihre Truppen so zu quartieren, daß er ‚ihrer jederzeit mächtig sei‘, befahl dem noch bei Hildesheim[303] stehenden Oberstleutnant Günther, sich zum Aufbruch nach Thüringen bereit zu halten, und rief den Generalmajor Georg von Uslar zu sich nach Weimar,[304] um mit ihm zu ‚konferieren, was zu tun sei‘. Den in Frankfurt[305] versammelten Ständen gegenüber erklärte er sich bereit, mit 1200 Reitern, 1500 Mann zu Fuß und der Artillerie nach Franken zu marschieren, wenn sie ihm eine Entscheidung wegen seiner Charge zukommen ließen. Darüber hinaus tat er jedoch nichts. Den Bitten des Grafen Cratz um Abfolgung der thüringischen Regimenter, die dieser mit seinen Truppen zu einem Korps zum Schutz Frankens gegen feindliche Streifscharen vereinigen wollte, gab er ebensowenig nach wie der Aufforderung Oxenstiernas, dem Grafen die Regimenter zuzusenden. Er war nicht bereit, seine Truppen dem Kommando eines anderen zu unterstellen, verlangte jetzt auch, als er hörte, daß Graf Cratz die Blockade Forchheims wegen der andringenden Reiterschwärme Johann von Werths und Strozzis aufgehoben hatte und sich gegen Würzburg und Schweinfurt zurückziehen wollte, sein altes Leibregiment zu Fuß unter Oberst von Brandenstein, dessen Abfolgung ihm Herzog Bernhard einst verweigert hatte und das an der Blockade beteiligt gewesen war, zurück und wies ihm Quartiere im Hennebergischen[306] an.

Inzwischen liefen immer bedrohlichere Nachrichten aus dem Süden ein. Am 18. August meldete Graf Cratz, der Feind habe die Donau überschritten, am 20., er sei im Marsch auf Dinkelsbühl,[307] Rothenburg[308] und Windsheim. Herzog Bernhard sei ziemlich schwach, und der Feind dringe ziemlich stark auf ihn, Herzog Wilhelm möge daher möglichst schnell nach Franken kommen, damit er Bernhard unterstützen und den Feind von einem Einbruch in Franken abhalten könne. In Oxenstiernas und der Stände Namen erschien am 22. August der Generalkommissar Heusner in Weimar. Er berichtete, der Feind habe bei Ingolstadt die Donau überschritten und sei im Marsch gegen die vier oberen Kreise. Graf Cratz werde bei Ochsenfurt[309] oder Schweinfurt eine ‚volante armée‘ zur Versicherung des fränkischen Kreises zusammenziehen, und Herzog Wilhelm solle seine Truppen zu ihm stoßen lassen. Der Herzog könne versichert sein, daß ihm die Truppen, wenn er ‚deren wieder bedürftig, nicht sollen vorenthalten, sondern wieder gefolgt und passiert werden‘.

Jetzt entschloß sich Wilhelm, seine Regimenter im Hennebergischen zusammenzuziehen, um ‚auf des Feindes Vornehmen gegen das Land zu Franken‘ achtzugeben. Er ließ die im Stolbergischen,[310] Hohensteinischen[311] und Mühlhäusischen[312] liegenden Kompanien und die Regimenter Brossard und Günter zum Marsch nach Süden aufbrechen. Das in Thüringen liegende Regiment des schwedischen Obersten Heßler ließ er sich bei Erfurt sammeln. Seinem bereits in Henneberg[313] liegenden Oberstleutnant Wolframsdorf befahl er, Truppenabteilungen nach Bamberg und Kronach gehen zu lassen, um den Feind zu beobachten.

Die Truppen aber einem anderen zu übergeben, war er auch jetzt nicht geneigt. Jetzt bot sich ihm die schon lange ersehnte Gelegenheit, mit einer eigenen Armee aufzutreten. Er wollte sie nicht genützt vorübergehen lassen. Sein Ziel war die Führung einer obersächsischen Kreisarmee.

Für Heusner verfaßte er am 28. August eine ausführliche ‚Resolution‘, die dieser dem Reichskanzler überbringen sollte. Er erklärte darin, er habe zwar Ursache genug, auf sein ‚Privatinteresse und Konservation‘ zu sehen, dennoch wolle er dieses jetzt  zurückstellen und das ‚publicum mehr als das privatum anderen zum guten Exempel vorziehen‘. Seine Regimenter wolle er marschieren lassen, auch sich selbst zu Graf Cratz begeben, um sich mit ihm zu unterreden. Er fordere aber, wenn er sich mit ihm vereinige, das Kommando für sich. Wenn Thüringen in Gefahr käme, verlange er Hilfeleistung, da nicht nur seine Lande, sondern auch andere thüringische Stände die Mittel für seine Armee aufgebracht hätten.

Tags darauf verließ er Weimar, um seine ‚erteilte Resolution zu Werk zu richten‘, und begab sich nach Schleusingen,[314] wo wir ihn am 1. September finden. Hier, in der Grafschaft Henneberg, befand sich bereits die Artillerie (Maßfeld[315]), das alte Leibregiment zu Roß unter Wolframsdorf (zwischen Meiningen,[316] Themar[317] und Römhild[318]) und das alte Leibregiment zu Fuß unter Brandenstein (im Amt Schleusingen). den Obersten Brossard, der mit dem neuen Leibregiment zu Roß und seinen Dragonern noch im Schmalkaldischen lag, ließ er sofort nach Meiningen aufbrechen. Ihm folgte das neue Leibregiment zu Fuß unter Günter. Am 1. und 2. September wurden die Reiter und Dragoner gemustert.

Herzog Wilhelm hatte die Absicht, sich mit Graf Cratz zu unterreden und seine Regimenter mit dessen Truppen bei Kitzingen zu vereinigen. Da erhielt er die Nachricht, daß der Graf von Herzog Bernhard den Befehl bekommen hatte, sofort zu ihm zu kommen. Cratz hatte seine Truppen bei Ochsenfurt zusammengezogen und war nach Kitzingen marschiert. Von hier bat er am 25. August den Herzog ‚zum allerhöchsten, Dero Volk ehestens so viel möglich an seinem Marsch zu befördern‘. Er selbst habe nur 3000 Mann, Herzog Bernhard sei entschlossen, gehen den Feind zu gehen. ‚Da nun dieser Streich etwas widerwärtig fallen sollte, kann E. f. G. ermessen, was ich alsdann mit so wenig Volk ausrichten kann‘. Als sich Wilhelms Truppen noch immer nicht zeigten, verließ er schließlich den Main, bat den Herzog am 3. September aber nochmals, ihn für den Fall, daß die Regimenter noch kämen, zu benachrichtigen.

Inzwischen waren aus der Markgrafschaft Bayreuth Meldungen von dem Vordringen des kaiserlichen Obersten Wahl eingetroffen, bald darauf die Kunde von dem Fall Bayreuths.[319] Da Herzog Wilhelm fürchtete, daß dieser gegen Franken vorgehen, sich mit ‚dem aufstehenden Landmann der beiden Bischoftümer Bamberg und Würzburg‘ verbinden und dadurch ‚solchen fränkischen Staat in gänzlichen Ruin‘ bringen wolle, entschloß er sich, seinen Plan zu ändern, nicht zu Cratz zu ziehen, sondern auf Wahl Obacht zu geben. Er gab dem Syndikus der Stadt Schweinfurt, Markus Heberer, den Auftrag, zu Herzog Bernhard zu reisen und ihm die Nachricht zu überbringen, daß er entschlossen gewesen wäre, zu Graf Cratz zu ziehen; da dieser aber abmarschiert sein solle, habe er seinen Plan geändert und wolle auf den Anzug des Obersten Wahl achtgeben. Wegen der Unterhaltung der Truppen wolle er mit den thüringischen und fränkischen Ständen reden. Zum Schluß sprach er die Bitte aus, Herzog Bernhard möchte ihm vier Regimenter zu Fuß und ein Reiterregiment zuschicken. Da Heberer ‚wegen einer ihm unverhofft zugestoßenen häuslichen Widerwärtigkeit‘ seinen Auftrag nicht durchführen konnte und der Herzog inzwischen die Nachricht von der Nördlinger Katastrophe erhielt, unterblieb jedoch die Absendung“.[320]

„Mit diesem Kontingent machte sich Cratz in Richtung Uffenheim[321] auf den Weg, wo ihn am 27.8. ein Kurier Herzog Bernhards erreichte. Sofort ließ er die Truppen zusammenziehen und eilte über Rothenburg in Richtung Nördlingen. Seltsamerweise stand er dann am 3.9. in der Nähe von Schwäbisch Gmünd[322] und erreichte erst am 5. September das Hauptheer“.[323]

Kratz kämpfte in der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634[324] und geriet in Gefangenschaft.

„Seit dem 8. September befand sich der Herzog [Wilhelm IV.; BW] wieder in Schleusingen. Hier kamen ihm am 9. aus Würz-burg die ersten ‚widerwärtigen Avisen‘ von der Armee Bernhards und Horns zu, die ihm die fränkischen Kreisräte übersandten: Die Armee sei ‚so stark geschlagen, daß die Walstatt ganz dick voller Toten liege‘ und ‚die Unsrigen alles verloren‘ hätten. Die Nachricht erfüllte ihn mit Sorge, sie schien ihm aber übertrieben: ‚Wollen zu Gott hoffen, es soll so arg nicht sein, als man sich einbildet‘. ‚Wir stehen noch in Hoffnung, es sollte Cratz bei solch unglücklichem Streich nicht gewesen sein‘. Man solle den General sofort zurückrufen. Seine Reiterei unter Georg von Uslar ließ er sofort kehrtmachen und befahl dem Generalmajor, die Mainpässe zu bewachen, besonders Schweinfurt, Ochsenfurt, Kitzingen und Würzburg in acht zu nehmen. Dem Obersten Philipp von Zehm übertrug er die Verteidigung der Veste Coburg. Die Städte Koburg, Heldburg[325] und Eltmann ließ er durch Fußtruppen besetzen.

Am 10. September erhielt er durch einen von Herzog Bernhard an ihn abgesandten Trompeter die Bestätigung des am 6. September geschehenen Unglücks, in das auch Graf Cratz hineingezogen worden war“.[326]

Rittmeister La Fontaine, der Kratz in der Schlacht gefangen genommen[327] und dem er 30.000 Rt. Lösegeld versprochen hatte, lieferte Kratz jedoch dem Kardinal-Infanten aus.[328] Auch ein Auslösungsversuch gegen den auf der Würzburger Festung Marienberg internierten Regensburger Bischof Albert IV. von Törring schlug fehl. Kratz wurde auf Betreiben von Hofkriegsrat Schlick nach Wien ins Gefängnis überführt und zum Tode verurteilt. Am 26.3.1635, einen Tag vor seiner Hinrichtung gelang ihm in Mönchskleidern die Flucht aus dem Gefängnis. Er wurde jedoch von Husaren des Grafen Stephan Pálffy vor der schlesischen Grenze wieder eingefangen, wobei er vier Husaren eigenhändig niederhieb, wurde er zu seiner Hinrichtung nach Wien überführt, „welche auch albald den 6. Julii New. Cal. Morgens früh um 6. Uhren im Rathaus / doch nicht öffentlich / fürgenommen: und er darselbsten decolliert: folgends in der Nacht zwischen 9. und 10. Uhr ist er gar schlecht in der Jesuiter Kirche begraben / und zur Erden bestattet worden“.[329]

[1] Vgl. auch die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher.

[2] Die Burg Rýzmberk (deutsch Riesenburg; so auch HHSBöhm, S. 397) befindet sich in der Nähe des Städtchens Kdyně (dt. Neugedein), in der Region Plzeň (Tschechien). Die gotische Burg wurde auf Wunsch des Königs Ottokar II. Přemysl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angelegt. Als einer der ersten Besitzer wird 1279 Diepold Schwihau von Riesenberg erwähnt. Die Burg diente damals zur Bewachung des Passes am Regensburger Steig an der Hauptverbindung von Prag nach Regensburg. In der Folgezeit kam es mehreren Umbauten, die größten nach dem Brand 1448 und unter Břetislav Schwihau von Riesenberg im Jahr 1508. Die Burg wurde weiter befestigt und galt als uneinnehmbar. 1620 wurde die Burg durch kaiserliche Armee unter Führung des Generals Don Maradas eingenommen, 1641 durch die Schweden erobert und verwüstet. [WIKIPEDIA]

[3] Scharfenstein, Burg [Rheingaukr.]; HHSD IV, S. 398.

[4] Kiedrich [Rheingaukr.]; HHSD IV, S. 267f.

[5] Rüdesheim am Rhein [Rheingaukr.]; HHSD IV, S. 389ff.

[6] Salzburg [Château-Salins, Dép. Moselle] ?

[7] Saaralben [Sarralbe, Dép. Moselle].

[8] Saargemünd [Sarregemines; heute Frankreich]. Angeblich gegen Rýzmberk (Riesenburg) eingetauscht.

[9] KÖLLNER, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann. Bd. 1.

[10] SCHANNAT, Eiflia 2. Bd., 1. Abt., Worms, S. 500f.; HHSD V, S. 410ff.

[11] Kralowitz [Kralovice]; HHSBöhm, S. 294.

[12] Rakonitz [Rakovník]; HHS, S. 308f.

[13] Vgl. WOLF, Winterkönig; BILHÖFER, Nicht gegen Ehre und Gewissen; http://www.hdbg.de/winterkoenig/tilly

[14] MILGER, Gegen Land und Leute, S. 93.

[15] MILGER, Gegen Land und Leute, S. 94.

[16] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[17] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2238, fol. 375 (Ausfertigung): Tilly an Maximilian I., Haid, 1621 VI 20.

[18] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[19] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2238, fol. 371 (Konzept): Maximilian I. an Tilly, 1621 VI 24.

[20] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2238, fol. 398f. (Ausfertigung): Tilly an Maximilian I., Haid, 1621 VI 26.

[21] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[22] Etzelwang [LK Amberg-Sulzbach].

[23] Adlholz, heue Ortsteil von Hahnbach [LK Amberg-Sulzbach].

[24] Atzmannsricht [LK Amberg-Sulzbach]

[25] Vgl. KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[26] Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[27] Großschönbrunn, heute Ortsteil von Freihung [LK Amberg-Sulzbach]; Kleinschönbrunn, heute Ortsteil von Freihung [LK Amberg-Sulzbach.

[28] Freihung [LK Amberg-Sulzbach].

[29] Ebersbach, heute Ortsteil von Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[30] Thansüß, heute Ortsteil von Freihung [LK Amberg-Sulzbach].

[31] Gressenwöhr, heute Ortsteil von Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[32] Gebenbach  [LK Amberg-Sulzbach].

[33] Axtheid, heute Ortsteil von Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[34] Kaltenbrunn, heute Ortsteil von Weiherhammer [LK Neustadt a. d. Waldnaab].

[35] Ensdorf [LK Amberg-Sulzbach].

[36] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 29f.

[37] Vilshofen, HHSD VII, S. 772f.

[38] Rieden [LK Amberg-Sulzbach].

[39] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 35f.

[40] DAMBOER, Krise, S. 10.

[41] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 54.

[42] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.

[43] Recklinghausen; HHSD III, S. 625f.

[44] STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff, S. 79.

[45] Vgl. auch CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[46] KÖLLNER, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann, S. 258.

[47] Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.

[48] KÖLLNER, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann, S. 256.

[49] Langenburg [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 448f.

[50] Kirchberg an der Jagst [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 400f.

[51] Michelfeld [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 528f.

[52] Schwäbisch Hall [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 723ff.

[53] Bad Wimpfen [LK Heilbronn]; HHSD VI, S. 51f.

[54] nach: michls.de/mauern-von-wimpfen/30jaehrigerkrieg.html.

[55] Kraichgau; HHSD VI, S. 427.

[56] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[57] Kraichgau; HHSD VI, S. 427f.

[58] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[59] Bretten [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 116.

[60] MAIER, Unterpfalz, S. 82f.

[61] Schwäbisch Hall; HHSD VI, S. 723ff.

[62] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 172.

[63] Vorstadt Unterlimpurg.

[64] den Rat.

[65] MORHARD, Haller Haus-Chronik, S. 133.

[66] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.

[67] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[68] Rheinhausen [LK Moers]; HHSD III, 638f.

[69] Darmstadt; HHSD IV, S. 79ff.

[70] Höchst; HHSD IV, S. 226ff.

[71] MAIER, Unterpfalz, S. 84f.

[72] Gochsheim [LK Schweinfurt] ; HHSD VII, S. 239.

[73] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[74] WEBER, Gochsheim, S. 198.

[75] Sennfeld; unter Gochsheim; HHSD VII, S. 239.

[76] WEBER, Gochsheim, S. 200.

[77] Krempe [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 140f.

[78] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 2.

[79] Beelitz [LK Potsdam-Mittelmark].

[80] SCHNEIDER, Chronik der Stadt Beelitz, S. 28.

[81] DÖBLIN, Wallenstein, S. 309.

[82] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.

[83] ARENDT, Faktotum, S. 104.

[84] SCHMIDT-BRENTANO, Kaiserliche und k. k. Generale, S. 22.

[85] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2260, fol. 481 (Reinschrift): Maximilian I. an Lintelo, 1632 I 07.

[86] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[87] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[88] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[89] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.

[90] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.

[91] Mitterteich [LK Tirschenreuth].

[92] Vgl. STICHT, Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach.

[93] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[94] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.

[95] STICHT, Markgraf Christian, S. 138.

[96] Donaustauf [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 145ff.

[97] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[98] Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.

[99] Auerbach [LK Eschenbach]; HHSD VII, S. 41f.

[100] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[101] Pottenstein [LK Pegnitz]; HHSD VII, S. 593.

[102] Creussen [LK Pegnitz]; HHSD VII, S. 129.

[103] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[104] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[105] Reisiger: Seit dem Mittelalter gewappnete Dienstleute oder berittene Begleitpersonen; im 16. Jahrhundert ein bewaffneter Reiter im Gegensatz zum Fußsoldaten, der nicht als Söldner galt, abgeleitet von „reisen“; „Reise“: Kriegsfahrt. GRIMM; GRIMM, DWB Bd. 14, Sp. 745, 53.

[106] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[107] Kupferberg [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 382.

[108] Stadtsteinach [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 710f.

[109] Hollfeld [LK Bayreuth].

[110] Waischenfeld [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 781f.

[111] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[112] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 130f.

[113] Pottenstein [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 593.

[114] Pretzfeld [LK Forchheim].

[115] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[116] Neumarkt i. d. OPf.; HHSD VII, S. 505f.

[117] Bürgerwehr: (zumeist relativ wirkungslose, unzuverlässige und aufsässige) Miliz zur selbstständigen Landesverteidigung (vgl. Landwehr), die teilweise schon beim ersten Musketenschuss auseinanderlief oder als Kanonenfutter diente, wenn sie nicht unter dem Schutz von Soldaten eingesetzt wurde. Zum Dienst im Ausschuss konnten sowohl Bürger – meist kleine Handwerker und ärmere Bürger, reichere Bürger drückten sich vor diesem Dienst –  als auch Bauern der städtischen Dörfer herangezogen werden. Üblich war die Stellung des 5. oder 10. Mannes. Die Erfurter Bürgerwehr soll aus 1.200 Mann bestanden haben; BEYER; BIEREYE, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 537. Zur Nutzlosigkeit des Bürgerausschusses vgl. die Äußerungen des brandenburgischen Kanzlers Friedrich Pruckmann [1562-1630]; FADEN, Berlin, S. 144: Sie wurden „von ihrer zween angeführt, die ihr Lebetage wohl keinen toten Menschen im Felde gesehen. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen, auch Schreien in beiden Städten [Berlin und Cölln] die ganze Nacht hindurch, dass ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben. Denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg; dem andern entfiel der Ladestecken, dem dritten die Forschett [Gabelstock]; dem vierten versagte die Muskete zwei- bis dreimal; der fünfte steckte die Nase gar in den Ärmel, wenn er schießen wollte, gleich den Mönchen, Pfaffen und Jesuiten, die vor etlichen Jahren zu Paris gassatim gingen, Die dann losgeschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pikeniere trugen die Pike auch gar musterlich, zu geschweigen, dass sie solche sonsten zu gebrauchen sollten gewusst haben. Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt“. FADEN, Berlin, S. 153f. Teilweise wurde schon aus Kostengründen der Ausschuss von Städten abgelehnt; BRUNS, Hallenberg, S. 258f.; WALLHAUSEN, Defensio Patriae.

[118] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[119] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.

[120] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.

[121] Neunhof [Stadt Lauf/Pegnitz, LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 508f.

[122] Eschenau [Gem. Eckental, LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 185f.

[123] Neunkirchen a. Brand [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 509f.

[124] Hirschaid [LK Bamberg].

[125] Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager I. Johann Merode.

[126] Wallonen: Französischsprachige Bevölkerung in den Niederlanden (Artois, Hennegau, Namur, Luxemburg, Limburg, Teile Flanderns und Brabants), z. T. im Fürstbistum Lüttich. Die Regimenter mit hohem Anteil an Wallonen (z. B. das Regiment Johanns II. von Mérode) waren bei Freund und Feind wegen ihrer Erbarmungslosigkeit seit Anfang des Krieges allgemein gefürchtet. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 459 (1619): „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, ass man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. Zur Einschätzung bei den eigenen Verbündeten (10.1.1632): Man „weiß wohl, wie die Wallonen beschaffen, nur auf Plackherey und rauberey, doch zum fechten seyn sy wenig nuz, es heißt wol dem gemeinen Sprichwort nach: vill geschrey und wenig wohl. Thuet doch den armen undertanen wol soviel plagen als ein ganzes volles Regiment“. HELML, Oberpfalz, S. 121. Nach Ansicht des Grafen Albig von Sulz sei bei ihnen „gantz kein Rgt. zu halten“. HELML, Oberpfalz, S. 87; ENGELBERT, Wallonen.

[127] Vgl. HABERER, Ott Heinrich Fugger.

[128] Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon.

[129] Retranchemant: der nicht mehr zu verteidigende Teil einer Festung, der vom übrigen Befestigungswerk durch Brustwehr, Schanzkörbe und Palisaden abgetrennt wurde; allgemein: Verschanzung durch starke Brustwehr und Graben.

[130] Hallstadt [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 266f.

[131] dissipieren: zerstreuen.

[132] Schlacht bei Breitenfeld (nahe Leipzig) am 17.9.1631, in der das Heer der katholischen Liga unter Tilly durch die Schweden unter Gustav II. Adolf und die mit diesen vereinigte sächsische Armee unter Kurfürst Johann Georg I. eine vernichtende Niederlage erlitt. HAPPES Zahlen (msdz.thulb.uni-jena.de) liegen deutlich zu hoch: Auf kaiserlich-ligistischer Seite dürfte von 8.000 Toten, 6.000 Verwundeten, 3.000 Gefan-genen und 3.000 auf der Flucht Umgekommenen auszugehen sein, auf der Gegenseite waren 3.000 Sachsen und 2.000 Schweden ums Leben gekommen.

[133] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.

[134] Haßfurt [LK Hassberge]; HHSD VII, S. 273f.

[135] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[136] ENGERISSER, Von Kronach, S. 41ff. (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[137] Regenstauf [LK Regensburg].

[138] Leonberg, heute Ortsteil von Maxhütte-Haidhof [LK Schwandorf].

[139] Pielenhofen [LK Regensburg].

[140] Weißenburg i. Bayern [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 799ff.

[141] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[142] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.

[143] Schwabach; HHSD VII, S. 681f.

[144] Roth [LK Roth]; HHSD VII, S. 634f.

[145] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[146] Eichstätt [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 160ff.

[147] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[148] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 647; MILGER, Gegen Land und Leute, S. 240. Das „Zitat“ bei MILGER ist gekürzt und sprachlich unzutreffend.

[149] raiteln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[150] MILGER, Gegen Land und Leute, S. 240.

[151] Vgl. generalrobertmonro.com [in Bearbeitung].

[152] Wülzburg [Stadt Weißenburg i. Bayern]; HHSD VII, S. 835f.

[153] MAHR, Monro, S. 174.

[154] Heidenheim [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 577.

[155] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[156] accordiert ?

[157] Berolzheim [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 88f.

[158] artefax.de/geschichte/heidenheimelf/html: Heidenheim von A-Z: Der Dreißigjährige Krieg in der Heidenheimer Gegend, S. 3f.

[159] Landshut; HHSD VII, S. 386ff.

[160] EBERMEIER, Landshut, S. 46.

[161] LEISTIKOW, Sperreuter, S. 23.

[162] Landsberg a. Lech; HHSD VII, S. 385f.

[163] BUCHNER; BUCHNER, Bayern, S. 141f.

[164] Vach, heute Stadtteil von Fürth.

[165] Höchstadt a. d. Aisch [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 301.

[166] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.

[167] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2406, fol. 520-521′ (Konzept): Maximilian I. an Ruepp, 1632 III 17.

[168] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[169] Kempten (Allgäu); HHSD VII, S. 352ff.

[170] Gemeint sind die Kämpfe an der Alten Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[171] ENGERISSER, Von Kronach, S. 137.

[172] Heimertingen [LK Unterallgäu].

[173] Gemeint ist Cronberg.

[174] Grönenbach [LK Unterallgäu]; HHSD VII, S. 249.

[175] HABERER, Fugger, S. 280ff.

[176] ENGERISSER, Von Kronach, S. 154.

[177] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[178] ASOB II/7, S. 205, 206.

[179] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[180] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 458.

[181] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[182] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 334.

[183] Donaustauf [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 145ff.

[184] Frauenzell [Gem. Brennberg, LK Regensburg, OPf.]; HHSD VII, S. 207f.

[185] Brennberg [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 107.

[186] Heilsberg, bei [Wiesent [LK Regensburg]. Die Burgruine zu Heilsberg (nahe dem Pangerlhof), erstmals Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt, von den Truchsessen von Heilsberg und Eggmühl erbaut, im 16. Jahrhundert aufgegeben. Heute sind nur noch Teile von Bergfried und Ringmauer erhalten. http://www.notthafft.de/sitze/heilsberg.htm.

[187] Wiesent [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 816.

[188] GEGENFURTNER, Wiesent, S. 63.

[189] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[190] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[191] Marktredwitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[192] BRAUN, Marktredwitz, S. 45.

[193] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[194] Vgl. WEBER, Würzburg und Bamberg.

[195] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[196] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[197] Hummendorf, Ortsteil von Weißenbrunn [LK Kronach].

[198] Küps [LK Kronach].

[199] Neuses [heute Ortsteil von Kronach].

[200] Siechenhaus.

[201] Scharmützel : Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“, Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[202] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[203] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[204] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse; I 295 v – 302 r mdsz.thulb.uni-jena.de.. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen.

[205] Schlachtordnung.

[206] Höfles, heute Stadtteil von Kronach.

[207] Vogtendorf, heute Stadtteil von Kronach.

[208] Rosenberg, Festung Die Festung Rosenberg ist wohl das bedeutendste Geschichtsdenkmal des südlichen Frankenwalds. Der Grund-fläche nach ist sie das ausgedehnteste Festungsbauwerk Deutschlands. Sie gilt als ein herausragendes Beispiel deutscher Wehrbau-kunst und steht seit Jahrhunderten beschützend über der Stadt Kronach. Die Festung wurde in einer Höhe von 378 Metern über Normalnull auf dem Rosenberg in einer strategisch hervorragenden Lage erbaut. Die drei zu ihren Füßen zusammenlaufenden Täler, der Haßlach, der Kronach und der Rodach wurden von ihr beherrscht und sie konnte dadurch wichtige Übergänge nach Thüringen und in den Frankenwald sperren oder kontrollieren. Vom Steinernen Haus über die gotische Burg und das Schloss der Renaissance wurde die Festung Rosenberg von berühmten Baumeistern der Kriegsbaukunst des Barocks zu einer der stärksten mittelalterlichen Fes-tungsanlagen Deutschlands ausgebaut. Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Festung Rosenberg nie von feindlichen An-greifern eingenommen. [wikipedia]

[209] Domherr: „Mitglied einer kollegial verfassten geistlichen Körperschaft an einer Bischofskirche oder als Kanonikerkapitel an einer Stiftskirche. Primäre Aufgabe war die Feier der Gottesdienste. Die Kanoniker waren zur Einhaltung der Statuten verpflichtet, die die Verfassung des Kapitels und die Rechte und Pflichten der Kanoniker festhielten. Die wichtigsten Rechte waren Bischofswahl und Regierung des Bistums in der Zeit zwischen dem Tod des alten und der Amtsübernahme des neuen Bischofs. Es stellte den vornehmsten Stand auf den Landtagen und war an der Regierung des Bistums beteiligt. Neben der Feier der Domliturgie, bei der sie ihrerseits von den Vikaren unterstützt wurden, zählte die Unterstützung des Bischofs zu den Aufgaben der Domherren. Die Domherren waren zur Einhaltung der Gelübde (Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit) verpflichtet und widmeten sich der Seelsorge. Das Domkapitel war nur „Adligen“ bzw. „Ritterbürtigen“ bei den Vorfahren vorbehalten, die z. T. 8 oder sogar 16 Ahnen nachweisen mussten. Der Kanoniker konnte auch an anderen Domkapiteln Kanonikate besitzen und gegebenenfalls dort residieren. Aufnahmebedingungen waren in der Regel eheliche Geburt, die uneingeschränkte Ehrenhaftigkeit und das Fehlen körperlicher Mängel. Domherrnstellen wurden auf Lebenszeit verliehen und wurden so auch Versorgungsstellen für nachgeborene Söhne von Adligen. Die Übertragung der Präbende und die Aufnahme mit Sitz und Stimme in die Kapitelversammlung lagen zeitlich auseinander. Als Voraussetzungen zur Beförderung zum stimmberechtigten Kapitular galten die Vollendung des 24. Lebensjahrs und die Weihe zum Subdiakon. Dazu kam die sogenannte Residenzpflicht. Die Sicherung des Unterhalts erfolgte vorwiegend über Pfründen; die sie innehabenden Kanoniker wurden durch die mit einem Kanonikat verbundenen Besitzungen und Anrechte versorgt. Die Höhe der Pfründe hing von der Anzahl der Domherren (20-30) sowie vom Ertrag der Kapitelgüter ab. Die Einkünfte der Domherren in Mainz selbst sollen 2.000 Rt. im Jahr betragen haben. Domherren, Dompröpste und Domdechanten hatten in der Regel eigene Höfe, wenn sie nicht wegen der Knappheit der Wohnungen anderweitig untergebracht werden mussten. Das Domkapitel beinhaltet eine Reihe von Ämtern wie die beiden wichtigsten Dompropst und Dekan, sowie Domscholaster, Kantor und Kustos“. [mdsz]

[210] alert (franz. Lehnwort): wachsam, munter.

[211] Karkassen: Brandgeschosse, die aus einem schmiedeeisernen, mit Leinwand ummantelten und mit einem Brandsatz gefüllten Gerippe bestehen.

[212] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[213] Waldershof [LK Tirschenreuth].

[214] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.

[215] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[216] Helmbrechts [LK Hof]; HHSD VII, S. 282.

[217] Bad Steben [LK Hof].

[218] Naila [LK Hof]; HHSD VII, S. 492.

[219] Lichtenberg [LK Naila]; HHSD VII, S. 406f.

[220] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[221] Hohenberg a. d. Eger [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 307f.

[222] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[223] ENGERISSER, Von Kronach, S. 232ff.

[224] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab November 2012).

[225] Vgl. neuerdings SENNEWALD, Kursächsische Armee.

[226] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff. Schlacht bei Liegnitz am 13.5.1634: Die kursächsische Armee unter Generalleutnant Hans Georg von Arnim schlug die Kaiserlichen unter GeneralmajorJohann von Götz und Feldmarschall Rudolf von Colloredo: Die Kaiserlichen büßten 40 Fahnen, die gesamte Artillerie und 4000 Tote ein. Auch in dem mittlerweile wieder schwedisch besetzten Osnabrück wurde dieser Sieg entsprechend gefeiert, wie der protestantische Chronist Bellinckhausen berichtet; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 281 f.

[227] Herzog Albrecht (Albert) von Sachsen-Weimar (1599-1644), ab 1640 Herzog von Sachsen-Eisenach.

[228] Stadtschloss in der Bamberger Altstadt. Es ist benannt nach der Familie Geyer aus Nürnberg, die sich im 14. Jahrhundert in Bamberg niederließ und die Anlage errichten ließ. Im Jahr 1580 fiel – nach vorherigen Teilaufkäufen seit der Regierungszeit des Fürstbischofs Veit II. von Würzburg – das Gelände wie auch das Schloss der Familie Geyer an das Hochstift Bamberg. Fürstbischof Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (regierte von 1557 bis 1580) ließ südlich des Schlosses einen heute nicht mehr vorhandenen Park anlegen. Nach Umbau im Stile der Renaissance – unter Einbeziehung des Altbaues – diente das Gebäude als Stadtsitz der Fürstbischöfe – als Bauherr gilt Fürstbischof Ernst von Mengersdorf – und war wohl bis zum Ende der Bauarbeiten an der Neuen Residenz Hauptsitz der regierenden Bischöfe. [wikipedia]

[229] ENGERISSER, Von Kronach, S. 260f.

[230] Fürth; HHSD VII, S. 219ff.

[231] Gostenhof, heute Stadtteil von Nürnberg.

[232] Wendelstein [LK Roth]; HHSD VII, S. 807.

[233] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.

[234] Neumarkt i. d. OPf.; HHSD VII, S. 505f.

[235] ENGERISSER, Von Kronach, S. 265.

[236] Abensberg [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 2.

[237] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 349ff.

[238] Pförring [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 582f.

[239] Vohburg a. d. Donau [LK Pfaffenhofen/Ilm]; HHSD VII, S. 774f.

[240] Neustadt a. d. Donau [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 513.

[241] Feucht [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 196.

[242] Pommelsbrunn [LK Nürnberger Land].

[243] Kunreuth [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 380f.

[244] Rückersdorf [LK Nürnberger Land].

[245] Eschenau [Gem. Eckental, LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 185f.

[246] Rothenberg, Festung [Gem. Schnaittach, LK Lauf/Pegnitz, Mfr.]; HHSD VII, S. 635f.

[247] minieren: graben, untergraben: Anlegen von Untergrabungsgängen unter dem Mauerfuß einer belagerten Festung. Diese Minengänge zielten entweder auf den Einsturz der Mauer oder auf ein Eindringen in die Festung. Über die Unterhöhlung hinaus konnten sie mit einer Pulverladung versehen und zum Sprengen der Mauer benutzt werden. Da man die Arbeitsgeräusche bald hören konnte, wurden Gegenminen gelegt und zur Explosion gebracht. Teilweise wurden die Minen auch dem Gegner gezeigt, um ihn zum Aufgeben zu bewegen.

[248] Taupadel war mit der Sicherung des Unternehmens gegen Rothenberg beauftragt, wurde jedoch am 16.6. bei Hohenstadt von der Amberger Besatzung angegriffen und besiegt, er verlor mehrere Standarten.

[249] ENGERISSER, Von Kronach, S. 265ff.

[250] Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen.

[251] Amberg, HHSD VII, S. 20ff.

[252] Herrieden [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 288f.

[253] Roth [LK Roth]; HHSD VII, S. 634f.

[254] Straubing; HHSD VII, S. 723ff.

[255] Donaustauf [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 145ff.

[256] Braunau a. Inn; HHSÖ I, S. 24ff.

[257] Abensberg [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 2.

[258] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.

[259] Hohenstadt, heute Ortsteil von Pommelsbrunn [LK Nürnberger Land].

[260] Vgl. LAHRKAMP, Jan von Werth.

[261] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.

[262] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[263] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 149f.

[264] Bruck [LK Erlangen].

[265] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 37.

[266] Eltersdorf, heute Stadtteil von Erlangen.

[267] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 39.

[268] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.

[269] Tabak trinken: Das Rauchen selber hat sich vermutlich aus der Räucherzeremonie der Priester und Medizinmänner entwickelt (vgl. Rauchopfer). Tabaksaft wurde bei Initiationsbräuchen gereicht und medizinische Verwendung fanden etwa Tabakblätter zur Versorgung von Hautverletzungen. Europäer lernten Tabak bereits bei ihren ersten Begegnungen mit den Menschen Amerikas kennen. Als Christoph Columbus am 12. Oktober 1492 auf den Bahamas landete, brachten die Inselbewohner ihm Präsente, darunter auch Tabakblätter. Mit diesem Geschenk konnte er erst etwas anfangen, als zwei seiner Männer auf der Insel Kuba die Eingeborenen sich die Blätter in den Mund stecken, diese anzünden und dann den Rauch „trinken“ sahen. […] Die Verbreitung des Tabaks einerseits und diese Kontrollversuche andererseits führten im 17. Jahrhundert in Europa und auch in einigen asiatischen Ländern zu einer Krise. Etwa war London zu einem führenden Tabakhandelszentrum und das Pfeiferauchen in Großbritannien sehr schnell zur weit verbreiteten Sitte geworden. Tabak war ein teures Gut, um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert den zehnfachen Preis von Pfeffer wert. Jakob I., zu dieser Zeit König von England, veröffentlichte 1603 seine Schrift „Der Rauchgegner oder ein königliches Scherzstück über den Tabak“, eine Streitschrift gegen den Tabak. Der König brachte seine Abscheu dem Tabak und seine Verachtung den „ausschweifenden und liederlichen“ Rauchern gegenüber zum Ausdruck und bezweifelte dessen medizinische Wirkung. In Deutschland wurde die neue Gewohnheit des Rauchens anfänglich mit Verwunderung begutachtet, weitete sich dann aber schnell aus. Die Soldaten des Dreißigjährigen Krieges machten sie in der gesamten Bevölkerung bekannt, bei jung und alt, Mann oder Frau. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in Kursachsen, Bayern, den habsburgischen Erblanden in Österreich und vielen Kleinfürstentümern Verbote des Verkaufs von Tabak. Erlaubt war nur die Abgabe in Apotheken, wenn der Tabak als Medizin verkauft wurde. [wikipedia: Geschichte des Tabakkonsums]. Allerdings glaubte man damit auch Verstopfung und Parasitenbefall bekämpfen zu können. „Rauchen“ setzte sich erst im Laufe des 17. Jhs. durch, bis dahin sprach man in Analogie zum Trinken von Rauch- oder Tabaktrinken. Der Aichacher Stadtrat erließ am 18. Juni 1655, ein „Tabackh Verbott“ für die Gasthäuser der Stadt. In Rathausprotokoll von 1655 ist zu lesen: „Den Wirthen vnnd Preuen (Brauer) wirde bei 2000 Stain straff auftragen, kheinen Tabackh in Iren Heüsern zetrinkhen.“ (Den Begriff Rauchen gab es damals nicht, man nannte es „Tabak trinken“.) „1656 durfte Tabak nur mehr in Apotheken zur Bekämpfung von Krankheiten verkauft werden. Begründet wurde das Tabakverbot mit der Brandgefahr in den Häusern. Auch der extreme Gestank wurde angeführt. Trotz Geldbußen und kurzfristigen Gefängnisstrafen wurde das Verbot des Handels und Konsums von Tabak von den Bürgern und Bauern konsequent missachtet. Mit dieser Tatsache musste sich auch der bayerische Kurfürst abfinden“. augsburger-allgemeine.de/aichach/Stadtrat-verbietet-schon-1655-Tabak-zu-trinken-id8066841.html.

[270] Falkonett: leichtes Feldgeschütz, das von einem Pferd gezogen werden konnte. Das Falkonett verschoss 3-pfündige Eisengeschosse bei einem Kaliber von 7, 2 cm.

[271] Dafür bekam man in Schweinfurt schon einen halben Eimer guten Frankenwein.

[272] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.

[273] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[274] Seukendorf [LK Fürth].

[275] Cadolzburg [LK Fürth]; HHSD VII, S. 122f.

[276] Illesheim [Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim].

[277] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.

[278] Uffenheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 758.

[279] ENGERISSER, Von Kronach, S. 294ff.

[280] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 39. >  ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23: Schletz an Melchior v. Hatzfeldt, August 1634.

[281] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 98, Anm. 136.

[282] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 39.

[283] Eltmann [LK Hassfurt], HHSD VII, S. 172ff.

[284] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 17.

[285] Bei ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23, fälschlich Pforzheim.

[286] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23.

[287] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 39.

[288] Vach, heute Stadtteil von Fürth.

[289] Großreuth hinter der Veste, heute Stadtteil von Nürnberg.

[290] Kleinreuth hinter der Veste, heute Stadtteil von Nürnberg.

[291] Buch, heute Stadtteil von Nürnberg.

[292] Almoshof, heute Stadtteil von Nürnberg.

[293] Lohe, heute Stadtteil von Nürnberg.

[294] Kraftshof [Stadt Nürnberg]; HHSD VII, S. 371f.

[295] Flexdorf, Dorf zu Fürth gehörig.

[296] Atzenhof, Dorf zu Fürth gehörig.

[297] Ritzmannshof, Dorf zu Fürth gehörig.

[298] Großgründlach [LK Fürth]; HHSD VII, S. 250f.

[299] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 40.

[300] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 40.

[301] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 41.

[302] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 99, Anm. 141.

[303] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[304] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[305] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[306] Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f. [mdsz.thulb.uni-jena.de].

[307] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.

[308] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[309] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[310] Stolberg [Kreis Harz]; HHSD XI, S. 453ff.

[311] Hohnstein [Kr. Sebnitz]; HHSD VIII, S. 151f.

[312] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[313] Henneberg [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 193ff.

[314] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.

[315] Ober- und Untermaßfeld [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 319ff.

[316] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[317] Themar [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.

[318] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[319] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[320] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 231ff.

[321] Uffenheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 758.

[322] Schwäbisch Gmünd [Ostalbkr.]; HHSD VI, S. 720ff.

[323] ENGERISSER, Von Kronach, S. 312.

[324] Vgl. die Erwähnungen bei ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[325] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[326] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 235f.

[327] WAGNER, Pforr, S. 127.

[328] WEINITZ, Des Don Diego de Aedo y Gallart Schilderung, S. 49, 52.

[329] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 499, 507.

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Kratz [Kracz, Kraz, Cratz] Graf zu Scharfenstein, Adam Dietrich der Jüngere

Kratz [Kracz, Kraz, Cratz] Graf zu Scharfenstein, Adam Dietrich der Jüngere; Obrist [-18.4.1631 Glogau ?]

[in Neuarbeitung !]

Adam Dietrich Cratz von Scharffenstein, ein Sohn des Anton Kratz zu Scharfenstein [um 1560 Scharfenstein im Rheingau-24.6.1619 Engers am Rhein], war ein jüngerer Bruder des Johann Philipp Cratz von Scharffenstein.[1] Im Sommer 1622 tauchte er mit seinem Bruder an der Saar auf.[2] Er diente 1626 unter Tilly[3] und war 1627 im Fränkischen Kreis[4] einquartiert. Er diente erst als ligistischer, dann als kaiserlicher Obrist.[5] Ende 1630/31 war er Kommandant in Landsberg/Warthe,[6] das er gegen die Schweden[7] verteidigen konnte. Am 15.4.1631 wurde er bei Landsberg verwundet und erlag seinen Verletzungen am 18.4.1631 in Glogau.[8] „Etliche Tag hernach / sind Ihre Majest. auff Landsberg marchiret. Inmittelst haben sie noch einen ansehnlichen Vorraht / an Munition vnd Proviant / zu Crossen[9] an den Käyserl. erhalten / auch etliche Käyserl. Troupen in der Reppischen Heyden[10] geschlagen.

Als der König selbsten / mit etlichen Regimentern[11] / vor die Landsbergische Aussenwerck vnd Schantze[12] gekommen / hat er sich bald vergraben / vnd durch vngewöhnliche / von den Sternbergischen[13] Bawren gewiesene Pässe / durch Moraß mit Stücken[14] denselben so nahe kommen / daß es ihnen die Käys. nimmer eingebildet hetten. Darauff auch der Junge Obriste Cratz / mit etlich hundert der Seinigen / neben vielen hohen Officirern / einen Außfall auß der großen Kühe Schantze gethan / ist aber so empfangen worden / daß er geschossen vnd todt blieben“.[15]

[1] Johann Philipp Cratz Graf zu Scharfenstein [um 1590-6.7.1635 hingerichtet], kaiserlicher Feldmarschall.

[2] MEYER-FRANCK, Lauter kleine Leute, S. 32.

[3] Johann ‚t Serclaes Graf v. Tilly {Feb. 1559 Schloss Tilly, Gemeinde Villers-la-Ville/Herzogtum Brabant; 30.4.1632 Ingolstadt], ligistischer Feldmarschall. Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[4] Fränkischer Reichskreis: Der seit 1500 existierende Fränkische Reichskreis wurde von Bamberg und Kulmbach/Ansbach geführt und hatte folgende Mitglieder: Ansbach, Hochstift Bamberg, Bayreuth, Castell, Deutscher Orden, Eichstätt, Erbach, Henneberg, Hessen-Kassel, Hohenlohe, Kulmbach, Limpurg-Gaildorf, Nürnberg, Rieneck, Rothenburg, Schönborn, Schweinfurt, Seinsheim, Wertheim, Weißenburg, Windsheim und Hochstift Würzburg.

[5] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[6] Landsberg/Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen; HHSD X, S. 446ff.

[7] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen/ den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Betellbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“.

[8] Am 3.5. verwundet, am 6.5. verstorben ! KÖLLNER, Geschichte, S. 258, Anm. 72.

[9] Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie, LK Krośnieński; heute Polen].

[10] Reppische Heide [Puszcza Rzepińska] => Reppen [Rzepin, LK Słubice; heute Polen].

[11] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[12] Schanze: geschlossenes, auf dem Feld angelegtes Erdwerk, zur Belagerung und zur Verteidigung. Schanzgräber waren für die Anlage von Belagerungs- und Verteidigungswerken zuständige Arbeiter (Schanzbauern), die im Tross des Heeres mitzogen und dem Schanzmeister unterstanden. Sie waren weitgehend verachtete Menschen, die in der sozialen Hierarchie der Heere nur wenig über den Prostituierten standen und schlecht bezahlt wurden. Auch verurteilte Straftäter wurden zu Schanzarbeiten herangezogen. Diese „Condemnatio ad opera publica“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Bürger und Geistliche der besetzten Städte sowie Klosteruntertanen, die zu diesen Arbeiten verpflichtet bzw. dafür ausgelost wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig und entzogen sich ihr durch die Flucht. Um seine eigenen Truppen zu schonen, zwang Johann von Götz bei der Belagerung der Feste Marienberg (Würzburg) eine große Anzahl von Bauern der Umgebung, Schanzarbeiten zu verrichten, ‚vnd die Stücke, die Er mit Pferden nicht dahin bringen konnte, hinauffzuziehen: Worüber dan viele todt geblieben, vnd daher die Bauren aller orten sich häuffig absentiret vnd verlauffen‘ (CHEMNITZ, Königlich Schwedichen […] II, S. 581). Auch eingeflüchtete Bauern wurden zu diesen schweren Arbeiten gezwungen. Im schwedischen Heer wurden dazu bevorzugt die ohnehin sozial deklassierten Finnen eingesetzt (vgl. auch TOEPPEN, Hoppes Chronik, S. 77). Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen. Im 17. Jahrhundert wurden zunehmend auch Soldaten durch die Aufnahme der Schanzpflicht in die Artikelbriefe für Schanzarbeiten herangezogen; ein Versuch der Fürsten, ein bisher ungenutztes Reservoir an billigen Arbeitskräften zu erschließen, eine Reaktion auf die neuen militärischen Erfordernisse (Belagerungs- und Grabenkrieg, Ausbreitung der Festungen) und Ausdruck des fürstlichen Willens, die Soldaten körperlich, geistig und sittlich zu disziplinieren (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 138, 255). Bürger und Geistliche der besetzten Städte, die zu diesen Arbeiten verpflichtet wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig, da verurteilte Straftäter, Huren und Trossangehörige etc. zu diesen schweren Schanzarbeiten herangezogen wurden. Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen.

[13] Sternberg [Torzym, LK Sulęcin; heute Polen]; HHSD X, S. 467f.

[14] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt]. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575 ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen :Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[15] GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 107. (Datierung nach dem a. St.).

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Wottka [Wotcka, Wotka] Kasimir Karl

Wottka [Wotcka, Wotka] Kasimir Karl; Hauptmann [ -25.11.1639 Bautzen] Kasimir Karl Wottka [Wotcka, Wotka] [ -25.11.1639 Bautzen] stand 1639 als Hauptmann[1] in kursächsischen Diensten.[2]

Unter dem 8.11.1639 wird in einer zeitgenössischen Flugschrift über die Kämpfe um Bautzen[3] zwischen Schwedischen[4] und Kursächsischen berichtet: „Des Abends um 9. Uhr gieng das Lermen / nemlich Hauptmann Wotcka (Wotka) und Hauptmann Kyscher[5] erstiegen die Mauren bey der Mahl-Pforten / Hauptmann Kirchstein[6] und Siegelfischer[7] fielen die Reichen-Pforte an / hieben die Pallisaten nieder / und erstiegen ingleichen die Mauren“.[8]

Unter dem 25.11.1639 wird weiter festgehalten: „Den 25. hujus, Freytags, ist es fast auf beyden Theilen gantz stille gewesen / ausserhalb aber ist Hauptmann Casimirus Carl Wottka / als er durch ein Fenster sehen wollen / tödtlich von dem Schloß herab geschossen worden / welcher auch hernach mit sonderbaren Solennitäten und Leich-Ceremonien den 27. hujus auf Befehl des Herrn Commendanten[9] zur Erde bestattet worden“.[10]

[1] Hauptmann [schwed. Kapten]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[2] Vgl. SENNEWALD, Das kursächsische Heer; SENNEWALD, Die kursächsischen Feldzeichen; WEBER, Militärgeschichte.

[3] Bautzen [obersorbisch Budyšin; LK Lausitz], HHSD VIII, S. 19ff.; vgl. SCHULZ, Bautzen im Krieg.

[4] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[5] N Kyscher [ – ], kursächsischer Hauptmann.

[6] N Kirschstein [Kirstein] [ -5.9.1643 Dresden], kursächsischer Hauptmann.

[7] N Siegelfischer [ – ], kursächsischer Hauptmann.

[8] ZEIDLER; ZEIDLER, Tabeera Budissinae, S. 88.

[9] Detlev [Dietloff] v. Wedelbusch [1604-24.12.1670], kursächsischer Obristleutnant, Obrist.

[19] ZEIDLER; ZEIDLER, Tabeera Budissinae, S. 97. Vgl. WILKE, Chronik, S. 384.

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Löwe, Hans Georg

Löwe, Hans Georg; Rittmeister [ – ] Hans Georg Löwe war kursächsischer Rittmeister. Der kursächsische Chronist Lehmann erwähnt ihn erstmals 1634: „Den 22. Mai wurde Rit-Meister Hans Georg Lowe[1] mit seiner Compagnia einlogirt, den Presnitzer Pas[1a] zue verwahren“.[2] Weiter schreibt er: „Der keyßerliche General Graf [Rudolf v.; BW] Colloredo ließ noch einen streif ins landt thun uber Presnitz und Frauenstein[3] Durch den Obristen Abraham Schönnickel, von Chemnitz[4] gebürtig, der den 18. October frühe umb 8 Uhr vor Freyberg[5] kommen mit 1 Regiement zue fuß, 1 Regiement Curißirer und 2 Regiementer meist Trajoner, deme ie mehr und mehr Volck auß Böhmen gefolget, Die Stat feindtseelig und güttlich uffgefordert, das Hospital mit Pfarrhause, Rathsscheunen, Gießhause, ezlichen Vorwercken und 44 heußern in der Vorstatt abgebrandt, das darvon die Stadt selber in großer gefahr gestanden. Weil sie sich aber tapfer gewehret und nichts den kraut und loth gewilliget, ist er des tages nachts umb 10 uhr in der eil aufgebrochen und darvon gezogen. Der Churfürst zue Sachsen schickte den 26. October der Statt 1 Compagnie Reuter untter den Rit-Meister Hans Georg Löwen und 4 Compagnien Trajoner unter dem Obristen Unger zum Succurs zue; von den Trajonern ist also balt eine starcke parthie auf Recognition außgeritten, die zue Lauterbach[6] bey Marienberg[7] 40 Pferde von keyßerlichen angedroffen, chargirt und den rest gefangen genommen. Der Rit-Meister darvon ist zue Fuß, ohne Pferd und stifel kümmerlich nach Marienberg kommen“.[8]

[1] Anm. Lehmann: „Vom 24. August biß den 17. September hat Marienberg Ritmeister Lowen zum Annenberg gegeben alle wochen 60 thl“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 78.

[1a] Pressnitzer Pass: Der Pressnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Pressnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Pressnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [WIKIPEDIA]

[2] LEHMANN, Kriegschronik, S. 73. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[3] Frauenstein [LK Mittelsachsen].

[4] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[5] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[6] Lauterbach, heute Ortsteil v. Marienberg [Erzgebirgskreis].

[7] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[8] LEHMANN, Kriegschronik, S. 78.

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Maccherelli [Nacharelli] , Augustino [„Augustin“]

Maccherelli [Nacharelli], Augustino [„Augustin“]; Rittmeister [ – ] Rittmeister Macchiarelli [Nacharelli][1] führte 1647/48 eine sogenannte berittene Freikompanie in der kaiserlichen Armee.

Nach Holzappels Planungen, der die kaiserlichen Truppen auf ihrem letzten Feldzug 1647/48 in diesem Krieg kommandierte, sollte eine dritte Kräftegruppe Ostböhmen am Sudetengebirge gegen Arvid Wittenberg sichern, der den Kleinkrieg der Schweden in Schlesien führte. Dieses Korps aus drei berittenen Freikompanien unter Hannemann, Unger und „Augustin“ und den Kroatenregimentern Pálffy und Marcovich war in den Städten Jungbunzlau[2] und Königgrätz[3] und ihrem Umland stationiert.

[1] Vgl. die Erwähnungen bei HÖFER, Ende. „Nacharelli“ nach WREDE, Geschichte der Wehrmacht 3. Bd., 2. Teil, S. 881.

[2] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[3] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.

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Unger [Ungar, Ungern, Hungar], Friedrich, genannt „Masslechner“ [Maaslöhner]

Unger [Ungar, Ungern, Hungar], Friedrich, genannt „Masslechner“ [Maaslöhner]; Obrist [ -nach 1650] Unger, genannt „Masslechner“,[1] war erst kursächsischer, dann kaiserlicher Obristwachtmeister und Obrist sowie Kommandeur einer Freikompanie zu Pferd.[2]

In der „Kriegschronik“ des Erzgebirgschronisten und sächsischen Pfarrers Lehmann wird er unter 1633/34 erwähnt: „Den 16. December that der Obrist Unger mit 60 Pferdten einen streif durch die Pöle[3] auf die Platta,[4] Plünderte die Andreas Siegelin in der Pöle, nahmen ihren Sohn gefangen, 6 Pferde und uber 1000 fl. wehrt weg, ritten ferner und Plünderten David Zobeln, Böhmischen Hammerherrn auf Ziegenschacht,[5] und dergleichen streiffungen gingen gar ofte für, sonderlich do 4 Compagnien von Taubischen [Taube; BW] Regiement in gebirg ligen blieben“.[6] Manchmal scheiterten diese Streifzüge jedoch: „Den 24. April [1634; BW] wolte Obrist Unger einen streiff uff Die platte thun, kommen uber Breittenbrunn[7] des Nachts in einen Morrast, drinnen Sie halten mußen, frühe kehren Sie wieder umb und frühestücken in Breittenbrunn“.[8]

Im Oktober 1634 wurde Unger von Johann Georg I. von Sachsen zum Entsatz von Freiberg[9] abkommandiert: Der Churfürst zue Sachsen schickte den 26. October der Statt 1 Compagnie Reuter untter den Rit-Meister Hans Georg Löwen [Löwe; BW] und 4 Compagnien Trajoner unter dem Obristen Unger zum Succurs zue; von den Trajonern ist also balt eine starcke parthie auf Recognition außgeritten, die zue Lauterbach[10] bey Marienberg[11] 40 Pferde von keyßerlichen angedroffen, chargirt und den rest gefangen genommen. Der Rit-Meister darvon ist zue Fuß, ohne Pferd und stifel kümmerlich nach Marienberg kommen“.[12]

„So streifte auch die Besatzung in Chemnitz[13] weit und breit und fingen 40 wägen auf mit proviant, die vor die Churfürstliche Soldatesca solte. Damit Sie nun nicht weiter umb sich griffen, wurde auf Churfürstlich Durchlauchten befehl 4 Regiementer von seiner Armee als das Dhenische [13a], Schleinizische,[14] hanauische [Augustin v. Hanau; BW] und Traubitzsche [Traudisch; BW] zuesambt 4 Compagnien Trajonern untter den Obristen Unger, die in Freyberg gelegen und den 5. November ihre Pagage nachhohleten, in Die Stadt Tschzopa[15] geleget, die solten den feindt entgegen gehen und verwehren helffen, daß er mit feuer und raub nicht so großen schaden thete, welche, ob Sie wohl gegen Marien- und Annenberg[16] starck herauf parthieeten und auf die feinde stießen, wie den 3. November geschehen, do eine Chur-Sächsische parthey von 30 Pferden ezliche Crabaten umb Annenberg geplündert und abgefangen“.[17]

Die Kaiserlichen holten unvermittelt zum Gegenschlag aus: „Worauf die keyßerlichen lange gelauert hatten, das wagten Sie endlich und gelunge ihnen. Den 21. November brachen die Regiementer auf und vor den Walt bey Marienberg auf, 4 derselben gingen in der stille und eill Marienberg vorbey und 4 Regiementer uber den großen teich zue Rückerswalde[18] auf die Stadt Zschopa zue, uberfielen mit ofnen Spiel und keßel-Drummeln des abendts zwischen 4 und 5 in der Stadt die 4 regiementer, daß Sie außreißen, viel pferde und alle pagagi musten in stiche laßen. Das Hanauische Regiement alleine kam zue fechten und des Obristen Ungers Tragoner hielten Sich eine Weile, musten doch zueletzt der gewalt weichen und durchgehen, das er den 23. November mit 100 Pferden zue Ronneburg[19] gelegen, die andern Regiementer Des nachts uff Freyberg sporenstreichs außgerißen und ihre Sicherheit mit schaden beklagen müßen. Der feindt plünderte erstlich alles, ließ aufladen und anspannen, zündeten drauf an Schloß erst an und dann die Stad, daß ettliche 100 heußer mit kirche, geistlichen und Raths-heußern in und vor der Stadt sindt abgebrandt; viel bürger und leute vom landtvolck, so sich hinein retterirt hatten, sindt gefangen mit weggeführet, weib und kinder in kellern zue 5, 10, 15, 20 ersticket, viel verbrandt, niedergehauen, zue tod geschendet und ezliche 100 Menschen vermißet worden. Denn die Nacht gings bundt uber, und was der feindt an raub und Pagagi nicht darvon bringen können, das alles ist in brandt verdorben. Sehr viel Soltaten und ihr gesindel mitsambt den Inwohnern hat die darvon geholfen und der Walt und berge erhalten, daß Sie den feindt sind entgangen. Gewiß ist, daß die Chur-Sächsischen über 500 Pagagi-Pferde verloren ohne die Reuter und was von ihren gesindte in brandt umbkommen und mit fortgeschleppet worden“.[20]

Ende Dezember 1634 [Januar 1635; BW] war Unger wieder in Freiberg einquartiert: „Den 30. December Anno 1634 wahren in Freyberg einquartirt worden der Obrist Unger mit 5 Compagnien Tragoner, die 27 wochen liegen blieben und wöchentlich an gelt gekostet 239 thl. 15 gr., Summa 6468 thl., welche 2 Julii in dem jahr abgezogen. Diese ritten starck herauf ins gebirg gegen die Böhmische gräntze, quartirten Sich ein nach belieben, wohin sie kahmen, nahmen die keyßerlichen Guarden weg, die die Gemeine darnach teuer bezahlen musten, und mausten Pferde und viehe auf den schlag der Feinde. Den 2. Januar kam er mit 500 Mann in Marienberg umb 2 Uhr nach Mittage untter der betstunde, do sie auß furcht vor den feindt die thore hatten zuegemacht, hieben die thore auf und begehrten die 2 keyßerlichen Salvaguarden; der eine wahr zue seinen glück in die Reizenhaner[21] schantze gritten ezlicher von Crabaten geraubter Pferde wegen, der andere salvirte sich in Gasthof zum Dachfenster hienauß hinder die Feuer-Mauer, und er muste doch herunder. Den ließ der Obriste wieder viel vorbitten der Bürger strax todt schießen, und die Statt muste hernach denselben mit 75 thl. bezahlen und 20 thl. wöchentlich contribution auf die Schantze darzuegeben. Seine Trajoner quartirten Sich uberdiß ein, Plunderten ziemlich und nahmen beym abzug alle Pferde auß der Stadt mit, die Sie noch vorn feindt behalten hatten, daß die bürger ihren schaden uff diß einzige mahl auf 1700 thl. schezten“.[22]

Ende Juli 1636 wurde Calbe[23] von Truppen Ungers besetzt, die aber Ende August bereits wieder abzogen, als sich die Pest ausbreitete.[24]

Das „Theatrum Europaeum“ hält zu 1636 fest: „Zwischen den Schwedischen und ChurSächsischen gab es immer was newes / Stöß und Gegenstöß, Brandenburg[25] ward von den Schwedischen innen behalten / welches den Kayserischen sehr hinderlich / derowegen Herr General Klitzing es hart tentirt / aber anderst nichts dann harte Stöß darfür bekommen / und viel Officirer darfür sitzen lassen.

In dem nun bemelter General Klitzing vor Brandenburg sich vergeblich / und nicht ohne Schaden aufhält / ziehen die Schwedischen und Chur-Sächsischen cum adjunctis auffeinander. Und zwar die Bannierischen / welche zwischen Dannenberg[26] und Damitz[27] sich eine zeitlang auffgehalten / demnach sie gewisse Nachricht bekommen / daß sich ihr Gegenparth zusammen gethan / und bey Perleberg[28] ein Läger geschlagẽ / haben sich von Damitz hinweg und nach Parchun[29] gewendet / allda der Gen. Leutenant [Johann; BW] Vitzthumb [von Eckstätt; BW] mit 2000. zu Fuß / so er guten theils von Herrn Gen. [Herman; BW] Wrangeln empfangen / sampt 24. Compagnyen Schwedischen Reutern / zu ihnen gestossen / mit welchem Corpo sie  den 13. 23. auff Lübitz[30] zugangen. Mittwochs den 14. 24. Sept. traffen sie auf dem Paß Wolffshagen[31] den Kayerischen Obr. Hungarn [Unger, BW] mit 5. Regimentern an / da es zu einem ernstlichen Treffen kam / allda berührter Obr. Hungar 400. Mann sitzen ließ[32] / und er gar nahe selbst  in deß Feindes Hände kommen wäre. Darauff gab es unterschiedliche Scharmützel / und präsentirten sich die Schweden mehrmalen / aber gantz ohne Effect. Derowegen sie mit der gantzen Armee gleich in Battaglien auffbrachen / und fortzogen auf Wittenberg“.[33]

Im Februar 1637 waren Ungers Dragoner wieder in Freiberg; er selbst wurde anscheinend erst im März aus schwedischer Gefangenschaft entlassen: „Den 10. Februar kahmen des von Schweden gefangenen Obristen Ungers ruinirte Trajoner, zu welchen ihr Obrist 14. Martii wieder kommen, die sind 22 wochen gelegen, haben sie wohl außmundirt, mit vielen gefangenen und Hans Wolf Pregers neuen Compagnien ihre Squadron wohlgestercket und endlich den 12. Julii vor Erfurt[34] gezogen“.[35]

Im Mai 1638 war er bei der Belagerung von Erfurt eingesetzt.[36]

Im März 1639 gelang es Unger, Banérs Angriff auf Freiberg zu vereiteln: „Den 20. Martii gingen Sie insgesambt an feindt, der kaiserliche General Broy [Bruay; BW] in Vortropp und schlug eine halbe Meile Weges von Freyberg 4 Schwedische Regiementer in die flucht, druber Er gefangen wurde, weil sein Pferd geschoßen. General Marzin [Morzin; BW] ging denselben tag biß in die Nacht den feindt uff den halß, daß Baner der Stadt auf der einen Seite verließe und wiche. Die keyßerlichen bekahmen von 8 Schwedischen Regiementern die Pagagi, stattliche Carethen, viel Officirer und Soltaten mit 2 stücken, und der Obrist Unger einen kutschen mit 8000 ducaten. Baner that, alß wen ers nicht achtete, do aber die Statt sich sein schießen und Dreuen nicht anfechten ließe, und (er) 3 Obristen verloren haatte, Banern, Magnum und Martini, 2 Obriste Leutenandt, 600 Soltaten, muste er 21. Martii weichen“.[37] […] „Als Baner wieder kam, theten die Obristen Unger, Haubitz und Druschel einen außfall auß Freyberg und bewiesen, daß Sie sich vor ihn nicht fürchteten. In der Stadt hatten Sie gute Churage, 9 stücken und 180 duppelhacken, hielten Sich mänlich, schlugen 2 stürme ab, ließen sich des feindts dreun und 3-mahlige aufforderung nicht schrecken; obgleich uber 1000 Canonenschüsse in die Stadt gangen und darvon die thurme, rondelen, Mauern und Zwinger ziemlich zerschmettert worden, Muste er doch den 21. Martii darfür ungeschaft  und mit schaden abziehen, nach dem er 18 tage darfur gelegen“.[38]

Im April 1639 geriet Unger vor Chemnitz[39] in Gefangenschaft, als Morzin das Treffen gegen Torstensson verlor.[40] Im Sommer 1640 war er bei der Blockade Zwickaus[41] eingesetzt: „Weilen die Schweden aus Erfurt und Zwicka weit und breit in Meißen streiften, das landt brandtschazten und in die Contribution sazten, in verweigerung Derselben viehe und alles nahmen, verordnete der Churfürst zue Saxen, daß die Stat Zwicka mit seinen und den keyßerlichen Volck von ferne blocquirt, die partheien abgefangen, die lebensmittel abgeschnitten und zur völligen belägerung ein anfang gemacht würde, zue welchen ende der Churfürst seine Guarnisonen leuchtete, und samleten Sich den 21. Junii 3 Compagnien Pferde von Churfürstlich andern Leibregiement auß Camentz,[42] 2 Compagnien Pferde des Obristen Ungers auß Dresden,[43] 3 Compagnien Strizische[44] Trajoner auß Freyberg in Chemnitz, von Leipzig[45] kamen 2 Schleunitzsche Compagnien, die ließen Chemnitz geringlich besazet, vertheilten Sich den 23. Junii nach Glauche,[46] Wiesenburg,[47] Wehrtau[48] und Wiltenfelß.[49] Den 10. Julii legten Sich die Stritzkischen Trajoner mit den keyßerlichen Troupfen unter dem Kommando Oliveri Stephans-Sohn in Wiltenfelß, belägerten das Schloß alten-Wiltenfelß und eroberten es 1. August. Die Säxischen sterckten Sich in Glauche und Chemnitz 800 starck, der Obrist Unger commendirte die Chur-Säxischen und keßserlichen Völcker, beschloß die stad wochenlang von ferne, beritten Sie täglich, zwackten ihnen ab contribution, Partheien und alle lebensmittel, welches die Schweden anfänglich nicht groß achteten, sondern außritten und mit gewalt die Contribution einforderten an Eulenberg,[50] Coldiz,[51] Rochlitz,[52] Grimme.[53] Eins raubten Sie auß der herschaft Glauche 1000 stück allerley Pferde, viehe, schafe und brachtens in die Stad, biß Sie ezliche Mahl den kürtzeren zogen. Die keyßerlichen samleten Sich auch an Böhmischen Gränzen und quartirten Sich in Joachimsthal[54] ein, ritten stez ab und zue uber den Pas und recognoscirten nach Zwicke. 100 Pferde legten Sich darvon in Schneberg[55] und paßeten uberall auf die Schwedischen. Darvon hatte dieses gebirg einen stetten auftritt und uberlast. Den die Städte und ampter musten nicht allein 18 wochenlang dohin contribuiren, bier, brod und Victualien schicken, sondern auch mit großen uncosten Salvaguardien halten, die wenig halfen, denn alle ortte denen streiffenden und marchirenden rotten und völckern quartier geben musten, welche mit nahmen, was Sie wegbringen kunden. Den 5. Junii quartirten Sich 200 keyßerliche Pferde in Wiesenthal[56] ein, musten auf Churfürstlichen befehl in Jochimsthal. 8 tage hernach, 14. Junii, gingen 300 Pferde auß Jochimsthal den Rittersgrüner[57] Paß herauß auf Schwartzenberg[58] und auf Zwicke, kahmen nach 3 tagen wieder, hatten uber 120 Pferde außengelassen, durch Elterlein,[59] Wiesenthal nach Joachimsthal in die Quartire. Desgleichen gingen viel Posten bon der keyßerlichen Haupt-Armee und viel geschlagene Volcker in Junio, Julio und Augusto durch dieses gebirg in Böhmen. Den 29. Julii zogen 600 krancke und geschlagene Völcker mit vielen Wägen, Weibern und losen gesindt durch Elterlein die straße auf Wiesenthal. Drinnen Sie ubernachteten, und von Jochimsthal 1000 (pfund) brod und 2 faß bier Commiß bekahmen, die Plünderten untterwegens überall, wiewohl vor ihnen die gebirger in die Städte und auf die Wälder gewichen wahren. Dergleichen Partheien von keyßerlichen zogen durch 22. Junii vom Leopoldischen, 21. Julii von Clemmischen, 9. August von Schnebergischen, 14. August 100 Pferde, die gemeinlich in Wiesenthal des Nachts quartier machten“.[60]

„Fast täglich gab es dadurch und rings um unsere Heimat Scharmützel. So ritt z. B. ‚den 31. Juli 1640 gegen Abend ein Trupp Schwedischer nach Schönfels,[61] die hat etliche Säcke mit Mehl und Pulver, wie denn auch Lunten aufs alte Schloß bracht. Als sie aber kaum vor einer halben Stunden weg und wieder zurückkommen, sind die Kaiserlichen und Churfürstlichen zu geruckt und haben sich desselben zu bemächtigen unterfangen. Weil sich aber die dazu nicht verstehen wollten, haben sie die ganze Nacht durch allen Ernst gebrauchet und ist von beyden theilen scharf geschossen worden. Den 10. August (Vgl. oben Wildenfels ! Sollte hier etwa eine Verwechslung von (Alten-)Wildenfels mit Altschönfels vorliegen ?) haben sie noch mehr Ernst gebrauchet. Weil nun die Besatzung, als welche nur 12 Musketiere und ein Sergant war, sich an der anderen Seiten etliche unversehens dem Thor genähert und dasselbe angezündet, da denn auch der Vieh-Hof und das fordere Gebäude angangen; darauff sind sie eingefallen, haben etliche von der Besatzung erschlagen, etliche gefangen, ihre viere aber haben sich noch eine weile in den Thurm auffgehalten, sind aber endlich doch herausgelangt worden, und hat keiner unter ihnen, wie auch die andern Quartier (Gnade !) begehret, man hat es ihnen aber doch gegeben, und sie weggeführt, und sind sie theils zu drey, theils zu 4 malen von den Pferden gesprungen und haben nicht mit fortgewollt, biß man sie endlich mit Gewalt fortgebracht‘.

Eine schwedische Abteilung hatte zuvor schon, am 16. Juli, das Schloß Planitz[62] niedergebrannt, wobei auch das anstoßende Kirchlein mit in Flammen aufging. Im Juni, am 28., wurden bei Eckersbach[63] und Pölbitz[64] Abteilungen beider Gegner handgemein. Scharmützel werden uns auch von Crimmitschau[65] und Mosel[66] gemeldet. Am 11. Juli rückte von Glauchau her Stritzky mit 600 Dragonern auf Zwickau an. Auf dem heutigen Schießanger stieß er mit den Schweden zusammen. Obwohl er zurückgeworfen wurde, ’schleppte er doch viele Pferde und weidendes Hornvieh mit fort‘. Am 16. Juli überfielen sächsische Truppen die Wache auf dem niederen Anger und führte sie gefangen weg. Dagegen gelang es einer schwedischen Schar, den lockeren Belagerungsgürtel zu durchbrechen und aus der Zeitzer[67] Gegend erbeutete Pferde und Rindvieh nach Zwickau zu bringen. Wir sehen, die Gegner ‚zwackten und zauseten‘ sich fast täglich.

Von Böhmen her rekognoszierten nach Zwickau ebenfalls Kaiserliche (‚100 Pferde legten sich darvon in Schneberg und paßeten überall auf die Schwedischen‘), um die Einschließungsarmee auch von dieser Seite vor Ueberraschungen zu bewahren. Am 13. September nun gingen aus Zwickau Boten nach Erfurt ins Hauptquartier zu Baner ab, die dort um Unterstützung anhielten. Bevor die aber mit irgendwelcher Kunde zurückkamen, hatte sich vor Zwickau manches geändert“.[68]

Lehmann schreibt weiter: „Nach deme nun der Obrist Unger mit seinen 900 Mann und denen keyßerlichen trouppen die Stadt Zwicka 2 Monat von ferne eingehalten und Sie ziemlich geschwecht hatte, sperrte er Sie den 23. September enger ein, die Strizkischen, welche 1 Meil von Zwicka zue Glauche, die 3 Compagnien von leibregiement, die 2 meil darvon zue Waldenburg,[69] die 1000 Pferde, die 1 Meil darvon zu Wiltenfels, welche von denen Zwickischen, welche Penick[70] und Rabenstein[71] geplündert hatten, 50 Pferde abgeschlagen, gelegen, musten alle Neher herbey rucken und 1 läger schlagen. Lag ferner darfür über 6 wochen, und zogen ihme immer mehr volck zue auß Meißen und Böhmen. Im Außgang des August marchirten von der Presnitz[72] her 800 Trajoner und Mußquetirer unter einem Obrist-Leutenant vom Gallassischen regiement uff Zwicka und legten Sich in Marienthal[73] 1 virtel Meil weges von der Statt. Den 12. September kam das Churfürstliche leibregiment zue fuß davor, daß muste hienanschantzen, den 12. October muste das gebirg bergleute und Schanzknechte schicken, dardurch Sie der Stadt alle Mühlen biß auf die Schloßmühle abgenommen, nach welcher Sie auch ernstlich schanzten und die Schwedische besatzung ungeacht vieler außfälle so ängsten, daß Sie umb Succurs geschrieben. Die wildenfelsischen lagen gar nahe bey der lerchenmühle zwischen zwei waßern und ließen nichts weder auß noch ein.

– –  In der Delitzscher[73a] Chronik heißt es: […] „am 1.Oktober rückte, da die Schweden jenseits der Elbe lagerten, das Regiment des kaiserlichen Obersten Ungar ein, welches bis in den Januar [1640; BW] künftigen Jahres liegen blieb“. [73b] LEHMANN, Chronik der Stadt Delitzsch, S. 96. Lehmann datiert nach dem alten Stil. – –

Den 10. November kahmen noch zum Succurs auß Böhmen 6 regimenter Collorodisch [Hieronymus v. Colloredo; BW] volck zue roß und fuß Durch Presniz,[74] funden in gebirg niemandt in heußern, weil abermalß alles Volck mit viehe und mobilien in die Städte und wälder geflohen war, und (es) Stunde darauf, daß Sie nun der Stad wolten mächtig werden, aber der Schwedische succurs verhinderte alles, daß alles wieder in Böhmen außriße. Alß Baner die beträngnuß der Statt Zwicka vernommen, hat er den General-Major Pfulen [Pfuel; BW] mit 5 Commandirten regiementer zue Pferd und 2 Trajonern abgeschickt, dasselbe zue entsezen. Der hatte das Dubaltische [Taupadel; BW] regiement aus Erfurt darzue genommen, flohe gleichsam in November aus den Lüneburgischen in Meißen, den 7. kahm er von Eißleben,[75] Sangerhausen[76] uber die Unstrut auf Naumburg[77] und alda uber die Saale auf Zwickau und vermeinde die Saxischen Regiementer zue uberraschen; weil nun der Obrist Unger die rechnung balt gemacht, daß es auf entsaz der Stad Zwicka angesehen, alß hat er den 10. November zuevor die Pagagi nach Chemnitz weg und theils nach Freyberg fortgeschickt, Sich mit 14 Troppen mit den keyßerlichen ins felt gestellet, weil er aber sich nicht bastant befunden, den 12. November eilendts aufgebrochen, des Nachts in lager alles stehen und liegen laßen und mit seinen Völckern theils uff Chemnitz, welches mit 4 Strizkischen Compagnien besazt blieb, theils in Freyberg, theils in Oschatz[78] und Grimme,[79] endlich gar uber die Elbe in die Quartier gegangen. Die Keyßerlichen Gallas- und Colloredischen rißen auch auß durchs gebirg auf 3 Päßen in Böhmen so verzagt, daß Sie sich auch nicht einest umbgesehen. Den 14. November quartirten des nachts darvon 400 in Wiesenthal, 600 uffn Weipert,[80] 3 regiementer uff der Presnitz, die nahmen den deutschen Fuhrleuten, meist Cranzlern, die von Prag kamen, uff der Presnitzer straßen 18. November 38 schöne Pferd weg pro 1500 thl. Den 17. November legten Sich 50 Pferde davon in Wiesenthal auf die Vorwache zue sehen, was der feindt vor hette, 6 tage lang, brachen den 23. November auf, legten Sich zum andern in Böhmen in die Quartiere, partheiten uber den Pas herauß, und wahr vor ihnen niemand sicher in handel und wandel, ließen den feindt in Meißen rauben, sengen und brennen und nahmen sich des nichts an. General-Major Pful ließ die Statt Zwicka nothdürftig provantiren und das lager verbrennen und mit volck besezen, lage biß den 30. November mit den Obristen Graun und Dörfling in Haupt-Quartier mit 3 regiementern, commandirte die andern nach den Creißen an der Mulda, preste vor die maroden 200 Pferde, die Contribution, so auffgelaufen, und uber die große brandtschatzung bey feuer und schwerd, von Eulenburg[81] 3000, von Merseburg[82] 5000, von Naumburg 10000 thl. Darnach legte er sich mit seinen Volckern nach Born,[83] Rochlitz, Coldiz, Pega[84] und Weißenfels.[85] Den 8. December streiften sie auf allen straßen nach Leipzig, nahmen Pferde und viehe weg, und weil der Obrist Unger auß Oschitz und Grimme auf sie wahr gefallen und was schaden gethan, brach 11. December der General Pful auß dem Haupt-Quartier Born auf, ging auf Oschitz, Dubalt auf Grimme, Gustavus Horn auf Lützen,[86] verjagten aller ortten die Churfürstlichen völcker, daß Sie sich uber die Elbe rettereiren musten“.[87]

„Von der verschanzten Schedewitzer Mühle aus eröffneten ‚die Wildenfelsischen‘ am 25. Sept. die Feindseligkeiten gegen die Stadt: Die Teiche und Dämme wurden besetzt, die Lerchenmühle genommen und befestigt, der Mühlgraben abgeschlagen, daß denen in der Stadt das Betriebswasser fehlte. Vor dem Frauentor im Westen bedrohte die Batterie ‚Trutz Zwickau‘ die Festung. In den Ruinen des ‚Roten Vorwerkes‘ errichteten die Belagerer eine mächtige Schanze: ‚Sieh dich für, Zwickau !‘ Aber auch die Eingeschlossenen waren nicht müßig gewesen, wehrten sich ihrer Haut. Durch Ausfälle suchten sie die Vorbereitungen der Belagerungsarmee zu stören. Beim ersten Ausfall glückte es ihnen, die Schanze mit dem hochtönenden Namen zu zerstören. Sie rasierten die Gegend vor der Mauer, um Schußfeld zu bekommen und dem Gegner Unterschlupf zu nehmen, brannten Häuser nieder, rissen Bäume um. Am 22. Oktober glückte es ihnen bei einem Ausfall gar, die Proviantamtzufuhr der Belagerer und die von ihnen im Schönburgischen erpreßte Kontribution abzufangen. Seit dem 12. Oktober schoben sie überflüssige Esser, Bauern, mittellose Einwohner usw. aus der Stadt ab. Gegen 300 Menschen trieben die Schweden so aus der Feste.

Die Belagerungsarmee aber verstärkte sich für den Hauptangriff immer mehr und mehr. […] Ueber die Saale zogen diese Regimenter [unter Pfuel; BW] auf Zwickau und vermeinten die Belagerungsarmee zu überraschen. Obrist Unger aber, der Kommandierende vor Zwickau, hatte schon damit gerechnet, daß die Schweden Hilfstruppen nach Zwickau werfen würden. Deshalb hatte er seine Bagage schon am 10. November nach Chemnitz zurückgezogen. Als jetzt am 12. November die schwedischen Hilfstruppen von Crimmitschau her gemeldet wurden, zog er einen Teil seiner Armee von der Festung weg, um sich ihnen entgegen zu stellen. Doch die Schweden jagten den Siegesgewissen zurück und stießen nach. Die Flüchtenden rissen auch die vor Zwickau gebliebenen mit in die Flucht. Im Lager blieb alles liegen und stehen. Die Sachsen flohen nach Chemnitz zu, die Kaiserlichen nach Böhmen. Am 12. Nov. nachts 10 Uhr war die Stadt frei. Generalmajor von Pfuhl verproviantierte nun die Stadt. Das verlassene Lager der vereinten Sachsen und Kaiserlichen kam ihm dabei sehr zustatten. Fehlendes wurde aus der Zwickauer Umgebung erpreßt. Später ließ er das feindliche Lager vor Zwickau niederbrennen, die von den Feinden aufgeführten Schanzwerke niederreißen. Von neuem besetzte er die Festung mit ‚Volk‘ und brach am 30. Nov., nachdem er seine Truppen, die über die ganze Zwickauer Pflege zerstreut lagen, wieder zusammengezogen hatte, nach der Leipziger Ebene auf“.[88]

Unger setzte auch 1641 seinen Kleinkrieg gegen die Schweden fort: „Die keyßerlichen verfolgten die flüchtigen Schweden stez mit 4000 Pferden, ihre Crabaten wahren 19. Martii schon umb Zwicka … Do die Chur-Sächsischen Völcker des Baners flucht vernahmben, samlete der Obrist Unger 17. Martii 2 Compagnien Pferde auß Bischofswerda[89] und Radeberg,[90] die 2 Frei-Compagnien Trajoner von grossenhain[91] und ging also mit seinen und Diesen, insgesambt 6 Compagnien uff Chemnitz, paßete den feindt auf und bekam viel gefangen. Den 18. April legte er sich mit 4 Compagnien in Magdeburg[92] und zwackete ab, was er kundte“.[93]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[94] berichtet in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ über Ungers erneute Gefangennahme am 1.4.1643: „Viel unglückhaffter aber ist es dem Keyserl. Obristen Vngarn ergangen: Derselbe nach dem er etliche Monat zuvor von den Schwedischen gefangen / vnnd auff versicherung Herren General Mortaigni [Mortaigne de Potelles; BW] vnnd Obristen Plettenbergs / gegen einem kräfftigen Revers von deß Schwedischen Feld-Marschallen Excellenz so weit beurlaubt worden / daß er seine vorgewandte Geschäffte in Polen verrichten / vnd innerhalb 14. tagen sich wider einstellen solte; hat selbiger solches alsobald in vergessen gestelt / sich allein nicht widerumb sistirt / sondern also fort zu seiner Partie begeben / vnd den Schwedischen alles vermögens abbruch gethan; deßwegen er auch / nach dem S. Eccellentz mit der Armee in Laußnist[95] gesetzt / den Schwedischen aufgepast / vnnd zu vnterschiedenen malen über hundert bey den Köpffen bekommen. Solches als es mehrbesagter Sein. Ecellent verkundschafftet / haben sie / vmb solchen zusuchen / etliche Esquadronen außgeschicket / so ihme Vngarn fleissig nachgangen / biß ihn letzlich an 22. diß vnd 1. April st. nov. der Schwedischer Obrister Reichwald 1. Meil Weg von Sittaw[96] angetroffen / solchen angegriffen / vnd dermassen übel empfangen / daß etliche todt geblieben / er aber Vngar selbsten / mit in 400. außgerüsteten Pferden / bekommen vnd gefangen worden. Welchen dann deß Herrn Torstens. Excellenz / weil er seinem hinterlassenen verschreiben nicht nachkommen / gleichwol aber wider in würckliche dienst getretten / zu Sittaw dem General Gewaltiger überlieffern / vnd an Hände vnd Füssen schliessen lassen / vngeachtet er häfftig dawider gebetten“.[97]

Wie Ferdinand III. am 25.4.1643 Gallas schrieb, habe er die Nachricht von der Gefangennahme Ungers und seiner Abteilung missliebig aufgenommen. Gallas solle entsprechende Schritte bei Torstensson unternehmen; für die Kriegsgefangenen werde er Geld schicken.[98]

Wassenberg erwähnt ihn wieder im Juli 1644: „Diesem nach ist er [Königsmarck; BW] durch das Lüneburgische Land hinauff gezogen / vnd mit 11. Regimenter in vnd vmb Halberstatt[99] angelangt / hat 1000. Pferde aufff Egeln[100] geschickt / welcher Statt sich auch die Königsmärckischen / ohne verlust eines einigen Mannes / bemächtiget; wodurch der darin gelegene Obrister Vngar mit 300. Reuttern / vnd einem Capitain-Leutenant auß Magdeburg / der über 40. Tragoner commandirt / auff das Schloß flüchten müssen. Wie man sie aber allda mit Stücken starck beschossen / vnd durch Fewer geängstiget / haben sie endlich Rath oder Schluß ergriffen durch die Mawer zu brechen / die Pferde durch zu führen / vnd über den Moras sich davon zu machen.

Als solches die Königsmarckischen vermercket / haben etliche Scharen zu Pferde den Paß abzuschneiden geeilet / welche dann auch viel Gefangene erhalten: der Obrist Vngar vnd Cap. Leut. aber / denen die Wege genugsam bekant / haben sich durchfunden / vnd seynd / nebenst etlichen Reuttern / wider in Magdeburg angelanget : worauff der Wall geschlichtet / vnd was zur Beschirmung gebawt / nidergeworffen worden.[101]

Am 17.6.1645 berichtete Rudolf von Colloredo Matthias Gallas aus Prag über die militärische Lage in Böhmen und dortige Truppenverschiebungen: „Oggi è arrivato qua il colonello Bachonhay [Pachonhay; BW] et m’ha esposto la mente di Sua Altezza Serenissima [Leopold Wilhelm; BW] et d’Vostra Eccelenza. Io certo stava nel medemo pensiero et spero ch’il partito reuscira, aspetto solo li sacci di polvere, quarli martedi saranno qua; resta solo ch’il Wirbna, qual deve condure la partita, venghi per tempo, essendo ora con li regimenti di Silesia già passato Pilsen;[102] nulla dimeno ho spedito subito una stafeta a quella volta per richiamarlo et caso che lui non potesse arrivar‘ in tempo, inviarò ó il tenente collonello del Capone [Kapoun; BW], quel poco fa, è stato con una truppa fin’vicino a Bruna,[103] o il tenente Strassaldo, ch’ora sta a Pardobiz.[104]

Giovedi poteranno da Pardobiz partire queste truppe et andare per coniungerse con li doi capitani del Conte Bocarme [Mérode-Bocarmé; BW], Heneman [Hannemann; BW] et Unger. Li vilani del Conte della Torre [Thurn; BW] a Letovisch[105] daranno ogni assistenza et buon indirizo a questa gente; con agiuto de quali le nostre partite, ch’andarono da quella banda, travagliarono di modo l’inimico , che l’è convenuto di tirare de li la sua gente, et metterla verso Niclaspurg[106] et quelli luogi. In questa cavalcata me ne servirò del regimento del Capone, qual già sta a Pardobiz. Li dragoni d’V. E. sono in marcia, quelli del La Corona, mentre von verrà replicato l’ordine, lascia´`o a Pardobiz, non avendo gente da presidiare quel posto et poterebbe correr risico d’esser perso, mentre l’inimico venissi avanti, confrontando tutti l’avisi che l’intenzione dell’inimico sia a Pardobiz”.[107]

Erwähnt wird Unger auch von Souches anlässlich der 16-wöchigen vergeblichen Belagerung Brünns[108] 1645 durch schwedische Truppen: „Auf dem Spielberg hab ich einen guten Teil darvon, sowohlen mehrere Soldaten geschickt; und weilen der Herr Rittmeister Henneman und Unger daraussen bessere Dienste denn hierinnen tun können, ich ohnedass auch eine zimbliche Anzahl Reiterei bei mir habe, welchen die Fouragie abgehet, lasse dieselben ich wiederumben hinaus, den Herren Grafen aber mit etlichen 30 Reitern von dessen Esquadronen, und 130 nebenst dem Herrn Obristwachtmeistern von Kapaun [Kapoun; BW] bei mir behalten, in Hoffnung, dass unsere Armada mit ehisten hier sein wirdet. Unterdessen versichernde E. Exc., dass wir alle Extremitäten, so ein belägertes Ort ausstehen kann, versuchen, und ich meinesteils eussirsten Fleisses dahin bedacht sein werde. Massen Ihr Hochfürstliche Durchlaucht und E. Exc. beideren Ankungt [Ankunft] alhier meine treueifrichste Actiones gnädigst erfahren werden. Inzwischen verlassen wir uns auf den längst gewünschten schleunigen Secours“.[109]

Nach den Planungen des kaiserlichen Feldmarschalls Holzappel, der die kaiserlichen Truppen auf ihrem letzten Feldzug 1647/48 führte, sollte dabei eine dritte Kräftegruppe Ostböhmen am Sudetengebirge gegen Arvid Wittenberg sichern, der den Kleinkrieg der Schweden in Schlesien führte. Dieses Korps aus drei berittenen Freikompanien unter Hannemann, Unger und Augustin [Macchiarelli] und den Kroatenregimentern Pálffy und Marcovich war in den Städten Jungbunzlau[110] und Königgrätz[111] und ihrem Umland stationiert.

[1] So bei TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 436.

[2] Vgl. die Erwähnungen bei HAPPE; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[3] Pöhla, heute Ortsteil von Schwarzenberg.

[4] Bergstadt Platten [Horní Blatná, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 33.

[5] Ziegenschacht => Stráň (Ziegenschacht), heute Ortsteil von Potůčky (deutsch Breitenbach), Bez. Karlovy Vary.

[6] LEHMANN, Kriegschronik, S. 72. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[7] Breitenbrunn/Erzgeb. [Erzgebirgskreis/Sachsen].

[8] LEHMANN, Kriegschronik, S. 73.

[9] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[10] Lauterbach, heute Ortsteil v. Marienberg [Erzgebirgskreis].

[11] Marienberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 215f.

[12] LEHMANN, Kriegschronik, S. 78f.

[13] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[13a] Moritz Adolf v. Dehn-Rotfelser [Dhen, Dehnaw, Dähn, Dähne, Dühne, Dehm, Dehme, Dyherrn] [um 1580-1639], Sohn des Ernst v. Dehn-Rotfelser [1551-1592]; 1627-1629 (?) in kaiserlichen Kriegsdiensten, kursächsischer Obrist (1633) u. Generalwachtmeister (1635-1637), zuletzt kursächsischer Hauptmann der Ämter Stolpen u. Radeberg. seit 1638 Mitglied Nr. 318 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Geschickte“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 362f.

[14] Joachim v. Schleinitz [Schleuniz, Schweinitz] [der Jüngere] [ -21.7.1644], kursächsischer Obristleutnant, Obrist, Generaloberkriegskommissar.

[15] Zschopau; HHSD VIII, S. 378f.

[16] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[17] LEHMANN, Kriegschronik, S. 80.

[18] Großrückerswalde [Erzgebirgskreis].

[19] Ronneburg [Kr. Schmölln]; HHSD IX, S. 356f.

[20] LEHMANN, Kriegschronik, S. 82f.

[21] Reitzenhain; heute Ortsteil v. Marienberg [Erzgebirgskreis].

[22] LEHMANN, Kriegschronik, S. 88.

[23] Calbe/Saale [Kr. Calbe/Schönebeck]; HHSD XI, S. 65ff.

[24] Kalbe im 30jährigen Kriege.

[25] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[26] Dannenberg [Kr. Lüchow-Dannenberg]; HHSD II, S. 106f.

[27] Dömitz [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 21ff.

[28] Perleberg [Kr. Westprignitz/Perleberg]; HHSD X, S. 308ff.

[29] Parchim; HHSD XII, S. 77f.

[30] Lübz; HHSD XII, S. 60f.

[31] Wolfshagen [Kr. Prenzlau/Straburg]; HHSD X, S. 396.

[32] verlor

[33] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 707.

[34] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[35] LEHMANN, Kriegschronik, S. 91.

[36] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 621.

[37] LEHMANN, Kriegschronik, S. 101.

[38] LEHMANN, Kriegschronik, S. 99f.

[39] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[40] LEHMANN, Kriegschronik, S. 102f.

[41] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[42] Kamenz; HHSD VIII, S. 158ff.

[43] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[44] Florian Stritzky [Strizky, Steitzki, Stritzke, Stritzki, Strutzky, Strytzky] [ – ], kursächsischer Obristleutnant.

[45] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[46] Glauchau; HHSD VIII, S. 116f.

[47] Wiesenburg [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 360.

[48] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[49] Wildenfels [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 360f.

[50] Eilenburg [Kr. Delitzsch/Eilenburg]; HHSD XI, S. 100ff.

[51] Colditz [Kr. Grimma]; HHSD VIII, S. 49ff.

[52] Rochlitz; HHSD VIII, S. 303ff.

[53] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.

[54] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad] HHSBöhm, S. 540ff.

[55] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.

[56] Oberwiesenthal [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 261.

[57] Rittersgrün, heute Ortsteil von Breitenbrunn [Erzgebirgskr.].

[58] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328.

[59] Elterlein [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 89.

[60] LEHMANN, Kriegschronik, S. 125ff.

[61] Schönfels [Kr. Zwickau]; HHHS VIII, S. 326f.

[62] Planitz [Stadtkr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 279.

[63] Eckersbach, heute Stadtteil von Zwickau.

[64] Pölbitz, heute Stadtteil von Zwickau.

[65] Crimmitschau [Kr. Werdau]; HHSD VIII, S. 53ff.

[66] Mosel [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 236.

[67] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[68] SEIDEL, Kriegschronik, Nr. 3.

[69] Waldenburg [Kr. Glauchau]; HHSD VIII, S. 354f.

[70] Penig [Kr. Rochlitz]; HHSD VIII, S. 274.

[71] Rabenstein [Stadtkr. Chemnitz]; HHSD VIII, S. 291f.

[72] Pressnitzer Pass: Der Pressnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Pressnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Pressnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]

[73] Marienthal [Kr. Görlitz]; HHSD VIII, S. 218f.

[73a] Delitzsch [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 73f.

[73 b] LEHMANN, Chronik der Stadt Delitzsch, S. 96. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[74] Pressnitz [Přisečnice; Kr. Chomutov (Komotau)]:  Bergstadt im Erzgebirge, bis 1974 an der Stelle, wo sich heute die große Fläche der Pressnitztalsperre (vodní nádrž Přisečnice) erstreckt. Häuser, Kirchen und Schloss von Přisečnice sowie die benachbarten Dörfer Rusová (Reischdorf) und Dolina (Dörnsdorf) wurden abgerissen und an deren Stelle der Fluss Přísečnice (Pressnitz) gestaut.

[75] Eisleben [Kr. Eisleben]; HHSD XI, S. 103ff.

[76] Sangerhausen [Kr. Sangerhausen]; HHSD XI, S. 409f.

[77] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, 341ff.

[78] Oschatz; HHSD VIII, 265ff.

[79] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.

[80] Weipert [Vejperty, Bez. Komotau]; HHSBöhm, 650.

[81] Eulenberg [Sovinec, Bez. Freudenthal]; HHSBöhm, S. 138f.

[82] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.

[83] Borna; HHSD VIII, S. 34ff.

[84] Pegau [Kr. Bornau]; HHSD VIII, S. 272ff.

[85] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.

[86] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[87] LEHMANN, Kriegschronik, S. 125ff.

[88] SEIDEL, Kriegschronik, Nr. 6.

[89] Bischofswerda; HHSD VIII, S. 31f.

[90] Radeberg [Kr. Dresden]; HHSD VIII, S. 292f.

[91] Großenhain; HHSD VIII, S. 135f.

[92] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[93] LEHMANN, Kriegschronik, S. 133.

[94] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[95] Laußnitz [Kr. Kamenz]; HHSD VIII, S. 178.

[96] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.

[97] WASSENBERG, Florus, S. 515f. bzw. 590.

[98] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf,  Nr. 1467, S. 476.

[99] Halberstadt; HHSD XI, S. 169ff.

[100] Egeln [Kr. Wanzleben/Staßfurt]; HHSD XI, S. 98f.

[101] WASSENBERG, Florus, S. 581f.

[102] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[103] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[104] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.

[105] Lettowitz [Letovice, Bez. Blansko; Mähren]; HHSBöhm, S. 332f.

[106] Nikolsburg [Mikulov]; HHSBöhm, S. 411ff.

[107] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 606.

[108] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[109] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 612.

[110] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[111] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.

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Schardt, N

Schardt, N; Fähnrich [ – ] N Schardt stand 1632 als Fähnrich[1] in schwedischen Diensten.[2]

Christian II. von Anhalt-Bernburg[3] notierte unter dem 3.5.1632 in seinem umfangreichen Tagebuch: „Zween cor<offizirer> ein leütnant vnd cornet<zwey Fendrich, Mige,[4] vndt Schardt> ankommen, djesen abendt, meinen schwestern von wegen der FrawMuhme[5] von Cöhten[6] zuzusprechen. Sie sagen, König in Schweden[7] wehre in lebensgefahr vor Jngolstadtv[8] gewesen, ein canonschuß ihm das pferdt vndterm leibe hin weg genommen, ein ander Markgraf Christof von Baden[9] den halben kopf,[10] dem König an der seitte hinweg genommen“.[11]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik, tschech. praporčík]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie u. Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte; vgl. SENNEWALD, Die kursächsischen Feldzeichen, S. 30ff. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen v. Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) u. die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann u. Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee bekam er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl.; in der kursächsischen Armee dagegen 1619 70 fl.; MÜLLER, Das Söldnerwesen, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. In der schwedischen Armee hatte 1632 Anspruch auf 4 Essen zu je 1/8 Rt., 4 Pfd. Brot, 3 Maß Wein u. den Servis; PLEISS, Die Werber I, S. 295. Nach den Aufwendungen Prags 1632/33 waren es 54 fl.; HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 2. Bd., S. 264. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 25.11.1635, waren es 55 fl.; MÜLLER, Schicksale, S. 70; laut kaiserlicher Verpflegungs- u. Soldordnung (1636) standen ihm monatl. 40 fl. bzw. 38 fl. zu; SCHMID, Quellen, S. 153, 159. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt ein Fähnrich bei der Kavallerie 5 Rt. zehntätige Lehnung, bei der Infanterie 1 Rt. 16 Gr. 7 ⅓ Pf.; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. In der Leipziger Garnison erhielt ein schwedischer Fähnrich bei der Infanterie 1642/43 monatl. 12 Rt. 9 Gr. u. 16 Rt. 12 Gr. für drei Pferde, 1644 noch 6 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 803f. Als Fähnrich einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein verletzter Fähnrich erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 100 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1668, S. 599. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Fähnrich nach der Schlacht bei Jankau (1645) 40 Rt. Ranzion aufzubringen.

[2] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen u. Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Banér bemängelte 1638 Oxenstierna gegenüber landes- u. konfessionsfremde Akteure in seiner Armee; AOSB II/6, S. 570: „Und weil insonderheit der Churfürst der Pfaltz seine trouppen daselbst hat, ohne zweifel spitzfündige Calvinistische gemühter dabey sein, wie den ohne das alle örter daselbst mit überflüssiger auswertiger nation, als Schotten und Engellendern, reformirten officirern, erfüllet, undt derselben mehr als dienstleute vorhanden“. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Einschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. CHEMNITZ, Königlich Schwedischen in Teutschland geführten Kriegs 3. Teil, 3. Buch, 9. Kap., S. 37f. (März 1643): „Bey der Schwedischen Armée wolte gleicher gestalt geld die losung sein, und war Sie zwar an Manschafft starck gnug, aber an mitteln über die masse abkommen. Des fusvolcks waren neun Brigaden, vngefehr fünff [S. 38] tausend Man, guter, alter knechte. Die Reuterey ward über dreyzehnen tausend starck geschätzet, jedoch nicht vielmehr als die helffte darunter montiret befunden: Also, das derer beynahe sechstausend zu fusse giengen, vnd die Compagnien so schwach waren, das offt nicht zwantzig pferde bey der Standarde marchiret, ja viel Cornette in den wägen nachgeführet werden müssen. Die Artoleri war mit pferden so schlecht bespannet, das verschiedene, sonderlich die schwere Stücke öffters im felde, vngeachtet man nur zwo Meilen des tags fortgerücket, die nacht über stehen blieben, und erst folgenden tags mit zuthun etlicher Officirer-Pferde ins Haubtquartier geführet worden. Die Officirer waren so dürfftig, das Sie ihren vnterhabenden Reutern vnd Knechten, auf dero instendiges Bitten, mit keinem heller zu ihrer höchsten notturfft, vorigem wol-hergebrachten Kriegsgebrauch nach, auszuhelffen vermochten: Ja Sie musten selbst, zu kümmerlicher ihrer leibsvnterhaltung, einer beym andern Credit suchen; vnd wolte selbiger nunmehr schier auch nicht mehr erfolgen, sondern allerdings abgehen vnd erleschen“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160. OSCHMANN, Der Nürnberger Exekutionstag, S. 660-567, Diagram S. 565, geht v. 30 % Schweden/Finnen u. 70 % Deutschen aus. Vgl. auch ERICSON, Die schwedische Armee und Marine, S. 301-307; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBITSCH; ÖHMAN, KILÍAN, 1648; KAPPELMEYER, Die Obristen der schwedischen Armee.

[3] Christian II. Fürst v. Anhalt-Bernburg [11.8.1599-21.9.1656 Bernburg]. Seit 1622 Mitglied Nr. 51 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Veränderliche“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 54f. Vgl. das verdienstvolle, in Arbeit befindliche Großprojekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, unter: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Digitale Edition und Kommentierung der Tagebücher des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656). in: Editiones Electronicae Guelferbytanae. Wolfenbüttel 2013.

[4] N Mige [Myhe] [ – ], schwedischer Fähnrich.

[5] Fürstin Sophia v. Anhalt-Köthen, geb. Gräfin Sophia zur Lippe [16.8.1599-19.3.1654], Tochter des Grafen Simon VI. zur Lippe [1554-1613], 1626-1650 Ehe mit Fürst Ludwig v. Anhalt-Köthen [1579-1650].

[6] Köthen [LK Anhalt-Bitterfeld]; HHSD XI, S. 253ff.

[7] Gustav II. Adolf v. Schweden, König [19.12.1594-16.11.1632], regierte 1611-1632. Am 26.12.1611 Mündigkeitserklärung durch die Stände, 1611-1613 Krieg gegen Dänemark, am 1.11.1612 „Königsversprechen“ Gustav Adolfs, Berufung Axel Oxenstiernas zum Reichskanzler, 1614-1617 Krieg gegen Russland, am 27.2.1617 Siegfrieden zu Stolbovo, am 26.8.1617 Verkündung eines Annexionsprogramms vor dem Reichstag zu Örebro durch Gustav Adolf, am 12.10.1617 Krönung im Dom zu Uppsala, 1621-1629 Krieg gegen Polen, am 15.9.1621 Eroberung Rigas, am 18.2.1622 Verkündung neuer Annexionsziele vor den Ständen, am 7.1.1626 Sieg über das polnische Heer bei Wallhof in Kurland, September 1629 Waffenstillstand v. Altmark mit Polen, am 4.7.1630 Landung auf Usedom, am 7.9.1631 Sieg bei Breitenfeld, am 15.4.1632 Sieg bei Rain am Lech (Tod Tillys), am 17.2.1632 Einnahme Münchens. Wallensteins zweites Generalat führte zum Abzug aus München. September 1632 vergeblicher Sturm auf Wallensteins Lager bei Zirndorf/Alte Veste. Gustav Adolf fiel in der Schlacht bei Lützen.

[8] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff. SCHÖNAUER, Ingolstadt.

[9] Christoph v. Baden-Durlach [6.3.1603-30.4.1632 vor Ingolstadt], Sohn des Markgrafen Georg Friedrich v. Baden-Durlach [1573-1638]; bis 1624 Obrist unter Graf Peter Ernst II. v. Mansfeld-Vorderort [1580-1626]. 1625 diplomatische Mission für seinen Vater in Frankreich, 1627 dänischer Obrist; 1632 schwedischer Obrist.

[10] Kriegsverletzungen: Vgl. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet v. den Kämpfen um Villingen (Juli 1633); STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 411f.: „Es befand sich unter den (feindlichen) Reitern ein durch Tapferkeit ausgezeichneter Franzose, der den andern voran den Unsern den größten Schaden zugefügt hatte, er hatte nämlich an die fünfzehn vor den Augen der von der Mauer aus zuschauenden Bürger niedergemacht; als dieser unbesonnen wütend bis zum Tore vorstürmte, traf ihn Konrad Digasser aus Rottweil durch einen Kopfhieb mit dem Schwert derart, dass die Mauer außen mit Blut bespritzt wurde; von andern werden ihm weitere Wunden beigebracht, bis er vom Pferde sinkt und um sein Leben bittet; doch bringt dem am Boden Liegenden einer einen Stich in die Eingeweide mit der Lanze bei, die der tödlich Verwundete mit beiden Händen mit aller Gewalt faßte und gegenstemmend festhielt und beförderte ihn ins Jenseits“. Zu der Schlacht bei Wittstock 1636 u. den Verletzungen eines 21-24-jährigen Schotten vgl. die vorzügliche Edition v. EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 159f.: „In der Wittstocker Schlacht erlitt er mehrere schwere Verwundungen, wobei der zeitliche Ablauf ihrer Entstehung jedoch nicht sicher geklärt werden kann. Wahrscheinlich geschah Folgendes: Ein Schuss aus einer Reiterpistole traf den Mann von der rechten Seite her. Die Bleikugel blieb im oberen Bereich des rechten Oberarmknochens stecken. Im Röntgenbild sind die Bleipartikel des Geschosses deutlich zu erkennen. Die Wucht des Aufpralls führte neben den Weichteilverletzungen zu zahlreichen Berstungsbrüchen im Knochen und sprengte mehrere Fragmente ab. Obwohl stark verletzt, wurde der Soldat anschließend in einen Nahkampf verwickelt. Vermutlich der schwere Hieb mit einer Hellebarde durchdrang den Knochen an der rechten Schläfe mit großer Kraft, was zu einem langen Berstungsbruch entlang der rechten Schädelseite führte. Die offene Schädel-Hirnverletzung dürfte sofort zur Bewusstlosigkeit geführt haben, nicht zwangsläufig jedoch unmittelbar zum Tod. Der Verletzte fiel aufgrund der schweren Kopfwunde augenblick zu Boden. Offensichtlich lag er auf dem Rücken, als ihn dann ein Dolchstich in die Kehle traf. Der Dolch durchdrang den Hals von vorne, durchtrennte die Luft- und Speiseröhre und sprengte am zweiten Halswirbel den zentral gelegenen Wirbelfortsatz ab. Diese Verletzung war mit Sicherheit tödlich. Möglicherweise lässt sich der Dolchstich in die Kehle als Gnadenstoß für den tödlich verwundeten Soldaten interpretieren. Zum Schluss traf den am Boden liegenden Verstorbenen ein weiterer massiver Schlag oder tritt von vorn auf den Unterkiefer. Daraufhin zerbarst der Knochen in drei Teile. Wie viel Zeit zwischen den einzelnen Angriffen lag, bleibt jedoch im Dunkeln der Geschichte verborgen“. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) erstellte der städtische Bader v. Orlamünde für sieben zwangszweise einquartierte Verletzte folgenden Bericht; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg (2018), S. 109: „Der Offizier Franz Reichardt, Schuss am linken Schenkel, Kugel steckt noch darinnen, daneben ein zweiter Schuss. Christoph Schulze von Eilenburg, Schuss durch die rechte Achsel, eine Spanne lang auf die Brust. Daniel Wallner, ein Österreicher, durch den linken Arm und die linke Seite eine starke Handbreite durch und durch geschossen. Jakob Wortenberger, Schuss im rechten Schenkel. Christoph Engelschall, ein Österreicher, Schuss im lincken Schenkel durch die ganze Wade durch. Matthias Dietrich, ein Maröker (?),Schuss durch die linke Wade durch und durch. Andreas Burge, ein Braunschweiger, Schuss in die rechte Kniescheibe, Kugel steckt darin, Andreas Peter, Schwede, Schuss durch das rechte Armgelenke. Georg Kirchner ist krank und hat ein Fieber, damit der Bader nichts zutun“. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) gab es für einen verletzten Obristleutnant 500 fl. Belohnung; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., S. 598. Bei der Vielfalt u. Schwere der Verletzungen ist es erstaunlich, wieviel Soldaten die Behandlung durch Feldscherer u. Feldärzte überlebt haben. In der Leichenpredigt für Johann Schaff v. Habelsee heißt es; PERTZSCH, Heroicum Heroum fideliter & constanter militantium Stipendium: „Insonderheit Anno Sechzehenhundert und vierzig bey Greiffenstein in Slesien / als der Stalhannß mit Fünfhundert Musquetirern und dem Rechten Flügel gegen Ihn kame / Er sich mit den bey sich habenden Troppen / seiner gewöhnlichen Großmüthigkeit nach / deß Stalhannsen Schwager / nemlich den Obristen-Leutenant / so obbesagte Musquetirer commandirte / angegriffen / selbigen alsbald todtgeschossen / und ohnangesehen Er zween Schuß darüber / einen durch zwo Rippen / den andern am lincken Ohr ein- und zum Mund hinaus bekommen / gleichwohl nicht abgelassen / sondern noch einen Cornet, welcher Seiner im Schuß fehlete / erlegt / und selbige rencontra Ritterlich ausgefochten; Nicht anderst auch wieder bald darauf Anno Sechzehenhundert Ein und viertzig für Wolffenbüttel / da zwey Pferde unter Ihm mit Stücken darnieder und Er selbst gefährlich geschossen worden / Sich so Rühmlich gehalten / daß Er zur Obrist-Wachtmeisters Charge gezogen; dieses Officium Er Anno Sechzehenhundert fünf und viertzig / bey Einnehmung Teschen / und Sechzehenhundert sechs und vierzig / in der Blocquada für Frankenstein in Slesien (in welchen beeden Ocasionen Er auch hart an seinem Leib verletzt / also betretten / daß sein Obrister freywillig Ihme die Obrist-Leutenant-Stelle conferirt. Vornehmlich aber hat Er bey dem Treffen zwischen Plan und Trübel / in Führung der Avanguardi, seine bekandte Treüe / dapfern Valor und Heroischen Heldenmuht / mit ungesparter Darsetzung seines Leibes / Lebens und Bluts / Ritterlich / durch zertrennung dreyer Regimenter zu Pferd / als deß Lieffländischen / Wittenbergischen und Durlachischen / auch Eroberung zweyer Standarten / sehen lassen: Wie nicht weniger kurtz darnach Anno Sechzehenhundert acht und viertzig / bey den Dingelfingischen Einfall in der Frantzosen und Schwedischen Läger / in welchem Ihme ein Stück von der Zungen und etliche Zähne aus dem Munde geschossen worden) und sonsten die gantze Zeit durch / seiner wehrender Kriegs / dienste / an allen Plätzen und Oertern / sein Devoir jedesmahl / wieder Unsere und deß Reichs Feinde / mit empfangenen Achtzehn Tödtlichen Stich- und Schüßen durch sein Haubt / Halß / Bauch / arm und Bein (gestalten Er Uns noch jüngst zu Pilsen / die Halbe in seinem lincken Arm zu stücken geschossen / und ausgenommene Röhre Selbst gezeigt) so dapffer und und unverzagt contestirt / daß solches zu seinem Immerwährenden Lob und Ruhm / auch allen Ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der Nachfolge / billich vorgesetzt werden kann“. Vgl. die Kritik Christians des Jüngeren v. Anhalt-Bernburg (1620) an der schlechten Behandlung durch Balbiere; KRAUSE, Briefe, S. XI: „ ‚Nichts verdroß mich mehr‘, äußert er sich, ‚als da der Graf Buquoy einen jungen Balbirer, der mich verband, fragte, wo ich geschädigt wäre, antworte: In den Rücken wäre ich von einer Musketenkugel durchschossen worden, da man doch darnach befunden, daß der Schuß, so durch die Brust gegangen, vom Pistol gewesen, der andere aber nicht durchgangen. Und ich mag mich rührmen, daß in dieser Schlacht ich den Feind ins Gesicht gehabt, auch da ich beide Wunden empfangen, ihm nicht den Rücken zugekehrt, welches wenige werden sagen können. Dieser unwissende Balbirer aber, weil er den Eingang der Pistolkugel vorm unterm rechten Arm nicht sah, und ich vor großen Schmerzen in der Achsel mich auch nicht recht alsbald besann, stieß mir das Instrument vorn in die Brust, da die Pistolkugel ausgegangen, hinein, und zur Schulter, da die Musketenkugel hineingegangen, wieder heraus. Ich meinte, es müßte als sein, und litte es geduldig, dessen mir die Wallonischen werden Zeugniß geben, sahe also das frische neue Blut herauslaufen, daß ich auch endlich den Balbirer zur Rede setzte, und glaube, er habe mich durch das Stören, sonderlich auf diese Weise, mehr verderbt, als die Wunden an sich selbst. – Es sind wol ein fünf Balbirer dieselbe Nacht über mich gewesen und taugte keiner nichts: Napolitaner, Teutsche, Franzosen, Wallonen‘ “. MAHR, Monro, S. 187: „Auch ein junger Mann, Hector Monro Catvals Sohn, hatte, ohne Befehl zu haben, eine Muskete genommen und war mitgezogen. Er bekam einen Schuß ins Gehirn und lebte noch 14 Tage. Die Verletzung war eigenartig, denn auf der Seite, wo ihn die Kugel getroffen hatte, war das Schädeldach noch ganz (II, 150). Aber er litt furchtbare Schmerzen durch den Eingriff des Feldschers, der, um zu sehen, ob der Schädel verletzt sei, ihm die andere Seite geöffnet hatte, sie aber zertrümmert fand. Man konnte sein Gehirn sehen, doch seine Wunde erwies sich als unheilbar“. Vgl. auch „Die medizinische Versorgung“, in: EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 119ff. Blinde schwedische Soldaten erhielten zu ihrem Unterhalt in der Leipziger Garnison 1644 monatl. 12 Rt., ab 1645 16 Rt., Lahme 8 Rt. monatl.; ZIRR, Die Schweden, S. 374. Ein Soldat, dem der Kiehnbacken weggeschossen worden war, 6 Rt.; ZIRR, Die Schweden, S. 374, Anm. 645. In Schweden verbrachte man Kriegskrüppel ohne Versorgung zusammen mit Leprakranken auf einsame Ostseeinseln wie Gloskär [Åland-Archipel; Finnland]; PLEISS, Der Zug, S. 17, obwohl in den Kapitulationen festgehalten war; MANKELL, Arkiv 3. Bd., S. 265ff.: […] „oder sonsten gelähmt und untüchtig gemacht würde, sie nach jedes condition und Verhalt mit Ranzion oder Auswechselung auslösen und einen solchen Beschädigten, so er in Unsern Landen zu bleiben gemeinet wäre, mit notdürft. Unterhalt die Zeit seines Lebens versorgen, oder da er weiter ziehen wollte, mit einem Pass und ehrlichem Zehrpfennig gnädigst verehren lassen“. Der bekannteste aller Kriegsversehrten soll Josias v. Rantzau [18.10.1609 Bothkamp-14.9.1650 Paris], dänischer, später französischer Generalleutnant, gewesen sein. Er soll 60 Wunden davongetragen haben, ein Auge (bei der Belagerung v. Dole), ein Ohr u. vor Arras einen Arm u. ein Bein verloren haben. Vgl. auch FRIEDRICH; SCHRÖDER, Das Massengrab von Lützen, S. 399-404. => Invalidität.

[11] http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Bl. 15r.

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Mige [Myhre], N

Mige [Myhe], N; Fähnrich [ – ] N Mige [Myhe] [ – ] stand 1632 als Fähnrich[1] in schwedischen Diensten.[2]

Christian II. von Anhalt-Bernburg[3] notierte unter dem 3.5.1632 in seinem umfangreichen Tagebuch: „Zween cor<offizirer> ein leütnant vnd cornet<zwey Fendrich, Mige, vndt Schardt>[4] ankommen, djesen abendt, meinen schwestern von wegen der FrawMuhme[5] von Cöhten[6] zuzusprechen. Sie sagen, König in Schweden[7] wehre in lebensgefahr vor Jngolstadt[8] gewesen, ein canonschuß ihm das pferdt vndterm leibe hin weg genommen, ein ander Markgraf Christof von Baden[9] den halben kopf,[10] dem König an der seitte hinweg genommen“.[11]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Fähnrich [schwed. fänrik, dän. fændrik, tschech. praporčík]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie u. Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte; vgl. SENNEWALD, Die kursächsischen Feldzeichen, S. 30ff. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen v. Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) u. die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann u. Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee bekam er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl.; in der kursächsischen Armee dagegen 1619 70 fl.; MÜLLER, Das Söldnerwesen, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 48 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. In der schwedischen Armee hatte 1632 Anspruch auf 4 Essen zu je 1/8 Rt., 4 Pfd. Brot, 3 Maß Wein u. den Servis; PLEISS, Die Werber I, S. 295. Nach den Aufwendungen Prags 1632/33 waren es 54 fl.; HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 2. Bd., S. 264. Nach Gallas‘ Verpflegungsordnung, Zabern, 25.11.1635, waren es 55 fl.; MÜLLER, Schicksale, S. 70; laut kaiserlicher Verpflegungs- u. Soldordnung (1636) standen ihm monatl. 40 fl. bzw. 38 fl. zu; SCHMID, Quellen, S. 153, 159. Nach Banérs Verpflegungsordnung vom 4.10.1634 erhielt ein Fähnrich bei der Kavallerie 5 Rt. zehntätige Lehnung, bei der Infanterie 1 Rt. 16 Gr. 7 ⅓ Pf.; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg, Östlicher Teil, S. 129f. In der Leipziger Garnison erhielt ein schwedischer Fähnrich bei der Infanterie 1642/43 monatl. 12 Rt. 9 Gr. u. 16 Rt. 12 Gr. für drei Pferde, 1644 noch 6 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 803f. Als Fähnrich einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 17 Rt. 60 Alb. 2 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Ein verletzter Fähnrich erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 100 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1668, S. 599. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Fähnrich nach der Schlacht bei Jankau (1645) 40 Rt. Ranzion aufzubringen.
[2] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen u. Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Banér bemängelte 1638 Oxenstierna gegenüber landes- u. konfessionsfremde Akteure in seiner Armee; AOSB II/6, S. 570: „Und weil insonderheit der Churfürst der Pfaltz seine trouppen daselbst hat, ohne zweifel spitzfündige Calvinistische gemühter dabey sein, wie den ohne das alle örter daselbst mit überflüssiger auswertiger nation, als Schotten und Engellendern, reformirten officirern, erfüllet, undt derselben mehr als dienstleute vorhanden“. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Einschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. CHEMNITZ, Königlich Schwedischen in Teutschland geführten Kriegs 3. Teil, 3. Buch, 9. Kap., S. 37f. (März 1643): „Bey der Schwedischen Armée wolte gleicher gestalt geld die losung sein, und war Sie zwar an Manschafft starck gnug, aber an mitteln über die masse abkommen. Des fusvolcks waren neun Brigaden, vngefehr fünff [S. 38] tausend Man, guter, alter knechte. Die Reuterey ward über dreyzehnen tausend starck geschätzet, jedoch nicht vielmehr als die helffte darunter montiret befunden: Also, das derer beynahe sechstausend zu fusse giengen, vnd die Compagnien so schwach waren, das offt nicht zwantzig pferde bey der Standarde marchiret, ja viel Cornette in den wägen nachgeführet werden müssen. Die Artoleri war mit pferden so schlecht bespannet, das verschiedene, sonderlich die schwere Stücke öffters im felde, vngeachtet man nur zwo Meilen des tags fortgerücket, die nacht über stehen blieben, und erst folgenden tags mit zuthun etlicher Officirer-Pferde ins Haubtquartier geführet worden. Die Officirer waren so dürfftig, das Sie ihren vnterhabenden Reutern vnd Knechten, auf dero instendiges Bitten, mit keinem heller zu ihrer höchsten notturfft, vorigem wol-hergebrachten Kriegsgebrauch nach, auszuhelffen vermochten: Ja Sie musten selbst, zu kümmerlicher ihrer leibsvnterhaltung, einer beym andern Credit suchen; vnd wolte selbiger nunmehr schier auch nicht mehr erfolgen, sondern allerdings abgehen vnd erleschen“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160. OSCHMANN, Der Nürnberger Exekutionstag, S. 660-567, Diagram S. 565, geht v. 30 % Schweden/Finnen u. 70 % Deutschen aus. Vgl. auch ERICSON, Die schwedische Armee und Marine, S. 301-307; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBITSCH; ÖHMAN, KILÍAN, 1648; KAPPELMEYER, Die Obristen der schwedischen Armee.
[3] Christian II. Fürst v. Anhalt-Bernburg [11.8.1599-21.9.1656 Bernburg]. Seit 1622 Mitglied Nr. 51 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Veränderliche“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 54f. Vgl. das verdienstvolle, in Arbeit befindliche Großprojekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, unter: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Digitale Edition und Kommentierung der Tagebücher des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656). in: Editiones Electronicae Guelferbytanae. Wolfenbüttel 2013.
[4] N Schardt [ – ], schwedischer Fähnrich.
[5] Fürstin Sophia v. Anhalt-Köthen, geb. Gräfin Sophia zur Lippe [16.8.1599-19.3.1654], Tochter des Grafen Simon VI. zur Lippe [1554-1613], 1626-1650 Ehe mit Fürst Ludwig v. Anhalt-Köthen [1579-1650].
[6] Köthen [LK Anhalt-Bitterfeld]; HHSD XI, S. 253ff.
[7] Gustav II. Adolf v. Schweden, König [19.12.1594-16.11.1632], regierte 1611-1632. Am 26.12.1611 Mündigkeitserklärung durch die Stände, 1611-1613 Krieg gegen Dänemark, am 1.11.1612 „Königsversprechen“ Gustav Adolfs, Berufung Axel Oxenstiernas zum Reichskanzler, 1614-1617 Krieg gegen Russland, am 27.2.1617 Siegfrieden zu Stolbovo, am 26.8.1617 Verkündung eines Annexionsprogramms vor dem Reichstag zu Örebro durch Gustav Adolf, am 12.10.1617 Krönung im Dom zu Uppsala, 1621-1629 Krieg gegen Polen, am 15.9.1621 Eroberung Rigas, am 18.2.1622 Verkündung neuer Annexionsziele vor den Ständen, am 7.1.1626 Sieg über das polnische Heer bei Wallhof in Kurland, September 1629 Waffenstillstand v. Altmark mit Polen, am 4.7.1630 Landung auf Usedom, am 7.9.1631 Sieg bei Breitenfeld, am 15.4.1632 Sieg bei Rain am Lech (Tod Tillys), am 17.2.1632 Einnahme Münchens. Wallensteins zweites Generalat führte zum Abzug aus München. September 1632 vergeblicher Sturm auf Wallensteins Lager bei Zirndorf/Alte Veste. Gustav Adolf fiel in der Schlacht bei Lützen.
[8] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff. SCHÖNAUER, Ingolstadt.
[9] Christoph v. Baden-Durlach [6.3.1603-30.4.1632 vor Ingolstadt], Sohn des Markgrafen Georg Friedrich v. Baden-Durlach [1573-1638]; bis 1624 Obrist unter Graf Peter Ernst II. v. Mansfeld-Vorderort [1580-1626]. 1625 diplomatische Mission für seinen Vater in Frankreich, 1627 dänischer Obrist; 1632 schwedischer Obrist.
[10] Kriegsverletzungen: Vgl. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet v. den Kämpfen um Villingen (Juli 1633); STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 411f.: „Es befand sich unter den (feindlichen) Reitern ein durch Tapferkeit ausgezeichneter Franzose, der den andern voran den Unsern den größten Schaden zugefügt hatte, er hatte nämlich an die fünfzehn vor den Augen der von der Mauer aus zuschauenden Bürger niedergemacht; als dieser unbesonnen wütend bis zum Tore vorstürmte, traf ihn Konrad Digasser aus Rottweil durch einen Kopfhieb mit dem Schwert derart, dass die Mauer außen mit Blut bespritzt wurde; von andern werden ihm weitere Wunden beigebracht, bis er vom Pferde sinkt und um sein Leben bittet; doch bringt dem am Boden Liegenden einer einen Stich in die Eingeweide mit der Lanze bei, die der tödlich Verwundete mit beiden Händen mit aller Gewalt faßte und gegenstemmend festhielt und beförderte ihn ins Jenseits“. Zu der Schlacht bei Wittstock 1636 u. den Verletzungen eines 21-24-jährigen Schotten vgl. die vorzügliche Edition v. EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 159f.: „In der Wittstocker Schlacht erlitt er mehrere schwere Verwundungen, wobei der zeitliche Ablauf ihrer Entstehung jedoch nicht sicher geklärt werden kann. Wahrscheinlich geschah Folgendes: Ein Schuss aus einer Reiterpistole traf den Mann von der rechten Seite her. Die Bleikugel blieb im oberen Bereich des rechten Oberarmknochens stecken. Im Röntgenbild sind die Bleipartikel des Geschosses deutlich zu erkennen. Die Wucht des Aufpralls führte neben den Weichteilverletzungen zu zahlreichen Berstungsbrüchen im Knochen und sprengte mehrere Fragmente ab. Obwohl stark verletzt, wurde der Soldat anschließend in einen Nahkampf verwickelt. Vermutlich der schwere Hieb mit einer Hellebarde durchdrang den Knochen an der rechten Schläfe mit großer Kraft, was zu einem langen Berstungsbruch entlang der rechten Schädelseite führte. Die offene Schädel-Hirnverletzung dürfte sofort zur Bewusstlosigkeit geführt haben, nicht zwangsläufig jedoch unmittelbar zum Tod. Der Verletzte fiel aufgrund der schweren Kopfwunde augenblick zu Boden. Offensichtlich lag er auf dem Rücken, als ihn dann ein Dolchstich in die Kehle traf. Der Dolch durchdrang den Hals von vorne, durchtrennte die Luft- und Speiseröhre und sprengte am zweiten Halswirbel den zentral gelegenen Wirbelfortsatz ab. Diese Verletzung war mit Sicherheit tödlich. Möglicherweise lässt sich der Dolchstich in die Kehle als Gnadenstoß für den tödlich verwundeten Soldaten interpretieren. Zum Schluss traf den am Boden liegenden Verstorbenen ein weiterer massiver Schlag oder tritt von vorn auf den Unterkiefer. Daraufhin zerbarst der Knochen in drei Teile. Wie viel Zeit zwischen den einzelnen Angriffen lag, bleibt jedoch im Dunkeln der Geschichte verborgen“. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) erstellte der städtische Bader v. Orlamünde für sieben zwangszweise einquartierte Verletzte folgenden Bericht; BLÖTHNER, Der Dreißigjährige Krieg (2018), S. 109: „Der Offizier Franz Reichardt, Schuss am linken Schenkel, Kugel steckt noch darinnen, daneben ein zweiter Schuss. Christoph Schulze von Eilenburg, Schuss durch die rechte Achsel, eine Spanne lang auf die Brust. Daniel Wallner, ein Österreicher, durch den linken Arm und die linke Seite eine starke Handbreite durch und durch geschossen. Jakob Wortenberger, Schuss im rechten Schenkel. Christoph Engelschall, ein Österreicher, Schuss im lincken Schenkel durch die ganze Wade durch. Matthias Dietrich, ein Maröker (?),Schuss durch die linke Wade durch und durch. Andreas Burge, ein Braunschweiger, Schuss in die rechte Kniescheibe, Kugel steckt darin, Andreas Peter, Schwede, Schuss durch das rechte Armgelenke. Georg Kirchner ist krank und hat ein Fieber, damit der Bader nichts zutun“. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) gab es für einen verletzten Obristleutnant 500 fl. Belohnung; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., S. 598. Bei der Vielfalt u. Schwere der Verletzungen ist es erstaunlich, wieviel Soldaten die Behandlung durch Feldscherer u. Feldärzte überlebt haben. In der Leichenpredigt für Johann Schaff v. Habelsee heißt es; PERTZSCH, Heroicum Heroum fideliter & constanter militantium Stipendium: „Insonderheit Anno Sechzehenhundert und vierzig bey Greiffenstein in Slesien / als der Stalhannß mit Fünfhundert Musquetirern und dem Rechten Flügel gegen Ihn kame / Er sich mit den bey sich habenden Troppen / seiner gewöhnlichen Großmüthigkeit nach / deß Stalhannsen Schwager / nemlich den Obristen-Leutenant / so obbesagte Musquetirer commandirte / angegriffen / selbigen alsbald todtgeschossen / und ohnangesehen Er zween Schuß darüber / einen durch zwo Rippen / den andern am lincken Ohr ein- und zum Mund hinaus bekommen / gleichwohl nicht abgelassen / sondern noch einen Cornet, welcher Seiner im Schuß fehlete / erlegt / und selbige rencontra Ritterlich ausgefochten; Nicht anderst auch wieder bald darauf Anno Sechzehenhundert Ein und viertzig für Wolffenbüttel / da zwey Pferde unter Ihm mit Stücken darnieder und Er selbst gefährlich geschossen worden / Sich so Rühmlich gehalten / daß Er zur Obrist-Wachtmeisters Charge gezogen; dieses Officium Er Anno Sechzehenhundert fünf und viertzig / bey Einnehmung Teschen / und Sechzehenhundert sechs und vierzig / in der Blocquada für Frankenstein in Slesien (in welchen beeden Ocasionen Er auch hart an seinem Leib verletzt / also betretten / daß sein Obrister freywillig Ihme die Obrist-Leutenant-Stelle conferirt. Vornehmlich aber hat Er bey dem Treffen zwischen Plan und Trübel / in Führung der Avanguardi, seine bekandte Treüe / dapfern Valor und Heroischen Heldenmuht / mit ungesparter Darsetzung seines Leibes / Lebens und Bluts / Ritterlich / durch zertrennung dreyer Regimenter zu Pferd / als deß Lieffländischen / Wittenbergischen und Durlachischen / auch Eroberung zweyer Standarten / sehen lassen: Wie nicht weniger kurtz darnach Anno Sechzehenhundert acht und viertzig / bey den Dingelfingischen Einfall in der Frantzosen und Schwedischen Läger / in welchem Ihme ein Stück von der Zungen und etliche Zähne aus dem Munde geschossen worden) und sonsten die gantze Zeit durch / seiner wehrender Kriegs / dienste / an allen Plätzen und Oertern / sein Devoir jedesmahl / wieder Unsere und deß Reichs Feinde / mit empfangenen Achtzehn Tödtlichen Stich- und Schüßen durch sein Haubt / Halß / Bauch / arm und Bein (gestalten Er Uns noch jüngst zu Pilsen / die Halbe in seinem lincken Arm zu stücken geschossen / und ausgenommene Röhre Selbst gezeigt) so dapffer und und unverzagt contestirt / daß solches zu seinem Immerwährenden Lob und Ruhm / auch allen Ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der Nachfolge / billich vorgesetzt werden kann“. Vgl. die Kritik Christians des Jüngeren v. Anhalt-Bernburg (1620) an der schlechten Behandlung durch Balbiere; KRAUSE, Briefe, S. XI: „ ‚Nichts verdroß mich mehr‘, äußert er sich, ‚als da der Graf Buquoy einen jungen Balbirer, der mich verband, fragte, wo ich geschädigt wäre, antworte: In den Rücken wäre ich von einer Musketenkugel durchschossen worden, da man doch darnach befunden, daß der Schuß, so durch die Brust gegangen, vom Pistol gewesen, der andere aber nicht durchgangen. Und ich mag mich rührmen, daß in dieser Schlacht ich den Feind ins Gesicht gehabt, auch da ich beide Wunden empfangen, ihm nicht den Rücken zugekehrt, welches wenige werden sagen können. Dieser unwissende Balbirer aber, weil er den Eingang der Pistolkugel vorm unterm rechten Arm nicht sah, und ich vor großen Schmerzen in der Achsel mich auch nicht recht alsbald besann, stieß mir das Instrument vorn in die Brust, da die Pistolkugel ausgegangen, hinein, und zur Schulter, da die Musketenkugel hineingegangen, wieder heraus. Ich meinte, es müßte als sein, und litte es geduldig, dessen mir die Wallonischen werden Zeugniß geben, sahe also das frische neue Blut herauslaufen, daß ich auch endlich den Balbirer zur Rede setzte, und glaube, er habe mich durch das Stören, sonderlich auf diese Weise, mehr verderbt, als die Wunden an sich selbst. – Es sind wol ein fünf Balbirer dieselbe Nacht über mich gewesen und taugte keiner nichts: Napolitaner, Teutsche, Franzosen, Wallonen‘ “. MAHR, Monro, S. 187: „Auch ein junger Mann, Hector Monro Catvals Sohn, hatte, ohne Befehl zu haben, eine Muskete genommen und war mitgezogen. Er bekam einen Schuß ins Gehirn und lebte noch 14 Tage. Die Verletzung war eigenartig, denn auf der Seite, wo ihn die Kugel getroffen hatte, war das Schädeldach noch ganz (II, 150). Aber er litt furchtbare Schmerzen durch den Eingriff des Feldschers, der, um zu sehen, ob der Schädel verletzt sei, ihm die andere Seite geöffnet hatte, sie aber zertrümmert fand. Man konnte sein Gehirn sehen, doch seine Wunde erwies sich als unheilbar“. Vgl. auch „Die medizinische Versorgung“, in: EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 119ff. Blinde schwedische Soldaten erhielten zu ihrem Unterhalt in der Leipziger Garnison 1644 monatl. 12 Rt., ab 1645 16 Rt., Lahme 8 Rt. monatl.; ZIRR, Die Schweden, S. 374. Ein Soldat, dem der Kiehnbacken weggeschossen worden war, 6 Rt.; ZIRR, Die Schweden, S. 374, Anm. 645. In Schweden verbrachte man Kriegskrüppel ohne Versorgung zusammen mit Leprakranken auf einsame Ostseeinseln wie Gloskär [Åland-Archipel; Finnland]; PLEISS, Der Zug, S. 17, obwohl in den Kapitulationen festgehalten war; MANKELL, Arkiv 3. Bd., S. 265ff.: […] „oder sonsten gelähmt und untüchtig gemacht würde, sie nach jedes condition und Verhalt mit Ranzion oder Auswechselung auslösen und einen solchen Beschädigten, so er in Unsern Landen zu bleiben gemeinet wäre, mit notdürft. Unterhalt die Zeit seines Lebens versorgen, oder da er weiter ziehen wollte, mit einem Pass und ehrlichem Zehrpfennig gnädigst verehren lassen“. Der bekannteste aller Kriegsversehrten soll Josias v. Rantzau [18.10.1609 Bothkamp-14.9.1650 Paris], dänischer, später französischer Generalleutnant, gewesen sein. Er soll 60 Wunden davongetragen haben, ein Auge (bei der Belagerung v. Dole), ein Ohr u. vor Arras einen Arm u. ein Bein verloren haben. Vgl. auch FRIEDRICH; SCHRÖDER, Das Massengrab von Lützen, S. 399-404. => Invalidität.
[11] http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Bl. 15r.

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Ulfeldt [Uhlfeldt, Ulefeld, Ulenfeld, Olfeldt, Oldenfeld, Ahlefeld, Wullifield], Frantz [Frands, Franz] Graf von

Ulfeldt [Uhlfeldt, Ulefeld, Ulenfeld, Olfeldt, Oldenfeld, Ahlefeld, Wullifield], Frantz [Frands, Franz] Graf von; Generalwachtmeister [30.10.1601 Hagenskov-14.7.1636 Bad Hersfeld ?] Frantz [Frands, Franz] Graf von Ulfeldt [Uhlfeldt, Ulefeld, Ulenfeld, Olfeldt, Oldenfeld, Ahlefeld, Wullifield] [30.10.1601 Hagenskov-14.7.1636 Bad Hersfeld ?],[1] ein Däne, war der Sohn des dänischen Reichskanzlers Jakob Ulfeldt[2]Ulfeldt_Jacob [Abbildung links] und der ältere Bruder des bekannteren Corfitz Ulfeldt,[3] [Abbildung rechts]Ulfeldt.Corfitz des schlimmsten Verräters der dänischen Geschichte, der zwar mit einer außerehelichen Tochter Christians IV. von Dänemark verheiratet war, was ihn jedoch nicht vor dem Todesurteil wegen Landesverrats schützte und ihn zur Flucht ins Ausland zwang.[4]

1625 hatte Frantz noch als Rittmeister[5] unter dem Befehl Bernhards von Sachsen-Weimar[6] gestanden und 1626 als Obristwachtmeister[7] an der Schlacht bei Lutter am Barenberge[8] teilgenommen. 1628 hatte er als „Voluntier“[9] unter Holk[10] gedient und war nach dem Lübecker Frieden[11] 1629 ins kaiserliche Heer eingetreten.

Frantz stand dann als Obristleutnant,[12] Obrist[13] und ab dem 18.2.1635 als Generalfeldwachtmeister[14] in kaiserlichen Diensten. Der katholische irische Feldkaplan[15] Thomas Carve [um 1590 Mobarnan (County of Tipperary)-1664 Wien/1672 ?] des Regiments[16] Butler,[17] dann Deveroux,[18] berichtet über seine Reise nach Schlesien und seine Bekanntschaft mit den beiden Wanglers und mit Ulfeldt: „Als ich nun etliche Tag lang lang allhie außgeruhet / bin ich mit guttem Geleidt gehen Neuß[19] zum GeneralWachtmeister Ioann Wangler[20] durch Schlesien gelangt / wol empfangen / vnd nach etlichen Tagen zu seinem Sohn[21] verschickt worden. Sein Winterlager[22] hatte er damahln an den Böhemischen Gräntzen / noch an Alter wie sich’s ansehē ließ / jung / aber an Kriegserfahrenheit / vnnd Erkandtnuß allerley Sprachen sehr vortrefflich / eines kleinen Leibs / aber hohen Gemüths. Vnder ihm war der Obriste zu Pferdt genandt / Olfeldt / geborn auß Dennemarck / wo er solches nicht mit zu viel sauffen[23] verderbt hette“.[24]

1631 kommandierte Ulfeldt unter Holks Befehl zehn Kompanien[25] niederdeutscher Reiter bei der Hauptarmee.[26] Angeblich war er, damals noch Obristleutnant unter Holk, nach Gefangenenaussagen[27] im Gefecht bei Burgstall[28] [27.7.1631] gefallen.[29] Erwähnt wird er wieder bei den Vorgängen vor der Schlacht bei Lützen.[30] „Es scheint, als ob Wallenstein[31] am 12. und 13. November mit dem Gedanken gespielt hätte, Gustav Adolf bei Naumburg[32] anzugreifen oder ihn wenigstens zu belagern, aber angesichts des unmittelbar bevorstehenden Winters erschien das mehr als problematisch, zumal das Gelände sich wenig dafür eignete, um etwa ein Lager in der Art des Zirndorfer Lagers[33] zu richten. Wallenstein ließ durch Holck und Pappenheim[34] die Obristen befragen. Diese rieten zu keinen Kampfhandlungen. Die Truppen waren von Märschen erschöpft, und nichts bewegte sie mehr als der Wunsch, endlich die Winterquartiere zu beziehen. Im Schloß von Lützen erteilte Wallenstein am 14. November Befehl, mit der Dislozierung der nahezu 28 000 Mann umfassenden Hauptarmee zu beginnen, denn auf den weiten Ebenen zwischen Leipzig[35] und Weißenfels,[36] auf denen graue Nebel lagen und der Frost sich ausbreitete, konnte sie mit den Frauen und Kindern im Troß[37] nicht bleiben. Pappenheim wurde mit den ihm unterstellten neun Regimentern nach Halle[38] geschickt. Mit der von Weißenfels wieder in östliche Richtung marschierenden Armee zog er bis kurz vor Lützen, um dann nach Norden abzubiegen. Der Dislozierungsbefehl war zuallererst an Holck gerichtet. Ihm oblag es, ihn in eine detaillierte Disposition umzusetzen, in welcher die Winterquartiere für die einzelnen Truppenteile ausgewiesen waren. Zum Sammelpunkt bestimmte Holck das weite Feld östlich von Lützen. Am 15. November, um sieben Uhr morgens, sollten die Truppen marschbereit sein. um neun 9 Uhr sollte der Abmarsch beginnen, der Abzug der Bagagewagen[39] schon etwas früher. Das von Obristleutnant Frantz Ulfeldt kommandierte Kürassierregiment[40] und die Breunersche[41] Infanterie sollten die Artillerie[42] begleiteten. Die Truppen sollten in zwanzig größeren und kleineren Orten des Kurfürstentums Sachsen untergebracht werden, u. a. fünf Regimenter in Altenburg[43] und sechs in Eilenburg,[44] Wallenstein und sein Stab[45] sowie zehn Regimenter in Leipzig. Aber auch Querfurt,[46] Merseburg,[47] Weißenfels und Aschersleben[48] waren in die Unterbringung der Truppen einbezogen. Die Nachhut beim Abmarsch sollten einige Abteilungen Kroaten[49] und Trčkasche[50] Dragoner[51] bilden. Sie sollten hinter dem westlich von Lützen fließenden Flüßchen Rippach zurückbleiben mit dem Auftrag, den Feind zu beobachten und zu verhindern, daß dieser überraschend in die abziehenden Kolonnen stieß. Aus Holcks Arbeitsnotizen ist auch bekannt, daß es bei dem geplanten Abmarsch nicht nur um die Winterquartiere ging. Die Wintermonate sollten auch genutzt werden, um weiteres Terrain zu gewinnen, vor allem aber neue Truppen anzuwerben.[52] Holcks eigener Auftrag war es, bis nach Westfalen vorzustoßen, nach Minden,[53] Osnabrück,[54] Paderborn,[55] Münster,[56] Dortmund[57] und Köln.[58] ‚Alle Werber mit mir nehmen‘, notierte sich Holck“.[59] Durch Gustav II. Adolfs Aufbruch von Naumburg[60] nach Weißenfels wurden diese Pläne Holcks allerdings hinfällig und es kam zur Schlacht, an der auch Ulfeldt mit seinen Kürassieren – angeblich acht Kompanien mit 250 Mann – teilnahm.[61]

Holk selbst galt als ausgesprochen kritisch, was militärische Disziplin anging. Das machte auch vor Vertrauten wie Ulfeldt nicht Halt. „Es waren wohl nicht zuletzt Erfahrungen, die er selbst gemacht hatte, als seine eigenen Truppen von Überraschungsangriffen des Gegners betroffen worden waren, Erfahrungen, die ihn immer wieder bewogen, mit scharfen Worten dem im Heer verbreiteten Mangel an militärischer Wachsamkeit entgegenzutreten. So beklagte er in einem Brief an Hatzfeld[62] während des zweiten Feldzuges nach Sachsen, und unmittelbar nach einer Inspektion bei dessen Regiment, daß er ‚nicht genugsam der Offiziere zu Roß und Fuß Unfleiß berichten‘ könne: Bredow[63] habe nicht nach der Order gefragt und an einer Kanone keine Wache gehabt, Kanonen und Hauptquartier seien überhaupt ohne alle Wacht, Ulfeldt nicht auf seinem Posten gewesen, und Piccolomini[64] hätte ebenfalls niemand auf Wache geschickt. Er – Holck – wolle am nächsten Tage ‚inquirieren‘, an wem die Schuld läge und den verantwortlichen Offizier beim Kopf nehmen. Er sehe lieber den Hals solcher Offiziere in Gefahr, als daß ‚unsere Ehre und Leben dergestalt in Gefahr gestellet werden‘ “.[65] Gemeine Soldaten riskierten immerhin für Versäumnisse bei der Wache ihren Hals.

Am 6.1.1633 hatte sich Holk aus Pressnitz[66] bei Wallenstein beschwert: „Ich habe lassen von mitternacht an die Croaten und Dragoner marscheren auf Anneberg[67] umb Kundschafft und folge ietzo mitt der infanteria und Reuter. Es sein mihr 26 compagnien Reuter außgeblieben, nemblichen die Gonzagische,[68] Montecuculische,[69] Aldobrandinische,[70] Ulfeldische und zum drittemahl ietz die De Fourische,[71] welche auch auff meine order in enderung ihre quartier nicht parert haben, sondern zu Glattow[72] war die Artileria hin geordnet verblieben“.[73] Am 15.1.1633 war Ulfeldt von Wallenstein zum Obristen über 1.500 Kürassiere ernannt worden. Er erhielt aus dem Regiment Bönninghausen,[74] das in der Schlacht von Lützen so versagt hatte, von Wallenstein sechs Kompanien; zudem kommandierte er Holks eigenes Regiment. In der kaiserlichen Kriegsliste von 1633, die nicht immer zuverlässig ist, wird er dagegen als Obrist über 10 Kompanien[75] Arkebusiere[76] geführt.[77]

In Gallas‘[78] Briefwechsel mit Piccolomini hieß es, die Operation in Bayern erfordere die Abkommandierung von 1.000 Reitern. Er habe daher Ulfeldt mit 1.000 Reitern gegen Regensburg[79] gesandt.[80] Am 16.6.1633 hatte Holk jedoch aus Neumark[81] Rudolf Thun[82] informiert, er habe auf den Wunsch von Goltz[83] hin fünf Kompanien Ulfeldts nach Zittau[84] abkommandiert.[85]

Ulfeldt nahm an dem Terrorfeldzug Holks in Sachsen teil. In einer Liste Holks für Wallenstein vom 26.5.1633 aus Neumark sind für Ulfeld 10 Kompanien zu insgesamt 800 Mann angegeben.[86] Drei Kompanien waren auf Zittau, Friedland,[87] Gabel[88] und Greifenstein[89] verteilt, jeweils eine lag in Böhmisch Kamnitz[90] und eine in Leitmeritz,[91] Ulfeld selbst zu Kuttenplan,[92] wo er seinen Unterhalt aus Horeschowitz[93] und Strakonitz[94] beziehen sollte.[95] Am 18.6.1633 erging aus Heidersdorf[96] ein scharfes Schreiben Wallensteins an Goltz: „Wir kommen in erfahrung, was gestaltt auf den Gütern Kamnitz[97] und Benßen[98] allerhandt vnverantwortliche exorbitantien[99] verѷbet, das getraidt in wachs abgehawen vnd abgehüttet, das rindt vnd schaffvieh weggetrieben, die wildtbann[100] ruiniret, die mühlen spoliret,[101] die Häuser niedergerissen vnd verwüstet, die Schützen in Wäldern aufgefangen, die vnterthanen zu feldt vnd aufn strassen geplündert,[102] vnd, obgleich von den beamten daselbst vnterschiedliche klagen gefüret, dennoch keine remedirung[103] vorgenommen werde.

Wie wir unß nun zu Ihm, weiln Ihm der enden daß Commendo vertrawt, vnzweifentlich versehen, daß bessere disciplin gehalten werden vndt dergleichen hochstraffbare excess verhütet bleiben würden vndt die verbrecher auf alle weyse würcklich vnd ernstlich bestraffet wißen wollen, gestalt wier dan solcherwegen dem Rudolfen Grafen von Thuen, wie auß der Beylage zue vernemben, zuschreiben thun: Alß erindern wier Ihn hiermit, nicht allein an seinem Orth darob zu sein, daß dergleichen insolentien[104] vndt Landtverderbereyenn hinfüro eingestelt, besondern auch die yetzige delinquenten mit verdienter vnnachlässiger straffe beleget werden.

Zue welchem ende Er dann den Vhlfeldischen Rittmeister[105] Vlrich Kotzen[106] vnverzüglich in gefängliche Hafft nemben lassen vndt solches dem Veldtmarschalcken Grafen von Holcka, welchem wir, weiln er capo[107] der reütteriustitz ist, würckliche vnd ernste demonstration an ihm zu thun bevohlen, vnverlängt berichten, auch auf alle weyse die Obsicht, damit dergleichen frevel, anders er alle daraus erfolgende Vngelegenheiten zu verantworten, weiters nicht vorgehen vnd die verwürckte straffe gegen obberürte verbrecher ohne einigen respect vnd nachlaß exequiret[108] werden möge, zu haltten wissen wird“.[109] Der Tenor des Schreibens lässt vermuten, dass Kotz hingerichtet wurde, um wieder einmal ein Exempel unter den erwähnten Einheiten zu statuieren.

Vom 6.8.1633 datiert ein Befehl Holks an Ulfeld, Breda[110] sowie die Obristleutnants Tavigny[111] (Regiment Lamboy[112]) und Notario[113] vom Regiment Neu-Piccolomini, am 10.8. in Eger[114] zu erscheinen, um den Kroaten-Obristen Orosi,[115] der sich anscheinend inzwischen freigekauft[116] hatte, zu den am 26.4.1633 gegen Taupadel[117] erlittenen Verlusten zu befragen.[118]

Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611-11.12.1688][119] schreibt in seiner „Kriegschronik“ unter 1633: „Zue der Statt [Zwickau][120] eroberung zogen die Feinde von 3 Päßen ubers gebirg auß Böhmen. General Graf Holcke von Rittersgrüner Paß,[121] der Obrist Ulefeld von Frauensteiner[122] Paß und theils von Eger Paß auf Adorf, Plauen,[123] hof,[124] Elßnitz,[125] Reichenbach,[126] und was an March gelegen, (ward) alles außgeplündert, gebrandtschazet,[127] theils städten die thor verbrandt und so arg gemacht, daß mann sehen mußte, dieser feindt wehre zum brennen, brandtschatzen, rauben und alles durch feindseeligkeit zue versorgen allein außgesendet. Eben den 4. August fiel auß Böhmen den Pas von kloster-Grab[128] her abendts der Obrist Ulefeldt mit 2500 Pferden, drunder 2 Compagnien Crabaten und 2 Compagnien Trajoner sich befunden, in 18 starcken troppen in Frauenstein ein, Plünderten es ganz auß und wiesen mit grausamkeit, wie es andern ortten ergehen solte. Den 5. August kahmen Sie mit gantzer Macht vor Freyberg[129] und forderten es auf mit ungestüm und vielen troheworden, weil aber die Statt hingegen ihn kraut und loth[130] an botte, er auch ohne Fußvolck und stücken[131] der Stat nichts anhaben kundte, brach er auf abents umb 4 und ging durch Ödern[132] uff Chemnitz;[133] das trozte er 2 tage lang, daß Sichs ihme den 6. August mit Accord[134] ergabe, und alß Ers gebrandschazet und mit Crabaten untter den Obristen Daniel Beigott[135] besezt hatte, ginge er mit den ubrigen trouppen hienunder ins landt und auf den raub, Beygott setzte alles in Contribution[136] die ampter Wolcken-[137] und Lauterstein,[138] Augustusburg,[139] die Städte Annen-,[140] Marienberg,[141] Tschopa[142] etc. Das wolte er auch von Freyberg erpochen,[143] und weil Sie ihn nicht zu willen wahren, Paste er den 18. August ihren Fuhrleuten auf, schlug ihre Convoi auf der Dresdenischen straße, nahme ihnen 30 Pferde und 8 bürger gefangen mit nach Chemnitz, die sich alle jeder mit 100 thl. ranzioniren muste“.[144]

Am 12.8.1633 hatte Holk Wallenstein aus Pilsen[145] informiert: „Den Obristen Vlefeldt hab Ich mit 24 compagnien Reuter vndt Tragoner vnd das Pegottische Regiment Croaten, vmb den feindt zu diuertiren[146] vnd den alarme grösser zu machen, vff Dreßen[147] vnd Freybergk geschickhet, auch den feindt, welcher doch bis dato in Meissen nit vber 5 schlechte Regimenter zusammen hat, auffzuhalten, damit er in die Stätte keine besatzung oder succurs hienein schickhen könne vnd mich also lenger auffhalten. Jedoch kahn gemelter Herr Obrister allezeit durch das Landt oder auch neben den behaimischen Crainitzen sicher zu mir kommen“.[148]

„Am 4. August 1633 war der Befehl Wallensteins an den Feldmarschall ergangen, ‚allda dem Feind eine diversion zu machen‘, damit der ‚Kurfürst zu Sachsen desto ehender den Frieden zu suchen verursacht werden wird‘ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.; Hallwich, ADB 12, S. 743, nennt den 11. August als Datum des Einmarschbefehls). Einer der Hauptgründe war freilich, daß die Verpflegungssituation der in Böhmen um Eger, Pilsen und Brüx[149] liegenden kaiserlichen Regimenter unhaltbar geworden war, und man sich von einem Zug nach Sachsen Verbesserung erhoffte. Tatsächlich stand auch der Plan, die Expedition nach Leipzig auszudehnen und dort reiche Beute zu machen, von Anfang an fest. Holk beeilte sich deshalb, die an der Grenze Böhmens stehenden Regimenter zusammenzuziehen, um auf Wallensteins Befehl hin ‚unversehener Weise etwas zu tentiren, Chemnitz, Freiberg und Zwicka berennen zu lassen, dass wir zu leben können haben und, ehe Volk dahin einkommt, sie zu überraschen‘ (ebd.).

Der Angriff auf Sachsen begann am Sonntag, dem 14.8., in drei Hauptstoßrichtungen mit drei getrennten Truppenabteilungen, welche sich am 15. und 16.8. in Zwickau vereinigen sollten, um dann über Altenburg weiter nach Leipzig zu ziehen. Während das Korps unter dem Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld über Hof und Plauen Zwickau erreichen sollte, hatte der östliche Heeresteil unter dem Obersten Franz von Ulfeld die Aufgabe, auf Freiberg, die Gebiete vor Dresden und Chemnitz vorzudringen, während das Hauptheer unter Holk von Joachimsthal (Jáchymov),[150] wo ‚Rendezvous‘ gehalten worden war, auf direktem Wege über Schwarzenberg,[151] Aue[152] und Schneeberg[153] Zwickau erreichen sollte. Hatzfeld, welcher die leichte Reiterei und die Kroaten befehligte, war in Eger aufgebrochen und zog zunächst über Hof nach Adorf:[154] ‚[…] zu Hof, Wunsiedel[155] und andern Orten haben sie alle Thor zerhauen, dann keine Stadt mehr versperrt sein soll‘. Am 15. August rückte Hatzfelds Korps von Adorf gegen Oelsnitz vor, welches am 16.8. kapitulierte, woraufhin das dortige Schloß in Brand gesteckt wurde, schließlich nach Plauen, welches am gleichen Tag besetzt, die Stadt geplündert und die Tore ausgebrannt wurden. Weiter ging die Spur der Verwüstung nach Mylau[156] und Reichenbach und schließlich über Reichenbach nach Werdau.[157] Werdau, ‚wo sie die Rathspersonen und sonderlich Bürgermeister Sausen mit Radeln[158] heftig marterten, wurde gänzlich ausgeplündert, Stollberg[159] von einem Reiterhaufen erst gebrandschatzt, dann doch in Brand gesteckt. Mehrere Rathsherren, die kurz zuvor das Geld beigeschafft hatten, wurden mit Stroh verbrannt‘. (Droysen/Holck etc.). In Zwickau, welches, von der Pest[160] entvölkert,[161] widerstandslos eingenommen wurde, war die Vorhut bereits am 16.8. eingetroffen, während die letzten Kompanien erst am 17.8. Plauen verließen.

Der Oberst Franz Graf von Ulfeld war am 14.8. mit 24 Kompanien Reitern, den Dragonern und einem Kroatenregiment aus dem Gebiet von Dux (Duchcov)[162] und Brüx (Most) in Böhmen aufgebrochen. Bereits am 15.8. zeigten sich einige seiner Reitertruppen vor Freiberg, allen voran die Kroaten unter dem Obersten Daniel Beygott, ‚eine fast längliche Person mit einem rotgülbligten Barte, so doch gut Deutsch geredt‘. Freiberg weigerte sich aber, seine Tore zu öffnen, weshalb Ulfeld, der sich nicht zu lange verweilen wollte, seinen Weg weiter nach Chemnitz nahm, welches am 16.8. aufgefordert und eingenommen wurde.[163]

– – „Denn nachdem die Sächß. Miliz,[164] im Februario 1633. wegen der Pest Chemnitz verlassen müssen / der General Holcke hingegen abermahlen in Meissen[165] eingebrochen; So überfele den 6. Augusti der Obriste Uhlefeld die von Volck[166] und anderen Nothwendigkeiten gäntzlich entblößte Stadt / gestunde ihr zwar einen Accord[167] zu, hielte aber denselben im geringsten nicht, sondern liesse sie reine ausplündern, und bey seinem Abzug, da er 2. Raths-Personen / Cornelium Hörnig, und Matthes Heinrichen, nebst dem Stadtschreiber, Matthes Ströern, gefangen mit nach Zwickau genommen, den Crabaten-Obristen Beygott hier, welcher sich mit seinen Leuten meist unter Zelten, bey der Cappel, aufhielte, iedoch die Stadt zu beänstigen von forne anfieng, den 11. August. 1000. Thlr. Qvartier-Geld erpresste, und es hernach titulo possessionis[168] wöchentlich prætendirte.[169] Den 15. Aug. musten die gefangenen Raths-Personen mit 600 Rthlr. ranzionirt werden. Den 20. Aug. zog Beygott ebenfalls, der Pest wegen, darvon, nahme aber wieder 2. Raths-Glieder, Zacharias Neefen, Stadt-Richtern, und George Engelmañen, gefangen mit. Sein Obrist-Lieut. Nabock[170] erpresste noch beim Abmarsch zu Mitternacht 100 Thlr. Den 22. Aug. kam ietztgedachter Nabock zurücke, und forderte noch 100 Thlr. Damahls war Michael Richter (nachhero Bürgermeister,) der eintzige, der den Rath vorstellete, die anderen waren entweder kranck oder gefangen. […] Den 21. Sept. wurden vor die gefangenen Raths-Personen 2405. Rthlr. Ranzion an die Kaiserlichen geschickt, und den 18. ejusd. ferner 400 Rthlr“.[171] – –

Altenburg wurde am Abend des 17.8. (Mittwoch) von einem 3000 Pferde starken Reiterkorps, bestehend aus den Regimentern Hatzfeld, Neu-Piccolomini, Bredau und Orossy unter dem Hatzfeldischen Obersten Hans Rudolf von Bredau überfallen, welcher mit seinen Regimentern von Plauen über Reichenbach[172] und Crimmitschau[173] gleich weiter in Richtung Altenburg vorgedrungen war: ‚[…] da ging alsobalden die schreckliche Plünderung an allenthalben. In welchen Häusern niemand vorhanden, denen haben sie zehn Mal so arg mitgefahren; wo Bier in Keller gewesen, ist dasselbe weggelassen[174] worden; der Hausrath zerstümmelt auf die Gassen geworfen und zertreten […]. Wohl in die hundert Leichen sind anitzo zu begraben, weil gestern und vorgestern niemand hat begraben werden können. Vorgestern ist auch dem Lazaristen[175] das Pferd, so die leichen hinaus geschafft, auch gestohlen und dessen Wärter entlaufen. Jetzo hat man mit grosser Mühe ein anderes geschafft‘. (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.). Nach der Aussage des Theatrum Europaeum[176] (Bd. III, S. 109), welches den Einfall in Altenburg drastisch, jedoch in üblicher Manier etwas propagandistisch übersteigert schildert, waren die kaiserlichen Truppen ‚gantz plötzlich und unversehens mit vier Tausend Pferdten allda ankommen / alles geplündert / die Weibs-Personen zu todt geschändet[177] / und die Mannspersonen zu todt geschraufft[178] / geprügelt / und auff allerley Marter und Weis getödtet.[179] Kirchen / Schulen / Pfarrhäuser wurden geplündert […], die Todten wurden aus den Särcken geworffen / die Weiber ranzioniert und geschändet / Tafeln und Flügel aus der Kirchen[180] genommen / der Syndicus erschlagen / die Apothecken in grund verderbet [usw.]‘.

Leipzig erreichte man bereits in der Frühe des 18. August. Nachdem am 21.8. der Feldmarschall Holk und Feldzeugmeister[181] Rudolf Colloredo[182] mit der Artillerie eingetroffen waren, wurde die Stadt von Mitternacht an 12 Stunden lang heftig beschossen, so daß am 22.8. ein Akkord abgeschlossen und die Stadt übergeben wurde. Leipzig mußte 70.000 Reichstaler Ranzion erlegen und eine große Menge an Handelswaren, welche die Kaufleute in der Stadt zurücklassen mußten, fiel in die Hände der kaiserlichen Truppen. Lediglich die Pleissenburg,[183] auf welcher der kursächsische Oberstleutnant Christoph von Trandorf[184] befehligte, konnte sich den Eindringlingen widersetzen. (Chemnitz II, S. 121; Krebs/Hatzfeld, S. 271 nennt August Adolf von Trandorf). Am 16.8.1633 hatte sich Johann Georg I.[185] aus Dresden an Bernhard von Weimar[186] mit der Bitte um „eilenden Succurs“ gewandt: „Ob wir nun wohl bißhero in der gutten Hoffnung gestanden, es würde durch eine Diuersion in Böhmen (derenthalben wir bey Euer Liebden vnterschiedtliche Erinnerung gethan) der General Holcke vnsere Lande feindtlich wieder anzufallen verhindert worden sein, so werden wir doch izo berichtet, das er mit seiner ganzen macht auf dieselben in vollem Ahnzuge, gestaldt dan gestriges tages deßen Vortrab von der Reuterey, worbey sich der Obriste Vlefeldt befunden, albereit für vnsere Stadt Freybergk ankommen vndt dieselbe auffordern lassen; alß man sich aber der öffnung geweigert, haben sie sich nacher Öderan[187] zugewendet, vnterwegens viel Leute gefangen mitgenommen, theils niedergehawen vndt alles geblündert. So kompt auch fernere nachrichtung ein, daß der feindt auf einer andern seiten gleichergestaldt eingefallen vnndt verschienes Sontages vnsere Bergkstadt Schneebergk[188] außgeplindert, vnndt solle eines gefangenen Außsage nach gedachter Holcke mit dem Fuß Volck vnndt der Artillerie hernach folgenn“.[189] Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611-11.12.1688],[190] der das Erzgebirge als „Hunger- und Habeland“[191] bezeichnet hatte, notiert in seiner „Kriegschronik“ unter 1633: „Eben den 4. August fiel auß Böhmen den Pas von kloster-Grab[192] her abendts der Obrist Ulefeldt mit 2500 Pferden, drunder 2 Compagnien Crabaten und 2 Compagnien Trajoner sich befinden, in 18 starcken troppen in Frauenstein[193] ein, Plünderten es ganz auß und wiesen mit grausamkeit, wie es andern orthen ergehen solte. Den 5. August kahmen Sie mit gantzer Macht vor Freyberg und forderten es auf mit ungestüm und viele troheworden, weil aber die Statt hingegen ihn kraut und loth[194] an botte, er auch ohne Fußvolck und stücken der Stat nichts anhaben kundte, brach er abendts umb 4 und ging durch Ödern uff Chemnitz; das trozte er 2 tage lang, daß Sichs ihme den 5. August mit Accord ergabe, und alß Ers gebrandschazet und mit Crabaten unter dem Obristen Daniel Beigott besezt hatte, ginge er mit den ubrigen trouppen hienunder ins landt und auf den raub“.[195]

Der Hofer[196] Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] berichtet: „Montags den 2. september frühe brach obrist Orosio Pauli mit seinen croaten auf, hingegen marchirte die gantze cavallerie, so auf dem dörfern herum logiret, auf 14 regimenter an, darunter picolominisch, Hatzfeldt, ulfeldisch, Lambois, altsächßisch,[197] folckisch,[198] kuschckisch[199] und dragouner, welche meistens in die stadt, etliche wenige aber auf das landt einquartieret worden.

Bey währender dieser quartierung kam in der Mordgaßen bey dem goldschmiden Becken feuer aus, darob groß schrecken entstanden. Nachmittags zogen die völcker ein, und war aller raum und stallung zu wenig, das liebe getraidig, so nicht allein schon in scheunen, sondern noch auf dem felde, wurde allens ausgedroschen und zu schanden gemacht. Kein tropfen bier war vorhanden, kein brod zu bekommen, und musten die müller nichts als mahlen, in summa das elend nahm dermaßen überhandt, dass es zu erbarmen. Es kam auch dies tages zum andernmahl abends um 10 uhr feuer in der Mordgaßen bey dem fleischer aus. Und ob man wohl verhoft, es würde diese einquartirung nur eine nacht werden, so kamen doch dienstags den 3. septembris noch mehr reißig volck und dragouner an. Da musten viel pferd unter dem freyen himmel stehen, so gieng auch kein tropfen waßer in keinen röhrkasten[200] und wurde das jammer und elend alle tage und stunde je länger je größer. Mittwochs den 4. septembris war alles noch stille. Donnerstags aber den 5. frühe geschahe der generalaufbruch, wurden viel häußer mitspoliret[201] und die leute sehr rantionirt“.[202] „Sonnabends den 20. Septembris wurde auf erfordern obrist Ulfelds Friedrich Hofman, ein bürger, in der nacht nach Rößlau[203] abgefertiget, so anstatt der abgeforderten peigoltischen andere lebendige salv guard[204] hieher legen wolte, da dann sein obristerlieutenanth eine ganz strenge anforderung, wöchentlich 60 thaler, 6 faß[205] bier und 600 pfund brod, begehrte, endlich aber auf 25 thaler, 1 vaß bier und 100 pfund brod gemittelt worden. Als nun sontags den 29. Septembris am Sankt Michaelistag die beigoltischen croaten von Schwarzenbach[206] aufgebrochen und die ulfeldische salv guard ankommen, gelangete unter der vesperpredigt viel heerd rind- und schweinevieh von der Zedwitzer[207] Straße an, denen sobald von Schlaiz[208] aus der hauptmarch unterm commando des obristen Lamboj folgete, welche quartier begehrten, unangesehen die eingerißene infection praetendiret wurde.[209] So vermochte doch nichts zu helfen, sondern quartireten in 26 standarten[210] kayserliche archibusierer und dragouner in- und auserhalb der stadt, durchsuchten sowohl die gesunden als inficirten häuser ohne scheu zu grund aus. Montags den 30. Septembris gegen 8 uhr geschah der aufbruch gegen Eger mit dem verlaß, dieses land und Marggrafthum hinfüro zu quittiren, auch verblieb die ulfeldische salv guard nicht, sondern ritte untern praetext, eine begleitung zu thun, neben empfangenen 25 thalern mit fort, weil auch die kayserlichen regimenter unterschiedlich viel heerden vieh und sonderlich in 500 stück schaff mit anhero brachten, so die mezger anzunehmen willens, daß fleisch aber nicht wieder leidentlich geben wolten. Hat endlich ein ehrenvester rath solche schaffe dergestalt angenommen, stechen und das pfund fleisch um 4 pfennig geben laßen, daß die ohnedieß nothleidende gemeine stadt darob sich höflich zu bedancken hatte“.[211]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603-1676][212] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz[213] erinnert sich an den Oktober 1633: „Den 2. Oktob[er] sind der Ober[st] Bretten[214] und Ober[st] Ulefeld – welche bisher(o) um(b) Weiß[en]stadt[215] und Rösla[u][216] gelegen – auch auf[ge]brochen und dem Hatzfelder [Hatzfeldt] gefolget. Ulefeld(er) ist bald wieder zu uns [ge]kommen, [hat] Kontribution begehret, so aber vom H[errn] Kommandanten [Gordon][217] in Eger verwehret worden“.[218]

„Bernhard hatte in der Zwischenzeit Deggendorf[219] eingenommen. Als er vom Heranzug Wallensteins hörte, eilte er noch am 3. Dezember nach Cham,[220] um ihm eine Feldschlacht anzubieten. Dieser verließ jedoch am 4.12. sein Hauptquartier Furth[221] und zog sich wieder nach Pilsen zurück, worauf sich Herzog Bernhard wieder in Richtung Donau und Isar bei Plattling[222] begab. Mittlerweile waren dort seine Kavallerieregimenter Herzog Ernst von Weimar,[223] Johann Bernhard von Öhm[224] und Georg von Uslar[225] in den Dörfern Geltolfing[226] und Aiterhofen[227] bei Straubing[228] von einem kaiserlichen Kürassierkorps unter Generalwachtmeister[229] Giacomo von Strozzi[230] überfallen worden. Die kaiserlichen Obristen Franz Graf von Ulfeld (ein Däne) und Johann Rudolf von Bredau hatten diese Überrumpelungsaktion zusammen mit dem bayerischen Reiterobristen und Kommandanten in der Oberpfalz Johann von Werth[231] und dem späteren Feldmarschall-Leutnant[232] Maximilian von Billehe[233] am 7. Dezember gegen zwei Uhr morgens durchgeführt. Die Kaiserlichen erbeuteten dabei 7 Standarten.[234] (Hagstorf an Maximilian, StA München Akten 30jähr. Krieg, T. 203).

Andere Quellen berichten nur von 2 erbeuteten Standarten, die anderen verbrannten. Bernhards Regimenter verloren mehr als 1200 Mann. ‚Bei diesem Verlauf hat der Johann de Werth das seinige wohl treulich praestiert,[235] dann er den Einfall und ersten Angriff getan und samt den Seinigen von Anfang bis zum End in den Feind gesetzt. Der Strozzi aber hat in dem Feld in völliger Pataglia gehalten [sic !], zu diesem Ende, damit er entweder auf den erforderten Notfall in der Bereitschaft sei, dem Johann de werth zu succurirn oder auf ereignete Occasion den flüchtigen Feind zu persequirn‘.[236] (Konrad Albrecht an Graf Werner Tilly vom 8.12.1633. Hallwich/Briefe Bd. 4, S. 481, bei Lahrkamp/Werth, S. 31). Bernhard führte seine Truppen daraufhin in die Umgebung von Regensburg[237] und Straubing zurück und legte sie am linken Donauufer in die Winterquartiere, zu welchem Zweck er die Städte Cham, Amberg[238] und Neumarkt[239] mit Kontributionen belegte“.[240] Anscheinend hatten Breda und Ulfeld Aiterhofen verbrannt.

Wallenstein wandte sich am 12.11.1633 aus Görlitz[241] an Gallas: „Waß nun wegen derer von des herrn Churfürsten in Bayern Lden gegen dero Landen besorgender feindtsgefahr Ihr Kay. Mtt. vnß, auch deroselben wier hinwieder zugeschrieben, sowol waß bemelte Ihre Lden solcherwegen selbst vnlengst vndt gleich yetzo wiederumb an vns gelangen laßen vnd wieder dero hingegen damals vnd aniezo darauf geantwortet, solches alles hat der herr auß den samentlichen einlagen gnugsam zuersehen. Vnd weiln wir hierauf in alle wege bey der Intention verbleiben, daß der herr gedachten Graf Strozzi mit ein 25. Comp. Reütern vnd 5. Compagn. Dragonern ohne pagagy, vmb den feindt zwischen der Dohnaw vnd Böhmen zu costigiren[242] vnd deßelben weitern vorbruch zuverhindern, fortschiken solle: Alß wirdt Er diesem also nachkomben vndt, wie wir vermeinen, hierzu von des Obr. Bredaw sowol des Vlefeldts, dan des Lamboy reutterey so viel, das in allem 25 Comp. sein, abordnen oder auch, da sich ettliche reutterey in Eger befindet, dieselbe ihme zugeben vnd hingegen so viel compagnien, als er alsdan bekompt, von besagter Bredawischen, Vlefeldischen vnd Lamboyschen reutterey zurükverbleiben vnd diselbe nebenst allem dem ѷberrest bey sich in Böhem behalten, auch benebenst bemeltem Graf Strozzi einbinden, dafern der feindt sich gegen Meißen, vmb sich mit dem Arnimb zu conjungiren, wenden thäte, daß er alßbaldt sich in Böhmen zurükbegeben vnd mit vns zusambenstoßen, auch keinesweges vber den Dohnawstrom, es wehre dan, daß der Hertzog von Weinmar gleichergestalt hinüber gienge, passiren solle“.[243] Am 27.1.1634 hatte Ferdinand II. aus Wien an Wallenstein geschrieben: „Vnnß haben vnsere treugehorsamiste Land Ständt vnsers Erezherczogthumbs Össterreich Ob der Enß wehemüettig zuvernehmen geben, wasgestalt ihnen vber vorhero im Landt habende ѷberheüffige Reütterey, zu deren Quarttier: vndt vndterhaltung sie bey weitten nit erkleckten, noch drei Regimenter, als Bredaw, Vlefeldt: vnd Davigny,[244] vnd also in allem sechs vnd sibentzig Compag. sambt drey General Stäben angewisen vndt eingelegt worden, warbey, wie sie nun einmahl vnder der Last gancz vnd gar erligen müesten, vnß vmb allergnedigste hülf vnd remedierung angelangt. Weil wir dan wegen wissentlichen kleinen bezirckh selbiger Landschafft befinden vnnd bekhennen müessen, daß aus solcher einquarttierung gewiß nichts anders als die völlige ruin vnd verwüestung desselben zu gewartten, vnd dannenhero die eheiste remedierung mit sonderbahren tragenden verlangen gern sehen möchten: Als haben wir dieselbe auch hiemit zue D. Ld. befindenden guten discretion vertreülich stellen wollen, waß etwoh von solcher ѷberhaufften Reütterey vnndt Stäben irgendt anderer Orthen transferirt oder aber, da ia solche etwoh aus dem Vrsachen, weil man wegen deß nachenden Feindts dz Volckh an der Thonau beisamben halten müesse, nit wol an andere weitab gelegene Orth vmbgelegt werden könten, wie zum wenigisten ein gueter theil solcher caualleria etwas besser hinnauf an dem Ynn auanziert vnndt aller Orthen die wider die publicierten Ordinanzen fürlauffende Insolentien vnndt gewalttätige bezwangnussen mit ernst abgestelt wurden, wolten wir so dan auf erfindtliche mittel vnd weeg trachten lassen, wie von diesen oder andern vnsern Landen denselben etwoh mit der Zuefuhr geholffen vnd sie dardurch solches alzuschwären Lasts dannochter in etwas enthebt vnd subleuirt[245] werden möchten“.[246]

Ulfeldt war unbedingter Anhänger Wallensteins und sogar einer der Miteingeweihten der Verschwörung,[247] was ihm aber nicht geschadet hat. Im „Protokoll der Versammlung kaiserliche Generale und Regimentscommandanten“, Pilsen, 19.2.1634, hieß es: „Herr Obristl. Vlefelt: Versbricht, in der Person vndt mit seinem Regiment Ihro Fürstl. Gn. in allweg zu assistiren“.[248] Am 22.2.1634 war noch ein Schreiben Illos[249] aus Mies[250] an Ulfeldt ergangen: „Ihro Fürstliche Gnaden Herr Generalissimus verlaßen sich auf meinen Herrn, haben mir anbefohlen selbigen zu berichten daß sich ihre Fürstliche Gnaden mit theils Truppen nacher Eger gewendet, allda sie such den Ueberrest der Armee versammeln laßen. Piccolomini hat auf die Terzkischen[251] Reuter getroffen ist aber rebattirt worden und im Fall mein Herr sich nicht getraute mit seinem Regiment durch Böhmen sich bis nach Eger zu kommen, so hat man sich allberaith so weith mit Herzogen Bernhard von Weimar verglichen daß wenn mein Herr die Donau hinauf passiren wollte, wird solcher Paß gestattet werden, vermainet aber der Herr derer Orten eine diversion neben den andern wohl intentionirten Regimentern und Hülfe der Pauern zu machen, steht solches alles meinem Herrn zu blieben. Dieses alles wird mein Herr den andern Herrn Obersten nebst seinem habenden Patent zu communiciren wißen“.[252] Das wäre wohl Grund genug gewesen für eine peinliche Befragung gewesen, wenn Ferdinand II. sich nicht letztlich aus politischer Rücksichtnahme auf Dänemark gnädig erzeigt hätte.

Am 8.3.1634 wandte sich Ferdinand II. aus Wien selbst an Gallas: „Wiewol aus des Ilow[253] an den v. Vlefeldt lautendenn schreiben,[254] so der Marchese di Grana[255] vnter andern mit eingeschickt, gnugsambe vrsach zu arrestierung deßselben Persohn vnd andere harte mittel für die handt zu nehmben erscheinen will, so haben wir doch bewegender vrsachen halber, insonderheit auch in ansehung seiner bey der Cron dennemarckh woll verdienten ansehenlichen Freundtschaft den linden weg dits orts erwehlen wollen, mit gndsten befelch, dz den gemelten v. Vlfeldt glimpflich befragen vndt darüber zu redt stellen, als dan, da du etwas gefehrlichs in seinem discurs vermerckhen würdest, vns denselben zu fernerer vnsern resolution berichten wollest. Deme du bekanter deiner geschicklichkeit nach woll rechts zu thun wißen würdest, vnd hast vns dabey mit Kays. Gn. woll gewogen“.[256] „Interessant in diesem Zusammenhang ist auch eine Tatsache, die den langjährigen Waffengefährten Holcks betrifft, den Obristen Frantz Uhlfeldt, den Sohn des dänischen Reichskanzlers Jacob Ulfeldt. Diesen hatte der Marquis de Grana in einem Brief an Kaiser Ferdinand II. einen Tag vor Wallensteins Ermordung beschuldigt, zum Kreise der ‚Verschwörer‘ um den Generalissimus zu gehören. Es war eine Verleumdung. Ulfeldt selbst nannte in einem Brief an König Christian IV. von Dänemark Wallenstein und die anderen in Eger Getöteten ‚Rebellen und Meineidige‘. Ulfeldt war während der Ereignisse in Eger mit seinem Regiment beim Korps Aldringen[257] zwischen Linz[258] und Passau stationiert und stand hier in der Tat unter mißtrauischer Beobachtung kaiserlicher hoher Offiziere der Nachbarregimenter. In einem Verhör, das der Wiener Hof wenig später veranlaßte, vermochte er sich jedoch zu rechtfertigen, und seine weitere militärische Karriere nahm keinen Schaden. Weiterhin im Besitz seiner in Böhmen erworbenen Güter, starb er 1636 im hessischen Hersfeld.[259] Die Tatsache, daß Ulfeldt verdächtigt wurde, einer der ‚Mitverschwörer‘ Wallensteins gewesen zu sein, und nicht zuletzt das Schicksal Niemanns[260] stützen die Vermutung, daß auch Holck nicht in das Mordkomplott gegen Wallenstein einbezogen worden wäre“.[261] Zudem waren, wie Schaffgotschs[262] ehemaliger Kriegssekretär in einem Schreiben gleich nach der Hinrichtung Schaffgotschs mitteilte, Ulfeldt mit 70.000 fl. auf die Güter des Freiherrn angewiesen worden.[263]

Bei der Belagerung Regensburgs erscheint Ulfeldt im Juli 1634 in einer alten Ansicht als „Oldenfeld“.[264]

Am 18.5.1635 wurde er zum Generalwachtmeister befördert.

Ende Januar/Anfang Februar 1636 wurde Ulfeldt von Gallas mit 1.500 Mann zu Fuß und fünf Reiterregimentern nach Franken abkommandiert.[265] In der Pfarrchronik von Vach[266] bei Nürnberg[267] heißt es unter dem 26.1.1636: „Gestern ist Herrn Grafen und Ulfelds, Wachtmeisters, Kompanie hier ankommen …. Sind den 17. [27.] zu Frühe wieder uffgebrochen“.[268] Zusammen mit Melchior von Hatzfeldt kommandierte er 12.000 Mann, davon 4000 zu Pferd und 8000 zu Fuß,[269] die z. T. zum Kurfürsten von Sachsen geschickt wurden.[270]

Der englische Söldner Sydnam Poyntz [um 1598 Reigate, Surrey-1663 Virginia, USA], der damals unter Philipp von Mansfeld[271] diente, hält fest, Banér[272] habe sich wie ein kleiner König geriert: „The Duke of Saxony seeing hee was not strong enough to deal with Banier sent to the Empr in all hast to assist hym, wo sent hym out of Silesia 6000 men by Count Marachin[273] and also sent hym 12000 by Count Hatzfield which as I said formerly lay upon the Lant-grave of Hesse[274] his Country and 5000 more by Count Wullifield these three Armies meeting by Holl[275] ioyned with the Duke of Saxonies forces which were but weake vpon a great plane wither the Duke came & viewed vs and was glad to see vs, and promised vs, if wee did beat the Ennemy out of the Country hee would give vs two Moneth pays“.[276] In der Saalfelder[277] Chronik ist festgehalten, dass am 19.3.1636 die Ulfeldischen und Sparrenbergischen[278] Völker in den Amtsdörfern angekommen seien.[279] Die Saalfelder Chronik hält weiter fest: „18. April seyn 2 Compagn. Reuter von des General-Wachtmeister Uhlfelds [Regiment] in die Stadt einquartieret worden, so den 21. wieder aufgebrochen“.[280]

Wilhelm von Slavata[281] wandte sich am 26.4.1636 aus Wien an Adam von Waldstein:[282] Er entnehme seinem Schreiben, dass die von Hatzfeldt und Ulfeldt dem Kurfürsten von Sachsen zugeführten Hilfstruppen nicht wenig Erfolgversprechendes gegen die Schweden unternehmen könnten.[283] Am 5.7. schrieb Gallas aus Selz[284] an Ferdinand III.,[285] indem er ihn über die Kriegslage und die Möglichkeit eines weiteren Vormarsches informierte: „Der Herr Graf von Hatzfeld ist mit I. Churf. Dt zu Sachsen und des Herrn Grafen von Ulefeld unterhabenden Volk selbigem Feind umb ein vieles unzweifentlich überlegen“.[286]

Im Oktober 1636 war Ulfeld in Halberstadt[287] und berichtete Hatzfeldt, dass Banér bei Gardelegen[288] und Lillie[289] bei Salzwedel[290] ständen.[291] Aus dem Bericht der Sechsmänner[292] der Stadt Wernigerode[293] geht hervor: „ ‚Den 6. Okt. Order[294] für den Gen. Maj. und Oberst Ulfeld auf die Grafschaft Wernigerode,[295] mit 6 Komp. Reiter und dem Stabe zu unterhalten, da doch die Krachtschen[296] das Quartier noch nicht quitirt; worauf folgendes Tages mit dessen Obr. Leutn. wegen der Stabes Gelder accordirt,[297] hat erstmals darauf 200 Thlr. begehret, so endlich auf 250 Thlr. wöchentlich gelassen, und hat man sich hierin übel vorgesehen, da man gemeint 170 Thlr. zu geben, worzu doch wenig Personen mit der Einquartierung befreiet geblieben, haben demnach dieselben, derer ihrer etwa bei 32, worunter noch allerhand gemeine Bürger gewesen, wöchentlich 250 Thlr. zusammen bringen müssen, ist jeden darauf die 34ste einfache Schatzung[298] angesetzt worden, und ist so eine Presur,[299] so wohl mit Geldgeben als mit Einquartierung, in diesem Kriegswesen, so lange es gewähret, nicht geschehen. Den 11. Okt. haben die Krachtschen Völker das Quartier, nachdem sie dasselbe 10 Wochen, weniger 1 Tag, inne gehabt gänzlich wieder geräumet‘. (Aus dem genannten Blatt bedarf es der Erinnerung, daß am 11. Okt. die Völker des Oberst Kracht nach 10 wöchentlicher Einquartierung die Stadt verlassen, daß die Schwedischen, nach dem Siege bei Wittstock[300] in diesen Gegenden das Uebergewicht wieder erhalten haben, und nun wechselnd schwedisch und kaiserlich-sächsische Soldaten die Stadt aussogen. Mit dem Uhlefeldschen (Schwed.[301]) Regiment war eben ein Vertrag geschlossen.)

Den 12. Okt. bekommt Oberst Leutnant[302] (des Uhlefeldschen Regiments) zum ersten Mal die Staabsgelder, als 250 Thlr. Den 14. Okt. begehrt H. Oberstln. nicht allein zum andern Mal die Staabsgelder in continenti[303] zu schaffen, sondern will auf eine Woche, so vorher, wie er ankommen, allbereit, vermöge gegebener Order, fällig gewesen, nachhaben. Ist darauf die Bürgerschaft zusammengefordert, und ob sie gern darein verwilligen wollen, gemeiner Stadt Total-Ruin, oder gänzlicher Ausplünderung damit zu wehren und vorzukommen, wußten sie doch bei so schwerer Einquartierung zu forthaner[304] Barschaft nicht zu langen; es mögte ihnen denn ergehen, wie Gott wolle. Den 18. Okt. begehrt Oberstl. 500 Thlr., 250 wegen der Kompagnie, und 250 wegen des Stabes, dagegen soll eine Kompagnie aus der Stadt abgeführt werden und hätte von der andern Kompagnie auch sollen 250 Thlr. sein gegeben worden, welches er aber abgewendet. Soll das Gnade sein, weiß ich nicht. Den 19. Okt. wird die Kompagnie abgeführt und sein die Gelder dargegen versprochen. (den 23. Abzug der Kaiserlichen aus Halberstadt und Aschersleben,[305] blieben aber in Osterwieck.[306] Abel Chron. 547.[307]) Den 23. läßt Oberst dem Rath ansagen, wie er Order von seinem Oberst und General-Wachtmeister Uhlefeld bekommen noch 250 Thlr.[308] wegen Abführung der Völker, von der Stadt zu fordern. Im Fall solche nicht im continenti da wären, soll das ganze Regiment in die Stadt geführt werden. Dieses ist vom Bürgermeister Matthias Kaltenborn[309] auf 200 Thlr. erbeten, hat also in seiner Summe 700 Thlr. entpfangen und darauf die Stadt quitirt (ist abgezogen.) O ! treuer Gott, o starker Gott, tröste die Deinen in so schweren Preßuren[310] und großer Noth und vergelte es ihnen wieder, nachdem sie handeln, auf ihren Kopf“.[311] „Am 1. Oktober meldete der Generalquartiermeister[312] den Feldmarschall von Hatzfeld an und verlangte 30000 Pfund Brot, 15.000 Maß[313] Bier, 160 Malter[314] Hafer, 50 Hammel und 25 Schweine. Hatzfeld selber traf mit großem Gefolge[315] in der Stadt vier Tage später ein. Ebenso ein Oberstwachtmeister von Ahlefeld, welcher seinen Tross[316] im Haus von Dietrich Wulff unterbrachte. Zu dem gehörten 1 Köchin oder Mätresse, 1 Kornett und sein Weib und sein Sohn, 4 Diener, 2 Stallknechte, 1 Küchenjunge, 1 Schneider, 4 Reitknechte, 4 Kutscher zusammen 22 Personen, sie kosteten in ihrem Unterhalt 211 Thlr. und 10 Groschen. Ahlefelds Versorgung selber kostete 623 Thlr. und 23 Groschen. Nach der Zahlung von 400 Thlr. Verpflegungsgeldern[317] zogen die 3 Kompanien ab“.[318]

Im November weilte Uhlfeldt erst in Kelbra,[319] dann in Frankenhausen,[320] von wo er Hatzfeldt berichtete, dass Banér sich um Sangerhausen[321] aufhalte. Damit stimmt das z. T. angegebene Todesdatum – der 14.7.1636 in Bad Hersfeld[322] – nicht überein.

Aus dem Herzogtum Berg, ab 1609 zu Pfalz-Neuburg gehörig, wird berichtet: „1636. 21. Dez. [Heute] ist eine Kompagnie Witbergischen[323] oder Rockischen[324] Regiments zu dem bereits vorhandenen Broigschen Regiments [in Dattenfeld][325] angekommen und lag der Rittmeister Saur[326] zu Waldbruel,[327] die anderen Offiziere und Reiter dahier im Kirchspiel, und brach die vorige Kompagnie am 22. [Dez.] auf nach Much,[328] die letzte brach auf den 2. Jan. 1637″. „1636. 22. Dez. Much. In Much kam die Leibkompagnie[329] des Obristen-Leutnants Hans Broig von Magdalo des Ulefeldischen Regiments ein, das vorher in Dattenfeld gelagert hatte“.[330]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] BRICKA (Hg.), Dansk biografisk Lexikon Bd. 18, S. 35f.; die Erwähnungen bei ENGERISSER, Von Konach (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[2] Jacob Ulfeldt [25.6.1567 Bavelse-25.6.1630 Nyborg], dänischer Reichskanzler.

[3] Corfitz Ulfeldt [10.6.1606 auf Schloss Hagenskov bei Assens-20.2.1664 im Rhein zwischen Basel und Neuburg ertrunken], dänischer Kanzler.

[4] Vgl. die Erwähnungen bei FINDEISEN, Christian IV.

[5] Rittmeister [schwed. Ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, in besetzten Gebieten wurden schon einmal 240 Rt. monatlich erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15), während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[6] Bernhard Herzog v. Sachsen-Weimar [16.8.1604 Weimar-18.7.1639 Neuenburg am Rhein], schwedischer, dann französischer General. Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst; RÖSE, Herzog Bernhard der Große.

[7] Obristwachtmeister [schwed. Major]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[8] Schlacht bei Lutter am Barenberge am 27.8.1626: Sieg der kaiserlichen Truppen unter Tilly über das dänische Heer unter König Christian IV. und seine protestantischen Verbündeten, die bis auf die Herzöge von Mecklenburg von ihm abfielen. Die Dänen verloren etwa 6.000 Mann, 2.500 gerieten in Gefangenschaft. Zu Beginn der Schlacht waren beide Armeen etwa 19.000 Mann stark. Die genauen Verluste sind nicht mehr feststellbar. Die Dänen dürften etwa 4.000 Tote und Verwundete, 3.000 Gefangene, etwa 100 Fahnen und Standarten, dazu die gesamte Artillerie und einen Großteil ihrer Bagage verloren haben. LAHRKAMPS Angaben, Bönninghausen, S. 246 (8.000 Tote), liegen eindeutig zu hoch. Das zeitgenössischen Flugblatt »Kurtze[r] vnd einfältige[r] […] Bericht« spricht von 6.000 Toten und 2.000 Gefangenen. Tillys Verluste lagen wohl deutlich unter 1.000 Mann. MELZNER, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Neue Beiträge, Chronik; KLAY, 27./17. August.

[9] Voluntier: Freiwilliger. Natürlich wurden Freiwillige gegenüber zum Dienst Gepressten und Untergesteckten bevorzugt, um die Truppenteile wieder aufzufüllen. Vgl. FALLON, Scottish Mercenaries, S. 57: „For obvious reasons recruiting officers preferred volunteers and resorted to impressment only when this became necessary to make up their required totals. This point was expressly stated in Captain Adam Gordon’s letter to Sir Robert Gordon in 1635, ‚ … if I pleased to accept thereof his lordship‘ (earl of Sutherland) ‚offered me sum prest men, bit (I thank God) men was so willinge to go with me that I neided not preass any’ “. Teilweise wird darunter aber auch ein Aventurier verstanden: Abenteurer, Schlachtenbummler, die zeitweise auf eigene Kosten im Heer dienten, auch Freibeuter (Kriegsunternehmer). Vgl. ERNSTBERGER, Abenteurer. Von den Städten wurde dagegen verlangt, dass sie diesen oft adeligen Schlachtenbummlern Quartier und Unterhalt gaben.

[10] Heinrich Reichsgraf v. Holk [Holck, Holcke, Holcky, Holka] [28.4.1599 Kronborg auf Sjælland-9.9.1633 Troschenreuth], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ARENDT, Holks Faktotum.

[11] Friede von Lübeck: Im Frieden von Lübeck vom 22.5.1629 zwischen Ferdinand II. und Christian IV. von Dänemark verzichteten der König und sein Sohn verzichteten auf die norddeutschen Stifte.

[12] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen Armee sogar 300 fl. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[13] Obrist [schwed. Överste, dän. Oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[14] SCHMIDT-BRENTANO, Kaiserliche und k. k. Generale, S. 104.

[15] Kaplan: katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, in denen er in der Regel einem Pfarrer unterstellt ist und noch keine Alleinverantwortung für eine Pfarrei trägt. Der Kaplan eines kaiserlichen Fußregiments erhielt monatlich 30 fl.

[16] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[17] Walter Graf v. Butler [Buttler, Puttler] [um 1600-25.12.1634 Schorndorf], kaiserlicher Obrist.

[18] Walter Deveroux [Deverock, Deureux, Deudreux, Deberoix, Ebrox] [ -Januar 1640 Prag], kaiserlicher Obrist.

[19] Neiße [Nysa]; HHSSchl, S. 331ff.

[20] Johann der Ältere Freiherr v. Wangler [Wangeler, Wagler] [1561-1636 oder 14.4.1639], kaiserlicher Generalfeldwachtmeister.

[21] Johann Wangler der Jüngere [ -14.4.1639 bei Chemnitz], kaiserlicher Obrist.

[22] Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das – angesichts der um 1, 5 º tieferen mittleren Jahrestemperatur mit extremen Kälteperioden überlebensnotwendig – in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde und in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten. Natürlich versuchten deshalb Magistrate und Stände immer wieder, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten und ihrem Tross führen musste.  Dazu kam der enorme Bedarf an Feuermaterial, wobei alles nur einigermaßen Brennbare durch die Truppen beschafft wurde. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz berichtet über den November/Dezember 1640; BRAUN, Marktredwitz, S. 129: „Über diese 8 Regiment[er] [hinaus] sind auch 200 Polacken mit marchiert, welche – wie ob[en] gehört – zu Oberredwitz logierten: Einige sind auch in Dörflas einquartiert worden. Obwohl wir hier im Mark[t] kein Quartier gehabt, so haben wir doch des Generals Tafel versehen und herrlich in die Küche (ver)schaffen müssen. Auch haben wir für die Regiment[er] hinaus[gegeben] 800 Brot[e], 800 Maß Bier und 2 Rind[er]. Überdies hat (ein)jeder Bürger, der seinen Stadel nicht zugrund reissen oder gar verbrennen lassen wollte, hinaus[ge]geben Fleisch, Fisch, Futter, Bier, Brot und Geld. [Es] ist dadurch auch sehr wenig erhalten worden, denn fast in jedem Stadel [hat] eine Kompanie gelegen, welche (dann) alles Heu, Stroh, ungedroschenes Getreide, Holz und Brettern in das Feld getragen. Es sind daraus Hütte gemacht und hernach meistens verbrannt [worden]. Um das, was liegen geblieben war, haben sich die Nachbarn auch [noch] gezankt. Sie haben auch alle Zäun[e] um die Gärten, Planken [und] Um(b)schrote umgehauen und verbrannt. All(e) unser[e] Fischkästen, [von denen] ein [jeder] vorher um 50 K[ronen] erkauft [worden war], haben sie in einer Geschwindigkeit eingehauen, zerrissen, hinweggetragen und in Grund verdorben. [Auf] dem Freithof, welcher erst neu gemacht worden war, haben sie die Schindel[n] abgeschlagen und sam(b)t dem Tor verbrannt. In Summa, diese Leute haben einen großen Schaden getan in dem unausgedroschenen Getreide, Futter, (Ge)stroh und Holz. [Sie haben auch] fast alle Stadel im Grunde zerschlagen und das Gezimmer verbrannt; denn die Kälte war sehr groß. Daher [haben] sie auch außer[halb] der Stadel noch über 1000 Feuer angezündet und gehalten. Was sie in den Vorstädten ertappt haben, [das haben] sie (hinweg)genommen und das Vieh geschlachtet. Die Nacht [über] hat die ganze Bürgerschaft auf Befehl des Generals um und um auf der Mauer im Gewehr stehen und wachen müssen. Ungeachtet dessen aber sind die Musketiere(r) doch an vielen Stellen über die Mauer herabgestiegen, [sind] in die Ställ[e] eingebrochen, [haben] kleines Vieh erwürgt und was sie sonst [noch] bekommen konnten, [haben sie] mitgenommen und [sind dann] wieder hinausgewischt. Dies geschah (nun) an vielen Orten, [so] daß wir also genug(samb) zu wehren und solches zu verhindern hatten. Die Tor(e) hatte er selbst(en) besetzt und mit seiner Wacht versehen“. Natürlich versuchten die Magistrate und Stände, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats von Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226.

[23] Alkoholabusus: In den zeitgenössischen Berichten ist immer wieder von Alkoholabusus und dadurch bedingten Trunkenheitexzessen unter allen Militärs die Rede, die dem Interesse der Leserschaft entgegen kamen. Generall ist angesichts der angegebenen Mengen festzuhalten ist, dass Wein in der Regel im Verhältnis 1:4 oder 1:3 mit Wasser gemischt wurde, um dieses „trinkbar“ zu machen. Auch bei den angegebenen Biermengen halte es sich zumeist um => Kofent, ein Dünnbier. Dagegen wurde billiger Branntwein in großen Mengen konsumiert. Allerdings berichtet z. B. Chemnitz auch, dass 7 Kompanien des Regiments Kracht den Aufbruch aus Halle/Saale versäumt hatten, weil sie berauscht waren; CHEMNITZ, Königl. Schwedischen ]…] Kriegs, 4. Buch, 7. Kap., S. 953f. Vgl. den Bericht des bayerischen Kriegskommissars Burhus über Alwig Gf v. Sulz (1632); HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 122: „Da hatte er, sobald er einen Rausch bekommen, alle Musketiers in der Stadt, wie auch die kleinen Stückhlein […], so oft er einen Gesundtrunkh angefangen, abschießen lassen, welches woll etwan 2 und mehr Stunden gewerth“. SCHNEIDER, Chronik der Stadt Beelitz, S. 26f.: „Diese [Truppen Johann Wanglers d. Ä.; BW] brachten auch einen Fähnrich mit sich, welcher sich bei der Wache zu Trebbin todtgesoffen, und nun begehrte man, er solle hier in der Kirche begraben werden. Weil aber der Grund sumpfig und wässerig war, und man nicht tief in der Kirche also graben konnte, berichtete ich solches dem katholischen Meßpfaffen, als er etliche Male wegen des Begräbnisses Ansuchen that. Er wollte es aber nicht glauben und als man ihm die Kirche eröffnen mußte, ward er gewahr, daß es an einem Ort in unserer Kirche etwas höher sei als am andern, daselbst hin mußten wir geschehen lassen, daß nach Kriegsmanier der Trunkenbold begraben ward“. Vgl. auch SCHWARTZ, Die Neumark, S. 50, 52. Bei der Belagerung Hamelns (1633) hatten die Patres SJ der Besatzung reichliche Mengen Alkokol spendiert, um sie zu Ausfällen zu veranlassen; KARWIESE, Hameln, S. 9f. Vgl. HÖFER, Ende, S. 165: Wie sich herausstellte, hatte Hermann, der Kommandant von Bad Windsheim, bei der Belagerung der Stadt 1648 durch schwedische Truppen seinen Dragonern ein großes Fass Wein spendiert: „Aber sie soffen sich so voll, daß fast weder ein oder der ander mehr sehen noch Schiltwach stehen kundt“, so dass sich schwedischen Truppen durch die Approchen bis zum inneren Wall heran arbeiten konnten. Hermann wurde nach dem Kriegsgerichtsverfahren wegen der schnellen Übergabe mit dem Schwert hingerichtet. Manchmal endeten die Räusche auch tödlich. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger berichtet unter dem 22.6.1635; BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 313: „Auff mittag ist abermahls ein kays. Officier ins verbrantte dorff Asperg hinein geritten, war voll, welchen die Schwedische musquetierer erdapt, und weil er sich nit ergeben wollen, nidergeschossen, außgezogen, klaider, pferd, Sattel und Zeug herauff getragen, Nachmittag haben ihne gemelte Musquetierer begraben, Er soll ein Quartier Meister gewest sein, von Schwabach gebürtig“.

[24] CARVE, Reyßbüchlein, S. 46f.

[25] Kompanie [schwed. Kompani]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[26] TOGEL, Der Schwedische Krieg, S. 413.

[27] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Mein Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Bericht aus Stettin vom 8.4.1631; Relation Oder Bericht Auß Pommern. o. O. 1631: „Den 27. Martii sind alhier 108 gefangene eingebracht deren nach mehr folgen sollen / die werden alle in Schweden ins bergwerck gesand / das sie etwas redliches arbeiten lernen“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14. 1633 kostete die Auslösung bei der Kavallerie: Obrist 600 Rt. aufwärts, Obristleutnant 400 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Rittmeister 200 Rt., Kapitänleutnant 70 Rt., Leutnant 60 Rt. bis 10 Rt. für einen Marketender, nach der Schlacht bei Jankau (1645) Obrist 1000 Rt., Obristleutnant 500 Rt., Obristwachtmeister 300 Rt., Hauptmann 75 Rt., Kapitänleutnant und Leutnant 50 Rt.; GANTZER, Archivalien, S. 40f.

[28] Burgstall [LK Börde]; HHSD XI, S. 63f.

[29] Warhafftige Relation, Wie es dreyen Ligistischen / Als Deß Montecuculi / Bernsteins / Vnd Holckens / Regimentern / Zu Angern / Borgstal vnd Reindorff unferrn von Wolmerstädt / im Ertzstifft Magdeburgk / den 17. Julii in der Nacht dieses 1631. Jahres ergangen. Item Extract eines Schreibens auss Leipzig von 29. Julii 1631. [VD17 75:678978H, oder VD17 12:200196W]

[30] Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v-302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff. Vgl. www.ra.se/kra/0425.html; 0425 a Sveriges krig, Krieget i Tyskland 1628-1648) unter 0425:03:107 „Keÿserliche Schlacht Ordnung Wie solche durch den General Walenstein ist gestellet vnd gehalten worden den 6. Novembris Anno 1632. vnd diese Schlachtordnung ist bestanden in nachfolgenden Nehmlichen 26,000 Mann Zue Fues, 2000. Dragons, 8000 Curassier, 5000 Herquebuss: 3000 Croat: insumma 44,000 Mann, die Fronte ist breit 979 Ruthen Reinlandisch macht 4895 Pass“. – Lützen [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 286f.

[31] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[32] Naumburg (Saale) [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.

[33] Gemeint sind hier die Kämpfe an der Alten Veste bei Nürnberg; vgl. ENGERISSER, Von Kronach, S. 104ff.

[34] Gottfried Heinrich Graf v. Pappenheim [8.6.1594 Treuchtlingen-16.11.1632 bei Lützen], ligistischer u. kaiserlicher General. Vgl. STADLER, Pappenheim.

[35] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[36] Weißenfels [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 487ff. Vgl. REICHEL, Weißenfels.

[37] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[37]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[38] Halle a. d. Saale; HHSD XI, S. 177ff.

[39] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[40] Kürassier [schwed. kyrassiär; Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder)]: Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment – und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Schwert, Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens 16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[41] Johann Philipp Freiherr v. Breuner [1588-16.11.1632 Lützen], kaiserlicher Obrist, Generalfeldwachtmeister.

[42] Artillerie: Zur Wirksamkeit der Artillerie vgl. ENGLUND, Verwüstung Deutschlands, S. 424f.: „Sowohl bei sogenannten Kernschüssen als auch bei Visierschüssen zielte man mit dem Geschützrohr in mehr oder weniger waagrechter Position. Ein in dieser Position eingestellter Neunpfünder hatte eine Reichweite von etwas über 350 Metern. Dann schlug die Kugel zum erstenmal auf dem Boden auf, wonach sie regelmäßig einen Sprung machte und noch einmal 350 bis 360 Meter flog, bevor sie kraftlos erneut aufprallte – acht von zehn Kugeln sprangen mindestens dreimal auf. (Der Abprall hing davon ab, ob der Boden eben oder buckelig und uneben war.) Die Kugel flog die ganze Zeit in Mannshöhe. Sie konnte also auf ihrer gesamten Bahn töten und verwunden, und wenn sie im rechten Winkel durch eine dünne Linie von Männern schlug, pflegte sie im Durchschnitt drei Mann zu töten und vier oder fünf zu verwunden, aber es kam auch vor, daß eine einzige Kugel 40 Menschen auf einen Schlag tötete. Menschen und Tiere wurden meistens mit einem hohen und entsetzlichen Reißgeräusch zerfetzt. Es gibt Beschreibungen von Schlachten dieses Typs – wie es aussah, wenn brummende Vollkugeln in die von Pulverdampf eingehüllten und dicht gestaffelten Reihen aufrecht stehender Männer einschlugen: In der Luft über den Verbänden sah man dann eine kleine Kaskade von Waffenteilen, Rucksäcken, Kleidern, abgerissenen Köpfen, Händen, Beinen und schwer identifizierbaren menschlichen Körperteilen. Der tatsächliche Effekt beruhte in hohem Grade auf der Größe der Kugel. Leichte wie schwere Geschütze schossen im großen und ganzen ihre Kugeln mit der gleichen Anfangsgeschwindigkeit ab, etwas unter 500 Meter in der Sekunde, doch je größer die Kugel war – das Kaliber in Pfund bezeichnet das Kugelgewicht – , desto höhere Geschwindigkeit und Durchschlagskraft hatte sie, wenn sie ihr Ziel erreichte: die Beine und Muskeln und Zähne und Augäpfel eines Menschen auf der anderen Seite des Feldes“. Der technische Aufwand war beträchtlich bei 60-Pfündern rechnete man für 8 Tage à 30 Schuss 3 Ztr. Pulver, 13 Wagen mit 99 Pferden, dazu 3 Knechte u. 2 Büchsenmeister sowie deren Zubehör. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach, S. 575ff. Bei den Schweden führte eine Kompanie die Regimentswaffen, drei Kompanien führten die schweren Waffen, während eine Kompanie die „Feuerwerker“ transportierte und eine weitere die für eine Belagerung erforderlichen Bergleute bzw. Mineure. Zu jeder Kompanie gehörte ein Schütze („konstapel“) und ein Assistent („handlangere“), größere Geschütze erforderten zwei Assistenten und ein „styckjungere“, die sich in zwei Kanonen teilten, im Bedarfsfall wurden Musketiere ausgeliehen. Zudem war die Tätigkeit bei der Artillerie bicht nur schwer, sondern hochgefährlich, da des Öfteren in Schlachten die Munitionswagen explodierten.

[43] Altenburg [LK Altenburger Land]; HHSD IX, S. 6ff.

[44] Eilenburg [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 100ff.

[45] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Die Bedeutung ergibt sich metonymisch: Der Stab war das Zeichen der Amts- und insbesondere der militärischen Obergewalt. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchsen auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen. Vgl. die Lebensmittelmengen, die der Stab Piccolominis 1635 in Dülken beanspruchte; ARBEITSGRUPPE VIERSEN, S. 90.

[46] Querfurt [Saalekreis]; HHSD XI, S. 380f.

[47] Merseburg [Saalekreis]; HHSD XI, S. 322ff.

[48] Aschersleben [Salzlandkreis]; HHSD XI, S. 23ff.

[49] Kroaten: kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteien“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / on sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“.THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet“. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Gefangene Kroaten wurden schon unter Gustav II. Adolf von den Schweden in ihre Kupferbergwerke verbracht; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87.

[50] Adam Erdmann Graf Trčka z Lipy [Terzka] [1584, 1599, 1600-25.2.1634 Eger], kaiserlicher Obrist, Feldmarschallleutnant.

[51] Dragoner [schwed. Dragon; frz. Dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[52] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen[Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566-29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[53] Minden [LK Minden-Lübbecke]; HHSD III, S. 517ff. Vgl. NORDSIEK, Die schwedische Herrschaft.

[54] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[55] Paderborn; HHSD III, S. 601ff. Vgl. BRAUN, Paderborn im Dreißigjährigen Krieg; GÖTTMANN; HÜSER; JARNUT, Paderborn 2. Bd.

[56] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[57] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[58] Köln; HHSD III, S. 403ff.

[59] ARENDT, Wallensteins Faktotum, S. 15f.

[60] Naumburg (Saale) [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.

[61] Bei BRZEZINSKI, Lützen 1632, S. 25, ist Ulfeldt oder Tiesenhausen angegeben, der allerdings in schwedischen Diensten stand [s. a. THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 751].

[62] Melchior Friedrich Gottfried Reichsgraf Hatzfeldt [Hartzefeld] v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], Bruder des Würzburger Bischofs Franz v. Hatzfeldt, für den geistlichen Stand bestimmt, kaiserlicher bzw. kurbayerischer Feldmarschall-Leutnant, Generalfeldzeugmeister u. Feldmarschall. Am 6.8.1623 Teilnahme am Kampf bei Stadtlohn, 1625 Wechsel ins Heer Wallensteins als Obristleutnant unter Franz Albrecht v. Sachsen-Lauenburg, 1627 Teilnahme am Feldzug gegen die Dänen, 1629 Marsch nach Mantua, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, 1632 Obrist u. Kommandeur eines eigenen Regiments, 1633 Beförderung zum Feldmarschallleutnant, 1634 wurde er Generalfeldzeugmeister u. 1635 Feldmarschall wegen der Verdienste um die Eroberung Kaiserslauterns, am 4.10.1636 Niederlage in der Schlacht bei Wittstock gegen Johan Banér als militärischer Ratgeber Johann Georgs I. von Sachsen, 1637 Venichtungsfeldzug in Sachsen, am 17.10.1638 Sieg bei Vlotho über Ruprecht v. der Pfalz, 1639 Belehnung mit der Herrschaft Gleichen (Thüringen) durch den Kurfürsten v. Mainz (diese Belehnung zwang Johan Banér 1640 zur Aufhebung der Belagerung Leipzigs), 1641 Erwerb der Herrschaft Trachenberg in Schlesien aus dem Besitz des hingerichteten Wallenstein-Anhängers Hans Ulrich v. Schaffgotsch, Kommandeur der kaiserlichen Armee in Westfalen, 1641 Eintritt in kurbayerische Dienste wegen Differenzen mit Matthias Gallas, am 24.11.1643 Erfolg in der Schlacht bei Tuttlingen über die Franzosen unter Josias von Ranzau, 1644/1645 Ernennung zum Kommandeur der kaiserlichen Hauptarmee, am 6.3.1645 Gefangennahme in der Schlacht bei Jankau. Am 30.8.1657 zum kaiserlichen Heerführer gegen die Schweden in Polen ernannt, eroberte Hatzfeldt Krakau.

[63] Hans Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf gefallen], kaiserlicher Feldmarschall.

[64] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Teilnahme am Böhmischen Krieg, unter Pappenheim Dienst als Obristleutnant, 1627 wurde er Kommandant der Leibgarde Wallensteins, Teilnahme am Mantuanischen Erbfolgekrieg u. am 16.11.1632 an der Schlacht bei Lützen, Mitunterzeichner des 1. Pilsener Revers u. Hauptakteur bei der Verschwörung gegen Wallenstein, danach erhielt er reiche Schenkungen in Böhmen, er war kaiserlicher Feldmarschall in der Schlacht von Nördlingen am 5./6.9.1634, es folgten Kämpfe in Lothringen, am 7.6.1639 Sieg über die französische Armee unter Feuquières bei Diedenhofen (Thionville) u. Ernennung zum kaiserlichen Geheimen Rat bzw. zum Herzog v. Amalfi durch Philipp IV. v. Spanien, am 5.9.1639 Ernennung zum Befehlshaber der kaiserlichen Hauptarmee in Böhmen. Nach mehreren Niederlagen u. der Katastrophe Piccolominis u. Erzherzog Leopold Wilhelms gegen Torstensson in der Schlacht bei Breitenfeld am 2.11.1642 legte er den Oberbefehl nieder, 1644 war er erneut bei den Kämpfen der Spanier in den Niederlanden aktiv, 26.5.1648 Ernennung zum Generalleutnant, Einsatz als Prinzipalgesandter bei den Nürnberger Verhandlungen zur Umsetzung des Westfälischen Friedens (Mai 1649-Juli 1650), 1650 Erhebung in den Reichsfürstenstand. Vgl. BARKER, Piccolomini, S. 322-369, WOLTZ, Piccolomini, S. 93-145. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[65] ARENDT, Wallensteins Faktotum, S. 195.

[66] Pressnitz [Přisečnice; Kr. Chomutov (Komotau)]: Bergstadt im Erzgebirge, bis 1974 an der Stelle, wo sich heute die große Fläche der Pressnitztalsperre (vodní nádrž Přisečnice) erstreckt. Häuser, Kirchen und Schloss von Přisečnice sowie die benachbarten Dörfer Rusová (Reischdorf) und Dolina (Dörnsdorf) wurden abgerissen und an deren Stelle der Fluss Přísečnice (Pressnitz) gestaut. [wikipedia]

[67] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.

[68] Annibale de Gonzaga [Cinzago] marchese di Mantova, principe di Bozzolo [1602 Bozzolo-2.8.1668 Wien], kaiserlicher Feldmarschall.

[69] Ernesto Graf Montecuccoli de Montecenere [1582-18.7.1633 Colmar], kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[70] Don Pietro Aldobrandini, duca di Carpinetto [1593-7.9.1632 an der Alten Veste bei Nürnberg], kaiserlicher Obrist.

[71] Nikolaus Freiherr (1634 Graf) Des Fours du Mont et Athienville [Desfours, de Fouri, de la Vour, Denour, de Feur, De Fur, Dufour] [ca. 1588 oder 1590-5.12.1661 Hrubý Rohozec], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[72] Klattau [Klatovy, Bez. Klatovy, Tschechien]; HHSBöhm, S. 262ff.

[73] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., S. 20.

[74] Lothar Dietrich Freiherr v. Bönninghausen [Böninghausen, Boningshausen, Böninghausen, Benninghausen, Benningshausen, Benickhausen, Bennickhausen, Buninghausen, Bonighausen, Bönighaußen] [ca. 1598 Apricke-13.12.1657 Schnellenberg], Obrist in ligistischen, kaiserlichen, spanischen u. französischen Diensten, zuletzt Feldmarschallleutnant. 1630 übernahm Bönninghausen als Obrist ein Kürassierregiment unter dem Befehl Pappenheims u. war an der Belagerung u. brutalen Eroberung Magdeburgs (Mai 1631) beteiligt. Am 16.11.1632 nahm er als Befehlshaber der Reiterei an der Schlacht v. Lützen teil. Danach beförderte ihn Wallenstein zum Generalwachtmeister. 1633 erlitten Bönninghausen, Gronsfeld u. Mérode eine verheerende Niederlage in der Schlacht v. Oldendorf. 1636 trat er in den Dienst des kaiserlichen Feldmarschalls Ottavio Piccolomini. 1639 wurde er kaiserlicher Feldmarschallleutnant u. 1645 französischer „Marechal de Camp“. Ende des Krieges trat er wieder in kaiserliche Dienste. Bönninghausen u. seine Soldaten waren als rücksichtslose Plünderer bekannt. Vgl. LAHRKAMP, Bönninghausen.

[75] Kompanie [schwed. Kompani]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[76] Arkebusier: Leichter, mit einer Arkebuse bewaffneter Reiter, eigentlich berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß). Die Arkebuse (später Karabiner genannt) war ein kurzes Gewehr von ca. 1 m Länge, eine Waffe für bis zu über 100 g schwere Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Der Karabiner war leichter als die Muskete, die Geschosse waren ebenfalls leichter, ihre Durchschlagskraft war auch geringer. Gerüstet war der Arkebusier mit einem Kürass aus schussfreiem Brust- und Rückenstück (dieses wurde mit 11 Rt. veranschlagt) oder auch nur dem Bruststück. 1635 wurde von Nürnberger Plattnern ein Arkebusier-Harnisch, der vorn und hinten schusssicher war, für 3 Rt. angeboten; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1239. Seitenwehr war ein kurzer Haudegen, in den Sattelhalftern führte er 1 – 2 leichte Pistolen. Er wurde zumeist in kleineren Gefechten oder für Kommandounternehmen eingesetzt. In den Schlachten sollten sie die Flanken der eigenen angreifenden Kürassiere decken und in die von ihnen geschlagenen Lücken eindringen. Er erhielt als Verpflegung die Hälfte dessen, was dem Kürassier zustand, zudem auch weniger Sold. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 464ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123, BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 96. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter, wenn die Mittel vorhanden waren, in Kürassierregimenter umgewandelt. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. auch http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[77] TOGEL, Der Schwedische Krieg, S. 435.

[78] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Feldmarschall u. Generalleutnant. 1606 Eintritt in spanische Dienste, 1615-1617 Teilnahme am Friaulischen Krieg, 1618 Beförderung zum Hauptmann, Kommandant v. Riva u. Bekanntschaft mit Johann v. Aldringen. Durch dessen Vermittlung 1629 Wechsel aus kurbayerischen in kaiserliche Dienste, nachdem Gallas die Festnahme wegen Unbotmäßigkeiten u. Erpressungen angedroht worden war. Am 18.7.1630 zusammen mit Aldringen Beteiligung an der Plünderung Mantuas, wo er (nach heutigen Begriffen) ein Millionenvermögen erbeutete. Am 10.3.1632 Erhebung in den Reichsgrafenstand, am 13.10.1632 Ernennung zum kaiserlichen Feldmarschall, im September 1633 zum Generalleutnant unter Wallenstein. Zusammen mit Aldringen u. Piccolomini betrieb Gallas die Entlassung Wallensteins. Am 24.1.1634 Übernahme des Oberbefehls über das kaiserliche Heer, nach Wallensteins Ermordung, deren Planung u. Durchführung er Piccolomini überlassen hatte, erhielt er dessen Herrschaft Friedland. Am 5./6.9.1634 hatte Gallas entscheidenden Anteil am Sieg über die Schweden bei Nördlingen. Sein schlechter Ruf als Trinker u. Spieler sowie glücklos verlaufene Feldzüge wie im Winter 1633 in Schlesien, 1635/1636 in Lothringen, 1637 gegen Johan Banér u. im Winter 1644 im Rückzug vor Lennart Torstensson brachten ihm bis heute den Ruf eines “Heeresverderbers” ein. Im November 1639 wurde Gallas entlassen, anschließend erneut berufen, im Januar 1645 wiederum entlassen, um dann von Dezember 1646 bis zu seinem Tod letztmalig das Kommando zu übernehmen. Vgl. REBITSCH, Gallas I; REBITSCH, Gallas II; BECKER, Gallas; HÖBELT, Von Nürdlingen bis Jankau; KILIÁN, Johann Matthias Gallas; REBITSCH; ÖHMAN, KILÍAN, 1648.

[79] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[80] TOGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 460, S. 158.

[81] Neumark [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 246.

[82] Rudolf Graf v. Thun [12.2.1597 Radstadt (Bundesland Salzburg)-31.3.1636 Brixen (Prov. Bozen)], kaiserlicher Obrist. Vgl. MOSCA, La Croce.

[83] Martin Maximilian Freiherr v. der Goltz [v. der Kron, v. Kranz ?; Golz, Goltzke, Golonitz, Gölnitz] [1593-10.5.1653], kaiserlicher Generalfeldzeugmeister.

[84] Zittau [LK Görlitz]; HHSD VIII, S. 371ff.

[85] TOGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 507, S. 170.

[86] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd. , S. 368.

[87] Friedland [Frýdlant v Čechách, Bez. Liberec, Tschechien]; HHSBöhm, S. 155f.

[88] Deutsch Gabel; [Německé Jablonné; seit 1650 Jablonné v Postještě, Tschechien]; HHSBöhm, S. 109f.

[89] Grafenstein [Grabštejn, Bez. Reichenberg; Tschechien]; HHSBöhm, S. 169.

[90] Böhmisch Kamnitz [Česká Kamenice, Bez. Tetschen, Tschechien]; HHSBöhm, S. 52f.

[91] Leitmeritz [Litoměřice, Tschechien]; HHSBöhm, S. 324ff.

[92] Kuttenplan [Chodová Planá, Bez. Tachov, Tschechien].

[93] Horeschowitz [Hořešovice, Bez. Kladno, Tschechien].

[94] Strakonitz [Strakonice, Bez. Strakonice]; HHSBöhm, S. 587f.

[95] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 1. Bd., , S. 370.

[96] Heidersdorf [Erzgebirgskreis].

[97] Böhmisch Kamnitz [Česká Kamenice, Bez. Tetschen, Tschechien]; HHSBöhm, S. 52f.

[98] Bensen [Benešov nad Ploučnicí, Tschechien]; HHSBöhm, S. 30f.

[99] Exorbitantien: Verstöße, Verfehlungen, Ausschreitungen. Graf Georg Friedrich von Hohenlohe Weikersheim vsah den Begriff mit folgender erläuternder Auflistung; KLEINEHAGENBROCK, Hohenlohe, S. 117: „eigenwillige[ ] Einquartierung, Geltexactionen [Geldforderungen], Pressuren, Abnehmung des noch übrigen Vorraths an Vivers [Lebensmittel], Entführung der Pferdt und Viehß, Verohnsicherung der Straßen, Raub, Plünderung, Mord, Quehlung der armen Laith und andern dergleichen ohnleidentlichen Insolentien“. Stadtarchiv Nördlingen Kriegsakten 1634/II, fol. 186: „Ordnung. Wie es mit der Verpflegung / deren Soldaten zu Roß vnd Fuß / Welche im heyligen Röm: Reich in den Quartiren vnd Quarnisonen in Ihrer Kays: Majest: dienst sich befinden / observirt vnd gehalten werden solle“, ausgestellt von Gallas, Heilbronn, 1634 X 04. Wider dise verordnete verpflegung sollen die Stände vnd deren Vnderthanen / weder von den Obristen / noch deren vnderhabende Officirern oder Soldaten zu Roß vnd Fuß / durch gewalt oder sonsten auff einigerley weiß noch wege getriben vnd beschwert werden. Da auch dergleichen durch Officirer oder gemeine Soldaten beschehen / oder durch betrohung vnnd würckliche thätlichkeiten gesucht werden wolte: So ist ihnen Ständten vnd deren Vnderthanen hiemit erlaubt / wie nicht wenigers auch die straiffenden partheyen / so in: oder ausserhalb der Quartier vnd auff den strassen rauben / plündern / vnd andere Exorbitantien verüben / so gut sie können vnd mögen / in verhafft zu nemmen / vnd ein solches gehöriger orten zu berichten / damit wegen deren abstraff vnd aller vngelegenheiten verhütung die verfügung gethan werden mögen. Desgleichen wurde das Ausreiten mit Ober- u. Untergewehr aus den Quartieren oder das Einfallen in andere Quartiere mit Strafen an Leib u. Leben bedroht. Über Tillys Soldaten wird im Frühjahr 1626 in der Goldenen Aue berichtet: Seine Truppen „sind anfänglich gar fromm gewesen und haben sich bedeuten lassen, dann aber schlimmer und ärger geworden, haben endlich kein gut Wort mehr gegeben, sich selber Quartier genommen, alles aufgezehret, Kisten und Kasten aufgebrochen und aus Häusern, Kirchen, Böden, Kammern und Ställen alles geraubt und mitgenommen“. HILLER, Heringen, S. 127. Vgl. auch ZEITFUCHS, Stolberg, S. 271f., über die Truppen Bindtaufs 1626: „Doch war hiebey keine Ordre, was man denen Soldaten oder Officiern geben sollte / sondern ein jeder forderte alles mit der Schwere nach eignen Gefallen. Was für Müh / Unlust und Beschwerligkeit / ja auch Hunger / die Bürger wegen dieser Einquartirung ausgestanden / ist nicht genug zu beschreiben. Denn etliche wöchentlich zu 10. 15. ja auch zu 25. Thalern und wohl darüber geben müssen / daß es manchem Bürger die Zeit / da sie hier gelegen / 100. 200. 300. ja wohl 500. Gülden gekostet; wie es denn auch nach Abzug derselben der Stadtschreiber Schüßler aus der Roll zu Rathhause insgesamt überschlagen / da diese Einqvartirung weit über 30000. Gülden gestanden. Ja da sie nur einer Witbe 486. Gülden 9. Gr. 5. Pf. gekostet / so ist leicht daraus abzunehmen / was der gesamten Bürgerschafft auffgangen sey. Welche denn so wohl als das Rathhaus gäntzlich erschöpfet / daß mancher Bürger von Hauß und Hof gejaget worden / auch musten etliche wie die Hunde von den Soldaten sich schlagen und prügeln lassen. Und weil sonderlich auch Pest und eine grosse Theurung anfiel / daß ein Scheffel Rocken 2. Thaler / 1. Scheffel Gersten 2. Gülden oder 2. Thaler und der Hafer 16. Groschen galt / war bey manchem Bürger nichts mehr übrig / als das liebe Leben. Ja da fast gantz und gar nichts mehr zum besten / wurde E. E. Rath gezwungen / etliche Haupt-Verschreibungen ihres Einkommens zu versetzen / und zu Sangerhausen und anderswo etzliche 100. Gülden darauff zu borgen / dafür sie Wein / Rocken und Hafer kauffen musten / damit biß zum Aufbruch die Soldateska zu unterhalten / welcher / nachdem sie 22. Wochen hier gelegen / den 13. Julij erst erfolget. In solcher Zeit wurde nun nicht allein alles / was in der Stadt war / aufgezehret / sondern es kam auch noch dieses hinzu / daß / weil die Reuter mit den Pferden fast alle Grasung vor den Thoren abgehütet hatten / die Bürger das meiste Vieh abstehen musten / welches so wohlfeil ward / daß man eine Kuhe um 4. Güld. kauffen konnte / dadurch dann die Bürger vollends um das ihrige kom̃en sind“. Im März 1634 schrieb Reichskanzler Oxenstierna: „Der General könne nur dann ehrlich leben, wenn er sein angewiesenes bestimmtes Quartier habe, woraus er das Nötige beziehe. Die Generale seyen dazu meist homines von der Fortune, die ihren Staat anders nicht führen könnten, auch weder Land noch Leute hätten, und wenn sie es schon besässen, so sey ihnen nicht zuzumuthen, davon zu leben und dabei zu dienen, sie müssten dann selnst mit Desordre leben. Der General könne also den Obersten oder Soldaten, wenn er auch auf diese Weise lebe, nicht strafen: der Oberst müsse also entweder betteln oder die Quartiere mißbrauchen. Es seyen Leute, die nicht allein amore patriae et libertatis dienten, sondern etwas zu gewinnen. Der gemeine Reiter könne nicht leben von seiner Gage; gleichwohl habe kein Regiment nach des Königs Tod ‚meutenirt’. Die Noth zwinge sie zum Rauben; dieß missbrauchten also die leichtfertigen Vögel. Man müsse also den Soldaten bezahlen, dann werde das Andere selbst fallen. Wolle man alle Exorbitantien gleich mit Henken strafen, so sey es schwer, die Hände mit solchem Blut zu besudeln, da der Soldat nicht zu leben habe. Erfolge die Bezahlung – sagte Oxenstierna und er statuiere dann bei den Exorbitantien doch kein Exempel, so solle man von ihm sagen, er habe gelogen wie ein leichtfertiger Vogel !“. SODEN, Gustav Adolph Bd. 2, S. 91.

[100] Wildbann: 1) das Recht, einen gebannten Jagdbezirk zu halten, vom Jagdrecht unterschieden und mehr als dieses; 2) der eingeschlossene Jagdbezirk selbst.

[101] spoliert: geplündert.

[102] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil aber auch bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten auch Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95.: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“

[103] Remedierung: Abhilfe.

[104] Insolentien: Unverschämtheiten, Beleidigungen, Grobheiten; Ungebührlichkeiten.

[105] Rittmeister [schwed. Ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, in besetzten Gebieten wurden schon einmal 240 Rt. monatlich erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15), während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[106] Ulrich Kotz [ – ], kaiserlicher Rittmeister.

[107] Capo: Haupt, Vorsitzender.

[108] exequiert: vollstreckt.

[109] HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 1. Bd., S. 403.

[110] Hans Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf gefallen], kaiserlicher Feldmarschall.

[111] Florenz [Florent] Freiherr (Baron) v. Ouren zu Tavigny [ -Februar 1634], kaiserlicher Obrist.

[112] Wilhelm [Guillaume de] Freiherr (1634), Graf (1649) v. Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey] [um 1590-13.12.1659 Schloss Dymokury], kaiserlicher Feldmarschall.

[113] Johann [Hans] Lucas Notario [Notteirio] [ – ], kaiserlicher Obristleutnant.

[114] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[115] Pal [Paul, Pauli] Orosi [Orosio, Orossi, Orosy, Rosy, Rose, Horatius, Horatio, Horosie] [ – September 1633], kaiserlicher Obrist.

[116] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29. Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[117] Georg Christoph v. Taupadel [Tupadel, Tupadell, Taubadel, Toupadel, Tubal, Taubald, Thobadel, Dupadel, Dubald, Dubadell, Dubalt, „Raupartl“, Teupold] [um 1600 Fichtenberg-12.3.1647 Basel], schwedischer Generalleutnant.

[118] KREBS, Hatzfeldt, S. 187.

[119] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann.

[120] Zwickau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 380ff.

[121] Rittersgrün, heute Ortsteil von Breitenbrunn [Erzgebirgskreis].

[122] Frauenstein [LK Mittelsachsen].

[123] Plauen [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 279ff.

[124] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[125] Oelsnitz [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 263f.

[126] Reichenbach [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 298f.

[127] Brandschatzung: von der jeweiligen Armee bzw. den Kommandeuren willkürlich festgelegte Summe, die die Einwohner aufzubringen hatten, um das Abbrennen ihrer Stadt, Gemeinde etc. zu verhindern, die von den Offizieren möglichst hoch festgelegt wurde, um sich dann auf die von ihnen beabsichtigte Summe herunter handeln zu lassen. Bei den Armeen gab es seit dem Mittelalter sogenannte Brandmeister, Spezialisten im Schätzen und bei Nichtbezahlung der Brandschatzung im Feuerlegen. Erzherzog „Leopold Wilhelm musste bereits zwei Monate [20.11.1645; BW] nach seiner ersten Weisung mit einem neuerlichen Befehl die Einhaltung der Disziplin und Abstellung der Exzesse energisch einfordern: Er verhängte ein komplettes Ausgangsverbot in seiner Armee, um Delikte wie Kirchenplünderung, Mord, Brandschatzung und die schendung der weibsbilder zu verhinden“. REBITSCH, Gallas, S. 218.

[128] Klostergrab [Hrob, Bez. Teplice, Tschechien].

[129] Freiberg [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 99ff.

[130] Kraut und Lot: Pulver und Blei. Kräuter, z. B. Wolfskraut, wurden als Beigabe zum Schießpulver verwendet, da sie als Zaubermittel galten, um eine bessere Wirkung des Kanonen- oder Gewehrschusses zu erreichen. Daher stammt auch die Bezeichnung des Pilvers als „Büchsenkraut“ oder „Zündkraut“. – Lot: hier als Gewicht für die Bleikugel.

[131] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis. Halbe Kartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite von 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[132] Oederan [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 261f.

[133] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[134] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen erwarteten je nach Lage der Dinge meist einen ehrenvollen Abzug und zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Auch wurde festgelegt, z. B. 1634 Landsberg/Warthe beim Abzug der kaiserlichen Garnison; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 196: „Ingleichen sollen sie vor- vnd bey dem Abzug einigen Einwohner / Bürger vnnd Schutzverwandten / er sey Geist- oder Weltlich / im geringsten nicht beleydigen / vielmehr aber / was jedweder Officierer vnnd Soldat der Burgerschafft schuldig / so entlehnet / oder mit Gewalt abgenommen / vorm Abzug richtig bezahlen“. Vgl. auch die genauen Festlegungen im Akkord von Dömitz (26.12.1631; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 497ff.). Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden, z. B.. wegen der Undiszipliniertheit ihrer Truppen oder weil die Abziehenden gegen den Akkord verstießen, nicht eingehalten. CHEMNITZ über durch Wallenstein gewährten Akkord für die Besatzung von Glogau (1633), Königlichen Schwedischen [ …] Krieg, 1. Buch, 60. Kap., S. 273: „Schrieten also die / darin gelegene / hohe Officirer zum accord / Den der Hertzog von Friedland / mit sack vnd pack / brennenden lunten / fliegenden Fähnlein auszumachiren / vnd gerade auf Landsberg begleitet zu werden / bewilliget / doch schlecht gehalten, in deme Er sie bald vor / bald hinter sich zurücke geführet / dadurch den Soldaten abgemattet / vnd dergestalt schwierig gemacht / das letztlich erst im WinterMonat fast weinig vnd ohngefehr dreyhundert mann davon in Pommern überkommen“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger unter dem 3.12.1634; BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 233: „Und seind disen tag uf dem Asperg ankommen 3. Stuckh Officiers, ein Leutenant, Fendrich und Corporal, welche von dem Tubadelischen [Georg Christoph v. Taupadel; BW] Volckh, so von Schorndorff außgezogen [25.11. war Schorndorf gefallen; BW], entrunnen, dann ihnen die kaiserische den accord nit gehalten, Sie betrüglicher weiß 6. Tag umbgefüert, hernacher erst gezwungen sich underzustellen, oder sollten nidergemacht werden: Und seind alle Officier dabey gefangen genommen worden“.

[135] Daniel Beygott z Reinderštatu [Beygold, Beygoldt, Beigoldt, Beigolt, Beygoth, Beycott, Beuchold, Peygott, Peigoldt, Peigolt, Peycott] [ -um 1650 ?], kaiserlicher Obrist.

[136] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. In den bei Angriffen und Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten und um ein freies Schussfeld zu haben.

[137] Wolkenstein [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 364f.

[138] Niederlauterstein, heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 178.

[139] Augustusburg [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 13f.

[140] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.

[141] Marienberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 215f.

[142] Zschopau [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 378f.

[143] erpochen: durch Pochen, d. h. durch Trotz, etwas erzwingen.

[144] LEHMANN, Kriegschronik, S. 65f. Lehmann dat. nach dem alten Stil.

[145] Pilsen [Plzeň, Tschechien]; HHSBöhm, S. 444ff.

[146] divertieren: ablenken, abbringen, eine Diversion (Ablenkungsmanöver, Vorstoß auf einem Nebenkriegsschauplatz, unerwarteter Angriff).vornehmen.

[147] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[148] HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 2. Bd., S. 522.

[149] Brüx [Most, Bez. Most, Tschechien]; HHSBöhm, S. 79ff.

[150] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad, Tschechien]; HHSBöhm, S. 540ff.

[151] Schwarzenberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 328f.

[152] Aue [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 10ff.

[153] Schneeberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 320ff.

[154] Adorf [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 1f.

[155] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[156] Mylau [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 240f.

[157] Werdau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 357f.

[158] raiteln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[159] Stollberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 337ff.

[160] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, von HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] und seinen Zeitgenossen neben Krieg und Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133 f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest von 1625 an der Pest von 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden und etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später treten Bewusstseinsstörungen und Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende und äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten und Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm und waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen von selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 %r zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer und erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle von Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- und Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat und die eine Letalität von 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren eine starke Atemnot, Husten, blaue Lippen und blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de] lassen vermuten, dass es sich bei der Pest von 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status und Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung und Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse und andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser und Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne von vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet und wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“.Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest und Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt von den Heiligen Sebastian und Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit und Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der von „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurde, aber auch von Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand von Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 96ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung und wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. Vgl. auch LAMMERT, Geschichte, S. 147ff.

[161] LAMMERT, Geschichte der Seuchen, S. 146f.: „In Zwickau erhob sich die Pest zu Anfang des Jahres, sie nahm so zu, dass vom 9. Juni bis 11. August 1500, darunter viele angesehene Personen erlagen; am 5. August wurden allein 158 Leichen begraben. Die Stadt lag voll von Kranken und Todten, zu deren Unterbringung die Kauf- und Fleischladen um den Markt benutzt werden mussten. In diesem verhängnisvollen Jahren wurden überhaupt 1897 Todesfälle angemeldet; die Zahl der Todten soll aber ohne Soldaten 6000 betragen haben; ganze Strassen waren durch den Tod und die Flucht vieler Einwohner verödet. Gegen Michaelis liess die Seuche nach, um in den umliegenden Ortschaften sich geltend zu machen, da starben viele dahin geflüchtete Zwickauer Bürger. Das Sterben übertraf jenes von 1582-83m welches man bereits das grosse genannt hatte“.

[162] Dux [Duchcov, Bez. Teplitz, Tschechien]; HHSBöhm, S. 118f.

[163] Vgl. auch ARENDT, Wallensteins Faktotum, S. 229.

[164] Miliz: Kriegsmannschaft.

[165] Meißen; vgl. KÖBLER, Historisches Lexikon, S. 389f.

[166] Volk: Truppen, Armee.

[167] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[168] titulo possessionis: unter dem Vorwand des Eigentums.

[169] praetendieren: einfordern.

[170] N Nabock [ – ], kaiserlicher Obristleutnant.

[171] RICHTER, Historische Nachricht, S. 192f. (Richter dat. nach dem a. St.).

[172] Reichenbach [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 298f.

[173] Crimmitschau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 53ff.

[174] weglassen: ablassen; Bier, Wein etc., was man nicht mitführen konnte, ließen alle Kriegsparteien in der Regel auslaufen.

[175] Die Lazaristen, auch Vinzentiner, (lat.: Congregatio Missionis, CM) sind ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.

[176] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[177] Vergewaltigung, „Schändung“, „Schwechung“: Vergewaltigung war in den Kriegsartikeln aller Armeen ausdrücklich verboten und mit der Todesstrafe bedroht. Auf Vergewaltigung stand schon in den Kriegsartikeln Gustav II. Adolfs von 1621 die Todesstrafe. Sie war aber von Anfang an eines der häufigsten Delikte, wenngleich z. T. in den offiziellen Kriegsberichten an den Kriegsherrn absichtlich unterschlagen, aber auch in den Taufregistern immer wieder auftauchend. Zuweilen vermerkte der Pfarrer beim Vater „drey Soldaten“, „zweene Soldaten“, um auch Mehrfachvergewaltigungen zu dokumentieren; UHLIG, Leidenszeiten, S. 11; vgl. die kirchlichen Zweifel bei GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 14, 66; „Balgstedt im Besitz der Herren von Heßler und von Schieck 1616 – 1744“: „1634 läßt Frau Thiele Zwillinge taufen; ihr Mann Hans Thiele hatte sie verlassen und war in den Krieg gezogen. In dem selben Jahre wird der außereheliche Sohn der Anna Schild getauft, welche sagt, sie sei voriges Jahr nach Pfingsten nach Laucha gegangen und auf dem Heimwege unterm Hain beim Spillingsgarten von einem Reiter überfallen worden, weshalb das Kind ‚Hans Reuter’ getauft wird“. Zur Schändung auch von Schwangeren vgl. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 54. Teilweise waren selbst Reiterjungen daran beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: „2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können“. Die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mag aus verständlichen Gründen um ein Vielfaches höher gelegen haben. THEATRUM EUROPAEUM Band 3, S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, S. 222, heißt es dagegen ausdrücklich, dass die Schweden in der ganzen Zeit sich „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice. Vgl. auch MAHR, Monro, S. 56f. Daus Verfahren wurde sehr unterschiedlich gehandhabt, vgl. etwa die Aufzeichnungen des Schmalkaldener Chronisten Pforr; WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636] sollte ein [schwedischer] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden“. Auf Klagen bei Kommandieren hieß es z. T.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 122: „es sei aus unterschiedenen regimentern kommandiert volk und unter denselben Spanier, Neapolitaner, Burgunder, Italiener etc., die man nicht also in zaum halten könnte“. Vergewaltigung gehörte z. T. zur üblichen Topik in zeitgenössischen Berichten oder bei Geburt unehelicher Kindern; vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es ausdrücklich, dass sich die Schweden in der ganzen Zeit „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice; die Beschwerden der Pommern’schen Gesandten (1630); THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 190, CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff. SEMLER, Tagebücher, S. 212f. (1635): „es ist kein wunder, daß wir kein glückh haben könnden, daß vnser aigen volckh mit den gaistlichen sachen so vebel vmbgehet, daß ein erschröckhen ist. Diser tagen haben vnser reütterey daß stätlin Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin], so doch kein feind darinnen wahre, veberfallen, dem priester, so eben consecrirte, den kelch auß der hand genommen, die closterfrawen noth gezwungen, andere weiber auf dem heiligen altar geschändt und geschmächt [geschwächt !; BW]“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632 über die Rache von Frauen; DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“. Zum Teil wird diese Gewalt gegen Frauen auch mit „schwechen“ umschrieben.

[178] schrauffen, schrauben: DWB 15, Sp. 1653: „als thätigkeit des henkers: schrauben einen, ist eigentlich eine henkers arbeit, torquere aliquem cochleis adhibitis Frisch 2, 223c; jemanden die daumen schrauben, eine art der tortur Adelung; man wird dich auf die tortur schrauben“. „Dabei werden der Daumen oder andere Finger in eine Zwinge gespannt und deren durch Gewinde miteinander verbundene Backen schraubenförmig zusammengezogen. Dieser Prozess ist äußerst schmerzhaft und nicht selten mit Frakturen verbunden, welche bleibende Schäden an der Hand verursachen können“. [wikipedia].

[179] Kriegsgräuel: Kriegsgräuel waren die Begleiterscheinung dieses Krieges von Anfang an. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620), zur Eroberung von Pisek am 30.9.1620; PÖRNBACHER, Barock, S. 325f.: „Heute um die dritte Stunde des Nachmittags ist Biska gleich beim ersten Eindringen in die Stadt erobert worden. Alle, die drinnen waren, hat man zusammengehauen und umgebracht. Besonders die Soldaten des Bucquoi haben niemand geschont, kein Geschlecht noch Alter, auch das Kind, das im Bett saß, wurde mit einem Gewehrschuß hingestreckt. Ein gar erbärmlicher Anblick war das, wohin die Einwohner oder die Besatzungssoldaten auch flohen, sie fielen in die Hände der Unseren und wurden getötet oder gefangen. Der Anführer wurde in der Stadt in tausend Stücke zerhauen. Einer Schwangeren, die im Schrecken gebar, wurde der Kopf gespalten, das Kind an der Wand zerschmettert. Man sagt, Bucquoi habe sein Schwert und den Regimentsstab zerbrochen, als er dem Gemetzel Einhalt bieten wollte, aber die Raserei der Soldaten war stärker. Mehrere stürzten sich ins Wasser, um wenigstens so zu entkommen, aber auch dort trafen sie die Kugeln und so starben sie fast einen doppelten Tod. Man sagt, es seien zwölfhundert Schützen in dieser Stadt gewesen, die schon an sich, und auch durch ihre Lage aufs beste befestigt war. Aber nicht einmal einen ganzen Tag hat sie diesem doppelten Heer, dem unsern und dem des [Charles Bonaventure de; BW] Bucquoi, widerstehen können. An diesem Abend liefen von den Böhmen 130 Soldaten ins Lager unseres Fürsten über. Überall herrscht unter unseren Feinden Furcht, Schrecken und großes Zittern, und das ist kein Wunder: schon kennt man den bayerischen Löwen“. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 163f., Anm. 2: „Den 17. November 1621 Abends fielen sieben Cornet Reuter, unter Commando des Bayerischen General-Feld-Wachtmeisters Grafen von Anholt [Johann Jakob v. Anholt; BW] Commando in den [kurpfälzischen BW] Flecken Beerfelden, plünderten, ohnerachtet ihrer Verpflegung, denselben aus, nahmen 21 Pferde, und tractierten die Leute unmenschlich, daß sie, um ihr Leben zu retten, sich in die Wälder flüchteten. Folgenden Tags wurde durch den continuirenden Nach- und Rückzug von etlichen tausend Mann von der Bergstraße gegen Moßbach [Mosbach; BW] in dem Amt Freyenstein [Freienstein; BW] vollends alles aufgerieben, auch die Kirche ihres Kelchs und Ornats beraubet, der Pfarrer [Heinrich Lambinus; BW] erbärmlich geschlagen, und mit Stricken dermaßen geknebelt [=> geraitelt; BW], daß ihm Gesicht und Gehör vergangen, das Blut zu den Augen herausgedrungen, und er in wenig Tagen sterben müssen. Sie nannten ihn anders nicht, als einen Lutherischen Schelmen und wollten ihn mit Bedrohung der Castration zwingen, daß er den Kirchen-Gesang: »Erhalt uns, Herr, bey deinem Wort usw.« verschweeren sollte. Sie preßten ihm auch durch große Marter 600 fl. aus“. Hans Sonnenbächer, Schultheiß, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 206: „Mansfeldische Reiter, uf 30 stark, seien bei ihnen durchgestreift. Philipp Stumpf sei uf Schultern gehauen worden, denen sie als ein alten eisgrauen Mann gestöckt und gepleckt, ins Dorf genommen, mit Füßen ufgehängt, mit Lunten gebrennet, auch salvo honore [= mit Verlaub zu sagen (Entschuldigungsformel)] in Mund Urinam reddiert [= uriniert], endlich herab ufs Genick sehr übel fallen und schlagen lassen“. Der Pfarrer von Mönchsdeggingen, Christian Spradtler, am 4.1.1634 über die am 13.12.1633 erfolgte Plünderung und seine Marter; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 51f.: „und einer unter ihnen, der sich des Ochsenwürthen, würthen von Nereßheim, welchen man vor diesem verbrand, Sohn genennet, sich öffentlich vernemen lassen, habe sich dem leibigen Satan ergeben ewiglichen. Alsobalden die anderen dreyen seine Spießgesellen gerufen, deren sich dann ein jeder mit seinen Instrumenten baldt gefaßt gemacht. Der erste mit einem hültzern reiteltopff, mich damit zu reiteln, der ander mit einem langen Strickh, mich damit zu binden, der dritte mit einem Schraufzeig mich damit zu klueben, Der vierte mit einem großen erdenen Topff darinnen etliche maß wasser, so sie den schwedischen trunckh nennen, gema(h)nt, mir damit den garauß zu machen“. Hans Hoxer in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 213: „Ewald Weißen Frauen hätten sie die Nasen abgehauen. Ihm, Zeugen selbst, ein Strang um den Kopf gelegt und geknebelt, daß er ihnen etwas an Geld, so er in einem Säckel im Garten gescharret gehabt, geben, womit sie aber nicht content [= zufrieden] gewesen, sondern fürbaß [= weiter] einen Strang an beiden Armen gemacht, das Seil hinterrücks über ein Apfelbaumen Äste geworfen, schwebend ufgezogen, auch eine gut Weil hängen und sich bedencken lassen. Zeug aber [durch]gehalten und ferner nicht geschnellt [= hochgezogen worden]. Sonsten hätten sie in Gewölbe, darinnen er sein und anderer Leut Sachen verwahret gehabt, ufgebrochen und alles genommen, dabei zu verstehen geben, das hätte man unserm gnädigen Fürsten und Herrn [dem Landgrafen] zu danken. Vom Schänden wäre viel gehört worden, dann mit seines Nachbarn Barthel Schelches Eheweib hätten sie Schande geübt und doruf ins Wasser geworfen, welche kürzlich hernach, vermutlich aus Schrecken, gestorben“. Heinrich Clodius, Schulmeister, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 215: „Die Weimarischen hätten ihn, Zeugen selbst, in die Scheuer geführt, geknebelt, die Hände uf den Rücken gebunden, mit brennenden Lunten Pulver in die Hosen geblasen, auch deromaßen mit ihme übel gehaust, daß er den Mund noch nicht recht öffnen könne. Sie haben Jakob Schäfern mit dem Hals ufgehängt und ein Weil hängenlassen, bis er ihnen das Geld zu geben verwilliget. Niklas Glappacher hätten sie ein Kordel um die Pudenda [= Geschlechtsteile] gemacht, so lange zugezogen, bis er ihnen ufs 60 Gulden geben. Matthes Hammans Weib, samt andern viel mehr, Daumen ufgeschraubt um willen, Geld zu geben und zu verraten“. Pfarrer Heinel von Waldkirchen (1632), zit. nach www.krumhermersdorf.de/literatur/urkunden: „Weil man etliche Soldaten unten im Dorfe abgesetzet und [ihnen] die Pferde genommen [hat] welches nicht nur hiesige Leute, sondern auch benachbarte verübet, [haben] General Holcks Völker [Soldaten] auf ihres Generals Befehl das Dorf angestecket [angezündet]; niedergehaun, was sie angetroffen, also daß sie etlichen die Köpfe in einem Hieb abgehauen [haben] und der Kopf den Berg [hin]abgelaufen, das Corpus [Körper] aber liegengeblieben [ist], welches jämmerlich zu sehen gewesen. Und sonst übel verfahren, wie die Rudera [Spuren] noch ausweisen „. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 23f.: „Zu dieser Zeit ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewähret bis auf das 1637. Jahr; do man dann bald nichts anderes hörte als Rauben, Stehlen, Morden, Sengen und Brennen. Die armen Leut[e] wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch gereitelt. Vielen [wurden] die Augen ausgestochen [und] Arm[e] und Bein[e] entzweigeschlagen. Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten. Etliche [wurden] von ferne beim Feuer gebraten, (teils) im Rauchschlot aufgehenkt und Feuer unter sie geschüret. Etliche [sind] in die Backöfen gestoßen, Stroh vorgemacht und angezündet [worden]. Kein und Schwefel [wurde ihnen] unter die Nägel gesteckt und angezündet. Die Daumen [wurden] geschraubet, spitzige Knebel ins Maul gestecket, [so] daß das Blut haufenweiß heraus geloffen [ist]. Hernach(er) [ist] der ganze Leib durch den Mund mit Urin und Mistwasser gefüllet [worden], die Fußsohlen [wurden] aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen aus den Leibern geschnitten und vielen die Rippen in dem Leib entzwei geschlagen. In Summa, die große Pein und vorhin unerhörter Marter – davon auch der Teufel in der Höll[e] Mitwissenschaft haben mochte – so sie den Menschen in vielen Wegen (an)getan, bis sie gestorben oder verschmachtet oder preßhaft worden, ist nicht zu beschreiben. Da hat manches fromme Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herrn oder Nächsten Sachen, die lange verwahret gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der Schwangern und Sechswöchnerin[en] mit Schänden nicht verschonet. Und welches ja ein Greuel anzuhören: achtjährige Mägdlein sowohl, [als] auch 60 bis 80jährige Weibspersonen [sind] zu Tode gemartert, hernach ausgezogen, in die Teich geworfen oder auf der Straße liegen [ge]lassen [worden]. Zuletzt durft[e] sich kein Mensch mehr in Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sich, [ganz] gleich [ob es] im Morast oder in gebirgigen Steinklüften war, denn da hatten sie Hund[e], welche auf die Menschen abgerichtet [waren, so] daß also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach, da sind viel[e] Leut[e] in den Wäldern hin und wieder erschossen und niedergehauen worden; auch unbegraben liegen [ge]blieben“. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 278f., über die Lage in Schlesien nach der verlorenen Schlacht bei Liegnitz am 13.5.1634, in der die kursächsische Armee unter Hans Georg von Arnim die kaiserliche unter Johann von Götz und Rudolf Graf Colloredo schlug: „Die Kayserische nach deme sie bey der Lignitz geschlagen / haben sie in Schlesien besonders zwischen Lignitz und Glatz gar übel gehauset / sonderlich dieweil sie zumahl kein Oberhaupt gehabt / alles was sie gekönt / außgeplündert / und die Inwohner allen Orten wegen grosser angelegter Marter und Peinigung verjagt / auch auß den Wälden / dahin sie sich umb sicherheit willen begeben / gleich wie das Wild auff dem Felde gehetzet / das Frauenvolck wie ein Heerd Vieh zusammen in ihr quartier getrieben / und nackend und bloß mit ihnen zu tanzen / und sonsten zu gehorchen gedrungen: über das dz arme Volck beym Feuer und in Backöfen gebraten / die Augen außgestoßen / Riemen auß den Rücken lebendig geschnitten / Arm und Beyn / Ohren und Nasen / die männliche Glieder und säugende Brüste abgeschnitten / oder darmit empor gehoben / mit Spännern und Hämmern zerklopfft / angeschnürt / umb geführt / Kühn und Schwefel unter die Nägel und in die heimliche Ort gesteckt / angezündt / und damit biß zum Hertzen hinauff gebrent und also verbrent: mit Pistolstöcken die Daumen geschraubt / mit den Bärten und Haren auff den Steinen herumb geschleppt / zerbrochene spitzige Stecken in Hals gesteckt / biß das Blut hauffenweise herauß gelauffen / den Mund unnd Bauch mit Mistpfitzen / Urin / und anderer Unsauberkeit angefüllt / in die Brunnen geworffen / von Dachrinnen gewipffet / die Fußsohlen auffgeschnitten und Salz drein gestreuet / Arm / Bein und Rippen im Leib entzwey geschlagen und zertretten / Hände / Nasen und Ohren abgeschnitten / auffgehenckt / und Feuer unter die Füsse gemacht / und darmit weder Alter noch Jugend / weder Mann noch Weib / weder Edel noch Unedel / weder Schwangern noch Sechswöcherin / noch keines anderen Unterschiedes verschonet / den Eltern die Kinder auß den Armen gerissen / und in stücken zerhauen /zerrissen oder wider die Wände geschmissen / die Augen den armen Leuten auß dem Kopff gerättelt / wie sie reden / und unsäglichen Marter / Schmertzen und Pein angethan / als nicht alles zubeschreiben / wie die zu Goldberg / Reichenbach / und an anderen Orthen und Stätten / Flecken / und Dörffern erfahren: sonderlich zu Reichenbach / welche doch allezeit den Keyserischen / wie billich / miltiglich contribuiret / und alle mögliche Hülff und Vorschub gethan / welchen auch die Bürgermeister auffgewartet / ihnen entgegen gangen / und mit Glimpff der Statt bestes reden wollten / aber nicht gehört / sondern nur die Gewaltthätlichkeiten mit Morden / Schänden / Plündern in Kirchen und Häusern / auch biß für und auff den Altaren und Gotteshäusern verübet / wie darvon in Truck außgelassene offene Schrifften und Klagten bezeugen“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 237, Bericht der Amberger Regierung vom 19.3.1646: „Wie dan auch dergleichen unmenschlich procedur den 13. diss auch vorgangen, indeme Georg Schmid, untertan zu Kemnath, welcher mit 5 kleinen kindern beladen von Hirschau nacher hauss und futter gehen wollen, ist er von 9 reuttern erdappt, in das wirtshaus geführt und von ihm begehrt worden, speckh, butter und früchte zu weisen, weiln er aber nichts gewußt, haben sie ihn mit prügeln, eisernen stenglein, schrodhacken und säbeln anfangs uf die schienbein, daß dieselbige ganz zerschmettert, so lange geschlagen, bis die spreissel davon gefallen, hernach ins creuz, in die rechte seiten, über den rückhen und lenden mit einer schrothacken also getroffen, das er etlichsmal zu boden gefallen. Andern morgen früe vortags haben sie ihn mit eisernen stänglein abermahlen jemerlich geschlagen, den urin und koth in einen hafen gelassen, under einender gerührt und ainer, den sie den türkhen genannt, nachdem die andern ihne uf die arm gestanden, das maul mit einem eisernen stänglein aufgespreizt und diesen unflath also unbarmherzig hineingegossen und abwärts im hals gestrichen. Nach diesem allen haben sie ihn wieder ufs geführt und alss er inen uf starkes zusprechen nicht anzeigen khönnen, zu boden geschlagen, mit füssen getretten, gestoßen und mit sporn gestochen und alss er mit weiters laufen müssen, hat ine der türk mit einem prügel über den Arm, rückhen, lenden, füß und fußsohlen unaufhörlich geschlagen, mit ins holz geführt, einen strickh an halss gelegt und an einen paumb gehängt, doch daß er die erden mit den zehen berühren khönnen, bis ihn endlich der zehnte reutter, so bei diesen gewest, abgehauet, und nach hauss zu gehen haissen“. Vgl. die Rechtfertigung der Kriegsgräuel bei dem Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich [Gustav Horn gewidmet], dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, Discurs, S. 6, 19. Vgl. NEITZEL; HORATH, Kriegsgreuel; KAISER, „Ärger als der Türck“. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 152f.: „In Ruppertsgrün [bei Elsterberg] trennten sie [die Schweden 1640; BW] dem 83jährigen Pfarrer mit glühenden Eisen Ellenbogen, Kniescheiben, Fußzehen ab und marterten ihn zu Tode. Seiner Haushälterin gaben sie Mistjauche zu trinken und zerschlugen ihr mit Pistolen das Gesicht. Anderen Dorfbewohnern banden sie die Köpfe unter den Beinen zusammen und hängten sie verkehrt herum auf. Dann schlugen sie auf diese ein oder legten Feuer unter die Unglücklichen. Einen Bauern ließ man im Backofen ersticken, einem anderen schnitt man die Ohren auf, und gab sie ihm kleingehackt zu essen“. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
„Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. VOLLBRECHT, Dreißigjähriger Krieg, S. 57f.: „So zündeten die schwedischen Soldaten am 5. Mai [1636; BW] die Glandorfer Glandorf [LK Osnabrück; BW] Kirche und das ganze Dorf an. Das soll eine Strafaktion gewesen sein, weil einige Zeit vorher Glandorfer Bürger bei der Verteidigung ihres Ortes einige schwedische Soldaten getötet hatten. Hierbei kam es auch zu Greueltaten gegenüber den Wehrlosen. Es wird berichtet, dass die schwedischen Soldaten von den drei Töchtern des Hofes Schultewerth eine kreuzigten und eine andere über dem Herdfeuer erstickten“. Während des Dreißigjährigen Krieges massakrierten schwedische Truppen am 18.6.1633 einen Großteil der männlichen Bevölkerung von Kirchhofen. Die Opfer wurden bei lebendigem Leib in einer Weinpresse zu Tode gequetscht. Insgesamt wurden dabei rund 300 Bauern aus Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler als angebliche Rebellen niedergemetzelt. Vgl. auch FURTENBACH, Ober-Ländische Jammer- Und Straff-Chronic, S. 67ff. über die Einnahme Memmingens durch die Kaiserlichen (1633). „Bis ins Jahr 1636 war Pruntrut von den in der Umgebung lagernden Kaiserlichen blockiert. Die Mißhandlungen der Landleute draussen in den Dörfern bis ins Delsbergertal durch die Truppen blieben an der Tagesordnung. So wurde in Courchavon wie zwei Jahre vorher in Fontenais der Schmied, ein armer alter Mann am Strohfeuer zu Tode gesengt. In Bassecourt liess man den Sohn einer guten Familie, absichtlich zu diesem Zwecke eingesperrt, verhungern. Ein anderer musste in Vermes angesichts eines mit Speisen wohlbesetzten Tisches den gleichen Tod sterben; dessen Vater, in einem nahen Speicher eingeschlossen, musste ebenfalls verhungern. Einem armen Kinde, das einen harmlosen Brief von Prunstrut nach Delsberg tragen sollte, ließ der Obristleutnant Mora ein Ohr abhauen. => Kriegsverbrechen in den „Materialien“.

[180] Kirchenraub, Kirchenschändungen: Kirchenraub galt als eines der abscheulichsten Verbrechen, in den Kriegsartikeln zumindest mit der Todesstrafe bedroht, und wurde nach Art. 172 der „Constitutio Criminalis Carolina“ generell mit dem Tode durch Verbrennung bei lebendigem Leibe bestraft, im Militärstrafrecht mit dem Tod durch den Strang. Mithin war die Bezeichnung „Kirchenräuber“, mit der die kaiserlich-kursächsischen Soldaten bei HAPPE apostrophiert werden, nach dem „Schelm“ eines der schlimmsten Schimpfworte. Mit Befriedigung stellte z. B. der Stassfurter Pfarrer Möser fest, wie Banér Kirchenraub bestrafen ließ; WINTER, Möser, S. 50. Theatrum Europæum Band 3, S. 616f.: „Unter diesen Crabaten und Polacken ward eine scharpffe Kriegs-Disciplin und gute Ordnung halten / wie dann drey ihrer Soldaten / welche in einem Dorff auß einer Kirchen etwas gestohlen / und darüber ergriffen worden / eine harte Straff haben außstehen müssen / in deme sie alle drey an Pfählen angebunden / und lebendig im Feuer verbrandt worden“. Der Erzgebirgschronist Lehmann über schwedische Truppen (1640); LEHMANN, Kriegschronik, S. 117: „Darbei haben Sie keiner Kirchen geschonet, alle Sacristeyen zerhauen, die Altare gestümmelt, die Orgeln zerrißen, den Ornat, Leich- und Altartücher, kelche weggenommen. Den do ist alles Preiß gewesen, kirchen, kirchengeräthe, Gottesäcker, Epitaphia, Crucifixe, die Sie verstümmelt und verbrandt; in ezlichen kirchen ist die strew von Pferden ellenhoch gelegen. In kirchen haben Sie die verborgenen löcher gefunden, drin die alten die Pepstlichen Kirchengeräthe, Monstrantzen, becken, weihkeßel vermauret hatten, und darvon kein einwohner gewust, und mitgenommen, Die Libreyen der Priester geraubet und aufgeladen“. MORGENSTERN, Chronik von Olbernhau, S. 39f.: Pfarrer Pistorius schreibt unter dem 15.1. 1646 über die Plünderung durch Schweden: „Sonntag post circumcisionis Christi festum, d. 4. Jan. umb 10 Uhr vormittag sein ettliche 60 furagierende Pferde u. Knecht in die Pfarr Albernhayn plötzlich eingefallen, in die 56 Scheffel Haber eingesackt, gänss, Hüner undt Endten, von allerlei victualien, Butter, Käse, Bettgeräde und weisse Wäsche, kleider und was sie nur auf Pferde und schlitten aufladen können, weggenommen. Andre in die kirch gebrochen, die Sacristei eröffnet und darinnen sehr viel Sachen, dess Pfarrers kleider, victualien, ettlich fässlein Butter u. viel leinwand hinweggenomben : und biss gegen 3 uhr Abend geplündert, worauf umb 4 Uhr ein andre Parthy wieder in die Pfarr komben, meel und korn eingesacket und gegen die Saigerhütte damit verrucket, also dieses ersten einfalls Schaden sich über die 130 thaler belaufet. Folgender Tage von 6., 7. biss 15. Januar sein zu 200 biss in die 500 Pferde, Mussquetierer und viel räuberische rotten stetig in Dorf Albernhayn logiret, die kirchen, sacrarium, und Heiligthumb sacrilegistice (d. h. tempelräuberisch) beraubet, welches zuvor von ihnen als Feinden nicht beschehen: zwei kostbare Missgewandt, eines von gold gewirkt und gestickt auf die 90 thaler werth, das andre, ein rot Sammets, beide mit sehr schönen von Seid und gold gestückten Crucifix Bildern, und dieses auf 60 thaler werth, neben zwei übergüldenen kelch und Patenen (Hostienteller), ein grosen und kleinen, in den einen gienge 2 seitel, in den andern 1 seitel, was sie werth sein, kann jetzo nit gesagt werden. Was mitt zerbrochen und durchgraben am altar und kirchengebeut, item am Pfarrhauss vor Schaden geschehen, wird ehist kläglich besehen werden: Ohne was dem Pfarrer, alles was er gehabt, verwahret, vergraben zu hauss, in der kirch, an allen Orten und enden, am ettlichen geld, an kleidern, Betten, garn, leinwand, an getrait und gänzlicher nahrung, an seiner Bibliotheca vor schaden geschehen, denn alles kleines und grosses weggenomben und panolethrice (alles zerstörend) verderbet worden ist: weil er blos und übelbekleidet kaum ihren Händen entkomben, alles, alles hinterlassen und den Barbarischen Scythen und Mohametischen Räubern und Unmenschen, recht höllischen, meineidigten bestien zur beut und beraubung all sein Hauss und haab umb rettung des lebens dargeben müssen und von diesen Freibeutern dermassen beschädigt und verderbet ist, als nicht zu schreiben, als nit zu glauben, als nicht wohl mag der schaden geschätzet werden und derselbe über die 200 thaler (ohn das getrait, Pienstöcke und kleinen vieh) sich belaufet. Gott der gerechte, dem wir allein und nicht diesen Türkischen Heiden gesündiget, der wird solches richten und rechnen undmitt zeitlicher und ewiger Bestrafung diese unchristen verdamben und verwerfen“. SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 541 (Zwickau 1633): „Ein anderer [Kaiserlicher; BW] hatte ein grün Taffendes Meßgewandt gestolen / und ihm etliche Sachen / unter andern ein paar Kniebänder daraus machen lassen / dem bekam sein Kirchen-Raub übel. Denn im hinaus ziehen ist er gefallen / und ist ihm ein Wagen über die Beine gangen / der hat ihm beyde Beine / eben an dem Ort / wo die KnieBänder herumb gebunden / zerknirscht / und ihn sonst so übel zugericht / daß er in grossen Schmertzen sterben müssen“. SEMLER, Tagebücher, S. 212 (1635): „Dieser tagen haben vnser [kaiserliche; BW] reütterey dass stätlin Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin], so doch kein feind darinnen wahre, veberfallen, dem priester, so eben consecrirte, den kelch aus der hand genommen, die closterfrawen not gezwungen, andere weiber auf dem heiligen alltar geschändt vnd geschmächt“. Am 26.5.1636 berichtete der Überlinger Stadtschreiber Hupertus an den noch in Wien weilenden Dr. Pflummern; SEMLER, Tagebücher, S. 281, Anm. 787: „Dieses volckh [des Herzogs v. Modena Francesco d’Este; BW] hatt so sauber in allen orten auf dem land abgeraumbt, daß nit eins pfennings werth (ausser der zerbrochenen heuser) vbergeblieben; alles khupfer, zinn, eisen vnd blech hat herhalten müssen, khein nagel in der wand ist sicher gewesen; zu Ittendorff ebenmessig alle fenster eingeschlagen, daß bley, bandt von den thüren, eiserne hackhen oder kloben mit zerschlagung des gemäurs auß den stainen außgegraben vnd hingenommen. Zu Kippenhausen vnd Hagnaw haben sie 2 gloggen abgehebt vnd hingeführt: die kirchen aber zu gemeltem Hagnaw gantz außgeplünderet, die meßgewandt, paramenta, fenster, orgel, eiserne gätter, item die thür vnd rigel des sacrarij, in summa waz hat nur können abgebrochen werden, ist alles hin vnd noch darzu die stül und kirchen gantz zerschlagen“. Der Erzgebirgschronist Lehmann über schwedische Truppen (1640); LEHMANN, Kriegschronik, S. 117: „Darbei haben Sie keiner Kirchen geschonet, alle Sacristeyen zerhauen, die Altare gestümmelt, die Orgeln zerrißen, den Ornat, Leich- und Altartücher, kelche weggenommen. Den do ist alles Preiß gewesen, kirchen, kirchengeräthe, Gottesäcker, Epitaphia, Crucifixe, die Sie verstümmelt und verbrandt; in ezlichen kirchen ist die strew von Pferden ellenhoch gelegen. In kirchen haben Sie die verborgenen löcher gefunden, drin die alten die Pepstlichen Kirchengeräthe, Monstrantzen, becken, weihkeßel vermauret hatten, und darvon kein einwohner gewust, und mitgenommen, Die Libreyen der Priester geraubet und aufgeladen“.

[181] Generalfeldzeugmeister [schwed. General för Artilleriet]: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt. Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Er erhielt nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) monatlich 1.200 fl.Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“ [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[182] Rudolf [Rudolfo] Graf Colloredo [Coloredo, Coloreto, Coleredo, Colredo, Kolloredo]-Waldsee [Wallsee] [2.11.1585 Budweis-24.2.1657 Prag], kaiserlicher Feldmarschall.

[183] Pleissenburg: 1549 als Festung über einem dreieckigen Grundriss neu errichtet. Die neue Pleißenburg war an das Befestigungssystem der Stadt angegliedert und vom Hauptwall durch einen eigenen Wassergraben getrennt, so dass sie die Funktion einer Zitadelle übernahm. Sie war mit Kasematten versehen und an der Feldseite mit einer dreieckigen Bastion ausgestattet [wikipedia].

[184] Christoph v. Trandorf [Drandorff] [ -1650], kursächsischer Obrist.

[185] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-18.10.1656 Dresden].

[186] Bernhard Herzog v. Sachsen-Weimar [16.8.1604 Weimar-18.7.1639 Neuenburg am Rhein], schwedischer, dann französischer General. Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst; RÖSE, Herzog Bernhard der Große.

[187] Oederan [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 261f.

[188] Schneeberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 320ff.

[189] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 2. Bd., S. 304.

[190] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann.

[191] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann, S. 133: „Spottweise nennen dieses Gebirge die böhmischen Papisten und Mammelucken das Hunger- und Haberland, den beständigen Exulanten zum Schimpf, die sich meist bei der böhmischen Verfolgung von 1624 bis 50 in dieses Gebirge retterirt (= gerettet) und niedergelassen haben, teils sind (sie) wider hineingelaufen nach den Ägyptischen Fleischtöpfen, das davon ein Sprichwort entstanden: So lange ein Teil Exulanten in Beckers Psalter singen und was zuzubüßen haben, sind sie gute Lutheraner, wenn sie aber müssen in dem Habermann beten und schmal leben, da liefen sie wieder nach dem böhmischen Mehl und Knödlein“.

[192] Klostergrab [Hrob, Bez. Teplice, Tschechien].

[193] Frauenstein [LK Mittelsachsen].

[194] Kraut und Lot: Pulver und Blei. Kräuter, z. B. Wolfskraut, wurden als Beigabe zum Schießpulver verwendet, da sie als Zaubermittel galten, um eine bessere Wirkung des Kanonen- oder Gewehrschusses zu erreichen. Daher stammt auch die Bezeichnung des Pulvers als „Büchsenkraut“ oder „Zündkraut“. – Lot: hier als Gewicht für die Bleikugel.

[195] LEHMANN, Kriegschronik, S. 65.

[196] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[197] Kürassierregiment des Herzogs  Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg.

[198] Holk.

[199] Wilhelm v. Wchinitz u. Tettau [Vilém Vchynský ze Vchynic a z Tetova], Graf Kinský [1574 oder 1582-25.2.1634 in Eger ermordet], Führer der böhmischen Emigranten. 1611 Oberstjägermeister des Königreichs Böhmen, 25.5.1618 einer der dreißig Direktoren, 26.8.1619 beteiligt an der böhmischen Königswahl, in der er für Johann Georg I. v. Sachsen votierte, konnte sein Eigentum aber nach der Niederschlagung der böhmischen Revolution vor der Konfiskation bewahren, 1628 auf Betreiben Wallensteins zum Grafen erhoben, 1630 Emigration nach Pirna, behielt aber seine böhmischen Güter, die er von katholischen Amtsleuten verwalten ließ. Nach der Schlacht bei Breitenfeld nach Böhmen zurückgekehrt, wurde er beim Einfall kursächsischer Truppen gefangen genommen u. in lockerer Haft gehalten; während des 2. Generalats Wallenstein Vermittler zwischen Wallenstein, schwedischen u. französischen Diplomaten.

[200] Röhrkasten: Laufbrunnen.

[201] spoliert: geplündert.

[202] KLUGE, Hofer Chronik, S. 33f.

[203] Röslau [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[204] Salvaguardia: Ursprünglich kaiserlicher Schutzbrief, durch den der Empfänger mit seiner Familie und seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde; zur öffentlichen Bekräftigung dieses Schutzes wurde dem Empfänger das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler und die Wappen der kaiserlichen Königreiche und Fürstentümer an seinen Besitzungen anzuschlagen. Der Schutzbrief bedrohte jeden Angreifer mit Ungnade und Strafe. Im 30jährigen Krieg militärische Schutzwache; Schutzbrief (Urkunde, die, indem sie geleistete Kontributionen und Sonderzahlungen bestätigte, gegen weitere Forderungen schützen sollte, ggf. durch militärische Gewalt des Ausstellers); auch: sicheres Geleit; eine oft recht wirkungslose Schutzwache durch abgestellte Soldaten, in schriftlicher oder gedruckter Form auch Salvaguardia-Brief genannt, die meist teuer erkauft werden musste, und ein einträgliches Geschäft für die zuständigen Kommandeure darstellten. Teilweise wurden entsprechende Tafeln an Ortseingängen aufgestellt, „Salvaguardia“ an die Türen der Kirchen (HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 55) geschrieben oder für die ausländischen Söldner ein Galgen angemalt. Die 1626 von Tilly erlassene Schultheißen-Ordnung hatte festgelegt: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986. Der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing; SIGL, Wallensteins Rache, S. 140f.: „Da die Schweden so grausam wüteten und sich wie eine Seuche immer weiter ausbreiteten, alle Dörfer mit Raub, Mord und Jammer heimsuchten, erbaten die Bürger ab und zu von den Kapitänen der Weimaraner eine Schutzwache, die bei ihnen meist Salva Guardia heißt. Erhielten sie diesen Schutz zugesagt, so wurde jeweils ein Musketierer zu Fuß oder zu Pferd in das betreffende Dorf, die Ortschaft, den Markt abgestellt. Dieser sollte die herumstreifenden Soldatenhorden, kraft eines vom Kapitän ausgehändigten schriftlichen Mandats, im Zaume halten, ihre Willkür beim Rauben und Plündern einschränken. […] Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine solche Schutzwache unseren Leuten oder den Bewohnern anderer Orte, denen auf ihre Anforderung eine Salva Guardia zugestanden wurde, keinen Vorteil brachte. Im Gegenteil, sie schlugen ihnen vielmehr zum Schaden aus und waren eine Belastung. Offensichtlichen Nutzen dagegen hatten nur die Kapitäne, denn ihnen mussten die Leute gleich anfangs die ausgehandelte Geldsumme vorlegen oder wenigstens wöchentlich die entsprechende Rate (pensio) entrichten. Kurz, wie Leibeigene oder Sklaven mussten sie blechen, was die Kapitäne verlangten. Ich habe nur einen Unterschied zwischen den Orten mit und denen ohne Salva Guardia festgestellt: Die Dörfer ohne Schutzgeleit wurden früher, jene mit einer Salva Guardia erst später ausgeplündert. Da nämlich die Schweden vom Plündern nicht ablassen konnten, solange sie nicht alles geraubt hatten, so raubten und plünderten sie entweder alles auf einmal (sodaß sie nicht mehr zurückkommen mußten) oder sie ließen allmählich und langsam bei ihren Raubzügen alles mitgehen, bis nichts mehr zu holen war. Obendrein haben diese eigentlich zum Schutze abkommandierten Musketiere und Dragoner gewöhnlich die Ortschaften, ihre Bewohner und deren Habseligkeiten – als Beschützer – ausspioniert und dann verraten. Wurde nämlich der bisherige Beschützer – und Spion – unvermutet abberufen, dann brachen seine Kameraden, Raubgesellen und Gaunerbrüder ein und raubten alles, was bislang durch den Schutz der Salva guardia verschont geblieben war, was sie in Wirklichkeit aber für sich selbst hinterlistig und heimtückisch aufbewahrt hatten, und wüteten um so verwegener (pro auso suo) gegen die jämmerlich betrogenen und enttäuschten Menschen, beraubten sie nicht menschlicher und marterten sie“. Auch war das Leben als Salvaguardist nicht ungefährlich. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 49f. (1629): „Eine Eingabe des Bauern Jacob Löffler aus Langenwetzendorf [LK Greiz] wegen der bei ihm einquartierten »Schutzgarde« schildert die Heldentaten der derselben ungemein plastisch: »Was ich armer Mann wegen anhero zweijähriger hiesigen Einquartierung für groß Ungemach ausstehen müssen, gebe ich in Unterthänigkeit zu vernehmen: Denn erstlichen habe berührte Zeit über 42 ganze 42 Wochen Tag und Nacht bei den Soldaten ich aufwarten, nicht allein viel Mühe und Wege haben, sondern auch welches zum Erbarmen gewesen, Schläge gewärtig zu sein und geprügelt werden zu müssen, 2. habe ich meine geringe Haushaltung wegen jetziger Unsicherheit beiseits setzen, meine Felderlein wüst, öd und unbesamt liegen lassen, daß seither ich im geringsten nichts erbauen, davon samt den Meinigen ich mich hätte alimentieren mögen, 3. haben die Soldaten mir die Gerste, so zu einem Gebräulein Bier ich eingeschüttet, aus den Bottichen genommen, zum Teil mutwilligerweise zerstreut, zum Teil mit sich hinweggenommen, verfüttert und verkauft, 4. haben sie mir das wenige Getreidig, so noch unausgedroschen vorhanden gewesen, mit dem Geströhde aus der Scheune in andere Quartiere getragen, ausgeklopft und ihres Gefallens gebraucht, 5. weil sie an meiner geringen Person sich nicht allzeit rächen können, haben sie mir die Bienen und derselben Stöcke beraubet, umgestoßen und zu Grund und Tode gerichtet, 6. sind von ihnen mir alle Hühner, Gänse und ander Federvieh erschossen, genommen und gefressen worden, meine Wiesen, Raine und Jagen mir dermaßen verödet, daß ich nicht eine einzige Bürde Heu und Grummet von denselben genießen kann, 7. endlich ist von ihnen mir eine Kuh aus dem Stalle, so meinen Geschwistern zuständig gewesen, gezogen, in ein anderes Losament getrieben, geschlachtet und gefressen worden.« Teilweise „kauften“ sich begüterte Bürger Offiziere als Salvaguardia, um sich gegen Übergriffe zu schützen; SUTORIUS, Die Geschichte von Löwenburg. 1. Teil, S. 266. Teilweise wurde nur ein einzelner Salvaguardist einquartiert, teilweise aber ging die Zahl je nach Kriegs- und Ortslage erheblich in die Höhe. 1635 hielt Heinrich Graf Schlick 100 Mann zum Schutz seiner Herrschaft Plan für notwendig; SENFT, Geschichte, S. 124.

[205] Fass Bier: äußerst unterschiedliche Maßeinheit, z. B. Lübeck: 149.02 Liter, Österreich: 226.45 Liter, Böhmen: 244.48 Liter, 1 Sachsen: 280.95 Liter, Freiburg/Br.: 390.78 Liter, Sachsen: 393 Liter; Gera: 398.076 Liter; Einbeck: 409.2 Liter, Duderstadt: 422.07 Liter, Wolfenbüttel: 433.73 Liter, Braunschweig: 434.88 Liter, Dresden: 520.12 Liter, München: 1710.5 Liter (?). Angaben nach SCHLAGBAUER, http://www.web-schlagbauer.de/Main/Gewichte/Liter.php?64_38_.

[206] Schwarzenbach an der Saale [LK Hof].

[207] Feilitzsch-Zedwitz [LK Hof].

[208] Schleiz [Saale-Orla-Kreis]; HHSD IX, S. 380ff.

[209] LAMMERT, Geschichte, S. 144: „Zu Bayreuth waren 360 Personen der Krankheit erlegen, zu Hof eine noch grössere Zahl, darunter die angesehensten Männer, täglich starben 10 Personen an der Pest. – In Kulmbach war die Zahl der an der Pest gestorbenen so gross, dass nicht alle daselbst beerdigt werden konnten, sondern ein Theil derselben nachMelkendorf zur Bestattung gebracht werden musste“.

[210] Standarte: Bezeichnung für die auch bei der Reiterei üblichen Fähnlein: die kleinste Gliederungseinheit beim Fußvolk, im 17. Jahrhundert allmählich durch die Bezeichnung „Kompanie“ verdrängt. In der kursächsischen Armee bestand ein Regiment zu Fuß aus 10 „Fendl“: ein Fähnlein umfasste ca. 300 Mann (100 Pikeniere, 160 Musketiere, 20 Hellebardiere und 20 Rundschildner). Es gliederte sich wiederum in Rotten von 10–15 Mann, die von einem Rottmeister angeführt wurden.

[211] RÜTHNER, Hofer-Chronik, S. 38.

[212] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[213] Marktredwitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[214] Hans Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf gefallen], kaiserlicher Feldmarschall.

[215] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.

[216] Röslau [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[217] John [Johann] Gordon [Hubert Seger ?] [ -1649 Danzig], kaiserlicher Obrist.

[218] BRAUN, Marktredwitz, S. 36.

[219] Deggendorf [LK Deggendorf]; HHSD VII, S. 132ff.

[220] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.

[221] Furth i. Wald [LK Cham]; HHSD VII, S. 221f.

[222] Plattling [LK Deggendorf]; HHSD VII, S. 588f.

[223] Ernst I. der Fromme, Herzog v. Sachsen-Gotha-Altenburg [25.12.1601 Altenburg-26.3.1675 Gotha]. Vgl. JACOBSEN; RUGE, Ernst der Fromme; KLINGER, Der Gothaer Fürstenstaat.

[224] Johann Bernhard v. Ehm [Ehem, Öhm, Öhme] [26.3.1587 Schloss Böckelheim-15.9.1657 Basel], schwedisch-weimarischer, dann französischer Obrist.

[225] Georg v. Uslar [Isler, Islar] [10.9./20.9.1584 Waake-2./12.3.1638 Waake], schwedischer Obrist.

[226] Geltolfing [LK Straubing-Bogen].

[227] Aiterhofen [LK Straubing-Bogen].

[228] Friedrichstadt [Kreis Nordschleswig]; HHSD I, S. 62ff.

[229] General(feld)wachtmeister [schwed. Generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.

[230] Giacomo [Jakob] Strozzi [Strotz, Stro(t)zki], Strozza], Graf v. Schrattenthal [ -1636], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[231] Jan [Jean] Freiherr v. [de] Werth [Wörth, Wert, Waert, Weerd, Werte] [1594 Büttgen-16.9.1652 Benatek] Sohn westfälischer Bauern, Obrist, Generalwachtmeister, Feldmarschall-Leutnant u. General. Werth war der Prototyp des „Soldaten v. Fortune“. Seit 1608 war er Reiter in spanischen Diensten, 1620 nahm er unter Don Balthasar de Marradas an der Schlacht am Weißen Berg teil, 1622 wurde er Rittmeister, anschließend kurkölnischer u. 1631 kurbayerischer Obristwachtmeister, nach einem erfolgreichen Angriff auf Claus Hastvers Belagerungskorps vor Herrieden am 18.12.1632 wurde er am 30.12. Obrist, am 1.2.1634 Generalwachtmeister, nach seinen Erfolgen in der Schlacht bei Nördlingen (am 6.9.1634) Feldmarschall-Leutnant. 1635 wurde Werth in den Reichsfreiherrnstand erhoben, am 26.6.1637 eroberte er die Festung Ehrenbreitstein. Am 3.3.1638 geriet Werth in der Schlacht bei Rheinfelden in Gefangenschaft u. war anschließend vier Jahre lang im französischen Staatsgefängnis v. Vincennes ‚ehrenhaft’ inhaftiert. Am 24.3.1642 wurde er gegen den schwedischen Feldmarschall Gustav Horn ausgetauscht. Im Mai 1643 wurde er kurbayerischer General der Kavallerie u. nahm an den Schlachten v. Herbsthausen (5.5.1645), Jankau (6.3.1645) u. Alerheim (3.8.1645) teil. Nach seiner Revolte im Juli 1647, bei der er vergeblich versucht hatte, das gesamte bayerische Heer u. die v. Frankreich abgefallenen Weimarer in habsburgische Dienste zu bringen, wurde er v. Maximilian I. geächtet u. setzte sich mit wenigen Getreuen ins kaiserliche Lager ab. Am 4.10.1648 Sieg bei Dachau über die Schweden u. Franzosen. Werth verstarb auf der ihm v. Ferdinand III. verliehenen Herrschaft u. Schloss Benatek in Böhmen. LAHRKAMP, Werth; KAISER, Jan von Werth; KAISER: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/W/Seiten/JanvonWerth.aspx [14.8.2020].

[232] Feldmarschallleutnant: Der Feldmarschallleutnant war ein militärischer Dienstgrad, der gleichzeitig mit dem des Feldmarschalls im 17. Jahrhundert aufkam. Der Kriegsherr pflegte einem Feldmarschall einen „Untermarschall“ oder „Leutnant“ beizugeben, der den Feldmarschall zu unterstützen und zu vertreten hatte. Zu seinen Pflichten gehörten u. a. die Aufsicht über Proviantplätze und -straßen, die Kontrolle der Wachen usw.

[233] Maximilian [Maximilien] Freiherr v. Billehé [Bilhe, Pillehe, Bülecke, Billay, Ballay, Büleche, Biler, Bille ?, Balle, Bely], Sire de Valensart [ -6.9.1634 bei Nördlingen], ligistischer Feldmarschallleutnant.

[234] Standarte: Bezeichnung für die auch bei der Reiterei üblichen Fähnlein: die kleinste Gliederungseinheit beim Fußvolk, im 17. Jahrhundert allmählich durch die Bezeichnung „Kompanie“ verdrängt. In der kursächsischen Armee bestand ein Regiment zu Fuß aus 10 „Fendl“: ein Fähnlein umfasste ca. 300 Mann (100 Pikeniere, 160 Musketiere, 20 Hellebardiere und 20 Rundschildner). Es gliederte sich wiederum in Rotten von 10–15 Mann, die von einem Rottmeister angeführt wurden.

[235] prästiert: geleistet.

[236] perseqieren: verfolgen.

[237] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[238] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[239] Neumarkt-Sankt Veit [LK Mühldorf]; HHSD VII, S. 506f.

[240] ENGERISSER, Von Kronach, S. 210ff.

[241] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[242] costigiren = castigieren: einschränken, bändigen, zügeln, zurückhalten, ersticken, unterdrücken.

[243] HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 2. Bd., S. 87.

[244] Florenz [Florent] Freiherr (Baron) v. Ouren zu Tavigny [ -Februar 1634], kaiserlicher Obrist.

[245] subleviert: erleichtert.

[246] HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 2. Bd., S. 448f.

[247] PEKAR, Wallenstein 2. Bd., S. 290; FÖRSTER, Albrechts von Waldstein […] Briefe, 3. Bd., S. 210.

[248] HALLWICH, Wallenstein‘s Ende 2. Bd., S. 230.

[249] Christian Freiherr v. Ilow [Illo, Ilow, Illau] [um 1585 Sternberg-25.2.1634 Eger], kaiserlicher Obrist, Feldmarschall.

[250] Mies [Stříbro, Bez. Tachau, Tschechien]; HHSBöhm, S. 372f.

[251] Adam Erdmann Graf Trčka z Lipy [Terzka] [1584, 1599, 1600-25.2.1634 Eger], kaiserlicher Obrist, Feldmarschallleutnant.

[252] FÖRSTER, Briefe 3. Bd., Nr. 435, S. 210.

[253] Christian Freiherr v. Ilow [Illo, Ilow, Illau] [um 1585 Sternberg-25.2.1634 in Eger ermordet], kaiserlicher Obrist, Feldmarschall.

[254] Vom 22.2.1634 aus Mies, bei FÖRSTER, Wallenstein’s Briefe III, S. 210.

[255] Francesco [Antonio] Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], marchese di Grana [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto u. Grane] de Savona e Caretto, conte di Millesimo [1594/1590/1592-9.11.1651/1652], kaiserlicher Feldmarschall.

[256] HALLWICH, Wallenstein’s Ende 2. Bd., S. 511.

[257] Johann Graf v. Aldringen [Aldringer, Altringer] [10.12.1588 Diedenhofen-22.7.1634 Landshut], ligistischer Obrist, später kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen; DUCH, Aldringen (Aldringer), Johann Frhr.

[258] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[259] Bad Hersfeld [LK Hersfeld-Rotenburg]; HHSD IV, S. 20ff.

[260] Dr. Heinrich Niemann [ -25.2.1634 in Eger ermordet], Rittmeister u. Kanzler in Wallensteins Diensten.

[261] ARENDT, Wallensteins Faktotum, S. 259.

[262] Hans Ulrich Freiherr v. Schaffgotsch [Schaffguetsch, Schaffguezsch, Schafgutsch] [28.8.1595 Schloss Greiffenstein (bei Greiffenberg, Niederschlesien)-23.7.1635 Regensburg], kaiserlicher General. Vgl. KREBS, Hans Ulrich Freiherr von Schaffgotsch; HENKEL, Schaffgotsch.

[263] KREBS, Hans Ulrich Freiherr von Schaffgotsch, S. 218.

[264] ENGERISSER, Eine bisher unbekannte Ansicht, S. 13, Nr. 18.

[265] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 189.

[266] Vach, heute Stadtteil von Fürth.

[267] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[268] GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52.

[269] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 195, S. 90.

[270] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 218, S. 97.

[271] Philipp (V.) Graf v. Mansfeld-Vorderort zu Bornstedt [1589-8.4.1657 Raab], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. die Erwähnungen bei SEIDEL, Die Grafen von Mansfeld.

[272] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[273] Francesco Freiherr de Marazzani [Marazani, Marrazan, Marsoun, Moritzan] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[274] Wilhelm V. Landgraf v. Hessen-Kassel [14.2.1602 Kassel-21.9.1637 Leer]. Vgl. ALTMANN, Wilhelm V.; KEIM, Landgraf Wilhelm V. v. Hessen-Kassel I, II; PETRI, Das Militärwesen von Hessen-Kassel; GEYSO, Beiträge I-III.

[275] Halle a. d. Saale; HHSD XI, S. 177ff.

[276] GOODRICK, Relation, S. 84f.

[277] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[278] Justus [Jobst] Matthias v. Sparrenberg [Sparrenberg, Sparnberger, Sparrenberger, Sperenberg, Sparenburg] [ – ], Obrist[leutnant] in schwedischen bzw. kaiserlichen Diensten.

[279] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 111.

[280] SAGITTARIUS, Saalfeldische Historien, S. 352.

[281] Vílém Graf Slavata z Chluma a Košumberka [1.12.1572 Schwarzkosteletz (Szestin)-19.1.1652 Neuhaus (Wien)], Oberstkanzler v. Böhmen.

[282] Georg Adam v. Waldstein [Wallstein] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[283] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 218, S. 97.

[284] Selz (Seltz), Elsass [Frankreich, Dép. Bas-Rhin].

[285] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[286] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 248, S. 107.

[287] Halberstadt [LK Harz]; HHSD XI, S. 169ff.

[288] Gardelegen [Altmarkkreis Salzwedel]; HHSD XI, S. 130ff.

[289] Axel [Achsel] Graf Lille [Lillie, Lilie, Lielie, Axellilly, Lilli] v. Löfstad [23.7.1603 Berga-20.12.1662], schwedischer Generalmajor.

[290] Salzwedel [Altmarkkreis Salzwedel]; HHSD XI, S. 404ff.

[291] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 43.

[292] Sechsmänner: Beisitzer der Ratsherren. Als Kontrollorgan war die Einrichtung der „Sechsmänner“ in Wernigerode ins Leben gerufen worden. Sie waren ein Zugeständnis an die Forderungen der städtischen Mittel- und Unterschichten, der Unmäßigkeit des Patriziats einen Riegel vorzuschieben.

[293] Wernigerode [LK Harz]; HHSD XI, S. 493ff.

[294] Order: Befehl.

[295] Stolberg-Wernigerode, Grafschaft: Aus der Harzer Linie der Grafen von Stolberg bildete sich 1645 Stolberg-Wernigerode, das sich nach dem 1429 erhaltenen Wernigerode benannte. Vgl. HABERMANN, Die Grafen von Wernigerode; BRÜCKNER, Zwischen Reichsstandschaft und Standesherrschaft, S. 72ff.; BODE, Geschichte der Grafen von Wernigerode und ihrer Grafschaft; 350-390; DREES, Geschichte der Grafschaft Wernigerode; GROSSE, Geschichte der Stadt und Grafschaft Wernigerode.

[296] Dietrich v. Kracht [Cracht, Kranche], Freiherr u. Ritter [1603 Brahme bei Cottbus-6.7.1657 Schlabendorf], schwedischer, kaiserlicher Obrist.

[297] akkordieren: einen Vergleich aushandeln, einen Vertrag schließen, wegen Übergabe verhandeln.

[298] Schatzung: zusammenfassender Ausdruck für direkter Steuern, besonders für die Bede und den städtischen Schoß.

[299] Pressur: Bedrückung, Beschwerung, Ungelegenheit, die man durch Soldaten hat.

[300] Schlacht bei Wittstock am 24.9./4.10.1636: Schwedische Truppen (9150 Berittene und 7228 Infanteristen) unter Johan Banér schlagen die kaiserlich-sächsischen Truppen (9000 Berittene und 9000 zu Fuß) unter Melchior von Hatzfeldt. Dadurch konnten die schwedischen Kontributionsgebiete wieder ausgeweitet werden; Banér hatte bewiesen, dass mit Schweden als Militärmacht in dieser Kriegsphase wieder zu rechnen war. Vgl. Eigentlicher Verlauff Des Treffens bey Wittstock / etc. vorgangen den 4. October / 24. September 1636 [VD17 23.313240S]. Vgl. die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; MURDOCH; ZICKERMANN; MARKS, Battle of Wittstock; ferner HÖBELT, Wittstock; HEßELMANN, Simpliciana XXXIII. Vgl. Quellen 32, 33. – Wittstock [LK Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff.

[301] Das Regiment war kaiserlich !

[302] Hans Broig v. Magdalo [ – ], kaiserlicher Obristleutnant.

[303] in continenti: sofort, unverzüglich.

[304] Sothaner.

[305] Aschersleben [Salzlandkreis]; HHSD XI, S. 23ff.

[306] Osterwieck [LK Harz]; HHSD XI, S. 359f.

[307] ABEL, Caspar, Stiffts- und Land-Chronik des jetzigen Fürstentums Halberstadt, Bernburg 1754.

[308] 1 Reichstaler = 36 Mariengroschen = 24 gute Groschen je 12 Pfennige = 288 Pfennige.

[309] Matthias Kaltenbrunn [Kaltenborn] [ – ], Bürgermeister in Wernigerode.

[310] Pressur: Bedrückung, Beschwerung, Ungelegenheit, die man durch Soldaten hat.

[311] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 146f.

[312] Generalquartiermeister, „Oberstfeldquartiermeister“: Der Generalquartiermeister leitete das Quartieramt (mit zwei Oberquartiermeistern und dem Stabsquartiermeister sowie drei weiteren Offizieren), unterstützt von der Kriegskanzlei. Die Eingänge wurden dem Feldmarschall vorgetragen und die Antwortschreiben dementsprechend zur Billigung vorgelegt. Für technische Fragen wurden Ingenieure des Stabs herangezogen. Die mündliche Befehlsübermittlung oblag zwei bis vier Generaladjutanten. Das Quartieramt lieferte je nach Eingang Berichte an den Kaiser, den Hofkriegsrat, Weisungen an die Kommandeure der Feldarmeen, an die örtlichen Kommandeure und Festungskommandeure, an alle zuständigen Verwaltungsbehörden und gab Lageberichte an hohe abwesende Generäle und Nachrichten an die Gesandten des Westfälischen Friedenskongresses heraus. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) erhielt er 400 fl. monatlich. Der Generalquartiermeister hatte als Dienstvorgesetzter alle Quartiermeister der einzelnen Regimenter unter sich, sein Amt war eine sehr lukrative Einnahmequelle wegen der „Verehrungen“, um Einquartierungen (gerade bei den Winterquartieren) abzuwenden oder zu erleichtern. Zudem war er meist auch Inhaber eines eigenen Regiments, das die besten Quartiere zu erwarten hatte.

[313] Maß: 1 Maß (Bad Salzungen, Schmalkalden) = 1, 34 Liter, 1 Maß (Überlingen) = 1, 204 Liter, 1 Maß (Habsburger Lande): = 4 Seidel = 1, 414724 Liter.

[314] Malter: 1 Malter Hafer = 660 kg.

[315] Comitat: Anhang, Begleitung, Geleit, Gefolge, Hofstaat. Viele Obristen führten ihre Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Der mobile Hofstaat aller Offiziere und ihrer Ehegattinnen trieb die Einquartierungskosten zusätzlich in die Höhe. Dass gerade auch Offiziersfrauen z. T. ein großes Gefolge (50 Personen und 50 Pferde) wie die Gemahlin von Johann Philipp Cratz Graf zu Scharfenstein mit sich führten, erwähnt HELML, Oberpfalz, S. 59. Das Amtsprotokoll (1626 VIII 29), SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg , S. 281, täuscht hinsichtlich der Gesamtzahl: „Die Gravin von Ahnolt hat 9 pferdt, darzu wirdt außm ambt Stromberg contribuirt. Obrist Gallas hat 15 pferdt. Der ist nit hier. Der haubtmann hat 10 pferd, capitanleutenant 7, drey fendriche 12, cap(itan) S(t). Eloi 4, drei veltwaibell 9, drey furier 3, aventurier 12, ingenieur 5“. Dies waren lediglich die in Wiedenbrück stehenden Pferde. Hauptleute einer Kompanie unterhielten schon zu Anfang des Krieges einen eigenen kleinen Hofstaat und hatten nicht selten achtzehn Personen und vierzehn Pferde mit sich. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen und 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Der schottische Söldner Robert Monro, „der Schwarze Baron, der als Freiwilliger mitgekommen war, erhielt die Erlaubnis, für einen Grafen Tafel zu halten, der gewöhnlich mit mehr als sechzehn Personen zu Tisch erschien. Die Besucher des Grafen, seine Pferde und seine Diener wurden dabei ebenfalls standesgemäß versorgt“. MAHR, Monro, S. 27. Bei den ligistischen Cronberg’schen Reitern (363 Soldaten) wurden in Langenau (Schwaben) „600 pferde, 66 weiber, 78 mädel, 307 jungen, 94 kinder und grosse anzahl hunde“ festgestellt; ZILLHARDT, Zeytregister, S. 128. „Die Offiziere führten ein Leben in Luxus, tranken täglich ihren Wein und forderten neben Geld, Fleisch, Weißbrot, Hafer und Heu auch Delikatessen, so der Örter nicht zu bekommen. Sie brachten nicht nur ihr Gesinde mit, sondern luden auch noch Freunde und Verwandte ein. Die Bauern mußten mit Pferd und Wagen bereitstehen, wenn die hohen Herren Jagden veranstalteten, und bei Truppenverschiebungen hatten sie den Transport zu bewerkstelligen. Eine Untersuchungskommission, die auf ständige Klagen der fürstlichen Räte und auch des Kurfürsten eingesetzt worden war, stellte lediglich fest, daß entsprechende Berichte stark übertrieben seien, und Anholt konnte auf die fehlenden Soldzahlungen verweisen, ohne die die Soldaten sich weder Lebensmittel noch Waffen oder Kleidung kaufen könnten. Erst Ende Mai 1623 trafen neues Geld sowie Waffen und Rüstungen ein, und Anholt erließ eine neue Ordonnanz, nach der die Soldaten nur noch das gewöhnliche Servis fordern durften, d. h. Bett, Feuer, Salz, Zwiebeln und Essig, alles Weitere aber bezahlen sollten“. TESKE, Bürger, S. 68.  Auch fand man bei den Kompanien fünfzig Weiber und dreißig Jungen, was die Unterhaltskosten in die Höhe trieb, und gerade in einem solch kleinen Wigbolden im mikroökonomischen Bereich den Ruin auf Jahre hinaus bedeutete. Der Aufwand für Erzherzog Leopold Wilhelms eigene Bedürfnisse und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. Angeblich wurden 1646 täglich 600 Personen an 40 Tafeln bei Erzherzog Leopold Wilhelm unterhalten; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 612. „Als Leopold am 15. September [1646; BW] in Ammerthal war, wurden täglich 20 Ochsen, 100 Schöpse, 6 Kälber, 4 Ztr. Schmalz und Butter, 6 Säcke Weizenmehl, 120 Stück altes und 80 Stück junges Geflügel, 20 Eimer Wein, 60 Eimer Bier, 3 Zentr. Fische sowie 3000 Pfd. Schwarz- und Weißbrot verlangt“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 240.

[316] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[316]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[317] Verpflegungsgelder: Eigentlich durfte nur der übliche Servis gefordert werden: die dem oder den einquartierten Soldaten zu gewährende Unterkunft und Verpflegung, festgelegt in den jeweiligen Verpflegungsordnungen. „Servis“ definiert sich als die Abgaben des Hauswirts an den/die einquartierten Soldaten an Holz, Licht und Liegestatt (Heu und Streu), im Niedersächsischen kam noch Salz dazu; Kleidung, Ausrüstung etc., wurden verbotenerweise verlangt; Essen und Trinken fielen auch nicht darunter, wurden aber trotzdem eingefordert. Stattdessen konnte auch die sogenannte „Lehnung“ gegeben werden. Alle zehn Tage war diese Lehnung für die schwedischen Truppen zu entrichten, bei den unteren Chargen für Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den untersten Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. Dazu kam für den gemeinen Soldaten in der Regel täglich 2 Pfund Brot (zu 8 Pfennig), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfennig) und 1 Kanne Einfachbier (2, 02 Liter zu 8 Pfennig).

[318] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 303.

[319] Kelbra [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 236f.

[320] [Bad] Frankenhausen [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 29ff.

[321] Sangerhausen [Kreis Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 409f.

[322] BRICKA (Hg.), Dansk biografisk Lexikon Bd. 18, S. 35f.

[323] Möglicherweise vom Regiment des Philipp Freiherr v. Wildberg [Wiltberg, Wilsburg, Wiltburg, Wilberg] [ -4.10.1636 bei Wittstock gefallen], kaiserlicher Obrist.

[324] N Rock [ – ], kaiserlicher Obrist ? Bisher nicht bekannt.

[325] Dattenfeld, heute Ortsteil von Windeck [Rhein-Sieg-Kreis].

[326] N Saur [ – ], kaiserlicher Rittmeister.

[327] Waldbröl [Oberbergischer Kreis].

[328] Much [Rhein-Sieg-Kreio].

[329] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [wikipedia].

[330] Nach HENSELER, Günter, Aus der Geschichte von Much, Herzogtum Berg. Frdl. Mitteilung des Verfassers.

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Miniatti [Miniati, Migniatti], Antonio [Anton], Freiherr von Campoli

Miniatti [Miniati, Migniatti], Antonio [Anton], Freiherr von Campoli; Obrist [ – 24.7.1644 in Wien hingerichtet] Antonio Miniatti stand als Obrist, Kriegsrat, Muster- und Quartierkommissar für Mähren und Schlesien in kaiserlichen Diensten.

Am 7.7.1636 hatte sich Kardinal Dietrichstein an Miniatti gewandt: Vom Kaiser habe er die Nachricht erhalten, dass das Kriegsvolk aus Schlesien über Böhmen, Eger[1] und den Bodensee nach Italien abgeführt werden solle. Er verlangte den Vollzug des kaiserlichen Befehls, jenen die Pässe über Mähren zu sperren.[2]

Ferdinand III. schrieb am 6.8.1637 an Gallas, das Hauptanliegen der kaiserlichen Armee werde ständig durch Mangel an Feldausrüstung und Proviant vereitelt. Daher habe er an das Oberamt in Schlesien sowie an Miniatti in Mähren Befehle zur sofortigen Abfertigung von Getreide und Geld erlassen.[3]

Am 14.9.1640 teilte Ferdinand III. Colloredo mit, dass Militärkleidung nach Prag und zu Goltz unterwegs sei. Miniatti sei befohlen worden, auch 100 Paar Pferde und die Knechte zu Goltz zu überstellen.[4] Ähnliche Beschaffungsaufträge für die kaiserliche Armee unter Erzherzog Leopold Wilhelm gingen 1641 auch an Miniatti. Am 9.7.1641 schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Tottleben[5] an Rudolf von Colloredo, bei der Hauptarmee herrsche Mangel an Schanzzeug. Er solle es daher besorgen und der Armee auf dem Wasserweg zugehen lassen. Ferner möge er das Reitzeug für die Artilleriepferde, das unlängst aus Nördlingen[6] nach Pilsen[7] beförderte Pferdegeschirr und auch die Artilleriepferde und Knechte, die Miniaiti in Mähren erwerben und nach Prag befördern werde, zur Armee schaffen lassen.[8]

Olmütz[9] fiel im Juni 1642 in die Hände der schwedischen Armee unter Torstensson. Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg berichtet in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“: „Als nun nach einnemmung der Statt Neuß[10] die Schwedischen gewissen Nachricht bekommen / daß die Keyserischen von Breslaw[11] auffgebrochen / vnd einen vnnöthigen vmbschweiff biß an die Hungarische Gräntzen genommen / als sind sie in Mähren plötzlich ohne einigen Widerstand gefallen / in kurtzer zeit viel Schlösser vnd Häuser / Märcke vnd Flecken ihnen vnterwürffig gemacht / vnd in denselben grossen Raub vnd Beute bekommen / ist dardurch die gantze Markgraffschafft Mähren in einen vnglaublichen schrecken gerathen. Nach solchem Einfall / haben sie zu Wischaw[12] Ihrer Hochfürstlichen Durchleuchtigkeit Ertzherzog Leopold Wilhelms Bagage sampt 84. Pferden / 40. Wägen mit Gütern denen vornembsten vom Adel vnd Clerisey gehörig / angetroffen / dieselbe geplündert / den Graffen von Hoditz einen Herrn von Hermanstein / vnd andere Cavalliere gefangen genommen. Darauff sind sie mit gantzer Macht auff die Haupt- vnd Bischöfliche Statt Olmitz angangen / selbige Zeit wehrender Belägerung häfftig mit Schiessen geängstiget / vnd weil die Belägerten sich keines Entsatzes zu getrösten / so ist sie den Schweden durch gütlichen Vertrag überlieffert vnd eingeräumet worden.

Bey welcher Vbergabe / die Schwedischen in der Statt / wie auch zu Rackonitz[13] / dahin die Jesuiter  ihren Schatz geflüchtet / ein vnaussprechliches Gut / in etliche Tonnen Goldes überkommen / die Statt an Statt der Brandschatzung eine überaus grosse Summa Geldes erlegen müssen / vnd also in derselben vier tausend Centner Loth / achtzehen tausend Centner Pulver / eine grosse Qantität zündstricke / funffzig grobe vnd kleine Stück Geschütz / hundert vnd funffzig newe Rüstwägen / fünff tausend Pack Kleider vor die Soldaten / drey tausend newe Musqueten / drey tausend Pferde / vnd eine vnglaubliche Qualität an Korn vnd Wein zur Beut überkommen worden“.[14] Das „Theatrum Europaeum“ urteilte, dass Miniati Olmütz „nit genugsam defendiret“ habe.[15]

„Die Beute dort übertraf alle Erwartungen: Außer Wein, Getreide und einer Brandschatzsumme von 300 000 Talern fielen den Belagerern große Mengen von Pferden, Pistolen, Sätteln, Blei, Pulver und Lunten, 50 Kanonen verschiedenen Kalibers, 150 neue Wagen, 5000 neue Uniformen und 3000 geputzte Musketen in die Hände. Auch an die zehntausend Bücher und Handschriften wurden aus der Stadt geschleppt und auf Anweisung aus Stockholm in Kisten verpackt und nach Schweden geschickt. Das Gerücht besagte, die schnelle Kapitulation sei darauf zurückzuführen gewesen, daß die Frau des Kommandanten des italienischen Obersten Miniatti, sich in schwedischer Gefangenschaft befand. Ihm wurde auch freier Abzug gewährt, mit 535 Mann zu Fuß – nach dem Bericht eines unbekannten Berichterstatters, Wien, 1642 VI 21, sollen es dagegen 5000 Mann gewesen sein[16] – und drei Kanonen, aber erst nachdem er mit der schwedischen Generalität eine Abschiedsmahlzeit von Brot und Schweinefleisch eingenommen hatte. Miniati wurde später in Wien hingerichtet“.[17] So berichtet der Olmützer Stadtschreiber und Notar, Magister Flade: „Als nun Herr Obrist Miniati morgens gegen 6 abgezogen mit den neuen krakauischen [Krockow; BW] Völkern, sind um 12 Uhr den 15. Juni zu Mittag gekommen Herr General Major Wittenberg und Obrist Dörffling [Derflinger; BW], begehren im Namen Ihrer Excellenz, des Schwedischen Feldmarschalls Torstensson, daß die Stadt alsbald 150 000 Reichstaler Ranzion erlegen sollte. Solches als man nicht vermochte, hat man endlich nach Tag und nächtlicher Tractation und Bitten 30 000 und den Commissariis heimlich 4 000 Reichstaler zusagen und bis 4 000 Rest erlegen müssen. Herr Feldmarschall ist samt dem gegebenen Geld den 16. mit dem übrigen Volk nach Schlesien abgereist und hat 3 Regimenter, als das Hornische und Hammersteinische, beide zu Roß, und dann ein Regiment zu Fuß, so Obrist Königam kommandiert, auch zum Kommandanten in der Stadt bestellt worden, zur Garnison gelassen. Am Tage St. Johannis Baptistae ist Herr Obrist Königam abgefordert und statt seiner der Obrist Georg Paikul [Paykull; BW] angekommen“.[18]

Wegen der Beschuldigungen, die die Olmützer Bürgerschaft gegen ihn erhoben hatte, wurde er am 24.7.1644 in Wien wegen Hochverrat hingerichtet.[19]

[1] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[2] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 254.

[3] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 489.

[4] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1079.

[5] Tottleben [Unstrut-Hainich-Kreis].

[6] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[7] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[8] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1216.

[9] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[10] Neisse [Nysa]; HHSSchl, S.  331ff.

[11] Breslau [Wrocław]; HHSSchl, S. 38ff.

[12] Wischau [Vyškov]; HHSBöhm, S. 664f.

[13] Rakonitz [Rakovnik].

[14] WASSENBERG, Florus, S. 489.

[15] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 871.

[16] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1304.

[17] ENGLUND, Verwüstung, S. 276.

[18] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 392f.

[19] DUDÍK, Forschungen, S. 22.

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