Brandenstein, Georg Friedrich von

Brandenstein, Georg Friedrich von; Obrist [21.3.1596 Liebenwerda-bestattet 9.10.1635 Erfurt] Georg Friedrich von Brandenstein, ein Verwandter Christoph Carls von Brandenstein aus nichtgräflicher Linie, war Obrist des alten Leibregiments zu Fuß Herzog Wilhelms IV. von Weimar. Die von Brandenstein hatten weitläufige Besitzungen im Herzogtum Sachsen-Coburg. Sitz der Coburger Linie war Lützelbuch.[1] Brandenstein war auch Herr auf Prestewitz[2] und Theisa,[3] da am 1. März 1630 Siegmund von Brandenstein ohne Lehnerben verstorben war.

1628 stand er noch als Hauptmann in sachsen-weimarischen Diensten. In einem Antwortschreiben des Amtsschreibers Huber zu Königsberg,[4] in Abwesenheit des Amtmanns, vom 19.9.1628 auf ein Schreiben des Schossers Andreas Götz zu Heldburg,[5] den Abzug von Truppen von Unterhohenried[6] betr., hieß es, der Bischof von Würzburg [Philipp Adolf v. Ehrenberg; BW] habe sich in aller Freund- und Nachbarschaft erboten, ebenso Philipp Christoph Echter, Amtmann im würzburgischen Amt Rothenfels,[7] dem zwar das Haus in Hörieth [Hohenried ?; BW] gehöre, der jedoch nichts mit der Kirche zu tun habe. Herzog Wilhelm IV. habe daher dem Hauptmann von Brandenstein den Befehl erteilt, so dass er vorgestern von Unterhohenried abgezogen sei, bis dato aber die Schlüssel nicht zurückgegeben habe. Über die Rückgabe werde Antwort von Würzburg[8] erwartet, die nach Eintreffen von Boten überschickt werden solle.[9]

„Mühlhausen[10] ließ er [Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar; BW] durch seinen Oberstleutnant [Georg Friedrich v.; BW] von Brandenstein auffordern, zwei Kompanien Reiter aufzunehmen. Der Rat lehnte das mit dem Hinweis auf die durch Tillys Erpressungen erschöpfte Bürgerschaft ab. Daraufhin sandte der Herzog den Obersten Mitschefal [Metzfall; BW] mit seinem Regiment und drei Kompanien Courvillescher Reiter unter Major Battendorf nach Mühlhausen. Er hatte Befehl, mit guter Ordnung in die Stadt einzuziehen, wenn der Rat es gestatte. Weigere sich dieser, so sollte er es nach Erfurt[11] melden, inzwischen aber einen Streifzug gegen Dingelstädt[12] auf das Eichsfeld[13] machen und alles Vieh und bewegliche Gut mit sich nehmen, jedoch nur gegen die katholischen Dörfer vorgehen, die evangelischen schonen. Der Rat verweigerte wiederum die Aufnahme und verwies auf den Leipziger Schluß, sandte aber zwei Ratsmitglieder zu Wilhelm nach Erfurt. Dieser gab ihnen die Forderung bekannt, zwei Reiterkompanien und 150 Mann zu Fuß in ihre Dörfer zu quartieren, zu verpflegen und im Notfall in die Stadt zu nehmen. Dr. Buchard, den Wilhelm nach Mühlhausen schickte, führte dort die Verhandlungen mit dem Rat, der sich schließlich fügte“.[14]

„In der Folgezeit war es so, daß Oxenstierna die Befehle des Königs empfing und sie mit Hinzufügung seiner eigenen Ansichten dem Herzog weitergab. Der Herzog aber hatte das Oberkommando über die Truppen, denen er nach vorhergehender Unterredung mit dem Reichskanzler die Befehle erteilte. Den Plan Oxenstiernas, gegen Bamberg[15] vorzurücken, billigte er. Am 5. August sollte die Vereinigung der Armeen stattfinden, die hessische Reiterei hatte er bereits bei sich, als Oxenstierna die Nachricht von dem Anzug General Baners erhielt, dem Gustav Adolf ebenfalls befohlen hatte, zu ihm zu stoßen, und der am 3. August in Dinkelsbühl[16] angelangt war. Da die Gegend sehr unsicher war und sich überall wallensteinische Streifen zeigten, beabsichtigte Oxenstierna, noch zu warten, bis Baner etwas näher herangezogen war, damit dieser nicht in Gefahr gerate. Er bat den Herzog, sich noch ein wenig um Schweinfurt[17] aufzuhalten und durch starke Abteilungen den Feind zu beunruhigen, bis man sich vereinigt habe und gemeinsam vorgehen könnte. Wilhelm gab darauf dem Obersten Brandenstein den Befehl, soweit vorzurücken, bis er den Feind anträfe. Haßfurt[18] und Zeil[19] fand dieser unbesetzt, auch Bamberg ‚so offen, daß es mit leichter Mühe einzubekommen’ sei. Oxenstierna aber hatte inzwischen ‚eine Austeilung und Überschlag gemacht sowohl wegen der Brigade, so mit zu Feld ziehen, als des Volks, so in Garnison verbleiben soll’. Christian von Birkenfeld und Landgraf Wilhelm begaben sich nach Oberndorf[20] zu Wilhelm, um mit ihm darüber zu verhandeln“.[21]

„Als Herzog Bernhard von dem Zug Wallensteins nach Norden erfuhr, forderte er den Residenten Erskein auf, sofort alles neugeworbene Fußvolk in und um Erfurt zu quartieren, auch allen Proviant aus der Umgegend und 500 Mann vom Landvolk in die Stadt zu bringen und das Kommando über die Garnison dem Obersten Rosen anzuvertrauen. Die Reiterei solle er zu Taupadel nach Koburg[22] schicken, jedoch 300 Reiter unter Brandenstein bei Schleusingen[23] lassen. Brandenstein war in Meiningen,[24] als er die Nachricht erhielt, daß Koburg von Wallenstein besetzt sei und nur die Veste sich noch verteidige. Er beschloß daher, sich auf den Schutz des Thüringer Waldes zu beschränken und die Straßen zu decken. Seine Reiter legte er nach Hildburghausen,[25] Meiningen und Römhild,[26] konnte aber nicht verhindern, daß eine Streifschar kurz nach Wilhelms Abreise bis gegen Schleusingen vordrang und 5 Häuser der Vorstadt in Brand steckte. Brandenstein verjagte sie zwar wieder, doch verbrannte sie auf ihrem Rückzug noch mehrere Dörfer und verbreitete unter der Bevölkerung Furcht und Schrecken“.[27]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe erinnert sich in seiner Thüringischen Chronik: „Den 22. Oktober [1.11.1632; BW] ist Hertzog Bernhardt von Sachsen Weymar mit etzlichen tausend Mannen schwedischen Volcks zu Erfurt ankommen. Eodem die der Oberste Brandenstein aus dem Vogtlande mit einem Regiment schwedischen Reutern auch zu Erfurt ankommen“.[28] „Den 24. Oktober [3.11.; BW] sind noch etzliche Pappenheimische Musquetier in Salza[29] gewesen. Die haben die Brandensteinischen überfallen, aber mehr nicht als einen gefangen mit in Erfurt bracht“.[30]

„Vom 27.Oktober ist ein Brief Gustav Adolfs aus Arnstadt[31] datiert: ‚Es soll der Oberst von Brandenstein mit seinen beihabenden Reitern eilfertigst nach der Naumburg[32] gehen, die Stadt besetzen, wider alle ankommende Gewalt bis auf das äußerste manutenieren, dabei gute Ordre und justitia unter den Soldaten halten und sorgen, daß ein Vorrat Brot für die anlangende Armee, welches in ein paar Tagen geschehen wird, gemacht werde. Sonst soll er alsobald nach seiner Ankunft den Rat zur Naumburg vor uns schicken, damit wir wissen mögen, was sie mit dem kaiserlichen General, dem Fürsten Wallenstein, traktiert haben“.[33]

„Am 29. Oktober streiften Brandensteins Reiter heran. Ehe es noch recht Tag worden, hielten sie vor dem Othmarstore und hieben, als die Wache einige Umstände machten, mit ihren Äxten ein Loch hinein, sprengten die Schlösser und stürmten durch die Freiheit ans Herrentor. Sie fanden hier das Pförtlein offen, und jetzt standen sie gleich mitten in der Stadt. Die überraschten Holkeschen Musketiere mitsamt ihrem Leutnant wurden wurden gefangen. Der Handstreich glückte im rechten Moment. Denn zwei Stunden darauf galoppierten von Weißenfels[34] her sechshundert kaiserliche Reiter. Sie kehrten sogleich um, als sie die Stadt in den Händen Brandensteins sahen“.[35]

Brandenstein nahm an der Schlacht bei Lützen[36] am 16.11.1632 teil. Happe notiert dazu: „Wieviel aber eigentlich von unsern geblieben, kan man bis zum General Randefou noch zur Zeit nicht wissen. Doch das schwedische blau und gelbe Regiment zu Fuß, Hertzog Bernhardt, Fürst [Ludwig; BW] zu Anhalts, Grafen zu Löbenstein [Georg Ludwig v. Löwenstein; BW] und Oberster Brandenstein zu Pferde haben größten Schaden erlitten“.[37]

In einer Mitteilung an den Kriegskapitän Veit Ulrich Marschalk, gen. Greif, vom 8.2.1633 aus Hildburghausen,[38] die bevorstehende Einquartierung von Truppen unter dem Kommando Brandensteins hieß es, Endres zu Häselrieth[39] habe die die Quartiermeister unterwegs bei Siegritz[40] getroffen. Der Obrist Brandenstein sei nach Schweinfurt geritten. Über den Zeitpunkt seiner Rückkehr sei nichts bekannt. „Also wird der Gnäd. Herr sich mit dem Geleitsmann nach hier begeben müssen“.[41] Ein „Verzeichnis, was zur Verpflegung der Brandenstein’schen, unter dem Kommando des Majors Gaul stehenden und zu Hildburghausen und umliegenden Dorfschaften einquartierten Reiterkompagnien geliefert worden ist“, datiert vom 10.2.1633.[42]

„In den Verhandlungen am 8. Februar [1633; BW] und den folgenden Tagen war deutlich hervorgetreten, daß Bernhard einer Erklärung auswich und auch Ernst und Albrecht Wilhelm nicht unterstützten. Dieser dachte auch weiter nicht daran, in dieser Frage auch nur einen Schritt zurückzuweichen. ‚Meiner Person halben würde man mich nicht verdenken können, daß ich bei meiner Charge verbliebe und bestermaßen manutenierte’. Er wollte ‚gerne sehen, wie doch Bruder Bernhard in diesem am besten akkomodiert werden möchte’. ‚S. L. wäre billig in acht zu nehmen von wegen Ihrer Qualität’, auch das ‚gute brüderliche Vertrauen’ müsse bestehen bleiben. Er drang in ihn, er solle sich ‚vernehmen lassen, wie Sie es doch meinten und wie man dabei Sie bestermaßen akkomodieren könnte’. Schließlich forderte er ihn auf, sich zu erklären, ob er gesonnen sei, bei ihm zu bleiben und seinem Kommando zu folgen oder eine besondere Armee zu führen, etwa in Schwaben oder im Elsaß und am Rhein; allerdings unter seinem, Wilhelms Oberbefehl. Das einzige, was er erreichte, war, daß Bernhard ihm die Berichte Lohausens und [Zorn v.; BW] Bulachs zustellte. Einer bestimmten Antwort ging Bernhard aus dem Weg. Er beklagte sich über die Eifersucht des Bruders und riet, man solle es vor allem mit Oxenstierna nicht verderben. Auch Albrecht und Ernst rieten Wilhelm, erst abzuwarten, ‚was die Stände für ein Hauptwerk vorschlagen’, man solle erst sehen, wie die geleisteten Dienste belohnt würden, ehe man sich zu neuen dränge. Ernst schlug ihm sogar vor, ‚sich von dieser Charge selbst abzutun’. Dann könnte er ‚als guter Landesfürst bei der Landesregierung in guter stiller Ruhe verbleiben und großer Sorge und Bekümmernis enthoben sein und auf Satisfaktion dringen’.

Herzog Wilhelm ließ sich dadurch nicht von seinem Vorsatz abbringen. Von Bernhard meinte er, er ‚simuliere’. Dem Obersten von Brandenstein, der das Leibregiment zu Fuß führte, hatte er bereits Befehl gegeben, nach Schweinfurt zu gehen und das Volk, das sich dort gesammelt habe, gegen Eltmann[43] zu führen. Auch seine beiden Leibregimenter sollten langsam ins Fränkische marschieren. Als er aber erfuhr, daß Eltmann auf Wunsch Bernhards von Lohausen bereits besetzt worden war, fühlte er sich verletzt und gab Brandenstein den Befehl, das Volk so lange stilliegen zu lassen, bis er anderen Befehl gäbe; auf keinen Fall sollte er auf Befehl eines anderen fortrücken“.[44]

„Wilhelm hatte sich durch die Zurücksetzungen Oxenstiernas nicht entmutigen lassen. Er plante, die sich in Thüringen sammelnden Resttruppen zu einer selbstständigen Armee unter seiner Führung zusammenzuschließen. Obwohl Oxenstierna gegen den Plan war, forderte Wilhelm einige Infanterieregimenter von dem schwedischen Statthalter in Magdeburg,[45] Ludwig von Anhalt (ebd. S. 109/110). Dieser schickte Mitte März 1633 das Regiment Lohausen, welches unter dem Befehl des Oberstleutnants Ilefeld stand. Der Generalmajor Lohausen befand sich ja bekanntlich um diese Zeit bei den Truppen Bernhards in Franken. Außerdem schickte Anhalt das Regiment Tiesenhausen unter dem Obersten Detlof von Tiesenhausen, einem livländischen Edelmann, und das Regiment des Schotten Jakob King, welcher als Generalmajor auch den Oberbefehl über dieses Truppenkontingent hatte.

Aus Wilhelms eigener Bestallung kamen noch zwei Regimenter zu Fuß, nämlich das anhaltisch-thüringische Regiment Schenck und das Leibregiment Wilhelms zu Fuß unter dem Oberst Georg Friedrich von Brandenstein. Wilhelms altes Leibregiment zu Roß unter Oberstleutnant Georg Friedrich von Wolframsdorf befand sich seit Mai 1632 bei Herzog Bernhards Armee. (Huschke, S. 44, 48, 114, 183/184, S. 232/233). An Kavallerie standen zur Verfügung: die beiden Regimenter Georg Christoph von Taupadel (mit einer Sollstärke von 600 Dragonern in 12 Kompanien und 6 Cornets Reiter). Unter Taupadel standen zwei weitere Reiterregimenter, nämlich das Regiment des Oberstleutnants Reinhold von Rosen [einem Vetter des späteren französischen Generalleutnants Reinhold von Rosen) und das des Obersten Wolf Adam von Steinau. Weiterhin gehörten zu Wilhelms Reiterei seine eigene Leibkompanie zu Roß imd die Esquadron des Obersten Christoph Friedrich von Eßleben. Die gesamte Truppenstärke umfaßte also 5 Regimenter zu Fuß, zusammen ca. 3500 Mann, und 5 Regimenter zu Roß mit rund 2500 Pferden“.[46]

Brandenstein wird erwähnt in einer Mitteilung des Zentgrafen Georg Eimes zu Hildburghausen an den Schosser Andreas Götz zu Heldburg vom 25.2.1633, dass das Verzeichnis über die Kosten, die anlässlich der Einquartierung des Leibregiments zu Pferde des Herzogs Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar – das von Georg Friedrich von Brandenstein geführt wurde – noch nicht eingesandt werden könne, da es „Breitscheid“ noch nicht fertigstellen konnte, da er mit der Hochzeit seines Sohnes zu tun habe. Ferner wurden für angemeldete Truppen die Quartiere und die Orte mitgeteilt, die in die Quartiere Proviant liefern sollten. Abschließend ging es um Fragen der Unterbringung u. a. des Grafen von Ramée.[47]

„Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar hatte ursprünglich selbst daran gedacht, im Frühjahr 1633 nach Franken zu gehen, um dort als Generalleutnant den Oberbefehl über die Fränkische Armee zu übernehmen (Huschke, S. 95). Bernhard kümmerte sich indes wenig um die Ansprüche seines Bruders. Er hatte schon von Schweinfurt[48] aus Befehle an Lohausen und [Zorn v.; BW] Bulach erteilt, ohne die Zustimmung Wilhelms einzuholen. Als er im März 1633 dessen Aufforderung, sich zur Armee zu begeben, erhielt, war er schon in Bamberg (ebd. S. 107). Wilhelm verzichtete schließlich auf die eingangs erwähnte Vorgehensweise, weil er seinen Bruder Bernhard nicht düpieren wollte, auch fehlte ihm die Unterstützung Oxenstiernas. Er änderte seine Pläne und dachte daran, einen konzentrierten Angriff auf Böhmen und Österreich vorzunehmen (ebd. S. 109). Mit seiner Armee wollte er gegen Eger[49] und Elbogen[50] und weiter gegen die Donau vorrücken. In enger Fühlung mit ihm sollte Bernhard in die Oberpfalz eindringen, auf Regensburg[51] ziehen und nach dem Fall der Stadt ins Österreichische einbrechen.

Aufgrund der ablehnenden Haltung Oxenstiernas gab Wilhelm jedoch diesen Feldzugsplan auf, wollte sich zuerst nach Eger und die Oberpfalz wenden und, als auch dieses von Oxenstierna mißbilligt wurde, wandte er sich gegen Franken und den Main. (Ebd. S. 116, 118). Er gedachte aber auf dem Weg nach Bamberg wenigstens das fürstbischöflich-bambergische Kronach[52] in seine Hand zu bekommen. Er wollte diesem ‚großen Hindernis und Unheil ein Ende machen‘ und hatte dafür bei seinem Onkel, dem Coburger Herzog Johann Casimir viel Beifall gefunden (ebd. S. 122). Nach Aussage eines nach Würzburg[53] geschickten Leutnants begehrte man die Eroberung der Stadt, ‚um dann endlich einmal vor Forchheim[54] ziehen zu können‘ (Soden II, S. 158).

Wilhelm forderte Taupadel auf, alle seine Truppen bei Hof[55] zusammenzuziehen und kommandierte auch die Obersten Steinau und [Reinhold von (Hoch-Rosen); B. W.] Rosen dorthin. Außer seinen magdeburgischen Regimentern (Lohausen, King, Tiesenhausen) hatte er nur noch sein Leibregiment zu Fuß unter Oberst Georg Friedrich von Brandenstein und das Regiment des Obersten Johann Schenck. Die Infanterie, zum Großteil frisch geworben und gemustert, hatte eine für 5 Regimenter relativ geringe Stärke von 3500 Mann (StA Weimar, Abt. H 260, Bl. 230) ‚darunter viel Lumpengesindel‘ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen) und ‚Jungen, so noch keinen Mann bestehen können‘. Diese Aussage deckt sich auch mit der Anweisung in einem Truppenverzeichnis des Herzogs vom 24. März 1633, 3000 Mann aus dem Landesausschuß in die damals recht schwachen Regimenter einzugliedern, die aber großteils wieder entliefen (Skrifter II Bd. 7, S. 32).

Am 10. Juni führte Wilhelm die Regimenter aus den Quartieren bei Saalfeld[56] nach Ludwigsstadt[57] und befahl Taupadel, seine Truppen heranzuführen, da zu Hof der Proviant auszugehen drohte (H. 235, Bl. 37f. u. H. 252, Bl. 155ff.). Reiterei, Dragonerverbände und Fußvolk eingeschlossen, belief sich die Gesamtstärke von Wilhelms Armee vor Kronach auf insgesamt etwas mehr als 6000 Mann. Nicht zu vernachlässigen ist allerdings der Troß, welcher bei dergleichen Kommandounternehmen zwar nicht so zahlreich wie gewöhnlich war, jedoch mindestens nochmals die Hälfte der kämpfenden Truppen erreichte und damit die Zahl der subjektiv sichtbaren Streitmacht erheblich vergrößerte. Die Chronik des Johann Nikolaus Zitter spricht von ‚9 Regimentern zu Fuß und 8 zu Roß‘ und einer ‚gewaltigen Macht‘ von 20.000 Mann, die vor Kronachs Mauern aufzog. Der Kronacher Dechant Franz August Bauer will diese Zahlen gar mit den Kompaniestärken deutscher Landsknechte errechnen. Auch der Mitwitzer Tagebuchschreiber Andreas Dötschel spricht von 9 Regimentern zu Fuß und 9 zu Pferd sowie 16 Artillerie-Stücken (Dötschel/Tagebuch. In: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach 13/1984).

Die Verwechslung rührt daher, daß zur leichteren Bildung von Brigaden die schwedischen Fußregimenter in jeweils zwei ‚Squadrons‘ zu 4 Kompanien aufgeteilt waren, so daß die Regimenter Lohausen, King, Leibregiment und Schenck zusammen 8 Squadrons bildeten, das Regiment Tiesenhausen hatte nur 4 Kompanien und bildete die 9. Squadron. Die 5 Kavallerieregimenter Taupadels bildeten 8 Esquadrons zu je 4-6 Kompanien. Die von Zitter erwähnte Truppenstärke der ‚Schweden‘ von 20.000 Mann, welche Zahl bezeichnenderweise in der handschriftlichen Chronik Zitters eine Korrektur von fremder Hand aufweist, ist völlig aus der Luft gegriffen, wird jedoch immer wieder gerne zitiert, obwohl auch die realistische Zahl der heldenhaften Verteidigung Kronachs keinerlei Abbruch tut. Die Stärke der wehrhaften Kronacher Bürger dürfte, wie bei der ersten Belagerung, bei etwa 500 Personen gelegen haben, der in der Regel unzuverlässige Ausschuß belief sich laut eines Verzeichnisses vom April 1633 auf 277 Mann (Fehn VI, S. 215). Den bei Kurfürst Maximilian von Bayern und bei dem kaiserlichen Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld angeforderten Sukkurs blieben diese leider schuldig.

In Kronach kommandierte seit dem Vorjahr der Italiener Francesco de Melon. Das Statthalteramt hatte nach wie vor des Fürstbischofs Vetter, Wolfgang Philipp Fuchs von Dornheim, inne.

Der außerordentlich verläßliche ‚Hofhistoriograph‘ Bogislav Philipp von Chemnitz unterstellte den Plänen Wilhelms von vornherein keine großen Erfolgsaussichten: ‚In Thüringen hatte Herzog Wilhelm zu Sachsen / Weimar ein klein Corpo beysammen: Welchem der Herzog zu Coburg und Markgraf Christian zu Brandenburg versprochen / da Er etwas auf Cronach tendieren könnte / mit Stücken und munition zustatten zu kommen. Wodurch Er bewogen sich den ersten Brach-Monats [1. Juni a. St./10. Juni n. St.] von Saalfelde mit etlichen trouppen erhub / über den Thüringer Wald marchierte / und gerade nach Cronach das haupt streckte: Solches / ungeachtet der Feind von Eger / vnd aus der OberPfalz / vber neun meilen [1 Meile ca. 7, 5 km] zum Secours nicht hatte / anzugreiffen / vnd zu versuchen; Ob er mit einem sonderbaren [besonderen] vortheil sich der Stadt bemächtigen / auch zugleich das Schlos / ehe der Feind zeit zum entsatz gewünne / occupieren möchte‘. (Chemnitz II, S. 166).

Bereits am 18. Mai hatte Herzog Wilhelm mit einer Abteilung von ungefähr 2000 Mann unter dem Kommando des Generamajors Jakob (James) King die Festung und Stadt Kronach ‚recognosciren‘ lassen. Die Abteilung kam in der Nacht nach Friesen[58] und rückte dann am folgenden Morgen vom Vogelherd kommend hinter die Festung Rosenberg.[59] Dabei machte man sich das bereits stehende Getreide zu nutze und kam unbemerkt, die Hänge der hinteren Haingasse hinaufsteigend, bis zu der Anhöhe hinter der Festung bei der Schwedenwiese, wo sich eine Abteilung Kronacher Musketiere hinter den dortigen Steinmauern zur Erkundung des Feindes verschanzt hatte. Bei dem überraschenden Zusammenstoß kam es zu einem Schußwechsel, wobei aber niemand verletzt wurde. Obwohl aus der Festung Rosenberg mit Geschützen ‚hinausgespielet‘ wurde, mußten sich die Kronacher zurückziehen und es gelang den King’schen Truppen, sich 3 Stunden lang in dieser Stellung zu halten, wobei ein Ingenieur einen Lageplan der Festung und Umgebung anfertigte.

Am 12. Juni brach die Infanterie Wilhelms aus dem Feldlager von Ludwigsstadt,[60] wo man 2 Tage gerastet hatte, auf und vereinigte sich am 13. mit der von Hof über Nordhalben[61] heranziehenden ca. 2000 Mann starken Reiterei unter Taupadel bei Posseck[62] nördlich von Kronach (StA Weimar, Abt. H 235, Bl. 37f.). Der fürstbischöflich-bambergische Markt Nordhalben, welcher am 21. Mai eine Aufforderung des Herzogs, zwecks Kontributionsverhandlungen eine Abordnung nach Lehesten[63] zu sehen, ‚andernfalls militärische Execution erfolge‘ (Fehn VI, S. 217), ignoriert hatte, war von den durchziehenden Taupadel’schen Truppen in die Asche gelegt worden.

Am 13. Juni erreichten die berittenen Regimenter und etwa 450 kommandierte Musketiere (100 Mann aus jedem Fußregiment) Kronach. Zur Einschüchterung der Bürger stellte sich die Reiterei am Steinbruch an der Hofwiese in Schlachtordnung, während die kommandierten Musketiere mit einigen ausgefallenen Kronachern ‚chargirten‘ (StA. Weimar Abt. H. 252 u. H. 235, Bl. 37). ‚Da war bey uns in Ansehung einer so gewaltigen Macht / das Lachen zuverbeissen / die Reüterey hielten in batalia biß in die Nacht das wir nit ersehen kunden, wo deren Marsch hinauß gienge / im Läger bliesen jhre Trompeter die gantze Nacht / das es bey jhnen zwar schön, bey vns aber erschröcklich zuhören war‘ (Zitter, S. 31). Herzog Wilhelm traf, gemäß seinem Bericht an Oxenstierna und den weimarischen Quartierlisten, zusammen mit der Infanterie erst am 4./14. Juni vor Kronach ein (H. 260, Bl. 82f. u. H. 235, Bl. 37). Vom Lager hinter der Festung unternahm er am gleichen Tag mit etlichen Reitern einen Erkundungsritt, wobei der Major des Ausschusses, Hans Rudolph Mayer, mit ihm ‚scharmutzierte‘. Die Fußtruppen begaben sich, über Bernsroth,[64] mit ‚schönen neuen Fahnen‘ (es handelte sich ja zum großen Teil um neugeworbenes und noch unerfahrenes Kriegsvolk) sowie den Geschützen, Munition und Bagagewägen, auf das Gelände des alten Hastver’schen Lagers von 1632 am Westhang des Rosenberges. Von Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach erbat sich der Herzog in einem Schreiben vom selben Tage Verstärkung und Munition. Christian antwortete ihm, die verlangten 50-60 Ztr. Pulver stünden bereit, jedoch forderte er die Wagen mit Bespannung zurück. Er wünschte ‚glücklichen Succeß darzu, vnnd das Sie sich dieses platzes […] baldt bemächtigen mögen‘ (Abt. H. 260, Bl. 24f.).

Die Kronacher besetzen ihre Wachen und Laufgräben entlang der Trüllengaß (heute Rosenbergstraße) so gut wie möglich und errichteten oberhalb des Friesener Tores eine neue Batterie aus Bretten des Wasenmüllers (späteres Sägewerk Brückner). In der Nacht zum 15. Juni 1633 nach Mitternacht (Die ‚EhrenCron‘ vermeldet unrichtig den 16.6.) begann der Angriff der weimarischen Truppen, wobei die Regimenter den aufgestauten Mühlbach oberhalb der Wasenmühle ‚über halben leibtieff‘ durchwaten mußten und zwischen den Häusern in die Strauer Vorstadt einfielen. Trotz heftiger Gegenwehr der Kronacher aus der neuen Verschanzung oberhalb des ‚Strauiger Thors‘ und den Laufgräben entlang der ‚Trüllengaß‘ waren diese schließlich genötigt, sich in die Stadt zurückzuziehen. Der Wache auf dem Kaulanger war der Rückzug abgeschnitten, so daß etliche, die in Richtung des Strauer Tors eilen wollten, von den ‚Schwedischen‘ niedergemacht wurden. Dem Rest gelang es, sich an den Scheunen entlang und über die Spitalbrücke zum gegenüberliegenden ‚vndern Thor‘ (heute Bamberger Tor) und von dort in die Stadt zu retten.

Das King’sche Regiment stürmte nun in Richtung auf das Strauer Tor, wohinein sich noch immer Kronacher Bürger ‚retirirten / vnd die Statt in eüsserster Gefahr stunde / in dem einer Namens Erhard Pantzer zwo Kühe hinein treiben liesse, deren die letzte nit geschwind durch den Schlagbaum zu bringen / der Feind vnder Commando deß Majors Kött vom Kinckischen Regiment mit gantzer Macht die Gassen die Straw genent herein setzete‘. Dem tollkühnen Obristwachtmeister (Major) des King’schen Regiments, Jörg Kött, war es gelungen, eine Pike zwischen Stachet (Fallgitter) und Mauer zu schieben, wodurch ein Ratsmitglied namens Lorenz Zimmermann verletzt: ‚[…] da greiffen die jnnerhalb des thors befindliche Wacht mit Gewalt an die Picken, ziehen dem Major solche auß der Hand und lasten das Stachet vollents zufallen. Der Major schreyt allzeit gut Freund gut Freund, welches aber vnserer Sprach nit ehnlich. Do schiest ihm vnser Schildwacht auß dem Schüllerhäußlein, so ober dem Stachet ausser deß Thors stund, eine Kugel in Leib, das er gleich Todt alldort lage. Der Feind stunde in batalia in der Gassen vnd besetztete die Häuser vff beeden seiten in der Straw, geben continuirlich Fewer vff das Stachet vnd in die Zwinger. Wir theten auch nit feyern, besetzeten die Zwinger und schossen manchen für den Kopff das der Feind die Todten vff Wägen hinwegführen liesse‘.

Die Gefahr, welche durch den Ansturm einer so großen Anzahl feindlicher Truppen bei Nacht für die Stadt bestand, war immens, so daß die Kronacher sehnlich den Tag herbeiwünschten. Bei Tagesanbruch (15.6.), und während die Musketiere von der Stadtmauer, dem Tor und dem Zwinger Feuer auf die gegenüberliegenden Häuser der Strau gaben, beschloß die Bürgerschaft, einen Ausfall zu machen. Mit 200 Mann rückte man durch das obere Stadttor und an der Mauer entlang durch die sich anschließenden Gärten und besetzte die Häuser der Friesener Straße auf der zur Festung gerichteten Seite. Auf der gegenüberliegenden Seite hatten sich jedoch die feindlichen Truppen verschanzt, so daß sich ein regelrechter Straßenkampf mit einem Feuergefecht von Fenster zu Fenster entwickelte. Währenddessen lag der Leichnam des Majors Kött immer noch vor dem Strauer Tor auf offener Strasse. ‚Nach deme nun der Feind den todten Leichnamb ihres Herrn Majors Kött gern mit sich genommen, welcher unweit des Stackets herunter vff freyer gassen gelegen, sein Pferdt aber gantz ledig mit einem roth Sammeten Sattel und pistoln schön mundiert die Gassen auff vnd abgelauffen, haben werder sie [der Feind] noch einer aus uns [der Kronacher Bürgerschafft] sich wagen dörffen, in deme geschwind 20. in 30. Schüß vff dahin giengen. Biß endlich unsere Bürger etlich Flößhäcken ergrieffen, lange Stangen daran gemacht vnd nach vnd nach herüber in Hanß Stauffen Hauß den todten Leichnamb geschleifft, welches ein schöner langer Cavalier gewesen, von ansehlichen stattlichen Kleydern. Dene aber diejenigen so es gewagt, so balden biß vffs Hembt außgezogen, und den Leib hernacher gantz Erbahr in die St. Martins Kirchen getragen. Das Pferdt haben etliche andere von uns auch ertapt, Sattel, Pistolen und Pferdt unter sich verteilt‘.

Die Kronacher beschlossen nun, den Feind von der Seite her anzugreifen um ihn aus der Strauer Vorstadt zu vertreiben. Zu diesem Zweck rückten sie durch das Haßlacher Tor (heute Bamberger Tor) und weiter um die Stadtmauern herum bis zu den ‚Gärten des dicken Schneiders Haus‘ (hinter der späteren Korbwarenfabrik Gebr. Heim), fielen in die feindlich besetzten Häuser der Strau und machten etliche nieder, etliche nahmen sie gefangen, darunter einen Furier, der sich im Gasthaus des Wirtes Panzer (an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche) in einer Truhe versteckt hatte. Es gelang, den Feind bis zum Brücklein beim Haus der Siebenhünerin zurückzudrängen, wo er sich hinter Floßböden verschanzte und den Kronachern erhebliche Verluste beibrachte, darunter die erprobten ‚Musquetierer Mottla Latz / Stöltzlein Metzger / Fritz Drexel / und andere / wie auch etliche durch Armb / Achsel vnd Kopff geschossen und verwundt‘. Zur Erfrischung der abgematteten Bürger ließen die Bürgermeister Bier in Butten hinaustragen, ‚damit bißweilen einer einen Trunck zur Labung thun können‘. Der Feind hielt die Kaulangerbrücke besetzt und konnte erst zum Rückzug gezwungen werden, nach-dem die Kronacher ‚bey des Muglers Schmidten‘ (Johann-Nikolaus-Zitterstr. 1) über die Mangstraße von unten heraufdrangen und mit geballter Feuerkraft die Schweden mit ihrem bei sich geführten Munitionswagen zum Rückzug über die Brücke zwangen. Eine Verfolgung war, wegen der feindlichen Reiterei, und weil von der Festung mangels Unterscheidungsmöglichkeit von Freund oder Feind keine Artillerieunterstützung gegeben werden konnte, nicht möglich.

Unterdessen ‚kombt das Geschrey daß der Feind vffm Ziegelanger jenseits der Stadt [zum Sturm] ansetzte / wie dann das platzen und beschiessen gegeneinander unauffhörlich gehört / und die Sturmb Glocken vffn Stadt-Thurn geleutet wurde‘. Die Kronacher ließen an der verbarrikadierten Kaulangerbrücke eine starke Wache zu-rück und wandten sich mit allen verfügbaren Kräften zur gegenüberliegenden, westlichen Stadtseite gegen den Ziegelanger (heute Bahnhofsplatz). Das Regiment Tiesenhausen hatte sich dieses Platzes bereits bemächtigt und war bis zur Brücke an der Haßlach (heute Bahnhofsbrücke) vorgedrungen, als sich die Kronacher ihm mit vereinten Kräften entgegenwarfen. Dabei erhielt der Obrist Detlof von Tiesenhausen gleich zu Anfang einen Bauchschuß, worauf das Regiment anfing zu weichen, jedoch von den Offizieren so hart angetrieben wurde, daß es standhielt, bis man einen Mietwagen zum Abtransport des verwundeten Obristen aufgetrieben hatte. Als die Kronacher merkten, daß es sich bei dem Verwundeten um eine vornehme Person handelte, fielen sie die Angreifer mit solcher ‚furi‘ und Entschlossenheit an, daß viele[n] von ihnen ihre Musketen wegwarfen und die Flucht gegen den Haßlacher Berg ergriffen, wo sie bemeinten, sich hinter den dortigen Steinmäuerchen zu einzugraben. Die Kronacher rückten jedoch entschlossen nach und warfen den Feind schließlich in einem Sturmangriff aus den Stellungen, so daß dieser sich genötigt sah, sich unter Verlusten von 10 Toten und etlichen Verwundeten in das Hauptlager zurückzuziehen.

‚Des andern Tags [16.6.] schickte Hertzog Wilhelm von Weimar einen Trommelschlager aus dem Lager herein / vnd liesse vmb den todten Leichnamb / des gebliebenen Obristen Wachtmeisters Kött anhalten, meldent daß sein Liebste denselben umb ein ansehlige Ranzion lösen wollte / deme man zur Antwort gab / man brauche ihres Geldes nicht / Ihr Herr sollte schon ehrlich begraben werden / welcher damals noch in der Martins Kirchen lag / vnd liessen den Trommelschlager also damit hinziehen‘ (Zitter, S. 32ff.). Außer dem Major Kött vom King’schen Regiment waren von den weimarischen Offizieren ein Fähnrich (ebenfalls vom Regiment King) und der Hauptmann Gersdorf vom Regiment Schenk gefallen (StA Weimar, Abt. H. 235, Bl. 38).

Am 16.6., nach nur 3 Tagen, brach Wilhelm die Belagerung ganz unerwartet ab. Der Troß machte sich bereits früh um 5 Uhr auf den Weg und zog in Richtung Coburg. Gegen Mittag brachen dann auch die Truppen auf. Die Regimenter zu Roß unter Taupadel sammelten sich auf der Ebene des Rosenbergs hinter der Festung gegen den Vogelherd. Sobald die Kronacher den Aufbruch des Feindes bemerkten, liefen sie, Männer und Frauen, ohne Befehl ober- und unterhalb der Haingasse hinaus, füllten die Laufgräben ein und plünderten das verlassene Lager. Der Major des Ausschusses Hanß Rudolph Mayer, der dabei, wie schon bei der 1. Belagerung Kronachs ‚daß von Gott verliehene glückh mißbrauchte'[,] setzte mit den wehrhaften Bürgern den abziehenden Truppen trotz allgemeiner Warnungen nach, wobei man ununterbrochen Feuer unter die Regimenter zu Fuß gab, so daß diese glaubten[,] es wäre bereits Unterstützung seitens der kaiserlichen Armee angekommen und sich in Schlachtordnung stellten. solche Eskapaden konnte man sich jedoch bei Gegnern vom Schlage eines Georg Christoph von Taupadel nicht leisten. Dieser bediente sich einer Finte. Er ließ die Kronacher vom ‚Königl-Schwedischen Fußvolk so weit an sich ziehen, das sie ins Feld gebracht worden‘ (Chemnitz II, S. 167)[,] und befahl dann dem Oberstleutnant Reinhold von Rosen, ‚welcher bis zu diesem Zeitpunkt mit 600 Reitern auf dem Bergrücken ‚en embuscade‘ gelegen hatte[,] ‚auf sie zu chargiren‘ (Soden II, S. 158). Die Rosen’schen Reiter schnitten den Kronachern unweit des Schloßwalles den Weg ab: ‚da ging es an ein jagen, als wenn es Füchs oder Hasen weren, vnd war der Fleck neben das Loch gesetzt daß man des Feinds Lauffgraben zu bald eingefüllet, dahin man sich sonst retiriren vnd den Feind aufhalten können. Vnd wann sich die unserigen nicht hinder und durch die Dorn-Rhein vnd Steinmauern, deren es diß Orths viel hat, salvirt, nd die Flucht gegen dem Thal, alwo mit reithen nicht gar wol fortzukommen, genommen, were alles im stich geblieben‘. Etwa 30 Kronacher bezahlten diesen Leichtsinn mit dem Leben, darunter der Stadtvogt und ‚Hexendenunziant‘ Friedrich Fleischmann, der nur aus reiner Neugier hinausgegangen war, um dem Spektakel zuzusehen, der ‚Bürger-Hauptmann‘ Jeremias Rainfalt, Clauß Meußel, Zacharias Dürckerß, und der Feldscherer Balthasar Steinmetz. Der Obristwachtmeister Hanß Rudolph Mayer wurde gefangengenommen. (Zitter, S. 36). Einen letzten Hinweis auf Mayer bietet ein Verhörprotokoll vom 7./17. Juni aus Coburg, welches auch bestätigt, daß er ‚ein geborner Türckh‘ sei (StA Weimar, H. 260, Bl. 56). Sein weiteres Schicksal liegt im Dunklen.

Für die lokalen Verbündeten kam der Rückzug völlig überraschend. Wilhelm hatte nicht einmal die avisierte markgräfliche Pulverlieferung aus Kulmbach[65] abgewartet. Dort war man völlig perplex. An den Lichtenberger[66] Kommandanten und Amtmann Hans von Pudewels auf Wildenreuth[67] schrieb man: ‚[…] daß wir die Uhrsach von der Seckßischen Armée vffbruch von Cronach ganz nichts wißendt, vnd verwundert sich wohl mancher darüber, do man sonderlichen so viel wochen darauf praeparatoria [Vorbereitung] gemachet‘. (Fehn VI, S. 222). Der überstürzte Abzug Wilhelms hatte mehrere Gründe. Er selbst schreibt in seinem Bericht vom 13./23. Juni an Oxenstierna, er habe den Ort so beschaffen gefunden, ‚das er in geringer Zeit vndt mit wenigen Volgk nicht zu gewinnen, haben wier bedacht getragen vnß weder zu engagirn, oder einig bey vnß gehabtes Stück draufzurichten, zumal weil die einkommende avisen des feindes starcken Secours bestetigt […], derwegen vor rathsam gehalten, in guter order abzuziehen‘ (StA Weimar, Abt. H. 260, Bl. 82ff.). Hier finden wir auch die Bestätigung Herzog Wilhelms, daß während der Belagerung die mitgeführten Geschütze gar nicht zum Einsatz kamen. Der schwedische Reichskanzler Oxenstierna war mit Wilhelms Aktion überaus unzufrieden. Zu seinem Bericht meinte er, der Erfolg wäre größer gewesen, ‚wenn E. f. G. mir einige Wissenschaft vorher zugefügt, damit eine bessere Vorbereitung mit Verordnung etlicher mehrer Truppen und anderer Bereitschaften hätte können gemacht werden‘ (ebd. H. 264).

Tatsächlich gab es verstärkte Anzeichen für eine baldige Unterstützung durch die Kaiserlichen. So zum Beispiel aus Nürnberg,[68] von wo man schrieb, daß 7 Fähnlein Reiter und 3000 Mann zu Fuß mit 2 Stücken in Auerbach/Oberpfalz[69] angelangt seien. Ebenso daß zu Pottenstein[70] 7000 Kaiserliche angelangt wären und aus Forchheim 6 halbe Kartaunen mit 300 Man[n] zu Fuß dahin abgegangen wären. (Ebd.). Zu groß kann die Gefahr eines Entsatzes allerdings nicht gewesen sein, denn Zitter schreibt in seiner Chronik, man habe zwar nach Eger um ‚Succurs‘ geschickt, der dortige (stellvertretende) Kommandant, Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim (vom Regiment Neu-Hatzfeld) hätte daraufhin auch an die umliegenden Ämter Anweisung gegeben die Wege instand zu setzen und Brot zu backen, mit der Begründung, daß die ganze ‚Keyserische Armee heraußwarts in Anzug begriffen‘. Dies sei jedoch nur ‚pro forma‘ geschehen, um dem Feind einen Schrecken einzujagen. Es war lediglich ein größeres Kavalleriekorps an Kroaten aus Böhmen in Richtung Eger kommandiert worden.

Die Frage stellt sich, warum Herzog Bernhard seinen Bruder bei dieser Aktion nicht unterstützte. Gerade er, der kurz vor der Verleihung seines ‚Fürstenthums Franken‘ (bestehend aus den Bistümern Würzburg und Bamberg) stand, mußte an einer Beseitigung dieses Bollwerks im nördlichen Hochstift Bamberg besonders interessiert sein. Bernhard befand sich aber, wie wir bereits erfahren haben, zum Zeitpunkt der Belagerung am 16. Juni mit dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna auf einer Reise zu einer Fürstenversammlung nach Heidelberg.[71] Gerade hier ging es um die für Bernhard essentiell wichtigen Themen der offiziellen Belehnung seines Fürstentums und die Besoldung und Kompensation seiner vor Donauwörth[72] liegenden meuternden Armee. (Soden II, S. 162). Bernhard hatte jedoch nach eigener Aussage seinen Bruder zu einer Einnahme Kronachs gedrängt, die Gründe für dessen vorzeitigen Abzug kannte er am 20. Juni nicht. ‚Bernhard habe gehofft, seinen Bruder Herzog Wilhelm dahin disponiert zu haben, daß er Kronach emportieren sollte; er müsse jetzt das Gegentheil erfahren‘, so berichtet der nürnbergische Gesandte Johann Jakob Tetzel zum selben Zeitpunkt an den Rat von Nürnberg (ebd. S. 170).

Die Kronacher jedenfalls waren erleichtert und schrieben den glücklichen Erfolg dem Umstand zu, daß alle Frauen und Kinder zweimal täglich die Kirche besucht und mit dem Lied ‚O Unüberwindlicher Held St. Michael‘ ihren Schutzpatron um Gnade angefleht hatten“.[73]

Das Regiment blieb bis zum Ende der Belagerung Forchheims unter dem Befehl Herzog Bernhards und kehrte dann zu Wilhelm IV. zurück. Es befand sich von August 1633 bis August 1634 bei Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar Armee in Franken, Bayern und in der Oberpfalz.

„Um aber für die Zukunft einem eigenmächtigen Handeln Herzog Wilhelms vorzubeugen, entschloß er [Oxenstierna; BW] sich, diesem seine Truppen zu entziehen und Herzog Bernhard zu unterstellen. Am 29. Juni erhielt Bernhard den Befehl. Er begab sich sofort von Frankfurt[74] nach Würzburg und rief den bei Hof stehenden Taupadel zu einer Unterredung nach Königshofen.[75] Als dieser nicht antwortete, eilte er nach Koburg,[76] wo Taupadel nach einer zweiten Aufforderung mit ihm zusammentraf. Er befahl dem Obersten, seine Truppen von Hof nach Bamberg zu führen, da ‚solches die höchste Not‘ erfordere. Die Bedenken, die der Oberst geltend machte, da er noch keinen Befehl Wilhelms in Händen hatte, zerstreute er dadurch, daß er erklärte, Wilhelm sei schon unterrichtet und auch dessen Fußvolk bereits auf dem Marsch nach Koburg. Taupadel ließ sich bereden und nahm aus Bernhards Händen das Kommando über die fränkischen Truppen. Den anderen Offizieren Wilhelms befahl Bernhard, nach Koburg zu marschieren und sich Taupadel zu unterstellen.

Herzog Wilhelm, der gerade der Hochzeit seines Bruders Albrecht in Weimar beiwohnte, erhielt hier am 8. Juli Bernhards Schreiben, in dem dieser ihm von dem Befehl Oxenstiernas Mitteilung machte und seinen Schritt mit der von Holk drohenden Gefahr eines Einfalls in Franken begründete. Dieser Schlag traf Herzog Wilhelm schwer. Er nahm den Befehl Oxenstiernas so auf, als wenn er ‚vom habenden Generalkommando destituiert und entsetzt’ und ihm ‚fast nichts als der bloße Titul des Generalleutnants gelassen werden wollte’. Durch die Eigenmächtigkeit des Bruders war er tief verletzt. Doch blieb ihm im Augenblick nichts anderes übrig, als den Offizieren gegenüber dessen Tat gutzuheißen und ihnen auch von sich aus den Befehl zu geben, nach Franken zu marschieren. Bernhard und den Reichskanzler ersuchte er nun um eine Unterredung um den 15. oder 16. Juli in Aschaffenburg[77] oder Frankfurt.[78] Da er in der Frage der sächsischen Generalleutnantschaft noch keine Antwort hatte, sandte er den kursächsischen Hauptmann von Weißenfels,[79] Rudolf von Dieskau, der sich gerade in Weimar aufhielt, nach Dresden,[80] um dem Kurfürsten über seine beabsichtigte Reise zu Oxenstierna zu berichten und ihn zu bitten, die Antwort in der Frage der sächsischen Generalleutnantschaft bis zu seiner Rückkehr aus Frankfurt aufzuschrieben, Er erklärte, der Kurfürst solle ihm ‚nur trauen und das Alte vergessen’, damit er ihm ‚wieder trauen’ könne.

Johann Georg hatte auf die seinen Gesandten von Wilhelm in Saalfeld[81] gemachten Vorschläge noch nicht geantwortet. Einen von Schweden abhängigen Generalleutnant wollte er nicht haben.[82] ‚Mit den weimarischen Traktaten steht es noch in weitem Felde; auf die bewußten Punkte ist eine solche Erklärung erfolgt, daß der Kurfürst nicht darauf wird eingehen können’, äußerte der sächsische Rat von Miltitz. Johann Georg hatte die Antwort hinausgezögert und den Herzog von einer Zeit auf die andere vertröstet, trotz Arnims Drängen, sich wenigstens der Person des Herzogs zu versichern, wenn man auch dessen Truppen nicht erlangen könne. Auf Dieskaus Anbringen antwortete der Kurfürst, er habe dem Herzog ‚niemals seines Wissens Ursache zu einigem Mißtrauen gegeben, wollte es auch nicht tun, sondern was vor diesem geschehen, wäre zu E. f. G. eigenem Besten geschehen’.

Nach der Absendung Dieskaus war Wilhelm nach Franken aufgebrochen, um mit Bernhard und Oxenstierna persönlich zu reden. In Schleusingen[83] erfuhr er, daß Bernhard nach Frankfurt zurückgekehrt war. Da er einen Einfall Holks in Thüringen fürchtete und Erskein ihm berichtete, daß Oxenstierna am 2. August nach Erfurt kommen wolle, blieb er in Schleusingen und schickte nur den Obersten von Brandenstein mit zwei Schreiben zu Bernhard, in denen er seiner Empörung über die ihm widerfahrene Behandlung Ausdruck gab. Besonders seinem Bruder machte er heftige Vorwürfe. ‚Es werden E. Ld. aus meinem Briefe sich genugsam ersehen haben, daß ich mich ziemlichermaßen von E. Ld. lädiert befunden, daß Dieselbe so absolute Ordre erteilt an die Offiziere von meinen Truppen, sonderlich auch E. L. ehestes Schreiben ziemlich hart lautet, so Deroselben zur Abschrift mitgeschickt. Kann mir nicht einbilden, daß es E. Ld. recht gelesen haben, sondern der Schreiber seines Gefallens also geschrieben, denn E. Ld. konsiderieren, an die Offiziere also zu schreiben, da ich doch praesent, daß es nicht allein bei den Offizieren irrige Gedanken macht, sondern auch mir zur schlechten Reputation gereicht. Ich versehe mich zu E. Ld., Sie werde mich hinfüro mit dergleichen Prozeduren verschonen’. Es scheine Leute zu geben, fuhr er fort, die zwischen ihnen Zwietracht säen wollten; er hoffe aber, daß Bernhard sich ihm gegenüber so verhalten werde, daß ‚ich damit kann content sein’. Bernhard solle bei Oxenstierna dafür sorgen, daß er Genugtuung erhalte. An Oxenstierna schrieb er, es scheine, ‚ob sollten Wir nicht allein hintangesetzt, Uns andere vorgezogen, die treuen Dienste nicht danknehmig akzeptiert werden, sondern noch dabei in die Gedanken geraten, da Wir Uns sollten des gesamten Vaterlands eifrig annehmen, daß Wir an dessen Statt nur irre und fahrlässig gemacht werden’. Der Kanzler solle dem Obersten Taupadel Anweisung zugehen lassen, daß er nach wie vor den Befehlen Wilhelms zu gehorchen habe und daß diesmal ‚in der Eil’ dem Herzog Bernhard das Kommando aufgetragen.

Inzwischen versuchte Wilhelm, über die ihm entzogenen Truppen den Schein des Oberkommandos aufrecht zu erhalten, und war äußerst aufgebracht, als ihm Taupadel keine Berichte zusandte. Nur wenige Truppen hatte er zurückhalten können. Es waren sein Leibregiment zu Fuß, kaum 1000 Mann stark, das im Hennebergischen[84] quartierte, seine Leibkompanie und einige Eßlebensche und Brandensteinische Kompanien zu Roß, die bei Saalburg[85] lagen. Seine Versuche, weitere Truppen an sich zu ziehen, waren vergeblich.“.[86]

„Am 24. Juli treffen wir Herzog Wilhelm wieder in Weimar, nachdem er sich vom 20.-22. in Oberhof[87] aufgehalten und die Rückkehr Oberst von Brandensteins erwartet hatte, der aber wahrscheinlich nicht vor dem 24. zurück nach Thüringen kam. Er überbrachte dem Herzog je ein Handschreiben Bernhards und Oxenstiernas. Bernhard antwortete, er habe nicht geglaubt, ihn zu beleidigen, ‚da doch E. Ld. bekannt, daß, wenn der Generalissimus nicht bei der Hand, der nächste obere Anwesende nach ihm kommandiert’. Es sei ‚periculum in mora’ gewesen. ‚Ich fürchte und fürchte aber, E. ld. haben einen kleinen Haß unverschuldeterweise gegen mich’. Er bat ihn, etwa in Würzburg mit ihm zusammenzukommen und ihm seine Ankunft durch Brandenstein mitzuteilen. ‚Ich hoffe, E. Ld. zu erweisen, daß ich es meine, wie einem treuen Bruder gehört’. Auch Oxenstierna suchte den Herzog zu beruhigen. Bernhard sei General der fränkischen Armee und habe den Befehl wohl ausführen dürfen. ‚E. f. G. Charge ist billig höher zu ästimieren, denn daß sie sich in drei oder vier Regimenter traminieren[88] soll’, fügte er etwas spöttisch hinzu. Er bat den Herzog, da er wegen einer notwendigen Reise nach Kassel[89] nicht nach Erfurt kommen könnte, sich mit ihm in Frankfurt[90] zu unterreden, wo gerade ein Konvent der Heilbronner Bundesstände stattfinden sollte“.[91]

„In Thüringen traf er [Wilhelm IV.; BW] alle Maßnahmen zur Verteidigung. Sein Leibregiment zu Fuß quartierte er nördlich und westlich von Erfurt. Als Besatzung von Erfurt gedachte er 600 Mann geworbenes Volk, 2000 Mann Bürgerwehr und 1000 Mann Ausschuß zu verwenden; allerdings war er sich darüber klar, daß sie einem starken Angriff des Feindes nicht lange würde widerstehen können. Die Befestigungsanlagen unterzog er einer eingehenden Besichtigung und sorgte für genügende Verproviantierung. Seine Reiter, die er bei seiner Ankunft sehr zerstreut gefunden hatte, zog er zusammen und legte sie auf Wunsch der Städte Naumburg, Merseburg,[92] Zeitz[93] und Pegau[94] unter dem Befehl des Obersten von Brandenstein nach Naumburg, um die Städte zu ermutigen und gleichzeitig sein weimarisches Land vor dem Einbruch feindlicher Horden zu schützen. Auch Jena[95] ließ er durch einige Reiterabteilungen besetzen.

Herzog Bernhard hatte auf die Nachricht von Holks Einfall in Sachsen sofort den Entschluß gefaßt, dem Kurfürsten beizustehen. Er wollte sich mit Taupadel, der im Bambergischen stand, verbinden und mit Unterstützung Wilhelms und Kursachsens[96] einen Vorstoß gegen Holk und einen Einfall in Böhmen machen. Oxenstierna stimmte diesem Plan zu, versprach die Absendung des in Niedersachsen stehenden Generalmajors Lars Kagg nach Franken und war bereit, sich beim Kurfürsten für eine Unterstützung durch 5000 Mann einzusetzen. Wilhelm war hocherfreut über den Plan des Bruders, der ganz in seinem Sinne war. Er korrespondierte mit Baner, dessen Hauptquartier in Egeln[97] war, und ersuchte den Kurfürsten nochmals, alle verfügbaren Truppen zu schicken und sie entweder bei Halle[98] mit Baner oder bei Naumburg mit ihm zu vereinigen. Gemeinsam wollten sie dann zu Bernhard stoßen. Artillerie und ‚andere Notdurft‘ wolle er selbst beschaffen. Er hoffe, ‚es sollte auf solche Maße dem Hauptwerk und E. G. eigen sowohl auch Unseren angrenzenden Landen merklich geholfen werden. Dieskau, den der Kurfürst nach Weimar[99] geschickt hatte, um den Herzog nochmals um Hilfe zu bitten, und der am 30. August dort eingetroffen war, unterstützte diesen Vorschlag bei seinem Herrn und forderte ihn zu schnellem Entschluß auf. Ein Vorgehen gegen Holk erschien dem Herzog um so erfolgversprechender, als er erfahren hatte, daß der kaiserliche Feldherr sich nach der Einnahme Leipzigs nach Altenburg[100] zurückgezogen hatte und sein Heer ‚mit der Pest heftig infiziert‘ war. Er war der Meinung, daß Holk sich nach Böhmen zurückziehen wolle, und ließ Brandenstein nach Zeitz vorrücken, um ihn zu beobachten.

Inzwischen war am 22. August in Schweidnitz[101] zwischen Arnim und Wallenstein ein vierwöchiger Waffenstillstand geschlossen worden, dem Kurfürst Johann Georg zustimmte. Johann Georg gab Dieskau, der noch in Thüringen weilte, den schriftlichen Auftrag, dem Herzog mitzuteilen, ‚wie nunmehr die Sach’ fast in einen anderen Stand geraten’ sei. Wilhelm sollte von ihm und Arnim, der auf dem Wege zu Oxenstierna sei, die mündlichen Erklärungen entgegennehmen“.[102]

„Ob der Herzog mit Arnim, als dieser auf der Rückreise nach Dresden[103] am 13. September durch Weimar kam, eine Unterredung gehabt hat, ist ungewiß. Johann Georg aber forderte, wahrscheinlich auf Grund der Berichte Arnims und Dieskaus, den Herzog zu einer persönlichen Zusammenkunft auf. Wilhelm war auch dazu bereit und schickte den Obersten Brandenstein mit einem Schreiben nach Dresden. ‚Weil Wir’, schrieb er, ‚neulichst unter E. G. eigenen Hand verstanden, daß Sie in kurzem sich selbst mit Uns zu unterreden hofften, so tragen Wir Verlangen, was Sie bei den Sachen zu tun gemeint, zu erfahren. Derowegen wäre Uns sehr lieb, wenn E. G. gefällig, sich dieser Örter etwas zu nähern, weil sonderlich der Herr Reichskanzler auf dem Wege und bald hier ankommen wird, damit Wir denen Sachen, daran E. G. gelegen und hier zu traktieren, beiwohnen könnten’. Welche Absichten Wilhelm hinter dem Plan, Johann Georg und Oxenstierna zusammenzuführen, verbarg, ist uns nicht überliefert. Wollte er endlich den Gegensatz zwischen Sachsen und Schweden, dessen Folgen sich in Thüringen besonders störend bemerkbar gemacht hatten und machten und unter denen er auch selbst zu leiden hatte, durch  eine Aussöhnung des Kurfürsten mit dem Reichskanzler aus der Welt schaffen ?

Die plötzliche Änderung der Lage machte den Plan hinfällig“.[104]

„Seine Reiterei unter Oberst von Brandenstein ließ er aus dem Rudolstädtischen[105] gegen die untere Unstrut vorrücken und bei Wiehe[106] quartieren, das Fußvolk unter Oberstleutnant [Hans; BW] Günther marschierte von Erfurt nach Frankenhausen.[107] Nur geringe Dragonerabteilungen ließ er zum Schutz gegen feindliche Streifscharen bei Schleiz,[108] Leutenberg[109] und Saalfeld[110] zurück, eine Kompanie blieb auf dem Eichsfeld“.[111]

„Herzog Bernhard weilte am 26. März/5. April [1634; BW] noch in Coburg. Zusätzlich zu den Proviantlieferungen, die er aus Thüringen nach Nürnberg[112] schaffen ließ, kümmerte sich Bernhard auch um den Nachschub an Kriegsmaterial. Binnen weniger Tage mußten aus dem Schloß in Würzburg[113] 100 Zentner Pulver, 45 Zentner Lunten, 50. 000 Musketenkugeln sowie 750 dreipfündige, 400 zwölfpfündige und 300 halbe Kartaunenkugeln (24pfündige) nach Schweinfurt transportiert werden. In Coburg erwartete man vergeblich den Zuzug von zusätzlich 9 kursächsischen Regimentern[,] die sich mit Bernhard vereinigen sollten. Die sächsische Armee unter Hans Georg von Arnim wandte sich jedoch nach Schlesien, wo sie am 13. Mai 1634 in der Schlacht bei Liegnitz[114] den Kaiserlichen unter Johann von Götz und Feldmarschall Colloredo eine empfindliche Niederlage beibrachte. Herzog Bernhard war deshalb bereits am Freitag dem 7. April mit seinen Truppen von Coburg aufgebrochen.

Nach dem Tagebuch der Dominikanernonne Maria Anna Junius traf der Herzog am gleichen Tag in Begleitung seines älteren Bruders Herzog Albert,[115] des Feldmarschall Cratz und einem Großteil der Reiterei gegen Abend um 5 Uhr in Bamberg ein, wo er am Abend des nächsten Tages (8.4.) das Kloster der Nonnen zum Heiligen Grab besuchte: ‚[…] alls wir nun zu abent Calatz [kleine Abendmahlzeit, Vesper] gehalten, da leüd man stark bei uns herrein und schreyt, der fürst hertzog Bernhart kum […], so Balt wir das thor auff machen geht hertzog Bernhart gantz fröllich mit lacheten munt auff uns zu, giebt einer schwester nach der andern die hant und fragt wie wir leben […] da hat sich der fürst nur auff die banck bey dem Crutzevix gesetzt und gar freündlich mit den schwestern geredet […] da lauff ich geschwind mit den zweyen schallen vol köstlicher ein gemachter sachen die stiegen rab […], neige mich und sprich zu ihm / ich bitte eüher fürstliche gnaden sie wollen zuvor etwas aus der schallen nehmen / da lacht der fürst und greüffte in die schallen, nimmt einen zitteronen schelfen [Zitronenschale] und iste gleich darvon / da sprich ich wiederumb / eüher fürstlich gnaden wolle auch einen haubtgriffen [großes Stück] nehmen / da sagt er es ist genug, ich thue mich dessen betancken und geht gleich fort‘. (BHVB Nr. 53, S. 181f.).

Am Sonntag, den 9. April, brach Herzog Bernhard bereits wieder von Bamberg auf. Zurück ließ er den Feldmarschall Johann Philipp Cratz, der sein Quartier in des Bürgermeisters Lorbers Haus beim Prediger-(Dominikaner)-Kloster nahm, und den Generalmajor Georg von Uslar, der in das bischöfliche Schloß Geyerswörth[116] zog (ebd. S. 184), zusammen mit 3 Regimentern zu Roß (Uslar, Philipp Sattler und Cratz‘ eigenes Regiment) und 3 zu Fuß (Bartholomäus v. Zerotin, Georg Friedrich von Brandenstein und James King), zusammen zwischen 2000 und 2500 Mann (Chemnitz II, S. 468, 524)„.[117]

„Wir wollen uns vorerst wieder den Ereignissen in Franken zuwenden, wo wir den jetzt schwedischen Feldmarschall Johann Philipp Cratz von Scharfenstein mit seinem 2200 Mann starken Heereskorps bei der Belagerung der Festung Forchheim[118] zurückgelassen hatten, die noch unter Herzog Bernhard am Dienstag, dem 20. Juni 1634, begonnen worden war. Zu diesem Zweck hatte Cratz auch an eben diesem Tag die bisher noch in Bamberg[119] liegenden Kavallerieregimenter unter dem Generalmajor Georg von Uslar nach Forchheim abberufen. Am folgenden Tag, 21. Juni, wurden auch die Cratz’schen Fußtruppen in Bewegung gesetzt, wodurch die Belagerungstruppen kurzzeitig auf eine Stärke von ca. 3000 Mann zu Fuß und 800 zu Pferd anwuchsen.

Die Aktionen um Forchheim und die Festung Rothenberg[120] bei Schnaittach[121] liefen jedoch nicht sehr erfolgversprechend an. Bereits am 21. und 22. Juni wurde eine große Anzahl Verwundeter und Toter nach Bamberg zurückgeführt, darunter viele Offiziere. Die Dominikanernonne vom Heiligen Grab schreibt darüber etwas spöttisch: ‚[…] nach mitag hat man schon einen wagen vol beschetigter soltaden nacher Bamberg geführt / welche schon den vorcheimer towack versuchet haben wie dan etliche officirer zu früh, alls sie ihren abschiet von uns genuhmen haben, gesagt haben sie wollen zu vorcheim wacker dowack sauffen, welches mir nicht zweiflet sie werden des dowacken, so auff der Basteyen und mauhern zu vorcheim hin naus geBlassen wird, genug empfinden. […] Donerstag den 22. hat man schon 3 schellig [Schelch = Lastkahn] vol verwunden schweden nacher schweinfurt[122] gefürt, welche vor vorcheim und dem rothen Berg haben eingebüst. […] auff den abent kumt ein Büeblein zu uns welches den soltatten einen Bündel nacher vorcheim hat tragen müssen / der sagt uns das volck so alhie weg gezogen sey liege nur eine halbe meil von vorcheim und hertzog Bernhart lieg Im Höltzlein In welches die vorcheimer mechtig schiesen / die reüdterey las sich wol Bisweilen ein wenig sehen werd aber gleich wiederumb zuruckgetrieben / die schweden haben noch keinen schus in die stadt gethon […] Den 23. alls am freidtag zu früh hat man wiederumb 100 geschedigter soltadten nacher Bamberg Bracht / es scheint auch heüt im leger etliche drachoner bey samen gesessen, haben mit einander dowack geschnupt seint gar lustig gewessen / da kumt ungefer [unvermutet] ein falkanet kugel auss der statt under sie / macht mechtig rauhm / deren etliche davon hieher zum Badter im steinweg seind kumen und haben sich verbinden lassen welche solchiges selbsten erzelt haben‘. (BHBB 53, S. 195, 196).

Auch am Samstag, dem 24. Juni, wurden wieder 4 Schelche voll Verwundeter auf der Regnitz nach Bamberg geführt. Die Teuerung im Forchheimer Lager hatte mittlerweile solche Ausmaße angenommen, daß eine Maß Bier 4 Batzen und eine Maß Wein einen Reichstaler kostete[123] und doch nicht zu bekommen war. Den Belagerern machte vor allem das starke Schießen der Forchheimer mit schwerem Geschütz zu schaffen, welche nicht nur ‚einen schus auff einmahl, sondern creutzweis in ein ander‘ feuerten. Auf eine Übergabeaufforderung Herzog Bernhards am Sonntag den 25.6. antworteten die Forchheimer, ‚sie wollen sich wehrn Bies auff den letzten man, sie fragen nichts danach wan sie [die Schwedischen] schon alles hinweg Brenen / dan sie haben noch Bier und wein genug das sie mit leschen könen‘ (ebd. S. 197) Die Belagerer zündeten daraufhin 9 Dörfer in der Umgebung der Stadt an.

Die Forchheimer fühlten sich so sicher, daß sie jede Nacht zwei mal sowie gegen Morgen um 8 Uhr in das schwedische Lager ausfielen, auch jeden Morgen ihre Frauen vor die Mauern zum Gras holen schickten. Sobald die Belagerungstruppen sich der Stadt näherten, wurden sie durch heftiges Geschützfeuer zurückgetrieben. Um die Angreifer zu provozieren, ließ der Forchheimer Kommandant Friedrich von Schletz sogar vor den Stadtmauern mustern, welches die Schwedischen mit ansehen mußten, ohne angreifen zu können[,] weil sie sich ‚wegen des mechtigen schiessens nicht haben nahen dörffen‘. So jedenfalls berichtete der Quartiermeister des (Georg Friedrich von) Brandenstein’schen Regiments bei seiner Rückkehr nach Bamberg am Montag dem 26. Juni. Auch wußte er von folgender Begebenheit aus dem Forchheimer Lager zu berichten: ‚es saßen auch drey drachoner Bey samen die schnupfen dowack da kumt unversehens ein kugel aus der statt geflogen die nimmt den einen seinen rechten ellenbogen und drey finger von der hant auch den linken arm hinweg / dem andern hat sie das rechte Bein weggenuhmen aber den dryten hat sie den halben kopf hin weg genuhmen / also das sie gleich alle drey tod Blieben seind‘. (Ebd. S. 199).

Nachdem Herzog Bernhard am 28.6. aus dem Lager bei Forchheim zum Entsatz Kelheims[124] und Regensburgs aufgebrochen war, schien die geringe Autorität, die der Feldmarschall Cratz bei seinen höheren Offizieren hatte, vollends zu schwinden. Die Nonne vom hl. Grab schreibt darüber: ‚Den 30. alls am freidag ist der oberste ussler [Gen. Maj. Georg von Uslar] sampten dem obersten mejor Beckert von Bamberg weg gezogen dan sie haben ihre empter resi[g]nirt und haben ihr volck andern über geben / aber es ist eigentlich nicht so gewessen sondern sie habens nur fürgeben sie resinirten das sie von vorcheim seint hinweg kumen, dan sie haben mit dem meineidigen gratzen gar nicht vereinigen können‘.

Auch die einfachen Mannschaften waren schwierig geworden: ‚sie halten darvor man hab sie daher geführt das man ihrer ledig werd dan wan sie lenger in lenger [im Lager] Bleiben müssen so werden sie noch alle nider geschossen und hungers sterben dan die obersten machen sich gar fein aus dem staub und die armen soltaden müsen ihr leben und gesunden leib ein Büssen‘. Am Samstag, dem 1. Juli machten die Forchheimer einen Ausfall in das schwedische Lager und töteten bzw. verwundeten 300 der Belagerer. Eine große Anzahl toter und verwundeter schwedischer Offiziere wurden am gleichen Tag nach Bamberg geführt. Mit ihnen kam auch der Quartiermeister der Schotten (von Ludowick Leslies schottischem Regiment), welcher diese Nachrichten im Dominikanerkloster berichtete.

Über die Verteidigungsstrategien des Kommandanten Schletz weiß die Nonne vom hl. Grab einiges zu berichten: ‚Montag den 3. zu frü zwischen 3 und 4 Uhr ist der comentant wieederumb mit 1000 man in das schwedische leger gefahlen / alls aber die vorcheimer gesehen das der schweden Bey 4000 seint / seind sie wiederumb auff die statt zu / da haben ihnen die schweden mit Begirt nach gesetzt, die [Forchheimer] reüderey ist gleich in die statt kumen, das fusvolck aber hat sich vor der statt zertheilt / welches der comentant befohlen hat / alls Balt hat er 5 gar grosse stück in einander richten lassen / alls nun die schweden […] auff sie zu geeilt, da hat der Comentant die stuck loss Brennen lassen / also hat dieses erschröckliche schiessen die gantze Batallia [Schlachtordnung] der schweden in die lufft auffgehoben / auff das mal seint wiederumb auf die 400 schweden Blieben welches ich von den schweden selbsten gehört hab‘. Besonders hebt die Nonne den Drill der Forchheimer Garnison und die Befehlstaktik ihres Kommandanten hervor: ‚[…] dan die vorcheimer seind so mechtig ab gericht gewessen / dan wan sie hinaus gefahlen so haben sie nur auff den Comentanten gesehen da haben sie schon gewiest was sie thun sollen / dan der Comentant hat allezeit ein rodes und weisses feltzeigen [Feldzeichen] auch eine rodte und weisse fedtern Bey sich gehabt / wan die soltadten gesehen haben daß er das weisze feltzeigen hat so haben sie sich gar nicht förchten törffen / wan er aber das rode hat angehabt so haben sie wol gewiest das sie flucht geben müssen‘. (BHVB 53, S. 200, 201).

Cratz hatte am 1. Juli von der Stadt Nürnberg, deren Vorräte anscheinend unerschöpflich waren, zwei Regimentsstücke, die dazu nötige Munition, mehrere Büchsenmeister und Kriegsvolk, Granaten, Spaten, Hacken, den nötigen Proviant für die Büchsenmeister und Fuhrknechte und schließlich Speis und Trank für die Küche des Grafen angefordert. Der Rat gab, was in seinen Möglichkeiten stand, entschuldigte sich jedoch für die Zukunft, weil die Stadt bei fortgesetzter Blockierung solche Lasten nicht weiter tragen könne. Bereits vorher hatte er 8 Geschütze mit 200 Begleitung nach Forchheim geschickt. Diese Geschütze hatten allerdings wenig Effekt, wie die Nonne Maria Anna bestätigt: ‚Dem 5. alls an der mitwochen haben die schweden etliche stücklein Bekumen welche sie Bey der nacht haben einpflanzen wollen, auch Basteyen [Verschanzungen] auff gebaud / aber der Comentant hat so erschröcklich hinnaus schiessen lassen, das er alles zerschmedern hat lassen, auch die Brucken so die Schweden über das wasser gebaud haben sie alle hinweg geschossen‘.

Dem General Cratz verehrte der Nürnberger Rat ein Faß Wein und ein Kalb. Damit begnügte sich der Graf jedoch nicht, sondern schickte seinen Sekretär nach Nürnberg, der vom Rat der Stadt eine Summe Geld für die vor Forchheim liegenden Regimenter forderte. Dieser lehnte die Geldforderung ab, schickte aber Proviant für die Soldaten und 4 Zimmerleute. Deren Verpflegung scheint denkbar schlecht gewesen zu sein, denn am 8. Juli kam der nürnbergische Schanzmeister Hans Martin aus Forchheim in die Stadt und beschwerte sich, man hätte ihm und seinen 12 Gesellen bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit bisher weder Sold noch Brot gereicht. Kaum hatte der Rat diesen Lohn und Lebensmittel nach Forchheim gesandt, so kam eine Forderung der fränkischen Kreisräte nach 50 Zentnern Pulver und Lunten für den Feldmarschall. Cratz wiederholte die Forderung am 20. Juli und begehrte dazu 70.000 Pfund ‚Biscottenbrot‘. Nürnberg leerte daraufhin seine Magazine und schickte alles nach Forchheim. (Soden II, S. 537). Diesen Aufwand erforderte bereits eine kleine Armeeabteilung von knapp 3000 Mann. Die reichhaltige Ernte rings um Nürnberg[s] konnte wegen der Gefahr ausfallender Abteilungen und aus Festungen Rothenberg und Forchheim nicht eingebracht werden, zumal die Hälfte der Untertanen von Haus und Hof gejagt waren. Auch aus den eigenen Reihen drohte Gefahr. Die Dragoner des Hippolit Endres Imhoff raubten und plünderten die Bevölkerung aus und schnitten das Getreide ab.

Die Koordination der Forchheimer Belagerung wurde zunehmend schwieriger, denn zu allen Mangelzuständen, unter welchen die Belagerer zu leiden hatten, erkrankte der Feldmarschall Cratz und mußte sich am 14. Juli nach Bamberg führen lassen, wo er sein Quartier im fürstbischöflichen Schloß von Geyerswörth nahm. Die Nonne Maria Anna Junius vermutete dazu: ‚[…] aber soliche kranckheit ist i[h]m nur von kümernus gewesen, dan er sich mechtig geschemt hat, das er zu vorcheim nichts hat könen aus richten, sondern täglich gar vil volck eingebüst / auch seind die vornehmsten obersten und officirer von ihm gewiegen [gewichen] dan sie haben wol gesehen, das soliches nicht zu gewienen ist / weil aber der meynadige [meineidige] Cratz dem hertzog Bernhart versprochen, er wolle ihm vorcheim gewinen ohne Brauchung einiges stuck [Geschütz] / deswegen haben ihme vil obersten soliche ehr gar wol gegünd und sich hinweg gemacht‘. (BHVB, S. 203f.).

Ganz so desolat, wie dies die fromme Dominikanernonne schildert, war die Situation zwar noch nicht, jedoch war der Zustand der schwedischen Truppen vor Forchheim denkbar schlecht. Cratz ließ deshalb auch von Bamberg aus mit seinen Forderungen an den Rat von Nürnberg nicht nach. Der General bat am 24. Juli erneut um Verstärkung seines Kriegsvolkes. Für die Befriedigung der Forderungen seiner Offiziere verlangte er 6000 Taler. Im Falle einer Weigerung drohte er dem Nürnberger Rat mit der Aufgabe der Belagerung. Am 29. Juli war Cratz noch in Bamberg und forderte von dort aus Nürnberg Stücke, Feuerkugeln, Mörser, Munition und Biskotte (Zwieback) an. Außerdem beschwerte er sich über die schlechte Qualität des gelieferten Pulvers. (Soden II, S. 540).

Am Mittwoch, dem 2. August, führte man wieder eine große Anzahl verwundeter Soldaten nach Bamberg. Auch nahm wegen des anhaltenden Mißerfolges die Moral unter den protestantischen Belagerungstruppen kontinuierlich ab. Eine erhebliche Anzahl von Soldaten desertierte, darunter auch viele Offiziere, ‚deswegen der Cratz mechtig erzörnet [war] dan er hat gesagt, er wolle einen Besundern Baum nehmen daran er die ridtmeister und officirer wolle hencken lassen‘. Am 3. August wurde ein Bote abgefangen, der einen Brief von Kronach nach Forchheim transportieren sollte.

Die Cratz’schen Truppen wurden schließlich aufgrund mangelnder Bezahlung und Verköstigung so schwierig, daß sie in der Umgebung zu plündern begannen. Als 9 mit Getreide beladene Wagen am 11. August von Windsheim[125] nach Nürnberg fahren wollten, wurden sie bei Seukendorf[126] in der Nähe von Cadolzburg[127] von 50 Cratz’schen Reitern überfallen, die mit der Forderung ‚Geld oder Blut‘ auf sie zusprengten. Als sich die Windsheimer Bürger weigerten, wurden zwei von ihnen sofort erschossen, ebenso ein Knecht von Illesheim.[128] 11 Karrenleute wurden verwundet, die Pferde ausgespannt. Das Getreide blieb auf freiem Felde stehen. Den General bat man um Bestrafung der Placker. (Soden II, S. 543).

Der Nürnberger Rat kam schließlich zu der richtigen Überzeugung, das Forchheimer ‚Blokament‘ schade Nürnberg mehr als Forchheim. Allein an Naturalien, Werkzeug und Munition hatte die Stadt bisher Waren im Wert von 10.271 Reichstalern geliefert. Der General Cratz mußte letztendlich auch zu der Einsicht kommen, daß bei solch dürftigen Voraussetzungen an eine Eroberung der Festung nicht zu denken war. Aus Mangel an Truppen konnte er die Stadt nur zur Hälfte blockieren und dadurch den eigentlichen Zweck einer Belagerung nicht erreichen.

Bedingt durch die nun fehlende Rückendeckung Nürnbergs gab Cratz schließlich entnervt auf und begab sich von Bamberg nach Schweinfurt, offiziell aus Krankheitsgründen, jedoch wird die Enttäuschung über die Aussicht auf irgendeinen Erfolg ein Übriges getan haben. Jedenfalls berichtet die Bamberger Nonne: ‚[Sonntag] den 13. hat man den obersten Cratzen in einem sessel hinab auffs wasser getragen / welchen man auff einen schieff nacher schweinfurt geführt wegen grosser kranckheit wie er für geben, aber seine eigne soltaden haben gesagt er mache sich nur kranck weil er diese fesstung nimmer gewinen kön‘. (BHVB 53, S. 206).

Am folgenden Montagabend des 14. August wurde auch die Blockade Forchheims aufgehoben. Der Abzug der Truppen wurde wegen der Abwesenheit des Generals von den verbliebenen Offizieren ins Werk gesetzt und verlief ziemlich chaotisch. Zwei Geschütze, Munition und ein Teil der Verpflegung fielen beim Abzug über die Regnitz ins Wasser. Noch in der Nacht kamen große Einheiten nach Bamberg, wo sie Stadt und Bürger in Angst und Schrecken versetzten, die Kaufläden erbrachen und die Häuser plünderten. Am Samstag dem 19. August brachen allerdings die Cratz’schen Regimenter und sämtliche schwedischen Garnisonstruppen wieder in Bamberg auf und nahmen ihren Zug über Eltmann[129] weiter auf Schweinfurt und Kitzingen,[130] wo sie sich am 23. August mit den zurückgebliebenen Truppen des Generalmajors Lars Kagg vereinigten und so auf eine Gesamtstärke von etwa 4-5000 Mann kamen. Kagg selbst begab sich anschließend weiter nach Schweinfurt, um von dort seine Reise nach Schweden fortzusetzen. Der Generalmajor James King zog mit einem Teil seines Fußregiments zu Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg. Die zurückbleibenden Truppen waren gerade dabei, sich am Main einzuquartieren, als den Feldmarschall Cratz der Ruf Bernhards nach Unterstützung erreichte. Am 27. August wurden die Regimenter um Uffenheim[131] zusammengezogen und marschierten über Rothenburg[132] zur Hauptarmee. (Soden II, S. 544, 550; Chemnitz II, S. 525, 526)„.[133]

„Am 21. März 1634 nahm Mitzlaffs Brigade noch an der erfolglosen und verlustreichen Bestürmung Kronachs teil, wobei diese Brigade erheblich reduziert wurde, weshalb sich ihr Kommandeur zu neuen Werbungen veranlaßt sah. Im Mai 1634 forderte deshalb ‚der Königlichen Krone Schweden und des Evangelischen Bundes Kriegsrath und Oberster‘ Joachim Mitzlaff vom Rat der Stadt Nürnberg die Stellung von 330 Rekrutenknechten. Nürnberg, welches sich dazu nicht in der Lage sah, gab dem Obersten eine Obligation über 1650 Taler oder 2475 Gulden, ‚worüber Mitzlaff in bester Form quittierte‘. Er befand sich zu dem Zeitpunkt in der Armee Bernhards, der bei Roth[134] Quartier bezogen hatte, um den Entsatz Regensburgs[135] vorzubreiten. (Soden II, S. 496). Mit dem bevorstehenden Zusammenschluß der Armeen Horns und Bernhards (dieser erfolgte schließlich am 12. Juli) war die Stellung Mitzlaffs bei den Truppen des Herzogs nicht mehr zu halten und der schwedische Feldmarschall konnte schließlich die Entfernung des Obersten aus dem schwedischen Heer durchsetzen.

Mitzlaff hatte sich bereits gegen Ende Juni zu Herzog Wilhelm nach Weimar begeben. Diesen bat er, die Untersuchung seiner Angelegenheit vor einem Kriegsrat zu befördern. Wilhelm, dessen Verhältnis zu Oxenstierna zu diesem Zeitpunkt bereits ausgesprochen unterkühlt war, fühlte sich dazu wegen seiner nach wie vor nicht bestätigten Charge als Generalleutnant derzeit nicht in der Lage. Er hoffte aber, sich den Einfluß des Obersten bei der Heranziehung seiner noch unter Bernhards Befehl stehenden Regimenter zunutze zu machen. Er stellt Mitzlaff unter diesen Voraussetzungen eine Generalsstellung, ja sogar das Oberkommando über seine Truppen während seiner Abwesenheit in Aussicht, jedoch nur unter der Bedingung, daß der Oberst vorher seinen Streit mit Horn beilegen und seinen offiziellen Abschied von der schwedischen Armee tätigen sollte. Die Situation eskalierte, als Herzog Wilhelm Mitzlaff das Angebot machte, in der Zwischenzeit die Statthalterschaft über das von Sachsen-Weimar okkupierte Eichsfeld zu übernehmen. Diese Nachricht schlug bei der schwedischen Partei in Frankfurt wie eine Bombe ein. Einen Eindruck darüber vermittelt die Nachricht des weimarischen Rats Dr. Braun, der, ohne Kenntnis der eigentlichen Identität der Person Mitzlaffs, an Herzog Wilhelm schrieb, man munkele, ‚der Herzog habe einen reformierten, kassierten und gescholtenen Obersten, einen verwirrten wunderseltsamen Kopf, bisher an sich und zu Rate gezogen und vielleicht auf dem Eichfeld hoch zu heben entschlossen. Wer der Oberst ist, weiß er nicht, vermerke aber, daß er sehr verhaßt ist und auch E. f. G. wird verhaßt machen‘. (Huschke, S. 187f.). Tatsächlich war vor allem Oxenstierna äußerst empört. Er teilte dem Herzog am 8. Juli mit, ‚er habe des Herzogs Sache [soll heißen: die Bestätigung seiner Generalleutnantschaft und die offizielle Überschreibung des Eichsfelds] zu gewünschtem Ende zu bringen gehofft, doch wären viele hohe Beschwerungen und Klagen dazwischen gekommen. Er wüßte nun nicht, wie den Sachen zu helfen‘ (ebd. S. 209).

In dieser Situation entschloß sich der Herzog, sein Vorhaben, Mitzlaff mit der Statthalterschaft über das Eichsfeld zu betrauen, fallen zu lassen, entwickelte aber statt dessen eine noch skurrilere Idee. Er plante, das Truppenkontingent unter Graf Cratz vor Forchheim zu verstärken, beanspruchte jedoch dafür den Oberbefehl über die fränkischen Truppen und sandte deshalb Mitzlaff am 20. Juli 1634 an seinen Bruder Bernhard mit der Bitte, ihm die Regimenter des Feldmarschalls Cratz zu unterstellen. In diesem Fall wolle er ‚seine thüringischen Truppen ebenfalls nach Forchheim schicken und nach dessen Eroberung sein Glück abermals an Kronach versuchen‘ (ebd. S. 188). Auf diesen Vorschlag konnte Bernhard keinesfalls eingehen, weshalb Herzog Wilhelm nun verärgert begann, Teile der Forchheimer Truppen, darunter sein altes Leibregiment unter Georg Friedrich von Brandenstein, abzuziehen und am 3. August auch seinen Generalmajor Georg von Uslar nach Weimar zurückbeorderte. Die Folge dieser Querelen war, daß sich der Oberst Joachim Mitzlaff in einer ziemlich prekären Situation nun wieder bei Herzog Bernhard und dem mittlerweile vereinten schwedischen Heer befand, welcher Umstand die Harmonie der beiden Feldherren, Horn und Bernhard, erneut belastete“.[136]

„Die Nachricht von dem Fall Regensburgs, die Herzog Wilhelm am 3. August erhielt, versetzte ihn in lebhafte Unruhe. Er wies seine Offiziere an, ihre Truppen so zu quartieren, daß er ‚ihrer jederzeit mächtig sei‘, befahl dem noch bei Hildesheim stehenden Oberstleutnant Günther, sich zum Aufbruch nach Thüringen bereit zu halten, und rief den Generalmajor Georg von Uslar zu sich nach Weimar, um mit ihm zu ‚konferieren, was zu tun sei‘. Den in Frankfurt versammelten Ständen gegenüber erklärte er sich bereit, mit 1200 Reitern, 1500 Mann zu Fuß und der Artillerie nach Franken zu marschieren, wenn sie ihm eine Entscheidung wegen seiner Charge zukommen ließen. Darüber hinaus tat er jedoch nichts. Den Bitten des Grafen Cratz um Abfolgung der thüringischen Regimenter, die dieser mit seinen Truppen zu einem Korps zum Schutz Frankens gegen feindliche Streifscharen vereinigen wollte, gab er ebensowenig nach wie der Aufforderung Oxenstiernas, dem Grafen die Regimenter zuzusenden. Er war nicht bereit, seine Truppen dem Kommando eines anderen zu unterstellen, verlangte jetzt auch, als er hörte, daß Graf Cratz die Blockade Forchheims wegen der andringenden Reiterschwärme Johann von Werths und Strozzis aufgehoben hatte und sich gegen Würzburg und Schweinfurt zurückziehen wollte, sein altes Leibregiment zu Fuß unter Oberst von Brandenstein, dessen Abfolgung ihm Herzog Bernhard einst verweigert hatte und das an der Blockade beteiligt gewesen war, zurück und wies ihm Quartiere im Hennebergischen an“.[137]

„An diese [die thüringischen Stände und Anhalt] hatte der Herzog am 22. September [1634; BW] Schreiben gesandt, in denen er ihnen nochmals die Gefahr, in der sie schwebten, vor Augen stellte. Der Feind stehe bei Schweinfurt und Koburg; um weiteres Vordringen zu verhindern, sei Baner auf dem Marsch nach Thüringen. Man müsse also endlich den Ausschuß zum Schutz der Grenzen zusammenziehen und für Baners Armee Proviant liefern. Außerdem sei zur Befriedigung der Soldateska Geld vonnöten. Bis zum 6. Oktober solle die veranschlagte Summe geliefert und der Proviant zusammengebracht sein. Um seine Arbeit zu unterstützen, sollten die Stände ihm bis zum 2. Oktober Deputierte nach Weimar schicken. Altenburg möge seinen Ausschuß an die Pässe bei Saalfeld und Gräfenthal[138] legen, Eisenach und Schwarzburg aber sollten den ihrigen am 30. September nach Ohrdruf[139] schicken. Oberst von Brandenstein erhielt sogleich den Auftrag, sich zu Johann Ernst und den Grafen von Schwarzburg zu begeben, zu mustern und den Major Springsfeld zum Oberstleutnant darüber zu bestallen. Aber auch jetzt kam Herzog Wilhelm nicht zu seinem Ziel. Schwarzburg war zwar bereit, einen Teil der geforderten Leistungen zu erfüllen, Johann Philipp [v. Sachsen-Altenburg; BW] aber wandte sich zu-nächst nach Dresden, um über die Ansicht des Kurfürsten unterrichtet zu sein, und Johann Ernst erklärte, in dieser Eile sei an eine Erfüllung der Wünsche Herzog Wilhelms nicht zu denken. Außerdem habe er gehört, daß Baner sich in Thüringen ‚refraichieren’ wolle. Da dann sicher auch sein Land nicht verschont bleiben werde, sei es unmöglich, auch noch Wilhelms Begehren nachzukommen. Sein Land müsse ja auch Mittel zur Verteidigung Koburgs aufbringen. Den Ausschuß, den er auszuheben beginne, brauche er zum Schutz seines eigenen Fürstentums. Ostheim vor der Rhön[140] sei bereits von feindlichen Scharen geplündert, ‚dahero allenthalben große Furcht im Lande’. Wenn er eine Gewähr dafür haben könne, daß weder der Feind noch Baner in sein Land komme, wolle er seine Mannschaft abfolgen und auch sonst ein Genüge tun. Es sei aber besser, man verhandele mit den anderen Kreisständen“.[141]

1635 amtierte Brandenstein noch als Statthalter in Magdeburg[142] und Halberstadt.[143]

Im Laufe des Juni 1635 hatte Brandenstein, der den Beitritt Wilhelms IV. zum Prager Frieden nicht akzeptiert hatte, auf eigene Bitte hin seinen Abschied erhalten.[144]

Der Schmalkaldener[145] Chronist Pforr berichtet: „Nachdem nun hießiges orts landeß die Keyßerlichen uff daßmahl wechgeweßen, sint den 17. Jun: [1635, BW] sieben Weymarische mußquetirer vom Brandensteinischen regiment anhero kommen und alß sie sich vollgeßoffen, haben sie einen tumult in der statt angefangen, die leuht uff der gaßen verjaget und darüber einen bawren von der Struht todtgestochen, deßwegen die bürger zugelauffen und solche frevelhaffte soldaten abgeblet und gefangen genommen. Den 27. huius ließ der Obrist Brandenstein die gefangene soldaten abholen, den mörder aber hinterlaßen, welcher den 5. 8br: alhier mit dem schwert gerichtet worden.

Alß nun bemelter obrist erfahren, daß die 3 bauren, welche seiner soldaten zwey den vergangenen winder solden erschlagen haben, gefengklich eingezogen worden, hat er begehrt, ihme, dißelbe zu straffen, abfolgen zu laßen. Aber es wurde ihme abgeschlagen, hergegen alhier urtheil und recht uber sie eingeholet, dadurch sie, weil sie ein nohtwehr thun müßen, ledig gesprochen wurden“.[146]

Nach dem Prager Frieden nahm er seinen Abschied.

Brandenstein wurde am 9.10.1635 in der Erfurter Prediger-Kirche bestattet.[147]

[1] Lützelbuch, heute Stadtteil v. Coburg.

[2] Prestewitz [Ortsteil v. Uebigau-Wahrenbrück/LK Elbe-Elster/Brandenburg].

[3] Theisa [Ortsteil der Stadt Bad Liebenwerda/LK Elbe-Elster/Brandenburg]

[4] Königsberg i. Bay. [LK Hassberge/UFr.]; HHSD VII, S. 365f.

[5] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[6] Unterhohenried [LK Hassberge/UFr.].

[7] Rothenfels [LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 642f.

[8] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[9] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2397.

[10] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[11] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[12] Dingelstädt [Kr. Heiligenstadt]; HHSD IX, S. 77f.

[13] Goldene Mark (Kr. Duderstadt); HHSD II, S. 172f.

[14] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 9f.

[15] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[16] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.

[17] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[18] Haßfurt [LK Hassberge]; HHSD VII, S. 273f.

[19] Zeil [LK Hassfurt], HHSD VII, S. 846f.

[20] Oberndorf, unter Arnstadt [Kr. Arnstadt]; HHSD IX, S. 21.

[21] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 67f.

[22] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[23] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.

[24] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[25] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[26] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[27] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 79.

[28] HAPPE I 286 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[29] Bad Langensalza [Kr. Langensalza]; HHSD IX, S. 33ff.

[30] HAPPE I 287 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[31] Arnstadt [Kr. Arnstadt]; HHSD IX, S. 18ff.

[32] Naumburg [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.

[33] BORKOWSKY, Schweden, S. 36f.

[34] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.

[35] BORKOWSKY, Schweden, S. 37f.

[36] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[37] HAPPE I 300 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[38] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[39] Häselrieth, heute Ortsteil von Hildburghausen/Thüringen].

[40] Siegritz, heute Ortsteil von Reurieth, LK Hildburghausen.

[41] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2650.

[42] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2659.

[43] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.

[44] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 95f.

[45] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[46] ENGERISSER, Von Kronach, S. 167f.

[47] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 26775.

[48] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[49] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[50] Elbogen [Loket, Bez. Falkenau]; HHSBöhm, S. 133f.

[51] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[52] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[53] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[54] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[55] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[56] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.

[57] Ludwigsstadt [LK Kronach]; HHSD VII, S. 419.

[58] Friesen, heute Stadtteil von Kronach [LK Kronach].

[59] Rosenberg, Festung: Die Festung Rosenberg ist wohl das bedeutendste Geschichtsdenkmal des südlichen Frankenwalds. Der Grundfläche nach ist sie das ausgedehnteste Festungsbauwerk Deutschlands. Sie gilt als ein herausragendes Beispiel deutscher Wehrbaukunst und steht seit Jahrhunderten beschützend über der Stadt Kronach. Die Festung wurde in einer Höhe von 378 Metern über Normalnull auf dem Rosenberg in einer strategisch hervorragenden Lage erbaut. Die drei zu ihren Füßen zusammenlaufenden Täler, der Haßlach, der Kronach und der Rodach wurden von ihr beherrscht und sie konnte dadurch wichtige Übergänge nach Thüringen und in den Frankenwald sperren oder kontrollieren. Vom Steinernen Haus über die gotische Burg und das Schloss der Renaissance wurde die Festung Rosenberg von berühmten Baumeistern der Kriegsbaukunst des Barocks zu einer der stärksten mittelalterlichen Festungsanlagen Deutschlands ausgebaut. Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Festung Rosenberg nie von feindlichen Angreifern eingenommen. [wikipedia]

[60] Ludwigsstadt [LK Kronach]; HHSD VII, S. 419.

[61] Nordhalben, Burg [LK Kronach]; HHSD VII, S. 525f.

[62] Posseck, heute Ortsteil von Pressig [LK Kronach].

[63] Lehesten [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 254.

[64] Bernsroth, ehemaliger Weiler, heute Gehöft nördlich von Kronach.

[65] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[66] Lichtenberg [LK Naila]; HHSD VII, S. 406f.

[67] Wildenreuth [LK Bayreuth].

[68] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[69] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.

[70] Pottenstein [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 593.

[71] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[72] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[73] ENGERISSER, Von Kronach, S. 175ff.

[74] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[75] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.

[76] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[77] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.

[78] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[79] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.

[80] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[81] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[82] Zudem war Arnim zur Zeit sächsischer Generalleutnant.

[83] Schleusingen [Kreis Hildburghausen]; HHSD IX, S. 382ff.

[84] Henneberg [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 193ff.

[85] Saalburg [Kr. Schleiz]; HHSD IX, S. 367ff.

[86] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 135f.

[87] Oberhof ]Kr. Zella-Mehlis]; HHSD IX, S. 317f.

[88] bagatellisieren, verkleinern.

[89] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[90] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[91] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 139f.

[92] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.

[93] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[94] Pegau [Kr. Borna]; HHSD VIII, S. 272ff.

[95] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[96] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer.

[97] Egeln [Kr. Wanzleben/Staßfurt]; HHSD XI, S. 98f.

[98] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.

[99] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[100] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[101] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[102] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 146f.

[103] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[104] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 149.

[105] Rudolstadt [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.

[106] Wiehe [Kr. Eckartsberga/Artern]; HHSD XI, S. 499f.

[107] [Bad] Frankenhausen [Kr. Artern]; HHSD IX, S. 29ff.

[108] Schleiz [Kr. Schleiz]; HHSD IX, S. 380ff.

[109] Leutenberg [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 256f.

[110] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.

[111] HUSCHKE, S. 157f.

[112] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[113] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[114] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[115] Herzog Albrecht (Albert) von Sachsen-Weimar (1599-1644), ab 1640 Herzog von Sachsen-Eisenach.

[116] Geyerswörth: Stadtschloss in der Bamberger Altstadt. Es ist benannt nach der Familie Geyer aus Nürnberg, die sich im 14. Jahrhundert in Bamberg niederließ und die Anlage errichten ließ. Im Jahr 1580 fiel – nach vorherigen Teilaufkäufen seit der Regierungszeit des Fürstbischofs Veit II. von Würzburg – das Gelände wie auch das Schloss der Familie Geyer an das Hochstift Bamberg. Fürstbischof Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (regierte von 1557 bis 1580) ließ südlich des Schlosses einen heute nicht mehr vorhandenen Park anlegen. Nach Umbau im Stile der Renaissance – unter Einbeziehung des Altbaues – diente das Gebäude als Stadtsitz der Fürstbischöfe – als Bauherr gilt Fürstbischof Ernst von Mengersdorf – und war wohl bis zum Ende der Bauarbeiten an der Neuen Residenz Hauptsitz der regierenden Bischöfe. [wikipedia]

[117] ENGERISSER, Von Kronach, S. 258ff.

[118] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff. Die Festung Forchheim wurde während des gesamten Krieges nicht einmal erobert. Das wiederholte Anrennen gegen Forchheim war wohl auch eine Prestigeangelegenheit.

[119] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[120] Rothenberg, Festung [Gem. Schnaittach, LK Lauf/Pegnitz, Mfr.]; HHSD VII, S. 635f.

[121] Schnaittach [LK Lauf/Pegnitz]; HHSD VII, S. 671f.

[122] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[123] Dafür bekam man in Schweinfurt schon einen halben Eimer guten Frankenwein.

[124] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 349ff.

[125] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[126] Seukendorf [LK Fürth].

[127] Cadolzburg [LK Fürth]; HHSD VII, S. 122f.

[128] Illesheim [Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim].

[129] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.

[130] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.

[131] Uffenheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 758.

[132] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[133] ENGERISSER, Von Kronach, S. 294ff.

[134] Roth [LK Roth]; HHSD VII, S. 634f.

[135] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[136] ENGERISSER, Von Kronach, S. 303f.

[137] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 232f.

[138] Gräfenthal [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 161.

[139] Ohrdruf [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 324ff.

[140] Ostheim v. d. Rhön [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 565f.

[141] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. S. 242.

[142] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[143] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[144] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 296.

[145] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[146] WAGNER, Pforr, S. 136.

[147] QUEHL, Religion, S. 124.

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Gaul [Gaull], Erdmann [Erdtmann, Erdney]

Gaul [Gaull], Erdmann [Erdtmann, Erdney]; Major [ – ] Erdmann [Erdtmann, Erdney] Gaul [Gaull] [ – ] stand 1633 noch als Major[1] unter dem Befehl von Georg Friedrich von Wolframsdorf[2] in der Leibkompanie[3] Herzog Wilhelms IV. von Sachsen-Weimar.[4]

Vom 8.2.1633 datiert das Gesuch des Rates zu Hildburghausen[5]  an den Schösser[6] Andreas Götz[7] zu Heldburg[8] um Beihilfe zur Lieferung von Lebensmitteln und Futter aus dem Amt Heldburg für die heute in der Stadt eingetroffene Kompanie[9] mit über 200 Berittenen unter dem Kommando des Majors Gaul, „damit wir unter der Last nicht gänzlich erliegen mögen“. Mit Emanuel [Gott mit uns] schloss das Gesuch.[10] Am 9.2. zwischen 1 und 2 Uhr nachts erging die Anordnung des Rentmeisters[11] Johann Latermann[12] an Götz in Heldburg, auf einen um Mitternacht eingegangenen Bericht des Rates der Stadt Hildburghausen über das Eintreffen Gauls mit seinem Stab[13] und 200 Berittenen in der Stadt, wobei heftig Proviant und Zufuhr verlangt worden seien, der Stadt Hildburghausen mit Lieferung von Proviant aus dem Amt Heldburg beizustehen, zumal die Stadt den Dragoner-Ausschuss[14] und die Lehnsreiterei[15] „auf dem Hals“ habe.[16] Ein „Verzeichnis, was zur Verpflegung der Brandenstein’schen,[17] unter dem Kommando des Majors Gaul stehenden und zu Hildburghausen und umliegenden Dorfschaften einquartierten Reiterkompagnien geliefert worden ist“, datiert vom 10.2.1633.[18] Herzog Johann Kasimir von Sachsen-Coburg[19] ließ am 15.2.1633 aus Coburg[20] ein Reskript[21] an Götz in Heldburg ergehen, eine von Gaul geforderte Ranzion[22] in Höhe von 200 Talern aus dem Amt Heldburg betr., mit der Auflage, bei der bereits erfolgten Ablehnung zu verbleiben und den Major Gaul, zu seinem eigenen Ansehen, zu veranlassen, Abstand von der Forderung zu nehmen. Andernfalls müsse man sich an den Generalleutnant[23] Herzog Wilhelm IV., der sich dem Stallmeister[24] Obrist Zehm[25] gegenüber zu allem Guten erboten habe, oder gar an Reichskanzler Oxenstierna[26] wenden.[27] Vom 9. und 17.2. datieren die Mitteilungen des Zentgrafen[28] Georg Eimes[29] an Götz zu Heldburg, die Beihilfe zur Verpflegung der in Hildburghausen einquartierten Truppen unter dem Kommando des Majors Gaul aus dem Amt Heldburg sowie die Einstellung der Beihilfe betreffend, da der Aufbruch der Truppen nach Schleusingen[30] in Gang sei.[31] Ein Gesuch der Stadt Hildburghausen, gerichtet an Götz zu Heldburg, mit der Bitte, von den 200 Talern, „die wir für den Herrn Major wegen Haltung guter Ordre in der Stadt und auf dem Lande aufbringen mussten, uns zwei Dritteile wiederum erstatten zu lassen, damit die guten Leute, die uns in der Not beigesprungen sind, wieder zu ihrem Geld kommen“, stammte vom 19.2.[32] Hans Casimir von und zu Heßberg[33] wandte sich am 19.2. aus Bedheim[34] an den Kriegskapitän Veit Ulrich Marschalk,[35] genannt Greif, zu Erlebach,[36] und bestätigte den Empfang einer Zuschrift Gauls, eine Salvagardia[37] betreffend, und teilte ihm mit, dass die Salvaguardia heute morgen um 10 Uhr, nachdem ihr zuvor „Gebühr gegeben worden“, von Bedheim aufgebrochen sei, um zum Regiment[38] zu marschieren.[39] Umfangreiche Berichte dokumentieren den Durchzug und die Einquartierung[40] Gauls und des Rittmeisters[41] Stößel[42] in Hildburghausen und Veilsdorf[43] im Februar 1633.[44]

„Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar hatte ursprünglich selbst daran gedacht, im Frühjahr 1633 nach Franken zu gehen, um dort als Generalleutnant den Oberbefehl über die Fränkische Armee zu übernehmen (Huschke, S. 95). Bernhard[45]  kümmerte sich indes wenig um die Ansprüche seines Bruders. Er hatte schon von Schweinfurt[46] aus Befehle an Lohausen[47] und Bulach[48] erteilt, ohne die Zustimmung Wilhelms einzuholen. Als er im März 1633 dessen Aufforderung, sich zur Armee zu begeben, erhielt, war er schon in Bamberg[49] (ebd. S. 107). Wilhelm verzichtete schließlich auf die eingangs erwähnte Vorgehensweise, weil er seinen Bruder Bernhard nicht düpieren wollte, auch fehlte ihm die Unterstützung Oxenstiernas. Er änderte seine Pläne und dachte daran, einen konzentrierten Angriff auf Böhmen und Österreich vorzunehmen (ebd. S. 109). Mit seiner Armee wollte er gegen Eger[50] und Elbogen[51] und weiter gegen die Donau vorrücken. In enger Fühlung mit ihm sollte Bernhard in die Oberpfalz eindringen, auf Regensburg[52] ziehen und nach dem Fall der Stadt ins Österreichische einbrechen.

Aufgrund der ablehnenden Haltung Oxenstiernas gab Wilhelm jedoch diesen Feldzugsplan auf, wollte sich zuerst nach Eger und die Oberpfalz wenden und, als auch dieses von Oxenstierna mißbilligt wurde, wandte er sich gegen Franken und den Main. (Ebd. S. 116, 118). Er gedachte aber auf dem Weg nach Bamberg wenigstens das fürstbischöflich-bambergische Kronach[53]  in seine Hand zu bekommen. Er wollte diesem ‚großen Hindernis und Unheil ein Ende machen‘ und hatte dafür bei seinem Onkel, dem Coburger Herzog Johann Casimir viel Beifall gefunden (ebd. S. 122). Nach Aussage eines nach Würzburg[54] geschickten Leutnants[55] begehrte man die Eroberung der Stadt, ‚um dann endlich einmal vor Forchheim[56] ziehen zu können‘ (Soden II, S. 158).

Wilhelm forderte Taupadel[57] auf, alle seine Truppen bei Hof[58] zusammenzuziehen und kommandierte auch die Obersten[59] Steinau[60] und Rosen[61] dorthin. Außer seinen magdeburgischen Regimentern (Lohausen, King,[62] Tiesenhausen[63]) hatte er nur noch sein Leibregiment[64] zu Fuß unter Oberst Georg Friedrich von Brandenstein und das Regiment des Obersten Johann Schenck.[65] Die Infanterie, zum Großteil frisch geworben und gemustert, hatte eine für 5 Regimenter relativ geringe Stärke von 3500 Mann (StA Weimar, Abt. H 260, Bl. 230) ‚darunter viel Lumpengesindel‘ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen) und ‚Jungen, so noch keinen Mann bestehen können‘. Diese Aussage deckt sich auch mit der Anweisung in einem Truppenverzeichnis des Herzogs vom 24. März 1633, 3000 Mann aus dem Landesausschuß in die damals recht schwachen Regimenter einzugliedern, die aber großteils wieder entliefen (Skrifter II Bd. 7, S. 32).

– – Am 25.5. erging das Gesuch des Schultheißen[66] Linhard Reinhart und des Hans Müller zu Mebritz[67] an den Schösser Götz zu Heldburg, die Gemeinde Pfersdorf[68] und Leimrieth[69] zur Entrichtung von 101 Gulden, 19 Groschen und 9 ½ Pfenningen für Bier und Gewürz aufzufordern, die anlässlich der Einquartierung einer Kompanie des Rittmeisters Köhler,[70] unter dem Kommando des Majors Gaul, in die genannten Ortschaften geliefert worden waren, mit der Resolution an die Gemeinden Pfersdorf und Leimrieth, den Betrag innerhalb von 14 Tagen zu entrichten oder „gefänglicher Einsetzung“ gewärtig zu sein.[71] – –

„Am 10. Juni führte Wilhelm die Regimenter aus den Quartieren bei Saalfeld[72] nach Ludwigsstadt[73] und befahl Taupadel, seine Truppen heranzuführen, da zu Hof der Proviant auszugehen drohte (H. 235, Bl. 37f. u. H. 252, Bl. 155ff.). Reiterei, Dragonerverbände und Fußvolk eingeschlossen, belief sich die Gesamtstärke von Wilhelms Armee vor Kronach auf insgesamt etwas mehr als 6000 Mann. Nicht zu vernachlässigen ist allerdings der Troß,[74]  welcher bei dergleichen Kommandounternehmen zwar nicht so zahlreich wie gewöhnlich war, jedoch mindestens nochmals die Hälfte der kämpfenden Truppen erreichte und damit die Zahl der subjektiv sichtbaren Streitmacht erheblich vergrößerte. Die Chronik des Johann Nikolaus Zitter spricht von ‚9 Regimentern zu Fuß und 8 zu Roß‘ und einer ‚gewaltigen Macht‘ von 20.000 Mann, die vor Kronachs Mauern aufzog. Der Kronacher Dechant[75] Franz August Bauer will diese Zahlen gar mit den Kompaniestärken deutscher Landsknechte errechnen. Auch der Mitwitzer Tagebuchschreiber Andreas Dötschel spricht von 9 Regimentern zu Fuß und 9 zu Pferd sowie 16 Artillerie-Stücken (Dötschel/Tagebuch. In: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach 13/1984).

Die Verwechslung rührt daher, daß zur leichteren Bildung von Brigaden[76] die schwedischen Fußregimenter in jeweils zwei ‚Squadrons'[77] zu 4 Kompanien aufgeteilt waren, so daß die Regimenter Lohausen, King, Leibregiment und Schenck zusammen 8 Squadrons bildeten, das Regiment Tiesenhausen hatte nur 4 Kompanien und bildete die 9. Squadron. Die 5 Kavallerieregimenter Taupadels bildeten 8 Esquadrons zu je 4-6 Kompanien. Die von Zitter erwähnte Truppenstärke der ‚Schweden‘ von 20.000 Mann, welche Zahl bezeichnenderweise in der handschriftlichen Chronik Zitters eine Korrektur von fremder Hand aufweist, ist völlig aus der Luft gegriffen, wird jedoch immer wieder gerne zitiert, obwohl auch die realistische Zahl der heldenhaften Verteidigung Kronachs keinerlei Abbruch tut. Die Stärke der wehrhaften Kronacher Bürger dürfte, wie bei der ersten Belagerung, bei etwa 500 Personen gelegen haben, der in der Regel unzuverlässige Ausschuß belief sich laut eines Verzeichnisses vom April 1633 auf 277 Mann (Fehn VI, S. 215). Den bei Kurfürst Maximilian von Bayern und bei dem kaiserlichen Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld[78] angeforderten Sukkurs blieben diese leider schuldig. In Kronach kommandierte seit dem Vorjahr der Italiener Francesco de Melon.[79] Das Statthalteramt hatte nach wie vor des Fürstbischofs[80] Vetter, Wolfgang Philipp Fuchs von Dornheim,[81] inne.

Der außerordentlich verläßliche ‚Hofhistoriograph‘ Bogislav Philipp von Chemnitz unterstellte den Plänen Wilhelms von vornherein keine großen Erfolgsaussichten: ‚In Thüringen hatte Herzog Wilhelm zu Sachsen / Weimar ein klein Corpo beysammen: Welchem der Herzog zu Coburg und Markgraf Christian zu Brandenburg[82] versprochen / da Er etwas auf Cronach tendieren könnte / mit Stücken und munition zustatten zu kommen. Wodurch Er bewogen sich den ersten Brach-Monats [1. Juni a. St./10. Juni n. St.] von Saalfelde mit etlichen trouppen erhub / über den Thüringer Wald marchierte / und gerade nach Cronach das haupt streckte: Solches / ungeachtet der Feind von Eger / vnd aus der OberPfalz / vber neun meilen [1 Meile ca. 7, 5 km] zum Secours nicht hatte / anzugreiffen / vnd zu versuchen; Ob er mit einem sonderbaren [besonderen] vortheil sich der Stadt bemächtigen / auch zugleich das Schlos / ehe der Feind zeit zum entsatz gewünne / occupieren möchte‘. (Chemnitz II, S. 166).

Bereits am 18. Mai hatte Herzog Wilhelm mit einer Abteilung von gefähr 2000 Mann unter dem Kommando des Generalmajors Jakob (James) King die Festung und Stadt Kronach ‚recognosciren‘ lassen. Die Abteilung kam in der Nacht nach Friesen[83] und rückte dann am folgenden Morgen vom Vogelherd kommend hinter die Festung Rosenberg.[84] Dabei machte man sich das bereits stehende Getreide zu nutze und kam unbemerkt, die Hänge der hinteren Haingasse hinaufsteigend, bis zu der Anhöhe hinter der Festung bei der Schwedenwiese, wo sich eine Abteilung Kronacher Musketiere hinter den dortigen Steinmauern zur Erkundung des Feindes verschanzt hatte. Bei dem überraschenden Zusammenstoß kam es zu einem Schußwechsel, wobei aber niemand verletzt wurde. Obwohl aus der Festung Rosenberg mit Geschützen ‚hinausgespielet‘ wurde, mußten sich die Kronacher zurückziehen und es gelang den King’schen Truppen, sich 3 Stunden lang in dieser Stellung zu halten, wobei ein Ingenieur einen Lageplan der Festung und Umgebung anfertigte.

Am 12. Juni brach die Infanterie Wilhelms aus dem Feldlager von Ludwigsstadt, wo man 2 Tage gerastet hatte, auf und vereinigte sich am 13. mit der von Hof über Nordhalben[85] heranziehenden ca. 2000 Mann starken Reiterei unter Taupadel bei Posseck[86] nördlich von Kronach (StA Weimar, Abt. H 235, Bl. 37f.). Der fürstbischöflich-bambergische Markt Nordhalben, welcher am 21. Mai eine Aufforderung des Herzogs, zwecks Kontributionsverhandlungen eine Abordnung nach Lehesten[87] zu sehen, ‚andernfalls militärische Execution[88] erfolge‘ (Fehn VI, S. 217), ignoriert hatte, war von den durchziehenden Taupadel’schen Truppen in die Asche gelegt worden.

Am 13. Juni erreichten die berittenen Regimenter und etwa 450 kommandierte Musketiere[89] (100 Mann aus jedem Fußregiment) Kronach.  Zur Einschüchterung der Bürger stellte sich die Reiterei am Steinbruch an der Hofwiese in Schlachtordnung, während die kommandierten Musketiere mit einigen ausgefallenen Kronachern ‚chargirten‘ (StA. Weimar Abt. H. 252 u. H. 235, Bl. 37). ‚Da war bey uns in Ansehung einer so gewaltigen Macht / das Lachen zuverbeissen / die Reüterey hielten in batalia biß in die Nacht das wir nit ersehen kunden, wo deren Marsch hinauß gienge / im Läger bliesen jhre Trompeter die gantze Nacht / das es bey jhnen zwar schön, bey vns aber erschröcklich zuhören war‘ (Zitter, S. 31). Herzog Wilhelm traf, gemäß seinem Bericht an Oxenstierna und den weimarischen Quartierlisten, zusammen mit der Infanterie erst am 4./14. Juni vor Kronach ein (H. 260, Bl. 82f. u. H. 235, Bl. 37). Vom Lager hinter der Festung unternahm er am gleichen Tag mit etlichen Reitern einen Erkundungsritt, wobei der Major des Ausschusses, Hans Rudolph Mayer,[90] mit ihm ‚scharmutzierte‘.[91] Die Fußtruppen begaben sich, über Bernsrot,[92] mit ‚schönen neuen Fahnen‘ (es handelte sich ja zum großen Teil um neugeworbenes und noch unerfahrenes Kriegsvolk) sowie den Geschützen, Munition und Bagagewägen,[93] auf das Gelände des alten Hastver’schen[94] Lagers von 1632 am Westhang des Rosenberges. Von Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach erbat sich der Herzog in einem Schreiben vom selben Tage Verstärkung und Munition. Christian antwortete ihm, die verlangten 50-60 Ztr. Pulver stünden bereit, jedoch forderte er die Wagen mit Bespannung zurück. Er wünschte ‚glücklichen Succeß darzu, vnnd das Sie sich dieses platzes […] baldt bemächtigen mögen‘ (Abt. H. 260, Bl. 24f.).

Die Kronacher besetzen ihre Wachen und Laufgräben entlang der Trüllengaß (heute Rosenbergstraße) so gut wie möglich und errichteten oberhalb des Friesener Tores eine neue Batterie[95] aus Brettern des Wasenmüllers (späteres Sägewerk Brückner). In der Nacht zum 15. Juni 1633 nach Mitternacht (Die ‚EhrenCron‘ vermeldet unrichtig den 16.6.) begann der Angriff der weimarischen Truppen, wobei die Regimenter den aufgestauten Mühlbach oberhalb der Wasenmühle ‚über halben leib-tieff‘ durchwaten mußten und zwischen den Häußern in die Strauer Vorstadt einfielen. Trotz heftiger Gegenwehr der Kronacher aus der neuen Verschanzung oberhalb des ‚Strauiger Thors‘ und den Laufgräben entlang der ‚Trüllengaß‘ waren diese schließlich genötigt, sich in die Stadt zurückzuziehen. Der Wache auf dem Kaulanger war der Rückzug abgeschnitten, so daß etliche, die in Richtung des Strauer Tors eilen wollten, von den ‚Schwedischen‘ niedergemacht wurden. Dem Rest gelang es, sich an den Scheunen entlang und über die Spitalbrücke zum gegenüberliegenden ‚vndern Thor‘ (heute Bamberger Tor) und von dort in die Stadt zu retten.

Das King’sche Regiment stürmte nun in Richtung auf das Strauer Tor, wohinein sich noch immer Kronacher Bürger ‚retirirten / vnd die Statt in eüsserster Gefahr stunde / in dem einer Namens Erhard Pantzer zwo Kühe hinein treiben liesse, deren die letzte nit geschwind durch den Schlagbaum zu bringen / der Feind vnder Commando deß Majors Kött[96] vom Kinckischen Regiment mit gantzer Macht die Gassen die Straw genent herein setzete‘. Dem tollkühnen Obristwachtmeister (Major) des King’schen Regiments, Jörg Kött, war es gelungen, eine Pike[97] zwischen Stachet (Fallgitter) und Mauer zu schieben, wodurch ein Ratsmitglied namens Lorenz Zimmermann verletzt: ‚[…] da greiffen die jnnerhalb des thors befindliche Wacht mit Gewalt an die Picken, ziehen dem Major solche auß der Hand und lasten das Stachet vollents zufallen. Der Major schreyt allzeit gut Freund gut Freund, welches aber vnserer Sprach nit ehnlich. Do schiest ihm vnser Schildwacht auß dem Schüllerhäußlein, so ober dem Stachet ausser deß Thors stund, eine Kugel in Leib, das er gleich Todt alldort lage. Der Feind stunde in batalia in der Gassen vnd besetztete die Häuser vff beeden seiten in der Straw, geben continuirlich Fewer vff das Stachet vnd in die Zwinger. Wir theten auch nit feyern, besetzeten die Zwinger und schossen manchen für den Kopff das der Feind die Todten vff Wägen hinwegführen liesse‘.

Die Gefahr, welche durch den Ansturm einer so großen Anzahl feindlicher Truppen bei Nacht für die Stadt bestand, war immens, so daß die Kronacher sehnlich den Tag herbeiwünschten. Bei Tagesanbruch (15.6.), und während die Musketiere von der Stadtmauer, dem Tor und dem Zwinger Feuer auf die gegenüberliegenden Häuser der Strau gaben, beschloß die Bürgerschaft, einen Ausfall zu machen. Mit 200 Mann rückte man durch das obere Stadttor und an der Mauer entlang durch die sich anschließenden Gärten und besetzte die Häuser der Friesener Straße auf der zur Festung gerichteten Seite. Auf der gegenüberliegenden Seite hatten sich jedoch die feindlichen Truppen verschanzt, so daß sich ein regelrechter Straßenkampf mit einem Feuergefecht von Fenster zu Fenster entwickelte. Währenddessen lag der Leichnam des Majors Kött immer noch vor dem Strauer Tor auf offener Strasse. ‚Nach deme nun der Feind den todten Leichnamb ihres Herrn Majors Kött gern mit sich genommen, welcher unweit des Stackets herunter vff freyer gassen gelegen, sein Pferdt aber gantz ledig mit einem roth Sammeten Sattel und pistoln schön mundiert die Gassen auff vnd abgelauffen, haben werder sie [der Feind] noch einer aus uns [der Kronacher Bürgerschafft] sich wagen dörffen, in deme geschwind 20. in 30. Schüß vff dahin giengen. Biß endlich unsere Bürger etlich Flößhäcken ergrieffen, lange Stangen daran gemacht vnd nach vnd nach herüber in Hanß Stauffen Hauß den todten Leichnamb geschleifft, welches ein schöner langer Cavalier gewesen, von ansehlichen stattlichen Kleydern. Dene aber diejenigen so es gewagt, so balden biß vffs Hembt außgezogen,[98] und den Leib hernacher gantz Erbahr in die St. Martins Kirchen getragen. Das Pferdt haben etliche andere von uns auch ertapt, Sattel, Pistolen und Pferdt unter sich verteilt‘.

Die Kronacher beschlossen nun, den Feind von der Seite her anzugreifen um ihn aus der Strauer Vorstadt zu vertreiben. Zu diesem Zweck rückten sie durch das Haßlacher Tor (heute Bamberger Tor) und weiter um die Stadtmauern herum bis zu den ‚Gärten des dicken Schneiders Haus‘ (hinter der späteren Korbwarenfabrik Gebr. Heim), fielen in die feindlich besetzten Häuser der Strau und machten etliche nieder, etliche nahmen sie gefangen, darunter einen Furier,[99] der sich im Gasthaus des Wirtes Panzer (an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche) in einer Truhe versteckt hatte. Es gelang, den Feind bis zum Brücklein beim Haus der Siebenhünerin zurückzudrängen, wo er sich hinter Floßböden verschanzte und den Kronachern erhebliche Verluste beibrachte, darunter die erprobten ‚Musquetierer Mottla Latz / Stöltzlein Metzger / Fritz Drexel / und andere / wie auch etliche durch Armb / Achsel vnd Kopff geschossen und verwundt‘. Zur Erfrischung der abgematteten Bürger ließen die Bürgermeister Bier in Butten hinaustragen, ‚damit bißweilen einer einen Trunck zur Labung thun können‘. Der Feind hielt die Kaulangerbrücke besetzt und konnte erst zum Rückzug gezwungen werden, nachdem die Kronacher ‚bey des Muglers Schmidten‘ (Johann-Nikolaus-Zitter-Str. 1) über die Mangstraße von unten heraufdrangen und mit geballter Feuerkraft die Schweden mit ihrem bei sich geführten Munitionswagen zum Rückzug über die Brücke zwangen. Eine Verfolgung war, wegen der feindlichen Reiterei, und weil von der Festung mangels Unterscheidungsmöglichkeit von Freund oder Feind keine Artillerieunterstützung gegeben werden konnte, nicht möglich.

Unterdessen ‚kombt das Geschrey daß der Feind vffm Ziegelanger jenseits der Stadt [zum Sturm] ansetzte / wie dann das platzen und beschiessen gegeneinander unauffhörlich gehört / und die Sturmb Glocken vffn Stadt-Thurn geleutet wurde‘. Die Kronacher ließen an der verbarrikadierten Kaulangerbrücke eine starke Wache zurück und wandten sich mit allen verfügbaren Kräften zur gegenüberliegenden, westlichen Stadtseite gegen den Ziegelanger (heute Bahnhofsplatz). Das Regiment Tiesenhausen hatte sich dieses Platzes bereits bemächtigt und war bis zur Brücke an der Haßlach (heute Bahnhofsbrücke) vorgedrungen, als sich die Kronacher ihm mit vereinten Kräften entgegenwarfen. Dabei erhielt der Obrist Detlof von Tiesenhausen gleich zu Anfang einen Bauchschuß, worauf das Regiment anfing zu weichen, jedoch von den Offizieren so hart angetrieben wurde, daß es standhielt, bis man einen Mietwagen zum Abtransport des verwundeten Obristen aufgetrieben hatte. Als die Kronacher merkten, daß es sich bei dem Verwundeten um eine vornehme Person handelte, fielen sie die Angreifer mit solcher ‚furi‘ und Entschlossenheit an, daß viele[n] von ihnen ihre Musketen wegwarfen und die Flucht gegen den Haßlacher Berg ergriffen, wo sie vermeinten, sich hinter den dortigen Steinmäuerchen zu einzugraben. Die Kronacher rückten jedoch entschlossen nach und warfen den Feind schließlich in einem Sturmangriff aus den Stellungen, so daß dieser sich genötigt sah, sich unter Verlusten von 10 Toten und etlichen Verwundeten in das Hauptlager zurückzuziehen.

‚Des andern Tags [16.6.] schickte Hertzog Wilhelm von Weimar einen Trommelschlager aus dem Lager herein / vnd liesse vmb den todten Leichnamb / des gebliebenen Obristen Wachtmeisters Kött anhalten, meldent daß sein Liebste denselben umb ein ansehlige Ranzion[100] lösen wollte / deme man zur Antwort gab / man brauche ihres Geldes nicht / Ihr Herr sollte schon ehrlich begraben werden / welcher damals noch in der Martins Kirchen lag / vnd liessen den Trommelschlager also damit hinziehen‘ (Zitter, S. 32ff.). Außer dem Major Kött vom King’schen Regiment waren von den weimarischen Offizieren ein Fähnrich (ebenfalls vom Regiment King) und der Hauptmann Gersdorf[101] vom Regiment Schenk gefallen (StA Weimar, Abt. H. 235, Bl. 38).

Am 16.6., nach nur 3 Tagen, brach Wilhelm die Belagerung ganz unerwartet ab. Der Troß machte sich bereits früh um 5 Uhr auf den Weg und zog in Richtung Coburg.[102] Gegen Mittag brachen dann auch die Truppen auf. Die Regimenter zu Roß unter Taupadel sammelten sich auf der Ebene des Rosenbergs hinter der Festung gegen den Vogelherd. Sobald die Kronacher den Aufbruch des Feindes bemerkten, liefen sie, Männer und Frauen, ohne Befehl ober- und unterhalb der Haingasse hinaus, füllten die Laufgräben ein und plünderten das verlassene Lager. Der Major des Ausschusses Hanß Rudolph Mayer, der dabei, wie schon bei der 1. Belagerung Kronachs ‚daß von Gott verliehene glückh mißbrauchte'[,] setzte mit den wehrhaften Bürgern den abziehenden Truppen trotz allgemeiner Warnungen nach, wobei man ununterbrochen Feuer unter die Regimenter zu Fuß gab, so daß diese glaubten[,] es wäre bereits Unterstützung seitens der kaiserlichen Armee angekommen und sich in Schlachtordnung stellten. solche Eskapaden konnte man sich jedoch bei Gegnern vom Schlage eines Georg Christoph von Taupadel nicht leisten. Dieser bediente sich einer Finte. Er ließ die Kronacher vom ‚Königl-Schwedischen Fußvolk so weit an sich ziehen, das sie ins feld gebracht worden‘ (Chemnitz II, S. 167)[,] und befahl dann dem Oberstleutnant Reinhold von Rosen, ‚welcher bis zu diesem Zeitpunkt mit 600 Reitern auf dem Bergrücken ‚en embuscade'[103] gelegen hatte[,] ‚auf sie zu chargiren‘ (Soden II, S. 158). Die Rosen’schen Reiter schnitten den Kronachern unweit des Schloßwalles den Weg ab: ‚da ging es an ein jagen, als wenn es Füchs oder Hasen weren, vnd war der Fleck neben das Loch gesetzt daß man des Feinds Lauffgraben zu bald eingefüllet, dahin man sich sonst retiriren vnd den Feind aufhalten können. Vnd wann sich die unserigen nicht hinder und durch die Dorn-Rhein vnd Steinmauern, deren es diß Orths viel hat, salvirt, vnd die Flucht gegen dem Thal, alwo mit reithen nicht gar wol fortzukommen, genommen, were alles im stich geblieben‘. Etwa 30 Kronacher bezahlten diesen Leichtsinn mit dem Leben, darunter der Stadtvogt und ‚Hexendenunziant‘ Friedrich Fleischmann, der nur aus reiner Neugier hinausgegangen war, um dem Spektakel zuzusehen, der ‚Bürger-Hauptmann‘ Jeremias Rainfalt, Clauß Meußel, Zacharias Dürckerß, und der Feldscherer[104] Balthasar Steinmetz. Der Obristwachtmeister Hanß Rudolph Mayer wurde gefangengenommen. (Zitter, S. 36). Einen letzten Hinweis auf Mayer bietet ein Verhörprotokoll vom 7./17. Juni aus Coburg, welches auch bestätigt, daß er ‚ein geborner Türckh‘ sei (StA Weimar, H. 260, Bl. 56). Sein weiteres Schicksal liegt im Dunklen“.[105]

Vom 18.6.1633 datiert ein Gesuch des Rats von Hildburghausen an Götz zu Heldburg, unter ausführlicher Schilderung der Notlage der Stadt, um Beihilfe aus dem Amt Heldburg zur Verpflegung der einquartierten Truppenteile unter dem Kommando Gauls.[106]

Vom 28.6. aus Weimar[107] stammt der Befehl Wilhelms IV. von Sachsen-Weimar an Gaul vom Schenk’schen Regiment, von Hildburghausen ab und nach Staffelstein[108] zu marschieren, da man in Franken zum Dienst am evangelischen Wesen Truppen benötige.[109] Und noch am 29.6. teilte der Rat der Stadt Hildburghausen dem Schosser Götz zu Heldburg unter dem bezeichnenden Vermerk: Emanuel Raptissime [Gott mit uns ! eiligst] mit, dass der Major vom Regiment Schenk angekommen und gewillt sei, das Lager hier aufzuschlagen, mit der Bitte, dem Quartiermeister[110] eine noch rückständige Summe für Hafer zu bezahlen.[111]

„Den Feldmarschall[112] Piccolomini[113] hatten wir am 15. Oktober 1634 im eroberten Schweinfurt[114] verlassen, welches für die nächste Zeit sein Hauptquartier werden sollte. Bereits im Feldlager[115] vor Schweinfurt hatte er erst einmal die Kroatenregimenter[116] in Richtung Thüringen abkommandiert. Dabei sollte der Oberst Miklós Forgách[117] zwischen Römhild[118] und Königshofen[119] patrouillieren, was dieser zwischen 11. und 13. Oktober auch tat, hingegen hatte der Kroatengeneral Goan Lodovico Isolano[120] [=> Abbildung links] den Befehl, mit einigen tausend Kroaten ins Hennebergische[121] zu rücken. Der Hauptauftrag dieser irregulären Truppen war es, die Bewegungen des schwedischen Feldmarschalls Johann Banér,[122]  der von Leitmeritz[123] in Böhmen her im Anzug war, um sich mit den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar zu vereinen, auszukundschaften und zu überwachen. (DBBTI V/ 1027).

Der Anzug Banér’s, auf den die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar alle Hoffnungen zur Verteidigung Thüringens und Frankens setzten, soll an dieser Stelle etwas näher beleuchtet werden. Ursprünglich sollte sich dieser ja sofort nach der Nördlinger Niederlage[124] im Auftrag Oxenstiernas[125] über Eger[126] nach Franken und weiter an den Main begeben, sich darauf um Schweinfurt festsetzen und zusammen mit Herzog Wilhelm das Bistum Würzburg schützen. Dieses war jedoch durch diverse Meinungsverschiedenheiten mit dem sächsischen Kurfürsten[127] und dessen Generalleutnant Hans Georg von Arnim[128] in Verzug geraten. Banér faßte schließlich, auch auf Drängen Herzog Wilhelms von Weimar, den Plan, über Pirna[129] und Ilmenau[130] in den Thüringer Wald zu ziehen, um von dort zusammen mit dem Herzog an den Main zu rücken. (Chemnitz II, S. 556).

Herzog Wilhelm erwartete die Ankunft des schwedischen Feldmarschalls voller Ungeduld. Er schickte ihm sogar einen genauen Anmarschplan entgegen (über Pirna, Freiberg,[131] Chemnitz,[132] Zwickau,[133] Plauen,[134] Saalfeld, Königsee[135]) und bat ihn, 1000 Reiter und 1000 Dragoner zur Versicherung der Grafschaft Henneberg vorauszuschicken. Banér wollte jedoch nicht über Zwickau ziehen und hielt sich, wegen eventuell drohender Gefahr aus Richtung Eger, weiter nördlich. Dies war der Zeitpunkt, als Piccolomini am 19. September den Main bei Frickenhausen[136] überschritt. Herzog Wilhelm war nun gezwungen zu handeln. Er zog seine Truppen an den Thüringer Wald zurück und quartierte sie in die Grafschaft Henneberg. Ein großer Teil des Fußvolkes blieb zur Verstärkung der Garnisonen in Würzburg, Schweinfurt und Ochsenfurt[137] zurück.

Dem Befehlshaber über die Reiterei, Georg von Uslar,[138] befahl Wilhelm, sich in keine Kampfhandlungen einzulassen, bevor nicht Banérs Truppen angekommen seien. Dessen Major Gaul sollte sich mit 200 Reitern nach Neustadt[139] und Mellrichstadt[140] begeben und dort die Regimenter des Obersten Heßler[141] und des Oberstleutnants[142] Reuschel[143] an sich ziehen. (Huschke, S. 245). Obwohl Herzog Wilhelm sein Drängen intensivierte, Banér möge sich doch unverzüglich in Richtung Saalfeld, Königsee und Schleusingen[144] begeben, war dieser mittlerweile in die Stifter Magdeburg und Halberstadt ausgewichen. Das Kommando über die Banér’schen Truppen führte der Generalmajor[145] Torsten Stålhandske,[146] dem der Feldmarschall befohlen hatte, in Richtung Zeitz[147] und Naumburg[148] zu marschieren. Die Armee stand am 6. Oktober erst bei Zeitz und lag am 8. Oktober, 7 Regimenter zu Roß und 5 zu Fuß, insgesamt ca. 8000 Mann stark, bei Naumburg. (Ebd. S. 247).

Der Plan war nun, über Weimar,[149] Erfurt[150] und Arnstadt[151] nach Ilmenau zu marschieren. Banér selbst begab sich zu Verhandlungen mit Herzog Wilhelm nach Weimar, wo er am 12.10. eintraf. Man beratschlagte über eine mögliche Vorgehensweise, wobei eine Vereinigung mit den hessischen Truppen noch dem allgemeinen Konsens entsprach. Herzog Wilhelm schlug eine ‚Cavalcade'[152] gegen Schweinfurt vor, um die Truppen Piccolominis vom Thüringer Wald und hennebergischem Gebiet abzulenken. Allein Banér war zu keinerlei Kompromissen bereit. Das ‚allgemeine evangelische Wesen‘ kümmerte ihn wenig. Sein Handeln war ausschließlich von schwedischen Interessen geprägt. Die letzte noch intakte Armee der schwedischen Krone wollte er auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Dazu kam, daß Herzog Wilhelm in übersteigerter Selbsteinschätzung nach wie vor nicht auf seinen Titel als schwedischer Generalleutnant verzichten wollte und den Oberbefehl über die Truppen beanspruchte. Dazu war Banér, der dem Herzog, welcher noch nicht einmal ein ausgesprochener Anhänger der schwedischen Interessen war, ein gehöriges Maß an Mißtrauen entgegenbrachte, nun nicht im entferntesten bereit. Er beschloß seine Truppen vorerst um Erfurt, Rudolstadt,[153] Mühlhausen[154] und Eisenach[155] einzuquartieren und die weitere Entwicklung abzuwarten. Eine Entscheidung, die in den folgenden

Wochen und Monaten die Landbevölkerung dieser Städte aufs äußerste ruinieren sollte. Er selbst zog am 14. Oktober in Erfurt ein. (Ebd. 251)“.[156]

„Die gefürstete Grafschaft Henneberg, heute zum Bundesland Thüringen gehörig, stand zum Zeitpunkt des Dreißigjährigen Krieges unter kursächsischer Verwaltung (1584-1660), wobei jedoch die fürstlich-sächsische (ernestinische) Linie gewisse Mitspracherechte besaß. Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, der auf die Vereinigung mit den hessischen Truppen wartete, hatte dort, gegen Mitte Oktober, seine Truppen in einer Stärke von ca. 4000 Mann bei Suhl[157] und Zella-Mehlis[158] zusammengezogen. Am 21. Oktober traf er selbst in seinem Hauptquartier in Suhl ein. Einige berittene Abteilungen schickte er in Richtung Königshofen, um den Heranzug der Kroaten  unter Isolano zu beobachten. Dort lag nach wie vor der Kroatenoberst Miklós Forgách, dem sich nun die aus der Wetterau[159] zurückkommenden Regimenter Isolanos anschlossen. Am 25. Oktober trafen diese Truppen auf eine Abteilung von 300 Reitern unter dem weimarischen Major Gaul, der einen Erkundigungsritt nach Themar[160] unternommen hatte. Die Dragoner wurden in die Flucht geschlagen und versuchten sich unter Verfolgung von Isolanos Regimentern nach Suhl zurückzuziehen. Themar wurde am gleichen Tag von den Kroaten ‚angezündet und halb abgebrannt‘.

Das Vordringen der Kroaten, 10 schwache Regimenter mit insgesamt 5000 Mann (die zeitgenössischen Quellen melden 6000 Mann), war so heftig, daß Herzog Wilhelm alle Mühe hatte einen Rückzug zu organisieren. Unter Verlusten und mit ‚nicht geringer Gefahr der hohen Person des Herzogs‘ zogen sich die weimarischen Truppen nach Arnstadt zurück und gaben Suhl den hereinbrechenden Kroatenscharen preis. Diese nahmen am Mittwoch, dem 15./25.10.1634, die Stadt ein und plünderten[161] sie bis zum Morgen des folgenden Tages vollkommen aus. Die Bürger wurden aufs Grausamste mißhandelt: 83 von ihnen wurden ermordet und eine große Zahl starb noch an den Folgen der Mißhandlungen.[162] Als Isolano am Morgen des 26.10. (Do.) gegen 8 Uhr wieder abzog, gab er Befehl, die Stadt an vier Stellen anzuzünden. Eine Delegation des Stadtrates begab sich zu ihm und bat ihn auf Knien um Verschonung der Stadt; er wandte sich jedoch wortlos von ihnen ab und gab das Signal zum Anzünden. Der Anfang des Brandes wurde beim Amt- und Rathaus gemacht, wobei die Kroten die Straßen mit bloßen Säbeln durchliefen, um die Straßen durchliefen, um die Bewohner am Löschen zu hindern. 769 Bürgerhäuser brannten ab. Gleichzeitig wurden alle Produktionsstätten des damals weltweit führenden Fabrikationszentrums für Handfeuerwaffen vernichtet. Nur eine Rohrschmiede, ein Eisenhammer, der sogenannte Mühlwiesenhammer mit Bohr- und Schleifmühle auf dem Grundstück des damaligen Gewehrhändlers Valentin Klett, blieb vom Feuer verschont. (Johann Wagner/Suhl etc.).

Stephan Klett, ein Mitglied der Suhler Waffenschmiedefamilie, schilderte in Reimform, wie er das Wüten der Kroaten am eigenen Leibe empfinden mußte:

‚[…] Sie führten mich wieder in mein Kammer,

viel größer als vor entstund der Jammer

weil sie mich bunden barbarischer Weis,

legten mir auch mit allem Fleiß

die Feilkolben an Finger und Nasen […]

den schwedischen Trunk auch schauen lassen,

da ward ich wieder aufs neu gebunden,

an mein Ehebett zur selbigen Stunden.

Ihrer 4 waren um mich mit Macht,

der eine seine Pistolen bracht,

setzt sie mir an Kopf, wollt schießen,

die andern auch nicht unterließen

zu binden und zu schrauben mich,

da schrie ich laut barmherziglich […].

Früh morgens als es nun war Tag

das Vieh man schreien und lauffen sah,

in Gassen und Häusern fing mans auf

und triebens weg; da must ich drauf

bald aus der kammer wieder fort,

mit ihnen auf die Röder und suchen dort,

funden aber des Orts nichts mehr;

Drauf war noch dieses ihr Begehr:

daß sie Pistolen von mir wollten haben,

mußt drum stets neben ihnen hertraben,

von einer in die andere Gassen,

da war noch Noth über alle Maßen,

groß Lebens=Gefahr bei den Croaten,

die Säbel auf mich zucken thaten […]‘

Klett konnte schließlich entkommen und versteckte sich im Heustadel seiner Mutter, mußte dort allerdings flüchten, als die Stadt in Brand gesteckt wurde. Er war einer der wenigen Glücklichen, deren Familien sich in Sicherheit bringen konnten:

‚Alsdann sucht ich mein Weib und Kind,

die hatten am Mühlwiesen Hammer geschwind

gelöscht, mit Hilf ehrlicher Leut,

Nachdem sie aber gangen davon

und doch das Feuer brannte schon

über die Giebel=Mauer im Hammer=Dach

sowohl auch unten im Rinnloch

nahm ich noch etliche Leut zu mir;

An Stützen, Gelten und anderem Geschirr

mangelte es sehr, doch hielten wir an

die ganze Nacht ohne Ablan

bis wir gedämpft der Kohlen Gluth

die groß war, mit Gottes Hülfe gut‘.

Die führende Stellung Suhls als Fertigungsort für Musketen[163] und Pistolen war mit der Zerstörung der Stadt für viele Jahrzehnte verloren. Außer Suhl hatte auch die gesamte Grafschaft Henneberg unter diesem Kroateneinfall furchtbar zu leiden und ‚hat der Feind mit Feuer, Schwert, Raub, Plünderung, Schändung der Weibspersonen also kontinuiert und flagriert, daß es einen Stein erbarmen möchte‘ (Huschke, S. 255). Kaltennordheim,[164] Themar (15./25.10.) und viele andere Orte wurden in die Asche gelegt. Über den Thüringer Wald drangen die Kroaten wegen den um Erfurt liegenden Truppen Banérs jedoch nicht vor, sondern zogen werraabwärts, besetzten Schmalkalden,[165] plünderten Salzungen[166] und machten das ganze Werra-Tal unsicher. Ihr klares Ziel war es, Herzog Wilhelm von Weimar an einer Vereinigung mit den Truppen des Landgrafen Wilhelm von Hessen zu hindern. Herzog Wilhelm legte daraufhin seine Regimenter am 29. Oktober in die Umgebung von Weimar. Dies war notwendig geworden, weil einzelne feindliche Streiftruppen mittlerweile auch über den Frankenwald nach Saalfeld vorgedrungen waren und auf dem Weg dorthin Lobenstein[167] geplündert hatten. Dabei handelte es sich um Lamboy’sche[168] Streifscharen,[169] die, verstärkt durch die auf Rosenberg[170] liegende Besatzung des Kronacher Kommandanten Hans Jacob Bruckner,[171] wiederholt Plünderungszüge in die Reußische Herrschaft Plauen unternahmen“.[172]

Um 1636 wurde Gaul Obristleutnant, 1637 erscheint er als kursächsischer Obristleutnant.

Christian II. von Anhalt-Bernburg[173] hält in seinem Tagebuch sehr ausführlich den Überfall auf seine Reisegruppe in Sachsen im Mai 1637 fest: „Von Freyberg hat mich der Oberste Vngar,[174] gar höflich führen vndt convoyiren laßen biß nacher Kemnitz,[175] von dannen ich naher Altemburg<Rochlitz>[176] gezogen, vndt von den Taubischen,[177] convoyirt worden, zu Rochlitz, lagen Kayserliche vnter haüptmann[178] Zoch,[179] da kondte ich weder convoy noch fuhre bekommen, vndt es war wenig zum besten vorhanden, kriegte endtlich, convoy vndt pferde vom Obristen Rochaw,[180] (welcher 1½ meilen[181] darvon lag) gar höfljch, biß auf Altemburg,[182] dahjn jch die nacht vber ritte, vndt willkommen war, bey beyden hertzogen. Von Alltemburg wollte mir kein mensch nach Leiptzig[183] rahten, kondte auch weder convoy noch pferde dahin bekommen, gienge derowegen, mitt convoy vndt wagen, auf Jehna,[184] durch Eisemberg[185] zu, vndt ob schon vier starcke partien denselben tag, an vnß kahmen, vndt auf vnß anhieben, so ließen Sie sich doch noch abweysen. Von Jehna auß ließ mich herzog Wilhelm führen vndt convoyiren biß nach Weymar,[186] allda ich auch etwas still gelegen, hernacher zwischen Weymar vndt heldrungen,[187]  von einer starcken || [[Handschrift: 421v]] vndt geplündert worden. Vnsere convoy, hielt sich schlecht, war auch starck vbermannet, also daß es schiene daß die raüber wol vier mahl fast stärcker wehren alß wir. Der ChurSächsische obrist leutnant Gaul sprach ihnen zu, sich zu bedencken, vndt sagte ihnen wer ich wehre, auch daß ich einen Kayserlichen paß bey mir hette, kähme auch vom Kayserlichen hoffe, es half aber alles nichts. Darüber wardt ich, vndt mein CammerJuncker Nostitz,[188] wie auch mein page Sanderßleben,[189] vndt der kammerdiener Tobiaß Steffeck[190] inn: vndt vor der kutzsche vberfallen vndt desvalisirt,[191]] da ich dann ein 1000 Thlr: werth, an geldt vndt geldes werth, also verlohren, wiewol man e[tz]liche ducaten,[192] gnadendienst[193] ringe, briefe, bücher, hette beßer verstecken können, da man sich dieses Streichs befahret hette, Mir vor meine pers[on] wardt weder mitt wortten, noch mitt werck[en] anderst zugesetztt, alß daß Sie gleichwol sich ni[cht] abweisen laßen wollten, geldt begehrten, vnd[t] mir anfiengen die ringe von fingern abzuzieh[en,] die pistolen mitt auffgestrichenen[194] hanen, vndt blo[ßen] || [[Handschrift: 422r]] degen an die kutzsche zu halten mitt vngestümm. An meinen seitten im schlage stießen sie meine leütte, zogen ihnen die koller[195] auß, vndt mach<besuchten> sie, hetten sie auch bey nahe ermordet, <insonderheitt Nostiz,> wann ich nicht abgewehret hette, dann meine leütte sich sehr resolut erzeigeten, vndt so voller courage, vndt fidelitet,[196] daß ich es nicht genugsam rühmen kan, ia auch mich darüber verwundert habe. Gott stärcke Sie in solchem gutem vorsatz. Die Felleisen[197] giengen mitt allem heyl hinweg, vndt thut mir solcher vngewöhnlicher, vnerhörter Schimpf vndt schaden, sehr wehe. Gott wolle ihn resarciren[198] anderwerts. Meine leütte, insonderheitt Nostitz, hat auch zimlich viel verlohren. Vndt ist mir solcher poße[199] noch nie wiederfahren. Die pferde wurden außgespannet, vndt die Reütter abgesetztt. Ein scribent[200] von hertzogk Wilhelm, wardt durch einen Schenckel geschoßen. Der Obrist leutnant Gaul verlohr nichts als ein handtroß, vndt es wurden etzliche Reütter abgesetztt, etzliche rißen auß. Der anschlag, war eigentlich, auf mich vndt die meynigen angesehen. Eine partie von heldrungen auß, hette vns endtsetzen können || [[Handschrift: 422v]] wenn Sie es eigentlich gewust hetten.
Zu heldrungen blieb ich vber Nachtt, vndt wurde al[da] von einem Kayserlichen commendanten auß Schottlandt,[201] wo[l] gehalten. Folgenden tages, wol convoyiret biß nacher Sangerhausen,[202] alda vom raht, höfli[ch] außquittiret,[203] vndt von den ChurSächsischen offizirern wol bedienet, vndt accompagniret nachfolgen[den] tages, biß nach Eißleben,[204] alda vom capitai[n,] vndt raht wieder desfrayiret,[205] vndt in guter convoy, biß nach Bernburgk[206] begleittet. habe also Gott zu dancken, daß ich noch mitt ga[n]tzer hautt, vndter solchen vnordnungen, darv[on] kommen bin, wer weiß, quj scait combien de temps je [de]meureray seur en ma mayson?[207] Bin also gestern hieher, nach Bernburgk; vnbesch[ä]diget angelangett, wiewol die gefahr vndt v[n]sicherheitt zwischen hier, vndt Dresen,[208] gar seh[r] groß gewesen“.[209]

Das „Theatrum Europaeum“[210] berichtet über diesen Überfall: „Ausser dem Schreiben, so der Churfürst zu Sachsen an den Herzog von Eisenach[211] wegen Proviants für die Armee abgelassen, lief auch dergleichen Zuschrifft aus Wanfried[212] von dem General Geleen[213] den 4. May zu Weimar ein, worin begehret ward, Abgeordnete an ihn zu senden, gleich jetzo aber 468. Scheffel[214] Korn nach Northausen zu schaffen. Da nun der Herzog am 10. May den Oberst-Lieutenant Gaulen und einen vom Adel, nebst einem Secretario, unter dem Gefolg des Fürsten Christian von Anhalt, der von Wien über Dreßden angelanget war, an den General Geleen abschickte, wurden selbige 3. Meilen von Erfurt[215] bei Kuh-Cöln[216] von 100. Kayserlichen Reutern überfallen, beraubet, übel zerschlagen, und der Secretarius tödtlich verwundet. Der Fürst beruffte sich auf den Kayserlichen Paß und auf seinen Stand, erhielt aber eine spöttische Antwort, und ward auf eines Trompeters[217] Pferd nebst dem Oberst-Lieutenant Gaulen nach Heldrungen zu dem Chur-Sächsischen Commandanten, der verwundete Secretarius aber auf einem Karren nach Erfurt geführet“.[218]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] ENGERISSER, Kronach 1634, S. 30, Anm. 29 (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[2] Georg Friedrich v. Wolframsdorf [Ramsdorf, Wolfersdörfer] [ -4.8.1668 Eilenburg], weimarischer Obristleutnant, schwedischer, dann kursächsischer Obrist.

[3] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [wikipedia].

Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark und in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen. Zudem waren in der Regel die Ausstattung und Verpflegung besser als in anderen Regimentern bzw. wurden von den Neugeworbenen eingefordert.

[4] Wilhelm IV. Herzog v. Sachsen-Weimar 11.4.1598 Altenburg-17.5.1662 Weimar], schwedischer Generalleutnant. Vgl. HUSCHKE, Wilhelm IV.

[5] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[6] Schösser: Der Schösser (auch Amtsschösser) nimmt die Wirtschaftsverwaltung eines Amtes wahr, vor allem die Einnahmen durch Schoss, Zinsen, Gefällen. Der Schoss war eine allgemeine Vermögensabgabe, die zwar vom Schösser in regelmäßigen Abständen eingezogen wurde, bei Bedarf jedoch extra und auch in vielfacher Höhe erhoben werden konnte. Der Schösser führt das Rechnungswesen des Amtes. Schösser und Amtmann bezeichnen im 17. Jahrhundert häufig den Träger derselben Verwaltungsfunktion, deshalb ist auch der Terminus Amtsschösser gebräuchlich. [mdsz]

[7] Andreas Götz [ – ], sachsen-coburgischer Schösser.

[8] Heldburg, heute Ortsteil von Bad Colberg-Heldburg [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[9] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass  ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[10] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2648.

[11] Rentmeister: Der Rentmeister führte die Aufsicht über die lokalen Beamten. Bestandungen und Mängel bei der Amtsführung auch der Bürgermeister und Räte wurden in einem Bericht zusammengefasst, Verwalter der landesherrlichen Finanzen (Vorsteher der Rentkammer).

[12] Johann Latermann [ – ], sachsen-coburgischer Rentmeister.

[13] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchsen auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen. Vgl. die Lebensmittelmengen, die der Stab Piccolominis 1635 in Dülken beanspruchte; ARBEITSGRUPPE VIERSEN, S. 90.

[14] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html. – Ausschuss: Bürgerwehr: (zumeist relativ wirkungslose, unzuverlässige und aufsässige) Miliz zur selbstständigen Landesverteidigung (vgl. Landwehr), die teilweise schon beim ersten Musketenschuss auseinanderlief oder als Kanonenfutter diente, wenn sie nicht unter dem Schutz von Soldaten eingesetzt wurde. Zum Dienst im Ausschuss konnten sowohl Bürger – meist kleine Handwerker und ärmere Bürger, reichere Bürger drückten sich vor diesem Dienst – als auch Bauern der städtischen Dörfer herangezogen werden. Sie erhielten 4. Rt. pro Monat. Üblich war die Stellung des 5. oder 10. Mannes. Die Erfurter Bürgerwehr soll aus 1.200 Mann bestanden haben; BEYER; BIEREYE, Geschichte, S. 537. Zur Nutzlosigkeit des Bürgerausschusses vgl. die Äußerungen des brandenburgischen Kanzlers Friedrich Pruckmann [1562-1630]; FADEN, Berlin, S. 144: Sie wurden „von ihrer zween angeführt, die ihr Lebetage wohl keinen toten Menschen im Felde gesehen. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen, auch Schreien in beiden Städten [Berlin und Cölln] die ganze Nacht hindurch, dass ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben. Denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg; dem andern entfiel der Ladestecken, dem dritten die Forschett [Gabelstock]; dem vierten versagte die Muskete zwei- bis dreimal; der fünfte steckte die Nase gar in den Ärmel, wenn er schießen wollte, gleich den Mönchen, Pfaffen und Jesuiten, die vor etlichen Jahren zu Paris gassatim gingen, Die dann losgeschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pikeniere trugen die Pike auch gar musterlich, zu geschweigen, dass sie solche sonsten zu gebrauchen sollten gewusst haben. Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt“. FADEN, Berlin, S. 153f. Vgl. auch die Einschätzung Herzog Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorp; RATHJEN, Soldaten im Dorf, S. 39: „das landtvolckh ohngeubet zu fechten, kleinmüthig und verzagt sein, ihr hertz und muth zurück bei ihren hinterlassenen Eltern, Weib undt Kindern gelassen“. SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 507 (1632): „Bald darauff sind die Bauern bewehret / und hinauff an Wald und Gräntzen verleget worden. Unter diesen waren ihr viel / die aus Mangel anderer Gewehr / Sensen an Stangen liesen machen / und darmit fort zogen / sie wurden aber zuvor am hindern Theil anders gerichtet / daß sie gerade wie Spiesse standen“. Der niederrheinische katholische Chronist von Kempen und Dekan des Stifts Kaiserswerth, Johannes Wilmius [1585-1655]; WILMIUS, Chronicon, S. 115, über die Ernsthaftigkeit von Verteidigungsmaßnahmen: „Im gleichen Jahr [1641; BW], als vorher im September in Deutschland alles vom Krieg verwüstet wurde und das kaiserliche Heer in Hessen gegen den Schwedengeneral Johannes Banèr lagerte, nahmen die Hessen unter Rabenhaupt [Karl Rabenhaupt von Sucha (1602-1675); BW] Kalkar im Klevischen zu nachtschlafender Zeit. Sie bedrohten uns schwer und kündigten feindselige Handlungen an. In panischem Schrecken befestigten die Kempener den Ort und widersetzten sich dem Amtmann [Johann Konstantin v. Neukirch, gen. Nievenheim; BW], der Soldaten aus ihrer Mitte ausheben wollte. Mit welchem Erfolg, wird die Zeit lehren. Jedoch auf einen Befehl des Fürsten hin, den der Amtmann unter Hinweis auf die Gefahr von ihm erwirkt hatte, wurden einige Abteilungen und Gruppen von Soldaten mit großem Aufwand der gesamten Gemeinde ausgehoben. Als Hauptmann wurde der Sohn des Amtmanns an ihre Spitze gestellt, ein Junge von neun oder zehn Jahren. Er sollte 60 Taler Sold monatlich bekommen. Hieraus kann man schließen, was die einfachen Soldaten erhalten werden. Gegen diese Aushebung erhoben die Vierter und die Gemeinde Einspruch, jedoch der Rat und die Schöffen wagten den Mund nicht aufzutun. Lieber wollten sie den Interessen ihres Vorgesetzten nachkommen, wenn auch die Stadt darüber zu Grunde ginge“.Teilweise wurde schon aus Kostengründen der Ausschuss von Städten abgelehnt; BRUNS, Hallenberg, S. 258f.; WALLHAUSEN, Defensio Patriae. „Daß die angestellte Landesdefension Erfolg haben konnte, wenn es sich bei den Übergriffen um kleinere Gruppen von Plünderern handelte, zeigte sich in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt, als man in (Düsseldorf-)Gerresheim eine Gruppe brabantischer Soldaten gefangennahm, die ‚die Gerresheimer Kirch spoliert’ (geplündert) hatten. Dreizehn von ihnen wurden am 27. Januar 1625 gehenkt und sechs enthauptet“. STOMMEL, Johann Adolf Freiherr Wolff, S. 78.

[15] Lehnsreiterei [Ritterpferde]: Lehnspferde, auch Ritterpferde genannt, waren seit dem Mittelalter die von der Ritterschaft dem Reichsoberhaupt oder dem jeweiligen Lehnsherrn für Kriegs- und Botendienste zu stellende berittene Kriegsmannschaft. Der Lehensreiterei oblag die Sicherung der Straßen und der Furten/Passagen in die benachbarten Territorien. Die Ritterpferde wurden später durch laufende Geldleistungen (Ritterpferdsgelder) oder durch eine einmalige Ablösung ersetzt.

[16] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2658.

[17] Georg Friedrich v. Brandenstein [1596-bestattet 9.10.1635 Erfurt], weimarischer Obristleutnant, Obrist.

[18] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2659.

[19] Johann Kasimir Herzog v. Sachsen-Coburg-Eisenach [12.6.1564 Gotha-16.7.1633 Coburg]. Bruder von Herzog Johann Ernst von Sachsen-Coburg-Eisenach, in erster Ehe mit Anna von Sachsen (1567-1613), der Tochter Kurfürst Augusts von Sachsen, in 2. Ehe mit Margarethe von Braunschweig (1573-1643) verheiratet. Unter Vormundschaft des Kurfürsten von Sachsen, da die Eltern in kaiserlicher Gefangenschaft in Wiener Neustadt saßen, Studium in Leipzig und 1586 Übernahme der Regierung für das Fürstentum Sachsen-Coburg-Eisenach. Ihren Seitensprung mit Ulrich von Liechtenstein büßte sie auf Anweisung Johann Casimirs mit lebenslänglicher Inhaftierung auf der Veste Coburg, dann in Eisenach und ab 1596 im aufgehobenen Kloster Sonnefeld. Nach Regierung für das Fürstentum Sachsen-Coburg-Eisenach. Ihren Seitensprung mit Ulrich von Liechtenstein büßte sie auf Anweisung Johann Casimirs mit lebenslänglicher Inhaftierung auf der Veste Coburg, dann in Eisenach und ab 1596 im aufgehobenen Kloster Sonnefeld. Nach einem misslungenen Befreiungsversuch starb sie 1613 im Kerker auf der Veste. 1594 setzte Johann Casimir die Scheidung durch. Nach der Teilung der Lande 1596 Ausbau der Verwaltung, Ordnung der Kirchenangelegenheiten und Einführung einer einheitlichen Rechtsprechung. Wirtschaftspolitisch vertrat er den Merkantilismus, Ausbau Coburgs zur Residenzstadt und Errichtung des Gymnasiums, überzeugter Anhänger der Hexenverfolgungen. Nach seinem Tod fiel Sachsen-Coburg an seinen Bruder Johann Ernst [mdsz].

[20] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[21] Reskript: Erlass, Bescheid, Verfügung.

[22] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[23] Generalleutnant [schwed. generallöjtnant, dän. generalløjtnant]: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. 1625 wurde er mit 908 Rt. monatlich in der dänischen Armee besoldet; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Als Rekompens erhielt er in der kaiserlichen und kurbayerischen Armee für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[24] Stallmeister: Vorsteher des herrschaftlichen Marstalls, auch Reisemarschall. Er hatte für die Gäste zu sorgen, zudem waren ihm die Pagen unterstellt [MDSZ].

[25] Georg Philipp v. Zehmen [Zehm] [um 1590-November 1640 Coburg], schwedisch-weimarischer Obrist.

[26] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Vgl. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[27] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2663.

[28] Zentgraf: Schultheiss: Vom Landesherrn eingesetzte Ortsobrigkeit mit vorwiegend richterlicher Gewalt, seit dem 9. Jahrhundert auch als militärischer Titel und Dienstgrad. Der Schultheiss war Vorsitzender des Gerichts und als solcher öffentlicher Ankläger, insbes. bei Friedensbruch und Verletzungen des Eigentumsrechts. Die Kandidaten für das Amt des Schultheissen mussten einen unbescholtenen Lebenswandel und Grundbesitz nachweisen. Widrigenfalls konnten sie von den Gerichtsschöffen abgelehnt werden. Der Schultheiss war aufgrund seines Amtes meist nicht sonderlich beliebt. In der Predigt eines aufgebrachten protestantischen Pfarrers in Eichfeld, der Grafschaft Castell zugehörig, am Sonntag Cantate 1633 hieß es anlässlich der Abgaben für die Castell’sche Kriegskasse: “Er habe sein Amt von Gott. Der Schultheiß nötige den Witwen und Waisen etc. das Ihrige ab, um sich zu bereichern, er fresse, saufe, mäste sich an ungerechtfertig[t]em Gut wie ein Schwein, das man endlich schlachte und ob der Würste guter Dinge sei. Etliche vom Gericht seien Schelme, Diebe und Ehebrecher”. EGERT, Eichfeld.

[29] Georg Eimes [ – ], sachsen-coburgischer Zentgraf.

[30] Schleusingen [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 382ff.

[31] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2665.

[32] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2668.

[33] Heßberg, heute Ortsteil von Veilsdorf [LK Hildburghausen].

[34] Bedheim [LK Hildburghausen].

[35] Veit Ulrich Marschalk [ – ], Kriegskapitän in Heldburg.

[36] Erlebach, heute Ortsteil von Kriebstein [LK Mittelsachsen].

[37] Salvaguardia: Ursprünglich kaiserlicher Schutzbrief, durch den der Empfänger mit seiner Familie und seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde; zur öffentlichen Bekräftigung dieses Schutzes wurde dem Empfänger das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler und die Wappen der kaiserlichen Königreiche und Fürstentümer an seinen Besitzungen anzuschlagen. Der Schutzbrief bedrohte jeden Angreifer mit Ungnade und Strafe. Im 30jährigen Krieg militärische Schutzwache; Schutzbrief (Urkunde, die, indem sie geleistete Kontributionen und Sonderzahlungen bestätigte, gegen weitere Forderungen schützen sollte, ggf. durch militärische Gewalt des Ausstellers); auch: sicheres Geleit; eine oft recht wirkungslose Schutzwache durch abgestellte Soldaten, in schriftlicher oder gedruckter Form auch Salvaguardia-Brief genannt, die meist teuer erkauft werden musste, und ein einträgliches Geschäft für die zuständigen Kommandeure darstellten. Teilweise wurden entsprechende Tafeln an Ortseingängen aufgestellt, „Salvaguardia“ an die Türen der Kirchen (HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 55) geschrieben oder für die ausländischen Söldner ein Galgen angemalt. Die 1626 von Tilly erlassene Schultheißen-Ordnung hatte festgelegt: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986. Der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing; SIGL, Wallensteins Rache, S. 140f.: „Da die Schweden so grausam wüteten und sich wie eine Seuche immer weiter ausbreiteten, alle Dörfer mit Raub, Mord und Jammer heimsuchten, erbaten die Bürger ab und zu von den Kapitänen der Weimaraner eine Schutzwache, die bei ihnen meist Salva Guardia heißt. Erhielten sie diesen Schutz zugesagt, so wurde jeweils ein Musketierer zu Fuß oder zu Pferd in das betreffende Dorf, die Ortschaft, den Markt abgestellt. Dieser sollte die herumstreifenden Soldatenhorden, kraft eines vom Kapitän ausgehändigten schriftlichen Mandats, im Zaume halten, ihre Willkür beim Rauben und Plündern einschränken. […] Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine solche Schutzwache unseren Leuten oder den Bewohnern anderer Orte, denen auf ihre Anforderung eine Salva Guardia zugestanden wurde, keinen Vorteil brachte. Im Gegenteil, sie schlugen ihnen vielmehr zum Schaden aus und waren eine Belastung. Offensichtlichen Nutzen dagegen hatten nur die Kapitäne, denn ihnen mussten die Leute gleich anfangs die ausgehandelte Geldsumme vorlegen oder wenigstens wöchentlich die entsprechende Rate (pensio) entrichten. Kurz, wie Leibeigene oder Sklaven mussten sie blechen, was die Kapitäne verlangten. Ich habe nur einen Unterschied zwischen den Orten mit und denen ohne Salva Guardia festgestellt: Die Dörfer ohne Schutzgeleit wurden früher, jene mit einer Salva Guardia erst später ausgeplündert. Da nämlich die Schweden vom Plündern nicht ablassen konnten, solange sie nicht alles geraubt hatten, so raubten und plünderten sie entweder alles auf einmal (sodaß sie nicht mehr zurückkommen mußten) oder sie ließen allmählich und langsam bei ihren Raubzügen alles mitgehen, bis nichts mehr zu holen war. Obendrein haben diese eigentlich zum Schutze abkommandierten Musketiere und Dragoner gewöhnlich die Ortschaften, ihre Bewohner und deren Habseligkeiten – als Beschützer – ausspioniert und dann verraten. Wurde nämlich der bisherige Beschützer – und Spion – unvermutet abberufen, dann brachen seine Kameraden, Raubgesellen und Gaunerbrüder ein und raubten alles, was bislang durch den Schutz der Salva guardia verschont geblieben war, was sie in Wirklichkeit aber für sich selbst hinterlistig und heimtückisch aufbewahrt hatten, und wüteten um so verwegener (pro auso suo) gegen die jämmerlich betrogenen und enttäuschten Menschen, beraubten sie nicht menschlicher und marterten sie“. Auch war das Leben als Salvaguardist nicht ungefährlich. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 49f. (1629): „Eine Eingabe des Bauern Jacob Löffler aus Langenwetzendorf [LK Greiz] wegen der bei ihm einquartierten »Schutzgarde« schildert die Heldentaten der derselben ungemein plastisch: »Was ich armer Mann wegen anhero zweijähriger hiesigen Einquartierung für groß Ungemach ausstehen müssen, gebe ich in Unterthänigkeit zu vernehmen: Denn erstlichen habe berührte Zeit über 42 ganze 42 Wochen Tag und Nacht bei den Soldaten ich aufwarten, nicht allein viel Mühe und Wege haben, sondern auch welches zum Erbarmen gewesen, Schläge gewärtig zu sein und geprügelt werden zu müssen, 2. habe ich meine geringe Haushaltung wegen jetziger Unsicherheit beiseits setzen, meine Felderlein wüst, öd und unbesamt liegen lassen, daß seither ich im geringsten nichts erbauen, davon samt den Meinigen ich mich hätte alimentieren mögen, 3. haben die Soldaten mir die Gerste, so zu einem Gebräulein Bier ich eingeschüttet, aus den Bottichen genommen, zum Teil mutwilligerweise zerstreut, zum Teil mit sich hinweggenommen, verfüttert und verkauft, 4. haben sie mir das wenige Getreidig, so noch unausgedroschen vorhanden gewesen, mit dem Geströhde aus der Scheune in andere Quartiere getragen, ausgeklopft und ihres Gefallens gebraucht, 5. weil sie an meiner geringen Person sich nicht allzeit rächen können, haben sie mir die Bienen und derselben Stöcke beraubet, umgestoßen und zu Grund und Tode gerichtet, 6. sind von ihnen mir alle Hühner, Gänse und ander Federvieh erschossen, genommen und gefressen worden, meine Wiesen, Raine und Jagen mir dermaßen verödet, daß ich nicht eine einzige Bürde Heu und Grummet von denselben genießen kann, 7. endlich ist von ihnen mir eine Kuh aus dem Stalle, so meinen Geschwistern zuständig gewesen, gezogen, in ein anderes Losament getrieben, geschlachtet und gefressen worden.« Teilweise „kauften“ sich begüterte Bürger Offiziere als Salvaguardia, um sich gegen Übergriffe zu schützen; SUTORIUS, Die Geschichte von Löwenburg. 1. Teil, S. 266. Teilweise wurde nur ein einzelner Salvaguardist einquartiert, teilweise aber ging die Zahl je nach Kriegs- und Ortslage erheblich in die Höhe. 1635 hielt Heinrich Graf Schlick 100 Mann zum Schutz seiner Herrschaft Plan für notwendig; SENFT, Geschichte, S. 124.

[38] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[39] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2669.

[40] Einquartierung: Die kostenaufwendige Einquartierung von Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren und Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen und Steueraufkommen und auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften und Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten und Abgabe von Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Universitätsangehörige, Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte und Gastwirte. 50-75% Anteil in Bezug auf die Bevölkerungszahl galt es verkraftbar. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. Nach dem Überlinger Dr. Pflummern; SEMLER, Tagebücher, S. 393 (1642); sind „dise völckher zu roß vnd fůß nicht darumb zu vnß kommen, vnß oder daß land vor dem feind zu sichern, oder gegen denselbigen sich im veld sehen zu lassen, sonder allein hinder den mauren oder vnderm tach den bauch vnd seckhel zu füllen vnd alßdan den weeg weitter zu nemmen vnd vnß dem feind zum raub zu hinderlassen“. In den Quartieren gab es zudem Mord und Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger und Bauern waren trotz errichteter Quartiergalgen und hölzerner Esel alltäglich. Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph III, S. 359. Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden m mußen“. Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108.: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Eine längere Einquartierung konnte den Ruin ganzer Gemeinden und Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger von Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644):  „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“ VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Leipzig 1643; VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 609: „Den 2 Augusti hat sich ein 70jähriger Mann / Richter zu Zwey Nauendorff / aus Furcht / weil er von dem Käyserlichen Anmarch gehöret / selbst erhencket“.

[41] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute und Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[42] N Stößel [ – ], sachsen-weimarischer Rittmeister.

[43] Veilsdorf [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 449.

[44] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2671.

[45] Bernhard Herzog v. Sachsen-Weimar [16.8.1604 Weimar-18.7.1639 Neuenburg am Rhein], schwedischer, dann französischer General. Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst; RÖSE, Herzog Bernhard der Große.

[46] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[47] Georg Wilhelm v. Lohausen [Lohaussen, Lochhaussen] [ -16.5.1644], schwedischer Obrist.

[48] Claus Conrad Zorn v. Bullach [Bulach] [ -1633 Neustadt a. d. Weinstraße], schwedischer Generalmajor.

[49] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[50] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[51] Elbogen [Loket, Bez. Falkenau]; HHSBöhm, S. 133f.

[52] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[53] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[54] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[55] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als einer Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute und Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[56] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.; nach Maximilian I. „Schlüssel des Bayernlandes“; denn „mit Forchheim und Kronach steht und fällt das ganze Stift“ [zit. bei KUPFER, Forchheim, S. 64.].

[57] Georg Christoph v. Taupadel [Tupadel, Tupadell, Taubadel, Toupadel, Tubal, Taubald, Thobadel, Tobartel, Dupadel, Dubald, Dubadell, Dubalt, Dubold, Dubartle, Duc Bartel, „Raupartl“, „Raubartel“, Teupold] [um 1600 Fichtenberg-12.3.1647 Basel], schwedisch-französischer Generalleutnant.

[58] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[59] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – und aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen und Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen  Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“.

Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[60] Wolf Adam v. Steinau [Steinaw, Stein], gen. Steinrück [ -1652], kaiserlicher Obrist.

[61] Reinhold v. Rosen [Rosa, Rossa, Rosau, Roß], der „Gute“, Herr v. Bollweiler u. Herrenstein [nach 1595, um 1604 Ninigall, Livland-8./18.12.1667 Schloss Dettweiler], schwedisch-französischer Obrist, Generalmajor.

[62] James [Jakob] King of Birness and Dudwick, Baron Eythin und Baron Sandshult [Kieg, Kinge, Kyng, Kingy, Kink, Kinck, Knige, Kurden] [1589-9.6.1652], schwedischer Generalleutnant. MURDOCH, SSNE ID: 2814; MURDOCH; WALES, James King; BLACKER, Brief Sketches, S. 364f.; BACKHAUS, Brev I, II.

[63] Detlof v. Tiesenhausen [ -1654 ?], 1630 schwedischer Obristleutnant, 1633 schwedisch-weimarischer Obrist. Ein Detlof v. Tiesenhausen, königlicher Kammerrat, verstarb im August 1652 an einem Schuss, den er im Duell mit Vize-Admiral Wrangel empfangen hatte; SCHLEDER, Irenico-Polemographia, S. 332.

[64] Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark und in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen. Zudem waren in der Regel die Ausstattung und Verpflegung besser als in anderen Regimentern bzw. wurden von den Neugeworbenen eingefordert.

[65] Johann [Hans] Schenk [Schenke] [ – ], schwedisch-weimarischer Obrist.

[66] Schultheiss: Vom Landesherrn eingesetzte Ortsobrigkeit mit vorwiegend richterlicher Gewalt, seit dem 9. Jahrhundert auch als militärischer Titel und Dienstgrad. Der Schultheiss war Vorsitzender des Gerichts und als solcher öffentlicher Ankläger, insbes. bei Friedensbruch und Verletzungen des Eigentumsrechts. Die Kandidaten für das Amt des Schultheissen mussten einen unbescholtenen Lebenswandel und Grundbesitz nachweisen. Widrigenfalls konnten sie von den Gerichtsschöffen abgelehnt werden. Der Schultheiss war aufgrund seines Amtes meist nicht sonderlich beliebt. In der Predigt eines aufgebrachten protestantischen Pfarrers in Eichfeld, der Grafschaft Castell zugehörig, am Sonntag Cantate 1633 hieß es anlässlich der Abgaben für die Castell’sche Kriegskasse: “Er habe sein Amt von Gott. Der Schultheiß nötige den Witwen und Waisen etc. das Ihrige ab, um sich zu bereichern, er fresse, saufe, mäste sich an ungerechtfertig[t]em Gut wie ein Schwein, das man endlich schlachte und ob der Würste guter Dinge sei. Etliche vom Gericht seien Schelme, Diebe und Ehebrecher”. EGERT, Eichfeld.

[67] Mebritz, heute Ortsteil von Dermbach [Wartburgkreis]. ?

[68] Pfersdorf, Gemarkung von Poppenhausen [LK Schweinfurt].

[69] Leimrieth, heute Ortsteil von Hildburghausen [LK Hildburghausen].

[70] N Köhler [ – ], sachsen-weimarischer Rittmeister.

[71] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 411230, Nr. 2664.

[72] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[73] Ludwigsstadt [LK Kronach]; HHSD VII, S. 419.

[74] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Nach der Kapitulation der Kaiserlichen 1632 in Zwickau rückten angeblich 1150 Infanteristen, 800 Kavalleristen (zumeist Kroaten), 2100 Huren und Troßbuben ab; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 427. Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[74] Christian II. von Anhalt-Bernburg am 22.2.1637 anlässlich der Kämpfe um Leipzig 1637; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm (1637): „Jtem: daß die Kayserlichen sehr vbel hausen, ärger alß Türcken, mitt schendungen, vndt grawsamkeitten, weil viel Barbarische vndißciplinirte völcker vndter ihnen. Mitt dem droß seyen sie 100 mille Menschen starck, darundter 40 mille combattans“.[74] Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[75] Dechant: Dekan. I. geistlich: in Dom- und Kollegiatsstiften und in Klöstern erster Würdenträger oder zweiter Würdenträger nach dem Probst bzw. Abt; der an der Spitze des (Land-) Dekanats, einer Unterabteilung des Bistums stehende Geistliche, der als Vertreter des Bischofs die Aufsicht über die anderen Geistlichen und Pfarreien führte. II. weltlich: Zunftmeister; Dienstgrad der Bürgerwehr; (je nach Region) erster Gerichtsschöffe, Dorfmeister, Botenmeister, Gerichtsbote, Führer der zu den Messen ziehenden Kaufleute; in Universitäten der Fakultätsvorsteher: Vorgesetzter der zehn Lehrenden.

[76] Brigade: Anfangs bestand die schwedische Brigade aus 4 Schwadronen (Squadrons) oder Halbregimentern, also 2016 Mann und 256 Offizieren, ab 1631 nach Gustav II. Adolfs Reform nur noch aus 3 Schwadronen Fußvolk zu je 504 Mann und 64 Offizieren. Die insgesamt 1512 Mann waren in 648 Pikeniere und 864 Musketiere eingeteilt, die in Rotten zu je 6 Mann aufgestellt waren.

[77] Schwadron, Esquadron [schwed. skvadron, dän. squadron]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380. Bei den Schweden entsprach 1634 eine Schwadron einem halben Regiment (vier Kompanien).

[78] Melchior Friedrich Gottfried Reichsgraf Hatzfeldt [Hartzefeld] v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.

[79] Francesco de Melon [ – ], kurbayerischer Obrist.

[80] Johann Georg II. Fuchs v. Dornheim [23.4.1586 Wiesentheid-29.31633 Spital am Pyrhn], Fürstbischof v. Bamberg.

[81] Wolfgang Philipp Fuchs v. Dornheim [ -16.2.1644], Domherr zu Bamberg, Domkapitular zu Würzburg, Statthalter in Kronach, Vetter des Johann Georg II. Fuchs v. Dornheim, Fürstbischof v. Bamberg [23.4.1586 Wiesentheid-29.31633 Spital am Pyrhn].

[82] Christian Markgraf v. Brandenburg-Bayreuth [30.1.1581 Cölln an der Spree-30.5.1655 Bayreuth]. Vgl. STICHT, Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach.

[83] Friesen, heute Stadtteil von Kronach [LK Kronach].

[84] Rosenberg, Festung: Die Festung Rosenberg ist wohl das bedeutendste Geschichtsdenkmal des südlichen Frankenwalds. Der Grundfläche nach ist sie das ausgedehnteste Festungsbauwerk Deutschlands. Sie gilt als ein herausragendes Beispiel deutscher Wehrbaukunst und steht seit Jahrhunderten beschützend über der Stadt Kronach. Die Festung wurde in einer Höhe von 378 Metern über Normalnull auf dem Rosenberg in einer strategisch hervorragenden Lage erbaut. Die drei zu ihren Füßen zusammenlaufenden Täler, der Haßlach, der Kronach und der Rodach wurden von ihr beherrscht und sie konnte dadurch wichtige Übergänge nach Thüringen und in den Frankenwald sperren oder kontrollieren. Vom Steinernen Haus über die gotische Burg und das Schloss der Renaissance wurde die Festung Rosenberg von berühmten Baumeistern der Kriegsbaukunst des Barocks zu einer der stärksten mittelalterlichen Festungsanlagen Deutschlands ausgebaut. Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Festung Rosenberg nie von feindlichen Angreifern eingenommen. [wikipedia]

[85] Nordhalben, Burg [LK Kronach]; HHSD VII, S. 525f.

[86] Posseck, heute Ortsteil von Pressig [LK Kronach].

[87] Lehesten [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 254.

[88] Exekution: (notfalls gewaltsame) Umsetzung von Bestimmungen und Auflagen; Zwangsvollstreckung, Zwangseintreibung von Kontributionen. Das Militär setzte dafür gern die allseits gefürchteten Kroaten ein; LEHMANN, Kriegschronik, S. 68f., 70. Die Bürger hatten den zwangsweise bei ihnen einquartierten Soldaten Wohnung, Holz, Licht, Salz und Lager zu gewähren und für jeden Tag und Mann z. B. ein Kopfstück zu zahlen, bei halben Tagen dementprechend ein halbes Kopfstück und bei einzelnen Stunden im Verhältnis weniger, bis die fragliche Summe aufgebracht war. Der Memminger Arzt Christoph Schorer [2.12.1618 Memmingen-12.2.1671 Memmingen] schreibt in seiner „Chronick“ eine derartige Exekution, SCHORER, Memminger Chronick, S. 146f.: „Was die Soldaten / im Hornung / Merzen vnd April [1637; BW] / vor grewliche Tyranney geübet / die Thor gesperret / den vornembsten Burgern eingefallen / eine grosse Summa gelt zuerpressen / ist vnbeschreiblich. Zu diesem Elend kam noch ein Verbott / vnd Ringerung etlicher Müntzsorten im Römischen Reich / also daß der arme Mann vmb sein gering übrigs Geltlen kein bissen Brodt bekom̃en konnte. O deß grossen Elendts ! über diesen grossen Jam̃er / kam im Mayen Ordinantz / daß die Stadt 1 ½ Regiment vom Piccolominischen Volck verpflegen solle: Darzu man Monatlich 3200. Gulden geben muste. Als man den 10. May durch einen Commissarium mit den Officirern rechnete / war die Stadt gezwungẽ der Officirer Rechnung / welche sie nach ihrem Beliebẽ gemachet / zu vnderschreiben. Den 31. May waren Herrn Burgermeister vnd Geheimbde [Ratsherren; BW] in Arrest / in deme die Officirer viel tausent Gulden begehrten. Den 2. Junii haben die Officirer die vornehmbste Häusser bezogen / vnd sich mit Gewalt eingelegt / Geld zu erpressen / wehrete biß auff den 7. Junii. Man forderte das Gericht und Rath zusamen / vmb Mittel zu sehen Gelt auffzubringen / aber es scheinete vnmöglich / also weil nunmehr die Burgerschafft vmb ihr baares Gelt / Gold /Silbergeschirr vnd Kleinodien gäntzlich gekommen / hat man sich resolvirt / den Soldaten Zin / Kupffer vnd Kleider anzubieten. Darauff gieng den 10. Junii das Exequiren widerum an. War ein kläglicher Tag / konnte kein Burger dem andern helffen / bald hörte man wie die Soldaten da / bald dort eingefallen / vnd Gelt presseten. Den 13. Junii war der Rath widerumb arrestirt / vnd Soldaten in der Burger Häuser geschicket / von manchem 200/300/400 biß in 500 fl. zuerpressen: Da man sich dann mit ihnen vergleichen / oder so lang zu Essen vnd zu Trincken geben müssen. Wie sich dann befunden / dass sie auff die 2049. fl. von den Burgern in ihren Häusern erpresst: auch 160. Kühe vñ 60. Pferdt ihnẽ weg genom̃en / solches auch vnder grossem heulen vnd wehklagen der armen Burger / vnd ihren kleinen Kindern fort biß nach Ochsenhausen getriben / doch hernacher widerumb allher gebracht / vnd auff 30. Stuck an ihrer Forderung in behalten. Als man ihnen nun satisfaction gegeben / an Vieh / Gelt / Geltswerth vnd Obligationen / etlich tausent Gulden betreffent / seyn sie (die vom Beckischen Regiment) den 17. Junii weggezogen / worauff die Stadt widerumb etwas Lufft / vnd die Schlüssel zu den Thoren bekommen. Es befande sich nach ihrem Abzug / als die Rechnungen von Biberach / Ravenspurg / Kauffbeuren / Leutkirch vnd vnserer Stadt zusamen getragen wurden / daß die Beckische [Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec]; BW] Soldaten / diese bemelte Stätt innerhalb 5. Monaten auff die 130000. fl. gekostet“.

[89] Musketier [schwed. musketerare, musketör, dän. musketeer]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2 – 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[90] Johann Rudolf Mayer, genannt „Türck“ [ – ], Obristwachtmeister des Kronacher Ausschusses.

[91] Scharmützel [schwed. skärmytsling, dän. skirmish]: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“: Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[92] Bernsroth, ehemaliger Weiler, heute Gehöft nördlich von Kronach.

[93] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.

[94] Claus Hastver [Halswert, Hasever, Haster, Hastuer [1596 oder 1597 Sommerhusen/Estland-23.9.1634 Lauf/Pegnitz], schwedischer Obrist. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach.

[95] Batterie: Geschütze wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen nannte man Batterie. Die damals angewandte Methode, eine Mauerbresche zu schießen, sah so aus, daß man eine Geschützbatterie frontal auf die zu brechende Mauer richtete und zwei kleinere Batterien im Winkel von ca. 30-45 Grad zu beiden Seiten anlegte, durch welche die gelockerte Mauersubstanz zusätzlich herausgehebelt wurde. [ENGERISSER]

[96] Jörg Kött [ -14.6.1633 Kronach], schwedischer Major.

[97] Pike: Landsknechtspieß von 3 bis 5 m Länge, die entscheidende Waffe des in geschlossenen Haufen kämpfenden Fußvolkes. Die Pikeniere bildeten die unterste Klasse des Fußvolks. Bei einem Reiterangriff richteten die ersten beiden Reihen des Fußvolkes die Piken gegen die Angreifer. Die Pike war eher eine Defensivwaffe, da die Pikeniere den Rückhalt für die beweglicheren Musketiere bildeten (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, S. 89 f.). Hochrangige Offiziere wie Piccolomini behaupteten gern von sich, sie hätten das Kriegshandwerk „von der Pike auf“ („con una picca“) gelernt.

[98] Kleiderraub: Kleider gerade der Adligen waren relativ teuer, so dass man sich bei jeder Gelegenheit, bei Gefangennahmen, bei Gefallenen auf dem Schlachtfeld und oft auch auf offener Straße welche zu verschaffen suchte. Üblich war, dass einquartierte Soldaten den Bürgern die Kleider wegnahmen und sogar Frauenkleider anzogen. Nach einer Nachricht in den Akten des Staatsarchivs Bückeburg aus dem Jahr 1633 betrug nach der Schlacht bei Hessisch Oldendorf (1633) die Zahl der Gefallenen 6.534, die der Gefangenen zwischen 1.700 und 1.800 Mann; ZARETZKY, Flugschrift, S. 7, 3; darunter waren allein 1.000 Weiber; RIEZLER, Baiern Bd. 4, S. 170. Anscheinend hatten sich auch die Soldatenfrauen und Trossweiber der Konföderierten an dem Gemetzel an den Kaiserlich-Ligistischen beteiligt; Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 117 (Abschrift, PS): August Erich an Johann Ernst v. Sachsen-Eisenach, Kassel, 1633 VI 30 (a. St.): „Unter andern sagt mann auch, dz ein solcher eÿwer unter den soldaten weibern gewesen seÿ, daß die Heßische und Schwedische sambt andern soldaten weibern die Merodischen und Gronsfeldischen mit meßern unnd gewehr darnieder gestoßen, und ihnen ihre kleider sambt andern außgezogen und abgenommen“. ENGLUND, Verwüstung, S. 261f.: „Kleider waren kostspielig. […] Dies erklärt, warum man Gefangenen und Gefallenen in den Feldschlachten die Kleider auszog. In der schwedischen Armee versuchte man in der Regel, solche von Kugeln durchlöcherten und blutgetränkten Kleidungsstücke zu sammeln, die gewaschen und geflickt und nach Hause gesandt wurden, wo man die neu Ausgehobenen in sie hineinsteckte“. Vgl. auch KOLLER, Die Belagerung, S. 28, 34.

[99] Fourier, Fouragier, Fourageur: Der Fourier übte eine ähnliche Aufgabe wie der Quartiermeister aus, indem er vor allem die Verpflegung der Truppe und die Beschaffung von Viehfutter in den besetzten Gebieten sicherstellen sollte. Geschickte Fouriere konnten gerade in ausgezehrten Landstrichen wichtig für das Überleben der Einheiten werden. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 24 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Die herbei geschafften Nahrungsmittel stammten zum größten Teil aus Plünderungen. Daneben leisteten die z. T. weit herum kommenden Fouriere auch Kundschafterdienste. KELLER, Die Belagerung, S. 80: „Die Fouriere haben blinde Namen gemacht, nämlich von den Reichen Geld genommen, hernach den Armen Geld für das Quartiergeld auferlegt oder einen Soldaten (in sein Haus) eingelegt“.

[100] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.

[101] N Gersdorf [ -15.5.1633 Kronach], schwedisch-weimarischer Hauptmann.

[102] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[103] Embuscade: Hinterhalt.

[104] Feldscher: Chirurgus, Wundarzt im Dienst einer Armee, des Generalstabes (hier Hofstabsfeldscherer genannt) bzw. eines Regiments. In der Regel hatten die Feldschere, im Unterschied zu den studierten Medici, ihre Kenntnisse nicht auf Universitäten, sondern auf dem Schlachtfeld oder als Wanderärzte auf Jahrmärkten erworben. Sie waren in erster Linie für die primäre Wundversorgung, darüber hinaus jedoch auch für Knochenbrüche und Amputationen zuständig. Die Verwertung der Menschenhaut bei Delinquenten war ihnen gestattet. Auch waren sie wegen der grassierenden Lagerkrankheiten ständig im Einsatz. Feldschere waren oft schlecht ausgebildet und unzureichend ausgestattet (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 268f.). In der kaiserlichen Armee erhielten sie 60 fl. pro Monat. In der kurbrandenburgischen Armee wurden sie 1626 mit 20 fl. besoldet. Die medizinische Versorgung der Soldaten wurde jedoch zum Teil auch von kundigen Ärzten und studierten Medizinern geleistet. Ärztliche Oberaufsicht im Feld hatte der General-Stabs-Chirurgus (neben dem Feld-Medicus). Unter ihm stand der Regiments-Feldscher, seinerseits mit Weisungsbefugnis über die Compagnie-Feldschere. Bei militärischen Einsätzen wurden die Feldscher mitgeschickt. Ihnen oblagen zusammen mit den Führern die Krankenversorgung und die Sorge für die Feldapotheke. Kranke und verwundete Soldaten blieben zumeist in Städten und Orten zurück und fielen diesen zur Last – sofern sie keine Familie als Schutzgemeinschaft im Lager besaßen – , obgleich man dort zum Teil die Aufnahme der Kranken aus Furcht vor der Ausbreitung von Seuchen und vor den Kosten verweigerte. Feldscher wurden schlecht bezahlt; HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 218: „Nach einem Bericht des Regierungs-Medikus Dr. Golla [1643; BW] hat der Feldscherer Kasimir Ebner des Rgt. [Johann Heinrich v:; BW] Haslang im Amberger Feldspital zu St. Katharina über hundert Schwerkranke behandelt, von denen kein einziger starb; Ebner bat um die Anstellung beim Feldspital. Er war in seiner Kleidung so heruntergekommen, daß er kaum über die Straße gehen konnte und stellte die bescheidene Forderung, wöchentlich nur 1 Taler zu erhalten“. Verwundete erhielten z. B. im Neumarkter (Oberpfalz) Lazarett (1647): ein gemeiner Soldat wöchentlich 1 fl. 30 kr.; ein Feldwebel oder Korporal täglich 18 kr.; RIED, Neumarkt, S. 106. Zudem erhielt ein Angeschossener 18 gr. oder den Gegenwert in Heringen, für einen abgeschossenen Daumen gab es 1 Rt., was etwa 36 Eiern entsprach. Finanziert wurden die Spitalkosten über die erhobenen Kontributionen. Daher liegen die Kosten für die medizinische Notversorgung, für das Feldspital (ein studierter Arzt erhielt etwa 260 fl., der „Chirurgus“ 60 fl. monatlich), in der Hauptkostenrechnung nur bei 1 %. Teilweise wurden entgegen den Verordnungen die verachteten Zigeuner eingesetzt. MINDERER beklagte bereits 1620 in seiner „Medicina Militaris“, S. 177: „Diß ist das nothwendigiste Capitel so ich inn diese meine KriegßArtzney billich zusetzen vonnöthen zusein geachtet vnd erwogen habe / dann ob schon ein jedes Feldtläger / ja ein jedes Regiment / oder das noch mehr ist / ein jedes Fähnlein mit einem oder mehr Feldtscherer fürsehen ist / oder doch fürsehen sein solle / so tst jedoch bey einem scharpffen Treffen / Scharmützel / Sturm oder Schlacht / allda vil Knecht mit hauffen beschädiget worden / also daß vor vile der geschäfften nicht ein jeder Feldscherer oder Artzt bekommen kann / derowegen dann / je ein guter Bruder / Spieß / oder Rottgesell / dem andern beyzuspringen schuldig ist“. Um diesem Mangel abzuhelfen, hatte man 1633 in Aibling eine Baderschule errichtet, aus der viele Wund- u. Militärärzte hervorgingen.

[105] ENGERISSER, Von Kronach, S. 176ff.

[106] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2688.

[107] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[108] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.

[109] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2703.

[110] Quartiermeister [schwed. kvartermästare, dän. kvartermester]: Bei Einquartierungen in Dörfern und Städten besorgte der Quartiermeister, in Abstimmung mit den lokalen Obrigkeiten, von den Bewohnern Unterkunft und Verpflegung für die Kompanie. Zunächst wurde der Stab einlogiert, dann wurden die Quartiere für die Hauptleute bestimmt. Die Kompanie des Obristen hatte die weitere Wahl, dann die des Obristleutnants, darauf die des Obristwachtmeisters. Die restlichen Kompanien spielten die übrig gebliebenen Quartiere unter sich aus. Das führte bei engen Quartieren teils zur Überbelegung bei den einzelnen „Wirten“, teils zum Kampieren unter freiem Himmel auf dem Markt, was zu Unruhen führen konnte. Dem Quartiermeister, der je nach Truppengattung zwischen 40 und 60 fl. Monatssold erhielt – In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 80 Rt. monatlich erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15) – , war die Kriegskasse anvertraut. Dazu kamen allerdings erhebliche Nebeneinkünfte der meist korrupten Quartiermeister, die dieser mit dem Obristquartiermeister teilte. Von 1.000 Rt. Beute und Ranzionsgeldern standen ihm 26 Rt. 51 Alb. 3 Heller zu. Die Quartiermeister operierten sehr oft mit gefälschten Listen der einzuquartierenden Soldaten, um die Differenzbeträge in die eigenen Taschen zu stecken. Der Regimentsquartiermeister Bartelme Vogel schrieb am 4.7.1648 aus Landshut an den Abt der Benediktinerabtei Prüfening, Matthias von Trauner ?; SOLMS-LAUBACH; MATTHAEI, Wetterfelder Chronik, S. 67, Anm. 1: „weil ihn der Abt nicht so viel gewürdigt, daß er ihm sein jüngstes Schreiben mit einem einzigen Wort beantwortet noch viel weniger einen einzigen Heller oder dergleichen zur Zehrung geschickt hatte, ‚da doch’, fährt der Schreiber fort, ‚alle meine Kammeraten von ihren Ortern zu 2 : 3 : 4 : Im die 500 Rthr. neben ihrer Zehrung Schon auf rechnung hieher bekommen haben vnd darf Sich der Herr (nämlich Abt) gar nicht einbilten, das er So sehr werde aufgehen, oder aber ich Seinetwegen alhier mein eigenes Gelt verzehren will, Stellt sich der Herr (Abt) mit diessem Botten nicht ein, So Soll er versichert Sein, daß nicht allein sein Gloster vnd Dörffer, Sondern alles da herumb ligente Getreit Am lengsten soll gestanden haben, den alhier vber 400 Pfert vorhanten, die auff Anders nichts warten, alls das Sie die vngehorsamen darunter der herr der furnehmsten einer ist mit feuer vnd Schwert Strafen Sollen, welches ich dem Herrn mit wenigen zur Nachricht vermelten vnd vor Schaden gewarnt haben will, hab Jüngstens für meinen herrn Obristen eines hantpferdes vnd  f ü r  m i c h  e i n e s  guten Glöpers (Kleppers, Gauls) gedacht, aber derowegen kein Antwort bekom, allem vermerckhen nach mus der herr nicht wissen was die Regiments Quartirmeisters Scharschy (Charge) auf Sich hat, den Sonst würt er mir mit anderer Disgrezion begegnen, hat aber nichts auf Sich Soll ihm schon in einem andern vergolten werden Sonst für dißmahl ein mehrers nicht alls Gott bevohlen“. Zudem führten Quartiermeister auch kleine Streifkorps an.

[111] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2704.

[112] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk, dän. feltmarskal]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften aus der Beute und Ranzionsgeldern – hier erhielt er 100 Rt. pro 1.000 Rt. Erlös; HOFMANN, Peter Melander, S. 155 – , den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[113] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).

[114] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[115] Feldlager: „Den Offizieren und insbesondere den Obristen fehlte es in ihren wetterfesten, zum Teil gefütterten und mit Öfen beheizbaren Zelten auch während der Feldzüge nicht an Bequemlichkeit. Durch zumeist senkrechte Wände boten sie ausreichend Platz. Die dichte Webart und das Aufbringen von Wachs machten den dicken Stoff wasserdicht. Eine zweite Stofflage im Inneren war oftmals kunstvoll bestickt“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 99. Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Zelte aus Brettern, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh und Laub, stabilisiert mit Spießen und mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62, EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS (Hg.), 1636, S. 96f. Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiziere und den Hütten und Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. In der spanischen Flandern-Armee hatte eine Baracke Platz für vier Personen mit 2 Betten. Daneben gab es eine Doppelbaracke für acht Personen mit vier Betten. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, dass sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, 2. Bd., S. 287, Anm.; LAHRKANP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. War während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- und Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke und verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ und deren Frauen und Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Vgl. auch den Brief des kurkölnische Fähnrichs Johann Christian Schneid(en) an seine Ehefrau; Wahrhaffter Abtruck / eines Cöllnischen Fewerrohr-Fähnrichs auß dem Läger bey Münster. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 97ff.; STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 77ff.

[116] Kroaten: kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteien“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte”. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet”. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ “. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / ob sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“.THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet”. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Gefangene Kroaten wurden schon unter Gustav II. Adolf von den Schweden in ihre Kupferbergwerke verbracht; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87.

[117] Miklós VII. Forgách [Forgatz] Graf de Gýmeš [Ghymes] u. Gács [1586-1635], kaiserlicher Obrist.

[118] Römhild [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[119] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.

[120] Goan Lodovico Hector Graf Isolano [Isolani, Isolary, Isolan, Isolana, Isalon, Iselon, Isolani, Isolam] [1586 Görz-März 1640 Wien], kaiserlicher Kroaten-Obrist. Vgl. BÜCHELER, Von Pappenheim zu Piccolomini, S. 103ff.

[121] Henneberg [LK Schmalkalden-Meiningen]; HHSD IX, S. 193ff. Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f. Sie existierte vom Ende des 11. Jahrhunderts bis 1660.

[122] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[123] Leitmeritz [Litoměřice, Tschechien]; HHSBöhm, S. 324ff.

[124] Vgl. dazu ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[125] Axel Gustafsson Oxenstierna Greve af Södermore [16.6.1583 Fanö bei Uppsala-28.1.1654 Stockholm], schwedischer Reichskanzler. Vgl. WETTERBERG, Axel Oxenstierna; FINDEISEN, Axel Oxenstierna; BACKHAUS (Hg.), Brev 1-2.

[126] Eger [Cheb, Tschechien]; HHSBöhm, S. 119ff.

[127] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-8.10.1656 Dresden].

[128] Hans Georg v. Arnim-Boitzenburg [1583 Boitzenburg-28.4.1641 Dresden], polnische, dann schwedische Dienste, 1627 kaiserlicher Obrist, Feldmarschall, 1630 kurbrandenburgischer u. kursächsischer Feldmarschall, 1635 Ausscheiden wegen Prager Frieden, 1637 Verschleppung nach Schweden u. Flucht, ab 1641 Reorganisation der kursächsischen Armee. Vgl. STADTMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 30ff.

[129] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[130] Ilmenau [Ilm-Kreis]; HHSD IX, S. 211ff.

[131] Freiberg [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 99ff.

[132] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[133] Zwickau [LK Zwickau]; HHSD VIII, S. 380ff.

[134] Plauen [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 279ff.

[135] Königsee, heute Ortsteil von Königsee-Rottenbach [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 239f.

[136] Frickenhausen a. Main [LK Würzburg]; HHSD VII, 213.

[137] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[138] Georg v. Uslar [Isler, Islar] [10.9./20.9.1584 Waake-2./12.3.1638 Waake], schwedischer Obrist.

[139] [Bad] Neustadt/Saale [LK Rhön-Grabfeld], HHSD VII, S. 59f.

[140] Mellrichstadt [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 438f.

[141] Hans Friedrich v. Heßler [1610 Kloster Haeseler-10.12.1667 auf Schloss Balgstädt], schwedisch-weimarischer Obrist.

[142] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[143] Peter [v. ?] Reuschel [Reischel] [1598-28.4.1657], schwedisch-weimarischer Obristleutnant (1634), spätestens ab 1638 kursächsischer Obrist.

[144] Schleusingen [Kreis Hildburghausen]; HHSD IX, S. 382ff.

[145] Generalmajor [schwed. generalmajor, dän. generalmajor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.

[146] Torsten Stålhandske [Stolhanscha, Stahlhandschuh, Stahlhanndtschuch, Stalhans, Stallhans, Stalhansch, Stallhuschl, Stalhanß, Stall-Hanß, Stallhaus, Stallhausen, Stolhanski, Starrhase, Lo Stallo, Lo Stallans, Statehornes] [1594 Porvoo/Borgå (Finnland)-21.4./1.5.1644 Haderslev/Nordschleswig], schwedischer Generalmajor. Vgl. http://www.kansallisbiografia.fi/english/?id=2342.

[147] Zeitz [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 519ff.

[148] Naumburg [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.

[149] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[150] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[151] Arnstadt [Ilm-Kreis]; HHSD IX, S. 18ff.

[152] Kavalkade: Reiterzug.

[153] Rudolstadt [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.

[154] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[155] Eisenach [LK Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[156] ENGERISSER, Von Kronach, S. 386ff.

[157] Suhl; HHSD IX, S. 426ff.

[158] Zella-Mehlis [LK Schmalkalden-Meiningen]; HHSD IX, S. 496ff.

[159] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[160] Themar [LK Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.

[161] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen aber auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !“

[162] Kriegsgräuel, Kriegsverbrechen: Kriegsgräuel waren die Begleiterscheinung dieses Krieges von Anfang an. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620), zur Eroberung von Pisek am 30.9.1620; PÖRNBACHER, Barock, S. 325f.: „Heute um die dritte Stunde des Nachmittags ist Biska gleich beim ersten Eindringen in die Stadt erobert worden. Alle, die drinnen waren, hat man zusammengehauen und umgebracht. Besonders die Soldaten des Bucquoi haben niemand geschont, kein Geschlecht noch Alter, auch das Kind, das im Bett saß, wurde mit einem Gewehrschuß hingestreckt. Ein gar erbärmlicher Anblick war das, wohin die Einwohner oder die Besatzungssoldaten auch flohen, sie fielen in die Hände der Unseren und wurden getötet oder gefangen. Der Anführer wurde in der Stadt in tausend Stücke zerhauen. Einer Schwangeren, die im Schrecken gebar, wurde der Kopf gespalten, das Kind an der Wand zerschmettert. Man sagt, Bucquoi habe sein Schwert und den Regimentsstab zerbrochen, als er dem Gemetzel Einhalt bieten wollte, aber die Raserei der Soldaten war stärker. Mehrere stürzten sich ins Wasser, um wenigstens so zu entkommen, aber auch dort trafen sie die Kugeln und so starben sie fast einen doppelten Tod. Man sagt, es seien zwölfhundert Schützen in dieser Stadt gewesen, die schon an sich, und auch durch ihre Lage aufs beste befestigt war. Aber nicht einmal einen ganzen Tag hat sie diesem doppelten Heer, dem unsern und dem des [Charles Bonaventure de; BW] Bucquoi, widerstehen können. An diesem Abend liefen von den Böhmen 130 Soldaten ins Lager unseres Fürsten über. Überall herrscht unter unseren Feinden Furcht, Schrecken und großes Zittern, und das ist kein Wunder: schon kennt man den bayerischen Löwen“. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 163f., Anm. 2: „Den 17. November 1621 Abends fielen sieben Cornet Reuter, unter Commando des Bayerischen General-Feld-Wachtmeisters Grafen von Anholt [Johann Jakob v. Anholt; BW] Commando in den [kurpfälzischen BW] Flecken Beerfelden, plünderten, ohnerachtet ihrer Verpflegung, denselben aus, nahmen 21 Pferde, und tractierten die Leute unmenschlich, daß sie, um ihr Leben zu retten, sich in die Wälder flüchteten. Folgenden Tags wurde durch den continuirenden Nach- und Rückzug von etlichen tausend Mann von der Bergstraße gegen Moßbach [Mosbach; BW] in dem Amt Freyenstein [Freienstein; BW] vollends alles aufgerieben, auch die Kirche ihres Kelchs und Ornats beraubet, der Pfarrer [Heinrich Lambinus; BW] erbärmlich geschlagen, und mit Stricken dermaßen geknebelt [=> geraitelt; BW], daß ihm Gesicht und Gehör vergangen, das Blut zu den Augen herausgedrungen, und er in wenig Tagen sterben müssen. Sie nannten ihn anders nicht, als einen Lutherischen Schelmen und wollten ihn mit Bedrohung der Castration zwingen, daß er den Kirchen-Gesang: »Erhalt uns, Herr, bey deinem Wort usw.« verschweeren sollte. Sie preßten ihm auch durch große Marter 600 fl. aus“. Hans Sonnenbächer, Schultheiß, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 206: „Mansfeldische Reiter, uf 30 stark, seien bei ihnen durchgestreift. Philipp Stumpf sei uf Schultern gehauen worden, denen sie als ein alten eisgrauen Mann gestöckt und gepleckt, ins Dorf genommen, mit Füßen ufgehängt, mit Lunten gebrennet, auch salvo honore [= mit Verlaub zu sagen (Entschuldigungsformel)] in Mund Urinam reddiert [= uriniert], endlich herab ufs Genick sehr übel fallen und schlagen lassen“. Der Pfarrer von Mönchsdeggingen, Christian Spradtler, am 4.1.1634 über die am 13.12.1633 erfolgte Plünderung und seine Marter; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 51f.: „und einer unter ihnen, der sich des Ochsenwürthen, würthen von Nereßheim, welchen man vor diesem verbrand, Sohn genennet, sich öffentlich vernemen lassen, habe sich dem leibigen Satan ergeben ewiglichen. Alsobalden die anderen dreyen seine Spießgesellen gerufen, deren sich dann ein jeder mit seinen Instrumenten baldt gefaßt gemacht. Der erste mit einem hültzern reiteltopff, mich damit zu reiteln, der ander mit einem langen Strickh, mich damit zu binden, der dritte mit einem Schraufzeig mich damit zu klueben, Der vierte mit einem großen erdenen Topff darinnen etliche maß wasser, so sie den schwedischen trunckh nennen, gema(h)nt, mir damit den garauß zu machen“. Hans Hoxer in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 213: „Ewald Weißen Frauen hätten sie die Nasen abgehauen. Ihm, Zeugen selbst, ein Strang um den Kopf gelegt und geknebelt, daß er ihnen etwas an Geld, so er in einem Säckel im Garten gescharret gehabt, geben, womit sie aber nicht content [= zufrieden] gewesen, sondern fürbaß [= weiter] einen Strang an beiden Armen gemacht, das Seil hinterrücks über ein Apfelbaumen Äste geworfen, schwebend ufgezogen, auch eine gut Weil hängen und sich bedencken lassen. Zeug aber [durch]gehalten und ferner nicht geschnellt [= hochgezogen worden]. Sonsten hätten sie in Gewölbe, darinnen er sein und anderer Leut Sachen verwahret gehabt, ufgebrochen und alles genommen, dabei zu verstehen geben, das hätte man unserm gnädigen Fürsten und Herrn [dem Landgrafen] zu danken. Vom Schänden wäre viel gehört worden, dann mit seines Nachbarn Barthel Schelches Eheweib hätten sie Schande geübt und doruf ins Wasser geworfen, welche kürzlich hernach, vermutlich aus Schrecken, gestorben“. Heinrich Clodius, Schulmeister, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 215: „Die Weimarischen hätten ihn, Zeugen selbst, in die Scheuer geführt, geknebelt, die Hände uf den Rücken gebunden, mit brennenden Lunten Pulver in die Hosen geblasen, auch deromaßen mit ihme übel gehaust, daß er den Mund noch nicht recht öffnen könne. Sie haben Jakob Schäfern mit dem Hals ufgehängt und ein Weil hängenlassen, bis er ihnen das Geld zu geben verwilliget. Niklas Glappacher hätten sie ein Kordel um die Pudenda [= Geschlechtsteile] gemacht, so lange zugezogen, bis er ihnen ufs 60 Gulden geben. Matthes Hammans Weib, samt andern viel mehr, Daumen ufgeschraubt um willen, Geld zu geben und zu verraten“. Pfarrer Heinel von Waldkirchen (1632), zit. nach www.krumhermersdorf.de/literatur/urkunden: „Weil man etliche Soldaten unten im Dorfe abgesetzet und [ihnen] die Pferde genommen [hat] welches nicht nur hiesige Leute, sondern auch benachbarte verübet, [haben] General Holcks Völker [Soldaten] auf ihres Generals Befehl das Dorf angestecket [angezündet]; niedergehaun, was sie angetroffen, also daß sie etlichen die Köpfe in einem Hieb abgehauen [haben] und der Kopf den Berg [hin]abgelaufen, das Corpus [Körper] aber liegengeblieben [ist], welches jämmerlich zu sehen gewesen. Und sonst übel verfahren, wie die Rudera [Spuren] noch ausweisen „. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 23f.: „Zu dieser Zeit ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewähret bis auf das 1637. Jahr; do man dann bald nichts anderes hörte als Rauben, Stehlen, Morden, Sengen und Brennen. Die armen Leut[e] wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch gereitelt. Vielen [wurden] die Augen ausgestochen [und] Arm[e] und Bein[e] entzweigeschlagen. Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten. Etliche [wurden] von ferne beim Feuer gebraten, (teils) im Rauchschlot aufgehenkt und Feuer unter sie geschüret. Etliche [sind] in die Backöfen gestoßen, Stroh vorgemacht und angezündet [worden]. Kein und Schwefel [wurde ihnen] unter die Nägel gesteckt und angezündet. Die Daumen [wurden] geschraubet, spitzige Knebel ins Maul gestecket, [so] daß das Blut haufenweiß heraus geloffen [ist]. Hernach(er) [ist] der ganze Leib durch den Mund mit Urin und Mistwasser gefüllet [worden], die Fußsohlen [wurden] aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen aus den Leibern geschnitten und vielen die Rippen in dem Leib entzwei geschlagen. In Summa, die große Pein und vorhin unerhörter Marter – davon auch der Teufel in der Höll[e] Mitwissenschaft haben mochte – so sie den Menschen in vielen Wegen (an)getan, bis sie gestorben oder verschmachtet oder preßhaft worden, ist nicht zu beschreiben. Da hat manches fromme Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herrn oder Nächsten Sachen, die lange verwahret gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der Schwangern und Sechswöchnerin[en] mit Schänden nicht verschonet. Und welches ja ein Greuel anzuhören: achtjährige Mägdlein sowohl, [als] auch 60 bis 80jährige Weibspersonen [sind] zu Tode gemartert, hernach ausgezogen, in die Teich geworfen oder auf der Straße liegen [ge]lassen [worden]. Zuletzt durft[e] sich kein Mensch mehr in Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sich, [ganz] gleich [ob es] im Morast oder in gebirgigen Steinklüften war, denn da hatten sie Hund[e], welche auf die Menschen abgerichtet [waren, so] daß also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach, da sind viel[e] Leut[e] in den Wäldern hin und wieder erschossen und niedergehauen worden; auch unbegraben liegen [ge]blieben“. THEATRUM EUROPAEUM Bd. III, S. 278f., über die Lage in Schlesien nach der verlorenen Schlacht bei Liegnitz am 13.5.1634, in der die kursächsische Armee unter Hans Georg von Arnim die kaiserliche unter Johann von Götz und Rudolf Graf Colloredo schlug: „Die Kayserische nach deme sie bey der Lignitz geschlagen / haben sie in Schlesien besonders zwischen Lignitz und Glatz gar übel gehauset / sonderlich dieweil sie zumahl kein Oberhaupt gehabt / alles was sie gekönt / außgeplündert / und die Inwohner allen Orten wegen grosser angelegter Marter und Peinigung verjagt / auch auß den Wälden / dahin sie sich umb sicherheit willen begeben / gleich wie das Wild auff dem Felde gehetzet / das Frauenvolck wie ein Heerd Vieh zusammen in ihr quartier getrieben / und nackend und bloß mit ihnen zu tanzen / und sonsten zu gehorchen gedrungen: über das dz arme Volck beym Feuer und in Backöfen gebraten / die Augen außgestoßen / Riemen auß den Rücken lebendig geschnitten / Arm und Beyn / Ohren und Nasen / die männliche Glieder und säugende Brüste abgeschnitten / oder darmit empor gehoben / mit Spännern und Hämmern zerklopfft / angeschnürt / umb geführt / Kühn und Schwefel unter die Nägel und in die heimliche Ort gesteckt / angezündt / und damit biß zum Hertzen hinauff gebrent und also verbrent: mit Pistolstöcken die Daumen geschraubt / mit den Bärten und Haren auff den Steinen herumb geschleppt / zerbrochene spitzige Stecken in Hals gesteckt / biß das Blut hauffenweise herauß gelauffen / den Mund unnd Bauch mit Mistpfitzen / Urin / und anderer Unsauberkeit angefüllt / in die Brunnen geworffen / von Dachrinnen gewipffet / die Fußsohlen auffgeschnitten und Salz drein gestreuet / Arm / Bein und Rippen im Leib entzwey geschlagen und zertretten / Hände / Nasen und Ohren abgeschnitten / auffgehenckt / und Feuer unter die Füsse gemacht / und darmit weder Alter noch Jugend / weder Mann noch Weib / weder Edel noch Unedel / weder Schwangern noch Sechswöcherin / noch keines anderen Unterschiedes verschonet / den Eltern die Kinder auß den Armen gerissen / und in stücken zerhauen /zerrissen oder wider die Wände geschmissen / die Augen den armen Leuten auß dem Kopff gerättelt / wie sie reden / und unsäglichen Marter / Schmertzen und Pein angethan / als nicht alles zubeschreiben / wie die zu Goldberg / Reichenbach / und an anderen Orthen und Stätten / Flecken / und Dörffern erfahren: sonderlich zu Reichenbach / welche doch allezeit den Keyserischen / wie billich / miltiglich contribuiret / und alle mögliche Hülff und Vorschub gethan / welchen auch die Bürgermeister auffgewartet / ihnen entgegen gangen / und mit Glimpff der Statt bestes reden wollten / aber nicht gehört / sondern nur die Gewaltthätlichkeiten mit Morden / Schänden / Plündern in Kirchen und Häusern / auch biß für und auff den Altaren und Gotteshäusern verübet / wie darvon in Truck außgelassene offene Schrifften und Klagten bezeugen“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 237, Bericht der Amberger Regierung vom 19.3.1646: „Wie dan auch dergleichen unmenschlich procedur den 13. diss auch vorgangen, indeme Georg Schmid, untertan zu Kemnath, welcher mit 5 kleinen kindern beladen von Hirschau nacher hauss und futter gehen wollen, ist er von 9 reuttern erdappt, in das wirtshaus geführt und von ihm begehrt worden, speckh, butter und früchte zu weisen, weiln er aber nichts gewußt, haben sie ihn mit prügeln, eisernen stenglein, schrodhacken und säbeln anfangs uf die schienbein, daß dieselbige ganz zerschmettert, so lange geschlagen, bis die spreissel davon gefallen, hernach ins creuz, in die rechte seiten, über den rückhen und lenden mit einer schrothacken also getroffen, das er etlichsmal zu boden gefallen. Andern morgen früe vortags haben sie ihn mit eisernen stänglein abermahlen jemerlich geschlagen, den urin und koth in einen hafen gelassen, under einender gerührt und ainer, den sie den türkhen genannt, nachdem die andern ihne uf die arm gestanden, das maul mit einem eisernen stänglein aufgespreizt und diesen unflath also unbarmherzig hineingegossen und abwärts im hals gestrichen. Nach diesem allen haben sie ihn wieder ufs geführt und alss er inen uf starkes zusprechen nicht anzeigen khönnen, zu boden geschlagen, mit füssen getretten, gestoßen und mit sporn gestochen und alss er mit weiters laufen müssen, hat ine der türk mit einem prügel über den Arm, rückhen, lenden, füß und fußsohlen unaufhörlich geschlagen, mit ins holz geführt, einen strickh an halss gelegt und an einen paumb gehängt, doch daß er die erden mit den zehen berühren khönnen, bis ihn endlich der zehnte reutter, so bei diesen gewest, abgehauet, und nach hauss zu gehen haissen“. Vgl. die Rechtfertigung der Kriegsgräuel bei dem Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich [Gustav Horn gewidmet], dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, Discurs, S. 6, 19. Vgl. NEITZEL; HORATH, Kriegsgreuel; KAISER, „Ärger als der Türck“. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 152f.: „In Ruppertsgrün [bei Elsterberg] trennten sie [die Schweden 1640; BW] dem 83jährigen Pfarrer mit glühenden Eisen Ellenbogen, Kniescheiben, Fußzehen ab und marterten ihn zu Tode. Seiner Haushälterin gaben sie Mistjauche zu trinken und zerschlugen ihr mit Pistolen das Gesicht. Anderen Dorfbewohnern banden sie die Köpfe unter den Beinen zusammen und hängten sie verkehrt herum auf. Dann schlugen sie auf diese ein oder legten Feuer unter die Unglücklichen. Einen Bauern ließ man im Backofen ersticken, einem anderen schnitt man die Ohren auf, und gab sie ihm kleingehackt zu essen“. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
„Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. VOLLBRECHT, Dreißigjähriger Krieg, S. 57f.: „So zündeten die schwedischen Soldaten am 5. Mai [1636; BW] die Glandorfer Glandorf [LK Osnabrück; BW] Kirche und das ganze Dorf an. Das soll eine Strafaktion gewesen sein, weil einige Zeit vorher Glandorfer Bürger bei der Verteidigung ihres Ortes einige schwedische Soldaten getötet hatten. Hierbei kam es auch zu Greueltaten gegenüber den Wehrlosen. Es wird berichtet, dass die schwedischen Soldaten von den drei Töchtern des Hofes Schultewerth eine kreuzigten und eine andere über dem Herdfeuer erstickten“. Während des Dreißigjährigen Krieges massakrierten schwedische Truppen am 18.6.1633 einen Großteil der männlichen Bevölkerung von Kirchhofen. Die Opfer wurden bei lebendigem Leib in einer Weinpresse zu Tode gequetscht. Insgesamt wurden dabei rund 300 Bauern aus Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler als angebliche Rebellen niedergemetzelt. Vgl. auch FURTENBACH, Ober-Ländische Jammer- Und Straff-Chronic, S. 67ff. über die Einnahme Memmingens durch die Kaiserlichen (1633). „Bis ins Jahr 1636 war Pruntrut von den in der Umgebung lagernden Kaiserlichen blockiert. Die Mißhandlungen der Landleute draussen in den Dörfern bis ins Delsbergertal durch die Truppen blieben an der Tagesordnung. So wurde in Courchavon wie zwei Jahre vorher in Fontenais der Schmied, ein armer alter Mann am Strohfeuer zu Tode gesengt. In Bassecourt liess man den Sohn einer guten Familie, absichtlich zu diesem Zwecke eingesperrt, verhungern. Ein anderer musste in Vermes angesichts eines mit Speisen wohlbesetzten Tisches den gleichen Tod sterben; dessen Vater, in einem nahen Speicher eingeschlossen, musste ebenfalls verhungern. Einem armen Kinde, das einen harmlosen Brief von Prunstrut nach Delsberg tragen sollte, ließ der Obristleutnant Mora ein Ohr abhauen“. => Kriegsverbrechen in den „Materialien“.

[163] Muskete [schwed. musköt, dän. musket]: I. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung hatten jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete mit Forquette (Stützgabel), Bandelier und Kugelform kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5-4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm]. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Bis 220 Meter konnte man noch unter günstigen Voraussetzungen eine Trefferquote von 25 % erzielen. ENGERISSER, Von Kronach, S. 552: „Ab ca. 200 m Entfernung waren Musketenschüsse unter normalen Feldbedingungen gegen gepanzerte Soldaten praktisch ohne Effekt und ab 300 m verursachten sie gegen Ungepanzerte auch nur noch Prellschüsse. Die maximalen Schussweiten mit einer gut passenden und verdämmten Kugel lagen bei 350-400 m, d. h. nach spätestens 400 m senkte sich eine waagrecht abgeschossene Kugel in den Boden“. Vgl. „Luntenschloßmuskete, Suhl um 1630“. Online verfügbar unter: engerisser.de/Bewaffnung/Luntenschlossmuskete.html. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. II. Es gab auch Jagdmusketen mit kleinem Kaliber und langem Lauf, die von Scharfschützen verwendet wurden. Zum Teil machte man aus Unberittenen Dragoner, in denen man ihnen Musketen gab. SCHWARTZ, Die Neumark, S. 52. Der Preis für eine Muskete lag je nach Qualität zwischen 4 und 6 Rt., also zwischen 6 und 9 fl.

[164] Kaltennordheim [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 229f.

[165] Schmalkalden [LK Schmalkalden-Meiningen]; HHSD IX, S. 387ff.

[166] Bad Salzungen [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 36ff.

[167] Lobenstein [Saale-Orla-Kreis]; HHSD IX, S. 261f.

[168] Wilhelm [Guillaume de] Freiherr (1634), Graf (1649) v. Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey] [um 1590-13.12.1659 Schloss Dymokury], kaiserlicher Feldmarschall.

[169] Streifpartei: I. Streifkorps; Reiterabteilung, die entweder zur Aufklärung oder zu überraschenden Handstreichen vom zuständigen Kommandeur ausgesandt wurde oder eine auf eigene Rechnung oder mit Wissen des an der Beute beteiligten Kommandeurs herumstreifende Abteilung, um Beute zu machen, Nahrung zu beschaffen oder die Bevölkerung zu terrorisieren. Am 9.5.1643 schrieb Ferdinand III. an Gallas: „auch die Streifparteien gehören bestrafft […], da sy die unterthanen unerhörter barbarischer weiß tractirn, denenselben wan sy nit gleich alles nach ihrem willen thuen, löcher durch die nasen bohren, strick dardurch ziehen und sie die [wie ?] unvernünfftigen thiere mit herumben ziehen, theils gar pulver in die nasenlöcher, auch mundt und ohren stecken und dasselbe anzünden, oder aber haisses bley hinein gießen, auch wohl ihre händt und fueß abhacken, ganze dörffer außplendern, und viel pferdt und viech mit weckh treiben“. REBITSCH, Gallas, S. 218f. II. Kriegspartei: reguläre Truppenabteilung. Vgl. KROENER, Kriegsgurgeln. III. Banden aus Deserteuren, Straftätern, vertriebenen Bauern, die z. T. in Stärke von 400 Mann bevorzugt Dörfer überfielen. LEHMANN, Kriegschronik, S. 105, zu einer Strafaktion: „Zue Crandorf hielte Sich auf Johans Lorentz, ein versuchter Churfürstlicher reuter, aber arger Mauser, der uff den Schwedenschlag an der Böhmischen gräntze großen schaden gethan. Den nahm Künemann, ein keyßerlicher Leutenandt und werber von den Platten mit 6 musquetiren des Nachts auß den bette, führeten ihn biß an Breittenbrunner Wiltzaun, schoßen in todt, zogen ihn auß und ließen ihn liegen, der den 25. April in einen Winckel auf den Gottesacker wurd begraben“. Vgl. auch das Edikt der Grafschaft Limburg (1627): „waß maßen vnd vielfeltiger Dagten Vorkommen [ist], dass sich in Vnser[er] Graffschafft Lymburg fast täglichen Partheyen vnd Soldaten vnd auch noch woll herrenloses Gesindling in Büschen, Bergen vnd Strauchen auffhalten, welche nicht allein Vnsern Vnderthanen, sondern auch der benachbarten Neutralen pressen, knebeln, fangen, stechen vnd sonsten übell tractieren […], welches allen Rechten, Erbarkeitt, guter Policey vnd gemeiner Wolfahrt, auch des Heiligen Reiches Landtfrieden vnd anderen Satzungen zuwiederläufft“. MARRA, Tod, S. 140. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. Im Juni 1647 ordnete der Kommandant von Lippstadt, Rollin de St. André, an, dass alle herumstreifenden Soldaten ohne Ausweispapiere zu erschießen seien. CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 51. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 617 (1641): „Vmb den Eingang Junii liesse sich ein Brandenburgischer Rittmeister gelüsten in Mechelnburg wider voriges Verbott zustreiffen / der auch dariñen geplündert hatte: Darwider Gen. Major Axel Lille vber einen / dem beschehenē Anbringen zu widerlauffenden actum, sich beklagte. Herr Statthalter Marggraffe Ernst liesse diesen Rittmeister einziehen / vnd im Kriegsrecht widerfahren / darumb er enthauptet / vnnd zehen seiner Gehülffen auffgehenckt worden“. Der vorderösterreichische Obrist entschuldigte gegenüber Erzherzogin Claudia von Tirol 1633 seine Soldaten damit, dass diese „aus noth und hunger verursacht werden, zuweilen anderwerts was zu suchen“. SCHENNAT, Tiroler Landesverteidigung, S. 354.

[170] Rosenberg, Festung: Die Festung Rosenberg ist wohl das bedeutendste Geschichtsdenkmal des südlichen Frankenwalds. Der Grundfläche nach ist sie das ausgedehnteste Festungsbauwerk Deutschlands. Sie gilt als ein herausragendes Beispiel deutscher Wehrbaukunst und steht seit Jahrhunderten beschützend über der Stadt Kronach. Die Festung wurde in einer Höhe von 378 Metern über Normalnull auf dem Rosenberg in einer strategisch hervorragenden Lage erbaut. Die drei zu ihren Füßen zusammenlaufenden Täler, der Haßlach, der Kronach und der Rodach wurden von ihr beherrscht und sie konnte dadurch wichtige Übergänge nach Thüringen und in den Frankenwald sperren oder kontrollieren. Vom Steinernen Haus über die gotische Burg und das Schloss der Renaissance wurde die Festung Rosenberg von berühmten Baumeistern der Kriegsbaukunst des Barocks zu einer der stärksten mittelalterlichen Festungsanlagen Deutschlands ausgebaut. Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Festung Rosenberg nie von feindlichen Angreifern eingenommen. [wikipedia]

[171] Johann Jacob Bruckner [Brückner, Bruckner] [ – ], kaiserlicher Hauptmann.

[172] ENGERISSER, Von Kronach, S. 390ff.

[173] Christian II. Fürst v. Anhalt-Bernburg [11.8.1599-21.9.1656 Bernburg]. Vgl. das verdienstvolle, in Arbeit befindliche  Großprojekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, unter: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Digitale Edition und Kommentierung der Tagebücher des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656). in: Editiones Electronicae Guelferbytanae. Wolfenbüttel 2013.

[174] Friedrich [Andreas] Unger [Ungar, Hungar], genannt „Masslechner“ [Maaslöhner] [ – ], kursächsischer, dann kaiserlicher Obrist.

[175] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[176] Rochlitz [LK Mittelsachsen]; HHSD VIII, S. 303ff.

[177] Dietrich Freiherr v. Taube [Daube] zu Neukirchen [1594 Maardu [Estland]-29.1.1639 Dresden], kursächsischer Obrist.

[178] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Ein kommandierender Hauptmann einer Streifschar aus einer Garnison erhielt quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller, sein Leutnant 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller, jeder Soldat oder Reiter 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.

[179] Hans Sigmund v. Zoch [ – ], kaiserlicher Hauptmann der Dragoner.

[180] Moritz August Freiherr v. Rochow [Rochau, Rotau, Rotaw] [1609-25.8.1653 Dittmannsdorf], kurbrandenburgischer Obrist, kaiserlicher Feldzeugmeister.

[181] Meile: 1 Meile = ca. 7,420 km, eine schwedische (auch große) wie auch westfälische große Meile wurde mit 10 km bzw. 10, 044 km gerechnet. In der Regel kein bestimmtes Maß, sondern eine Strecke, „die ein Fußgänger ohne Anstrengung in zwei Stunden zurücklegen“ konnte. HIRSCHFELDER, Herrschaftsordnung, S. 192.

[182] Altenburg [LK Altenburger Land]; HHSD IX, S. 6ff.

[183] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[184] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[185] Eisenberg [Saale-Holzland-Kreis]; HHSD IX, S. 96f.

[186] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[187] Heldrungen [Kyffhäuserkreis]; HHSD XI, S. 205f.

[188] Karl Heinrich v. Nostitz [1613-1684], Hofjunker, Kammerjunker und Stallmeister des Fürsten Christian II. v. Anhalt-Bernburg, den er auf Reisen nach Polen, in die Niederlande, ins Reich u. nach Frankreich begleitete; 1634-36 in Orange als Musketier, Student der Ritterakademie und Kammerjunker; endgültig ab Herbst 1641 in die Oberlausitz zurückgekehrt, 1644 Landeskommissar im Kreis Bautzen, 1650 auch Hofgerichtsassessor und 1672 kursächsischer Kammerherr; seit 1641 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft („Der Glatte“).

[189] Julius Adrian v. Sandersleben [ca. 1620-1637], 1636/37 Kammerpage Christians II. v. Anhalt-Bernburg.

[190] Tobias Steffeck v. Kolodey [1615-nach 1677], aus Prag stammend; Sohn von Tobias Steffeck v. Kolodey, Direktor des Königreichs Böhmen, der 1621 als einer der Prager Aufständischen hingerichtet worden war; um 1637 Kammerdiener, später Kammerverwalter Christians II. von Anhalt-Bernburg; um 1663 Stallmeister und Kammerjunker zu Ballenstedt.

[191] devalisieren: einen Reisenden seiner Habe berauben, einem sein Felleisen (valise) nehmen, ausplündern.

[192] Dukaten, Dukat: ab 1559 Reichsmünze = 4 Gulden. 1 Gulden = 15 Batzen = 60 Kreuzer = 240 Pfennige. 1 Reichstaler = 1 ½ Gulden. 1 Golddukat = 2 Taler = 48 Groschen.

[193] Auflösung unsicher.

[194] aufgestrichen: vorgehalten, auch: mit gespanntem Hahn, feuerbereit.

[195] Koller: Brustwams aus Leder oder starkem Leinen; Jacke, Unterjacke, Strickjacke. Die qualitativ hochwertigen Elchslederkoller der Offiziere kosteten 1632 zwischen 12 und 20 Reichstaler, bei guter Verarbeitung teilweise bis zu 45 Reichstaler (zum Vergleich: ein kompletter Kürassierharnisch war bereits für 12 Reichstaler zu haben). Der einfache Soldat trug dagegen, wenn überhaupt, ein Wams aus Rindsleder. Einfache Lederjacken, selbst 2 mm starke Brustharnische der Pikeniere noch auf 40 m, boten keinen Schutz gegen Nahschüsse aus Musketen. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 156.

[196] Fideliät: Treue.

[197] Felleisen: ADELUNG, 2. Bd., Sp. 106: „Das Fêlleisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Sack von Fellen oder Leder, welcher mit Eisen verwahret ist, allerley Geräthschaften auf der Reise darin zu  verwahren; ein Ranzen, Ränzel, im Oberd. ein Wadsack“. KRÜNITZ, Bd. 12, S. 542f.: „eine Reit=Tasche, oder ein kleiner Sack, zum Ueberhängen über die Schul<12, 543>tern, mehrentheils von rauchem Leder oder Fellen überzogen, und mit einem eisernen Stänglein oder einer Kette verschlossen, allerley Geräthschaften auf der Reise darinn zu verwahren. Es war dieses Reise= und Wandergeräth=Behältniß ehemahls, da die Deutschen ihre Reisen nur zu Fuße und zu Pferde thaten, sehr gebräuchlich und bequem, weil man damahls keine Koffer brauchen konnte“.

[198] resarcieren: erstatten, ersetzen.

[199] Posse: mutwilliger, übler Streich.

[200] Scribent: Schreiber.

[201] Schotten: Von 1626-1632 dienten 25.000 Schotten unter Christian IV. u. Gustav Adolf, was etwa 10 % der Gesamtbevölkerung Schottlands entsprach; PARKER, Military Revolution, S. 200, Anm. 17. 1630 hatte Gustav Adolf 13 Schottenregimentern mit fast 1.000 Offizieren unter seinem Kommando; MINHA, Walter Graf Leslie, S. 139, Anm. 23: Damit „wurde das Schwedenheer zur großen Kriegsschule des anglo-schottischen Adels für den späteren Machtkampf zwischen König und Parlament in der Heimat“. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: „Hier ist auch zu sehen, dass der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen“. In erster Linie heranziehen ist die große Datenbank von Steve MURDOCH, SSNE; dort auch jeweils die neueste Literatur, bzw. dessen Veröffentlichungen => Literaturregister. Bei der Zusammensetzung der schwedischen Armee Gustavs II. Adolf bis Ende 1632 werden folgende Zahlen angenommen: Schweden 8.000 (5, 5 %), Finnen 3.000 (2, 0 %), Deutsche Söldner: Alte Regimenter (vor Juli 1630 aufgestellt) 15.000 (10, 5 %) Neue Regimenter 65.000 (44, 5 %) Britische Söldner 7.000 (5, 0 %) Verbündete: Sachsen 17.000 (11, 5 %) Brandenburg 6.000 (4, 0 %) Hessen-Kassel 6.000 (4, 0 %) Mecklenburg 4.000 (2, 5 %) Stadtmilizen ca. 15.000 (10, 5 %) Gesamtzahl 146.000. Von diesen ca. 150.000 Mann war etwa die Hälfte im Garnisonsdienst eingesetzt, der Rest war auf die verschiedenen Armeekorps aufgeteilt, deren Größe zwischen 3.000 und 20.000 Mann lag. Im Falle einer möglichen Schlacht wurden diese dann vorübergehend zusammengezogen. Angaben nach BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 69; ENGERISSER, Von Kronach. Je nach Kriegslage schieden nach Gustav II. Adolfs Tod Verbündete wieder aus, der Anteil der Deutschen unter schwedischer Fahne stieg jedoch weiter an. Vgl. MILLER, Swords for hire. Vgl. das Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen Rechten, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Der Osnabrücker Schuhmacher, Amtsbote und Chronist Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“.

[202] Sangerhausen [Kreis Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 409f.

[203] ausquittieren: freihalten.

[204] Eisleben [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 103ff.

[205] defrayiren: 1) Jemand frei halten, vorzüglich auf Reisen; 2) die Zehrungskosten vergüten. Daher Defrayirung, die Zahlung der Zehrungskosten für einen Andern auf Reisen oder bei Terminen.

[206] Bernburg [Salzlandkreis]; HHSD XI, S. 37ff. Eisleben [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 103ff.

[207] wie lange ich in meinem Haus sicher bleiben werde.

[208] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[209] http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm (1637).

[210] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[211] Albrecht Herzog v. Sachsen-Eisenach [27.7.1595 Altenburg-20.12.1644 Eisenach].

[212] Wanfried [Werra-Meißner-Kreis]; HHSD IV, S. 449.

[213] Graaf Godfried Huyn van Geleen [1595 oder um 1598 Geleen-27.8.1657 Alden Biesen], kurbayerischer u. kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[214] Scheffel Getreide (Eisenach): 1 Scheffel = 38, 09 Liter.

[215] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff. Vgl. STIEVERMANN, Erfurt, S. 35ff.

[216] Kölleda [LK Sömmerda].

[217] Trompeter: Eigener, mit 12 fl. monatlich – teilweise wurden in besetzten Städten 12 Rt. (18 fl.) herausgepresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15); Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461 – wie der Trommelschläger recht gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge. Vgl. dazu etwa Siedeler in den „Miniaturen“.

[218] GOTTFRIED, Fortgesetzte Historische Chronik 2. Teil, S. 654.

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Steinheim [Stainhain, Steinheimb, Steinhammer] auf Seeberg zu Haslau, Veit Dietrich Freiherr von

Steinheim [Stainhain, Steinheimb, Steinhammer] auf Seeberg zu Haslau, Veit Dietrich Freiherr von; Obrist [ -5.4.1657]

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Veit Dietrich Freiherr von Steinheim [Stainhain, Steinheimb, Steinhammer], Herr auf Haslau[1] und Seeberg[2] [ -5.4.1657], verheiratet mit Walpurga Helena von Trautenberg [ -1662], wird 1626 als Kapitänleutnant[3] und Beteiligter an dem Prozess gegen Theodor Freiherr de Comargo[4] genannt, der seine Frau wegen ihrer Untreue getötet hatte, aber freigesprochen wurde.[5]

Steinheim hatte 1618 das Dorf Römmersreuth[6] von der Egerer Stadtgemeinde erkauft.[7]

Er war kaiserlicher Kriegskommissar,[8] Obrist[9] unter Melchior von Hatzfeldt[10] und ab Juli 1633 stellvertretender Kommandant, ab 23.6.1634 eigenständiger Kommandant in Eger.[11]

„Am 16. Dezember 1628 haben die kaiserlichen Reformationskommissare die Haslauer Kirche gesperrt. Die Haslauer Pfarrgründe wurden im Frühjahr 1629 von den Egerer Franziskanern[12] bestellt. Der letzte protestantische Prediger, Johann Theobald Schöfferten, wich jedoch nicht aus Haslau. Obwohl der damalige Gutsbesitzer Veit Dietrich von Steinheim (Er war auch Herr auf Seeberg und ist in der Kirche von Seeberg begraben.) den röm. kath. Priester Jakob Göring eingesetzt hatte. Nach dem Einfall der Schweden[13] im Jahre 1631 wurde er jedoch wieder vertrieben. Damit wurde auch die  Rekatholisierung von Haslau unterbrochen. Diese Zeit wird allgemein als eine Zeit großer Not bezeichnet. Auf die Schweden folgten wiederum die kaiserlichen. Raub, Plünderungen und weitere Ausschreitungen waren jedoch an der Tagesordnung. Erst im Jahre 1632 mussten die schwedischen Truppen und damit die evangelischen Prediger und Emigranten die Gegend wieder verlassen“.[14] 1631 war Steinheim noch Hauptmann,[15] 1633 bereits Obristleutnant.[16]

„Tatsächlich gab es [1633; BW] verstärkte Anzeichen für eine baldige Unterstützung [bei der 2. Belagerung Kronachs;[17] BW] durch die Kaiserlichen. So zum Beispiel aus Nürnberg,[18] von wo man schrieb, daß 7 Fähnlein[19] Reiter und 3000 Mann zu Fuß mit 2 Stücken[20] in Auerbach/Oberpfalz[21] angelangt seien. Ebenso daß zu Pottenstein[22] 7000 Kaiserliche angelangt wären und aus Forchheim[23] 6 halbe Kartaunen[24] mit 300 Man[n] zu Fuß dahin abgegangen wären. (Ebd.). Zu groß kann die Gefahr eines Entsatzes allerdings nicht gewesen sein, denn Zitter schreibt in seiner Chronik, man habe zwar nach Eger um ‚Succurs'[25] geschickt, der dortige (stellvertretende) Kommandant, Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim (vom Regiment[26] Neu-Hatzfeld) hätte daraufhin auch an die umliegenden Ämter Anweisung gegeben die Wege instand zu setzen und Brot zu backen, mit der Begründung, daß die ganze ‚Keyserische Armee heraußwarts in Anzug begriffen‘. Dies sei jedoch nur ‚proforma‘ geschehen, um dem Feind einen Schrecken einzujagen. Es war lediglich ein größeres Kavalleriekorps an Kroaten[27] aus Böhmen in Richtung Eger kommandiert worden“.[28]

Im Dezember 1633 war Steinheim noch in Eger einquartiert.[29] Er hatte ein Haus in der Judengasse gepachtet, das er Mitte 1634 käuflich erwerben.

Steinheim wird unter den Vorgängen um Ermordung Wallensteins[30] unter dem 24.2.1634 erwähnt: „Den Abend des 24. Februar brachten Gordon[31] und Leslie[32] als Gäste Butlers[33] in dessen Quartier zu. Noch standen die zwei Offiziere einander mit vorsichtigem Mißtrauen gegenüber; sie waren sich alle klar, daß der Feldherr wegen des Pilsener Schlusses[34] des Kommandos enthoben sei und auf noch größeren Verrat sinne, wußten aber nicht, wie weit die Verratspläne gediehen seien und was des Kaisers Wille sei, und hatten noch keiner den Entschluß zur Abwehr gefaßt; erst bei diesem Gastmahle, unter dem Einfluß des Weines, hat Butler endlich die Übereinstimmung der beiden Schotten[35] mit seiner eigenen kaiserlichen Gesinnung festgestellt, und nun erst ist die vorsichtige Zurückhaltung der drei Offiziere verschwunden; die Begierde des Iren,[36] die Verräter durch Gewaltanwendung an der Ausführung ihrer Pläne zu hindern, verstärkte sich, der Gedanke, mit seinem Regimente heimlich Eger zu verlassen, trat einigermaßen zurück. Aber das erste Ergebnis dieser wohl schon am frühen Abend einsetzenden Annäherung der drei Offiziere war ein zaghafter, deutlich auf Gordon zurückführender Ausweg. Es muß ihnen bekannt geworden sein, daß der Herzog die Besatzungen aus den nächsten Grenzorten zurückziehen wolle, um dem Feinde die Pässe zu öffnen; in der Tat sind zweifellos in der folgenden Nacht Befehle des Feldherrn an die Grenzbesatzungen durch Meldereiter abgegangen. Die drei ‚Heroen‘, wie sie das Perduellionis chaos[37] mit Vorliebe nennt, kam,en nun zunächst zu dem Beschlusse, mit Einwilligung des Herzogs den Vetter Gordons, Hauptmann Adam Gordon,[38] und einen kaiserlichen Edelmann und Offizier Veit Dietrich von Steinheimb, nach Elbogen[39]  zu senden, damit Adam Gordon den Platz für den Kaiser verteidige und für den Notfall seinem Vetter und dessen beiden Gefährten einen Zufluchtsort bieten könne, während Steinheimb sofort zu den kaiserlichen Generalen weiter eilen und die Aufforderung zu schleunigster Hilfe und Gefangennahme des Rebellen überbringen sollte. Noch am selben Abend wurde von Trčka[40] im Namen des Herzogs die Bewilligung erteilt, am folgenden Morgen aber die Reiseerlaubnis auf den Hauptmann Gordon beschränkt. Man sieht: Butler war nun angesichts des Verlaufes der Besprechung entschlossen, in Eger zu bleiben, die drei Offiziere dachten in bekannter Weise zu ‚dissimulieren‘;[41] sie wollten aber die Abhilfe gegen denm Verrat in erster Linie Gallas[42]  und Piccolomini[43] überlassen, sie dachten diesen nur an die Hand zu gehen und, wenn die Verbindung mit den Feinden in Eger den Gegenmaßregeln zuvorkommt, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Von einer heroischen Tat ist noch keine Rede, man glaubt noch um Tage von jeder Gefahr entfernt zu sein“.[44]

Steinheim fungierte als Sprecher der Verschwörer gegen den Generalissimus und informierte den Rat der Stadt Marktredwitz[45] am 27.2.1634 über Wallensteins Tod.[46]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603-1676][47] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz erinnert sich: „Umb Mitternacht [10.3.1634, BW] sollten wir uns aufmachen und fortziehen. Wie wir nun solchergestalt abgefertigt und [um] Mitternacht uns aufmachen wollten, kam vorher(o) umb 9 Uhr(en) Schreiben von Eger, des Inhalts, daß morgen früh (Tagszeit) der Kai[serische] Generalwachtmeister[48] Marotzin[49] mit 6000 Reitern seinen Marsch heraus nehmen und bei uns durch[ziehen] werde. Daher(o) man Vorsehung tun sollte, damit der General und andere Oberste(n) mit einem Frühstück versehen würden. Mit diesen kamen auch vom Ober[st] Gordon[50] etliche Musketiere(r),[51] die hier [als] S[alva] Guardi[a][52] bleiben sollten. Daher(o) ward unser Vorhaben geendet, die Schreiben abgefordert und verbrannt und die Reise eingestellt.

Den andern Tag – (als) den 11. dito – ist morgens früh hierher(o) kommen Herr Ober[st] Steinheimb [Steinheim], damals Kai[serischer] Kriegskommissar und dann Oberst [Markus von] Corpes,[53] welche berichteten, der Gen[eral] wäre allernächst mit 100 Kornet[t][54] Reitern. Diese begehrten auch zu wissen, was wir für Nachricht von dem Feind hätten [und] daß wir auch 10 gute Betten in Bereitschaft halten sollten. Der Ober[st] Corpes hat auch gewaltige, bedrohliche Worte aus[ge]geben wider alle, die es bishero mit dem Feind gehalten [haben]. Es sollte mancher noch unter dem Kopf hingehen, wie er denn seinen Blutsäbel gar oft zückte. [Er] beschuldigte auch uns allerlei verdächtiger Sachen. Er hatte auch [zu] allererst Waidhaus[55] [und] Pleystein[56] abgebrannt [und] die Leute niederhauen lassen. Das[selbe] wollte er noch vielen Orten beweisen. Wie er denn seiner löblichen Taten sonst noch viele erzählet, daß uns die Haar[e] alle über sich standen. Er wüßte gar wohl, daß wir Rebellen wären. Ein solcher Schelm[57] wäre auch der Herzog von Friedland gewesen. Wir entschuldigten uns hingegen, daß wir niemals von der Kai[serischen] Majestät gewichen, noch uns an Ihrer Maj[estät] Kriegsvolk vergriffen, vielweniger an derselben Verräterei oder Untreue begangen. Wir konnten zwar nit leugnen, daß sich der Feind hier oft befunden, wir hatten ihn ein- und auslassen, Kaution erlegen und vielmals kontribuieren[58] müssen. Ihr Gnaden hätten ja selbst(en) vor Augen unsere geringen Mauern, die keiner Macht widerstehen und taten auch dar, daß, sobald wir hier vom Feind was vornommen, wir solches alsbald(en) nach Eger bei Tag und Nacht berichtet hätten; wie wir uns denn deswegen auf He[rrn] Ober[st] Steinheimb, welcher zugegen war, beriefen. Derselbe gab uns auch das Zeugnis und vermahnte uns weiter allen Gehorsam[b]s und Kai[serischer] Maj[estät] Kriegsvolk alle [Be]förderung zu erweisen“.[59]

Der Hofer[60] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] hält fest: „Den 13. junii früh um 4 uhr praesentirten sich die sächßischen[61] zu Schlaitz[62] liegende reuther abermahls, begehrten herrn magister Johann Georg Wolfen.[63] Weil aber derselbe von herrn burgermeister und rath nach Eger mit dem neu angekommenen kayserlichen obristen Steinheim, so herrn obristleuthnant Jordan[64] succediret, der conribution wegen zu tractiren, so nahmen sie anfangs und in der furi den herrn stadtvoigt[65] Johann Christoph Hendeln[66] gefänglich an, nachmals liesen sie denselben wieder loos und nahmen hingegen seine hausfrau und kinder gefänglich auf einen kar[re]n mit sich nach Paußa,[67] und muste man den rittmeister[68] Pöhlau[69] schriftliche caution stellen, dass ersamer magister Wolff sich in person ehestens nach seiner anheimskunft stellen und seine hausfrau liberiren solte“.[70]

„Den 13. Juni [1634] ist Ober[st] Gordon, Kommandant zu Eger, mit seinem Regiment auf[ge]brochen und auf Prag marschiert. An dessen Stelle ist kommen und zu Eger kommandiert [worden] He[rr] Ober[st] Steinheimb mit dem hatzfeldischen Regiment“.[71]

„Zu allem Unglück für die Stadt und für die markgräflichen Untertanen wurden im Frühjahr 1634 die in Kronach liegende Bruckner’sche[72] Reiterkompanie[73] unter dem kroatischen[74] Leutnant[75] Ratlitsch[76] von dem Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim nach Eger abgefordert, welche sich plündernd über Bayreuth[77] nach Eger auf dem Weg machte. Bürgermeister und Rat der Stadt Kronach waren über diese Entscheidung gelinde gesagt äußerst ‚befrembd‘, wie sich Zitter ausdrückt, der stets bemüht war, die schwachen Unterstützungsaktionen der kaiserlichen Generalität in Eger wohlwollend zu umschreiben. Die Stadträte Johann Nikolaus Zitter und Johann Pottu der Ältere wurden deshalb zusammen mit dem jüngeren Hans Stauff wieder nach Eger zu dem besagten Oberstleutnant Steinheim (seit 23. Juni Kommandant in Eger) expediert. Dieser ließ die Herren erst einmal vierzehn Tage warten, um sie dann ohne Unterstützung nur mit der frohen Botschaft der kaiserlichen Wiedereroberung Regensburgs[78] versehen (26.7.)[79] versehen, wieder nach Kronach abzufertigen, wohin sie ‚in gröster Gefahr Leibs vnd Lebens durch des Feinds Land […] passirt, vnd allein die Nacht zu Hülff nehmen musten‘ „.[80]

Leopold erinnert sich: „Den 20. Jun[i] haben etliche schwedische[81] Reiter uns auf dem Feld etliche Ochsen und Küh[e] genommen und gegen Kulmbach[82] getrieben. Auch [haben sie] einen hiesigen Bürger, Andreas Heuschmann genannt, erschossen etc.

Um(b) diese Zeit sind bei Nacht etliche Kroaten nach Sieg(e)ritz[83] gekommen, [sind] alsbald(en) doselbst in [das] Schloß eingefallen, [und haben] den Edelmann, des Geschlechts ein Steinhäuser, neben seinem Sohn gefangen. Und als sie nit alsobald(en) Geld und Silbergeschmeid[e] geben und weisen woll[t]en, sind sie von ihnen auf allerlei Weis[e] jämmerlich gemartert, hernach(er) beim Feuer gebraten worden,[84] bis sie alle zwei gestorben. Er war ein frommer und gelehrter Mann.

Obwohl die schwedische Besatzung zu Kemnath[85] gewußt [hat], daß wir von den Kroaten sehr verderbt worden [sind], so ist ihnen doch darneben auch wißlich gewesen, daß wir etwas vom Vieh bis dahero noch erhalten. Haben sie sich uns solches zu nehmen oft verlauten lassen, welchem wir aber keinen Glauben geben woll[t]en, bis es uns in die Hand [ge]kommen. Denn sie sind am 20. Jul[i] frühmorgens nach Mitternacht herein[ge]kommen und weil(n) viel[e] Bauern um(b) Ebnath[86] und dero Orten sich zu ihnen gesellet – welche bei uns gute Gelegenheit wußten – , als[o] sind dieselben über die Mauern hereingestiegen. Auch [haben sie] alsbald(en) die Tore aufgeschlagen, worauf die Reiter auch hereingebrochen, welche alsbald Licht gemacht und die Häuser aufgeschlagen [haben]. Weil(n) dann die meisten Leut[e] sicher und schlafend gewesen, als[o] haben sie die meisten ertappt und sehr um(b) Geld gepeinigt. Wie [= als] sie zusammen geräumet hatten, sind sie, als es Tag geworden, wieder auf[ge]brochen und haben unsern Pfarrherrn gefangen – auch all unser Vieh – mitgenommen. Doch haben sie verlassen: Wenn wir das Vieh wieder auslösen wollten um(b) 400 Reichstaler, so sollten wir mit dem Geld hinnach kommen. Zu Schönbrunn[87] wollten sie warten und solches wieder [zurück] geben; denn sie haben wegen der bayerischen Besatzung zu Waldeck[88] nit gerad hinaus, sondern auf (den) Fahrenbach[89] und Ebnath zu ziehen müssen. Dahero etliche Bürger hinnach (in) willens [waren], nur etliche Stück Vieh auszulösen, als[o] bin ich in solcher Meinung auch hinnach. Wie wir nun bei Wunsiedel[90] zusammen[ge]kommen [sind], hatten unsere Leut[e] das sämtlich[e] Vieh wieder ausgelöst um(b) 300 Reichstaler. Weil uns aber bedenken wollte, es würde uns eine schlechte Ehre sein, wenn wir das Vieh auslöseten und den Pfarrherrn hingegen im Stich und gefangen mit hinwegführen ließen, wir deswegen auch bei unser[er] hohen Obrigkeit und (dann auch) bei dem Kommandanten eine schwere Verantwortung auf uns laden würden, vereinigten [wir] uns auch miteinander, ihn, den Pfarrherrn – weil er uns sonderlich, ihn lediglich zu machen, sehnlich bat – zu erledigen und akkordierten deswegen  mit dem schwedischen Rittmeister[91] auf 125 Taler; also Pfarrherr und Vieh zusammen um(b) 425 Taler. Weil(n) dann unser etlich[e], die sich zu Wunsiedel um(b) diese Summe Gelds bewarben, ein wenig zu lang mit dem Geld aus(en)blieben, wollte es der Rittmeister nit anders(t) aufnehmen, denn wir hätten ihm sonst(en) andere Aufzüg machen wollen. Da will er uns das Geld nehmen, niederstechen und das Vieh behalten. Da war das Lachen – sonderlich bei mir – abermals teuer, denn ich hatte das meiste Geld bei mir und auf meinen Kredit genommen.

Wir haben ihm gute Wort[e], erinnerten ihn [an] seine Parole[92] und baten aufs fleißigste. Aber es ging hart her. Er nahm das Geld, ließ zwar den Pfarrherrn und das Vieh, mußten aber immerzu acht haben, er würde es uns wieder nehmen. Wäre auch am besten gewesen, wir hätten anfangs Vieh und Pfaffen zum Teufel treiben und führen lassen. Aber wir kamen endlich auf Fürbitte der Wunsiedler mit Frieden von ihm. Dann, als wir nun nach Haus gelanget, hätte ein jeder von uns seine Küh[e] gerne ohne Geld wieder gehabt. Ingleichen der Pfaff, welcher uns vorher(o) heftig um(b) seine Erledigung gebeten, auch bei seinen priesterlichen Ehren versprochen, sobald er nach Hause käme, nit allein uns die Kaution wieder zu ersetzen, sondern er wollte sich auch die Zeit seines Lebens so dankbar erweisen und dergleichen [mehr], der legte sich jetzo auch schon auf Schelmenstr[eiche, indeme er] kein Geld wiedergeben wollte. Er müßte es vorhero dem Kommandanten berichten; spielte solches auf die lange Bank [und] brachte den Kommandanten auf seine Seite. Der schickte uns auch ein Dekret zu, daß wir den Pfaffen weiter ungefordert lassen sollten. Wir sollten uns an die Wunsiedler und andere halten. Der Pfaff käme unschuldig da(r)zu; er wäre verraten worden und dergleichen [mehr]. Dieses wollte mir und He[rrn] Vettern Adam Scharff(en) letz[t]lich ein[z]ig und allein über den Hals wachsen. [wir] gerieten deswegen mit dem Pfaffen in einen langwierigen Streit [und] verklagten ihn [deshalb] oft bei dem Kommandanten, oft bei einem edlen, hochweisen Rat zu Eger. Dieselben sagten, wir sollten nichts einbüßen. Es wäre ein[e] Sach[e], welche [den] ganz[en] gemeinen Markt betreffe. Der Kommandant aber wollte den Pfaffen schützen und nichts geben lassen. Dahero es hängen(d) verblieben bis dieser Kommandant, He[rr] Ober[st] Steinheimb aus Eger zog. Alsdann haben wir etliche Tagessatzung[en][93] von einem edlen, hochweisen Rat erhalten, welchen beizuwohnen der Pfaff beschrieben wurde und als er erschienen, auch von einem edlen, hochweisen Rat verstanden, daß, [falls] er seinem priesterlichen Versprechen nicht nachkommen und uns wieder zahlen wollte, müßten sie solches an den Bischof nach Regensburg gelangen lassen. Hat er allhier von einem ehrbaren Rat begehret, daß sie ihm zu seiner Kaution 20 Taler verehren sollten, so wollte er das übrige bezahlen; welches ihm dann bewilligt worden. Worauf er sich erbeten, hinfüro der herrn und des ganzen Markts guter Freund zu sein und [zu] bleiben. Es sollte alles, was hinfüro vor[ge]gangen [war], tot und ab sein. Doch sollten wir  auch alle Versäumnisse, Reisen und Unkosten fallen und schwinden lassen; welches wir allerseits gern getan und [haben] Gott gedankt, deß wir des losen Handels entledigt wurden. Aber mehr einen Pfaffen auszulösen sollte einem eine Warnung sein, wann es gleich nur umb 7 [Pfennig] wäre. Dieses ist hernach verglichen [worden] den 20. Marti[i] an[no] 1636 etc.

Als ich nun neben andern Herrn nach Eger geschickt wurde, dem Kommandanten diesen Einfall zu berichten und [über] den großen Schaden, der abermals vor[ge]gangen [war], zu referieren, auch [darüber], wie sie uns ganz abzubrennen bedroht hatten [und] wessen wir uns zu verhalten [wußten, da] sagte der He[rr] Kommandant mit kurzen Worten: Er wollte, daß sie uns noch da(r)zu alle totgeschlagen hätten. Warum(b) wir sie eingelassen, auch warum(b) wir wir uns nit gewehret ? Wir sagten ihm mit Zittern, daß sie bei Nacht die Mauern in aller Still[e] erstiegen und durch die Gärten und nit durch die rechte Tür[e] ein[ge]gangen wären. Endlich sagte er: Das Geld, das wir ihnen für den Pfaffen und das Vieh gaben, das müßten sie uns wieder geben bei Heller und Pfennig oder er wollte keine Kuh ins Markgraf[en]tum lassen. Zünden sie euch an, so will ich hingegen das ganze Markgraf[entum], daß es ihnen nit lieb, sondern auch allen Vorschub getan, Geld hergeliehen, damit wir wiederum(b) zu unserm Vieh gelanget, sondern die Stadt Wunsiedel. Aber es blieb alles wohl, wir sahen keinen Pfennig wieder. So blieben die Schweden auch aus(en).

In [= bei] diesem Einfall haben sich die Kaiser[ischen] Soldaten, welche hier auf Salva Guardi[a] gelegen, in die Fässer versteckt, sind auch vor den Schwedischen erhalten und nit ertappet worden“.[94]

Im August 1634 berichtete Steinheim Melchior von Hatzfeldt[95] von der Eroberung Joachimsthals[96] durch schwedische Truppen und von dessen Rückeroberung, der Besetzung von Weismain[97] durch kaiserliche Truppen des Hauptmanns Brückner aus Kronach, über Kontributionen in Staffelstein[98] und Lichtenfels,[99] die Einquartierung im Bistum Bamberg, den Vormarsch auf Zwickau[100] und Leitmeritz,[101] die Eroberung von Donauwörth[102] durch kaiserliche Truppen, das Auftauchen des in schwedischen Diensten stehenden Johann Philipp Cratz von Scharfenstein[103] bei Schweinfurt,[104] Eltmann[105] und Bamberg.[106]

Bei dem Hofer Chronisten Rüthner heißt es: „Den 12. [10.1634, BW] sontags schickte obrist Steinheim von Eger hierher, begehrte von[107] den kayßerlichen march 30000 pfund brod, deswegen magister Wolf und Hanns Lang nach Eger mit schreiben abgefertiget worden, um remonstration zu thun, daß weder getraidig im vorrath noch die mühlen angerichtet. Jedoch musten 2000 pfund brod und 60 eimer[108] bier verschaft werden“.[109]

Rüthner hält für den 12./22.11. bzw. 15./25.11.1634 fest: „Den 12. novembris kam auf befehl eines ehrbaren raths ein corporal[110] mit 10 musquetirern[111] wegen marchirenden kayßerlichen völckern von dem obristen Steinheim allhier an.

Bald darauf um 8 Uhr kam der quartiermeister,[112] begehrten auf 3 tage 600 thaler und 200 dragouner[113] quartier, und  praesentirten sich sobald 8 compagnien, hielten beym Gaßlißstein[114] und, ob man wohl die steinheimische salv guard vorschüzte und vermeinte, es würde etwan auf ein stück geld angesehen seyn, ruckten nichtsdestoweniger die 8 compagnien herein und wurden alle in die Alt- und Vorstadt einquartieret, die officierer aber herein in die stadt logirt, da man denn sobald den obristleuthnant Charle Darlen[115] unter bournevellischen[116] regiment, so das volck commandirte, und seinem vorgeben nach, wie er vom obrist Becker[117] beordert wäre, 800 thaler versprochen, derowegen man die steinheimische contribution auf 30 termin anlegte und selbige ganze nacht umforderte. Da dann so grose noth unter der burgerschaft, so von ihren einquartiereten officieren auch absonderlich rantioniret[118] wurden, entstunde, dass man endlich mit hülfe der soldaten das geld erpreßen müste, gestalt es auch noch selbigen abend zusammengebracht und ausgezahlet wurde. Und daher man in guter hofnung begriffen, es würde nunmehro der aufbruch den 17. decembris[119] erfolgen, aber es verzog sich bis Nachmittag, denn es wurde erst ein ehrbarer und die von adel zusammenberufen und inzwischen denen von adel, auch bürger- und bauerschaft, alle pferde ausgespannet und abgenommen. Nachmals nahmen sie aus dem rath herrn burgermeister Thomas Schneidern[120] und herrn Georg Hendel[121] mit, aus denen von Adel nahmen sie mit den alten rittmeister Rabensteinern von Dölau[122] und juncker Raben von Schönwaldt,[123] führeten sie gefänglich gebunden von dem Rathhause herab und zwungen sie, dass sie noch 2000 thaler versprechen müsten. Die beeden von adel zwar wie auch herr Georg Hendel wurden sobald nach beschehener verwilligung wieder losgegeben, herr burgermeister Thomas Schneider aber, von der stadt eignen marckmeister[124] und zweyen knechten gebunden, gefänglich mit hinweggeführet. Ehe sie aber noch aufbrachen, wurde das volck, so auserhalb der stadt logirte, alles in die stadt gelaßen und ihnen solche zu plündern[125] preisgegeben. Da dann ein solcher jammer entstanden, dass nicht gnugsam davon zu melden. Und weiln die tuchmacher viel tuch in die kirchen zu Sankt Michael geflehet, so durch die soldaten auskundschaft worden, als[o] ist diesmal auch nicht die kirche verschonet blieben, sondern alles darin gefunden guth spolirt, unter allen stühlen gesucht und solche sachen von geld, geschmeide und geldeswerth darunter gefunden und weggeraubt worden, daß man es nimmermehr vermeinet. Es seindt auch in dieser plünderung die leuthe dermaßen verwundet und zerschlagen, auch solche unzucht[126] mit jungfrauen und weibsbildern vorbracht worden, als den gantzen krieg aus nicht geschehen,[127] und wehrete diese spolirung[128] von 12 uhr mittags bis 3 uhr, da man endlich durch das adeliche frauenzimmer und sonderlich Wolf Christoph von Reizenstein zu Regnitzlosau[129] tochter bey gemeldeten obristleuthnant mit fußfallen, küßen und andern liebkosen erbeten worden, da er wieder zu pferd blasen laßen und also mit obgedachten gefangenen gegen Helmbrechts[130] zu fort marchirte. Da dann nach ihren wegreißen ein geschrey, ob feuer vorhanden, entstunde und wieder neu schrecken verursachte, so aber gleichwol nicht gewesen. Die steinheimische salva guardia auch, so in wehrender plünderung des lebens fast nicht sicher, zog ebenfals, und zwar selbige nacht noch, fort“.[131]

„Den 30. nov[embris] zum ersten Advent kam um mittag der capitainleuthnant[132] von burnevellischen regiment wieder mit etlichen 30 pferden, brachte den gefangenen herrn burgermeister Thomas Schneidern mit und wollte die 2000 thaler nebst einer recompens[133] vor die convoy haben. Weilen aber zur rantion[134] einiger pfennig noch nicht colligiret,[135] logirte derselbe zwar in die Altenstadt und kam von leuthen nichts sonderliches in die stadt, und wolte besagter capitainleuthnant die 2000 thaler kurzum vor voll haben, dann obgleich die von adel den halben theil dazu spendiren solten, so waren doch dieselben allbereit meist ausgerißen, hat auch von ihnen niemand wieder ertappen mögen, wie schärfer auch immer nachgefraget. Endlich haben auch wieder[136] die fürstlichen herren beamten noch die des raths um des besorglichen mitwegführens willen sich nimmer sehen laßen dürfen, daß also die gemeine burgerschaft ganz verlaßen. Bald darauf von obgedachten capitainleuthnant wurde abermahl ein neues praetendiret,[137] indem er fürgab, es wäre ihm ein pferd aus dem stalle entritten worden, so er kurzum bezahlet haben wollen, so abermahls mehr furcht und schrecken caesirte, und obwohl damahliger capitain des fürstlichen ausschus,[138] Hans Caspar Fleßer,[139] sonst Tettelbach genandt, mit demselben zu tractiren unternommen, hat doch endlich niemand mehr zu ihm sich hinausgetrauet, weil sie herrn Nicol Gröschel,[140] des raths und cammergegenschreibers,[141] sohn, so der vater um 20 thaler rantioniren müßen, und imgleichen Wolf Oßwaldt Prückners[142] seelig ältesten sohn und andere bürger gefänglich anhielten, biß daß endlich in der nacht durch herrn Christoph Salomon Wunscholdt[143] und andere bürger eine collectur von 100 thaler zusammenbracht worden, welche 100 thaler man ihme vermeinte vor die convoy, und daß er mit leyden haben solle, zu spendiren. Er hat aber solche für seine person,[144] so ihm weggeritten worden seyn sollen, innebehalten.

Allein sie[h], als man beßerung hofte, nahm er auch izt gemeldeten herrn Wunschold gefänglich an und drohete heftig. In dieser äussersten noth wuste eine arme burgerschaft einigen noth, trost oder hülfe nicht. Als weil sie den herrn obrist Steinheim nach Eger contribuiren müsten, liesen sie das denselben durch herrn magister Johann Georg Wolfen und herrn Georg Hendeln klagen und hülf bitten. Als nun niemand mehr bey der stadt vorhanden, deßgleichen nichts anzugreifen oder zu finden, ist er den 2. decembris frühe um 3 uhr mit beeden gefangenen herren auf und davon marchiret und hat seinen march gegen Münchberg und Bayreuth gerichtet und durch beede gefangenen ein schreiben zuruckthun laßen, wo in kurzer zeit nicht 1000 thaler rantion und 1000 thaler convoygeld nachgeschickt wurden, solten von weiten aus solche mit 2000 pferde abgehohlet werden. Inzwischen kam herr magister Wolf, so nebst herrn Hendeln nach Eger zu herrn obristleuthnand Steinheimb verschickt gewesen, gar früh nach 5 uhr mit einem leuthnant und corporal samt 40 musquetirern an, hatten ordinanz vom general mit sich, dass man die gefangenen ohne entgeld ledig laßen solte. Weil sie aber zu spat ankommen, wurde solche ordinanz sobald bey einen eigenen bothen nachgeschickt, und zogen also diese den 3. dec[embris] um mittags mit den musquetirern wieder nach Eger und Hochberg, daher sie cammandiret gewesen, wiederum fort. […] Den 9. decembris kam magister Wolf von Eger und Hohberg, welcher die ordin[äre] contribution gemeiniglich bey der grösten gefahr dahin zu tragen pflegte, wieder einmal anheim, brachte mit, daß man vorhin wöchentlich 120 thaler dem alten capitain[145] Praßler[146] nach Hochberg, deßen zuvor oben gedacht, contribuiren solle, weiln obristleuthnant Steinheimb ihme die contribution übergeben. Und obschon die höchste unmöglichkeit und noth vorgeschüzet wurde, wolte doch solches alles nicht fruchten, und musten die Rheauer[147] den 11. decembris nach Hochberg etliche 20 mann schicken, so für die contribution ihres orthes spendiren musten. Auch lies gemeldeter capitain donnerstags den 11. dieß hieher entbieten, da man freytags ihm das geld nicht würde zuschicken, wollte er durch seine musquetirer was noch vorhanden und sogar alles bis auf das bettgewandig abhohlen laßen, dahero abermals eine abordnung gegen oft mehr gedachten Eger und Hohenberg geschahe“.[148]

Rüthner schreibt weiter: „Den 14. januarii [1635; BW] ruckte obrist raickowitz[149] mit 600 croaten vor Wunsiedel. Und wiewohl man ihm anfangs nicht wolte einlassen, hat er selbige überpochet,[150] daß man ihn einlaßen müßen. Hat daselbst 9 wochen lang quartieret und über die verpflegung wöchentlich 100 thaler erpresst, ohne was er ihn[en] sonst absonderlich gemacht. […] Den 15. janarii kam ein croatischer rittmeister von obristen Raickowitz um den abend an, wolte mit groser bedrohung die wöchentliche contribution vor seinen obristen haben, derowegen sobald in der nacht Johann Christoph Reuter, organist, nach Eger zu herrn oberistleuthnant Steinheim verschickt wurde. Da dann sobalden noch 10 musquetierer von Hochberg[151] herüber commandiret worden mit vertröstung, dass die croaten ferner nichts tentiren oder anfordern würden. Die kamen den 16. zu nachts um 11 uhr wieder anher. Den morgen darauf reiseten die croaten wieder fort, nachdem sie zuvor [in] Unterkozau[152] ochsen und vieh, wie auch anderer orten, mitgenommen und in der Altenstadt, da sie logiret, alles ausgesucht. Und weil von ihnen so unnachläßig nach rathspersonen gefragt und selbige begehret worden, hat sich auch kein ehrbarer burger vor ihnen sehen lassen dürfen“.[153]

„Auch wurde diesen tag [2.2.1635; BW] durch den fourier[154] von Hohberg völlige abrechnung wegen der contribution gehalten, denn die abgeordneten jüngst am 31. januar von herrn haubtman Prößlern sehr übel tractiret und gehalten worden. […] Den 5. huius bekam der allhier liegende leuthnant ordre, daß man nicht allein die contribution stricte freytags allezeit liefern, sondern auch 2 herrn des raths mit nach Eger zu obristleuthnant Steinheimb verschaffen solte wegen seiner 140 thaler ausenstehendes. Deswegen muste herr burgermeister Johann Wolf Härtel und herr Georg Hendel sobalden in arrest und wurden den 6. eiusdem nachmittags mit fort und nach Hohberg geführet. Als nun in so groser angst ferner sich die ganze stadt und weggeführte liebe leuthe zu retten keine mittel, so muste man endlich aus noth das kupfer, so von rathhausbrandt und [des]selben rinnen und dächern noch übrig, auch herhalte[n], wurde demnach zusammengeschlagen, gewogen und auf 23 centner schwer sonnabendts den 7. februarii nach Leipzig[155] geführet“.[156]

Den 25.2.1635 war Nicola Rajkovič mit seinem Kroatenregiment, dabei war auch Mille Draghi,[157] nach Wunsiedel gekommen. Georg Leopold erinnert sich: „[Er hat] hinein begehrt und doselbsten Quartier machen wollen. Die Wunsiedler schlagens ihm ab, wie denn auch die darin liegende Salva Guardi[a] vom Herrn Kommandanten in Eger [Steinheim] ohne Order ihres Obersten ihn nit [hat] einlassen wollen.

Der Oberst(e) aber legte seine Order vor, die er hatte von Marchese de Grana [Caretto],[158] daß er sein Quartier in Wunsiedel nehmen sollte. Wollten sie in (der) Güte nit einlassen, so wollte er mit Gewalt hinein. Als die Wunsiedler seine Ordonnanz sahen, baten [sie] ihn, er möge sich gedulden bis morgen; sie wollten solches vorher(o) He[rrn] Obersten Steinheimb nach Eger berichten, den sie wären in seiner Kontribution und (sie) dürften ohne seinen Befehl niemanden einlassen. Der Ober(e) ließ sich bereden und verblieb über Nacht herauß[en] in dem Torhäuslein, (und) seine Kroaten [blieben] in den Mühlen und Städeln. Am anderen Tag kommt der Bericht von Eger zurück, mit Befehl, sie einzulassen. Darauf ward Quartier gemachet. Aber der Oberst(e) wollte nit hinein in die Stadt, [es sei] denn sie gäben ihm vorher[o] – dieweil sie ihm gestern nit ein[ge]lassen sondern in das Torhäuslein getan – [zur] Strafe 800 Reichstaler; darein sie willigen mußten. Hernach ist er mit seinem ganzen Regiment hinein und 9 Wochen darin(nen) gelegen. Sie hatten an [in] ihm einen ziemlich bösen Gast und wir einen bösen Nachbarn. Denn es [hat] ihn nicht wenig verdrossen, daß wir von ihm keine Salva Guardi[a] begehrten und ihm nichts kontribuierten. Obwohl er uns bedrohte, hat er doch nichts Feindseliges vorgenommen.

Den 6. Febr[uar] hat ein edler, hochweiser Rat der Stadt Eger hie[r]her(o) berichtet, (wie) daß etliche Regimenter Ungarn[159]  Abbildung als Böheim(b) auf sie in (den) Anzug [seien] und fürters in das Reich marschieren wollten. Weil es (dann) ein böses und loses Volk, das sich auch von niemand kommandieren, vielweniger durch Kommiss[are][160] führen ließen, als(o) wäre ihr Rat: Wir sollten uns beizeiten mit Weib und Kindern, Vieh und [den] besten Sachen [und dem], was wir [sonst] noch hätten in Sicherheit begeben, denn [= weil] sie aller Orten sehr übel hauseten und sie uns vor solcher Gewalt nit schützen könnten. Welcher [hat] denn abermals großen Schrecken verursachte. Auch wir uns alsbald(en) zur Flucht[161] rüsteten und begaben uns meistenteils nach Eger, teils nach Kemnath und Tirschenreuth;[162] die wenigsten nach Wunsiedel, weil die Stadt ohnedies voller Kroaten [war]. Wir] flohen also bei Nacht mit Sack und Pack,[163] Weib und Kind in höchst[er] grimmiger Kält[e] alle davon. Und [so] blieb der Markt ganz öde. Die Ungarn zogen am 9. dito zu Eger vorüber und lagerten sich um(b) Konnersreuth.[164] Daselbst(en) brannten sie 2 Häuser und 3 Städel ab. Hernach sind sie aufgebrochen und gar still und fromm durch Arzberg[165] auf Weis[sen]stadt[166] zu gezogen und haben uns diesmal nit betreten;[167] deswegen wir am 12. dito wieder nach Haus[e] gezogen [sind]. Diese Völker haben aus Unvorsichtigkeit zu Weis[sen]stadt auch etliche Häuser abgebrannt.

Den 13. dito sind 200 Kroaten hie[r]her(o) [ge]kommen. Obwohl man sie bat, sie sollten des anderen Tags aufbrechen und weitermarschieren, wurde doch nur vergeblich bei ihnen angehalten. Als sie nun den dritten Tag zum Aufbruch gerüstet [hatten] und weiter rauben wollten, kamen unversehens 2 Komp[agnien] Polacken[168] – treffliche, lose Bursch[en] – von Eger heraus, vor das Tor und begehrten auch herein. Da mußten wir die Kroaten nit allein fleißig bitten, daß sie auch den dritten Tag bei uns bleiben wollten, sondern (wir) mußten ihnen noch Geld da(r)zu geben, damit wir nur von den Polacken befreit blieben.

Den 17. Mart[ii] sind die Kroaten zu Wunsiedel auf[ge]brochen und in das Reich hinaus marschiert.

Den 18. dieses ist Herr Ober[st] Draco[169] mit etlich[en] Pferden hierher[o] gekommen und des andern Tags gegen Kemnath gerückt“.[170]

Rüthner hält fest: „Den 9. maii verreiseten herr rittmeister Rabensteiner,[171] herr stadtvoigt Johann Christoph Hendel als verordnete fürstliche commissarii und herr Georg Schiller,[172] des raths, auch Conrad Dürenhöfer,[173] nach Eger zu herrn obristen Steinheimb wegen der abrechnung, kamen aber den 13. huius mit schlechter verrichtung wieder, weil nehmlich die hauptmannschaft Hof und 6 aemter Wunsiedel noch 2066 thaler seithero dem januarii nachschuß geben sollten“.[174]

Am 18.4.1635 bezeichnete Gordon Steinheim als seinen Korrespondenten in Eger.[175]

Auch im Juni 1635 hatte Leopold über Steinheims Verhalten zu klagen: „Den 9. Juni ist Graf Colloredo[176] mit einer kai[serischen] Armee von 16 Regimentern zu Roß und [zu] Fuß zu Eger an[ge]kommen. Wir holten uns vorher(o) – ehe er dann zu Eger an[ge]kommen – bei dem Herrn Kommandanten Rat, wessen wir uns zu verhalten und wie wir es bei diesem Marsch angreifen sollten. Der sagte, wir hätten uns nit zu fürchten. Wir sollten nur zu Haus[e] verbleiben; auf welches wir dann gebauet und zu Hause sämtlich verblieben sind“.[177] Natürlich folgte eine ausführliche Beschreibung der Ausschreitungen der Soldaten Colloredos.

Ende Juli 1635 soll Steinheim aus Eger abmarschiert sein.[178] In diesem Juli korrespondierte er mit Hatzfeldt wegen der Verpflegung aus dem Schloss Coburg.[179] Im August lagen die Quartiere in Forchheim,[180] Pottenstein,[181] Veldenstein,[182] Kronach, Haus Hellberg,[183] Coburg, Ochsenfurt,[184] Schweinfurt, Karlstadt,[185] Gemünden,[186] Wertheim,[187] Würzburg[188] und Bad Kissingen.[189] Zum Teil musste sein Regiment wieder aufgefüllt werden.[190] Im Tagebuch des Schulmeisters Gerlach von Albertshausen[191] bei Würzburg heißt es für 1635: „25. Oktober suplieren[192] die wolfskeel’schen, zobel’schen und geier’schen Ortschaften, beim Fürstbischof[193]  um Nachlaß der Contribution von 3948 fl. die Obristleutenant v. Steinhain an Geld, Korn, Haber und Stroh auferlegt, vom 31. Aug. bis 25. Oktober zu liefern. Abermals 14. Nov. suplieret, nichts geholfen. […] 14. – 24. Nov. Dragoner[194] in den wolfskeel’schen Ortschaften. Die Contribution beträgt 709 Gulden. Dem Obristleutenant von Steinhain infolge Befehl des Fürstbischofes jede Woche 15 fl., dann Korn, Stroh und Heu“.[195]

„Die seit dem 10. Oktober 1631 in schwedischer Hand befindliche Grenzfestung Königshofen[196] hatte bisher allen Eroberungsversuchen getrotzt. Bereits während der Belagerung Schweinfurts hatte Feldmarschall Piccolomini den Obersten Miklós Forgách[197] dorthin geschickt. Dieser patrouillierte ab 11. Oktober 1634 mit seinem Regiment Ungarn zwischen Königshofen und Römhild[198] um die Pässe und Zugänge zur Festung zu überwachen und zog sich ab 13.10. zur Entfaltung einer Art Blockadetätigkeit näher an die Stadt (DBBTI V/1020, 1024).

Nach einem Brief Piccolominis an Gallas vom 16. Oktober vermuteten die Kaiserlichen in Königshofen eine Besatzung von mittlerweile an die 3000 Mann (ebd. 1029). Dies war völlig unrealistisch. Nach der Verlegung der ursprünglichen Besatzung von 4 Kompanien finnischen[199] Musketieren unter dem Obersten Caspar Ermes[200] Anfang Juli 1644 nach Augsburg[201] hatte eine Abteilung vom Västergötländischen Regiment Carl Hårds[202] unter Oberstleutnant Erich Andreas Oxe[203] die Garnison[204] Königshofen übernommen. Dazu kamen Ende September und Ende Oktober 1634 noch einige Kompanien der abziehenden Garnisonen von Rothenburg o. d. Tauber[205] und Windsheim[206] aus dem Brinken’schen[207] Regiment. Deren Oberst Wilhelm von den Brinken war im Sommer anläßlich der Belagerung Regensburgs[208] durch die Kaiserlichen verwundet worden und hatte sich kurz nach der Übergabe der Stadt am 29.7.1634 nach Königshofen begeben, wo er gegenüber dem Oberstleutnant Oxe die Rolle eines Kommandanten beanspruchte. Chemnitz berichtet anläßlich der Übergabe Rothenburgs am 18.9.1634, daß den beiden in Rothenburg liegenden Brinken’schen Kompanien unter dem Major Polli (Pollius)[209] freier Abzug zu ihrem Obristen nach Königshofen gewährt wurde. Dieser wurde jedoch nicht eingehalten, indem die Knechte untergesteckt[210] wurden und nur die Offiziere abziehen durften. Der Windsheimer Besatzung, 2 Kompanien unter dem Brinken’schen Oberstleutnant Balthasar Goll,[211] war allerdings der Abzug gestattet worden, welche sich daraufhin ebenfalls nach Königshofen begaben. (Bd. II, S. 548, 582).

Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Spannungen zwischen Brinken und Oxe, denn Piccolomini bemerkt in dem oben erwähnten Brief, daß sich der in Königshofen liegende Oberstleutnant mit dem ‚dorthin entsandten Herrn Brinck‘ nicht vertrage, seiner Meinung nach wäre es nicht schwer, sich der Stadt zu bemächtigen (Theatr. III, S. 403). Brinken scheint sich aber in diesem Machtkampf durchgesetzt zu haben, denn ab September 1634 wird er als Kommandant von Königshofen erwähnt.

Nachdem die Blockade durch Forgách wenig Effekt gezeigt hatte, begann gegen Ende des Jahres 1634 der kaiserliche Generalwachtmeister Frh. Johann v. Beck,[212] der von Rudolf Colloredo[213] mit einigen Regimentern zu Roß und Fuß von Böhmen ins Reich kommandiert worden war, auf Befehl Melchior von Hatzfelds mit den Vorbereitungen der Belagerung von Königshofen. Er ließ die Stadt zur Übergabe auffordern und, nachdem dieses Ansinnen abgelehnt worden war, in der Nacht des 25. Dezember/4. Januar 1635 mit Artilleriefeuer belegen. Mit Granaten[214] und Brandkugeln[215] versuchte man die Besatzung einzuschüchtern, bzw., wie dies mit Schorndorf[216] gelungen war, die Stadt in Brand zu setzen. Becks Truppen waren indes zu schwach, auch war man nicht mit ausreichender Artillerie versehen, so daß auch dieser Versuch scheiterte und man unverrichteter Dinge wieder abziehen mußte. (Chemnitz II, S. 581).

Über die Wintermonate konnte nun nicht viel ausgerichtet werden. Als jedoch am 28. März 1635 die Veste Coburg gefallen und dadurch Mannschaften und Gerät freigeworden waren, gedachte Piccolomini die Dinge vor Königshofen wieder voranzutreiben. Es wurde daraufhin ein Großteil der in Coburg erbeuteten Artillerie und Munition nach Königshofen geschafft, wozu die Grafschaft Schwarzenberg[217] (Steigerwald) die Pferde für den Vorspann zur Verfügung stellen mußte (Theatr. III, S. 451). Allein Gallas riet vorerst noch von einer zu schnellen Eroberung ab (DBBTI V/1202). Die Gründe von Gallas‘ zögernder Haltung waren vielen Generalen unverständlich und nur dadurch erklärbar, daß er seinen Erfolg von Nördlingen[218] nicht durch riskante Unternehmungen gefährden wollte. Der Generalfeldzeugmeister[219] Melchior von Hatzfeldt, nach dessen Meinung Gallas die Truppen untätig  und ‚zu ihrem äußersten Ruin aufeinander liegen‘, ließ, war darüber äußerst ungehalten und deshalb froh, als mit der Ankunft König Ferdinands III. am 4. Juni in Dinkelsbühl[220] Bewegung in die Dinge kam.

– – Rüthner berichtet: „Den 5. huius [5.2.1635] bekam der allhier liegende leuthnant ordre, daß man nicht allein die contribution stricte freytags allezeit liefern, sondern auch 2 herrn des raths mit nach Eger zu obristleuthnant Steinheimb verschaffen solte wegen seiner 140 thaler ausenstehendes. Deswegen muste herr burgermeister Johann Wolf Härtel und herr Georg Hendel sobalden in arrest und wurden den 6. eiusdem nachmittags mit fort und nach Hohberg geführet. Als nun in so groser angst ferner sich die ganze stadt und weggeführte liebe leuthe zu retten keine mittel, so muste man endlich aus noth das kupfer, so von rathhausbrandt und [des]selben rinnen und dächern noch übrig, auch herhalte[n], wurde demnach zusammengeschlagen, gewogen und auf 23 centner schwer sonnabendts den 7. februarii nach Leipzig[221] geführet“.[222] – –

Piccolomini erhielt am 12. Juni den Befehl, seine Regimenter in Franken zusammenzuziehen und Hatzfeld bekam den Auftrag, sich um die Garnisonen der befestigten Plätze zu kümmern. Mit seinen neugeworbenen Dragoner- und Fußregimentern besetzte er Schweinfurt und Coburg (am 13. Juli durch die Kompanie des Hauptmannes Otten[223]) und sein neues Regiment zu Roß unter dem Oberstleutnant Johann Adam von Thüngen[224] entsandte er zur Verstärkung der Blockade nach Königshofen (Krebs/Hatzfeld, S. 89). Das zögerliche Vorgehen vor dieser Festung und der Abzug Piccolominis gegen den Rhein in Richtung Speyer[225] ermutigten den nach wie vor gut schwedischen Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel[226] zu einer Gegenaktion. Er entschloß sich, die Festung, in die sich eine große Anzahl Beamter der ehemals fränkischen Regierung und viele Vertreter des fränkischen Landadels geflüchtet[e] hatten, zu entsetzen und die Blockaderegimenter „aufzuschlagen‘. Den Auftrag dazu erhielt der Generalmajor[227] Claus Dietrich von Sperreuter,[228] der am 9. August gerade frisch in die Dienste des hessischen Landgrafen getreten war. Sperreuter begab sich mit 33 Cornet[229] Reitern und 2 Kompanien Dragonern vor die Festung und es gelang ihm am 7. September 1635 die Belagerungs- und Blockadetruppen zu überwältigen und zu zerstreuen. Drei Geschütze samt Munition und die gesamte ‚pagage'[230] wurden erobert und eine große Menge an Vorräten und Getreide erbeutet. Diese wurden zur Verproviantierung in die Festung geschafft und somit auf absehbare Zeit wieder eine einigermaßen erträgliche Versorgungssituation geschaffen. (Chemnitz II, S. 811).

Dieser erneute Rückschlag und das zögerliche Herangehen der kaiserlichen Truppen rief nun den Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld, der seine Grenzfestung wieder haben wollte, auf den Plan. Der Bischof intervenierte bei seinem Bruder Melchior, worauf sich der Feldmarschall entschloß, die Sache nun konsequent und endgültig zu Ende zu bringen. Zu diesem Zweck schickte er seinen Oberstleutnant vom Neu-Hatzfeldischen Fußregiment, Veit Dietrich von Steinheim, mit 2000 Mann zu Fuß, vierhundert Dragonern und ausreichend Artillerie vor die Stadt und Festung. Steinheim langte am 23. November vor Königshofen an und begann von fünf verschiedenen Stellen Laufgräben gegen die Stadt zu führen. Gleichzeitig wurden drei Artillerieschanzen errichtet und die Stadt derart heftig beschossen, daß sich die Belagerer in kurzer Zeit eines Teils der Außenwerke bemächtigten und das Wasser aus dem Wallgraben ableiteten.

Der ehemalige Kommandant Wilhelm von den Brinken hatte sich kurz zuvor mit seinen verbleibenden Kompanien abgesetzt, sodaß die Verteidigung der Festung allein dem Oberstleutnant Erich Andreas Oxe (Ochse) mit dem ihm verbliebenen Västgötischen Truppen oblag. Diese bestanden nur noch aus etwa 150 gesunden Soldaten und 30 Offizieren. Damit war es ihm unmöglich, die erforderlichen 10 Posten auf den Außenwerken zu besetzen, wozu an die 600 Mann erfordlich gewesen wären. Außerdem wurde die Nahrung knapp, auch die Salz- und Brennholzvorräte waren zu Ende gegangen. Durch die langen Entbehrungen war die Garnison schwierig geworden. Die Soldaten weigerten sich, die Schildwachen zu besetzen und es gab Ansätze von Meuterei.[231] An gezielte Verteidigungsaktionen oder Ausfälle war nicht zu denken. ‚Nachdemmahl nun die Soldaten durch continuirliches Fechten, Granatleschen, vnd schlechten tractaments, indem jeder alle zehen tage nur anderthalb Sturmhut[232]  recken [mit Roggen gefüllten Helm] bekommen, sehr gekrancket und gantz ausgemattet waren, auch endlich zu meutiniren[233] begunt [begannen] vnd sich ausdrücklich  vernehmen lassen: im Fall ein Sturm angienge, sie das Gewehr niederlegen, oder den Officirern selbst die Hälse brechen wollten. Als mußte der Obriste Lieutenant endlich den dritten Tag ChristMonats [3./13. Dezember] zum accord schreiten‘. (Chemnitz II, S. 914).

Die vom 11.12.1635 datierte Kapitulation[234] von Königshofen wurde im Namen des Bischofs Franz von Hatzfeld von Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim, hier auch bezeichnet als Kommandant aller Garnisonen in den Stiftern Würzburg und Bamberg, und dem Königshofer Kommandanten, dem Oberstleutnant „Ereich Andrea Oxe‘ unterzeichnet (Krebs/Hatzfeld, S. 218, Anm. 144). Der Abzug der schwedischen Garnison erfolgte am 13. Dezember ‚mit fliegenden Fähnlein, vnter- und obergewehr,[235] Kriegsbrauch nach, so wol pagage, Sack und Pack‘.[236] Den Schweden wurde zwar freies Geleit zugesichert, jedoch stellten sich nach Chemnitz viele Gemeine[237] wie auch Offiziere freiwillig bei den Kaiserlichen unter. Der Rest, etwa 70 Mann, wurde gewaltsam untergestoßen,[238] sodaß nur der Oberstleutnant mit einigen Offizieren bei seinen schwedischen Heimattruppen ankam. (Chemnitz II, S. 915)“.[239] Am 7.6.1635 hatte Steinheim Schloss Seeberg[240]  von Melchior Adam von Moser, [241] wie es scheint, mit Hilfe seiner „Kriegsgewinne“, erworben.[242] 1635 erwarb er auch Ottengrün[243] bei Haslau und Voitersreut,[244] das aber bereits 1638 von der Egerer Stadtgemeinde um 2.000 Rt. zurückgekauft wurde.[245]

„Am 6. December n. St. [1635; BW] schrieb Melchior von Hatzfeld vor Hagenau[246] an den Rath zu Schweinfurt, der Kaiserliche Generalfeldmarschalllieutenant,[247] Graf Johann von Götz,[248] sey an diese Stadt gewiesen, um dort für seinen Stab[249] Quartier[250] und Verpflegung[251] zu erhalten. Er, Hatzfeld, erwarte, man werde die Seinigen willig aufnehmen. Hatzfeld erließ auch am 7. Dezember an den Oberstlieutenant Veit Dietrich von Steinheim zu Würzburg den Befehl, seine (Hatzfelds) Compagnie sogleich nach Empfang dieses Schreibens von Wertheim,[252] wo sie noch liege, nach Schweinfurt zu schicken, wo sie Quartier erhalten solle. Steinheim wurde aber zugleich befehligt, dagegen des Generallieutenants Grafen Gallas Dragoner nach Wertheim rücken zu lassen. Hatzfelds Schreiben war wieder ‚vor Hagenau‘[253] datirt. Steinheim machte nun am 23. December aus Würzburg den Rath von Schweinfurt mit dem Befehl des Grafen von Hatzfeld bekannt, dem er wieder seinen Willen gehorchen müsse. Er habe zwar der schwächsten Compagnie Befehl ertheilt, dahin zu marschiren, jedoch aber dabei nicht unterlassen, alsbald wieder an Ihro Excellenz zu schreiben und wo möglich dahin zu wirken, daß nicht allein diese Compagnie, sondern auch noch mehr Volk abgeführt werden möchte. Bis zum eingetroffenen Entschluß bat nun Steinheim den Rath, sich zu gedulden und versichert zu seyn, daß es ihm leid thue, zur Ertheilung dieses Befehls gezwungen worden zu seyn, er aber auch gewiß nichts unterlassen werde, was er dem Rathe und der Stadt erweisen könne. Steinheim schickte nun sofort am 27. December den Befehl an Jacob Christoph von Rockenbach,[254] Hauptmann im Hatzfeld’schen Regiment zu Fuß, sich sogleich nach Empfang Dieses mit seiner ganzen Compagnie, Sack und Pack, Ober- und Untergewehr,[255] auch fliegenden Fähnlein von Wertheim zu erheben, seinen geraden Weg nach Schweinfurt zu nehmen und dort zu logiren. Dabei wurde aber Rockenbach angewiesen, zuvor beiliegendes Schreiben dem General Götz einzuhändigen, sich aber, seine Offiziere und Knechte in Schweinfurt bezahlen zu lassen.

Am 28. December n. St. schloß Johann Graf von Götz, Kais. Generalfeldmarschalllieutenant, Kö. Maj. Kämmerer[256] und Kriegsrath,[257] bestellter Oberst zu Roß und Fuß für sich, seine zwei Generaladjutanten[258] und andere Stabspersonen mit Bürgermeister und Rath von Schweinfurt, wohin er angewiesen, einen Vertrag über die während des Winters zu leistende Verpflegung. Weil Schweinfurt große Klagen und Beschwerden führte über die Lieferung von Lebensmitteln und Fourage,[259] welche die Stadt mit großen Mühen und Kosten von weit entfernten Orten herbeischaffen mußte, so kam General Götz mit dem Rathe von Schweinfurt in der Güte dahin überein, daß die Stadt sich verpflichtete während der Dauer der Kaiserlichen Winterquartiere,[260] für Alles, wie es Namen haben mochte, monatlich 4000 Thaler zu 18 Batzen unfehlbar zu bezahlen. Darunter waren aber die Wohungen, Holz, Licht und Liegerstatt[261] nicht begriffen. Da die Winterquartiere am 17. November begonnen, also bereits mehr als 1 Monat verflossen war, so erwartete Götz, daß die Stadt alsbald den Rückstand entrichte und in Zukunft jedes Mal nach Verlauf einer Woche die Gelder erlege, damit bei Zeiten ein Vorrath angeschafft werde und kein Mangel erscheinen möge, weil alle Lebensmittel in entfernten Orten um baar Geld erkauft und herbeigeschafft werden müßten. Dieser Vertrag wurde in zwei gleichlautenden Exemplaren ausgefertigt. Am 9. Januar n. St. 1636 schrieb Steinheim aus Würzburg an den Rath von Schweinfurt. Graf Hatzfeld habe ihm befohlen, den beiden aus Schweinfurt verlegten Compagnieen wieder Gegenbefehle zu ertheilen und sie in diese Stadt zu legen, wo sie so lange verpflegt und logirt werden sollen, bis Graf Hatzfeld wegen seiner Ansprüche zufriedengestellt sei. Steinheim empfiehlt nun dem Rathe die gebührende Verpflegung dieser Compagnieen bis zu dem eben genannten Termin. Sey Hatzfeld befriedigt, dann wolle er Alles zur Entfernung des Kriegsvolkes beitragen. Somstags den 9. – 19. Januar 1636 schilderte Schweinfurt abermals seinen kläglichen Zustand dem Rathe von Nürnberg und äußerte sich besonders über die harte Bedrückung der ihm auferlegten Verpflegung des General-Hofstabs des Generals Götz. Der Rath habe sich nun an den Feldmarschall Grafen Hatzfeld mit der Bitte gewendet, diese kostbare unerschwingliche Bewirthung von der Stadt abzuwenden, die ihr bereits über 5600 Thaler koste. Hatzfeld habe der Schweiner Deputation erwiedert, es sey nicht seine Meinung gewesen, dem Grafen Götz so große Summen zu bezahlen, sondern die auf Schweinfurt laufende Anweisung habe nur eine ‚Discretion‘[262] bezwecken sollen. Hatzfeld habe den Bescheid ertheilt, man solle dem Grafen Götz ferner nichts mehr zahlen. Dieser habe sich aber dabei nicht beruhigt, sondern erklärt, er werde um weitere Darreichung der bekannten Verpflegung entweder bei dem Kaiser[263] oder dem Könige von Ungarn[264] nachsuchen. Weil Schweinfurt sich geweigert, den abgedrungenen Receß[265] wieder auszuliefern, so habe Götz seinen Hofmeister[266] nebst etlichen Stabspersonen, Pferden und ziemlicher Bagage in Schweinfurt zurückgelassen. Die Stadt könne auch aus dringenden Gründen jene 600 fl. nicht geben, die Graf Hatzfeld für das ihm übertragene Generalcommando im Fränkischen Kreise[267] vom Juni 1635 an haben wolle, indem Schweinfurt mit den jüngst ausquartierten zwei Compagnieen wieder sey belastet worden. Die Eine liege zwar noch in Gochsheim,[268] müsse aber von Schweinfurt aus verpflegt werden, die Andere aber habe sich mit Gewalt wieder in dieser Stadt einquartiert. Steinheim habe auch Drohungen ausgesprochen, wenn man nicht die von Hatzfeld verlangten 2400 Reichsthaler zahle. Schweinfurt sey also gezwungen worden zu zahlen; die Hälfte sey bereits erlegt, der Rest solle und müsse binnen 2 Tagen geliefert werden, wolle man der Drohung entgehen. Schweinfurt bat Nürnberg um guten Rath. Von einem Darlehn war keine Rede. Der Rath dieser Stadt verwies Bürgermeister und Rath von Schweinfurt an den ausgeschriebenen Kreistag, wo sie ihre Beschwerden gebührend vortragen und um Abstellung bitten sollten“.[269] Als Götz am 4.1.1636 Schweinfurt wieder verliess, hatte er 8.400 fl. erhalten.

Vom 18.1. bis zum 18.3.1636 war Steinheims Stab[270] im unterfränkischen Kitzingen[271] einquartiert. Er bezog einen Verpflegungszuschuss von der Stadt.[272] Den Befehl über das Regiment übernahm ab Februar 1636 an Stelle des vorübergehend nach Prag abkommandierten Steinheim Obristleutnant Zacharias Fingerling.[273]

Im März 1636 wurde das Regiment Neu-Hatzfeldt, welches bis dahin hauptsächlich in Eger und Coburg in Garnison gelegen hatte, wieder ins Feld gestellt. Hauptmann Bruckher[274] wurde daher von Kronach abkommandiert. Die Soldaten des Regiments waren zu diesem Zeitpunkt schlecht ausgebildet und schlecht armiert, weshalb sie ‚allezeit über den dritten Tag auf das Exerzieren geführt und unterwiesen‘ wurden. Außerdem wurden den Pikenieren[275] aus den Zeughäusern Bamberg und Würzburg als Schutzbewaffnung 200 alte Turnierharnische zur Verfügung gestellt, von denen Steinheim aber nur 70-80 gebrauchen konnte.[276]

Steinheim fiel ab dem 24.7.1636 durch seine Erpressungen in Schweinfurt auf.[277] „Der Hatzfeldische Oberste, Veit Dieterich von Steinheim, kam am 24 Jul. hier an und forderte eine große Summe Geldes von der Stadt. Als aber der Rath seiner unbegründeten Forderung kein Gehör geben wollte und konnte, und die Unmöglichkeit vorschüzte, so nahm er alle die Rathsherren, welche damals nach dem Abendessen auf dem Rathhause waren, in Arrest, ließ alle Thüren verschliessen und 12 Musketirer mußten sie bewachen, auch befahl er der Wache, daß sie es nicht zugeben sollte, wenn man ihnen Nahrungsmittel zustecken wollte. Die Soldaten vollzogen diesen Befehl gerne; denn wann Jemand Essen und Trinken brachte, nahm es die Wache zu sich und verzehrte es. Endlich wurde durch großes Bitten erhalten, daß Jeder auf seine Kosten sich Speise und Trank holen lassen durfte. Dadurch wurden die guten Herren lustig, trugen ihre Häfelein zusammen, collationirten[278] mit einander unter einem freundlichen Trostgespräche, und nahmen selbige Nacht mit den harten Bänken vorlieb. Der geldbegierige und hungrige Steinheim logirte sich bey dem Burgermeister Glock mit seinen Helfershelfern ein, fraß und soff nach Belieben, und drohte dabey bey Verlierung des Leibes und der Seele, wenn man ihm das verlangte Geld nicht gäbe, so wollte ers mit Gewalt möglich machen, dem Burgermeister Glock, als zeitigem Amtsburgermeister, auch noch andern des Raths, wolle er das Herz aus dem Leibe reißen, solches den Hunden zu fressen geben und seine Hände in ihrem Blute waschen.

Bey dieser drohenden Gefahr nahm der Rath seine Zuflucht zu dem Gallasischen Generalauditeur[279] Graß,[280] der eine hiesige Bürgerstochter, eine gebohrne Rüfferin, zur Frau hatte, und bat ihn dringend, er möchte doch bey solchem unverschuldeten Unheile sich ins Mittel schlagen und dem Rathe Hülfe verschaffen. Dieser ermahnte hierauf den Steinheim: Er sollte seine unbefugte Gewalt einschränken und von seinem unverantwortlichen Vorhaben ablassen; wo nicht, so müßte er solches Pflichthalber Sr. Kaiserl. Majestät berichten, welche ohne Zweifel ein ungnädiges Belieben darob nehmen würden, mithin er sich hierdurch eine schwere Verantwortung auf den Hals ziehen würde. Dadurch wurde er so zahm gemacht, daß er den Arrest sogleich aufgehoben, die gefangenen Rathsherren losgelassen und mit Spott und leerem Beutel die Stadt verlassen hatte. Obgedachter Burgermeister Glock hatte indessen hierbey über 70 fl. Schaden gehabt“.[281] Am 1.11.1636 hielt Christian II. von Anhalt-Bernburg[281a] in seinem Tagebuch fest: [Bl. 224r] „Zu Königshoven, (alda ich frey quartier gehabtt) gefrühstücktt, vndt den leüttenampt, vndt kellner <auch> mitt mir eßen laßen. Die Festung ist ein viereck, mitt gefüttertem[281b] graben, vndt gutem wall, wol versehen, die Schweden haben auch, als Sie es innegehabtt, einen halben Mon[281c] darvor gemachtt. [Bl. 224v] An itzo liegen 300 Mann, hatzfeldisch volck, darinnen in garnison, vndter dem Obersten Steinhammer“.[281d]

Am 7./17.12.1636 kam Steinheims Leibkompanie[282] von Königshofen nach Schweinfurt.[283] Unter dem 27.1.1637 notierte Christian II. von Anhallt-Bernburg: [Bl. 350v] „Jtzt gleich communiciren mir die Bellniz,[283a] was dem Obersten Steinheimb communicirt wirdt, nemlich daß hatzfeldt mitt 18 mille zu roß, vndt 20 mille zu fuß außerlesen volck, zu Eißleben[283b] ankommen, vndt freẅdig auf Bannern zu, gehen, benebenst einer ansehlichen Artollerey. Der feindt hette Torgaw,[283c] vndt Leiptzigk verlaßen, marchire auf Erfurdt[283d] vndt Nawmburg[283e]  des langen außenbleibens, dieses Kayserlichen secourßes wirdt dem bösen wetter die schuldt gegeben. Der Graf von hatzfeldt, schreibt es selber, an Obersten Steinheimb“.[283f]

Im Dezember 1638 weilte Steinheim wieder in Eger.[284]

Aus Schweinfurt wird 1639 berichtet: „Der Oberste Steinheim […] verlangte auch Commandanten Besoldung, weil seine Compagnie hier gelegen war, doch sezte er hinzu: Da er jetzt der Stadt Schweinfurt Nachbar wäre, (der Bischof zu Würzburg hatte ihm Rimpach[285] geschenkt) wollte er sich mit derselben in der Güte vergleichen, für seine ganze Forderung 40 Fuder[286] Wein zu nehmen, und zwar jährlich 10 Fuder.[287] Aber die Stadt verstand sich zu nichts, weil ihm diese Forderung schon vormals von dem Kaiser und den Generalen abgeschlagen worden, indem er selbst nie hier im Quartier lag“.[288]

Steinheim wurde am 18.9.1640 in Regensburg in den böhmischen Herrenstand erhoben.[289]

In Eger war er ab März 1643 zu finden.[290]

Im März 1644 wurde der Chronist Leopold wieder einmal um Geld aufzunehmen nach Eger gesandt, ein Versuch bei Steinheim schlug allerdings fehl.[291]

Von Steinheim stammt der Bericht im Dezember 1644 über Torstenssons[292]  Angriff auf die Reiterei Gallas‘ vor Magdeburg,[293] deren Vernichtung und die angebliche Gefangennahme von Traudisch,[294] Montecuccoli[295] und Bruay.[296] Am 10.12.1644 teilte Rudolf Graf Colloredo[297] allerdings zu optimistisch Piccolomini mit: Gallas‘ Rückzug sei ohne größere Verluste gelungen. Der Hauptteil der Armee unter Bruay, Montecuccoli, Enckevort[298] und Traudisch sei aus der Oberlausitz nach Böhmen zurückgewichen, Bruay und Monteccucoli hätten sich in kleineren Scharmützeln[299] durchgefochten. Enckevort[300] wie de Vacchi[301] und Heinrich von Schleinitz[302] konnten einen Teil ihrer Regimenter retten; bisher seien aus dem Regiment Schleinitz 35 Soldaten mit 5 Standarten[303] in Böhmen eingetroffen.[304] Bruay selbst schrieb Gallas am 8.12. aus Kreba:[305] Bassompierre[306] und Traudisch hätten beim Rückzug der Kavallerie aus Magdeburg die Vorhut angeführt, wohin wisse er noch nicht.[307] Am 10.12.1644 informierte B. I. von Martinitz[308] Piccolomini über Gallas‘ sogenannten Rückzug: Die Niederlage der kaiserlichen Armee sei größer als man anfangs gedacht, mehrere Soldaten der Kavallerieregimenter kämen zu Fuß nach Böhmen, Enckevort sei gefangen, Bruay habe sich angeblich gerettet, desgleichen Traudisch und Montecuccoli.[309]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Steinheims Besitz Seeberg am 7.4.1648 von den Truppen des schwedischen Generals Königsmarck[310] erobert und im Zuge der Besetzung geplündert und gebrandschatzt.[311] Deshalb musste die Burg nach dem Weggang der Schweden von Steinheim repariert werden.[312] Nach dem Tode des letzten männlichen Erben Ludert Gottfried von Steinheim, der am 6.4.1657, einen Tag nach seinem Vater, gestorben war,[313] fiel die Burg als Heimfall der böhmischen Krone zu und Kaiser Leopold I.[314] überließ sie im Jahre 1664 seinem Geheimrat, Kammerherrn und obersten Kanzler Johann Hartwig, Freiherr von Nostitz.

Wahrscheinlich ist Steinheim beim Angriff Königsmarcks auf die Prager Kleinseite[315] in Gefangenschaft geraten.[316]

Der beteiligte Obrist Koppey[317] schrieb am 26.6.1648 aus Prag an den Obristleutnant Kallow[318] über den Angriff auf die Kleinseite:[319] „Vnser anschlag ist gottlob glücklich von Statten gangen, weil wir mit schlechtem Verlust, indeme nicht mehr als 1 Lieutenant vnd etwan 7 man beschediget vnd todt geblieben, in diese Stadt kommen. Der Obristl. Ottowalsky[320] ging mit 100 Fewerröhren[321] voran, darauf der Obristlieut. Volber[322] (sic) mit 200 Tragoner, ihm folgte ich mit fliegenden Fenhlen.[323] Wir wollten nur an einem Ortt anfangen, so aber kamen wir in 3 zugleich hinein. Es ist eine solche Artollerie mit aller Zubehör allhir gefunden vndt solche vberauss grosse Beuthe[324] gemacht worden, weil die Plünderung den ganzen Tag gewehret, dass nicht zu beschreiben, Granaten,[325] Fewerkugeln,[326] Pulver, Lunten, in Summa alles genug, liegt also der Feindt versätzt vnd wir disseits der Muldaw, ein Jeder hatt auf der Bruken einen Thurn. Was in gewehr war, wurde alles niedergehawen, haben nicht mehr als 2 Lieutenant, bei 30 gemeinen vnd 32 fenlein bekommen, die andern seindt neben dem Feldmarschall[327] Colloredo vndt Obristleutenandt Schmidt[328] mit kähnen vber das Wasser gekommen; weilen die sahen, dass wir nicht vber die brücke begehrten; wenn es vnss ein ernst gewesen, wir wollten in die alte Stadt auch kommen sein. Der Steinhammer[329] ist ausgezogen biss auffs hembde, das Seinige alles verlohren. Es seindt auch die Fenster-Caretten[330] gemein, dass fast Jedweder reuter eine hat. Hr. General Wittenberg[331] wird im anzug sein; kombt Buchheim[332] in die Alte Stadt, so muss Er sich consumiren;[333] kommt er nicht hinein, so wollen wir sie mit göttlicher Verleihung doch bekommen“.[334]

Im Dezember 1648 beschäftigte sich Steinheim im Briefwechsel mit Hatzfeldt mit der Wiederherstellung der von den Schweden zerstörten Befestigung in Eger, wo immer noch der schwedische Obrist Koppey saß. Noch im November 1649 berichtete er Hatzfeldt von Auseinandersetzungen mit schwedischen Truppen.[335]

Seine Frau Walburga Helene von Trautenberg verstarb laut Grabschrift in der Kirche in Seeberg 1662.[336]

Nach dem Tod Steinheims, der für die Eroberung der Veste Königshofen 1636 mit Rimbach belehnt worden war, verlieh Kurfürst und Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn[337] mit Urkunde vom 12.3.1663 seinem Bruder Philipp Erwein von Schönborn[338] das Dorf Rimbach.[339]

steinheim-wappen-burg-seeberg-peter-braun-74Wappen Steinheims an Schloss Seeberg [Foto: Peter Braun 74]

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[1] Haslau [Hazlov, Bez. Cheb].
[2] Seeberg [Ostroh, heute Ortsteil von Proustka, Tschechien]; HHSBöhm, S. 566f. PRÖKL, Schloss Seeberg, S. 27.
[3] Kapitänleutnant [schwed. kaptenslöjtnant, dän. Kaptajnløjtnant]: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.
[4] Theodor [Valentin] Freiherr de Comargo [Comerga, Camarga, Camar, Camario, Cammerario, Comingo, Chomargo; „Carnay”] [ -nach 16.11.1632], ligistischer Obrist.
[5] WEBER, Aus vier Jahrhunderten, 1. Bd., S. 34.
[6] Römmersreuth [Skalka], heute Ortsteil v. Haslau [Hazlov, Bez. Cheb].
[7] PRÖCKL, Eger, S. 243.
[8] Kriegskommissar: Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontribution). Als Quartierkommissarius legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung; vgl. s. v. „Fourier“.) Der „Musterkommissarius“ führte in landesherrlichem Auftrag die Musterungen durch und überwachte die Zusammensetzung des Heeres. Musterkommissare waren bei gemeinen Soldaten wie Offizieren gleichermaßen verhasst, da sie Manipulationen und Betrügereien auf den Musterplätzen zu unterbinden suchten: Söldner erschlichen sich vielfach Sold, indem sie sich unter verändertem Namen mehrfach mustern ließen, Offiziere führten zuweilen mehr Männer in den Soldlisten, als tatsächlich vorhanden waren, um die eigene Tasche mit den überschüssigen Löhnungen zu füllen (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120ff.). Auch hatten sie die Abdankungen und die Zusammenlegung und Neuformierung kleiner Einheiten zu überwachen. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51; vgl. auch PFEILSTICKER, Lang. In einer Landtagsbeschwerde des Gerichtes Hörtenberg wird geklagt, daß bei Durchzügen „auch tails beglaitcommissari den unntertonnen mehr sched- als nutzlich sein, in deme sy mer dem soldaten beifallen, unnd in ansuechenden unerzeuglichen sachen recht geben, als den unnderthonnen obhabennden gebierennden schutz erweisen“. SCHENNAT, Tiroler Landesverteidigung, S. 63. Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25.
[9] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). . Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.
[10] Melchior Reichsgraf Hatzfeldt v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.
[11] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff. Vgl. die Erwähnungen bei ENGERISSER, Von Kronach (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).
[12] Franziskaner: „Die heutigen Franziskaner (OFM) gingen aus der Observanzbewegung hervor, deren erste Gruppen etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien entstanden, bald aber auch in Spanien und Frankreich auftauchten. Kennzeichnend für diese Bewegung, die zu dieser Zeit auch in anderen Orden auftrat, war die Rückkehr zu einer strengeren Beachtung (Observanz) der ursprünglichen Ordensregel. Dazu gehörten eine strenge Befolgung des Armutsideals und eine Abwendung von den Städten und die Niederlassung in Einsiedeleien. Sie nahmen auch die ursprüngliche franziskanische Wanderpredigt wieder auf, in der sie die sozialen Missstände der damaligen Zeit anprangerten. Diese Gruppen, zu denen im 15. Jahrhundert z. B. Bernhardin von Siena, Johannes von Capestrano, Albert von Sarteano und Jakobus von der Mark gehörten, erhielten regen Zulauf und wurden, auch bedingt durch die Schwächung des ursprünglichen Stammordens, der sog. Konventualen, durch verschiedene äußere Einflüsse (Hundertjähriger Krieg, die Pest in den Städten, das Abendländische Schisma), schnell zu einer Mehrheit im Orden. Ihr religiöser Eifer, die strenge Beachtung des Armutsideals und ihr Eintreten für die Belange der ärmeren Schichten brachte den Observanten bald die Anerkennung der kirchlichen und weltlichen Fürsten und der Bevölkerung ein. Im Jahre 1415 erhielten die französischen Observanten die Erlaubnis, einen eigenen commissarius zu wählen, der zwar dem Generalminister der Franziskaner unterstellt blieb, faktisch aber ein eigener Oberer war. Auch in anderen Ländern erhielten sie eigene Rechte. Diese Selbständigkeit, die eine Gefährdung der Einheit des Ordens darstellte, führte in der Folge zu Rivalitäten und Streitigkeiten innerhalb der verschiedenen Gruppen im Gesamtorden. Zwar wurden immer wieder Einigungs- und Reformversuche unternommen – so die nach Papst Martin V. benannten „Martinianischen Konstitutionen“ von 1430 –, die jedoch nicht zum Erfolg führten, sodass eine Trennung unausweichlich war.Diese Trennung wurde am 19. Mai 1517 durch Papst Leo X. mit der Bulle Ite et vos in vineam meam (dt. ‚Geht auch ihr in meinen Weinberg‘, Matth. 20,4) vollzogen und bestätigt. Mit dieser Bulle wurde der Franziskanerorden in zwei selbständige Zweige geteilt: die Konventualen (heute Minoriten, OFMConv) und die Observanten (Franziskaner, OFM)“ [wikipedia].
[13] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.
[14] http://www.heimatgruppe-haslau.de.
[15] Hauptmann [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Ein halbes Jahr Militärdienst galt als ausreichend für die Übernahme einer Hauptmannsstelle. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner bzw. Anwärter auf eine Stelle, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., was dem Gehalt des Zahlmeisters in der spanischen Botschaft in Wien entsprach, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630), in der brandenburgischen Armee soll er dagegen 300 fl. erhalten haben. In besetzten Territorien wurde nach der Verpflegungsordnung Wallensteins (1629) 200 Rt. monatlich verlangt; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Ein kommandierender Hauptmann einer Streifschar aus einer Garnison erhielt quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller, sein Leutnant 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller, jeder Soldat oder Reiter 5 Rt. 72 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.
[16] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen und dänischen Armee Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.
[17] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[18] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[19] Fähnlein: militärische Einheit; die kleinste Gliederungseinheit beim Fußvolk, im 17. Jahrhundert allmählich durch die Bezeichnung „Kompanie“ verdrängt. In der kursächsischen Armee bestand ein Regiment zu Fuß aus 10 „Fendl“: ein Fähnlein umfasste ca. 300 Mann (100 Pikeniere, 160 Musketiere, 20 Hellebardiere und 20 Rundschildner). Es gliederte sich wiederum in Rotten von 10 – 15 Mann, die von einem Rottmeister angeführt wurden.
[20] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt].
Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.
[21] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.
[22] Pottenstein [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 593.
[23] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[24] Kartaune, halbe: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite von 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211.
[25] Sukkurs: Hilfe, Ersatz; Beistand, Nachschub.
[26] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[27] Kroaten (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte. Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder Fünfte war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39; LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg als Erfahrung und Memoria.
[28] ENGERISSER, Von Kronach, S. 184.
[29] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 17.
[30] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.
[31] John [Johann] Gordon [Hubert Seger ?] [ -1649 Danzig], kaiserlicher Obrist.
[32] Walter Graf Leslie [Lesle, Lessle, Leßle, Lesly, Lesel, Lesky] [1606 Fettermaer House, Aberdeenshire-4.3.1667 Wien], kaiserlicher Feldmarschall.
[33] Walter Graf v. Butler [Buttler, Büttler, Puttler, Buteler, Budtler, Budler] [um 1600-25.12.1634 Schorndorf], kaiserlicher Obrist.
[34] Pilsener Schlüsse (Reverse): In seinem Quartier in Pilsen konnte Wallenstein in dem 1. Revers über Vermittlung von Trčka  Wallenstein am 13.1. 1634 seine Offiziere zur Treue ihm gegenüber verpflichten. In einem 2. Revers vom 20.2.1634 verwahrte er sich unter Verzicht auf diesen Treueeid gegen Verratsvorwürfe von Ferdinand II.
[35] Schotten: Von 1626-1632 dienten 25.000 Schotten unter Christian IV. u. Gustav Adolf, was etwa 10 % der Gesamtbevölkerung Schottlands entsprach; PARKER, Military Revolution, S. 200, Anm. 17. 1630 hatte Gustav Adolf 13 Schottenregimentern mit fast 1.000 Offizieren unter seinem Kommando; MINHA, Walter Graf Leslie, S. 139, Anm. 23: Damit „wurde das Schwedenheer zur großen Kriegsschule des anglo-schottischen Adels für den späteren Machtkampf zwischen König und Parlament in der Heimat“. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: „Hier ist auch zu sehen, dass der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen“. In erster Linie heranziehen ist die große Datenbank von Steve MURDOCH, SSNE; dort auch jeweils die neueste Literatur, bzw. dessen Veröffentlichungen => Literaturregister. Bei der Zusammensetzung der schwedischen Armee Gustavs II. Adolf bis Ende 1632 werden folgende Zahlen angenommen: Schweden 8.000 (5, 5 %), Finnen 3.000 (2, 0 %), Deutsche Söldner: Alte Regimenter (vor Juli 1630 aufgestellt) 15.000 (10, 5 %) Neue Regimenter 65.000 (44, 5 %) Britische Söldner 7.000 (5, 0 %) Verbündete: Sachsen 17.000 (11, 5 %) Brandenburg 6.000 (4, 0 %) Hessen-Kassel 6.000 (4, 0 %) Mecklenburg 4.000 (2, 5 %) Stadtmilizen ca. 15.000 (10, 5 %) Gesamtzahl 146.000. Von diesen ca. 150.000 Mann war etwa die Hälfte im Garnisonsdienst eingesetzt, der Rest war auf die verschiedenen Armeekorps aufgeteilt, deren Größe zwischen 3.000 und 20.000 Mann lag. Im Falle einer möglichen Schlacht wurden diese dann vorübergehend zusammengezogen. Angaben nach BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 69; ENGERISSER, Von Kronach. Je nach Kriegslage schieden nach Gustav II. Adolfs Tod Verbündete wieder aus, der Anteil der Deutschen unter schwedischer Fahne stieg jedoch weiter an. Vgl. MILLER, Swords for hire. Vgl. das Beschwerdeschreiben Wernigerodes über Hamiltons Schotten (1632); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 108: „die hier liegenden Schottischen Soldaten wollten mit ihren Wirthen und deren Lägern nicht zufrieden sein, trieben die Leute aus ihren Ehebetten, brächten Gesellschaft mit, gingen mit Sporen und Stiefeln zu Bett, aus denen sie dreitätige Kindbetterinnen jagten. Würde ihnen etwas gesagt, prügelten sie die Leute; sie vernichteten ihrer Wirthe Handwerkszeug. Kein Quartier sei ihnen gut genug, sie wollten stattliche Palatia haben. Wären die Wirthe nicht zu Hause, schlügen sie die Thüren ein. Der Oberste perturbire den Magistrat in seinen Rechten, indem er die Preise der Dinge vorschreibe, unter den Vorgeben, der Rath setze sie ihm zum Tort so hoch. Wollte man diese Waren für diese Preise nicht hingeben, so drohte er, sie gerade wegzunehmen“. Der Osnabrücker Schuhmacher, Amtsbote und Chronist Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“.
[36] Iren: Bei dem Rothenburger Chronisten Dehner heißt es unter 1632; HELLER, Rothenburg, S. 94f.: „lauter Schweden und Finnen, darunter auch Lappländer und Irrländer gewest, die hat man den Burgern einquartiert bey 8. 9. 10. u. mehr, haben mit den Burgern für gut genommen, mit ihnen gebetet und gesungen fast in allen Quartieren“. „Während des Dreißigjährigen Krieges machten sich irische Soldaten erstmals einen Namen in der kaiserlichen Armee, insbesondere jene der Regimenter Tyrone und Preston. Bei der Verteidigung von Frankfurt an der Oder im April 1631 gegen ein schwedisches Heer zeichnete sich das irische Regiment durch besondere Tapferkeit aus und wurde dabei vollständig aufgerieben, jedoch unter dem Kommando von Walter Butler als Dragonerregiment neu aufgestellt. Walter Butler war es auch, dem in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges eine besondere Rolle zufallen sollte: Am 25. April 1634 tötete Butler im Auftrag Kaiser Ferdinands II. gemeinsam mit seinem Landsmann Walter Devereaux den kaiserlichen Generalissimus Albrecht von Wallenstein. Dafür wurde Butler vom Kaiser der Grafentitel verliehen und mit böhmischen Ländereien bedacht. Zur ersten Generation irischer Offiziere in der kaiserlichen Armee gehörte auch Oberst Wilhelm Bourke von Gallstown aus dem County Kilkenny, welcher 1633 in kaiserliche Dienste trat und als Oberst seines Kavallerieregiments der schwedischen Reiterei in der Schlacht bei Nördlingen schwer zusetzte. Für diesen Erfolg wurde er wie Butler in den Grafenstand erhoben, mit dem Gut Limberg belohnt und zum Kämmerer Kaiser Ferdinands III. ernannt“. [Wikipedia]. Vgl. auch CLARK, Irish Soldiers. Vgl. die Einschätzung des protestantischen Osnabrücker Schuhmachers, Amtsbotes und Chronisten Rudolf von Bellinckhausen [1567-19.3.1645] unter dem 24.4.1637; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 354: „Am gemelten tage sein widerumb uber 300 zu fuß von unteutschen volck als Ihrländer, Schotten und Engels[chen] in unser stad kommen, arm, nackt und viel jungs volcks“. Vgl. auch CLARK, Irish Soldiers.
[37] Albert Fridlandi Perduellionis Chaos. o. O. 1634 des Albert Graf Kurz von Senftenau u. Toblach [1600-1671], SJ, Domprediger zu Wien ab 1646 Rektor am Neuburger Jesuitenkollegium, Astronom, Bruder des Reichshofrats Richard Vincenz Ferdinand v. Kurz und des bayerischen Geheimrats Maximilian Kurz Graf v. Valley, gen. Ahamstein, Freiherr v. Senftenau u. Toblach.
[38] Adam Gordon [Cordon] [ – ], kaiserlicher Obristleutnant, spanischer Obrist.
[39] Elbogen [Loket, LK Sokolov, Tschechien]; HHSBöhm, S. 133f.
[40] Adam Erdmann Graf Trčka z Lipy [Terzka] [1584, 1599, 1600-25.2.1634 Eger], kaiserlicher Obrist, Feldmarschallleutnant.
[41] Dissimulation: Verstellung, Heuchelei. Der als hohe Kunst der Verstellung betrachteten Dissimulation hat REPGEN, Kurie I/1, S. 315-321, eine kleine Abhandlung gewidmet.
[42] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Generalleutnant. Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[43] Ottavio Piccolomini Pieri di Sticciano [Picoloni, Picolomnini, Bicolomini] P. d’Aragona, Herzog von Amalfi [11.11.1599 Florenz-11. 8.1656 Wien], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).
[44] SRBIK, Wallensteins Ende, S. 171f.
[45] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.
[46] Vgl. JANÁČEK, Valdštejnova smrt, S. 31, bzw. JANÁČEK; KUBŮ; BOHÀČ, Albrecht z Valdštejna a Cheb.
[47] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.
[48] General(feld)wachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor“ bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.
[49] Rudolf Freiherr auf Hohenelbe, Eglitz u. Platten, Graf (1636) v. Morzin [Marazin, Marazini, Marrazino, Marzin, Marotzin, Morazin, Moritzin] [um 1585 – 1646 Prag], kaiserlicher Feldmarschall.
[50] John Gordon [Hubert Seger ?] [ -1649 Danzig], kaiserlicher Obrist.
[51] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[52] Salvaguardia: Ursprünglich kaiserlicher Schutzbrief, durch den der Empfänger mit seiner Familie und seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde; zur öffentlichen Bekräftigung dieses Schutzes wurde dem Empfänger das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler und die Wappen der kaiserlichen Königreiche und Fürstentümer an seinen Besitzungen anzuschlagen. Der Schutzbrief bedrohte jeden Angreifer mit Ungnade und Strafe. Im 30jährigen Krieg militärische Schutzwache; Schutzbrief (Urkunde, die, indem sie geleistete Kontributionen und Sonderzahlungen bestätigte, gegen weitere Forderungen schützen sollte, ggf. durch militärische Gewalt des Ausstellers); auch: sicheres Geleit; eine oft recht wirkungslose Schutzwache durch abgestellte Soldaten, in schriftlicher oder gedruckter Form auch Salvaguardia-Brief genannt, die meist teuer erkauft werden musste, und ein einträgliches Geschäft für die zuständigen Kommandeure darstellten. Teilweise wurden entsprechende Tafeln an Ortseingängen aufgestellt, „Salvaguardia“ an die Türen der Kirchen (HERRMANN, Aus tiefster Not, S. 55) geschrieben oder für die ausländischen Söldner ein Galgen angemalt. Die 1626 von Tilly erlassene Schultheißen-Ordnung hatte festgelegt: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986. Der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing; SIGL, Wallensteins Rache, S. 140f.: „Da die Schweden so grausam wüteten und sich wie eine Seuche immer weiter ausbreiteten, alle Dörfer mit Taub, Mord und Jammer heimsuchten, erbaten die Bürger ab und zu von den Kapitänen der Weimaraner eine Schutzwache, die bei ihnen meist Salva Guardia heißt. Erhielten sie diesen Schutz zugesagt, so wurde jeweils ein Musketierer zu Fuß oder zu Pferd in das betreffende Dorf, die Ortschaft, den Markt abgestellt. Dieser sollte die herumstreifenden Soldatenhorden, kraft eines vom Kapitän ausgehändigten schriftlichen Mandats, im Zaume halten, ihre Willkür beim Rauben und Plündern einschränken. […] Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine solche Schutzwache unseren Leuten oder den Bewohnern anderer Orte, denen auf ihre Anforderung eine Salva Guardia zugestanden wurde, keinen Vorteil brachte. Im Gegenteil, sie schlugen ihnen vielmehr zum Schaden aus und waren eine Belastung. Offensichtlichen Nutzen dagegen hatten nur die Kapitäne, denn ihnen mussten die Leute gleich anfangs die ausgehandelte Geldsumme vorlegen oder wenigstens wöchentlich die entsprechende Rate (pensio) entrichten. Kurz, wie Leibeigene oder Sklaven mussten sie blechen, was die Kapitäne verlangten. Ich habe nur einen Unterschied zwischen den Orten mit und denen ohne Salva Guardia festgestellt: Die Dörfer ohne Schutzgeleit wurden früher, jene mit einer Salva Guardia erst später ausgeplündert. Da nämlich die Schweden vom Plündern nicht ablassen konnten, solange sie nicht alles geraubt hatten, so raubten und plünderten sie entweder alles auf einmal (sodaß sie nicht mehr zurückkommen mußten) oder sie ließen allmählich und langsam bei ihren Raubzügen alles mitgehen, bis nichts mehr zu holen war. Obendrein haben diese eigentlich zum Schutze abkommandierten Musketiere und Dragoner gewöhnlich die Ortschaften, ihre Bewohner und deren Habseligkeiten – als Beschützer – ausspioniert und dann verraten. Wurde nämlich der bisherige Beschützer – und Spion – unvermutet abberufen, dann brachen seine Kameraden, Raubgesellen und Gaunerbrüder ein und raubten alles, was bislang durch den Schutz der Salva guardia verschont geblieben war, was sie in Wirklichkeit aber für sich selbst hinterlistig und heimtückisch aufbewahrt hatten, und wüteten um so verwegener (pro auso suo) gegen die jämmerlich betrogenen und enttäuschten Menschen, beraubten sie nicht menschlicher und marterten sie“. Auch war das Leben als Salvaguardist nicht ungefährlich. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 49f. (1629): „Eine Eingabe des Bauern Jacob Löffler aus Langenwetzendorf [LK Greiz] wegen der bei ihm einquartierten »Schutzgarde« schildert die Heldentaten der derselben ungemein plastisch: »Was ich armer Mann wegen anhero zweijähriger hiesigen Einquartierung für groß Ungemach ausstehen müssen, gebe ich in Unterthänigkeit zu vernehmen: Denn erstlichen habe berührte Zeit über 42 ganze 42 Wochen Tag und Nacht bei den Soldaten ich aufwarten, nicht allein viel Mühe und Wege haben, sondern auch welches zum Erbarmen gewesen, Schläge gewärtig zu sein und geprügelt werden zu müssen, 2. habe ich meine geringe Haushaltung wegen jetziger Unsicherheit beiseits setzen, meine Felderlein wüst, öd und unbesamt liegen lassen, daß seither ich im geringsten nichts erbauen, davon samt den Meinigen ich mich hätte alimentieren mögen, 3. haben die Soldaten mir die Gerste, so zu einem Gebräulein Bier ich eingeschüttet, aus den Bottichen genommen, zum Teil mutwilligerweise zerstreut, zum Teil mit sich hinweggenommen, verfüttert und verkauft, 4. haben sie mir das wenige Getreidig, so noch unausgedroschen vorhanden gewesen, mit dem Geströhde aus der Scheune in andere Quartiere getragen, ausgeklopft und ihres Gefallens gebraucht, 5. weil sie an meiner geringen Person sich nicht allzeit rächen können, haben sie mir die Bienen und derselben Stöcke beraubet, umgestoßen und zu Grund und Tode gerichtet, 6. sind von ihnen mir alle Hühner, Gänse und ander Federvieh erschossen, genommen und gefressen worden, meine Wiesen, Raine und Jagen mir dermaßen verödet, daß ich nicht eine einzige Bürde Heu und Grummet von denselben genießen kann, 7. endlich ist von ihnen mir eine Kuh aus dem Stalle, so meinen Geschwistern zuständig gewesen, gezogen, in ein anderes Losament getrieben, geschlachtet und gefressen worden.« Teilweise „kauften“ sich begüterte Bürger Offiziere als Salvaguardia, um sich gegen Übergriffe zu schützen; SUTORIUS, Die Geschichte von Löwenburg. 1. Teil, S. 266.
[53] Markus v. Corpes [Corpus, Corpitz, Corps, Cörber, Coepus, Korpus, Korbitz] [ -9.7.1638 bei Benfeld], kaiserlicher Kroaten-Obrist.
[54] Kornett: kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entsprach der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold. => Fähnrich; Fahne.
[55] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 781.
[56] Pleystein [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 589f.
[57] Schelm: „Schelm“ war früher der Berufsname des Abdeckers. Jemanden einen Schelm (Bösewicht, Betrüger, Verführer, Schinder, Teufel) zu schelten, jemanden zum Schelmen zu machen, galt als eine der ehrenrührigsten Beschimpfungen, eine der größten Ehrverletzungen. Vgl. BERG, Regulating war, S. 55f. „Jemanden zum Schelmen machen“ hieß, in Kriegsgerichtsverfahren einen Straftäter für ehrlos zu erklären, aus der Armee zu verstoßen und der Stadt/des Landes zu verweisen; WAAS, Chroniken I, S. 127. Zur grobianischen Schimpfartistik der Soldaten vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabruggischenn handlung, S. 36f.: „Die soldaten thun unse große uberlast, die manß personen mußen ihr dieb, schelm, boßwicht und hunde sein, die weibs personen ihr schand und brand, hurn auch, ihr hexen und zauberinnen. (57v) Ihr fluch und wunsch ist schrecklich, nicht allein die alten fluch der kriegs knecht und marter hansen, sondern neu fluchen, so der sathan herfur gebracht, als das dich der donner, blitz und hagel schlag“.
[58] Kontribution: Kriegssteuern, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Vgl. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“. VOGEL, Leipzigisches Geschicht-Buch, S. 443: „Den 11 Junii [1631; BW] zur Nacht hat sich eines vornehmen Doctoris Frau im Brühl / welches mit schwermüthigen Gedancken beladen aufm Gange im Hembde an eine Quele erhencket / weil sie / wie man sagte / denen Soldaten Quartier und Geld geben müssen / welche 2 alte Weiber loßgeschnitten / von Todtengräbern abgehohlet / und den 13. dieses mit einer kleinen Schule begraben worden“. In den bei Angriffen und Belagerungen ohnehin gefährdeten Vorstädten waren die Kontributionsleistungen geringer. Allerdings bestand hier auch immer die Gefahr, dass die Vorstädte entweder vom Feind abgebrannt oder seitens der Stadtkommandanten abgerissen oder abgetragen wurden, um dem Feind keine Verstecke zu bieten und um ein freies Schussfeld zu haben.
[59] BRAUN, Marktredwitz, S. 40. Braun datiert nach dem a. St.
[60] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[61] Vgl. allgemein SENNEWALD, Das Kursächsische Heer.
[62] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.
[63] Johann Georg Wolf, genannt „Sensen-Magister” [ – ] Magister, Advokat.
[64] John Gordon [Hubert Seger ?] [ -1649 Danzig], kaiserlicher Obrist.
[65] Stadtvogt: Ratsherrenfunktion: die beiden Stadtvögte waren Gerichtsherren und Notare des Landgebiets und die Vorgesetzten der Landvögte.
[66] Johann Christoph Hendel [18.3.1601-30.9.1645], Stadtvogt in Hof, Vizekapitän des fürstlichen Ausschusses.
[67] Pausa [LK Vogtlandkreis].
[68] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Als kommandierender Rittmeister einer Streifschar einer Besatzung erhielt er auf 1.000 Rt. Beute und Ranzionierungen quasi als Gefahrenzuschlag 59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[69] N Pöhlau [ – ], kaiserlicher Rittmeister.
[70] KLUGE, Hofer Chronik, S. 53 (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Hofs und seines Umlandes).
[71] BRAUN, Marktredwitz, S. 46.
[72] Johann Jacob Bruckner [Brückner, Bruckner] [ – ], kaiserlicher Hauptmann.
[73] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.
[74] Kroaten: kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteien“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / ob sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“.THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet“. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Gefangene Kroaten wurden schon unter Gustav II. Adolf von den Schweden in ihre Kupferbergwerke verbracht; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87.
[75] Leutnant: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-60 fl.
[76] Johann Ratlitsch [Radlitz] [ – ], kaiserlicher Leutnant, Rittmeister.
[77] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.
[78] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[79] ENGERISSER, Von Kronach, S. 427ff.
[80] ENGERISSER, Von Kronach, S. 255.
[81] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.
Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.
[82] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[83] Siegritz, heute Ortsteil der Marktgemeinde Heiligenstadt [LK Bamberg].
[84] Kriegsgräuel waren die Begleiterscheinung dieses Krieges von Anfang an. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620), zur Eroberung von Pisek am 30.9.1620; PÖRNBACHER, Barock, S. 325f.: „Heute um die dritte Stunde des Nachmittags ist Biska gleich beim ersten Eindringen in die Stadt erobert worden. Alle, die drinnen waren, hat man zusammengehauen und umgebracht. Besonders die Soldaten des Bucquoi haben niemand geschont, kein Geschlecht noch Alter, auch das Kind, das im Bett saß, wurde mit einem Gewehrschuß hingestreckt. Ein gar erbärmlicher Anblick war das, wohin die Einwohner oder die Besatzungssoldaten auch flohen, sie fielen in die Hände der Unseren und wurden getötet oder gefangen. Der Anführer wurde in der Stadt in tausend Stücke zerhauen. Einer Schwangeren, die im Schrecken gebar, wurde der Kopf gespalten, das Kind an der Wand zerschmettert. Man sagt, Bucquoi habe sein Schwert und den Regimentsstab zerbrochen, als er dem Gemetzel Einhalt bieten wollte, aber die Raserei der Soldaten war stärker. Mehrere stürzten sich ins Wasser, um wenigstens so zu entkommen, aber auch dort trafen sie die Kugeln und so starben sie fast einen doppelten Tod. Man sagt, es seien zwölfhundert Schützen in dieser Stadt gewesen, die schon an sich, und auch durch ihre Lage aufs beste befestigt war. Aber nicht einmal einen ganzen Tag hat sie diesem doppelten Heer, dem unsern und dem des [Charles Bonaventure de; BW] Bucquoi, widerstehen können. An diesem Abend liefen von den Böhmen 130 Soldaten ins Lager unseres Fürsten über. Überall herrscht unter unseren Feinden Furcht, Schrecken und großes Zittern, und das ist kein Wunder: schon kennt man den bayerischen Löwen“. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 163f., Anm. 2: „Den 17. November 1621 Abends fielen sieben Cornet Reuter, unter Commando des Bayerischen General-Feld-Wachtmeisters Grafen von Anholt [Johann Jakob v. Anholt; BW] Commando in den [kurpfälzischen BW] Flecken Beerfelden, plünderten, ohnerachtet ihrer Verpflegung, denselben aus, nahmen 21 Pferde, und tractierten die Leute unmenschlich, daß sie, um ihr Leben zu retten, sich in die Wälder flüchteten. Folgenden Tags wurde durch den continuirenden Nach- und Rückzug von etlichen tausend Mann von der Bergstraße gegen Moßbach [Mosbach; BW] in dem Amt Freyenstein [Freienstein; BW] vollends alles aufgerieben, auch die Kirche ihres Kelchs und Ornats beraubet, der Pfarrer [Heinrich Lambinus; BW] erbärmlich geschlagen, und mit Stricken dermaßen geknebelt [=> geraitelt; BW], daß ihm Gesicht und Gehör vergangen, das Blut zu den Augen herausgedrungen, und er in wenig Tagen sterben müssen. Sie nannten ihn anders nicht, als einen Lutherischen Schelmen und wollten ihn mit Bedrohung der Castration zwingen, daß er den Kirchen-Gesang: »Erhalt uns, Herr, bey deinem Wort usw.« verschweeren sollte. Sie preßten ihm auch durch große Marter 600 fl. aus“. Hans Sonnenbächer, Schultheiß, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 206: „Mansfeldische Reiter, uf 30 stark, seien bei ihnen durchgestreift. Philipp Stumpf sei uf Schultern gehauen worden, denen sie als ein alten eisgrauen Mann gestöckt und gepleckt, ins Dorf genommen, mit Füßen ufgehängt, mit Lunten gebrennet, auch salvo honore [= mit Verlaub zu sagen (Entschuldigungsformel)] in Mund Urinam reddiert [= uriniert], endlich herab ufs Genick sehr übel fallen und schlagen lassen“. Der Pfarrer von Mönchsdeggingen, Christian Spradtler, am 4.1.1634 über die am 13.12.1633 erfolgte Plünderung und seine Marter; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 51f.: „und einer unter ihnen, der sich des Ochsenwürthen, würthen von Nereßheim, welchen man vor diesem verbrand, Sohn genennet, sich öffentlich vernemen lassen, habe sich dem leibigen Satan ergeben ewiglichen. Alsobalden die anderen dreyen seine Spießgesellen gerufen, deren sich dann ein jeder mit seinen Instrumenten baldt gefaßt gemacht. Der erste mit einem hültzern reiteltopff, mich damit zu reiteln, der ander mit einem langen Strickh, mich damit zu binden, der dritte mit einem Schraufzeig mich damit zu klueben, Der vierte mit einem großen erdenen Topff darinnen etliche maß wasser, so sie den schwedischen trunckh nennen, gema(h)nt, mir damit den garauß zu machen“. Hans Hoxer in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 213: „Ewald Weißen Frauen hätten sie die Nasen abgehauen. Ihm, Zeugen selbst, ein Strang um den Kopf gelegt und geknebelt, daß er ihnen etwas an Geld, so er in einem Säckel im Garten gescharret gehabt, geben, womit sie aber nicht content [= zufrieden] gewesen, sondern fürbaß [= weiter] einen Strang an beiden Armen gemacht, das Seil hinterrücks über ein Apfelbaumen Äste geworfen, schwebend ufgezogen, auch eine gut Weil hängen und sich bedencken lassen. Zeug aber [durch]gehalten und ferner nicht geschnellt [= hochgezogen worden]. Sonsten hätten sie in Gewölbe, darinnen er sein und anderer Leut Sachen verwahret gehabt, ufgebrochen und alles genommen, dabei zu verstehen geben, das hätte man unserm gnädigen Fürsten und Herrn [dem Landgrafen] zu danken. Vom Schänden wäre viel gehört worden, dann mit seines Nachbarn Barthel Schelches Eheweib hätten sie Schande geübt und doruf ins Wasser geworfen, welche kürzlich hernach, vermutlich aus Schrecken, gestorben“. Heinrich Clodius, Schulmeister, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 215: „Die Weimarischen hätten ihn, Zeugen selbst, in die Scheuer geführt, geknebelt, die Hände uf den Rücken gebunden, mit brennenden Lunten Pulver in die Hosen geblasen, auch deromaßen mit ihme übel gehaust, daß er den Mund noch nicht recht öffnen könne. Sie haben Jakob Schäfern mit dem Hals ufgehängt und ein Weil hängenlassen, bis er ihnen das Geld zu geben verwilliget. Niklas Glappacher hätten sie ein Kordel um die Pudenda [= Geschlechtsteile] gemacht, so lange zugezogen, bis er ihnen ufs 60 Gulden geben. Matthes Hammans Weib, samt andern viel mehr, Daumen ufgeschraubt um willen, Geld zu geben und zu verraten“. Pfarrer Heinel von Waldkirchen (1632), zit. nach www.krumhermersdorf.de/literatur/urkunden: „Weil man etliche Soldaten unten im Dorfe abgesetzet und [ihnen] die Pferde genommen [hat] welches nicht nur hiesige Leute, sondern auch benachbarte verübet, [haben] General Holcks Völker [Soldaten] auf ihres Generals Befehl das Dorf angestecket [angezündet]; niedergehaun, was sie angetroffen, also daß sie etlichen die Köpfe in einem Hieb abgehauen [haben] und der Kopf den Berg [hin]abgelaufen, das Corpus [Körper] aber liegengeblieben [ist], welches jämmerlich zu sehen gewesen. Und sonst übel verfahren, wie die Rudera [Spuren] noch ausweisen „. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 23: „Zu dieser Zeit ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewähret bis auf das 1637. Jahr; do man dann bald nichts anderes hörte als Rauben, Stehlen, Morden, Sengen und Brennen. Die armen Leut[e] wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch gereitelt. Vielen [wurden] die Augen ausgestochen [und] Arm[e] und Bein[e] entzweigeschlagen. Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten. Etliche [wurden] von ferne beim Feuer gebraten, (teils) im Rauchschlot aufgehenkt und Feuer unter sie geschüret. Etliche [sind] in die Backöfen gestoßen, Stroh vorgemacht und angezündet [worden]. Kein und Schwefel [wurde ihnen] unter die Nägel gesteckt und angezündet. Die Daumen [wurden] geschraubet, spitzige Knebel ins Maul gestecket, [so] daß das Blut haufenweiß heraus geloffen [ist]. Hernach(er) [ist] der ganze Leib durch den Mund mit Urin und Mistwasser gefüllet [worden], die Fußsohlen [wurden] aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen aus den Leibern geschnitten und vielen die Rippen in dem Leib entzwei geschlagen. In Summa, die große Pein und vorhin unerhörter Marter – davon auch der Teufel in der Höll[e] Mitwissenschaft haben mochte – so sie den Menschen in vielen Wegen (an)getan, bis sie gestorben oder verschmachtet oder preßhaft worden, ist nicht zu beschreiben. Da hat manches fromme Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herrn oder Nächsten Sachen, die lange verwahret gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der Schwangern und Sechswöchnerin[en] mit Schänden nicht verschonet. Und welches ja ein Greuel anzuhören: achtjährige Mägdlein sowohl, [als] auch 60 bis 80jährige Weibspersonen [sind] zu Tode gemartert, hernach ausgezogen, in die Teich geworfen oder auf der Straße liegen [ge]lassen [worden]. Zuletzt durft[e] sich kein Mensch mehr in Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sich, [ganz] gleich [ob es] im Morast oder in gebirgigen Steinklüften war, denn da hatten sie Hund[e], welche auf die Menschen abgerichtet [waren, so] daß also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach, da sind viel[e] Leut[e] in den Wäldern hin und wieder erschossen und niedergehauen worden; auch unbegraben liegen [ge]blieben“. THEATRUM EUROPAEUM Bd. III, S. 278f., über die Lage in Schlesien nach der verlorenen Schlacht bei Liegnitz am 13.5.1634, in der die kursächsische Armee unter Hans Georg von Arnim die kaiserliche unter Johann von Götz und Rudolf Graf Colloredo schlug: „Die Kayserische nach deme sie bey der Lignitz geschlagen / haben sie in Schlesien besonders zwischen Lignitz und Glatz gar übel gehauset / sonderlich dieweil sie zumahl kein Oberhaupt gehabt / alles was sie gekönt / außgeplündert / und die Inwohner allen Orten wegen grosser angelegter Marter und Peinigung verjagt / auch auß den Wälden / dahin sie sich umb sicherheit willen begeben / gleich wie das Wild auff dem Felde gehetzet / das Frauenvolck wie ein Heerd Vieh zusammen in ihr quartier getrieben / und nackend und bloß mit ihnen zu tanzen / und sonsten zu gehorchen gedrungen: über das dz arme Volck beym Feuer und in Backöfen gebraten / die Augen außgestoßen / Riemen auß den Rücken lebendig geschnitten / Arm und Beyn / Ohren und Nasen / die männliche Glieder und säugende Brüste abgeschnitten / oder darmit empor gehoben / mit Spännern und Hämmern zerklopfft / angeschnürt / umb geführt / Kühn und Schwefel unter die Nägel und in die heimliche Ort gesteckt / angezündt / und damit biß zum Hertzen hinauff gebrent und also verbrent: mit Pistolstöcken die Daumen geschraubt / mit den Bärten und Haren auff den Steinen herumb geschleppt / zerbrochene spitzige Stecken in Hals gesteckt / biß das Blut hauffenweise herauß gelauffen / den Mund unnd Bauch mit Mistpfitzen / Urin / und anderer Unsauberkeit angefüllt / in die Brunnen geworffen / von Dachrinnen gewipffet / die Fußsohlen auffgeschnitten und Salz drein gestreuet / Arm / Bein und Rippen im Leib entzwey geschlagen und zertretten / Hände / Nasen und Ohren abgeschnitten / auffgehenckt / und Feuer unter die Füsse gemacht / und darmit weder Alter noch Jugend / weder Mann noch Weib / weder Edel noch Unedel / weder Schwangern noch Sechswöcherin / noch keines anderen Unterschiedes verschonet / den Eltern die Kinder auß den Armen gerissen / und in stücken zerhauen /zerrissen oder wider die Wände geschmissen / die Augen den armen Leuten auß dem Kopff gerättelt / wie sie reden / und unsäglichen Marter / Schmertzen und Pein angethan / als nicht alles zubeschreiben / wie die zu Goldberg / Reichenbach / und an anderen Orthen und Stätten / Flecken / und Dörffern erfahren: sonderlich zu Reichenbach / welche doch allezeit den Keyserischen / wie billich / miltiglich contribuiret / und alle mögliche Hülff und Vorschub gethan / welchen auch die Bürgermeister auffgewartet / ihnen entgegen gangen / und mit Glimpff der Statt bestes reden wollten / aber nicht gehört / sondern nur die Gewaltthätlichkeiten mit Morden / Schänden / Plündern in Kirchen und Häusern / auch biß für und auff den Altaren und Gotteshäusern verübet / wie darvon in Truck außgelassene offene Schrifften und Klagten bezeugen“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 237, Bericht der Amberger Regierung vom 19.3.1646: „Wie dan auch dergleichen unmenschlich procedur den 13. diss auch vorgangen, indeme Georg Schmid, untertan zu Kemnath, welcher mit 5 kleinen kindern beladen von Hirschau nacher hauss und futter gehen wollen, ist er von 9 reuttern erdappt, in das wirtshaus geführt und von ihm begehrt worden, speckh, butter und früchte zu weisen, weiln er aber nichts gewußt, haben sie ihn mit prügeln, eisernen stenglein, schrodhacken und säbeln anfangs uf die schienbein, daß dieselbige ganz zerschmettert, so lange geschlagen, bis die spreissel davon gefallen, hernach ins creuz, in die rechte seiten, über den rückhen und lenden mit einer schrothacken also getroffen, das er etlichsmal zu boden gefallen. Andern morgen früe vortags haben sie ihn mit eisernen stänglein abermahlen jemerlich geschlagen, den urin und koth in einen hafen gelassen, under einender gerührt und ainer, den sie den türkhen genannt, nachdem die andern ihne uf die arm gestanden, das maul mit einem eisernen stänglein aufgespreizt und diesen unflath also unbarmherzig hineingegossen und abwärts im hals gestrichen. Nach diesem allen haben sie ihn wieder ufs geführt und alss er inen uf starkes zusprechen nicht anzeigen khönnen, zu boden geschlagen, mit füssen getretten, gestoßen und mit sporn gestochen und alss er mit weiters laufen müssen, hat ine der türk mit einem prügel über den Arm, rückhen, lenden, füß und fußsohlen unaufhörlich geschlagen, mit ins holz geführt, einen strickh an halss gelegt und an einen paumb gehängt, doch daß er die erden mit den zehen berühren khönnen, bis ihn endlich der zehnte reutter, so bei diesen gewest, abgehauet, und nach hauss zu gehen haissen“. Vgl. die Rechtfertigung der Kriegsgräuel bei dem Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich [Gustav Horn gewidmet], dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, Discurs, S. 6, 19. Vgl. NEITZEL; HORATH, Kriegsgreuel; KAISER, „Ärger als der Türck“. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 152f.: „In Ruppertsgrün [bei Elsterberg] trennten sie [die Schweden 1640; BW] dem 83jährigen Pfarrer mit glühenden Eisen Ellenbogen, Kniescheiben, Fußzehen ab und marterten ihn zu Tode. Seiner Haushälterin gaben sie Mistjauche zu trinken und zerschlugen ihr mit Pistolen das Gesicht. Anderen Dorfbewohnern banden sie die Köpfe unter den Beinen zusammen und hängten sie verkehrt herum auf. Dann schlugen sie auf diese ein oder legten Feuer unter die Unglücklichen. Einen Bauern ließ man im Backofen ersticken, einem anderen schnitt man die Ohren auf, und gab sie ihm kleingehackt zu essen“. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
„Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. VOLLBRECHT, Dreißigjähriger Krieg, S. 57f.: „So zündeten die schwedischen Soldaten am 5. Mai [1636; BW] die Glandorfer Glandorf [LK Osnabrück; BW] Kirche und das ganze Dorf an. Das soll eine Strafaktion gewesen sein, weil einige Zeit vorher Glandorfer Bürger bei der Verteidigung ihres Ortes einige schwedische Soldaten getötet hatten. Hierbei kam es auch zu Greueltaten gegenüber den Whrlosen. Es wird berichtet, dass die schwedischen Soldaten von den drei Töchtern des Hofes Schultewerth eine kreuzigten und eine andere über dem Herdfeuer erstickten“. Während des Dreißigjährigen Krieges massakrierten schwedische Truppen am 18.6.1633 einen Großteil der männlichen Bevölkerung von Kirchhofen. Die Opfer wurden bei lebendigem Leib in einer Weinpresse zu Tode gequetscht. Insgesamt wurden dabei rund 300 Bauern aus Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler als angebliche Rebellen niedergemetzelt. Vgl. auch FURTENBACH, Ober-Ländische Jammer- Und Straff-Chronic, S. 67ff. über die Einnahme Memmingens durch die Kaiserlichen (1633).
[85] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.
[86] Ebnath [LK Tirschenreuth].
[87] Schönbrunn, heute Ortsteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.
[88] Waldeck, heute Stadtteil von Kemnath [LK Tischenreuth].
[89] Fahrenbach [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[90] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.
[91] Rittmeister (Capitaine de Cavallerie): Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[92] Parole: Ehrenwort.
[93] Tagessatzung: Termin, Gerichtstermin.
[94] BRAUN, Marktredwitz, S. 46ff.
[95] Melchior Friedrich Gottfried Reichsgraf Hatzfeldt [Hartzefeld] v. Gleichen [20.10.1593 Crottorf-9.11.1658 Schloss Powitzko bei Trachenberg/Schlesien], kaiserlicher Feldmarschall.
[96] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.
[97] Weismain [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 797f.
[98] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.
[99] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.
[100] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[101] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[102] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.
[103] Johann Philipp Cratz Graf zu Scharfenstein [um 1590-6.7.1635 hingerichtet], kaiserlicher Feldmarschall.
[104] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[105] Eltmann [LK Hassfurt], HHSD VII, S. 172ff.
[106] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 17; Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.
[107] verschrieben für „vor“ = für.
[108] Eimer: 1 Eimer = 80 Liter.
[109] KLUGE, Hofer Chronik, S. 60f.
[110] Korporal [schwed. korpral, dän. korporal]: Der Korporal war der unterste Rang der Unteroffiziere, der einen Zug als Teil der Kompanie führte. Er erhielt in der kaiserlichen Armee (1630) 12 fl. Sold monatlich; „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“. Das entsprach immerhin dem Jahreslohn eines Ochsenknechtes, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 24 Rt. erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461. DESING, Historia auxilia 2. Bd., S. 186: „Corporal ist ein Unter-Officier, der viel zu thun hat: Darumb seynd bey einer Compagnie zwey, drey oder vier. Für seine 15. Mann, welche man eine Rott nennt, empfängt er vom Capitain d’Armes das Gewehr, vom Fourier das Quartier, vom Muster-Schreiber das Geld, vom Sergeanten die Ordre, gehört nit zur Prima plana“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 60: „Die Corporalen sollen gute / redliche / und versuchte Soldaten seyn / die schreiben / lesen / und rechnen können. In dem commandieren sollen sie gleiche ordnung halten / die Schiltwachten zu guter zeit aufstellen / und ihr Ansehen bey den Soldaten erhalten: Sie sollen gantz eiserne Ladstecken / Krätzer / und Kugelzieher an ihren Musqueten haben / daß sie den Soldaten zu hülff kommen mögen“.
[111] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[112] Quartiermeister: Bei Einquartierungen in Dörfern und Städten besorgte der Quartiermeister, in Abstimmung mit den lokalen Obrigkeiten, von den Bewohnern Unterkunft und Verpflegung für die Kompanie. Zunächst wurde der Stab einlogiert, dann wurden die Quartiere für die Hauptleute bestimmt. Die Kompanie des Obristen hatte die weitere Wahl, dann die des Obristleutnants, darauf die des Obristwachtmeisters. Die restlichen Kompanien spielten die übrig gebliebenen Quartiere unter sich aus. Das führte bei engen Quartieren teils zur Überbelegung bei den einzelnen „Wirten“, teils zum Kampieren unter freiem Himmel auf dem Markt, was zu Unruhen führen konnte. Dem Quartiermeister, der je nach Truppengattung zwischen 40 und 60 fl. Monatssold erhielt, war die Kriegskasse anvertraut. Dazu kamen allerdings erhebliche Nebeneinkünfte der meist korrupten Quartiermeister, die dieser mit dem Obristquartiermeister teilte. Die Quartiermeister operierten sehr oft mit gefälschten Listen der einzuquartierenden Soldaten, um die Differenzbeträge in die eigenen Taschen zu stecken. Der Regimentsquartiermeister Bartelme Vogel schrieb am 4.7.1648 aus Landshut an den Abt der Benediktinerabtei Prüfening, Matthias von Trauner ?; SOLMS-LAUBACH; MATTHAEI, Wetterfelder Chronik, S. 67, Anm. 1: „weil ihn der Abt nicht so viel gewürdigt, daß er ihm sein jüngstes Schreiben mit einem einzigen Wort beantwortet noch viel weniger einen einzigen Heller oder dergleichen zur Zehrung geschickt hatte, ‚da doch’, fährt der Schreiber fort, ‚alle meine Kammeraten von ihren Ortern zu 2 : 3 : 4 : Im die 500 Rthr. neben ihrer Zehrung Schon auf rechnung hieher bekommen haben vnd darf Sich der Herr (nämlich Abt) gar nicht einbilten, das er So sehr werde aufgehen, oder aber ich Seinetwegen alhier mein eigenes Gelt verzehren will, Stellt sich der Herr (Abt) mit diessem Botten nicht ein, So Soll er versichert Sein, daß nicht allein sein Gloster vnd Dörffer, Sondern alles da herumb ligente Getreit Am lengsten soll gestanden haben, den alhier vber 400 Pfert vorhanten, die auff Anders nichts warten, alls das Sie die vngehorsamen darunter der herr der furnehmsten einer ist mit feuer vnd Schwert Strafen Sollen, welches ich dem Herrn mit wenigen zur Nachricht vermelten vnd vor Schaden gewarnt haben will, hab Jüngstens für meinen herrn Obristen eines hantpferdes vnd  f ü r  m i c h  e i n e s  guten Glöpers (Kleppers, Gauls) gedacht, aber derowegen kein Antwort bekom, allem vermerckhen nach mus der herr nicht wissen was die Regiments Quartirmeisters Scharschy (Charge) auf Sich hat, den Sonst würt er mir mit anderer Disgrezion begegnen, hat aber nichts auf Sich Soll ihm schon in einem andern vergolten werden Sonst für dißmahl ein mehrers nicht alls Gott bevohlen“.
[113] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise führten die Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. auch http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.
[114] Jaspisstein, Flur östlich der Neustadt von Hof.
[115] Charles Darlen [ – ], kaiserlicher Obristleutnant.
[116] Jacques (Jacob) [Barrli; Robert; Karl ?] Freiherr v. Bornival [Borneval, Bornaval, Bonnival, B(o)urnevelli, Bornuel, Bornevika] d’Arlin [Barrli, Erlin] [ – ], kaiserlicher Generalmajor.
[117] Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec] [1588-21.8.1648 Arras], kaiserlicher Generalfeldmarschall.
[118] Ranzion, Rançon, ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Teilweise wurde Offizieren gestattet, zum „Rekompens“ drei bis Häuser zu ranzionieren; FRITSCH, Tagbuch, S. 129. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade auch der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten je nach Rang in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht gelassen worden“.
[119] verschrieben für „Novembris“.
[120] Thomas Schneider [Dezember 1581-27.12.1634/6.1.1635], Bürgermeister u. Spitalmeister in Hof.
[121] Georg Hend(e)l [ -19.7.1638], Kammermeister, Stadtrat in Hof.
[122] Döhlau [LK Hof].
[123] Schönwald [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].
[124] Marktmeister: städtischer Beauftragter, der während eines Marktes die Einhaltung der Marktordnung überwacht und die Marktgefälle einnimmt.
[125] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich,  S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil aber auch bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“.
[126] Vergewaltigung: Vergewaltigung war in den Kriegsartikeln aller Armeen ausdrücklich verboten und mit der Todesstrafe bedroht. Auf Vergewaltigung stand schon in den Kriegsartikeln Gustav II. Adolfs von 1621 die Todesstrafe. Sie war aber von Anfang an eines der häufigsten Delikte, wenngleich z. T. in den offiziellen Kriegsberichten an den Kriegsherrn absichtlich unterschlagen, aber auch in den Taufregistern immer wieder auftauchend. Zuweilen vermerkte der Pfarrer beim Vater „drey Soldaten“, „zweene Soldaten“, um auch Mehrfachvergewaltigungen zu dokumentieren; UHLIG, Leidenszeiten, S. 11; vgl. die kirchlichen Zweifel bei GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 14, 66; „Balgstedt im Besitz der Herren von Heßler und von Schieck 1616 – 1744“: „1634 läßt Frau Thiele Zwillinge taufen; ihr Mann Hans Thiele hatte sie verlassen und war in den Krieg gezogen. In dem selben Jahre wird der außereheliche Sohn der Anna Schild getauft, welche sagt, sie sei voriges Jahr nach Pfingsten nach Laucha gegangen und auf dem Heimwege unterm Hain beim Spillingsgarten von einem Reiter überfallen worden, weshalb das Kind ‚Hans Reuter’ getauft wird“. Zur Schändung auch von Schwangeren vgl. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 54. Teilweise waren selbst Reiterjungen daran beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: „2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können“. Die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mag aus verständlichen Gründen um ein Vielfaches höher gelegen haben. THEATRUM EUROPAEUM Band 3, S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden“. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es dagegen ausdrücklich, dass die Schweden in der ganzen Zeit sich „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice. Vgl. auch MAHR, Monro, S. 56f. Daus Verfahren wurde sehr unterschiedlich gehandhabt, vgl. etwa die Aufzeichnungen des Schmalkaldener Chronisten Pforr; WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636] sollte ein [schwedischer] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden“. Auf Klagen bei Kommandieren hieß es z. T.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 122: „es sei aus unterschiedenen regimentern kommandiert volk und unter denselben Spanier, Neapolitaner, Burgunder, Italiener etc., die man nicht also in zaum halten könnte“.Vergewaltigung gehörte z. T. zur üblichen Topik in zeitgenössischen Berichten oder bei Geburt unehelicher Kindern; vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, Bamberg, S. 222, heißt es ausdrücklich, dass sich die Schweden in der ganzen Zeit „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice; die Beschwerden der Pommern’schen Gesandten (1630); THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 190, CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff. SEMLER, Tagebücher, S. 212f. (1635): „es ist kein wunder, daß wir kein glückh haben könnden, daß vnser aigen volckh mit den gaistlichen sachen so vebel vmbgehet, daß ein erschröckhen ist. Diser tagen haben vnser reütterey daß stätlin Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin], so doch kein feind darinnen wahre, veberfallen, dem priester, so eben consecrirte, den kelch auß der hand genommen, die closterfrawen noth gezwungen, andere weiber auf dem heiligen altar geschändt und geschmächt [geschwächt !; BW]“. Vgl. auch die Orgien der Gewalt gegen Frauen durch Kaiserliche in Pasewalk (1630); METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 43. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632 über die Rache von Frauen; DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“. Zum Teil wird diese Gewalt gegen Frauen auch mit „schwechen“ umschrieben.
[127] Kriegsgräuel, Kriegsverbrechen: Kriegsgräuel waren die Begleiterscheinung dieses Krieges von Anfang an. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620), zur Eroberung von Pisek am 30.9.1620; PÖRNBACHER, Barock, S. 325f.: „Heute um die dritte Stunde des Nachmittags ist Biska gleich beim ersten Eindringen in die Stadt erobert worden. Alle, die drinnen waren, hat man zusammengehauen und umgebracht. Besonders die Soldaten des Bucquoi haben niemand geschont, kein Geschlecht noch Alter, auch das Kind, das im Bett saß, wurde mit einem Gewehrschuß hingestreckt. Ein gar erbärmlicher Anblick war das, wohin die Einwohner oder die Besatzungssoldaten auch flohen, sie fielen in die Hände der Unseren und wurden getötet oder gefangen. Der Anführer wurde in der Stadt in tausend Stücke zerhauen. Einer Schwangeren, die im Schrecken gebar, wurde der Kopf gespalten, das Kind an der Wand zerschmettert. Man sagt, Bucquoi habe sein Schwert und den Regimentsstab zerbrochen, als er dem Gemetzel Einhalt bieten wollte, aber die Raserei der Soldaten war stärker. Mehrere stürzten sich ins Wasser, um wenigstens so zu entkommen, aber auch dort trafen sie die Kugeln und so starben sie fast einen doppelten Tod. Man sagt, es seien zwölfhundert Schützen in dieser Stadt gewesen, die schon an sich, und auch durch ihre Lage aufs beste befestigt war. Aber nicht einmal einen ganzen Tag hat sie diesem doppelten Heer, dem unsern und dem des [Charles Bonaventure de; BW] Bucquoi, widerstehen können. An diesem Abend liefen von den Böhmen 130 Soldaten ins Lager unseres Fürsten über. Überall herrscht unter unseren Feinden Furcht, Schrecken und großes Zittern, und das ist kein Wunder: schon kennt man den bayerischen Löwen“. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 163f., Anm. 2: „Den 17. November 1621 Abends fielen sieben Cornet Reuter, unter Commando des Bayerischen General-Feld-Wachtmeisters Grafen von Anholt [Johann Jakob v. Anholt; BW] Commando in den [kurpfälzischen BW] Flecken Beerfelden, plünderten, ohnerachtet ihrer Verpflegung, denselben aus, nahmen 21 Pferde, und tractierten die Leute unmenschlich, daß sie, um ihr Leben zu retten, sich in die Wälder flüchteten. Folgenden Tags wurde durch den continuirenden Nach- und Rückzug von etlichen tausend Mann von der Bergstraße gegen Moßbach [Mosbach; BW] in dem Amt Freyenstein [Freienstein; BW] vollends alles aufgerieben, auch die Kirche ihres Kelchs und Ornats beraubet, der Pfarrer [Heinrich Lambinus; BW] erbärmlich geschlagen, und mit Stricken dermaßen geknebelt [=> geraitelt; BW], daß ihm Gesicht und Gehör vergangen, das Blut zu den Augen herausgedrungen, und er in wenig Tagen sterben müssen. Sie nannten ihn anders nicht, als einen Lutherischen Schelmen und wollten ihn mit Bedrohung der Castration zwingen, daß er den Kirchen-Gesang: »Erhalt uns, Herr, bey deinem Wort usw.« verschweeren sollte. Sie preßten ihm auch durch große Marter 600 fl. aus“. Hans Sonnenbächer, Schultheiß, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 206: „Mansfeldische Reiter, uf 30 stark, seien bei ihnen durchgestreift. Philipp Stumpf sei uf Schultern gehauen worden, denen sie als ein alten eisgrauen Mann gestöckt und gepleckt, ins Dorf genommen, mit Füßen ufgehängt, mit Lunten gebrennet, auch salvo honore [= mit Verlaub zu sagen (Entschuldigungsformel)] in Mund Urinam reddiert [= uriniert], endlich herab ufs Genick sehr übel fallen und schlagen lassen“. Der Pfarrer von Mönchsdeggingen, Christian Spradtler, am 4.1.1634 über die am 13.12.1633 erfolgte Plünderung und seine Marter; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 51f.: „und einer unter ihnen, der sich des Ochsenwürthen, würthen von Nereßheim, welchen man vor diesem verbrand, Sohn genennet, sich öffentlich vernemen lassen, habe sich dem leibigen Satan ergeben ewiglichen. Alsobalden die anderen dreyen seine Spießgesellen gerufen, deren sich dann ein jeder mit seinen Instrumenten baldt gefaßt gemacht. Der erste mit einem hültzern reiteltopff, mich damit zu reiteln, der ander mit einem langen Strickh, mich damit zu binden, der dritte mit einem Schraufzeig mich damit zu klueben, Der vierte mit einem großen erdenen Topff darinnen etliche maß wasser, so sie den schwedischen trunckh nennen, gema(h)nt, mir damit den garauß zu machen“. Hans Hoxer in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 213: „Ewald Weißen Frauen hätten sie die Nasen abgehauen. Ihm, Zeugen selbst, ein Strang um den Kopf gelegt und geknebelt, daß er ihnen etwas an Geld, so er in einem Säckel im Garten gescharret gehabt, geben, womit sie aber nicht content [= zufrieden] gewesen, sondern fürbaß [= weiter] einen Strang an beiden Armen gemacht, das Seil hinterrücks über ein Apfelbaumen Äste geworfen, schwebend ufgezogen, auch eine gut Weil hängen und sich bedencken lassen. Zeug aber [durch]gehalten und ferner nicht geschnellt [= hochgezogen worden]. Sonsten hätten sie in Gewölbe, darinnen er sein und anderer Leut Sachen verwahret gehabt, ufgebrochen und alles genommen, dabei zu verstehen geben, das hätte man unserm gnädigen Fürsten und Herrn [dem Landgrafen] zu danken. Vom Schänden wäre viel gehört worden, dann mit seines Nachbarn Barthel Schelches Eheweib hätten sie Schande geübt und doruf ins Wasser geworfen, welche kürzlich hernach, vermutlich aus Schrecken, gestorben“. Heinrich Clodius, Schulmeister, in seiner Zeugenaussage; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 215: „Die Weimarischen hätten ihn, Zeugen selbst, in die Scheuer geführt, geknebelt, die Hände uf den Rücken gebunden, mit brennenden Lunten Pulver in die Hosen geblasen, auch deromaßen mit ihme übel gehaust, daß er den Mund noch nicht recht öffnen könne. Sie haben Jakob Schäfern mit dem Hals ufgehängt und ein Weil hängenlassen, bis er ihnen das Geld zu geben verwilliget. Niklas Glappacher hätten sie ein Kordel um die Pudenda [= Geschlechtsteile] gemacht, so lange zugezogen, bis er ihnen ufs 60 Gulden geben. Matthes Hammans Weib, samt andern viel mehr, Daumen ufgeschraubt um willen, Geld zu geben und zu verraten“. Pfarrer Heinel von Waldkirchen (1632), zit. nach www.krumhermersdorf.de/literatur/urkunden: „Weil man etliche Soldaten unten im Dorfe abgesetzet und [ihnen] die Pferde genommen [hat] welches nicht nur hiesige Leute, sondern auch benachbarte verübet, [haben] General Holcks Völker [Soldaten] auf ihres Generals Befehl das Dorf angestecket [angezündet]; niedergehaun, was sie angetroffen, also daß sie etlichen die Köpfe in einem Hieb abgehauen [haben] und der Kopf den Berg [hin]abgelaufen, das Corpus [Körper] aber liegengeblieben [ist], welches jämmerlich zu sehen gewesen. Und sonst übel verfahren, wie die Rudera [Spuren] noch ausweisen „. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 23f.: „Zu dieser Zeit ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewähret bis auf das 1637. Jahr; do man dann bald nichts anderes hörte als Rauben, Stehlen, Morden, Sengen und Brennen. Die armen Leut[e] wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch gereitelt. Vielen [wurden] die Augen ausgestochen [und] Arm[e] und Bein[e] entzweigeschlagen. Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten. Etliche [wurden] von ferne beim Feuer gebraten, (teils) im Rauchschlot aufgehenkt und Feuer unter sie geschüret. Etliche [sind] in die Backöfen gestoßen, Stroh vorgemacht und angezündet [worden]. Kein und Schwefel [wurde ihnen] unter die Nägel gesteckt und angezündet. Die Daumen [wurden] geschraubet, spitzige Knebel ins Maul gestecket, [so] daß das Blut haufenweiß heraus geloffen [ist]. Hernach(er) [ist] der ganze Leib durch den Mund mit Urin und Mistwasser gefüllet [worden], die Fußsohlen [wurden] aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen aus den Leibern geschnitten und vielen die Rippen in dem Leib entzwei geschlagen. In Summa, die große Pein und vorhin unerhörter Marter – davon auch der Teufel in der Höll[e] Mitwissenschaft haben mochte – so sie den Menschen in vielen Wegen (an)getan, bis sie gestorben oder verschmachtet oder preßhaft worden, ist nicht zu beschreiben. Da hat manches fromme Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herrn oder Nächsten Sachen, die lange verwahret gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der Schwangern und Sechswöchnerin[en] mit Schänden nicht verschonet. Und welches ja ein Greuel anzuhören: achtjährige Mägdlein sowohl, [als] auch 60 bis 80jährige Weibspersonen [sind] zu Tode gemartert, hernach ausgezogen, in die Teich geworfen oder auf der Straße liegen [ge]lassen [worden]. Zuletzt durft[e] sich kein Mensch mehr in Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sich, [ganz] gleich [ob es] im Morast oder in gebirgigen Steinklüften war, denn da hatten sie Hund[e], welche auf die Menschen abgerichtet [waren, so] daß also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach, da sind viel[e] Leut[e] in den Wäldern hin und wieder erschossen und niedergehauen worden; auch unbegraben liegen [ge]blieben“. THEATRUM EUROPAEUM Bd. III, S. 278f., über die Lage in Schlesien nach der verlorenen Schlacht bei Liegnitz am 13.5.1634, in der die kursächsische Armee unter Hans Georg von Arnim die kaiserliche unter Johann von Götz und Rudolf Graf Colloredo schlug: „Die Kayserische nach deme sie bey der Lignitz geschlagen / haben sie in Schlesien besonders zwischen Lignitz und Glatz gar übel gehauset / sonderlich dieweil sie zumahl kein Oberhaupt gehabt / alles was sie gekönt / außgeplündert / und die Inwohner allen Orten wegen grosser angelegter Marter und Peinigung verjagt / auch auß den Wälden / dahin sie sich umb sicherheit willen begeben / gleich wie das Wild auff dem Felde gehetzet / das Frauenvolck wie ein Heerd Vieh zusammen in ihr quartier getrieben / und nackend und bloß mit ihnen zu tanzen / und sonsten zu gehorchen gedrungen: über das dz arme Volck beym Feuer und in Backöfen gebraten / die Augen außgestoßen / Riemen auß den Rücken lebendig geschnitten / Arm und Beyn / Ohren und Nasen / die männliche Glieder und säugende Brüste abgeschnitten / oder darmit empor gehoben / mit Spännern und Hämmern zerklopfft / angeschnürt / umb geführt / Kühn und Schwefel unter die Nägel und in die heimliche Ort gesteckt / angezündt / und damit biß zum Hertzen hinauff gebrent und also verbrent: mit Pistolstöcken die Daumen geschraubt / mit den Bärten und Haren auff den Steinen herumb geschleppt / zerbrochene spitzige Stecken in Hals gesteckt / biß das Blut hauffenweise herauß gelauffen / den Mund unnd Bauch mit Mistpfitzen / Urin / und anderer Unsauberkeit angefüllt / in die Brunnen geworffen / von Dachrinnen gewipffet / die Fußsohlen auffgeschnitten und Salz drein gestreuet / Arm / Bein und Rippen im Leib entzwey geschlagen und zertretten / Hände / Nasen und Ohren abgeschnitten / auffgehenckt / und Feuer unter die Füsse gemacht / und darmit weder Alter noch Jugend / weder Mann noch Weib / weder Edel noch Unedel / weder Schwangern noch Sechswöcherin / noch keines anderen Unterschiedes verschonet / den Eltern die Kinder auß den Armen gerissen / und in stücken zerhauen /zerrissen oder wider die Wände geschmissen / die Augen den armen Leuten auß dem Kopff gerättelt / wie sie reden / und unsäglichen Marter / Schmertzen und Pein angethan / als nicht alles zubeschreiben / wie die zu Goldberg / Reichenbach / und an anderen Orthen und Stätten / Flecken / und Dörffern erfahren: sonderlich zu Reichenbach / welche doch allezeit den Keyserischen / wie billich / miltiglich contribuiret / und alle mögliche Hülff und Vorschub gethan / welchen auch die Bürgermeister auffgewartet / ihnen entgegen gangen / und mit Glimpff der Statt bestes reden wollten / aber nicht gehört / sondern nur die Gewaltthätlichkeiten mit Morden / Schänden / Plündern in Kirchen und Häusern / auch biß für und auff den Altaren und Gotteshäusern verübet / wie darvon in Truck außgelassene offene Schrifften und Klagten bezeugen“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 237, Bericht der Amberger Regierung vom 19.3.1646: „Wie dan auch dergleichen unmenschlich procedur den 13. diss auch vorgangen, indeme Georg Schmid, untertan zu Kemnath, welcher mit 5 kleinen kindern beladen von Hirschau nacher hauss und futter gehen wollen, ist er von 9 reuttern erdappt, in das wirtshaus geführt und von ihm begehrt worden, speckh, butter und früchte zu weisen, weiln er aber nichts gewußt, haben sie ihn mit prügeln, eisernen stenglein, schrodhacken und säbeln anfangs uf die schienbein, daß dieselbige ganz zerschmettert, so lange geschlagen, bis die spreissel davon gefallen, hernach ins creuz, in die rechte seiten, über den rückhen und lenden mit einer schrothacken also getroffen, das er etlichsmal zu boden gefallen. Andern morgen früe vortags haben sie ihn mit eisernen stänglein abermahlen jemerlich geschlagen, den urin und koth in einen hafen gelassen, under einender gerührt und ainer, den sie den türkhen genannt, nachdem die andern ihne uf die arm gestanden, das maul mit einem eisernen stänglein aufgespreizt und diesen unflath also unbarmherzig hineingegossen und abwärts im hals gestrichen. Nach diesem allen haben sie ihn wieder ufs geführt und alss er inen uf starkes zusprechen nicht anzeigen khönnen, zu boden geschlagen, mit füssen getretten, gestoßen und mit sporn gestochen und alss er mit weiters laufen müssen, hat ine der türk mit einem prügel über den Arm, rückhen, lenden, füß und fußsohlen unaufhörlich geschlagen, mit ins holz geführt, einen strickh an halss gelegt und an einen paumb gehängt, doch daß er die erden mit den zehen berühren khönnen, bis ihn endlich der zehnte reutter, so bei diesen gewest, abgehauet, und nach hauss zu gehen haissen“. Vgl. die Rechtfertigung der Kriegsgräuel bei dem Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich [Gustav Horn gewidmet], dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, Discurs, S. 6, 19. Vgl. NEITZEL; HORATH, Kriegsgreuel; KAISER, „Ärger als der Türck“. „Je länger der Krieg dauerte, um so ärger wurde es. Eine Beschwerde der anhaltischen Fürsten vom 22. Januar 1639 an den Kaiser schildert die Zustände im Lande wie folgt: ‚Die meisten Völker haben sich von der Armee abgetan und unser Fürstentum durch und durch gestreift, Dörfer und Städte, derunter Jeßnitz und Raguhn, ausgeplündert, Adlige und andere Standespersonen ermordet und verwundet, Dörfer in Brand gesteckt, teils ohne Not niedergerissen, Bauernkinder geschlachtet, den Weibern die Brüste abgeschnitten und gegessen, dazu das Land dermaßen verderbt, daß fast niemand sich auf dem Lande aufhalten und das Feld bestellen, noch die Reichsanlage abführen kann“. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 152f.: „In Ruppertsgrün [bei Elsterberg] trennten sie [die Schweden 1640; BW] dem 83jährigen Pfarrer mit glühenden Eisen Ellenbogen, Kniescheiben, Fußzehen ab und marterten ihn zu Tode. Seiner Haushälterin gaben sie Mistjauche zu trinken und zerschlugen ihr mit Pistolen das Gesicht. Anderen Dorfbewohnern banden sie die Köpfe unter den Beinen zusammen und hängten sie verkehrt herum auf. Dann schlugen sie auf diese ein oder legten Feuer unter die Unglücklichen. Einen Bauern ließ man im Backofen ersticken, einem anderen schnitt man die Ohren auf, und gab sie ihm kleingehackt zu essen“. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
„Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. VOLLBRECHT, Dreißigjähriger Krieg, S. 57f.: „So zündeten die schwedischen Soldaten am 5. Mai [1636; BW] die Glandorfer Glandorf [LK Osnabrück; BW] Kirche und das ganze Dorf an. Das soll eine Strafaktion gewesen sein, weil einige Zeit vorher Glandorfer Bürger bei der Verteidigung ihres Ortes einige schwedische Soldaten getötet hatten. Hierbei kam es auch zu Greueltaten gegenüber den Wehrlosen. Es wird berichtet, dass die schwedischen Soldaten von den drei Töchtern des Hofes Schultewerth eine kreuzigten und eine andere über dem Herdfeuer erstickten“. Während des Dreißigjährigen Krieges massakrierten schwedische Truppen am 18.6.1633 einen Großteil der männlichen Bevölkerung von Kirchhofen. Die Opfer wurden bei lebendigem Leib in einer Weinpresse zu Tode gequetscht. Insgesamt wurden dabei rund 300 Bauern aus Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler als angebliche Rebellen niedergemetzelt. Vgl. auch FURTENBACH, Ober-Ländische Jammer- Und Straff-Chronic, S. 67ff. über die Einnahme Memmingens durch die Kaiserlichen (1633). „Bis ins Jahr 1636 war Pruntrut von den in der Umgebung lagernden Kaiserlichen blockiert. Die Mißhandlungen der Landleute draussen in den Dörfern bis ins Delsbergertal durch die Truppen blieben an der Tagesordnung. So wurde in Courchavon wie zwei Jahre vorher in Fontenais der Schmied, ein armer alter Mann am Strohfeuer zu Tode gesengt. In Bassecourt liess man den Sohn einer guten Familie, absichtlich zu diesem Zwecke eingesperrt, verhungern. Ein anderer musste in Vermes angesichts eines mit Speisen wohlbesetzten Tisches den gleichen Tod sterben; dessen Vater, in einem nahen Speicher eingeschlossen, musste ebenfalls verhungern. Einem armen Kinde, das einen harmlosen Brief von Prunstrut nach Delsberg tragen sollte, ließ der Obristleutnant Mora ein Ohr abhauen“. => Kriegsverbrechen in den „Materialien“.
[128] Spolierung: Plünderung.
[129] Regnitzlosau [LK Hof].
[130] Helmbrechts [LK Hof]; HHSD VII, S. 282.
[131] KLUGE, Hofer Chronik, S. 64f.
[132] Kapitänleutnant: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.
[133] Rekompens: Ersatz (für Auslagen), Belohnung.
[134] ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht ge[S. 129]lassen worden“.
[135] colligieren: sammeln.
[136] verschrieben für „weder“.
[137] prätendiert: gefordert.
[138] Ausschuss: I. Bürgerwehr: (zumeist relativ wirkungslose, unzuverlässige und aufsässige) Miliz zur selbstständigen Landesverteidigung (vgl. Landwehr), die teilweise schon beim ersten Musketenschuss auseinanderlief oder als Kanonenfutter diente, wenn sie nicht unter dem Schutz von Soldaten eingesetzt wurde. Zum Dienst im Ausschuss konnten sowohl Bürger – meist kleine Handwerker und ärmere Bürger, reichere Bürger drückten sich vor diesem Dienst –  als auch Bauern der städtischen Dörfer herangezogen werden. Üblich war die Stellung des 5. oder 10. Mannes. Die Erfurter Bürgerwehr soll aus 1.200 Mann bestanden haben; BEYER; BIEREYE, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 537. Zur Nutzlosigkeit des Bürgerausschusses vgl. die Äußerungen des brandenburgischen Kanzlers Friedrich Pruckmann [1562-1630]; FADEN, Berlin, S. 144: Sie wurden „von ihrer zween angeführt, die ihr Lebetage wohl keinen toten Menschen im Felde gesehen. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen, auch Schreien in beiden Städten [Berlin und Cölln] die ganze Nacht hindurch, dass ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben. Denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg; dem andern entfiel der Ladestecken, dem dritten die Forschett [Gabelstock]; dem vierten versagte die Muskete zwei- bis dreimal; der fünfte steckte die Nase gar in den Ärmel, wenn er schießen wollte, gleich den Mönchen, Pfaffen und Jesuiten, die vor etlichen Jahren zu Paris gassatim gingen, Die dann losgeschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pikeniere trugen die Pike auch gar musterlich, zu geschweigen, dass sie solche sonsten zu gebrauchen sollten gewusst haben. Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt“. FADEN, Berlin, S. 153f. Teilweise wurde schon aus Kostengründen der Ausschuss von Städten abgelehnt; BRUNS, Hallenberg, S. 258f.; WALLHAUSEN, Defensio Patriae.
  1. Ausschuss, fürstlicher: Truppen der Landstände.
[139] Johann (Hans) Caspar Flessa, genannt Tettelbach [1634-1640 Kapitän des fürtstlichen u./oder bürgerlichen Ausschusses in Hof.
[140] Nicol Gröschel [ – ], Sohn des Stadtsrats u. Kammergegenschreibers Nicol Gröschel.
[141] Nicol Gröschel [ – ], Sdtadtrat u. Kammergegenschreiber in Hof [1634-1635]Kammergegenschreiber: städtischer Kontrollbeamter.
[142] Wolf Oswald Prückner [ – ], Junker in Hof.
[143] Christoph Salomon Wunschold(t) [November 1598-14.7.1639], Zuckerbäcker u. Advokat in Hof.
[144] verschrieben für „pferde“.
[145] Kapitän [schwed. Kapten, dän. kaptajn]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl., d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. sein Anteil aus Beute und Ranzionierung betrug pro 1.000 Rt. Erlös  59 Rt. 18 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156.Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.
[146] Johann Prößler [Prößler [Pößler, Praßler, Pößler, Päßler, Pröstler [ – ], kaiserlicher Hauptmann.
[147] Rehau [LK Hof]; HHSD VII, S. 613.
[148] KLUGE, Hofer Chronik, S. 66ff.
[149] Nicola [Nikol, Nicolai] Rajkovič [Radowitz, Ragowitz, Ragewitz, Rackewitz Rackenwitz, Rackonitz, Rackoniz, Radowitz, Raickowitz, Raikowitz, Rackowitz, Reckowitz, Reckewitz, Rejkowitz, Reickowitz, Rockowitz, Ritkowitz, Royckowitz, Rubenitz, Rübenitz, Renko ?] [ -17.4.1644], kaiserlicher Obrist.
[150] pochen: I. DWB  Bd. 13, Sp. 1957, 56: „vom ungestümen, zornigen, unmutigen, trotzigen, hoffärtigen, prahlerischen, höhnischen auftreten, handeln und reden“; bzw. II. Sp. 1961, 57: „mishandeln, vexieren, plagen“.
[151] Hohenberg a. d. Eger [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 307f.
[152] Hof-Unterkotzau.
[153] KLUGE, Hofer Chronik, S. 78f.
[154] Fourier, Fouragier: Der Fourier übte eine ähnliche Aufgabe wie der Quartiermeister aus, indem er vor allem die Verpflegung der Truppe und die Beschaffung von Viehfutter in den besetzten Gebieten sicherstellen sollte. Geschickte Fouriere konnten gerade in ausgezehrten Landstrichen wichtig für das Überleben der Einheiten werden
[155] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[156] KLUGE, Hofer Chronik, S. 80.
[157] Nikolaus [Nicolas, Nicolai] de Mille Draghi [Milly-Draghy, Milistraky, Mylli Fracki, Mylle Dragi, Misti, Tragy, „Draco“] [ -Januar 1640], kaiserlicher Obrist.
[158] Francesco [Antonio] Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], marchese di Grana [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto u. Grane] de Savona e Caretto, conte di Millesimo [1594/1590/1592-9.11.1651/1652], kaiserlicher Feldmarschall.
[159] Ungarn: Schriftlich erwähnt werden „hussarones“  (ursprünglich Grenzsoldaten in den ungarischen Festungen) erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des  Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem einen Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Zur zeitgenössischen Einschätzung vgl. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456f. (1619):Es ist zwar ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter; so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder“. Eine ganz ähnliche Klage findet sich auch in dem Wiener Bericht vom 27. Oktober [1619]: „Die Hungern haußen gar übel auch bei den Evangelischen sine omni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen alles, so erbärmlich ist; wann sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen“.
Der katholische irische Feldkaplan Thomas Carve [1590 – 1672 ?] berichtet; CARVE, Reyßbüchlein Bd. 2, S. 159f.: „Den 17. Octobris [1639; BW], ward ein Vngarischer Graff mit 500 Pferden / von Prag auff Prandis [Brandýs nad Labem] zu / allda die Schweden sich auffhielten / vmb Kundschafft einzuholen / außcommandirt. Dieser ist bald nach seinẽ Außzug von den Schwedischen Partheyen vmbgeben vnnd ertapffet / vnnd weilen in dem Außreissen / sein Pferdt vnter ihme gestrauchlet / gefangen worden; Obwohl nun er der Gefängnuß sich zu entledigen vermeyndt / gleichwohl gesehen dass solches durch kein anderes Mittel / alß mit gewehrter Handt geschehen könne / hat er sich allermassen ritterlich gewehret / auch der Schwedischen viele mit seiner eygenen Handt niedergemacht / biß endtlich er also verwundet / vnnd mit sieben tödtlichen Wunden verletzt / heroisch auff  der Walstatt todt blieben. Sein todten Leichnamb haben nichts desto weniger die Vngaren dem Feindt entzogen / vñ mit sich nacher Prag gebracht vnangesehen irer etliche hundert das Leben darüber eingebusset / allda selbiger nach Standtsgebühr / mit grossen Ehren zur Erden bestattet worden“.
[160] Kriegskommissar [schwed. war kommissionär, dän. war-kommissær]: Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontribution). Als Quartierkommissar legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung; vgl. s. v. „Fourier“.) Der „Musterkommissarius“ führte in landesherrlichem Auftrag die Musterungen durch und überwachte die Zusammensetzung des Heeres. Musterkommissare waren bei gemeinen Soldaten wie Offizieren gleichermaßen verhasst, da sie Manipulationen und Betrügereien auf den Musterplätzen zu unterbinden suchten: Söldner erschlichen sich vielfach Sold, indem sie sich unter verändertem Namen mehrfach mustern ließen, Offiziere führten zuweilen mehr Männer in den Soldlisten, als tatsächlich vorhanden waren, um die eigene Tasche mit den überschüssigen Löhnungen zu füllen (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120ff.). Auch hatten sie die Abdankungen und die Zusammenlegung und Neuformierung kleiner Einheiten zu überwachen. Dänische Kriegskommissare erhielten monatlich ab 1625 zwischen 200 und 400 Rt. je nach Aufgabenbereich; OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg 2. Bd., S. 171. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51; vgl. auch PFEILSTICKER, Lang. In einer Landtagsbeschwerde des Gerichtes Hörtenberg wird geklagt, daß bei Durchzügen „auch tails beglaitcommissari den unntertonnen mehr sched- als nutzlich sein, in deme sy mer dem soldaten beifallen, unnd in ansuechenden unerzeuglichen sachen recht geben, als den unnderthonnen obhabennden gebierennden schutz erweisen“. SCHENNAT, Tiroler Landesverteidigung, S. 63. Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. „Im Dreißigjährigen Krieg machten sich jüdische Kommissare unersetzlich. Ein schwedischer Diplomat sagte: ‚Alle Juden sind Kommissarii, und alle Kommissarii sind Juden‘ “ [MÜHLAUER, Des Kaisers Kommissar]. Teilweise wird in zeitgenössischen Chroniken auch festgehalten, dass Kriegskommissare ihr Amt aufgaben, um sich nicht länger an der Ausbeutung der kriegsverarmten Leute zu beteiligen; Chronik des Sweder von Schele, Teil 3, fol. 877 (Juli 1634); Saitom, Das Kriegskommissariat der bayerisch-ligistischen Armee.
[161] Flucht: Überlebensstrategie in Kriegszeiten. Der Schuhmacher Hans Heberle listet in seinem „Zeytregister“ 30 Fluchten nach Ulm auf. ZILLHARDT, Zeytregister, S. 225; DEMURA, Flucht, S. 187ff. Der Bieberauer Pfarrer  Johann Daniel Minck; KUNZ/LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 253f.: „Viele verkrochen und versteckten sich zwar in Wälder, Höhlen, Klippen etc., waren aber ausgespähet, denn die [kaiserlich-bayerischen] Soldaten hatten bei sich menschenspürige Hunde, welche, wann sie an Mensch und Vieh kamen, mit ihrem Bellen die Leute verrieten und den Räubern Anzeig gaben. Darumb flohe alles auf die Schlösser. Da lagen alle Gassen, Höfe und Winkel voller Leute, besonders zu Lichtenberg, welches ein kleiner Behelf. Und derhalben auch viele im Regen, Schnee und Kälte unter dem freien Himmel lagen, teils lagen in Fässern und Bütten. Die Stuben waren Winterszeit so voll, dass wegen der Menge keines sitzen, sondern dicht ineinander stehen müssen. War ein groß Jammer und Elend anzusehen, zu geschweigen, selbst mit darin begriffen sein“. BENTELE, Protokolle, S. 192 (1634): „Des andern Tags, als man vernommen, dass die ganze Armee marchiere, haben sich Mann und Weib mit den Kindern in das Feld, Weinberg, Hülen, Klüften und Wäld mehistentails begeben, in Hoffnung, daselbsten sicher zue sein, bis das Ungewitter fürübergieng. Aber die wurden allerorten durch die Hund der Soldaten ausgespürt, gehetzt, gejagt, gefangen, ranzioniert, übel tractiert, und tails erbärmlich ermordet. War auch zu solcher Zeit Tag und Nacht schön und warm Wetter auf vierzehn Tag aneinander, daß doch also mancher dessentwegen desto besser in einem verborgenen Winkel durch Gottes väterliche Obacht bewahret gewesen, und sein Leben wie eine Ausbeut darvon gebracht hat“. Abt Veit Höser (1577-1634) von Oberaltaich bei Straubing berichtet; SIGL, Wallensteins Rache, S. 142f.: „In diesen Tagen [Dezember 1633; BW] trieben es die Schweden überall ganz arg. Sie streiften in alle Richtungen und Gegenden herum, durchstöberten sogar die menschenleeren Ödnisse und Wälder, alle Berghänge, jedes Tal, jede Schlucht, jeden Schlupfwinkel, daß die Menschen sich vor Todesängsten überhaupt nicht mehr auskannten, sich nicht mehr helfen und raten konnten. Unter dem eigenen Dache gab es ja ohnehin keine Sicherheit. In ihrer Bedrängnis flohen alle aus ihren Wohnungen, als wären das selbst Räuberhöhlen, flüchteten in die Berge, versteckten sich in Hecken, im Dickicht, in der Wildnis, obgleich sie auch dort nirgends bleiben konnten wegen der Winterkälte, die in unserer Waldgegend noch viel ärger ist. Wenn sie sich überhaupt ein Feuer machen konnten, verriet sie schon von weitem der aufsteigende Rauch bei Tag und bei Nacht der Feuerschein; ja, die Flucht in ein Versteck verriet sie selbst schon wieder durch die unvermeidlich im Schnee hinterlassenen eigenen Spuren. Die schlauen Spürhunde folgten mit ihrer Nase diesen tiefen Fußstapfen und spürten den Flüchtlingen fleißig nach, ohne deren Todesängste zu spüren. Schau, laß dir sagen, was diese ungemein scharfsinnigen Bösewichte nicht alles aushecken, damit ihnen ja kein einziger Mensch entwischt. Überall in den Wäldern, in Dickichten, auf Viehtriften, wo sich einer geflissentlich verstecken könnte, veranstalteten sie blutige Treibjagden (veneticam tragediam). Sie stellten Reihen von Scharfschützen in einem größeren Abstand voneinander auf und durchstreiften so das vom Eingang her das Gelände, indem sie obendrein noch abgerichtete Jagd- und Spürhunde vor sich herhetzten. Diese reizten sie mit ihrem Hussa-Hussa zum Bellen, ließen sie durchs Dickicht und Gebüsch stöbern, nach Feuerstellen schnüffeln, schickten sie in unzugängliche Stellen, damit sie überall die versteckten Menschen ausmachen, mit ihrem Verbellen verraten und heraustreiben. In undurchdringliches Heckengestrüpp (truteta) schossen sie mit ihren Gewehren hinein, um die allenfalls darin verborgenen Menschen zu zwingen, dass sie herauskriechen oder herausspringen. Wollten solche arme „Angsthasen“ jedoch sofort bei dem Hussa-Geschrei der Jäger und dem Hundegebell der unausbleiblichen Flucht zuvorkommen und davonlaufen, wurden sie dort von den Musketieren zur Strecke gebracht, die den Wald von draußen in regelmäßigen Abständen voneinander umzingelt hatten, sodaß die ohnehin schon zu Tode geängstigten Menschen, wohin sie auch immer flüchten wollten, in die Fänge und Fallen dieser Menschenjäger fielen“. Auch die Heranziehung zu schwersten Schanzarbeiten veranlasste Bürger zur Flucht. Das Einfliehen in die nächsten Städte war allerdings nicht umsonst. Im März 1636 verlangte die Reichsstadt Nordhausen von hereingeflüchteten Adligen über 20 Jahren 2 Reichstaler, von Bürgern und Bürgerinnen 1 Reichstaler, von einem Bauern je nach Vermögen 12 oder 6 Groschen. Für ein fremdes Pferd waren 12 Groschen zu zahlen. KUHLBRODT, Clara von Heringen, S. 82. Dazu kamen in der Regel auch Abgaben für Ochsen, Kühe etc. In Weimar hielten sich 1640 außer 2863 Einwohnern 4103 Fremde auf. PFISTER, Bevölkerungsgeschichte, S. 14. Zum Teil ließ der Rat wie in Augsburg die Flüchtlinge aus der Stadt bringen (SIGL, Geschichte, S. 47) oder verweigerte die Aufnahme. Zur Migration allgemein ASCHE, Krieg, Militär und Migration, S. 11ff. Die Flucht in die nächsten Städten war nicht umsonst. Im März 1636 verlangte die Reichsstadt Nordhausen von hereingeflüchteten Adligen über 20 Jahren 2 Reichstaler, von Bürgern und Bürgerinnen 1 Taler, von einem Bauern je nach Vermögen 12 oder 6 Groschen. Für ein fremdes Pferd waren 12 Groschen zu zahlen. KUHLBRODT, Clara von Heringen, S. 82. Dazu kamen in der Regel auch Abgaben für Ochsen, Kühe etc. KLUGE, Hofer Chronik, S. 180 (1641): „Den 11. januarii wurde der sächßischen von adel hier eingeflehet rindt- und schaafvieh, so theils zum thor hinaus, alles wieder hereingetrieben und aufs neue verarrestiret, und solten von einem stück rindvieh 1 thaler, von einem schaaf aber 1 groschen geben, unangesehen, daß das liebe vieh zum theil dermassen verhungert, daß es kaum gehen konnte, wie dann auch viel dahingefallen und aus mangel futters umkommen müßen“. In Weimar hielten sich z. B. 1640 außer 2863 Einwohnern 4103 Fremde auf. PFISTER, Bevölkerungsgeschichte, S. 14. Geflohenen Bürgern drohte man mit dem Verlust des Bürgerrechts und erlegte ihnen die dreifache Steuer auf. Zudem führte die Überfüllung mancher Städte durch Flüchtlinge zum Ausbruch von Seuchen und der Ausbreitung eingeschleppter Krankheiten.
[162] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.
[163] Sack und Pack: Sack und Pack bezieht sich nicht auf Personen, sondern auf alles, was sich in Säcken und Packen verstauen lässt.
[164] Konnersreuth [LK Tirschenreuth].
[165] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.
[166] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.
[167] betreten: antreffen.
[168] Polen, Polacken: Die übliche, zunächst nicht pejorative Bezeichnung für die im kaiserlichen Heer wenig geschätzten polnischen Truppen, die hauptsächlich von Spanien besoldet und in habsburgischen Diensten standen. Die Kampfkraft dieser Truppen galt als gering. Einerseits galt ihre Führung als schwierig, andererseits waren sie wegen ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit im Umgang mit Muskete, Pistole, Säbel, Lanze und Wurfspeer gesuchte Söldner. Von Philipp Graf von Mansfeld-Vorderort stammt die negative Beurteilung: „Sie fressen wohl weder Samstag noch Freitag Butter oder Eier; sich aber sonsten für den katholischen Glauben, das Romische Reich oder auch ihr eigenes Vaterland einige Ungelegenheiten zu machen, seind sie ganz keine Leut. Wahrheit oder Ehr hat bei ihnen nicht länger Bestand, als wan es ihnen zum Profit dient; wan der aufhört, schwören sie für fünf Groschen einen Eid, dass Gott nie zur Welt geboren!“ HALLWICH, Wallensteins Ende, S. I51f. Vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik (Oktober 1636), S. 89: Die polnischen Reiter „soffen sehr viel bier auß, machten es mit Plündern, schenden erger denn alle feinde, ritten uff die welde, durchschändeten die Weibsbilder, dass Sie nicht gehen kundten, nötigten die Steinalten Weiber, dass Sie starben, zernichteten alles in heußern, weil ihrethalben alles uff die Welder und in die Städte gewichen wahr, haben viel vergrabene sachen aufgesucht, vermaurete keller gefunden, zien und kupfer mitgenommen, kirchen erbrochen, kelche, leichen- und Altartücher mitgenommen. Den 31. October s. n. fiel das Fest aller heiligen ein, drumb blieben Sie liegen, feyerten es mit fasten und speisen nur von öhl, Eßig und fischen, wo sies haben kundten, wahren aber nichts desto frömmer und brachen an Sontag frühe auf und marchirten auf Presnitz und Wiesenthal. Das ärgste und grausambste an ihnen wahr, dass Sie schöne kinder, gleich wehren Sie Turcken oder Tartarn, mitgenommen“. WAGNER, Pforr, S. 129.
[169] Nikolaus [Nicolas, Nicolai] de Mille Draghi [Milly-Draghy, Milistraky, Mylli Fracki, Mylle Dragi, Misti, Tragy, „Draco“] [ -Januar 1640], kaiserlicher Obrist.
[170] BRAUN, Marktredwitz, S. 54f.
[171] Philipp Heinrich Rabenstein [Mai 1574-21.4.1640], Ritter einer Kompanie der Vogtländischen Ritterschaft.
[172] Georg Schiller [1579-10.7.1636, Stadtrat, Bürgermeister in Hof.
[173] Georg Dür(e)nhöfer [20.7.1596-23.1.1661], Gastwirt, Stadtrat, Bürgermeister, Hospitalmeister in Hof.
[174] KLUGE, Chronik, S. 84.
[175] ELSTER, Piccolomini-Studien, S. 41.
[176] Hieronymus [Geronimo] Graf v. Colloredo-Waldsee [1582-Juli 1638 bei St. Omer], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.
[177] BRAUN, Marktredwitz, S. 56.
[178] BRAUN, Marktredwitz, S. 59.
[179] Coburg; HHSD VII, S. 127f.
[180] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[181] Pottenstein [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 593.
[182] Veldenstein [Eschenbach/LK Neustadt Waldnaab]; HHSD VII, S. 769.
[183] Wahrscheinlich ist hier Heilsberg gemeint; erwähnt unter HHSD VII, S. 158 (Eggmühl).
[184] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.
[185] Karlstadt [LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 343ff.
[186] Gemünden a. Main [LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 232f.
[187] Wertheim [Main-Tauber-Kreis]; HHSD VI, S. 880ff.
[188] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[189] Bad Kissingen; HHSD VII, S. 58f.
[190] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 17.
[191] Albertshausen; unter Reichenberg [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 615.
[192] supplieren: bitten.
[193] Franz v. Hatzfeldt [13.9.1596 Schloss Crottorf-30.7.1642 Würzburg], Fürstbischof v. Würzburg u. Bamberg. Vgl. WEBER, Würzburg und Bamberg.
[194] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff.  Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.
[195] ZIMMERMANN, Tagebuch, S. 20. Online verfügbar unter http://www.zum.de/psm/div/30krieg/tagebuchgerlach.php.
[196] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.
[197] Miklós VII. Forgách [Forgatz] Graf de Gýmeš [Ghymes] u. Gács [1586-1635], kaiserlicher Obrist.
[198] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.
[199] Finnen, auch hagapells, hakkapeller genannt [nach „hakkaa päälle: hau drauf]: Sammelbegriff für Finnen, Lappen und Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern und Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von PLEISS. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant zu den in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie von Zeitgenossen als wild und brutal beschrieben wurden. Zudem standen sie im Verdacht, Wetter machen zu können und den Teufel anzubeten. Vgl. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 241 (1647): „So ist aber ein solches ungewüdter, luft, saußen und braußen eben zur selben zeit, wol 2 oder 3 tag und nacht lang, angestanden, daß vermaint, eß werde alle heyßer und palest zue haufen werfen, also und daß sich kain schüff von dannen sich möchte bewögen; hat man auch gänzlich dafürgehalten, haben solches (weilen diese Lapp- und Seeländer in dißer und dergleichen hexen- und unholden künsten wol erfahren und bey ihnen für ain freye kunst gehalten und paßirt) ungewidter selbsten gemacht und verzoberet. Dan man für gewiß gesagt, dass ain ganzes regiment under ihnen dem schwarzen Caspar ergeben und verschriben seye, welcher ihnen den weg naher dem Haagen als vorher geloffen und paßiert. Wie dan auch von Eyßne oder Kämpten wird bericht, daß sie ihnen den M. Hämmerlein in ainem glaß gezaiget: diß seye ihr obrister, deme seyen sie verlobt und geschworen, deßen seyen sie mit leib und seel versprochen, dere ihnen trewlich halt und sie ihme redlich dienen“. Auch in Zeitzeugnissen wurden sie als „gottlose, schändliche Menschen, Saumagen“ bezeichnet (so WINTER, Möser’s Aufzeichnungen, S. 46). Aus Staßfurt wird unter 1639 berichtet; GEIß, Chronik, S. 136: „Es war muthwilliges Gesindel, das sich nicht commandiren lassen wollte. Den 9. [19.; BW] zogen diese Finnen wieder nach Quedlinburg, weil der Fähndrich sich beklagt hatte, daß er sie weder mit Worten noch mit Prügeln zwingen könnte“.
Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil und Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert und zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Vgl. auch BECK, Chronik, S. 26 [Schweinfurt 1631]: „Mit dem König war auch ein Regiment Finnen zu Pferde eingezogen, und hatte auf dem Markte Halt gemacht. Ihr schwaches und mattes Aussehen, ihre geringe, wetterfarbene Bekleidung, ihre kleinen und unansehnlichen Pferde ließen eben nicht viel erwarten, und hätte nicht die Welt von ihren Thaten zu Leipzig gehört gehabt, hätte man wohl fast zweifeln mögen, ob sie auch einen Marsch bis Würzburg auszuhalten im Stande seien. Aber die Bewunderung abnöthigende Schnelligkeit ihrer Bewegungen und die prompte Ausführung jedes Commando’s, ja jedes Winkes der Offiziere erweckte bald bessere Begriffe, die sich, da man noch nicht so ganz wußte, wie die Sache ablaufen werde, allmählig beinahe in Furcht verwandelten“. Vgl. auch die zeitgenössische Einschätzung; GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 72: „An den Finnen und Schweden hette der König diese Vortheil: 1. Könnten sie Frost vnd Kälte besser als Hitze vertragen. 2. Lieffen eher nicht / biß sie gleichsam mit der Natur fechten müsten. 3. Behülffen sie sich kläglich. 4. Ohne alle Meutenacion. 5. Weren vnverdrossen / vnd mit devallisiren fest nit zu erschöpffen / so weit es nicht leicht ein ander Herr mit seinen Vnterhanen gebracht“.
Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas von Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den von den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 1651 wurde festgestellt, dass 50 % der Kavallerie und 41 % der Infanterie aus Finnen bestand; PLEISS; HAMM, Der Dreißigjährige Krieg, S. 41. Nach GUTHRIE, The Later Thirty Years War, S. 59, soll Banérs Armee im Juli 1638 um 9.000 Schweden und 5.000 Finnen verstärkt worden sein, was wohl zu hochgegriffen erscheint. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität.
[200] Caspar Ermes [Ermisch, Eermis, Emmes, Armes, Armis, Armiss, Evermes] auf Kochenberg [1592-12.5.1648 Erfurt], schwedischer Obrist.
[201] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[202] Carl [Karl] Hård af Segerstad [Hardt] [ – ], schwedischer Obrist.
[203] Erich Andreas Oxe [Ox, Ochse] [ – ], schwedischer Obristleutnant.
[204] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.
[205] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.
[206] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.
[207] Wilhelm v. der (den) Brink [Princk, Brinken] Obrist [ -13.10.1637], schwedischer, zuletzt kaiserlicher Obrist.
[208] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[209] Adam Pollius [Polli; Pollio, Polio ?] [ – ], schwedischer Kapitän.
[210] Untersteckung, Unterstoßung: (zwangsweise) Eingliederung von (insbesondere gefangen genommenen) Soldaten in bestehende unvollständige Verbände. „Die ‚Untersteckung‘ von gefangenen Soldaten des Kriegsgegners war in der frühen Neuzeit allgemein üblich, wurde für gewöhnlich von den Betroffenen ohne Widerstände akzeptiert und scheint gar nicht selten die Zusammensetzung eines Heeres erheblich verändert zu haben“ (BURSCHEL, Söldner, S. 158). In der kurbayerischen Armee – Maximilian I. von Bayern war grundsätzlich gegen die Untersteckung wegen der Unzuverlässigkeit in Schlachten – wurden sie als Kugelfang beim Angriff oder Sturm auf eine Stadt vorausgeschickt; SEMLER, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 67. Franz von Mercy hatte nach seinem Sieg bei Tuttlingen (24.11.1643) an die 2000 Franzosen untergesteckt. HEILMANN, Kriegsgeschichte, S. 69f. Doch wurden schon seit dem Böhmischen Krieg Gefangene, die die Untersteckung verweigerten, oft hingerichtet. HELLER, Rothenburg, S. 158: (1645): „Die [bayr.] Furir aber haben alle Häußer, wo Franz. oder Weimar. gelegen, außgesucht und was sie hinterlaßen, alles weggenommen. Wie sie denn im güldenen Greifen einen Weimarischen Feldscherer sampt seiner Feldtruhen, welcher allhie geblieben und hernach wollen nach Hauß ziehen in Holstein, ertapt, übel gemartert und geschlagen, endlich mit sich hinweggefürt und, wie man gesagt, weilen er ihnen nit wollen dienen, auf dem Feld erschoßen“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70f. (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, daß die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. => Kriegsgefangene.
[211] Balthasar Goll [ – ], schwedischer Obristleutnant.
[212] Johann Freiherr v. [der] Beck [Bec] [1588-21.8.1648 Arras], kaiserlicher Generalfeldmarschall, ab 1642 Zivil- und Militärgouverneur des Herzogtums Luxemburg u. der Grafschaft Chiny.
[213] Rudolf [Rudolfo] Graf Colloredo [Coloredo, Coloreto, Coleredo, Colredo, Kolloredo]-Waldsee [Wallsee] [2.11.1585 Budweis-24.2.1657 Prag], kaiserlicher Feldmarschall.
[214] Granatkugel: eiserne Sprengkugel als „eine spezielle form der granate älteren gebrauchs, die auch in der feuerwerkskunst verwendet wurde“ [DWB].
[215] Brandkugel: „Die Brandkugel (auch Feuerkugel genannt) besteht aus einem starken Eisendraht, der ähnlich der Karkasse mit Salpeter, Schwefel, Mehlpulver, Kolophonium, Pech (siehe Brandsatz) gefüllt wurde. Man überzog diesen dann mit Stoff, meist Drillich, nähte das Ganze zu und tauchte es in flüssiges Pech. Diese Brandkugeln wurden aus kleineren Mörsern aus geringeren Entfernungen geworfen“ [wikipedia]. => Feuerkugel: mit Brandsatz versehenes, aus Mörsern abgefeuertes Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.
[216] Schorndorf [Rems-Murr-Kr.]; HHSD VI, S. 714f.
[217] Schwarzenberg [Stadt Scheinfeld, LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 685f.
[218] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634; STRUCK, Schlacht, WENIG, Schlacht.
[219] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt: Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.
[220] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.
[221] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[222] KLUGE, Hofer Chronik, S. 80.
[223] Ott v. Otten [ – ], kaiserlicher Hauptmann; Kriegskommissar.
[224] Hans [Johann] Adam v. Thüngen [ -nach 1655, 1670 ?], kaiserlicher Obristleutnant, Obrist.
[225] Speyer; HHSD V, S. 350ff.
[226] Wilhelm V. Landgraf v. Hessen-Kassel [14.2.1602 Kassel-21.9.1637 Leer]. Vgl. ALTMANN, Wilhelm V.; PETRI, Das Militärwesen von Hessen-Kassel; GEYSO, Beiträge I-III.
[227] Generalmajor: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.
[228] Claus Dietrich Freiherr v. Sperreuter [Sperreut, Stierreuth] [um 1600 Walsrode-9./20.1.1653 Innsbruck], schwedischer, dann kaiserlicher Obrist, ab 1646 venetianischer Generalmajor. Vgl. LEISTIKOW, Sperreuter.
[229] Kornett: kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entsprach der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold. => Fähnrich; Fahne.
[230] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscher, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte („Wintersoldaten“), die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.
[231] Meuterei, meutination, meutation: Meuterei. Meutereien waren schon kurz vor dem eigentlichen Dreißigjährigen Krieg eine ständige Begleiterscheinung innerhalb der Heere. Der hessen-kasselische Obrist Widmarckter schildert die z. T. drakonische Niederschlagung mehrerer Meutereien (1617) in Frankreich; GRÄF, Söldnerleben, S. 116f.: „20. Hatt Brearts Compagnia im Furüberzihen für Grand [ bei Sauvigny; BW] meinem Quartir meutiniren wollen, aber durch meine Gegenwart abgeschreckt worden. 21. Montaults Compagnia so auß Anregung Brearts Soldaten meutiniren wollen. Darzu ich kommen und zum Theill mitt harten, zum Theill mitt gutten Worten zu Frieden gesprochen. Darauf ihn Brearts und Effern Quartir geritten, die Soldaten fur mich gefordert, ihnen Fehler verwiesen und nach vorhergangener Demütigung, verzihen und also an dem Ort diese beyden Mutinationen gestillet. Alß ich aber von dannen in mein Quartir nach Andelot reitten wollen, treffe ich hart fur Brearts Quartir im freien Földe deß Obristen Fendlein in Schlachtordnung ahn, so gleichfallß meutiniren wollen. [fol. 204v] Auf welche ich so balde mitt bloßem Degen geeilet, in die Schlachtordnung geritten und manchen gutten Streich fließen laaßen und die Anfänger dieser Meutination begehret, deren sie mir auch endlich 2 volgen lassen. Hab solche dem Provos gelieffert und befohlen, mitt ihnen nach dem Quartir Andelot zu eylen, dahin ich mich gleichfalß verfüget. Beyde arme Sünder von dem Flecken führen lassen und, weill damals mein Scharfrichter entlauffen, dem einen dass Leben geschenkt, wofern er den andern erwürgete. So er acceptiret, sich an seinen Gesellen gemacht und nach großem Wiederstand sein Meister worden, auf der Erde erwürget und volgents stranguliret. Den toden Cörper hab ich ahn einen Hügell setzen und einen Brieff Meutinirer an die Brust hefften lassen, damit er von den Soldaten und Regiment gesehen wurde“. Der Stadtarzt Gabriel Furttenbach [1640-1716] von Leutkirch (unter 1619); GAIER; SCHÜRLE; PRAßER, Schwabenspiegel Bd. 3, S. 106f.: „Den 25. Dito [1619]. Donnerstag Morgens sein abermahlen alle Fahnen auff bemeltes Feld Commandiert und Gemustert worden. Alß nun ein Soldat von Erazheimb Gebürtig / ein armer Tropff und Baursmann / umb fl. 7. deß Monats nicht Dienen / sondern fl. 8. haben wollte / hat sich der Herr Obriste [Johann Fuchs; BW] über ihn so hefftig Erzürnt / daß Er andern zu einem Exempel solchen den Scharpffrichter (nicht daß er ihne ohne weitern Befelch Hinrichten solle) in seinen Handen zugeben Befohlen: Demnach aber der Profos Caspar Tenger von Rothweil mit dem armen Tropffen zugeschwind fortgefahren / ihne zwar nochmalen erinnert die benannte Besoldung ohne widerred anzunemmen / oder ihme für einen Steckenknecht Zudienen / Er aber solches nicht thun / sondern ehender Sterben wolte / hat der Profos denselbigen / ohne weitere Ordre deß Obristen / welcher schon Perdon zugesagt  hat / an einen Baum am Heggelbacher Weg Auffhencken lassen. Warüber aber der Obriste und Soldaten übel zufriden gewesen / und deßwegen diser Profos sich mit Leib und Leben dem Regiment Verschreiben miessen“. LAHRKAMP, Werth, S. 71f.: „Aber auch Werths Reiterregimenter litten Not und wurden schwierig; ein Symptom war, daß am 8. März [1637; BW] im Regiment Gayling [von Altheim] eine ernsthafte Meuterei ausbrach. Die Reiter lagen in Quartieren im Amte Ahrweiler, in Bodendorf und um Breisig. Der Tumult entstand in der Kompanie des Rittmeisters Ley, der einen Plünderer hatte verhaften lassen. Seine Kameraden rotteten sich zusammen und suchten ihn mit Gewalt zu befreien. Als der Regimentsführer, der Obristleutnant von Cronenburg, der für den verwundeten Gayling das Kommando führte, energisch einschritt und einen Reiter insultierte, wurde er mit etlichen Schüssen niedergestreckt. Seine Leibkompanie geriet mit den Meuterern ins Feuergefecht, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Am 12. März umstellten Reiter der Regimenter Werth und Lothringen, die eiligst aufgeboten waren, mit 600 Musketieren das meuternde Regiment. Mit Strenge wurde durchgegriffen: sechs Reiter wurden im Angesicht ihrer entwaffneten Kameraden gehenkt; einer sprang aus Verzweiflung in den Rhein und ertrank, sechs wurden arretiert. Vorher waren bereits fünf Mann gefallen, drei weitere desertiert.“ Vgl. auch die Schilderung einer Meuterei und ihrer Niederschlagung (Mai 1642) unter dem Regiment Wolf von der Lippe; NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 222f.  Vgl. WASSENBERG, Florus, S. 563ff., über die Meuterei französischer Truppen in Breisach (März 1644) wegen des seit 8 Monaten ausgebliebenen Solds. Johann Heinrich (Freiherr) von Bartels ist bekannt geworden durch den hart bestraften Aufruhr in seinem Regiment im Winter 1648/49 in Hilpoltstein. Nach Grimmelshausens Darstellung, der 19 Hinrichtungen erwähnt, waren La Pierre und Elter, unter dem Grimmelshausen Regimentsschreiber war, mit der Niederschlagung der Meuterei beauftragt; Kelletat, Grimmelshausen. Simplicianische Schriften, S. 212. Einer der Meuterer ging als „Oliver“ durch Grimmelshausen in die Literatur ein. Das Dragonerregiment Bartels hatte 1647 übrigens nur einen Ausländeranteil von 9, 6 %; KAPSER, Militärorganisation, S. 67; bzw. S. 64ff. Das THEATRUM EUROPAEUM Bd. 6, S. 778, berichtet: „Bey vorhabender Exauctoration / hat sich unterdeß Herrn Obristen Barthels Tragoner-Regiment (so vor diesem Herr Obrister Creutz gehabt / und in der Abdanckung nicht begriffen) als welches mit der 3. Monatlichen Bezahlung nicht zu frieden seyn wollen / ein unvermutheter Auffstand ereygnet / daß der Obrist und Obrister Lieutenant von ihnen entreitten müssen; darauff die Rebellen sich in das Schloß Hilpoldstein retiriret: Weilen nun des Herrn Generals und Feldmarschallen von Enckefort [Adrian v. Enckevort (1603-1663); BW] Excell. in continenti etliche hundert Mann zu Roß und Fuß auff sie außcommandirt / diese auch das Schloß umbsetzt / und Stücke auffgeführt, haben sich die Empörte Mittwochs den .. April gutwillig ergeben. Darauff hat man das Regiment im freyen Feld zusammen geführt / disarmirt / von newem schweren / etliche Rädelsführer gefangen nehmen und aufhencken lassen. Als solches geschehen / ist mehrgedachtes Tragoner-Regiment / biß auff weitere Ordre / hinwiederumb auß einander gelegt / und folgenden Freytags das commandirte Volck nach Amberg / auch in andere dero Quartiere zurück gezogen. Sonsten ist unterm Dato 22. Aprilis st: vet. Nachricht eingelangt / daß / nach dem die Rebellen von mehrbenanntem Barthlischen Tragoner-Regiment durch Gewalt wiederumb zum Gehorsamb gebracht / geviertheilt / 14. Reuter / theils gehenckt und enthauptet / viel unredlich gemacht / und ohne Abschied fortweg gejagt worden“. Im „Springinsfeld“ (KELLETAT, Grimmelshausen. Simplicianische Schriften, S. 212f.), heißt es: „Unter währendem Stillstand wurde unser Regiment nach Hilpoldstein, Heideck und selbiger Orten herum gelegt, da sich ein artliches Spiel unter uns zugetragen. Denn es fand sich ein Korporal, der wollte Obrister sein, nicht weiß ich, was ihn für eine Narrheit dazu angetrieben; ein Musterschreiber, so allererst aus der Schul entlaufen, war sein Secretarius, und also hatten auch andere von seinen Kreaturen andere Officia und Ämter; viel neigten sich zu ihm, sonderlich junge ohnerfahrne Leut, und jagten die höchsten Offizier zum Teil von sich, oder nahmen ihnen sonst ihr Kommando und billige Gewalt; meinesgleichen aber von Unteroffizieren ließen sie gleichwohl gleichsam wie neutrale Leut in ihren Quartieren noch passieren; und sie hätten auch ein Großes ausgerichtet, wenn ihr Vorhaben zu einer anderen Zeit, nämlich in Kriegsnöten, wenn der Feind in der Nähe, und man unserer beiseits nötig gewesen, ins Werk gesetzt worden wäre; denn unser Regiment war damals eins von den stärksten und vermochte eitel geübte, wohlmontierte Soldaten, die entweder alt und erfahren, oder junge Wagehälse waren, welche alle gleichsam im Krieg auferzogen worden; als dieser von seiner Torheit auf gütlichs Ermahnen nicht abstehen wollte, kam Lapier und der Obriste Elter mit kommandierten Völkern, welche zu Hilpoldstein ohne alle Mühe und Blutvergießen Meister wurden, den neuen Obristen vierteilen, oder besser zu sagen, fünfteilen (denn der Kopf kam auch sonder) und an vier Straßen auf Räder legen, 18 ansehnliche Kerl aber von seinen Prinzipal-Anhängern zum Teil köpfen, und zum Teil an ihre allerbesten Hälse aufhängen, dem Regiment aber die Musketen abnehmen, und uns alle auf ein neues dem Feldherrn wieder schwören ließen“. Vgl. auch die Meuterei im Regiment Steinecker in Schweinfurt (1649); BECK, Geschichte der Verschwörung; => Christoph v. Steinaecker [Steinecker] [1612-1671]. „Das blutigste Schauspiel dieser Art aber, welches 14 Tage lang die Umgebung mit neuen Kriegsunruhen ängstigte, spielte sich im Juli 1650 in Anhalt ab. Durch unklare Nachrichten über die Absichten der Schweden aufgebracht, nahmen die unter dem Befehle des Oberst-Lieutenants Israel Isaaksohn, welcher als ein habsüchtiger und roher Mensch bekannt war, hier einquartierten Reiter ihre Offiziere plötzlich gefangen und forderten stürmisch Sold und Abschied. Nur mit genauer Not entging Isaaksohn dem Tode; da er nachwies, dass der das nötige Geld zur Ablöhnung noch nicht zur Hand habe, wurde er entlassen unter der Bedingung, dass er ihnen dasselbe in Erfurt verschaffe. Er begab sich aber sofort zu den Truppen, welche mittlerweile von Süden zur Unterdrückung der Rebellion in Bewegung gesetzt waren, liess die Aufrührer, deren Anzahl noch etwa 450 Mann betrug, umzingeln und an 33 Rädelsführern trotz seines gegebenen Wortes und trotz des Wehegeschreis der Soldatenweiber erbarmungslos das Todesurteil vollstrecken“. LORENTZEN, Schwedische Armee, S. 188f. William Crowne [1617 – 1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments und 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, berichtet über die Kämpfe Gustav II. Adolfs an der Alten Veste bei Zirndorf: „Der König von Schweden hatte hier drei seiner Soldaten für den Mord an zweien seiner Kommandanten und das Überlaufen zum Feind pfählen [im Original „set upon poles alive“] lassen. Nachdem die Schlacht ausgefochten war, hatte man die Soldaten gefangen genommen und hingerichtet“. RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36.
[232] Sturm-Hut: Sturmhaube: Helm mit hohem Kamm, Sonnenschirm und Wangenklappen. Bei freier Gesichtsöffnung häufig mit einem Naseneisen ausgestattet = Offene Sturmhaube. Bei Schließung der Gesichtsöffnung durch Visiergitter oder Visierfolgen Geschlossene Sturmhaube genannt.
[233] Meuterei, meutination, meutation: Meuterei. Meutereien waren schon kurz vor dem eigentlichen Dreißigjährigen Krieg eine ständige Begleiterscheinung innerhalb der Heere. Der hessen-kasselische Obrist Widmarckter schildert die z. T. drakonische Niederschlagung mehrerer Meutereien (1617) in Frankreich; GRÄF, Söldnerleben, S. 116f.: „20. Hatt Brearts Compagnia im Furüberzihen für Grand [ bei Sauvigny; BW] meinem Quartir meutiniren wollen, aber durch meine Gegenwart abgeschreckt worden. 21. Montaults Compagnia so auß Anregung Brearts Soldaten meutiniren wollen. Darzu ich kommen und zum Theill mitt harten, zum Theill mitt gutten Worten zu Frieden gesprochen. Darauf ihn Brearts und Effern Quartir geritten, die Soldaten fur mich gefordert, ihnen Fehler verwiesen und nach vorhergangener Demütigung, verzihen und also an dem Ort diese beyden Mutinationen gestillet. Alß ich aber von dannen in mein Quartir nach Andelot reitten wollen, treffe ich hart fur Brearts Quartir im freien Földe deß Obristen Fendlein in Schlachtordnung ahn, so gleichfallß meutiniren wollen. [fol. 204v] Auf welche ich so balde mitt bloßem Degen geeilet, in die Schlachtordnung geritten und manchen gutten Streich fließen laaßen und die Anfänger dieser Meutination begehret, deren sie mir auch endlich 2 volgen lassen. Hab solche dem Provos gelieffert und befohlen, mitt ihnen nach dem Quartir Andelot zu eylen, dahin ich mich gleichfalß verfüget. Beyde arme Sünder von dem Flecken führen lassen und, weill damals mein Scharfrichter entlauffen, dem einen dass Leben geschenkt, wofern er den andern erwürgete. So er acceptiret, sich an seinen Gesellen gemacht und nach großem Wiederstand sein Meister worden, auf der Erde erwürget und volgents stranguliret. Den toden Cörper hab ich ahn einen Hügell setzen und einen Brieff Meutinirer an die Brust hefften lassen, damit er von den Soldaten und Regiment gesehen wurde“. Der Stadtarzt Gabriel Furttenbach [1640-1716] von Leutkirch (unter 1619); GAIER; SCHÜRLE; PRAßER, Schwabenspiegel Bd. 3, S. 106f.: „Den 25. Dito [1619]. Donnerstag Morgens sein abermahlen alle Fahnen auff bemeltes Feld Commandiert und Gemustert worden. Alß nun ein Soldat von Erazheimb Gebürtig / ein armer Tropff und Baursmann / umb fl. 7. deß Monats nicht Dienen / sondern fl. 8. haben wollte / hat sich der Herr Obriste [Johann Fuchs; BW] über ihn so hefftig Erzürnt / daß Er andern zu einem Exempel solchen den Scharpffrichter (nicht daß er ihne ohne weitern Befelch Hinrichten solle) in seinen Handen zugeben Befohlen: Demnach aber der Profos Caspar Tenger von Rothweil mit dem armen Tropffen zugeschwind fortgefahren / ihne zwar nochmalen erinnert die benannte Besoldung ohne widerred anzunemmen / oder ihme für einen Steckenknecht Zudienen / Er aber solches nicht thun / sondern ehender Sterben wolte / hat der Profos denselbigen / ohne weitere Ordre deß Obristen / welcher schon Perdon zugesagt  hat / an einen Baum am Heggelbacher Weg Auffhencken lassen. Warüber aber der Obriste und Soldaten übel zufriden gewesen / und deßwegen diser Profos sich mit Leib und Leben dem Regiment Verschreiben miessen“. LAHRKAMP, Werth, S. 71f.: „Aber auch Werths Reiterregimenter litten Not und wurden schwierig; ein Symptom war, daß am 8. März [1637; BW] im Regiment Gayling [von Altheim] eine ernsthafte Meuterei ausbrach. Die Reiter lagen in Quartieren im Amte Ahrweiler, in Bodendorf und um Breisig. Der Tumult entstand in der Kompanie des Rittmeisters Ley, der einen Plünderer hatte verhaften lassen. Seine Kameraden rotteten sich zusammen und suchten ihn mit Gewalt zu befreien. Als der Regimentsführer, der Obristleutnant von Cronenburg, der für den verwundeten Gayling das Kommando führte, energisch einschritt und einen Reiter insultierte, wurde er mit etlichen Schüssen niedergestreckt. Seine Leibkompanie geriet mit den Meuterern ins Feuergefecht, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Am 12. März umstellten Reiter der Regimenter Werth und Lothringen, die eiligst aufgeboten waren, mit 600 Musketieren das meuternde Regiment. Mit Strenge wurde durchgegriffen: sechs Reiter wurden im Angesicht ihrer entwaffneten Kameraden gehenkt; einer sprang aus Verzweiflung in den Rhein und ertrank, sechs wurden arretiert. Vorher waren bereits fünf Mann gefallen, drei weitere desertiert“. Vgl. auch die Schilderung einer Meuterei und ihrer Niederschlagung (Mai 1642) unter dem Regiment Wolf von der Lippe; NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 222f.  Vgl. WASSENBERG, Florus, S. 563ff., über die Meuterei französischer Truppen in Breisach (März 1644) wegen des seit 8 Monaten ausgebliebenen Solds. Johann Heinrich (Freiherr) von Bartels ist bekannt geworden durch den hart bestraften Aufruhr in seinem Regiment im Winter 1648/49 in Hilpoltstein. Nach Grimmelshausens Darstellung, der 19 Hinrichtungen erwähnt, waren La Pierre und Elter, unter dem Grimmelshausen Regimentsschreiber war, mit der Niederschlagung der Meuterei beauftragt; KELLETAT, Grimmelshausen. Simplicianische Schriften, S. 212. Einer der Meuterer ging als „Oliver“ durch Grimmelshausen in die Literatur ein. Das Dragonerregiment Bartels hatte 1647 übrigens nur einen Ausländeranteil von 9, 6 %; KAPSER, Militärorganisation, S. 67; bzw. S. 64ff. Das THEATRUM EUROPAEUM 6. Bd., S. 778, berichtet: „Bey vorhabender Exauctoration / hat sich unterdeß Herrn Obristen Barthels Tragoner-Regiment (so vor diesem Herr Obrister Creutz gehabt / und in der Abdanckung nicht begriffen) als welches mit der 3. Monatlichen Bezahlung nicht zu frieden seyn wollen / ein unvermutheter Auffstand ereygnet / daß der Obrist und Obrister Lieutenant von ihnen entreitten müssen; darauff die Rebellen sich in das Schloß Hilpoldstein retiriret: Weilen nun des Herrn Generals und Feldmarschallen von Enckefort [Adrian v. Enckevort (1603-1663); BW] Excell. in continenti etliche hundert Mann zu Roß und Fuß auff sie außcommandirt / diese auch das Schloß umbsetzt / und Stücke auffgeführt, haben sich die Empörte Mittwochs den .. April gutwillig ergeben. Darauff hat man das Regiment im freyen Feld zusammen geführt / disarmirt / von newem schweren / etliche Rädelsführer gefangen nehmen und aufhencken lassen. Als solches geschehen / ist mehrgedachtes Tragoner-Regiment / biß auff weitere Ordre / hinwiederumb auß einander gelegt / und folgenden Freytags das commandirte Volck nach Amberg / auch in andere dero Quartiere zurück gezogen. Sonsten ist unterm Dato 22. Aprilis st: vet. Nachricht eingelangt / daß / nach dem die Rebellen von mehrbenanntem Barthlischen Tragoner-Regiment durch Gewalt wiederumb zum Gehorsamb gebracht / geviertheilt / 14. Reuter / theils gehenckt und enthauptet / viel unredlich gemacht / und ohne Abschied fortweg gejagt worden“. Im „Springinsfeld“ (KELLETAT, Grimmelshausen. Simplicianische Schriften, S. 212f.), heißt es: „Unter währendem Stillstand wurde unser Regiment nach Hilpoldstein, Heideck und selbiger Orten herum gelegt, da sich ein artliches Spiel unter uns zugetragen. Denn es fand sich ein Korporal, der wollte Obrister sein, nicht weiß ich, was ihn für eine Narrheit dazu angetrieben; ein Musterschreiber, so allererst aus der Schul entlaufen, war sein Secretarius, und also hatten auch andere von seinen Kreaturen andere Officia und Ämter; viel neigten sich zu ihm, sonderlich junge ohnerfahrne Leut, und jagten die höchsten Offizier zum Teil von sich, oder nahmen ihnen sonst ihr Kommando und billige Gewalt; meinesgleichen aber von Unteroffizieren ließen sie gleichwohl gleichsam wie neutrale Leut in ihren Quartieren noch passieren; und sie hätten auch ein Großes ausgerichtet, wenn ihr Vorhaben zu einer anderen Zeit, nämlich in Kriegsnöten, wenn der Feind in der Nähe, und man unserer beiseits nötig gewesen, ins Werk gesetzt worden wäre; denn unser Regiment war damals eins von den stärksten und vermochte eitel geübte, wohlmontierte Soldaten, die entweder alt und erfahren, oder junge Wagehälse waren, welche alle gleichsam im Krieg auferzogen worden; als dieser von seiner Torheit auf gütlichs Ermahnen nicht abstehen wollte, kam Lapier und der Obriste Elter mit kommandierten Völkern, welche zu Hilpoldstein ohne alle Mühe und Blutvergießen Meister wurden, den neuen Obristen vierteilen, oder besser zu sagen, fünfteilen (denn der Kopf kam auch sonder) und an vier Straßen auf Räder legen, 18 ansehnliche Kerl aber von seinen Prinzipal-Anhängern zum Teil köpfen, und zum Teil an ihre allerbesten Hälse aufhängen, dem Regiment aber die Musketen abnehmen, und uns alle auf ein neues dem Feldherrn wieder schwören ließen“. Vgl. auch die Meuterei im Regiment Christoffer v. Steinecker [1612-1671] in Schweinfurt (1649); BECK, Geschichte der Verschwörung. LORENTZEN, Schwedische Armee, S. 188f.: „Das blutigste Schauspiel dieser Art aber, welches 14 Tage lang die Umgebung mit neuen Kriegsunruhen ängstigte, spielte sich im Juli 1650 in Anhalt ab. Durch unklare Nachrichten über die Absichten der Schweden aufgebracht, nahmen die unter dem Befehle des Oberst-Lieutenants Israel Isaaksohn, welcher als ein habsüchtiger und roher Mensch bekannt war, hier einquartierten Reiter ihre Offiziere plötzlich gefangen und forderten stürmisch Sold und Abschied. Nur mit genauer Not entging Isaaksohn dem Tode; da er nachwies, dass der das nötige Geld zur Ablöhnung noch nicht zur Hand habe, wurde er entlassen unter der Bedingung, dass er ihnen dasselbe in Erfurt verschaffe. Er begab sich aber sofort zu den Truppen, welche mittlerweile von Süden zur Unterdrückung der Rebellion in Bewegung gesetzt waren, liess die Aufrührer, deren Anzahl noch etwa 450 Mann betrug, umzingeln und an 33 Rädelsführern trotz seines gegebenen Wortes und trotz des Wehegeschreis der Soldatenweiber erbarmungslos das Todesurteil vollstrecken“. William Crowne [1617-1682], Lordsekretär, Offizier, Mitglied des Parlaments und 1636 Reisebegleiter des Thomas Lord Howard, Earl of Arundel and Surrey, berichtet über die Kämpfe Gustav II. Adolfs an der Alten Veste bei Zirndorf: „Der König von Schweden hatte hier drei seiner Soldaten für den Mord an zweien seiner Kommandanten und das Überlaufen zum Feind pfählen [im Original „set upon poles alive“] lassen. Nachdem die Schlacht ausgefochten war, hatte man die Soldaten gefangen genommen und hingerichtet“. RITTER; KEIL (Hgg.), William Crowne, S. 36.
[234] Accord So an heut dato den 11. Decembr. S.N. Anno 1635. Im Namen der Römischen Keyserl. auch zu Hungarn und Böheimb Königl. Mayt. Dann auch des Hochwürdigsten Fürsten und Herrn / Herrn Francisci, Bischoffen zu Bamberg und Würzburg … dem WolEdlen / Gestrengen Herrn Veit Ditterich von Steinheimb … und Commendanten der Vestung Königshoffen/ Herr Erich Ochse / [et]c. wegen der in bemeldter Vestung liegender Schwedischer Guarnison Abzug geschlossen und auffgerichtet. S. l. 1635. [VD17 23:311215B]; Kopie im Schönstein-Archiv Nr. 13; ENGELBERT, Hatzfeldt, S. 26.
[235] Obergewehr, Oberwehr: zum Obergewehr gehörten Karabiner, Flinten, Musketen, Hellebarten, Partisanen, Piken, Spontons, Kurzgewehre. – Untergewehr, Unterwehr: Degen oder Rapier.
[236] Sack und Pack: Sack und Pack bezieht sich nicht auf Personen, sondern auf alles, was sich in Säcken und Packen verstauen lässt.
[237] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung.
[238] Untersteckung, Unterstoßung: (zwangsweise) Eingliederung von (insbesondere gefangen genommenen) Soldaten in bestehende unvollständige Verbände. „Die ‚Untersteckung‘ von gefangenen Soldaten des Kriegsgegners war in der frühen Neuzeit allgemein üblich, wurde für gewöhnlich von den Betroffenen ohne Widerstände akzeptiert und scheint gar nicht selten die Zusammensetzung eines Heeres erheblich verändert zu haben“ (BURSCHEL, Söldner, S. 158). In der kurbayerischen Armee – Maximilian I. von Bayern war grundsätzlich gegen die Untersteckung wegen der Unzuverlässigkeit in Schlachten – wurden sie als Kugelfang beim Angriff oder Sturm auf eine Stadt vorausgeschickt; SEMLER, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 67. Franz von Mercy hatte nach seinem Sieg bei Tuttlingen (24.11.1643) an die 2000 Franzosen untergesteckt. HEILMANN, Kriegsgeschichte, S. 69f. Doch wurden schon seit dem Böhmischen Krieg Gefangene, die die Untersteckung verweigerten, oft hingerichtet. HELLER, Rothenburg, S. 158: (1645): „Die [bayr.] Furir aber haben alle Häußer, wo Franz. oder Weimar. gelegen, außgesucht und was sie hinterlaßen, alles weggenommen. Wie sie denn im güldenen Greifen einen Weimarischen Feldscherer sampt seiner Feldtruhen, welcher allhie geblieben und hernach wollen nach Hauß ziehen in Holstein, ertapt, übel gemartert und geschlagen, endlich mit sich hinweggefürt und, wie man gesagt, weilen er ihnen nit wollen dienen, auf dem Feld erschoßen“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70f. (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, daß die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. => Kriegsgefangene.
[239] ENGERISSER, Von Kronach, S. 427ff.
[240] Seeberg [Ostroh, heute Ortsteil von Proustka, Tschechien]; HHSBöhm, S. 566f.
[241] Melchior Adam v. Moser [ – ], kaiserlicher Obristwachtmeister.
[242] Siegl, Karl, Schloß Seeberg im Egerlande, in: Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen 54, Eger 1915, S. 235ff.
[243] Ottengrün [Otov, Wüstung der Gemeine Hazlov (Haslau), LK Eger].
[244] Voitersreut [Vojtanov, LK Cheb, Tschechien].
[245] PRÖCKL, Eger, S. 243.
[246] Hagenau [Dép. Bas-Rhin, Frankreich].
[247] Generalfeldmarschallleutnant: ein dem Feldmarschallleutnant sehr ähnlicher militärischer Dienstgrad, der gleichzeitig mit dem des Generalfeldmarschalls im 17. Jahrhundert aufkam. Der Kriegsherr pflegte einem Generalfeldmarschall einen „Lieutenant“ beizugeben, der den Generalfeldmarschall zu unterstützen und zu vertreten hatte.
[248] Johann Graf v. Götz [Götzen, Götze] [1599 Zehlendorf-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.
[249] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Die Bedeutung ergibt sich metonymisch: Der Stab war das Zeichen der Amts- und insbesondere der militärischen Obergewalt. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchsen auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen. Vgl. die Lebensmittelmengen, die der Stab Piccolominis 1635 in Dülken beanspruchte; ARBEITSGRUPPE VIERSEN, S. 90.
[250] Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das – angesichts der um 1, 5 º tieferen mittleren Jahrestemperatur mit extremen Kälteperioden überlebensnotwendig – in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde u. in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten, was immer wieder zu Streitigkeiten unter den Kommandeuren führte. Natürlich versuchten deshalb Magistrate u. Stände immer wieder, diesen kostenintensiven Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten u. ihrem Tross führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats v. Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226. Selbst wenn Truppen erst im Dezember einquartiert wurden, verlangte man doch auch Zahlungen für den vorausgegangenen November; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 387ff. Dazu kam der enorme Bedarf an Feuermaterial, wobei alles nur einigermaßen Brennbare durch die Truppen beschafft wurde. Der Chronist Leopold aus Marktredwitz berichtet über den November/Dezember 1640; BRAUN, Marktredwitz, S. 129: „Über diese 8 Regiment[er] [hinaus] sind auch 200 Polacken mit marchiert, welche – wie ob[en] gehört – zu Oberredwitz logierten: Einige sind auch in Dörflas einquartiert worden. Obwohl wir hier im Mark[t] kein Quartier gehabt, so haben wir doch des Generals Tafel versehen und herrlich in die Küche (ver)schaffen müssen. Auch haben wir für die Regiment[er] hinaus[gegeben] 800 Brot[e], 800 Maß Bier und 2 Rind[er]. Überdies hat (ein)jeder Bürger, der seinen Stadel nicht zugrund reissen oder gar verbrennen lassen wollte, hinaus[ge]geben Fleisch, Fisch, Futter, Bier, Brot und Geld. [Es] ist dadurch auch sehr wenig erhalten worden, denn fast in jedem Stadel [hat] eine Kompanie gelegen, welche (dann) alles Heu, Stroh, ungedroschenes Getreide, Holz und Brettern in das Feld getragen. Es sind daraus Hütte gemacht und hernach meistens verbrannt [worden]. Um das, was liegen geblieben war, haben sich die Nachbarn auch [noch] gezankt. Sie haben auch alle Zäun[e] um die Gärten, Planken [und] Um(b)schrote umgehauen und verbrannt. All(e) unser[e] Fischkästen, [von denen] ein [jeder] vorher um 50 K[ronen] erkauft [worden war], haben sie in einer Geschwindigkeit eingehauen, zerrissen, hinweggetragen und in Grund verdorben. [Auf] dem Freithof, welcher erst neu gemacht worden war, haben sie die Schindel[n] abgeschlagen und sam(b)t dem Tor verbrannt. In Summa, diese Leute haben einen großen Schaden getan in dem unausgedroschenen Getreide, Futter, (Ge)stroh und Holz. [Sie haben auch] fast alle Stadel im Grunde zerschlagen und das Gezimmer verbrannt; denn die Kälte war sehr groß. Daher [haben] sie auch außer[halb] der Stadel noch über 1000 Feuer angezündet und gehalten. Was sie in den Vorstädten ertappt haben, [das haben] sie (hinweg)genommen und das Vieh geschlachtet. Die Nacht [über] hat die ganze Bürgerschaft auf Befehl des Generals um und um auf der Mauer im Gewehr stehen und wachen müssen. Ungeachtet dessen aber sind die Musketiere(r) doch an vielen Stellen über die Mauer herabgestiegen, [sind] in die Ställ[e] eingebrochen, [haben] kleines Vieh erwürgt und was sie sonst [noch] bekommen konnten, [haben sie] mitgenommen und [sind dann] wieder hinausgewischt. Dies geschah (nun) an vielen Orten, [so] daß wir also genug(samb) zu wehren und solches zu verhindern hatten. Die Tor(e) hatte er selbst(en) besetzt und mit seiner Wacht versehen“.
[251] Verpflegung: PAPKE, Landsknechte, S. 22:Ende 1618 wurden Reiter in Altendresden einquartiert. Ihre Verpflegung regelte ein kurfürstliches Mandat vom 8. November. Es sah für ein Frühstück Butterwecken vor sowie Brot, Butter, Käse und Bier. Zum Mittag sollte Suppe geben mit Rahm, Butter, Eiern, Muskatnelken und Semmeln, danach 5 Pfd. Rindfleisch mit Meerrettich, eine Hammelkeule, Zugemüse, Butter und Käse, Brot und Semmeln und pro Person 2 Kannen »hiehisches« Bier. Dazu wurden Salz, Würze, Essig, Schmalz, Holz für den Herd, Licht für Stuben und Ställe gerechnet, für 9 Personen insgesamt 2 Gulden, 11 Groschen, 6 Pfennige. Unkosten für Bett- und Tischwäsche wurden erwähnt, aber nicht berechnet“. Eigentlich durfte nur der übliche Servis gefordert werden: die dem oder den einquartierten Soldaten zu gewährende Unterkunft u. Verpflegung, festgelegt in den jeweiligen Verpflegungsordnungen. “Servis” definiert sich als die Abgaben des Hauswirts an den/die einquartierten Soldaten an Holz, Licht u. Liegestatt (Heu u. Streu), im Niedersächsischen kam noch Salz dazu; Kleidung, Ausrüstung etc., wurden verbotenerweise aber verlangt. Essen u. Trinken fielen auch nicht darunter, wurden aber trotzdem eingefordert. Stattdessen konnte auch die sogenannte “Lehnung” gegeben werden. Alle zehn Tage war diese Lehnung für die schwedischen Truppen zu entrichten, bei den unteren Chargen für Kapitän 12 Rt., Leutnant u. Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber u. Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den untersten Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. Nach der Verpflegungsordnung Gustav Adolfs II. vom 13.5.1632 für das Herzogtum Franken hatte ein Obrist Anspruch auf täglich 12 Mahlzeiten, bestehend aus je 12 Gerichten (im Wert v. je 1/8 Rt). Im Oktober 1623 hatte Tillys Verpflegungsordnung für die Reiterei festgelegt: Rittmeister 4 Maß Wein, 20 Pfund Brot, 20 Maß Bier, 12 Pfund Fleisch, 2 Hennen u. ein halbes Schaf. Ein reformierter Leutnant, Kornett oder Quartiermeister sollten 8 Maß Bier, 8 Pfund Brot u. 4 Pfund Fleisch sowie ein Viertel v. einem Schaf oder Kalb erhalten. Einem Jungen oder einem Weib standen 1 Pfund Fleisch, 2 Pfund Brot und 1 Maß Bier zu. BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 42. Dazu kamen für den gemeinen Soldaten in der Regel täglich 2 Pfund Brot (zu 8 Pfennig), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfennig) u. 1 Kanne Einfachbier (2, 02 Liter zu 8 Pfennig). Statt Fleisch konnten auch Fisch, Butter oder Käse gegeben werden. Zwei Heringe entsprachen 1 Pfund Fleisch, eine Henne ersetzte 1, 5 Pfund Fleisch. Selbst diese Rationen wurden oft v. den Offizieren noch unterschlagen. Der Erfurter Rat hält am 16.11.1641 die Klagen dreier gefangener Reiter des Regiments Hatzfeldt fest: „[Sie] berichteten [sie] wehren 5 tage von ihrem Regimente gewesen, undt nach einem Stücke brodts geritten, sie bekömen [sic] gantz nichts, wenn ihnen auch gleich Commiß[brot] zugesendet wehre, bekömen sie doch nichts: sondern die officirer behieltten solches alles vohr sich allein, [Sie] wussten auch nicht wo sie hin soltten, sie hetten deswegen von ihren officirern gantz nichts gehöret“. Zitiert bei BERG, Regulating war, S. 15; vgl. auch KUPER, S. 104. So der kaiserliche Feldmarschall Melchior v. Hatzfeldt 1642: „Denn arm und hungrig zu sein, macht schlechte Curagi – wo nit anderes, davor uns der liebe Gott behüte“. ENGELBERT, Hessenkrieg II, S. 43. Die Verpflegung erforderte dennoch riesige Mengen an Schlachtvieh, zumal die Soldaten nur schieres Fleisch verlangten, keine Innereien oder Füße wollten, u. der genießbare Fleischanteil z. B. bei Ochsen zwischen 25 u. 55 % je nach Fütterung lag. Von Oktober bis Dezember sollen kaiserliche Truppen im kaisertreuen Hessen-Darmstadt neben 30 000 Pferden 100.000 Kühe u. 600.000 Schafe erbeutet haben; PARKER, Dreißigjähriger Krieg, S. 250. In Tillys Verpflegungsordnung v. 1627 wie auch in den anderen Ordnungen dieser Art war dagegen der umsichtige Umgang mit Einwohnern ausdrücklich festgelegt. KLOPP, Tilly, S. 546. Zweimal täglich ein Gericht mit zwölf Gängen für einen Obristen war üblich. Vgl. die kaiserliche Einquartierungsordnung Melchior von Hatzfeldts für Westfalen (1636 III 09): “Wirt ebenmeßigh geklagtt, daß nicht allein die officierer, sondern auch die soldat(en) mitt ubermeßigem banquitier(en), sonderlich mitt verschwendungh vieler weins und geträncks den armen mahn gentzlich außlaugen, derenthalb(en) ein jeder und alle hiemit erinnert, das, was sie dergestalt uppich verzehr(en), ihnen an der contribution abgehe”. SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 127. Bürgermeister u. Rat von Büren schrieben an die kurfürstlich-kölnischen Beamten in Paderborn u. an den Edelherren Moritz v. Büren über Vorfälle der am 1.4.1626 erfolgten Einlagerung einer Korporalschaft der Leibgarde des ligistischen Generalwachtmeisters Timon v. Lintelo, Büren, 1626 April 15; Schütte, Dreißigjähriger Krieg, S. 185: “Bey Lübbertt Drevelnn ist ein reformirter corporal, so ein matresse bey sich gehapt, einlogirt gewest. Gleich wie der [Corporal; BW] einkommen, hat ihme der wirt nach zustandtt dieser orther unnd settigungh eines ehrlichen menschenn gnugsame speißenn, alß nemblich saurs krautt mit einer bratt- oder metwurst, ein schaffschinckenn, ein stück gerauchert rindtfleisch, ein außgeweßerten schweinenn potharst, dabei, dabei einen halben schaffenn käß nebenn butter aufgesetztt. Der corporal wirfft die speisenn mehrnntheilß zur dehl hinauß, unnd sagtt mit entrustungh zu seinem wirth, solche speisenn solte er einem hudler gebenn. Ob er meinte, das er ein hudler vor sich hette. (46) Er hette woll beßer speiß dem bettler vor die thuer gebenn etc., unnd will sich nicht stillen laßenn, biß ihme der wirth folgendenn tags nach seinem willenn schincken, hüner, kalbfleisch etc. aufzutragenn verpflichtet”. Nach der schwedischen Kammerordnung, 1635 X 04 (Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem I – 34 -179 b) hatte Reichskanzler Oxenstierna den Anspruch pro Monat u. gemeinen Reiter auf 4 ½ Rt., 60 Pfd. Brot u. 60 Feldmaß Bier festgelegt. Im Juni 1634 sollte Generalkriegskommissar Ossa Erzherzogin Claudia v. Tirol raten, den nach besserer Verpflegung begehrenden hohenemsischen Soldaten gegebenenfalls durch das Landvolk „die Hälse entzwei schießen“ zu lassen, was Claudia nicht tat, um eine weitere Eskalation der Lage zu vermeiden; SCHENNACH, Soldat, S. 71. Vgl. den Speisezettel vom 1. u. 2. März 1637 aus Altenburg; FRITZSCHE, Altenburg, S. 102f.: „1. März 1637. Mittags Offizierstisch: Suppe; Rindfleisch mit Merretich; Kälberbraten; Kalbskopf; Kraut; 1. März 1637. Abends. Offizierstisch: Sallat; Gebratene Kälberbrust; Kapern; Gehackte Kälberlunge; Schweinefleisch; ?; 2. März 1637. Mittags. Tafell: Milch Suppe mit Eyr; Gefüllte Heringe; Kälber Nürenbraten; Gebratenes Kuhfleisch mit Muskatblumen. Tafell; ander gangk: Gehakter Magen; Schweinsbraten; Rinderbraten; sauer mit Zwiebel; Kirschtürtle; Sauerkraut mit Brautwürsten; Fische; Offizierstisch: Suppe; Rindfleisch; Kalbskopf; Nürnbraten; Euter?stücke mit Rosmarin; Heringe mit Zwiebel; Kraut mit Rostbratwürsten. Gesinde- und Küchentisch: Rindfleisch: Suppe; Heringe; Kalbfleisch; Sauerkraut“. Der kaiserliche Kroatenobrist Hrastowracky verlangte 1628 für seine Küche: NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 83: „Memorial was die Bürger wöchentlich kontribuiren und auf des Herrn Obersten Küchel schaffen sollen. 2 Rinder; 2 Kälber; 16 Hühner; 18 Lämmer; 1 Schwein, 4 indianische Hühner; etliche Vogel; von allerlei Fisch; Weitz- und Rockenmehl; um ein Thaler Essig; 120 Eier; 100 Pf. Butter; 4 Pfd. Reis; 6 Pf. Pflaumen; 2 Pf. Pfeffer, 2 Pf. Ingwer; 2 Pfund Näglein; (Gewürznelken; BW) ½ Pf. Muskatblumen; ¼ Pf. Saffran, 174 gestossenen Zimmt; 2 Pf. kleine und große Rosinen; 24 eingemachte Citronen, 2 Pf. Honig; ½ Thlr. Zwiebeln; ½ Thlr. Petersilie; ½ Thlr. Meerrettig, ½ Thlr. Rettigrüben; ½ Schefl. Salz; 12 Pf. Stockfisch; 1 Schock Plastießen (Plateiße, Schollen); 120 Heringe; 2 Pf. Kapern; 2 Pf. Oliven; 4 Pf. Baumöhl; Saurenkohl; 2 Hut Zucker; 4 Pf. Hirschbrun (Horn ?); ein Fäßlein Neunaugen; 2 Seiten Speck; 4 Faß Bier; 14 Thlr. weiß und schwarz Brodt; 6 Schinken; allerlei Konfekt, jedes 3 Pf.; ein Käse“. 1619 mussten ins Lager bei Themar geliefert werden: Rindsmäuler, Gelüng, Rindsmagen, Gekröse, Sülze, Zungen, Rindsherz, Rindsfüße, Rehwild geliefert werden. Dazu kamen Konfekt, Mandeln, Rosinen, Feigen, Nürnberger Küchlein (Lebkuchen), Reis, Muskatblüten, Peffer, Nelken. Vgl. ERB, Die ersten Kriegsereignisse, S. 10f. Zu den ständig steigenden Preisen vgl. KROENER, Soldaten, S. 288.
[252] Wertheim [Main-Tauber-Kreis]; HHSD VI, S. 880ff.
[253] Hagenau [Dép. Bas-Rhin, Frankreich].
[254] Jacob Christoph v. Rockenbach [ – ], kaiserlicher Hauptmann.
[255] Obergewehr, Oberwehr: zum Obergewehr gehörten Karabiner, Flinten, Musketen, Hellebarten, Partisanen, Piken, Spontons, Kurzgewehre. – Untergewehr, Unterwehr: Degen oder Rapier.
[256] Kämmerer [Kammerherr]: An deutschen Höfen findet man den Titel etwa ab dem 16. Jahrhundert mit der Einführung des spanischen Hofzeremoniells durch die Habsburger. Zuerst ist es ein Titel am kaiserlichen Hof, der von ranghohen Adeligen bekleidet wird. Mit der Zeit gingen die Titel auch auf rangniedrigere Fürsten, Grafen oder Freiherren über. An kurfürstlichen Höfen setzte sich diese Bezeichnung seit Mitte des 17. Jahrhunderts durch. Der Titel Kammerherr wurde üblicherweise einer Person verliehen, die bereits einen anderen hohen Rang innehatte. Der Umfang der mit dieser Bezeichnung verbundenen realen Pflichten variierte von Hof und zu Hof und änderte sich auch im Lauf der Zeiten. Der Dienst wurde monatlich oder wöchentlich verrichtet. Er bestand in zeremoniellen Handreichungen beim An- und Auskleiden, der Begleitung beim Ausfahren, Ausreiten oder auf Reisen. Üblich waren auch Sekretärsdienste wie die Organisation von Privataudienzen oder die Entgegennahme von Bittschriften beziehungsweise die Bedienung des Fürsten beim Essen an der Tafel oder die Teilnahme an Gesellschaftsspielen mit dem Fürsten. Kammerherren konnten auch als Abgesandte an andere Höfe geschickt werden, um dort Botschaften, Gratulationen oder Beileidsbekundungen zu überbringen. Mit dem Rang eines Kammerherren war eine Besoldung verknüpft. Sie hatten das Recht an der rechten Hüfte einen mit einem Band befestigten silbernen, vergoldeten oder goldenen Kammerherrenschlüssel zu tragen. [nach wikipedia]
[257] Kriegsrat: landesherrlicher Beauftragter oder Beauftragter der jeweiligen Militärverwaltung für alle militärischen Angelegenheiten, Gesandter in Fragen der Kontribution, des Unterhalts der Garnisonen, der Einquartierung der Truppen, der Militärgerichtsbarkeit, der Vermittlung von Salvagardien. Bei den Schweden war ihm eine militärische Einheit unterstellt, da er zumeist auch Obrist war. Das monatliche Salär betrug hier 150 fl., jährlich also 1.800 fl., wozu ca. 50 Rt. monatlich Servisgelder kamen, während ein bayerischer Kriegsrat nur 792 fl. erhielt.
[258] Generaladjutant [schwed. adjutant allmänt, dän. adjutant general]: Der Generaladjutant war ein dem Stab des Regiments bzw. dem Generalquartiermeister oder dem Feldmarschall zugeordneter Adjutant und für die mündliche Befehlsübermittlung zuständig.
[259] Fourage: Viehfutter, auch Unterkunft und Verpflegung für die jeweilige Einheit. Die Fourage musste von der betreffenden Garnisonsstadt und den umliegenden Dörfern aufgebracht werden und war an sich genau geregelt; vgl. auch die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Wrangels Kammerordnung, Bregenz, 20.2.1647, sah vor; HELLER, Rothenburg, S. 362: „Fourage: Auf jedeß Dienst Pferd Monatlich 8 Scheffel Haber Erfurtisch Meeß [1 Scheffel = 59, 6132 Liter], 360 Pfund Hewe, 6 Gebund Stroh; auf die Bagagepferd wird halb so viel Futter alß auf ein Dienst Pferd gereicht“. Natürlich wurde gegen die Bestimmungen immer wieder verstoßen.
[260] Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das – angesichts der um 1, 5 º tieferen mittleren Jahrestemperatur mit extremen Kälteperioden überlebensnotwendig – in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde und in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten. Natürlich versuchten deshalb Magistrate und Stände immer wieder, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten und ihrem Tross führen musste.  Dazu kam der enorme Bedarf an Feuermaterial, wobei alles nur einigermaßen Brennbare durch die Truppen beschafft wurde. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz berichtet über den November/Dezember 1640; BRAUN, Marktredwitz, S. 129: „Über diese 8 Regiment[er] [hinaus] sind auch 200 Polacken mit marchiert, welche – wie ob[en] gehört – zu Oberredwitz logierten: Einige sind auch in Dörflas einquartiert worden. Obwohl wir hier im Mark[t] kein Quartier gehabt, so haben wir doch des Generals Tafel versehen und herrlich in die Küche (ver)schaffen müssen. Auch haben wir für die Regiment[er] hinaus[gegeben] 800 Brot[e], 800 Maß Bier und 2 Rind[er]. Überdies hat (ein)jeder Bürger, der seinen Stadel nicht zugrund reissen oder gar verbrennen lassen wollte, hinaus[ge]geben Fleisch, Fisch, Futter, Bier, Brot und Geld. [Es] ist dadurch auch sehr wenig erhalten worden, denn fast in jedem Stadel [hat] eine Kompanie gelegen, welche (dann) alles Heu, Stroh, ungedroschenes Getreide, Holz und Brettern in das Feld getragen. Es sind daraus Hütte gemacht und hernach meistens verbrannt [worden]. Um das, was liegen geblieben war, haben sich die Nachbarn auch [noch] gezankt. Sie haben auch alle Zäun[e] um die Gärten, Planken [und] Um(b)schrote umgehauen und verbrannt. All(e) unser[e] Fischkästen, [von denen] ein [jeder] vorher um 50 K[ronen] erkauft [worden war], haben sie in einer Geschwindigkeit eingehauen, zerrissen, hinweggetragen und in Grund verdorben. [Auf] dem Freithof, welcher erst neu gemacht worden war, haben sie die Schindel[n] abgeschlagen und sam(b)t dem Tor verbrannt. In Summa, diese Leute haben einen großen Schaden getan in dem unausgedroschenen Getreide, Futter, (Ge)stroh und Holz. [Sie haben auch] fast alle Stadel im Grunde zerschlagen und das Gezimmer verbrannt; denn die Kälte war sehr groß. Daher [haben] sie auch außer[halb] der Stadel noch über 1000 Feuer angezündet und gehalten. Was sie in den Vorstädten ertappt haben, [das haben] sie (hinweg)genommen und das Vieh geschlachtet. Die Nacht [über] hat die ganze Bürgerschaft auf Befehl des Generals um und um auf der Mauer im Gewehr stehen und wachen müssen. Ungeachtet dessen aber sind die Musketiere(r) doch an vielen Stellen über die Mauer herabgestiegen, [sind] in die Ställ[e] eingebrochen, [haben] kleines Vieh erwürgt und was sie sonst [noch] bekommen konnten, [haben sie] mitgenommen und [sind dann] wieder hinausgewischt. Dies geschah (nun) an vielen Orten, [so] daß wir also genug(samb) zu wehren und solches zu verhindern hatten. Die Tor(e) hatte er selbst(en) besetzt und mit seiner Wacht versehen“. Natürlich versuchten die Magistrate und Stände, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats von Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226.
[261] Servis, Servitien: Servis war das Holz, das Licht und die Liegestatt (Heu und Streu), die ein Hauswirt den bei ihm im Krieg einquartierten Soldaten zu gewähren hatte, sowie die Steuer dafür. Im Niedersächsischen kam noch Salz dazu. Im Anhaltischen hieß es dagegen;  KRAUSE, Urkunden Bd. 4/1, S. 78 (1637): „bloße Servisen, Namentlich Betten, Bettgewand, Hand- vnd Tischtücher, Holz, Salz, Licht und Eßigk“. Darüber hinaus wurden verbotener Weise auch Kleidung und Ausrüstung sowie zahlreiche Gänge an Essen und Trinken eingefordert bzw. erpresst, da dem einfachen Soldaten von der Verpflegungsordnung her nur 2 Pfd. Brot (zu 8 Pfg.), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfg.) und 1 Kanne Dünnbier (2,02 Liter zu 8 Pfg.) zustanden. Selbst diese Grundration wurde in Krisensituationen noch gekürzt. In der schwedischen Armee nannte man Servis auch „Tractament“. Der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff.
[262] Diskretion(sgeld): Verehrung = „Ehrengeschenk“, das von ein- oder durchziehenden Offizieren erwartet oder erzwungen wurde, in Geld- oder Sachleistungen der verschiedensten Art.
[263] Vgl. BROCKMANN, Dynastie; BIRELEY, Ferdinand II.
[264] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.
[265] Rezess: Abkommen, Vertrag, Vereinbarung.
[266] Hofmeister: a) Der Hofmeister war der oberste der weltlichen Bedienten bei Hof. Er war zuständig für die fürstliche Tafel. Der Hofmeister wies an, stellte ein und entließ die ihm untergebenen Bedienten. b) Auch adlige Heerführer und Offiziere hielten sich in ihrem mobilen Hofstaat einen eigenen Hofmeister, um ihren Rang zu dokumentieren.
[267] Reichskreis, Fränkischer: Der seit 1500 existierende Fränkische Reichskreis wurde von Bamberg und Kulmbach/Ansbach geführt und hatte folgende Mitglieder: Ansbach, Hochstift Bamberg, Bayreuth, Castell, Deutscher Orden, Eichstätt, Erbach, Henneberg, Hessen-Kassel, Hohenlohe, Kulmbach, Limpurg-Gaildorf, Nürnberg, Rieneck, Rothenburg, Schönborn, Schweinfurt, Seinsheim, Wertheim, Weißenburg, Windsheim und Hochstift Würzburg.
[268] Gochsheim [LK Schweinfurt]; HHSD VII, S. 239. Vgl. WEBER, Geschichte der fränkischen Reichsdörfer Gochsheim und Sennfeld.
[269] SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 387ff.
[270] Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Die Bedeutung ergibt sich metonymisch: Der Stab war das Zeichen der Amts- und insbesondere der militärischen Obergewalt. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes Stab: die Gesamtheit der höheren Offiziere eines Heeres (Generalstab) oder Heeresteils (Regimentsstab). Dazu gehörte auch der Feldgeistliche des Regiments. Der „Unterstab“ umfasste dagegen die rangniedrigeren Dienstränge. Je nach Rang wuchs auch der Umfang des Stabes und damit die Belastung bei Einquartierungen.
[271] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.
[272] HOCK, Kitzingen, S. 111.
[273] KREBS, Hatzfeldt, S. 107.
[274] Johann Jacob Bruckner [Brückner, Bruckner] [ – ], kaiserlicher Hauptmann.
[275] Pike: Landsknechtspieß von 3 bis 5 m Länge, die entscheidende Waffe des in geschlossenen Haufen kämpfenden Fußvolkes. Die Pikeniere bildeten die unterste Klasse des Fußvolks. Bei einem Reiterangriff richteten die ersten beiden Reihen des Fußvolkes die Piken gegen die Angreifer. Die Pike war eher eine Defensivwaffe, da die Pikeniere den Rückhalt für die beweglicheren Musketiere bildeten (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, S. 89 f.). Hochrangige Offiziere wie Piccolomini behaupteten gern von sich, sie hätten das Kriegshandwerk „von der Pike auf“ („con una picca“) gelernt.
[276] ENGERISSER, Von Kronach, S. 234f., Anm. 135.
[277] HAHN, Chronik 3. Theil S. 474f.
[278] collationieren: besprechen, vergleichen.
[279] Generalauditor: Er war der vom Kriegsherrn berufene Dienstvorgesetzte aller Regimentsauditoren, die zunächst die Untersuchung aller auftauchenden Delikte nach den Grundsätzen des Militärstrafrechts durchführten, übte dementsprechend mehr Gewalt aus und war gefürchteter als ein Regimentsauditor. Vgl. „Schwedisches Kriegs-Recht“; BERG, Administering justice, S. 9, 16f.
[280] Heinrich Graß [Graass, Graas, Graaß, Gras, Groß] [ – ], kaiserlicher Generalauditor.
[281] MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 474f.
[281a] Christian II. Fürst v. Anhalt-Bernburg [11.8.1599-21.9.1656 Bernburg]. Vgl. das verdienstvolle, in Arbeit befindliche  Großprojekt der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, unter: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: Digitale Edition und Kommentierung der Tagebücher des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656). in: Editiones Electronicae Guelferbytanae. Wolfenbüttel 2013.
[281b] gefüttert: mit Steinen verkleidet.
[281c] Ab dem 10.10.1631 besetzt.
[281d] http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm.
[282] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [wikipedia].
[283] MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 477.
[283a] N v. Pöllnitz, Angehörige des sächsisch-vogtländischen Adelsgeschlechts. Ein Hans Heinrich v. Pölnitz war 1641 Kapitän des fürstlichen Ausschusses in Hof.
[283b] Eisleben [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 103ff.
[283c] Torgau [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 467ff.
[283d] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff. Vgl. STIEVERMANN, Erfurt, S. 35ff. Erfurt wurde im Laufe der Besetzung zu einer schwedischen Realfestung u. der stärksten Festung im mitteldeutschen Raum ausgebaut. 1480 war Baubeginn der Cyriaksburg als wichtiger Teil der Befestigung für den Süd-Westteil Erfurts. Der Bau dauerte immerhin 25 Jahre. Otto v. Guericke sollte im Auftrag Gustav Adolfs die Cyriaksburg umbauen, riet jedoch von dem Plan ab. 1631/32 führte Baumeister Caspar Vogel nach Konsultationen mit Guericke Befestigungsarbeiten an der Cyriaksburg durch. BEYER; BIEREYE, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 543: „Gleich nach dem Abmarsch Gustav Adolfs arbeiteten unter dem tüchtigen Erfurter Festungsbaumeister Caspar Vogel 600 Mann allein daran, das Hornwerk auf dem Petersberg zu befestigen; auf der Südwestseite der Stadt, zwischen Löber- und Brühlerwall, wurden große Stauschleußen angelegt. Sämtliche Tore erhielten Zugbrücken, die Wälle wurden mit Brustwehren versehen, hinter denen nicht weniger als 91 Kanonen Aufstellung fanden, durch Pallisaden wurden namentlich die Tore stark verschanzt. Die Cyriaksburg erhielt 30 Kanonen“.
[283e] Naumburg (Saale) [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.
[283f] http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm.
[284] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 206.
[285] Rimbach, heute Ortsteil von Volkach [LK Kitzingen].
[286] Fuder: 1 Fuder Wein = 972, 96 Liter.
[287] Fuder (Schweinfurt): 1 Fuder = 12 Eimer = 960 Liter.
[288] MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 519.
[289] DOERR, Adel, S. 123.
[290] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 206.
[291] BRAUN, Marktredwitz, S. 209.
[292] Lennart Torstensson [Torstensohn, Torsten-Sohn], Graf zu Ortala u. Freiherr v. Virestad [17.8.1603 Forstena im Kirchspiel Västra Tunhem (Västergötland)-7.4.1651 Stockholm], schwedischer Feldmarschall.
[293] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[294] Georg [Jean] Adam Freiherr v. Traudisch [Trauditz, Traudetsch, Trauditsch, Trautisch,Trautzsch, Trautschen, Trautischz, Trauntitsch, Truntitsch, Trautniz, Trautsch, Tausch, Transchky] [um 1590-1653], kursächsischer, kaiserlicher Feldmarschallleutnant.
[295] Raimondo Fürst Montecuccoli [Monte Cuculi], Herzog v. Melfi [21.2.1609 Schloss Montecuccoli in Pavullo nel Frignano bei Modena-16.10.1680 Linz], Sohn des Conte Galeotto Montecuccoli (1570-1619); kaiserlicher Musketier (1625), Obrist (1635), Generalfeldwachtmeister (1642), Feldmarschalleutnant (1644), General der Kavallerie (1648), Feldmarschall (1658) u. Generalleutnant (1664); 1639-1642 schwedischer Kriegsgefangener; ab 1645 kaiserlicher Kämmerer u. Hofkriegsrat; seit 1668 Hofkriegsratspräsident; 1651 Erhebung in den Fürstenstand; ab 1668 Ordensritter vom Goldenen Vlies. Vgl. SCHREIBER, Raimondo Montecuccoli; BARKER, The Military Intellectual.
[296] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 463. – Albert Gaston Spinola Graf v. Bruay [Broy, Bray, Bernai, Bonari, Borry, Bruye, Bruny, Bruari, Broi, Braui, Bray, Bru, Broui, Brouay, Bronj, Brivius, Bruween] [1601-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Obrist.
[297] Rudolf [Rudolfo] Graf Colloredo [Coloredo, Coloreto, Coleredo, Colredo, Kolloredo]-Waldsee [Wallsee] [2.11.1585 Budweis-24.2.1657 Prag], kaiserlicher Generalwachtmeister u. Feldmarschall. 1617 Teilnahme am Uskokenkrieg gegen Venedig, 1618 Beförderung zum Hauptmann, am 27.8.1626 unter Tilly Teilnahme an der Schlacht bei Lutter am Barenberge, 1627 Feldzug in Mähren, Eintritt in den Orden des Hl. Johannes v. Jerusalem, Ernennung zum Großprior Böhmens durch den Kaiser, 1629 Erhebung in den Reichsgrafenstand, im Juni 1631 in Salzungen einquartiert, 1632 Beförderung zum Generalwachtmeister, am 15.11.1632 Erfolg gegen Gustav II. Adolf v. Schweden an der Rippach. Im Januar 1634 plädierte Colloredo-Waldsee für Wallensteins Ermordung, 1634 wurde er Feldmarschall u. Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen in Böhmen, 1636 Belehnung mit konfiszierten Gütern Trčkas, 1643 zusammen mit Gallas Feldzug nach Holstein, Ende 1648 nach erfolgreicher Verteidigung Prags gegen Königsmarck u. Ernennung zum Gouverneur der Stadt.
[298] Adrian Graf v. Enckevort [Enckevoer, Enckfurth, Enckefurt, Enquenfort, Enkevörn, Enckenfurth] [20.8.1603 Diest-3.6.1663 Ledeč], kurbayerischer Feldmarschall.
[299] Scharmützel: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“, Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.
[300] Adrian Graf v. Enckevort [Enckevoer, Enckfurth, Enckefurt, Enquenfort, Enkevörn, Enckenfurth] [20.8.1603 Diest-3.6.1663 Ledeč], kurbayerischer Feldmarschall.
[301] Mattias de [di] Vacchi Freiherr v. Adelsvogel(-berg) [de Vaggi von Adelsberg, Davoggi, DeWagky, Dewagky, Waghi, Waggi, Dewaggi, Devoggi, de Wogghi, de Wagi, Awacki, Dowatzki (Donatzki, Domatzki)] [ -1655], kaiserlicher Obrist.
[302] Heinrich [der Ältere] v. Schleinitz [Schleunitz] [ -1654], kursächsischer Obrist.
[303] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen.
[304] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 466. Vgl. Nr. 463.
[305] Kreba, heute Heideanger [Oberlausitz].
[306] Anne-François marquis de Bassompierre [Passampierre, Passampier, Passambier, Bassambier, Bassumpierre] [März 1612 Removille-30.4.1646 Staffelstein], kaiserlicher Obrist, Feldzeugmeister, Vetter Karls IV. v. Lothringen.
[307] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 464.
[308] Jaroslav Graf Bořita z Martinitz [6.1.1582 Smečno-21.11.1649 Prag], Burggraf.
[309] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 467.
[310] Hans Christoffer [Christoph] Graf v. Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc, Kingmark, King Marx, Königs Morik] [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. 1616 Anstellung als Page bei Herzog Friedrich Ulrich v. Braunschweig-Lüneburg u. Eintritt als Reiter in kaiserliche Kriegsdienste, 1630 Verabschiedung als Fähnrich bei Reformierung der Armee Wallensteins, 1631 Kapitän in schwedischen Diensten, 1633 Beförderung zum Major, 1634 zum Obristleutnant, 1636 zum Obristen, am 25.3.1640 zum Generalmajor als Lohn für die Werbung größerer Truppenformationen in Westfalen, im Januar 1645 zum Generalleutnant, am 17.5.1648 Sieg mit Turenne u. Wrangel bei Zusmarshausen über die kaiserlich-kurbayerischen Truppen unter Holzappel u. Gronsfeld, am 1.6.1648 Beförderung zum Feldmarschallleutnant, am 16.7.1648 erfolgreicher Angriff auf die Prager Kleinseite u. Raub der berühmten „Silberbibel“. Zusammen mit Carl Gustav Wrangel war Königsmarck der erfolgreichste schwedische Kriegsgewinnler, am 26.3.1651 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 10.4.1651 in den Reichsrat berufen u. am 14.4.1655 in Stade zum Feldmarschall u. Gouverneur des Herzogtums Bremen und Verden ernannt. Sein im Krieg erworbenes Vermögen soll 130.000 Rt. jährliche Rente abgeworfen haben, was einem Vermögen v. mindestens 2.600.000 Rt. entsprochen haben müsste. Vgl. BACKHAUS, Wrangel, Königsmarck, Bielke, S. 116-128; FIEDLER, Verwaltung; WAGNER, Pforr. Vgl. [RÜDIGER], Leben und Thaten; FRITZEL, Der Stader Raum, S. 14ff.; ZIRR, Die Schweden. => Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc, Kingmark, King Marx, Königs Morik], Hans Christoffer [Christoph] Graf v. [I], [II], [III], [IV], [V], [VI], [VII], [VIII], [IX], [X], [XI], [XII] in den „Miniaturen“.
[311] Brandschatzung: von der jeweiligen Armee bzw. den Kommandeuren willkürlich festgelegte Summe, die die Einwohner aufzubringen hatten, um das Abbrennen ihrer Stadt, Gemeinde etc. zu verhindern, die von den Offizieren möglichst hoch festgelegt wurde, um sich dann auf die von ihnen beabsichtigte Summe herunter handeln zu lassen. Bei den Armeen gab es seit dem Mittelalter sogenannte Brandmeister, Spezialisten im Schätzen und bei Nichtbezahlung der Brandschatzung im Feuerlegen. Erzherzog „Leopold Wilhelm musste bereits zwei Monate [20.11.1645; BW] nach seiner ersten Weisung mit einem neuerlichen Befehl die Einhaltung der Disziplin und Abstellung der Exzesse energisch einfordern: Er verhängte ein komplettes Ausgangsverbot in seiner Armee, um Delikte wie Kirchenplünderung, Mord, Brandschatzung und die schendung der weibsbilder zu verhinden“. REBITSCH, Gallas, S. 218.
[312] http://cestovani.kr-karlovarsky.cz/de/pronavstevniky/Turistickecile/OZ/Seiten/Ostroh.aspx
[313] STURM, Districtus Egranus, S. 224.
[314] Leopold I. v. Österreich [9.6.1640 Wien-5.5.1705 Wien], 1658-1705 römischer Kaiser, ab 1654 König in Ungarn, ab 1656 in Böhmen, ab 1657 in Kroatien u. Slawonien.
[315] Prager Kleinseite (tschechisch: Malá Strana): mit dem Kleinseitner Ring (tschechisch: Malostranské náměstí), Stadtteil von Prag, von 1257 bis 1784 eine rechtlich eigenständige Stadt unterhalb der Burg mit einem von der Altstadt deutlich abweichenden Charakter [nach wikipedia].
[316] Vgl. DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 421.
[317] Johann [Hans Franciscus] v. Koppey [Koppy, Coppy, Copy, Copi, Copie, Copey] [ -nach 1663], schwedischer Obristleutnant, Obrist.
[318] Sebastian Kallow [Kalow, Calew, Kakow] [ – ], schwedischer Obristleutnant.
[319] Prager Kleinseite (tschechisch: Malá Strana): mit dem Kleinseitner Ring (tschechisch: Malostranské náměstí), Stadtteil von Prag, von 1257 bis 1784 eine rechtlich eigenständige Stadt unterhalb der Burg mit einem von der Altstadt deutlich abweichenden Charakter [nach wikipedia].
[320] Ernst Odowalsky [Otowalsky, Ottowalski, Ottowalsky, Otto Walsky, Ottowald], genannt von Streitberg [1592-15.3.1672 Oberndorf], schwedischer Obrist.
[321] Feuerrohr: Büchse mit Luntenschloss; volkstümlich auch gebraucht für Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[322] N Volmar [ – ], schwedischer Obristleutnant. THEATRUM EUROPAEUM Bd. 6, S. 327.
[323] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.
[324] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153.  Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“. Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“.
[325] Granatkugel: eiserne Sprengkugel als „eine spezielle form der granate älteren gebrauchs, die auch in der feuerwerkskunst verwendet wurde“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. => Handgranaten: runde, mit Pulver gefüllte Eisenkugeln, die mit einer Lunte gezündet wurden. Granaten können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Granadiere waren ursprünglich Soldaten, die Handgranaten gegen den Feind schleuderten. Bereits 1631 wurden sie bei der Eroberung Frankfurt a. d. Oder von den Iren eingesetzt; MAHR, Monro, S. 112. Als Generalmajor Lars Kagge 1634 in Regensburg belagert wurde, forderte er zu dieser gefährlichen Tätigkeit – ihre Splitter konnten bis zu 50 Schritte gefährlich werden – Freiwillige gegen höheren Sold auf und wurde so der Schöpfer der Granadiere. Chemnitz, S. 467, beschreibt bei dieser Gelegenheit erstmalig den Einsatz von Handgranaten: ‚Gebrauchte sich [der Gen. Maj. Kagg] hierunter zuforderst der handgranaten, den Feind in confusion zubringen, nachgehends, wann solches geschehen, der Kurtzen wehren [Helmbarten] zum niedermetzeln. Wobey er jennige, so die handgranaten zu erst geworffen, mit einer gewissen recompens [nach Heilmann 2 Reichstaler] zu einer so gefährlichen action angefrischet‘. ENGERISSER, Von Kronach, S. 277.
[326] Feuerkugel: mit Brandsatz versehenes, aus Mörsern abgefeuertes Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.
[327] Feldmarschall: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl., die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.
[328] N Schmidt [Schmid] [ – 27.7.1648 Prag], kaiserlicher Obristleutnant.
[329] Gemeint ist natürlich Steinheim.
[330] Karette: [schlechte] Kutsche, Karre.
[331] Arvid [Arwid, Ernst, Arfulch] Wittenberg [Wittenbergk, Wirtenberg, Wirtenburg, Württemberg(er), Württenberg] v. Döbern u. Nyborg [1606 Porvoo-7.9.1657 Zamość], schwedischer Generalmajor.
[332] Johann Christoph III. Graf v. Puchheim [Buchheim] zu Göllersdorf [1605 Schloss Göllersdorf-(November ?) 1657 Wien], kaiserlicher Feldmarschall.
[333] consumieren: verbrauchen, verschleißen.
[334] DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 292f.
[335] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 377.
[336] PRÖCKL, Eger, S. 244.
[337] Johann Philipp v. Schönborn [6.8.1605 Laubuseschbach-12.2.1673 Würzburg], Erzbischof v. Mainz, Fürstbischof v. Würzburg. Vgl. WILD, Johann Philipp von Schönborn.
[338] Philipp Erwein v. Schönborn [1607-4.11.1668], kurmainzischer Oberamtmann zu Steinheim, Geheimrater Rat, Erbschenk des Erzstifts Mainz u. Erbtruchsess des Hochstifts Würzburg, Reichshofrat.
[339] http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/rimbach.html.
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Beck [Bec] von Beaufort, Johann Freiherr von [der]

Beck [Bec] von Beaufort, Johann Freiherr von [der]; Generalfeldmarschall [1588 Stadtgrund/Luxemburg-21.8.1648 Arras oder 30.8.1648 Atrecht]

Beck.JohannBeck, Johann Freiherr

Johann Freiherr von [der] Beck [Bec] von Beaufort [1588 Stadtgrund/Luxemburg-21.8.1648 Arras oder 30.8.1648 Atrecht] war Bote gewesen, bevor er mit 13 Jahren in die kaiserliche Armee eintrat und Hauptmann wurde. Piccolomini soll Beck, einem aus Luxemburg stammenden ehemaligen Stalljungen, Meldegänger und Spion, seine geringe Abkunft vorgeworfen haben.[1] Beck habe dem zugestimmt, er sei Bote gewesen; wenn Piccolomini jedoch Bote gewesen wäre, wäre er es wohl immer noch. Angeblich erwarb Beck die Herrschaft Widobl[2] in Böhmen. 1636 übertrug ihm der Kaiser die ehemalige Wallenstein’sche (seit 1625) Herrschaft Kokořin.[3]

Er stieg auf bis zum spanischen General in den Niederlanden und war 1634 Mitunterzeichner des 1. und 2. Pilsener Schlusses. 1637 wurde er geadelt, 1642 wurde er zum Generalmajor und Gouverneur von Luxemburg befördert. Bei Lens[4] wurde er in der letzten Schlacht des Dreißigjährigen Krieges am 20.8.1648 schwer verwundet und starb einen Tag später.[5]

Der Friedberger[6] Johann Philipp Götzenius (1613-1663) erinnert sich an 1624/1625, als Beck mit 300 Soldaten und „vielen Weib und Kindern“ in Friedberg[7] einquartiert war.[8] Nach dessen Aussage war 1628 sein Bruder [Matthias de Beck ?; BW] dort einquartiert: „Anno 1628 ist Hauptmann Wolff, obgemeltenes Herrn Hauptmann Beckens Bruder, mit dessen überlassenen Compagnia Commandant worden, und wurde sein H. Bruder Obrister Lieutenant unter dem Fürstenbergischen Regiment, hernach General-Feld-Marschalk und Gubernator zu Lützelburg“.[9]

Als kaiserlicher Obrist führte Beck 1626 ein Fußregiment.

Das Regiment war 1634 vor der Schlacht bei Nördlingen[10] noch in Böhmen stationiert und  wahrscheinlich erst zwei Tage nach der Schlacht bei Nördlingen angekommen.[11]

In der Friedberger Chronik des Dr. Jeremias Molther heißt es: „1634 nach der Schlacht bei Nördlingen [27. Aug. = 6. Sept.] hat im Sept. [25.] General-Feldmarschallleutnant Ossa den Kardinal-Infant [Prinz Ferdinand von Spanien] nach Köln neben Friedberg hin convoyiret [geleitet], und uff Intercession [Fürsprache] des Generalleutnants Becken [Johann von Beck; BW], in die Stadt einen Rittmeister zur Salvaguarde gelegt, weil sie der Zeit keine inliegende Guarnsison gehabt und der angedrohten Plünderung halben in sehr großer Gefahr gestanden. Jedoch hat man die vom Land in Burg und Stadt geflehete Pferd und andere Viehe mit Geld ranzioniren [zurückkaufen] und etzlich tausend Pfund Brot, Mehl, Wein und Bier ins Läger bei Nauheim[12] schicken müssen“.[13]

Im Oktober 1634 informierte Ottavio Piccolomini Melchior von Hatzfeldt aus Schweinfurt,[14] Generalwachtmeister Beck sei nach Mellrichstadt[15] abgeordnet worden.[16] Sein Hauptquartier hatte Beck bis April 1635 in Mellrichstadt.

Der Erzgebirgschronist Lehmann berichtet unter 1634: „Der Reitzenhainer Paß[17] wahr ins dritte jahr zue und verhauen gewesen, den ließe der General und Obrist-Wach-Meister Johann de Bec den 21. October des Nachts uffhauen, eine schantze dran bauen und sie starck besezen, dardurch oft von kayßerlichen 2, 3 biß 10 Regiementer auß Böhmen in Meißen[18] gangen, alles in die Contribution gesezt und darneben mächtigen schaden gethan. Dahin solte geben Marienberg,[19] die vorhin untter ihrer Contribution wahr, 20.000 Pfd. brod, weils aber nit muglich wahr, den die armen burger hatten selbst weder gedreit, mehl, mehlwasser noch brod, und der Rath darfür bate, Nahmen Sie den 31. October 170 thl. Contribution, von dem Rath zum Annenberg[20] uff die Schantze 2 faß bier, 400 pfd. brod, Den 10. November dohin wieder 1 faß bier, 200 pfd. Brod und vor den General [Rudolf von; BW] Colloredo 2 Eimer Wein, item den Croaten Obristen Johann Tischlern dohin den 12. November 1 faß bier, 400 pfd. brod, den 13. November 160 thl. contribution auf die Schantze, und wahr des streifens und raubens auß der Schantze in gebirg weder Maß noch Weise“.[21]

„Den 25. October [1634; BW] berennete der Obrist Schönnickel mit 5000 zue Roß und Fuß die Stad Zwicka,[22] forderte Sie auf in Nahmen des keyßerlichen General-Majors de Bec sub dato den 26. October, und do sie sich tapfer gewehret, hat er 6 Dörfer umb her, 3 mühlen, 3 fuhrwercke, 1 gasthoff mit 3500 klafftern scheitholtz, kirche und Hospital zum heiligen Geist abgebrandt, das uff einmahl 15 feuer uffgangen, Lichtenstein[23] und andere ortten außgeplündert und darbey jammer und noth angerichtet, das es nicht genugsam zuebeschreiben. Darbey hatt Er alles Viehe zuesammen treiben und mit in Böhmen schaffen laßen und ist den 26. October sine victoria abgezogen“.[24]

Der im Dezember 1634 in Karlstadt[25] stehende Ottavio Piccolomini berichtete Melchior von Hatzfeldt von der Rückbeorderung Becks und dem Alarmzustand der kaiserlichen Truppen.[26] Beck stand in diesem Monat wieder in Mellrichstadt[27] und informierte Melchior von Hatzfeldt über Gerüchte über die Anwesenheit Banérs in Eisenach.[28] Danach war er in Fladungen[29] einquartiert und ersuchte Hatzfeldt um Aufnahme in den Dienst seines Bruders Franz von Hatzfeldt, des Bischofs von Würzburg.[30]

Am 8.6.1635 schrieb der kaiserliche Generalleutnant Gallas aus Böblingen[31] an Ottavio Piccolomini und erteilte seine Befehle hinsichtlich des Vormarsches gegen Bernhard von Sachsen-Weimar, was auch das Regiment Becks betraf, und zeigte ihm die Veränderung in der Dislozierung der Regimenter an.[32]

Am 10.6.1635 kamen die nächsten Hilferufe des Kardinal-Infanten Fernando und seines Beauftragten Axpe.[33] An diesem Tag schrieb der in Friedberg[34] lagernde Piccolomini an Gallas: Er hoffe, bei der Rückkehr Obrist Seneschals Befehle zu erhalten, was er mit der Armee zu machen und wohin er im Falle einer notwendigen Verbindung mit dem Kardinal-Infanten zu marschieren habe.

Berichten zufolge seien 8 Regimenter Wilhelms V. von Hessen-Kassel bis Hersfeld[35] vorgedrungen, um Fulda[36] zu erreichen; auf diese Gegend solle man sich besonders konzentrieren. Er selbst lagere jetzt um Friedberg und erwarte die Ankunft von Obrist Beck sowie der Befehle Gallas‘.[37] Am 12.6. schrieb Piccolomini dem Generalleutnant erneut aus Friedberg: Er habe der deutschen Reiterei den Vormarsch gegen Limburg[38] befohlen, von wo er sofort Soldaten aussenden werde, die ihm Nachrichten über Bernhard von Weimar und die hessen-kasselischen Truppen bringen sollen; er selbst wolle mit der Truppe in gleicher Richtung aufbrechen. Die Nachricht, Bernhard von Weimar sei mit 5 Regimentern vorgestern in Frankfurt/M.[39] gewesen, könne er nicht glauben. Für den Fall einer Verbindung Bernhards mit Wilhelm V. bitte er um Verhaltensmaßregeln.[40] Einen Tag später ging erneut eine Mitteilung Piccolominis aus Friedberg an den Generalleutnant: Ihm zugegangenen Nachrichten zufolge stehe weder Bernhards noch sei das hessische Fußvolk auf den Wegen nach Andernach,[41] weshalb er in Richtung Limburg[42] oder Diez[43] ziehen und sich dort gemäß den Berichten über den Feind und gemäß der Befehle von Gallas verhalten werde. Am Abend wolle er sein Lager in Usingen[44] aufschlagen.[45] Von dort teilte er Gallas am 13.6. mit: Graf Fuenteclara, den der Kardinal-Infant ausgesandt habe, um Gallas aufzusuchen, habe ihn über den Stand der dortigen Angelegenheiten unterrichtet. Da er sehe, daß keine Zeit zu verlieren sei, werde er sofort nach Erhalt seiner Befehle mit den deutschen Reitern, Kroaten und Dragonern nach Andernach aufbrechen. Oberst Beck werde, wie er anzeige, frühestens in zwei bis drei Tagen ankommen; die 2.000 Mann mit 6 Kanonen ständen bei ihm, P. Mit dieser Vorhut werde er zum Kardinal-Infanten stoßen, sobald er dazu den Befehl erhalte. Der Landgraf von Hessen-Kassel sammle alle seine Truppen bei Kassel[46] und wolle angeblich nach Franken ziehen; in jenen Gegenden wäre ein guter Kommandant von Nöten.[47]

Am 22.6.1635 schrieb Piccolomimini an den Kardinal-Infanten aus Andernach, dass er mit der Armee den Rhein überschritten habe und gegen Namur[48] vorrücken werde, im Einverständnis mit Feldmarschall Rudolf von Colloredo und Obrist Beck, gemäß den kaiserlichen und den königlichen Befehlen.[49]

„Die seit dem 10. Oktober 1631 in schwedischer Hand befindliche Grenzfestung Königshofen[50] hatte bisher allen Eroberungsversuchen getrotzt. Bereits während der Belagerung Schweinfurts[51] hatte Feldmarschall Piccolomini den Obersten Miklós Forgách dorthin geschickt. Dieser patrouillierte ab 11. Oktober 1634 mit seinem Regiment Ungarn zwischen Königshofen und Römhild[52] um die Pässe und Zugänge zur Festung zu überwachen und zog sich ab 13.10. zur Entfaltung einer Art Blockadetätigkeit näher an die Stadt (DBBTI V/1020, 1024).

Nach einem Brief Piccolominis an Gallas vom 16. Oktober vermuteten die Kaiserlichen in Königshofen eine Besatzung von mittlerweile an die 3000 Mann (ebd. 1029). Dies war völlig unrealistisch. Nach der Verlegung der ursprünglichen Besatzung von 4 Kompanien finnischen Musketieren unter dem Obersten Caspar Ermes Anfang Juli 1644 nach Augsburg[53] hatte eine Abteilung vom Västergötländischen Regiment Carl Hårds unter Oberstleutnant Erich Andreas Oxe die Garnison Königshofen übernommen. Dazu kamen Ende September und Ende Oktober 1634 noch einige Kompanien der abziehenden Garnisonen von Rothenburg o. d. Tauber[54] und Windsheim[55] aus dem Brinken’schen Regiment. Deren Oberst Wilhelm von den Brinken war im Sommer anläßlich der Belagerung Regensburgs[56] durch die Kaiserlichen verwundet worden und hatte sich kurz nach der Übergabe der Stadt am 29.7.1634 nach Königshofen begeben, wo er gegenüber dem Oberstleutnant Oxe die Rolle eines Kommandanten beanspruchte. Chemnitz berichtet anläßlich der Übergabe Rothenburgs[57] am 18.9.1634, daß den beiden in Rothenburg liegenden Brinken’schen Kompanien unter dem Major Polli (Pollius) freier Abzug zu ihrem Obristen nach Königshofen gewährt wurde. Dieser wurde jedoch nicht eingehalten, indem die Knechte untergesteckt wurden und nur die Offiziere abziehen durften. Der Windsheimer Besatzung, 2 Kompanien unter dem Brinken’schen Oberstleutnant Balthasar Goll, war allerdings der Abzug gestattet worden, welche sich daraufhin ebenfalls nach Königshofen begaben. (Bd. II, S. 548, 582).

Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Spannungen zwischen Brinken und Oxe, denn Piccolomini bemerkt in dem oben erwähnten Brief, daß sich der in Königshofen liegende Oberstleutnant mit dem ‚dorthin entsandten Herrn Brinck‘ nicht vertrage, seiner Meinung nach wäre es nicht schwer, sich der Stadt zu bemächtigen (Theatr. III, S. 403). Brinken scheint sich aber in diesem Machtkampf durchgesetzt zu haben, denn ab September 1634 wird er als Kommandant von Königshofen erwähnt.

Nachdem die Blockade durch Forgách wenig Effekt gezeigt hatte, begann gegen Ende des Jahres 1634 der kaiserliche Generalwachtmeister Frh. Johann v. Beck, der von Rudolf Colloredo mit einigen Regimentern zu Roß und Fuß von Böhmen ins Reich kommandiert worden war, auf Befehl Melchior von Hatzfelds mit den Vorbereitungen der Belagerung von Königshofen. Er ließ die Stadt zur Übergabe auffordern und, nachdem dieses Ansinnen abgelehnt worden war, in der Nacht des 25. Dezember/4. Januar 1635 mit Artilleriefeuer belegen. Mit Granaten und Brandkugeln versuchte man die Besatzung einzuschüchtern, bzw., wie dies mit Schorndorf[58] gelungen war, die Stadt in Brand zu setzen. Becks Truppen waren indes zu schwach, auch war man nicht mit ausreichender Artillerie versehen, so daß auch dieser Versuch scheiterte und man unverrichteter Dinge wieder abziehen mußte. (Chemnitz II, S. 581).

Über die Wintermonate konnte nun nicht viel ausgerichtet werden. Als jedoch am 28. März 1635 die Veste Coburg[59] gefallen und dadurch Mannschaften und Gerät freigeworden waren, gedachte Piccolomini die Dinge vor Königshofen wieder voranzutreiben. Es wurde daraufhin ein Großteil der in Coburg erbeuteten Artillerie und Munition nach Königshofen geschafft, wozu die Grafschaft Schwarzenberg[60] (Steigerwald) die Pferde für den Vorspann zur Verfügung stellen mußte (Theatr. III, S. 451). Allein Gallas riet vorerst noch von einer zu schnellen Eroberung ab (DBBTI V/1202). Die Gründe von Gallas‘ zögernder Haltung waren vielen Generalen unverständlich und nur dadurch erklärbar, daß er seinen Erfolg von Nördlingen[61] nicht durch riskante Unternehmungen gefährden wollte. Der Generalfeldzeugmeister Melchior von Hatzfeldt, nach dessen Meinung Gallas die Truppen untätig und ‚zu ihrem äußersten Ruin aufeinander liegen‘, ließ, war darüber äußerst ungehalten und deshalb froh, als mit der Ankunft König Ferdinands III. am 4. Juni in Dinkelsbühl[62] Bewegung in die Dinge kam.

Piccolomini erhielt am 12. Juni den Befehl, seine Regimenter in Franken zusammenzuziehen und Hatzfeld bekam den Auftrag, sich um die Garnisonen der befestigten Plätze zu kümmern. Mit seinen neugeworbenen Dragoner- und Fußregimentern besetzte er Schweinfurt[63] und Coburg (am 13. Juli durch die Kompanie des Hauptmannes Otten und sein neues Regiment zu Roß unter dem Oberstleutnant Johann Adam von Thüngen entsandte er zur Verstärkung der Blockade nach Königshofen (Krebs/Hatzfeld, S. 89). Das zögerliche Vorgehen vor dieser Festung und der Abzug Piccolominis gegen den Rhein in Richtung Speyer[64] ermutigten den nach wie vor gut schwedischen Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel zu einer Gegenaktion. Er entschloß sich, die Festung, in die sich eine große Anzahl Beamter der ehemals fränkischen Regierung und viele Vertreter des fränkischen Landadels geflüchtet[e] hatten, zu entsetzen und die Blockaderegimenter ‚aufzuschlagen‘. Den Auftrag dazu erhielt der Generalmajor Claus Dietrich von Sperreuter, der am 9. August gerade frisch in die Dienste des hessischen Landgrafen getreten war. Sperreuter begab sich mit 33 Cornet Reitern und 2 Kompanien Dragonern vor die Festung und es gelang ihm am 7. September 1635 die Belagerungs- und Blockadetruppen zu überwältigen und zu zerstreuen. Drei Geschütze samt Munition und die gesamte ‚pagage‘ wurden erobert und eine große Menge an Vorräten und Getreide erbeutet. Diese wurden zur Verproviantierung in die Festung geschafft und somit auf absehbare Zeit wieder eine einigermaßen erträgliche Versorgungssituation geschaffen. (Chemnitz II, S. 811).

Dieser erneute Rückschlag und das zögerliche Herangehen der kaiserlichen Truppen rief nun den Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld, der seine Grenzfestung wieder haben wollte, auf den Plan. Der Bischof intervenierte bei seinem Bruder Melchior, worauf sich der Feldmarschall entschloß, die Sache nun konsequent und endgültig zu Ende zu bringen. Zu diesem Zweck schickte er seinen Oberstleutnant vom Neu-Hatzfeldischen Fußregiment, Veit Dietrich von Steinheim, mit 2000 Mann zu Fuß, vierhundert Dragonern und ausreichend Artillerie vor die Stadt und Festung. Steinheim langte am 23. November vor Königshofen an und begann von fünf verschiedenen Stellen Laufgräben gegen die Stadt zu führen. Gleichzeitig wurden drei Artillerieschanzen errichtet und die Stadt derart heftig beschossen, daß sich die Belagerer in kurzer Zeit eines Teils der Außenwerke bemächtigten und das Wasser aus dem Wallgraben ableiteten.

Der ehemalige Kommandant Wilhelm von den Brinken hatte sich kurz zuvor mit seinen verbleibenden Kompanien abgesetzt, sodaß die Verteidigung der Festung allein dem Oberstleutnant Erich Andreas Oxe (Ochse) mit dem ihm verbliebenen Västgötischen Truppen oblag. Diese bestanden nur noch aus etwa 150 gesunden Soldaten und 30 Offizieren. Damit war es ihm unmöglich, die erforderlichen 10 Posten auf den Außenwerken zu besetzen, wozu an die 600 Mann erfordlich gewesen wären. Außerdem wurde die Nahrung knapp, auch die Salz- und Brennholzvorräte waren zu Ende gegangen. Durch die langen Entbehrungen war die Garnison schwierig geworden. Die Soldaten weigerten sich, die Schildwachen zu besetzen und es gab Ansätze von Meuterei. An gezielte Verteidigungsaktionen oder Ausfälle war nicht zu denken. „Nachdemmahl nun die Soldaten durch continuirliches Fechten, Granatleschen, vnd schlechten tractaments, indem jeder alle zehen tage nur anderthalb Sturmhut recken [mit Roggen gefüllten Helm] bekommen, sehr gekrancket und gantz ausgemattet waren, auch endlich zu meutiniren begunt [begannen] vnd sich ausdrücklich vernehmen lassen: im Fall ein Sturm angienge, sie das Gewehr niederlegen, oder den Officirern selbst die Hälse brechen wollten. Als mußte der Obriste Lieutenant endlich den dritten Tag ChristMonats [3./13. Dezember] zum accord schreiten‘. (Chemnitz II, S. 914).

Die vom 11.12.1635 datierte Kapitulation[65] von Königshofen wurde im Namen des Bischofs Franz von Hatzfeld von Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim und dem Königshofer Kommandanten, dem Oberstleutnant ‚Ereich Andrea Oxe‘ unterzeichnet (Krebs/Hatzfeld, S. 218, Anm. 144). Der Abzug der schwedischen Garnison erfolgte am 13. Dezember ‚mit fliegenden Fähnlein, vnter- und obergewehr, Kriegsbrauch nach, so wol pagage, Sack und Pack‘. Den Schweden wurde zwar freies Geleit zugesichert, jedoch stellten sich nach Chemnitz viele Gemeine wie auch Offiziere freiwillig bei den Kaiserlichen unter. Der Rest, etwa 70 Mann, wurde gewaltsam untergestoßen, sodaß nur der Oberstleutnant mit einigen Offizieren bei seinen schwedischen Heimattruppen ankam. (Chemnitz II, S. 915)“.[66]

Piccolomini teilte Ferdinand III.[67] am 26.12.1635 aus Düren[68] mit, er habe nach Kräften das Seine für die Verteidigung von Schenk[69] getan und dann die Truppe in die Winterquartiere im Jülicher und Trierer Land geführt. Der Kardinal-Infant konnte sie nicht unterbringen. Er hielt es für wichtig, dass die Truppe an ein und demselben Ort blieb, da das Land mehr durch Überstellungen als durch Überwinterung leide. Der Feind werbe auf allen Seiten, die Schaffung einer großen Armee sei auch auf dieser Seite geboten. Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg halte zum Kaiser. Auf Grund einer Meldung über staatische Absichten, hierher ins Winterlager marschierende Soldaten zu überfallen, habe er, P., Sicherheitsabteilungen ausgeschickt, die auch dem Schutz Düsseldorfs[70] dienen sollten. Beck musste vor den Winterquartieren bei Düren ein regelrechtes Gefecht liefern, da der Feind ihn angreifen wollte.[71]

„Am 16. Juli [1636; BW] ging von München ein in sehr entschiedenem Ton gehaltenes Schreiben ab, in dem Werth beschuldigt wurde, er habe zwischen Fußvolk und Reiterei keine „Gleichheit‘ gehalten, möge darüber „umbstendlich‘ Rechenschaft ablegen und sich der Infanterie eifriger annehmen. Generalwachtmeister Schnetter solle sich beim Fußvolk aufhalten; wenn er aber wegen seiner Verwundung – worüber Werth hätte berichten müssen – seine Charge nicht wahrnehmen könnte, habe Graf Götz Vollmacht, einen anderen qualifizierten Offizier zur Führung der Infanterie abzuordnen“.[72] Lüdinghausen wurde beauftragt, die Vorwürfe zu untersuchen.

„Lüdinghausens Ausführungen verfehlten nicht ihren Eindruck auf Maximilian, der zwei Tage [5.10.1636; BW] später ihm und damit Werth Antwort erteilte. Er entzog dem kaiserlichen Generalwachtmeister Beck, über den sich Lüdinghausen mündlich beschwert hatte, das Kommando über bayerische Truppen. Der inzwischen genesene Schnetter solle ihm nicht länger Gehorsam leisten. Werth, Schnetter und der soeben in Arras[73] eingetroffene Generalkriegskommissar von Schütz wurden angewiesen, beim Kardinal-Infanten [Fernando; BW] um Audienz nachzusuchen, das kurfürstliche Kreditiv einzureichen und Abhilfe der Beschwerden zu erbitten. Die Regimenter hätten dem Kaiser, dem katholischen Wesen und dem Haus Österreich so ansehnliche, tapfere und ersprießliche Dienste geleistet, daß man sie nicht zugrunde gehen lassen dürfe. Die Äußerungen und die Maßnahmen des Infanten seien unverzüglich nach München zu melden.

Da der Kurfürst auf die Anklagen gegen Werth nicht mehr zurückkam, ihm vielmehr am 27. Oktober reiches Lob zollte und ihm Belohnungen in Aussicht stellte, muß angenommen werden, daß seine Ankläger ihre Beschuldigungen angesichts der Verteidigung Werths nicht aufrecht erhalten konnten. Der Feldmarschall-Leutnant bedankte sich am 8. November aus Arras für die Befehle, die Lüdinghausen aus München zurückgebracht habe. Er war mit Schnetter und Schütz zum Infanten geritten, erlangte jedoch keine Audienz, weil der Prinz krank lag. Für die Winterquartiere schlug Werth das Erzstift Trier, die Eifel und das Land Jülich vor. Am 20. November reiste der Kriegskommissar Forstenhäuser zur Berichterstattung von Arras nach München ab. Der Infant hatte sich – ohne Audienz – nach Douai[74] und weiter nach Brüssel begeben; dem Verlauten nach werde auch Piccolominis Artillerie und Kavallerie unter Generalwachtmeister von Breda ins Erzstift Trier[75] und nach der Eifel rücken, während die kaiserlichen Fußtruppen untrer Beck im Lande Trier Winterquartiere beziehen würden. Am 23.[11.1636; BW] berichteten Werth, Schnetter und Schütz gemeinsam, daß sie stündlich Marschbefehl erwarteten; vom Prinzen Thomas [Tommaso di Savoia; BW] sei aus Douai mündlich Ordre ergangen, man werde am 25. abrücken. Die Spanier seien bereits in ihre Garnisonen marschiert; Bayern und Kaiserliche lägen in den Dörfern, wo keine Handvoll Stroh zu finden. Von Löhnung und Waffenlieferungen höre man nichts, „von weme solches impediert würt, hat man zu vernehmen‘. Der so aussichtsreiche Feldzug war beendet und hinterließ bei den Bayern eine tiefe Enttäuschung; der Kampf um gute Winterquartiere hob erneut an“.[76]

Aus Namur[77] wandte sich Piccolomini am 17.12.1636 an Ferdinand III. und berichtete ihm über den beschwerlichen Rückzug nach Luxemburg, wo ein Teil der Armee unter dem Kommando Becks überwintere; die Kavallerie werde unter Bredows Befehl im Trierer Land untergebracht. Werth marschiere, die schlechten Wege als Ausrede benutzend, ebenfalls nach Trier und störe damit die Ordnung. Zudem informierte er ihn über den Rückzug der lothringischen Truppen und der di Savoias; die Ursachen des Misserfolgs sah er in der schlechten Disziplin.[78]

Im April 1637 schrieb G. P. Picchi, einer aus Piccolominis umfangreichen Informantennetz, aus Brüssel an Piccolomini: In Piccolominis Abwesenheit sei Beck mit der Kommandoführung betraut worden; dieser bemühe sich, das für die Soldaten versprochene Geld zu beschaffen. Doch die spanischen Minister täten nichts anderes als an die Bescheidenheit von Soldaten und Offizieren zu appellieren. Nun träten die Rekruten an, 20 Kompanien, und alle seien notleidend. Wie es der Brauch am hiesigen Hofe sei, werde eine Klärung der Frage immer nur aufgeschoben. Schilderungen der misslichen Lage der Armee seien an den Kardinal-Infanten und Tommaso di Savoia abgegangen.[79]

Wie Piccolomini am 31.1.1639 aus Brüssel dem Kardinal-Infanten mitteilte, war Beck offiziell mit dem Kommando in Luxemburg betraut worden.[80]

„Als Bönninghausen zur Hauptarmee stieß, war Piccolomini im Begriff, in Verbindung mit dem Prinzen Thomas von Savoyen der Festung Saint-Omer[81] Hilfe zu bringen, die der französische Marschall Châtillon seit Mitte Juni 1638 belagerte. Piccolomini entsetzte den festen Platz zu Beginn des Monats August. Weniger glücklich war er bei Chatelet,[82] dessen Besetzung durch die Franzosen er nicht verhindern konnte. Seine Kavallerie, über die Bönninghausen und der Generalwachtmeister Johann Freiherr von Beck, ein Luxemburger, der sich von der Pike heraufgedient hatte, den Befehl führten, streiften in stetem Kleinkrieg mit den Franzosen durch Westflandern und den Hennegau. Gelegenheit zu großen Kriegstaten bot sich kaum, da die spanischen Niederlande nur ein Nebenkriegsschauplatz des großen Ringens waren“.[83]

Am 28.3.1639 schrieb Piccolomini aus Brüssel an Beck und ordnete die Bereitschaft sämtlicher Truppen an, nannte ihm die Orte, die als Ausgangspunkte der Armee vorbereitet sein sollten (Mézières,[84] Mouzon[85] etc.) und sprach sein Vertrauen in Becks bewährte Tüchtigkeit und Kaisertreue aus. Ferner unterstellte er ihm das in den trierischen Landen – wie Piccolomini Hatzfeldt am 28.3. mitteilte, habe er in Übereinstimmung mit der Anordnung des Kaisers die Militärverwaltung des ganzen Landes Trier übernommen[86] – liegende Kriegsvolk. Die vorderste Linie solle an der Maas aufgestellt werden; inzwischen würden die Reserven bequem und gut in Trier und Luxemburg untergebracht sein.[87] Vom 5.5. bis 27.8.1639 gingen 18 Schreiben Becks an Piccolomini mit Berichten über die Kriegsoperationen in Frankreich, über Schwierigkeiten mit dem Unterhalt der Gefangenen, die lieber in Lamboys Truppen eintreten wollten, um frei zu werden, über die Zusammensetzung von Châtillons Armee und weitere Militärangelegenheiten.[88] Am 30.5.1639 schrieb Piccolomini an den Kardinal-Infanten: Beck habe gemeldet, dass der Feind Thionville[89] angreife und dass jenseits der Mosel Truppen Bernhards von Weimar marschieren und sich konzentrieren. Er habe sich schleunigst in Marsch gesetzt, um die feindlichen Absichten zu vereiteln.[90]

– Der Habsburg-Anhänger und Historiograph Wassenberg[91] beschreibt in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ die Vorgänge um den Entsatz Thionvilles und Hesdins[92] im Juni 1639: „Vnter dessen so feyreten vor das Spanische Niderland in Nider-Teutschland gemeldete Frantzosen auch nicht weniger. Alldar haben sie fast auff eine zeit Theonville im Hertzogthumb Lützelburg / vnnd Hesdin in Artois belägert; vnd diß grieffen sie mit desto grösserer Zuversicht an / alldieweil die Holländer auff einer andern Seite ihre Macht zusammen / vnd wiewol sie mit den Waffen nichts feindseliges verübten / dieselbe dennoch zeigeten.

Jedoch so gieng es ihnen auch auff die weise by Theonville nicht gar glücklich fort; sintemahl Piccolomini, welcher biß hieher im Gülicher Lande das Winterquartier gehabt / in dem die Frantzosen / noch mit Befestigung deß Lägers vmbgehen / ihnen alsbald auff den Halß kam: Es gieng der Obriste Wachtmeister Beck mit einem ausserlesenen hauffen voran / welchem das gantze heer / so bei Lützelburg gemunstert worden / auff dem Fuß nachfolgte. Von dannen ist man dem Feinde entgegen gezogen / vnd als man das Läger fleissig verkund schafftet / hat man es auff eine Schlacht gewaget. Es hat ein jeder General / Piccolomini, Soiani [Soye; BW], Suisi [Suys; BW], [Camillo; BW] Gonzaga, vnd der jetzt ermeldte Beck das seinige mit höchstem fleiß außgerichtet. De[s]wegen so hat das Glück nach vorgelauffener Schlacht die Sachen eine zeit lang zu eines und deß andern theiles Wohlfahrt geordnet / endlich aber ist es so weit kommen / daß die Frantzosen auß dem Läger geschlagen / vnd die Keyserischen / nach dem sie die Statt befreyet / sich desselbigen bemächtiget.

Der erschlagenen anzahl belangend / so sind derer vngefähr 6000. gewesen: Die abgenommenen Fähnlein / so haben sie alle / beydes zu Fuß / so wol auch zu Roß / verlohren: Die gefangenen / so sind derer auff 3000. gezehelet worden.

In dem aber dieses bey Theonville vorgieng / so trieb man die Belägerung vor Hesdin noch stärcker fort: Vnd wiewol die Frantzosen die Bollwercke vnd Schantzen in den Vorstätten nicht ohne tapfferer Soldaten Blutvergießen erobert erobert / so haben sie dennoch die zum beschützen vnerschrockenen Gemühter biß hieher nicht überwältigen können. Daher haben sie vnsinniger weise häfftig gedräewt. Daher acht starcke Stürme gethan / vnnd sind doch die Gemühter / auß Vrsache / daß sie bey Theonville so schlecht verhalten / nichts / oder wenig / beweget worden.

Damit aber die Soldaten von wegen der vnglückhafftigen Zeitung das Hertz nicht möchten fallen lassen / so ist der König selbst ins Läger kommen / vnd hat mit seiner Anwesenheit ihren Muth noch grösser machen wollen. Der weise Rath ist glücklich fortgegangen; vnd haben die belägerten / als es an Pulver mangelte / vnd die meisten Besatzungs-Soldaten entweder beschädiget / oder aber gestorben waren / damit sie es zu der eussersten Gefahr nit möchten kommen lassen / mit dem Könige einen ehrlichen Accord getroffen / sind auch nach Kriegesbrauch ab vnnd auff Bethun[93] gezogen. Wer wolte es wol glauben ? Hesdin hat / ehe sichs ergeben / 407 000. Schüsse bekommen / also daß der König selbst den ort besichtigen wollen; vnd nach dem er alles widerumb außzubessern befohlen / ist er als ein Triumphierer nach Paris gezogen“.[94]

Piccolomini gab am 8.6.1639 aus seinem Feldlager bei Thionville Beck einen Bericht über den bei Thionville über 14.000 Mann Infanterie und 5.000 Reiter errrungenen Sieg. Auf dem Schlachtfeld blieben 6.000 bis 7.000 Feinde, 7.000 wurden gefangen genommen (unter ihnen Marschall Feuquières, mehrere Obristen und Dutzende anderer Offiziere), während die Kaiserlichen 1 000 Tote und Verwundete hatten. Erbeutet wurden 10 Kanonen, sämtliche Bagage und Fahnen. Beigelegt waren ausführliche Beschreibungen für Olivares, den Kaiser, den Kardinal-Infanten und Philipp IV. von Spanien.[95]

Piccolomini teilte Ferdinand III. am 25.6.1639 mit: Auf Verlangen des Kardinal-Infanten habe er sich gegen das vom Feind bedrohte Hesdin in Marsch gesetzt und das Kommando bei Thionville an Beck übergeben.[96] Am 6.7.1639 schrieb Beck aus Vance[97] an Piccolomini, er habe bloß 1.250 Infanteristen und 270 Reiter bei sich und dabei vom Kardinal-Infanten die Order erhalten, unverzüglich die Stadt Damvillers[98] anzugreifen. Diese Aufgabe sei in Anbetracht der starken Wehrhaftigkeit der Stadt sehr schwer, da er nicht genug Kanonen und andere Mittel besitze und von den Versorgungszentren sehr weit entfernt sei. Er verlangte auch P.s Zustimmung, falls der Kardinal-Infant auf seinem Befehl bestehen sollte. Nicht sein persönlicher Erfolg, sondern die Ehre der kaiserlichen Armee stehe auf dem Spiel.[99]

Beck wandte sich am 8.7.1639 aus Virton[100] wieder an Piccolomini: Entgegen dem Befehl des Kardinal-Infanten, unverzüglich Damvillers anzugreifen, habe er vorgeschlagen, zuerst gewisse Orte im Bistum Metz[101] zu besetzen und sich den Weg ins Bistum Verdun[102] freizumachen. Diese Aufgabe habe er mit dem Herzog von Lothringen besprochen. Die Stellungen an der Maas müssten befestigt werden. Er erwarte ein Kavallerieregiment und Dragoner vom rechten Rheinufer. In Verdun seien zwei Regimenter französische Verstärkung eingetroffen. Die 2.800 Gefangenen habe er nach Namur transportiert; Feuquières sei noch immer schwer krank.[103] Am 14.7.1639 berichtete Piccolomini dem Kaiser aus dem Feldlager bei Arras über die feindliche Armee bei Hesdin. Der König von Frankreich sei in Péronne.[104] Châtillon rüste sich zu neuen Angriffen von Avesnes[105] oder Quesnoy[106] aus, darum habe er Beck beordert, aus Luxemburg 1.000 Kroaten nach Avesnes zu kommandieren. Saint-Omer[107] habe er mit 4.000 Mann und 2.000 Reitern gegen den Feind gesichert; diese hätten gleichzeitig die Aufgabe, sich in jedem in Flandern gefährdeten Ort schnellstens einzufinden. Die Anwesenheit des Königs und Richelieus bei der Truppe bewiesen, dass sie Hesdin nicht aufgeben wollten und neue Angriffe planten. Die von ihm, P., getroffenen Vorkehrungen und die Bereitschaft der spanischen Armee aber böten Garantien dafür, dass Flandern nicht fallen und der Feind sich weder des Artois noch des Hennegaus bemächtigen werde.[108] Den Kardinal-Infanten informierte Piccolomini am 17.7.1639, die Unsicherheit über die Pläne des Feindes gestatte ihm nicht, sivch vom Kriegsschauplatz zu entfernen. Er habe Meldungen über feindliche Truppenkonzentrationen bei Montmédy[109] sowie über die Vorbereitungen und den Marsch Châtillons gegen Thionville erhalten. Seiner Meinung nach müssten die Stellungen zwischen Sambre und Maas bewacht und Quesnoy und Avesnes gehalten werden. Ludwig XIII. wolle angeblich selbst kommen und Guise[110] besetzen, die Städte Hesdin und Durlan[111] seien auch bedroht. Man dürfe die Armee nicht durch eine Abkommandierung schwächen, ebenso müssten die von Beck kommandierten Reserven und das Regiment Ruebland am Ort bleiben.[112]

Ein nicht genannter Absender hatte Beck am 20.7. aus Sedan[113] informiert, der König von Frankreich nähere sich mit seiner Armee der Stadt Sedan. Ein zweites Heer werde von Châtillon angeführt; beide zusammen zählten an die 40.000 Mann.[114]

Am 23. und 28.7.1639 schrieb der Obrist Jacob aus Philippeville[115] und Marienbourg[116] an Piccolomini: Er habe am 13.7. bei Givet[117] die Maas überschritten, am 18. Avesnes erreicht, sei nach der Ermittlung, dass diese Stadt seine Hilfe nicht brauche, zurückgekehrt und habe, gerüstet für den Angriff des Feindes, sein Lager zwischen Philippeville und Givet aufgeschlagen. Auf de Brias‘ Bitte um Hilfe habe er sich nach Marienbourg begeben, wo er Becks Befehle erwarte.[118]

Karl IV. von Lothringen ließ Beck am 24.7.1639 aus Sierck[119] die Nachricht zukommen, dass die schwedische Vorhut an der Saar erschienen sei.[120] An diesem Tag hatte sich der Kardinal-Infant aus Gent[121] an Beck gewandt: Châtillon hege die Absicht, durch Luxemburg nach Thionville zu ziehen. Beck möge ihn als Kommandant von Luxemburg daran hindern oder nach Rücksprache mit Piccolomini nach Thionville eilen und die Verteidigung der Stadt stärken. Die nächste Aufgabe sei die Entsendung von Hilfstruppen nach Metz, um den Widerstand seines zaudernden Gouverneurs zu festigen.[122]

Beck informierte Piccolomini am 26.7.1639 aus Arlon[123]: Er breche nach Thionville auf, da Ludwig XIII. am heutigen Tag Mouzon erreiche und Späheraussagen zufolge Thionville anzugreifen. Die Gerüchte über französische Versuche gegen Sedan seien eine List zur Fortlockung der kaiserlichen Truppen gewesen. Er, B., habe in der Nähe von Arlon den Obristen Heister mit seinen Kroaten zurückgelassen, einesteils zum Schutz der Stadt, andernteils zur Auskundschaftung der Bewegungen des Feindes. Sollte er sich nach seiner Ankunft in Thionville davon überzeugen, dass der Feind eine Aktion gegen die Stadt plane, werde er alle ihn begleitenden Reiter zu Heisters Kroaten zurückschicken, damit sie zusammen die Franzosen überfallen, die vor Thionville liegen.[124] Am 29.7.1639 schrieb Beck aus Thionville erneut an Piccolomini: Der von ihm, B., in Givet zurückgelassene Obrist habe gemeldet, dass Charlemont[125] sehr schwach besetzt sei und Obrist Jacob mit 1.000 Mann zwischen Philippeville und Marienbourg stehe. Er habe nur das aus 500 kroatischen Reitern und wenigen Infanteristen bestehende Regiment Heister sowie das 130 Reiter zählende Regiment Ruebland zur Verfügung. Der Feind treffe große Vorbereitungen bei Metz, Meldungen zufolge sei am 28.7. Ludwig III. nach Verdun[126] gekommen. Proviant und Munition würden hingebracht und täglich kämen Verstärkungen an. Einige Truppen habe der König in Mouzon gelassen, scheinbar für einen Angriff auf Juois.[127] Zwischen dem Juli und Oktober gingen 11 Briefe Piccolominis an Beck, in denen er ihn u. a. über seine Kriegspläne informierte, ihm Befehle erteilte, sowie von den mit der Abkommandierung der Armee zur Unterstützung des Kaisers nach Böhmen verbundenen Problemen und neuen Werbungen schrieb.[128] 4 Briefe Piccolominis erreichten den Kardinal-Infanten zwischen dem 5. und 10.8. Die täglichen kleinen Scharmützel mit den Franzosen, die sich dann in ihre guten Quartiere zurückzögen, beunruhigten die Soldaten. Er habe beschlossen, auszurücken und ein Treffen mit Châtillon zu provozieren. Die Deutschen, die nach dem Tod Herzog Bernhards von Weimar in die französische Armee eingereiht wurden, seien laut Aussagen von Gefangenen unzufrieden. Mit den Verhandlungen mit dem Herzog von Bouillon fahre man fort. Er selbst sei bis Neufchâteau[129] gekommen, Beck habe Mouzon besetzt und Montmédy umzingelt. Der Feind liege zwischen Mouzon und Juois, Gefangene hätten ausgesagt, dass der König in Montmédy sei. Ein Gefangenenaustausch sei vorgenommen worden.[130] Im Briefwechsel Carettos di Grana mit Piccolomini in der Zeit vom 5. bis 15. August war außer Berichten über den Feldzug und den Zustand seiner Truppen und Kriegsaktionen der Franzosen auch von seinem Streit mit Beck wegen seiner; C., Weigerung die Rede, sich in der Auffassung der Disziplin deutschen Sitten unterzuordnen.[131]

Piccolomini informierte am 11.10.1639 aus Brüssel den Kardinal-Infanten, mit seiner Erlaubnis wolle er dem ständigen Drängen des Kaisers nachgeben und zur Abwehr des Feindes nach Böhmen und in die übrigen Erbländer gehen. Nach Vertreibung des Feindes aus Böhmen werde er in die Niederlande zurückkehren, wo er Gelände und Aufgaben besser kenne. In Lüttich[132] bleibe als Kommandant Beck zurück.[133] Caretto teilte am 19.10. Piccolomini aus Bourglinster[134] mit: Seit dem 15.10. stehe er hier in Berglinster und warte auf den Befehl zum Überschreiten der Mosel; auch warte er auf Blei- und Pulverlieferungen, die laut Becks Befehl aus Trier ankommen sollen. Wagen und Kanonen seien aus Luxemburg unterwegs. Vor dem Aufbruch werde er noch eine ausreichende Menge von Pferden, mindestens 900, konzentrieren. Er sorge dafür, dass auf dem Weg von Mainz[135] nach Nürnberg[136] Brotvorräte für die Armee bereit gestellt werden. Diebe würden von ihm gefangen und eingesperrt; im Gefängnis sitze ein Obrist, in dessen Regiment binnen zweier Tage 24 Pferde von Soldaten gestohlen wurden. Die Kranken lasse er in Mainz zurück.[137]

Am 22.10.1639 schrieb Piccolomini aus Brüssel an Ferdinand III.: Das Überschreiten der Mosel habe sich verzögert, da der Kardinal-Infant die Ersatztruppen, die die Grenze vor einer Bedrohung durch Châtillons Militär schützen sollten, nicht überstellt habe. Die Verteidigungsaufgaben seien von Suys, Beck und Lamboy übernommen worden. Geld für Werbungen habe der Kardinal-Infant zur Verfügung gestellt, aber Quartiere werde man in Jülich wegen der Hindernisse, die Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg in den Weg stelle, nicht beschaffen können. Das Endziel sei ein gerechter Frieden, die erste Voraussetzung dazu die Vertreibung Banérs, dann der Angriff auf Frankreich. Mit General Melander [Holzappel; BW] sei eine weitere Friedensverhandlung im Gange. Der Kardinal-Infant wünsche, dass die für spanisches Geld ausgerüstete Armee nach Banérs Vertreibung an den Niederrhein zurückkehre und nicht unter Gallas‘ Kommando am Mittelrhein eingesetzt werde. Ferner versprach Piccolomini Erfolge gegen die Franzosen, sobald diese nicht mehr in der Übermacht wären, und gab seinen guten Hoffnungen für das kommende Jahr Ausdruck.[138]

Am 4.11.1639 informierte Beck aus Luxemburg wieder Piccolomini: Der Kardinal-Infant habe ihn angewiesen, 1.000 Mann nach Givet abzukommandieren, die für den Fall eines feindlichen Angriffs auf Quesnoy oder Avesnes bereit stehen sollten. Ständig träfen weitere Meldungen über Châtillons Angriffspläne und Versuche, sich mit den Holländern zu verbinden, ein. Beck müsse die lange Grenze von Flandern bis Luxemburg gegen die Franzosen verteidigen. Abschließend informierte er ihn über seine Dislozierung der zusammengeschmolzenen Regimenter Ruebland, Heister und Fernemont.[139]

Kurfürst Ferdinand von Köln wandte sich am 24.11.1639 aus Saint-Trond[140] an Piccolomini: Mit Befürchtungen verfolge er seinen Marsch nach Böhmen, obwohl er wisse, dass Piccolomini alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen habe. Die Weimarer rückten gegen die Mosel vor, um zu Châtillons Armee zu stoßen. Auch wenn Lamboy, Beck, Böhmer und Geleen hier geblieben seien, fühle er sich ohne Piccolominis sicheren Schutz verlassen. Er werde die üblichen Winterquartiere vorbereiten, bitte aber nur um Schonung des Gebietes zwischen Sambre und Maas, das durch die alljährlichen Truppeneinquartierungen erschöpft sei.[141]

Diego de Hernani, Rechnungsführer in der spanischen Armee, teilte am 14.12.1639 aus Brüssel Piccolomini den Beschluss des königlichen Rates mit, zum Zweck der Verteidigung der Spanischen Niederlande gegen die Generalstaaten und Franzosen den Truppenbestand zu erhöhen und Geldmittel zu der von Lamboy betriebenen Werbung von 4.000 Fußsoldaten und 4.000 Reitern frei zu machen; ihr Kommando würden Lamboy und Beck übernehmen.[142]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet unter 1640: „General Banner hatte den Satzer[143]-Cräyß und Launa[144] daselbst er im Januario gelegen / nach grossem unnöthigen Brand-Schaden schon zeitlich verlassen / der Stallhans / als er damals zu Wolau[145] / sechs Meilen hinter Breßlau[146] lage / auch sonsten im Lignitzischen[147] / Schweidnitzischem[148] und der Laußnitz[149] wol zu thun hatte / konnte umb dieser seiner und mehrern vorhabender Expedtionen willen / Schlesien und Laußnitz nicht also verlassen und zu ihm stossen : Königsmarck war zwar selbst in Person bey ihm ankommen / sein Volck aber / so schon vorhanden seyn sollte / noch zurück : Und lage Banner umb diese Zeit / da Kolin[150] und Chlumitz[151] bald nach einander übergiengen / die Käiserliche Armada allesampt der Artollerie / von sechtzig grossen und kleinen Stücken / über der Elbe war / meistentheils bey Jung-Buntzel[152] herumb / daselbsten er sieben Stücke auff eine Höhe gepflantzet hatte / aber auch da nicht lang ligen bliebe / sondern sich nach Melnick[153] und dort herumb zoge / und war zwar nicht ohne / daß ihme von auffgegangen Eyß / und angeloffenen Wasser / die Brucke zu Leutmaritz[154] auff und zu schanden gienge / also daß das Gehöltze / Bretter / Schiffe / Nachen und anders biß über der Pirna[155] uñ Dreßden[156] hinab flosse / er bemühete sich auch zum zweytenmahl die Brücke wieder machen zu lassen / und versuchte zugleich ob er mit Schüttung Geströhe eine Brücke / wie voriges Jahr im Mechlenburgischen geschehen / machen lassen könnte : Es wollte aber diß Jahr nicht also gelingen : und liesse er / daß er nicht stand halten würde / an seinem zu rück wenden / zeitlich vermercken.

Sein Commendant und Obrist Lieutenant [Schweinitz; BW] in Königingrätz[157] konte auß diesem Zustand  / wie es ihme ergehen wollte / leichtlich abnehmen / berichtete derwegen dessen seinen General / aber die Wiederantwort / in deren dem Commendanten Ordre gegeben wurde / auff dem Fall die Käis. Macht auf ihn zugehen möchte / und er denen nit widerstehen könte / den Ort zu verlassen / außzuplündern / und das Volck zu erhalten / wurde von den Käiserlichen auffgefangen / darauß sie / daß Banner den Ort nicht gedächte zu entsetzen / allgenug zu schließen hatten. Derohalben der Ort den 16. Februarii alsbalden von den Käiserlichen mit 100. Pferden / und 600. zu Fuß berennet und geschlossen wurde / daß nichts mehr sicher heraus kommen konte. Darauff man den 27. [17. !; BW] Ejusdem mit mehrer Macht dafür gezogen / und die Belägerung dergestalt / wie beygefügtes Kupffer / sampt folgender Buchstaben Erklärung mit sich bringet / vollführet worden.

A. Die Stadt Königgrätz in Böheimb. B. Die Fortification von Schwedischen gemacht. C. Die Vorstadt zu Sanct Anna / dahin den 17. Februarii deß Nachts ist commandiret worden das Regiment [Mattia; BW] von Toscana, sammt dem Ingenieur Carlo Cappi, sich darein zu legen / haben aber zu ihrer Ankunfft / daß die Schwedischen Feuer eingeleget gehabt / gefunden : als aber die Käiserlichen an sie gesetzet / haben sie sich in die halbe Tenaglia[158] oder Halte Num. 1. retiriret / welche die Käiserlichen eingenommen / und daraff die Baricata Num. 2. angestecket haben / ungeachtet deß Feuers / so die Schwedischen zur Zeit ihrer Retirade in S. Peters Vorstadt eingeleget hatten. Deß Morgens / als Herr General Feld-Marschall Graf Piccolomini / und General Feldzeugmeister Herr Francesco Marchese di Caretto ankamen / wurde das Fort Num. 3. eingenommen / und die Batterey D. gemacht. Auch ist der General Feld-Zeugmeister Grafe von Suys / und Ingenieur Carlo Cappi auff die andere Seiten der Stadt commandirt worden / daselbsten sie das Fort Num. 4. deß Abends eingenommen. Num. 5. ist die Fortification der Vorstadt S. Anthonii / darinnen die Schwedischen / zu der Zeit deß Anlauffes / gleicher gestalt Feuer eingeleget. Um 10. Uhren deß andern Tags / hat der Ingenieur die Batterey am Posten E. gepflantzet / die von der Fortification auff 160. Schritt weit ist. In der Nacht hat man am halben Mond Num. 6. angeloffen / gegen S. Peters Vorstadt / und ist der halbe Mond vom Marchese Mattei, und seinem Regiment erobert / auch eine Baricata Num. 7 gesetzet worden. Auff der andern Seiten der Vorstadt S. Anthonii / hat auch der Graf von Suys an die Fortificationen den anlauff thun lassen / damals die Regimenter deß Savelli / Gallas / und Beck / dessen Obrister Lieutenant Frangipan / die Avantgarde oder Vorzug gehabt / die Palisaden eingerissen / die Fortification erobert worden Num. 8. Deß ersten Thurns-Pforte F. geöffnet : An deß andern Thurn-Pforte G. hat der Ingenieur Feuer anlegen lassen; Wormit er die defendirende Schwedische verjagte / und die Pforte eingenommen; Alsdann hat man angefangen die letztere Pforte H. zu eröffnen : Darauff die Belägerten deliberiret / und sich auf Hochfürstliche Durchleucht. Clementz ergeben. Seyn also auß der Stadt gezogen 500. Fußknecht / 200. Dragoner / 8. Cavallier oder Rittmeister / 4. Hauptleute / viel Cornet und Lieutenanten / und ein Obrister Lieutenant der Commendant / von deß Zabelditzky [Zabeltitz; BW] altem Regiment : und seynd darvor gelegen das Toscanische / oder Florentinische / und Matthei [Mathey; BW] Regiment / wie auch deß Savelli / deß Gallas / und deß Becken / alle an S. Peters Porten. Alsdann der General Feld-Zeugmeister Marchese di Caretto, und der General Feld-Zeugmeister / Graf von Suys.

Es sollen der Käiserlichen darvor bey dreyssig todt geblieben / bey sechtzig / und unter denselben 2. Obriste / Vernes und Leopold / aber nicht tödtlich beschädiget worden seyn.

In diesem vesten Orth hat man eine ziemliche Quantität von Geträyd / sampt vieler Munition bekommen / und hat man wol von fünff tausend Strichen Geträyds / und von sechszig tausend Reichsthalern verstecketer gefundener Baarschafft sagen wollen. Welches wir an seinen Ort gestellt sein lassen“.[159]

Wassenberg berichtet in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ über die Eroberung von Königgrätz am 19.2.1640: „Aber es waren jetzt auch Hatzfeld und Piccolomini mit ihren Völckern zum Ertzhertzoge gestossen / welche mit einerley Muth vnd macht wider den Feind ziehen wolten. Alsdann hat Banner die hin vnd her auff der plünderung herumbstreiffenden Regimenter / damit nicht eines nach dem andern zunichte gemacht werden möchte / ins Läger beruffen / sich enger beyeinander / wie auch vorsichtiger gehalten.

Aber es wolte diese zusammen gezogene Macht jetzt wenig helffen. Dann es ist der Ertzhertzog / sampt dem Piccolomini ins freye Feld / vnd in eine Schlachtordnung getretten / wann vielleicht die Feinde / auß Hoffnung eines newen Sieges / ihnen entgegen gehen wolten. Aber es wolte diese zusammen gezogene Macht jetzt wenig helffen. Aber der Banner / welcher jetzt gleichsamb weniger als nichts werth war / oder aber / daß er dem Oesterreichischen Blut die Ehre gab / ist allgemach hinter sich gegangen. Vnd diß ist der erste wider ihn erhaltene Sieg gewesen / daß er keine Feldschlacht lieffern wolte.

Derhalben so hat Leopoldus Guilielmus sich zu den kleinen vnd grossen Städten gekehret / vnd König-Grätz / worin das weisse Regiment / so in zwölf Fähnlein bestund / vnter dem Generalwachtmeister Sabeiditz [Zabeltitz; BW] lag / belägert / auch in wenig Tagen zu solcher Noth gebracht / daß dem Marggraffen Matthæi, als er mit einer löblichen Tapfferkeit die Mawren erstiegen / zwölff Fähnlein entgegen geworffen worden. Man hat in dieser eintzigen Stadt 60000. Reichsthaler / vnd 10000 Scheffel Weitzen / so die Schweden den Böhmischen Bawren gewaltthätiger weise abgenommen / gefunden. Auch hat sich das gantze Regiment freiwillig vnter den Keyser begeben / vnd ihm geschworen“.[160]

Am 4.3.1640 schrieb Piccolomini aus Jičin[161] an Ferdinand III.: Lamboy und Böhmer seien beordert worden, die in Jülich[162] angeworbenen Söldner auf einfache Weise verköstigen zu lassen: Sie sollten täglich zwei Pfund Brot, ein Pfund Fleisch und zwei Maß Bier erhalten. Das Gleiche gelte für das Jung-Beck’sche Regiment im Trierer Land und in der Eifel. Dem Herzog von Pfalz-Neuburg sei es nicht erlaubt, mehr Söldner zu mieten als der Kaiser bewilligt habe. Der Herzog sei nicht verlässlich, er paktiere mit Melander [Holzappel; BW], den Generalstaaten und dem Prinzen von Oranien; seine Truppen seien sogar im Herzogtum Berg eingedrungen.[163]

Beck korrespondierte mit Melchior von Hatzfeldt im Januar 1642 wegen der Niederlage Lamboys bei Kempen[164] gegen Guébriant und Kaspar von Eberstein; im Februar unterrichtete er ihn von der Flucht Lamboy’scher Truppen nach Lüttich und Huy[165] und deren Zusammenführung; im Herzogtum Luxemburg und im Stift Trier herrsche große Konfusion.[166]

In diesem Februar 1642 berichtete der kaiserliche Obrist Damian von Nideggen, der selbst in Trier stand,[167] Melchior von Hatzfeldt von der Einquartierung verschiedener Regimenter im Erzstift Trier. Beck sei in Luxemburg, Karl IV. von Lothringen in Neumagen[168] untergebracht. Er selbst weilte in diesem Monat noch in Eberhardsklausen.[169] Im März schrieb Beck an Hatzfeldt wegen der Schwierigkeiten, die durch die Einquartierung lothringischer Truppen entstanden seien.[170] Vom Gefecht bei Châtelet[171] berichtete er Hatzfeldt im März.[172] Wegen der Einquartierung kaiserlicher Truppen auf dem Beck gehörenden Haus Ringsheim[173] wandte er sich im August an Hatzfeldt.[174] Gegenstand ihrer Korrespondenz im Dezember 1642 war die Vertreibung kaiserlicher Truppen durch spanische in Westfalen.[175]

Im August 1643 informierte Beck Hatzfeldt über die Belagerung Thionvilles; auch korrespondierte er mit ihm wegen des Eintritts Hatzfeldts in spanische Dienste. Zugleich war von der Gefährdung Triers die Rede. Beck hoffte auf die Vereinigung kaiserlicher und spanischer Truppen.[176] Zahlreiche Schreiben Becks wegen des Marsches kaiserlicher Truppen auf Wittlich[177] gingen an den Generalfeldwachtmeister Zahrádecký.[178] Die Korrespondenz Becks mit Hatzfeldt im Oktober 1643 handelte vom Widerstand Kurtriers gegen Hatzfeldts Vormarsch nach Trier.[179]

Kurfürst Ferdinand von Köln unterrichtete Piccolomini von Ende Mai 1644 an über die Lage: Trotz ständiger Verhandlungen mit den Hessen-Kasselischen habe deren Kriegvolk die zu Köln gehörige Stradt Paderborn[180] besetzt und bedrohe Trier. Für die Verteidigung des Rheinlands ständen die Streitkräfte Trauns und Karls IV. von Lothringen, Becks und Geleens sowie der Marschälle Hatzfeldt und Franz von Mercy zur Verfügung; gegen diese ständen Condé und Magalotti.[181]

Die Aktivitäten französischer Truppen im Elsass und in Lothringen sowie die Gefährdung Triers durch Condé[182] beschäftigten Beck in seiner Korrespondenz mit Hatzfeldt im August 1644.[183]

Maximilian I. teilte Ferdinand III. am 19.11. mit, am heutigen Tag habe er von Piccolomini die Nachricht erhalten, dass ihn Karl IV. und Nikolaus Franz von Lothringen mit 5 Regimentern verstärken, so daß nun keine Gefahr bestehe, der Feind könnte den Rhein überschreiten. Er selbst werde daher mit der versprochenen Anzahl Reiter und Dragoner zu Gallas stoßen können. Geleen und Beck sollten beordert werden, den Feind nicht über den Rhein zu lassen.[184]

Frangipani gehörte zu dem umfangreichen Korrespondentennetz Piccolominis und hielt diesen während dessen Aufenthalt in den Niederlanden auf dem Laufenden. Am 17.4.1645 schrieb er Piccolomini aus Frankenthal:[185] Beck und Lamboy führten in der Rheinarmee Neuformierungen durch, ergänzten die Regimenter und rüsteten sie aus.[186]

In der letzten Schlacht des Krieges am 20.8.1648 bei Lens[187] wurde Beck verwundet, geriet in die Gefangenschaft des Prinzen Louis de Condé und starb wenig später in Arras an seiner Wunde, welche er „aus unmuth“ nicht verbinden lassen wollte.[188] Der Hildesheimer[189] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 10./20.8.1648 fest: „Auß Brüßell avisirt, das die Spanische vnnd Frantzösische Armeen Morgens vmb 9 Uhr Zwischen Dovay[190] vnnd Arras[191] aneinander gerathen, worauf es zue einer Schlacht gerathen, darin der Frantzosen lincker Flügel starck sich zue reterirn gezwungen worden. Alß aber H. Gral. M. Erlach mit seinen newgeworbenen teutschen Völckern, so in die m/12[192] bestanden, zue fechten angefangen,  hat er die Sp. Reuterry aus dem Felde geschlagen, so den[193] die Infanterey gantz ruinirt. Der Ertzhertzog [Leopold Wilhelm; BW] hat sich mit 30 Perd. nach Dovay salvirt, ist zwar 2 Mahl gefangen gewesen, aber von 2 vornehmen Printzen, so dagegen im Stich blieben, wieder erledigt worden. Gral. Beck ist an einem empfangenen Schuß des andern Tages bey den Frantzosen gestorben. An m/8 (8000) sollen die Spanische vf der Wahlstadt haben liegen laßen, beneben der Artillerey, so fast in 150 Stück bestanden“.[194]

Sein Nachfolger wurde Fürst Lixheim.[195]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[2] Widoble [Vidovle, heute Ortsteil v. Bitozeves [dt. Witoseß; Bez. Louny].

[3] Kokořin [ Kokořin, Bez. Melnik]; HHSBöhm, S. 279f.

[4] Lens [Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[5] NEYEN, Biographie Luxembourgoise Bd. 1, S. 49-54; ADB 2. Bd., S. 214f.; ENGERISSER, Von Kronach, S. 389f., Anm. 245 (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung); vgl. auch KELLER; CATALANO, Die Diarien.

[6] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.

[7] Friedberg [Wetteraukreis], HHSD IV, S. 145ff.

[8] WAAS, Chroniken, S. 147.

[9] WAAS, Chroniken, S. 147.

[10] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) v. Ungarn u. spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite u. dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine siebenjährige Gefangenschaft geriet, u. Bernhard v. Sachsen-Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote u. 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote u. 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288. => Quellen 1200ff.

[11] ENGERISSER, Nördlingen 1634, S. 274, Anm. 67).

[12] Nauheim [Kreis Groß-Gerau].

[13] WAAS, Chroniken, S. 142.

[14] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[15] Mellrichstadt [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 438f.

[16] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 37.

[17] Reitzenhain; heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis].

[18] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[19] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[20] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[21] LEHMANN, Kriegschronik, S. 79f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[22] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[23] Lichtenstein; HHSD VIII, S. 201f.

[24] LEHMANN, Kriegschronik, S. 79.

[25] Karlstadt [LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 343ff.

[26] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 37.

[27] Mellrichstadt [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 438f.

[28] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105; Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[29] Fladungen [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 199.

[30] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[31] Böblingen [LK Böblingen]; HHSD VI, S. 98f.

[32] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 19.

[33] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 20, 21.

[34] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.

[35] Bad Hersfeld; HHSD IV, S. 20ff.

[36] Fulda; HHSD IV, S. 154ff.

[37] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 22.

[38] Limburg; HHSD IV, S. 292ff.

[39] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[40] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 23.

[41] Andernach [Kr. Mayen]; HHSD V, S. 12f.

[42] Limburg; HHSD IV, S. 292ff.

[43] Diez [Unterlahnkr.], HHSD V, S. 75f.

[44] Usingen [Kr. Usingen]; HHSD IV, S. 437.

[45] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 25.

[46] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[47] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 27.

[48] Namur [Span. Niederlande, h. Belgien].

[49] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 40.

[50] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.

[51] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[52] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[53] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[54] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[55] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[56] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[57] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[58] Schorndorf [Rems-Murr-Kr.]; HHSD VI, S. 714f.

[59] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[60] Schwarzenberg [Stadt Scheinfeld, LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 685f.

[61] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[62] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.

[63] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[64] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[65] Kopie im Schönstein-Archiv Nr. 13; ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 26.

[66] ENGERISSER, Von Kronach, S. 427ff.

[67] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[68] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[69] Schenkenschanz [Gem. Salmorth, LK Kleve]; HHHSD III, S. 665.

[70] Düsseldorf; HHSD III, S. 185ff.

[71] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 162.

[72] LAHRKAMP, Werth, S. 61f.

[73] Arras [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[74] Douai [Dép. Nord, Frankreich].

[75] Trier; HHSD V, S. 372ff.

[76] LAHRKAMP, Werth, S. 64f.

[77] Namur [Span. Niederlande, h. Belgien].

[78] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 371.

[79] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 428.

[80] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 741.

[81] Saint-Omer [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[82] Châtelet [Le Catelet ?; Frankreich, Dép. Aisne].

[83] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 325.

[84] Mézières [Frankreich, Dép. Ardennes].

[85] Mouzon [Frankreich, Dép. Ardennes].

[86] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 741; Nr. 775.

[87] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 774.

[88] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 805.

[89] Thionville [Span. Niederlande, heute Dép. Moselle; Frankreich].

[90] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 830.

[91] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[92] Hesdin [Dép. Pas-de-Calais; Frankreich].

[93] Béthune [Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[94] WASSENBERG, Florus, S. 433ff.

[95] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 840.

[96] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 849.

[97] Vance [westl. v. Arlon, Belgien, Prov. Luxemburg].

[98] Damvillers [Frankreich, Dép. Meuse].

[99] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 856.

[100] Virton [Belgien, Prov. Luxemburg].

[101] Metz [Bistum u. Stadt, Herzogtum Lothringen].

[102] Verdun [Bistum u. Stadt, Herzogtum Lothringen].

[103] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 859.

[104] Péronne [Frankreich, Dép. Somme].

[105] Avesnes-Chaussy [Frankreich, Dép. Somme].

[106] Quesnoy [Le Quesnoy; Frankreich, Dép. Nord].

[107] Saint-Omer [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[108] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 861.

[109] Montmédy [Frankreich; Dép. Meuse].

[110] Guise [Frankreich, Dép. Aisne].

[111] Durlan: nicht identifiziert.

[112] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 864.

[113] Sedan [Frankreich, Dép. Ardennes].

[114] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 866.

[115] Philippeville [Belgien, Prov. Namur].

[116] Marienbourg [Belgien, Prov. Namur].

[117] Givet [a. d. Maas; Frankreich, Dép. Ardennes].

[118] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 868.

[119] Sierck-les-Bains [Frankreich, Dép. Moselle].

[120] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 869.

[121] Gent [Gand; Span. Niederlande, h. Belgien].

[122] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 870.

[123] Arlon [Belgien, Prov. Luxemburg].

[124] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 873.

[125] Charlemont [heute Ortsteil von Givet an der Maas]

[126] Verdun [Bistum u. Stadt].

[127] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 876; Juois [Herzogtum Luxemburg].

[128] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 879.

[129] Neufchâteau [Belgien, Prov. Luxemburg].

[130] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 883.

[131] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 884.

[132] Lüttich [Liège; Belgien].

[133] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 924.

[134] Bourglinster, heute Ortsteil von Junglinster, Kanton Grevenmacher (Luxemburg].

[135] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[136] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[137] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 928.

[138] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 929.

[139] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 936.

[140] Sint-Truiden [franz. Saint-Trond ; Belgien, Provinz Limburg], gehörte ab 1227 zum Fürstbistum Lüttich.

[141] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 940.

[142] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 945.

[143] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.

[144] Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.

[145] Wohlau [Wołów; h. Polen]; HHSSchl, S. 569ff.

[146] Breslau [Wrocław]; HHSSchl, S. 38ff.

[147] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[148] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[149] Laußnitz [Kr. Kamenz]; HHSD VIII, S. 178.

[150] Kolin [Kolín]; HHSBöhm, S. 280ff.

[151] Chlumetz an der Cidlina [Chlumec nad Cidlinou, Bez. Königgrätz]; HHSBöhm, S. 96f.

[152] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[153] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[154] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[155] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[156] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[157] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.

[158] Zange

[159] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 357.

[160] WASSENBERG, Florus, S. 358f.

[161] Jičin [Jičín]; HHSBöhm, S. 233f.

[162] Jülich [LK Jülich]; HHSD III, S. 367ff.

[163] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1003.

[164] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.

[165] Huy [h. Belgien, Provinz Lüttich].

[166] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[167] Trier; HHSD V, S. 372ff.

[168] Neumagen [Gem. Neumagen-Dhron], HHSD V, S. 256f.

[169] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 210. Eberhardtsklausen, siehe unter Klausen (Eifel); LK Bernkastel-Wittlich].

[170] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[171] Châtelet [Le Catelet ?; Frankreich, Dép. Aisne].

[172] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[173] Ringsheim [Gde. Schweinheim, LK Euskirchen]; HHSD III, S. 647.

[174] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[175] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[176] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[177] Wittlich; HHSD V, S. 407f.

[178] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 136.

[179] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[180] Paderborn; HHSD III, S. 601ff.

[181] TOEGEL; KOČÍ (Hg.), Der Kampf, Nr. 264.

[182] Vgl. ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 55.

[183] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 105.

[184] TOEGEL; KOČÍ (Hg.), Der Kampf, Nr. 451.

[185] Frankenthal; HHSD V, S. 100ff.

[186] TOEGEL; KOČÍ (Hg.), Der Kampf, Nr. 579.

[187] Lens [Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[188] KHEVENHILLER, Conterfet Bd. 2, S. 414.

[189] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[190] Douai [Frankreich, Dép. Nord].

[191] Arras [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[192] 12.000.

[193] wahrscheinlich Transkriptionsfehler: so dan.

[194] SCHLOTTER, Acta, S. 491.

[195] TOEGEL; KOČÍ (Hg.), Der Kampf, Nr. 1193.

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Polio, N

Polio, N; Obristleutnant [ – ] N Polio [ – ] stand 1642 als Obristleutnant[1] in französischen[2] Diensten.

Der Benediktiner-Abt von St. Georgen im Schwarzwald,[3] Georg Michael Gaisser II. [16.9.1595 Ingoldingen-19.8.1655 Villingen][4] notierte in seinem Tagebuch unter dem 27.12.1642: „Es kommen meine Untertanen, von denen ich endlich Näheres über die Besetzung von Triberg[5] erfahre. Gerade in der Nacht der heiligsten Geburt (Nacht auf Weihnachten) hatten 50 Freiburger[6] Schützen nach schon vorheriger Auskundschaftung der Örtlichkeit sich in die der Burg benachbarte Scheune herangeschlichen, auf der Lauer, wie sie, während die Einwohner den nächtlichen Gottesdienst besuchten, in dieselbe eindringen könnten. Um Mitternacht freilich unternahmen sie nichts. Während der zweiten Messe aber, die um die Morgendämmerung gefeiert wurde, als die Frau des Kommandanten (oder Vogtes ? praefecti) sowohl als auch mehrere andere herauskamen, glaubten sie nicht länger zögern zu sollen und machen sich zur Ausführung des Handstreichs fertig. Eine Magd, die zur Besorgung des Viehes dieselbe Scheune aufsuchte, halten sie fest, stürmen eilig zum Eingang und überschreiten die schon vorher herabgelassene (Holz-)Zugbrücke. Aber von den aufmerksam gwordenen Besatzungsleuten werden sie vom inneren Tore ferngehalten. Alarm innerhalb und außerhalb der Burg. Die Freiburger fordern Einlassung, im Falle der Weigerung drohen sie allen Verteidigern Gehängtwerden an. Diese weigern sich, erwarten Hilfe von Bundesgenossen. Aber da sie in ihrer Absperrung keine Rückzugsmöglichkeit in die Befestigung hatten und schon durch aus der Stadt herangeholte Beile die Torflügel aufgebrochen wurden, öffnen sie gegen Zusicherung ihres Lebens die Tore.

1) Auf dieselbe Weise hätten sie beinahe auch die Burg von Schramberg[7] in ihre Gewalt gebracht, nachdem sie in der Nähe einen Hinterhalt gelegt hatten, die bei dem Heraustreten der Bewohner aus der Kirche die Brücke besetzen sollten. Da aber diese allzu unzeitig vorstürmten und einer von den Wächtern, der am Mantel ergriffen wurde, diesen aber zurückgelassen hatte, ins Tor zurückgeeilt war, so hatte die Unternehmung keinen Erfolg.

In der Burg von Triberg soll viel Getreide, Mehl, Hausrat, aber auch nicht wenig Geld vorgefunden worden sein, was alles nach Freiburg weggeführt wurde. Der Kommandant wurde ebendaher abgeführt, seine Frau beraubt, die Burg völlig ausgeräumt und dann, nach vorausgegangener Warnung der Bürger vor einem Brand der Stadt, nach Anlegung von Feuer vollständig eingeäschert“.[8]

Die in Frankfurt/M.[9] erscheinende „Relationis Historicae Semestralis Continuatio“ informierte ihre Leserschaft: „EBener Gestalt ist das veste Hauß Tryburg / 3. Meil[10] von Freyburg in Breyßgaw gelegen / per stratagema[11] an den Feind vbergangen. Dann nachdem derselbe auß besagter Statt / am 14. 24. diß / bey finsterer Nacht / war der Newe Christ-Abend / 80. Mußquetirer[12] starck / vnderm Obr. Leutenant Polio / davor ankommen / haben sie sich in einer alten Scheuren / nechst bey dem Schloß gelegen / die Nacht vber / biß an den Morgen verdeckt gehalten. Als nun bey Eröffnung der Pforten etliche herauß kommen / so bey so hohem Fest in der Kirchen jhrem Gottesdienst abwarten vnnd Predigt hören wollen / seynd die auß jhrem verborgenen Loch auff einmal herauß gewischt / nach dem Schloß geeilet; vnd weil nur 15. Mann von Villingen[13] zur Besatzung darinn gewesen / solches ohne einigen Verlust einbekommen. In demselben ist ein grosser Vorraht an Früchten[14] / newen Mußqueten[15] / allerhand Kriegs-Munition / Handgranaten[16] / 6. Stücklein[17] / Kugeln vñ anders gefunden worden / welches gedachter Obr. Leut. deß andern Tags auff Wägen laden vnd neben einer Anzahl Viehe vnd Pferd / nach Freyburg führen / das Schloß aber in Brand stecken lassen. Vnd ist diese Ruin darumb geschehen / weil dieses ein Ort von Importantz[18] / denen auß Freyburg aber zu weit abgelegen / weßwegen man vor rathsamer angesehen / auff solche Weiß damit zu verfahren / dann etwa ein starcke Guarnison[19] / zu keinem besondern Vortheil / darein zu stecken.

So were auch auch bey nahe das Schloß Schromberg dergestalt emportirt[20] worden / dann der Feind schon allbereits an der Fallbrücken gewesen / die man jhm aber im Angesicht auffgezogen / daß er also von solcher Impressa[21] / vnverrichter Sach / abstehen müssen“.[22]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[23] stützte sich in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ auf diese Darstellung: „Gleicher gestalt ist das veste Hauß Tryburg / drey Meil von Freyburg in Brißgaw gelegen / durch Kriegslist an den Feind übergangen. Dann nach dem derselbe auß bemeldter Stadt am 14. 24. dieses / bey finsterer Nacht / war der newe Christabend / 80 Mußquetierer starck / vnterm Obristen Leutenant Polio davor ankommen / haben sie sich in einer alten Schewren / nächst bey dem Schloß / die Nacht über / biß an den Morgen verdecket gehalten. Als nun bey eröffnung der Pforten etliche herauß´kommen / die bey so hohem Fest in der Kirchen ihren Gottesdienst abwarten vnd predigt hören wollen / seynd die auß ihrem verborgenen Schlupffwinckel auff einmal herauß gewischet / nach dem Schlosse geeylet / vnd weil nur fünffzehen Mann von Villingen in Besatzung darauff gewesen / solches ohne einigen Verlust einbekommen. In demselben ist ein grosser vorrath an Früchten / neuen Mußqueten / allerhand Kriegsrüstung / Handgranaten / 6. Stücklein / Kugeln / vnd anders gefunden worden welches gedachter Obrister Leutenant des andern tages neben einer anzahl Viehs vnd Pferde / nach Freyburg führen / das Schloß aber in Brand stecken lassen. Welche zerstörung darumb geschehen / weil dieses ein Orth / woran viel gelegen / denen in Freyburg aber zu weit entlegen / deßwegen man vor rathsamer geachtet / auff solche weise damit zu verfahren / als etwan eine starcke Besatzung / zu keinem besondern vortheil / darein zu stecken“.[24]

Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås] berichtet dazu: „Sonsten ward auch das Schlos Treyberg, drey Meilen von Freyburg, in welchem ein Lieutenant[25] mit fünffzehen Man aus Villingen gelegen, von den Frantzosen in Freyburg, am Christtage morgens früh, durch list erobert: „In deme selbige sich die nacht über in einer, negst am Schlosse gelegenen, Scheure verborgen gehalten, den negstfolgenden Morgen, wie die Porte eröffnet vnd die Leute heraus zur Kirche gehen sollen, hervorgesprungen, der Porte in eil zugelauffen, vnd dadurch das Schloß ohne einigen verlust einbekommen. Das Haus Schramberg were gleichfals solcher gestalt beynahe in dero hände gerathen: Da Sie schon bis an der fallbrücke gewesen, gleichwol selbige Ihnen vor ihren augen aufgezogen worden“.[26] Bei dem Historiker Samuel Freiherr von Pufendorf [8.1.1632 Dorfchemnitz-26.10.1694 Berlin] findet sich dagegen lediglich die knappe Bemerkung, die Freiburger hätten „Schloss Freyberg“ mit List eingenommen.[27]

Nach der älteren Literatur wurde das Schloss dagegen am 26.12. von Bauern zerstört.[28]

Möglicherweise handelt es sich bei Polio um den ehemaligen Major[29] Pollius (Polli)[30] vom schwedisch[31]-weimarischen Regiment[32] des Wilhelm von Brinck,[33] der 1634 in Regensburg[34] gegen die kaiserlich-bayerischen Belagerer kämpfte.

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant, tschech. podplukovník]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, v. den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch v. Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten u. die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren u. Soldaten bewies u. für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments u. die Anwerbung v. Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- u. Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse u. Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] u. 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen u. dänischen Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen u. Garnisonsdienst zwei Quartiere u. damit auch entsprechende Verpflegung u. Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[2] französische Armee: Vgl. PARROTT, Richelieu’s Army; THION, French Armies; CORVISIER, Histoire militaire 1. Bd., S. 353ff. Richelieu gegenüber Beichtvater Père Joseph über die mangelhafte Organisation der kaiserlich-bayerischen Armeen u. zum Zustand der französischen Armee (1638); Vertrewlich freundlich Gespräch: „Zum andern ist das Teutschland vor Zeiten wohl ein mächtig Land gewest / aber die langwürige Krieg vnd so wohl Freund als Feind haben es also verderbt / daß es jhme nicht mehr gleich vnd nicht der dritte Theil am Volck vbrig vnd selbiges also erarmet ist / daß der Arm dem Reichen gleich / das grosse / breite vnd weite Land öd ligt / vnd niemand bey seinem wohnen kann. So haben wir gut wider ein so verderbt Reich / vnd wider einen solchen Fund zu kriegen / der gleich wohl eine erfahrne tapffere Soldatesca in Anzug bringen kann / aber ohne Ordnung / ohne Bezahlung / ohne Disciplin, das gantze Teutschland ist fast ein Quartier vnd stehet dem Soldaten preiß / allda noch er / noch der Inwohner zu leben hat / vnd wann er in das Feld ziehet / keinen Proviant / oder andere Nothwendigkeit sind / daß er also in Mangel dessen von seinen eygnen Vnordnungen sich verzehrt. Die Regiment vnd Compagnien seynd viel in Anzahl / aber mit wenig gemeinen Knechten ersetzt / vnd die Officier erpressen doch die Contributiones für völlig. Bey den Regimenten befinden sich wenig Obristen in Person / also wann Fehler vorüber gehen / so wohl im Feld als in Quartieren / ist niemand der helffen / der den man zu red stellen köndte. Wo ein Corpus beysam̃en / commandiren vnterschiedene Generales, der ein will für sich / der ander hindersich / der ein es auff Welsch / der ander auff Teutsch haben. Vnd das gemeine Wesen gehet vnter dessen zu Scheitern. Die höchste Häupter sehen von weitem zu / vermeynen es mit Ordinantzen, Commissarien, Currieren, Botten vnd Brieffen zu erbesseren / ziehen doch niemand schuldigen zu gebührender Straff / lassen allein das gute Glück walten. Aber bey solcher manier zu kriegen ohne ein rechtes General Haupt / ohne Geld vnd Disciplin, ohne Vorsehung vnd Rarh / mit verderbung eygener Land vnd Leuth / allda denen Soldaten alles preiß stehet / vnd sie sich selber vntereinander spoliren, plündern / vnd auffreiben auch alle Vnbild / Vnfugsamkeit / vnd Laster gleichsam gestattet wirdt / kann weder Göttlicher Segen / noch menschlich Glück bestehen. Wann Gott vnsern Feinden nit bessern Sinn gibt / so haben wir ein gewunnes Spiel. Wann sie aber wolten kriegen wie wir / mit ordentlicher Bezahlung / daß der Vnderthan beym Feldbaw erhalten / vnd dardurch der Soldat sein Nahrung haben würde / so möchte sich leichtlich das Glück vmbschlagen / vnd ein Armee von 12000 also disciplinirten Soldaten Vns mehr Abbruch thun als jetzund 24000. Mann / welche wo sie in jhrem aignen Land hinkommen / entweder gar nichts zu leben finden / oder wan sie einen Vorrath antreffen / verderben und verwüsten sie in einem tag was auff etliche Wochen erklecken köndte / ruiniren vnd machen zu Schanden vnd Vnnutz / alles so sie hernach zu jhrem selbst aignem vnentbärlichen Gebrauch mit vil Gelt nit repariren mögen / daß also in wenig tagen jhr Anzal ohne Schwerdtstreich für sich selbst mercklich geschwächt wird / vnd viel einen Absprung zu vns nem̃en / vnd sich bey vns vnterhalten lassen. So seind sie mit Waffen / Schantzzeug / vnd andern Beraitschafften zu einem Feldzug nothwendig auß Vnvorsehung / vnd Mangel Geltes schlecht gerüst / jhr Cavalleria vbel montirt, vnd welche annoch bey allen Treffen die erste geweßt / so durchgangen. Betten wir also nun Gott / daß er sie nit besser kriegen lerne / darzu sie noch viel Mittel haben / wann sie an jhnen selber nit verzweiffleten. Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung. Solten dann die gegen vns gelegene Craiß mit concurrirung der Spanier / welche sonst das Geld außmessen / vñ nit zehlen/ nit vermögen mit solch richtiger Bezahlung bey 12. In 15000. Mann zu erhalten / darbey widerumb gute Disciplin gestifft / vnd der Vnterthan vnuerhindert bey seinem Feldbaw beschirmet / vnd jhme die Mittel gemacht würden / sein ordentliche aufferlegte Contribution zu lieffern. Ich muß bekennen / weil einem versuchten teutschen Soldaten 3. vnserer Frantzosen kaum gewachsen sind / daß wir wider ein solche Armee gnugsam zu schaffen haben würden / dann Hertzog von Weimar am teutschen Volck zimblich abkommen / muß sich fast der Frantzosen bedienen. Wann es aber gehet wie bißhero / wirdt er bald widerumb teutsche Knecht bekommen / vnd bey vns die Noth nit seyn / daß weder ich noch E. Ehrw. auff die Post sitzen / nach Cöln zu reysen / vnd Frieden zu machen / wie wir sonst im widrigen Fall thun müsten“.

[3] St. Georgen im Schwarzwald [LK Schwarzwald-Baar-Kreis].

[4] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 93f. Vgl. auch SCHULZ, Strafgericht.

[5] Triberg im Schwarzwald [Schwarzwald-Baar-Kreis]; HHSD VI, S. 797f.

[6] Freiburg im Breisgau; HHSD VI, S. 215ff.

[7] Schramberg [LK Rottweil]; HHSD VI, S. 715f.

[8] STEMMLER, Tagebuch 2. Bd., S. 925f.

[9] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[10] Meile: 1 Meile = ca. 7,420 km, eine schwedische (auch große) wie auch westfälische große Meile wurde mit 10 km bzw. 10, 044 km gerechnet. In der Regel kein bestimmtes Maß, sondern eine Strecke, „die ein Fußgänger ohne Anstrengung in zwei Stunden zurücklegen“ konnte. HIRSCHFELDER, Herrschaftsordnung, S. 192. Meile, englische: 1,606 km. Die Luftlinie Freiburg-Trimberg beträgt 32, 47 km.

[11] stratagema: Kriegslist.

[12] Musketier [schwed. musketerare, musketör, dän. musketeer, tschech. mušketýr]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel u. den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln, den Gabelstock, u. legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) u. die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 2 – 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge v. 102 cm u. wog etwa 4,5–4,7 kg bei einem Kaliber v. zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- u. Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten u. Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – u. schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm] verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscherer erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Der Hildesheimer Arzt u. Chronist Dr. Jordan berichtet 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe; SCHLOTTER, Acta, S. 194. Der Bad Windheimer Chronist Pastorius hält unter 1631 fest; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100: „1631. Den 10. May eroberte der General Tylli die Stadt Magdeburg / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden gefangen gen Erffurt kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten zum Heyrath-Guthe“. Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch 1. Bd., S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß, S. 43ff., über die Bedienung; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.; BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 119ff.

[13] Villingen im Schwarzwald [Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kreis]; HHSD VI, S. 834ff.

[14] Früchte: Getreide.

[15] Muskete [schwed. musköt, dän. musket]: I. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel u. den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln, den Gabelstock, u. legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) u. die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen haben sich angeblich förmlich überschlagen. Je nach Entfernung hatten jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Im Nahkampf wurde auch Schrot verwendet. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 544ff. Eine einfache Muskete mit Forquette (Stützgabel), Bandelier u Kugelform kostete etwa 3 ¼ fl., die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge v. 102 cm und wog etwa 4,5-4,7 kg bei einem Kaliber v. zumeist 19,7 mm [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm]. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- u. Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten u. Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Bis 220 Meter konnte man noch unter günstigen Voraussetzungen eine Trefferquote von 25 % erzielen. ENGERISSER, Von Kronach, S. 552: „Ab ca. 200 m Entfernung waren Musketenschüsse unter normalen Feldbedingungen gegen gepanzerte Soldaten praktisch ohne Effekt und ab 300 m verursachten sie gegen Ungepanzerte auch nur noch Prellschüsse. Die maximalen Schussweiten mit einer gut passenden und verdämmten Kugel lagen bei 350-400 m, d. h. nach spätestens 400 m senkte sich eine waagrecht abgeschossene Kugel in den Boden“. Vgl. „Luntenschloßmuskete, Suhl um 1630“. Online verfügbar unter: engerisser.de/Bewaffnung/Luntenschlossmuskete.html. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung v. maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Bei BOXEL, Anweisung, heisst es allerdings (1670); zitiert bei BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 132: „Man rechnet, daß ein Musquet Wasserpaß drey hundert schritt (= 235, 425 m) weit schiesse, wihr haben aber im Januario 1670 … dreymahl befunden, daß wihr auff vier hundert schritt (313, 90 m) (zu dritthalb schuh den schritt gerechnet) (= 1 Schuh à 0, 3139 = 0, 78475 m) durch in den am Ende stehenden pfahl, mit ordinari ladung, geschossen, den dritten schuß thäten wihr hundert schritt weiter zu ruck (= 392, 375 m), und schossen hinten durch die bretter, jedoch war die kugel ungefehr einen schuh niedriger als das Ziel gesetzt war, gesunken. Auff sechs hundert und zwantzig schritt (= 486, 425 m) befunden wihr, daß die kugel kein kraft mehr hatte“. II. Es gab auch Jagdmusketen mit kleinem Kaliber u. langem Lauf, die v. Scharfschützen verwendet wurden. Zum Teil machte man aus Unberittenen Dragoner, indem man ihnen Musketen gab. SCHWARTZ, Die Neumark, S. 52. Der Preis für eine Muskete lag je nach Qualität zwischen 4 u. 6 Rt., also zwischen 6 u. 9 fl.

[16] Handgranaten: runde, mit Pulver u. gehacktem Blei gefüllte Eisen-, Messing, Blei-, Ton- oder Glaskugeln, die in einer großen Ledetasche mitgeführt u. mit einer Lunte gezündet wurden. Granaten können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden u. mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Granadiere waren ursprünglich Soldaten, die Handgranaten gegen den Feind schleuderten. Bereits 1631 wurden sie bei der Eroberung Frankfurt a. d. Oder von den Iren eingesetzt; MAHR, Monro, S. 112. Als Generalmajor Lars Kagge 1634 in Regensburg belagert wurde, forderte er zu dieser gefährlichen Tätigkeit – ihre Splitter konnten bis zu 50 Schritte gefährlich werden – Freiwillige gegen höheren Sold auf u. wurde so der Schöpfer der Granadiere. Chemnitz, S. 467, beschreibt bei dieser Gelegenheit erstmalig den Einsatz von Handgranaten: „Gebrauchte sich [der Gen. Maj. Kagg] hierunter zuforderst der handgranaten, den Feind in confusion zubringen, nachgehends, wann solches geschehen, der Kurtzen wehren [Helmbarten] zum niedermetzeln. Wobey er jennige, so die handgranaten zu erst geworffen, mit einer gewissen recompens [nach Heilmann 2 Reichstaler] zu einer so gefährlichen action angefrischet‘. ENGERISSER, Von Kronach, S. 277. Die Füllung der Handgranaten durch die Feuerwerker galt als sehr gefährlich.

[17] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5-19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis. Halbe Kartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. „Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81. Sie hatte eine max. Schussweite v. 720 Meter; DAMBOER, Krise, S. 211. Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen v. gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen v. Brand- u. Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[18] Importantz: Wichtigkeit, Bedeutung.

[19] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie u. Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis u. die Fourage mussten v. der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden u. waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Vgl. die Äußerungen des Grafen Philipp Moritz v. Hanau-Münzenberg von 1630 bei seinen Bemühungen, die Aufnahme einer kaiserlichen Garnison zu verhindern; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 8: „Welches wie Ihre May. allergnädigst zu erachten / jhm nicht unbillich schwere Gedancken machte / bevorab / da man vor Augen sehe / wie fast geringe Bestraffung der Excessen / sie weren auch so groß wie sie wolten / bey den vndern Officiern zu erlangen / sondern noch der Beleydigten darüber gespottet / hergegen wann ein Bürger oder Bawersmañ / einen Soldaten / auch auff gegebene starcke Veranlassung / nur sawer ansehe / wie jämmerlich man mit jhnen umbgienge / dessen vberflüssige Exempel vorhanden“. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger u. Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.

[20] emportieren: erobern, erlangen.

[21] Impressa: Angriff, Überfall.

[22] LATOMUS, Relationis Historicae Semestralis Continuatio (1643), S. 62f.

[23] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[24] WASSENBERG, Florus, S. 501f.

[25] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant, tschech. poručik]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 60  Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Als einer Leutnant einer Streifschar aus einer Garnison erhielt er quasi als Gefahrenzuschlag pro 1.000 Rt. Beute u. Ranzion 28 Rt. 54 Alb. 6 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell  verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[26] CHEMNITZ, Königlich Schwedischen in Teutschland geführten Kriegs 4. Teil, 2. Buch, 60. Kapitel, S. 160.

[27] PUFENDORF, Der Schwedisch- und Deutschen Kriegs-Geschichte 14. Buch, 41. §, S. 41.

[28] KREUZER, Zeitgeschichte, S. 21.

[29] Major [schwed. major, dän. major, tschech. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen u. Befehle des Obristen u. Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition u. war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch u. im Lager, beaufsichtigte die Wach- u. Patrouillendienste u. stellte das Regiment in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- u. Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie u. 300 fl. bei der Kavallerie, 200 fl. bei der dänischen Armee.

[30] Adam Pollius [Polli; Pollio, Polio ?] [ – ], schwedischer Kapitän.

[31] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen u. Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[32] Regiment [schwed. regimente, dän. regiment, tschech. pluk]: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold u. die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl v. Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments v. 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments v. 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Dagegen hielt Richelieu fest; Vertrewlich freundlich Gespräch: „Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung“. Das entsprach 264.000 fl. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 u. 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 u. 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 u. 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 u. 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 u. 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 u. 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, vom Vorgänger übernommen u. oft v. seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet u. kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige. Richelieu gegenüber Beichtvater Père Joseph über die mangelhafte Organisation der kaiserlich-bayerischen Armeen u. zum Zustand der französischen Armee (1638); Vertrewlich freundlich Gespräch: „Zum andern ist das Teutschland vor Zeiten wohl ein mächtig Land gewest / aber die langwürige Krieg vnd so wohl Freund als Feind haben es also verderbt / daß es jhme nicht mehr gleich vnd nicht der dritte Theil am Volck vbrig vnd selbiges also erarmet ist / daß der Arm dem Reichen gleich / das grosse / breite vnd weite Land öd ligt / vnd niemand bey seinem wohnen kann. So haben wir gut wider ein so verderbt Reich / vnd wider einen solchen Fund zu kriegen / der gleich wohl eine erfahrne tapffere Soldatesca in Anzug bringen kann / aber ohne Ordnung / ohne Bezahlung / ohne Disciplin, das gantze Teutschland ist fast ein Quartier vnd stehet dem Soldaten preiß / allda noch er / noch der Inwohner zu leben hat / vnd wann er in das Feld ziehet / keinen Proviant / oder andere Nothwendigkeit sind / daß er also in Mangel dessen von seinen eygnen Vnordnungen sich verzehrt. Die Regiment vnd Compagnien seynd viel in Anzahl / aber mit wenig gemeinen Knechten ersetzt / vnd die Officier erpressen doch die Contributiones für völlig. Bey den Regimenten befinden sich wenig Obristen in Person / also wann Fehler vorüber gehen / so wohl im Feld als in Quartieren / ist niemand der helffen / der den man zu red stellen köndte. Wo ein Corpus beysam̃en / commandiren vnterschiedene Generales, der ein will für sich / der ander hindersich / der ein es auff Welsch / der ander auff Teutsch haben. Vnd das gemeine Wesen gehet vnter dessen zu Scheitern. Die höchste Häupter sehen von weitem zu / vermeynen es mit Ordinantzen, Commissarien, Currieren, Botten vnd Brieffen zu erbesseren / ziehen doch niemand schuldigen zu gebührender Straff / lassen allein das gute Glück walten. Aber bey solcher manier zu kriegen ohne ein rechtes General Haupt / ohne Geld vnd Disciplin, ohne Vorsehung vnd Rarh / mit verderbung eygener Land vnd Leuth / allda denen Soldaten alles preiß stehet / vnd sie sich selber vntereinander spoliren, plündern / vnd auffreiben auch alle Vnbild / Vnfugsamkeit / vnd Laster gleichsam gestattet wirdt / kann weder Göttlicher Segen / noch menschlich Glück bestehen. Wann Gott vnsern Feinden nit bessern Sinn gibt / so haben wir ein gewunnes Spiel. Wann sie aber wolten kriegen wie wir / mit ordentlicher Bezahlung / daß der Vnderthan beym Feldbaw erhalten / vnd dardurch der Soldat sein Nahrung haben würde / so möchte sich leichtlich das Glück vmbschlagen / vnd ein Armee von 12000 also disciplinirten Soldaten Vns mehr Abbruch thun als jetzund 24000. Mann / welche wo sie in jhrem aignen Land hinkommen / entweder gar nichts zu leben finden / oder wan sie einen Vorrath antreffen / verderben und verwüsten sie in einem tag was auff etliche Wochen erklecken köndte / ruiniren vnd machen zu Schanden vnd Vnnutz / alles so sie hernach zu jhrem selbst aignem vnentbärlichen Gebrauch mit vil Gelt nit repariren mögen / daß also in wenig tagen jhr Anzal ohe Schwerdtstreich für sich selbst mercklich geschwächt wird / vnd viel einen Absprung zu vns nem̃en / vnd sich bey vns vnterhalten lassen. So seind sie mit Waffen / Schantzzeug / vnd andern Beraitschafften zu einem Feldzug nothwendig auß Vnvorsehung / vnd Mangel Geltes schlecht gerüst / jhr Cavalleria vbel montirt, vnd welche annoch bey allen Treffen die erste geweßt / so durchgangen. Betten wir also nun Gott / daß er sie nit besser kriegen lerne / darzu sie noch viel Mittel haben / wann sie an jhnen selber nit verzweiffleten. Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung. Solten dann die gegen vns gelegene Craiß mit concurrirung der Spanier / welche sonst das Geld außmessen / vñ nit zehlen/ nit vermögen mit solch richtiger Bezahlung bey 12. In 15000. Mann zu erhalten / darbey widerumb gute Disciplin gestifft / vnd der Vnterthan vnuerhindert bey seinem Feldbaw beschirmet / vnd jhme die Mittel gemacht würden / sein ordentliche aufferlegte Contribution zu lieffern. Ich muß bekennen / weil einem versuchten teutschen Soldaten 3. vnserer Frantzosen kaum gewachsen sind / daß wir wider ein solche Armee gnugsam zu schaffen haben würden / dann Hertzog von Weimar am teutschen Volck zimblich abkommen / muß sich fast der Frantzosen bedienen. Wann es aber gehet wie bißhero / wirdt er bald widerumb teutsche Knecht bekommen / vnd bey vns die Noth nit seyn / daß weder ich noch E. Ehrw. auff die Post sitzen / nach Cöln zu reysen / vnd Frieden zu machen / wie wir sonst im widrigen Fall thun müsten“.

[33] Wilhelm v. Brincken [v. der Brinke, Brinck, Princk, Princkh, Brinken, Brücken, Brenck, Briegk] [ca. 1586-13.10.1637], schwedischer Major (1630), Obristleutnant (1633), kursächsischer Obristleutnant (1635) u. Obrist (1636); 1636/37 kaiserlicher Obrist; seit 1636 Mitglied Nr. 270 der Fruchtbringenden Gesellschaft als „Der Beregnete“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 300f. Bei LEUSCHE; HENTRICH (Hg.), Hermann Böttcher, Halberstadt im 30jährigen Kriege, S. 138, der „sächsische Oberst Briegk“ (!).

[34] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

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Rochow, Georg Wilhelm von

Rochow, Georg Wilhelm von; Major [18.12.1610 Lehnin-26.4.1665 Golzow] Georg Wilhelm von Rochow, der Bruder des Moritz August von Rochow,[1] stand als Major[2] in kurbrandenburgischen Diensten. Er hat eine ausführliche Lebensbeschreibung hinterlassen. Seine Studien musste Rochow auf Grund der finanziellen Lage der Familie abbrechen und sich wie viele andere Adlige auch in den Militärdienst begeben.

„Mein Georg Wilhelm von Rochow Lebenslauf durch Göttliche Gnade und Beistand bis jetzo, da man schreibt den 1. Decembris 1646 geführt, als:“

„Ao. 1610 des 13. Decbr. am Donnerstag ungefähr zwischen 6 und 7 Uhr bin ich durch Gottes des Allmächtigen Hülfe im Amt Lenin[3] zur Weldt gebohren. Undt darauf des Tages St. Michaelis durch Herrn Christo in der heiligen Taufe fürgetragen worden. Undt Nachdem meine herzlieben Eltern seel: mir, sobald ich ein wenig zu Jahren kommen, stets zur Schule gehalten, Undt gerne gesehen, daß ich aufs Fundament studirt, Alß haben sie mir bey sich behalten und Praeceptores[4] geordnet, welche mir nicht allein in der Lateinischen Sprache informiret, besonders auch Ao. 1627 ist mir ein gelarter und verständiger Mann, welcher bei der Lateinischen Sprache auch in der französischen, Spanischen, Itäliänisch und englichen Sprache exceliret, zugegeben worden, welcher ein Jahr bei mir verplieben, Undt mich in der französischen Sprache, alß welche zu der Zeit in meinem Vaterlande hoch gehalten instituiret, das ich also durch solchen meinen großen Fleiß in Jahres Zeit bey der Lateinischen Sprache als derselben ich ein gutes Funtament hatte, auch dieser Sprache ganz fertig und mächtig worden, woraus meine Eltern sich bei sich beschlossen, nachdem ich nun mein Jahre erreichet, das mir nicht dienliches sein würde, länger mich bei sie zu Hause aufzuhalten, mir von sich in fremde Lande zu schicken, jedoch daß [Ende S. 93] ich dabei meine Studia in acht nehmen sollte, haben mich derowegen Herrn Nicolaum Pompeium,[5] welcher ein vornehmer und gelehrter Mann war, für einen Hofmeister zugegeben, und denselben befehlichet sich mit mir nach Straßburgh[6] am Rhein zu begeben, undt die Universität allda zu besuchen, worauff ich auch in Gott des Allerhöchsten Nahmen mit dießem mir zugegebenen Mann meine vorgenommene Reise angefangen, und den 2. Septbr. 1629 mich vor den lieben Meinigen auf den Weg begeben, und für erst meine Reise auf Wittenbergk[7] fortgesetzet, und allda, damit ich als ein junger Mensch des Zustandes einer Acatemia ein wenig kundig würde, drey Monat lang aufgehalten, hernachmals mich auf Leipzig[8] begeben, undt allda auch zwey Monat verplieben, und nach diesen ferderst darauf gedachter meiner Eltern seel. Geboth und Befehlen nachher Straßburgk meinen Weg genommen, und allda, nachdem ich bey drey Wochen unter Weges geweßen, zwarter jedoch todt krank (nachdem mir auf dieser reiße eine sehr große hitzige Krankheit[9] zugestoßen) angelanget, welche Krankheit denn auch so groß und bis in den 6. Monat bey mir angehalten, und nicht wenig Verhinderung meines Vorhabens gewesen, undt nachdem ich durch Göttliche Hülfe disser Krankheit genesen undt meine verlohrenen Kräfte wieder erlangt, hab ich mich resolviret, indem der Ort sehr berühmt undt für einen jungen Menschen zu lernen und zu erfahren nicht Undienliches, mich ein Jahr lang allda aufzuhalten, und in freien Künsten zu exerciren, und nachmahlen nach verflossenem Jahr meiner lieben Eltern seel: Willen und Meinung nach eine reise in Frankreich, so fast an der Gränze dieses Landes befunden, zu unternehmen, hatte auch zu dieser meiner genommenen Resolution gelangen wollen, so Gott der Allmächtige nicht ins Mittel getretten, und nicht allein verlanget, daß die lieben Meinigen durch damalen in unserem Vaterlande einbrechenden großen Krieg undt die beiden Kaiserlichen undt Schwedischen Armeen[10] ganz undt gar um das Ihrige kommen, undt der Mittel mich in frembde Lande zu schicken beraubt worden, besondern es hat auch Gott dem Allerhöchsten gefallen den 10. Mai Ao. 1631 meine herzliebe Mutter seel. von dieser Welt abzufordern, daß also wegen dieser erwähnten zweyen wichtigen Ursachen ich von meinem vorgenommenen proposito ferner zu reisen undt mich dadurch der Welt mehrerem kundig zu machen abgehalten worden, wie derowegen noch das 31. Jahr in solchem Ort der Stadt undt Acatemia Straßburgk verplieben, und indem es stets einen ärgern und schlimmern Zustand des verderbten Kriegslebens in unserm armen Vaterlande erlanget, ist mein Vater seel. bewogen worden, mich hinwieder zu sich zu fordern, undt welchen Befehlen ich mich denn gehorsambt untergeben, Undt hinwider Ao. 1632 gegen Pfingsten bey ihm, undt zwartens denselben in einem sehr schlechten Zustandt findendt, auffm Ampte Lehnin angelanget, und weil ich eben dazumalen S. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg, Churf. Georg Wilhelm[11] seel. Christlichen [Ende S.94] Angedenkens, meinen Gnädigsten Herren auf diesem Ampt Lenin angetroffen, und leicht spühren können, ja es auch von meinem seel. Vater solches vernommen, daß die Mittel nicht mehr bey ihm vorhanden mich ferner zum studieren zu halten, und weiter in fremde Lande zu schicken, bin ich anfangs der resolution worden mich an hochgedacht S. Churfl. Durchl. Hof zur Aufwartung bestellen zu lassen, worauf auch mit dem Churfl. Comitath[12] nacher Berlin gereiset, alß ich aber alldar kommen, undt meinen Hl. Brudern, alß zu der Zeit S. Churfl. Durchl. des löblichen Burgstorfschen[13] Regiments[14] zu Fuße Capitain,[15] Moritz August von Rochow des andern Tages nach meiner alldarkunft angetroffen, ist mir mein Vornehmen von demselben ganz und gar wiederrathen, und bin ich von ihm brüderlich ersucht worden mein Fürnehmen zu ändern, und mich im Krieg zu begeben, welchen brüderlichen Rath, weil mir von meinem Herrn Vater frei gestellet wahr das zu erwählen dadurch ich künftig Ehr und ruhm haben möchte, ich gefolget, undt mich mit ihm nach drey Tagen nacher Crossen,[16] allda sich dazumalen hochgedachter S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg Völker, in etzlichen Regimentern[17] bestehendt undt in Felde logirt befunden, begeben, undt nachdem gleich die Fähnrich-Charge[18] der Leib-Compagnie[19] des damaligen Herr Obersten Conradt von Burgstorffen[20] Compagnia vacant gewesen, ist mir solche Charge von demselben angebothen undt daß Fähnlein anvertrauet worden, undt weilen dazumalen S. Churfl. Durchl. eine Reise nach dem Herzogthumb Preußen zu thun schlüssig worden, undt etzliche Völker wegen bisheriger vermutheter Unruhen im Königreich Pohlen bey damahliger Wahl eines Königes[21] mit sich zu nehmen, alß ist das Looß auf selbige Compagnia, unter welcher mir das Fähnlein anvertrauet, gegeben mit in Preußen zu gehen, in diesen Landen solche Völker fast bei drey Vierthel Jahr geblieben, nachdem es sich aber mit gedachter polnischer Wahl in Pohlen glücklich geendet, seint diese Völker nachher Schlesien zu den damaligen Königl. Schwedischen unter Herrn General Duvaldt[22] und Churfl. Sächßischen unter Generallieutenant[23] von Arnims’[24] Commando bestehenden Armeen gesandt worden, da wir denn im Frühjahr ao. 1633 zu Schweidnitz[25] angelanget, und in selbiger Stadt auf eine Zeit lang gelagert worden, und weilen dazumahlen der Röm. Kayserl. General Herzog von Friedland[26] eine große Macht wieder unsere Armee geführet, als ist letzlichen das Feldlager von unß bei dieser Stadt geschlagen, da denn bald darauf mein Capitain Lieutenant,[27] einer von Knobelsdorff[28] seine Charge resignirt, ist mir solche hinwieder anvertrauet, und bin also in diesem Feldlager als ein Capitain-Lieutenant vorgestellt. Wie große Hungersnoth[29] und Sterben[30] nun bei diesem Kriege gewesen, und in diesem Feldlager vorgefallen, darum werden vorhoffentlich in künfftigen die Chroniken mehr zeichnen, als ich anhero zu schreiben nöthig acht. Nach ausgestandener großer Noth und erlittenem großen Ruin ist die Armee letzlichen im Herbst [Ende S.95] dieses 1633 Jahres aufgebrochen und sich bis in Meißen[31] undt vor der Festung undt Residenzstadt Dreßden[32] retiriret, die Schwedischen Völker aber unter Herrn Grafen von Thurn[33] und Herrn General Duvaldt in Schlesien gelaßen, welche auch kurz darauf von den Kaiserlichen aufs Haupt geschlagen worden,[34] S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg zustehende Völker aber, ob wir zwarten sehr abgemattet waren, so hat doch der Herr General Lieutenant von Arnim noch im harten Winter dieses Jahres mit Zuziehung etzlicher Chursächsischer Regimenter einen Versuch gethan, ob er die Stadt Frankfurth an der Oder,[35] als welche kurz, undt zwartens nach der Niederlage der obgedachten Schwedischen Völker in Kaiserliche Gewalt undt Händen kommen, recuperiren undt erlangen könnte, so aber doch wegen großer Gegenwehr aus dieser Stadt undt da die große Kälte die unß, die sie belagert hatten, hart drückte, unmöglich gewesen, undt wieder zu erlangen nicht gestanden, so seint die Völker, als die Sachsen in Chursachsen undt die Brandenburger in Churbrandenburg verleget worden.

An das Jahr darauf alß Ao. 1634 im Frühling sind die Churbrand. Völker dem Schwedischen Feld-Marschalk[36] Banner[37] übergeben worden, undt nachdem sie aufgebrochen, ist mir das Looß gefallen, daß ich mit der undter meinem Commando stehenden Compagnia nebst S. Churfl. Durchl. Leib-Guart[38] in die Vestung Spandow,[39] welche Festung dazumalen von den Schwedischen S. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg wieder eingeräumbt undt untergeben, bin geleget, undt das Commando darin bekommen, wiewohl ich durch vielfältigst Anhalten so viel Erlaubniß erlanget mich bei der dazumaligen zu Felde gehenden Armee so lange aufzuhalten bis die Stadt Frankfurth an der Oder, als welche zuerst angegriffen worden, hinwieder occupiret, undt also die Belagerung derselben mit beizuwohnen, undt nachdem ich verspühret, daß mir nicht dienlich undt rühmlich sein würde mich als ein noch dazumahlen junger Cavalier in Vestungen aufzuhalten, als hat es an fleißiger Bemühung undt Anhaltung bei meinem Hr. Ob. Conradt von Burgstorffen mich hinwieder ins Feld zur Armee zu schicken nicht ermangeldt, da ich dann nicht allein mein Begehren erlanget zur Armee, so bis umb Pfingsten aus war, hinwieder zu gehen, besonders als ich zu derselben in Böhmen bei der Stadt Leutmeritz[40] im Felde liegend angelanget, ist mir sofort eine Compagnia undter mehrgedachter Hr. Ob. Burgdorffens Regiment überantworttet, und als ein Capitain derselben angestellt worden, da denn bald darauf, nachdem die große Niederlage der Schwedischen Haupt-Armee bei Nördlingen[41] geschehen die Churbrandenb. Völker hinwieder von den Schwedischen undter Commando des Hr. Feldmarschalk Bannir abgefordert, undt hinwieder zur Chursächßl. Armee gegeben worden, der Krieg aber nach gedachter Niederlage den Schwedischen so gefährlich gelaufen, undt ausgesehen, daß beide Churfl. Durchl. zu Sachsen[42] undt zu Brandenburg die höchste Noth befunden ihre unterhabenden [Ende S. 96] Völker in deren Churfürstenthümer undt Lande zurückzunehmen, und dann in die nöthigsten Plätze zu verlegen, undt daß dieses 1634 Jahr damit verlauffen, undt darauff im ao. 1635 der Prager Frieden[43] zwischen Kayserl. Majest. und Chursachsen geschlossen, welchen auch zuletzt S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg mit angenommen und man verspüret, daß der status imperii Romani nach vorigem Zustand in ziembliche Zerrüttung gesetzet, undt mehrgedachte S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg Zustandt erfordert dero noch aufn Beinen habende Infanterie undt Fußvölker in ihre Festungen zu verlegen, undt sich deroselben desto besser zu versichern, alß ist es meiner unterhabenden Compagnia gefallen, daß sie nebst anderen Compagnien unter Commando meines Herrn Bruders Moritz August von Rochow in die Veste Peitz[44] verleget worden, und nachdem leicht zu erachten gewesen, daß die Völker eine ziembliche Zeit bei solchem zerrütteten Zustande in den Vestungen würden verbleiben müssen, mir aber nachmals nicht dienlich gedünket mich in solchem Kriege lange aufzuhalten, alß bin ich bewogen worden meine Erlassung undterthänigst zu suchen, welche ich auch nach vielem Anhalten erlanget, undt alß ich Willens gewesen mich sofort von Berlin ab nach Prage zu begeben undt mich in Kaiserlicher Majest. Kriegesdienste ferner einzulassen, ist es gleich zur selben Zeit 1636 dahin gerathen, daß der Herrn Meister und Graf zu Schwarzenbergk[45] in S. Churfl. Durchl. zu Brand. vornehmer undt hoher Ambassate[46] nacher Regenspurgk[47] zu Ihrer Kays. Majest. Ferdinandi Tertii[48] Kays. Wahl undt Kröhnung geschickt worden, welcher denn zur selben Zeit an mich begehren lassen, nachdem er Cavalliers zur Auffwartung auf solcher Reise benöthiget, nicht allein meine verlassene Compagnia hinwieder anzunehmen, undt mich dadurch also auf einen noch festeren Fuß bei S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg alß meinem gnädigen Churfürsten undt Herrn zu setzen, besondern auch zeitwehrender erlangter Ambassate nach Regenspurgk bei ihm zu verpleiben undt nebst andern Cavaliers aufzuwarten, undt weilen ich verspühret, daß eine solche Reise für mich nicht undienlichen, indem bei solcher Zusammenkunft so vieler großen Herren und Potentaten wohl waß zu sehen sein würde, habe ich mich resolviret die nicht lange verlassene Compagnia hinwieder zu acceptiren, als auch das fernere Begehren gemeldeten Herrn Meisters und Graffen zu Schwarzenberg zu erfüllen, und mich bei demselben zeitwährender Reiß aufzuhalten, welche Reiße denn über ein halb Jahr gewähret undt allererst im ao. 1637 seine Endschaft erreicht, undt muß ich gestehen, daß ich diese Reiße, als der ich noch jungk war, sehr dienlich gefunden, indeme bey solcher Zusammenkunfft so vieler großen Herren undt Potentaten wohl waß zu sehen undt zu erfahren gewesen. Nachdem aber der Herr Meister undt Graff zu Schwarzenbergk bald bei Anfang des 1637 Jahres hinwieder bey mehr hochgedachter S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg alß meinem gnädigsten Herrn angelanget, undt denselben dazumahlen in [Ende S. 97] der Veste Cüstrin[49] angetroffen, daß selbiger Zeit Feindes Gefahr in meinem Vaterlande, und Chur undt Marken Brandenburg also undt dergestalt beschaffen gewesen, daß S. Churfl. Durchl. in dero Residenz nicht haben wohnen dürfen, undt dahero sich in der Vestung Cüstrin aufhalten müssen, darauf auch balden für rathsamb befunden undt schlüssig worden ein mehreres Volk zur Versicherung ihres Staats undt Landes zu erwerben undt auf die Beine zu bringen, undt unter andern meinen Hr. Bruder Moritz August von Rochow ein Regiment zu Fuß zu werben undt auf die Beine zu bringen gnädigst anvertraut, welcher mein Bruder mich denn dazumalen für seinen Major bestellet, bei welchem Regiment ich mich denn in allen damaligen S. Churfl. Durchl. zugestoßenen Kriegß-Actionen habe gebrauchen lassen, undt in ao. 1638 das sehr beschwerliche Lager undt Feldzugk von Malzien[50] in Mecklenburgk mit beigewohnet, undt weilen dieser Feldzugk, sowohl bei den Kaiserl. Chursächßl. undt Churbrandenb. Völkern indem aus selbigen allem ein großes Corpus gemacht worden, sehr unglücklich abgelauffen, undt die meisten Völker aus Hungersnoth, indeme der Hunger wohl so balden in einem Krieg nicht wird erhöret worden wie im freyen Feldlager undt da wir so großen Wiederstandt von den Feynden nicht gehabt, also groß letzlichen geworden, daß auch die Menschen selbst einander gefressen,[51] und das todte Aaß an Pferden, Vieh undt Hunden das beste Wildpreth gewesen, so dergestalt die ganze Armee zu Grunde gegangen, und darauf S. Churfl. Durchl. Lande undt status, nachdem dieselben in das Herzogthumb Preußen sich begeben, und mehr gemelten Herrn Meister undt Graffen zu Schwarzenbergk alß Statthalter dieses Churfürstenthumbs hinterlassen, nicht in geringe Noth undt Gefahr gesetzet gewesen; Auch hochnöthig gewesen daß die Vestungen mit mehrerer Besatzung undt Völkern versehen würden, ist resolviret die Churbrandenb. Völker ao. 1638 im Decbr. welche dazumahlen unter dem Commanto des Hr. General Klitzingen[52] geführet, von der anderen Armee abzufordern undt in die Vestungen zu verlegen, da demselbigen als meines Bruders Regiment das Looß gefallen daß es in Spandow geleget worden, undt weil ich gefunden daß solches Regiment so balden nicht wieder aus diesem Post kommen undt im Felde gebraucht werden möchte, ich auch sonst meine männlichen Jahre undt das 29. Jahr erreichet, habe ich mich durch Eingebung Gottes des heiligen Geistes dahin resolviret meinen Standt zu ändern undt in den heiligen Ehestand zu begeben, welches Christliches Werk auch den 14. July Ao. 1639 mit der damahligen HochEdelgebornen viel Ehr- undt Tugendreichen Jungfer Elisabeth Tugendreich von Burgstorffen, deß weiland Hohansen Jochens von Burgstorffen auf Podelzigk,[53] Walchow,[54] Gross-Machenow[55] Erbherrn in Spandow[1] adelichen undt löblichen Gebrauch nach ist consumiret worden, und weil mein Gott der Allmächtige mir solche gewünschte Heyrath verliehen, bin ich wole undt zwarten auf höchstes [Ende S. 98] Anhalten, Flehen undt Pitten meiner damahligen herzliebsten sofort schließend gewesen den leidigen undt von großen und schweren Sünden behaffteten Krieg zu quittiren undt mich in häuslichen Stande zu begeben, nachdem aber die Zeiten undt Dranksahle meines geliebten Vaterlandes so groß undt sehr gewachsen, hat mirs nicht rühmlichen zu sein gedünket nach meiner dazumahlen durch die mir von Gott dem Allmächtigen gegebenen Heyrath Glückseligkeit sofort meinen gnädigsten Churfürsten undt Herrn alß auch mein arm hartbedrängteß Vaterlandt mit meinem Dienste zu verlassen, besondern bin nach wie vor in Kriegsdiensten verplieben, nachmalß aber als die Churfl. Durchl. Georg Wilhelm Ehren undt Hochlöblichen Andenkens durch Gottes des Allmächtigen unwandelbaren Rath undt Willen zu Ende des 1640ten Jahres in Preußen Todes verblichen undt die jetzige Churfl. Durchl. Friedrich Wilhelm[2] in die Churfl. Regierung getretten, undt allerhand Mutationes undt Veränderungen sich ereignet, hab ich bei mir beschloßen mich vom Kriege abzugeben undt darauf bei hochgedachter Churfl. Durchl. umb gnädigste Erlassung unterthänigst angehalten, welche ich auch dergestalt gnädigst erlanget, daß ich darauf den 1. April des folgenden 1641 ten Jahres meine Charge vom Regiment niedergelegt, und desselben, als auch des Kriegs mich erledigt, darauff mich auch balden von Spandow nacher Berlin in meinem allda habenden Hauße begeben, undt mich allda bei Dienung meines gütigen Gottes, soviel durch des Allmächtigen Gottes Hülffe bey menschlicher Schwachheit hat von mir geschehen können, drey gantze Jahr aufgehalten“.[56]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[2] Friedrich Wilhelm Kurfürst v. Brandenburg [16.2.1620 Kölln-9.5.1688 Potsdam].

[1] Moritz August Freiherr v. Rochow [Rochau, Rotau, Rotaw] [1609-25.8.1653 Dittmannsdorf], kurbrandenburgischer Obrist, kaiserlicher Feldzeugmeister.

[2] Major [schwed. Major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie und 300 fl. bei der Kavallerie.

[3] Lehnin, heute Ortsteil von Kloster Lehnin [LK Potsdam-Mittelmark]. Das Herrenhaus der Familie steht in Reckahn, heute Ortsteil von Kloster Lehnin [LK Potsdam-Mittelmark].

[4] Präzeptor: Hauslehrer.

[5] Nikolaus Pompeius [31.7.1591-1.10.1659 Wittenberg], Philologe u. Mathematiker.

[6] Straßburg [Strasbourg, Dép. Bas-Rhin].

[7] Wittenberg [LK Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[8] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[9] hitziges Fieber: gefährliches, den ganzen Körper erfassendes Fieber, das die Kranken nach ein bis zwei Wochen entweder wieder verließ oder tötete. Es wurde mit einer widernatürlich gesteigerten Bewegung des Blutes erklärt, die zur Austrocknung des Körpers und zu Schlaflosigkeit führte. Daraus konnte eine ‚Raserei’ resultieren, in der die Kranken versucht waren, sich selbst und andere zu töten.

[10] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[11] Georg Wilhelm Kurfürst v. Brandenburg [13.11.1595 Kölln-1.12.1640 Königsberg].

[12] Comitat: Anhang, Begleitung, Geleit, Gefolge, Hofstaat. Zum Teil führte Obristen ihre Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. Der mobile Hofstaat aller Offiziere und ihrer Ehegattinnen trieb die Einquartierungskosten zusätzlich in die Höhe. Dass gerade auch Offiziersfrauen z. T. ein großes Gefolge (50 Personen und 50 Pferde) mit sich führten, erwähnt HELML, Oberpfalz, S. 59. Das Amtsprotokoll (1626 VIII 29), SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg , S. 281, täuscht hinsichtlich der Gesamtzahl: „Die Gravin von Ahnolt hat 9 pferdt, darzu wirdt außm ambt Stromberg contribuirt. Obrist Gallas hat 15 pferdt. Der ist nit hier. Der haubtmann hat 10 pferd, capitanleutenant 7, drey fendriche 12, cap(itan) S(t). Eloi 4, drei veltwaibell 9, drey furier 3, aventurier 12, ingenieur 5“. Dies waren lediglich die in Wiedenbrück stehenden Pferde. Selbst Hauptleute einer Kompanie unterhielten schon zu Anfang des Krieges einen eigenen kleinen Hofstaat und hatten nicht selten achtzehn Personen und vierzehn Pferde mit sich. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen und 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Der schottische Söldner Robert Monro, „der Schwarze Baron, der als Freiwilliger mitgekommen war, erhielt die Erlaubnis, für einen Grafen Tafel zu halten, der gewöhnlich mit mehr als sechzehn Personen zu Tisch erschien. Die Besucher des Grafen, seine Pferde und seine Diener wurden dabei ebenfalls standesgemäß versorgt“. MAHR, Monro, S. 27. Bei den ligistischen Cronberg’schen Reitern (363 Soldaten) wurden in Langenau (Schwaben) „600 pferde, 66 weiber, 78 mädel, 307 jungen, 94 kinder und grosse anzahl hunde“ festgestellt; ZILLHARDT, Zeytregister, S. 128. „Die Offiziere führten ein Leben in Luxus, tranken täglich ihren Wein und forderten neben Geld, Fleisch, Weißbrot, Hafer und Heu auch Delikatessen, so der Örter nicht zu bekommen. Sie brachten nicht nur ihr Gesinde mit, sondern luden auch noch Freunde und Verwandte ein. Die Bauern mußten mit Pferd und Wagen bereitstehen, wenn die hohen Herren Jagden veranstalteten, und bei Truppenverschiebungen hatten sie den Transport zu bewerkstelligen. Eine Untersuchungskommission, die auf ständige Klagen der fürstlichen Räte und auch des Kurfürsten eingesetzt worden war, stellte lediglich fest, daß entsprechende Berichte stark übertrieben seien, und Anholt konnte auf die fehlenden Soldzahlungen verweisen, ohne die die Soldaten sich weder Lebensmittel noch Waffen oder Kleidung kaufen könnten. Erst Ende Mai 1623 trafen neues Geld sowie Waffen und Rüstungen ein, und Anholt erließ eine neue Ordonnanz, nach der die Soldaten nur noch das gewöhnliche Servis fordern durften, d. h. Bett, Feuer, Salz, Zwiebeln und Essig, alles Weitere aber bezahlen sollten“. TESKE, Bürger, S. 68.  Auch fand man bei den Kompanien fünfzig Weiber und dreißig Jungen, was die Unterhaltskosten in die Höhe trieb, und gerade in einem solch kleinen Wigbolden im mikroökonomischen Bereich den Ruin auf Jahre hinaus bedeutete. . Der Aufwand für Erzherzog Leopold Wilhelms eigene Bedürfnisse und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. Angeblich wurden 1646 täglich 600 Personen an 40 Tafeln bei Erzherzog Leopold Wilhelm unterhalten; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 612. „Als Leopold am 15. September [1646; BW] in Ammerthal war, wurden täglich 20 Ochsen, 100 Schöpse, 6 Kälber, 4 Ztr. Schmalz und Butter, 6 Säcke Weizenmehl, 120 Stück altes und 80 Stück junges Geflügel, 20 Eimer Wein, 60 Eimer Bier, 3 Zentr. Fische sowie 3000 Pfd. Schwarz- und Weißbrot verlangt“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 240.

[13] Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff [Borgsdorff] [11.12.1595-1.2.1652 Berlin] kurbrandenburgischer Geheimrat, Oberkämmerer u. Obrist.

[14] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[15] Kapitän [schwed. Kapten]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. , d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[16] Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.

[17] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[18] Fähnrich [schwed. Fänrik]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee erhielt er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl.

[19] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [wikipedia].

[20] Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff [Borgsdorff] [11.12.1595-1.2.1652 Berlin] kurbrandenburgischer Geheimrat, Oberkämmerer u. Obrist.

[21] Władysław IV. Wasa [Władysław IV Waza] [9.6.1595 Krakau-20.5.1648 Merecz] ab 1632 gewählter König v. Polen u. Großfürst v. Litauen, Herrscher v. Polen-Litauen sowie Titularkönig v. Schweden. Er war ab 1610 erwählter Zar v. Russland u. nach seiner Verdrängung durch Michael Romanow 1613-1634 Titularzar v. Russland.

[22] Duwall [MacDougal, MacDougall, Duwall, Duwalt, Duwaldt, Dubwaldt, Duval, Dual, Duual, Dugaldt, Dougal], Jacob [James, Joachim]; Obrist [um 1589 in Prenzlau-28.4./9.5.1634 in Oppeln], schwedischer Obrist und Generalkommissar in Schlesien.

[23] Generalleutnant [schwed. generallöjtnant, dän. Generalløjtnant]: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. Als Rekompens erhielt er für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[24] Hans Georg v. Arnim-Boitzenburg [1583 Boitzenburg-28.4.1641 Dresden], polnische, dann schwedische Dienste, 1627 kaiserlicher Obrist, Feldmarschall, 1630 kurbrandenburgischer u. kursächsischer Feldmarschall, 1635 Ausscheiden wegen Prager Frieden, 1637 Verschleppung nach Schweden u. Flucht, ab 1641 Reorganisation der kursächsischen Armee.

[25] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[26] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[27] Kapitänleutnant [schwed. Kaptenslöjtnant]: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[28] Martin v. Knobelsdorff [ – ] Oberamtskanzler in Schlesien ?

[29] Hunger: Hungerkrisen traten durch Missernten, Wettereinflüsse, Truppendurchzüge, Einquartierungen, Erntezerstörungen, Pferde- und Viehdiebstahl immer wieder auf. Oftmals blieb nur die Flucht ins Heer oder der Anschluss an den Tross. So hatten sich 2.000 hungernde Eichsfelder Pappenheims Soldaten angeschlossen. Ein Berittener oder Knecht in der Musterung hatte immerhin noch zwei Pfd. Fleisch, drei Pfd. Brot, eine Maß Wein und drei Maß Bier pro Tag zu fordern – drei bis fünf Maß Bier je nach Geschlecht pro Tag galten auch sonst als üblich – , was zur raschen Auszehrung einer Landschaft führte, zumal die eingeforderten Naturalabgaben im Laufe der Zeit noch weiter anstiegen und von Jahr zu Jahr neue Verpflegungssätze erfordern. Vom Verpflegungsansatz her war dies eine gewaltige Kalorienmenge, entsprachen doch drei Pfd. (gutes) Brot allein bereits etwa 3.750 kcal. Rechnet man noch über 2.000 kcal für das Fleisch hinzu, ohne Bier und Wein, so wird eine Kalorienzahl zwischen 6.000-7.000 kcal erreicht, was dem Zweieinhalb- bis Dreifachen eines durchschnittlichen Tagesbedarfs entsprochen hätte. Das war wohl Anfang des 17. Jahrhunderts nur Privilegierten vorbehalten, während die Gemeinen nur unzureichend verpflegt wurden. HIPPEL, Bevölkerung, S. 422, schätzt den täglichen Nahrungsbedarf in Württemberg auf knapp 2.400 kcal pro Tag. Vgl. BEHRENDS, Chronik, S. 145f. (1636): „Man gab den Armen von jedem Backvorgang ein Brot, […] welches damals als Krieg, Pest und Hunger hieselbst gar übel hauseten, von armen Leuten nicht für eine geringe Gabe gehalten ward, sintemal man damals oft weder Brot noch Bier und Geld haben konnte, und viele, meistenteils aber die Soldaten Hunde und Katzen, Pferde- und Menschenfleisch fraßen und nicht einmal bekommen konnten“. 1641 heißt es über die Prignitz: „So sind auch alle Dörfer so gar verwüstet, verödet, universaliter et particulariter in Brand gesteckt, die Untertanen Hungers und des milites immanitet [Unmenschlichkeit, Rohheit] halber gestorben und ins Elend [Ausland] verlaufen, dass man in dem ganzen Kreise nach angestellter fleißiger Inquisition bloß 373 Bauersleute, die doch etliche gar wenig ausgenommen, weder Hunde noch Katzen, weniger etliche Lebensmittel haben, besonderen sich vom Obste und wohl ganz unnatürlichen Speisen aufhalten müssen, gefunden worden“. HERRMANN, Ländliche Bevölkerung, S. 86. Der Bieberauer Pfarrer Minck (1635); KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 261: „Durch diesen Hunger verschmachteten viele Leut dermaßen, daß nichts als Haut und Bein an ihnen war, die Haut hing ihnen am Leib wie ein Sack, waren ganz schwarz-gelb, mit weiten Augen, gepläcketen Zähnen, grindicht, krätzig, gelbsichtig, dick geschwollen, febricht [= fiebrig], daß einem grauete, sie anzusehen“. ZILLHARDT, Dreißigjähriger Krieg, S. 161f. (1635): „Dan auß diser teürung und hungersnot ist entstanden noch ein jamer uber alle jamer, nemlich ein sterbet und pestelentz, das vüll taußendt menschen sind zu grundt gangen durch hunger, krieg und pestelenz. Dan durch den hunger ist von denen armen menschen vüll greüwlich und abscheüliches dings auffgefressen worden. Alls nemlich allerley ungereimbten dings: hundt und katzen, meüß und abgangen vüch, roßfleisch, das der schinder und meister uff dem vassen sein fleisch von dem abgangne vüch, als roß, hundt und andere thier, ist hingenomen worden, und haben dannoch einander drumb gerißen und für köstlich gut gehalten. Es ist auch für gut gehalten worden allerley kraut uff dem feld: die distel, die nesle, schersich, hanefüeß, schmerbel, schertele. In suma allerley kraut ist gut gewessen, dan der hunger ist ein guter koch, wie man im sprichwort sagt“. Vgl. auch die Lebensbeschreibung des Gottfried Andreae (1637); DOLLINGER, Schwarzbuch, S. 321: „Doch im Jahr 1637 stieg das Elend auf’s höchste, nachdem kaum 200 Bauern in der untern Pfalz mehr übrig waren, da die übrigen teils an Hunger und Pest bereits gestorben, teils von den Kaiserlichen erwürgt oder als Soldaten weggeschleppt worden waren … Der Hunger aber zwang die Leute zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: Gras, Kräuter, dürre und grüne Baumblätter, Felle von Tieren; Hunde, Katzen, Ratzen, Mäuse, Frösche und faulendes Aas waren gesuchte Bissen. Die Hungernden erschlugen einander selbst, verzehrten sie, durchwühlten Gottesäcker, erstiegen Galgen und Rad und nahmen die Toten zur Speise weg“. Notiz aus dem Pfarrbuch von Mauern (LK Neuburg/Donau) für 1648: „Viele haben aus Hunger Roßmist gegessen, der Feind hat alles fort; es ist nichts angebaut worden. Viele sind Hungers gestorben, die Überlebenden nähren sich von Wurzeln und Baumblättern und sind froh um die Häute der gefallenen Pferde“. [frdl. Mitteilung von Herrn Fahmüller, Pfeffenhausen]. Der Kitzinger Pfarrer Bartholomäus Dietwar [1592-1670] über 1649; DIETWAR, Chronik, S. 91: „Etliche tausend bayerische Bauern bettelten mit Weib und Kind durchs Land. Darunter waren auch Mörder. Sie stahlen und raubten was sie konnten. Das war Gottes sichtbare Strafe dafür, dass der Kurfürst von Bayern im 30jährigen Kriege viele Tausend armer Leute gemacht hatte. Darum war sein Land im vorigen Jahre durch die Schweden und Franzosen wieder verdorben worden, also dass seine Leute von München und Landshut her das Frankenland durchliefen, das gebettelte Brot dörrten und heim nach Bayern trugen“. Aus Nördlingen wird anlässlich der Belagerung 1634 berichtet; KESSLER, Belagerung, S. 38: „Um diese Zeit sind die Rosse wegen Mangels an Futter so erkrankt und so matt geworden, daß sie häufig einfach hingefallen und verendet sind. Von dem S. H. Schinder Jörg Schmid sind hinter dem Feilturm 2 große Gruben gegraben und die Pferde darin verscharrt worden. Die Armen und Bettelleute aber haben sich auch dabei befunden und haben, wenn man die Pferde hat vergraben wollen, aus großem Hunger ziemlich große Stücke davon herausgeschnitten, das Selbige gekocht und von solchem ihren Hunger gestillt, und gebüßt. Die armen Leute sind zur Nacht, um 12 Uhr, über solches Aas gekommen und haben es davon getragen“. KESSLER, Belagerung, S. 63: „Die kaiserlichen, spanischen, welschen, französischen und deutschen Soldaten sind gleichsam aus dem ausgebrannten Turm herundergefallen und jämmerlich aufeinander gelegen. Die armen Tagelöhner haben die gebratenen Schulterblätter von den Achseln abgenommen und für gutes Schweinefleisch gefressen“. Auch Regimenter wie das des kurkölnischen Obristen Hugo v. Tyrell[i] lösten sich wegen Hunger auf. Der Salemer Mönch Bürster (1644); WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 196: „Dan ehe muoß der burger sterben zehen mal, ehe der soldat verderben ainmahl“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“. Der Zeitzeuge Hanns Kahn aus Klings/Rhön; LEHMANN, Leben und Sterben, S. 172 (1638): „Das Getreide wurde [von den Soldaten] weggeführt. Kein Bauer hatte mehhr Lust zu säen. Keiner hatte mehr Lust zu arbeiten, weil er es doch nicht genießen konnte. Es kam nur das Nötigste in die Erde, und dieses hatten die Soldaten gestohlen. Es kam eine böse Hungersnot. Viele sind gestorben. Die schwedischen Reiter und die Kroaten mussten sich mit kleinem Brot begnügen. Unser Brot gestand damals aus gemahlenen Eicheln, Wicken und wenigem Korn. Die solches hatten, konnten froh sein. Manch reicher Mann ist aus Hunger gestorben […] Man sieht oft, dass es Menschen in der Not an jeder Erklärung mangelt. Mit gesottenem Gras und Aasfleisch glaubten viele, dem Hunger zu entgehen und starben erst recht an den abscheulichen Sachen, die sie verschlangen“. Vgl. auch die zeitgenössische Darstellung von VINCE, Lamentations, S. 35ff. Z. T. sollen sich die verhungernden Soldaten regelrecht zu Tod gefressen haben; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 117 (1634): „Den 26. Decembris zogen die Soissischen Soldaten hinaus / und kamen dargegen 3. Compagnien Schwaben herein von dem Freybergischen Regiment / die hatten meistenteils alle Weiber und 5. biß 6 Kinder / alle sehr verhungert / die frassen alles aus / was sie bekommen kunten / mit solcher Begierde und in solcher Mäng / daß etlichen der Wanst zersprang. Zween Soldaten hatten 35. Glös und 3. Spital Laiblein Brods uff einen Sitz gessen / hatte der eine noch ½ Glos im Munde / da er starbe“. Der Chronist Georg Friedrich Dhein berichtet über die Zustände in der Festung Hanau (1636); KURZ, Das Leben, S. 132: „Und da unter denen Scharmützel von Freund und Feind ein wohl gehaltenes Pferd erlegt wurde, gingen viele des armen Volks hinaus, rissen sich um das Aas, brachten von dem stinkenden Fleisch so viel als möglich war zu ihrem Unterhalt herein, wie denn auch sonsten Pferde-, Esel- und Hundefleisch gekochet wurde auf dem Markt verkaufet. Katzen estimirte man vor Wildbret und etliche allzu Fleisch begierige Leut handelten dem Scharfrichter gedörrtes Schindfleisch ab zu ihrer Speis“. Als Ersatz nahm man auch Gras oder Kräuter, „da viele hundert Menschen schwere Krankheit, Lähmung, Scharbock und die Mundfaulung bekamen, auch etliche Menschen sind auf der Gassen verschmachtet und niedergefallen, auf welches vielfältige Elend so mancher sehr zu Herzen genommen, sehr viele public und privat Almosen gereichet worden, wiwohl dem Elend nicht zu steuern gewesen“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 118f.: „Anno 1638 ist wieder eine Theuerung nach dem vorigen Krieg und der Pest erfolget, so daß ein Leipziger Scheffel [103, 83 Liter; BW] um 10 G[ulden; BW]. Verkauft worden. Dahero weil die Armen es nicht bezahlen, auch vor den Thüren nichts mehr kriegen kunten, so wurden vor großem Hunger Hunde und Katzen geschlachtet, ja das Aas von dem Schindanger [=> Schindanger; BW] geholet und gefressen, und wollte wenig zureichen, deßwegen viel Leute verhungert und in den Misthaufen gestorben, so vorhin auf dem Lande schöne Güter gehabt; daselbst viel arm Volck sich von hier nach dem Altenburgischen gewendet, woselbst sie auch erhalten worden; Es haben sich auch einige gutthätige Hertzen gefunden, die den Armen wöchendlich ein oder zweymahl zu gewissen Tagen Brod haben mitgetheilet, worunter der Herr Superintendent D. Leyser, Herr Archediakonus M. Rinckard, Herr Bürgermeister Müller wie auch andere wohlhabende Bürger sich mit befunden haben, dass iedweder einen oder zwei Scheffel [1 Scheffel = 112, 15 Liter, BW] kauffte und das hiervon gebackene Brod unter die Armen austheilete, so wollte es doch nicht zulangen, denn die Menge war zu groß, weil offt vor einem solchen Hausse 4, 5, 6 bis 800 Menschen an Männern, Weibern und Kindern gestanden, welche einander sehr gedrenget, darunter viel Leute vom Lande, so vor dem Kriege nicht vor 800 oder 1000 Gulden, ja wohl nicht vor 2000 Gulden gegeben hätten. Wenn nun die Leute ein bißgen Brod erhalten, haben sie es nicht flugs gegessen, sondern nur daran gerochen und haben Gelegenheit gesuchet, ob sie einen Hund oder eine Katze damit fangen können. Wenn sie denn einen Hund bekommen, haben sie denselben an einem Strick bey sich geführet, denen wohl 20 oder 30 arme Leute beyher gefolget, gleichsam als wenn sie mit dem Hunde zu Grabe gehen wollten. Wenn sie nun vor die Stadt auf den Graben kommen sind, da haben sie geschlachtet und gebraten, was sie bekommen, da ist auf dem Graben um die Stadt herumb ein klein Feuer nach dem anderen gewesen, darbey die armen Leute gekocht und an hölzernen Spießen gebraten, was sie nur bekommen. Denn wenn der Cavaller [Abdecker, BW] mit dem Karn ein Aas hinausgeführet, ist das arme Volck häuffig nachgelauffen, und haben ein Stück nach dem anderen davon abgeschnitten. Oder wenn eine Kuh verworfen und das Kalb gleich unzeitig gewesen, haben sie es doch geholet, gekocht, gebraten und alles gegessen. Ja es war das arme Volck so abgemattet und verhungert, daß sie gingen, als wie die Schämen (!) [Schemen; BW] war Gottes Strafe so groß, daß sie gleichsam nicht kunten wegkommen oder an andere Oerter lauffen, sondern lieber hier verhungerten, da es doch, wie obgedacht, im Altenburgischen und an anderen Orten nicht so teuer, auch noch eher Brod vors Geld oder vor den Türen zu bekommen war, als hier. Sonderlich aber wenn der Abend herbey kahm, da hätte es oftmals einen Stein erbarmen mögen, wie das arme Volck winselte und die Nacht über in den Misthauffen schrie und bath. Eins rufte hier, das andere dort, tausendmahl um Gottes-Willen umb ein bißgen Brod, oder nur um ein Krümelgen; ein anders etwa umb ein Trünklein Wasser oder Kosent [Kofent = Dünnbier; BW] und dergeleichen, daß man froh war, wenn es wieder Tag wurde; denn das Elend und große Geschrey kunte man ohne hefftige Gemüths-Bewegung nicht ansehen oder anhören“. Hunger führte u. a. zu Kannibalismus; vgl. „Gründtlicher vnnd warhaffter Bericht / vnnd Erzehlung Der Vorhin vnerhörten Thaten vnd abscheulichen Exempel“ (1638), ohne Seitenangabe: „Herman Seidel / ein frommer Mann / von Offenburg / welcher zu Lichtenau eine Schwester / die Ihm sehr lieb gewesen / vnd derhalben seinen Sohn zu hir geschicket / mit ein wenig nahrung / dieser Knabe kömmet vngehindert fort / alß er nach Lichtenaw kömbt / vnd niemand findet / auch schon im widerkehren ist nach hause zugehen / kömmet er ohn gefehr bey ein Fischerhäußlin / da ers rauchen sihet / vnd wie denn die Jugend vorwitzig / lauffet er hinzu / vnd wird eines Weibes gewar / die beim heerde sitzt / vnd kochet / vnd beynebens schrecklich heulet und weinet / neben dem heerde hencket ein Kind an einem stecken / welcher durch beyde Waden gangen / vnd dz Kind den kopff vnter sich gehangen / ist auffgeschnitten vnd geschlachtet / dieser Knabe lauffet mit angst vnd furcht vmbgeben / biß er nach Offenburg kombt / sagts seinem Vater / dieser zeigts der Obrigkeit an / vnd muß dieser Knabe mit einer ziemlich starcken Guarnison dahin / welchs also befunden / vnd das Weib gleich auch essend vnd weinend finden / haben aber vom Kinde noch funden die 2. Vntertheil / den lincken Arm / vnd Kopff / das andere hat sie schon verzehret gehabt: vñ ist diß Weib / nebenst dem Kinde auff Offenburg genommen worden: alß man sie aber gefraget: wie sie solchen Mord vnd Todschlag gleichwol vbers Hertze bringen können ? hat sie darauff geantwortet / sie hette es nicht gethan / sondern der grausame Hunger / dessen quall vnmenschlich were /das vbrige wolte sie der Obrigkeit befehlen zu verantworten. Hat aber nur 16. Tage nach diesem gelebet“.

[30] Lebenserwartung: LINDEGREN, Frauenland und Soldatenleben, S. 143f.: „Insgesamt starben zwischen 1620 und 1630 ungefähr 50.000 schwedische und finnische Soldaten, zwischen 1640 und 1650 waren es 40.000. Im Durchschnitt starben folglich jeweils 38 % der zwanzigjährigen schwedischen und finnischen Männer zwischen 1620 und 1630 im Kriegsdienst, im folgenden Jahrzehnt 33 Prozent. … Ein einfacher schwedischer Soldat lebte im Dreißigjährigen Krieg durchschnittlich drei Jahre und vier Monate. Exakt genauso lange lebten jene Soldaten, die am Großen Nordischen Krieg (1700-1721) teilnahmen. Offiziere überlebten bedeutend länger, im Durchschnitt acht Jahre. Zwischen Garnisonsverbänden und Feldverbänden gab es in dieser Hinsicht keinen Unterschied“. 2011 fand man in einem Massengrab (Schlacht bei Lützen 1632) Soldaten zwischen 14 und 45 Jahren. DIE WELT vom 19.1.2013; http://www.welt.de/geschichte/article112864396/Kindersoldaten-und-Greise-im-Krieg-der-Religionen.html: „Die Jüngsten der Toten aus dem Massengrab waren 14 bis 16 Jahre alt, also gerade einmal so alt wie der Krieg. Die Ältesten glichen mit 35 bis 45 Jahren schon Greisen. Die 1,65 Meter bis 1,80 Meter großen Kämpfer hatten tödliche Schuss-, Hieb- und Stichverletzungen“. Im schwedischen Lager bei Latdorf von 1644, welches in Teilen ausgegraben wurde, gab es 21 Skelette in 17 Gräbern, also auch Mehrfachbestattungen. In den Dreifachbestattungen lagen Knaben, die nur etwa 11-12 Jahre alt geworden sind, sowie jeweils ein Jugendlicher von 15 – 17 Jahren. Die Gräber liegen innerhalb des mutmaßlich militärischen Teils des Lagers, der zivile ist nicht untersucht, resp. schon zerstört; frdl. Mitteilung von Frau Anja Grothe, Halle. Nach ZSCHUNKE, Konfession und Alltag, S. 185, betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Soldaten in Oppenheim 40, 3 Jahre.

[31] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[32] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[33] Heinrich Matthias Graf v. Thurn-Valvassina [24.2.1567 Schloss Lipnitz/Lipnice nad Sázavou-28.1.1640 Pernau], böhmischer Ständeführer, schwedischer Generalleutnant.

[34] Schlacht bei Steinau 11.10.1633: Schlacht bei Steinau an der Oder (Śinawa, Kr. Wohlau): Wallenstein schlug die Schweden, Brandenburger und Sachsen unter Heinrich Matthias Graf Thurn und Heinrich Jakob Duwall. Vgl.Thurns Verteidigungsschrift, Beständiger Bericht vnd SchutzRede / Des Hochwolgebornen Graven vnd Herrn / Herrn Heinrich Matthes / Grafen von Thurn … Generaln : Darinnen Das jüngsthin / den 1. Octob. bey der Steinawer Brücken in Schlesien erfolgtes Unheil / dessen Ursprung / Mittel vnd Verlauff / zu verhütung ungleichen Verdachts vnd irriger Meinung / ordentlich vnd richtig erzehlet vnd beschrieben wird [http://digital. Slub.dresden.de/id3811300331/1].

[35] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[36] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[37] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[38] Leibgarde.

[39] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[40] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[41] Vgl. dazu ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[42] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-18.10.1656 Dresden].

[43] Prager Frieden: Der in Folge der schwedischen Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen (5./6.9.1634) vereinbarte Prager Frieden zwischen Johann Georg I. von Sachsen und Kaiser Ferdinand II. wurde am 30.5.1635 unterzeichnet. Bei diesem Friedensschluss, dem fast alle protestantischen Reichsstände beitraten, verzichtete der Kaiser auf seinen Anspruch, den Augsburger Religionsfrieden von 1555 allein zu interpretieren und damit das Restitutionsedikt von 1629 durchzuführen (vgl. s. v. „Religionsedikt“); Ergebnis war eine begrenzte Festschreibung des konfessionellen Status quo. Weitere Ergebnisse waren: die Festschreibung der Translation der pfälzischen Kurwürde auf Bayern, der Ansprüche Sachsens auf die Lausitz und die Bildung eines Reichsheers (wobei Johann Georg von Sachsen und Maximilian I. von Bayern eigene Korps führen ließen, die als Teil der Reichsarmee galten), die bestehenden Bündnisse waren aufzulösen, fremde Mächte sollten den Reichsboden verlassen, etwaige Ansprüche auf den Ersatz der Kriegskosten seit 1630 wurden aufgehoben, eine allgemeine Amnestie sollte in Kraft treten. Zudem kann der Prager Frieden als einer der letzten kaiserlichen Versuche betrachtet werden, ein monarchisches System im Reich durchzusetzen. Maßgebliches Mittel dazu war die so genannte Prager Heeresreform, mit der der Kaiser den Versuch unternahm, nahezu alle reichsständischen Truppen unter seinen Oberbefehl zu stellen und zugleich den Ständen die Finanzierung dieses Reichsheeres aufzuerlegen. Diese Vorstellungen ließen sich ebenso wenig verwirklichen wie das Ziel, durch die Vertreibung der ausländischen Mächte Frankreich und Schweden zu einem Frieden im Heiligen Römischen Reich zu gelangen. Vgl. die Einschätzung des Pfarrers Bötzinger, Leben und Leiden, S. 33f.: „Mitten in unsere Not drang das Gerede von einem Frieden, der zu Prag geschlossen sein sollte. da hielten wir die Nase hoch und schnupperten, wo der Wind wohl in der Zukunft herwehen werde. Die Bauern richteten sich wieder etwas gerade, maßen die Felder aus und bekümmerten sich um das Vieh. In den Städten räumte man die Brandplätze auf, besserte die Mauern aus und sah die Tore und Wachtürme nach. Meine Ursel nahm die Kinder, legte ihnen die Hände ineinander und sagte ihnen etwas Schönes vom lieben Gott und seiner großen Vatergüte, und ich schlug die Bibel auf und strich mir alle Stellen an, in denen von Friede, Freude und Einigkeit die Rede war. Indessen stellte sich gar bald heraus, daß alles Lug und Trug gewesen war, was man geredet hatte, und daß an Durchmärschen und Einquartierungen mit ihren Greueln und Grausamkeiten noch kein Ende abzusehen war“. Auch HAPPE schätzte den Prager Frieden zu Recht als trügerisch ein; Happe I 396 v – 397 r, mdsz.thulb.uni-jena.de; vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik, S. 87. Zur Forschungslage vgl. KAISER, Prager Frieden.

[44] Peitz [LK Spree-Neiße]; HHSD X, S. 307f.

[45] Adam Graf zu Schwarzenberg [26.8.1583 Gimborn (Bergisches Land)-14.3.1641 Spandau], kurbrandenburgischer Geheimer Rat. Vgl. KOBER, Eine Karriere im Krieg.

[46] Regensburger Kurfürstentag (1636/1637): Am 15.9.1636 eröffnet und am 23.11.1637 geschlossen, demonstrierte er die Macht Habsburgs. Nach dem Prager Frieden hatte Ferdinand II. die meisten deutschen Fürsten auf seiner Seite, so dass die Wahl Ferdinands (III.) zum Römischen König einstimmig erfolgte. Vgl. dazu HAAN, Kurfürstentag, S. 209ff.

[47] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[48] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[49] Küstrin [Kostrzyn nad Odrą, Kr. Königsberg]; HHSD X, S. 441ff.

[50] Malchin [LK Demmin]; HHSD XII, S. 61f. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 973: „Dieser Zeit hatte Ihr. Excell. Herr Feldmarschall Bañier in 6000. Pferdt / nebens etlichem Fußvolck und Tragonern (so Herr Gen. Torstensohn und Obr. Stallhans commandirt) zu Tribsees über den Paß gehen lassen / umb auff der Käyserischen Intent ein Aug zu haben / und denselben umb so viel möglich / Abbruch zu thun. Unter dessen haben sie von einem Bauren die Kundschafft erlangt / daß ein halbe Meyl von Malchin etliche starcke Käyserische Truppen im Felde bey einem Dorff gehalten / und in etwas sicher gewesen. Herr Gen. Torstensohn / als er solches wol erkundiget / ist neben Stallhansen auff sie angangen / da in dessen / als die Schwedische fast nahe bey einer Meyl davon gewesen / die Nacht eingefallen / und gedachte Käyserliche in das Dorff geruckt / die Pferde gefüttert / gleichwol aber an unterschiedlichen Orthen Wacht halten lassen. Der Bauer / welcher selbiger Gegend wol kündig / hat die Schwedischen an einem bequemen Orth über einen Morast gebracht / da dann Herr Obrist. Hans Wachtmeister / so die Avantgarde gehabt / auff die Wacht loß gangen. Und weilen sie sich keines Feindes auf dem Rücken versehen / hat er die gantze Wacht stillschweigend / und also / daß die im Dorff keinen Lärmen darvon bekommen / bey den Köpfen genommen / darauff die Schwedische mit gesampter Macht auff das Dorff angesetzt (worinnen 6. Comp. Polacken / 4. Comp. unterm Herrn Obr. Christian von Münster / nebenst noch 500. com̃andirten Reutern / so ins gesampt wolgedachter Herr Obr. commandirt / sich befunden) selbiges umbringt / und ist / was nicht gefangen und niedergehawen worden / nochmals / als das Dorff angesteckt / guten theils verbrunnen. In solchem Uberfall haben die Schwedische / neben der Paggagy und 3. Carozzen / über 1000. wolmundirte Pferd und 10. Standarten zur Beuthe bekommen.

Nach vollbrachter Execution in besagtem Dorff hat das Schwedische Fußvolck an das Stättlein Malchin angesetzt / und obwolen die darinn gelegene 25. Mann / so mit Herrn Obr. Wachtmeister von Löwenzaw die vorige Nacht hinein kommen / und gegen Rostock zugewolt) sich Mannlich gewehrt / haben sie es doch (weil sonst kein Käyserisch Volck darinnen) bestiegen / was sie von Soldaten darinn angetroffen / niedergehauen / hernach das Stättlein / in welchem viel Officiers Pferde Pferde auch Viehe gestanden / gantz außgeplündert / uñ wieder verlassē. Seynd also mit der gemachten Beuth / dem gefangenen Herrn Obr. Christian von Münster / dessen Obr. Leutenanten / wie auch der Polacken Obr. Leutenant (dessen Herr Obrister eben zu Ihr. Exc. Herrn Graffen von Gallas verreyset gewesen) wieder über den Paß Tribsees auff Stralsund zugangen“.

[51] Menschenfresserei (Anthropophagie): Es ist hervorzuheben, daß HAPPE hier nicht als direkter Zeuge eines Falls von Anthropophagie berichtet. Jedoch greift er mit dem Breisacher Bespiel einen Fall von Menschenfresserei auf, der im Unterschied zur häufig unkonkreten metaphorischen Erwähnung von Fällen der Anthropophagie in Selbstzeugnissen der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zur Bezeichnung von Zuständen äußersten Hungers (wie in HAPPES Text etwa I 322 r) in diesem Fall direkt verbürgt ist. Unter den vielfachen zeitgenössischen indirekten Berichten über den Breisacher Fall kann der des Historiographen und Habsburg-Anhängers Wassenberg als typisch gelten: „Also hielten sich die elenden Brisacher / da sie aller hülffe beraubet waren / in der Trew vnd Armuth; vnd als es noch lenger anstundt / da giengen ihnen beydes die gewöhnlichen / so wol auch vngewöhnlichen Speisen allgemach ab; sintemal sie allbereit die Pferdt / vnd andere Thiere / so die schändliche Noth zum täglichen Gebrauch verwendet / verzehret hatten. Hernach haben sie Gartenstauden vnd Baumstämme / auch die zwischen den Steinen wachsende Kräuter außgerupffet / vnnd sind deß elends vnd der Gedult Exempel gewesen. Endlich aber als auch dieses ganz auff war / so ist die Trew in ein Wüten verwandelt worden / vnd hat einer den andern auffgefressen. Dann zu schweigen / daß sie 2000. Felle verzehret / vnnd die Menschen mit den Fingern den Kalck vnd Leimen an statt der Speise auß der Wand gegraben; auch etliche mit warmen Wasser ihr Leben biß in die fünfte vnnd sechste Woche gefristet / endlichen aber wann eine Geschwulst an den Füssen zugeschlagen / plötzlich gestorben. Diß alles / sag‘ ich / zu geschweigen / so will ich noch wol ärgere dinge / wovon man in den alten Zeitbüchern nichts findet / erzehlen; nemblich / daß vornehme Bürgerskinder auff einen tag verlohren / vnnd / zweiffels ohne mit den Zähnen zerrissen vnnd verzehret worden; daß die Leute / wann sie auff der Gassen einander begegnet / den Hunger zu stillen einander vmbgebracht; daß der vor etlichen Tagen begrabenen Menschen Eingeweide gekocht; ja auch der allererst gestorbenen Menschen rohes Fleisch / Adern vnnd Blut an statt der Speise gebrauchet worden“ (WASSENBERG; Florus, 430f.). Auffällig ist, daß ein als Selbstzeugnis überlieferter Augenzeugenzeugenbericht des Adjutanten des Prinzen Bernhard von Weimar von Weimar, Johann Christoph von der Grün von der Übergabe der Festung durch den habsburgischen Kommandanten an Prinz Bernhard von Weimar diesen Fall von Anthropophagie zwar bezeugt, ihn zugleich jedoch als einen sehr viel eingeschränkteres und spezifischeres Geschehen darstellt, in dem nicht etwa wie in der Darstellung Wassenbergs lebende Menschen „einer den anderen aufgefressen“, sondern im Zustand äußersten Hungers (lediglich) die Leichname dreier verstorbener Kriegsgefangener von ihren Kameraden verzehrt worden seien: (Dem Bericht zufolge äußerte der Kommandant der Festung, Freiherr von Rheinach, bei Ihrer Kapitulation und Übergabe eine spezielle Bitte): „Es würde der mehrere Theil seiner verhungerten Soldaten nicht wohl über den Platz, geschweige durch die Stadt und das Thor zu den Schiffen marchiren können, daß sie nicht tott darnieder fielen! Und bäte er derowegen Ihro fürstl. Gnaden gar hoch, Sie wolten Ihme vor accordirtermassen bey der Stadt in die Schiff sitzen und abziehen lassen. Dieweilen aber Ihro fürstl. Gnaden ihme von Rheinach noch einmal durch mich anzeigen lassen, es wäre kein ander Mittel, er müße solcher Gestalt den Anzug nehmen, damit er sich aber keiner Arglist und Gefahr zu besorgen habe, so sollte er auf Ihro fürstl. Gnaden parole sich versichern, daß keinen Soldaten einiges Leid geschehen würde…“ [Auszug erfolgt mit 400 Gesunden und 50 kranken gemeinen Soldaten] „darvon etliche im Stehen und Marchiren, darnieder gefallen, mit 19 Fahnen gefolgt. Hier zwischen stund unsere Infanterie auf beiden Seiten in Schlachtordnung, und als der Generalfeldzeugmeister Freyherr von Rheinach Ihro fürstl. Gnaden Hertzog Bernhardten: welcher auf der Seiten bei dem Eisenberg zu Pferdt sitzend gehalten: ersahe, stieg er von seinem Pferdt, ging mit sehr tieffer und oftmals wiederholter Reverence gegen höchstgedacht Ihro fürstl. Gnaden und küßete deroselben die Stieffel, welche sich aber anfänglich nicht bewegt, sondern aufrecht zu zu Pferdt sitzend Ihro Autorität gehalten, und mit scharffen und harten Wortten zu ihm gesagt, daß sie wohl genugsam Ursach hetten, ihme seinen Accord nicht zu halten, indem er, wie Sie allererst vernommen, 30 von deroselben gefangenen Soldaten zu Breysach im Stockhauß sterben, und 3. dererselben von ihren anderen Cameraden, auß großer Hungersnoth aufzehren lassen, welches eine unerhörte, unverantwortliche und crudele That sey, so der Gerechte Gott nicht ungestraft würde lassen hingehen. ob nun zuvor der Freyherr von Rheinach viel Entschuldigung, warum er die Gefangenen übel tractiret und nicht loßgeben wollen, vorgewendet, sagend, daß seine Armuth so groß gewesen, welches denen Gefangenen bekandt, sie es im Hineinführen an seinen Wachten [Wachen], welche schlecht waren, gesehen, und nun herauf dieselbe wieder sehen würden, welches Ihme sehr nachtheilig gewesen: so hätten ja auch die Gefangenen so lang Rossfleisch gehabt, alß seine Knechte, biß endlich die Noth so groß worden, daß sie einander selbsten gefressen, wäre also einer wie der andere gehalten worden. Verhoffe deswegen Ihro Fürstl. Gnad. würde Ihme verzeihen, daß Er es auf die Extremität kommen lassen müßen, da er solches auch Unserseits vor diesem in Augspurg und mehr andern Orthen geschehen wäre. Er nun ausgeredt, und sich solcher gestalt, so gut er gekunt, entschuldiget, so ließen Ihro Fürstl. Gnad. Ihn von sich, da Er dan mit den Frauenzimmer und denen Soldaten zu Fuß biß an den Eisenberg gegangen, und alda in die Schiffe geseßen.“, aus: Des durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Bernharden des Grafen Hertzogen zu Sachßen, Jülich, Cleve und Bergk höchst preißwürdigste Helden Thaten, welche Derselbe nach tödtlichen Abgang des Ehrwürdigsten Königs der Schweden, Gustavi Adolphi, biß an sein Seel. Ende, von Ao: 1632 biß 1639, verübet, wie solche von H. Johann Christoph von der Grün, Seel:; bey Höchstgedacht Sr. Fürstl. Durchl: gewesenen General Adjudanten, mit allen Fleiß auffgezeichnet, und auß dessen Annotatis in dieß Compendium verfaßet worden.“ Bl. 233 r, Forschungsbibliothek Gotha, Handschrift Churt. B 67. Aus Plau wird berichtet; LISCH, Geschichte, S. 220f.: „Ja, am 23. Jan. 1639 schrieb der Herzog [Adolf Friedrich I. Herzog v. Mecklenburg-Schwerin; BW] an Gallas: ‚daß es nunmehr mit den armen Leuten dahin gerathen, daß diejenigen, so übrig geblieben, nicht allein Mäuse, Katzen, Hunde und ganz unnatürliche Sachen zur Stillung des Hungers genießen, sondern auch an unterschiedlichen Orten die Aeltern ihre Kinder gefressen und ein Mensch vor dem andern nicht sicher ist, wie solches mit vielen unterschiedenen Exempeln zu erweisen’“. HEIMATMUSEUM Schwedt, Die Uckermark, S. 27: „In Taschenberg wurden im Dezember 1630 zwei Frauen angetroffen, die sich an drei Kranken herangemacht, von denen sie zwei unmittelbar nach deren Tod ganz verzehrt hatten. Den dritten wollten sie noch lebend ein Stück aus der Seite schneiden. Erst auf deren Jammern hin ließen sie ab, bis sie gestorben war. Der Chronist Becmann berichtet aus Prwnzlau, daß etliche Frauen bettelnde Kinder nachts getötet und verzehrt haben. Am 6. Januar 1639 fand man in der Butterstraße einen frisch abgeschnittenen Männerkopf, den Leib hatte man aufgefressen. Den 16. Januar des gleichen Jahres haben sich arme Leute in einem Haus der Springstraße aus großem Hunger selbst geschlachtet“.

[52] Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing [1594 Gollmitz-24.6.1644 Köln], Obrist bzw. Generalleutnant in schwedischen, kursächsischen, brandenburgischen u. braunschweig-lüneburgischen Diensten, ab dem 19.4.1638 Kommandant der Festung Peitz; www.festungpeitz.de/fortgouver.html.

[53] Podelzig [LK Märkisch-Oderland].

[54] Walchow, heute Ortsteil von Fehrbellin [LK Ostprignitz-Ruppin].

[55] Manschnow, heute Ortsteil von Küstriner Vorland [LK Märkisch-Oderland].

[56] ROCHOW, Nachrichten, S. 93ff.

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Begriffe O

obbemelt: oben erwähnt.

obdurirt: verhärtet, verstockt, halsstarrig.

Oberamtmann: oberster Verwaltungsbeamter u. Richter eines Oberamtes, Titel eines adligen Amtmanns, während ein bürgerlicher Amtmann zumeist die Geschäfte führte.

Oberaufseher: kursächsisches Amt, das die Funktionen eines Oberamtmanns und Kommissars [=> Commissarius] vereinte.

Oberberghauptmann: Bergbeamter, zuständig für die Leitung des Bergbaubetriebs, der Schmelzhütten sowie die Beaufsichtigung der Bergleute und Hüttenleute. Er vertrat den Landesherrn in allen bergrechtlichen Belangen. Dem Berghauptmann unterstanden alle Bergmeister, Bergvögte und alle anderen Bergbeamten. Er hatte alle ihm unterstellten Beamten zu beaufsichtigen, die ihm zum Gehorsam verpflichtet waren. Er war dazu angehalten, bei Betrug oder Untreue unverzüglich Sanktionen zu verhängen. Deshalb war er auch befugt, die höheren Bergbeamten zu rügen oder Strafen gegen sie zu verhängen. Zudem hatte er alles zur Verbesserung des Bergbaus zu unternehmen und für Ruhe und Ordnung sorgen.

Obergespan: Das Königreich Ungarn war in Komitate (Gespanschaften) eingeteilt, an deren Spitze ein Obergespan, der oberste militärische u. politische Vertreter, stand. bei wichtigen Komitaten wurde er vom König aus dem Hochadel oder aus dem Kreis seiner Gefolgsleute ernannt, bei kleineren Komitaten v. der Komitatsverwaltung ernannt.

Obergewehr, Oberwehr: zum Obergewehr gehörten Karabiner, Flinten, Musketen, Hellebarten, Partisanen, Piken, Spontons, Kurzgewehre.

Oberhans: Offizier.

Oberhauptmann: militärischer Befehlshaber in einem Territorium, u. a. zuständig für Einquartierungen und Truppendurchzüge u. damit für Verhandlungen mit den zuständigen Obrigkeiten, übte im Prinzip die Funktionen eines Kriegskommissars aus, sorgte für die Erhebung der Kontributionen, war zudem zuständig für den Vollzug der Militärgerichtsbarkeit.

Oberherr: I. hier: der das Dominat ausübt; in REPGOWS „Sachsenspiegel“, S. 231 u. folg. der „Lehnsherr“; II. auch Bezeichnung für die Ratsmeister in Erfurt.

Oberkeller: a) oberster Verwalter einer Grundherrschaft, b) höherer Verwaltungsbeamter für die landesherrlichen Einkünfte [DRW].

Oberkriegskommissar: unter dem Rang eines Generalkommissars stehendes Mitglied einer Kriegskommission, zuständig z B. für die Beschaffung von Ausrüstung und Proviant, Aufsicht über das Rechnungswesen, Musterung der Truppen [DRWB].

Oberländer: Süddeutscher.

Oberlandeshauptmann: Statthalter des böhmischen Königs in Schlesien, das von 1335 bis 1742 ein Nebenland der Krone Böhmen war. Er wurde vom König ernannt u. stand der „Oberlandeshauptmannschaft“ vor, die auch als „Oberamt“ bezeichnet wurde. Dem Oberlandeshauptmann unterstanden die Landeshauptleute der schlesischen Herzog- u. der Erbfürstentümer sowie die Stände Schlesiens. Er übte die freiwillige Gerichtsbarkeit über die Fürsten aus und war u. a. für die Eintreibung der Steuergelder zuständig [WIKIPEDIA].

Oberlandjägermeister: oberster Würdenträger im Bereich der Jagd- u. Forstwirtschaft eines Territoriums.

oberländischer Gulden: 1 oberländischer Gulden = 24 Albus. Nach dem Münzedikt zur Umrechnung fremder Währungen des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm vom 1.9.1620 wurden für die Herzogtümer Jülich-Berg die folgenden Werte festgelegt: 1 Reichstaler = 78 Albus; 1 Albus = 12 Heller.

Oberlausitz: Region, die größtenteils zu Sachsen, sowie zu kleineren Teilen zu Polen und Brandenburg gehört. Vgl. KÖBLER, Historisches Lexikon, S. 442f. Im Unterschied zur späteren Niederlausitz, dem alten Land der Lusitzi, fehlte der späteren Oberlausitz, dem Land der Milzener, ein einheitlicher Landschaftsname.Für das Gebiet zwischen der Pulsnitz im Westen und dem Queis im Osten waren bis ins 16. Jahrhundert verschiedene Bezeichnungen gebräuchlich: „das ganze Land Budissin“ oder „die Länder Budissin und Görlitz“. Dass die Gründung des Sechsstädtebundes im Jahr 1346 schon bald zu einem neuen Landesnamen führte, hing damit zusammen, dass ihm nicht nur die königlichen Städte Bautzen, Görlitz, Lauban, Löbau und Kamenz angehörten, sondern auch das bis dahin böhmische Zittau, das erst infolge dieses Bundes in das Bautzener Markgraftum eingegliedert wurde. In dieser Zeit setzte sich auch für das Markgraftum die Bezeichnung „Land der Sechsstädte“ oder kurz „Sechsstädte“ durch, in der griechischen Form „Hexapolis“ oder „terra hexapolitana“. Die Herausbildung des heutigen Landesnamens vollzog sich nicht aus einer Bekundung der Städte und Stände als Träger einer regionalen Identität, sondern von außen. Seit dem 15. Jahrhundert wurde der Name Lusatia von der heutigen Niederlausitz immer öfter auf die heutige Oberlausitz ausgedehnt. Erstmals wurde der Name Lusatia in der Matrikel der 1409 gegründeten Universität Leipzig für gesamte heutige Lausitz verwendet. 1474 untertitelte man erstmals in der Kanzlei des Ungarnkönigs Matthias Corvinus das Sechsstädteland als Lusatia superior, also Oberlausitz. Erst in der Mitte des folgenden Jahrhunderts wurde nach und nach der Landesname von den Einwohnern, den regionalen Identitätsträgern, selbst gebraucht. Als die Unruhen in Böhmen begannen, verhielten sich die Oberlausitzer Stände zunächst passiv. Sie ignorierten die dringenden Aufforderungen der Böhmen, sie im Krieg gegen die Habsburger zu unterstützen. Erst nach dem Tod Kaiser Matthias im März 1619 änderten sie ihre Politik. Sie traten der Böhmischen Konföderation bei und waren an der Absetzung Ferdinands II. und der Wahl Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen beteiligt. Ziel der protestantischen Stände des Markgraftums war es, die Oberlausitz zu einem vollständig protestantischen Land zu machen. Sie wollten das katholische Bautzener Domstift beseitigen, in den wenigen noch katholischen Orten protestantische Pfarrer einführen und endlich eine eigene Landeskirche gründen. Das militärische Risiko und die damit verbundenen Kosten für die Aufstellung von Truppen für den durch die katholische Liga bedrängten Winterkönig trugen sie allerdings nur ungern und als der Krieg auf die Oberlausitz übergriff, waren sie nicht in der Lage, wirksamen Widerstand zu leisten. Ohne größere Kampfhandlungen konnte der mit Ferdinand II. verbündete Kurfürst Johann Georg von Sachsen zwischen September 1619 und Januar 1620 die Oberlausitz besetzten. Für seine militärische Hilfe gegen die aufständischen böhmischen Länder war dem sächsischen Kurfürsten vom Kaiser finanzielle Entschädigung zugesagt worden. Wenn nicht bezahlt wurde, sollten die Lausitzen als Pfand an den Wettiner übergeben werden. Ferdinand II. konnte nicht zahlen und musste 1623 die Pfandschaft über beide Markgrafentümer einräumen. Die Übergabe wurde im so genannten Immissionsrezess geregelt. Dadurch entging die Oberlausitz der kaiserlichen Gegenreformation, die in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts in Böhmen und Mähren zum Verbot der protestantischen Bekenntnisse und Kirchen führte. In der Folgezeit kamen viele Glaubensflüchtlinge aus Böhmen in die Oberlausitz. Sie siedelten sich vor allem in Zittau und den benachbarten Weberdörfern im Lausitzer Bergland an und sorgten dort durch ihren Gewerbefleiß für einen wirtschaftlichen Aufschwung. [wikipedia] Vgl. BURKHARDT, Der Dreißigjährige Krieg und die sächsische Politik.

Oberlausitzer Städtebund: Der Oberlausitzer Sechsstädtebund umfasste die Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau und bestand in dieser Form von 1346 bis 1815.

oberleiche: obrigkeitliche.

Obersächsischer Reichskreis: Der seit 1512 existierende Obersächsische Reichskreis wurde von den Markgrafen von Brandenburg und den Herzögen von Sachsen geführt. Er wurde gebildet aus Sachsen, Brandenburg, Pommern, Cammin, Anhalt, den Abteien Quedlinburg, Gernrode und Walkenried, den Fürstentümern Querfurt und Schwarzburg, den Grafschaften Mansfeld, Stolberg und Wernigerode, Barby, Hohnstein mit Lohra und Klettenberg, Hatzfeld, Reuß und Schönberg. Vgl. NICKLAS, Macht oder Recht.

Oberschultheiß: vorwiegend mit richterlichen u. exekutiven Aufgaben betrauter Vertreter der Obrigkeit.

Oberstand: höherer Stand, Überstand.

Oberstburggraf: In Böhmen der vom König auf Vorschlag der anderen Landesbeamten ernannte Inhaber des obersten Landesamts: Führung des Landesaufgebots, des Landtags, Leitung der Königswahl und –huldigung, bei Abwesenheit des Königs auch dessen Statthalter.

„Oberstfeldquartiermeister“, Generalquartiermeister: Der Generalquartiermeister leitete das Quartieramt (mit zwei Oberquartiermeistern und dem Stabsquartiermeister sowie drei weiteren Offizieren), unterstützt von der Kriegskanzlei. Die Eingänge wurden dem Feldmarschall vorgetragen und die Antwortschreiben dementsprechend zur Billigung vorgelegt. Für technische Fragen wurden Ingenieure des Stabs herangezogen. Die mündliche Befehlsübermittlung oblag zwei bis vier Generaladjutanten. Das Quartieramt lieferte je nach Eingang Berichte an den Kaiser, den Hofkriegsrat, Weisungen an die Kommandeure der Feldarmeen, an die örtlichen Kommandeure und Festungskommandeure, an alle zuständigen Verwaltungsbehörden und gab Lageberichte an hohe abwesende Generäle und Nachrichten an die Gesandten des Westfälischen Friedenskongresses heraus. Nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) erhielt er 400 fl. monatlich. Der Generalquartiermeister hatte als Dienstvorgesetzter alle Quartiermeister der einzelnen Regimenter unter sich, sein Amt war eine sehr lukrative Einnahmequelle wegen der „Verehrungen“, um Einquartierungen (gerade bei den Winterquartieren) abzuwenden oder zu erleichtern. Zudem war er meist auch Inhaber eines eigenen Regiments, das die besten Quartiere zu erwarten hatte.

Oberstube: im Gegensatz zur Unterstube die bessere Stube im obern Stock des Hauses, in der auch das Gastbett u. die guten Möbel standen.

Obervogt: zur Verwaltung gefährdeten Reichsgut eingesetzter landesherrlicher Beamter für die gesamte Verwaltung einschließlich Finanzen u. Militärwesen der Landvogtei. Er besaß die hohe Gerichtsbarkeit, zumeist vergleichbar mit der Stellung eines Oberamtmanns.

Obervogtei: Amtsbereich des zur Verwaltung gefährdeten Reichsgut eingesetzten landesherrlichen Beamten für die gesamte Verwaltung einschließlich Finanzen u. Militärwesen der Landvogtei. Er besaß die hohe Gerichtsbarkeit, zumeist vergleichbar mit der Stellung eines Oberamtmanns.

Oberzunftmeister: Vorgesetzter einer Zunft oder mehrerer Zünfte.

ob homicidium: wegen Mordes.

obicieren: vorwerfen.

obiit: er, sie, es ist verstorben.

obiter: nebenbei, beiläufig.

Oblation: Abgabe an Pfarrei.

Oblation: Angebot.

Oblation: freiwillige Übernahme einer rechtlichen Verpflichtung oder Übergabe eines Rechtstitels.

Oblei: jährliche Zinsen, insbesondere Naturalabgaben, die besonderen Einkünfte der Ratsherren.

Oblei-Amt: Amt zur Verwaltung von Geld- und Lebensmittelabgaben, bzw. des Oblei-Vermögens des Stadtrats.

Obligation: Schuldverschreibung.

obligent: verpflichtend, gebührend.

obligieren: verpflichten, bürgen, nötigen.

obligiert: dienstverpflichtet.

ob malam consequentiam: wegen der bösen Folge.

ob metum rebellionis: aus Furcht vor einem Aufstand.

oboedienz: Gehorsam.

oboediren: gehorchen.

Obreption: Erschleichung [eines Vorteils durch unzutreffende Angaben].

Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung fder Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Cronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

Obristenkompanie: Ein Obrist war auch Inhaber einer besonderen und zahlenmäßig sehr starken, z. T. doppelt so viele Soldaten als herkömmliche Kompanien umfassenden Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte, und aus der er zusätzliche Einkünfte und Dienstleistungen bezog.

Obristfeldwachtmeister: => Obristwachtmeister.

Obristleutnant: Der Obrist-Lieutenant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

obrist major: Generalmajor [schwed. Generalmajor]: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.

Obristquartiermeister: Der Obristquartiermeister war der Dienstvorgesetzte der Regimentsquartiermeister. Bei Einquartierungen in Dörfern und Städten besorgte der Quartiermeister, in Abstimmung mit den lokalen Obrigkeiten, von den Bewohnern Unterkunft und Verpflegung für die Kompanie. Zunächst wurde der Stab einlogiert, dann wurden die Quartiere für die Hauptleute bestimmt. Die Kompanie des Obristen hatte die weitere Wahl, dann die des Obristleutnants, darauf die des Obristwachtmeisters. Die restlichen Kompanien spielten die übrig gebliebenen Quartiere unter sich aus. Das führte bei engen Quartieren teils zur Überbelegung bei den einzelnen „Wirten“, teils zum Kampieren unter freiem Himmel auf dem Markt, was zu Unruhen führen konnte. Dem Quartiermeister, der je nach Truppengattung zwischen 40 und 60 fl. Monatsold erhielt, war die Kriegskasse anvertraut. Dazu kamen allerdings erhebliche Nebeneinkünfte der meist korrupten Quartiermeister, die dieser mit dem Obristquartiermeister teilte.

Obristwachtmeister [schwed. major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold v. 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. (so etwa in der Abrechnung Prags 1633 für das Regiment Anton v. Weveld; HALLWICH, Wallenstein‘s Tod, 2. Bd., S. 264) – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) gab es für einen verletzten Obristwachtmeister 200 fl. bzw. 300 fl. Belohnung; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., S. 598, 599. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen u. Befehle des Obristen u. Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten u. war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch u. im Lager, beaufsichtigte die Wach- u. Patrouillendienste u. stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- u. Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Obristwachtmeister nach der Schlacht bei Jankau (1645) 300 Rt. Ranzion (Lösegeld) aufzubringen. Ein verletzter Obristwachtmeister erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 300 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1665, S. 597, Nr. 1666, S. 59, bzw. 200 fl.; Nr. 1668, S. 599. In der Leipziger Garnison erhielt ein Major der Kavallerie 1642/43 monatl. 50 Rt., bei der Infanterie 14 Rt. 18 Gr., 1644 nur 40 Rt. bzw. 14 Rt. 12 Gr. u. 12 Rt. Servis; ZIRR, Die Schweden, S. 802ff.

Observanz: Hochachtung, Ehrerbietung.

observationes bellicas: Kriegsbeobachtungen.

obsidium: Belagerung.

obsignieren: versiegeln.

obsolet: veraltet, hinfällig.

obspecificirte: oben aufgeführte [Personen].

obstacula: Einwände, Hindernisse.

Obstaculum: Hindernis.

obstination: Beharrlichkeit, Starrsinn.

obstiniren: (sich) widersetzen.

obstruirt: behindert.

obtorto collo: mit umgedrehten Hals.

obtrudiren [octroyieren]: aufzwingen.

occasion: Treffen, Gelegenheit.

occupiren: besetzen, einnehmen.

occupation: (lat. occupatio = Aneignung einer herrenlosen Sache) Besetzung, Beschäftigung.

occupierung: Besatzung.

occurientien: Begebenheiten, Vorfälle.

oculatus testis fui: ich war selbst Augenzeuge.

Oculi: 3. Sonntag in der Fastenzeit.

odios: verhasst.

odium universale: allgemeiner Hass.

Oehmd: die 2. Mahd.

Ofenblase, Ofentopf: blasenähnliches, in den Stubenofen oder dessen Brandmauer eingesetztes Metallgefäß zur Erwärmung v. Wasser.

offendiren: beleidigen, angreifen.

Offermann: niederdeutsche Schreibweise für Opfermann, eine Bezeichnung für einen Küster, der gleichzeitig auch noch Organist ist.

Officium: Pflicht; Amt, Amtsgeschäft.

Offizier des ersten Blatts: Auf dem ersten Blatt der Musterrolle einer militärischen Einheit (prima plana) waren die wichtigsten Offiziere dem Rang nach verzeichnet.

Ohm: ca. 120 bis 150 Liter.

Ohm: 1 Ohm = 28 Viertel = 155, 76 Liter (Hochstift Osnabrück).

Ohm: 1 Ohm (Schaumburg) = 135 Liter; nach ENGEL, Tabelle, S. 7.

ohne: außer.

ohnerwartet: ungeachtet.

Ohr abschneiden: Im Mittelalter war das Ohrenabschneiden häufig mit der Verweisung verbunden gewesen. Bei Diebstahl, Gotteslästerung, Tragen verbotener Waffen und Desertion wurde meist ein Ohr abgeschnitten und an den Galgen genagelt. In der Hannoverschen Chronik heißt es unter 1633; JÜRGENS, Chronik, S. 514: „Den 11. [21.4.1633; BW] ist ein Königsmarkischer Soldate, so entlaufen, und hie unter Caspar von Lühden Stadt-Compagnien angetroffen, vor Linden bey dem Galgen stigmatisiret und das rechte Ohr abgeschnitten durch unsern Nachrichter Meister David“. Das Abschneiden eines Ohres galt als Strafe und Warnung zugleich, in Zukunft ein ordentliches Leben zu führen. Von Caspar Ermes, schwedischer Kommandant in Erfurt, wird berichtet; KRAFFT 156 r – 156 v; mdsz.thulb.uni-jena.de: „1643 hat der Commandant [einem Mann] die Ohren und Nasen abschneiden lassen und  den Galgen und das Rad auf die Stirn und die Backen gebrannt, weil er Degen, Sporen, Flore aus der Kaufmannskirche gestohlen [hatte] und auch davon gelaufen war“. Vgl. auch NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 81. GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 273 (1644): „In eben demselbigen sind auch einem Soldaten, so einen Mandel gestohlen gehabt, die Ohren abgeschnitten, und an den auff dem Marckt stehenden Galgen genagelt worden“. Aus Zwickau wird 1648 berichtet: SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 699f.: „Kam der Obriste Herr Hans Georg Haubold von Schleunitz Churfürstl. Ampts-Hauptman / der Assecurirten Aempter halber / etc. zu Weida einsmal hieher / in dem er sich nun wieder auff die Reise gemachet / ist ein Mußqvetirer von der Convoi / welcher unvorsichtig auff einer Wagen-Deichsel gesessen / gefallen / dem hat das Wagen-Rad / wunderlicher weisse ein Ohr so glatt / als wenn es mit einen Scheermesser geschehen wär / vom Kopf abgeschnitten / um ihm sonsten am Leibe nichts versehret. Weil nun dieses vielen Leuten unglaublich vorkommen / und er sich zu befahren gehabt / es würde ihm / als wär es durch Scharffrichters Hand geschehen / vorgeworffen werden / hat er ihm von Hauptman Adam Kraussen / unter dessen Compagni er gehöret / ein sonderliches Zeugnis darüber geben lassen“. Diese Verstümmelungsstrafe wurde von Soldaten auch aus reiner Lust an der Gewalt an Bürgern vollzogen, was natürlich den Anschein erwecken musste, als handle es sich um einen verurteilten Straftäter.

öhrin: ehern, aus Kupfer oder Bronze.

Ohrlöffel: ein löffelartiges Besteck zum Reinigen der Ohren. Als Toilettenbesteck wurden sie häufig mit einer kleinen Pinzette zusammen, an einem kleinen Ring verbunden, verwendet.

Ölberger: DWB, Bd. 12, Sp. 1275, 10: „die schlafenden jünger am ölberge, daher spöttisch für schlafhaube, fauler mensch“.

Grafschaft Oldenburg: Territorium im Heiligen Römischen Reich, das seit 1500 dem Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis u. seit 1653 dem Westfälischen Reichsgrafenkollegium des Reichstages angehörte. Nach der Schlacht an der Hartwarder Landwehr 1514 verdoppelte die Grafschaft ihr Territorium u. ihre Bevölkerung indem sie Stadland u. Butjadingen unter ihre Kontrolle brachte. 1575 erbte das Haus Oldenburg die Herrschaft Jever. Im 16. Jahrhundert wurde die Grafschaft im Zuge der Reformation lutherisch, mit Ausnahme der reichsunmittelbaren Herrschaft Kniphausen (einer Herrschaft bei Accum, am heutigen Ortsrand v. Wilhelmshaven), die reformiert wurde. 1647 wurde die Grafschaft Delmenhorst, ursprünglich Sitz einer Nebenlinie, der Grafschaft Oldenburg wieder zugesprochen. 1667, nachdem Graf Anton Günther ohne in der Grafschaft nachfolgeberechtigte Nachkommen verstorben war, erbte diese Linie auch Oldenburg, das somit in Personalunion mit der Krone Dänemarks verbunden war u. die dänische Flagge führte.

Olderleute: An der Spitze der Elf-Ämter (11 Gilden) in Osnabrück standen die aus den Reihen der Handwerksmeister durch Wahl auf Lebenszeit hervorgegangenen Gildemeister. Zur Vertreter der Gesamtgilde wählten die Gildemeister zwei Ältere, die Alderleute/Olderleute genannt wurden.

Olderman (Alderman): Vorsteher einer Zunft oder eines Amtes.

Olipadriden, olapodria: spanisches Gericht aus verschiedenen Fleisch- u. Gemüsearten.

Ölkuchen: Rückstände, die beim Pressen ölhaltiger Sämereien in den Ölmühlen gewonnen wurden u. in Form runder, quadratischer oder trapezförmiger Kuchen in den Handel kamen. Man benutzte sie in der Landwirtschaft zur Fütterung oder zur Düngung. „1) in Öl gebackener Kuchen; 2) die in Kuchen od. Scheiben geformten, nach Auspressung des Öls zurückbleibenden Samenhülsen (Oldrusen, Öltrestern); sie sind ein gutes Viehfutter u. bewirken bei dem Melkvieh mehr Milch u. ein glattes Haar, wenn sie nicht zu alt, vermodert u. bitter sind. In Wasser aufgelöst u. Topfpflanzen damit begossen, sind sie ein gutes Düngmittel; auch wendet man sie als solches auf Sandboden u. zum Überstreuen der Saaten an“ [PIERER].

Ombrage: Schatten.

Omnium Animarum: Allerseelen, Gedächtnistag für alle Verstorbenen. Zu Allerseelen werden die Gräber mit Blunmen u. Lichtern geschmückt. Je nach Region gehören auch die Gräbersegnung oder Prozessionen zu diesem Gedächtnistag.

Omnium Sanctorum: Allerheiligen.

omnium stultorum: Allertörichten (Schmähwort für Omnium Sanctorum = Allerheiligen).

ondersate: Untertan.

onera civica kavieren: für ihre bürgerliche Lasten bürgen, haften.

onorosität: Last, Beschwerlichkeit, Bedrückung.

ongeryff: Ungemach, Mühe.

Onorosität: Last, Beschwerlichkeit, Bedrückung.

ontallick: unzählbar, zahllos.

ontelbaar: unzählbar, zahllos.

onthalsen: enthaupten.

ontslaan: befreien, entlassen, abwehren.

ontslagen: befreien, entlassen, abwehren.

onus recipiendi et hospitandi milites: Pflicht zur Aufnahme und Unterhaltung von Soldaten.

operarius: Tagelöhner.

operiren: Wirkung haben.

Opfermann, niederdeutsch Offermann: Bezeichnung für einen Küster, der gleichzeitig auch noch Organist ist.

ophitzen: aufhetzen.

opiniastriren: widersetzen.

opiniatrischer weise: wie erwartet.

oppilatio: Verstopfung.

opprimiren: niederdrücken, unterdrücken.

oprohr: Aufruhr, Aufstand.

Orbede: allgemeine jährliche Grundsteuer.

Orböre, Oerbare: Grund- und Schutzgeld, dass pommersche Städte an den Landesherrn zu entrichten hatten.

orbus: blind.

Ordnung, gute: „gute Ordre“ und „guth Regiment“ meint den möglichst geordneten Durch- und Abmarsch von Truppen unter Vermeidung von Übergriffen und Gewalttaten aller Art.

Ordonnanz, Ordinanz: (militärische) Verfügung; Befehl; Anweisung, Verordnung, die nicht immer eingehalten wurde. Zum Teil wurde den Soldaten von ihren Vorgesetzten in aller Öffentlichkeit sogar verboten, sich an die Ordonnanzen zu halten; MAIER, Unterpfalz, S. 321.

Ordonnanzgeschütz: 3-4pfündige Feldstücklein: Im April 1629 gelang es der königlichen Gießerei Stockholm, den ersten Dreipfünder herzustellen, der mit 123 kg sehr beweglich war. Wenig später wurde das Gewicht sogar auf nur 116 kg reduziert. Der Name Regimentstücke für diese neue Feldartillerie blieb erhalten, durch Gustav II. Adolf eingeführt, indem er jedem Infanterie-Regiment ständig zwei leichte Geschütze zuordnete. Die Bedienung übernahmen erstmals besonders eingeteilte Soldaten. Die Regimentsstücke waren meist 3-Pfünder-Kanonen. Sie wurden durch eine Protze im meist zweispännigen Zug, gefahren vom Bock. d. h. der Fahrer saß auf der Protze, beweglich gemacht. [wikipedia]

Orgeley: Artillerie.

Orgelgeschütz: Orgelgeschütz (Salvengeschütz), „Totenorgel“: Geschütz, wahrscheinlich holländischenOrgelgeschütz-2 Ursprungs => „niederländische Batterie“, mit sechs Reihen v. Musketenläufen, aus denen man bis zu achtzig Schuss hintereinander abgeben konnte, z. B. bei den Kaiserlichen während der Belagerung Frankfurts a. d. Oder oder v. den Schwedischen während der Belagerung Hanaus durch die Kaiserlichen eingesetzt. Vereinzelt wurden auch zehnläufige Luntenschloss-Drehbüchsen eingesetzt. „Salvengeschütze wurden meist auf einer Lafette analog einer normalen Kanone montiert, womit ihre Beweglichkeit und Zielgenauigkeit ebenso schwerfällig war wie die der Kanonen. Die vielen Rohre benötigten im Vergleich zu Kanonen eine verhältnismäßig lange Zeit zum Nachladen. Des Weiteren waren Salvengeschütze bedingt durch ihre Komplexität teurer als Kanonen, da jedes Rohr eine eigene Zündvorrichtung hatte und jedes Rohr einzeln gewartet und gesäubert werden musste“ [Wikipedia].

orlogh: Krieg.

Ornamente: Kirchenschmuck, (kirchliche) Kleinodien, Kirchengewänder.

orten: lagern, aufheben, zurücklegen.

Ortstaler: Vierteltaler = 5 Schillinge, 3 Pfennige.

ossa: Gebeine.

Ostgöta-Infanterieregiment (schwedisch: Östgöta infanteriregemente): Das Regiment hat seinen Ursprung in fänikor (Kompanien), die im 16. Jahrhundert in Östergötland aufgestellt wurden. 1619 wurden diese Einheiten – zusammen mit fänikor aus dem nahe gelegenen Landkreis Jönköping – v. Gustav II. Adolf in das große Regiment Östergötlands storregemente organisiert, v. dem neun der insgesamt 24 Kompanien in Östergötland rekrutiert wurden. Östergötlands storregemente bestand aus drei Feldregimentern, v. denen das Ostgöta-Infanterieregiment eines war. Zwischen 1623 u. 1628 wurde das Großregiment dauerhaft in drei kleinere Regimenter aufgeteilt, v. denen das Ostgöta-Infanterieregiment eines war. Das Regiment wurde 1636 offiziell aufgestellt, obwohl es seit den 1620er Jahren bestand. Das Ostgöta-Infanterieregiment war eines der ursprünglich 20 schwedischen Infanterieregimenter, die in der schwedischen Verfassung v. 1634 erwähnt wurden. Der erste Kommandeur des Regiments war Johan Banér, 1635-1645 Axel Lille, 1645-1667 Salomon v. der Osten, genannt Sacken.

Östgöta-Kavallerieregiment: 499 Kavalleristen in vier Kompanien, verschifft 1630. Geführt v. Claus Dietrich Sperreuter bis Ende 1631, dann Nilsson [Nikolaus] Lennart [Linder Nilßon] Bååt [Bååth] [ -16.11.1632 bei Lützen], schwedischer Major, Obristleutnant.

Österbotten [Ostrobotnia, finn. Pohjanmaa]: schwedisches Fußregiment.

ostiatim: bissenweise, von Tür zu Tür.

otter gezicht: Otterngezücht: hier Pharisäer, nach Johannes dem Täufer; Mt. 3, 7.

Ouverture: Eröffnung, Mitteilung.

overeinde: aufrecht.

overicheit: Obrigkeit.

Oxhoft: 1 Oxhoft (Schaumburg) = 6 Anker = 168 Maß = 209 Liter; ENGEL, Tabelle, S. 7.

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Begriffe T

Tabak trinken: Das Rauchen selber hat sich vermutlich aus der Räucherzeremonie der Priester u. Medizinmänner entwickelt (vgl. Rauchopfer). Tabaksaft wurde bei Initiationsbräuchen gereicht und medizinische Verwendung fanden etwa Tabakblätter zur Versorgung von Hautverletzungen. Europäer lernten Tabak bereits bei ihren ersten Begegnungen mit den Menschen Amerikas kennen. Als Christoph Columbus am 12. Oktober 1492 auf den Bahamas landete, brachten die Inselbewohner ihm Präsente, darunter auch Tabakblätter. Mit diesem Geschenk konnte er erst etwas anfangen, als zwei seiner Männer auf der Insel Kuba die Eingeborenen sich die Blätter in den Mund stecken, diese anzünden und dann den Rauch „trinken“ sahen. […] Die Verbreitung des Tabaks einerseits und diese Kontrollversuche andererseits führten im 17. Jahrhundert in Europa und auch in einigen asiatischen Ländern zu einer Krise. Etwa war London zu einem führenden Tabakhandelszentrum und das Pfeiferauchen in Großbritannien sehr schnell zur weit verbreiteten Sitte geworden. Tabak war ein teures Gut, um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert den zehnfachen Preis von Pfeffer wert. Jakob I., zu dieser Zeit König von England, veröffentlichte 1603 seine Schrift „Der Rauchgegner oder ein königliches Scherzstück über den Tabak“, eine Streitschrift gegen den Tabak. Der König brachte seine Abscheu dem Tabak und seine Verachtung den „ausschweifenden und liederlichen“ Rauchern gegenüber zum Ausdruck und bezweifelte dessen medizinische Wirkung. In Deutschland wurde die neue Gewohnheit des Rauchens anfänglich mit Verwunderung begutachtet, weitete sich dann aber schnell aus. Die Soldaten des Dreißigjährigen Krieges machten sie in der gesamten Bevölkerung bekannt, bei jung und alt, Mann oder Frau. 1620 sollen die englischen Soldaten Greys das Tabaktrinken in die Oberlausitz gebracht haben; KORSCHELT, Geschichte von Olbersdorf, S. 135. Aus Rinteln wird unter 1639 berichtet, dass ein Bürger für das Alleinverkaufsrecht von Tabak dem Rat 30 Rt. jährlich bot; STÜNKEL, Rinteln, S. 59. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in Kursachsen, Bayern, den habsburgischen Erblanden in Österreich und vielen Kleinfürstentümern Verbote des Verkaufs von Tabak. Erlaubt war nur die Abgabe in Apotheken, wenn der Tabak als Medizin verkauft wurde. [wikipedia: Geschichte des Tabakkonsums]. Allerdings glaubte man damit auch Verstopfung und Parasitenbefall bekämpfen zu können. „Rauchen“ setzte sich erst im Laufe des 17. Jhs. durch, bis dahin sprach man in Analogie zum Trinken von Rauch- oder Tabaktrinken. Der Aichacher Stadtrat erließ am 18. Juni 1655, ein „Tabackh Verbott“ für die Gasthäuser der Stadt. In Rathausprotokoll von 1655 ist zu lesen: „Den Wirthen vnnd Preuen (Brauer) wirde bei 2000 Stain straff auftragen, kheinen Tabackh in Iren Heüsern zetrinkhen.“ (Den Begriff Rauchen gab es damals nicht, man nannte es „Tabak trinken“.) „1656 durfte Tabak nur mehr in Apotheken zur Bekämpfung von Krankheiten verkauft werden. Begründet wurde das Tabakverbot mit der Brandgefahr in den Häusern. Auch der extreme Gestank wurde angeführt. Trotz Geldbußen und kurzfristigen Gefängnisstrafen wurde das Verbot des Handels und Konsums von Tabak von den Bürgern und Bauern konsequent missachtet. Mit dieser Tatsache musste sich auch der bayerische Kurfürst abfinden“. augsburger-allgemeine.de/aichach/Stadtrat-verbietet-schon-1655-Tabak-zu-trinken-id8066841.html.

Tabes: Schwindsucht.

tabulae: Landkarten.

Tabum: Eiter, Verwesung, Pest.

tachbrücke: Zugbrücke.

Tafel: Gemälde, Altarteil; beliebtes Beutegut hoher Offiziere bzw. der jeweiligen Kriegsherren.

Tafelgeld: Geld, das einem Offizier zur Bestreitung seiner Tafel u. in anderer Bedeutung zur Führung seines Hofstaats angewiesen u. bestimmt war, das die betreffende Stadt zusätzlich zu tragen hatte. Selbst Hauptleute pflegten zur Tafel mehrere Tische, meist zu je 15 Personen, zu unterhalten.

Tafelgut (Kammergut): Eigentum v. Kaisern, Königen oder Fürsten, bewegliches u. unbewegliches Gut eines Landesherrn, das bzw. dessen Erträge (Abgaben u. Erträgnisse aus Domänen) in erster Linie zur Bestreitung der Ausgaben für fürstliche Hofhaltungen, aber auch für besondere Staatsbedürfnisse dient (DRW).

Taffern: Wirtshaus.

Taffet (Daffet): leichtes glattes Seidenzeug.

Tagesbezeichnungen:

Planetensymbole

a Sonntag = dies dominica, dies solis

b Montag = dies lunae, feria secunda

f Dienstag = dies Marti, feria tertia

d Mittwoch = dies Mercurii, dies quarta

g Donnerstag = dies Jovis, feria quinta

e Freitag = Veneris, feria sexta

h Sonnabend = dies Saturni, feria septimus.

Tagessatzung: Termin, Gerichtstermin.

Taglia: Kopfgeld.

Tagzeit: festgesetzter Zahlungstermin.

tamelick: ziemlich leidlich.

Tanzboden: Zur besseren Kontrolle der z. T. recht ausschweifenden Tanzveranstaltungen war der Tanzboden auf dem Rathaus untergebracht.

Tapezerei: Teppich, besonders als Wandumhang, Tapetenwerk, Gobelin.

Taphert [Tappert]: Mantel.

tappen: zapfen, Zapfhahn.

Tartaren: Asiatisches Volk, das im 17. Jahrhundert bekannt war als wild, grausam, verräterisch, grob, einfältig u- hart. Die Tataren standen nicht nur für die Beherrschung der Kunst des Reitens u. Bogenschießens, sondern vor allem für eine vornehmlich auf Sengen, Brennen u. Plündern basierende expansive Kriegführung. Die Zeitgenossen wussten zu berichten, dass die tatarischen Nomaden kaum Gesetze kannten, mit Sklaven handelten u. alte u. hilflose Menschen bei lebendigem Leibe begruben. Dass sie überwiegend ‚Heiden‘ waren, zeigte sich den christlichen Beobachtern nicht zuletzt daran, dass im Glauben der Tataren die Menschen auch im Jenseits fleischliche Wollust erwartete. – In übertragener Bedeutung wurden im damaligen Alltagssprachgebrauch sowie in offiziellen Dokumenten auch „Zigeuner“ als Tataren bezeichnet. Vgl. Art. „Tartarn“, in: ZEDLER, Universal Lexicon Bd. 42, Sp. 50-86.

Tartarn, Zigeuner: Schon vor dem Krieg war die Lage der Zigeuner sehr schwierig; FROHNHÄUSER, Geschichte der Reichsstadt Wimpfen, S. 285: „Zigeuner wurden nie in die Stadt eingelassen. Am Thor erhielten sie ein Almosen und wurden weiter geschickt. 1602 gebot der Rath, sie nicht in der Stadt Gebiet zu Dulden. ‚Gehen sie nicht gutwillig, sollen sie mit trocken Streichen fortgeführt werden‘. 1605 finden wir die Verordnung: ‚Zigeuner sollen, so oft sie kommen, mit 50 oder 60 Bürgern abgetrieben werden, und so sie sich in solchem Abtrieb zur Wehr setzen, soll man in sie schießen und schlagen‘, ein Beweis, daß sie oft in großen Schaaren kamen und den Befehl zum Weitermarsch nicht immer gutwillig gehorchten“. BURSCHEL, Söldner, S. 90f.: „Seit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges lassen sich in den Heeren auch Zigeuner nachweisen. Hier war Platz für die Angehörigen einer ethnischen Minderheit, die man sonst nirgendwo haben wollte, die bereits der Freiburger Reichstag von 1498 des Reiches verwiesen, ja sogar – in bezeichnendem Unterschied zu anderen Vaganten – für vogelfrei erklärt hatte und die fortan in territorialen Mandanten aller nur erdenklicher Verbrechen bezichtigt wurde. 1642 zum Beispiel zogen einige wohl zum Heer Piccolominis gehörende Kompanien an Deister und Süntel vorbei in Richtung Harz, vorwiegend aus Zigeunern zusammengesetzt. Schenkt man einem Eintrag in den Bovender Gemeinderechnungen des Jahres 1623 Glauben, so konnten es Zigeuner damals sogar bis zum Offizier bringen“. Zigeuner wurden in den Heeren als Heilkundige u. Kundschafter eingesetzt. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 53: „Die unruhigen Zeiten begünstigten das Wanderleben der Zigeuner, welche 1626 in erheblicher Zahl auftraten. Da sie im Verdacht standen, für den Feind Kundschafterdienste zu leisten, so ordnete die Regierung eine Streife auf sie an, welche der Pfleger Stefan Danhauser von Freudenberg und Obrist Blarer mit 28 Reitern und 150 Musketieren vom 26. bis 29. Juli in der Gegend von Hirschau, Weiden, Kemnath vornahmen. Maximilian ordnete am 4. August 1626 an, daß die verhafteten Zigeuner ‚mit der Tortur und wie es vonnöthen zu examieren‘ seien. Von den 3 in Tirschenreuth in Haft befindlichen Zigeunern hatte der Pfleger Burhuß schon am 3. August nach Amberg berichtet, daß sie unschuldig seien. Trotzdem ordnete die Regierung am 8. August deren Tortur (Folter) an. Die Folter muß sehr scharf gewesen sein, denn das Jammergeschrei der Gequälten war außen deutlich zu hören. Die junge Frau eines gefolterten Zigeuners, welche die Stimme ihres Mannes erkannte, stürzte sich aus Verzweiflung in den Schloßweiher und ertrank. Die Zigeuner blieben jedoch standhaft bei der Beteuerung ihrer Unschuld“. Dass auch die meist aller denkbaren Verbrechen beschuldigten Zigeuner (SCHUBERT, Mobilität, S. 130ff.) bereits beim Heer gewesen sind u. dort als Feldscherer eingesetzt wurden, die z. T. mit volksmedizinischen Mitteln u. auch zauberischen Praktiken arbeiteten (WALZ, Hexenglaube, S. 215ff.) ist sicher richtig; dass sie es teilweise sogar bis zum Offizier gebracht hätten (so BURSCHEL, Söldner, S. 90f., unter Hinweis auf einen Beleg bei BERNOTAT, Auswirkungen, S. 162), muss bezweifelt werden. Anscheinend handelte es sich bei dem Dattern Leutnant wohl eher um den Anführer einer Kroatenabteilung, wie sie später Isolano kommandierte; vgl. JACOBS, Zigeuner; allgem. ROECK, Randgruppen, S. 85ff.; HOFFMANN, Harzschützen, S. 98ff.  DIWALD, Wallenstein, S. 334f.: „Am 27. September [1625; BW] berichtet der Landeshauptmann, Herr von der Hagen, dem Herzog [Friedrich Ulrich; BW] über seinen Versuch, den ‚Zigeuner-Vortrab’ der Armee Wallensteins aufzuhalten, und skizziert den Zustand der kaiserlichen Truppen so: ‚Die neuen Werbungen zu Roß sind auf der Offizier vorgeschossenen Gelder vorgenommen und haben bis dato noch keinen Pfennig von Ihro Kaiserlichen Majestät erhalten. Die Reiterei ist mit keinen Waffen versehen, ist übel beritten, haben größtenteils leichte und schlechte Pferde. Im ganzen sind die Neugeworbenen malcontente. Um Blankenburg herum lassen sich viel Zigeuner bei unterschiedlichen Partien zu zehn und fünfzehn Mann sehen, über die Maßen wohl bewehrt, mit zwei langen Röhren ein jeder und die Weiber zu Pferd und ein Paar Pistolen im Sattel, sie ziehen durch ungebahnte Wege, halten sich in Gehölzen und Vorbüschen, kundschaften nach allen Dingen fleißig, also daß zu besorgen, sie in des Wallensteins Bestallung auf Verräterei, Raub, Mord und Brand ausgeschickt sein mögen’. Wallenstein soll einen Zigeuner-Vortrab zum Plündern und Morden vorausgeschickt, ihn womöglich eigens dazu angeworben haben ? Hier ist wieder einmal die Wiege einer Legende, die sich gut entwickelt und rüstig die Jahrhunderte überstanden hat. Diese Zigeuner sind nichts anderes als die leichten schnellen Reiter des Obristen Isolani, meistens Kroaten und Ungarn“. Vgl. dagegen LOTZE, Münden, S. 66: „Als Vortrab seines Heeres erblickte man Zigeunerbanden, 15 bis 20 Mann stark, bis an die Zähne bewaffnet und Weiber auf Pferden mit sich führend, deren jedes 2 Pistolen im Sattel hängen hatte. Sie verübten die größten Räubereien und rühmten sich, im Dienste Wallensteins zu stehen“. Vgl. allgem. FRICKE, Zigeuner. Für 1633 hält der Erzgebirgschronist Christian Lehmann fest: „Den 11. November kahmen die Taubischen [Dietrich v. Taube; BW], verjagten die in der [Reitzenhainer; BW] schantze und schleiften Sie. Derowegen commandirte auf Churfürstlichen befehl in anfang des September der Obrist Dietrich Taube auß der Lausnitz seine 2 Regiementer an Cavallerie und Trajoner in Meißen; sein Obrist-Wach-Meister Bodo von Bodenhausen ging den 9. November mit 300 Pferden dem feindt entgegen ans Böhmische gebirg und schleiften mit Zuthun des landtvolcks die Reitzenhaner schanz und beritten stez die Paße, streiften oft in Böhmen und hohlten Viehe, und damit mann die Schwartenbergische besatzung enger hielte und die keyßerlichen Streiffen auß Böhmen gar abschaffte, marchirten theils regiementer zue Roß und fuß auß dem lager bey Dresden, darinnen der Chur-Sächsische General Arnheim [Arnim; BW] mit der Churfürstlichen Armee von 29. September biß den 1. November Müßig lage. Des Obristen Posens regiement zue fuß wurde in Zwicka gelegt, der Obrist Dietrich Taube kam den 3. Dezember mit den andern Compagnien zue den Obrist-Wachmeister von Bodenhausen umb Chemnitz an, conjungirte sich mit des Posen regiement zue fueß auß Zwickau und zogen vor Schwartzenberg.  Nach deme nun der Commendant in Schwartzenberg mit seinen Crabaten und Zigeunern 17 wochen auf den Schloß von 4. August biß den 5. december gelegen und mächtigen Schaden gethan in gebirge, marchirte den 5. December der Obrist Taube mit 22 Compagnien Cavallerie und Tragonern von Chemnitz herauf auf Dorf-Zwenitz, Grünhein, Saxenfeld gar frühe und bekahmen doselbst eine Parthei Crabaten mit Wägen, die Futterage zueführen solten, theils kamen darvon und machten lerm in schloß. Des Posens Fußvolck marchirte uff Elterlein zue und bliebe in Schletta liegen. Von der Cavallerie aber stelleten Sich ezliche Compagnien mit fliegenden Standarten auf den Wildenauer und Grunstedler weg. Die Trajoner Musten in Schwartzenberg beym Rathhauß absteigen und sich zum sturm bereit halten. Nachdeme der Commendant lose word gabe und sich zue wehren resolvirt, brachten Sie fäßer ans Schloßthor und zündeten Sie an, das feuer ergriff auch das Ampthauß und verzehrete es mit vielen Acten, briefen und registraturen, und Do sie den ernst sahen, baten Sie um accord und abzug, musten Sich aber auf gnade und ungnade ergeben, und wurde ihnen nur das leben geschenckt, der Commendant mit seiner dama nach Annenberg geführt und behalten biß zur abstattung seiner Ranzion, Die Gemeine Crabaten und Zigeuner außgezogen und durch Elterlein nach Chemnitz geschaffet, der Leutenandt und Fehnrich wurde auch in Arrest behalten“. Zu Zigeunern als Bestandteil der kämpfenden Truppe vgl. SULLIVAN, Callot’s Les Bohémiens; KROENER, Geschlechterbeziehungen, S. 289ff. Dafür spricht, dass im kurfürstlich-sächsischen Mandat v. 1652 beklagt wird, dass sich abgedankte Offiziere den sich selbst als Zigeuner bezeichenden Vagierenden angeschlossen hätten; vgl. BOETTICHER, Zigeuner, S. 22.

Taubenhaus: geräumiges kleines Haus, z. T. auf einem Pfahl aufgebockt, zur Haltung v. Haustauben als Selbstversorgung. Sie wurden häufig in Sachsen u. darüber hinaus, besonders auf Ritter- u. Bauerngütern, aufgestellt.

Taufrodel: Taufregister.

Taxation: Schimpfen, Schelten.

te baven kommen: überwinden.

te berde brengen: vorbringen.

Tecklenburg, Grafschaft: Territorium des Reiches im Westfälischen Reichskreis. Unter Umgehung der Erbansprüche des Hauses Solms-Braunfels kam die Grafschaft Tecklenburg 1557 an Arnold II. (IV.) zu Bentheim-Tecklenburg. Dessen Sohn Adolf gründete 1609 eine eigene Linie Tecklenburg. Im Jahr 1588 führten die Grafen die reformierte Konfession ein.

Te Deum laudamus: Ambrosianischer Lobgesang, an Festtagen zum Schluss der Matutin gesungen, in Luthers Fassung „Herr Gott, Dich loben wir“. „Der mittelalterlichen Tradition (Erwähnung in Handschriften seit dem späten 8. Jahrhundert) zufolge schufen die beiden vom Heiligen Geist ergriffenen Heiligen Augustinus und Ambrosius von Mailand gemeinsam diesen Gesang: Als Augustinus als Erwachsener zu Ostern 387 das Sakrament der Taufe empfing, habe er diesen Hymnus angestimmt; Ambrosius habe versweise darauf geantwortet“ [WIKIPEDIA].

tegenspartelinge: Widersetzung, Widerstand.

Teicher: Tiefliegende Äcker mit hohem Grundwasserstand.

Teichgräber: Experte für den Bau und die Instandsetzung v. Teichen, unverzichtbar für jeden Gutsbesitzer, auf dessen Grundstück sich ein Teich befand oder angelegt werden sollte.

teken: Zeichen.

telwert: solange.

templirer: Gemeindevorsteher.

tempora: Haupt, Kopf, Gesicht.

Tenaglia: Zange.

Tentation: Versuchung.

tentieren: beabsichtigen, gedenken, vorhaben, untersuchen, prüfen; versuchen, unternehmen, betreiben, arbeiten.

tent(t)e: Zelt.

Tercio: „Als bedeutendste Neuerung bildeten die Spanier zwischen 1534/1536 und 1704 die rund 3000 Mann starken Kampfverbände der Tercios. Dabei war ein ein anfänglich aus acht Kompanien bestehendes Pikenier-Geviert von einer tiefgestaffelten „Hecke“ aus zwei Kompanien Musketieren und/oder Arkebusieren umgeben. Die Musketiere/Arkebusiere standen im Feuerkampf mit der gegnerischen Infanterie und wurden von den Pikenieren insbesondere vor anreitender Kavallerie gedeckt. Der Begriff der Spanischen Ordonnanz bezeichnet im Eigentlichen die schachbrettartige, gestaffelte Aufstellung mehrerer Tercios (vier als Brigade, mindestens sieben als Doppelbrigade). Die Niederlage in der Schlacht von Rocroi 1643 gegen ein modernes französisches Heer läutete in Spanien das Abrücken von dieser starren Gefechtsordnung ein. Im Lauf der Zeit verlor der Anteil der Stangenwaffen gegenüber den Feuerwaffen mehr und mehr. 1704 wurde dem Wandel auch nominell Rechnung getragen, indem man die alten Tercios in moderne Regimenter transformierte.Die Dienstgrade innerhalb der Tercio-Kompanien zählten bis einschließlich des Capitans (Hauptmann) zu den Oficiales Menores (wörtlich: Unter-Offiziere). Abhängig von Dienstalter und persönlicher Einsatzbereitschaft, konnte ein einfacher Soldat nach fünf Jahren zum Cabo (Unteroffizier) aufsteigen, nach einem weiteren Jahr zum Sargenteo (Feldwebel), nach insgesamt acht Jahren zum Alférez (Fähnrich) und nach elf Jahren zum Capitan. Eine Beförderung darüber hinaus war für nichtadlige Soldaten ohne politische Beziehungen unwahrscheinlich. Die Befehlsstruktur der Tercios oberhalb der Kompanieebene kennzeichneten spezielle Dienstgrade, die sich von jenen in den nicht national-spanischen Infanterie-Regimentern Spaniens und von denen anderer Truppengattungen (Kavallerie, Artillerie etc.) unterschieden. Kommandeur war der Maestre de Campo (wörtlich „Feldmeister“, vergleichbar dem Oberst). Ihm untergeben war der mit der Exezierausbildung beauftragte Sargento Mayor (etwa Major/Oberstleutnant); er war zugleich stellvertretender Kommandeur. Als Befehlshaber mehrerer Tercios gleichzeitig war der Maestre de campo general (Generaloberst), seit 1540 der zweithöchste Dienstgrad der Armee. Der Teniente de Maestre de campo general (etwa „Generaloberst-Leutnant“, vergleiche Feldmarschallleutnant) war sein Stellvertreter. Die Ränge oberhalb des Capitans zählten zu den Oficiales Mayores (Ober-Offiziere) oder Cabos (etwa: Chefs); diese (mit Ausnahme des Sargento Mayor) wurden vom König oder dem Capitán general (General-Kapitän; der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte) berufen. Die oberen Regimentsoffiziere konnten auf Anforderung am Kriegsrat der Generale beratend teilnehmen. Seit 1630 rangierte der Gobernador de las Armas y Ejército (etwa „Heeres-Gouverneur“, d.h. stellvertretender Oberbefehlshaber der Heeres) zwischen dem Generaloberst und dem Generalkapitän; gegen 1640 bildete der Sargento General de Batalla (etwa „Generalwachtmeister der Schlacht“) eine weitere Stufe direkt oberhalb des Maestre de Campo“. [wikipedia]

Tergiversation: Kehrtwendung, Lüge.

tergiversieren: kehrt machen, lügen.

Territion: Zeigen der Folterinstrumente. Teilweise wurden den Angeklagten bzw. Verdächtigten die Folterwerkzeuge auch angelegt, aber ohne Schmerzen zu verursachen. Dies wurde häufig bei der Inquisition als Vorstufe der peinlichen Befragung benutzt. Teilweise wurden dort auch besonders grausam erscheinende Instrumente gezeigt, die in der Praxis nie zum Einsatz kamen, sondern einzig dem möglichst wirksamen Ängstigen des Verdächtigen dienten. Mit der Constitutio Criminalis Carolina (1532), dem Strafrechtskodex Karls V., wurde die Schreckung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Bestandteil der Strafrechtspflege [WIKIPEDIA].

terstont: sogleich, augenblicklich.

Terzerol: Taschenpistole, auch „Sackpuffer“ genannt, eine kleine Vorderladerpistole. Es existieren ein- und doppelläufige Ausführungen. Als Zündmechanismus diente dem Terzerol ab dem 17. Jahrhundert ein Steinschloss.

testa machen: vernichten.

Testimonium: Zeugnis.

Teufelsglaube: Selbst eine wahrscheinliche Desertion wird v. dem Osnabrücker Protestanten Bellinckhausen entsprechend ausgeschlachtet: „A[nn]o 1630, 4. Aprilis, in der nacht zwischen 11 und 12 uhrn ist ein soldat, Adam […] unter haubtman Marschalck gelegen, vom bett aufgestanden, zum hause außkommen und man weyß nicht, wo er blieben. Man sagt, der teufel habe ihn weggefurt, dan da er nun letzt auf der neuen statt in der wittiben Annen Vogelsangs seligen Reyneken Kocks, beckers, behausoing 3 viertel jahrs gelegen im quartir. Derselben wittiben habe ich gefraget umb das verhalten des gemelten soldaten. Darauf sie zu mir gesagt, er sey furerst ein dieb gewesen, ein verächter Gottes und seins h[eiligen] worts, dan wan sein weib in buchern gelesen, hat er sie bespottet, sey auch ein sauf auß und recht Epicurier gewest. Item andere leute sagen, wan er zu bett gangen oder von bett aufgestanden, nymmermehr an Gott gedacht, auch nicht das geringst gebett fur oder (49r) nach der malzeytt getan, sondern stets geflucht, geschworn, Gotts h[eiligen] nahmenn gelästert, geschendet und myßgebraucht. Hat auch kurtz fur seiner hinfahrt gesagt, er must nun balt darvon, sein [zeytt] wer nun fast umb, hat sein mußquetten auf den tisch gelägt und gesagt, wan der sathan keme und wolt ihn weg holenn, so wolt er ihn durch schießen. Man weiß nicht, wo er ist hinkommen. Gott ists allein bekand. Dieser gottlosen und teufelschen gesellenn seind noch etliche mehr verlohrn, das man nicht weiß, wo sie hinkommen. Es ist aber schrecklich zu horen und sagen, das man leyder in unser statt so ein gottloß gesinde hat. (49v) Man mag heute woll mit warheyt sagenn: Der teufel ist nun gantz und gar außgelaßenn“. TEGEDER; KREIENBRINCK, Bellinckhausen, S. 32f. Vgl. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 241 (1647): „So ist aber ein solches ungewüdter, luft, saußen und braußen eben zur selben zeit, wol 2 oder 3 tag und nacht lang, angestanden, daß vermaint, eß werde alle heyßer und palest zue haufen werfen, also und daß sich kain schüff von dannen sich möchte bewögen; hat man auch gänzlich dafürgehalten, haben solches (weilen diese Lapp- und Seeländer in dißer und dergleichen hexen- und unholden künsten wol erfahren und bey ihnen für ain freye kunst gehalten und paßirt) ungewidter selbsten gemacht und verzoberet. Dan man für gewiß gesagt, dass ain ganzes regiment under ihnen dem schwarzen Caspar ergeben und verschriben seye, welcher ihnen den weg naher dem Haagen als vorher geloffen und paßiert. Wie dan auch von Eyßne oder Kämpten wird bericht, daß sie ihnen den M. Hämmerlein [Henker; BW] in ainem glaß gezaiget: diß seye ihr obrister, deme seyen sie verlobt und geschworen, deßen seyen sie mit leib und seel versprochen, dere ihnen trewlich halt und sie ihme redlich dienen“.

Teufels Segen: Fluch.

„Teutsch“: Schon Bernhard v. Weimar hatte auf deutsche Soldaten gesetzt, weil sie ihm loyaler erschienen; ACKERMANN, Vom Feldherrn, S. 2234. Deutsche wurden wie nach der Eroberung v. Schloss Zeitz (1644) untergestossen, Nationalschweden dagegen gegen Ranzion freigelassen; LATOMUS, Relationis Historicae Semestralis Continuatio (1644), S. 60. Der Begriff ist irreführend angesichts der schon damals üblichen ethnischen Zusammensetzung. Vgl. auch SCHEIBLE, Die Schlacht, S. 172: Das Regiment Gil de Haes hatte am 11.10.1644: „534 Deutsche, 218 Italiener, 15 Franzosen, 24 Lothringer, 47 Burgunder, 26 Griechen, 54 Polaggen, 5 Ungarn, 51 Capoleten, 2 Kroaten, 1 Irländer, 11 Spanier, 1 Sizilianer, 2 Schottländer, 14 Böheimb, 15 Türken, 18 Dalmatier, zusammen 1.034 Mann“.

Theriak [Tiriackes]: teueres Heilmittel, das u. a. Opium u. Schlangenfleisch enthält, als Allheilmittel gegen Syphilis, Pest und Cholera verwendet.

thrasonisch: großsprecherisch, prahlerisch.

thürgericht: ein steinernes Torgericht, Portal.

Tifft: Nebel, Reif.

Tillyschen Prozeß machen: aufhängen lassen, bezieht sich auf die häufigen Hinrichtungen unter Tillys Kommando Anfang der zwanziger Jahre.

Tinghaus: Gerichtsgebäude.

Tipel: Geschwüre.

Tirailleure: „in aufgelöster Ordnung kämpfende Mannschaften der Infanterie, auch Plänkler genannt. Sie gehören zur leichten Infanterie. Anfangs kämpften die mit Arkebusen bewaffneten Soldaten allgemein außerhalb der streng geordneten Gefechtsformation Gewalthaufen, um mehr Platz zum Zielen zu haben. Gleichzeitig war ihre Bewegungsfähigkeit im Gelände nicht so stark eingeschränkt wie die des Gewalthaufens. Mit dem Fortschreiten der Waffentechnik und der Erfindung des Bajonetts, das die Pike der Pikeniere ablöste, wurde schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts diese Taktik in Europa durch die geschlossenen Formation weitgehend abgelöst. Nur die wenigen, mit gezogenen Büchsen bewaffneten Truppen wie die Jäger, die Freibataillone und schlechter ausgebildete Milizen und Freischärler behielten das zerstreute Gefecht bei“ [WIKIPEDIA]

Tiriackes [Theriak]: teueres Heilmittel, das u. a. Opium u. Schlangenfleisch enthält, als Allheilmittel gegen Syphilis, Pest und Cholera verwendet.

Tisch: 1 Tisch wurde zumeist zu zehn bzw. 15 Personen gerechnet. Je mehr Tische bei einem Gastmahl aufgestellt wurden, desto höher waren der Rang u. die Reputation des Gastgebers.

titulo possessionis: unter dem Vorwand des Eigentums.

Tobagk schmäuchten: Hier sind sehr wahrscheinlich Kroaten gemeint, bei denen das Tabakrauchen oder „Tabaktrinken“ sehr verbreitet war. Allerdings glaubte man damit auch Verstopfung und Parasitenbefall bekämpfen zu können. => Tabak trinken.

Tobfieber, tobendes Fieber, Kopffieber: Enzyphalitis (Gehirnentzündung), Meningitis (Hirnhautentzündung).

„tödlich verwundet“: lebensgefährlich verwundet.

Tod aus den eigenen Reihen [„friendly fire“]: Nachdem einheitliche Uniformen bzw. die Kennzeichnung v. eigenen Streifparteien fehlte, kam es immer wieder zu Todesfällen in den eigenen Reihen. Der Hildesheimer Dr. Jordan über die Schlacht bei Hessisch-Oldendorf (1633); SCHLOTTER, Acta, S. 80: „so der Obrist Ranzow [Burchard v. Rantzau; BW], – welcher von seinen eigenen Leuten, die ihn nicht gekannt, und D. Wort nicht gewußt, übel gequetschet und bald gestorben“. Das „Journal der Armee“ Bernhards v. Sachsen-Weimar hält unter dem 18.6.1637 fest; LEUPOLD, Journal, S. 327: „Dato gegen Abent liefen ezliche desmondirte Reüter von sich selbsten auß, und alß sie Ritmeister Nißmitz von des Obristen Rosen mitt einer Party angetroffen, haben sie einander vor Feindt gehaltenn und Feüer geben, da dann zwene zu Fuß und dem Ritmeister ein Pferd erschoßen worden. Endlichen haben sie einander erkennet und seindt die zu Fuß fortgangen und andern Tages früe mit 20 Pferden wieder zurück kommen“. In der Schlacht bei Mergentheim am 5.5.1645 soll es nach einem Bericht an Maximilian I. derart unübersichtlich zugegangen sein, „daß sogar Eurer Churfürstlichen Durchlaucht aigne reichsvölckher 2 compagnien von den ihrigen heftig chargiert unnd ihnen zimblich schaden gethann, ehe sie gewust, daß solliche von ihren eignen völckhern“. GREINDL; IMMLER, Die diplomatische Korrespondenz 2. Bd., 2. Teilband, S. 358. Zum Teil muss man wohl auch davon ausgehen, dass hier Soldaten ihnen missliebige Offiziere bei günstiger Gelegenheit töteten, wie etwa im Fall Tavigny. Auch Franz v. Mercy soll von einer Kugel aus den eigenen Reihen getötet worden sein. Der kaiserliche Obrist Friedrich v. Baerß soll am 23.7.1643 beim Überfall Königsmarcks auf Halberstadt v. den eigen Soldaten erschossen worden sein; LEUSCHE; HENTRICH (Hg.), Hermann Böttcher, Halberstadt im 30jährigen Kriege, S. 217f.Eine Reihe ähnlicher „Todesfälle“ wird sich heute dagegen wohl nicht mehr aufklären lassen. Der Hildesheimer Chronist, Arzt u. Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 10./20.6.1632; SCHLOTTER, Acta, S. 44: „Mittags umb 12 Uhr schicket der von Bappenheim 12 Compagnia Reuter, umb den Stewrwald zu entsetzen und mit Kraut und Loth zue versehen, komen uff das Dorff Barnten beym Calenberge zue, darein 4 Compagnia Finnen lagen, eben unter der Predigt, wie ihnen nun des Feindes Ankunft vermeldet, reiten 6 Finnen hin aus, die den Feind so lang uff halten, bis die übrige herauskömen, die eine ebene Weil mit ihnen charchirt, bis die Bappenheimische ihnen ein Cornethen nemen, darauf setzen die Finnen zue ihnen hinein, bekomen ihr Beuth wieder und nemen vom Feind eins dazue, erschoßen den Rittmeister, und weil ihnen von Baudißin Succurs zue komen, geben die Bappenheimische die Flucht, darüber Rittmeister Hanß Jorgen Madeloh von Bonigkhausen Regiment It: ein Leutnand und Fähndrich gefangen werden und fast an die 100 niedergehawen, von den Finnen seyn 13 geblieben nebest etzlichen, so ihnen succuriren wollen, so zum theil unerkannter Weise von den Finnen selbst erschoßen“. Der Überlinger Ratsherr Dr. Pflummern berichtet über den Rückzug der eigenen Truppen nach dem missglückten Angriff auf Babenhausen (1633), SEMLER, Tagebücher, S. 47: „Daselbst sie in daß ander vnglückh geraten, dan ihnen deß Mercy tragoner, so zum succurs geschickht, entgegen kommen vnd gefragt, waß volckh diß währe, vnd alß einer von den commandanten geantwortet, sie währen königisch [gemeint war Franz Peter König, gen. v. Mohr; BW], haben es die tragoner für königisch schwedisch verstanden vnd alsbald fewr geben, darvon manicher reütter auß dem sattel gehebt, die vbrige aber in völlige confusion gebracht, vnd alß sie mit der flucht sich hinder die mauren der statt Memmingen zu salvirn vermaint, seyn allda auch nicht eingelassen worden, haben also in einem dorff außer der statt nachtquartier nemmen vnd all augenblickh deß feindts veberfall erwarten müeßen, welcher sie auch, da er nhur gevolgt, leichtlich gantz aufschlagen mögen“. Konflikte unter den Armeeangehörigen waren an der Tagesordnung. Vgl. die Beschwerden Isolanos bei Piccolomini [TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1148, S. 359] über die schlechte Militärzucht u. gegenseitige Angriffe der kaiserlichen Soldaten, die nach seiner Ansicht durch eine mangelhafte Aufteilung u. schlechte Quartiere verursacht seien. Bei Hanau sei es zu Schlägereien zwischen Kroaten u. Soldaten Bredas gekommen. Letztere hätten wie Räuber den Tross des Kroatenregiments Révay geplündert u. einen kroatischen Leutnant erschlagen. Die kursächsischen Soldaten lägen in Eisenach u. verhielten sich nicht feindselig. Aber zwischen deutschen Dragonern u. Kroaten fänden Raufereien in den Gassen der Städte statt, wo sie einquartiert seien. SCHMIDT, Chronica Cygnea, S. 606 [Zwickau 1640]: „Den 29. May [1640] ist bey früer Tagzeit / ein Troupp Reuter / etwan von 25. Pferden / vor dem Frauenthor ankommen / die haben in die 800. Schaffe zu verkaufen mitbracht. Als aber die Reuter gegen Abend in trunckener Weise davon geritten / hat einer den andern / wegen eines Hundes / welchen er verwundet / vom Pferde geschossen / daß er noch zeitlicher als der Hund / auff dem ersten Stück Acker am Frauen-Anger gestorben. So hoch achteten diese Leute einen Menschen / auch ihres eigenen Volcks“.

tolk: Dolmetscher.

toll und voll geschoßen: sturzbetrunken.

tollisieren: toben und lärmen, es toll treiben.

Tonne: 1 Tonne (Wernigerode): 240 Pfund.

Tonne (Uckermark): 1 Tonne = 100 Quart = ca. 115 Liter.

Tonne: 1 Tonne (Amsterdam) = 157,25 Liter; 1 Tonne Heringe (Riga) = 96 Stoof = 6171,6 Pariser Kubikzoll = 122,42 Liter.

Tonne: 1 Tonne (Danzig) = 97580 Gramm; 1 Tonne (Frankfurt/M.) = 1010694 Gramm; Tonne (Hamburg) = 108553 Gramm; 1 Tonne (Lippe-Detmold) = 189400 Gramm; 1 Tonne (Preußen) = 189400 Gramm; 1 Tonne (Siegen) = 46760 Gramm.

Tonne Biermaß: 1 Tonne = ca. 103 Liter; nach PARISIUS, Das vormalige Amt Lauenau, S. 223.

Tonne Gold: 100 000 Rt.

Toparcha: Amtmann.

Topfgranate: mit Brandsatz gefüllter Topf mit vier Henckeln, die eine mit einer Sprengladung gefüllte kleine Granate enthielt, manchmal in der Literatur mit Sturmtopf verwechselt.

Torkel, törckel: Kelter.

Torkelhaus: Kelterhaus.

Torment: jede zum Tod führende Krankheit.

„Torstensson-Krieg“ zwischen Schweden u. Dänemark-Norwegen 1643-1645: „Er begann am 12. Dezember 1643 ohne formelle Kriegserklärung mit einem Überraschungsangriff der noch in Norddeutschland befindlichen schwedischen Truppen auf die dänischen Landesteile in Holstein. Im Januar eroberten schwedische Truppen unter dem Kommando Lennart Torstenssons schließlich die gesamte jütländische Halbinsel. Im Februar 1644 rückten schwedische Truppen unter dem Kommando Gustaf Horns auch in das dänische Schonen ein und eroberten unter anderem Helsingborg und Landskrona, während die Festungen in Malmö und Kristianstad (dänisch: Christiansstad) den Angreifern standhielten. Dieser Teilkrieg wird auch als Hornkrieg bezeichnet. Am 1. Juli 1644 gewann der dänische König Christian IV. die Seeschlacht auf der Kolberger Heide vor der Kieler Förde, bei der er ein Auge verlor. Sein Reichsadmiral Jørgen Vind wurde tödlich verwundet. Auf dieses Ereignis bezieht sich noch heute die dänische Königshymne Kong Kristian stod ved højen mast. Am 13. Oktober desselben Jahres verlor die dänische Flotte jedoch eine Seeschlacht zwischen Fehmarn und Lolland gegen eine vereinte schwedisch-niederländische Flotte. An der norwegisch-schwedischen Grenze stellte der dänische Statthalter in Norwegen, Hannibal Sehested, ein Bauernheer auf und griff vom damals noch norwegischen Jämtland (norwegisch: Jemtland) aus schwedische Truppen an. Dieser Teilkrieg wird auch als Hannibalfehde bezeichnet. Der Krieg endete 1645 mit dem Frieden von Brömsebro. Dänemark-Norwegen musste die Ostseeinseln Gotland und Saaremaa (deutsch und schwedisch: Ösel) und die norwegischen Landesteile Jämtland und Härjedalen an Schweden abtreten. Halland wurde für 30 Jahre an Schweden verpfändet. Weiter wurden schwedische Schiffe vom Sundzoll auf dem Öresund befreit“ [wikipedia]. Vgl. ROBL MATZEN, Der Schwedisch-Dänische Krieg 1643–45, S. 289–308; WETTERBERG, Kanslern. Del 2, S. 789-808; DANSK UDENRIGSPOLITIKS HISTORIE, 1. Bd., S. 457-463; ÖHMANN, Der Kampf um den Frieden, S. 185-199.

tort: Unrecht, Verdruss, Schaden, Spott, Hohn.

Tortio: Leibschmerzen.

Torto [it.]: Unrecht.

Tortur: scharfe, „peinliche“ Frage, Marter, Peinigung, Folter. „1498 beschloss der Reichstag von Freiburg „eine gemeine Reformation und Ordnung in dem Reich führzunehmen, wie man in Criminalibus procedieren solle“. Fünf Reichstage befassten sich in Folge mit der geforderten Regelung von Strafverfahren. Der 1532 in Regensburg abgehaltene Reichstag stimmte der „Peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karls V.“ zu. Besonders eingehend regelte dieses neue Gesetz die Folter. Sie durfte danach nur angewendet werden, wenn gegen den Beschuldigten schwerwiegende Verdachtsgründe vorlagen und wenn diese Verdachtsgründe durch zwei gute Zeugen oder die Tat selbst durch einen guten Zeugen bewiesen waren. Vor der Entscheidung über die Anwendung der Folter müsse dem Angeklagten Gelegenheit zur Entlastung gegeben werden. Selbst bei feststehenden Verdachtsgründen dürfe nur gefoltert werden, wenn die gegen den Angeklagten vorliegenden Gründe schwerwiegender als die für seine Unschuld sprechenden Gründe seien. Das Maß der Folterung habe sich nach der Schwere der Verdachtsgründe zu richten. Ein unter der Folter abgelegtes Geständnis dürfe nur verwertet werden, wenn der Angeklagte es mindestens einen Tag später bestätige. Auch dann müsse der Richter es noch auf seine Glaubwürdigkeit überprüfen. Der Gebrauch der Folter entgegen den Vorschriften des Gesetzes müsse zur Bestrafung der Richter durch ihr Obergericht führen. Die Peinliche Gerichtsordnung führte eine Reihe von Schutzklauseln zu Gunsten des Beschuldigten ein. Gemessen an den Maßstäben der Zeit war es fortschrittlich. Aber auch nach diesen Maßstäben wies es Lücken auf. Vor allem regelte es nicht Art und Maß der Folter und die Voraussetzungen ihrer wiederholten Anwendung, sondern überließ all dies der „ermessung eyns guten vernünfftigen Richters“. Insofern brachten manchmal erst spätere Territorialgesetze nähere Regelungen, z. B. die bayerische Malefiz-Prozessordnung von 1608. Im Großen und Ganzen hat die Peinliche Gerichtsordnung, die als Reichsrecht erst mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 das Ende ihrer Geltung fand (als Landesrecht konnte sie auch später noch angewendet werden), ihr Ziel zurückhaltenderen Foltergebrauches wohl erreicht“ [Wikipedia].

Totenbaum: Sarg.

Totenbord: Totentrage.

Totengräber: seit dem Mittelalter ein verachteter „unehrlicher Beruf“ (Exklusionsmerkmal der Ständegesellschaft), den meist der Freiknecht mit zu übernehmen hatte. Der Freiknecht hatte dem Scharfrichter bei Hinrichtungen zur Hand zu gehen, Selbstmörder vom Strick zu schneiden oder in eine Tonne zu spunden, Tierkadaver zu entsorgen, und andere henkerliche Nebentätigkeiten zu verrichten. Vgl. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 50ff. In Pestzeiten ein durchaus lukrativer Erwerb, der auch von „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurde, was dem anderthalbfachen Jahreslohn eines bäuerlichen Dienstboten entsprach. Auch wurde als Belohnung für diese Tätigkeit während der Pest das Bürgerrecht eingefordert; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 403.

Totenschild: eine recht kostenaufwendige „Totengedenktafel für einen männlichen Verstorbenen aus dem Adel oder dem ratsfähigen Bürgertum. In einer Kirche oder Kapelle aufgehängt, erinnert sie in heraldischen Formen durch Wappen und Inschrift an den Toten. Der Brauch hatte seine Blütezeit im 16. Jahrhundert und verlor sich allmählich in den folgenden zweihundert Jahren. Das Epitaph, ein Grabdenkmal aus Holz oder Stein, übernahm seine Funktion“ [WIKIPEDIA]. Daneben gab es auch bestickte Totenfahnen.

Tötung v, verwundeten u. versprengten Soldaten: Zur Schlacht bei Stadtlohn am 6.8.1623; [Quelle 1081] Warhafftiger vnd eygentlicher Bericht Des gewaltigen Treffens, S. 352: „da es dann an ein jämmerlich Metzgen gangen / darinn sich die Crabaten sonderlich mit jhren Säbeln gebraucht / vnd weder der Jung noch Alt verschont / also daß es Herrn General endlich selbst gedawret / vnd mit Trompeten Schall außruffen lassen / mit weiterm Todtschlagen auffzuhören / vnd den Rest / was sich in die Wäld / Morast vnd sonst salvirt / gefangen zu nemmen. Gantze Corporalschafften sind auf jhren Knyen mit jhren Befelchshabern gelegen / vnd mit auffgehabenen Händen vmb Quartier geruffen“. WASSENBERG, Florus, S. 108f., zu dem Massaker nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626): [ … ] „das Fusvolck ward jämmerlich darnieder gemetzget. Vnd ist fast vnmüglich / der Fliehenden / Verwundten / vnnd Erschlagenen Klagen / Heulen vnnd Vnordnung zu beschreiben. Vnd zwar / wann die Keyserischen betrachteten / wie sawer jhnen die Victori zu erfechten geworden / hat es sie deß zu blutgieriger gemacht. Sie flohē in die wälder vñd wurden mit Säbeln von einander gehawen. Sie [S. 109] stiegen auff die Bäume / vnd wurden wie Vögel herab geschossen. Sie verhielten sich in dē Hecken / vnd wurden mit Spiessen zu tode gestochen“. Nach einer Nachricht in den Akten des Staatsarchivs Bückeburg aus dem Jahr 1633 betrug nach der Schlacht bei Hessisch Oldendorf (1633) die Zahl der Gefallenen 6.534, die der Gefangenen zwischen 1.700 u. 1.800 Mann; ZARETZKY, Flugschrift, S. 7, 3; darunter waren allein 1.000 Weiber; RIEZLER, Baiern Bd. 4, S, 170. Der Söldner Sir James Turner über das Abschlachten nach der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf (1633); TURNER, Memoirs, S. 5f.: „After this battell, I saw a great many killd in cold blood by the Finns, who profess to give no quarter“. Anscheinend hatten sich auch die Soldatenfrauen u. Trossweiber der Konföderierten an dem Gemetzel an den Kaiserlich-Ligistischen beteiligt; Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 117 (Abschrift, PS): August Erich an Johann Ernst v. Sachsen-Eisenach, Kassel, 1633 VI 30 (a. St.): „Unter andern sagt mann auch, dz ein solcher eÿwer unter den soldaten weibern gewesen seÿ, daß die Heßische und Schwedische sambt andern soldaten weibern die Merodischen und Gronsfeldischen mit meßern unnd gewehr darnieder gestoßen, und ihnen ihre kleider sambt andern außgezogen und abgenommen“. Der Tötungsbefehl Knyphausens war möglicherweise die Revanche für den Befehl der bayerischen Kriegskanzlei beim schwedischen Rückzug aus Bayern, die Kroaten sollten alle „hinterblibene[n] Schwedische – sei gleich gesund oder kranke [Zusatz] – , welche sie auf den straßen und an andern unterschidlichen ohrten und anders antreffen, unfehlbar niedermachen“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2416, fol. 213: Bescheid der bayr. Kriegskanzlei, Stadtamhof, 1632 VI 10. ENGLUND, Verwüstung, S. 124: „So wurde eine Gruppe von 50 Schweden von einem großen Bauernhaufen nördlich von München überrascht. In einem Ausbruch kalter Raserei schnitten die Bauern den Soldaten Ohren und Nasen ab, hackten ihnen die Hände und Füße ab und stachen ihnen schließlich die Augen aus, worauf sie die Opfer lebendig ihrem Schicksal überließen. Die Antwort des schwedischen Heeres kam unmittelbar: An einem einzigen Tag sollen als Rache 200 Dörfer niedergebrannt worden sein“. MAHR, Monro, S. 173f.: „Auf dem Marsch verübten die Bauern Grausamkeiten an unseren Soldaten, die seitwärts zum Plündern weggingen, indem sie ihnen die Nasen und Ohren abschnitten, Hände und Füße abhackten und ihnen die Augen ausstachen, dazu andere Untaten begingen, die ihnen die Soldaten sofort heimzahlten. Sie brannten auf dem Marsch viele Dörfer nieder und brachten die Bauern um, wo man sie antraf. Eine starke Abteilung des Herzogs von Bayern glaubte, die Schweden in ihren Quartieren überrascht zu haben, aber sie fiel selbst in die Grube, die sie anderen graben wollte, so daß nur wenige den Schweden entrannen und mit dem Leben davonkamen“. Vgl. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 123, Anm. 59: „Herzog August von Sulzbach verwendete sich bei Gustav Adolf für die Schonung der Untertanen seines Vetters Maximilian und setzte auch durch, daß 2 Rgt. beauftragt wurden, dem Niederbrennen Einhalt zu gebieten“. ENGLUND, Verwüstung, S. 261f.: „Kleider waren kostspielig. […] Dies erklärt, warum man Gefangenen und Gefallenen in den Feldschlachten die Kleider auszog. In der schwedischen Armee versuchte man in der Regel, solche von Kugeln durchlöcherten und blutgetränkten Kleidungsstücke zu sammeln, die gewaschen und geflickt und nach Hause gesandt wurden, wo man die neu Ausgehobenen in sie hineinsteckte“. Von den Kämpfen um Freiburg (1644) wird berichtet, LATOMUS, Relationis Historicae Semestralis Continuatio (1644), S. 83: „Ja es ist so grosse Fury der Frantzosen / dz in deme zu 4. Vhren Nachmittags ein starcker Schlagregen eingefallen / wodurch der Streit in etwas erkühlet vnd nachgelassen hat / selbige (weil sie jhr Gewehr nicht recht brauchen können:) den Chur-Bäyerischen Soldaten / deren sie damaln mächtig werden können / mit den Brotmessern die Gurgel abgeschnitten“. So schrieb Maximilian I. am 10.7.1645 an Franz v. Mercy; SCHEIBLE, Die Schlacht, S. 31, Anm. 43: „Schließlich werdet ir von unserm Obristen Camerer Graf Khurz [Maximilian Kurz Graf v. Valley, gen. Ahamstein, Freiherr v. Senftenau u. Toblach [10.7.1595 München-10.7.1662 München], Geheimer Rat, bayerischer Obristkämmerer (1643) u. Obersthofmeister 1648] vernemmen, waß der Tourraine wegen des Treffens bey Herbsthausen [Schlacht bei Mergentheim (Herbsthausen) am 5.5.1645], und bevorab in specie wegen Nidermachung der Franzosen in Franckhreich (Franken) und anderer Orthen geschriben, gleichwie aber die Notturfft erfordert, solches durch ein Manifest abzulainen. Alß werdet Ir Ime Obristen Camerer, waß Ir deßwegen zu schreiben vermaint, an die Handt zu gehen wissen“. Vgl. CHEMNITZ, Königl. Schwedischen in Teutschland geführten Kriegs 5. Buch, 30. Kap., S. 118: „Gestalt auch die jennige, so man folgends allerdings vermisset, nicht alle auf der Wahlstadt vnd vorm Feinde geblieben, sondern, dieweil Sie in der flucht zerstrewet, vnd entzel, oder mit kleinen parteyen ins Land verlauffen, oder verritten, deren ein gros theil von den Würtzburgischen Beambten vnd ausschus am Mäyn vnd im Spessart todt geschlagen worden“.

tournieren: sich lärmend und tobend aufführen.

touven: (er)warten, zögern, bewirten.

tovehr: Zufuhr.

Trabant: zur Leibwache gehörender Fußsoldat; Diener.

Trabantengarde: besondere Truppe aus bewaffnete Dienern oder Leibwächtern, die fürstliche und andere vornehme Adelige unterhielten und von denen sie sich beständig begleiten ließen. Es war lange Zeit Sitte, sie nach span. Art in kurze weite Beinkleider und ein Wams zu kleiden und mit Hellebarden und Stoßdegen zu bewaffnen. Später wurden sie auch beritten gemacht und zum Theil entstanden aus ihnen die späteren Garde du Corps.

Trabharnisch: „Den Beschreibungen Wallhausens zufolge bestand die Ausrüstung der Arkebusierreiter aus einer Schützenhaube, einem Ringkragen, einem Bruststück sowie einem als optional eingestuften Rückenstück. Bei Weglassen des Rückenstücks wurde das Bruststück als sogenannte Kreuzbrust getragen, welche mit überkreuzten, metallbeschlagenen Riemen am Leib des Trägers zu fixieren war“ […]“Der Trabharnisch war folglich bis zum Beginn des Dreißigjährigen Kriegs einer reduzierten Schutzbewaffnung gewichen, die sich auch im militärtheoretisch beschriebenen Idealfall auf einen offenen Helm, einen Ringkragen und eine Harnischbrust mit oder ohne Rückenstück beschränkte“ [wikipedia]. Leichter Reiterharnisch ohne Rüsthaken und Unterbeinzeug mit Sturmhaube, Achselkragen, Brust mit Schößen, Rücken, Armzeug und Handschuhen. Im 16. Jahrhundert mit Ringelpanzer-Ärmeln kombiniert.

Traicher: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten !

Traktament: Verpflegung(s)gelder, Bewirtung, Besoldung; Gastmahl: Eigentlich durfte nur der übliche Servis gefordert werden: die dem oder den einquartierten Soldaten zu gewährende Unterkunft und Verpflegung, festgelegt in den jeweiligen Verpflegungsordnungen. „Servis“ definiert sich als die Abgaben des Hauswirts an den/die einquartierten Soldaten an Holz, Licht und Liegestatt (Heu und Streu), im Niedersächsischen kam noch Salz dazu; Kleidung, Ausrüstung etc., wurden verbotenerweise verlangt; Essen und Trinken fielen auch nicht darunter, wurden aber trotzdem eingefordert. Stattdessen konnte auch die sogenannte „Lehnung“ gegeben werden. Alle zehn Tage war diese Lehnung für die schwedischen Truppen zu entrichten, bei den unteren Chargen für Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den untersten Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. Dazu kam für den gemeinen Soldaten in der Regel täglich 2 Pfund Brot (zu 8 Pfennig), 1 Pfund Fleisch (zu 16 Pfennig) und 1 Kanne Einfachbier (2, 02 Liter zu 8 Pfennig).

Tram: Balken.

Transgressor: Übeltäter.

transigieren: verhandeln, Vergleichsverhandlungen pflegen.

Trappier: zuständig für die Beschaffung und Verteilung aller Kleidung (unter den Bedingungen des Mittelalters sehr wichtig) des Deutschen Ordens. Später reduzierte sich die Bedeutung auf ein bloßes Ehrenamt.

travaglien: Mühsale, Plagen.

travaglieren: erarbeiten, sich anstrengen, sich bemühen.

Trenchée: STURM, Der wahr Vauban, S. 157: „Diese Wercker mit einander, vermittelst derer man sich einer Vestung nähert, und durch welche man sie, sich zu ergeben, nöthiget, werden überhaupt unter dem Französischen Namen der Trenchéen begriffen, und bestehen in Waffen-Plätzen, Aproschen (Lauff-Gräben), Bujonen, Communications-Gräben, Batterien, Logierungen und Sappen (Untergrabungen), an welche man endlich die Galerien anhänget: Von diesen Dingen allen wird hier einige Meldung geschehen, damit man dem Leser einigen Begriff gebe. Wann die Trenchéen eröffnet werden, welches 800. biß 1000 Schritt weit von der Contrescarpe geschiehet, (wiewohl diese Regel nicht allgemein ist, diese Eröffnung so nahe an der Vestung zu thun, als man kann): so richtet man gleich bey dem Anfang, welche die Franzosen à la queuë (an dem Schwanz oder Ende) der Trenchée nennen, einen Plan mit Faschinen, Sand-Säcken, aufgehäuffter Erde und dergleichenDingen, gegen das Geschütz der Vestung, zu, um denjenigen, welche die Arbeiter bedecken, zur sichern retirade zu dienen. Diese Leute sind nun meistens von der Reuterey, dann das Fuß-Volck wird in die Aproschen commandiret. Von dar aus gräbt man einen Graben, die 4. Schuhe tief und anfänglich nur 4. biß 6. Schuhe breit ist, und häuffet die Erde an der Vestungs-Seite auf. Ein solcher Graben wird nicht über 40. Ruthen lang gemacht, und die Arbeit geschiehet zu Nachts. […] Vor allen Dingen muß man cht geben, daß dieser Graben weder aus der Vestung, noch aus Gegen-Aproschen oder Blockhäusern, welche die Belagerten bauen könnten, beschossen werden möge“.

trenches: Schützengräben.

tregua: Waffenruhe; Pause.

Tressler: Verwalter das Finanzwesen des Deutschen Ordens.

Tribuliersoldat: Soldat, der Schatzung und Steuer aus der Bevölkerung zu pressen hat; auch Executor; sinngleich mit Fress- und Pressreiter: Fress- und Pressreiter: Vgl. WINTER, Möser, S. 16: „Den 15. August [1626], da wir ungefähr ein acht oder neun Tage ohne sonderliche Einquartierung gewesen, zeucht der Oberste Altringer herein, nimmt sein Quartier bei Berendt von Werdensleben, der ihn nicht so gequälet wie der [Johann Ernst] von Scharffenberg [Scherffenberg; BW], gleichwohl aber thun ihm hernach seine Diener auch Dampfs genug an. (Scharffenberg hat ihn auf einmal zur Aengstigung eine ganze Compagnie seiner Reiter ins Haus gelegt, die Tag und Nacht gesoffen und gefressen, welchen er Wein und Bier geben müssen, ungeachtet es des Obersten eigenes Quartier gewesen, haben ihn auch sonst mit Zerschlagen der Tische, Bänke etc. nicht geringen Schaden gethan. Den andern Tag hat er sie wieder herausgenommen). Altringer war Oberster zu Fuß, hat 16 Compagnien, jede zu 300 stark gehabt, endlich ist sein Regiment in die 5000 stark worden“.Generallandesarchiv Karlsruhe 77/3607 (Kopie): Ritterschaft in Schwaben an J. Fr. v. Württemberg, 1627 III 19. Am 30.12. 1630 v. Tilly abberufen, nahm Cronberg viele Tonnen Beute mit und hat doch „ein Gestank von etlich Preßreitern hinterlassen, damit sie noch mehr Geld von den armen in Grund verderbten Bauren herauszwingen“ konnten. ZILLHARDT, Zeytregister, S. 133: Sie „sind in das landt komen wie die lumpige und laußige bettler und sündt hinauß geriten wie lauter fürsten und graffen“. In den pfälzischen Gebieten hatten sie die Bevölkerung mit Misshandlungen u. Erpressungen drangsaliert, bis sie Anfang Mai 1627 nach Franken abgezogen wurden; MAIER, Unterpfalz, S. 77. Ende 1627 musste Maximilian I. den Ständen die Abführung zusagen; a. a. O., S. 86f. Nach EHMER, Grafschaft Wertheim, S. 169, hatte Tilly im November angekündigt, wegen der Erschöpfung des Niedersächsischen Kreises Cronbergs Regiment in die Grafschaft Wertheim verlegen zu müssen; 1627/28 lagen unter Berlo cronbergische Reiter dort, was der Abt v. Bronnbach im Mai dazu benutzte, die Dörfer Nassig, Dörlesberg u. Reicholzheim einzunehmen, die evangelischen Pfarrer zu vertreiben u. den katholischen Gottesdienst einzurichten. Vgl. das Auftreten Schönburg’scher Reiter im Kitzinger Raum; ZIMMERMANN, Schönburger Reiter;  das Kirchenbuch Buchbrunn; Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 2, 1980, S. 19: „Den 28. May um 2 Vhr mittags haben 30 Reuther ihre Quartier hier genommen und viel Geld den Leuthen abgenöthiget. Wer nicht Geld hat haben können, dem haben sie Ofen, Fenster hineingeschlagen, die Tische, Bänke, Truhen und Bettladen, auch die Ziegel von den Häusern und Dächern herabgeschlagen, das Getäfel aus der Stuben gehauen und die Betten zerschmieden, diese dann ausgeschüttet und die Pferde darauf getümmelt. Da sie mich (den Pfarrer) dann hin- und widergezogen, sonderlich um 6 Reichsthaler gebrandschatzt. Gott gebe ihnen den Lohn“. Der Widerstand der Einwohnerschaft wurde durch »Dragonaden«, zu denen die schlimmsten Elemente der Armee herangezogen wurden, gebrochen; BELLINKCHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabruggischenn handlung, S. 36 (1630): „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottloß diebesch und mordrisch volck, stehlenn heymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jauchtzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben maning magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden mußen. Ich gelaubs warlich, es mag kein boser volck auf erden gefunden werdenn, dan unse inquartirten soldaten“. Vgl. dagegen die Ordnung Wallensteins (1629); JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 217f.: „Über dieses sollen die Bürger den Befehlshabern und Soldaten anders nichts vor die Servicen als allein die Liegestatt, Holz, Salz und Licht zu geben schuldig sein, welches doch dahin zu verstehen, daß die gemeinen Befehlshaber und Soldaten sich mit des Wirtes Feuer und Licht behelfen und ihre Sachen dabei verrichten sollen . […] Dafern die Obersten und andere Officiere Reformierte und Aufwärter bei sich haben, sollen dieselben nicht von den Bürgern, sondern denjenigen, bei welchen sie sich aufhalten, unterhalten werden. […] An Kirchen, Schulen, Hospitälern, geistlichen Personen soll sich keiner vergreifen und dieselben in einigerlei Wege weder mit Einquartierungen oder Schatzungen beschweren. Auch keinen in seinem Gottesdienst hindern oder ärgerlich sein, bei Leib- und Lebensstrafe. […] Die fürstlichen und adeligen Häuser, welche Feindes Gefahr halber nicht notwendig müssen besetzt werden, sollen von der Einquartierung gantz exempt und befreit sein. […] Der reisende Mann oder andere, so ihrer Geschäften halber in der Garnison zu verrichten, sollen in keinem Wege aufgehalten, beleidigt noch mit einer Schatzung beschweret werden. Den Ackermann sollen die Officiere bei ihrem Feldbau schützen und in keine Wege sie davon zu verhindern gestatten“. Vgl. dagegen die Klagen der Pommern’schen Gesandten; JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 218ff.: „48. Ferner wann Officiere oder Soldaten über Land reisten, mußten die Inwohner des Landes, da noch ein Bissen Brot vorhanden, nicht allein solches, gleich [als] wäre alles gemein, ohne Bezahlung, sondern auch ihre Pferde oft auf 15 und mehr Meilen hergeben, welche sie entweder ganz nicht oder ja bis auf den Grund verderbt wiederbekämen; es geben auch nunmehr an etlichen Orten Unter- als Ober-Officiere Pässe aus, daß die Soldaten bemächtigt wären, Pferde wegzunehmen, wo sie anzutreffen. 49. Sonst wäre gar gemein, daß die Reiter und Soldaten aus den Garnisonen täglich ausritten oder liefen, die Dörfer fast alle Nacht spolierten und plünderten, den Bauern ihre Wägen, Pflüge und andere zum Ackerbau gehörige Instrumenta entweder weggeführten oder mutwillig verbrennten, die Leut prügelten und verwundeten, also daß dieselbige bisweilen wohl gar ums Leben kämen, die Häuser, woraus die armen leut mit solchen Prügeln und anderm barbarischen Procedieren […] vertrieben, niederrissen und das Hausgerät zerschlügen und verbrennten. Es wäre auch endlich mit Sengen und Brennen dahin geraten, daß ganze Zimmer […] gleichsam zum Lustfeuer gebraucht worden“. Zu Soldaten als Agenten der Sozialdisziplinierung PRÖVE, Dimension.

Tractamentgelder: Verpflegungsgelder.

Trägler: Arbeiter.

träher: Dreher, Drechsler ?

Traicher: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten !

Tram: Balken.

Tranchée: Laufgraben einer Festung.

Tranquilität: Ruhe, Frieden, Befriedung.

transigieren: ein Abkommen, eine Abmachung treffen.

Trappenlaur: Truppenwein: unedler, schlechter Wein, der z. T. aus dem Stiel und den Verzweigungen der Weinrebe oder dem Bodensatz beim Keltern hergestellt wurde.

tratto di corda: Wippe/Wippen/Schnellen; d. i. Ausstreckung und Ausdehnung der Glieder, besonders im Kurfürstentum Sachsen für Wild, Fisch- und Krebsdiebe. Vgl. auch DÖPLER, Theatrum poenarum, S. 900f. => Strapekorde.

Traubenhagel: „Traubenkartätschen, bei der Artillerie, eine Art Kartätschen, aus einpfündigen bis anderthalbpfündigen eisernen Kugeln bestehend, die um eine Spindel auf einen hölzernen oder eisernen Spiegel gereihet, mit einem leinenen Sacke überzogen, und mit Schnüren überstrickt sind; zuletzt wird der fertige Sack mit Brandkitt überstrichen, um das Glimmen des Sackes im Rohre zu verhindern. Sie werden nun in ein Stück geladen, da sie denn im Ausschießen zerspringen, und sich die Kugeln gleich einem Hagel ausbreiten“. [KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopaedie].

travaglieren: bearbeiten, sich anstrengen.

Treber: ausgelaugte Rückstände des Malzes bei der Bierherstellung (Biertreber) sowie auch ausgepresste Weintrauben.

Trenchieren: Schützengraben.

tregeln: Unzucht treiben.

Treibschnüre: Schnüre, die zu Folterzwecken mit Knoten versehen waren. => raiteln, reuteln.

Trenchement: Verschanzung, Schanze; eigentlich Retranchement: der nicht mehr zu verteidigende Teil einer Festung, der vom übrigen Befestigungswerk durch Brustwehr, Schanzkörbe und Palisaden abgetrennt wurde; allgemein: Verschanzung durch starke Brustwehr und Graben.

Tresor: Schranktisch mit Besteck und Gefäßen.

Trespe, Drespe: unter dem Getreide wachsendes Unkraut; Gras mit vielblütigen, in Rispen wachsenden Ährchen.

Tresterkraut: Presskuchen, die auf der Presse fest gepressten Trester Rückstände des Malzes bei der Bierherstellung (Biertreber) sowie auch die ausgepressten Weintrauben: „Trester sind die vorwiegend festen Rückstände, die nach dem Auspressen des Saftes von Pflanzenbestandteilen übrig bleiben. Insbesondere beim Weinbau (Pressrückstände der Weintraube) werden auch die Bezeichnungen Treber (in der Mundart oft als Tröber bezeichnet) oder Lauer verwendet“ [wikipedia]. Tresterkraut wurde zur Tierfütterung eingesetzt.

treuge Fleisch: trockenes Fleisch, Dörrfleisch.

Treves: frz. trêve: Waffenstillstand.

tribulieren: quälen, plagen, bedrücken, schikanieren. => Tribuliersoldat.

Tribuliersoldat: zwangseinquartierter Soldat, der die Aufgabe hatte, mittels übermäßigem Essen und Trinken, Einstellen von Pferden, Diebstähle und Verdrängung der Hausinsassen aus ihren Stuben die eingeforderten Kontributionen, „Verehrungen“ aus den Bewohnern besonders in den andersgläubigen Städten und Dörfern herauszupressen.

triet: Arzneimittel.

trillen: quälen, im Kreis drehen, hin und her stoßen. => Triller, Trillhäuschen.

Tripelschatzung: Dreifachsteuer.

Tripelsöldner: Söldner mit dreifachem Sold.

Trift: Weide, besonders Schafweide, benutztes freies Grasland oder Wald außerhalb der Feldmark; häufig Gemeindebesitz; auch Herde.

trillen: im Kreis drehen, hin und her stoßen.

Triller, Trillhäuschen: Haus, in das die Delinquenten gesetzt wurden, neben dem Haus des Henkers. Vgl. die Abbildung des Erfurter Domplatzes (1598) bei BEYER; BIEREYE, Geschichte.

Trinitatis: Dreifaltigkeitsfest (auch Dreieinigkeitsfest, Goldener Sonntag oder Frommtag genannt) am ersten Sonntag nach Pfingsten.

Tripelschatzung: Dreifachsteuer.

Trippel: Tumult, Unruhe, Durcheinander.

Trippelkecht, Trüpelknecht, Trüpelhilfsperson: geringer Knecht, auch Söldner, der sich zu jedem Dienst hergibt.

Tröbergrube: Jauchegrube.

trockner Tisch: Essen ohne Getränk.

tröge, dröge: getrocknet.

Trommelschläger: Trommler (Tambour) wurden bei der schwedischen Armee auch als Boten eingesetzt, deren Aufgabe darin bestand, im feindlichen Lager als Kundschafter zu fungieren. Trommelschläger wurden z. T. als Übermittler bei Belagerungen oder Verhandlungen eingesetzt, ein durchaus gefährlicher Job, den sonst Trompeter ausübten. So schnitten 1642 aufständische Bauern einem schwedischen Trommler Nase, Ohren und die Finger ab, um zu zeigen, dass sie an Verhandlungen keinerlei Interesse hatten. THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 839. Vgl. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 41: „Sie sollen sich auf allerley Schläge / alß Lermen / Marsch / Versammlung / Troupen / Wacht / Rebell oder Travaille / verstehen / und allerley Marsch und frömder Völkeren Schlag können. Sie sollen nicht Narren und Possenreisser / sonder verständige Leuthe seyn, welche / so man zu dem Feind schicket / Gefangene zulösen: item / Befehl und Bottschaft zuverrichten: Briefe zuüberliefern / ihren Befehl verständig verrichten / auf alles was sie gefraget werden / vernünftig antworten / und was zu schaden gereichen möchte / verhälen / und die Heimlichkeit bey ihren Eiden niemandem offenbaren / sich nüchter halten / und so der Feind sie füllen / und ihnen mit starken trünken zusetzen wollte / solches verweigern und abschlagen: auch so sie gefraget wurden / davon schad entstehen möchte / sich entschuldigen / daß sie deren dingen keine wüssenschaft haben“. Ein Trommelschläger erhielt 1626 als Regimentstrommelschläger in der brandenburgischen Armee monatlich 12 fl.

Trompeter: Eigener, mit 12 fl. monatlich (MÜLLER, Das Söldnerwesen, S. 16) – teilweise wurden in besetzten Städten 12 Rt. (18 fl.) herausgepresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15); Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm 16 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 461 – wie der Trommelschläger recht gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs u. bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke, Loskauf v. Gefangenen etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge. Vgl. dazu etwa Siedeler in den „Miniaturen“. Ein verletzter Trompeter erhielt nach der Schlacht bei Lützen (1632) auf Weisung Wallensteins 30 fl.; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., Nr. 1665, S. 597; Nr. 1666, S. 599. In der Leipziger Garnison wurde er 1644 bei der Kavallerie mit 8 Rt. monatl. entlöhnt; ZIRR, Die Schweden, S. 803. Bei der Infanterie bekam er 1643/44, 1646 monatl. 3 Rt.; ZIRR, Die Schweden, S. 803, 804, 806.

Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“).  Am 7.9.1633 schrieb der Rat von Konstanz an Generalkriegskommissar Ossa; BEYERLE, Konstanz, S. 28: „Das unnütze Gesindel der Huren und Buben wird nit abgeschafft, sondern bei täglicher Annehmung neuer Soldaten, so mit vielen Weibern und Kindern behängt sind, wird der Bürger genötigt, neben den einquartierten Soldaten auch diese zu verköstigen, wie dann von solchen verarmten Unterthanen mit ihren Weib und Kindern zu allhiesiger Stadt samt ihren ganzen Haushaben großer Zulauf ist, so dass sich zur Zeit auf die 350 Personen an Soldatenweibern und Kindern salvo honore Huren und Buben unter allhiesiger Garnison aufhalten“. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. Der schwer bewegliche Tross und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, “ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S.19.

Trossbube: Trossbuben (oder Trossjungen) wurden als Bedienung der unteren militärischen Chargen sowie zur Versorgung der Pferde und für die Beaufsichtigung der Viehherden eingesetzt. Sie stammten häufig aus den Soldatenfamilien, die den Heereszug im Tross begleiteten. Sie wurden oft misshandelt und von ihren Herrn sogar getötet, ohne dass Anklage erhoben wurden. Teilweise wurden sie auch aus Überlebensgründen von den Eltern Soldaten mitgegeben. Da die Trossbuben ökonomisch vollkommen abhängig und zudem schlecht versorgt waren, lassen sie sich häufig als Diebe nachweisen. Vielfach gerieten die 13 bis 15 Jahre alten Jungen als Trommlerbuben und Pferdejungen ins unmittelbare Kriegsgeschehen. Soweit sie eine Muskete bedienen konnten, konnten sie, falls erforderlich, auch im Kampf eingesetzt werden, was häufig bei spanischen Einheiten der Fall war. Trossbuben, die von ihren Herren schon bei der geringsten Verfehlung totgeschlagen werden konnten (NEBE, Drangsale, S. 134), waren teilweise nur sechs oder sieben Jahre alt, wenn sie zum Militär kamen oder von ihren Eltern dem Militär übergeben wurden, damit sie dort überleben konnten. Die Älteren wurden bei der Reformation der Bagage auch als Knechte in die Feldartillerie gesteckt, wenn sie dazu brauchbar erschienen (DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 259). Sie wurden als Kindersoldaten und Soldatenjungen missbraucht, die teilweise unter elendsten Umständen umkamen, von erbitterten Bauern erschlagen wurden oder von ihren Herren zurückgerassen wurden. Vgl. die Pfarrchronik von Vach (10./20.10.1632), GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 27: „Ein Soldatenjung [Offiziersbursche] aus Holland, hat vom Pfarrhof nicht gewollt. Wird ohne Zweifel mit seinem Herrn sein Quartier im Pfarrhof gehabt haben, hab ihm Brot und frisches Wasser gereicht, denn er sonsten nichts trinken wollen, auch nichts zu bekommen gewesen; stirbt auf der Miststatt“. Vgl. auch die Erlebnisse des 16jährigen Curd Kästener, der sich mit 12 Jahren hatte der kaiserlichen Armee anschließen müssen und am 25.11.1641 der Hungersnot in seinem Regiment nach Erfurt entfloh. BERG, Regulating war, S. 15f.; HAHN, Kriegserfahrungen, S. 9-14. Trossjungen unterlagen dem Militärstrafrecht. Aus Wernigerode wird für 1628 berichtet: … „desgleichen sind 3 Soldaten-Jungen um den Galgen gestreicht worden, den einen aber das linke Ohr abgeschnitten“. NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 81. => mit Ruten streichen: Auspeitschen als Züchtigungsstrafe bei erstem leichtem Diebstahl nach Art. 158 der „Constitutio Criminalis Carolina“ [CCC, S. 44], auch bei Hurerei, zusammen mit Prangerstehen und Landesverweisung. Vgl. die Beschwerden der Stadt Konstanz (1633) über die kaiserliche Garnison; BEYERLE, Konstanz, S. 28: „Das unnütze Gesindel der Huren und Buben wird nit abgeschafft, sondern bei täglicher Annehmung neuer Soldaten, so mit vielen Weibern und Kindern behängt sind, wird der Burger genötigt, neben den einquartierten Soldaten auch diese zu verköstigen, wie dann von solchen verarmten Untertanen mit ihren Weib und Kindern zu allhiesiger Stadt samt ihren gesamten Haushaben großer Zulauf ist, so dass sich zur Zeit uf die 350 Personen an Soldatenweibern und Kindern salvo honore Huren und Buben unter allhiesiger Garnison aufhalten“. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse des Erzherzogs Leopold Wilhelm und seinen Hofstaat scheint besonders groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „.

Trostbecher: Trosttrunk bei der Begräbnisfeier.

Tröstkammer: Schatzkammer in der Sakristei.

troublieren: stören, verwirren, beunruhigen.

trubbelen: Unruhen.

Trüchlin: kleine Truhe.

Truchsess: „Die Truchsessen, zu deren Erlangung auch erworbener inländischer Adel genügte, gehörten aber weiterhin zur „Tafelpartie“ und unterstanden als solche dem Obersthofmeister, von dem sie auch beeidigt wurden. Gehörte der Bewerber um die Truchsessenwürde dem Beamtenstand an, so musste er wenigstens kaiserlicher oder königlicher Rat oder Hof- (Ministerial-)Sekretär sein. War derselbe nicht angestellt, so musste er sonst eine ehrenvolle soziale Stellung einnehmen. Vor der Beeidigung hatte sich der ernannte Truchsess mit dem Erlage der vorgeschriebenen Taxe (Gebühr) auszuweisen, worauf ihm auch das Truchsessenehrenzeichen ausgefolgt wurde. Die Truchsessen waren gleich den Kämmerern Hofwürden. Sie waren zur Hoffolge verpflichtet, rangierten nach den Kämmerern, wurden „zur Tafel bedienung oder bey Festins zu Commissiarienstellen gebraucht“, hatten den Vorzug „den Hof zu Corteggiren“ und traten insbesondere bei der Zeremonie der „Speisung“ am Gründonnerstag in Funktion. Truchsess war demnach ebenso wenig wie Kämmerer ein bloßer Ehrentitel, sondern ein zu Dienstleistungen verpflichtendes und durch Eid bekräftigtes Dienstverhältnis, das im Taxpatent direkt als „Ehrenamt“ bezeichnet wurde. Andererseits war auch die Truchsessenwürde keine staatliche „Auszeichnung“, sondern eine dem Hofrecht angehörende Dienst- und Ehrenverleihung“. [WIKIPEDIA]

truncatio: Verstümmelung.

Trüppelknechte: Knechte, die zu jedem Dienst in der Armee bereit waren.

Truteta: Heckengestrüpp.

trysor: Tresor: Schatz, Behälter für Wertsachen; Kredenztisch, Aufsatz.

Tuch (Uckermark): 1 Tuch = 28 Ellen = 1,8732 m, Elle (Uckermark); 1 Elle = 0,669 m.

Tuchrasch: dünner Stoff (Rasch: locker gewebtes wollenes Zeug) aus Krempelwolle, ursprünglich aus Arras importiert.

Tuchscherer: Vgl. SAILER, Kurze Beschreibung, S. 38: „Der Tuchscherer verrichtet eben die Arbeit, wie der unzünftige Tuchbereiter. Beyde suchen dem Tuche durch das Rauhen, Scheren und Pressen eine wollige Bekleidung und ein gutes Ansehen zu geben. Der Tuchscherer erhält jedes Tuch aus der Walke naß, hänget es über die Rauhbäume, und kratzet die in den Rauhkästen darunter hängende Fahne mit den Rarden nach einerley Richtung. Hat er das ganze Tuch etlichemal gerauhet, oder ihm seine Trachten gegeben: so bringet er dieses gebärtelte Tuch unter die Schwere, indem er es über den Schertisch an den Salleisten mit Hacken ausspannet, aus den Haaren scheret, hierauf aus dem zweyten Wasser rauhet, und alsdann in der halben Wolle scheret“.

Tulper: Töpel, ein plumper, roher, ungeschickter, dummer Mensch.

Tummel: heftige Bewegung.

Tummelhaus: Reitschule, Reithalle.

tummeln: hin- und herreiten.

Tummelplatz: Reitplatz, Latrine.

tummern: donnern.

turbant: Unruhestifter.

turbieren: stören, in Unruhe versetzen.

Türken: Für die Christenheit des 16. und 17. Jahrhunderts waren die Türken der Erzfeind schlechthin, nicht nur als militärischer Gegner während der Türkenkriege, sondern auch u. vor allem im religiösen Sinne: als Antichrist. Wie die Tataren galten sie als grausam u. gewalttätig. Vor diesem Hintergrund ließ sich dieser Feind – u. seine europäischen Verbündeten – auch als rhetorische Kontrastfolie einsetzen, um eigene Verhältnisse besonders scharf zu kritisieren. Vgl. auch KAISER, „Ärger als der Türck“, zur Türken-Metapher zusammenfassend S. 161: „Durch ‚türkenhafte‘ Gewalt stellte sich der Soldat abseits der christlichen Werteordnung. Dazu musste gar nicht erläutert werden, was denn das ‚Türkische‘ sein sollte: Das Schlagwort allein evozierte eine Welt, die als Gegenentwurf zu der eigenen verstanden wurde und die für maßlose Grausamkeit stand“.

Türkenkrieg, Langer: von 1593 bis 1606 währender Krieg zwischen dem Osmanischen Reich u. mehreren christlichen Staaten, insbesondere der Habsburgermonarchie. Der Krieg endete mit dem Frieden v. Zsitvatorok am 11.11.1606. Konfliktgebiete waren zu großen Teilen das Königliche Ungarn, Transdanubien, das heutige Kroatien u. die Walachei. Der Krieg zeichnete sich vor allem durch jahrelange Stellungskämpfe aus u. wurde deshalb auch Burgenkrieg genannt. Größere Gebietsgewinne konnte am Ende keiner der Konfliktbeteiligten erringen.

Twente: Twente: Region der Niederlande rund um die Städte Almelo, Enschede u. Hengelo. Sie grenzt im Osten an den niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim u. das nordrhein-westfälische Münsterland (Kreis Borken).

twivel: Zweifel.

tydinge: Nachricht.

Tygerpferd: Zebra.