Balthasar, N

Balthasar, N; Kapitänleutnant [ – ] Balthasar stand 1642 als Kapitänleutnant in kaiserlichen Diensten.

„Seit Anfang Mai [1642; BW] galt Naumburg[1] als Standort des kaiserlich Goldackerschen Regiments von 600 Musketieren, das nun von hier zu raschen Stößen in die Landschaft ausfiel. In einem solchen Moment der Entblößung der Stadt tauchte am 21. August Königsmarck im Eilmarsch vor den Mauern auf und erpreßte 16 000 Pfund Brot und 20 Faß Bier. Am 24. August war Goldacker wieder da. Diesmal hob er auf eine Order des Generals von Schleinitz sogleich an, den Wehrring Naumburgs auzubauen. Er wollte sich ‚feste legen’. Soldaten und Bürgersleute mußten schaufeln und schanzen, hämmern und zimmern. Tagelang wurden mit städtischen Vorspann Holzfuhren aus dem Walde geholt. An Mauern und Toren, Gräben und Zwingern rammte man Pallisaden ein, legte man spanische Reiter aus. Der Drechsler Hans Weyhe mit seinen Gesellen konnte kaum genug Morgensterne liefern. Die Bürger mußten Wassertonnen und Feuerlöscheimer bereit halten. Und auf dem Marktplatze schlugen die Zimmerleute eine Alarmwache auf. ‚Gott wende alles zum Besten !’ seufzte der Ratsschreiber. Am 28. August rückte  auch Kavallerie ein, der Kapitänleutnant Balthasar mit 50 Pferden. Der Rat quartierte ihn in den „Drei Schwanen“ ein, die Verpflegung sollte von der Kommune der Freiheit kommen. An demselben Tage zog draußen Königsmarck vorüber auf Zeitz[2] zu, wo die schwedische Besatzung von den Kaiserlichen blockiert wurde. Man wechselte ein paar Schüsse ohne rechten Sinn. Die Schweden drohten Rache mit Schwert und Feuer, wenn sie wiederkämen. Und sie ließen in der Tat nicht lange warten. Am 1. September kamen sie am Morgen von Zeitz zurück, über Weißenfels;[3] sie gingen bei Freyburg[4] über die Unstrut und bei Roßbach[5] über die Saale, schwenkten um 1 Uhr durch die Aue zum Spechsart hinauf und zu der Windmühle, die dort stand. Es waren 1200 Mann Infanterie, wenig Reiterei, aber starker Troß mit Artillerie und mit einer Bagage von dreihundert Wagen, um die Beute zu schleppen. Damit begann die Belagerung Naumburgs, das einzige unmittelbare Schlachtenerlebnis des ganzen langen Krieges. So ist es auch als abenteuerliches Kapitel in die Chroniken übergegangen, in die persönlichen Erinnerungsschriften und in den Druck des Domschul-Konrektors Johann Gottlieb Biedermann, der hundert Jahre später eine Jubiläumsdissertation verfaßte. Alle Darstellungen stimmen im wesentlichen mit der Relation des Theatrum Europäum überein, das seine genaue Kenntnis ohne Zweifel aus einer heimischen Quelle zog. Das Ratsprotokoll ist diese Quelle nicht, denn das begnügt sich mit der Notiz der wesentlichsten Daten und Zahlen. Aber es fand sich nun in den Akten als Konzept und als Reinschrift ein amtlicher ‚Eigentlicher Bericht, welchergestalt die Stadt Naumburg den 1. September 1642 bis zu dem 6. ejusdem vom schwedischen Generalmajeur Hans Christoph von Königsmarckt belägert, mit Kanonen beschossen, bestürmt und mit Granaten beworffen, der Feind durch Gottes Gnade aber und durch stattliche Gegenwehr des Löblich Goldackerischen Regiments mit großem Verluste wiederumb abgetrieben worden’. So muß man sich nun die Folge der Szenen denken. 1. September: Goldacker und Balthasar formieren nach dem Anmarsch der Schweden einen starken Trupp, ziehen hinaus, den Feind abzuwerfen. Der ist zu stark, und so müssen sie nach einem Scharmützel vor dem Jakobstore ihre Soldaten gegen Abend zurücknehmen. 2. September: Die Schweden besetzen die Vorstadt vor dem Salztore und die Freiheit  und fangen hier ein Feuergefecht mit den Posten auf den Mauern und Türmen an. Nachts 11 Uhr machen siebzehn Goldackersche Musketiere einen Ausfall, verwunden viele verschlafene Feinde, schlagen auch viele mit Morgensternen tot und bringen drei Gefangene ein. Bald darauf werden zum Jakobstore fünf kaiserliche Reiter hinausgelassen, und sie fangen eine Feldwacht der schwedischen Kavallerie. 3. September: Königsmarck legt eine Abteilung seiner Musketiere in die Feldmeisterei, die dicht vor dem Salztore zwischen Stadt und Vorstadt liegt, da, wo heute das Schwurgerichtsgebäude steht; und in deren Schutz postiert er, zweihundert Meter von der Stadtmauer entfernt, einen Feuermörser. Um 1 Uhr nachmittags wirft der Schwede vier Granaten in die Stadt; die beschädigen zwar etliche Personen, zünden aber nicht. – Die Zadersche Chronik ergänzt hier, dass in der Salzstraße ein Geschoß vier Menschen verletzte und ein anderes Geschoß einem Goldschmiedejungen ein Bein zerschlug. – Da läßt um 2 Uhr der Oberst Goldacker die Glocken und Schlaguhren anhalten. Es ist das alter Kriegsbrauch; unterläßt man ihn, muß nach der Eroberung alles Glockengut als Beute der feindlichen Artillerie zufallen. In der Nacht heben die Schweden einen Laufgraben an der Meisterei aus und treiben ihn vorwärts nach der Stadt, obwohl die Goldackerschen scharf dazwischen feuern. 4. September, ein Sonntag: Früh um 9 Uhr stoßen vierzig Kaiserliche hinaus, treiben die Schweden  aus dem Laufgraben, töten etliche Feinde und bringen zwei Gefangene mit. Nachmittags 4 Uhr wiederholen sie den Ausfall. Aber in der Nacht baut Königsmarck eine Batterie auf dem Felde am Jenaischen Wege auf und bringt seine Stücke an, zwei Halbkanonen und vier Zwei- und Vierpfünder. 5. September: Morgens um halb sechs Uhr beginnen die Geschütze zu spielen. 87 Schüsse werfen die Halbkanonen und 124 die anderen Stücke gegen die Stadtmauern, um eine Bresche zum Sturm zu legen. Die Kanonade dauert fast sechs Stunden. Ein Geschütz zerspringt dabei. Und der Mörser wirft fünf Feuerkugeln in die Stadt. Gegen elf Uhr laufen 500 Mann in drei Sturmkolonnen vor und beginnen durch die Bresche in den Zwinger zu dringen. Aber Goldacker hat die Mauerlücke schnell mit Palisaden, Fässern und allerhand Gerät gesperrt, und er schlägt die Feinde mit so großen Verlusten zurück, dass sie da wohl dreißig Tote lassen, unter ihnen den Kapitän Grafforth, den Kommandanten des Mansfelder[6] Schlosses, und andere Offiziere. Königsmarck treibt seine Soldaten zum neuen Sturm an, allein sie versagen. Er soll in seiner Wut drei mit dem Degen niedergestoßen haben. Von anderen Angriffen, bei denen nach der Darstellung des Theatrum Europäum der Erfurter Oberstleutnant Lorenz von der Linden mit 116 Mann gefallen ist,[7] weiß der Bericht des Rates nichts. … Der Feind ließ in der Nacht seine Geschütze abführen, und am Tage darauf zog er von dannen nach Erfurt. Um sieben Uhr abends ließen die Bürger die ‚Seiger’ wieder schlagen, und von allen Glocken klang ein Dankgeläut über das Land. Man sagt, es seien auf der Seite der Feinde vier Kapitäne und zweihundert Soldaten gefallen, von den Kaiserlichen aber nur ‚etliche tot geblieben und gequetscht worden’. ‚Die Bürger’, heißt es im Protokoll, ‚hielten gute Wachordnung wegen der Feuersgefahr, warteten treulich hin und wieder, taten dem Herrn Obersten nützliche und notwendige Verschaffung’. Und die Ratsrechnungen sagen, daß man den Goldackerschen Soldaten, die im Kampfe standen, ein Faß Bier schickte, und dass man nachher auch die Pflege der blessierten Königsmarckischen Musketiere nicht vergaß. Am 7. September wurden nach der Meldung des Kirchenbuches von St. Wenzel neun Goldackersche Tote begraben“.[8]


[1] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.

[2] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[3] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.

[4] Freyburg a. d. Unstrut [Kr. Querfurt/Nebra]; HHSD XI, S. 125ff.

[5] Roßbach (Naumburg), heute Ortsteil von Naumburg (Saale); Burgenlandkreis/Sachsen-Anhalt.

[6] Ober- und Untermaßfeld [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 319ff.

[7] Das steht auch nicht im Theatrum Europaeum.

[8] BORKOWSKY, Schweden, S. 93ff.

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