Volbers [Vollmar], Henning

Volbers [Vollmar], Henning; Obristleutnant [ -nach 1671] Henning Volbers, der angeblich aus der Grafschaft Schaumburg stammte, stand 1637 als Offizier in schwedischen Diensten.

„Sehr schlimme Zeiten brachte das Jahr 1637. Am 21. Januar wurde die Stadt [Stadthagen/Grafschaft Schaumburg[1]] durch das Salische Regiment, das sechs Kompanien stark war, und am 27. Januar durch eine Kompanie zu Pferde von 130 Mann unter dem kaiserlichen Oberstleutnant von der Decken besetzt. Es verbreitete sich bald das Gerücht, daß die Schweden, die in Minden,[2] Rinteln[3] und Oldendorf[4] standen, einen Angriff auf Stadthagen planten. Infolgedessen wurde nur ein Tor offen gelassen, die beiden anderen verrammelt, in den Steinwegen Gräben ausgeworfen, und an den gefährdeten Stellen des Walles Fußangeln angelegt. Am 6. Februar wurde der Handstreich von den Schweden unter dem Obersten Wolf und dem Oberstleutnant Königsmark,[4a] dem späteren General, in der Tat ins Werk gesetzt. Ein dichter Nebel begünstigte das Unternehmen, bei dem ein ortskundiger, aus der Nähe Stadthagens stammender Offizier namens Volbers gute Dienste leistete. Frühmorgens, als man zur Kirche läutete, waren die Schweden bis dicht vor das obere Tor gelangt. Da bemerkte eines Bürgers Sohn, der über Feld gehen wollte, die Truppen im Nebel und alarmierte die Torwache, die noch gerade Zeit fand, das Tor zu besetzen. Aber die Schweden zertrümmerten bald teilweise die Torbalken und drangen zugleich durch den Wallgraben und die Pforthäuser in die Stadt ein. Der Überfall geschah so plötzlich, daß der Feind schon in der oberen Straße stand, ehe man aus der unteren Stadt zu Hilfe eilen konnte. Der Oberstleutnant von der Decken wurde von dem Lärm im Bett überrascht, hieb dann aber tapfer mit seinen Reitern auf die Schweden ein, die zweimal wieder bis ans Tor zurückgetrieben wurden. Als er dann aber tödlich verwundet wurde, war das Schicksal der Kaiserlichen entschieden: 40 Tote, darunter 6 kaiserliche Offiziere, bedeckten den Kampfplatz, 150 Verwundete wurden von den Stadtbarbieren verbunden, und an 346 zu Gefangenen gemacht. Die Stadt wurde von den Schweden Haus bei Haus ausgeplündert und die Nacht dazu noch zu Hülfe genommen, alle Kornvorräte wurden aufgezeichnet und mit den Gefangenen mehrere Bürger, darunter auch Reineking als Geiseln nach Minden geführt, bis die Hälfte des vorhandenen Korns – 23 1/2 Fuder – abgeliefert, der Wall eingerissen und die Palisaden niedergehauen waren. Über diesen Überfall wurde ein genauer Bericht an die gräfliche Kammer eingereicht, der den Schaden auf 31 460 Taler angibt, die Einquartierung des Salischen Regiments hatte vorher 12 186 Taler gekostet. Die Stadt mußte sich zudem noch gegen die Verdächtigung wehren, die Kaiserlichen in ihren Mauern verraten zu haben. Sie hielt die Sache für wichtig genug, sie auf einem Landtage zur Sprache zu bringen und einen Bericht darüber vorzulegen, wie an dem Tage des Überfalls der Wachtdienst versehen worden sei“.[5] 1648 war er Obristleutnant und Kommandant in dem von Königsmarcks Truppen besetzten Bischofteinitz.

[1] Stadthagen [Kr. Schaumburg-Lippe]; HHSD II, S. 435f.

[2] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[3] Rinteln [Kr. Schaumburg-Lippe]; HHSD II, S. 395f.

[4] Hessisch Oldendorf [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 226f.

[4a] Hans Christoffer [Christoph] Graf v. Königsmarck [Königßmarck, Königsmark, Königsmarx, Khiningsmarckh, Köningsmarkt, Coningsmarck, Conigsmarckius, Conigmarc, Kingmark, King Marx, Königs Morik, Coningsmerck] [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall. 1616 Anstellung als Page bei Herzog Friedrich Ulrich v. Braunschweig-Lüneburg u. Eintritt als Reiter in kaiserliche Kriegsdienste, 1630 Verabschiedung als Fähnrich bei Reformierung der Armee Wallensteins, 1631 Kapitän in schwedischen Diensten, 1633 Beförderung zum Major, 1634 zum Obristleutnant, 1636 zum Obristen, am 25.3.1640 zum Generalmajor als Lohn für die Werbung größerer Truppenformationen in Westfalen, im Januar 1645 zum Generalleutnant, am 17.5.1648 Sieg mit Turenne u. Wrangel bei Zusmarshausen über die kaiserlich-kurbayerischen Truppen unter Holzappel u. Gronsfeld, am 1.6.1648 Beförderung zum Feldmarschallleutnant, am 16.7.1648 erfolgreicher Angriff auf die Prager Kleinseite u. Raub der berühmten „Silberbibel“. Zusammen mit Carl Gustav Wrangel war Königsmarck der erfolgreichste schwedische Kriegsgewinnler, am 26.3.1651 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 10.4.1651 in den Reichsrat berufen u. am 14.4.1655 in Stade zum Feldmarschall u. Gouverneur des Herzogtums Bremen und Verden ernannt. Sein im Krieg erworbenes Vermögen soll 130.000 Rt. jährliche Rente abgeworfen haben, was einem Vermögen v. mindestens 2.600.000 Rt. entsprochen haben müsste. Seit 1648 Mitglied Nr. 515 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ („Der Streitende“).Vgl. BACKHAUS, Wrangel, Königsmarck, Bielke, S. 116-128; FIEDLER, Verwaltung; FIEDLER, Hans-Christoph von Königsmarck, S. 3ff.; WAGNER, Pforr. Vgl. [RÜDIGER], Leben und Thaten; FRITZEL, Der Stader Raum, S. 14ff.; ZIRR, Die Schweden; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau; REBITSCH; ÖHMAN; KILÍAN, 1648. => Königsmarck [Königsmark, Königsmarx, I-XXXXII] in den „Miniaturen“.

[5] ZARADETZKY, Stadthagen, S. 313f.

[6] REBITSCH; ÖHMAN; KILÍAN, 1648, S. 205. – Bischofteinitz (Horšovský Týn, Bez. Taus; Tschechien]; HHSBöhm, S. 35f.

Dieser Beitrag wurde unter Miniaturen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.