Tour-Saint-Quentin, Jean-Jacques de la, baron de Moncley [Monclé]

Tour-Saint-Quentin, Jean-Jacques de la, baron de Moncley [Monclé]; Maestro de Campo [ – Ende September 1634 München] de la Tour-Saint-Quentin[1] stammte aus der Freigrafschaft Burgund und nahm bereits an den Anfängen dieses Krieges teil. 1620/21 stand er als spanischer Hauptmann der Kavallerie unter dem Befehl Spínolas in der Unteren Pfalz. Im August 1622 kämpfte er in der Schlacht von Fleurus[2] gegen Ernst von Mansfeld. Weiter diente er in der spanischen Flandern-Armee. 1626 wurde er Kommandant von Oldenzaal,[3] das er nach Belagerung an die staatischen Truppen abtreten musste. „Die heimgelassenen Räte [fürstbischöfliche Regierung in Münster; BW] sprachen in diesem Brief [vom 31.7.1626 an Kurfürst Ferdinand von Köln;[4] BW] die Belagerung Oldenzaals im Juli 1626 durch Prinz Ernst Casimir von Oranien an, der mit einem Heer von 12.000 Mann vor der Festung Oldenzaal erschienen war, um einen der letzten Stützpunkte der Spanier im Osten der Niederlande einzunehmen. In der Festung Oldenzaal lagen hiernach ein Fähnlein zu Pferd und 1100 oder 1200[5] zu Fuß, zumeist italienischer Herkunft, die unter dem Kommando des Baron de Moncle, eines Adeligen aus der Franche Comté, standen. Da die Chancen für die Belagerten bald schlecht standen, kam es zu Kapitulationsverhandlungen, an deren Ende es am 1. August zu einem Kapitulationsvertrag kam, nach dem die Stadt am 2. August 1626 übergeben werden sollte.

Laut dieses Vertrages erhielten der Baron und seine Soldaten die Zusicherung, am 2. August gegen tehn Uhr aus der Stadt zu ziehen, ‚mit all ihren Waffen und Gepäck, mit schlagenden Trommeln, fliegenden Fahnen, brennenden Lunten und Kugeln in den Mündungen,[6] um über den Rhein zuziehen’. Im weiteren Verlauf des Übergabevertrages, der uns in seinem ganzen Umfang hier nicht interessieren soll, wird der spanischen Besatzung für zwei Tage eine Anzahl von Wagen zum Abtransport ihrer Bagage gestellt. Doch wird zur Bedingung gemacht, daß die Garnison beim Abzug keinen anderen Weg als den über Wessum[7] und Wüllen[8] nehmen und in keinem Fall sich mehr auf dem Territorium der Grafschaft Zutphen[9] lagern solle. Damit war Oldenzaal an 1. August 1626 an die Vereinigten Provinzen der Niederlande übergegangen. Der Abzug der Garnison erfolgte unter den vorgenannten Bedingungen am 2. August.

Wie vereinbart verließ die spanische Garnison Oldenzaal und nahm den Weg über Wessum und Wüllen, wo sie am 3. August nachmittags eintraf. Von dort marschierte sie am 4. August weiter nach Stadtlohn.[10] Damit war auch das Münsterland von den kriegerischen Ereignissen an der Twente tangiert. In ihrer Not wandten sich die betroffenen Orte an die fürstbischöflichen Beamten in Ahaus,[11] den Drosten Heidenreich Droste zu Vischering und den Amtsrentmeister Hermann Bocholtz. Diese teilten das Vorgafallene am 5. August 1626 den heimgelassenen Räten in Münster mit. Sie schrieben, daß das spanische Kriegsvolk unter dem Kommando des Baron de Moncle mit sechs Kompanien Fußvolk und einem Kornett Reiter sowie mit ungefähr 120 Wagen, auch einem Stück Geschütz und Tonnen Pulver am 3. August nachmittags hier angelangt seien und sich in den Kirchspielen Wessum und Wüllen gelagert hätten. Die von Oldenzaal gestellten Wagen meinte der Baron zwar noch weiter mitzuführen, andererseits nötigte er aber mit der Zusage, keine Wagen von diesen beiden Kirchspielen zu fordern, Wessum 130 Rt. und Wüllen 11ß Rt. ab, worauf der Zug dann weiter Richtung Stadtlohn marschierte. Hier lagerten sich in der Stadt nun Reiter und Fußvolk mit ihren 120 Wagen, und die Beamten bemerkten in ihrem Schreiben: ‚Was für ein Wehe klagen, Karmen[12] und Schreien in dem Stättlein Stattlohn, wo eß ohne dass arme Werck und nichts dan Hunger, Kummer und Ellend vorhande, […] ist nicht zu schreiben’.

Hatte man noch gehofft, daß die Soldateska mit den Wagen aus der Twente weiterziehen würde, so ließ de Moncle am 4. August die fürstbischöflichen Beamten zu Ahaus wissen, daß laut getroffenen Accords die Wagen nur zwei Tage gebraucht werden sollten. Damit das Kriegsvolk weiterziehen konnte, benötigte man neue Wagen, die nun die Bauern des Kirchspiels Stadtlohn und der Umgebung stellen sollten. Da diese offensichtlich ahnten, was bevorstand, war der größte Teil ‚entlaufen’ in der Ahnung, ‚daß dem Brauch unnd vor Augen stehenden bitteren Exempeln nach nitt allein Wagen und Pferde hinterpleiben, sonders auch die dabei vorgegebene [Personen] mißhandelt und gröblich geschlagen, dahero keimandt des zaumlosen Gesindleins warten wollen’.

Obwohl, wie die Beamten zu Ahaus weiter mitteilten, man bestrebt war, die notwendigen 120 Wagen mit samt den Pferden schnellstens aufzutreiben, mußten sie ‚mit Leidtwesen unnd bedrückt zu sehen, daß die arme Bürgerschaft zu Stadtlohn nitt gerettet, daselbst dan vast gebrandtschatzt, Kisten und Kasten und was noch übrig, verdorben und zunichten gemacht, rings darumben gelegenen, Unsers gndigsten Herrn Eigenhörige[13] ferner ruinirt’. Zugleich wurden von den Spaniern ‚Reuter’ in die umliegenden Kirchspiele ausgeschickt und ‚Kerspel vor Kerspel übernommen und zur Beibringung unerträglicher Geldsummen gestrenget’. Ferner sei eben die Klage eingegangen, so schreiben die Beamten weiter, daß die Quartiermeister des Barons de Moncle sich sogar außerhalb des Amts Ahaus nach Legden[14] begeben hätten, um Geld einzufordern, ‚welches Kerspell ihnen auch 63 Rt. versprechen müssen, warfür sie einen des Dorffs Legden Eingesessenen gefänglich mittgeschleift und Bescheidt verlassen, daß Ranzion auff Havisbeeke[15] durch bevorstehende Nacht nachzubringen’, weshalb man mit weiterem ‚Herumstreifen’ rechnen müßte. Man glaubte nicht, daß die Soldaten am nächsten Tag weiterzögen, da die geforderten Wagen kaum aufzubringen wären, denn die meisten Bauern wären geflüchtet und hielten ihre Pferde, soweit das ging, versteckt.

Am Schluß des Briefes teilten die Ahauser Beamten noch mit, dass nach ihrer Kenntnis die ganze Twente und Drente aufgeboten worden seien, um die Befestigungen Oldenzaals zu schleifen. Die in Oldenzaal erbeuteten ‚grobe Stücke’[16] (Kanonen) und andere Sachen seien nach Deventer[17] gebracht worden, um selbiges zu sprengen. Man vermutete, daß die Staatischen weiter gegen Groenlo[18] oder Lingen[19] ziehen würden.

Der Brief scheint am folgenden oder dem darauffolgenden Tag in Münster die heimgelassenen Räte erreicht zu haben; denn diese teilten ihrerseits am 7. August die Sachlage dem Landesherrn in Köln mit und baten ihn zugleich, kraft seiner ‚höchstansehnlichen’ Autorität zur Rettung des Stifts dafür zu sorgen, ‚damit bemeltes hispanisches Kriegsvolk das Stift räume’ und der Kommandant für bessere Disziplin in seiner Truppe sorge. Unter dem gleichen Datum richteten die Räte auch ein Schreiben an den Baron de Moncle. Sie schreiben, dass sie vernommen hätten, daß er sich mit sechs Kompanien zu Fuß und einem Fähnlein zu Pferde in das Stift Münster begeben und wider ‚allen Vermuthens in das befestigte Stättlein Stadtlohn gelagert [habe], das Kriegsvolck den umbliegenden Kirchspiellen unterschiedtliche unerzwingliche Geldsummen abnöttigte, in dem Stättlein die arme Bürger mit Schatzen, Zerschlag- und Beraubung der Kisten und Kasten übell tractirt und die herumb gelegenen dero Churfürstlichen Durchlaucht unserers gnädigsten Herrn Eigenhörige gänzlich ruinire. Was aber solche Proceduren der Neutralität schnurrecht zu wider lauffe’. An de Moncle erging die Bitte der Räte, Das Städtlein Stadtlohn sowie das Stift Münster möglichst schnell zu räumen. Nachdem man endlich die erforderlichen Wagen in Stadtlohn und in den umgebenden Kirchspielen zusammengebracht hatte, wurde man die Landplage los“.[20]

Ende 1620 wurde er zum Maestro de Campo befördert. Im März 1633 wie auch Anfang 1634 ging er in die Franche Comté, um Truppen anzuwerben. Im Januar 1634 lag das 1400 Mann starke Tercio de la Tour im bayerischen Winterquartier. Krankheitshalber konnte er an der Schlacht bei Nördlingen[21] nicht teilnehmen. Er verstarb im September 1634 in München.

[1] Vgl. die biographischen Angaben bei ENGERISSER; HRNČİŘİK, Nördlingen, S. 212f. (die detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[2] Vgl. die Angaben bei KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[3] Oldenzaal [Prov. Oberijssel]

[4] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand.

[5] Anm. des Autors: Da im Folgenden von sechs Kompanien Fußvolk und einem Fähnlein Reiter die Rede ist, kann es sich kaum um die Hälfte dieser Zahl gehandelt haben.

[6] Richtig ist natürlich: Kugeln im Mund; s. a. TERHALLE, Der Achtzigjährige Krieg, S. 191, Anm. 50.

[7] Wessum, heute Ortsteil von Ahaus.

[8] Wüllen (LK Ahaus]; HHSD III, S. 800.

[9] Zutphen [Prov. Gelderland].

[10] Stadtlohn [LK Ahaus]; HHSD III, S. 699f.

[11] Ahaus [LK Ahaus]; HHSD III, S. 9f.

[12] Karmen: Weinen.

[13] Eigenhörige, Eigenbehörige: Unfreier, der zu Abgaben an den Leibherrn verpflichtet war. Wichtigste Abgabe war die Sterbfallszahlung, d. h. die beim Tod eines Hofbesitzers fälligen Abgaben durch den Anerben. Im Fürstentum Osnabrück waren die meisten Bauern Eigenbehörige.

[14] Legden [LK Borken].

[15] Havixbeck [LK Coesfeld].

[16] große Geschütze, meist: Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17, 5 – 19 cm], verschoß 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette], halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10, 5 – 11, 5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10, 5 – 11, 5 cm), schoß 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt.

[17] Deventer [Niederlande, Prov. Oberijssel].

[18] Groenlo oder Groll, Stadt nw. von Winterswijk [Prov. Gelderland].

[19] Lingen; HHSD II, S. 299f.

[20] TERHALLE, Der Achtzigjährige Krieg, S. 190f.

[21] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

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