Nell [Nelle], Konrad

Nell [Nelle], Konrad; Obrist [ – ] Nell, der aus Höxter[1] stammte, führte das Leibregiment Christians von Braunschweig[2] und stand als später Obrist in dänischen Diensten. In der Hannover’schen[3] Chronik heißt es zu 1625: „Als nun Tilly[4] in der Göttingischen[5] Belagerung vernommen, dass der Steuerwald[6] von den Königschen erobert und der Calenberg[7] blocquiret, und dass Hertzog Christians Völker auf den Dörfern um den Calenberg zerstreut gelegen, hat Tilly vor Göttingen aus den Generalzeugmeister Graf Ludewig von Fürstenberg mit theils seiner unterhabenden Cavallerie und ohngefehr 1500 Mann zu Fuß nach dem Calenberge, solchen zu entsetzen, abgefertiget. Welche zu Alfeld[8] angelanget und den 17./27. Junii von Alfelde aufgebrochen nach dem Calenberge hin zu. Unterwegens hat der von Fürstenberg Adviso bekommen, als ob die Königschen mit dem meisten Theile der Cavallerie, als 47 Compagnien, deren jede 150 bis 180 Reuter stark wären, und 3 Regimenter zu Fuß (damit sie sich um den Calenberg her befunden) gegen ihn sich gewendet und im Anzug wären. Derowegen er seinen mithabenden Obristen und Officirern tapfer zugesprochen und sich mit ihnen nach Nohtdurft beredet und solchergestalt praesentiret, dass er selbst, samt dem Obristen Furs [Nikolaus Des Fours; BW] und Obr. Erwitz [Erwitte; BW] mit 8 Compagnien Curassirern zu Pferde und 4 Compagnien Carbinern von den Schönebergischen [Otto Friedrich v. Schönburg; BW], und andern zweyen von dem Lindelohischen [Timan v. Lintelo; BW], sambt noch 6 Compagnien Curassirern von dem Schöneberg. Regiment den Vorzug genommen, darauf die Infanterie, in die 1500 stark, gefolget, und der Nachzug dem Courtenbachischen [Adrian v. Cortenbach; BW] Regiment zu Pferde, sambt den übrigen Compagnien des Cronbergischen Regiments und dem Obristen [Matthias v.; BW] Bock nebst Begleitung der Bagagien anbefohlen worden.

Es hat aber einer solchen guten Vorsichtigkeit der Tillischen diesmahl nicht bedurft, denn die Königsche in großer Sicherheit gantz zerstreuet gelegen auf den Dörfern herum weit genug von einander.

Darzu hat der Obrister Conrad Nelle zu Escherde[9] Hochzeit eben gehalten, und als ihnen Burchard von Hanensee, welcher Commendante auf der Erichsburg[10] gewesen, und von der Erichsburg kommen, in seiner dahin Ankunft angezeiget, daß die Tillische so stark im Anzug wären und sie übereilen würden, haben sie es nicht glauben wollen. Als nun die Tillische in solcher guten Ordnung zu Poppenborg[11] vorüber und auf das Dorf Rößing,[12] nicht weit vom Calenberge[13] gelegen, ankommen, habe sie den Obristen Berend Geist und Obristen Leo Freitag, welche sich mit ihrer Reuterey fast alleine praesentiret und zur Wehr gesetzet, angetroffen, welche sich alsobald gegen die Tillischen auf einen Pistolenschuß weit avancirt und wieder etwas stille gehalten. Demnach aber die Tillische inzwischen sich versammlet und in Schlachtordnung gestellet und den Feind vor Augen gesehen, haben sie länger nicht Geduld haben wollen, bis die Retrogarde ankäme, besondern dieselben frisch und tapfer mit 32 Cornetten angegriffen, und als auf des Obr. Freyherrn von Cronburg [Cronberg; BW] 5 Compagnien Curassirer wohl 14 Compagnien Königsche chargiret, hat ihnen der von Billay [Billehé; BW], so damahls 6 Schönebergische Compagnien Curassirer commandiret, mit solcher Tapferkeit secundiret, daß sie der Königischen, denen nicht secundiret worden, Ordnung so bald getrennet und in Confusion gebracht, darin sie ohne das schon waren, weil sie vom Gesöffe unversehens zu Pferde kommen und der Tillischen von der Göttingischen[14] Belagerung so schleunig nicht vermuhtet waren. Da sie doch hätten gedenken sollen, weil sie ja Göttingen nicht entsetzen wollen, besondern dem Tilly nur eine Diversion mit der Calenbergischen Blocquirung zu machen gesinnet gewesen, daß er nicht ruhen, besondern den Calenberg entsetzen würde. Als der von Cronburg den Angriff gethan und ihn Ballay secundiret, hat auf der andern Seite der Obrist Erwidt [Dietrich Otmar v. Erwitte; BW] in die Flanke und Obr. Four [Nicolas Des Fours; BW] mit 10 Compagnien mit großer Courage und Valeur vornen her angegriffen, imgleichen haben auch die übrigen Compagnien das ihre gethan und in die Königschen dermaßen gesetzet, daß dieselben gantz und gar getrennet und in die Flucht gejaget worden, weil Obristen Geists und Freytags Reuter nicht entsetzt, besindern allein im Stich gelassen worden. Auf der Dänischen Seiten ist der Obriste Freytag sammt 6 Rittmeistern und etlichen andern Officiren auf der Wahlstid todt blieben und ein junger Graf von Stolberg, Bodo Ulrich, welcher hernach in Hildesheim[15] begraben worden. Die Anzahl der todten Reutere, so auf der Wahlstid befunden, ist über 500 gewesen, ohne diejenigen, so in der Flucht, und insonderheit alle die Dänischen Dragouner, so mit vor dem Calenberg gewesen, nieder gehauen worden“. […] „Graf Ludewig von Fürstenberg, Commendant über diese Tillische Trouppen, wie auch der Graf von Grunßfeld [Jost Maximilian v. Gronsfeld; BW] mit dem Fußvolke, haben sich tapfer in diesem Treffen gehalten“.[16] […] „Graf Ludewig von Fürstenberg, Commendant über diese Tillische Trouppen, wie auch der Graf von Grunßfeld [Gronsfeld; BW] mit dem Fußvolke, haben sich tapfer in diesem Treffen gehalten“.[17]

Insgesamt sollen die dänischen Truppen,[18] die nach Einschätzung den Kaiserlich-Ligistischen an Kampfkraft überlegen waren, 5.000 Mann verloren hatten, was nach Aussage des Chronisten Wendt sicherlich übertrieben ist: „Der König Von Dennemarck hatte einen Anschlag auff Calenberg, ward aber von dem Graffen von Fürstenberg davon abgetrieben mit Verlust Vieles Volckes. Der Obrister Leo freytag ward samb 600 Reutern erlegt, Conrad Nelle verwundet, Viele gefangen, 6 Cornet und 15 stangen, davon die Fähnlein, gewißen erobert“.[19] In der Hannover’schen Chronik heißt es lapidar: „Conrad Nelle hat seine zu Escherde verstörete Hochzeit folgenden Tages in Hannover, dahin er sich mit seiner Braut und andern Officiren begeben, vollends ausgehalten und es gut Wetter sein lassen. Die meiste überbliebene Reuterey soll sich nach Wolfenbüttel zum Könige reterirt haben“.[20]

1627 wird Nelle wieder erwähnt: „Unter diesem Verlauf, um den 20. Sept. 1627 ist zwischen dem Grafen [Heinrich; BW] von Schlick, Wallensteinischer[21] Armée, und dem alten Grafen von Turlach [Georg Friedrich v. Baden-Durlach; BW], damals verordnetem General über die Königsche Haupt-Armée, ein starkes Treffen vorgangen in Holstein, darin der Marg-Graf und die Königliche Armée aufs Haupt erlegt, alle seine Geschütze in 32 Stücken und 43 Fahnen ihm abgenommen, theils seines Volks erschlagen worden, die übrigen haben sich unter die Kayserliche Armée untergestellet. Dadurch ist gantz Holstein in Kayserl. Devotion gebracht, der Obr. Nell, sonst Rittmeister Conrad Nell ist gefangen worden, und Obr. Calenberg im andern Treffen, der Marg-Graf von Turlach ist im Schiffe davon kommen. Der Marg-Graf von Turlach soll es liederlich versehen haben, daß von dessen Armée bey 2000 zu Pferde und 6000 zu Fuß erstlich getrennet und etliche Officirer des Ernstes nicht erwartet. Auf der Wahlstitt sein wenig geblieben, weil sich die Königsche nicht gewehret, sondern strackendes ergeben und untergestellet“.[22] 

„Als den 13. Oct. [1627; BW] der Graf von Schlick, Wallensteinischer Obrister in Holstein, gewisse Kundschaft bekommen, etwa 6 Meilen hinter Wieburg,[23] daß die Dänische Officirer, als des Calenbergs 12 Compagnien, des Conrad Nellen 4 Compag., des Hertzogen Frantz Carls von Sachsen-Lauenburg und des Obrist Hülken [Holk;[24] BW] noch aus der Schlesie übergebliebene 6 Compag., des Baudissen [Baudissin; BW] auch noch aus der Schlesie übergebliebene 200 Reuter mit des Schleßwieckischen Landes Comp. auf den Dörfern gelogiret, ist er stracks auf sie zugezogen, aber als die Dänische dessen gewahr worden, haben sie dieselbe Nacht mit großer Unordnung ihren Weg nach Ahlburg[25] zu genommen. Da hat Graf Schlick seine Bagage zu Wieburg gelassen und den Dänischen nachgesetzet, die er den 17. Oct. gegen Abend im Felde 2 Meilen von Ahlburg angetroffen. Die Dänischen haben sich darauf zurück reteriret und ihren Weg durch die Stadt genommen, der Meinung, sich längst der See nach Harbro[26] zu salviren. Weil aber der Herr von Scherffenberg [Johann Ernst v. Scharffenberg; BW] zween Abend zuvor abgeschicket, den Paß zu besetzen und er allda den Vortrab von 300 Pferden angetroffen, auch die meistentheils niederhauen lassen, so haben sich die beiden Obristen Conrad Nell und Calenberg mit 28 Cornetten in einem Orte eine Meile jenseit Ahlburg an der See reteriret, dar nicht mehr als nur 2 böse Wege hinein gangen sein, dar sie Graf Schlick mit 100 Musquetren beschlossen, daß kein einziger heraus kommen können. Der Baudis aber hatte sich vorhin mit einem Jungen auf ein klein Schifflein salviret. Da sie nun gesehen, daß sie nirgend mehr hinkommen konnten, haben sie einen Trompeter heraus geschicket und um Gnade gebeten. Darauf hat Graf Schlick die Befehlshabere alle gefangen nehmen und die Reutere, deren in die 3000 Pferde gewesen, absitzen lassen, ihre Pferde, sambt Sattel, Pistolen, Bandelier, Rohr etc. unter die Kayserl. Reuterey ausgetheilet, die Reutere aber hat er Troppenweise zu Fuß an unterschiedliche Oerter zum Lande hinaus geschicket. Hat also abermahls 28 Cornett und 2 Fähnlein zu Fuß bekommen, als des Obr. Calenberg [Calenberg, Otto Heinrich von Callenberg; BW] 12, des Obr. Nellen 4, des Hertzogen zu Sachsen 6 und von den noch übrigen Weimarischen oder Bauditzschen und Holkischen 6. Dieses ist geschehen den 19. Oct. 1627. Conrad Nellen und Calenberg hat der Graf von Schlick gefänglich gegen Prage gesandt. Hierdurch ist gantz Holstein in Kayserl. Devotion gebracht, ausgenommen Glückstadt[27] und Krempe“.[28]

Der Schweriner[29] Dompropst und Ratzeburger[30] Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium unter 1627: „October [1627; BW]. In Jütland haben die Königschen abermals verloren, Conrad Nelle und Calenburg sind gefangen vnd 27 Cornette vnd 3 Fahnen verloren worden. Also geht es den Soldaten, wenn sie nicht fechten wollen“.[31]

„Den 4. Febr. st. n. oder 25. Jan. st. v. [1628; BW], als Wallensteiner zu Prag gewesen, sein 95 Fahnen und Cornette, so den Dänischen in Holstein und der Oerter abgenommen, durch den Obristen Morando Kayserl. Majestät praesentiret, und vor des General Wallensteiners (welcher der vielen erhaltenen Victorien und dieser eroberten Fahnen und Cornetten zum Reichs-Fürsten gemacht) Logament, je 4 in einem Glied, fliegend, mit Trommeln und Pfeifen, von vornehmen Bürgern zu Prage ins Schloß getragen worden. Um die Zeit sein auch die Dänische, von Feld-Marschall Gr. Schlicken in Holstein gefangene Officirer, darunter Conrad Nelle und Calenberg, zu Prage eingebracht und auf der kleinen Seiten, bey den 4 Glocken, stark verwahret worden“.[32]

[1] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.

[2] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 153, 194.

[3] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[4] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[5] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[6] Steuerwald [Kr. Hildesheim]; HHSD II, S. 443.

[7] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[8] Alfeld; HHSD II, S. 5f.

[9] Escherde: Groß und Klein Escherde, Ortsteile der Gemeinde Nordstemmen [LK Hildesheim].

[10] Erichsburg [Gem. Hunnesrück, Kr. Einbeck]; HHSD II, S. 141.

[11] Poppenburg [Kr. Alfeld]; HHSD II, S. 384.

[12] Rössing [Gem. Nordstemmen].

[13] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[14] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[15] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[16] JÜRGENS, Chronik, S. 419f. Jürgens datiert nach dem alten Stil.

[17] JÜRGENS, Chronik, S. 419f.

[18] Nach LIECHTENSTEIN, Schlacht,  musste ein Kürassier mit einem mindestens 16 „Palmen“ hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtliche Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen tgl. 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tgl. Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration mtl. 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.

[19] WENDT, Geschichte, S. 406.

[20] JÜRGENS, Chronik, S. 420f. Jürgens datiert nach dem alten Stil.

[21] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[22] JÜRGENS, Chronik, S. 455.

[23] Viborg (Jütland); HHSDän, S. 225ff.

[24] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.

[25] Ålborg [Nordjyllands A, Jütland]; HHSDän, S. 1ff.

[26] Harboør [Ringkøbing A, Nordwestjütland]; HHSDän, S. 68f.

[27] Krempe [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 140f.

[28] JÜRGENS, Chronik, 457f.; Krempe [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 140f.

[29] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[30] Ratzeburg [Kr. Herzogtum Lauenburg]; HHSD I, S. 216f.

[31] DUVE, DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 2, S. 23.

[32] JÜRGENS, Chronik, S. 463.

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