Forgách [Forgatz] de Gýmeš [Ghymes] und Gács, Graf Miklós VII.

Forgách [Forgatz] de Gýmeš [Ghymes] und Gács, Graf Miklós VII.; Obrist [1586-1635] Miklós VII. Forgach [Forgatz] de Gýmeš [Ghymes] und Gács [1586-1635]forgach_miklos_vii entstammte einem alten ungarischen Adelsgeschlecht, das seinen Sitz auf Schloss Gýmeš (bei Jelenec) am Tribetz[Tribeč]-Gebirge auf dem ehemals zu Ungarn gehörenden Gebiet der Slowakei hatte. Ihm gehörte auch Gács.[1]

1621 hatte er bereits ein Husaren-Regiment[2] für den kaiserlichen Dienst angeworben.

Er führte ein 1630 geworbenes kaiserliches Regiment[3] von 5 Kompanien,[4] ab 1632 10 Kompanien kroatischer[5] Reiter.

„Am 16. Oktober [1632; BW] kam die Vorhut des feindlichen Heeres unter dem Oberst Forgatsch an, der das herzogliche Schloß mit 200 Dragonern[6] besetzen ließ und von der Stadt [Altenburg;[7] BW] 300 Taler zu erpressen verstand“.[8]

„Zu Beginn des Jahres 1633 hatte die Bedrückung der Hofer[9] Gegend, des Vogtlandes[10] und des Fichtelgebirges durch Einquartierungen und Plünderungen kroatischer Regimenter erhebliche Ausmaße angenommen. Das Regiment des Obersten Marcus Corpes logierte in der Gegend um Arzberg,[11] Grafenreuth[12] und Korbersdorf,[13] später um Adorf[14] und Hof und setzte von dort die umliegenden Gemeinden in Kontribution,[15] während das Regiment des Grafen Miklós (Nikolaus) Fórgach um Marktleuthen,[16] Thiersheim[17] und Kirchenlamitz[18] Quartier bezogen hatte“.[19]

Der Hofer Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 – 1648] berichtet in seiner Chronik: „Demnach seither die in verschiedenen herbst des abgewichenen 1632. jahrs zu Lützen[20] vorgegangenen großen feldschlacht zwischen schwedischer königlicher und kaiserlicher armee, […] kurz darauf die stadt Hof, sowohl auch mehren theils andere städte und flecken dieses Marggrafthums von den kayserlichen in contribution gesezt, auch an etlichen orten, besonders an der stadt Wunsiedel[21] den 5. Januarii [a. St.; BW] gewalt gebrauchet worden, dass daselbst 300 polacken[22] angesezt und die thoren aufhauen wollen, so aber mit gütlichem accord abgewiesen worden, die aber doch weiters durch das land gangen, und den 16. januarii Gefreß,[23] Goldcronach[24] (alda sie einen vertriebenen schlesischen von adel, Funck genandt, die hand ab- und einen schloßer, der den fallbaum niederlassen wollen, den kopf voneinander gehauen), wie auch Weiden,[25] Berg[26] und andere ort ausgeplündert, pferd und alles vieh mit hinweggenommen, besonders aber auch bey 8 compagnien polacken und croaten bis an die stadt Hof gestreifet und den 23. januarii gar in die Vorstatt kommen, daselbst geplündert, und sich im land gar übel angelassen, weil man in den benachbarten Bischofthum Bamberg den 23. januarii vor stadt Cronach[27] einen krieg angefangen, und rittmeister Rosa[28] den 4. februarii zu Gerau[29] schon mit schwedischem volck ankommen, hat man auch bey dieser stadt [Hof] auf ergangene citation anfänglich den obrist Penickhausen [Lothar Dietrich v. Bönninghausen; BW], nach diesen einen croatischen obristen Kegleritz [Peter Koglewitz; BW] wöchentlich 200 thaler contribution geben müssen, bis endlich obrist Korpus, so in den monath januario in den 6 aemtern[30] zu Arzberg quartier genommen, ein anderer croatischer obrister, mit hiesigen abgeordneten zu Rehau[31] tractiret, da es zu einem leidentlichen [abkommen] als wöchentlich auf 100 thaler kommen. Es hat aber nicht lange gewehret. Denn als im februario 3 andere croatische obristen als Corpus, Forgatzsch [Fórgach; BW] und Peigert [Beygott; BW], nachdem sie erstesmahles an Plauen[32] gesezt, ankommen, haben sie einen ehrbaren rath zu sich in herrn Johan Dürrenhofers abgebranten gasthof erfordert und ihnen Forgatzsch angefüget, wie dass sie von ihm aufs neue in contribution[33] gesezt werden, und darüber nachher Oberkozau[34] mit ihnen zu tractiren abordnung thun solten. Sogleich fort geschehen müssen, und sind damals abgeordnet worden ehrenermeldter[35] Johann Dürrenhöfer, damals gastwirth, Hanß Georg Teg und Georg Nester. Die haben bey ihrer wiederkunft die relation mitgebracht, dass nemlich die stadt Hof wöchentlich liefern sollte und müste 200 thaler, 2 eymer[36] wein und 9 faß[37] bier. Als nun der anfang mit lieferung des biers montags den 25. februarii fortgehen sollen, ist doch gemeldt bier dienstags abends, weilen er, Forgatzsch, eilends ordre, neben den andern obristen sich nach Eger[38] zu begeben, überkommen, bis auf weitern bescheid wieder zurückgeschickt worden. Inzwischen wird von den kayserlichen und bayrischen kriegsvolck allenthalben gewalt geübet, gestalt den 18. februar bey 400 croaten bey Culmbach[39] sich praesentirten, aber förders auf Sch[a]uenstein[40] und Helmbrechts[41] marchirten, daselbst etliche 100 stück vieh abnehmen und solches auf Eger zutreiben.

Craysen[42] hatte es auch wegen einquartirung und aufnahm des rittmeister[43] Roßens ganz bey den [Ober-; BW] pfälzischen[44] verderbet, dahero den 21. februarii vor tags bey 250 mann fußvolck sich in die Vorstadt eingeschlichen und um die stadt herum bey 2 bis 3000 reuther gehalten in hoffnung, die stadt plündern zu helfen. Diweilen aber herr rittmeister Rosau gute kundtschaft gehabt und die gantze nacht in bereitschaft gewesen, hat man sobald auf die in dunkeln herbeynahende musquetierer[45] feuer gegeben, und ist der scharmüzel früh um 5 uhr angangen, da die bayrischen starck mit musqueten, auch etlichen geschüzlein starck in die stadt geschossen, die Vorstädte gantz abgebrannt und vermeinet, die stadt zu gewinnen. Allein es ist ihnen solche gegenwehr geschehen, dass sie ihre wägen, so mit sturmleitern beladen, abledigen und ihre toden darauf legen und wegführen, auch also mit spott und hohn wieder abziehen müssen, da hingegen bey diesen sturm, der 6 stunden gewehret, [auf seiten der schwedischen] nicht ein mann, als ein trommelschläger und ein dragouner, geblieben.

Gleichergestalt als freytags den 1. martii etliche corpusische croaten sich zu Tiefendorf[46] verspätet und nachmahlen sich muthwillig und wiederwärtig erzeiget, sind ihrer 6 von des orts bauern und edelleuten niedergemacht worden,[47] derowegen der herr stadtvogt Johann Christoph Hendel, ein weidlicher, frischer geschickt[er] und verständiger mann, so hierbe vorn einen soldaten abgegeben, [p. 4] mit den einigen entrunnenen croaten die besichtigung einnehmen müssen. Mitlerweile und Nachmittage wird dem obristen Forgatzsch ein cornet zur abhohlung der contribution anhero geschickt. Derselbe wird von den sächsischen zu Plauen liegenden völckern unter dem obrist Veit Dietrich von Tauben, welche zum Unterthor unversehens in etliche 20 starck hereingefallen, ertappt und gefänglich mit weggeführet. Und obwohl die sächsische grose promiss gethan, dass der stadt folgenden tages gewisse entsezung folgen solte, so ist doch solches unterblieben, sondern es hat sich vielmehr den 3. martii Nachmittag wieder ein compagnie croaten von Oberkozau her bey dem Trüben Teich praesentiret, zu dem der herr stadtvoigt hinausgegangen, trunk und brod reichen lassen, sind sie darauf gegen die Plauische Straße recognosciren und von dannen wieder zurück auf ihre quartier gangen.

Montags den 4. martii komt obrist Corpus mit seinen gantzen regiment vor den Obern Thor an, und er vor seine person reith mit wenig pferden in die stadt, begehret den herrn stadtvoigt mit ihm nach Tiefendorf zu reiten, so geschehen.

Darauf man allhier abends 8 0der 9 uhr zwey grose feuer, als eines zu Hohen-,[48] das andere zu Tiefendorf[49] gesehen, da dan diese beyde dörfer um der todschläge, an den 6 croaten begangen, eingeäschert worden.

Die Aschermittwochen darauf am 6. martii, als man um 7 uhr zur wochenpredigt gehen wollen, kommen alle 3 obristen, Forgatzsch, Corpus und Peigert, mit allen bey sich habenden völckern von der Ziegelhütten anmarchiret, sazten alsobald zum obern Thor herein mit etlichen 20 compagnien croaten. Und ob sie wohl nichts feindseliges fürnehmen, auser dass etliche undisciplinirte in unterschiedene häußer eingefallen und uf den gaßen viel personen geplündert, ist es endlich zu einer einquartirung kommen, und folgends donnerstags ein ehrbahrer rath zu ihme, herrn obrist Forgatzsch, erfordert worden, und hat man ihme auf etliche wochen 1500 thaler herausgeben müssen, auch wegen des weggeführten cornets[50] und salva guardiknechts[51] straf erlegen sollen.[52] Weil man aber die hohe anforderung nicht erheben mögen, ist ihnen gleichwohl der halbe theil ihres erforderns dargezahlt worden, darnach seindt sie freytags den 8. martii um mittage plötzlich von hinnen wieder aufgebrochen, und wegen der praetendirten hinterstandes herrn stadtvoigt Johann Christoph Hendel und herrn bürgermeister Johann Gröschel mit nach Eger genommen worden, welche daselbst beym Schwarzen Bären in arrest bis nach Ostern bleiben müssen. Inzwischen haben die bayrischen den schaden, so sie vor Craysen erlitten, wiederum zu rechnen[53] gedacht und sich mit noch viel mehrern volck den 14. martii dahin gewandt.

Als aber herr rittmeister Rosa, welcher etliche tage vorher die classe eines obristlieutenants bekommen, davon kundschaft erhalten, hat er zu Craisen, weil man ihme vorher das waßer genommen, nicht verbleiben wollen, ist der ursachen auf Bayreuth geruckt, deme die bayrischen den 25. martii gefolget und den Rosen in nahmen herrn general Wahlens [Joachim Christian v. Wahl; BW] heraus- und die stadt Bayreuth aufgefordert, allein es ist von den rosischen auf sie geschossen und wieder abgetrieben worden. Darauf sie dem Morizhof[54] und die eine Vorstadt bis auf wenige häußer abgebrant, sich wieder auf Craisen gewandt, daselbst nachtquartier genommen und beym aufbruch frühe den 16. martii die gantze stadt abgebrandt, dass nicht ein hauß in der ringmauer stehend verblieben. In dem rückweg auf die Pfalz haben sie auch Gottesfeldt[55] (so ihr fürstliche gnaden frau Marien Marggräfin, Brandenburg[-Ansbach] zugehörig, und ein herrlich schön Schloß gehabt) wie auch Schnabelweidt,[56] Heidhof[57] und andere orte[58] in den brand gesteckt. Als aber die vorgemeldeten croaten allhier zum Hof aufgebrochen, haben sie 2 soldaten zur salva guardia hinter sich verlassen, so bey herrn Georg Schillern verpfleget worden, bis freytags den 15. martii um 10 uhr der schwedischer obrister Georg Christoph von Taubadel neben seinen und den sächsischen[59] taubischen volck vor den Unternthor angesezt, mit gewalt eröffnet und die beyden auf salva guardia liegende croaten gefänglich angenommen, darauf die stadt umritten, dieselbe besichtiget. Das meiste volck aber muste auf der höhe über dem Lazareth im felde halten, denen müste man bier und brod hinausverschaffen. Nachmittage um 2 ughr aber marchirte obgemeldter obrister mit seinen und den sächsischen völckern wieder zurück, wolten die beeden salvaguarden mitnehmen, wurden aber von hiesiger bürgerschaft erbeten, weil sonst die stadt um ihretwillen das höchste unheil würde haben ausstehen müssen, hingegen wurde ein croat, so die wunsiedler[60] fuhren nach Leipzig[61] gehend convoiret, vor den Unter Röhrkasten[62] von einen schwedischen erstochen, dahero ein groß schrecken entstanden, also gar, dass viel leuthe aus der stadt entwichen und fast niemand bleiben wollen, obgleich die andern 2 von den sächsischen loßgebetene croaten auf dem bürgerlichen Rathhause öffentlich bekanckt, auch an ihre obristen geschrieben, dass die stadt unschuldig und vor die grose gewalt nicht gekönt. Nichtsdestoweniger sind die flüchtigen bürger, so den schweden und sächsischen nachgeeylet, vermeinet, bey ihnen schuz zu haben, unterwegens nach Redwiz,[63] alda die wonsiedler fuhren auch aufgehauen und auf 20 pferde ausgespannt, sehr spolirt[64] worden. Nach diesen streiften die croaten fast täglich und ritten recognosciren, bis endlich freytags den 29. martii die schwedischen und sächßischen sich wieder conjungiret und vor tags in die stadt kommen, unterwegs aber viele von den croaten ausgeschickte partheyen angetroffen, dieselben ziemlicher maßen empfangen und nebst vielen niedergemacht, unter andern auch einen rittmeister nahmens Stephan Garmathey (so nach Erfurt[65] geschickt worden und zu Schleiz[66] ausgesaget, dass er selbigen tages die stadt Hoff spoliren solln) gefangen bekommen. Obrister Corpus hatte zeitlich davon kundschaft, derowegen, als er gleich ein eßen fisch verzehren wollen und nachricht bekommen, hat er plötzlich sich nach Eger reteriret. Aber obrister Forgatzsch muste haar halten[67] und [hat] sein gut pferd den schwedischen und sächßischen zur beute gegeben“.[68]

Der Zeitzeuge und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][69] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz  schrieb für Anfang 1633 anlässlich der Einquartierung kaiserlicher Kroaten-Regimenter: „Hernach kam der Ober[st] Forgatsch [Fórgach, BW] [und] nahm sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Thiersheim,[70] [Markt]leuthen[71] und Kirche[n]lamitz.[72] Der Ober[st] Beygott hatte sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Fischern[73] und Markhausen.[74] [Der] Ober[st] Orossi Paul [war] mit seinem Regiment Kroaten zu Mühlbach[75] und Kunreuth,[76] Ober[st] Koglewitz mit seinem Regiment Ungarn[77] zu Liebenstein,[78] Ober[st] Corpes, welcher diese Regimenter alle kommandierte, nahm das Quartier mit seinem starken Regiment Kroaten zu Arzberg [und ver]teilte sein Regiment auf die [folgenden] Dörfer: ein Kornet[t] nach Grafenreuth,[79] ein Kornet[t] nach Korbersdorf,[80] ein Kornet[t] nach Lorenzreuth,[81] ein Kornet[t] nach Haag,[82] zwei Kornet[t] nach Brand[83] [und] ein Kornet[t] nach Seußen.[84] Die übrigen hatte er bei sich. Als sie sich nun solchergestalt in die Quartiere verteilt hatten und der Regimenter viel waren, hingegen die Quartiere eng, auch darin[nen] wenig zum besten, haben diese Völker ausgesetzt weit und breit im Land. Da ging es dann im ganzen Land abermals jämmerlich her, denn diese Völker hatten gute, geschwinde Pferde. Da war auf 12 oder 15 Meilen nichts sicher vor ihnen. In solcher Ferne plünderten sie aus Städten und Märkten und rissen den Männern sowohl die Weiber [als] auch ihre Jungfrauen und Töchter von ihren Seiten und führten sie mit sich in ihre Quartiere. Solch traurige Herzen, die uns sehnlich von ferne angesehen und [an]geseufzet, haben wir fast täglich vor Augen gehabt und vorüberführen sehen. Aber da war bei diesen barbarischen Völkern keine Rettung. Da war kein Tag, [daß] man [nicht] hörete, [daß] da und dort dieser oder jener erschossen, erhauen oder sonst zu Tode gemartert worden ist. Da war ein Winseln, ein Schreien, Händewinden und Haarausraufen; bald von Männern, bald von Weib[ern] und Kindern. Ach mein Mann, ach mein Vater ist erschossen, erhauen oder gefangen mitgeführet worden ! Ach mein Weib, meine Tochter, meine Mutter, meine Schwester haben sie mit hinweggeführet, zu Tod[e] gemartert, hernach ins Wasser geworfen ! Ach, wie haben die Frommen ihre Häupter emporgehoben und nach einem seligen Ende geseufzet ! Und obwohl wir allhie[r] Tag und Nacht bei diesem jämmerlichen Zustand in Gefahr und Sorgen vor diesen fremden Völkern standen, so hat doch Gott der Allmächtige seine starke, schutzreiche Hand über uns so gnädiglich gehalten, daß wir’s ihm nicht genugsam(b) (ver)danken können. Denn der Kommandant zu Eger, Herr Ober[st] Adelshöffer, von welchem diese Regimenter alle Order holen und erwarten mußten, (der) hielt uns mächtigen Schutz und band ihnen ernstlich ein, sie sollten sich an Rebitz – welches sein Quartier [war] und zur Erhaltung seines Regimentes kontribuieren mußte – ja nit vergreifen. Obwohl wir des Adelshöffers Regiments-Proviantmeister mit etlichen Musketieren zur Besatzung und Salva Guardi[a] hatten, die uns vor allem Anfall defendieren sollten, so haben wir doch zur (Ver)sicherung auch bei Herrn Ober[st] Corpes etliche Kroaten ausgebracht und zu unserem Dienst gebraucht, damit, wann die Parteien, [die] so stark hin- und hergeritten [sind], etwas begehrt und haben wollten, (daß) sie auf ihre Sprache mit ihnen reden und antworten konnten. Denn da sparten wir keine Unkosten, weder Geld noch Geldeswert. Da zogen wir alles hervor und gaben willig und gerne alles, was wir hatten den(en) Obersten, die uns [in] dieser Zeit geschützt haben. Unsere Tor[e] mußten wir zugesperret haben Tag und Nacht und fleißig wachen, denn allernächst an den Toren wurden die Leut[e] ausgezogen, niedergehauen und beschädigt. Und durfte sich also niemand außerhalb auf dem Lande ohne starke Konvoi sehen und betreten lassen. Deswegen die Bauersleut um(b) uns sich mit Weib, Kind und Vieh – was sie noch hatten – wieder herein zu salvieret [haben]. Und ist dies gar gewiß, daß sie solche vergiftete Waffen[85] hatten, daß, wer nur ein wenig von ihnen beschädigt wurde, der mußte daran sterben, er trieb’s gleich lang oder kurz.

Als im Anfang die Kroaten in die Quartiere kamen, schickte der Ober[st] Beygott Schreiben anher[o], daß unsere Herren alsbald(e) nach dessen Verlesung sich aufmachen und noch selben Tag[s] bei ihm in seinem Quartier in Markhausen[86] erscheinen sollten. Und do solches in puncto nicht geschehe, sollten wir von ihm nichts anderes als Feuer und Schwert zu erwarten haben. Daher(o) [haben] sich abordnen lassen: He[rr] Friedrich Wuttig, Bürgermeister, He[rr] Hans Georg Steinl, Richter und He[rr] Hektor Hagius, Gerichtsschreiber. Und als sie sich zu [= bei] ihm [ein]gefunden im Dorf Markhausen, hat der Ob[e]r[st] von ihnen über Bier, Fleisch und Brot [hinaus] an Geld [noch] begehret 100 Reichstaler. In langer [Ver]handlung ist es auf 60 Taler kommen. Und weil(n) er sie von dannen nit [hat] lassen wollen, er habe denn das Geld, als[o] sind beide Herren, als[o] Wuttig und [der] Gerichtsschreiber, auf Hohenberg[87] zum Kommandanten daselbst, welcher ein Hauptmann[88] unter dem Adelshöffer [war]. Der bewilligte, das Geld herzuleihen. Unterdessen haben sie Herrn Steinl, [den] Richter, bei den Kroaten, bis sie mit dem Geld kamen, gefangen zurück (hinter)lassen.

Inmittelst ist von dem großen Regenwetter das Gewässer so groß gewachsen, daß sie nicht zusammenkommen konnten. Und ehe solches gefallen, haben die Kroaten Ordonanz bekommen, daß von ihnen 2 Komp[anien] in Böheim(b) [ein]marschieren sollten. Dieselben nahmen unsern Herrn Richter, warfen ihn auf ein Pferd und führten ihn anstatt des Geldes gefänglich mit davon. Und als sie nun mit ihm zu Eger vorüberwollten und sie sich in der Vorstadt etwas aufgehalten, da sahen dann die egerischen Bürger, daß sie (ihn) He[rrn] Richter gefänglich mitführten. Sie zeigten solches alsbald dem Kommandanten an. Der schickte geschwind etliche Offiziere(r) hinaus und läßt ihn mit Gewalt wieder hinwegnehmen und in die Stadt bringen. Da [war] denn der Kommandant sehr übel zufrieden, daß sich unsere He[rren] Abgeordneten ohne sein [Vor]wissen hinausbegeben hatten; aber es war [eben] geschehen.

Die Kroaten aber, die es damals nit anders(t) machen konnten und geschehen lassen mußten, gaben zwar Drohwort[e] aus und wollten es zu gelegener Zeit schon rächen, wie denn bald hernach(er), als selbiges Regiment neben noch anderen 3 Regimentern Kroaten auf uns zu marschierte und einen Trompeter voraus geschicket und zu wissen begehret, ob man ihnen das versprochene Geld wollte geben. Wo nit, so wüßten sie solches an jetzo selbst zu zahlen. Aber unser Proviantmeister sprach nit allein dem Trompeter,[89] sondern auch den Kroaten zu, es wäre ihm von seinem He[rrn] Obersten ernstlich geboten, daß die Rebitzer ohne sein Wissen und Verwilligung niemand weder Geld noch Proviant geben sollten. Doch wollte er (solches) an seinen He[rrn] Ob[e]r[st] nach Eger berichten, ob sie ihnen was geben sollten oder nit. Inmittelst sollte der kroatisch[e] Ober[st] seinen Regimentsquartiermeister[90] so lang, bis der Bericht zurückkäme, allhier (hinter)lassen. Als nun der Bericht kam, wurde uns nit allein verboten, nichts zu geben, sondern der Kommandant schrieb auch den Kroaten scharf, sie sollten Rebitz unbedrängt lassen. Wollten sie dann [noch] was Widerwärtiges wider sein (Ver)hoffen vernehmen, wüßte er sie bei Kais[erischer] Majestät schon zu finden. [Er] wollte sie also hiermit treulich verwarnet haben.

Dieser Bericht gefiel den hinterbliebenen Kroaten aber nicht und murreten also davon. Aber lang hernach führte sie der Teufel wieder her. Da mußten wir Gott danken, daß sie das Geld von uns mit Willen annahmen und sonst nichts Feindliches tentierten; denn der Adelshöffer war [zu] selber Zeit nit mehr in Eger. Dieser Adelshöffer hielt herrlichen Schutz über uns. Er ließ uns nit gern in Not geraten, denn sobald Volk in der Nähe im Marsch war, hat er (solche) Vorsorg um(b) uns getragen und uns bisweilen 30 bis 50 Dragoner und Musketiere(r)[91] zur Defension herausgeschickt. Aber bei ihm war auch Geld die Losung. Wir mußten ihm steif in die Büchsen blasen. Er war ein junger, tapferer und gelehrter Herr. Einesgleichen ist nach ihm nit mehr auf Eger [ge]kommen.

Dieser Zeit sind etlich wenig Polacken zu Münchberg[92] eingefallen und haben geplündert. Weil sich dann die Münchberger auch bedenken ließen, es wäre ihnen ein[e] Schand[e], daß sie sich von solch[en] wenig[en] Leuten sollten tribulieren[93] lassen, wollten [sie] ihren Mutwillen nit gestatten, fallen dieselben an, erschlagen nit allein derselben (bei) 10 oder 8 und nehmen ihnen etliche Pferde, sondern, weil sie auch sahen, daß die Polacken hübsch stark und fett [waren], haben sie etliche Riemen aus dem Leib geschnitten und sind übel mit ihnen um(b)gangen. Aber sie mußten nit allein die Pferde wieder zurückgeben, sondern es wurden auch um(b) dieswillen viele zu Boden gehauen und [es wurde] wieder übel mit ihnen gehauset. Wie dann lange Zeit niemand hat doselbst wohnen und bleiben können, bis diese Völker sich wieder aus dem Land gemacht“.[94]

1634 scheint Forgách die Stelle eines Generalwachtmeisters unter Isolano, dem General der kroatischen Reiterei, eingenommen zu haben.

„Die Kroatenregimenter unter General Goan Lodovico Isolano und Miklós Forgách hatten sich, nach der Verfolgung der flüchtenden weimarischen Truppen, in das Markgrafentum Ansbach begeben und suchten nun nach gewohnter Manier Franken heim: Der Nürnberger[95] Rat schrieb deshalb am 12. September 1634 an den schwedischen Reichskanzler Oxenstierna: [96]‚Isolani ist mit seinen Croaten über Gunzenhausen[97] in Ansbach[98] angelangt. Sie halten Schwabach[99] besetzt und streifen bis vor unsere Thore. 300 Pferde unseres Volkes [unter Hastver] haben ihnen heute früh noch eine große Viehherde, die sie aus den nahen Dörfern zusammengetrieben hatten, abgenommen und dieselbe hereingebracht, ungeachtet ihnen die Feinde bis über Fürth[100] nachgehauen. Um aber einige Zeit Widerstand leisten zu können, müssen wir mit Geld, Getreide und Munition versehen werden‘. (Heilmann II, S. 505).

Am 14. September hatten 6000 Mann kroatischer Truppen unter Forgách und Isolano bei Fürth in der Nähe der Alten Veste[101] ihr Lager aufgeschlagen. Dies hatte zur Folge, daß Nürnberg erneut blockiert und damit die Versorgungslage schwierig wurde. Die Nürnberger knüpften deshalb, nach Abzug der Kroaten am 21. September in Richtung Franken und Thüringen, über den bei Nördlingen[102] gefangenen und in Forchheim[103] inhaftierten Generalmajor Schafelitzky Kontakte mit dem dortigen bayerischen Kommandanten Friedrich von Schletz, um durch diesen ein freies Handelsgeleit nach Sachsen zu erwirken. Mit diesem hätten die Nürnberger jedoch den Bock zum Gärtner gemacht, denn, wie Khevenhiller weiß, ‚haben die Crabaten, neben etlichen Dragonern unter dem Forchheimischen Commendanten Friedrich von Schleuß [Schletz] um die Veste Coburg[104] herum übel gehaußet, dann diweil dieselbige die zugemuthete Contribution, so sie durch einen Trompeter gefordert, nicht geben wollen, haben sie alle Hostilitäten und Feindseligkeiten zu gebrauchen angefangen: 20. schöne Flecken und Dörfer daherum verbrennt, und mit Mord und Raub übel gewütet, denen aber etwas durch des General-Major Uslar Trouppen begegnet worden. Also haben sie auch verfahren um die Stadt Nürnberg, weil ihnen selbige Stadt nicht alsobald mit Proviant und Munition willfährig erscheinen, darum sie [die Nürnberger] ihre Dragoner hinauß commandirt [Hastvers Dragonerkompanie], welche etliche erlegt, und die übrigen abgetrieben; die abgetriebenen aber einen Ort nach dem andern in die Flamme gesteckt. Sonderlich den schönen Flecken Furth [Fürth bei Nürnberg], bis auf die Kirche, und etliche gar wenige Häuser gantz in die Asche gelegt‘. (Bd. XII, S. 1332). Diese Ereignisse, von Khevenhiller etwas komprimiert dargestellt, sollen nachfolgend etwas ausführlicher betrachtet werden.

Vor allem Georg von Uslar, Generalmajor Herzog Wilhelms v. Weimar, bemühte sich, die Übergriffe der Kroaten, von denen sich ein Regiment unter der Forchheimer Besatzung befand, in Grenzen zu halten. Uslar war bereits am 3. August 1634, noch während der Belagerung Forchheims durch den Feldmarschall Cratz, von Herzog Wilhelm nach Weimar[105] abgefordert worden. Jedoch ohne sein Regiment zu Pferd, welches bei Cratz verblieb und unter diesem nach Nördlingen kam. Herzog Wilhelm hatte zu diesem Zeitpunkt seine Regimenter neu gesammelt, Anfang September seine gesamte Reiterei und die Dragoner, zusammen 2000 Mann, unter den Oberbefehl Uslars gestellt und diesen damit gegen den Main geschickt. Sein Ziel war es, dem bayerischen Feldmarschall-Leutnant[106] Joachim Christian Freiherr von der Wahl, der am 18./28. August Bayreuth[107] geplündert hatte und sich nun gegen die Bistümer am Main wandte, gegenzusteuern (Huschke, S. 234).

Dort traf Uslar allerdings nicht auf die Truppen Wahls, sondern die Forchheimer Besatzung unter dem Kommandanten Schletz mit einigen Kompanien Kroaten, die, wie wir erfahren haben, nach dem Abzug des Feldmarschalls Kratz am 14. August ausgefallen waren, um die Umgebung Nürnbergs zu plündern und auch die Cratzischen Truppen in Richtung Schweinfurt zu verfolgen. Auf dem Rückweg legten die Forchheimer eine starke Garnison in das Städtchen Eltmann[108] bei Bamberg.[109] Diese wurde am Dienstag, dem 5. September, von einer 300 Reiter starken weimarischen Abteilung, unterstützt von einer Anzahl Musketiere, angegriffen. Die Forchheimer verteidigten sich zuerst ziemlich heftig, indem sie mit Doppelhaken[110] die Schweden unter Feuer nahmen, welche auch einige Tote einbüßten und gezwungen waren, sich hinter einen Hügel zurückzuziehen. Die Forchheimer nutzten diese Chance, auch weil die weimarischen Musketiere noch nicht heran waren, zu einem Ausfall. Es kam zu einem heftigen Scharmützel, bei dem sich die Forchheimer behaupteten, auch zwei Gefangene einbrachten, von denen sie allerdings vom Anzug der starken Uslar’schen Truppen erfuhren. Auf diese Nachricht verließen sie Eltmann und zogen sich, 300 (meistenteils Kroaten) und etliche Dragoner stark, nach Bamberg zurück. (Theatr. Europ. III, S. 351).

Uslar, der dies erfahren hatte, machte, von Hallstadt[111] kommend, am 6.9.1634 einen Vorstoß nach Bamberg, jagte die Forchheimer Truppen hinaus, machte einen Teil nieder und nahm gegen 100 Mann gefangen. Looshorn spricht von Forchheimer Verlusten in Höhe von 200 Mann, die Nonne vom hl. Grab zählt genau 166 Tote (BHVB 53, S. 212). Am 8. September zog Uslar weiter nach Weismain,[112] wurde jedoch, da zwischenzeitlich erste Avisen von der Nördlinger Niederlage eingetroffen waren, von Herzog Wilhelm zurückbeordert. Georg von Uslar bekam nun den Auftrag, die Mainpässe zu bewachen und ein Augenmerk auf die Städte Schweinfurt,[113] Ochsenfurt,[114] Kitzingen[115] und Würzburg[116] zu haben. Die Garnisonen der Städte Eltmann, Heldburg[117] und Coburg ließ Herzog Wilhelm mit Fußkompanien verstärken, dem Obersten Georg Philipp von Zehm übertrug Wilhelm am 9. September die Verteidigung der Veste Coburg, dem Major Joachim Ludwig von Seckendorf die der Veste Heldburg. (Looshorn VI, S. 331; Huschke, S. 235). 

Auf die Nachricht von der vernichtenden schwedischen Niederlage bei der Nördlinger Schlacht war die Forchheimer Besatzung unter Kommandant Friedrich von Schletz sofort wieder aktiv, um diesen Zustand auszunutzen. Nach der Heimsuchung der Nürnberger Umgebung war Schletz mit einer Abteilung, insgesamt 600 Kroaten und Dragoner stark, in den Itzgrund eingefallen, von wo man sengend und brennend in Richtung Coburg vordrang. Eine von der Coburger Garnison entgegengeschickte Abteilung Dragoner von 50 Pferden traf am 8./18. September 1634 bei Creidlitz[118] und Niederfüllbach[119] auf 3 Kompanien Kroaten und wurde von diesen in die Flucht geschlagen. 25 Dragoner wurden niedergemacht, der Fähnrich gefangen, der Rest konnte sich nach Coburg retirieren. In der Stadt entstand Panik und ein großer Teil von Rat und Bürgerschaft flüchtete sich auf die Veste, die zu diesem Zeitpunkt nur mit einer Besatzung von 140 Mann versehen war. Abends gegen 8 Uhr schickte Schletz einen Trompeter vor die Stadt und forderte diese zur Übergabe auf. Auf die daraufhin erfolgte Absage attackierten die Kroaten die Umgebung der Stadt und Veste, wobei sie beinahe den Obersten Zehm gefangengenommen hätten. Der konnte sich gerade noch retten, in dem er von seinem Pferd ab und in die Weinberge sprang, von wo er von einigen seiner Dragonern in Sicherheit gebracht wurde. Die Kroaten unter Schletz, welche einsahen, daß sie gegen Stadt und Festung nichts ausrichten konnten, legten nun die umliegenden Dörfer in die Asche. Creidlitz, Ketschendorf,[120] Meschenbach,[121] Großheirath,[122] Triebsdorf,[123] Ahorn,[124] Stöppach[125] und Weißenbrunn[126] (bei Untersiemau[127]) gingen in Flammen auf. Man verständigte sich schließlich am folgenden Tag (19.9.) auf eine Art Kapitulation, worauf Schletz mit seinen Truppen gegen Zahlung einer Brandschatzung von 1000 Reichstalern am 20. September wieder nach Forchheim abzog. (Karche I, S. 202f.).

Währenddessen war auch die Kronacher Besatzung ausgefallen, hatte die Stadt Neustadt[128] bei Coburg geplündert und das dortige Schloß abgebrannt. Der Kommandant der Veste Coburg, Georg Philipp von Zehm, war über die schwache Verteidigungsbereitschaft von Stadt und Festung dermaßen erzürnt, daß er am 11./21. September an seinen Landesherren, Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach, schrieb: ‚Wäre ja die größte Schand in der Welt gewesen, da von 600 Kroaten=Reitern und Dragonern eine solche vornehme fürstliche Residenzstadt eingebringt worden, ich aber meinen ehrlichen Namen dabei so liederlichen einbüßen sollen, den ich nun unwürdig bei Kriegswesen in die 24 Jahre erhalten, auch noch zu praestiren gedenke, sollte ich es auch mit meinem Blut bezeugen, allein bei solcher Konfusion will ich förderst vor Gott, dann E. F. G. und der ehrbaren Welt protestando entschuldiget sein‘. (T. Krieg, S. 35)„.[129]

„Den Feldmarschall Piccolomini[130] hatten wir am 15. Oktober 1634 im eroberten Schweinfurt verlassen, welches für die nächste Zeit sein Hauptquartier werden sollte. Bereits im Feldlager vor Schweinfurt hatte er erst einmal die Kroatenregimenter in Richtung Thüringen abkommandiert. Dabei sollte der Oberst Miklós Forgách zwischen Römhild[131] und Königshofen[132] patrouillieren, was dieser zwischen 11. und 13. Oktober auch tat, hingegen hatte der Kroatengeneral Goan Lodovico Isolano den Befehl, mit einigen tausend Kroaten ins Hennebergische[133] zu rücken. Der Hauptauftrag dieser irregulären Truppen war es, die Bewegungen des schwedischen Feldmarschalls Johann Banér, der von Leitmeritz[134] in Böhmen her im Anzug war, um sich mit den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar zu vereinen, auszukundschaften und zu überwachen. (DBBTI V/1027).

Der Anzug Banér’s, auf den die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar alle Hoffnungen zur Verteidigung Thüringens und Frankens setzten, soll an dieser Stelle etwas näher beleuchtet werden. Ursprünglich sollte sich dieser ja sofort nach der Nördlinger Niederlage im Auftrag Oxenstiernas über Eger[135] nach Franken und weiter an den Main begeben, sich  darauf um Schweinfurt festsetzen und zusammen mit Herzog Wilhelm das Bistum Würzburg schützen. Dieses war jedoch durch diverse Meinungsverschiedenheiten mit dem sächsischen Kurfürsten und dessen Generalleutnant[136] Hans Georg von Arnim in Verzug geraten. Banér faßte schließlich, auch auf Drängen Herzog Wilhelms von Weimar, den Plan, über Pirna[137] und Ilmenau[138] in den Thüringer Wald zu ziehen, um von dort zusammen mit dem Herzog an den Main zu rücken. (Chemnitz II, S. 556).

Herzog Wilhelm erwartete die Ankunft des schwedischen Feldmarschalls voller Ungeduld. Er schickte ihm sogar einen genauen Anmarschplan entgegen (über Pirna, Freiberg,[139] Chemnitz,[140] Zwickau,[141] Plauen,[142] Saalfeld,[143] Königsee[144]) und bat ihn, 1000 Reiter und 1000 Dragoner zur Versicherung der Grafschaft Henneberg vorauszuschicken. Banér wollte jedoch nicht über Zwickau ziehen und hielt sich, wegen eventuell drohender Gefahr aus Richtung Eger, weiter nördlich. Dies war der Zeitpunkt, als Piccolomini am 19. September den Main bei Frickenhausen[145] überschritt. Herzog Wilhelm war nun gezwungen zu handeln. Er zog seine Truppen an den Thüringer Wald zurück und quartierte sie in die Grafschaft Henneberg. Ein großer Teil des Fußvolkes blieb zur Verstärkung der Garnisonen in Würzburg, Schweinfurt und Ochsenfurt zurück.

Dem Befehlshaber über die Reiterei, Georg von Uslar, befahl Wilhelm, sich in keine Kampfhandlungen einzulassen, bevor nicht Banérs Truppen angekommen seien. Dessen Major Gaul sollte sich mit 200 Reitern nach Neustadt[146] und Mellrichstadt[147] begeben und dort die Regimenter des Obersten Heßler und des Oberstleutnants Reuschel an sich ziehen. (Huschke, S. 245). Obwohl Herzog Wilhelm sein Drängen intensivierte, Banér möge sich doch unverzüglich in Richtung Saalfeld, Königsee und Schleusingen[148] begeben, war dieser mittlerweile in die Stifter Magdeburg und Halberstadt ausgewichen. Das Kommando über die Banér’schen Truppen führte der Generalmajor Torsten Stålhandske, dem der Feldmarschall befohlen hatte, in Richtung Zeitz[149] und Naumburg[150] zu marschieren. Die Armee stand am 6. Oktober erst bei Zeitz und lag am 8. Oktober, 7 Regimenter zu Roß und 5 zu Fuß, insgesamt ca. 8000 Mann stark, bei Naumburg. (Ebd. S. 247).

Der Plan war nun, über Weimar,[151] Erfurt[152] und Arnstadt[153] nach Ilmenau zu marschieren. Banér selbst begab sich zu Verhandlungen mit Herzog Wilhelm nach Weimar, wo er am 12.10. eintraf. Man beratschlagte über eine mögliche Vorgehensweise, wobei eine Vereinigung mit den hessischen Truppen noch dem allgemeinen Konsens entsprach. Herzog Wilhelm schlug eine ‚Cavalcade‘ gegen Schweinfurt vor, um die Truppen Piccolominis vom Thüringer Wald und hennebergischem Gebiet abzulenken. Allein Banér war zu keinerlei Kompromissen bereit. Das ‚allgemeine evangelische Wesen‘ kümmerte ihn wenig. Sein Handeln war ausschließlich von schwedischen Interessen geprägt. Die letzte noch intakte Armee der schwedischen Krone wollte er auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Dazu kam, daß Herzog Wilhelm in übersteigerter Selbsteinschätzung nach wie vor nicht auf seinen Titel als schwedischer Generalleutnant verzichten wollte und den Oberbefehl über die Truppen beanspruchte. Dazu war Banér, der dem Herzog, welcher noch nicht einmal ein ausgesprochener Anhänger der schwedischen Interessen war, ein gehöriges Maß an Mißtrauen entgegenbrachte, nun nicht im entferntesten bereit. Er beschloß seine Truppen vorerst um Erfurt, Rudolstadt,[154] Mühlhausen[155] und Eisenach[156] einzuquartieren und die weitere Entwicklung abzuwarten. Eine Entscheidung, die in den folgenden Wochen und Monaten die Landbevölkerung dieser Städte aufs äußerste ruinieren sollte. Er selbst zog am 14. Oktober in Erfurt ein. (Ebd. 251).

Feldmarschall Piccolomini hatte durch seine Kundschafter genaue Kenntnis über die Bewegungen Banérs. Am 19. Oktober schrieb er an Gallas, er wäre bereit, Banér anzugreifen, falls dieser Erfurt verlassen sollte, er selbst wäre allerdings der Meinung, daß dieser nach Hessen ziehen wolle. Isolano habe er mit den Kroatenregimentern angewiesen, sich in diesem Fall nach Kissingen[157] und Hammelburg[158] zurückzuziehen, andernfalls sein Vorrücken ins Hennebergische fortzusetzen. (DBBTI V/1032, 1033). Isolano mit seinen ‚Croaten, Hungarn und Polacken, deren er acht Regimenter, doch ziemlich schwach, zu zwey[hundert] und das stärkste zu dreyhundert Pferde stark, bey sich gehabt‘, wandte sich jedoch nach gewohnt unsteter Manier erst einmal in die Wetterau,[159] von wo er seine Truppen bis nach Frankfurt schweifen ließ (15. Oktober). Anschließend sammelten sie sich bei Gelnhausen[160] um von dort in das Stift Fulda und über die Rhön nach Thüringen vorzudringen. (Chemnitz II, S. 574). Forgách hielt in der Zwischenzeit Königshofen blockiert, wohin sich auf Befehl des Generalfeldzeugmeisters Melchior von Hatzfeld gegen Ende des Jahres auch der aus Böhmen herangezogene kaiserliche Generalwachtmeister Johann Frh. von Beck begab und mit den Belagerungsvorbereitungen begann. (ebd. S. 581).

Die gefürstete Grafschaft Henneberg, heute zum Bundesland Thüringen gehörig, stand zum Zeitpunkt des Dreißigjährigen Krieges unter kursächsischer Verwaltung (1584-1660), wobei jedoch die fürstlich-sächsische (ernestinische) Linie gewisse Mitsprache-rechte besaß. Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, der auf die Vereinigung mit den hessischen Truppen wartete, hatte dort, gegen Mitte Oktober, seine Truppen in einer Stärke von ca. 4000 Mann bei Suhl[161] und Zella-Mehlis[162] zusammengezogen. Am 21. Oktober traf er selbst in seinem Hauptquartier in Suhl ein. Einige berittene Abteilungen schickte er in Richtung Königshofen, um den Heranzug der Kroaten unter Isolano zu beobachten. Dort lag nach wie vor der Kroatenoberst Miklós Forgách, dem sich nun die aus der Wetterau zurückkommenden Regimenter Isolanos anschlossen. Am 25. Oktober trafen diese Truppen auf eine Abteilung von 300 Reitern unter dem weimarischen Major Gaul, der einen Erkundigungsritt nach Themar[163] unternommen hatte. Die Dragoner wurden in die Flucht geschlagen und versuchten sich unter Verfolgung von Isolanos Regimentern nach Suhl zurrückzuziehen. Themar wurde am gleichen Tag von den Kroaten ‚angezündet und halb abgebrannt‘.

Das Vordringen der Kroaten, 10 schwache Regimenter mit insgesamt 5000 Mann (die zeitgenössischen Quellen melden 6000 Mann), war so heftig, daß Herzog Wilhelm alle Mühe hatte einen Rückzug zu organisieren. Unter Verlusten und mit ’nicht geringer Gefahr der hohen Person des Herzogs‘ zogen sich die weimarischen Truppen nach Arnstadt zurück und gaben Suhl den hereinbrechenden Kroatenscharen preis. Diese nahmen am Mittwoch, dem 15./25.10.1634, die Stadt ein und plünderten sie bis zum Morgen des folgenden Tages vollkommen aus. Die Bürger wurden aufs Grausamste mißhandelt: 83 von ihnen wurden ermordet und eine große Zahl starb noch an den Folgen der Mißhandlungen. Als Isolano am Morgen des 26.10. (Do.) gegen 8 Uhr wieder abzog, gab er Befehl, die Stadt an vier Stellen anzuzünden. Eine Delegation des Stadtrates begab sich zu ihm und bat ihn auf Knien um Verschonung der Stadt; er wandte sich jedoch wortlos von ihnen ab und gab das Signal zum Anzünden. Der Anfang des Brandes wurde beim Amt- und Rathaus gemacht, wobei die Kroaten die Straßen mit bloßen Säbeln durchliefen, um die Straßen durchliefen, um die Bewohner am Löschen zu hindern. 769 Bürgerhäuser brannten ab. Gleichzeitig wurden alle Produktionsstätten des damals weltweit führenden Fabrikationszentrums für Handfeuerwaffen vernichtet. Nur eine Rohrschmiede, ein Eisenhammer, der sogenannte Mühlwiesenhammer mit Bohr- und Schleifmühle auf dem Grundstück des damaligen Gewehrhändlers Valentin Klett, blieb vom Feuer verschont. (Johann Wagner/Suhl etc.).

Stephan Klett, ein Mitglied der Suhler Waffenschmiedefamilie, schilderte in Reimform, wie er das Wüten der Kroaten am eigenen Leibe empfinden mußte:

‚[…] Sie führten mich wieder in mein Kammer,

viel größer als vor entstund der Jammer

weil sie mich bunden barbarischer Weis,

legten mir auch mit allem Fleiß

die Feilkolben an Finger und Nasen […]

den schwedischen Trunk auch schauen lassen,

da ward ich wieder aufs neu gebunden,

an mein Ehebett zur selbigen Stunden.

Ihrer 4 waren um mich mit Macht,

der eine seine Pistolen bracht,

setzt sir mir an Kopf, wollt schießen,

die andern auch nicht unterließen

zu binden und zu schrauben mich,

da schrie ich laut barmherziglich […].

Früh morgens als es nun war Tag

das Vieh man schreien und lauffen sah,

in Gassen und Häusern fing mans auf

und triebens weg; da must ich drauf

bald aus der kammer wieder fort,

mit ihnen auf die Röder und suchen dort,

funden aber des Orts nichts mehr;

Drauf war noch dieses ihr Begehr:

daß sie Pistolen von mir wollten haben,

mußt drum stets neben ihnen hertraben,

von einer in die andere Gassen,

da war noch Noth über alle Maßen,

groß Lebens=Gefahr bei den Croaten,

die Säbel auf mich zucken thaten […]‘

Klett konnte schließlich entkommen und versteckte sich im Heustadel seiner Mutter, mußte dort allerdings flüchten, als die

Stadt in Brand gesteckt wurde. Er war einer der wenigen Glücklichen, deren Familien sich in Sicherheit bringen konnten:

‚Alsdann sucht ich mein Weib und Kind,

die hatten am Mühlwiesen Hammer geschwind

gelöscht, mit Hilf ehrlicher Leut,

Nachdem sie aber gangen davon

und doch das Feuer brannte schon

über die Giebel=Mauer im Hammer=Dach

sowohl auch unten im Rinnloch

nahm ich noch etliche Leut zu mir;

An Stützen, Gelten und anderem Geschirr

mangelte es sehr, doch hielten wir an

die ganze Nacht ohne Ablan

bis wir gedämpft der Kohlen Gluth

die groß war, mit Gottes Hülfe gut‘.

Die führende Stellung Suhls als Fertigungsort für Musketen und Pistolen war mit der Zerstörung der Stadt für viele Jahrzehnte verloren. Außer Suhl hatte auch die gesamte Grafschaft Henneberg unter diesem Kroateneinfall furchtbar zu leiden und ‚hat der Feind mit Feuer, Schwert, Raub, Plünderung, Schändung der Weibspersonen also kontinuiert und flagriert, daß es einen Stein erbarmen möchte‘ (Huschke, S. 255). Kaltennordheim,[164] Themar (15./25.10.) und viele andere Orte wurden in die Asche gelegt. Über den Thüringer Wald drangen die Kroaten wegen den um Erfurt liegenden Truppen Banérs jedoch nicht vor, sondern zogen werraabwärts, besetzten Schmalkalden,[165] plünderten Salzungen[166] und machten das ganze Werra-Tal unsicher. Ihr klares Ziel war es, Herzog Wilhelm von Weimar an einer Vereinigung mit den Truppen des Landgrafen Wilhelm von Hessen zu hindern. Herzog Wilhelm legte daraufhin seine Regimenter am 29. Oktober in die Umgebung von Weimar. Dies war notwendig geworden, weil einzelne feindliche Streiftruppen mittlerweile auch über den Frankenwald nach Saalfeld vorgedrungen waren und auf dem Weg dorthin Lobenstein[167] geplündert hatten. Dabei handelte es sich um Lamboy’sche Streifscharen, die, verstärkt durch die auf Rosenberg[168] liegende Besatzung des Kronacher

Kommandanten Hans Jacob Bruckner, wiederholt Plünderungszüge in die Reußische Herrschaft Plauen unternahmen“.[169]

„Am Freitag den 10 Oktober [1634. a. St.; BW] mittags um 1 Uhr ließ der Kayserliche Obrist Forgatsch ein Schreiben an die Stadt Meiningen[170] abgeben, in dem 2000 Reichstaler als Brandschatzung[171] von der Stadt verlangt wurden. Ehe aber die von dem Obersten selbst festgesetzte Zeit, 10 Uhr vormittags des nächsten Tages, gekommen war, stand vor dem Obertor früh 7 Uhr ein Trompeter[172] und verlangte Entscheidung, ob sich die Stadt in einen ‚accordt’, eine Verständigung, einlassen wollte oder nicht. Bald darauf erschien ein Rittmeister mit einigen Truppen Reiterei und verlangte das Nachgeben der Stadt. Andernfalls würde gegen sie, wie auch gegen andere geschehen, mit Feuer und Schwert verfahren werden. Die Stadt entschuldigte sich mit Unvermögen infolge langer Einquartierung und erbat sich Bedenkzeit. Wie der Kanzler Schröter in einem Bericht an seinen Landesherrn, den Kurfürsten von Sachsen, mitteilt, hat die Stadt die Entscheidung so lange hinauszuzögern verstanden, bis ein (offenbar weimarischer, d. V.) Generalmjor und der Oberaufseher[173] herbeikamen und zum Widerstand rieten. Doch wird zum Schluß darauf hingewiesen, dass der (weimarische ! d. V.) Oberstleutnant Curt Hilmar Koch die von ihm geschützte Stadt  Schweinfurt schon hatte aufgeben und sein Fußvolk hatte zurücklassen müssen. Koch selbst sei angekommen und habe berichtet, daß das Kaiserliche Volk zu Roß und zu Fuß mächtig und stark heranrücke“.[174] Am 16./26.10.1634 wurde Meiningen von den Kaiserlichen geplündert.[175] Einem Bericht des Kanzlers Schröter waren ‚nach dem Einbruch der Truppen der Herr General Isolano und die Herren Obersten Forgatsch, Curis (?), Budian [Batthyányi [Budian, Budiany, Bathiany], Ferencz [Franziskus] Graf de; BW], Deodatti [Diodati; BW], Raban (?) und Angelo gefolgt sind, und dass auch der Herr General Isolano selbst ein Mitleid über solche ganz erbärmliche erlittene Plünderung’ getragen habe.[176]

Vom Oktober 1634 bis April 1635 waren Teile seiner Truppen in Schleusingen[177] eingelagert.[178]

„Die seit dem 10. Oktober 1631 in schwedischer Hand befindliche Grenzfestung Königshofen hatte bisher allen Eroberungsversuchen getrotzt. Bereits während der Belagerung Schweinfurts hatte Feldmarschall Piccolomini den Obersten Miklós Forgách dorthin geschickt. Dieser patrouillierte ab 11. Oktober 1634 mit seinem Regiment Ungarn zwischen Königshofen und Römhild[179] um die Pässe und Zugänge zur Festung zu überwachen und zog sich ab 13.10. zur Entfaltung einer Art Blockadetätigkeit näher an die Stadt (DBBTI V/1020, 1024).

Nach einem Brief Piccolominis[180] an Gallas[181] vom 16. Oktober vermuteten die Kaiserlichen in Königshofen eine Besatzung von mittlerweile an die 3000 Mann (ebd. 1029). Dies war völlig unrealistisch. Nach der Verlegung der ursprünglichen Besatzung von 4 Kompanien finnischen[182] Musketieren unter dem Obersten Caspar Ermes Anfang Juli 1634 nach Augsburg[183] hatte eine Abteilung vom Västergötländischen Regiment Carl Hårds unter Oberstleutnant Erich Andreas Oxe die Garnison Königshofen übernommen. Dazu kamen Ende September und Ende Oktober 1634 noch einige Kompanien der abziehenden Garnisonen von Rothenburg o. d. Tauber[184] und Windsheim[185] aus dem Brinken’schen Regiment. Deren Oberst Wilhelm von den Brinken war im Sommer anläßlich der Belagerung Regensburgs[186] durch die Kaiserlichen verwundet worden und hatte sich kurz nach der Übergabe der Stadt am 29.7.1634 nach Königshofen begeben, wo er gegenüber dem Oberstleutnant Oxe die Rolle eines Kommandanten beanspruchte. Chemnitz berichtet anläßlich der Übergabe Rothenburgs am 18.9.1634, daß den beiden in Rothenburg liegenden Brinken’schen Kompanien unter dem Major Polli (Pollius) freier Abzug zu ihrem Obristen nach Königshofen gewährt wurde. Dieser wurde jedoch nicht eingehalten, indem die Knechte untergesteckt wurden und nur die Offiziere abziehen durften. Der Windsheimer Besatzung, 2 Kompanien unter dem Brinken’schen Oberstleutnant Balthasar Goll, war allerdings der Abzug gestattet worden, welche sich daraufhin ebenfalls nach Königshofen begaben. (Bd. II, S. 548, 582).

Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Spannungen zwischen Brinken und Oxe, denn Piccolomini bemerkt in dem oben erwähnten Brief, daß sich der in Königshofen liegende Oberstleutnant mit dem ‚dorthin entsandten Herrn Brinck‘ nicht vertrage, seiner Meinung nach wäre es nicht schwer, sich der Stadt zu bemächtigen (Theatr. III, S. 403). Brinken scheint sich aber in diesem Machtkampf durchgesetzt zu haben, denn ab September 1634 wird er als Kommandant von Königshofen erwähnt.

Nachdem die Blockade durch Forgách wenig Effekt gezeigt hatte, begann gegen Ende des Jahres 1634 der kaiserliche Generalwachtmeister Frh. Johann v. Beck, der von Rudolf Colloredo mit einigen Regimentern zu Roß und Fuß von Böhmen ins Reich kommandiert worden war, auf Befehl Melchior von Hatzfelds mit den Vorbereitungen der Belagerung von Königshofen. Er ließ die Stadt zur Übergabe auffordern und, nachdem dieses Ansinnen abgelehnt worden war, in der Nacht des 25. Dezember/4. Januar 1635 mit Artilleriefeuer belegen. Mit Granaten und Brandkugeln versuchte man die Besatzung einzuschüchtern, bzw., wie dies mit Schorndorf[187] gelungen war, die Stadt in Brand zu setzen. Becks Truppen waren indes zu schwach, auch war man nicht mit ausreichender Artillerie versehen, so daß auch dieser Versuch scheiterte und man unverrichteter Dinge wieder abziehen mußte. (Chemnitz II, S. 581)„.[188]

„Wir wenden uns nun wieder den Truppen des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy zu, die wir am Sonntag, dem 29. Oktober 1634, bei ihrem Abzug aus dem geplünderten  Kulmbach[189] verlassen hatten. Am 30.10. (n. St.) kamen diese, 2500 Mann in 6 Regimentern stark, mit zwei Feldstücken im Herzogtum Coburg an. Lamboy, der über Kronach[190] herangezogen war, schlug sein Hauptquartier in Großheirath[191] südlich von Coburg[192] auf. Durch ein mittels eines Trompeter überbrachtes Schreiben ließ er noch am gleichen Tag Bürgermeister und Rat der Stadt zur Übergabe auffordern. Die Stadt schickte daraufhin eine Deputation, bestehend aus dem Obristwachtmeister Felix Rauschart, Kommandant über die Bürgerschaft und Stadtgarnison, sowie den Räten Ludwig Wilhelm von Streitberg, Dr. Bonaventura Gauer (Assessor des Schöppenstuhls), Dr. Andreas Peter Wolfrum (Assessor des Consistoriums) und Andreas Hohnbaum (Bäcker auf dem Steinweg) in das Lamboy’sche Hauptquartier. Der wollte allerdings die Delegation überhaupt nicht empfangen, sondern ließ die Verhandlungen durch seinen Bruder, Georg von Lamboy, führen. Lediglich den Oberstwachtmeister Rauschart, den er gut kannte, empfing er persönlich. Lamboy forderte für 5 Kompanien zu Fuß und seine Leibkompanie[193] zu Pferd Quartiere in der Stadt, Proviant für die gesamten Truppen und eine Ranzion[194] von 10.000 Gulden. Die Deputierten, welche die Unmöglichkeit der Forderungen erklärten, wurden bei ihrem Abzug bedroht, daß, sollte man sich am folgenden Tag nicht zugänglicher erzeigen, man mit Coburg wie mit Hof[195] und Kulmbach verfahren wolle. Die geforderte Ranzion konnte nach einigen Tagen schließlich auf 5000 Gulden heruntergehandelt werden, worauf am 26.10./5.11. ein aus 8 Punkten bestehender Übergabevertrag unterzeichnet wurde und Lamboy mit den oben erwähnten Kompanien in die Stadt einzog. Das übrige Volk wurde in die Dörfer rund um Coburg einquartiert, wo alle Dorfschaften zu deren Verpflegung beitragen mußten. Der vereinbarte Übergabevertrag besagte, daß Stadt und Land Coburg bei ihren Herrschaften, Privilegien, Rechten und Gerechtigkeiten sowie Religion und Profan-Frieden belassen werden sollten. Die fürstliche Residenz, Kirchen, Schulen, Sekretariate, das Rathaus, die Kanzlei und das Gymnasium wie auch alle herzoglichen Beamten, Räte, Diener sowie alle Einwohner und Untertanen sollten unbeschadet bleiben und auf dem Lande Plünderungen und andere Insolentien unterbleiben. Auch wurde zugesagt, die Stadt mit keiner weiteren Ranzion zu belegen und Güter und Vermögen der Räte und der in der Stadt befindlichen Adligen unangetastet zu lassen. Wie diese Zugeständnisse eingehalten wurden, wurde sofort nach dem Einzug der kaiserlichen Truppen in die Stadt ersichtlich. Lamboy ließ die Bürgermeister in der Ehrenburg, wo er auch persönlich einzog, festhalten und verlangte von diesen wöchentlich 1000 Taler zu seiner Unterhaltung, nebst Viktualien und Vieh, welche Summe er jedoch aus realistischen Gründen auf 600 und schließlich auf 450 Taler wöchentlich reduzierte.

Auf der Veste Coburg war der Oberst Georg Philipp von Zehm Festungshauptmann im Dienste Johann Ernsts von Sachsen-Eisenach, der seit dem Tod Herzog Johann Casimirs Hausherr der Festung war. Zehm, der eigentlich zu den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar gehörte, war von diesem am 9. September 1634, kurz nach Bekanntwerden der Nördlinger Niederlage,[196] erneut als Kommandant der Veste Coburg bestätigt worden (Huschke, S. 235). Das dortige Oberkommando beanspruchte jedoch der von Herzog Johann Ernst bestellte Oberstwachtmeister Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, welcher die bisherige Garnison befehligt hatte. Von der ehemaligen Taupadel’schen Besatzung war, nach dessen Abzug im Februar 1633, eine Kompanie Dragoner unter dem Kapitän Michael Griesheim verblieben, über dessen und seiner Untergebenen Verhalten allerdings in den vergangenen beiden Jahren vielfältige Beschwerden eingekommen waren. Griesheim fühlte sich dem Major Görtz unterstellt, was zu vielfältigen Kompetenzstreitigkeiten führte.

Die gesamte Besatzung der Veste sollte Zehm im August 1634 auf Befehl Herzog Wilhelms von Weimar auf 800 Mann zu Fuß und 100 Reiter komplettieren. Davon waren allerdings 500 Mann aus der Landesdefension (Ausschuß)[197] abzustellen, 200 Mann davon sollten die Veste Heldburg[198] besetzen. Die bewaffnete Bürgerschaft Coburgs zählte gegen 530 Mann, von denen sich aber nur ein kleiner Teil auf die Festung begeben hatte. Obwohl die Stärke der Festungsgarnison im Oktober 1634 nirgends explizit angegeben ist, darf man aus den vorhandenen Zahlen annehmen, daß die geworbene Besatzung nicht mehr als 100-120 Musketiere unter dem Hauptmann Michel (meist aus den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar, die dieser ebenfalls am 9. September 1634 dorthin kommandiert hatte) und 70 berittene Dragoner[199] Griesheims umfaßte, wozu noch etwa 120 Ausschuß aus Coburg, Neustadt,[200] Sonnefeld,[201] Neuhaus (am Rennweg)[202] und Hiildburghausen[203] vorgesehen waren. Die Ausschußkompanie kommandiert[e] der Hauptmann von Birkig. Insgesamt umfaßte die Festungsbesatzung wohl 250-300 Mann. Im Laufe der Belagerung erkrankten ca. 60 Personen, 16 kamen zu Tode. Oberst Zehm bat während der Belagerung Herzog Wilhelm mehrmals um eine Verstärkung von 100-150 guten Musketieren, welche zwar öfters zugesagt wurde, tatsächlich jedoch nie ankam. Jedenfalls schreibt der auf die Veste geflüchtete Kommandant der Heldburg, Joachim Ludwig von Seckendorf in einer Rechtfertigungsschrift, es wäre ‚rühmlicher gewesen, es hätten 300 junge Mannschaften in Coburg die Resolution gefaßt und sich auf die Festung, dem Feind zu resistiren begeben, statt alte verlebte Krämer und dergleichen Gesellen hinaufzuschicken‘. (T. Krieg, S. 34, 35, 42, 45).

Das Lamboy’sche Belagerungskorps war zahlenmäßig starken Schwankungen unterworfen. Als Lamboy die Stadt mit einer Anzahl berittener Ttruppen am 16.11. für einige Tage in Richtung Römhild verließ, ließ er nur 500 Mann zu Fuß und 60 Reiter zurück. Wenig später wurde jedoch eine Verstärkung Hatzfeldischer Truppen von dem nun quasi verbündeten sächsischen Oberst [später Generalleutnant] Albrecht von Kalckstein herangeführt. Lamboy verfügte damit, außer dem Kürassierregiment Hatzfeld und den Fußregimentern Gallas, Johann von Adelshofen und Graf Rudolf von Thun (letzterer ab Dezember), über zusätzliche Kompanien aus dem Fußregiment Götz[204] und den Kavallerieregimentern Forgách (Kroaten) sowie Johann Wilhelm von Willich (Arkebusiere),[205] die ihm Piccolomini zur Verfügung gestellt hatte (DBBTI V/1188; Karche III, 137). Offensichtlich ist, daß es in Lamboys Truppenzusammensetzung seit seinem Anmarsch über Kulmbach (s. vorgehendes Kapitel) erhebliche Verschiebungen gegeben hatte. Zehm schätzte die Verstärkungen einschließlich der angekommenen Bergknappen und ‚Minirer‘ auf 1200.

Unmittelbar nach der Einnahme der Stadt am 5.11. begannen die Truppen Lamboys mit der Einschließung und Belagerung der Festung. Oberst Zehm, der abwesend war und von Steinheid[206] her anreiste, gelangte gerade noch rechtzeitig in die bereits umstellte Burg. Die Dragoner, welche gerade in Richtung Cortendorf[207] und Lützelbuch[208] zum Furagieren ausgeritten waren, waren durch einen Losungsschuß zum Rückzug ermahnt worden, wurden aber vom Feind umringt und hatten 3 Tote und etliche Verletzte zu beklagen, bevor sie sich in die Festung zurückziehen konnten. Rüger, der gerne zu Übertreibungen neigt, berichtet, daß einer der Verwundeten namens Eucharius aus Hildburghausen ‚also gestochen worden, daß der durch die Wunde gehende Wind sein Licht ausgelöscht‘. Der solchermaßen Verletzte wurde jedoch wundersamer Weise wieder geheilt. Oberst Zehm beklagte sich heftig über die seiner Meinung nach allzu schnelle Übergabe der Stadt und über diejenigen, ‚so accordiert und die Stadt so liederlich übergeben‘.

Die ersten Tage und Wochen der Belagerung vergingen, da die feindlichen Truppen noch relativ schwach waren, mit verschiedenen Plänkeleien und Scharmützeln. Die Einschließung scheint zu diesem Zeitpunkt noch nicht so konsequent gewesen zu sein, denn vom Landvolk wurden allerhand Viktualien in die Festung getragen. Unter anderem kamen zwei Schuster aus Sonneberg[209] zum Verkauf von zwei Tragen Schuhen in die Burg, welche man für Spione hielt und verhaftete. Eine Frau, die eine Bürde mit Heu in die Festung tragen wollte, wurde allerdings auf dem Rögnersberg erstochen. Am 9. November wurde ein Bäckerjunge als heimlicher Bote mit der Bitte nach Verstärkung zu Herzog Wilhelm von Weimar abgefertigt. Dieser sollte zum Zeichen dafür, daß er den Belagerungsring erfolgreich überwunden hatte, ein Feuer auf dem Mühlberg machen, was auch gelang. Am 16. November versuchten die Belagerer zum ersten Mal an die Tore der Burg zu kommen um dort Feuer einzulegen, wurden aber durch die beiden auf der Brustwehr stehenden Konstabler Conrad Rüger und Hans Jakob Seidenschanz mit Granaten und Sturmtöpfen[210] abgetrieben. Am 19. November kam der an Herzog Wilhelm abgesandte Bote wieder zurück und machte zum Zeichen seiner Ankunft auf dem Mühlberg wieder ein Feuer, worauf man ihn über den Burggraben in die Festung geleitete. Er brachte die Nachricht, daß Herzog Wilhelm unweigerlich Sukkurs schicken wolle, der jedoch nie eintraf.

Die Belagerung der Veste ging indessen, da Lamboy sich für einige Tage zu Konsultationen mit Forgách nach Römhild begeben hatte (am 16.11.), mit relativ geringem Engagement weiter. Rüger berichtet unter dem 20. November von einer merkwürdigen Exkursion von 5 Landesdefensionern, die zum Holzholen in die abgebrannte Schäferei ausrückten. Dabei mußte ihnen die Jungfer Katharina Krug die Gewehre nachtragen. Auf dem Rückweg wurde die Gruppe von einer feindlichen Streifpartei überrascht. Die Männer ‚riefen gedachter Jungfer, welche schon etwas vorgegangen, um Gotteswillen zu eilen und ihnen ihre Gewehre zu bringen, worauf sie wieder zurückgesprungen und den Männern dieselben überbracht, welche nun auf den Feind losgingen. Zu ihrer Defension wurde aus der Festung mit Doppelhaken und Musketen Feuer unter die Feinde gegeben, daß sie ausreißen mußten und kamen die 5 Männer ohne Schaden durch Gottes Hilfe davon, nahmen ihr Holz wieder auf den Hals und brachten es in die Vestung‘. Kommandant Zehm unternahm nun einen Versuch die in der Stadt liegenden feindlichen Truppen zu verunsichern. Er ließ zwei Geschütze auf die geheime Ratsstube in der Ehrenburg, in der Lamboy sein Quartier hatte, zwei auf den Markt und zwei auf das Rosenauschlößchen richten und diese abfeuern. Gleichzeitig ließ er einen Ausfall beim Heiligkreuztor und Steintor machen, der allerdings wenig Erfolg hatte, sonderlicher Schaden ‚sei in der Stadt nicht geschehen‘. (T. Krieg, S. 35).

Wegen des ausbleibenden Sukkurs wurde der Bote am 4. Dezember erneut mit der dringlichen Bitte um Unterstützung zum Herzog geschickt. Dieses für Herzog Wilhelm, zu diesem Zeitpunkt ja noch schwedischer Generalleutnant, typisch unzuverlässige Verhalten hatten wir bereits bei der am 22.11. ausbleibenden Unterstützung für die heranziehenden Hessischen Truppen unter Kurt von Dalwig erlebt. Wilhelm schien zu dieser Zeit bereits zu taktieren, da er davon ausging, daß sich die Coburger Besatzung länger halten würde und durch das sich abzeichnende Pirnaer Friedensabkommen zwischen dem Kaiser und Sachsen (23.11. 1634) die Veste Coburg in die Neutralität aufgenommen werden könnte. Daß jedoch Wilhelm den Entsatz der Veste zumindest plante, geht aus den Verhandlungen mit dem schwedischen Feldmarschall Johann Banér vom 9.12. hervor, den er, wie sich herausstellen sollte erfolglos, zu einem Vorstoß gegen Franken zu überreden versuchte. Der Coburger Kommandant Zehm hatte Wilhelm durch den abgesandten Boten gemeldet, daß die Kaiserlichen durch die erfolgte Beschießung der Stadt und den Ausfall so in die Furcht geraten seien, ‚daß sie, hätte es nur etwas stärker ausfallen können, die Stadt sollten quittiert haben‘. Auch, daß die in der Stadt liegenden kaiserlichen Truppen Furcht vor einem neuen Überfall hätten und der Herzog mit 2000 Reitern und 1000 Mann zu Fuß diese leicht überwältigen und die Festung entsetzen könne (Huschke, S. 264). Der Kurier kam am 12. Dezember mit der Botschaft zurück, daß die Unterstützung innerhalb der nächsten beiden Tage nun unweigerlich eintreffen sollte. Die Konstabler Rüger und Seidenschwanz wurden deshalb ‚mit 2 halben Karthaunen und 50 Kugeln, 13 Ctr. Pulver und 6 Pfd. Pirschpulver,[211] zum Zündkraut zu gebrauchen‘ in Stellung gebracht um der herannahenden Verstärkung Feuerschutz geben zu können und dem Feind ‚bei der Stahlhütte in Gotsmanns Garten Pahre [Barré] zu schießen‘, diesen also abzuriegeln (Die Stahlhütte, also das Schießhaus für die Armbrustschützengilde, stand an der Stelle des heutigen Landestheaters).

Die erwartete Verstärkung blieb natürlich aus. Am 23.12. (2.1.) ordnete Zehm einen größeren Ausfall mit 100 Mann an. Diese kamen bis unter die Tore der Ehrenburg, mußten sich aber nach kurzem Gefecht unter Mitnahme eines Gefangenen wieder in die Festung zurückziehen. Rüger erwähnt diesen Vorfall seltsamerweise nicht, berichtet jedoch von einigen Ausfällen der Dragoner unter dem 21. und 24. Dezember, welche einen Gefangenen einbrachten, der vorgab, ein geborener Grieche zu sein und deshalb nicht antworten wollte. ‚Da wardt befohlen, man solle ihn todt schießen; da konnte er gut deutsch reden‘. Während der nun folgenden Weihnachtsfeiertage hielten sich beide Seiten ruhig.

Im Januar 1635 kam Johann Ludwig Fueß, der Kommissar des kaiserlichen Feldmarschalls Piccolomini nach Coburg. Er ließ etliche Mandate wegen monatlicher Kontributionen von 1000 Gulden, Lieferung von Proviant und Beschaffung von Quartieren publizieren. Er selbst verlangte monatlich 200 Taler neben Kost und Futter. Fueß wurde durch den kaiserlichen Oberkommissär Daniel Wolff abgelöst, der eine eigene Vergütung von monatlich 600 Reichstalern und eine sofortige Kontribution von 8000 Talern für die Kriegskasse forderte. Den Beamten und Räten der Coburgischen Städte wurde bei Nichtzahlung mit Arrest und militärischer Exekution gedroht, so daß sie schließlich eine Obligation über 6000 Taler ausstellten. Als die Stadt Coburg diese Kontributionen nicht mehr aufbringen konnte, wurden die Mitglieder des Rates 8 Tage lang in die Regimentsstube auf dem Rathaus eingeschlossen. Kaum hatten sie sich gegen eine goldene Kette und eine Anzahl von Wertgegenständen freigekauft, wurden sie erneut, neben dem Kanzler Dr. Ernst Fomann auf Waldsachsen und dem fürstl. Rat Dr. Peter Wolfrum, in der großen Ratsstube der fürstlichen Regierung inhaftiert und von Soldaten bewacht, bis sie schließlich eine Obligation über 3400 Reichstaler ausstellten, worauf sie freigelassen wurden.

Rüger berichtet unter dem 2. Januar von etlichen Ausfällen der Dragoner, die dabei einen Toten und 2 Gefangene zu beklagen hatten. Die Gefangenen wurden von den Belagerern grausam umgebracht. Der eine, weil er zwei Glaskugeln bei sich trug, was als abergläubisches Mittel galt, um das ‚Festmachen‘ also die Unverwundbarkeit des Gegners aufzuheben. Diesem stachen sie die Augen aus, schnitten ihm ein Kreuz auf die Stirn und erschossen ihn. Der zweite, ein Knecht des Dragonerfähnrichs Klaus Börzinger, weil er eine Pirschbüchse bei sich trug, also als Scharfschütze galt.[212] Dieser Knecht sollte, weil er in das Zeughaus eingebrochen war, bereits am Vortag in der Veste erschossen werden, war jedoch von der Schwester Georg Christophs von Taupadel, die sich noch auf der Veste befand, freigebeten worden. Am 20. Januar streuten die Dragoner sogenannte Lähmeisen, also vierzackige Fußangeln, aus und legten Lähmbretter (Bretter mit durchgeschlagenen Nägeln). Der in diesen Hinterhalt gelockte Feind hatte dadurch zahlreiche Verluste an lahmen Pferden.

Die Nachrichten des Festungskommandanten Zehm an seinen Landesherren Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach und den de facto schwedischen Generalleutnant Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar wurden im Februar des Jahres 1635 zunehmend dringlicher. Wilhelm legte nach wie vor seine Verzögerungstaktik an den Tag. Am 9./19. Februar wies er Zehm auf die laufenden Friedensverhandlungen hin und erklärte, daß ein solcher Frieden nicht nur einen Waffenstillstand, sondern den Wegzug aller kaiserlicher Truppen aus der Grafschaft Henneberg und dem Herzogtum Coburg nach sich zöge. Sein mangelndes Eingreifen entschuldigte Wilhelm damit, daß der Feind nördlich des Thüringer Waldes keine Feindseligkeiten zeige, er deshalb diesen Zustand gleichfalls nicht durch feindselige Haltungen gefährden wolle. Dem Kommandanten empfahl er, einen Unterhändler zu Lamboy zu schicken und ihn über den bestehenden Waffenstillstand zu unterrichten, der zwangsläufig auch die Festung Coburg einbeziehen würde.

Während Herzog Wilhelm zumindest noch produktive Vorschläge machte, beschränkten sich die Ratschläge Johann Ernsts, der keinen militärischen Einfluß hatte, auf reine Durchhalteparolen. Bereits im Januar hatte Zehm geklagt, daß er von seinem Landesherren und dessen Räten keine Antwort bekomme. Zu Anfang Februar legte er diesem die militärische Situation dar. Danach hatte Lamboy umfangreiche Vorbereitungen für einen Sturm machen lassen. Dafür seien zahlreiche Schanzkörbe, Faschinen und Sturmleitern etc. verfertigt worden. Zudem habe man mit der Unterminierung der Veste begonnen, zu welchem Zweck zwei ‚Minierer‘ (Bergbauingenieure in Militärdiensten) und eine große Anzahl an Bergknappen angekommen wären. Zehms kontinuierliches Klagen und die durch seine eigene Hilflosigkeit bedingte Wut veranlaßten Johann Ernst am 10./20. Februar dazu, einen außergewöhnlich scharfen Durchhaltebrief an den Kommandanten zu richten: ‚Herr Obrister, ich weiß nicht, wie ihr gar so verzagt schreibet, Ihr sagt, Ihr seid so lange blockiert gewesen, Ihr müsset aber wissen, Blockierung ist nicht Attackierung, wenn sie Euch etwas tun wollen, so müssen sie Euch auf den Leib, es ist auch die Festung so hoch, daß sie nicht werden so bald hineinsteigen, auf den gesetzten Fall kommen sie hinein, ist es doch nichts Neues, daß man sie wieder herausschlagen [muß]. Es ist leicht von einem Kavalier geredet, daß man Leib und Leben zusetzen will; wenn alles dabei in Acht genommen wird, ists wohlgetan; der Herr Obriste betrachte, es ist kein Geringes, ein Kommando zu begehren und auf sich zu nehmen, man muß auch danach tun, was sein Amt mit sich bringet. […] ich verstehe mich zu Euch als einem Kavalier, Ihr werdet tun, was Euch gebühret, befehle Euch hiermit ernstlich, für mich und mein Haus, daß Ihr unsre Festung bis auf den letzten Mann und letzten Blutstropfen verteidiget, und man will von keinem Akkord wissen; tut Ihr nun wohl, so versichere ich Euch, es soll Euch mit solchem Dank belohnet werden, daß ihr damit sollet zufrieden sein, tut Ihr aber übel, und lebet dem Allen nicht nach, so wird man es von Eurem Kopf fordern‘. (T. Krieg, S. 36).

Zehm schrieb seinem Landesherren im Verlauf des Februar, daß die Blockade der Festung nun vehement vorangetrieben würde, ‚fast nicht ein Hund könne mehr herauskommen‘. Die Belagerer hätten zudem mit dem Vorantreiben der der unterirdischen Stollen erhebliche Fortschritte gemacht. Am 17./27. habe man deshalb einen Ausfall unternommen, den Feind aus den Laufgräben geschlagen und eine der Minen einbekommen. Dabei seien 25 der Feinde gefallen, zwei Minierer und etliche Bergknappen habe man gefangengenommen und mit ihren Werkzeugen und Waffen in die Festung gebracht. Ein ‚vornehmer Minierer‘, der sich für einen Fähnrich ausgebe, nach Aussage der anderen aber der Hauptmann sein soll, habe bekannt, deß der ‚Principal Minierer‘, ein Italiener, fest entschlossen sei, unter den Stock der Veste zu minieren. Man habe die dritte Mine bereits angefangen und nach dem Willen Lamboys wolle man alle drei Minen zugleich springen lassen. (Ebd. S. 37).

Diese Vorbereitungen werden in einem Brief Lamboys am 22. Februar an Octavio Piccolomini bestätigt. In diesem schreibt Lamboy, daß die Vorbereitungen zu Unterminierung der Festung beendet seien. Durch die Minenstollen könne man bereits die feindlichen Schanzen erreichen. Die Sappeure[213] hätten 40 Tonnen Schießpulver unter die Festung gelegt, falls diese nicht innerhalb von 3 Tagen übergeben werde, solle die Sprengung erfolgen. Am 24. Februar muß Lamboy in einem weiteren Schreiben allerdings zugeben, daß sich die Verteidiger nicht ergeben wollten, sondern auf Hilfe warteten. Der zweite Minenstollen sei nun auch beendet. Am 28. Februar berichtet er, daß die Belagerung der Feste durch Regenfälle und Ausfälle der Verteidiger erschwert würde. Diese warteten auf Hilfe von Johan Banér. Gleichzeitig verteidigt er sich gegen Vorwürfe Piccolominis, der die Sappen und Minen für nicht wirksam genug hielt. (DBBTI V/1160, 1167, 1172).

Rüger berichtet von der nun gänzlichen Einschließung der Veste unter dem 26. Februar. Am 28.2. richtete er eine mit Hagel (Hackblei und Eisenstücken) geladene viertel Kartaune auf den von den Belagerern besetzten Hohlweg und provozierte dadurch einen artilleristischen Gegenangriff. Dabei wurde die Schießscharte seiner Geschützstellung getroffen, so daß ihn ein Steinsplitter am Ohr traf und etliche Tage außer Gefecht setzte. Unter dem 5.3. schreibt er von einem Ausfall der Dragoner, welche von der blauen Kemenate mit Doppelhaken, Musketen und Gewehren unterstützt wurden. Die Schildwache der Belagerer, ein geborener Schwede und ehemals zur auf der Veste liegenden Kompanie des Hauptmanns Michel zugehörig, wurde überrascht und wollte fliehen. ‚Sein Hauptmann aber mit Namen Krebs versuchte ihn aufzuhalten, indem er ihm zurief: Wohin ? Wohin ? er aber stößt ihn in den Koth, sagend: Da liegst du und der Teufel !‘ Die Dragoner, die zu Fuß angriffen, machten etliche der fliehenden Belagerer mit Schlachtschwertern (Zweihändern) und kurzem Gewehr (Helmbarten) nieder und nahmen den Rest gefangen, darunter den Hauptmann Krebs.

Von einem besonderen Kabinettstücklein berichtet Rüger unter dem 7. März. Die Belagerer hatten zwei 1/4-pfündige Stücklein[214] in einen Garten unterhalb der neuen Bastei gepflanzt und begannen die Festung zu beschießen (diese Bastei, im Süden der Veste, hatte der Konstabler Rüger unter seinem Kommando). ‚Die Feinde gaben nach mir Feuer, fehlten aber die ganze Vestung nicht mehr als 26 mal, welches die darinnen liegenden wohl lachten und folgendes Blendwerk brauchten. So oft sie schossen, warf Caspar Radschmidt mit einem Sturmhäfelein, so mit Kalk und Aschen angefüllt war, an die Mauer, daß es stäubte, wodurch sie vermeinten, sie hätten getroffen. Wie sie aber den Betrug merkten, so trafen sie besser und schossen in die Schießaugen und durch die Blendung auf der neuen Bastei, daß ich aber übel zufrieden war und gedachte sie wieder zu bezahlen, richtete deshalb eine halbe Karthaune auf sie zu und gab Feuer auf ihre Schanzgräben und Batterien und lähmte ihre Stücke gänzlich, welches sie aber bald wieder reparirten und Feuer auf die Basteien gaben, welches noch zu ersehen, aber sie konnten nichts Schadhaftes effekutieren‘.

Eine weitere Episode über den anscheinend besonders gewieften Caspar Radschmidt berichtet Rüger wenig später: ‚Den 12. März kommandierte der Hr. Capitän 3 Männer mit Schlachtschwerdtern und kurzem Gewehr auf die vordere Mine, welche im Herrenberg angefangen war [unter der neuen Bastei]. Darunter war auch Caspar Radschmidt, eine Rundtasche habend [Rondartsche = schußfester Rundschild]. Diese gingen auf die Minirer los, bekamen ihrer 4 gefangen und führten sie auf die Vestung. Als sie fast hinan waren, vermerkte Caspar Radschmidt, daß er in der Furie seine Rundtasche verloren habe, dem der Capitän alsbald 6 Mann gab, dieselbe wieder zu holen. Sie gingen hin und bekamen wieder 7 Minirer und ihren Hauptmann, wie auch alle ihre eisernen Keile und Hämmer, nebst einer Flasche, mit welcher sie Vormittag 9 Uhr die in der Vestung genug gehöhnet, indem sie selbige auf eine Stange steckten und uns einen Trunk präsentirten, dem wir Bescheid thun sollten, welches auch durch einen Jäger geschahe, der sie mit einer Pirschbüchse anzäpfte‘.

Zu einem spektakulären Zwischenfall kam es am 22. März, als Rüger erneut die Ehrenburg beschoß. Dort hielt sich gerade der Generalwachtmeister Lamboy mit dem Grafen Miklós Forgách und noch 5 Oberstleutnants, angeblich zum Kartenspielen, in der geheimen Ratsstube auf, als eine von Rüger abgefeuerte Geschützkugel einschlug, die steinerne Fenstersäule zerschmetterte, den Tisch um kaum einen Meter verfehlte und zum anderen Fenster wieder hinausfuhr. Rüger berichtet über diesen Vorfall, zwar unter falschem Datum, aber in gewohnt launiger Manier: ‚Den 21. Nov. spielte ich auf den Abend mit einer Feldschlange von der neuen Bastei auf die geheime Rathstube in der Ehrenburg, denn es war berichtet worden, daß der General Lamboy sein Quartier in selbiger genommen, welches auch zugetroffen. Am selbigen Abend war General Lamboy am Tisch gesessen, gespielt, getrunken und lustig gewesen und habe ich von gedachter Stube eine Säule vom Fenster sammt dem Gebäu vom Stuhl, auf welchem Lamboy gesessen, nebst Leuchter und Pocalen von der Tafel weggeschossen, daß Herr und Diener aus dem Gemach gesprungen und wollten diesen fremden gast, weil er ganz seltsam und ihnen übel gefallen, nicht mitspielen lassen‘. (Rügers Relation bei Karche I, S. 477).

Der Kommandant Zehm war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich frustriert. Da sich Herzog Wilhelm von Weimar am 3./13. auf eine Reise zu Kurfürst Johann Georg I. nach Dresden begeben hatte (Huschke, S. 286), wandte sich Zehm noch am 12./22.3. an Herzog Johann Ernst mit der Bitte, dieser möge doch wegen etwaigen Sukkurses bei dem Generalmajor Georg von Uslar in Waltershausen[215] anfragen, dem Herzog Wilhelm Weisungen hinrterlassen habe. Er beschwerte sich auch bei dieser Gelegenheit über Herzog Wilhelm, dem er etliche Male den Zustand der Festung geschildert habe, auch daß die Besatzung gar zu schwach und durch die stetigen Wachten und die große Kälte sehr abgemattet sei. Viele wären dadurch krank geworden und stürben dahin. Von Herzog Wilhelm habe er bisher nur Vertröstungen erhalten. Außerdem sprach Zehm, trotz der Drohungen Johann Ernsts, diesem gegenüber nochmals die ‚Traktationsmöglichkeiten‘, also Verhandlungsmöglichkeiten zu einer Übergabe an. Wenn nicht spätestens in 4 Tagen Unterstützung zu erwarten sei, ‚werde kein anderes Mittel sein, [als] den Ort zu übergeben und eher mit einem ehrlichen Soldatenakkord abzuziehen, als großer Schand und Extremitäten neben Verlierung des Platzes gewärtig zu sein‘. (T. Krieg, S. 38).

Am 12.3. hatte man bereits mit ersten Übergabeverhandlungen, die im Namen Zehms von dem Kapitän Michel geführt wurden, begonnen. Mit welcher Gesinnung Lamboy und der jederzeit informierte Piccolomini dabei vorgingen, zeigt ein Brief Lamboys an Piccolomini vom 12. März. Hierin berichtet Lamboy, Arnim (der kursächsische Generalleutnant) habe einen Eilboten hergeschickt, mit der Anweisung, das ganze Haus Coburg und die gesamte Besatzung innerhalb des Schlosses in den Waffenstillstand aufzunehmen; es handle sich dabei freilich um Schweden und Kompanien des Herzogs (Wilhelm) von Weimar. Kapitän Michel, der als Unterhändler auftrete, sei von seiner eigenen (Wilhelms) Kompanie. Er warte auf Instruktionen. Seine Stellung in Thüringen sei jetzt, nach dem Anmarsch der Regimenter Forgách, Götz und Willich, stark genug, um allen Angriffen standzuhalten. (DBBTI V/ 1188). Piccolomini und Lamboy wußten also sehr genau, daß die Festung bereits in den Waffenstillstand zwischen dem Kaiser und Kursachsen aufgenommen war, wollten aber vorher noch vollendete Tatsachen schaffen.

Tatsächlich hätte Zehm nur noch wenige Wochen durchhalten müssen. Die nachgiebige Haltung der Belagerten erscheint besonders vor dem Hintergrund unverständlich, als die Festung, mit der Ausnahme von Brennholz, noch mit genügend Vorrat versehen war. Über 1800 Simmern Weizen und 1200 Simmern Korn (Roggen) waren noch vorhanden (ein Coburger Korn-Simra entsprach 0, 4 bayer. Scheffel oder 88, 94 Liter). Dazu ein großer Vorrat an Erbsen und jede Menge Pulver und Munition. Zudem waren die Dragoner und Soldaten allesamt guten Mutes und gaben vor, ‚eher die von Adel niederschießen zu wollen, als daß die Festung solchergestalt aufgegeben werden sollte‘. Die Schwiegermutter Zehms, eine Rittmeisterin von Luchau, äußerte sich ihrem Schwiegersohn gegenüber, wenn sie gewußt hätte, daß er die Festung also übergeben wolle, so hätte sie ihm ihr Kind nimmermehr übergeben und wollte es wieder zu sich nehmen. (T. Krieg, S. 38, 40).

Als Ergebnis der Verhandlungen Michels wurde vorerst vom 16. bis zum 21. März ein Waffenstillstand abgeschlossen. Die Kommandantur der Belagerten nutzte während dieser Zeit ein Angebot Lamboys, den Zustand der Minen zu besichtigen, die ge-gen die rote und blaue Kemenate vorangetrieben worden waren. Bereits im Januar hatte Lamboy den Vorschlag eines Übergabevertrages ausarbeiten lassen und ihn an den Festungskommandanten übermittelt. Nun wollte er ihm vor Augen führen, daß ein weiteres Verharren der Belagerten aussichtslos sei. Die Besichtigung erfolgte durch den Major von Seckendorf und drei Hauptleute. Diese erkannten zwar, daß die Minen noch nicht so weit fertiggestellt waren, als daß sie eine Gefahr für die Festung dargestellt hätten. Trotzdem wurde, nach erneutem Drängen Lamboys, am 9./19. März 1635 ein Akkord[216] von beiden Seiten unterzeichnet.

Dieser erste Übergabevertrag (wörtlich abgedruckt im Theatrum Europaeum III, S. 450) sah den Abzug der Garnison für Mittwoch den 21./21. März gegen Mittag vor. Vorher bat sich jedoch der Kommandant Zehm noch eine Besichtigung der Minen aus. Auch er erkannte die Unzulänglichkeit der bisherigen Vorbereitungen und entschloß sich, nach Befragung eines Kaufmannes, der sichere Nachricht von der Nichteinhaltung des Vertrages durch Lamboy hatte, den  Übergabetermin aufzukündigen. Als am Donnerstag, dem 22. März, 40 Pferde Vorspann an der Veste anlangten, um die Besatzung mitsamt Gepäck abzuführen, wurde ihnen ein Tambour mit ablehnendem Bescheid entgegengeschickt, worauf diese wieder abrücken mußten, widrigenfalls das Feuer auf sie eröffnet werden sollte. Piccolomini, der sich in (Bad) Neustadt aufhielt, schrieb am 25.3. verärgert an Gallas, daß die Besatzung von Coburg in letzter Minute die Kapitulation unter dem Vorwand abgelehnt habe, daß sich der (Pirnaer) Waffenstillstand auch auf sie beziehe. Er werde daher Lamboy befehlen, die Festung unter Beschuß zu nehmen. Gallas war eigentlich der Meinung, daß bis zum endgültigen Abschluß des Waffenstillstandes (Prager Frieden) die Festung geschont werden müsse. Lamboy setzte sich jedoch darüber hinweg, mit dem Argument, dieser Waffenstillstand wäre eine fertige Sache, deshalb müsse man vorher noch die Verwirrung der Schweden ausnutzen und diese vertreiben. (DBBTI V/1201, 1203).

Lamboy verfiel nun auf eine List. Am 24. März ließ er ein angebliches Schreiben Herzog Johann Ernsts auf die Festung schicken, mit der Behauptung, dieses hätten seine Reiter einem Boten von Eisenach[217] abgenommen, den sie erschossen hätten. In dem Schreiben befahl Johann Ernst, die Festung aufzugeben bevor sie durch die angelegten Minen ruiniert würde. Den Brief hatte Lamboy von seiner Kanzlei fälschen lassen. Dazu hatte man im fürstlichen Rentamt einen alten Befehl gefunden, das Siegel nachstechen lassen und die Handschrift und die Unterschrift des Herzogs nachgemacht. Der Kommandant Zehm war argwöhnisch, auch viele der Umstehenden äußerten Verdacht: ‚Die einen wollte es dünken, es sei eine österreichische Hand, ein anderer meinte, wie kann das richtig zugehen, es ist Neuseser Papier, zu Eisenach hat man dessen nicht. Zehmen hielt den Brief, sobald er ihn bekam, für verdächtig, warf ihn mit einem großen Fluch auf den Tisch, hielt auch das Papier gegen das Fenster und fand das Neuseser Zeichen daran. Seckendorf aber redete es ihm stark aus und beteuerte hoch, es sei richtig. Vor einem anderen Zeugen, der seinen Verdacht äußerte, ergriff er den Kommandanten am Arm und führte ihn weg‘.

Tatsächlich spielte von Seckendorf, der mit Nachdruck auf eine Kapitulation hinarbeitete, beim Zustandekommen der Übergabe eine zweifelhafte Rolle. Als der Zeugmeister Philipp Reinhardt sich an Zehm und Seckendorf mit der Frage wandte: ‚Herren, wollt ihr akkordieren, da wir doch an Munition keinen Mangel, auch zu leben haben‘, soll Seckendorf geantwortet haben: ‚wenn sich der alte Narr in die Luft sprengen ließe, sei an ihm nicht viel gelegen, es sei aber um die von Adel und andere ehrliche Leute zu tun‘. Nach Aussage des Hauptmanns von Birkig habe Seckendorf die Dragoner und die Bürger gefragt, ob sie fechten wollten, was diese entschieden bejaht hätten. Darauf hätte Seckendorf eingewandt: ‚Die hinterste Mine sei schon hinein, durch die rote Kemenate durch [den späteren Kongreßbau, heute Carl-Eduard-Bau], biß schon an die Roßmühle, die vorderste Mine durch die blaue Kemenate [das Untere Zeughaus, heute Hohes Haus] bis mitten in den Hof, wenn nun die Mine geht, zersprengt sie die Festung in zwei Teile und verdirbt die zwei Mühlen, was wollet ihr darnach zu fressen haben‘. Darüber wurden die Dragoner sehr zaghaft, welche bis auf den letzten Mann gefochten hätten, ‚wann sie nicht abgeschreckt worden‘. Der Zeugmeister Reinhard sagte aus, die Festung hätte auf jeden Fall erhalten werden können, da es ‚so große Gefahr mit dem Miniren im geringsten nicht gehabt‘. (T. Krieg, S. 39, 40).

Zuletzt nutzte alles Argumentieren nichts. Seckendorf drängte mit Vehemenz auf eine Übergabe und die Uneinigkeit zwischen Zehm, Görtz und Griesheim tat ihr übriges dazu. Am 17./27. März wurde der neue Übergabevertrag, bis auf die geänderten Datumsangaben gleichlautend mit dem 1. vereinbarten Akkord, von Wilhelm von Lamboy, Georg Philipp von Zehm und Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, unterschrieben. Danach sollte die Garnison am 18./28. März ‚früh um 8 Uhr mit fliegenden Fähnlein, brenenden Lunten, Kugeln im Mund, ober= und unter=Gewehr, gefüllten bandelieren,[218] klingendem Spiel, Sack und Pack und aller Bagage [Troß], wie die auch Namen haben mögen, abziehen‘. Die Mobilien des regierenden Landesfürsten (Johann Ernst), der fürstlichen Witwe (Johann Casimirs) und der fürstlichen Erben sollten unangetastet bleiben und die fürstlichen Kanzlei-Unterlagen dem Kanzler und Räten der Stadt zugestellt werden. Dem Obersten Zehm sollten alle seine Mobilien, ‚so er mit seiner Bagage nicht fortbringen kann, unverrückt bleiben und ihm so weit vergönnt und zugelassen sein, daß er solche in seine Behausung in der Stadt [Haus No. 134 in der Herrengasse] oder auf das Haus, die Roßenau genannt [Rosenauschlößchen …] sicherlich abführen lassen solle und möge‘. Außerdem sollten der auf der Veste gefangengehaltene Obrist Frh. von Haslang und der Oberstleutnant Klepping ohne Forderungen aus ihrem Arrest freigelassen werden. Alle Coburgischen Bürger und Einwohner des Landes sollten sich mit Weib, Kind und allem Hausrat wieder unangestatet in ihre Wohnungen begeben dürfen. (Karche III, S. 139f.).

Ein interessanter Sachverhalt findet sich noch unter Punkt 8 des Vertrages: ‚Hierinnen ist auch in specie begriffen des Obrist Taupadels Junger Schwester, welcher mit aller bey sich habenden Bagage, Mobilien, so Ihrem Herrn Bruder und ihr zuständig, es habe Namen wie es wolle, neben sein des Taupadels Kind und dero bei sich habenden Angehörigen, mit der Guarnison frey sicher abziehen, erlaubt seyn solle, wozu ihr denn mit nothwendiger Vorspann zu ihrer Kutschen fortgeholfen werden wird‘. Georg Christoph von Taupadels Schwester befand sich also (seit Oktober 1632) noch Anfang des Jahres 1635 zusammen mit dessen Kind auf der Veste Coburg.

Am 28. März 1635 wurde die Veste an Lamboy übergeben und die Besatzung (bzw. Herzog Wilhelm von Weimars Kompanie unter Hauptmann Michel) wurde unter Konvoi durch die Grafschaft Henneberg an Meiningen vorbei nach Eisenach geleitet. Die Akkordvereinbarungen wurden natürlich nicht eingehalten, was Lamboy damit begründete, daß der erste, am 9./19. März vereinbarte Akkord ohne Ursache gebrochen worden war, ‚folglich sei er in dem zweiten nach ‚aller verstendiger General vndt Cavallier judicio‘ auch nicht zu halten schuldig gewesen‘. Die in die Veste eingeflohenen Bürger wurden noch beim Hinuntergehen in die Stadt geplündert, viele mußten sich mit ‚Wachtgeld'[219] loskaufen, einige wurden umgebracht. Lamboy ließ die beiden Befehlshaber Oberst Zehm und Major Görtz entgegen den im Akkord getroffenen Vereinbarungen gleich nach ihrem Auszug in der Ehrenburg gefangensetz[t]en – wohl auf deren eigenes Ersuchen hin, da sie sich aufgrund ihres leichtfertigen Handelns vor möglichen Repressalien der eigenen Seite fürchteten. Desgleichen wurde der Wagen mit dem Silbergeschirr des Herzogs Johann Ernst im Wert von 21.000 Gulden beschlagnahmt. Obwohl der Herzog seinen Kämmerer Christoph von Herstall an Lamboy und Piccolomini schickte, sich sogar beim Kaiser beschwerte, konnte er sein Eigentum nicht mehr zurück erhalten. Das Tafelsilber hatte mittlerweile der Feldmarschall Piccolomini in seinen Besitz genommen, dem Lamboy noch am 20. April eine genaue Inventarliste davon zuschicken mußte (DBBTI V/1220). Bei Kenntnis der Habgier Piccolominis, der sich sofort nach Coburg begab, um die Beute zu besichtigen, wird klar, daß hier nichts mehr zu bekommen war.

Die Festung wurde mit einer kaiserlichen Garnison von 280 Mann aus dem Adelshofischen Regiment unter dem Hauptmann und Kommandanten Amman belegt (derselbe Hans Wilhelm Amman, der im Juni 1633 von Melchior von Hatzfeld der Kronacher Bürgerschaft als Stadthauptmann vorgestellt worden war, siehe dort). Dieser wurde am 3./13. Juli anläßlich der Ankunft des kaiserlichen Truppenkontingents unter der Marchese Francesco del Caretto di Grana, von dem Hauptmann Ott von Otten mit 360 Mann aus dem Neu-Hatzfeldischen Regiment abgelöst, welchem die Bürgerschaft wöchentlich 724 Gulden zu ihrem Unterhalt beisteuern mußte. Erst gegen Ende des Jahres 1635 gelangte die Veste aufgrund der Vereinbarungen des Prager Friedens an das Haus Sachsen zurück. Am 12./22. Dezember wurde der neue Kommandant und Festungshauptmann Hanns Hartmann von Erffa bestätigt. Dieser konnte mit seinen Soldaten die Festung allerdings erst am 7./17. März 1636 beziehen, nachdem die Hatzfeldische Garnison unter Hauptmann Otten am selbigen Tag abgezogen war.

Am tragischsten endete das Schicksal des Obersten und ehemaligen Kommandanten Georg Philipp von Zehm, obwohl dieser hinter den treibenden und intrigierenden Hauptakteuren der Übergabe schuldbezogen weit zurückstand. In einer 25 Folioseiten umfassenden Apologie versuchte von Zehm später die Beweggründe für sein Handeln darzustellen. Er mußte einen Prozeß wegen Hochverrats über sich ergehen lassen, der jedoch mangels Beweisen eingestellt wurde. Zehm quittierte daraufhin den Kriegsdienst und zog sich auf sein Coburger Anwesen (Herrengasse Nr. 134) zurück. Er wurde zunehmend sonderlicher und ergab sich mehr und mehr dem Aberglauben. Bereits in früheren Jahren, wenn er auf der Festung mit seiner Gemahlin zu Tisch saß, glaubte er des öfteren ein Gespenst, seiner Frau ähnlich, zu sehen. Seine Zuneigung zum Sektenwesen, insbesondere zum Calvinismus, der bei den Protestanten damals noch schlimmer angesehen wurde als die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche, brachte von Zehm mehr und mehr bei seinen Mitbürgern in Verruf. Er starb in seinem Haus in der Herrengasse unter großer Verachtung und wurde auf einem Mistwagen nach Schottenstein geführt und dort begraben. (Karche I, S. 212). Seine Gemahlin, eine Geborne von Würtzburg, war bereits im Jahr 1633 gestorben und am 17. September in das Begräbnis unter dem großen Stein im Kreuzgang der Kirche St. Moritz in Coburg beigesetzt worden. Die Leichenpredigt hielt der Archidiakonus Pfrüscher (Karche III, S. 146). Daß es mit der weiter oben erwähnten Rittmeisterstochter von Lüchau zu einer weiteren ehelichen Verbindung kam, ist nach diesen Vorfällen unwahrscheinlich. Viel mehr ist anzunehmen, daß die Schwiegermutter in spe ihr Kind, wie angedroht, wieder zu sich nahm“.[220]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Gács [Halič, Bez. Lučenec].
[2] Husar: Man muss zwischen polnischen und ungarischen Husaren unterscheiden. Schriftlich erwähnt werden „hussarones“  erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des  Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die die ungarischen Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem ein Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinnge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Die Husaren waren zunächst als leichte Kavallerie im polnischen Heer eingesetzt, bevor die Veränderung zur schweren Reiterei erfolgte. Die gepanzerten polnischen Flügelhusaren („Hussaria“) trugen Brustpanzer, Armschienen und kniehohe Lederstiefel. Zwei am Rückenpanzer befestigte große Flügelstangen ragten bis zu einen Meter über den Kopf, um allein durch ihren Anblick und das Rauschen Schrecken zu verbreiten. Zudem sollte der Rücken vor Säbelhieben und den von Tartaren verwendeten Lassos geschützt werden. Die Lanze war die Hauptwaffe, mit der die Flügelhusaren ihre Angriffe ritten. Daneben gab es leicht bewaffnete Husaren, die zur Aufklärung eingesetzt wurden.
[3] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 ((offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Lieutenant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[4] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst.
[5] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „.
[6] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[7] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[8] FRITZSCHE, Stadt Altenburg, S. 16.
[9] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[10] Vogtland; HHSD VIII, S. 350ff.
[11] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.
[12] Grafenreuth, heute Ortsteil von Thiersheim [lK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[13] Korbersdorf, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[14] Adorf [Kr. Oelsnitz]; HHSD VIII, S. 1f.
[15] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts, des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“.
[16] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].
[17] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[18] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].
[19] ENGERISSER, Von Kronach, S. 173 (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).
[20] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.
[21] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.
[22] Polacken: Die übliche, zunächst nicht pejorative Bezeichnung für die im kaiserlichen Heer wenig geschätzten polnischen Truppen, die hauptsächlich von Spanien besoldet und in habsburgischen Diensten standen. Die Kampfkraft dieser Truppen galt als gering. Einerseits galt ihre Führung als schwierig, andererseits waren sie wegen ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit im Umgang mit Muskete, Pistole, Säbel, Lanze und Wurfspeer gesuchte Söldner. Von Philipp Graf von Mansfeld-Vorderort stammt die negative Beurteilung: „Sie fressen wohl weder Samstag noch Freitag Butter oder Eier; sich aber sonsten für den katholischen Glauben, das Romische Reich oder auch ihr eigenes Vaterland einige Ungelegenheiten zu machen, seind sie ganz keine Leut. Wahrheit oder Ehr hat bei ihnen nicht länger Bestand, als wan es ihnen zum Profit dient; wan der aufhört, schwören sie für fünf Groschen einen Eid, dass Gott nie zur Welt geboren!“ HALLWICH, Wallensteins Ende, S. I51f. Vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik (Oktober 1636), S. 89: Die polnischen Reiter „soffen sehr viel bier auß, machten es mit Plündern, schenden erger denn alle feinde, ritten uff die welde, durchschändeten die Weibsbilder, dass Sie nicht gehen kundten, nötigten die Steinalten Weiber, dass Sie starben, zernichteten alles in heußern, weil ihrethalben alles uff die Welder und in die Städte gewichen wahr, haben viel vergrabene sachen aufgesucht, vermaurete keller gefunden, zien und kupfer mitgenommen, kirchen erbrochen, kelche, leichen- und Altartücher mitgenommen. Den 31. October s. n. fiel das Fest aller heiligen ein, drumb blieben Sie liegen, feyerten es mit fasten und speisen nur von öhl, Eßig und fischen, wo sies haben kundten, wahren aber nichts desto frömmer und brachen an Sontag frühe auf und marchirten auf Presnitz und Wiesenthal. Das ärgste und grausambste an ihnen wahr, dass Sie schöne kinder, gleich wehren Sie Turcken oder Tartarn, mitgenommen“. WAGNER, Pforr, S. 129.
[23] Gefrees [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 228.
[24] Goldkronach [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 240.
[25] Gemeint ist Weidenberg-Görau [LK Bayreuth].
[26] Gemeint ist Weidenberg-Görau [LK Bayreuth].
[27] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[28] Reinhold von (Hoch-)Rosen.
[29] Weidenberg-Görau [LK Bayreuth].
[30] Arzberg, Kirchenlamitz, Selb, Thierstein, Weißenstadt und Wunsiedel, 1613 gebildet.
[31] Rehau [LK Hof]; HHSD VII, S. 613.
[32] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.
[33] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts, des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“.
[34] Oberkotzau [LK Hof]; HHS VIII, S. 547.
[35] Verschrieben für „ebenermeldter“.
[36] 73, 28 Liter
[37] 1 Fass = 997,08 Liter ?
[38] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[39] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[40] Schauenstein [LK Hof]; HHSD VII, S. 662.
[41] Helmbrechts [LK Hof]; HHSD VII, S. 282.
[42] Creussen [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 129.
[43] Rittmeister: (Capitaine de Cavallerie). Oberbefehlshaber eines Kornets (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[44] Kurbayerische Truppen aus der Oberpfalz
[45] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[46] Töpen-Ober- und Tiefendorf [LK Hof].
[47] HÖFNER, Dörfer, S. 132f.: „Am 1. III. 1633, Freitag vor Fastnacht, wurden fünf Regimenter des Obristen Corpus in Hof einquartiert. Sieben kroatische Reiter waren als Spähtrupp auf die Straße Hohendorf – Mödlareuth kommandiert worden. Als sie keine Feinde antrafen, kehrten sie im Wirtshaus Tiefendorf ein, ließen die Pferde füttern, zehrten für ihr Geld und blieben die Nacht dort. Nach Aussagen der Ortsbewohner hatten sie niemand gekränkt oder sich feindselig benommen. Die benachbarten Gutsbesitzer Joachim Ernst, Dietrich und Friedrich von Zedtwitz, Gebrüder, und Caspar von Beulwitz, alle zu Töpen wohnhaft, erkundeten, dass die Soldaten schöne Pferde, gute Monturen und viel Beute bei sich hatten, holten etwa dreißig ihrer Lehensleute herbei und fielen ‚ohne Ursach’ auf Lobensteiner Grund und Boden nächtlich ein. Sie erschlugen die Reiter in ihren Quartieren mit Holzäxten und nahmen die Pferde und die Beute weg. Die Leichen schleppten sie auf den Pferden in den Busch. Ein Reiter und ein Bursche des Offiziers von Bodenhausen hatten sich jedoch nicht zur Ruhe begeben und entrannen, als der erste Schuß in die Stube fiel. Sie schlichen sich hinweg und meldeten in den ersten Morgenstunden dem Obristen in Hof die Bluttat. Sofort wurde ein Regiment alarmiert. Der Kommandant begehrte vom Rat der Stadt Führer, die das Dorf zeigen sollten. Die unangenehme Aufgabe wurde dem Stadtvogt Hans Christoph Hendel übertragen. Als die Truppe in Tiefendorf ankam, kroch ein schwerverletzter Reiter aus der Wirtshausscheune und erzählte den Verlauf der Untat. Der Oberst nahm an, dass die inzwischen geflüchteten Bewohner von Hohen- und Tiefendorf den Überfall auf dem Gewissen hätten und befahl die Einäscherung beider Dörfer, während die Schuldigen in Töpen keine Bestrafung erfuhren. Die Rauchsäulen konnten in Hof gesehen werden“.
[48] Hohendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].
[49] Tiefendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].
[50] Kornett: Ein Kornett war die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entspricht der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold. => Fähnrich; Fahne.
[51] Salvaguardia: Ursprünglich kaiserlicher Schutzbrief, durch den der Empfänger mit seiner Familie und seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde; zur öffentlichen Bekräftigung dieses Schutzes wurde dem Empfänger das Recht verliehen, den kaiserlichen Adler und die Wappen der kaiserlichen Königreiche und Fürstentümer an seinen Besitzungen anzuschlagen. Der Schutzbrief bedrohte jeden Angreifer mit Ungnade und Strafe. Im 30jährigen Krieg militärische Schutzwache; Schutzbrief (Urkunde, die, indem sie geleistete Kontributionen und Sonderzahlungen bestätigte, gegen weitere Forderungen schützen sollte, ggf. durch militärische Gewalt des Ausstellers); auch: sicheres Geleit; eine oft recht wirkungslose Schutzwache durch abgestellte Soldaten, in schriftlicher oder gedruckter Form auch Salvaguardia-Brief genannt, die meist teuer erkauft werden musste, und ein einträgliches Geschäft für die zuständigen Kommandeure darstellten. Teilweise wurden entsprechende Tafeln an Ortseingängen aufgestellt, „Salvaguardia“ an die Türen der Kirchen (HERRMANN, Aus tiefster Not, S. 55) geschrieben oder für die ausländischen Söldner ein Galgen angemalt. Die 1626 von Tilly erlassene Schultheißen-Ordnung hatte festgelegt: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986. Der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing; SIGL, Wallensteins Rache, S. 140f.: „Da die Schweden so grausam wüteten und sich wie eine Seuche immer weiter ausbreiteten, alle Dörfer mit Taub, Mord und Jammer heimsuchten, erbaten die Bürger ab und zu von den Kapitänen der Weimaraner eine Schutzwache, die bei ihnen meist Salva Guardia heißt. Erhielten sie diesen Schutz zugesagt, so wurde jeweils ein Musketierer zu Fuß oder zu Pferd in das betreffende Dorf, die Ortschaft, den Markt abgestellt. Dieser sollte die herumstreifenden Soldatenhorden, kraft eines vom Kapitän ausgehändigten schriftlichen Mandats, im Zaume halten, ihre Willkür beim Rauben und Plündern einschränken. […] Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine solche Schutzwache unseren Leuten oder den Bewohnern anderer Orte, denen auf ihre Anforderung eine Salva Guardia zugestanden wurde, keinen Vorteil brachte. Im Gegenteil, sie schlugen ihnen vielmehr zum Schaden aus und waren eine Belastung. Offensichtlichen Nutzen dagegen hatten nur die Kapitäne, denn ihnen mussten die Leute gleich anfangs die ausgehandelte Geldsumme vorlegen oder wenigstens wöchentlich die entsprechende Rate (pensio) entrichten. Kurz, wie Leibeigene oder Sklaven mussten sie blechen, was die Kapitäne verlangten. Ich habe nur einen Unterschied zwischen den Orten mit und denen ohne Salva Guardia festgestellt: Die Dörfer ohne Schutzgeleit wurden früher, jene mit einer Salva Guardia erst später ausgeplündert. Da nämlich die Schweden vom Plündern nicht ablassen konnten, solange sie nicht alles geraubt hatten, so raubten und plünderten sie entweder alles auf einmal (sodaß sie nicht mehr zurückkommen mußten) oder sie ließen allmählich und langsam bei ihren Raubzügen alles mitgehen, bis nichts mehr zu holen war. Obendrein haben diese eigentlich zum Schutze abkommandierten Musketiere und Dragoner gewöhnlich die Ortschaften, ihre Bewohner und deren Habseligkeiten – als Beschützer – ausspioniert und dann verraten. Wurde nämlich der bisherige Beschützer – und Spion – unvermutet abberufen, dann brachen seine Kameraden, Raubgesellen und Gaunerbrüder ein und raubten alles, was bislang durch den Schutz der Salva guardia verschont geblieben war, was sie in Wirklichkeit aber für sich selbst hinterlistig und heimtückisch aufbewahrt hatten, und wüteten um so verwegener (pro auso suo) gegen die jämmerlich betrogenen und enttäuschten Menschen, beraubten sie nicht menschlicher und marterten sie“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 49f. (1629): „Eine Eingabe des Bauern Jacob Löffler aus Langenwetzendorf [LK Greiz] wegen der bei ihm einquartierten »Schutzgarde« schildert die Heldentaten der derselben ungemein plastisch: »Was ich armer Mann wegen anhero zweijähriger hiesigen Einquartierung für groß Ungemach ausstehen müssen, gebe ich in Unterthänigkeit zu vernehmen:
Denn erstlichen habe berührte Zeit über 42 ganze 42 Wochen Tag und Nacht bei den Soldaten ich aufwarten, nicht allein viel Mühe und Wege haben, sondern auch welches zum Erbarmen gewesen, Schläge gewärtig zu sein und geprügelt werden zu müssen, 2. habe ich meine geringe Haushaltung wegen jetziger Unsicherheit beiseits setzen, meine Felderlein wüst, öd und unbesamt liegen lassen, daß seither ich im geringsten nichts erbauen, davon samt den Meinigen ich mich hätte alimentieren mögen, 3. haben die Soldaten mir die Gerste, so zu einem Gebräulein Bier ich eingeschüttet, aus den Bottichen genommen, zum Teil mutwilligerweise zerstreut, zum Teil mit sich hinweggenommen, verfüttert und verkauft, 4. haben sie mir das wenige Getreidig, so noch unausgedroschen vorhanden gewesen, mit dem Geströhde aus der Scheune in andere Quartiere getragen, ausgeklopft und ihres Gefallens gebraucht, 5. weil sie an meiner geringen Person sich nicht allzeit rächen können, haben sie mir die Bienen und derselben Stöcke beraubet, umgestoßen und zu Grund und Tode gerichtet, 6. sind von ihnen mir alle Hühner, Gänse und ander Federvieh erschossen, genommen und gefressen worden, meine Wiesen, Raine und Jagen mir dermaßen verödet, daß ich nicht eine einzige Bürde Heu und Grummet von denselben genießen kann, 7. endlich ist von ihnen mir eine Kuh aus dem Stalle, so meinen Geschwistern zuständig gewesen, gezogen, in ein anderes Losament getrieben, geschlachtet und gefressen worden.«
[52] Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“.  MINTZEL, Stadt Hof, S. 101.
[53] rächen
[54] Bayreuth-Morizhöfe, im Süden von Bayreuth.
[55] Creußen-Gottsfeld.
[56] Creußen-Schnabelweid, Creußen-Haidhof, Creußen-Lindenhardt [LK Bayreuth] und Thurnau-Hörlinreuth [LK Kulmbach].
[57] Creußen-Haidhof.
[58] Creußen-Schnabelweid, Creußen-Haidhof, Creußen-Lindenhardt [LK Bayreuth] und Thurnau-Hörlinreuth [LK Kulmbach].
[59] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab November 2012).
[60] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.
[61] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[62] Laufbrunnen.
[63] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. S. 429f.
[64] spolieren: berauben, plündern.
[65] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.
[66] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.
[67] Haare lassen; Verluste hinnehmen
[68] KLUGE, Hofer Chronik, S. 7ff.
[69] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.
[70] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[71] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].
[72] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].
[73] Schirnding-Fischern [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHsD VII, S. 665f.
[74] Markhausen => Pomezná (Markhausen), heute Ortsteil der Gemeinde Libá [Bez. Cheb].
[75] Mühlbach [Pomezi nad Ohří [Bez. Eger (Cheb)].
[76] Kunreuth [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 380f. ?
[77] Ungarn: Schriftlich erwähnt werden „hussarones“  (ursprünglich Grenzsoldaten in den ungarischen Festungen) erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des  Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem einen Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Zur zeitgenössischen Einschätzung vgl. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456f. (1619): „Es ist zwar ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter; so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder“. Eine ganz ähnliche Klage findet sich auch in dem Wiener Bericht vom 27. Oktober [1619]: „Die Hungern haußen gar übel auch bei den Evangelischen sine omni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen alles, so erbärmlich ist; wann sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen“.
[78] Liebenstein [Libštejn, seit 1950 Libá; Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 339f.
[79] Grafenreuth, heute Ortsteil von Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[80] Korbersdorf, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[81] Lorenzreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[82] Haag, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[83] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[84] Seußen, heute Ortsteil von Arzberg.
[85] vergiftete Waffen und Kugeln: Im Falle eines unter dem Verdacht des Mordes arrestierten Bauern heißt es 1630: Bei ihm seien „etzlichen Kugeln in welche Glaß und vester Stein eingegossen befunden worden und will der Feldscher davor halten das die Kugeln womit er geschossen noch darzu vergiftet gewesen“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 55. Christoph Graf Schlick soll am 10.3.1633 vor Höchstadt a. d. Aisch von 2 vergifteten Kugeln tödlich verwundet worden sein. Vgl. NEORITIUS,Casparus,  Christliche Leich- und Ehren-Predigt / Uber den allzufrüezeitigen / aber doch seligen Tod und Abschied Des … Herrn Christoph Carl Schlickens / Grafen zu Passau … : Welcher den 28. Febr. dieses 1633. Jahrs in Höchstadt/ im Bambergischen gelegen / im ersten Sturm an der Spitzen / do er mit 2. vergifften Kugeln geschossen / geblieben / den 9. Martii von Bamberg auff dem Wasser gen Schweinfurt gebracht: Den 11. huius aber … allda in der … Stadtkirchen … beygesetzet worden / Neoritius, Casparus. [VD17 39:138149D]
[86] Markhausen => Pomezná (Markhausen), heute Ortsteil der Gemeinde Libá [Bez. Cheb].
[87] Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 307f.
[88] Hauptmann: Der Hauptmann (schwed. Kapten) war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste.  Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bw. Am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.
[89] Trompeter: Eigener gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.
[90] Regimentsquartiermeister: Der Regimentsquartiermeister war der Dienstvorgesetzte aller Quartiermeister des Regiments, ein einträgliches Amt, da ihm viele „Verehrungen“ zukamen, um die kostspieligen Einquartierungen abzuwenden.
[91] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[92] Münchberg; HHSD VII, S. 464.
[93] Tribuliersoldat: zwangseinquartierter Soldat, der die Aufgabe hatte, mittels übermäßigem Essen und Trinken, Einstellen von Pferden, Diebstähle und Verdrängung der Hausinsassen aus ihren Stuben die eingeforderten Kontributionen, „Verehrungen“ aus den Bewohnern besonders in den andersgläubigen Städten und Dörfern herauszupressen.
[94] BRAUN, Marktredwitz, S. 27ff.
[95] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[96] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.
[97] Gunzenhausen [LK Gunzenhausen-Weißenburg]; HHSD VII, S. 260f.
[98] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.
[99] Schwabach; HHSD VII, S. 681f.
[100] Fürth; HHSD VII, S. 219ff.
[101] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.
[102] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff. Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.
[103] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[104] Coburg; HHSD VII, S. 127f.
[105] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.
[106] Feldmarschallleutnant: Der Feldmarschallleutnant war ein militärischer Dienstgrad, der gleichzeitig mit dem des Feldmarschalls im 17. Jahrhundert aufkam. Der Kriegsherr pflegte einem Feldmarschall einen „Untermarschall“ oder „Leutnant“ beizugeben, der den Feldmarschall zu unterstützen und zu vertreten hatte. Zu seinen Pflichten gehörten u. a. die Aufsicht über Proviantplätze und -straßen, die Kontrolle der Wachen usw.
[107] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.
[108] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.
[109] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.
[110] Doppelhaken: auch Hakenbüchse: Der Haken war ein bis ins 17. Jahrhundert gebräuchliches schweres Feuergewehr, mit einem Haken am Schaft, mit dem es auf einem dreibeinigen Gestell befestigt war oder auf die Brüstung aufgelegt wurde, um den enormen Rückstoß abzufangen. Diese Waffen wogen 7,5 bis 10 Kilo, nach anderen Angaben sogar mit bis zu 25 Kilogramm. Damit wurden Ladungen mit je 4 Lot Blei, Doppelhaken bis 400 g, verschossen. Als man diese Hakenbüchsen später auch im offenen Feld verwendete, musste man sie in einer Gabel abstützen. Daher nannte man diese Waffe auch Gabelarkebuse. Die Treffgenauigkeit der Hakenbüchsen war so gering, so dass ihr Einsatz nur auf kurze Distanz oder massiert als Batterie sinnvoll war. Die Haken wurden ihrer Größe nach eingeteilt in Doppelhaken, ganze Haken und halbe Haken. Vgl. die ausführliche Beschreibung unter http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Doppelhaken.html.
[111] Hallstadt [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 266f.
[112] Weismain [Gem. Altenkunstadt, LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 797f.
[113] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[114] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.
[115] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.
[116] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[117] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.
[118] Creidlitz, heute Stadtteil von Coburg.
[119] Niederfüllbach [LK Coburg].
[120] Ketschendorf, heute Stadtteil von Coburg.
[121] Meschenbach, Ortsteil von Untersiemau [LK Coburg].
[122] Großheirath [LK Coburg].
[123] Triebsdorf, heute Ortsteil von Ahorn (LK Coburg].
[124] Ahorn [LK Coburg].
[125] Stöppach, heute Ortsteil von Untersiemau [LK Coburg].
[126] Weißenbrunn [LK Kronach].
[127] Untersiemau [LK Coburg].
[128] Neustadt b. Coburg (OFR.); HHSD VII, S. 516.
[129] ENGERISSER, Von Kronach, S. 371ff.
[130] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturverzeichnis)
[131] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.
[132] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.
[133] Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt.Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f.
[134] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[135] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[136] Generalleutnant: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. Als Rekompens erhielt er für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossidierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.
[137] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.
[138] Ilmenau [Kr. Ilmenau]; HHSD IX, S. 211ff.
[139] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.
[140] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[141] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[142] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.
[143] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.
[144] Königsee [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 239f.
[145] Frickenhausen a. Main [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 213.
[146] [Bad] Neustadt/Saale [LK Rhön-Grabfeld], HHSD VII, S. 59f.
[147] Mellrichstadt [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 438f.
[148] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.
[149] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.
[150] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.
[151] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.
[152] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.
[153] Arnstadt [Kr. Arnstadt]; HHSD IX, S. 18ff.
[154] Rudolstadt [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.
[155] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.
[156] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.
[157] Bad Kissingen; HHSD VII, S. 58f.
[158] Hammelburg [LK Bad Kissingen]; HHSD VII, S. 268ff.
[159] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.
[160] Gelnhausen; HHSD IV, S. 164ff.
[161] Suhl [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 426ff.
[162] Zella-Mehlis [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 496ff.
[163] Themar [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.
[164] Kaltennordheim [Kr. Bad Salzungen]; HHSD IX, S. 229f.
[165] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.
[166] [Bad] Salzungen; HHSD IX, S. 36ff.
[167] Lobenstein; HHSD IX, S. 261f.
[168] Rosenberg, Festung: Die Festung Rosenberg ist wohl das bedeutendste Geschichtsdenkmal des südlichen Frankenwalds. Der Grundfläche nach ist sie das ausgedehnteste Festungsbauwerk Deutschlands. Sie gilt als ein herausragendes Beispiel deutscher Wehrbaukunst und steht seit Jahrhunderten beschützend über der Stadt Kronach. Die Festung wurde in einer Höhe von 378 Metern über Normalnull auf dem Rosenberg in einer strategisch hervorragenden Lage erbaut. Die drei zu ihren Füßen zusammenlaufenden Täler, der Haßlach, der Kronach und der Rodach wurden von ihr beherrscht und sie konnte dadurch wichtige Übergänge nach Thüringen und in den Frankenwald sperren oder kontrollieren. Vom Steinernen Haus über die gotische Burg und das Schloss der Renaissance wurde die Festung Rosenberg von berühmten Baumeistern der Kriegsbaukunst des Barocks zu einer der stärksten mittelalterlichen Festungsanlagen Deutschlands ausgebaut. Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Festung Rosenberg nie von feindlichen Angreifern eingenommen. [wikipedia]
[169] ENGERISSER, Von Kronach, S. 386ff.
[170] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.
[171] Brandschatzung: von der jeweiligen Armee festgelegte Summe, die die Einwohner aufzubringen hatten, um das in Brand Stecken ihrer Stadt, Gemeinde etc. zu verhindern. Bei den Armeen gab es seit dem Mittelalter sogenannte Brandmeister, Spezialisten im Schätzen und bei Nichtbezahlung der Brandschatzung im Feuerlegen. Erzherzog „Leopold Wilhelm musste bereits zwei Monate [20.11.1645; BW] nach seiner ersten Weisung mit einem neuerlichen Befehl die Einhaltung der Disziplin und Abstellung der Exzesse energisch einfordern: Er verhängte ein komplettes Ausgangsverbot in seiner Armee, um Delikte wie Kirchenplünderung, Mord, Brandschatzung und die schendung der weibsbilder zu verhinden“. REBITSCH, Gallas, S. 218.
[172] Trompeter: Eigener gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.
[173] Ludwig Ernst Marschalk; vgl. die Erwähnungen in den mdsz; thulb.uni-jena.de.
[174] KRAH, Südthüringen als Frontgebiet, S. 73.
[175] KRAH, Südthüringen als Frontgebiet, S. 77ff.
[176] KRAH, Südthüringen als Frontgebiet, S. 79.
[177] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.
[178] REINHARD, Sammlung, S. 344ff.
[179] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.
[180] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturverzeichnis).
[181] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[182] hagapells, hakkapeller: [nach hakkaa päälle: hau drauf] Sammelbegriff für Finnen, Lappen und Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern und Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von PLEISS. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant der in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie von Zeitgenossen als wild und brutal beschrieben wurden. Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil und Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert und zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas von Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den von den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität.
[183] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[184] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.
[185] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.
[186] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[187] Schorndorf [Rems-Murr-Kr.]; HHSD VI, S. 714f.
[188] ENGERISSER, Von Kronach, S. 427f.
[189] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[190] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[191] Großheirath [LK Coburg].
[192] Coburg; HHSD VII, S. 127f.
[193] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war.[wikipedia]
[194] Ranzion: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450.
[195] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[196] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.
[197] Ausschuss: Bürgerwehr: (zumeist relativ wirkungslose, unzuverlässige und aufsässige) Miliz zur selbstständigen Landesverteidigung (vgl. Landwehr), die teilweise schon beim ersten Musketenschuss auseinanderlief oder als Kanonenfutter diente, wenn sie nicht unter dem Schutz von Soldaten eingesetzt wurde. Zum Dienst im Ausschuss konnten sowohl Bürger – meist kleine Handwerker und ärmere Bürger, reichere Bürger drückten sich vor diesem Dienst –  als auch Bauern der städtischen Dörfer herangezogen werden. Üblich war die Stellung des 5. oder 10. Mannes. Die Erfurter Bürgerwehr soll aus 1.200 Mann bestanden haben; BEYER; BIEREYE, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 537. Zur Nutzlosigkeit des Bürgerausschusses vgl. die Äußerungen des brandenburgischen Kanzlers Friedrich Pruckmann [1562-1630]; FADEN, Berlin, S. 144: Sie wurden „von ihrer zween angeführt, die ihr Lebetage wohl keinen toten Menschen im Felde gesehen. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen, auch Schreien in beiden Städten [Berlin und Cölln] die ganze Nacht hindurch, dass ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben. Denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg; dem andern entfiel der Ladestecken, dem dritten die Forschett [Gabelstock]; dem vierten versagte die Muskete zwei- bis dreimal; der fünfte steckte die Nase gar in den Ärmel, wenn er schießen wollte, gleich den Mönchen, Pfaffen und Jesuiten, die vor etlichen Jahren zu Paris gassatim gingen, Die dann losgeschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pikeniere trugen die Pike auch gar musterlich, zu geschweigen, dass sie solche sonsten zu gebrauchen sollten gewusst haben. Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt“. FADEN, Berlin, S. 153f. Teilweise wurde schon aus Kostengründen der Ausschuss von Städten abgelehnt; BRUNS, Hallenberg, S. 258f.; WALLHAUSEN, Defensio Patriae.
[198] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.
[199] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[200] Neustadt b. Coburg (OFR.); HHSD VII, S. 516.
[201] Sonnefeld [LK Coburg]; HHSD VII, S. 702f.
[202] Neuhaus am Rennweg [Kr. Neuhaus]; HHSD IX, S. 302f.
[203] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.
[204] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.
[205] Arkebusier: Leichter, mit einer Arkebuse bewaffneter Reiter, eigentlich berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß). Die Arkebuse (später Karabiner genannt) war ein kurzes Gewehr, eine Waffe für bis zu über 100 g schwere Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Sie erhielt ihren Namen vom hakenförmigen Hahn der Luntenklemme, der das Pulver in der Zündpfanne entzündete. Gerüstet war der Arkebusier mit einem Kürass aus schussfreiem Brust- und Rückenstück (dieses wurde mit 11 Rt. veranschlagt) oder auch nur dem Bruststück. Seitenwehr war ein kurzer Haudegen, in den Sattelhalftern führte er 1 – 2 Pistolen. Er wurde zumeist in kleineren Gefechten oder für Kommandounternehmen eingesetzt. In den Schlachten sollten sie die Flanken der eigenen angreifenden Kürassiere decken und in die von ihnen geschlagenen Lücken eindringen. Er erhielt als Verpflegung die Hälfte dessen, was dem Kürassier zustand, zudem auch weniger Sold. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 464ff. Des öfteren wurden Arkebusierregimenter, wenn die Mittel vorhanden waren, in Kürassierregimenter umgewandelt.
[206] Steinheid [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 423.
[207] Cortendorf, heute Stadtteil von Coburg.
[208] Lützelbuch, heute Stadtteil von Coburg.
[209] Sonneberg [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 408ff.
[210] Diese Granaten und Sturmtöpfe können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden, und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Die Sturmtöpfe bestanden aus gebranntem Ton und waren mit ungelöschtem Kalk und Asche, meist zusätzlich mit Fußangeln gefüllt. Die Herstellung solcher ‚Sturmhäfelein‘ beschreibt Hans Conrad Lavater in seinem ‚Kriegsbüchlein‘ aus dem Jahre 1644 (70): „Die Häfelein werden flach, breit und rund, aber nicht hoch gemachet: in der mitte hol, […] die füllet man mit gerädenem, reinem, wohlgedörretem, vngelöschtem Kalck, und stecket Lämeysen [Fußangeln] darzwischen. Sie seind in dem Sturm gut zu gebrauchen: dann da sie vnder die Feind geworfen werden, zerfallen sie, vnd stäubt alßdann das Kalck dem Feind in das Gesicht: vnd ist solcher staub dem gesicht, vnd die Lämeysen den füssen schädlich und verhinderlich“. Ebenso beschreibt Lavater die Verwendung sogenannter ‚Sturmschlägel‘, schnurumflochtener Ballen mit einem Brandmittel gefüllt, in die kurze, mit Bleikugeln geladene Rohrabschnitte, sogen. Mordschläge, eingebunden wurden, „welche durch Harnast [Harnisch] und Pantzer schlagen, nicht leichtlich zu löschen, vnd hefftig brennen“. Ferner empfahl Lavater das Werfen von „Fässern voll Kalck vnd äschen, auff daß die Feinde darvon nicht sehen, vnd halb ersticken“. (78).
[211] Pürschpulver: „Bürschpulver, ein feines Schießpulver, welches besonders geglättet und von dem Schmutze gereinigt wird“. [http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/p/kp05346.htm].
[212] Nach dem „Kriegsbüchlein“ von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.
[213] Sappeure: Sappeure gehörten zu den ingenieurtechnischen Truppen, die bei der Belagerung von Festungen eingesetzt wurden. Approchen ist die Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung von Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbs s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden von den Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z. B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. [ nach wikipedia]
[214] Rüger meint hier wohl zwei 4-pfündige Stücklein, denn 1/4 Pfund Blei schoss bereits ein Doppelhaken mit einem Kaliber von 28 mm, womit man wohl kaum eine Festungsbastion beschossen hätte.
[215] Waltershausen [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 460f.
[216] Lamboy schloss am 19.3.1635 mit Zehm und Georg von Schlitz, genannt Görz, den Übergabevertrag von Stadt und Festung Coburg. ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 13.
[217] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.
[218] Bandelier: Schulterriemen mit bis zu 14 anhängenden Holzbüchschen (= Pulvermaße) mit der für einen Schuss notwendigen Pulverladung; ferner eine Pulverflasche mit feinem Zündpulver für die Pfanne, dem ledernen Kugelbeutel, einem Ölfläschchen, sowie einem Stück zusammengelegter Lunte.
[219] Wachtgeld, Wachgeld: ADELUNG, Bd. 4, Sp. 1320: „Das Wáchgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1. Geld, welches man dem bezahlet, der die Nacht bey jemanden wachet. 2. Geld, welches jemand demjenigen bezahlet, der die Wache für ihn verrichtet; da es denn in manchen Städten eine Abgabe ist, welche die Bürger zur Unterhaltung der Lohnwächter oder Stadtsoldaten geben“.
[220] ENGERISSER, Von Kronach, S. 401ff.
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