Cronberg [Cronberger, Kronberg, Cronburg, Cronenburg, Cronburger, Cronenberg, Cronenbergk, Hrünberg, Grünberg, Grünberger, Creutzberger, Krottenbach] und Hohengeroldseck, Adam Philipp Freiherr, später Graf von

Cronberg [Cronberger, Kronberg, Cronburg, Cronenburg, Cronburger, Cronenberg, Cronenbergk, Hrünberg, Grünberg, Grünberger, Creutzberger, Krottenbach] und Hohengeroldseck, Adam Philipp Freiherr, später Graf von; Obrist [um 1600-3.8.1634 Regensburg] Adam Philipp Freiherr, später Graf von Cronberg [Abb. links: Rainer Kunze] Kronberg.Rainer.Kunzeund Hohengeroldseck,[1] Herr zu Kron-Poritschen[2] und Flörchingen,[3] war verheiratet mit Maria Sidonia von Dhaun.

Cronbergs Kompanie[4] war 1620 von Maximilian I.[5] als Leibgarde verwendet worden, später auch von Tilly.[6] Angeblich wurde das Regiment[7] erst 1626 (!) von den schlesischen Ständen als Dragonerregiment[8] aufgestellt.[9] Es war aber das ehemalige Cratz’sche Regiment.[10] Nachdem Cratz 1623 aus ligistischen Diensten geschieden war,[11]  wurden ihm zur Bildung seines 500 Mann starken Reiterregiments Kompanien des Herberstorff’schen und Werner von Tilly’schen [Montigny] Regiments eingegliedert.[12]

In der Schlacht bei Stadtlohn[13] 1623 kämpften die »Unüberwindlichen« Cronbergs, erkennbar an schwarzen Pferden, geschwärztem Trabharnisch und Helm mit einem weißen Totenkopf.[14] Cronberg regierte sein Regiment und die von ihm besetzten Gebiete mit eiserner Faust und sollte 1632 dem physisch und psychisch immer mehr nachlassenden Tilly als Aufsicht beigegeben werden.

Am 5.11.1625 kam es bei Seelze[15] zu einem Gefecht Tillyscher Truppen mit Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg und dem zu seiner Unterstützung herbeigeeilten Michael von Obentraut, die beide fielen.[16]

Die Hannoversche[17] Chronik berichtet: „Den 23. Oct. nach Eroberung des Hauses Calenberg[18] hat Tilly mit etlichem Volke sich nach dem Stift Hildesheim gewandt. Inmittelst hatte der Königl. General-Lieutnant[19] über die Cavallerie einen Anschlag mit etlichen Compagnien auf Pattensen[20] gemachet, die Tillyschen darin zu überfallen in der Nacht. Dieweil sie aber aus ihren Quartieren um Seelße vor dem Deister hinauf gezogen in der Nacht, und kein Mondschein war, sein sie durch die Bauren nicht recht geführet, daß sie im Holtze verirret und der Tag darüber angebrochen, wodurch der Anschlag des Morgens den 24. Oct. mißrathen, derowegen sie ihr Volk wieder zurücke nach ihren Quartieren marschiren lassen.

Obentraut aber, neben Hertzog Friedrich von Altenburg ist den 24. dito Vormittag in Hannover kommen.

Den 24. Oct. ist von I. F. G. Hertzog Friederich Ulrich ein Trompeter[21] an die Stadt Hannover abgefertiget mit einem Schreiben und Befehl, Königl. Majestät zu Dennemark[22] Hauptquartier einzunehmen. Als Obentraut in Hannover gewesen und kürtzliche Antwort begehret, ist demselben a Consule[23] geantwortet, daß man die Leute, so darzu gezogen werden müßten, nicht so bald könnte convociren, sollte morgen früh geschehen. Gegen Abend ist der von Obentraut und Hertzog Friederich von Altenburg wieder aus Hannover gezogen nach Seelße zu, da sie ihr Hauptquartier mit der Reuterey gehabt.

Dieweiln aber dem Tilly solch gehabter Anschlag auf Pattensen verkundschaft worden, hat er so bald in dieser Nacht zwischen dem 24. und 25. Oct. wieder einen Anschlag gemacht auf des von Obentrauts Quartier mit 12 Regimentern, in 15000 stark mit 8 Stücken Geschützes und nohtdürftiger Munition, ist aus dem Ambt Calenberg und Pattensen in gantzer Stille hinter dem Linderberge hin, Hannover vorbei marschiret, aber nicht die rechte Heerstraßen, in das Amt Blomenau[24] auf Harenberg[25] zu, da er zuvor auf die Königschen recognosciren lassen durch einen gewesenen und abgefallenen Königschen Quartiermeister.[26] Etliche sagen, daß Tilly damahls gehabt nur 3000 zu Fuß und 3 Regimenter zu Pferde, als das Lindlohische [Lintelo; BW], Cronburgische [Cronberg; BW] und Curtenbachische [Cortenbach; BW], der Graf von Anhalt [Anholt; BW] ist auch bey ihm gewesen.

Auf des Quartiermeisters Recognition hat Tilly den 25. Oct. des Dienstags Morgens sehr früh, als jedermann von den Königschen noch im Schlaf gelegen, etliche Compagnien Reuter auf Seelße zu commandiret, welche die verlorne Schildwacht aufgenommen, dadurch etwas Tumult geworden geworden, daß der Königschen[27] etliche in Seelße, wie auch Hertzog Friederich zu Sachsen-Altenburg, zu Pferde kommen, in der Eile hinaus vor das Dorf Seelße gerücket und mit den Tillyschen scharmutziret,[28] welcher aber übermannet, vor Seelße erschossen und mit 21 Cornetten[29] von seinen Reutern geblieben.

Darauf sein auch aus  den andern Quartiern, aus Lohne,[30] Gümmer[31] und anderen Dörfern bey 2 Regiment Reutere ankommen, so mit den Tillyschen scharmutziren müssen. Weil sie aber auch übermannet und viele davon geblieben, haben die übrigen sich mit der Flucht nach der Seelßer Brücke über die Leine salviren müssen, was in der Eile nicht hinüber kommen können, ist alles von den Tillyschen nieder gemacht worden.

Den 25. Oct. Dienstags Morgens sein in diesem Scharmützel etliche Hundert Reutere geblieben. Der von Obentraut ist tödlich verwundet (an dem Orte vor Seelße, da hernach seine Verwandten A. 1628 eine steinerne Seule zum Gedächtniß setzen lassen) und in des Grafen von Anhalt [Anholt; BW] Kutsche geleget worden, darin er nicht lange hernach gestorben.

Als Obentraut, also tödtlich verwundet, zu Tilly gebracht, hat er ihn als einen hiebevor in Ungarn gewesenen Bruder beklaget, darauf Obentraut geantwortet: In solchen Wassern fänget man solche Fische. Und ob der Tilly wohl Fleiß angewendet, ihn beym Leben zu erhalten und den Feldscherern[32] anbefohlen, so ist doch nicht lange hernacher gestorben“.[33]

Der ligistische Kriegsteilnehmer und spätere Kommandant von Weiden,[34] Augustin von Fritsch [1599 – 1662],[35] schreibt dazu: „vnd da wür Battensamb [Pattensen; BW] eingenommen, sein wür mit den Schmidt [v. Wellenstein; BW]ischen, alß meines Obristen[36] vnd herrn [Erasmus Freiherr; BW] von Gera Regiment, samt dreyen Compagnie zu Pferdt hinein gelegt worden, da wür dann nichts in der Statt gefunden, sondern vnser Prouiant alles auf den Landt hollen müssen, da vnnß dann der Feindt zimblichermassen aufgebasst, wie sich dann Herzog Früz von Altenburg, vnnd der General yber die Gauaveleri, der Oberthrautt, mit etlich 1000 Mann sich vnweit vnsers Quartiers, nechst bey hawber befundten, sobalden der Tilli dessen von vnsern Obristen ist berichtet worden, ist er mit etlich 1000. Mann in aller Eyl vf den Feindt loßgangen, demselben dermassen chargirt,[37] daß daryber gedachter Herzog Friz von Altenburg, samt dem General von Obertrautt vf der Wahlstatt Todt geblieben, vnnd sein von Vns, die wür mit 1000. Mann comendirt gewesen, wieder in die Quartier nacher Pattensamb geschickht, vnd die zwey Generalen Todter mit vnß in deß Generals Tilli Gutschen gefürth, vnnd in der Kürchen beygesezt worden, biß sie förders nacher Hammeln[38] allwo vnser hauptquartir gewesen, geführt worden“.[39]

Als Tilly 1626 vernahm, dass sich Ernst von Mansfeld[40] in der Grafschaft Diepholz[41] festsetzen wollte und damit die Stifter Osnabrück[42] und Minden[43] unmittelbar bedrohte, wurden ihm Gronsfeld und Anholt entgegen geschickt. Als sie zwischen Minden und Hameln ankamen, erhielten sie die Nachricht, dass dänische Verbände ihnen den Pass abzuschneiden drohten. Sie rückten ihnen entgegen und schlugen sie – allerdings unter dem hohen Verlust von 3.000 Mann – in die Flucht.[44] In der Hannoverschen Chronik heißt es: „Darzu hat der Obrister Conrad Nelle [Nell; BW] zu Escherde[45] Hochzeit eben gehalten, und als ihnen Burchard von Hanensee, welcher Commendante auf der Erichsburg[46] gewesen, und von der Erichsburg kommen, in seiner dahin Ankunft angezeiget, daß die Tillische so stark im Anzug wären und sie übereilen würden, haben sie es nicht glauben wollen. Als nun die Tillische in solcher guten Ordnung zu Poppenborg[47] vorüber und auf das Dorf Rößing,[48] nicht weit vom Calenberge gelegen, ankommen, habe sie den Obristen Berend Geist und Obristen Leo Freitag, welche sich mit ihrer Reuterey fast alleine praesentiret und zur Wehr gesetzet, angetroffen, welche sich alsobald gegen die Tillischen auf einen Pistolenschuß weit avancirt und wieder etwas stille gehalten. Demnach aber die Tillische inzwischen sich versammlet und in Schlachtordnung gestellet und den Feind vor Augen gesehen, haben sie länger nicht Geduld haben wollen, bis die Retrogarde[49] ankäme, besondern dieselben frisch und tapfer mit 32 Cornetten angegriffen, und als auf des Obr. Freyherrn von Cronburg 5 Compagnien Curassirer[50] wohl 14 Compagnien Königsche chargiret, hat ihnen der von Billay [Billehé; BW], so damahls 6 Schönebergische [Schönburg; BW] Compagnien Curassirer commandiret, mit solcher Tapferkeit secundiret, daß sie der Königischen, denen nicht secundiret worden, Ordnung so bald getrennet und in Confusion gebracht, darin sie ohne das schon waren, weil sie vom Gesöffe unversehens zu Pferde kommen und der Tillischen von der Göttingischen[51] Belagerung so schleunig nicht vermuhtet waren. Da sie doch hätten gedenken sollen, weil sie ja Göttingen nicht entsetzen wollen, besondern dem Tilly nur eine Diversion mit der Calenbergischen Blocquirung zu machen gesinnet gewesen, daß er nicht ruhen, besondern den Calenberg entsetzen würde. Als der von Cronburg den Angriff gethan und ihn Ballay secundiret, hat auf der andern Seite der Obrist Erwidt [Erwitte; BW] in die Flanke und Obr. Four [Nikolaus Des Fours; BW] mit 10 Compagnien mit großer Courage und Valeur[52] vornen her angegriffen, imgleichen haben auch die übrigen Compagnien das ihre gethan und in die Königschen dermaßen gesetzet, daß dieselben gantz und gar getrennet und in die Flucht gejaget worden, weil Obristen Geists und Freytags Reuter nicht entsetzt, besindern allein im Stich gelassen worden. Auf der Dänischen Seiten ist der Obriste Freytag sammt 6 Rittmeistern[53] und etlichen andern Officiren auf der Wahlstid todt blieben und ein junger Graf von Stolberg, Bodo Ulrich, welcher hernach in Hildesheim[54] begraben worden. Die Anzahl der todten Reutere, so auf der Wahlstid befunden, ist über 500 gewesen, ohne diejenigen, so in der Flucht, und insonderheit alle die Dänischen Dragouner,[55] so mit vor dem Calenberg gewesen, nieder gehauen worden“.[56] Ein Dankschreiben Maximilians I. von Bayern[57] war auch an Cronberg abgegangen.

Cronberg, unter dem auch Gayling von Altheim und Hunolstein dienten, soll auf strenge „Ordnung“ gehalten haben. Ende Januar 1627 war er vorübergehend in der Grafschaft Hohenlohe einquartiert.

„Grundsätzlich läßt sich festhalten, daß das persönliche Verhältnis von Offizieren und Beamten durchaus ambivalent zu sehen ist. Es war abhängig von der Konstellation der unterschiedlichen Persönlichkeiten und immer bezogen auf bestimmte Situationen. Als etwa der Hollenbacher[58] Keller Johann Jeep Ende Januar von seinem Amtsort abwesend war, kam es zu einer kurzfristigen Einquartierung, die mit dem Zug des Obristen Cronberg und seines Regiments von Frankfurt am Main[59] in die Landwehren[60] der Reichsstädte Rothenburg[61] und Hall[62] zusammenhing. Bei seiner Rückkehr habe er den verstimmten Obristen Cronberg im Wirtshaus zu Hollenbach vorgefunden, wo dieser Quartier genommen habe.

Der Obrist war mit diesem Quartier durchaus nicht zufrieden, da er eigentlich hatte im Amtshaus verweilen wollen. Jedoch wollte ihn die Gattin Jeeps unter Verweis auf die Abwesenheit ihres Mannes darin nicht einlassen. Sogar die Drohung, sich mit Sprengung der Tür gewaltsam Zutritt zu verschaffen, hatten die resolute Frau nicht abgeschreckt. Vielmehr hatte sie den Offizier eingeladen, das Hauß stehe da, wan [er] wollen Gewalt anlegen. Weil Cronberg seinen Aufenthalt in der Herrschaft Weikersheim[63] dem Grafen Georg Friedrich nicht angekündigt habe, bat ihn der Keller, weiterhin mit dem Quartier im Wirtshaus Vorlieb nehmen zu wollen. Offenkundig waren dem Quartiermeister des Obristen Versäumnisse vorzuwerfen.

Jeep beklagte sich sehr über das Verhalten dieses Obristen. Nach seiner Rückkehr nach Hollenbach hatte sich der Keller sogleich zu Cronberg ins Wirtshaus begeben. Dieser habe ihn eine Viertelstunde vor der Tür warten lassen, während er mit seinen bey sich habenden Officiren gespillet. Geflissentlich fügte der Keller seinem Bericht auch die Klagen der Untertanen an, die von den Soldaten zur Untermauerung von ungerechtfertigten Geldforderungen geschlagen worden seien. Der Obrist sei aber für Beschwerden nicht zugänglich. Zumal Cronberg für seinen Abzug Fuhrdienste der Untertanen forderte und einige der Soldaten mit Plünderungen drohten, erbat Jeep beim Grafen in Weikersheim die Unterstützung eines höherrangigen Beamten.

Vor allem des geforderten Vorspanns an Pferden und Ochsen für die anstehenden Fuhren wegen geriet Jeep erneut mit Cronberg aneinander. Nach der Schilderung des Kellers verhielten sich die um ihr Vieh besorgten Bauren nämlich ihrer gewöhnheit nach gantz trötzlich und widerspenstig. Aufgrund der darauf zurückzuführenden Verzögerungen wähnte sich Jeep in Gefahr für Leib und Leben und sah sich Beschimpfungen ausgesetzt. Selbst der zu seiner Unterstützung herbeigeeilte Weikersheimer Hofmeister schütz[t]e ihn nicht vor der Androhung von Prügeln. Dieser konnte zwar durch Verhandlung wenigstens zur Regelung der verfahrenen Situation beitragen, doch blieb das Verhältnis zwischen dem Obristen und dem Keller angespannt. Selbst bei Abzug der Soldaten redeten diese noch abfällig über den Grafen Georg Friedrich, und Cronberg drohte mit der Zerstörung des Amtshauses. Für Jeep war diese Begegnung mit einem kaiserlichen Offizier sehr unangenehm, über Cronberg äußerte er sich sehr negativ: So lang Ich noch allhie geweßen, ich bey allen Durchzügen und einquartiern kein trotziger und unfreundlicher Herr mir zu Handen kommen alß dißer ist „.[64]

In den pfälzischen Gebieten hatten Cronbergs Reiter die Bevölkerung mit Misshandlungen und Erpressungen drangsaliert, bis sie Anfang Mai 1627 nach Franken abgezogen wurden.[65]

Bestätigt wird Cronbergs Härte auch durch die Erinnerungen des Arztes und Chronisten Johann Morhard [1554 – 1631][66] aus Schwäbisch Hall:[67] Ein „unsinniger toller obrister, der von Cronberg, bey uns mit gewalt einbrochen: Gott erbarm sich der armen bauren und sende hilf von oben herab“. [ – ] „22. Maji [1627; BW] Cronberger mit seinem raupen geschmeiß wider von Hall abgezogen. Als dieser von eim erbarn rat vil tausent taler begert, hat man entlich 10 000 ime geben wöllen, die er aber anfangs nit nemmen wöllen, bis man im entlich nichts verwilligt“.[68]

Am 4.6. wurden 13 Kornetts und an die 1600 Pferde unter Cronberg nach Saalfeld[69] und die umliegenden Dörfer gelegt, „wo sie sich gar unfreundlich hielten. Den Bauern wurden Kisten und Kasten aufgehauen, in Garnsdorf[70] zwei Häuser abgebrannt. Am 5. Juni zogen sie ins Schwarzburgische und ins Reußische“.[71]

Ende 1627 musste Maximilian I. von Bayern den Ständen die Abführung zusagen.[72] Im November 1627 hatte Tilly angekündigt, wegen der Erschöpfung des Niedersächsischen Kreises[73] Cronbergs Regiment in die Grafschaft Wertheim[74] verlegen zu müssen.[75] 1627/28 lagen unter Berlo Cronbergsche Reiter dort, was der Abt von Bronnbach[76] im Mai dazu benutzte, die Dörfer Nassig,[77] Dörlesberg[78] und Reicholzheim[79] einzunehmen, die evangelischen Pfarrer zu vertreiben und den katholischen Gottesdienst einzurichten. In der „Haus-Chronik“ Dr. Morhards ist weiter festgehalten: „15. Januarii [1628 a. St.; BW] ist der obrist Cronberger zu Hall ankommen mit einer Componia; zu Velburg[80] eingenommen worden“.[81]

Über Ausschreitungen 1628 im Nördlinger Ries heißt es: „Wenig später verließ ein Trupp Berittener die Reichsstadt [Nördlingen;[82] BW], in der man wacker gezecht hatte, auf dem Weg ins Quartier in Richtung Herkheim.[83] Unweit des Dorfes begegneten ihnen sechs Bauern, die wohl in die Stadt wollten. Von denen nahmen sich die Soldaten einen Knecht, angeblich, damit er ihnen den Weg zeige. Als einer der Reiter, den die anderen »Lukas« nannten, den Knecht aus Mutwillen »über die Hand gehauen« und ihm auch »etliche Streiche« beigebracht hatte, ist der also Traktierte in einem günstigen Moment »entloffen«. Weil noch fünf andere da waren, wurde er nicht weiter verfolgt. Die Wahl des rabiaten Lukas fiel jetzt auf Kaspar Mahler, einen deutschordischen Bauern aus Kleinerdlingen.[84] Der sei auch, so wird berichtet, ganz willig gewesen, dem starken Fortreiten der Soldaten habe er aber auf die Dauer nicht folgen können. Daher wurde der arme Mensch von Lukas »wie ein Hund« vor der Truppe hergejagt, wobei sein Peiniger ihn immerzu »über den Kopf gehauen und nach ihm gestoßen« habe, so unbarmherzig, daß selbst die Kameraden Lukas aufforderten, den Ärmsten gehen zu lassen. Als sie aber fortgeritten seien, habe dieser Lukas mit dem Hauen und Stechen fortgefahren, ungeachtet des Bittens und Flehens seines Opfers, ihn »um Gottes Willen« zu schonen. Schließlich habe der Reiter dem vielfach verwundeten Bauern »einen höchst schädlichen Stich« versetzt, worauf dieser zu Boden gestürzt sei. Weil nun der Soldat gesehen habe, »daß er noch ein wenig lebt«, ist er mit seinem Pferd in vollem Galopp über den Bauern hinweggeritten, bis er tot war. Während der Übeltäter nochmals nach Nördlingen ritt, muß sich sein Verbrechen rasch herumgesprochen haben, denn als Lukas auf dem Heimweg, der ihn diesmal über Kleinerdlingen führte, »zu des Bauern Hof« kam, wo er »zu den Fenstern hineinschießen wöllen«, haben ihn die Nachbarn aus dem Sattel gehoben und »verwahrt« – zum Schutz der Gemeinschaft und in der Hoffnung auf Gerechtigkeit. […] Der Reiter Lukas hatte nach geltendem Recht sein Leben verwirkt, weil er den Bauern Kaspar Mahler, der »eine Witib und neun Kinderlen« hinterließ, auf freier kaiserlicher Landstraße »mit etlichen Streichen und Stichen ganz unverschuldeter Ding« getötet hatte. Die Witwe erhob auch Klage und verlangte, »daß dieser vorsätzliche Täter wegen seines Verbrechens und anderen zum abscheulichen Exempel, ihm selber aber zur wohlverdienten Straf, als ein öffentlicher Mörder und Totschläger an Leib und Leben zu bestrafen sei«. Sie berief sich dabei ausdrücklich auf »Die Peinliche Gerichtsordnung Karls V. von 1532«, die eindeutig sagt, daß Mörder und Totschläger, die für ihre Tat »keine genugsame Entschuldigung (z. B. Notwehr) haben«, ihr Leben verwirkt hätten. Ob das Verbrechen des Reiters Lukas gesühnt wurde, bleibt zweifelhaft. Man hatte ihn gefangen nach Wallerstein[85] geführt und dann seinem Regiment übergeben. Dessen Kommandeur, Obrist Adam Philipp Freiherr von Cronberg, schrieb, daß der Soldat nach rechtlichen Erkenntnissen den Tod verdient habe. Wenn aber der Witwe ein Abtrag (Genugtuung) an Geld geschehen solle, sei ihr mit dem Tod des Soldaten nicht gedient“.[86] Auf Grund der von Cronberg erlassenen Ordnung[87] ließ er am 12.8.1628 drei Straßenräuber hängen, 1631 ebenfalls.[88] In Geislingen[89] wurden 1628 auf seinen Befehl hin fünf Offiziere und fünf Gemeine hingerichtet.[90]  Auch aus Langenau[91] werden Hinrichtungen am Galgen gemeldet.[92]

„Der bayerische Kurfürst beauftragte [Heinrich v.; BW] Metternich am 18.1.1628, mit den Obersten Kronberg und Courtenbach zu konferieren, wie man Baden und Hessen-Darmstadt trotzdem etwas entlasten könnte. Vor allem sollte Metternich darauf dringen, daß bei den beiden Regimentern der übermäßig umfangreiche Troß,[93] durch den die Quartiere ruiniert wurden, gemäß dem von Tilly erteilten Befehl abgeschafft werde. Die Kraichgauer[94] Ritterschaft sollte auf jeden Fall so weit verschont werden, daß sie ihre Kontribution[95] zum Unterhalt der unterpfälzischen Garnisonen[96] weiter entrichten könnte.

Die Konferenz des Statthalters mit den Regimentskommandeuren, die Anfang Februar 1628 in Heilbronn[97] stattfand, brachte keine befriedigenden Ergebnisse. Oberst Kronberg beklagte sich darüber, daß im Schwäbischen Kreis[98] sechs kaiserliche Regimenter lagen, die die meisten Quartiere dort belegt und die übrigen im Durchzug verheert hatten. Auch die Gebiete jenseits von Main und Rhein waren mit kaiserlichen Truppen belegt. Metternich sah keine andere Möglichkeit, als Baden und die Kraichgauer Ritterschaft bis zum Abzug der kaiserlichen Regimenter aus Schwaben zu vertrösten“.[99]

Am 8.10.1630 erfolgte die Erhebung in den Grafenstand.[100]

Bitter vermerkt Morhard in seiner „Haus-Chronik“: „30. Decemb. 1630 ist der obrist Cronberger, nach dem er 2 1/2 jar im hällischen gebiet gelegen, von dem general Tylli neben dem Schönberger [Schönburg; BW] abgefordert. Da er mit vil tonnen sacramenten[101] fort gereiset und doch ein gestank von etlich preßreutern[102] hinderlassen, darmit sie noch mehr gelt von den armen, in grund verderbten bauren herauß zwingen. Der Herr vergelt im, wie seine taten wert sein. Mense Febr. 1627 das erst mahl sein quartier im hällischen gebiet genommen. Im Maio wider abgezogen. 15. Januarii anno 1628 wider kommen. Den gantzen Decemb. kalt, dannen es den reutern spanisch fürkommen, das sie im winter reisen sollen“.[103]

Der schwäbische Chronist und Schuhmacher Hans Heberle [1597-1677][104] schreibt: Sie „sind in das landt komen wie die lumpige und laußige bettler und sündt hinauß geriten wie lauter fürsten und graffen“.[105]

Für den März 1631 ist überliefert: „Der General Banneri[105a] traff auch bey New Brandenburg[105b] mit dem Obristen Cronberger / daß beyderseits viel auff dem Platz blieben“.[105c]

Cronberg nahm mit seinem Regiment an der 1. Schlacht von Breitenfeld[106] 1631 teil. „Im zweiten Anritt schloß sich ihnen [den Reitern des Regiments Alt-Sachsen; BW] auch das Bindauffsche Reiterregiment an, geführt vom Obristwachtmeister[107] von Bindauff. Dieser fiel aber gleich zu Beginn des Kampfes im Zweikampf mit einem ebenfalls weit vor seinem Regiment reitenden kaiserlichen Obristen, dem alten Krieger Kronberg. Der fackelte gar nicht lange, rief den Bindauff kurz an (sich solcherart vorstellen und sozusagen den ritterlichen Fehdehandschuh hinwerfend) und schoß selbigen, der überhaupt nicht dazu kam, zu reagieren, aus dem Sattel. Das war schon ein Glücksschuß und wirkte natürlich demoralisierend auf die Sachsen.[108] Im anschließenden wilden Reitergefecht zwischen ihnen und den heranbrausenden kaiserlich-ligistischen Reitern von Kronberg, Bernstein, Schönburg erlitten die sächsischen Reiter (es war inzwischen noch das schwache Regiment Steinau zur Hilfe gekommen) schwere Verluste, vor allem an höheren Offizieren“.[109]

„Da es die Schweden zu arg trieben, bat man den bayerischen Obristen Ottheinrich Fugger,[110] der in München war, der bedrängten Stadt zu Hilfe zu kommen. Graf Fugger, dem Landsberg[111] sehr am Herzen lag, wo er von 1628 bis 1631 Pfleger[112] gewesen war, kam diesem Anliegen nach.

Am 9. August [1632; BW] marschierte er von München ab. Er befahl Oberstleutnant[113] Mercy mit seinem Regiment, zwei Kompanien vom Kürassierregiment Cronberg (Kronburg ?) und zwei Kompanien bei Scheuring[114] über den Lech zu gehen und lagerte am 10. August mit einigen tausend Bayern und den gefürchteten Kroaten[115] vor der Stadt eine Aufforderung zur Übergabe wurde abgelehnt und Landsberg von der schwedischen Besatzung hartnäckig verteidigt. Obwohl man Laufgräben an die Mauern heranzog und diese zu erklettern versuchte, wurden die stürmenden Soldaten ständig zurückgeschlagen. Nun ließ Graf Fugger schweres Geschütz aus Wasserburg[116] heranbringen und nachdem dieses eingetroffen war, wurde am 16. August die Mauer hinter dem Jesuitengarten unter Feuer genommen, um dann die Stadt zu berennen. So war auch schon um 9 Uhr vormittags eine Bresche[117] geschossen. Starkes Regenwetter hielt jedoch vom Hauptsturm ab. Die Schweden hatten bis zum nächsten Tag die Bresche wieder notdürftig verbaut. Darauf ließ Fugger an einer etwas weiter abwärts gelegenen Stelle (näher am Lech) eine neue Bresche schießen und die Kroaten über den Lech setzen, weil der schwedische Kommandant auch die Brücken hatte niederbrennen lassen. Als schon alles zum letzten Sturm vorbereitet war und nach achttägiger Belagerung, in welcher die Bürger bei Tag auf den Stadtmauern kämpfen mußten, bei Nacht aber in den Kirchen eingesperrt wurden, um nicht überlaufen zu können, und nachdem einige feurige Kugeln in die Stadt geworfen wurden, verhandelte der schwedische Befehlshaber Oberst Kotizky und räumte gegen freien Abzug, Zahlung von Lösegeld und Zurücklassung von Musketen,[118] Kanonen und sonstigem Kriegsgerät am 18. August die Stadt. Graf Fugger mit seinen 6000 Mann zog zur allgemeinen Freude der Bürger ein“.[119]

„Erik Hands und Torstenssons Gefangennahme während der Schlacht bei der Alten Veste[120] am 3.9., sowie Hands nachfolgender Tod in Ingolstädter[121] Festungshaft ist in mehreren Quellen widersprüchlich dargestellt und soll hier etwas ausführlicher behandelt werden. Nach Fronmüller (Schlachtaufstellung bei der Alten Veste, S. 43) kommandierte Hand die schwedische Infanterie im Mitteltreffen der ersten Schlachtreihe. Chemnitz (Bd. I, S. 402) läßt Hands Sturmkolonnen gleich zu Beginn des zweiten Teils der Schlacht am frühen Nachmittag des 3.9. gegen die nordöstlichen Approchen[122] des wallensteinischen Lagers vorrücken, nachdem Burts (Wilhelm Bürts) weißes Regiment während der ersten Angriffswelle zurückgeschlagen und dabei der Obrist Bürt tödlich verwundet worden war. Das bayerische Kürassierregiment Fugger konnte dabei ‚baldt anfangs‘, also ziemlich zu Beginn der nachmittäglichen Kampfhandlungen, bis zum Dambacher Wäldchen vordringen, wurde allerdings von einer dort positionierten schwedischen Musketierstellung[123] zurückgeworfen. Jakob Graf Fugger, Herr zu Babenhausen,[124] kurbayerischer Obrist und Ritter des Calatravaordens, wurde bei dieser Gelegenheit ‚bei dem Nabel unter der Rüstung durch und durchgeschossen, darüber gefangen, für den König gebracht und auf seinen Befelch verbunden […] darunder aber sein Leben beschlossen‘. Mehr Glück hatte der Oberst eines kaiserlichen, jedoch unter bayerischem Befehl stehenden Kürassierregiments, der Großprior der Malteser Don Pietro Aldobrandini (Herzog von Carpinetto), der, nachdem sein Pferd erschossen worden war, von den Schweden gefangen genommen wurde, aber mit Hilfe des Malteserkomturs[125] Peter Malaglott, der ihm sein Pferd lieh, wieder entkommen konnte: ‚Aldebrandino ist auch bereits gefangen wesen, aber man hat den feindt also zugesetzt daß Er zu fuß wiederumb entrunnen, und muß, seiner [Aldrobrandinis] Leibesconstitution [Leibesfülle] nach der feindt gar faul oder ihm sunsten nit wol gewesen sein, weilen Aldobrandino in völligem Cüreß[126] kaum gehen, geschweige stark und weit laufen können‘. (Rambecks erstes Schreiben vom 5.9., bei Fronmüller, S. 46, 81).

Weitere Details dieses Schlachtabschnittes und der Gefangennahme Erik Hands bringt der Swedish Intelligencer (Teil III, S. 43; siehe auch Monro, His Expedition, S. 281/II-150). Nach dessen Schilderung wurde Hand am späten Nachmittag des 3. September bei einem Ausfall Cronbergischer Kürassiere auf die schwedischen Musketierabteilungen am linken schwedischen Flügel vor der Alten Veste verwundet und gefangen. Die bayerisch-ligistischen Kürassierregimenter unter Oberst Adam Philipp von Graf von Cronberg und dem Oberstleutnant und späteren Oberst des Schönburgischen Regiments, Maximilian de Billehe hatten, aus dem Biberttal kommend und am Laufe der Rednitz entlang vordringend, den linken schwedischen Flügel attackiert. Sie konnten zwar von der finnischen[127] Reiterei Torsten Stålhandskes und dem Kavallerieregiment des hessischen Obersten Friedrich von Rostein wieder zurückgetrieben werden, die Gefangennahme Hands konnte jedoch nicht verhindert werden. Oberst Rostien wurde von einem Schuß aus einer Reiterpistole in die Brust getroffen und mußte sich aus dem Gefecht zurückziehen.

Der Oberst von Cronberg soll bei dieser Aktion nach Aussage des Theatrum Europaeums[128] (Bd. II, S. 579) ebenfalls ‚auf den Todt verwundt‘ worden sein, was nach damaligem Sprachgebrauch mit lebensgefährlich verwundet zu interpretieren ist, jedoch diesmal auf einer Verwechslung mit Cronbergs schwerer Verwundung am 19.1.1633 vor Memmingen beruht.[129] William Watts nennt im ‚Swedish Intelligencer‘ (Teil III, S. 43) das Cronbergische Kürassierregiment mit 12 Cornets Reitern die Blüte der bayerischen Armee. Fryxell schildert in seiner Gustav Adolf Biographie das furchterregende Aussehen der Cronbergischen Kürassiere; sie ritten fast durchwegs schwarze Hengste, hatten schwarze Rüstung und Kleidung und auf den Helmen einen weißen Totenkopf (Anders Fryxell: Gustav Adolf, S. 131).

Die Gefangennahme Erik Hands durch diese bayerischen Truppen (nicht, wie bisweilen behauptet, durch kaiserliche Kroaten) wird auch durch die Tatsache gestützt, daß Erik Hand, ebenso wie der schwedische Generalfeldzeugmeister[130] Lennart Torstensson, in der Folge zur Festungshaft nach Ingolstadt transportiert wurde. In einem Brief Maximilians vom 6. September an den Kommandanten von Ingolstadt, den Oberst und späteren Generalwachtmeister Schnetter, wird diesem die Übersendung des schwedischen Generals der Artillerie (Torstensson), eines Obersten (Erik Hand) und eines Obristwachtmeisters (unbekannt) avisiert (Heilmann II, 371, 372). Der kurbayerische Rat und Geheimsekretär Balthasar Rambeck [Ranpeck; BW] weiß in seinem Brief an den Fürsten Johann von Hohenzollern-Sigmaringen dazu einige Einzelheiten. Danach wurde Torstensson nicht im direkten Kampfgeschehen bei den Artilleriestellungen gefangengenommen, sondern bei der Suche nach einer günstigeren Geschützposition, wobei Gustav Adolf ‚kaum eines Vaterunserlang von ihme […] hinwechgewesen, weilen sie am selbigen ort recognoscirt und stück plantiren wollen‘. Daß bayerische Kroaten, beispielsweise vom Regiment (Ottheinrich Graf) Fugger bei der Gefangennahme Torstenssons eine Rolle spielten ist durchaus möglich, aber nicht belegt.

Weiter berichtet Rambeck über dieselbe Aktion, in welcher auch der ‚schwedische Generalzeugmeister‘ (Torstensson) gefangen wurde: ‚Bayde schwedische Obristen [der Oberst Hand und ein Obristwachtmeister], so gefangen, sind verwundt und ist der andere [zweite] erst, nachdem er schon Quartier [Gnade] gehabt, und sich die soldaten, da er eines jeden gefangner sein sollen, gezankt, übel in den linken Arm gehauen worden‘. Bei dem letzteren kann es sich, da Torstensson nicht verwundet wurde und Erik Hand bereits verwundet gefangen wurde, nur um den oben im Brief Maximilians nicht näher benannten Oberstwachtmeister gehandelt haben. Am 11. September berichtet Rambeck ergänzend: ‚HE. Graff Jacob Fuggers sel. Leichnamb ist den 7. dieß [September] […] nach Ingolstadt zur begrebnuß gefurth, dahin ebenmessig auch der gefangene Generalzeugmeister [Torstensson] sambt den beiden Obristen transferiert worden‘.

Daß mit den ‚beyden Obristen‘ der Obrist Hand und der erwähnte Obristwachtwachtmeister gemeint sind, bestärkt auch der Schlachtbericht Wallensteins[131] an Kaiser Ferdinand II.[132] vom 5. September, in dem dieser meldet: ‚dem Banner [General Johan Banér] soll der arm entzwey geschossen sein, sein Gen: von der Artoleri [Torstensson] gefangen vndt noch ein schwedischer Obrister [Erik Hand] neben vielen capiten[133] [Hauptleuten], Oberleitnampten vnd andern officiren‘. Torstensson beschwerte sich in den folgenden Tagen in Briefen an Maximilian von Bayern und Wallenstein über die Haftbedingungen seiner selbst und seiner gefangenen Kameraden in Ingolstadt. In einem Antwortschreiben entschuldigt sich Wallenstein, nicht mehr für diese tun zu können, da sie nicht seine, sondern des Kurfürsten Gefangenen seien, er aber durch den Generalwachtmeister Johann von Aldringen bei Maximilian intervenieren werde und ‚soviel den Obersten Erich [gemeint ist Erik Hand] an belangt […] es auch an gehörigen Orten also zu verfügen befelch ertheilet, daß derselbe gesuchter maßen logirt und tractirt werden soll‘. (Berichte Rambecks und Briefe Wallensteins bei Fronmüller, S. 80-84). Dieses Antwortschreiben vom 13. September spricht auch für den bei Heilmann (Bd. II, S. 373) übermittelten 7./17. September 1632 als Todestag Erik Hands in der Festung Ingolstadt, da das in den schwedischen Biographien angegebene Todesdatum 30. August/9. September diesen Brief überflüssig gemacht hätte“.[134]

„Der glückliche Fänger war der Oberst Adam Philipp selbst. Er überliess den berühmten Feind an Wallenstein gegen dessen Zusage eines Lösegeldes von 12,000 Dukaten. Dieser trat ihn dem Kurfürsten Maximilian ab. […] Am 20. März 1633 schreibt Wallenstein aus Prag an Aldringen: der Kurfürst möge den General Torstensohn baldigst freilassen, da er gegen den Grafen Harrach (Wallensteins Schwager) ausgewechselt werde. Auch erinnert Wallenstein Aldringen: ‚benebenst dem herrn Grafen von Cronberg anzudeutten, das mehr wohlgedachtes herrn Churfürstens ld. wie Sy uns dieses ausdrücklich vermelden lassen, wegen der rantzion ernenttes herrn Torstensohns ihn zu seinem vergnügen zu bedenken nicht unterlassen werde‘. Der Kurfürst hielt den ausgezeichneten Schweden alsdann, aus Rache gegen Gustav Adolf, den Eroberer von München, sechs Monate lang auf höchst unwürdige Weise in den Kasematten von Ingolstadt gefangen. Torstenson ging daraus als ein lebenslänglich schwer kranker, verkrüppelter Mann wieder hervor.

Adam Philipp hatte schon am Neujahrstage 1633 für seines Gefangenen Freilassung sich ritterlich beim Kurfürsten verwendet; zugleich auch gebeten: ‚will E. F. D. geruhen, sich gtst zu erklären: ob ich ihme sollte rantzioniren, oder dieselben die Ranzion (die 12,000 Dukaten) selbst wollen erlegen lassen, deren ich dann jetziger Zeit sehr hoch von nöthig bin‘. Jedoch blieb diese feine Mahnung fruchtlos. Der Regel nach gehörte der gefangene Offizier seinem Fänger persönlich und musste sich bei ihm loskaufen. In diesem Falle schoben der Kurfürst und der Friedländer die Zahlung der 12,000 Dukaten[135] einander zu und der Generalwachtmeister hatte das Nachsehen“.[136]

Anfang 1633 operierte Cronberg unter dem Korps Aldringens in Oberschwaben. Am 19.1.1633 wurde er bei einem Überfall durch die Truppen Gustav Horns bei Heimertingen[137] nördlich von Memmingen[138] durch einen Schuss in die Schulter verletzt.[139]

Der Überlinger[140] Advokat Dr. Johann Heinrich von Pflummern [1595 – 1655][141] berichtet in seinem Tagebuch: „Zinßtag, den 8 Martij [1633; BW], hatt obrist leüttenant von Edelstetten einem E. Rath vorbringen laßen, daß ihme von general wachtmaister[142] Graffen von Cronberg auß Waldsee[143] ordinanz[144] zukommen, daß er gleich in angesicht [?][145] derselben alle seine zu dem ruppischen[146] regiment[147] gehörige compagnien zusamen nach Veberlingen erfordern vnd sie sich auf iede nachvolgende ordinanz in beraittschafft fertig hallten. Also wollte ein E. Rath die quartier machen vnd ihme Humeln daß lifergellt für die erste nhun mehr verfallne wochen (so sich wenig guldin minder alß 1500 beloffen) entrichten. – Darauf ein E. Rath herrn Dr. Weiglin, herrn Johann Christoph Fischer vnd mich zu zu ihme obrist leuttenant geschickht, wamöglich zu erlangen, damit die quartier vngeendert gelaßen vnd die statt veber die hierinn ligende nit beschwärt werde. Es hatt aber er obrist leuttenant sich entschuldiget, weil die ordinanz auf die statt lautte, könne er nit darauß schreitten, habe beraitt ordinanzen ausgeschickht vnd daß volckh herein gefordert. Jedoch wan ein E. Rath bei dem generaln wachtmaister von Cronberg ein anders erhallten könne, woll er es gern sehen vnd daß volckh wider auß der stadt führen. Die contribution belangendt, ob woln wir unß auf die 1000 fl. erbotten vnd vermaint, es solle der vnderhallt vnd gelltliferung für die 4 compagnien von der Reichenaw,[148] item Homburg[149] vnd Staringen[150] vnd den sambtlichen von Bodman[151] (alß welliche der statt Veberlingen zum beitrag assignirt) eingezogen, vnd wir also frembde schulden zu bezahlen nit schuldig sein: so hatt jedoch bei ihme obrist leuttenant diser vnser billicher vorwandt nit verfahen wellen, [S. 5] dan er dargegen eingewendt, daß dise edelleütt verderbt vnd spo[lirt] vnd müeße man also daß gellt sůchen, wa man es noch fin[den] könne. Wir replicirt: 1o wan diese also vnvermöglich seyn [war[umb] man dan selbige der statt Veberlingen zu gehilffen vnd con[tra]henten[152] assignirt habe. 2o haben wir vnser wachen , frohnen,[153] [forti]ficirn vnd andere werckh, darmit wir den feind [Bernhard v. Sachsen-Weimar[154] am 11.7.1632; BW] abgetriben vnd das vnsrige salvirt, gar vebel angelegt, wan wir daß ihenig, [so wir] also vom feind errettet, ietzo dem freund zum raub laßen [müß]ten. 3o spüre man bei denen edelleuten, die so arm sein keinen mangel, bravirn[155] zu Costantz[156] mit klaidung, gastereien vnd anderm mehrers alß wir vnd vnsre burger. Jedoch [wan sie] ietzt nichts haben, sollen sie künftig zahlen, wan sie wider [gellt ha]ben werden vnd alßdan gemaine statt alhie schadloß hallten, d[an] die statt daß gellt nhur anderer orten auf zinß werde a…gen müeßen, weiln wir mitt Gott betheuren vnd bezeugen, daß ietzmaln in gemainer statt seckhel nit so vil vorha[nden], daß man nhur die 1500 fl. der ersten wochenliferung ab … könnde. Solle man nhun die burger erst veber die nech[ster][157] tagen bezahlte jahrsteuer mit einer fernern extraordinari anlag beschwären, werden sie nit vnbillich vngedulltig vnd klainmüettig werden, sonderlich weiln sie erst noch darzu mit qua[r]tiern beschwärt werden sollen. (Seye zu erbarmen, daß andere, wan sie ihr vnvermöglichait clagen, glauben finden, allein der statt Veberlingen glaube man nicht, waß sie sage vnd clage). Wir haben darbei auch protestirt, weiln also gemainer statt vnd der burgerschafft durch diese veberlästige contribution (sonderlich, daß wir frembde schulden bezahlen müeßen) die defensionsmittel vnd die spesa zu fernern fortification vnd die angefangne werckh zu continuirn benommen werden, so werden wir gleich auch künfftig den gewallt deß feinds vnd der zeitt den lauff lassen müeßen“.[158] „Weiln aber obristleuttenant immer nhur sein ordinanz vorgezogen vnd darbei stricte zu bleiben sich erclärt, biß ihme vom graffen Cromberg ein andere zukomme, alß hatt ein E. Rath Dr. Weiglin nach Waldsee[159] spedirt, vnd sein gegen abendt die ihenige compagnien, welche bisdahero zu Hagnow,[160] Aachausen,[161] Bamberg[162] vnd Disendorf[163] quartier gehabt, in die statt eingeführt vnd außerhalb der officierer auf den zünften distribuiert[164] worden“.[165] „Mittwoch, den 9. Martij, seyn ab der landschafft merkhliche clagen einkommen, dan die reütter aller orten, alß Nußdorf,[166] Hedingen,[167] Goldbach[168] etc. quartier genommen vnd den armen leütten, waß sie einig gehabt, nämblich ihre khüen vnd kelber, hew vnd strow, hinweggeführt oder verbraucht vnd verschwendt. Es sein auch am morgen ettlich hundert reütter vor dass Grundthor kommen, die per forca[169] eingelaßen werden wollen, alß man aber für sie kain quartier gehabt, sonderlich weiln alles mit dem růppischen fußvolk veberlegt geweßt, haben sie die zäuhn vor den thor an ettlichen orten abgebrochen vnd verbrennt. Die hatt man jedoch hernach ein: vnd alß [S. 7] bald durch daß Wißthor widerumb außgelaßen.

Disen tag hatt man dem obrist leuttenant von gemainer statt 1100 fl. erlegt, darauf er mit dem commissarius[170] Wolfgang Hafner nach Costantz geraißt, v[nd] zwar bei vnstäthem wetter, also daß leichtlich sich ein gegenlufft [erhe]ben mögen, daß er ettlich tag hette veber see bliben müeßen, d[an] doch gestern sein ordinanz so streng vnd die noth so groß ge[wesen], daß ihne auch ein stundt zum aufbruch zu lang ged[un]khen wollen, darumb er dan meinen herrn nit gratificirn[171] wo[llen], daß ettliche compagnien in die nechsten dörffer quartiert wer[den] möchten, da man sie, wan deß aufbruchs halb ordinanz an[lan]gen sollte, innerhalb einer stundt hette in der statt: oder beisamen haben können. Ist also zu verargwohnen, die von Cromberg ergangne ordinanz hab man wollen gebrauchen die gelltliferung von vn[s] desto ehnder auszupreßen, wan wir die soldaten in sterckhern a[n]zahl, alß wir, ob dem halß haben würden. Inmaßen der von Ossa selbst den soldaten den weg gewisen, daß wan wir die contribution nit mit willen erstatten würden oder wollten, so solle man den bürgern die soldaten in ihre häußer legen vnd ihnen die contribution mit gewallt abnemmen. Also gebraucht man deß kaysers volckh zu außplünderung seiner getrewen gehorsamben et quondam[172] freyen reichsständen. – Darbei diß sonderlich zu clagen, daß obwoln die statt Veberlingen fir alle in ihren quartiern ligende růppische soldaten den vnderhallt vnd die gelltliferung erstatten vnd die obgemellte contribuenten, wellche man der statt assignirt, ietzo underm praetext ihrer vnvermöglichait außgehalftert vnd (gleichsamb gar eximiert[173]) werden wollen, vngeacht die statt in deme mehr dan vil beschwärt, daß sie daß quartier vnd (wie man sagt) daß tischtůch hergeben můß, darbei dan gemainlich so vil extradordinari beschwärden einlauffen, alß der ordinari beitrag ist; nichtsdestoweniger hatt Ossa noch neben dem růppischen regiment auch ein compagnia cratzischer[174] reütter auf der statt Veberlingen dörffer Schönaw[175] vnd waß darbei gelegen, einquartiert, also daß disen reüttern die statt den vnderhallt vnd die gellt contribution raichen müeßen. Et haec merces nostrorum meritorum.[176]

Man sagt, daß die von Bodman[177] ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect[178] schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren.

[S. 8] Den 11 Martij vmb mittag ist vnser nach Waldsee abesandte Dr. [Weig]lin zu rückh kommen, referirt, daß er zu Waldsee bei den generaln graffen von Aldringen vnd graffen von Cronberg gůtte audienz gefunden vnd verhofft hette bei ihnen in seinem anbringen wegen abführung deß volckhs auß der statt etc. willfahrung zu erlangen; alß er aber für den von Ossa kommen, hab derselb sollche widrige bericht vnd informationes gethon, daß er die gebettne abführung nit erlangen, noch auch der beschwärlichen gellt contribution halber einigen nachlaß erlangen mögen. Jedoch seye zum trost diß ihme darbei angefüegt worden, man solle sich noch 3 oder 4 tag gedulden, werde alles in andern standt kommen vnd der statt Veberlingen darmit auch ringerung gedeyen: Er hab in vertrawen so vil vernommen, daß alle cavallerie bei dem Königsegger berg zusamen geführt vnd zu derselben auch waß fůßvolckh vnd verhoffentlich auß der statt Veberlingenauch ein thail soldaten commandirt werden möchte. Dan der feind in 12000 starckh lautter gewobnen volckhs underm commando alß Horn vnd anderer würtembergischer officier vmb Hechingen[179] sich befinden solle, inmaßen Tutlingen[180] wider besetzt, vnd dieselb besatzung bei nächtlicher weil auß vnd zu Liptingen[181] eingefallen, vnd disen fleckhen gantz ausgeplündert. Nicht weniger die auß der statt Zell,[182] nachdeme die kayßerische darvon abgezogen,[183] in die vmbgelegne dörfflin außgefallen vnd selbige außgeraubt vnd geplündert.

Daß also große zeitt dem feind mit rechtem ernst zu begegnen, den man doch (wie die alhie ligende soldaten alle einhellig aussagen) umb Zwifalten[184] nechstermal gleichsamb in dem sackh gehabt vnd gar leicht hette aufschlagen[185] können.

Disen Nachmittag, alß die spital fůhren hew vnd strow fir die soldaten in die statt herein führen wollen, sein sie von ettlichen firpaßirenden kayßerischen reüttern angesprengt, die convoya der 9 musquetierer veriagt vnd vier der beßen roßen ausgespant vnd fortgeführt worden. – Gleicher můthwillen auch an den burgern, die in den reben gewerckhet, verüebt, die arme leutt veriagt, thailß auf gefangen und genötiget worden mitzulauffen vnd den weeg zu weisen, den sie doch selbst allen anzeigungen nach gewüßt vnd derhalben die leutt nhur an ihrer arbeit hindern vnd plagen wollen“.[186]

Im Sommer 1633 übernahm Cronberg das kaiserliche Kürassierregiment des Grafen Ernesto Montecucculi[187] und wurde damit auch kaiserlicher Obrist. Am 1.10. war Cronberg zusammen mit Feria, Aldringen u. a. hochrangigen Führern in Überlingen eingetroffen.[188]

„Obwohl die Blockierung Regensburgs[189] durch bayerische Truppen und die kaiserliche Vorhut unter Gallas[190] bereits seit dem 25. Mai andauerte, wurde es jetzt mit der Ankunft des österreichischen Hauptheeres für die Stadt zunehmend ernst. Das königlich-ungarische und bayerische Heer unter Ferdinand III.[191] und Gallas war über Regenstauf[192] herangezogen und hatte sich zwischen Naab und Regen sowie bei Reinhausen[193] und Sallern[194] niedergelassen. Herzog Bernhard kommandierte deshalb am folgenden Morgen, Donnerstag den 22. Mai/1. Juni, 300 Reiter und 200 Musketiere unter Oberst Hastver über die steinerne Brücke. Diesen gelang es, die kaiserlich-bayerischen Abteilungen aus Reinhausen zurückzudrängen. Die Leibkompanie des Kürassierregiments Adam Philipp von Cronberg wurde ‚vor dem Regiment chargieret [angegriffen], aufs weichen gebracht [und] viel davon niedergemacht‘. Hastver mußte sich jedoch, nachdem man einige Gefangene gemacht hatte, vor den sich verstärkenden kaiserlich-ligistischen Truppen zurückziehen“.[195]

„Am 13. Juni beschossen die Bayern aus einer Batterie bei Kumpfmühl[196] die Stadtmauern und am 14. Juni erstürmten sie, nach Beschuß der Stadtmauern beim Deutschen Haus, in der Nacht ein Ravellin, konnten aber wieder zurückgeworfen werden. Am 16., 17. und 19. Juni, nach Chemnitz am 18.6., machten die Belagerten Ausfälle aus dem Hornwerk von Stadtamhoff[197] und dem Ostentor (Heilmann II, S. 472). Unter anderem fielen am 17. Juni 20 Reiter aus der Stadt in das Quartier der Burgundischen Regimenter, lockten die Reiterwache des Cronbergischen Regiments in das Feld, denen weitere Truppen der Belagerten den Weg abschnitten und 15 Reiter und etliche Musketiere in den Laufgräben niedermachten. Bei den Ausfallenden wurde ein Reiter vom Pferd geschossen. Als man ihn auszog,[198] fand man etliche Taler, die anläßlich der Einnahme Regensburgs durch Herzog Bernhard[199] geprägt worden waren mit dem Bild Regensburgs auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Schrift: ‚Bernardus Sax. Dux Victor Ratisbonam ingreditur IV. Novembris Anno 1633′ (Khevenhiller, S. 1184)“.[200]

Später war Cronberg maßgeblich an der Niederschlagung des bayerischen Bauernaufstands (1634) beteiligt.[201] Am 18. Juli 1634 wurde er von Aldringen[202] zum Entsatz des von den Schweden belagerten Landshut Landshut1[Abb. links] abkommandiert. „Um die Pläne der Schweden zu durchkreuzen, erhielt Aldringen, der am 26. Juni noch Kelheim[203] erobert hatte, am 18. Juli den Befehl, mit der Kavallerie des Belagerungsheeres von 9000 bis 10000 Reitern und 400 Dragonern an die Isar aufzubrechen und ‚den Posten zu besichtigen und alle guten Anordnungen darin zu tun, damit der Feind etliche Tage daselbst aufgehalten werden möchte und man auch mit der Belagerung (Regensburgs) sicherer gehen könnte‘.[204] Die Kleine Chronik liefert folgende knappe Notiz zu diesen Vorgängen: ‚Darnach in 1634. Jar ist der Feind widerumb khomben, nemlich der Hertzog Bernhard der Fierst von Weymar. Dermall hat man sich in Landtshuet gewerrt, den zu derselbigen Zeit ist der Kheiser und der Peierfierst (Bayernfürst) vor Regenspurg gelegen. Wie Hertzog Maximilillian hat vernomben, das der Feind nach Landtshuet gehet, hat er in 30 000 Mann (falsch, s. o.) commandiert, die sollten Landtshuet entsetzen‘.

Obgleich Aldringen die Reiterei unter Johann von Werth, Cronberg, Strozzi und Isolano noch am selben Tag (18. Juli) in Marsch gesetzt hatte, verbrachte er selbst die Nacht noch im Feldlager vor Regensburg. Am nächsten Tag brach er auf. In einem Brief vom 19. Juli, ausgestellt im Feld bei Neufahrn,[205] dessen Inhalt Kathrin Bierther wiedergibt, meldete Aldringen, ‚er habe einander widersprechende Nachrichten über die Pläne Horns und Herzog Bernhards erhalten und erachte es daher für notwendig, zunächst in der Gegend von Neufahrn und Ergoldsbach[206] zu bleiben und hier auf zuverlässige Avisen (Nachrichten) über die genaue Position des Feindes zu warten. Nun aber entnimmt er einem Schreiben der Stadt Landshut an den Kurfürsten, das er geöffnet hat, daß der Feind jenseits der Isar nach Landshut ziehen will. Er hat daher einen Trupp Dragoner dorthin geschickt und will morgen mit dem Rest seines Korps folgen‘.[207]

In einem Schreiben vom 20. Juli berichtete Aldringen dem Kurfürsten zunächst, ‚es lägen erneut widersprüchliche Avisen über die Absichten Horns und Herzog Bernhards vor; letzte Gewißheit darüber, ob sie auf Regensburg oder Landshut abzielten, fehle. Er selbst aber wolle so weit wie möglich gegen Landshut vorrücken und die weitere Entwicklung abwarten. Im Verlauf des Tages meldete er dann, von einem Deserteur habe er zuverlässige Nachricht vom Übergang des Feindes über die Isar. Er habe daher weitere Verstärkungen nach Landshut geschickt und werde morgen selbst dorthin aufbrechen‘.[208] Am selben Tag antwortete Maximilian Aldringen auf sein oben erwähntes Schreiben vom 19. Juli, die Frage, ob er in der Lage sei, den Feind, wenn dieser mit seiner ganzen Streitmacht und den Geschützen nach Landshut ziehe, aufzuhalten und die Stadt zu retten, könne er selbst am besten beantworten. ‚Der Kurfürst überläßt die Entscheidung daher dem Urteil des Feldmarschalls. Aldringen soll aber bedenken, wie wichtig es ist, den Gegner wenigstens ein paar Tage lang aufzuhalten. Wenn er einen Angriff auf Landshut nicht verhindern wie wichtig es ist, den Gegner wenigstens ein paar Tage lang aufzuhalten. Wenn er einen Angriff auf Landshut nicht verhindern kann, soll er dafür sorgen, daß die Stadt nicht erstürmt wird, sondern sich mit Akkord ergibt‘.[209]

Auf den Schriftwechsel zwischen Aldringen und Maximilian und die darin genannten Überlegungen und Aktivitäten bezieht sich auch eine sechs Blatt Papier umfassende Darstellung der Ereignisse aus der Feder eines der Sekretäre Aldringens, des Augenzeugen Johann Georg Stieffenberger, der das oben Angeführte im ganzen bestätigt: Da Aldringen nun mit den Truppen am anderen Tag nach dem Aufbruch von Regensburg (20. Juli) bei einem Kirchlein auf einem Berg, eine Wegstunde von Landshut, angekommen war, hat er das Kriegsvolk zusammengerufen und Heerschau gehalten. Als er vom starken Anzug der Schweden auf Landshut Kunde vernahm, schickte er dem damals in der Stadt gelegenen Dragonerkommandanten Hans Georg Köstinger eine Anzahl Dragoner zu Hilfe und ließ die Quartiere noch bis zum Abend bis an Landshut ‚extendieren‘ (ausdehnen), das Hauptquartier aber eine halbe Stunde vor Landshut aufschlagen.

Daß Aldringen die Truppen im Moos vor St. Nikola anhalten ließ, löste in der Stadt helles Entsetzen aus. Von diesem Standort, wie Reithofer meint, habe er die am anderen Isarufer in dichten Scharen herbeikommenden Schweden mit einer Kanonade belegen wollen, wogegen er Stieffenberger zufolge gar keine Kanonen mitgeführt hatte.

Als jedes Regiment noch sein Quartier bezog, so Stieffenberger weiter, traf aus dem Feldlager vor Regensburg ein Kurier mit einem kurfürstlichen Schreiben ein, das Aldringen ‚bey dem aufem Berg gelegenen Kürchel beantworttet, ich auch die Antwortt selbsten geschriben, aber wegen deß damalß eingefallenen Regenweters, daß man vnder dem freyen Himel nit recht hat schreiben können vnd eilen müessen, den Inhalt nicht ganz, daß aber woll capiert, daß hochgedacht Ir Ex.a Ir Churfrl. Dchlt. in Beyren (Kurfürst Maximilian) versichert, daß Sy (Aldringen) an Ihrem Fleiß nichts erwinden laßen, sondern alleß daß thun wellen, waß zur defension (Verteidigung) offtberüerter Irer Haubtstatt Landtshuet gereichet. Darnach Sy sich dann in daß Haubtquartier begeben vnd in der Nacht allem Volgg (Kriegsvolk, Armee) Ordinanz (Befehl) erteilt, allerta zu sein vnd zu Morgens sambt dem Tag mit gueter Ordnung aufzubrechen vnd gegen Altdorff, nechst bey Landtshuet gelegen, zu marschiern, an einem bquemen Orth still zu halten vnd Irer weiterer Ordinanz zu erwarten‘.

Während sich die Kavallerie Aldringens auf Landshut [Abb. rechts] Landshut2zubewegte, erschien dort am Abend des 20. Juli (‚nondum pleno vespere nox appetebat‘), wie das auch Aldringen in einem Schreiben vom 21. Juli erwähnt (s. u.), aus Richtung Moosburg[210] eine feindliche Vorausabteilung vor der Stadt, vermutlich vor dem Münchner Tor, wo sie sich durch einen Trompeter bemerkbar machte. Der Trompeter wurde eingelassen, damit er seine Botschaft vorbringen konnte.

Er verlangte im Namen seiner Herren die Übergabe der Stadt, die Bezahlung der rückständigen Kontribution und eine neue Brandschatzung (‚plenum per urbem transitum, reliquum veteris litri, demum litrum novum‘). Man solle nicht den blinden Versuch unternehmen, meinte er, sich zwei Heeren zu widersetzen. Im Vertrauen auf die zugesagte Hilfe durch Aldringen wies der Landshuter Stadtkommandant die Forderungen der Schweden mutig zurück: Die Stadt sei keinem der beiden Feldherren (Bernhard von Weimar und Gustav Horn) etwas schuldig; er wolle nichts zugestehen und könne es auch nicht. Kugeln und Schwerter seien zum Empfang bereit. Nach einer Notiz in den ‚Litterae annuae‘ hätten die Landshuter die Schweden sogar mit dem Abfeuern mehrerer Kanonenkugeln ‚begrüßt‘, von denen eine einzige vier fliegende Fahnen des Gegners zerfetzt habe. Schon am Mittwoch hatte den Stadtkommandanten ja der Befehl erreicht, für Aldringens Truppen den nötigen Proviant bereitzustellen und dem General in allem Folge zu leisten. Man war auch unverzüglich daran gegangen, in großer Menge Brot für das Entsatzheer zu backen. Außerdem stand die Verteidigung der Stadt anfangs unter einem günstigen Stern, weil der Feind wegen des Hochwassers nicht in der Lage war, seine Kanonen über die Isar zu setzen und einen Belagerungsring zu bilden. „Am 21. Juli bestätigte Aldringen die Informationen vom Vortag. Horn und Herzog Bernhard seien bei Freising[211] und Moosburg über die Isar gegangen, gestern (20. Juli) unweit von Landshut angekommen und hätten die Stadt bereits zur Kapitulation aufgefordert. Er selbst sei im Begriff, dorthin zu eilen, um sich um die Verteidigungsmaßnahmen zu kümmern‘. Diese Version der Geschehnisse wird von Stieffenberger bekräftigt: Bei Anbruch des folgenden Tages, des 21. Juli, als ‚ein jedes Regiment sich in seinem Quartier mouiert vnd auf den bestimbten Orth marchiert‘, begab sich Aldringen in die Stadt und verbrachte den ganzen Tag damit, alle notwendigen Anordnungen zu treffen.

Der Kurfürst schrieb am selben Tag (21. Juli) aus dem Feldlager an Aldringen, daß sich Landshut ‚nicht zu früh ergeben, aber auch den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen dürfe. Gleichzeitig betonte er, Landshut müsse nicht zuletzt deshalb möglichst gehalten werden, damit man sich dieses Stützpunktes bedienen könne, wenn man nach der Einnahme Regensburgs mit der ganzen Streitmacht gegen Horn und Herzog Bernhard ziehe‘.

Am Abend des 21. Juli ließ Aldringen, laut Stieffenberger, zu ‚besserer Besezung der Wachten über Nacht ein zweyhundert Tragoner absteigen vnd in die Statt auf die Wacht füehren‘. Nachdem die Dragoner ihre Posten eingenommen hatten, kam aus dem Feldlager von Regensburg ein königlicher Befehl, der Aldringen aufforderte, ein Gutachten darüber einzuschicken, ob es tunlich sei, die Belagerung von Regensburg aufzuheben und ‚den Feindt zu suechen oder aber solche zu continuieren (fortzusetzen), deß spanischen Vollggs [welches damalß den einkhommenen auisen (Nachrichten) nach in Oberschwaben ankhomen] zu erwartten vnd alßdann mit gesambter Macht auf den Feindt zu gehen, wie dann Ir Ex.a selbigen Abendt noch Ir Guetachten eingeschickht vnd darauf Ir Quartier in der Vorstatt zu Landtshuet in einem Gasthoff genohmen‘.

Die Nacht vom 20. auf den 21. Juli hatten die Landshuter zwischen Hoffen und Bangen verbracht (‚inter spem metumque‘). Bei Tagesanbruch des 21. Juli – es war Freitag – waren von der Stadt aus unter Bäumen und Sträuchern die feindlichen Vorposten auszumachen. Aus der Sicht der Landshuter hatte Aldringen es versäumt, die strategisch wichtigen Plätze auf den stadtnahen Hügeln zu besetzen. ‚So hat mein guetter Altringer von Regenspurg acht tag (falsch, s. o.) zu marschieren gehabt, dieweill ist der Feind auf die Pergen khomben, die stuckh gepflanzt (die Geschütze in Stellung gebracht) und die Statt beschossen. Der Altringer lage vor der Statt auf dem Mos, lachte Im sein Haut voll an, das er so eine grose that begangen hat‘. So haben die Landshuter allerdings erst nach der Einnahme der Stadt geurteilt. Jetzt jedoch, im Vorfeld der Katastrophe, flößte ihnen die Ankunft des Feldherrn noch einmal Mut ein: ‚Aldringerus, cuius adventus maxime urbem animavit‘.

Zuversicht in eine baldige Besserung der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verteidigung weckte ferner der Anblick eines starken Armeekorps am jenseitigen Isarufer unter dem Kommando des Johann von Werth,[212] das nur darauf zu warten schien, auf das Trompetensignal und die Winke seines Anführers die Brücken zu überqueren und über die feindlichen Stellungen auf den Anhöhen herzufallen.

Die Schweden legten für ihren Angriff auf die Stadt zwei Operationsbasen fest. Der Herzog von Weimar sollte vom Hofgarten aus den einen Teil der Stadt angreifen, während Feldmarschall Horn seinen Angriff vom Prielfeld aus abwärts auf das Münchner Tor zu und von dort zur Isar führen wollte. Mit Schüssen aus zwei Kanonen in die Altstadt versuchten die Schweden inzwischen die sich sammelnden Soldaten und Bürger auseinanderzusprengen. Erfolg hatten sie damit nicht. Um die Mittagszeit desselben Tages (‚erat iam meridies‘) erwartete die Stadt den feindlichen Angriff. Die verteidigende Kavallerie besetzte das ‚Tor am Isarufer‘ und das Schönbrunner Tor, die beide für einen Ausfall geeignet erschienen, sowie die Wiesen zwischen der Isar und den ‚Weinstöcke tragenden Hügeln‘ (‚vitiferos montes‘). Die Leute in der Stadt stiegen auf die Dächer ihrer Häuser und auf die Türme (‚evadit populus in tecta et turres‘), um von erhöhter Position aus auf das, wie sie meinten, unmittelbar bevorstehende Kampfgeschehen blicken zu können.

Der Oberkommandierende der Stadt ließ nun die Häuser außerhalb des Münchner Tors in Brand stecken, um den Feinden den Angriff zu erschweren, und veranlaßte, daß die Kanonen von der Seite des Siebensees her in Stellung gegen den jenseits der Isar, unterhalb der Hügel vorrückenden Feind gebracht wurden. Aber trotz aller Vorkehrungen und bangen Erwartens verging der Tag, ohne daß es zu einer Konfontation mit den Belagerern kam. Die Nacht nützten die Schweden, um in aller Stille ihre Stellungen weiter auszubauen und insbesondere auf den Hügeln größere Geschütze aufzufahren, während die Stadt sie lärmend verbrachte (‚tumultuosam exegerunt noctem‘). Für einen großen Teil der Bürger, die auf den Stadtmauern versahen, war es bereits die dritte Nacht ohne Ablösung, mit dem Gewehr im Anschlag.

Am Morgen des folgenden Tages – es war Samstag, der 22. Juli, sechs Uhr – begannen die Schweden, die Stadt unter Feuer zu nehmen. Pechkränze[213] [Abb. rechts]Sturmkranz flogen über die Mauern. Abwechselnd vom Prielfeld (Annaberg) und vom Hofgarten her donnerten die Geschütze, als mit den 25-Pfündern[214] Trausnitz und Stadt beschossen wurden. Ganz Landshut erzitterte unter dem unaufhörlichen Krachen. Kein Augenblick der Ruhe war vergönnt, sondern gleichsam von unermüdlicher Raserei getrieben, schien der Feind die Burg dem Erdboden gleichmachen zu wollen (‚arcem solo aequare‘), so sehr folgte Schlag auf Schlag […].

Im Bereich des Münchner Tors […] war der Widerstand der Bürger und Soldaten besonders stark. Stadt und Trausnitz wurden insgesamt von etwa 300 bis 400 Dragonern, 150 Musketieren und ‚6 Trouppen‘ von Kürassier-Reitern verteidigt. Der Angriff und die Beschießung sollten mindestens sechs Stunden dauern.

Auf die Nachricht, daß der Feind am Morgen zwei Breschen, ‚eine an der Statt, die andere am Schloß, zu schießen angefangen‘, habe sich Aldringen von seinem Quartier erhoben – die Kaiserlichen hatten des Nachts ‚disseits der Iser campiert‘ – und sei in die Stadt geritten, wie Stieffenberger berichtet. Dem Sekretär befahl er, zwei den Feind betreffende Schreiben nach Landau[215] und Straubing[216] abzusenden und ihm dann in die Stadt nachzufolgen. Stieffenberger tat, wie ihm aufgetragen, und traf nach seinen Worten auf Aldringen, als dieser aus dem Kapuzinerkloster kam, nachdem er die Messe gehört, gebeichtet und kommuniziert hatte. Diese letzte Angabe steht im Widerspruch zu den Aufzeichnungen des Franziskanerchronisten und des Verfassers der Litterae annuae des Jesuitenkollegs, die beide festhalten, daß Aldringen im Franziskanerkloster gebeichtet und die hl. Kommunion empfangen habe. Darüber hinaus erwähnt der Kapuzinerfrater Melchior von Straubing den Besuch Aldringens in seinem Kloster nicht (s. u.); im übrigen hatten die Kapuziner ihr Kloster außerhalb der Stadtmauer am Vortag verlassen und sich in den Pfarrhof von St. Jodok zurückgezogen.

Nach dem Kirchenbesuch ritt Aldringen, der den Bürgern Mut zusprach und meinte, man brauche sich nicht zu ängstigen (‚nil timendum‘), obgleich sein Gesichtsausdruck tiefe Besorgnis verriet, von einem Tor zum anderen und besonders dorthin, ‚wo der Feindt die zwo Breccia zu schiessen angefangen‘. An die Bresche in der Stadtmauer kommandierte er, so Stieffenberger, den Obristleutnant Sebastian Zweyer, dazu den Hauptmann des Dragonerregiments Burckhardt [Burgart] Kleinhansen mit einer Anzahl Dragoner, ‚zu der andern aufm Schloß‘ hat er ‚dem Obristen Hendersheimb [das war Henderson !, BW] daß Commando anbeuohlen vnd ihme Ihren Obristleuttenandt Kestinger [Köstinger] zur Assistenz beigeben vnd starcke praeparatoria (Vorbereitungen) zu defendirung (Verteidigung) der Breccia[217] zu machen anbeuohlen, auch zu solchem Ende 6 Trouppen Curazzier-Reutter (Kürassiere) in die Statt, doch ohne Standarten, auf die Breite Strassen commandiert, damit sy die Gassen vnd Strassen battieren (sich dort zum Kampf aufstellen; gemeint sind wohl die in den Litterae annuae, 1634, 60 genannten Kroaten) vnd wann sich etwas feindliches erzeiget, zuruggtreiben sollen‘. Auch der Jesuit erwähnt, daß Aldringen unablässig zu den jeweiligen Brennpunkten eilte, die Plätze besichtigte, an denen dem Gegner ein Treffer gelungen war, und die Lücken in den Mauern mit Balken und Fässern schließen ließ, die mit Erde und Steinen angefüllt waren. Um die Leute zu ermutigen und anzutreiben, legte er selbst mit Hand an. Viele andere Anführer aus seinem Lager waren zur Burg hinaufgestiegen, um sich dort ein Bild vom Toben des Feinds zu verschaffen. Sie bezeugten, daß sie nie einen Feind mit solchem Fanatismus gegen die Wehranlagen selbst hervorragend befestigter Städte hätten vorgehen sehen, wie das gegen die bejahrten und dünnen Mauern Landshuts der Fall gewesen sei.

Als nun die beiden Breschen geschossen waren, griff der Feind mit aller Macht an, stieß jedoch an dem Abschnitt der Stadtmauer, wo Oberstleutnant Zweyer und Hauptmann Kleinhansen standen, auf solchen Widerstand, daß zwei Angriffswellen scheiterten.

Während aber der Gegner wiederum frische Kräfte heranführte, ‚hat‘, wie Stieffenberger berichtet, ‚der Churbayerische Commissarius mit Nahmen Johann Ernest von Haggstorff [Hagstorf], als welcher damalß seine Fraw vnd seine Sachen in Landtshuet gehabt, ohne Vorwissen hochgd. Irer Ex.a deß Herren Graffen v. Aldringen seeligen, indeme er seine Sachen saluiert (in Sicherheit brachte), vnder der Burgerschafft ein solche Confusion (Verwirrung), dem Feindt aber, welchers aufm Berg alleß sehen können, hingegen desto bessere Hoffnung zu Gewinnung der Statt gemacht, wie er dann auch wider mit Macht an das Schloß geszet, selbiges occupiert vnd gleich von darauß die Statt, welche ganz offen gegen dem Schloß ligt, gelauffen‘.

Unter dem Druck der eindringenden Schweden waren die Verteidiger der Burg in den Burghof zurückgewichen und hatten die Zugbrücke über dem Graben hochgezogen. Das war jedoch in solcher Hast geschehen, daß die Brücke dabei zurückprellte, aus den Angeln geriet und folglich nicht mehr geschlossen werden konnte. Somit hatte der Feind den Weg in die Burg frei gefunden. Ein Teil ihrer Besatzung suchte das Heil in wilder Flucht den Burgberg hinunter, von den Feinden in überlegener Zahl verfolgt. ‚Ich habe es selbsten mit meinen Augen gesechen‘, bekundet der Verfasser der Kleinen Chronik, ‚das Ihnen das liechte Wasser Iber das Angesicht herunder unter Georg Christoph von Taupadel durch das Schönbrunner Tor in die Stadt eindringen. Wer dem Feind über den Weg lief, hatte kein Erbarmen zu erwarten. Verriegelte Haustüren wurden aufgebrochen, um nach Geflohenen zu suchen.

Plötzlich erscholl der Ruf, daß die in den Seitengassen zur Verteidigung aufgestellten Kroaten vorrücken. Darauf zogen sich die Schweden hinter die längliche Mauer zurück, die als Grundmauer der Jesuitenkirche errichtet worden war, und verweilten in deren Schutz, bis ausgesandte Kundschafter die Nachricht brachten, es bestünde keine Gefahr mehr. Dann verlagerte sich das Gemetzel zur Heiliggeistbrücke.

Zurück zu Aldringen ! Während sich der Feldherr nach Stieffenberger vor dem Landtor ‚bey den Cronbergischen Tragonern‘ und deren Befehlshaber Ganßen [Ganß] aufhielt, ‚welche in den Schießhittenen (Schießstätte vor dem Ländtor) vnd denen darbey gemachten Lauffgräben gelegen vnd gleichsfalß die Breccia an der Statt defendiert, kam avisa (Nachricht), daß der Feindt sich deß Schloß bemechtigt vnd starckh auff die Statt zu lauffe. Alß haben Ir Ex.a (Aldringen) sich alsobalden wider in die Statt begeben. Indeme Sy (Aldringen) etwaß auf der Breitten Straßen gegen dem Schloß zu geritten, praesentiereten sich in der Statt ein Troupp Mußquettierer vom Feindt, welche Ir Ex.a mit einer Comp. Curazzier-Reutter wieder zurugg getriben vnd darnach den Reittern, weilen Sy (Aldringen) kein anderß Mittel gesehen, der Feindt auch vom Schloß herunder alle Stückhel (Geschütze) vnd Scharpfetindel (Geschütze kleineren Kalibers, die Kugeln von einem halben Pfund verschossen und von einem Pferd gezogen wurden) auf dieselbe in die Breite Strassen gericht, beuohlen, sich mit gueter Ordnung zum Thor hinauß zu retirieren vnd vor der Porten still zue halten‘.

‚Alß nun Ir Ex.a seeligen noch weiter in der Statt herumb geritten‘, fährt Stieffenberger fort, ‚hat der Feindt vnder anderm auch vnuermerckhter Sachen bey dem Capuciner-Kloster Laittern angeworffen, die Maur erstigen, in zweyhundert starckh alda in der Stadt versamblet vnd auf der rechten Handt starckh gegen dem Thor (Isartor), den Paß abzuschneiden, auanziert. Alß aber Ir Ex.a solches vermerckht, reterieredten Sye sich gegen dem Thor, vnd da Sy nahendt darbey khamen vnd seehten, daß der Feindt an der Maur herumb charsiert vnd ganz gliderweiß Feuer auff unß gab vnd von der lezten Kayl. (kaiserl.) Troupp Reutter, so vnder dem Thor, sich hinauß zu retirieren, wahr, durch daß starckhe Getreng aber, indeme einer vor dem andern hinauß wolte vnd darnach zugleich steckhen pliben, nit durch köndten, der Feindt vnderdessen so nahe hinter vnß kam, daß auch ein Canzelist mit Nahmen Casparuß Baur auß dem Bistumb Bamberg, so auch in Ir Ex.a Canzley gewest vnd bey derselben bestendig gepliben, durch den vom Feindt voran auf daß Thor zu gelauffenen Offizier mit einem Degen über den Kopff vnd die rechte Hand gehauet worden, haben Sy sich von der Comp.a auß dem Thor gegen der linckhen Handt zu einer Mühl (Pfistermühle, s. o.), so von dem Iserstromb getriben wird, gewendet‘.

Die Flucht aus der Stadt über die Heiliggeistbrücke beschreibt auch der Verfasser der Kleinen Chronik: ‚Es ist ein Gedreng iber die Pruckh hinaus gewesen mit Reittern vnd Wegen (Wägen): wan ein Mensch einmall zu Boden gefallen, ist er nit leichtlich mer auf khomben. Vill Leit sein Iber die Pruckhen hinunder gestosen worden, dan die Pruckh hat khein Gelantter nit gehabt, vnd auf beiden Seidten Eisserne spitz gegen dem Wasser einer Viertl Ellen lang, das Niemandt Iber solte gestigen sein, aber in Nott vnd Gefahr sein Purgers vnd Paurers Leitt (Bürger und Bauern) darIber gestigen, damit ainer nur aus der Gefahr des feindts ist khomben‘.

Die fliehenden Menschen drängten also durch das Isartor hinaus und über die Heiliggeistbrücke, wo es kaum mehr ein Durchkommen gab. Weil die Brücke kein Geländer hatte, fielen etliche ins reißende Wasser (‚rapidum in fluvium‘), wurden abgetrieben und von den Strudeln verschlungen. Der schwedische Beschuß vom Hofberg herab hielt indes weiter an, so daß die Kugeln manchen Flüchtenden häßliche Wunden schlugen. Der Jesuit sagt, er habe zuverlässig von etwa 200 Toten gehört. Der Kanzlist Caspar Bauer erlitt durch einen Degenstreich eine schwere Verletzung. Aldringen selbst ritt auf die Pfistermühle zu.

In der Stadt aber richteten die Schweden ein Blutbad an. ‚Der Schinder hat her miessen, vnd die Todten Leitt in die Isser fiehren; da hat manige Frau vmb Iren Man geschrieen, auch maniges Khind vmb seine Eltern. Es ist zu erbarmen gewesen, der es gesechen hat; ich bin selbst auf den Todten vmbgestigen, es ist maniger gantz nackhent ausgezogen gewesen. Vnder dem Isser Thor haben die Kheiserische vnd Peyerische die Wacht gehabt, wer Inen gefallen hat, den haben sie ausgeblindert, sie haben Gelt satt bekhomben, Kreitzer, halb Kreitzer vnd Pfennig habens weckhgeworffen‘.

Diese Darstellung wird von Georg Engelsüß,[218] 1648, bestätigt: Viele Menschen waren ‚durch Schwert, Feuer und Wasser vmbkommen, welchem spectacul die Beyerische, so zwar in 15 000 starck daselbsten, aber zu langsam angelanget, erstlich zugesehen, nochmals selbsten mitgemachet und diejenige, so entfliehen wollen, theils geplündert, theils außgezogen und rantzioniret, theils auch in die Isar gestürtzet‘.

‚Wie übel es damals zugegangen‘, schreibt Pexenfelder, ‚ist so leicht nicht zu beschreiben‘, und zitiert die ‚Historia Frisingensis‘: Weinmariani enim moenibus potiti ita in Landishutanos desaevierunt, et, ex Adelzreitteri opinione, effigiem calamitatis nullus stylus possit aequare. Poterat propugnari urbs illa, cui Maximilianus duodecim militium millia suppetias miserat. Sed morosior fuit eorum ductor, ut adeo Urbs nobilis dirissimis fatis fuerit obnoxia‘. ‚Die Weimarischen sind nach der Erstürmung der Mauern so gegen die Landshuter Amok gelaufen, daß kein Schreibstift das Unheil wiedergeben kann, wie es wirklich war. Jene Stadt, der Maximilian 12 000 Soldaten Unterstützung geschickt hatte, hätte verteidigt werden können, aber der Anführer dieser Truppen verfügte lieber seine eigenen Pläne, so daß diese vortreffliche Stadt einem unglaublich schrecklichen Schicksal preisgegeben war‘. […]

Während Aldringen […] auf die Mühle zuritt, verließ auch sein Sekretär Stieffenberger die Stadt, um sich seinem General anzuschließen. Etwas umständlich, da er offenbar nicht ganz ortskundig ist, schildert er den Tod seines Feldherrn: ‚Da ich (Stieffenberger) nun von Ir Ex.a alß ich mit derselben vnder die zur Pforten hinauß marchierendte Reutter khomen, durch den Feind separiert (getrennt) worden vnd kein anderß Mittel, auß der Trouppen zu khomen vnd Ir Ex.a nachzufolgen, zu finden gewest vnd Sy, wie oben gemelt, von dem Thor hinwegg vnd zu einer Mühl (Hofpfistermühle) sich begeben; da ich nun zu dem Thor hinauß kam, habe ich gesehen, daß offt hochernente Ir Ex.a im Wasser stundt vnd auf Ihrem Pferdt, weilen Sy etwo sich darmit durchzusezen nit getrauet, ein Capitan=Leuttenandt sich saluiert, demselben die bey Ir Ex.a gewesenen zwey Bagien (Angehörige des Trosses) starckh zugerueffen vnd daß Pferdt begehrt, darauf derselbe Capitan=Leuttenandt wider durch daß Wasser gesezt vnd darnach Ir  Ex.a auf daß Pferdt geholffen, welche auch darmit durch daß Wasser khomen.

Indem ich dieselbe (Exzellenz, also Aldringen) an daß Landt (Mühleninsel) mit dem Pferdt springen vnd gegen der Pforten zu reitten sehen, habe ich mich zu derselben (Exzellenz) wider genahet. Vnterdessen hat der Feindt sich der Porten oben bemechtigt, die Streichwehren eingenohmen vnd starckh herauß geschossen, von welcher Porten Ir Ex.a ein Schuß beym Halß hinein vnd auf dem Ruggen bey dem Schulterplat herauß; ich auch zugleich einen durch den linckhen Arm bekhomen, darnach der Feindt zuem Thor vber die Schlagpruggen herauß gelauffen, aber Ir. Ex.a in saluo (in Sicherheit) zu bringen, ist er durch ein Kay. (kaiserl.) Trouppen Reutter wider hinein in die Statt getriben, Ir Ex.a Pferdt bey dem Zaum von einem Bagi genohmen vnd von einem Cronbergerischen Reutter bey einem Armb, daß Sy nit herunderfallen sollen, gehaltten worden.

Vnderdessen, alß manß hinwegg geführt, ist mir ein Vnmacht zugestrichen (überkam mich eine Ohnmacht) vnd gleichsamb wie ein Nebel etwas vor die Augen khomen, also daß ich nichts weiters, wie Sy sich verner nach dem Schuß erzeigt haben, gesehen. Sintemahlen ich aber alßgemach fortgeritten, mich auf die rechte Handt gewendet vnd mir etwas besser, auch der Nebel hinwegg wahr (ich wieder zu mir gekommen wahr), sehe ich, wie Ir Ex.a still halten, vnd da ich zu derselben kam, füehlen (fielen) Sy vom Pferdt vnd ziehedten (zogen) den rechten Fueß an sich vnd verschidt also, wornach dieselbe von zwey Reutter auf ihren Pferdten in daß Hauptquartier, so ein halbe Stundt von Landtshuet gelegen, geführt vnd mit der Leib=Comp. von Herrn Obristleuttenandt Don Caspar [Schoch] begleittet vnd gleich weiters in daß Veldläger vor Regenspurg in Ihrer eigenen Carozza (Kutsche) gebracht, in einem Schlössel balsamiert vnd nachgehendts nacher Passaw[219] confoyert (überführt) worden‘.

König Ferdinand III. meldete dem Kaiser Aldringens Tod am 23. Juli. In dem Schreiben werden die Ereignisse des Vortages in einem kurzen Überblick zusammengefaßt: ‚Sintemalen der Feind mit der Armada bei Landshut angelangt und sich resolviert (beschlossen), sowohl das Schloß alldort als selbige Stadt zu attackieren, und nun die Mauern dergestalt dünn und schlecht, daß er dieselbe leicht öffnen können, maßen er dann darauf das Schloß und die Stadt gestürmt, und zwar zweimal zurückgeschlagen worden, dorch zum dritten Mal sich eines und des andern bemächtigt. Als hat besagter Graf von Aldringen, indem er, seinem bekannten Eifer nach, Eurer kaiserl. Majestät Dienst zu befördern, sich zu lange in der Stadt gesäumt und inmittels der Feind so weit überhand genommen, daß sich das darin geweste Volk, so meistenteils Dragoner gewesen, zum weichen gedrungen worden, er, der Graf von Aldringen, aber nicht so viel Platz gehabt, über die Brücke sich zu retirieren und deswegen über den Arm der Iser geschwemmt, als er gar hinüber kommen, einen Schuß durch den Hals und die Achsel erst empfangen, dergestalt und, wie man mich verständigt, in seinem letzten Atem den Namen Jesus und Maria angerufen – dannenhero nicht zu zweifeln, Gott der Allmächtige werde ihm ein glückliches Ende verliehen haben, bevorab, weil er selbigen Morgen, ehe er zu dieser Aktion geraten, gebeichtet und kommuniziert gehabt. Den Leib haben die Unsrigen noch davongebracht. Mir ist um seinen Tod sehr leid, denn Eure Majestät haben gewiß einen treuen, guten ministrum (Diener, Untertan) verloren, dessen ich mich sowohl in consiliis (als Ratgeber) als auch in der Tat wohl bedienen können. Weil es aber Gott also gefallen, muß man’s seinem göttlichen Willen heimstellen und befehlen‘. […]

Ernst von Hagsdorf, der sich in Landshut unter anderem um die Versorgung der Truppen Aldringens zu kümmern hatte, floh nach dem Fall der Stadt in Richtung Regensburg. Noch am 22. Juli faßte er in einem Brief, geschrieben ‚nachts acht Uhr‘ in Essenbach, für den Kurfürsten die Ereignisse von der Erstürmung Landshuts zusammen. Mit Hagsdorf meldet sich damit ein weiterer Augenzeuge der Kämpfe zu Wort. Er berichtet, daß der Feind am Donnerstag (20. Juli) am späten Abend an die Stadt herangekommen sei und sie zur Kapitulation aufgefordert habe. Am gestrigen Freitag (21. Juli) habe er nur ‚wenig mit stukhen (Geschützen) geschossen‘. Die Stadt sei ohnehin ‚nit sonders gepauet‘, also schlecht befestigt und dadurch leicht sturmreif zu schießen. Die Aussage eines Kriegsgefangenen, daß Horn mit umfangreicher Kavallerie ‚anderwertlich marchirt‘, habe zusätzlich zu dem geringen Kanonenfeuer zu der starken Mutmaßung geführt, der Feind ‚werde sich wieder wenden‘. Doch am heutigen Samstag ‚hat er … anfenkhlich gegen das schloß mit 6, dan gegen des Manii haus (turmartiger Bau an der Stelle der heutigen Jugendherberge […]) am hofperg mit 5 stukhen continuirlich gespilt (geschossen), zwar pressa (Breschen) geschossen, so aber zimblichermassen wider verpauet (ausgebessert) worden. Vast umb mittags hat er noch sterkher und auch mit mehrern stukhen angefangen zu spilen, auch negst Loreta ein schanz gebaut und daraus mit stukhen stark geschossen‘. Weil Hagsdorf nach seinen Angaben überhaupt keine Gefahr gesehen hat (‚mich ganz khainer gefahr besorgt‘) hat er erst um 12 Uhr sein ‚weib und khind wekhgeschikht‘. Um zwei Uhr nachmittags sei er dann von Feldmarschall Aldringen ‚umb munition geschickht‘ worden. Aldringen habe da noch zu ihm gesagt, es gebe keine Gefahr. Als aber der Feind ungefähr um drei Uhr nachmittags damit anfing, auf der Burg beim ‚preuhaus‘ (Brauhaus) Feuer einzuwerfen, war das der Anfang vom Ende. ‚Negst dem judenthor (Münchner Tor), dan negst den Franciscanern und zu ende der statt in der freyung‘ sei ebenso Feuer eingeworfen worden. Danach habe der Feind an drei Orten zum Sturmangriff angesetzt. Der beim ‚Manii haus am perg‘ vorgetragene Angriff sei glücklicherweise abgeschlagen worden, in die Burg seien die Feinde dagegen mit aller Macht eingedrungen. Nur wenige der dort zur Verteidigung aufgestellten Dragoner seien am Leben geblieben. Dann seien die Schweden von der Burg in die Stadt hinuntergestürmt und hätten jeden, der mit einer Waffe angetroffen wurde, niedergemacht. Feldmarschall Aldringen sei mit einer Muskete in die Brust getroffen worden. Als Hagsdorf etwa um fünf Uhr nachmittags die Stadt hinter sich ließ, war das Feuer in der Burg schon ‚ganz dempft‘, nur etwas Rauch sei noch aufgestiegen. In der Stadt jedoch habe das Feuer ‚an bemelten (genannten) 3 ort ser weit vorgriffen‘ „.[220]

Am 3.8.1634 starb Cronberg im Augustiner-Kloster in dem von den Schweden wieder aufgegebenen Regensburg an der Pest.[221]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !
[1] Hohengeroldseck, heute im Ortsteil Schönberg von Seelbach [Ortenau-Kreis]. Die Angabe bei SEMLER, Pflummern, S. 17, Anm. 77, er sei 1654 verstorben, muss ein Schreibfehler sein.
[2] Klein-Poritschen [Červené Poříčí]. ?
[3] Flörchingen [Florange, Dép. Moselle].
[4] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.
[5] Vgl. ALBRECHT, Maximilian I.
[6] Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern Älteres Archiv 2296, fol. 537 (Ausfertigung): H. W. Eisenreich u. G. Pfliegl an Maximilian I., Straubing, 1621 VIII 21 (bei STADLER, Pappenheim, S. 96, als „Cronenburch“ bezeichnet). Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.
[7] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[8] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[9] WREDE, Wehrmacht III/2, S. 423.
[10] WEBER, Gliederung, S. 406.
[11] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 1118.
[12] Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern Älteres Archiv 2342, fol. 177f. (Konzept): Maximilian I. an Tilly, München, 1624 VIII 28.
[13] Stadtlohn [LK Ahaus]; HHSD III, S. 699f. 6.8.1623: Niederlage Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel gegen Tilly. Zwei Drittel von den 15.000 Mann Christians fielen oder gerieten in Gefangenschaft. HAPPES Zahlen [I 42 r: 8.000 Tote; mdsz.thulb.uni-jena.de] sind zu hoch. Im weitverbreiteten Kupferstich „Warhafft vnd eigentlicher Bericht / was massen Hertzog Christian von Braunschweig Armada den 6. Augusti 1623. im Stifft Münster auffs Häupt erlegt“ (1623) [Germanisches Nationalmuseum Nürnberg HB 1780], ist allerdings von etlichen 1000 Toten und über 9.000 die Rede. Nach Tillys Bericht jedoch fielen an die 6.000 Mann oder waren geflohen, viele wurden aus Rache von den Kroaten abgeschlachtet: „300 [Dragoner] von der Art hat, wie ich glaube, unsere Truppe bei Stadtlohn wie Schweine abgeschlachtet, denn sie brauchen nicht so sehr geschont zu werden“, hieß es in Tillys Protokoll über die Schlacht bei Altenoythe. 4.000 wurden gefangen genommen, darunter fünfzig höhere Offiziere Christians und sein Verbündeter, Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar, dessen Allianz der Patrioten aller Stände die „deutsche Libertät“ vor dem Dominat des Hauses Habsburg hatte retten sollen. Der kaiserliche Obristleutnant Ilow hatte Wilhelm einem Leutnant abgekauft und dem Kaiser übergeben lassen, die kaiserliche Belohnung betrug 1.200 Rt. Militärhistorisch muss der Hauptanteil am Sieg Gallas zugeschrieben werden. Die ligistischen Truppen hatten etwa 1.700 Mann verloren, während sechzehn Kanonen, darunter neue, von Moritz von Oranien entwickelte Modelle, und fast alle Munitionsvorräte, 85 Fahnen und zwei Silberwagen erbeutet werden konnten. Während der Flucht der Braunschweigischen war zudem einer der Pulverwagen explodiert, was das allgemeine Durcheinander nur noch verstärkt hatte. FLIEGER, Schlacht bei Stadtlohn; OER, Schlacht bei Stadtlohn.
[14] FRYXELL, Handlingar, S. 131; GÜNTHER, Harz, S. 289, Anm.
[15] Seelze [Kr. Hannover]; HHSD II, S. 425.
[16] SCHLOTTER, Acta, S. 6; FORST, Korrespondenz, Nr. 129, S. 108: Dr. Arnold Prüm, genannt Aldenhoven, kurköln. GR u. HR, an F. W. v. Wartenberg, Brühl, 1625 XI 16.
[17] Hannover; HHSD II, S. 197ff.
[18] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.
[19] Generalleutnant: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. Als Rekompens erhielt er für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossidierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.
[20] Pattensen [Kr. Springe]; HHSD II, S. 376f.
[21] Trompeter: Eigener gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.
[22] Vgl. HEIBERG, Christian 4.
[23] a Consule: vom Rat.
[24] Blumenau, heute Ortsteil von Wunstorf/Kr. Neustadt a Rbg.; HHSD II, S. 315ff.
[25] Harenberg, heute Ortsteil von Seelze.
[26] Quartiermeister: Bei Einquartierungen in Dörfern und Städten besorgte der Quartiermeister, in Abstimmung mit den lokalen Obrigkeiten, von den Bewohnern Unterkunft und Verpflegung für die Kompanie. Zunächst wurde der Stab einlogiert, dann wurden die Quartiere für die Hauptleute bestimmt. Die Kompanie des Obristen hatte die weitere Wahl, dann die des Obristleutnants, darauf die des Obristwachtmeisters. Die restlichen Kompanien spielten die übrig gebliebenen Quartiere unter sich aus. Das führte bei engen Quartieren teils zur Überbelegung bei den einzelnen „Wirten“, teils zum Kampieren unter freiem Himmel auf dem Markt, was zu Unruhen führen konnte. Dem Quartiermeister, der je nach Truppengattung zwischen 40 und 60 fl. Monatssold erhielt, war die Kriegskasse anvertraut. Dazu kamen allerdings erhebliche Nebeneinkünfte der meist korrupten Quartiermeister, die dieser mit dem Obristquartiermeister teilte.
[27] dänische Armee: Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.
[28] Scharmützel [schwed. skärmytsling, dän. skirmish]: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“: Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände v. bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut v. Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.
[29] Kornett: Ein Kornett war die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entspricht der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold. => Fähnrich; Fahne.
[30] Lohne [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 304.
[31] Gümmer, heute Ortsteil von Seelze.
[32] Feldscher: Chirurgus, Wundarzt im Dienst einer Armee, des Generalstabes (hier Hofstabsfeldscherer genannt) bzw. eines Regiments. In der Regel hatten die Feldschere, im Unterschied zu den studierten Medici, ihre Kenntnisse nicht auf Universitäten, sondern auf dem Schlachtfeld oder als Wanderärzte auf Jahrmärkten erworben. Sie waren in erster Linie für die primäre Wundversorgung, darüber hinaus jedoch auch für Knochenbrüche und Amputationen zuständig. Die Verwertung der Menschenhaut bei Delinquenten war ihnen gestattet. Auch waren sie wegen der grassierenden Lagerkrankheiten ständig im Einsatz. Feldschere waren oft schlecht ausgebildet und unzureichend ausgestattet (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 268f.). In der kaiserlichen Armee erhielten sie 60 fl. pro Monat. Die medizinische Versorgung der Soldaten wurde jedoch zum Teil auch von kundigen Ärzten und studierten Medizinern geleistet. Ärztliche Oberaufsicht im Feld hatte der General-Stabs-Chirurgus (neben dem Feld-Medicus). Unter ihm stand der Regiments-Feldscher, seinerseits mit Weisungsbefugnis über die Compagnie-Feldschere. Bei militärischen Einsätzen wurden die Feldscher mitgeschickt. Ihnen oblagen zusammen mit den Führern die Krankenversorgung und die Sorge für die Feldapotheke. Kranke und verwundete Soldaten blieben zumeist in Städten und Orten zurück und fielen diesen zur Last – sofern sie keine Familie als Schutzgemeinschaft im Lager besaßen – , obgleich man dort zum Teil die Aufnahme der Kranken aus Furcht vor der Ausbreitung von Seuchen und vor den Kosten verweigerte. Verwundete erhielten z. B. im Neumarkter (Oberpfalz) Lazarett (1647): ein gemeiner Soldat wöchentlich 1 fl. 30 kr.; ein Feldwebel oder Korporal täglich 18 kr.; RIED, Neumarkt, S. 106. Zudem erhielt ein Angeschossener 18 gr. oder den Gegenwert in Heringen, für einen abgeschossenen Daumen gab es 1 Rt., was etwa 36 Eiern entsprach. Finanziert wurden die Spitalkosten über die erhobenen Kontributionen. Daher liegen die Kosten für die medizinische Notversorgung, für das Feldspital (ein studierter Arzt erhielt etwa 260 fl., der „Chirurgus“ 60 fl. monatlich), in der Hauptkostenrechnung nur bei 1 %.
[33] JÜRGENS, Chronik, S. 376ff.
[34] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.
[35] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 92f.
[36] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.
[37] chargieren: angreifen, zum Angriff schreiten, vorrücken, kämpfen, laden, belasten.
[38] Hameln; HHSD II, S. 192ff.
[39] FRITSCH, Tagbuch, S. 114f.
[40] Vgl. KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.
[41] FORST, Korrespondenz, Nr. 130, S. 109: Aldenhoven an F. W. v. Wartenberg, Köln, 1625 XI 23; Diepholz [Kr. Grafschaft Diepholz]; HHSD II, S. 114f.
[42] Am 27.10.1625 war F. W. v. Wartenberg zum Bischof postuliert worden, trotz der Bemühungen Dänemarks u. Ferdinands II., die das Stift für ihre Söhne beanspruchten. Wartenberg selbst war wie Maximilian I. u. Kurfürst Ferdinand von Köln über die Postulation nicht gerade erfreut gewesen; FORST, Korrespondenz, Nr. 128, S. 105: „Der herr hatt mir die Martinßganß wohl versaltzen und gar verderbt; ich kan mirs noch auf diese stund nit imaginiren, und wans der herr nit mit beilagen von Osnabrug selben confirmirt, hett ichs je noch so viel nit geglaubt“. Wartenberg an Aldenhoven, Kirbach, 1625 XI 12.
[43] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.
[44] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 184. Dankschreiben gingen an Lintelo, J. L. v. Fürstenberg, Schönburg, Cortenbach, Cronberg, Vigilius Graf Spaur, Hans Ernst v. Vizthum v. Eckstädt; BA NF II/2, Nr. 136, S. 456 (Maximilian I. an Tilly, 1625 XII 02).
[45] Escherde [Groß- u. Klein-Escherde, Gem. Nordstemmen].
[46] Erichsburg [Gem. Hunnesrück, Kr. Einbeck]; HHSD II, S. 141.
[47] Poppenburg [Kr. Alfeld]; HHSD II, S. 384.
[48] Rössing [Gemeinde Nordstemmen, LK Hildesheim].
[49] Retrogarde: Nachhut.
[50] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.
[51] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.
[52] Valor, Valeur: Kraft; Wert, Ansehen.
[53] Rittmeister (Capitaine de Cavallerie): Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[54] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.
[55] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[56] JÜRGENS, Chronik, S. 420f. Jürgens datiert nach dem alten Stil.
[57] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.
[58] Hollenbach [Gem. Mulfingen, Hohenlohekr.]; HHSD VI, S. 357.
[59] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.
[60] Landwehr: Anlage zum Schutz von Gebietsgrenzen: mit dichten Hecken bestandener oder mit Palisaden gesicherter Wall in Kombination mit einem Graben.
[61] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.
[62] Schwäbisch Hall [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 723ff.
[63] Weikersheim [Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 860ff.
[64] KLEINEHAGENBROCK, Hohenlohe, S. 196f.
[65] MAIER, Unterpfalz, S. 77.
[66] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 172.
[67] Schwäbisch Hall [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 723ff.
[68] Dürr, Haller Haus-Chronik, S. 132; WUNDER, Morhard, S. 45.
[69] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.
[70] Garnsdorf, heute Stadtteil von Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt].
[71] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 42.
[72] MAIER, Unterpfalz, S. 86f.
[73] Niedersächsischer Reichskreis: Der seit 1512 existierende Niedersächsische Reichskreis wurde seit 1522 von den Erzbischöfen von Magdeburg und dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg geführt. Seine wichtigsten Mitglieder waren Erzstift Magdeburg, Erzstift Bremen, Lüneburg, Grubenhagen, Calenberg-Göttingen, Wolfenbüttel, Hochstift Halberstadt mit der Grafschaft Regenstein, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Güstrow, Hochstift Schwerin, Holstein-Glückstadt, Holstein-Gottorp, Grafschaft Rantzau, Hochstift Hildesheim sowie die Reichsstädte Bremen, Goslar, Hamburg, Lübeck, Mühlhausen und Nordhausen. Vgl. Reichskreis.
[74] Wertheim [Main-Tauber-Kreis]; HHSD VI, S. 880ff.
[75] EHMER, Grafschaft Wertheim, S. 169.
[76] Bronnbach, Kloster [Wertheim, Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 119f.
[77] Nassig, heute Ortsteil von Wertheim [Main-Tauber-Kreis].
[78] Dörlesberg, heute Ortsteil von Wertheim [Main-Tauber-Kreis].
[79] Reicholzheim, heute Ortsteil von Wertheim [Main-Tauber-Kreis].
[80] Vellberg [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 832f.
[81] MORHARD, Haller Haus-Chronik, S. 134.
[82] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.
[83] Herkheim, heute Stadttteil von Nördlingen [LK Donau-Ries].
[84] Kleinerdlingen, heute Stadtteil von Nördlingen [LK Donau-Ries].
[85] Wallerstein [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 788.
[86] BRUTSCHER, Beschirmung, S. 22ff.
[87] Stadtarchiv Ulm A 3703 Nr. 3; 1628 VI 19.
[88] ZILLHARDT, Zeytregister, S. 133.
[89] Geislingen an der Steige [LK Göppingen]; HHSD VI, S. 243ff.
[90] BURCKHARDT, Geschichte, S. 332; ders., Heimatgeschichtliches, S. 35ff.; GREINER, Memorial- und Reisebuch, S. 146.
[91] Langenau [Alb-Donau-Kr.]; HHSD VI, S. 446ff.
[92] MAIER, Aus dem 30jährigen Krieg, S. 237ff.; vgl. dagegen die Klagen Schwäbisch Halls bei Ferdinand II., 1627 X 21; Österreichisches Staatsarchiv Wien HKA RA 59 B, fol. 840-842 (Original); Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2327, fol. 380f. (Original): J. Fr. v. Württemberg an Maximilian I., 1627 II 16; Generallandesarchiv Karlsruhe 77/3607 (Kopie): Ritterschaft in Schwaben an J. Fr. v. Württemberg, 1627 III 19.
[93] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Der schwer bewegliche Tross und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S.19.
[94] Kraichgau; HHSD VI, S. 427f.
[95] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts, des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“ Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky.
[96] Garnison: Besatzung in einer Festung (Kavallerie und Infanterie). Die monatliche Löhnung der Soldaten, der Servis und die Fourage mussten von der betreffenden Garnisonsstadt aufgebracht werden und waren genau geregelt; vgl. die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Der Garnisonsdienst wurde wegen der geringeren Aussicht auf Beute, Hunger und Krankheiten bei längerer Einquartierung immer unbeliebter, so dass man dazu überging, neugeworbene Söldner im Felddienst einzusetzen. Der französische Diplomat François Ogier [um 1597-1670] schrieb 1635 über die schwedische Garnison in Marienburg [Malbork]: „Ich betrachtete das Lager und die Unterkünfte der Schweden und sah ein Bild von menschlichem Elend und Wahnsinn. Ich sah in die Gesichter der Männer, und da ich nicht erkennen konnte, dass sie sich unterhielten, zweifelte ich daran, ob sie überhaupt Männer waren, so barbarisch, schmutzig und krank waren sie. Alle waren in Lumpen gekleidet und barfuß, und zum größten Teil handelte es sich um unhöfliche, junge Bauern“. BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 52. KELLER, Drangsale, S. 401ff.: „Ein Zeitgenosse, der in Philippsburg gezwungen als Garnisonssoldat zubringen mußte, gibt uns darüber folgende interessante Notizen, die auf jede Garnison passen dürften. ‚So mußte ich denn’, erzählt er uns, ‚Musquetirer werden wider meinen Willen. Das kam mir aber sauer an, weil der Schmalhanz da herrschte und das Commißbrod schrecklich klein war. Ich sage nicht vergeblich: schrecklich klein – denn ich erschrack auch alle Morgen, wenn ich’s empfing, weil ich wußte, daß ich mich den ganzen Tag damit behelfen mußte, da ich es doch ohne Mühe auf einmal aufreiben konnte. Und die Wahrheit zu bekennen, so ist’s wohl ein elend Creatur um einen armen Musquetiren (Garnisonssoldaten), der sich solcher Gestalt mit seinem Brod und noch dazu halb satt, behelfen muß, denn da ist keiner anders, als ein Gefangener, der mit Wasser und Brod sein armseliges Leben verzögert. Ja ein Gefangener hat’s noch besser, denn er darf seiner Ruhe pflegen und hat mehr Hoffnung, als so ein elender Garnisoner, mit der Zeit einmal aus solchem Gefängniß zu kommen. Zwar waren auch Etliche, die ihr Auskommen umb ein kleines besser hatten von verschiedener Gattung, doch keine einzige Manier, die mir beliebte, um solcher Gestalt mein Maulfutter zu erobern, anständig sein sollte. Denn Etliche nehmen, und sollten es auch verlaufene Personen gewesen sein, in solchem Elend keiner anderen Ursach halber Weiber, als daß sie durch solche entweder mit Arbeiten als Nähen, Waschen, Spinnen oder mit Krämpeln und Schachern oder wohl gar mit Stehlen ernähret werden sollen. Da war ein Fähndrich unter den Weibern, die hatte ihre Gage wie ein Gefreiter, eine andere war Hebamme und brachte sich dadurch selbsten und ihrem Manne manch guten Schmauß zuwege; eine andere konnte stärken und waschen, diese wuschen den ledigen Officieren und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhosen und ich nicht weiß nicht, was mehr, davon sie ihren besonderen Namen kriegten; andere verkiefen Taback und versahen den Kerlen ihre Pfeifen, die dessen Mangel hatten; andere handelten mit Brandtwein und waren im Rufe, daß sie ihn mit Wasser verfälschten; eine andere war eine Näherin und konnte allerhand Stich und Nadel machen, damit sie Geld erwarb; eine andere wußte sich blößlich aus dem Feld zu ernähren, im Winter grub sie Schnecken, im Frühling graste sie Salat, im Sommer nahm sie Vogelnester aus und im Herbst wußte sie tausenderlei Schnabelweid zu kriegen; etliche trugen Holz zu verkaufen, wie die Esel. Solchergestalt meine Nahrung zu haben, war für mich nichts. Etliche Kerl ernährten sich mit Spielen, weil sie es besser, als die Spitzbuben konnten und ihren einfältigen Cameraden das ihrige mit falschen Würfeln und Karten abzuzwacken wußten, aber solche Profession war mir ein Eckel. Andere arbeiteten auf der Schanz und sonsten, wie die Bestien, aber hierzu war ich zu faul; etliche konnten und trieben ein Handwerk, ich Tropf hatte aber keins gelernt. Zwar wenn man einen Musicanten nöthig gehabt hätte, so wäre ich wohl bestanden, aber dasselbe Hungerland behalf sich nur mit Trommeln und Pfeiffen; etliche schulderten vor andern und kamen Tag und Nacht nicht einmal von der Wacht. Ich aber wollte lieber hungern, als meinen Leib so abmergeln’ “.
[97] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.
[98] Reichskreis, schwäbischer: Der seit 1521 existierende Schwäbische Reichskreis wurde vom Bischof von Konstanz und dem Herzog von Württemberg geführt und umfasste das Gebiet zwischen Rhein, Lech, Wörnitz, Philippsburg-Wimpfen-Dinkelsbühl. => Reichskreis.
[99] MAIER, Unterpfalz, S. 86f.
[100] http://www.coresno.com/standeserhoehungen/177-reichsadel/3816-karton74.html unter: 74.34.
[101] Hunderttausenden von Flüchen.
[102] Fress- und Pressreiter: Vgl. WINTER, Möser, S. 16: „Den 15. August [1626], da wir ungefähr ein acht oder neun Tage ohne sonderliche Einquartierung gewesen, zeucht der Oberste Altringer herein, nimmt sein Quartier bei Berendt von Werdensleben, der ihn nicht so gequälet wie der [Johann Ernst] von Scharffenberg [Scherffenberg; BW], gleichwohl aber thun ihm hernach seine Diener auch Dampfs genug an. (Scharffenberg hat ihn auf einmal zur Aengstigung eine ganze Compagnie seiner Reiter ins Haus gelegt, die Tag und Nacht gesoffen und gefressen, welchen er Wein und Bier geben müssen, ungeachtet es des Obersten eigenes Quartier gewesen, haben ihn auch sonst mit Zerschlagen der Tische, Bänke etc. Nicht geringen Schaden gethan. Den andern Tag hat er sie wieder herausgenommen). Altringer war Oberster zu Fuß, hat 16 Compagnien, jede zu 300 stark gehabt, endlich ist sein Regiment in die 5000 stark worden“.Generallandesarchiv Karlsruhe 77/3607 (Kopie): Ritterschaft in Schwaben an J. Fr. v. Württemberg, 1627 III 19. Am 30.12. 1630 v. Tilly abberufen, nahm Cronberg viele Tonnen Beute mit und hat doch „ein Gestank von etlich Preßreitern hinterlassen, damit sie noch mehr Geld von den armen in Grund verderbten Bauren herauszwingen“ konnten. ZILLHARDT, Zeytregister, S. 133: Sie „sind in das landt komen wie die lumpige und laußige bettler und sündt hinauß geriten wie lauter fürsten und graffen“. In den pfälzischen Gebieten hatten sie die Bevölkerung mit Misshandlungen u. Erpressungen drangsaliert, bis sie Anfang Mai 1627 nach Franken abgezogen wurden; MAIER, Unterpfalz, S. 77. Ende 1627 musste Maximilian I. den Ständen die Abführung zusagen; a. a. O., S. 86f. Nach EHMER, Grafschaft Wertheim, S. 169, hatte Tilly im November angekündigt, wegen der Erschöpfung des Niedersächsischen Kreises Cronbergs Regiment in die Grafschaft Wertheim verlegen zu müssen; 1627/28 lagen unter Berlo cronbergische Reiter dort, was der Abt v. Bronnbach im Mai dazu benutzte, die Dörfer Nassig, Dörlesberg u. Reicholzheim einzunehmen, die evangelischen Pfarrer zu vertreiben u. den katholischen Gottesdienst einzurichten. Vgl. das Auftreten Schönburg’scher Reiter im Kitzinger Raum; ZIMMERMANN, Schönburger Reiter;  das Kirchenbuch Buchbrunn; Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 2, 1980, S. 19: „Den 28. May um 2 Vhr mittags haben 30 Reuther ihre Quartier hier genommen und viel Geld den Leuthen abgenöthiget. Wer nicht Geld hat haben können, dem haben sie Ofen, Fenster hineingeschlagen, die Tische, Bänke, Truhen und Bettladen, auch die Ziegel von den Häusern und Dächern herabgeschlagen, das Getäfel aus der Stuben gehauen und die Betten zerschmieden, diese dann ausgeschüttet und die Pferde darauf getümmelt. Da sie mich (den Pfarrer) dann hin- und widergezogen, sonderlich um 6 Reichsthaler gebrandschatzt. Gott gebe ihnen den Lohn“. Der Widerstand der Einwohnerschaft wurde durch »Dragonaden«, zu denen die schlimmsten Elemente der Armee herangezogen wurden, gebrochen; BELLINKCHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabruggischenn handlung, S. 36 (1630): „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottloß diebesch und mordrisch volck, stehlenn heymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jauchtzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben maning magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden mußen. Ich gelaubs warlich, es mag kein boser volck auf erden gefunden werdenn, dan unse inquartirten soldaten“. Vgl. dagegen die Ordnung Wallensteins (1629); JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 217f.: „Über dieses sollen die Bürger den Befehlshabern und Soldaten anders nichts vor die Servicen als allein die Liegestatt, Holz, Salz und Licht zu geben schuldig sein, welches doch dahin zu verstehen, daß die gemeinen Befehlshaber und Soldaten sich mit des Wirtes Feuer und Licht behelfen und ihre Sachen dabei verrichten sollen . […] Dafern die Obersten und andere Officiere Reformierte und Aufwärter bei sich haben, sollen dieselben nicht von den Bürgern, sondern denjenigen, bei welchen sie sich aufhalten, unterhalten werden. […] An Kirchen, Schulen, Hospitälern, geistlichen Personen soll sich keiner vergreifen und dieselben in einigerlei Wege weder mit Einquartierungen oder Schatzungen beschweren. Auch keinen in seinem Gottesdienst hindern oder ärgerlich sein, bei Leib- und Lebensstrafe. […] Die fürstlichen und adeligen Häuser, welche Feindes Gefahr halber nicht notwendig müssen besetzt werden, sollen von der Einquartierung gantz exempt und befreit sein. […] Der reisende Mann oder andere, so ihrer Geschäften halber in der Garnison zu verrichten, sollen in keinem Wege aufgehalten, beleidigt noch mit einer Schatzung beschweret werden. Den Ackermann sollen die Officiere bei ihrem Feldbau schützen und in keine Wege sie davon zu verhindern gestatten“. Vgl. dagegen die Klagen der Pommern’schen Gesandten; JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 218ff.: „48. Ferner wann Officiere oder Soldaten über Land reisten, mußten die Inwohner des Landes, da noch ein Bissen Brot vorhanden, nicht allein solches, gleich [als] wäre alles gemein, ohne Bezahlung, sondern auch ihre Pferde oft auf 15 und mehr Meilen hergeben, welche sie entweder ganz nicht oder ja bis auf den Grund verderbt wiederbekämen; es geben auch nunmehr an etlichen Orten Unter- als Ober-Officiere Pässe aus, daß die Soldaten bemächtigt wären, Pferde wegzunehmen, wo sie anzutreffen. 49. Sonst wäre gar gemein, daß die Reiter und Soldaten aus den Garnisonen täglich ausritten oder liefen, die Dörfer fast alle Nacht spolierten und plünderten, den Bauern ihre Wägen, Pflüge und andere zum Ackerbau gehörige Instrumenta entweder weggeführten oder mutwillig verbrennten, die Leut prügelten und verwundeten, also daß dieselbige bisweilen wohl gar ums Leben kämen, die Häuser, woraus die armen leut mit solchen Prügeln und anderm barbarischen Procedieren […] vertrieben, niederrissen und das Hausgerät zerschlügen und verbrennten. Es wäre auch endlich mit Sengen und Brennen dahin geraten, daß ganze Zimmer […] gleichsam zum Lustfeuer gebraucht worden“. Zu Soldaten als Agenten der Sozialdisziplinierung PRÖVE, Dimension.
[103] DÜRR, Haller Haus-Chronik, S. 136.
[104] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 115.
[105] Vgl. ZILLHARDT, Dreißigjähriger Krieg, S. 133.
[105a] Johan Banér [Banner, Bannier, Banier, Panier, Pannir, Panner, Bannhir] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. 1614 Offizier unter Gustav II. Adolf v. Schweden, 1620 Beförderung zum Hauptmann, 1621 zum Obristen, 1623 zum Generalmajor, 1630 zum Generalleutnant, am 17.9.1631 Teilnahme an der Schlacht bei Breitenfeld, Herbst 1632 Übernahme des Oberbefehls in Süddeutschland, 1633 Beförderung zum schwedischen Feldmarschall u. Übernahme des Oberbefehls über die in Schlesien stehenden Truppen. Nach der Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 Bruch mit Sachsen, Zurückdrängung seiner Armee nach Norden, am 4.10.1636 Sieg bei Wittstock über kaiserlich-sächsische Truppen unter Melchior v. Hatzfeldt, Eroberung Erfurts u. Belagerung Leipzigs, nach Verstärkung seines Heeres durch Truppenkontingente des verstorbenen Bernhards v. Sachsen-Weimar 1640/1641 vergeblicher Vorstoß auf Regensburg, anschließend Rückzug nach Böhmen u. Sachsen. Schon während des Marsches war Banér v. einem heftigen Fieber befallen worden. Todkrank u. in einer Sänfte getragen kam er am 18.5.1641 nach Halberstadt u. starb dort zwei Tage später. Er bestimmte zuvor noch Lennart Torstenson zu seinem Nachfolger. Banér hatte 1 Mill. Rt. bei Hamburger Banken deponiert. Nach Ansicht des französischen Marschalls Guébriant trotz der Differenzen über die gemeinsame Kriegsführung „digne d’d’étre estimé le second Gustave de Septentrion“. Zit. bei LORENTZEN, Die schwedische Armee, S. 88, Anm. 3. Seit 1633 Mitglied Nr. 222 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „Der Haltende“; CONERMANN, Die Mitglieder, S. 235ff. BJÖRLIN, Banér; BOËTHIUS, Banér. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner; ZIRR, Die Schweden; HÖBELT, Von Nördlingen bis Jankau.
[105b] Neubrandenburg [LK Mecklenburgische Seenplatte]; HHSD XII, S. 69ff.
[105c] GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 98. (Datierung nach dem a. St.).
[106] Schlacht bei Breitenfeld (nahe Leipzig) am 17.9.1631, in der das Heer der katholischen Liga unter Tilly durch die Schweden unter Gustav II. Adolf und die mit diesen vereinigte sächsische Armee unter Kurfürst Johann Georg I. eine vernichtende Niederlage erlitt. HAPPES Zahlen (vgl. mdsz.thulb.uni-jena.de) liegen deutlich zu hoch: Auf kaiserlich-ligistischer Seite dürfte von 8.000 Toten, 6.000 Verwundeten, 3.000 Gefangenen und 3.000 auf der Flucht Umgekommenen auszugehen sein, auf der Gegenseite waren 3.000 Sachsen und 2.000 Schweden ums Leben gekommen. WALZ, Der Tod, S. 51ff.
[107] Obristwachtmeister: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 50 fl. entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht.
[108] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).
[109] WALZ, Der Tod, S. 79.
[110] Vgl. HABERER, Ott Heinrich Fugger.
[111] Landsberg a. Lech; HHSD VII, S. 385f.
[112] Pflege: Gerichts- oder Verwaltungsbezirk (Landgericht), an dessen Spitze der Pfleger stand.
[113] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.
[114] Scheuring [LK Landsberg am Lech].
[115] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“.
[116] Wasserburg am Inn [LK Rosenheim]; HHSD VII, S. 790ff.
[117] Bresche, brescia, bresica, breccia: durch Geschützfeuer erreichte Sturmlücke in der Stadtmauer.
[118] Muskete: Die 1, 5 – 2 mm dicken Brustharnische der Pikeniere boten keinen ausreichenden Schutz gegen Musketenkugeln, die mit 300 m/sec noch auf 40 Meter den Harnisch und seinen Träger durchschlugen und ihm meist tödliche Verletzungen zufügten. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 79, 156. Bei einer Schussentfernung von 100 m wird der Brustpanzer noch durchschlagen, in der Regel blieb aber die Kugel im Körper zurück und fügt dem Getroffenen schwere Verletzungen zu. Bei einer Entfernung von 200 m wird der Panzer zwar nicht mehr durchschlagen, der Getroffene erleidet aber schwere Prellungen. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 79f. Vgl. auch EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[119] BUCHNER; BUCHNER, Bayern, S. 144f.
[120] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14. Vgl. MAHR, Wallenstein vor Nürnberg.
[121] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.
[122] Laufgraben: Graben, der bei der Belagerung einer Festung oder Stadt im Zickzackverlauf aufgeworfen wurde, in dem man sich möglichst ungefährdet nähern konnte. Approchen ist die Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung von Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbes s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe; vgl. dazu auch PIERER, Universal-Lexikon, Bd 14, S. 886-887) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden von den zu den ingenieurtechnischen Truppen gehörenden Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z.B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. Bei mittelalterlichen Burgbelagerungen wurden Sappen häufig eingesetzt, um das Mauerwerk der belagerten Festung aufzubrechen und die Mauer so weit auszuhöhlen, dass sie, evtl. durch Verbrennen des Stützgebälks, zum Einsturz gebracht werden konnte. Die Approchen bestanden aus einem Graben von etwa 2,5 m Sohlenbreite und etwa 1,25 m Tiefe, der bis zur 3. Parallele im Zickzack geführt auf der der Festung zugekehrten Seite mit einer etwa 1 m hohen Erdschüttung versehen war. Die einzelnen Approchenzüge legte man vor den einspringenden Winkeln der Festungswerke an und führte die einzelnen Schläge so, dass ihre Verlängerung mindestens 50 m vor dem weitest vorspringenden Festungswerk vorbeischlug. Jeder vorwärtige Schlag wurde bogenförmig über den rückwärtig hinaus nach hinten verlängert, was man Haken oder Crochet nannte. Diese Haken dienten als Ausweichstellen und der Aufstellung kleinerer Wachposten. Die zickzackförmigen Approchen wurden als einzelne Sappen ausgeführt. In geringerer Entfernung zur Festung, etwa von der zweiten Parallele an, kam die vom Sappeur mit Wälzkorb und sonstigem Hilfsgerät auszuführende völlige Sappe, später (ab etwa 1870) die einfache Erdwalze zur Anwendung. In nächster Nähe zur Festung, etwa vom Fuß des Glacis ab, hätten die Zickzacks allzu spitzwinklig werden müssen, um gegen bestreichendes Feuer geschützt zu sein. Man ging deshalb auf dieser Strecke von der Anwendung der Zickzacks ab und führte hier die Approchen derartig in gerader Richtung auf die Saillants der Angriffsfront weiter, dass sie durch Traversierung (Traversensappe, Würfelsappe) gegen bestreichendes Feuer geschützt wurden. Die Anlage von Approchen seitens der Angreifer wurde von den Verteidigern durch die langjährige Anpflanzung von tiefwurzelnden Pflanzen auf dem Glacis der Festung erschwert. [wikipedia]
[123] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[124] Babenhausen [LK Unterallgäu]; HHSD VII, S. 55f.
[125] Komtur: Vorsteher der Niederlassung eines Ritterordens, führt eine Komturei (Kommende). Beim Deutschen Orden bildeten in späterer Zeit mehrere Komtureien eine Ballei unter einem Landkomtur.
[126] Kürass, Küriss: Als Küriss, auch Kyriss, bezeichnete man einen vollständigen Reiterharnisch. Genau wie der Kürass leitet sich der Küriss von dem französischen cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder) her. Die Soldaten, die ihn trugen, nannten sich bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts „Kyrisser“. Die Bezeichnung Küriss wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts üblich und bezeichnete in Abgrenzung zum Kürass nicht nur den Brust- und Rückenpanzer, sondern eine komplette Plattenrüstung, wie sie in der schweren Reiterei gebräuchlich war. In der Regel trug man zu einem Küriss einen geschlossenen Helm. Ein speziell für das Turnier gefertigter Küriss wurde als Stechküriss bezeichnet. Zu einem so genannten Feldküriss trug man einen Mantelhelm oder eine geschlossene Sturmhaube. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. [wikipedia] => Kürassier.
[127] Finnen: auch hagapells, hakkapeller genannt: [nach hakkaa päälle: hau drauf] Sammelbegriff für Finnen, Lappen und Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern und Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von PLEISS. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant zu den in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie von Zeitgenossen als wild und brutal beschrieben wurden. Zudem standen sie im Verdacht, Wetter machen zu können und den Teufel anzubeten. Vgl. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 241 (1647): „So ist aber ein solches ungewüdter, luft, saußen und braußen eben zur selben zeit, wol 2 oder 3 tag und nacht lang, angestanden, daß vermaint, eß werde alle heyßer und palest zue haufen werfen, also und daß sich kain schüff von dannen sich möchte bewögen; hat man auch gänzlich dafürgehalten, haben solches (weilen diese Lapp- und Seeländer in dißer und dergleichen hexen- und unholden künsten wol erfahren und bey ihnen für ain freye kunst gehalten und paßirt) ungewidter selbsten gemacht und verzoberet. Dan man für gewiß gesagt, dass ain ganzes regiment under ihnen dem schwarzen Caspar ergeben und verschriben seye, welcher ihnen den weg naher dem Haagen als vorher geloffen und paßiert. Wie dan auch von Eyßne oder Kämpten wird bericht, daß sie ihnen den M. Hämmerlein in ainem glaß gezaiget: diß seye ihr obrister, deme seyen sie verlobt und geschworen, deßen seyen sie mit leib und seel versprochen, dere ihnen trewlich halt und sie ihme redlich dienen“.
Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil und Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert und zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas von Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den von den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität.
[128] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.
[129] Das ist so nicht richtig; die Verwechslung entsteht durch den schwer verwundeten Obristleutnant Cronbergs, Nikolaus Cronberger.
[130] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt: Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.
[131] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein (2012 auch in dt. Übersetzung).
[132] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.
[133] Kapitän (schwed. Kapten): Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste.  Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.
[134] ENGERISSER, Von Kronach, S. 111ff. (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).
[135] Dukaten: 1 Dukaten = 4 Gulden (Wernigerode);1 Golddukat = 2 Taler = 48 Groschen.
[136] OMPTEDA, Kronberg, S. 545f.
[137] Heimertingen [LK Unterallgäu].
[138] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.
[139] CHEMNITZ, Königlichen Schwedischen In Teutschland geführten Kriegs Ander Theil, S. 41.
[140] Überlingen [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 807f.
[141] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 179f.
[142] General(feld)wachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor“ bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.
[143] Bad) Waldsee (LK Ravensburg]; HHSD VI, S. 49ff.
[144] Ordinanz, Ordonnanz: (militärische) Verfügung; Befehl; Anweisung, Verordnung, die nicht immer eingehalten wurde. Zum Teil wurde den Soldaten von ihren Vorgesetzten in aller Öffentlichkeit sogar verboten, sich an die Ordonnanzen zu halten; MAIER, Unterpfalz, S. 321.
[145] angesichts.
[146] Johann Christoph Freiherr von Ruepp zu Bachhausen; Obrist [9.10.1587 München-17.7.1652].
[147] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[148] Reichenau [LK Konstanz].
[149] Homburg, heute Ortsteil von Waldshut-Tiengen [LK Waldshut].
[150] Stahringen, heute Ortsteil von Radolfzell [LK Konstanz].
[151] Bodman-Ludwigshafen [LK Konstanz].
[152] „contribuenten“ wäre wohl sinnvoller.
[153] Fron: alle Dienste, die unentgeltlich oder gegen geringes Entgelt zu leisten sind, hier: Zwangsarbeit auf der Schanze, die von Soldaten wie Bürgern gleichermaßen verachtet wurde und der sich Bürger auch durch Flucht entzogen, da normalerweise nur sogenannte Schanzgräber, gemeine Soldaten, Lager-Prostituierte, Gefangene oder verurteilte Straftäter zu diesen Arbeiten herangezogen wurden.
[154] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.
[155] bravieren (franz. braver): drohen, trotzen, verachten.
[156] Konstanz [LK Konstanz]; HHSD VI, S. 419ff.
[157] nächst: vor kurzem.
[158] SEMLER, Tagebücher, S. 17f.
[159] (Bad) Waldsee (LK Ravensburg]; HHSD VI, S. 49ff.
[160] Hagnau [Bodenseekreis].
[161] Ahausen, heute Ortsteil von Bermatingen [Bodenseekreis]
[162] Bambergen, heute Ortsteil von Überlingen [Bodenseekreis].
[163] Deisendorf, heute Ortsteil von Überlingen [Bodenseekreis].
[164] distribuiert: verteilt.
[165] SEMLER, Tagebücher, S. 20.
[166] Nußdorf, heute Stadtteil von Überlingen [Bodenseekr.].
[167] Hödingen, heute Ortsteil von Überlingen [Bodenseekr.].
[168] Goldbach, heute Ortsteil von Überlingen [Bodenseekr.].
[169] per forca: mit Gewalt.
[170] Kriegskommissar: Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontribution). Als Quartierkommissarius legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung; vgl. s. v. „Fourier“.) Der „Musterkommissarius“ führte in landesherrlichem Auftrag die Musterungen durch und überwachte die Zusammensetzung des Heeres. Musterkommissare waren bei gemeinen Soldaten wie Offizieren gleichermaßen verhasst, da sie Manipulationen und Betrügereien auf den Musterplätzen zu unterbinden suchten: Söldner erschlichen sich vielfach Sold, indem sie sich unter verändertem Namen mehrfach mustern ließen, Offiziere führten zuweilen mehr Männer in den Soldlisten, als tatsächlich vorhanden waren, um die eigene Tasche mit den überschüssigen Löhnungen zu füllen (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120ff.). Auch hatten sie die Abdankungen und die Zusammenlegung und Neuformierung kleiner Einheiten zu überwachen.
[171] gratificieren: eine Gefälligkeit erweisen.
[172] quondam: einst.
[173] eximiert: ausgenommen, befreit.
[174] Johann Philipp Cratz Graf zu Scharfenstein; Feldmarschall [um 1590 – 6.7.1635 hingerichtet]
[175] Herdwangen-Schönach [LK Sigmaringen].
[176] et haec merces nostrorum meritorum: und dies ist der Lohn unserer Verdienste.
[177] Bodman-Ludwigshafen [LK Konstanz].
[178] Confect: mlat. confectae: aus Zucker Gebackenes, Süßigkeiten, wurde in der Apotheke zu Heilzwecken vertrieben und gehörte auch zur Ausrüstung eines guten Arztes.
[179] Hechingen [Zollernalbkr.]; HHSD VI, S. 297ff.
[180] Tuttlingen [LK Tuttlingen]; HHSD VI, S. 806f.
[181] Liptingen => Emmingen-Liptingen [LK Tuttlingen]
[182] Radolfzell [LK Konstanz], HHSD VI, S. 636ff.
[183] Radolfzell war am 25.10.1632 ohne Widerstand dem württembergischen Obristen Michael Rau übergeben worden.
[184] Zwiefalten [LK Reutlingen].
[185] aufschlagen: aufheben, überfallen; gewaltsam öffnen.
[186] SEMLER, Tagebücher, S. 21ff.
[187] Vgl. SCHREIBER, Ernesto Montecuccoli.
[188] SEMLER, Tagebücher, S. 102f.
[189] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[190] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[191] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.
[192] Regenstauf; unter Neuburg a. d. Donau, HHSD VII, S. 501.
[193] Reinhausen; heute Ortsteil von Regensburg.
[194] Sallern, heute Stadtteil von Regensburg.
[195] ENGERISSER, Von Kronach, S. 265ff.
[196] Kumpfmühl-Ziegetsdorf-Neuprüll, heute Stadtbezirk 13 von Regensburg.
[197] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.
[198] Kleiderraub: Nach einer Nachricht in den Akten des Staatsarchivs Bückeburg aus dem Jahr 1633 betrug nach der Schlacht bei Hessisch Oldendorf (1633) die Zahl der Gefallenen 6.534, die der Gefangenen zwischen 1.700 und 1.800 Mann;ZARETZKY, Flugschrift, S. 7, 3; darunter waren allein 1.000 Weiber; RIEZLER, Baiern Bd. 4, S, 170.Anscheinend hatten sich auch die Soldatenfrauen und Trossweiber der Konföderierten an dem Gemetzel an den Kaiserlich-Ligistischen beteiligt; Staatsarchiv Bamberg C 48/195-196, fol. 117 (Abschrift, PS): August Erich an Johann Ernst v. Sachsen-Eisenach, Kassel, 1633 VI 30 (a. St.): „Unter andern sagt mann auch, dz ein solcher eÿwer unter den soldaten weibern gewesen seÿ, daß die Heßische und Schwedische sambt andern soldaten weibern die Merodischen und Gronsfeldischen mit meßern unnd gewehr darnieder gestoßen, und ihnen ihre kleider sambt andern außgezogen und abgenommen“. ENGLUND, Verwüstung, S. 261f.: „Kleider waren kostspielig. […] Dies erklärt, warum man Gefangenen und Gefallenen in den Feldschlachten die Kleider auszog. In der schwedischen Armee versuchte man in der Regel, solche von Kugeln durchlöcherten und blutgetränkten Kleidungsstücke zu sammeln, die gewaschen und geflickt und nach Hause gesandt wurden, wo man die neu Ausgehobenen in sie hineinsteckte“.
[199] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.
[200] ENGERISSER, Von Kronach, S. 276.
[201] BLICKLE, Rebellion, S. 60.
[202] Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen; DUCH, Aldringen (Aldringer), Johann Frhr.
[203] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 349ff.
[204] HALLWICH, Aldringens letzter Ritt, S. 26.
[205] Neufahrn, heute Ortsteil von Mettenheim [LK Mühldorf a. Inn].
[206] Ergoldsbach [LK Landshut].
[207] Briefe und Akten II/9, Nr. 46, S. 81f.
[208] Briefe und Akten II/9, Nr. 46, Fußnote 1, S. 82.
[209] Briefe und Akten II/9, Nr. 48, S. 84.
[210] Moosburg [LK Freising]; HHSD VII, S. 461f.
[211] Freising; HHSD VII, S. 209ff.
[212] Vgl. LAHRKAMP, Jan von Werth.
[213] Pechkränze: Aus brennbarem Stoff geflochtener und mit Pech überzogener Kranz, verwandt, um zu leuchten oder in Brand zu stecken; er wurde bei Belagerungen an die Stadttore gehängt, um diese zu verbrennen.
[214] Kartaune, halbe: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81.
[215] Landau a. d. Isar [LK Landau/I.]; HHSD VII, S. 384f.
[216] Straubing; HHSD VII, S. 723ff.
[217] Bresche, brescia, bresica, breccia: durch Geschützfeuer erreichte Sturmlücke in der Stadtmauer.
[218] Schwedischer Feldprediger.
[219] Passau; HHSD VII, S. 571ff.
[220] EBERMEIER, Landshut, S. 84ff.
[221] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, v. HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] u. seinen Zeitgenossen neben Krieg u. Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX [=> mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest v. 1625 an der Pest v. 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden u. etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- u. Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später traten Bewusstseinsstörungen u. Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende u. äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten u. Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm u. waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen v. selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 % zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer u. erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle v. Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- u. Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder v. Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat u. die eine Letalität v. 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren starke Atemnot, Husten, blaue Lippen u. blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de]  lassen vermuten, dass es sich bei der Pest v. 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status u. Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung u. Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse u. andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser u. Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de]. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne v. vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet u. wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Zur Pest in Wismar (1630) heißt es: BALCK, Wismar, S. 50f.: „Auf Wallensteins Anordnung wurden Gegenmaßregeln getroffen: Der Stadtsyndikus erhielt den Auftrag zur Beschaffung der notwendigen Heilmittel, außerdem wurde ein Pestbarbier angenommen, die infizierten Häuser, Buden und Keller wurden gesperrt, Pflegerinnen und auch besondere Totengräber bestellt. Trotzdem erlosch die Seuche nicht, was man vor allem auf die Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der Soldaten schob. Sie begruben ihre Toten zum Teil selbst, Kranke stiegen aus den Fenstern ihres Quartiers und besuchten Gesunde, die ihrerseits auch wieder zu den Kranken kamen; ja sie nahmen sogar die Kleider der Gestorbenen an sich. Deshalb wurden auf Wengerskys Befehl vom 4./14. Januar 1630 die Kranken durch besondere Abzeichen kenntlich gemacht, ferner von jedem Regiment ein Feldscherer bestellt und, soweit nötig, die infizierten Häuser durch Posten bewacht. Am 16. August 1630 ordnete schließlich [der kaiserliche Kommandierende; BW] Gramb an, daß 12 wüste Häuser, auf jede Kompagnie eins, bestimmt werden sollten, in denen dann die infizierten Soldaten zu isolieren seien“. Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. „Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest u. Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt v. den Heiligen Sebastian u. Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit u. Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der v. „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurden,  aber auch v. Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet. Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand v. Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 92ff. 1624 ließ sich der Stadtmedikus in Neumarkt (Oberpfalz) durch die beiden Nürnberger Pestilentiarii über die Erscheinungsformen der in Nürnberg ausgebrochenen Pest informieren: „Das pestilenzialische Contagium dieser Stadt ist theils ein unmittelbares, theils ein mittelbares. Uebrigens weil bei den praktischen Aerzten das durch Gegenstände verbreitete Kontagium wie das in Distanz wirkende gleichmässige Kontagium genannt wird (denn man gebraucht es sowohl zur Bezeichnung eines Ansteckungsstoffes als auch der infizirten Luft), so ist zu bemerken, dass wir unter demselben nichts anderes verstehen, als einen Krankheits-Herd (Fomes). Das Pest ‚Miasma‘ ist Gott Lob bei uns zur Zeit nicht durch die Luft verbreitet worden. Daher ergreift die Pest die Menschen bei uns entweder durch einen besonderen Zunder (Fomes) oder durch unmittelbare Berührung. Auf die erste Weise nahm die Krankheit ihren Anfang, auf die zweite gewann sie Verbreitung. Was die Kranken selbst betrifft, so werden diese meist gleich vom Anfang an von einer bedeutenden Hinfälligkeit ergriffen mit Gefühl von Frost oder Hitze, Brechreiz, wirklichem Erbrechen und zuweilen von Bewusstlosigkeit, worauf sich in Kürze Anthraces und Bubonen, theils von verschiedener Farbe, theils von der Farbe der Haut selbst bilden. Doch sind diese Symptome nicht bei allen gleich, sondern verschieden, je nachdem diese oder jene Theile zuerst mit dem Ansteckungsstoff in Berührung kommen. Denn einige werden mit Kopfschmerz, Hinfälligkeit, Ohnmacht befallen, andere klagen über unstillbaren Durst, Fieberhitze und Schlaflosigkeit, auf welche bald Delirien folgen, wieder bei anderen erscheinen sogleich die charakteristischen Zeichen der Pest und zwar oft ohne die den Pestbeulen gewöhnlich vorhergehenden heftigen Schmerzen. Bei einigen Pestkranken entstanden unter den Erscheinungen der Euphorie Abscesse, bei anderen war damit unter heftige Ohnmacht verbunden. Bei einigen beobachtete man bloss Anthraces, bei anderen traten Anthraces und Bubonen zugleich auf. Diejenigen, bei welchen in entfernteren Theilen, z. B. der Leistengegend, Bubonen ausbrachen, wurden fast alle geheilt, während die, bei denen sie auf der Schulter oder der Brust ausbrachen, fast alle starben. Nicht selten trat übrigens der Tod plötzlich, unter scheinbar günstigen Symptomen ein, aber eben so oft sah man auch solche, welche durch die Heftigkeit der Erscheinungen in der äussersten Lebensgefahr zu schweben schienen, gegen alle Erwartung der Gefahr entrinnen und genesen. So gross ist die Täuschung und Bösartigkeit dieser Krankheit“. 1631 erhielt der „Pestilential-Chirurgus“ in Zwickau lediglich freie Wohnung u. wöchentlich 1 ½ Rtlr.; HERZOG, Chronik von Zwickau 2. Bd., S. 417. https://www.unterdietfurt.de/gemeindeinfo/geschichte/dreissigjaehriger-krieg: „Diejenigen, die mit den Pestkranken Umgang hatten, wie z.B. Geistliche mussten ein zwei Finger breites und eine Spann langes hölzernes Kreuz auf der Brust tragen, damit der Umgang mit ihnen gemieden wurde“.Vgl. auch LAMMERT, Geschichte; RUFFIÉ; SOURNIA, Die Seuchen, S. 17ff.
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