Brink [Brinck, Princk, Brinken, Brincken], Johann von der

Brink [Brinck, Princk, Brinken, Brincken], Johann von der; Obrist [ – ] Brink war Protestant und entstammte einem westfälischen Adelsgeschlecht. Er stand als Obristleutnant[1] bzw. Obrist[2] in schwedischen Diensten und bezeichnete sich selbst allerdings als Niederländer, d. h. nach damaligem Sprachgebrauch aus dem Kölner[3] Raum kommend. Als schwedische Donationen[4] für geleistete Dienste erhielt er im unterfränkischen Raum die Vogtei des Klosters Ebrach,[5] Sulzheim,[6] und den Münchshof zu Mainstockheim[7] im Hochstift Würzburg.
1632 war er Obristleutnant des Reiterregiments[8] Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen, das er nach der Schlacht an der Alten Veste[9] im September 1632 als Obrist übernahm und das nach diesem Zeitpunkt als ‚Brink’sches‘ Regiment zu Roß geführt wurde.[10]
„Kehren wir nun, nach diesem Exkurs, zu den Ereignissen des 7. Juni 1632 zurück. Dem schwedischen Obristen Hastver schien die Kontrolle über die Ereignisse zu diesem Zeitpunkt bereits entglitten zu sein. Hastver war ansonsten für die Einhaltung guter Disziplin bekannt. In Königshofen[11] gab es wenig Klagen gegen die finnische[12] Garnison und er selbst hatte nach seiner Ablösung als Kommandant noch nicht einmal eine Ablösesumme von der Bürgerschaft gefordert, während sich andere Offiziere in ähnlichen Situationen schamlos bereicherten (Pleiss, S. 40). Daß seine eigenen finnischen Kompanien[13] in die Vorfälle verwickelt waren, ist unwahrscheinlich. Die Finnen kamen erst zwei Tage später vor Kronach[14] an. Hastver selbst berichtet über den besagten Tag lediglich: ‚Folgends .29. [richtig ist der 28.5./7.6., Hastver irrt hier um einen Tag] seindt Sie [die Kronacher] über .200. starck nachmittags ausgefallen, sich auch der Laufgraben bemechtiget, alß ich aber das Volck inn ordnung gebracht, seindt Sie wiederumb in die Stadt gejagt worden‘. (Riksarkivet Vol. E 842, Bl. 223). Auch das Sterbematrikel der Pfarrei Kronach enthält keine Anschuldigung in eine bestimmte Richtung, wenn es unter dem 13. Juni das Begräbnis der Opfer meldet, ‚welche im Lager hinter dem Schloß seindt niedergehauen worden und von den Coburgischen und Markgreffischen geschunden[15] worden‘.
Bei den damaligen verrohten Sitten ist es nicht erstaunlich, daß sich Ende August desselben Jahres erneut eine ähnliche Prozedur ereignete, als der markgräfliche Obrist Hans Christoph Muffel in Marktschorgast[16] einfiel, etliche niedermachte und zwei aus dem Ausschuß,[17] ‚wie vordem in Kronach lebendig schinden ließ‘. Dies findet sich als einer der Beschwerdepunkte in einem Memorandum, welches Bürgermeister und Rat von Kronach dem kaiserlichen Generalissimus Wallenstein[18] überreichen ließ, als dieser auf seinem Weg nach Lützen[19] sein Lager in Unterrodach[20] aufschlug und in Kronach am 15.10. übernachtete (Fehn VI, S. 207)“.[21]
„Die oft zitierte persönliche Anwesenheit des königlich schwedischen Statthalters in Würzburg[22] und bis Juni 1632 Oberkommandierenden der Truppen des Fränkischen Kreises, Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen zu Weisendorf und Weizenbach, im Feldlager vor Kronach ist ziemlich unwahrscheinlich, da der schwedische Generalkommissar Sigmund Heußner von Wandersleben am 30. Mai/9. Juni dem von Wetzhausen schrieb, daß er schmerzlich vor Kronach auf seine Ankunft gewartet hatte, und ihm vorwarf, daß er durch seine eigensinnigen Einquartierungen,[23] Brandschatzungen[24] und Plünderungen[25] das Stift Bamberg ganz zu Boden gerichtet hätte (Looshorn VI, S. 275). Auch schreibt Oberst Hastver in seinen Briefen vom 13. Juni aus Neustadt bei Coburg[26] an den schwedischen Reichskanzler Oxenstierna und an König Gustav Adolf, daß er während der gesamten Zeit der Belagerung Kronachs ‚von Obristen Truchsees ganz keine nachricht haben können, ob er mit der Cavalleria das Stifft quittirt, oder wo er sich sonsten befinden möge‘ (Riksarkivet, Oxenstierna saml., Vol. E 620, Bl. 307).
Zwei Truchseßische Regimenter zu Roß, sein eigenes unter Oberstleutnant Johann von den Brinken und eines unter dem Oberstleutnant Jaroslav Adam von Schaffmann von Hemrles, eines böhmischen Emigranten, lagen seit Mitte Mai in der Gegend in und um Pegnitz[27] (südl. Bayreuth[28]). Von dort waren 2 Kompanien aus dem Regiment Schaffmann, insgesamt 200 Pferde, gleich zu Beginn der Belagerung nach Kronach[29] kommandiert worden, wo sie sich der berittenen Kompanie des brandenburgischen Obristen Muffel anschlossen und sich am Nachmittag des 18. Mai der Stadt Kronach von Osten näherten, jedoch durch einige Kanonenschüsse aus der Festung Rosen zum Rückzug genötigt wurden (Zitter 1666, S. 5). Am folgenden Tag (19.6.[30]) verbanden sich dann die Schaffmann’schen Reiter mit 3 Kompanien zu Pferd von Claus Hastvers Regiment, um den von Burgkunstadt[31] heranziehenden Sukkurs aus Weismain[32] und Niesten[33] bei Tiefenklein[34] und Küps[35] zu zerstreuen (Khevenhiller XII, S. 148). Die restlichen Truchseßischen Kompanien blieben weiter in Pegnitz liegen, denn am 25. Mai 1632 (5. Juni neuen Stils) schrieb aus dem Quartier Pegnitz Johann von den Brinken dem Oberst Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen, daß er dem Feinde aus der Oberpfalz den Paß nach Forchheim[36] oder Bayreuth und Kronach verlegt habe; er verlangte Munition, ‚da es an Kraut [Pulver], Lunten[37] und Loth [Blei] fehlt‘ (Looshorn VI, S. 275).
Am 8. Juni 1632 wurden beide Regimenter in Pegnitz von dem kurbayerischen Obersten Johann Eberhard von Schönburg, Kommandanten der bayerischen Garnison in Auerbach[38] in der Oberpfalz, überfallen, ein großer Teil der 13 Kompanien, darunter 3 Kompanien Dragoner, in alle Winde zerstreut, ein Teil gefangengenommen.
Truchseß hatte zu Mitte Mai 1632 die fränkischen Regimenter, unter denen sich auch das Reiterregiment des schwedischen Generalleutnants Wilhelm von Goldstein befand, in der Nähe Kitzingens[39] zusammengezogen. Als Sammelplatz für geplante Angriffe gegen Forchheim, Bamberg[40] und Kronach war Höchstadt an der Aisch[41] vorgesehen, das Hauptquartier wurde in Wiesenthau[42] bei Forchheim eingerichtet. Im Vorfeld der Belagerung Kronachs kommandierte Truchseß zu diesem Zweck einige Truppen an den Obersten Claus Hastver ab. Vier Kompanien aus Hastvers eigenem geworbenen Regiment zu Fuß (nicht den in Königshofen liegenden Finnen), die sich bisher bei Truchseß in Kitzingen befanden, wurden nach Kronach auf den Weg gebracht, wo sie zwischen dem 23. und 25. Mai eintrafen. Herangeführt wurden sie allerdings nicht von Wolf Dietrich Truchseß selbst, sondern von dem Truchseßischen Oberstleutnant Georg Reichert.
Bereits vor dem 17. Mai waren auf Anordnung Truchseß‘ 3 Kompanien aus dem Reiterregiment Goldstein unter dem Major Joachim Ludwig von Seckendorf und am 18.5. die 200 oben erwähnten Schaffmann’schen Reiter aus dem Quartier Pegnitz eingetroffen. Über das undisziplinierte Verhalten der Goldstein’schen Kompanien beschwerte sich Hastver bitter bei dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna und König Gustav Adolf: ‚Vnnd ob mir wohl auch Obrist Truchsees Major Seckendorff  mit 3. Compagnien von H: GeneralLeutenambt Goldsteins Regiment zuegeordnet, so seindt Sie doch nicht bey mir verblieben, sondern sich nach Zeulen [Merktzeuln[43]] begeben, vnnd der ortten seines gefallens nach gelebet‘. (Riksarkivet, Oxenstiernas saml., Vol. E 620, B. 307).
Anfang Juni 1632 mußte Truchseß den Oberbefehl über die fränkischen Kreistruppen an den schwedischen Generalwachtmeister und nürnbergischen Generalleutnant Balthasar Jakob von Schlammersdorff abgeben (Heilmann II, S. 350). Die Aktion gegen Kronach wurde in der Folge nicht mehr von Truchseß koordiniert – ein Umstand, der einiges an Konfusion in der Vorbereitung und Durchführung des Kronacher Vorhabens erklärt. Das Debakel von Wolf Dietrichs eigenen Regimentern vor Pegnitz am 8. Juni machte dann jegliche weitere Unterstützungsvorhaben zunichte. Die fränkischen Reiterregimenter Truchseß (unter OL Johann von den Brinken), Jaroslav Schaffmann, Wilhelm von Goldstein und Paul Khevenhiller kämpften übrigens alle bei der Schlacht an der Alten Veste bei Zirndorf im August und September 1632 gegen die Truppen Wallensteins, wo namentlich die Regimenter Truchseß erneut erhebliche Verluste erlitten (Fronmüller, S. 43; Soden I, S. 85)“.[44]
„Am 12.6.1632 gab Hastver die Belagerung Kronachs auf. Mit Datum 3./13.6. führt er in einem Brief an König Gustav II. Adolf aus Neustatt an der Heydt (Neustadt bei Coburg) die dafür ausschlaggebenden Gründe an: ‚Durchleuchtigster Großmechtigster Gnedigster König vnd Herr. Ihr. Königl: Maytt: kan Ich vndertheinigst nicht verhalten, das nachdem der Feindt sich inn der Obern Pfalz starck gesamblet, vnnd Obrist Leuttenambts Brinckens trouppen, welche an der Pfälzischen grenz zu Begniz [Pegnitz] inn dem Marggraffenthumb logirt, angefallen, selbige getrennt, vnnd sein quartier Begniz inn brandt gesteckt, dannen auff Beyreuth, so H: Marggraff Christians fürstl: Gn: Residenz Statt, vnndt nicht weitters, alß .6. stund von Cronach gelegen, zugangen, vnnd herr Marggraff Christian den Obrist Muffeln mit seinen 2. Compagnien, vnnd dero Ausschuß von Cronach abgefordert, Ich mich disfals zu schwach befunden, weilen solchergestaldt mehren nicht alß meine .4. Compagnien [die am 25.5. von den Truchseßischen Oberstleutnant Georg Reichert herangeführten], nebenst etlich Coburgischen[45] ausschüssern vnnd .3. Compagn: Reutter [seine eigene Kompanie zu Roß und die beiden Schaffmann’schen Kompanien] bey mir verblieben. Auch mir über dießes noch von Schmalkalden[46] auß gewieße Kundtschafft einkommen, wie Pappenheim den 28. May [7. Juni] passato sich zue Cassel [Kassel[47]] präsentiert, auch mit Ihr. F. Gn: [Landgraf Wilhelm v. Hessen[48]] chargirt, von daan uff Allendorf[49] an der Werra vnnd folgends vff Eschweg [Eschwege[50]] gehen wolle, vnnd Ich von Obristen Truchsees ganz keine nachricht haben können, ob er mit der Cavalleria das Stifft quittirt, oder wo er sich sonsten befinden möge. So hab Ich die belägerung Cronach auffgehoben, vnnd mich gestern morgen hieher nacher Neustatt an der Heydt [Neustadt bei Coburg], zwei kleine meil wegs von gedachtem Cronach nach Coburgk zue reteriret, damit der feind mir nicht irgendt zue geschwindt auff dem Halß kommen, vnnd das Volck schaden leiden mögte, welches vor Ihr Maytt: Ich nicht verantworten können‘. (Riksarkivet, Skrivelser til Konungen, Vol. 13, Bl. 305)„.[51]
„Hastver schrieb am 24.Juni/4. Juli aus Staffelstein[52] an Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen im Hauptquartier zu Wiesenthau,[53] daß er mit 11 Kompanien zu Pferd und 7 zu Fuß kommt (ebd.,[54] S. 276), nachdem er zu diesem Zeitpunkt die in Oberfranken verfügbaren Truchseßischen Regimenter zusammengezogen hatte“.[55] So war auch Brink bei den Kämpfen an der Alten Veste bei Zirndorf eingesetzt. „Alle Versuche, die kaiserlichen Verschanzungen zu erstürmen, waren schließlich erfolglos. Die schwedischen Verluste waren enorm und betrugen im Ganzen 2500 Mann, darunter 200 Offiziere. Vor allem die Sturmtruppen des schottischen Regiments Robert Monro und des Grafen Johann Jakob von Thurn (jungen Grafen Thurn) mußten eine verheerende Dezimierung ihrer Mannschaften erdulden. (Soden I, S. 385; Monro/Expedition, S. 281). Selbst Reiterregimenter mußten absitzen und Sturm laufen. Stark mitgenommen wurden die beiden Reiterregimenter Truchseß von Wetzhausen (unter den Oberstleutnants Johann von den Brinken und Jaroslav Schaffmann), so ‚daß von 1400 Reitern nur noch 200 übrigblieben‘, wobei diese Zahl als stark übertrieben erscheint. Die Reste des Regiments Truchseß gingen in der Folge an dessen Oberstleutnant, den Niederländer Johann von den Brinken über. (Looshorn VI, S. 275; Soden I, S. 85)“.[56]
Aus Ochsenfurt[57] gab am 17./27. November 1632 Graf Kraft von Hohenlohe, schwedischer Generalstatthalter und Kreisoberkommandant des Fränkischen Kreises, der königlich-schwedischen Regierung den Auftrag, den in und um Würzburg liegenden Offizieren des Brink’schen, Steinau’schen und des Markgräflichen Regiments Markgraf Johann Georg von Brandenburg die Instruktion, dass sie sich in gute Bereitschaft setzen sollten, um gegebenenfalls auf die erste erfolgende Ordre sich nach Rothenburg o. d. Tauber[58] zu wenden und dort vereinigt weiter zu marschieren.[59]
Brink war im Frühjahr 1633 zwischen Neckar und Donau tätig. Im Februar 1633 besetzte er die Grafschaft Hechingen,[60] brannte am 21.2.1633 zu Niedernau[61] 30 Häuser und Scheunen nieder und wandte sich dann gegen Rottenburg.[62]
Im Sommer 1633 stand Brink in der Armee Herzog Georgs von Lüneburg. Möglicherweise hatte er die Absicht, in polnische Dienste zu treten, denn Bernhard von Sachsen-Weimar bat am 12.9.1633 (a. St.) in einem Brief Oxenstierna,[63] ihm bessere Konditionen zu gewähren, da man altgediente Offiziere bei der Armee halten solle.[64]
Brink war an den Kämpfen um Regensburg[65] beteiligt.
In der Nr. 29 der „Wochentliche[n] Postzeittungen“ vom 18.7.1634 heißt es: „Auß dem Königlichen Feldläger vor Regenspurg vom 6. Passato [6.6.; BW] schreibt man / daß den 5. dieses Ihr Königl. Mayest. von Vngaren[66] / etc. des Nachmittags nach Thonawstauffen[67] gerückt / vnd daselbst mit der Armada vber die Schiffbrücken gesetzt / die Statt jenseiths desto stärcker anzugreiffen / Herren Obr. Götzen [Johann v. Götz;[1] BW] aber das Commando bei der Schanz am Hoff[68] vberlassen / daselbst vnsere Soldaten auff Berg ein feste Schanze gemacht. Es seindt in dem vor 8. Tagen gemeldtem Sturmlaufen etliche hohe Offizicerer beschädigt / erlegt / gefangen / auch von gemeinen Soldaten etliche Todt blieben / vnd verwundt worden. Den 11. Passato hat sich der Feindt mit etlichen starcken Troppen vnd Stücken præsentiert / vnd in der Vnserigen Läger vmb Vesperzeit einfallen wollen / weil aber die Vnserige dessen zeitlich gewahr / vnd 23. Regimenter zu Roß vnd Fuß gegen ihne Commandirt / also hat er sich widerumb retterirt / darüber aber in 300. Mann zu Roß vnd Fuß verlohren / dadurch die vnserige gute Beuthen / neben anderen auch in 400. Pferdt bekommen / vnd den 13. dieses in der Nacht einen fürnehmen Posto hart bey der Stattmawren eingenommen / vnd dahin ihre Stück geführt haben / auß welchen man starck auff die Stadt Fewer geben / die Bürger vnd Soldaten aber seindt also obstinat / daß sie sich wol nicht leichtlich in einig Accordo[2] einlassen werden. Den 16. Passato hat Herr Obrister Johan von Werth[69] dem Herzog von Weinmaren in 300. zu Roß nidergemacht / vnd einen des Feinds Obristen Leutenandt / sampt 86. Reuteren gefangen eingebracht / vnnd weiln der Fürst von Weinmaren kein Mittel gesehen / die Statt zu entsetzen / als ist er auffgebrochen / wie man vermeint / nacher Augspurg[70] / dann ihme der Paß gegen Kellheimb[71] verlegt worden / also daß er dessen Erledigung nicht hat ins werck richten können. Es ist (wie die Gefangene außsagen:) bey dem Feindt ein so grosser Hunger[72] / vnd mangel an Prouiandt / daß die Nesselen vnd Graß kochen / vnd essen / in vnserem Läger aber / ob es zwar etliche Tag mit der Prouiandt auch schlecht hergangen / thut es sich wegen des starcken zuführens / von Tag zu Tag besseren“.[73]
„Die Verpflegung der starken kaiserlichen Armee bot in dem seit 14 Jahren ausgeplünderten Land große Schwierigkeiten; sie mußte größtenteils aus Österreich herbeigeschafft werden. Ein solcher Transport von 40 Wagen wurden von der Garnison und Bürgern aus Weiden[74] zwischen Waidhaus[75] und Eslarn[76] abgefangen“.[77]
„Der Angriff auf Regenburg hatte unterdessen mit voller Kraft eingesetzt. Am 4. Juni (Pfingstmontag) fielen aus 100 Geschützen 400 Schüsse – darunter Granaten bis 120 Pfd. – in die Stadt, ohne jedoch viel Schaden anzurichten. Ein um 4 Uhr nachmittag auf den Brückenkopf in Stadtamhof angesetzter Sturm wurde abgeschlagen; Oberst Freiherr von Treubreze, der Regensburg im November 1633 gegen die Schweden verteidigt hatte, fiel hierbei. In der Nacht vom 5./6. Juni machten die Schweden einen Ausfall und trieben die Belagerer aus den Laufgräben. Am 14. Juni trafen 4 Rgt. Spanier ein, welche mit den Bayern den Angriff auf dem rechten Ufer weiterführten, während die Kaiserlichen sich auf dem linken Ufer heranarbeiteten. Deren Quartiere erstreckten sich ziemlich weit: Etterzhausen[78] war noch belegt und während der ganzen Dauer der Belagerung lagerte das Korps [Friedrich Rudolf v. ?; BW] Fürstenberg bei Schwandorf,[79] offenbar zur Sicherung gegen Sachsen und Schweden, welche in Böhmen eingedrungen waren und am 26. Juni auf dem Weißen Berg vor Prag standen, wo 1620 das Los Friedrichs V.[80] entschieden wurde.
Kelheim, das von den Schweden unter Oberst Rosa [Reinhold v. Rosen; BW] besetzt war, bedrohte die Belagerer von Westen her, wurde deshalb von 6 000 Bayern unter Aldringen angegriffen und nach wackerer Gegenwehr am 26. Juni zur Übergabe gezwungen. Rosa durfte mit Sack und Pack abziehen, erschien mit 800 Reitern am 1. Juli vor Sulzbach,[81] verjagte die bayerische Besatzung und besetzte die Stadt“.[82]
Die anti-kaiserliche „36. Extraordinari. 1634“ teilte unter dem 14./24.6.1634 noch mit: „Mit Regenspurg hat es / Gott lob / kein Noth / wie deßwegen Ihre Fürstliche Gn. vor Forchheim[83] von demselben Commendanten [Lars Kagge; BW] wider Schreiben bekommen / auch gestern glaubhaffter Bericht eingelangt / daß sich der Feindt darvor sehr ruinire vnd consumire / auch schon durch Gegenwehr / Absterben vnd Entlauffen in zehen tausendt Mann verlohren / gelte im Läger ein pfundt Roßfleisch acht Kreuzer / sey zwar grosse Zufuhr / weiln aber der Vngarische König eine grosse Hoffstatt[84] von ohngefehr 3000. Vngar- Böhm- vnnd Oesterreichischen Herrn / welche widerumb ihre Diener haben / vmb sich hat / so alles zu sich ziehen / als kompt dem gemeinen Soldaten wenig zu theil. Der König solle entschlossen seyn mit der Armee auffzubrechen / vnd in Meyssen[85] eine Diversion[86] zu machen“.[87]
In der Nr. 29 der „Wochentliche[n] Postzeittungen“ vom 18.7.1634 heißt es unter dem 30.6.1634 aus Rain:[88] „Bey Regenspurg gehet es hart her / vndt wirdt diese berümbte Belegerung sub auspicijs & imperio Ferdinandi III. Vngariae & Bohemiae Regis &c. annoch mit grossem Ernst vnd Tapfferkeit fortgetrieben / vnnd wiewol der Belegerten Halßstarrigkeit die eroberung noch ein zeitlang zurück setzen möchte / dörffte es ihnen doch vielleicht zu ihrer endtlichen ruin vnd Verderben heymkommen / vnd vermeint man disseyts / baldt Quartier darin zu haben / vnd das Exercitium Romano-Cathalicæ Religionis daselbst zu verrichten. Der Feindt hat zwar extremis conatibus[89] die Erledigung versucht / aber wegen der Keyserischen Wachtsambkeit in seinem Vorhaben nichts verfangen mögen / dañ ihm alle mittel die Statt zu entsetzen benommen / derowegen er gewichen / vmb anderstwo einzubrechen / vnd sein Abenthewer zu versuchen / deme aber etlich Tausendt Keyserische gefolget / welche den Weinmarischen in ihren Hintertrab eingefallen / vnd 4. Regimenter zertrennt / vnd in die Flucht geschlagen haben sollen. Gustavus Horn ist zwar in Bäyern gewesen / weil aber der Obr. Johan von Werth vnd General Altringer[90] mit ihrer vnterhabenden Kriegsmacht auff ihne angezogen / vorhabens / ihme eine Battaglia zu liefferen / hat er vngesaumbt sich mit seinem exercitu widerumb auff Augspurg zu gewendet / in meynung / weilen er nicht bastant, den Keyserischen vnter Augen zu gehen / mit Sachsen-Weinmarens Armee zusammen zu rücken / hat aber zuuor zu Aicha die Mawer vnd Wällen niderreissen lasse. Den 24. hat der König von Vngaren Kellheimb zu belägeren befohlen / welches man nach beschossener Pressa / den 26. mit Accord erobert / da dañ der Obr. Rosa [Reinhold v. Rosen; BW] sampt seinen Soldaten mit Sack vnd Pack außgezogen / vnd den 20. dieses zu Nürnberg einkommen. Im Keyserlichen Läger wirdt kein abgang der Prouiand mehr gespürt / dann man häuffig von diesen vnd anderen orthen dahin zuführen thut. Sonsten haben die Weinmarische sich mit den Hornischen Truppen Coniungiret / ligen gegenwertig vmb Thonawerth vnd Newburg / wo sie den Kopff weiters hinwenden werden / gibt die zeit“.[91]
„Am 6. Juli nahmen die Kaiserlichen vor Regensburg die große Schanze vor Stadtamhof, den oberen Wöhrd, trieben die Schweden über die steinerne Brücke zurück und legten auf dem oberen Wörth Schanzen an, aus welchen sie die Stadt beschossen“.[92]
In der Nr. 29 der „Wochentliche[n] Postzeittungen“ vom 18.7.1634 heißt es unter dem 13.7. aus Franken: „Mit der Belegerung Regenspurg wird von den Keiserischen immer starck fortgefahren / welche mit ihren Lauffgräben der Statt täglich näher vnd näher kommen / man hofft im kurzen mit denselben zu Quartieren. Der alte Graf von Thurn hat die Bürgerschafft vnd Soldatesca darin nun zum offtern zur standhafftigkeit ermuntert / derowegen er auch jederzeit in aller occasion seine Person præsentiert. Jetzo kombt von Nürenberg Bericht ein / daß die Keyserische / nachdem sie dreymahl auff der vornembsten Regenspurgischen Schanzen eine disseyts der Thonaw / am Vorhoff gelegen / gestürmet / 2. mahl repoussirt[93] worden / endtlich aber im dritten Sturm die Fornesse[94] erobert / vnd alles was in armis befunden / nidergemacht / den Grafen von Thurn aber gefangen bekommen haben sollen“.[95]  Und noch am 17.7. hieß es in einem Bericht aus Neumarkt, veröffentlicht in der „42. Ordentliche[n] Wochentliche[n] Zeitungen“: „Von 2. Gefangenen / so vom Feind vor Regenspurg wider ausgerissen / vnd Dato anhero kommen / hat man / daß der Graff von Thurn bey jüngster Eroberung deß obern Wörths bey Regenspurg / nicht sey gefangen / sondern sein Leutenant gewesen / vnd daß es mit der Statt ( angesehen / der Commendant darinnen / gegen besagtes Wörth der Mawren an der Thonaw ein Trenchement[96] verfertigen lassen / vnd starcke Gegenwehr erzeigt) keine Noth habe / es wolte dann Gott sonderlich darüber verhängen. Es hette der Feind bey acht Tagen hero sehr Granaten hinein gespielet / weren aber deß Obristen Wahlen [Joachim Christian v. Wahl; BW] hinab gebrachte Mörser darüber zersprungen: Der Feind hette Brieff von Herzog Bernharden auffgefangen / darinnen er der Statt geschrieben / solten nur noch zween Tag halten / so wolte er mit dem Entsatz ankommen / darauff die meiste Reuterey ihme entgegen gesandt / vnd auff gestern einen Generalsturmb angestellt / welcher dann vermuthlich vorgangen / weiln man gestern den ganzen Tag allhie starck hat schiessen hören / vnd an jetzo nur erwartendt ist / wie es abgelauffen“.[97]
Gegen Ende des Jahres operierte Brink in der Gegend um Frankfurt[98] und in der Wetterau,[99] wie ein persönlicher Brief von ihm an Bernhard von Sachsen-Weimar vom 24.11.1634 aus Oberursel ausführt.[100] „Von Diez[101] stieß er [Bönninghausen; BW] auf Idstein[102] und Wiesbaden[103] vor, ließ auch hier Kontributionen erheben, und bedrohte Mainz,[104] wo eine starke schwedische Garnison lag. Der schwedische Obrist v. d. Brincken meldete am 4. Dezember 1634 dem Herzog Bernhard von Weimar, daß Bönningshausens Kavallerie, die von Eppstein[105] auf Cronberg[106] und Oberursel[107] marschiere, voraussichtlich auf Friedberg[108] vorstoßen werde. Kundschafter berichteten, sie rücke so geschlossen vor, daß niemand zur Seite ‚ausreitten‘ oder zurückbleiben dürfe, weswegen man unmöglich Gefangene machen könne. Bönninghausen habe die Infanterie noch nicht bei sich, die aber auf Usingen[109] im Anzug sei. Tatsächlich erschien Bönninghausen am 6. Dezember vor Friedberg“.[110]
Weihnachten 1634 lag Brinck in Umstadt[111] (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt): „Nota: selbige nacht [24. Dez.] kam obrist Prink zu Zimmern[112] an mit einer ganzen schwedischen brigade.[113] Den 25. Dezember, uf den heiligen Christtag, war noch nicht recht tag worden, kommt der obrist Prink von den schwedischen mit etwan 20 pferden vor das tor, begehrt nur einen trunk und eine warme stuben, wollte alsdann mit seinem volk ihrem feind nachsetzen. Als er hier einkommen, da half nichts vor, wir mußten vor seine ganze schwedische brigade quartier geben, war ein groß volk und über die 100 ingenuir[114] darunter. Blieb hier 7 tag still liegen; ehe er aber abziehen täte, kamen den 30. Dezember 100 musketiere[115] samt einem kapitän[116] kommandieret volk von dem schwedischen Canofskischen [Chanovský v. Langendorf; BW] regiment herein, den ort zu besetzen und vor den kaiserischen zu verwahren. Den 31. Dezember zog obrist Prink ab, hatten ihre wagen mit gestohlen sachen an viktualien und möbelie so beladen, daß sie von hier nach Zimmern vor etlich 1000 gld. wert stehen lassen und von den wagen werfen müssen“.[117]
[1] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.
[2] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag; Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[1] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.
[2] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.
[3] Köln; HHSD III, S. 403ff.
[4] Donation: Schenkung, Übertragung. Ursprünglich im Römischen Recht eine unentgeltliche Zuwendung. Diese schwedische Art der „Schenkung“ von nach dem „Kriegsrecht“ angeeigneten weltlichen und geistlichen Besitzungen unterschiedlicher Größe war jedoch nicht kostenlos. Neben der gewöhnlichen Kontribution mussten noch ganz erhebliche Summen aufgebracht werden. So musste sich etwa Bernhard von Sachsen-Weimar für das „Herzogtum Franken“ verpflichten, innerhalb von 4 Jahren 600 000 Reichstaler an die Krone Schweden zu bezahlen  und mit den im Heilbronner Vertrag (April 1633) vereinbarten Zahlungen zu beginnen. Zudem wurde Reichskanzler Oxenstierna und schwedischen Gesandten kostenlose Bewirtung versprochen, Bernhard von Sachsen-Weimar übernahm auch die hohen Schulden der beiden Stiftern (Würzburg und Bamberg) und musste zudem den Schweden den Besitz alles vorhandenen Getreides und des Weines einräumen. Das „Herzogtum Franken“ bestand vorwiegend aus den Hochstiften Bamberg und Würzburg. Die wichtigen Festungen Königshofen und Marienberg in Würzburg blieben jedoch in schwedischem Besitz. Vgl. DEINERT, Die Schwedische Epoche; SCHAROLD, Geschichte.
[5] Ebrach [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 155f.
[6] Sulzheim [LK Schweinfurt].
[7] Mainstockheim [LK Kitzingen].
[8] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[9] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14. 3./4.9.1632: vergeblicher Sturm Gustavs II. Adolf auf Wallensteins befestigtes Lager bei Zirndorf und Schlacht an der Alten Veste, 18.9. Abzug Gustavs II. Adolf.
Vgl. MAHR, Wallenstein vor Nürnberg; MAHR, Schlacht.
[10] Vgl. die Erwähnungen bei ENGERISSER, Von Kronach (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).
[11] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368
[12] hagapells, hakkapeller: [nach hakkaa päälle: hau drauf] Sammelbegriff für Finnen, Lappen und Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern und Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von Detlev PLEISS. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant der in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie von Zeitgenossen als wild und brutal beschrieben wurden. Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil und Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert und zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas von Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den von den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität.
[13] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.
[14] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[15] Riemenschneiden: streifenförmiges Ablösen einzelner Hautpartien, wobei zur zusätzlichen Peinigung die Wunde mit Salz und Pfeffer eingerieben oder heißes Öl in sie gegossen werden konnte. Tilly entschuldigte im Niedersächsisch-Dänischen Krieg die Gewalttaten seiner neugeworbenen und unerfahrenen Soldaten, die von den Bauern immer häufiger angegriffen wurden und ungeachtet ihrer eigenen Herkunft aus bäuerlichen oder unterbäuerlichen Schichten diese als Feinde ansehen mussten, damit, dass „die Bauern durch ihren beharrlichen und vermittelst bei sich habender Directorn und Offizierern besteiften Ungehorsam und rebellische Mordthaten es verdient hätten, als ob sie die Bauern nit auch der Soldaten Weib und Kinder schänden und schinden, Ohren und Nasen, Händ und Füß, ja gar die Häls und Häupter mit Aexten, auch den vornehmsten Offizieren unter den Soldaten greulich abhauen und theils lebendig schinden, ihnen Riemen aus den Leibern schneiden und sie also lebendig liegen lassen thäten, wie bei Holzminden und anderen Orten den Soldaten wahrhafftig beschehen“ sei. OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg Bd. 2, S. 247. Vgl. dazu die Strafexpedition des kaiserlichen Obristen Pecker v. der Ehr gegen Harzschützen u. deren Hinrichtung in Halberstadt, wo ihnen „Riemen ausgeschnitten“ wurden; BOBLENZ, Aktionen, S. 105f.; BOBLENZ, Aktionen, S. 294, Anm. 96: Pecker habe die „Hartzbauren gar erbärmlich in Halberstadt hinrichten, rädern, spiessen, mit glühenden Zangen ziehen, auch zum theil Riemen ausschneiden, andre aber köpfen und hängen lassen“. BÖTTCHER, Halberstadt, S. 182. Zum »Riemenschneiden« im Strafvollzug HEINEMANN, Richter, Abb. 114. Zum Teil schnitt man Gefangenen Riemen aus der Haut, um sie als Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen; RUMPLER, Festungsbaumeister, S. 6. Der Fall der zwei geschundenen Kronacher, denen „Riemen“ aus der Haut geschnitten wurden, fand anlässlich der 1. Belagerung Kronachs durch den schwedischen Obristen Claus Hastver statt; ENGERISSER, Von Kronach, S. 84.
[16] Marktschorgast [LK Kulmbach]; HHSD VII, 430f.
[17] Ausschuss: Bürgerwehr: (zumeist relativ wirkungslose, unzuverlässige und aufsässige) Miliz zur selbstständigen Landesverteidigung (vgl. Landwehr), die teilweise schon beim ersten Musketenschuss auseinanderlief oder als Kanonenfutter diente, wenn sie nicht unter dem Schutz von Soldaten eingesetzt wurde. Zum Dienst im Ausschuss konnten sowohl Bürger – meist kleine Handwerker und ärmere Bürger, reichere Bürger drückten sich vor diesem Dienst –  als auch Bauern der städtischen Dörfer herangezogen werden. Üblich war die Stellung des 5. oder 10. Mannes. Die Erfurter Bürgerwehr soll aus 1.200 Mann bestanden haben; BEYER; BIEREYE, Geschichte der Stadt Erfurt, S. 537. Zur Nutzlosigkeit des Bürgerausschusses vgl. die Äußerungen des brandenburgischen Kanzlers Friedrich Pruckmann [1562-1630]; FADEN, Berlin, S. 144: Sie wurden „von ihrer zween angeführt, die ihr Lebetage wohl keinen toten Menschen im Felde gesehen. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen, auch Schreien in beiden Städten [Berlin und Cölln] die ganze Nacht hindurch, dass ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben. Denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschossene Musketiere sehen sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg; dem andern entfiel der Ladestecken, dem dritten die Forschett [Gabelstock]; dem vierten versagte die Muskete zwei- bis dreimal; der fünfte steckte die Nase gar in den Ärmel, wenn er schießen wollte, gleich den Mönchen, Pfaffen und Jesuiten, die vor etlichen Jahren zu Paris gassatim gingen, Die dann losgeschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen, also voll waren sie. Die Pikeniere trugen die Pike auch gar musterlich, zu geschweigen, dass sie solche sonsten zu gebrauchen sollten gewusst haben. Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt“. FADEN, Berlin, S. 153f. Teilweise wurde schon aus Kostengründen der Ausschuss von Städten abgelehnt; BRUNS, Hallenberg, S. 258f.; WALLHAUSEN, Defensio Patriae.
[18] Vgl. auch CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.
[19] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.
[20] Unterrodach, heute Ortsteil von Marktrodach [LK Kronach].
[21] EBGERISSER, Von Kronach, S. 87f.
[22] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[23] Einquartierung: Die kostenaufwendige Einquartierung von Truppen versuchten die Betroffenen oder ihre Vertreter nach Möglichkeit durch „Verehrungen“ bei den zuständigen Kommandierenden, Kriegskommissaren und Quartiermeistern abzuwenden. Gelang das nicht, so wurden je nach Rang, Vermögen und Steueraufkommen und auch der Religionszugehörigkeit der Betroffenen Mannschaften und Pferde in die Häuser eingelegt, wobei die Soldaten die besten Räume für sich in Anspruch nahmen. Billette (Einquartierungszettel) sollten zwar Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) der Soldaten und Abgabe von Viehfutter durch ihre „Wirte“ regeln, was aber nicht nur zu Streitigkeiten in der Bürgerschaft selbst, sondern auch unter den Soldaten führen musste. Ausgenommen von der Einquartierung waren in der Regel bei eigenen Truppeneinlagerungen Kleriker (aber nicht deren Klöster), Bürgermeister, Ratsherrn, Apotheker, Ärzte und Gastwirte. Auf die Beschwerden der Bürgerschaft wurde die Einquartierung durch den Rat der Stadt „als eine gerechte und für eure vielfältigen Sünden wohl verdiente Strafe Gottes“ bezeichnet; BORKOWSKY, Schweden, S. 20. In den Quartieren gab es zudem Mord und Totschlag unter den Mannschaften, gewalttätige Übergriffe gegen Bürger und Bauern waren trotz errichteter Quartiergalgen und hölzerner Esel [=> Esel reiten] alltäglich. Teilweise wurde sogar Quartiergeld für die von Offizieren mitgeführten Hunde verlangt; SODEN, Gustaph Adolph III, S. 359.  Teilweise wurde auch der Abzug vorgetäuscht, um Abzugsgelder zu erpressen; TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 60. Der protestantische Schuhmacher Bellinckhausen über die kaiserlichen Truppen in Osnabrück (1630); RUDOLF VON BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 36: „Was denn inquartirten soldaten bey uns thut anlangen, ist ein gottlos diebisch und mordrisch volck, stehlenn jeymlich und rauben offenbar, saufen und fressen, dominirn tag und nacht, spielen und doblen, parten und beuten, ruffen und jautzen, schießen und morden sich unter andern, schlagen sich mit den burgern, verfuhrn der burger weiber und kinder und haben manig magd zur hurn gemacht. Die burger konnen bey abendts oder nacht zeyt nicht uber die straßen gehen. Sie schlagen dieselben, habe auch solchs zweymall von dem gesind leyden m mußen“. Eine längere Einquartierung konnte den Ruin ganzer Gemeinden und Städte bedeuten. Zudem wurden die Quartiere verwüstet. So der Abt Friesenegger von Andechs über die einquartierten katholischen „welschen“ Truppen Ferias (Winter 1634): „Das Dorf stand ganz in Unflat, und Wüste, alles zum Grausen, und für Menschen unbegreiflich. In den Häusern wie auf den Gassen lagen nichts als abscheuliche Lumpen, zerschlagener Hausrat, Köpfe, Füße, und Gedärme von verzehrten Pferden, Menschen Unrat, und mehrere Toten Körper. In den Häusern waren nur Stuben, Kammer und Kuchl bewahret, das übrige davon hatte ein Dach, keinen Mantel, keine Mittelwand, keinen Balken, und meistens standen dieselben nur auf vier Säulen. Die Zäune, Planken, und schönste Obstbäume in den Gärten waren alle verbrennet. Auch aller Hausrat von Bänken, Kästen, Bettstätten, Geschirren, und die Baufahrnisse von Wägen, Pflügen, und was immer von Holz war, ging in den Flammen auf. Selbst in beiden Kirchen war ein Greuel zu sehen. Türen, und auch Fenster waren zerbrochen. Alles, was darin aufbewahret, und zum Gebrauch war, wurde geraubet. In der Frauenkirche brannten sie wenigst die letzte Woche eines, und in der Pfarrkirche stets 2 Feuer. Alles hölzerne Kirchengerät mußte hierzu dienen. Das Gemäuer war voll Rauch und Ruß, und der Boden voll Unrat. Auf dem Friedhofe konnte man vor Menschen-Unflat keinen Fuß mit Ehren setzen, und die Sakristei brauchten sie für ihr geheimes Ort. In der Kirche zu U. L. Frau lagen auch 4 unbegrabene Toten-Körper, die man außer der Kirche auf der Nordseite, wo schon mehrere lagen, in ein Grab zusammen warf“. Auch der Abzug musste je nach Vermögen erkauft werden (1644):  „Zum Abzuge mußte dem Obristen von jedem Pfluge 20 Rtlr. und das beste Pferd gegeben werden.“ WALCZOK, Barsbüttel, Gott und die Welt. Vgl. den Bericht der Kapitelherren in Zeitz (1635), BORKOWSKY, Schweden, S. 65: „Keine Brauerei, keine Krämerei ist mehr im Stift, keine Feldbestellung, kein Ackerpferd, keine Kuh, kein Kleinvieh. Hie und da müssen sich Manns- und Weibspersonen in die Pflüge und Eggen spannen – was sonst nur als barbarische Grausamkeit aus der Türkei berichtet war. Häuser und Hütten stehen ohne Dach. Die Menschen haben keine Kleidung mehr. Viele sind im Winter erfroren, andere an Hunger, Krankheit und Mangel an Arznei dahingestorben. Die Leichen liegen unbegraben. Weiber und Kinder fallen den Kommunen zur Last. Viele Bürger laufen zu den Soldaten über. Die Kirchen- und Schuldiener können nicht mehr besoldet werden. Die Jugend bleibt unerzogen. Hospitäler und Armenhäuser werden nicht mehr unterstützt. Viele Menschen sind so jämmerlich gekleidet, dass sie sich nicht getrauen, zum Gottesdienst und zum Abendmahl zu gehen …“
[24] Brandschatzung: Brandschatzung: von der jeweiligen Armee festgelegte Summe, die die Einwohner aufzubringen hatten, um das in Brand Stecken ihrer Stadt, Gemeinde etc. zu verhindern. Bei den Armeen gab es seit dem Mittelalter sogenannte Brandmeister, Spezialisten im Schätzen und bei Nichtbezahlung der Brandschatzung im Feuerlegen. Erzherzog „Leopold Wilhelm musste bereits zwei Monate [20.11.1645; BW] nach seiner ersten Weisung mit einem neuerlichen Befehl die Einhaltung der Disziplin und Abstellung der Exzesse energisch einfordern: Er verhängte ein komplettes Ausgangsverbot in seiner Armee, um Delikte wie Kirchenplünderung, Mord, Brandschatzung und die schendung der weibsbilder zu verhinden“. REBITSCH, Gallas, S. 218.
[25] Plünderung: Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Die schwedische Garnison in Augsburg hatte die lutherischen Bürger aufgefordert, „Gott mit uns“ auf die Türen zu schreiben, um sich vor Plünderungen zu schützen; ROECK, Als wollt die Welt schier brechen, S. 248. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kan nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, daß wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, daß wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt‘ „. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die aber von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: Von Gottes gnaden (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Allerdings waren selbst schwedische Feldprediger unter den Plünderern zu finden; MITTAG, Chronik, S. 373. Der in altstädtischen Diensten stehende Magdeburger Daniel Friese und sein Sohn Friedrich über ihre vergeblichen Täuschungsmanöver; NEUBAUER, Magdeburgs Zerstörung 1631, S. 29-31: „Als nun die zwei Musketiere weg waren, nahm der Vater selig eine Axt und schlug den Ofen, Tür und Fenster selbst ein, riss auch das Stroh aus den Betten und streute es im Haus herum, warf auch die alten Inletts und Betten des Gesindes ins Haus, ebenso die Töpfe aus der Küche und ließ das Haus angelweit offen. Es sah aus, als denn die Furien hätten darin getobt, und war eine ziemliche Hilfe, so dass anfangs keiner ins Haus kam, da man allzeit annahm, das Nest wäre schon zerstört. Ferner ließ der Vater selig einen guten Schinken, Knackwürste, geräuchertes Fleisch und was wir an Essen hatten, auf einen Tisch in der Ecke des Hauses, doch so, dass man ihn zur Haustür herein nicht sehen konnte, setzen nebst ein paar Schleifkannen Bier, denn er dachte, wenn ja die Soldaten ins Haus kommen, so würden sie doch, wenn sie das Frühstück sähen, sich daran ein wenig aufhalten und wir uns besser verbergen könnten. Nichts desto weniger kamen Soldaten zu uns hinein, denn sie hatten im Vorüberlaufen die Mutter gesehen. Sie erwischten uns also alle in der Stube, fielen Vater und Mutter an und begehrten Geld“. […] Der Vater sorgte sich, „die Nachbarn möchten aus großer Angst die Soldaten zu uns herüberweisen. Denn sie schrien und tobten in dem Hause wie die bösen Geister und riefen ohne Aufhören nach Beute und Geld. Das hörten wir armen Leute in unserer Kohlenkammer und saßen still wie die Mäuse. Der Vater aber ging nach einer Weile wieder in das Haus und wollte sehen, wie es etwa bewendet wäre. Bald sahen ihn die Soldaten, schrien und liefen auf ihn zu. Die Mutter hörte das Geschrei und lief auch hervor und wir Kinder alle hinterdrein. Der Soldaten waren ungefähr sieben, alle mit brennenden Lunten, und redeten in fremder Sprache, so dass kein Mensch wusste, was sie sagten, nur dass sie stets in die Hände wiesen, wie man Geld zahlt. Da half nun kein Entschuldigen, der Vater mochte sagen, was er wollte, dass nämlich die Soldaten alles genommen hätten. Sie verstanden es nicht, sondern schossen zweimal im Hause nach ihm, Gott aber verhütete es, dass sie dem Vater Schaden taten, sondern in die Wand hinein […] Endlich redete der Vater auf lateinisch mit dem Offizier, dass ihm die Soldaten alles genommen und er also ihnen nichts geben könnte als Kleider, Leinwand, Zinn und dergleichen. Da wurden die wahnsinnigen Furien etwas beruhigt, der Offizier aber begehrte Geld, wo das wäre; dann wollte er die Soldaten alsbald wegführen“. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus nackter Existenznot verübt, da die Versorgung der Soldaten schon vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper.  : Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck u. Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Der Hofer Chronist Rüthner weiß zu berichten, dass Borri fünf seiner Soldaten eigenhändig erstochen habe, die beim Plündern gefasst wurden; KLUGE, Hofer Chronik, S. 192: „Den 8. juni ist Zwickau mit accord übergegangen und aufgegeben worden, jedoch in auszug der schwedischen darinnen gelegene soldaten der accord nicht allerdings gehalten und fast meistentheils spoliret worden, unangesehen der kayßerliche general Borey 5 seiner eigenen leute über den raub erstochen“.
[26] Neustadt b. Coburg (OFr.); HHSD VII, S. 516.
[27] Pegnitz [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 577.
[28] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.
[29] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[30] 19.5. ?; BW.
[31] Burgkunstadt [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 117.
[32] Weismain [LK Lichtenfels].
[33] Niesten, heute Ortsteil von Weismain (LK Lichtenfels).
[34] Tiefenklein, heute Ortsteil von Küps (LK Kronach).
[35] Küps [LK Kronach].
[36] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[37] Lunte: mit Bleizucker gebeizter Hanfstrick, der nicht brennt, sondern nur glimmt.
[38] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.
[39] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.
[40] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.
[41] Höchstadt a. d. Aisch [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 301.
[42] Wiesenthau [LK Forchheim].
[43] Marktzeuln [LK Lichtenfels]
[44] ENGERISSER, Von Kronach, S. 88ff.
[45] Coburg; HHSD VII, S. 127f.
[46] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.
[47] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.
[48] Vgl. ALTMANN, Wilhelm V.; PETRI, Das Militärwesen von Hessen-Kassel; GEYSO, Beiträge I-III.
[49] Allendorf; HHSD IV, S. 33f. [unter Bad Sooden-Allendorf (Kr. Witzenhausen)].
[50] Eschwege; HHSD IV, 114ff.
[51] ENGERISSER, Von Kronach, S. 95.
[52] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.
[53] Wiesenthau [LK Forchheim].
[54] LOOSHORN VI.
[55] ENGERISSER, Von Kronach, S. 104f.
[56] ENGERISSER, Von Kronach, S. 115.
[57] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.
[58] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.
[59] SCHAROLD, Zwischenregierung III, S. 197.
[60] Hechingen [Zollernalbkr.]; HHSD VI, S. 297ff.
[61] Bad Niedernau, heute Stadtteil von Rottenburg am Neckar [LK Tübingen].
[62] Rottenburg am Neckar [LK Tübingen]. SEMLER, Tagebücher, S. 39.
[63] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.
[64] AOSB II/7, S. 88.
[65] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[66] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.
[67] Donaustauf [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 145ff.
[68] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.
[69] Vgl. LAHRKAMP, Werth.
[70] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[71] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, 349ff.
[72] Hunger: Hungerkrisen traten durch Missernten, Wettereinflüsse, Truppendurchzüge, Einquartierungen, Erntezerstörungen, Pferde- und Viehdiebstahl immer wieder auf. Oftmals blieb nur die Flucht ins Heer oder der Anschluss an den Tross. So hatten sich 2.000 hungernde Eichsfelder Pappenheims Soldaten angeschlossen. Ein Berittener oder Knecht in der Musterung hatte immerhin noch zwei Pfd. Fleisch, drei Pfd. Brot, eine Maß Wein und drei Maß Bier pro Tag zu fordern – drei bis fünf Maß Bier je nach Geschlecht pro Tag galten auch sonst als üblich – , was zur raschen Auszehrung einer Landschaft führte, zumal die eingeforderten Naturalabgaben im Laufe der Zeit noch weiter anstiegen und von Jahr zu Jahr neue Verpflegungssätze erfordern. Vom Verpflegungsansatz her war dies eine gewaltige Kalorienmenge, entsprachen doch drei Pfd. (gutes) Brot allein bereits etwa 3.750 kcal. Rechnet man noch über 2.000 kcal für das Fleisch hinzu, ohne Bier und Wein, so wird eine Kalorienzahl zwischen 6.000-7.000 kcal erreicht, was dem Zweieinhalb- bis Dreifachen eines durchschnittlichen Tagesbedarfs entsprochen hätte. Das war wohl Anfang des 17. Jahrhunderts nur Privilegierten vorbehalten, während die Gemeinen nur unzureichend verpflegt wurden. HIPPEL, Bevölkerung, S. 422, schätzt den täglichen Nahrungsbedarf in Württemberg auf knapp 2.400 kcal pro Tag. Vgl. BEHRENDS, Chronik, S. 145f. (1636): „Man gab den Armen von jedem Backvorgang ein Brot, […] welches damals als Krieg, Pest und Hunger hieselbst gar übel hauseten, von armen Leuten nicht für eine geringe Gabe gehalten ward, sintemal man damals oft weder Brot noch Bier und Geld haben konnte, und viele, meistenteils aber die Soldaten Hunde und Katzen, Pferde- und Menschenfleisch fraßen und nicht einmal bekommen konnten“. 1641 heißt es über die Prignitz: „So sind auch alle Dörfer so gar verwüstet, verödet, universaliter et particulariter in Brand gesteckt, die Untertanen Hungers und des milites immanitet [Unmenschlichkeit, Rohheit] halber gestorben und ins Elend [Ausland] verlaufen, dass man in dem ganzen Kreise nach angestellter fleißiger Inquisition bloß 373 Bauersleute, die doch etliche gar wenig ausgenommen, weder Hunde noch Katzen, weniger etliche Lebensmittel haben, besonderen sich vom Obste und wohl ganz unnatürlichen Speisen aufhalten müssen, gefunden worden“. HERRMANN, Ländliche Bevölkerung, S. 86. Der Bieberauer Pfarrer Minck (1635); KUNZ/LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 261: „Durch diesen Hunger verschmachteten viele Leut dermaßen, daß nichts als Haut und Bein an ihnen war, die Haut hing ihnen am Leib wie ein Sack, waren ganz schwarz-gelb, mit weiten Augen, gepläcketen Zähnen, grindicht, krätzig, gelbsichtig, dick geschwollen, febricht [= fiebrig], daß einem grauete, sie anzusehen“. ZILLHARDT, Dreißigjähriger Krieg, S. 161f. (1635): „Dan auß diser teürung und hungersnot ist entstanden noch ein jamer uber alle jamer, nemlich ein sterbet und pestelentz, das vüll taußendt menschen sind zu grundt gangen durch hunger, krieg und pestelenz. Dan durch den hunger ist von denen armen menschen vüll greüwlich und abscheüliches dings auffgefressen worden. Alls nemlich allerley ungereimbten dings: hundt und katzen, meüß und abgangen vüch, roßfleisch, das der schinder und meister uff dem vassen sein fleisch von dem abgangne vüch, als roß, hundt und andere thier, ist hingenomen worden, und haben dannoch einander drumb gerißen und für köstlich gut gehalten. Es ist auch für gut gehalten worden allerley kraut uff dem feld: die distel, die nesle, schersich, hanefüeß, schmerbel, schertele. In suma allerley kraut ist gut gewessen, dan der hunger ist ein guter koch, wie man im sprichwort sagt“. Vgl. auch  die Lebensbeschreibung des Gottfried Andreae (1637); DOLLINGER, Schwarzbuch, S. 321: „Doch im Jahr 1637 stieg das Elend auf’s höchste, nachdem kaum 200 Bauern in der untern Pfalz mehr übrig waren, da die übrigen teils an Hunger und Pest bereits gestorben, teils von den Kaiserlichen erwürgt oder als Soldaten weggeschleppt worden waren … Der Hunger aber zwang die Leute zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: Gras, Kräuter, dürre und grüne Baumblätter, Felle von Tieren; Hunde, Katzen, Ratzen, Mäuse, Frösche und faulendes Aas waren gesuchte Bissen. Die Hungernden erschlugen einander selbst, verzehrten sie, durchwühlten Gottesäcker, erstiegen Galgen und Rad und nahmen die Toten zur Speise weg“. Notiz aus dem Pfarrbuch von Mauern (LK Neuburg/Donau) für 1648: „Viele haben aus Hunger Roßmist gegessen, der Feind hat alles fort; es ist nichts angebaut worden. Viele sind Hungers gestorben, die Überlebenden nähren sich von Wurzeln und Baumblättern und sind froh um die Häute der gefallenen Pferde“. [rdl. Mitteilung von Herrn Fahmüller, Pfeffenhausen]. Der Kitzinger Pfarrer Bartholomäus Dietwar [1592-1670] über 1649; DIETWAR, Chronik, S. 91: „Etliche tausend bayerische Bauern bettelten mit Weib und Kind durchs Land. Darunter waren auch Mörder. Sie stahlen und raubten was sie konnten. Das war Gottes sichtbare Strafe dafür, dass der Kurfürst von Bayern im 30jährigen Kriege viele Tausend armer Leute gemacht hatte. Darum war sein Land im vorigen Jahre durch die Schweden und Franzosen wieder verdorben worden, also dass seine Leute von München und Landshut her das Frankenland durchliefen, das gebettelte Brot dörrten und heim nach Bayern trugen“.
[73] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.
[74] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.
[75] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 781.
[76] Eslarn [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 188f.
[77] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 151.
[78] Etterzhausen, heute Ortsteil der Marktgemeinde Nittendorf [LK Regensburg].
[79] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.
[80] Vgl. WOLF, Winterkönig; BILHÖFER, Nicht gegen Ehre und Gewissen; http://www.hdbg.de/winterkoenig/tilly.
[81] Sulzbach-Rosenberg [LK Sulzbach-Rosenberg]; HHSD VII, 728ff.
[82] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 150f.
[83] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[84] Comitat: Anhang, Begleitung, Geleit, Gefolge, Hofstaat. Dieser mobile Hofstaat aller Offiziere, Unteroffiziere und ihrer Ehegattinnen trieb die Einquartierungskosten zusätzlich in die Höhe. Leone Cropello de Medicis hatte 1628 bei sich: einen Gesellschafter von Adel, Haushälter, Kornett, Hofmeister, Kammerdiener, Sekretär, Gestlichen mit Jungen, Tafeldecker, Aufwärter, 3 Pagen, Trompeter, Koch mit Jungen, Schneider, zwei Sattler und ein Pferdeschmied mit Frauen, Feuereinmacher, Aufwärter in der Küche, Küchenfrau, Domestiken und Musikanten, ingesamt 51 Personen; KELLER, Drangsale, S. 91, Anm. Am 24.5.1630 schrieb Maximilian I. von Bayern dem Obristen Cronberg, es sei ein „unverantwortliches procedere, da die Obersten sich den Fürsten gleich halten wollen, werden die Quartieer ruinirt und erschöpft“. OMPTEDA, Die von Cronberg, S. 521. Dass auch Offiziersfrauen selbst z. T. ein großes Gefolge (50 Personen und 50 Pferde) mit sich führten, erwähnt HELML, Oberpfalz, S. 59. Das Amtsprotokoll (1626 VIII 29), SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg , S. 281, täuscht hinsichtlich der Gesamtzahl: „Die Gravin von Ahnolt hat 9 pferdt, darzu wirdt außm ambt Stromberg contribuirt. Obrist Gallas hat 15 pferdt. Der ist nit hier. Der haubtmann hat 10 pferd, capitanleutenant 7, drey fendriche 12, cap(itan) S(t). Eloi 4, drei veltwaibell 9, drey furier 3, aventurier 12, ingenieur 5“. Dies waren lediglich die in Wiedenbrück stehenden Pferde.
[85] Meißen; vgl. KÖBLER, Historisches Lexikon, S. 389f.
[86] Diversion: Ablenkungsmanöver, Vorstoß auf einem Nebenkriegsschauplatz, unerwarteter Angriff.
[87] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.
[88] Rain am Lech [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 599f.
[89] extremis conatis: mit außerordentlichen Wagnissen.
[90] Vgl. HALLWICH, Gestalten aus Wallenstein’s Lager II. Johann Aldringen; DUCH, Aldringen (Aldringer), Johann Frhr.
[91] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.
[92] Sulzbach-Rosenberg [LK Sulzbach-Rosenberg]; HHSD VII, 728ff.
[93] repoussieren: zurückwerfen.
[94] Fornesse: unbekannter Begriff.
[95] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.
[96] Retranchement: der nicht mehr zu verteidigende Teil einer Festung, der vom übrigen Befestigungswerk durch Brustwehr, Schanzkörbe und Palisaden abgetrennt wurde; allgemein: Verschanzung durch starke Brustwehr und Graben.
[97] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.
[98] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.
[99] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.
[100] AOSB II/7, 252.
[101] Diez [Unterlahnkr.], HHSD V, S. 75f.
[102] Idstein [Untertanuskr.]; HHSD IV, S. 241f.
[103] Wiesbaden; HHSD IV, S. 465ff.
[104] Mainz; HHSD V, S. 214ff.
[105] Eppstein [Main-Taunus-Kr.]; HHSD IV, S. 108ff.
[106] Kronberg [Obertaunuskr.]; HHSD IV, S. 278ff.
[107] Oberursel [Obertaunuskr.]; HHSD IV, S. 357f.
[108] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.
[109] Usingen [Kr. Usingen]; HHSD IV, S. 437.
[110] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 308f.
[111] Groß-Umstadt [Kr. Dieburg]; HHSD IV, S. 189.
[112] Groß-Zimmern [LK Darmstadt-Dieburg].
[113] Brigade: Anfangs bestand die schwedische Brigade aus 4 Schwadronen (Squadrons) oder Halbregimentern, also 2016 Mann und 256 Offizieren, ab 1631 nur noch aus 3 Schwadronen Fußvolk zu je 504 Mann und 64 Offizieren. Die insgesamt 1512 Mann waren in 648 Pikeniere und 864 Musketiere eingeteilt, die in Rotten zu je 6 Mann aufgestellt waren.
[114] ingenuir: Festungsbauleute.
[115] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[116] Kapitän (schwed. Kapten): Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste.  Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.
[117] HERRMANN, Aus tiefster Not, S. 154f.
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