Harrach [Haross, Harrarh] zu Rohrau, Otto Friedrich Graf von

Harrach [Haross, Harrarh] zu Rohrau, Otto Friedrich Graf von; Obrist [2.9.1610 Wien-26.7.1648 Prag] Otto Friedrich Graf von Harrach zu Rohrau [2.9.1610 Wien-26.7.1648 Prag[1]] [Haross, Harrarh], Sohn des kaiserlichen Hofrats Karl von Harrach und Schwager Wallensteins, stand als Obrist in kaiserlichen Diensten.[2]

Er nahm an der Schlacht bei Lützen[3] teil.

Am 13.1.1633 schrieb Aldringen aus Memmingen[4] an Wallenstein: „Obwoll auff E. Fl. Gn. Bevelch Ich bey Ihr Churfr. dhlt. in Bayren des gefangenen schwedischen Obristen Zeugmeisters Leonhardt Torstensohn erledigung gancz beweglichen sollicitirt: So ist mir doch kheine andere antwort, alß wie E. frl. G. beyliegendt in abschrifft zuvernemen geruehen wollen, zuekommen und habe Ich mich berichten laßen, das der Churfürst ime Torstensohn solche schwere conditiones zu seiner erledigung vorschlagen laßen, das Ich nicht weiß, was deswegen man sich vor hoffnung zumachen; Ich will aber bey ersehender Occassion gefliesen sein, ferner anzuhalten und E. frl. G. des ervolgs zu avisiren“.[5] „In dem beil. Schreiben d. d. Braunau[6] 29. Dec. 1632 antwortet Kurf. Maximilian von Baiern, daß er sich gegen Torstensohn ‚allberait so weit erklert, wenn er es bey den schwed. Officirn dahin richten könne, daß zwischen allen beederseits gefangenen Geißl, Kriegs officirn und gemeinen Knechten ein durchgehendte außwexlung getroffen werde, darunder auch die Weissenburg. Geißl verstanden, ohne ranzion ledig und frey lassen, auch, da Jemanden zu inen zusprechen wird, solche contentirn wolle, bei welcher gestaltsamb Ich dan außer Zweiffel stelle, Se. deß Herzogen zu Mechelburg und Friedlandt L. werden selbst gern sehen und billig befinden, daß diese auß meinen landen genohmene und so hart tractierte Geißl gegen den Torstensohn und anderen habenden schwedischen gefangenen außgewexelt werden’ “.[7] Wallenstein fügte seinem Schreiben an den Oberst Ruepp, Prag, 19.1.1633, ein eigenhändiges Postscriptum bei: ‚Ich bitte, der herr sollicitire bey dem hrn. Churfürsten [von Bayern] auch wegen des Lenhartz [i. e. Torstenson], den sie [die Schweden] wollen sonst den Harrach [Otto Friedrich Gf. Harrach, Wallensteins Oberstkämmerer] nicht loß lassen“.[8]

Ende März 1633 wurde Harrach gegen den in den Kämpfen bei der Alten Veste[9] bei Zirndorf[10] in Gefangenschaft geratenen schwedischen Generalfeldzeugmeister Lennart Torstensson ausgetauscht. Im Herbst 1633 war er bei Wallenstein in Ungnade gefallen, als er dessen Verbot missachtet hatte, keine Briefe aus dem Feldlager zu schicken.[11]

Er nahm an der Schlacht bei Wittstock[12] am 4.10.1636 teil. Das Regiment wurde im Oktober 1636 neben 7 anderen zur Wiederausrüstung in Mühlhausen[13] einquartiert.[14] Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[15] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 8. Oktober [19.10.1636; BW] haben wir die leidige Post bekommen, dass uns 12 Regimenter Hatzfeldisch keyserlich Reuter einquartiret werden solten. Den 10. Oktober [20.10.1636; BW] sind diese Regimenter ankommen, als der Obriste Conzago, Oberiste Coloredo, Obriste Lombardo mit 30 Compagnien im Amt Clingen[16] und Stadt Greußen,[17] das Herverische des Obristen Nitrams, Obristen Manteufels, Obristen Zweyers und Obristen Wendrums Regimenter von 28 Compagnien in das Amt und Stadt Sondershausen,[18] das Harossische, Wolckensteinsche, Altwallensteinische und Bönnigheusische im Ambt Keula[19] und Ebeleben,[20] ist ein unaussprechlicher Schade|Jammer| allenthalben“.[21] „Eodem die [11.11.1636; BW] der Harrarische Obriste Lieutenant Josias vom Prößing ein Pferd von Meinem Gnädigen Herrn an der Contribution bekommen vor zweyhundert Thaler und einen Sattel und Zeug pro 8 thlr“.[22]

Der Schmalkaldener[23] Chronist Johann Georg Pforr [1612 -1687] hält fest: „Den 13. Decembr: [1636; BW] kamen 5 Schwedische regiment reuter unterm commando deß Obristen Pfullß [Pfuel; BW] ankommen und haben 2 nächt in ambtsdörffern still gelegen, von dannen in Francken gangen und daßelbst den Keyß: Obrist[en Harrach ufgerieben, druf sich der Obriste pfull mit seim regiment in Meinungen,[24] der obrist Pfrangell [Wrangel; BW] nach Schleußungen,[25] Dörfling [Derflinger; BW] in Mellerstadt,[26] Mordan [Mortaigne; BW] nach Demar[27] und Kündorff[28] und der Obrist Tubalt [Tobias Duwall; BW] mit dem stab und 5 compag: in die statt Schmalkalden und hievon 3 compag: nach Waßungen[29] geleget“.[30]

Die Mühlhausener Chronistik berichtet: „Den 8. März [1638; BW] bekam der Obrist und Graf von Harrach mit einem Regiment Reiter das Quartier in die Stadt. Sie bekamen ihre achttätige Lönung und Futter für die Pferde, lagen elf Wochen, die haben gekostet zu unterhalten, wie das mal gesagt ward, 63 999 Fl., waren auch kaiserlich“.[31]

„Den 9. April [1638; BW] kam der Graf von Harrach mit kaiserlichem Volke in die Stadt. Den 22. April wurde das Rathhaus blockiert, weil dieser Graf, was er begehrte, nicht gleich erhielt“.[32] Happe schreibt: „Eodem [die], den 7. April [17.4.1638; BW], ist das keyserliche Harrarhische Regiment nach Mühlhausen gezogen durch das Amt Keula, hat im Durchzuge Holzthaleben[33] geplündert“.[34]

Am 6.9.1638 schrieb Ferdinand III.[35] an Generalleutnant Gallas,[36] den Obristen, die sich in Prag und nicht bei der kaiserlichen Armee in Pommern aufhielten, nämlich Camillo [?] Gonzaga, Otto Friedrich von Harrach, Borri und Salazar, werde anbefohlen werden, zu ihren Regimentern zurückzukehren.[37]

Der Erzgebirgschronist Lehmann erwähnt sein Regiment unter 1641: „Des [Otto Friedrich Graf v.; BW] Harrachs reuter lagen den 5. Junii in der Pfarrwohnung zum Cranzahl[38] und raubten, weil Sie sonst nicht viel funden, die Schlag-Uhr auß der Stuben; so gar feindt wahren Sie den Geistlichen“.[39]

[1] 7.5.1639 (!) nach: our-royal-titled-noble-and-commoner-ancestors.com/p4137.htm.

[2] Vgl. die zahlreichen Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.

[3] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[4] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[5] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 261f.

[6] Braunau a. Inn; HHSÖ I, S. 24ff.

[7] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 262, Anm. 2.

[8] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 262, Anm. 2.

[9] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[10] Zirndorf [LK Fürth].

[11] CATALANO, Ein Chamäleon, S. 311.

[12] Wittstock [Kr. Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff.

[13] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[14] JORDAN, Chronik, S. 256. Vgl. dazu HÖBELT, Wittstock und die Folgen.

[15] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[16] Clingen [Kyffhäuserkreis].

[17] Greußen [Kyffhäuserkreis].

[18] Sondershausen [Kyffhäuserkreis].

[19] Keula [Kyffhäuserkreis].

[20] Ebeleben [Kyffhäuserkreis].

[21] HAPPE II 45 v – 46 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[22] HAPPE II 54 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[23] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[24] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[25] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.

[26] Mellrichstadt [LK Rhön-Grabfeld]; HHSD VII, S. 438f.

[27] Themar [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.

[28] Kühndorf [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 243f.

[29] Wasungen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 468f.

[30] WAGNER, Pforr, S. 141.

[31] JORDAN, Chronik, S. 259.

[32] JORDAN, Chronik, S. 91.

[33] Holzthaleben [Kyffhäuserkreis].

[34] HAPPE II 197 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[35] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[36] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas.

[37] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 684.

[38] Cranzahl bei Weipert [Vejperty]; HHSBöhm, S. 650.

[39] LEHMANN, Kriegschronik, S. 136. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

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