Wildberg [Wiltberg, Wilsburg, Wiltburg], Philipp Freiherr von

Wildberg [Wiltberg, Wilsburg, Wiltburg], Philipp Freiherr von; Obrist [ - 4.10.1636 bei Wittstock gefallen] Wildberg[1] war kaiserlicher Obristleutnant bzw. Obrist über das florentinische Kürassier-Regiment (seit 1626 Arkebusierregiment, ab 1631 Kürassierregiment Götz, dann bis 1633 Regiment des Don Mattia de Toscana, Herzog von Florenz).[2]

Als Obristleutnant der Götz-Kürassiere nahm er an der Schlacht bei Lützen[3] teil.

Er gehörte zu den Mitunterzeichnern des 1. Pilsener Schlusses vom 12.1.1634.[4] Nach dem „Theatrum Europaeum“[5] wird er fälschlicherweise nach der Ermordung Wallensteins[6] in Prag enthauptet ![7] Wildberg soll als Untersuchungsrichter bei der Folterung Schaffgotschs anwesend gewesen sein: „Wildberg konnte seine innere Bewegung kaum verbergen, als er Schaffgotsch in so demütigendem Zustand erblickte. Er hatte einige Jahre zuvor mit Hans Ulrich im Winter wegen eines Ehrenhändels ein Duell auf Pistole und Säbel auf vereistem Boden ausgestanden. Hans Ulrich hatte dem Wildberg den ersten Schuss überlassen, den der aber verfehlte. Darauf hatte Hans Ulrich ihn in die Hüfte getroffen, brach aber anschließend im Eis ein und wurde von Wildberg mit dem Kürassiersäbel attackiert. Nur das Eingreifen der Sekundanten rettete Schaffgotsch das Leben. Nun also saß Wildberg mit hinter dem dicken Vorhang”.[8]

Nach Aussage seines ehemaligen Obristleutnants Ernst Odowalsky nahm sein Regiment 1635 an dem fehlgeschlagenen Lothringen-Feldzug von Gallas[9] teil.[10]

In der Mühlhäuser[11] Chronistik heißt es: „Den 11. März [21.3.1636; BW] hat der Generalmajor Wildberg im Namen des im Namen des Kaisers[12] an den Rat allhier geschrieben, daß sie sich des Morgens früh zu 8 Uhr auf dem Rendevoir bei der Eigenrieder Warte sich einstellig machen sollten, allda er ihnen seine Kommission eröffnen und was ferneres hierbei anzufügen entdecken wolle, welches zwar der Rat mit allem Fleiß hat observirt, und wie sie an bestimmten Ort sind gekommen, hat er mit einem starken Comitat Reuter in die Stadt begehrt zu logieren und zuvorderst mit dem Grafen von Schwarzburg,[13] zu Ebeleben[14] residierend, dann auch mit dem Rate der Stadt Mühlhausen seiner bevorstehenden marche halber traktieren wollen. Aber ehe er ist vor die Stadt gekommen, hat er seinen Schluß geändert und dem Rate hereinsagen lassen, daß sie zu Seebach[15] im Hauptquartier sich dieser Sachen halber bei ihm ferner sollten angeben, so dann auch beschehen, und ist des Herrn Majors Schluß gewesen, daß er 6000 Rtlr. der kaiserlichen Armee von der Stadt Mühlhausen haben wollte. So es zum Teil an Geld ermangeln sollte, könnte er geschehen lassen, daß man ihm 1500 Paar Schuhe, 1000 Paar Strümpfe liefern und an ein gewiß pretium anschlagen und an bemeldter Summa decourtiren sollte. Im währenden tractatu und ehe der Schluß verbrieft wird, kommt ein Quartiermeister an vom General Grafen Melchior von Hatzfeldt, daß er mit 200 Pferden und dem Hofstab allhier zu Mühlhausen auf wenig Tage logiren wollte, hat einen für den Generalmajor nur 1000 Rtlr. Discretionsgeld ausgezahlt, welche doch an bemeldter Summa gekürzt werden soll, und im übrigen an sich gehalten, bis daß den 18. März der Herr Feldmarschall mit 50 Pferden angekommen ist und den 20. März von hier wieder abgezogen ist, und keinen Schluß mit dem Rate getroffen, ist die Anforderung an Gelde wie auch 600 Paar Strümpfe und 536 Paar Schuhe, so man damals in der Eile hat können zur Stelle schaffen und aufbringen, alles hier verblieben“.[16]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe[17] erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“ an die Verhandlungen, wobei die geforderten Summen noch weitaus höher lagen: „Eodem die, den 14. [24.3.; BW], sind 15000 keyserliche Reuter nach Ammern[18] in ein Mühlhäusisch Dorf geleget worden. Auch sind diesen Tag deren viel hundert in Tennstedt,[19] Mühlhausen aus- und eingeritten. Eodem die haben Meine Gnädigen Herren[20] eine Abfertigunge an den Keyserlichen Obristen Freyherrn Herrn Philippen vom Wilsburg, nach Seebach[21] in das Hauptquartier gethan und ihme als Hatzfeldischen Gevollmechtigten die ausgestandene Plünderunge der armen Grafschaft Schwartzburg[23] beweglichen vorbringen und umb Verschonunge bitten lassen, hat er von Ihr Gnaden 20000 rh begehret oder die Einquartierunge fortzusetzen getrauet. Dahero wir in großen Engsten“.[24] „Den 15. [25.; BW] März hat der Keyserliche Obriste Freyherr Philipp vom Wilsburg, 15000 rh von der Grafschaft Schwarzburg mit großer Trauunge gefordert“.[25] „Den 16. März haben wir mit dem Keyserlichen Obristen, Herrn Philippen Freyherren von Wildtburg, accordiret und ihme 7000 rh nebst einem Pferde zu 600 rh zu geben verwilliget, dargegen er versprochen, die Grafschaft mit aller Einquartirunge zu verschonen, hat folgenden Herbst seinen Lohn bekommen bey Wittstock,[26] da er im Treffen todt blieben“.[27] „Den 17. März haben wir laut des Accords eintausend thlr. und das schöne Pferdt vor 600 rh Thaler dem Obristen Wiltberg überantwortet“.[28] „Eodem [die] [6.4.; BW] hat der Oberste Wilsberg den Rest an den 7000 rh mit Betrauunge der scharfen militärischen Execution ernstlichen gefordert, ungeachtet von ihnen der Accord nicht gehalten worden und die arme Grafschaft gantzer fünf Tage mit fünf Regimentern belegt gewesen. Dennoch wollen sie das Geld vor voll haben“.[29] „Den 10. [20.; BW] ist der Obriste Wildberg wieder zurück in die Grafschaft Stolberg[30] ankommen“. „Den 11. [21.; BW] Obrister Wildberg mit seinem Regiment in Nordhausen[31] gelegen“.[32] Leider ist bei Happe nicht mitgeteilt, ob Wiltberg den Rest der Summe auch noch beigetrieben hat.

In der Stolberger Chronistik wird über das Regiment geklagt: „Keine unter den bißherigen Einqvartirungen ist noch so arg gewesen / als von des Graffen von Wildberges Regiment Käyserlicher Soldaten. Vierzig oder 50. Reuter von diesem Regiment kamen den 8. April frühe um 8. Uhr an / vorgebende / daß sie mit dem Regimente / so zum Häyn[33] und Schwenda[34] vorige Nacht logiret hatte / naher Nordhausen[35] marchiren müsten; Wenn nun die Stadt mit dem Durchzug wolte verschonet seyn / solte sie 1000. Thaler geben. Darauf both man 200. Thaler. Weil sie aber auf tausenden beruhet / und man sie in solcher Eil zusammen bringen konte / kam nach einer Stunde das gantze Regiment an /auf welches muste auch Qvartier gemacht werden. Doch hat man auf Unterhandlung und etzliche verwilligte Gelder so viel erhalten / dass 3. Compagnien noch hinaus gezogen / und die andern allhier verblieben / die Qvartier- und Fourier-Zeddel aber sind auf ein gantz Regiment ausgegeben worden. Daher denn erfolget / daß niemand / er habe gleich das Brodt vor den Thoren gebettelt / verschonet blieben / auch nicht die Geistlichen / welche eine Salvagvardia mit 20. Thalern unterhalten müssen. So handelten die Soldaten gar unchristlich mit schlagen / prügeln / ausjagen / schänden / mausen etc. biß an den dritten Tag / plünderten die meisten Häuser aus / und führten das gestohlne Gut (darunter auch der Bauren aufgehobener Vorrath an Kleidern und Getreyde mit fort gieng) hinweg / brachten die Bürger gar um das ihrige / kosteten den vornehmsten 50. 80. auch wohl 100. Thaler / und war nichts so vergraben / vermauret / oder im Holtz versteckt / das sie nicht auf 2. Meilweges mit ihren Hunden hätten aufspüren können. Summa der blossen Einqvartirungs-Kosten / aufs allergeringste angeschlagen / 6000. Thaler. Da müssen die Häuser seyn wohlfeil gewesen. GOTT verhüte solche Zeiten“.[36]

1636 war Wildberg in Nordhausen einquartiert.[37]

Am 4.10.1636 ist Wildberg in der Schlacht bei Wittstock gefallen.[38] Den Leichnam Wildbergs musste Melchior von Hatzfeldt gegen 1.500 Rt. bei den Schweden einlösen.[39] Schmidt behauptet dagegen, dass die Schweden ihn zu Wittstock begraben hätten, weil sich keiner des Leichnams angenommen hätte.[40]

[1] Vgl. die Erwähnung bei HARRACH, Tagebücher; bei MANN, Wallenstein, Vorname „Johann“.

[2] KONZE, Stärke, S. 30.

[3] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f. Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav II. Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v - 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen.

[4] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 374, Anm. 2.

[5] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[6] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein (ab Februar 2012 auch in dt. Übersetzung).

[7] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 283.

[8] HENKEL, Schaffgotsch, S. 129f.

[9] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[10] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 325.

[11] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[12] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.

[13] Christian Günther I. Graf zu Schwarzburg-Hohenstein [1578-1642].

[14] Ebeleben [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 84f.

[15] Seebach [Kr. Langensalza]; HHSD IX, S. 397.

[16] JORDAN, Mühlhausen, S. 256.

[17] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[18] Ammern [Unstrut-Hainich-Kr.].

[19] (Bad) Tennstedt [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 39f.

[20] Anton Heinrich Graf von Schwarzburg-Sondershausen [1571 - 1638], Christian Günther I. Graf zu Schwarzburg-Hohenstein [1578-1642].

[21] Seebach [Unstrut-Hainich-Kreis].

[22] Schwarzburg [Kreis Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 395ff.

[23] Schwarzburg [Kreis Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 395ff.

[24] HAPPE II 3 v – 4 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[25] HAPPE II 5 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[26] Wittstock [Kr. Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff. Vgl. dazu die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636.

[27] HAPPE II 5 v – 6 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[28] HAPPE II 6 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[29] HAPPE II 9 r – 9 v ; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[30] Stolberg [Kr. Sangerhausen]; HHSD XI, S. 453ff.

[31] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[32] HAPPE II 13 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[33] Hain, heute Ortsteil von Kleinfurra [LK Nordhausen].

[34] Schwenda, heute Ortsteil von Südharz [LK Mansfeld-Südharz].

[35] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[36] ZEITFUCHS, Stolbergische Kirchen- und Stadt-Historie, S. 294f.

[37] LESSER, Historische Nachrichten, S. 541f.

[38] WASSENBERG, Florus, S. 338; Eigentlicher Verlauff Des Treffens bey Wittstock / etc. vorgangen den 4. October / 24. September 1636 [VD17 23:313240S]; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 710. Vgl. ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 568; Wittstock; HHSD X, S. 394ff.

[39] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218.

[40] SCHMIDT, Schlacht, S. 79.

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April 3, 2012 in Miniaturen
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