Wendt zu Crassenstein [Cratzenstein], Wilhelm Dietrich

Wendt zu Crassenstein [Cratzenstein], Wilhelm Dietrich; Obristleutnant [ – ] Wendt stand als kaiserlicher Obristleutnant im Regiment Bönninghausen. Er war der Bruder des in gegnerischen Diensten stehenden Wilhelm Wendt von Crassenstein [Cratzenstein] und galt als ausgesprochener Hardliner. LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 289: „Auf Befehl des Kölner Kurfürsten erhielten die kaiserlichen Regimenter zunächst Quartiere in der Gegend um Beckum, Ahlen und Werne, von wo aus sie Anfang August [1633; BW] ins kölnische Westfalen aufbrachen. Beim Abmarsch aus Beckum nahm der Obristleutnant Wilhelm Dietrich von Wendt zur Erpressung der rückständigen Kontributionen zwei angesehene Bürger mit, wogegen Kanzler und Räte der münsterschen Regierung in zwei Schreiben nachdrücklich protestierten“. WIDDER, Soest, Bd. 3, S. 800: „Im August [1633] zog Obristleutnant de Wendt, der vermutlich zu Bönninghausens Armee gehörte, von Beckum über die Lippe und Bettinghausen in die Börde. Er ließ viel Vieh, darunter 1.400 Schafe, stehlen. Er verfolgte die Bauern, die ihr Vieh vor ihm nach Soest retten wollten, und ließ Männer, Jungen, Frauen und Kinder gefangennehmen. In Sassendorf äscherten die Soldaten unter de Bilandt [Bylandt; BW] 13 Gebäude ein, darunter die Salzhäuser und ein Backhaus. Um Bönninghausen und seine Räuber zu befriedigen, kaufte der Rat in Ermangelung baren Geldes bei diesen hiesigen Kramern für 800 Rt. Seidenwaren auf Kredit, die den Marodeuren übergeben wurden“. Wendt war 1633 auch Kommandant in Werl. LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 292: „Bönninghausens Einfall in Hessen hatte bewirkt, daß der Obrist Alexander von Velen, der die Ligatruppen im Münsterland kommandierte, Luft bekommen hatte. Es war diesem gelungen, Bocholt, Borken und Dülmen den Hessen abzunehmen, das feste Haus Schönflieth wiederzubesetzen und die hessische Garnison in Ahlen gefangen zu nehmen. Von Lüdinghausen zog Velen auf die Kunde vom Anmarsch der vereinigten schwedisch-hessischen Armee eiligst ab. Bönninghausen warf sich ins Sauerland und nahm Quartiere um Attendorn. Landgraf Wilhelm [V. von HessenKassel; BW] und Knyphausen zogen über Büren nach Werl, das die Übergabe verweigerte. Sie rechneten damit, daß Bönninghausen zum Ersatz heranrücken würde. ‚Wenn es ihnen gelungen wäre, ihn aus seiner unangreifbaren Stellung im Sauerland herauszulocken, hätten ihn die Protestanten bei ihrer Überlegenheit sicher vernichtend geschlagend. Er aber stellte sich nicht zur Schlacht – eine ebenso kluge wie für die Protestanten gefährliche Taktik, da ihre Truppen durch die langen Märsche geschwächt wurden‘. Zwar mußte die Stadt Werl, nachdem über hundert Häuser durch die Beschießung in Brand aufgegangen waren, ergeben, doch zog sich der Kommandant Wilhelm Dietrich von Wendt in das feste Schloß zurück, wo er bis zum 20. November 1633 tapfer Widerstand leistete“. Am 24.10.1633 war er durch einen hessen-kasselischen Trompeter zur Übergabe aufgefordert worden; PADBERG, Sauerland, S. 12. „Schloßkommandant von Wendt schwor zwar, die Festung bis auf den letzten kaiserlichen Mann zu halten, was ihm der feindliche Generalleutnant Melander [Holzappel; BW] ‚als ein Cavalier nicht verdenken werde‘, doch nach kurzem Beschuß gab er auf. Für ihn und sein Militär war das Opfer nicht allzu schwer: von Wend dürfe ‚mit Gewehr; fliegenden Fahnen und brennenden Lunten unter Trommelschlag‘ abziehen. Freies Geleit bis Arnsberg und Kranken-Fuhrwerk erhielten auch jene Soldaten, die sich nicht beim hessischen Heer ‚unterstellen‘ wollten. Den Offizieren wurde ihre Bagage ausgeliefert. Das arme Volk aber litt weiter und zahlte nur an neue Herren. Zu allen anderen Übeln gesellte sich jetzt auch noch die Pest. Als hessischerseits 36000 Taler Kapitulationsgebühr verlangt wurden, wußte man nicht mehr ‚worauß oder in‘, konnte den Generalkommissar von der Malßburg [Otto von der Malsburg; BW] aber mit einem goldenen Kettchen und goldenen Zahnstochern der Erbsälzer-Kinder Brandis zum Nachlaß auf 15000 Taler bewegen“. Weithin bekannt wurde er allerdings durch die harte Vergeltungsaktion im Gebiet um Soest am 24.4.1634, von der das THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 254, berichtete: „Den 24. diß ist der käyserische Obr. Leutenant Wendt der Orten umb Soest ankommen / mit ungefähr 300 Pferden / und hat durch ein Parthey viel der Stadt Soest Bürger die Pferd wegnehmen lassen: Die Bürger / als etlich wackere / frische dapffere junge Leuth seynd darauff außgefallen und sie verfolgt / in Hoffnung ihre Pferde wieder zubekommen / gegen denen aber bricht gemelter Obr. Leutenant mit den übrigen herfür / überfällt die junge Bürger / deren er 20. feine junge vornehme Männer in der eyl jämmerlich niederschiessen und niedermachen lassen / die übrigen haben sich auff ein Adelich Hauß retirirt / und endlich allda quartier bekommen. Doch hat sie ermelter [Obrist; BW] leutenant gefänglich annehmen und wegführen lassen / und 10000. Reichsthaler von ihnen (oder von gemeiner Stadt) zur Rantzion gefordert. Von dieser grausamen That ist aller Orten gar übel gehalten und geredet worden“. Das Theatrum Europaeum Bd. 4,  S. 95, berichtet zu 1640: „Den 19. Junii waren die Käiserische mit vier Regimentern an der Weser schon vorhanden / um über zu setzen / der Paß aber war ihnen allbereits verleget. Bey Rinteln waren 3. Compagnien Ohrische [Oer von Palsterkamp; BW] / und 5. deß Kratzensteinischen [Wilhelm Dietrich Wendt von Crassenstein (Cratzenstein); BW].Regiments überkommen / aber also empfangen / daß sie sich mit ziemlicher ruin bey Pickenburg legten / denen daselbst weiters eingefallen / und sie mit Verlust 3. Standarten / sammt Bagage / vollends geschlagen / und meistentheils gefangen hinweg geführet werden“. LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 340ff.: „Die kaiserlichen Gesandten Graf Johann Ludwig von Nassau und Isaak Volmar erhielten [1645; BW] die ersten Nachrichten über die von Bönninghausen mit den Franzosen abgeschlossene Werbungskapitulation durch ‚eine geistliche Person‘, die es von dem Obristen Peschwitz vernommen zu haben vorgab. Kurz darauf meldete sich dieser Obrist Moritz Peschwitz, der im kaiserlichen Dienst 1636 -1638 ein Regiment geführt hatte, nun aber abgedankt war, selbst bei Gesandten und ‚eröffnete den ganzen Verlauf‘. Bönninghausen hatte Peschwitz ein Regiment versprochen und die Zusage getan, er werde ihn als seinen ’secundo‘ annehmen, dann aber sein Anerbieten zurückgezogen, worauf Peschwitz, ‚häßlich betrogen und hinters Licht geführt‘, sich zu den kaiserlichen Gesandten verfügte, um Rache zu nehmen. Er gab genaue Auskünfte über die beabsichtigte Werbung und berichtete, Bönninghausen habe bereits 7 000 Taler erhalten; weitere 13 000 seien auf dem Wege von Amsterdam nach Lippstadt, wo er sie erheben wolle. Wie Peschwitz von Bönninghausen selbst vernommen, habe dieser in der Beichte dem Jesuiten P. Christoph Mitteilung gemacht, er sei willens, in französische Dienste zu gehen. Der Beichtvater habe ihm darauf nach erteilter Absolution zu diesem Vorhaben Glück gewünscht. In einem Schreiben nach Wien schlugen Nassau und Volmar vor, Peschwitz in kaiserliche Bestallung zu nehmen zu nehmen, da er sich um Entdeckung der Anschläge Bönninghausens großes Verdienst erworben habe. Zwar habe er anfangs sich mit diesem eingelassen und die Kapitulation ’negociiren helfen‘; doch hätte er sich entschuldigt, ihn habe die äußerste Not dazu gezwungen, da er als ‚Privat-Kavalier‘ ohne Herrendienste nicht leben und keinen kaiserlichen Dienst hätte bekommen können. Sofort leiteten die Gesandten Gegenmaßnahmen ein. Der Generalfeldzeugmeister Graf Velen wurde am 22. August über die Werbung unterrichtet. Bönninghausen habe bereits den gewesenen Obristwachtmeister unterm Grafen [Ferdinand Lorenz von; BW] Wartenberg, Hermann von Hessen, zum Obristen angenommen. Er habe einen Rittmeister Diekhoff, der vorgebe, für den Feldmarschall Geleen zu werben, angeworben und ihn nach Herford bestellt, wohin er auch den Obristleutnant Amelunxen beschieden hätte; Bönninghausen warte auf einen hessischen Konvoi von 300 Pferden, die ihm aus Coesfeld und Lippstadt zugeteilt werden sollten, damit er seine Quartiere und Musterplätze beziehen könne. Zwar habe sich Bönninghausen angeblich vorbehalten, nicht gegen den Kaiser, sondern nur wider die Krone Spanien in den Niederlanden zu fechten; dennoch könne man nicht sehen, wie er sich gegen den Kaiser rechtfertigen wolle, da er sich gegen den Gehorsam, den jeder Deutsche und Kavalier der Majestät und dem Reich schuldig sei, höchlichst vergehe. Velen solle, um das schädliche Vorhaben beizeiten zu verhindern, darauf bedacht sein, sich der Person Bönninghausens zu versichern und ihn zu verhaften. Die Aussagen des Obristen Peschwitz wurden bestätigt durch den Obristen Wendt von Krassenstein, der früher in kurkölnischer Bestallung 500 Pferde geführt hatte. Dieser wandte sich an Graf Nassau und meldete, Bönninghausen habe ihm zugeredet, er möge in französische Dienste treten und ein Reiterregiment aufstellen. Am 24. August zeigte er erneut an, Bönninghausen habe ihm gesagt, ein westfälischer Edelmann, namens Nagel, der sich beim Bischof von Osnabrück als Stallmeister gebrauchen lasse, habe von ihm eine Obristleutnantsstelle angenommen. Auch sollten vom Kurfürsten von Brandenburg im französischen Solde Werbungen vorgenommen werden. Wendt wisse das, da ihm der brandenburgische Gesandte Graf [Johann von Sayn-; BW] Wittgenstein solchen Dienst angeboten habe. Er zeige dies Nassau an, da es sicherlich nicht zum kaiserlichen Nutzen ausschlagen würde und erbiete sich, ein Regiment von 1000 Pferden aufzubringen, wenn ihm durch Quartiere und ‚etwas Bargeld‘ Mittel verschafft würden“.

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