Wedel [Wedell], Ernst Ludwig von

Wedel [Wedell], Ernst Ludwig von; Obrist [ – ] Ernst Ludwig von Wedel [Wedell] [ – ] wird unter 1628 als schwedischer Rittmeister erwähnt.[1] Er stand 1631 als Obrist eines Kavallerieregiments in schwedischen Diensten, später wurde er Generalmajor (1639).

Bald nach der Schlacht von Breitenfeld 1631[2] näherten sich schwedische Abteilungen Nordhausen.[3] Am 2.3.1632 drangen sie unter von Wedel in Nordhausen ein, plünderten die Häuser und misshandelten die Bürger. Sie raubten den Dom zum Heiligen Kreuz aus, zerschlugen Altäre und Orgel und beraubten die Gräber.[4]

„Um diese Zeit [Oktober 1634; BW] waren 1 ½ Kompanien des Regiments von Wedel nach Schleiz[5] gelegt worden, für die über drei Wochen lang Löhnung[6] zu schaffen war. ‚Die Stadt war aber schon völlig erschöpft. Am 4. November stellte sie dem Rittmeister Wrampe von diesem Regiment eine Schuldverschreibung über 415 Taler 15 Groschen aus, die zum nächsten Leipziger[7] Neujahrsmarkt fällig waren’ “.[8]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat und Chronist Volkmar Happe berichtet ausführlich über die Plünderungs- und Verwüstungszüge und Morde dieses Regiments: „Den 26. Januar [5.2.1635; BW] eine Compagnie Wedelische schwedische Reuter in Toba[9] und eine Compagnie in Kleinbrüchter[10] gelegen. […] Eodem die ist der Teufel abermahls gar los gewesen, unter anderm hat er auch angestiftet, dass die Soldaten das Dorf Neunheilingen[11] gantz ausgeplündert, haben über 150 Pferde, alles Rind- und Schaafviehe nebst Hausrath und Getreyde hinweg genommen und grausam gehandelt“.[12]

„Den 27. Januar [6.2.; BW] die Wedelischen Reuter das Dorf Kirchheilingen[13] geplündert, ingleichen Menteroda[14] und Hüpstedt.[15] […] Den 28. Januar [7.2.; BW] die Wedelischen Großgottern[16] geplündert. Den 29. Januar [8.2.; BW] die Wedelischen Allmenhausen[17] geplündert.

Den 30. Januar [9.2.; BW] sind diese Geplünderte abermahls in Allmenhausen gefallen, und was sie gestern zurücke gelassen, vollends gehohlet“.[18]

„5. Auch sind die Wedelischen Schwedischen hin und wieder eingefallen und viel Dorfe geplündert. Dene haben wir auch Proviant schicken müssen.

Den 1. Februar [11.2.; BW] haben wir vor des Obristen Wedels Volck nach Bollstedt[19] und Grabe[20] geschicket 10 Mschfl.[21] Hafer, 400 Brote, einen Eymer[22] Wein und zwey Rinder“.[23]

„Eodem die [11.2.; BW] sind die Wedelischen Schwedischen abermahls in Urleben,[24] Issersheiligen[25] und Tottleben[26] gefallen und geplündert. Darauf sind die churfürstlich sächsischen Reuter zusammengerücket und mit den Schwedischen sich geschlagen, 15 todte Schweden niedergeschossen, die andern in die Flucht gejaget, viel übel verwundet und in die 50 Pferde ihnen abgenommen, auch bey die 20 Gefangenen mit weg geführet. Der churfüstlich Sächsischen sind auch zweene todt blieben.

Eodem die, den 2. Februar [12.2.; BW], haben die Wedelischen das Dorf Issersheilingen abermahls geplündert.

Den 7. Februar [17.2.; BW] ist der schwedische Obriste Wedell selbst persönlich mit vielen Reutern alhier durch gezogen nach Mühlhausen.[27]

Den 7. Februar sind die Wedelischen Reuter, etzliche hundert stark, zu Großmehlra[28] eingefallen, das Dorf und die Junckerhöfe feindselig geplündert wieder ihre Paroli und Zusage und zu Dancke, dass wir ihnen Proviant geschicket.

Den 9. Februar [19.2.; BW] ist das Dorf und Schloss zu Keula[29] von den Wedelischen ausgeplündert worden.

Den 10ten [20.2.; BW] das Dorf Menteroda abermahls von denen Wedelischen ausgeplündert worden. Den 11. Februar haben die Wedelischen das Dorf Thaleben[30] nebst dem Fuhrwercke und auch der Kirchen —- ausgeplündert, unter andern darinnen genommen 78 Stück Rindviehe, acht Pferde, den Kirchenornat, viel Getreyde und alles, was vorhanden gewesen.

Eodem [die] die Wedelischen auch das Dorf Großmehlra zum andermahl geplündert und andere zehn Pferde mitgenommen und haben sie viel darinnen mit Zerschlagunge und Verwüstunge gehandelt.

Eodem die haben auch diese Gesellen Urbach[31] geplündert. Es scheinet, als ob mit dem höchst löblichen Könige Gustavo Adolpho alle der schwedischen Armee Tugend abgestorben. Jedoch sind diese Plündernde keine Schweden von Nation, sondern mehrentheils Pommern.

Den 12. Februar [22.2.1635; BW] ist aber ein schwedisch Banierisch Regiment Reuter, dem Obristen Debitzsch[32] zustendig, alhier ankommen, davon eine Compagnie zu Billeben,[33] 2 zu Allmenhausen, zwo zu Abtsbessingen,[34] zwo zu Rockstedt[35] pernoctiret. Eodem die sind die armen Leuthe zu Großbrüchter,[36] Kleinbrüchter, Toba und Wiedermuth[37] zu Nordhausen[38] zu Marckte gewesen, ihre Contribution zu Wege zu bringen.

Im Heimwege sind sie im Helbenthal[39] den Wedelischen in die Hende kommen im Halbenthal. Die haben einen Mann von Toba, — Heße genannt, niedergeschossen, achtzehn Pferde nebst allem Gelde ihnen genommen und des Schultheßen zu Wiedermuth Pferd, weil sie es nicht bekommen können, erschossen“.[40]

„Eodem die [23.2.; BW] die Wedelischen den Straußberg[41] geplündert. […] Den 14. Februar die Wedelischen Dietenborn[42] abermahls geplündert.

Den 13. Februar [23.2.; BW] ist das Wedelische Regiment auf Holzthaleben[43] gezogen und das Dorf abermahls geplündert, auch das Holz durchsuchet und was die armen Leuthe hinein geflüchtet, alles weg genommen. Darnach sind 5 Compagnien in das Amt Lohra[44] gerücket und 4 Compagnien in Thaleben liegend blieben, haben grausam tyrannisiret.

Den 14. [24.2.; BW] und 15. Februar [25.2.; BW] sind die Wedelischen zu Holzthaleben noch still gelegen und alle Winckel ausgemauset und reine ausgeplündert.

Eodem die [26.2.; B.] etzliche churfürstliche Reute zweene Wedelische Reuter, deren einer ein Regiments Feldscherer, bey Toba antroffen, dieselben in das Holtz geführet, nackend ausgezogen und darnach todt geschossen.

Den 20. Februar [1.3.; BW] sind die Wedelischen abermahls in das Dorf Holzthaleben gefallen und den armen Leuthen eilf Pferde genommen.

Eodem die [2.3.; BW] das Kloster Dietenborn wieder geplündert von den Wedelischen und ein Soldat hinein geleget worden.

Den 23. Februar [4.3.; BW] abermahls zwo Compagnien Wedelische Reuter in dem armen ausgeplünderten Keula gelegen.

Den 24. Februar [5.3.; BW] sollen vier Wedelische Soldaten auf dem Berdischen [Brendtischen ?] Holze erschossen worden sein.

Den 26. Februar [7.3.; BW] die Wedelischen einen armen Mann von Holzthaleben übel geschossen.

Ist schreckliches Rauben, Plündern und Morden an allen Orthen und Enden, als kaum von Anfang des Kriegs Wesens geschehen, und haben auch die vermeinten Freunde wohl sehr [mehr; B. W.] gestohlen, geraubt und tyrannisiret als die Feinde.

3. Sonderlich haben Hertzog Wilhelms zu Sachßen Weimar und des Bannierischen schwedischen Obristen Wedell Völcker vor allem andern mit Plündern, Stehlen und Nehmen sich gar feindseelig erzeiget. Ist das arme Volck greulich und unchristlich gemartert und gepresset worden wegen der verfluchten Contribution.

Den 3. März [13.3.; BW] eine Compagnie Wedelische Reuter hier zu Ebeleben[45] durch gezogen.

Den 7. März [17.3.; BW] sind die Wedelischen Soldaten Gottlob aus dem Amte Lohra[46] hinweg gezogen nach Duderstadt“.[47]

„Die Wedelischen und weimarischen Soldaten im Ambt Lohra und Eichsfeld mit Plündern sehr übel gehaust“.[48]

Wedel stand zumindest 1639 als Obristwachtmeister in kurbrandenburgischen Diensten.

Am 27.11.1638 verfügte der Kurfürst von Brandenburg[49] an den Statthalter, Adam von Schwarzenberg,[50] mit dem Wiederaufbau der Stadt Driesen[51] unverzüglich vorzugehen und dabei den armen Bürgern allen Vorschub angedeihen zu lassen. Am 27.11.1639 war es den Schweden[52] gelungen, den Brandenburgern Driesen zu entreissen. Ein Hauptmann[53] vom Regiment[54] Jung-Kracht,[55] Georg Laurisky [Lorenz],[56] eines Küsters Sohn aus Messow[57] bei Crossen a. O.,[58] der, um eine Kompagnie[59] Reiter zu werben, nach Driesen kommandiert war, hatte sich mit dem Feinde in Verbindung gesetzt und diesem mehrere verführte Unteroffiziere und Stückknechte zulaufen lassen, welche die schwächsten Stellen der Festung verraten sollten.

Der Kommandant der letzteren, Oberstlieutenant Ernst Ludwig von Groeben, hatte, wie ihm zum Vorwurf gemacht war, die äusserst unzuverlässige Besatzung nicht genügend beaufsichtigt und sich mehr bei einer in der Stadt wohnenden Wittwe von Brand und deren Töchtern aufgehalten. So allein soll es möglich geworden sein, dass Laurisky sein Bubenstück ungehindert vorbereiten konnte. Als am frühen Morgen des vorbenannten Tages der Obrist[60] Gordon[61] mit 300 bis 400 Schweden, die Kähne auf Wagen mit sich führten, und denen die entwichenen brandenburgischen Soldaten und der lange Hans, ein Buschläufer[62] aus Trebitsch,[63] als Führer dienten, sich ungehindert der polnischen Brücke und des Tores an dieser Seite bemächtigt und schnell die Festungswälle erstiegen hatten, leistete man ihnen nur geringen Widerstand. Nur der Kommandant tat seine Pflicht, focht wie ein Rasender und wehrte sich mit noch 20 getreuen Soldaten, bis sie sämtlich von den Schweden niedergehauen wurden. Die übrige Besatzung, 120 Mann, 1 Major[64] und 1 Lieutenant[65] wurden gefangen genommen. 26 metallene Stücke,[66] 6 Feuermörser[67] und eine Menge Munition, wie 10 000 Thaler Werbegelder fielen den Schweden zu.

Der flüchtig gewordene Laurisky wurde durch den Spruch des Kriegsgerichts, welches am 13.4.1640 in Spandau[68] über ihn abgehalten wurde, „wegen genug begangener Verrätherei verurteilt,“ dass ihm, „wenn man seiner habhaft werden könnte, erst die beiden Vorderfinger, dann die ganze Hand, damit er geschworen, abgehauen, darauf die Zunge aus dem Halse gerissen, und dann gespiesst[69] werden sollte“.[70] Wäre er jedoch nicht zu erlangen, dann solle er in den vornehmsten brandenburgischen Städten durch den Büttel[71] ausgerufen und an die Galgen der Soldaten geschlagen[72] und für vogelfrei [73] erklärt werden.

Aus Driesen wird berichtet: „Sie [die Festung Driesen; BW] ist den 27. Novembris alten Cal. Anno 1639. […] in Schwedische Hände gerathen. Dann die Landsbergische[74] / von Obrist Gordons Regiment / überstige dieselbe / durch Anlaß eines Landskinds / Nahmens Georg Laurißke[75] / welcher dem Obr. Leut. Radickē[76] den Weg durch die Nethe / vnd den trucknen Graben / gewiesen / gegen Morgen / vmb 6. Vhr / ohne Verlust einiges Mañs / bekamen darinnen einen Obrist Wachtmeister / vnd Leutenant / sampt 75. Knechten[77] / wie auch 20. Stuck Geschützes / 3. Feurmörsel / grossen Vorrath von Pulver / Kugeln / vnd Lunten / grosse vnd kleine Granaten[78] / sampt vielen andern Materialien. Sie erledigten auch den Gefangenen Obristen Zschirnhausen[79] / erhielten 3. Flüsse: die Warte / Rotez ( vnd Trotte / soll Trage heissen /) sampt 30. Stättlein / vnd Oerthern / dieselben in Contribution[80] zu setzen / vnd gewannen einen Platz von grosser importantz: auch bliebe der Brandeburgische Commandant / ObristLeutnant Ernst Ludwig von der Gröben / von 2. Picquen-Stichen[81] in seinem Schlaff-Peltz[82] darüber todt“.[83]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet darüber in teilweise ergänzter Form: „Die Landsbergische von Obr. Gondons Regiment giengen im Ende deß Novembris auff die Brandenb. Vestung Driesen / an Polnischer Grentze / bey 5. Meilen von Landsberg gelegen / und eroberten dieselbe durch Verrätherey eines Capitäin Georg Landsky genannt / gegen morgens um 6. Uhr / ohne Verlust einiges Manns / bekamen darinnen einen Obr. Wachtmeister[84] Namens Ernst Ludwig von Wedel[85] / und einen Lieutenant / samt 75. Knechten / wie auch 20. Stück Geschützes / 3. Feurmörsel / grossen Vorrath von Pulver / Kugeln / und Lunten / grosse und kleine Granaten / samt vielen andern Materialien / sie erledigten auch den gefangenen Obristen Zschirnhausen / erhielten 3. Flüsse / die Warte / Netze und Trotte / samt 30. Städtlein und Oertern / dieselbige in Contribution zu setzen / und gewannen einen Platz von grosser Importantz: auch bliebe der Brandenburg. Commendant Obrist-Lieutenant Ernst Ludwig von der Gröben von 2. Picquen-Stichen in seinen Schlaff-Peltz darüber todt“.[86]

[1] ZEITFUCHS, Stolberg, S. 277.
[2] Schlacht bei Breitenfeld (nahe Leipzig) am 17.9.1631, in der das Heer der katholischen Liga unter Tilly durch die Schweden unter Gustav II. Adolf und die mit diesen vereinigte sächsische Armee unter Kurfürst Johann Georg I. eine vernichtende Niederlage erlitt. HAPPES Zahlen (vgl. mdsz.thulb.uni-jena.de) liegen deutlich zu hoch: Auf kaiserlich-ligistischer Seite dürfte von 8.000 Toten, 6.000 Verwundeten, 3.000 Gefangenen und 3.000 auf der Flucht Umgekommenen auszugehen sein, auf der Gegenseite waren 3.000 Sachsen und 2.000 Schweden ums Leben gekommen. RUDERT, Kämpfe, S. 49ff.; WALZ, Der Tod, S. 51ff.
[3] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.
[4] Vgl. die Erwähnungen bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode.
[5] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.
[6] „lehnung“: alle zehn Tage zu entrichtender Sold für die schwedischen Truppen, z. B. Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den unteren Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. BURSCHEL, Sozialgeschichte, S. 975f.
[7] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[8] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 103.
[9] Toba [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 441.
[10] Kleinbrüchter [Kyffhäuserkreis].
[11] Neunheilingen [Unstrut-Hainich-Kreis].
[12] HAPPE I 374 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[13] Kirchheilingen [Unstrut-Hainich-Kreis]
[14] Menteroda [Unstrut-Hainich-Kreis].
[15] Hüpstedt [Unstrut-Hainich-Kreis].
[16] Großengottern [Unstrut-Hainich-Kreis].
[17] Allmenhausen [Kyffhäuserkreis].
[18] HAPPE I 366 r – 366 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[19] Bollstedt [Unstrut-Hainich-Kreis].
[20] Grabe [Unstrut-Hainich-Kreis].
[21] Volumenmaß für Getreide im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt = 1 Marktscheffel = 12 Scheffel = 547, 584 Liter.
[22] 1 Eimer = 75, 8 Liter (Leipzig).
[23] HAPPE I 368 r – 368 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[24] Urleben [Unstrut-Hainich-Kreis].
[25] Issersheilingen [Unstrut-Hainich-Kreis].
[26] Tottleben [Unstrut-Hainich-Kreis].
[27] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.
[28] Großmehlra [Unstrut-Hainich-Kreis].
[29] Keula [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 233.
[30] Thalleben [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 210.
[31] Urbach [Unstrut-Hainich-Kreis].
[32] Neuerdings durch Axel STOLCH, Erhard Deibitz, bearbeitet, dem ich manchen freundlichen Hinweis verdanke; BW.
[33] Billeben [Kyffhäuserkreis].
[34] Abtsbessingen [Kyffhäuserkreis].
[35] Rockstedt [Kyffhäuserkreis].
[36] Großbrüchter [Kyffhäuserkreis].
[37] Wiedermuth [Kyffhäuserkreis].
[38] Nordhausen [Kreis Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.
[39] Helbe: Zufluss der Unstrut.
[40] HAPPE I 369 v – 372 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[41] Straußberg, Burg [Kyffhäuserkreis].
[42] Dietenborn [Kyffhäuserkreis].
[43] Holzthaleben [Kyffhäuserkreis].
[44] Thallebra [Kyffhäuserkreis].
[45] Ebeleben [Kyffhäuserkreis].
[46] Großlohra [Kreis Nordhausen].
[47] HAPPE I 373 r – 379 v; mdsz.thulb.uni-jena.de; Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.
[48] HAPPE I 383 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[49] Georg Wilhelm Kurfürst v. Brandenburg [13.11.1595 Kölln-1.12.1640 Königsberg].
[50] Adam Graf zu Schwarzenberg [26.8.1583 Gimborn (Bergisches Land)-14.3.1641 Spandau], kurbrandenburgischer Geheimer Rat.
[51] Driesen [Drezdenko; LK Strzelecko-Drezdenecki].
[52] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.
Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.
[53] Hauptmann: Der Hauptmann (schwed. Kapten) war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer“ eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.
[54] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[55] Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht [20.12.1573 Gut Lindenberg-19.8.1638 Küstrin], kurbrandenburgischer Obrist.
[56] Georg Laurisky [Lorenz] [ – ], kurbrandenburgischer Hauptmann.
[57] Messow [Maszewo; LK Krosno Odrzańskie; Polen].
[58] Crossen [Stadt u. Land]; HSSD X, S. 425ff.
[59] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.
[60] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.
[61] N Gordon [Gondon] [ – ], schwedischer Obrist.
[62] Buschläufer: Waldhüter.
[63] Trebitsch [Trzebecz, Ortsteil von Polkowice (LK Polkowice)].
[64] Major: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht.
[65] Leutnant: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-60 fl.
[66] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt].
Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575 ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.
[67] Feuermörser, Mortier: Steilfeuergeschütz, dessen Rohre aus geschmiedeten Schienen bestanden, die, wie bei einem hölzernen Fass, durch eiserne Reifen zusammen galten wurden. Bei einem Kaliber von bis zu einem Meter Durchmesser waren die Feuermörser bis zu 2, 50 m lang und wurden vor dem Abschuss in die Erde eingegraben. Ihre Stahlkugeln hatten eine sehr steile Flugbahn, man konnte mit ihnen also hinter Mauern schießen. Sie dienten auch zum Werfen von Brand- oder Sprengkugeln (Bomben) mit einem Kugelgewicht zwischen 25 Pfund (1/16 Mörser) und mehreren Zentnern (ganzer Mörser, Kaliber 5-15 Zoll). Nach Pflummerns Aufzeichnungen konnte man mit ihnen Kugeln von 100 Pfund und mehr werfen; SEMLER, Tagebücher, S. 68. Vgl. auch die Abbildung bei FREYTAG, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 1, S. 89.
[68] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.
[69] spießen: als soldatische Todesstrafe „spießen, durch die Spieße jagen“ aus der Zeit der Landsknechte. LIEBE, Soldat, S. 40: „In peinlichen Fällen tritt das Recht der langen Spieße ein, das den Profoß zum öffentlichen Ankläger macht, die kriegerische Gemeinde zum Richter und Vollstrecker. Vor die Gasse der in zweien Reihen gegen einander gefällten Spieße, an deren Ende die Fähnriche stehen, wird der Verurteilte geführt. Hat er, wie sich gebührte, den Knechten seinen Tod verziehen, so wird er vom Profoß nach drei Schlägen auf die Achsel in die Gasse gestoßen“. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 64ff. BENEKE, Hamburgische Geschichten, S. 98f. Allerdings wurde der Schwedentrunk auch von Bauern an gefangenen (hier ungarischen) Soldaten wie in Zeitz angewandt; BOTHE, Zeitz, S. 352.  In Halberstadt kommandierte  Pecker von Beck[h]ern, Johann David, Freiherr von der Ehr zu Braunsdorf [ – ]. Pecker entstammte einer mährischen Soldatenfamilie mit dem urspünglichen Namen Peckh/Beck aus Znaim [Znojmo]. Er war kaiserlicher Obrist und Kommandant zu Halberstadt. Bekannt wurde er durch seine unbarmherzige Verfolgung der sogenannten „Harzschützen“, einer bäuerlichen Widerstandsbewegung gegen die Kaiserlich-Ligistischen im Niedersächsisch-Dänischen Krieg und durch die Grausamkeit seiner Foltermethoden und Hinrichtungen. ABEL, Sammlung, S. 442: „der Commendant Becker verschiedene gefangene Hartzbauern gar erbärmlich zu Halberstaat hinrichten, rädern, spiessen, mit glühenden Zangen ziehen, auch zum theil Riemen ausschneiden, andre aber köpffen oder hängen lassen“. Becker wurde 1627 geadelt, wahrscheinlich in Anerkennung seiner Verdienste um die Niederschlagung der Bewegung. Vgl. BOBLENZ, Harzschützen, S. 103f., 115ff.; HEUBEL, S. 54; PROCHÁZKA, Genealogisches Handbuch, S. 220.
[70] MOERNER, Märkische Krieg-Obersten, S. 227 Anm.
[71] Büttel: Der Büttel hatte Botendienste für das Gericht oder den Rat zu erledigen. Im Dienst des Gerichts musste er Verbrechern nachjagen, diese (und auch die geladenen Zeugen) vor die Richterbank führen. Die Verurteilten waren in das Gefängnis einzuschließen oder bei Verhängung der Todesstrafe an den Henker auszuliefern. Vgl. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 26ff.
[72] Namen an den Galgen schlagen: „brief, d. h. zettel mit dem urtheil über einen zum galgen verurtheilten, aber flüchtigen verbrecher, der an den galgen geschlagen wurde, vgl. bei Ad. Junghans kriegsordnung 1598 O 2b: urkundlich mandat über verlaufene schelme, darvon mag man copei und abschriften machen, an die galgen und pranger zu schlagen, dann (gleich mhd. wan, nur) man darf keine siegel oder underzeichnete hand mit an galgen schlagen, nur den eingang mit hauptmans namen (es handelt sich um kriegsrecht) und hernach die scheltwort (d. i. die begründung des urtels). wil man sie in andern fürstenthumben auch ‚schelten’ (‚bescholten‘ machen) und an galgen schlagen, so musz es mit derselben herrschaft vorwissen geschehen“. [DWB].
[73] vogelfrei: geächtet, friedlos, rechtlos.
[74] Landsberg/Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.
[75] Georg Laurisky [Lorenz] [ – ], kurbrandenburgischer Hauptmann.
[76] Joachim v. Radicke [Radecke] [ – ], schwedischer Obristleutnant.
[77] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung.
[78] Granatkugel: eiserne Sprengkugel als „eine spezielle form der granate älteren gebrauchs, die auch in der feuerwerkskunst verwendet wurde“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. => Handgranaten: runde, mit Pulver gefüllte Eisenkugeln, die mit einer Lunte gezündet wurden. Granaten können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Granadiere waren ursprünglich Soldaten, die Handgranaten gegen den Feind schleuderten. Bereits 1631 wurden sie bei der Eroberung Frankfurt a. d. Oder von den Iren eingesetzt; MAHR, Monro, S. 112. Als Generalmajor Lars Kagge 1634 in Regensburg belagert wurde, forderte er zu dieser gefährlichen Tätigkeit – ihre Splitter konnten bis zu 50 Schritte gefährlich werden – Freiwillige gegen höheren Sold auf und wurde so der Schöpfer der Granadiere. Chemnitz, S. 467, beschreibt bei dieser Gelegenheit erstmalig den Einsatz von Handgranaten: ‚Gebrauchte sich [der Gen. Maj. Kagg] hierunter zuforderst der handgranaten, den Feind in confusion zubringen, nachgehends, wann solches geschehen, der Kurtzen wehren [Helmbarten] zum niedermetzeln. Wobey er jennige, so die handgranaten zu erst geworffen, mit einer gewissen recompens [nach Heilmann 2 Reichstaler] zu einer so gefährlichen action angefrischet‘. ENGERISSER, Von Kronach, S. 277.
[79] N Tschirnhausen [Zschirnhaus] [ – ], schwedischer Obrist.
[80] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“.
[81] Pike: Landsknechtspieß von 3 bis 5 m Länge, die entscheidende Waffe des in geschlossenen Haufen kämpfenden Fußvolkes. Die Pikeniere bildeten die unterste Klasse des Fußvolks. Bei einem Reiterangriff richteten die ersten beiden Reihen des Fußvolkes die Piken gegen die Angreifer. Die Pike war eher eine Defensivwaffe, da die Pikeniere den Rückhalt für die beweglicheren Musketiere bildeten (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, S. 89 f.). Hochrangige Offiziere wie Piccolomini behaupteten gern von sich, sie hätten das Kriegshandwerk „von der Pike auf“ („con una picca“) gelernt.
[82] Schlafpelz: mit Pelz gefütterter Schlafrock.
[83] ZEILLER, Topographia electoratus Brandenburgici, S. 52.
[84] Obristwachtmeister: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 50 fl. entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht.
[85] Ernst Ludwig v. Wedel [ – ], kurbrandenburgischer Obristwachtmeister.
[86] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 71.
Dieser Beitrag wurde unter Miniaturen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.