Wachenheim [Wachheim, Wachenheimer, Wahlenheim], Otto Ludwig Freiherr von

Wachenheim [Wachheim, Wachenheimer, Wahlenheim], Otto Ludwig Freiherr von; Generalfeldzeugmeister [ – 24.1.1660 Monsheim] Wachenheim[1] stieg auf bis zum kaiserlichen Generalfeldzeugmeister.

1639 diente er als Obristleutnant im Regiment des Grafen Georg Friedrich von Schlick.

Über die kaiserliche Niederlage am 14.4.1639 berichtet der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611 – 11.12.1688] in seiner Kriegschronik unter „Das gröste Unglück vor Chemnitz“[2]: „Der Schwedische General Leonhart Torsten-Sohn wahr nun mit der hinderstellichen Armee und Artollerey auß dem Stift Halberstadt[3] aufgebrochen, Nach dem Fürstenthumb Altenburg[4] gerückt und zue Zeitz[5] den 2. April mit Banern sich conjungiret, und weil er kundtschaft eingezogen, daß die keyßerlichen und Chur-Sächsischen[6] zwischen Zwicke[7] und Chemnitz stünden und sicher legen, brach er den 3. April von Zeitz auf und eilte auf die keyßerlichen zue, ehe Hatzfeld, der schon ezliche Regiementer zum Succurs vor Freyberg[8] geschickt hatte und nunmehr in March wahr, von Eichsfeld[9] durch Düringen mit den Chur-Sächsischen zuesammenzuestoßen, sich conjungiren kundte, schickte von Altenburg den General Schlangen [Slange; BW] uff Zwicka und von dar mit wenig reutern mittin unter die Marzinischen [Morzin; BW] und Chur-Sächsischen. Der recognoscirte alles, wie sie lagen, und ritte wieder zum Baner. Der General Marzin wuste nicht, daß Baner so nahe, und daß Torstensohn zu ihme gestoßen sey. Doch bekam er 3. April abendts umb 5 Uhr kundtschaft, ließ seine Regiementer zuesammenziehen und befahl, daß Sie Morgens alle solten vor Chemnitz stehen. Des abendts zuevor war das keyßerliche Haupt-Quartier zum Honstein[10] gewesen; dohin kam Baner, der sich 4. April viel früher aufgemacht, mit aufgang der Sonne, traf doselbst in der retrogarden 300 Pferde und jagte Sie ins Corpus, das vor Chemnitz stunde. Marzin hatte den Paß an einen Morast vor Chemnitz, den er durchmuste, mit Trajonern besezt, damit der feind nicht da durchbreche, aber es halfe nichts. Baner sezte an, brachte in der eil uber 4 Regiementer zue Pferde, Sein leib Regiement, des Torsten-Sohns, Hans Wachtmeisters und Hans Wittenberg(s), darzue viel Wagehälse, die theils in nachjagen ermüdeten und sich in Marrast durchwuhleten, uber den Marrast hatte (er) die andere Armee ihme nach commandirt, jagte die Trajoner weg, hiebe durch, machte das felt unsicher und nahmb dem Marzin die Höhe, welcher unter deßen, Ehe der feindt uber den Pas kommen, Zeit gehabt, sich zue stellen.

Gegen die Statt sazte er an einen Marrast den lincken Flügel, der meist von Curaßiren bestundte, hinder Chemnitz aber uber den fluß den rechten flügel, die wahren viel stärcker an Volck, den der feindt, hatten stücke und Munition bey sich, welches dem feinde noch zur Zeit fehlte. Baner thete mit seinen regiement den ersten angrif an Lincken flügel und litte schaden, die andern 3 Regiementer entsazten ihn, und kamen andere Regiementer mehr darzue und jagten den Lincken flügel in disordre an 2 marrastigen graben, drüber Sie nicht kommen kunten, zum großen Vortheil der Schwedischen; den was nicht gegen Chemnitz zum rechten flügel entkam, das wurde alles entweder gefangen oder Niedergehauen. Weil nun der Schweden volle Armee auch ankommen wahr, wurde commandirt, wer reiten kundte, sezten derowegen die Schwedischen regiementer durch den fluß Chemnitz und chargirten den rechten flügel, der schon gewichen und sich hinder 3 Morrastigte Dämme gesetzet hatte, gingen doch fort und wurden meist niedergehauen. Das Fußvolck drengte Sich an ein Wäldlein nach der Stadt und trachtete ferner an Walt 400 schrit gegen den gebirge und wolte außreißen. Baner ließ ihnen vorbeugen durch General-Major Stalhansen [Stålhandske; BW], Herr Major Pfulen [Pfuel; BW], Obrist Schlangen [Slange; BW] Regiement und 1 Esquadron von Konigsmarck untter Obrist-Leutenant Hammerstein, die hohleten Sie ein, machten ezliche 100 nieder, nahmen den Rest gefangen und richteten damit die keyßerliche, Chur-Sächsische und Salische armee auf einen tag hin, verfolgeten die flüchtigen Nach Leipzig,[11] Freyberg, Annen[12]- und Marienberg.[13] Der General Marzin kam kümmerlich darvon ohne hut und mit einen Pferd biß an die Seigerhütte an die Flöhe. 800 blieben auf der Walstat, 2000 zue fuß wurden gefangen, 40 standtarten, 20 fahnen, alle stücke, munition und Pagage bliebe in stich. Das thaten die Schweden nur mit der Avangardia von lauter Reutern, und ist kein Canonschuß darzue kommen, welches der Churfürst dem General Marzin, den er mit den Calenbergischen [Reinecke v. Callenberg; BW] Regiement nach Dresden[14] confoiren ließe, heftig verwiese, von seinen Reutern 400 wiedersamlete und den rest von allen seinen Regiementern den Obristen Wachtmeister Trautischz [Traudisch; BW.] ubergabe, der reformirte Sie und nahm sie mit sich in Böhmen. Da hatte des Marzins Commando ein Ende.

Die keyßerlichen gingen nach Pirn,[15] Frauenstein,[16] in Böhmen nach Brüx[17] und Prag. Viel wahren nach diesen gebirgen geflohen und gingen die gantze Nacht durch Elterlein[18] auf Annenberg mit blutigen Köpfen, ferner hienunder biß nach Dresden, darüber alles rege und furchtsam wurde in Gebirge, alle Flecken und Dörfer rißen auß nach den Wäldern und in die Städte. Den 5. April sahe mann noch immer einzlich die geschlagenen reuter auf allen straßen nach Böhmen reiten, die leute untterwegens angreiffen, den Sie sehr hungrich thaten und wurden eines theils an Päßen mit Pulver und bley gespeist, daß Sie des hungers vergaßen, ehe sie in Böhmen kommen. Die Schweden haben ihnen auch nachgesezet in das gebirg undt vor Annenberg etliche Chur-Sächsische weggenommen“.[19]

Das „Theatrum Europaeum“[20] berichtet sehr ausführlich über die Ereignisse: „Nichts destoweniger aber hat Hr. General Banner / wiewol er auch von Käis. und Chur-Bäyerischem Volck um ein zimliches übermannet gewesen / bey obbesagtem Hohenstein / nahend Kemnitz / dergestalt gefochten / daß nicht allein seines Feindes (die reichsArmada genennet) meinste Infanterie, von sehr gutem Volck / und dabey so viel hohe / als untere officirer / guten theils darauff gangen / sondern auch die Cavallerie zertrennet worden / das geschütz und alle Bagage in zimlicher Anzahl im Stich geblieben / und hat sich so gar die Schwedische Reuterey auch deß an ihrer reuterey vor freyberg erlittenen Schadens von diesem Treffen wiederum erholet: von welchem allem uns für gut angesehen / das außführliche Schreiben / so Hr. General Banner hiervon an einen hohen der Cron Schweden Bedienten alsbald abgehen lassen / hierbey in Druck mitzugeben / also lautend: Meinem jüngsten Schreiben zu Folge / habe ich die Conjunction mit dem Herrn General der Artillerie Leonhard Dorstensohn / am 2. dieses zu Zeitz effectuiret / und wie ich die gewisse Kundschafft von meinen außgehabten Partheyen / die mir von unterschiedenen deß Feinds rencontrirenden und niedergehauenen Partheyen häuffig gefangenen einbracht / erhalten / daß der Feind / als die Käiserl. und ChurSächs. Armee / zwischen Kemnitz und Zwickau[21] sich befinden thäte / habe ich darbey considerirt / wie hochnöthig es seyn wolle / ohne Säumnüß mein Heyl an diesen zu versuchen / ehe Hatzfeld / wie bißhero / sowohl von Herrn[22] / als auch von Minden[23] / Hamburg[24] und Erfurt[25] / und andern vielen Orten / mehr Bericht geschehen / daß er im marchiren übers Eichsfeld und durch Thüringen begriffen / zu ihnen stossen möchte / bin derowegen am 3. dieses zu Zeitz auffgebrochen / und desselben Tags biß an Kemnitz avancirt / indem auch einen Gefangenen bekomen / der soviel außgesagt / daß der Feind noch also elargiret still ligẽ / und von meiner Ankunfft nicht wissen sollte / mich darauff resolviret / dieselbe Nacht zeittlich auffzubrechen / ihnen zwischen die Quartier einzugehen / und also von ihnen auffzureiben / soviel ich immer gekönt / und Gott der Allmächtige darzu Glück / Segen und Heil verleihen / und die Gelegenheit Anweisung gethan hätte. Es hat zwar der Feind bemeltes Abends um 6. Uhr Nachricht von mir und Alarme bekomen / auch die armee zusammen gezogen / und gegen Morgen zeitlich auff den Rückritt gegen Kemnitz sich begeben / als ich aber gleichwohl auch sehr frühe noch vor der Sonnen Auffgang auffgebrochen / meinen March nacher Glaucha[26] gerichtet / gerichtet / und also zeitlich zu Hohenstein[27] / da den Abend zuvor deß Feinds Haupt-Quartier gewesen / habe ich in seinen Retrogarden in 300. Pferd starck angetroffen und dieselbe verfolgt / biß in das Corpus, so allbreit nahe allhie bey Kemnitz gewesen / eingejagt / und weil ich einen Morastigen Ort vor mir zu filiren gehabt / den der Feind mit Dragonern besetzt / hat er Gelegenheit erlangt sich zu stellen / demnach den lincken Flügel / so mehrentheils in Cürassirern bestanden / dahinden / und auff die Seit Kemnitz / den rechten Flügel aber weiter hinter sich / über den Fluß die Kemnitz genant / hinter der Stadt / auch gesetzet / darauff ich mit meiner Guarde von Dragonern / an bemelten Morastigen Paß / dahin wegen der Tieffe deß Sumpffs nicht zu kommen war / zu Fuß übergesprungen / nach wenigem disputiren / deß Feindes Dragoner gewichen / quittiret / und mir die Occasion zum filiren geöffnet / welcher ich also wahrgenommen / dem Feind die Höhe zu nehmen / und das Feld unsicher zu machen / so auch geschehen / also daß ich Anfangs mein Regiment / wie auch des Herrn General Dorsten-sohns Obrist Hanß Wachtmeisters / und Obr. Wittenbergs Regiment / überbracht / wovon wegen deß grossen Eilens / viel Reuter / so ermüdet waren / zurück geblieben / hinweg gewesen / damit erwehnten lincken Flügel chargirt / mit meinem Regiment den ersten Angriff gethan / und wegen empfundenen Widerstands in Schaden gerathen / aber weil deß Herrn Generaln / wie auch Hanß Wachtmeisters und Wittenbergs Regiment / auch zeitlich genug dem Feind zu schaffen gegeben / ist dieser lincke feindliche Flügel / so in Disordre kommen / und zu seinem grossen Schaden / und unserm trefflichen Vortheil zween grosse Morastige Gräben hinter sich gehabt / biß auff weniges / so sich an den rech-ten Flügel zu entfliehen / hat gearbeitet / gantz nidergehauen / wir starck nachgedrungen / auch fort und fort / wegen Ankunfft und mehrer Versammlung der unsern / je mehr und mehr verstärcket worden / solches ohne Säumnüß gethan / und 3. Dämme zu filiren / gehabt / hinder welche sie sich zwar hätten setzen / und Widerstand thun können / aber weil der Muth gantz entsuncken / haben die unserige alles niedergehauen / und wenig darvon kommen lassen / das Fußvolck aber / hat sich zwar an die Stadt gedrenget / gleichwol durch einen kleinen Wald / nahe bey der Stadt / so nur 400. Schritt von einem andern Wald / gegen den Gebürge werts distiret / sich zur Flucht wenden wollen / denen ich aber Hn. General Major Stallhansen / Herrn Major Pfuls / und Obr. Slangens Regimenter / und von den Königsmarckischen eine Squadron / unter ihrem Obrist-Lieutenant Hammerstein / nachgeschickt / die sie umringet / und auch totaliter ruiniret und geschlagen / also daß nunmehr / was Salis bey sich gehabt / schon vernichtiget / in dieser glücklichen Expedition die gantze Käiser. und Chur-Sächsische Armee zu Grund gerichtet / Stücke / Munition / Fähnlein und Standarten / darvon mir die Anzahl / weil noch die wenigsten einbracht / nicht soeben bewust / so dann alle Bagage der Generalen / Officirer und gemeinen zu Fuß erobert / und eine treffliche Anzahl Officirer gefangen worden : von denen so man in der Eil weiß / und von hoher Importantz seyn / ist der GeneralWachtmeister der Cavallerie Graf von Puchheim / Obr. Webel / Obr. Wangeler / der biß auff den Tod verwundet / der Obr. Lieutenant Paradiser / von Marq. de Grana, Obr. Lieutenant Wachenheim von Graf Schlicken / und eine große Anzahl Majorn / Rittmeister / Hauptleute / Lieutenant / Cornet und Fähnrich / die Specification wird von den Regimentern colligirt / / soll ohne Säumnuß in Form gebracht / und dem Herrn mit ehistem nachgeschickt werden: an unserm Ort weiß man noch von keinem Officirer / so sonderlich Namkündig / die gequetscht oder geblieben wären / als deß Herrn Gen. Stallhanß Obr. Lieutenant / so geblessiret / und der junge Graf von Witgenstein / der unter Hn. General Pfuls Regiment gewesen / etc. etc. Datum im Haupt-Quartier zu Chemnitz / den 5. April. Anno 1639“.[28]

In der 2. Schlacht bei Breitenfeld (1642)[29] war Wachenheim wieder in Gefangenschaft geraten. Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „Wachheim / als er zeitlich loß gegeben worden / für sein Rantzion / in 80. Schwedischer Unter-Officirer / von Käyserlicher Seiten herüber geschicket / darauff die Schwedischen andere 300. Soldaten / unter denen nur nicht allein Unter-Officirer / sondern auch Rittmeister / Capitains und Lieutenante gewesen / zur Käyserlichen Armada herüber gelassen“. [30]

Der Friedberger[31] Chronist Dr. Volhard erinnert sich: „Den 15. huius [Juli 1646; BW] spät in der Nacht kame Saradetzky [Zahrádecký; BW], [Gen.kommissar] Blumenthal, [Obrist] Wachenheimer und Plöß [Plesse; BW] von Frankfurt[32] wieder hier an, logirten im Schwanen. Die Nacht wurde mir angesagt, die Memorialien an die beiden Commissarii fertig zu machen und des Morgens umb oder vor vier aufzuwarten und solche zu übergeben, was dann geschahe und ich neben Herrn [Joh. Helwig] Mayen morgens umb 4 ufgewartet im Schwan. Haben aber vor halber sechs nichts richten können. Der Blumenthal herauskommen, den ich angesprochen, die Noth der Stadt geklaget, das Memorial übergeben, welches er sobald gelesen und mit Saradetzky zu reden versprochen … Nachdeme aber ein großer Zulauf von allerhand Offizieren geschahe, mußten wir bis nach 67 Uhr aufwarten, bis fast zu ihrer Abreis. Allda hat uns der Herr von Blumenthal gesagt, die Reuter würden uns vom Hals gehen und mit Plößen, so sie kommandire, solten uf die Mühlen und das Land umb gewisser Ursach willen gelegt werden. Die übrigen Punkte wolten sie dem Erzherzog vortragen und das Beste dabei thun. Solten nachschicken und anhalten lassen“.[33]

Der bayerische Kriegsrat und Frankreich-Experte Johann Kütner von Kuniz führte ab Dezember 1646 zusammen mit Generalkommissar Schäffer, seinem ehemaligen Sekretär, Reuschenberg[34] und Wachenheim die Ulmer Stillstandsverhandlungen.[35] Am 28.12. schrieb der Kaiser[36] aus Pressburg[37] an Gallas[38] und übersandte ihm Kopien der Instruktion und Vollmacht für Leopold Wilhelm zu den Waffenstillstandsverhandlungen;[39] dieser habe mit der Führung der Verhandlungen Wachenheim und Rosenberg betraut. In der Anlage B könne er sich mit gewissen entstandenen Unklarheiten bekannt machen; der Erzherzog habe gewünscht, dass seinem Nachfolger im Generalat die Vollmacht gegeben werde, somit erteile er Gallas diese Vollmacht, übersende gleichzeitig auch eine Briefkopie des spanischen Gesandten und überlasse es ihm, entweder selbst oder mittels der vom Erzherzog[40] ernannten Subdelegierten zu verhandeln. Er möge darüber sowohl der gegnerischen Seite als auch dem Kurfürsten von Bayern Bericht erstatten.[41]

Am 30.12. schrieb Fernemont aus Abensberg[42] an Gallas: Vor seiner Abreise am Vortag zu Mittag habe ihn der Erzherzog angewiesen, das beiliegende Schreiben unverzüglich an Gallas zu schicken und ihn sowohl über seine Abreise als auch darüber zu informieren, dass die Bayern nicht länger auf die Gesandten zu den Waffenstillstandsverhandlungen, Wachenheim und Rosenberg, warten wollten; beide hätten daher ihre Reisepässe kopieren lassen und sie ihm, Gallas, zur Unterschrift eingeschickt; Rosenberg werde ihm über den Waffenstillstand ausführlich berichten. Lobkowitz und er selbst wünschten ihm, G., eine glückliche Ankunft.[43]

Gallas teilte Lobkowitz am 30.12. aus Wasserburg[44] mit, er sei krank und fiebernd angekommen. Sein Arzt aber rechne mit einer Besserung in zwei bis drei Tagen, worauf er sich sofort zur Armee begeben wolle. Es lägen ihm Nachrichten von der Abreise Leopold Wilhelms und der geplanten Abreise Hatzfeldts vor; Lobkowitz möge letzteren noch ein paar Tage zurück halten. Soeben sei die Nachricht des Kurfürsten von Bayern eingetroffen, dass der Feind angeblich an der Donau gesehen worden sei. Lobkowitz solle die Generäle und hohen Offiziere zusammen rufen und ihnen befehlen, ihre Truppen beisammen zu halten und die Straßen patrouillieren zu lassen.[45] Einen Tag später wandte sich Gallas erneut aus Wasserburg an Lobkowitz: Der Kurfürst von Bayern habe seinen Generalquartiermeister nach Landshut[46] entsandt und Einwände gegen die Signierung der Reisepässe Rosenbergs und Wachenheims für deren Reise zu den Waffenstillstandsverhandlungen nach Ulm[47] erhoben, da er vom Kaiser keine entsprechende Instruktion habe.[48]

Gallas teilte Lobkowitz am 2.1. aus Wasserburg mit, die Vollmacht des Kaisers betreffs der Waffenstillstandsverhandlungen sei eingetroffen. Am nächsten Morgen wolle er sich zur Armee begeben, aber da er unfähig sei zu reisen, möge Lobkowitz einen der beiden Vermittler, eventuell Generalwachtmeister Wachenheim, zu ihm nach Landshut entsenden.[49]

Die kaiserlichen Subdelegierten schrieben am 18.2. aus Ulm an Gallas: Sie bestätigten den Empfang seines Schreibens sowie seiner Stellungnahme, von der sie die bayerischen Delegierten unterrichtet und sie angewiesen hätten, die Verhandlungen bis zum Empfang der kaiserlichen Resolution zu unterbrechen. Diese hätten eingewendet, sie müssten auf den strengen Befehl Maximilians I. hin ohne Rücksicht auf die kaiserliche Resolution in den Verhandlungen fortfahren. Bei einem neuerlichen Besuch ersuchte sie Rosenberg, sie möchten wenigstens kurze Zeit zuwarten, aber die bayerischen Delegierten entschuldigten sich mit dem kurfürstlichen Befehl. Am 15.2. kehrten die schwedischen Gesandten Mortaigne und Douglas zurück und beschieden die kaiserlichen Vertreter, die gekommen waren, um sie zu begrüßen, sie würden bloß mit den Bayern verhandeln. Weitere Fragen beantworteten sie dahin, dass sie elf Tage gewartet hätten und die Verhandlung somit von den Kaiserlichen unterbrochen worden sei. Dass sie mit den Bayern, nicht mit den Kaiserlichen verhandelten, erklärten sie damit, noch vor ihrer Abreise von den Bayerischen gehört zu haben, die Kaiserlichen hätten keine Lust zu den Verhandlungen und seien auch nicht genügend instruiert. Die bayerischen Delegierten seien vom Kurfürsten angewiesen, Sonderverhandlungen mit ihnen, den Schweden zu führen. Es bestehe die Befürchtung, die Schweden könnten die Ausstellung eines Reisepasses für Lindenspühr hinhalten und noch vor dessen Ankunft die Verhandlungen mit den Bayern abschließen wollen. Daher sollte Lindenspühr ihnen unverzüglich die kaiserliche Resolution zukommen lassen. Ähnlich habe auch der bayerische Feldwachtmeister von Reuschenberg unvorsichtiger Weise verlautbart, die Schweden würden nur mit den Bayern verhandeln; … den Tag vor der Schwedischen Ankunft seind die Franzosen bei uns gewest, und uns der Schwedischen Ankunft repraesentiert, dass weillen Mortaigni und Douglas, als zwei aus den vornehmsten von ihren Teil General-Personen alhero kommen, sie die Sachen ernstlich und kurz vernehmen würden, derohalben wir uns mit einer ragionabl Proposition gefasst machen möchten, dabei sie uns auch versichern könnten, sie nicht allein nichts von diesen, was sie ihnen haben zurück geben, sondern noch mehrers, und wie sich verlauten lassen, die Obere Pfalz und etwas von Böheimb ohne dass, was Wittenberg in Schlesien und Erblanden haben müsste, praetentiern würden. Sie, die kaiserlichen Subdelegierten, hätten bei ihren täglichen Besuchen auf alle mögliche Weise versucht, die Bayern zu überreden, die jedoch auf ihrer Berufung auf den kurfürstlichen Befehl bestanden.[50]

„Es gelang im vorletzten Kriegsjahr ein erstaunlicher Erfolg für die Versorgung der Truppe, die Schonung der deutschen und tschechischen Bevölkerung und das gute Einvernehmen mit ihr. Auf persönlichen Befehl des Kaisers waren Proviantwagen anzuschaffen. Holzappel, die Offiziere und Kriegskommissare setzten diesen Befehl um und fast alle Regimenter konnten mit ihnen ausgestattet werden. Schon am 8. Juni meldete Generalfeldwachtmeister Wachenheim für sein eigenes Fußregiment: ‚… bei Jedem meines Regiments Fahnen (Kompanien) sich ein dergleichen Wagen mit vier Pferdten bespandt befindet …’ die Proviantwagen wurden reichlich mit ‚zwiegebackenem Brot und Biskotten’[51] beladen, gut in Fässern verpackt ‚wie zu des Friedländers Zeiten’ “.[52]

Kolowrat bestätigte Wachenheim im Auftrag Ferdinands III., Pilsen, 1647 IX 15, dass er wegen seiner mehr als zwanzigjährigen Dienste 30.000 Rt. aus künftigen (!) Konfiskationen, Lehenfälligkeiten, Strafgeldern etc. erhalten sollte.[53]

Der kaiserliche Kommandierende Holzappel war am 9.1.1648 in Fulda[54] eingetroffen und hatte sich dort weiter von seiner vor Marburg[55] erlittenenen schweren Verwundung zu erholen versucht, wie der Chronist Hartung festhielt: „Anno 1648, den 9. january, donnerstag, ist der keysserische generall graff Holtzapffell hier in die stadt Fuldta komen, undt sein quartir im Gulten Stern gehabt, undt die regimenter umb die stadt uff den dörffern gelegen, haben sehr grossen schaden im landt gethan, undt die stadt so voll pferdt undt volck gewessen, dass es in allen ecken hat voll gestanden, undt hatt der generall mitt allen seinem volck 9 tag hier still gelegen undt den 17. january ist der generall widerumb auss der stadt Fuldta gezogen naher Hommelburgk,[56] da hat ehr sein quartir genohmen; undt der generall wachtmeister von Wahlenheim ist mit seinem regiment zu fuss undt ein capany frey reutter in der stadt Fuldta bleiben, undt quartir bey den burger gehabt, isrt die stadt sehr uberlegt gewessen, dass auch mancher armer burgger 14, 15 perschon im hauss gehabt, ist sehr schlett zugangen, undt den 29. january sindt sie widerumb alle auss der stadt Fulda gezogen“.[57]

Wachenheim führte in der Schlacht bei Zusmarshausen[58] an Stelle Hunolsteins die Fußregimenter.[59] Nach der Schlacht plädierte Wachenheim für den Rückzug beider Armeen vom Lech.[60] Obwohl Maximilian I. später die Inhaftierung Fernemonts und Wachenheims verlangte, ging Ferdinand III. auf diese Forderung nicht ein.[61] Bei den Kämpfen am Inn war er dem Kommando Hunolsteins unterstellt.[62]

„Mit dem Bau des Herrenhauses [in Monsheim[63]] wurde 1629 begonnen (Inschrift an einem Fenster an der nördlichen Giebelfront des Haupthauses). Das Hauptgebäude war, wie aus einer Jahresangabe über dem Renaissance Erker zu schließen ist, im Jahr 1651 unter Freiherr Otto Ludwig von Wachenheim vollendet. Gleichzeitig wurden die mittelalterlichen Wehranlagen und Befestigungen bis auf geringe Reste beseitigt“.[64]

[1] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.

[2] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[3] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[4] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[5] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[6] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).

[7] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[8] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[9] Goldene Mark (Kr. Duderstadt); HHSD II, S. 172f.

[10] Hohnstein [Kr. Sebnitz]; HHSD VIII, S. 151f.

[11] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[12] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[13] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[14] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[15] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[16] Frauenstein; HHSD VIII, S. 98f.

[17] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[18] Elterlein; HHSD VIII, S. 89.

[19] LEHMANN, Kriegschronik, S. 102f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[20] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[21] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[22] Herne; HHSD III, S. 317.

[23] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[24] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

[25] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[26] Glauchau; HHSD VIII, S. 116f.

[27] Hohnstein [Kr. Sebnitz]; HHSD VIII, S. 151f.

[28] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 94f.

[29] Schlacht bei Breitenfeld am 23.10./2.11.1642: Die Schweden unter Torstensson besiegen die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Ottavio Piccolomini. Vgl. RUDERT, Kämpfe; WALZ, Der Tod, S. 160ff.

[30] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 891.

[31] Friedberg [Wetteraukr.], HHSD IV, S. 145ff.

[32] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[33] WAAS, Chroniken, S. 215f.

[34] REUSCHENBERG„Jesus Maria und kein Quartier !“; EHRENPREIS, Feldmarschall Johann von Reuschenberg

[35] Ausführlich dargestellt bei IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[36] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[37] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[38] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[39] Vgl. IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[40] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[41] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 938.

[42] Abensberg [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 2.

[43] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 939.

[44] Wasserburg am Inn [LK Rosenheim]; HHSD VII, S. 790ff.

[45] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 940.

[46] Landshut; HHSD VII, S. 386ff.

[47] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[48] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 941.

[49] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 946.

[50] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1006.

[51] Zwieback.

[52] HÖFER, Ende, S. 63.

[53] Staatsarchiv Würzburg Misc. 6501 (Abschrift).

[54] Fulda; HHSD IV, S. 154ff.

[55] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.

[56] Hammelburg [LK Bad Kissingen]; HHSD VII, S. 268ff.

[57] HAAS, Hartung, S. 125.

[58] 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne und Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[59] HÖFER, Ende, S. 180.

[60] HÖFER, Ende, S. 200.

[61] HÖFER, Ende, S. 206.

[62] HÖFER, Ende, S. 211, 212, 213.

[63] Monsheim [LK Alzey-Worms].

[64] regionalgeschichte.net/?id=2797.

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