Taube, Veit Dietrich von

Taube, Veit Dietrich von; Obrist [1594 – 1645] Veit Dietrich von Taube [Tauben] stand 1633 als Obrist in kursächsischen Diensten,[1] zuletzt als Landvogt der Oberlausitz.

„Am 1. März [1633; BW] erschlugen einige Edelleute und Bauern 6 Croaten bei Tiefendorf.[2] Während sich der Stadtvogt Hendel[3] zu Hof[4] dahin begab, um die Sache zu untersuchen, kam ein Cornet des Obersten Forgatsch [Forgách; BW] nach Hof, um die der Stadt auferlegte Contribution abzuholen. Dieser wurde aber von den Sachsen, welche zu Plauen lagen und unter dem Befehle des Obersten Veit Dietrich von Taube standen, gefangen genommen und nach Plauen[5] geführt. Ueber diese beiden Vorfälle war Corpes so entrüstet, daß er am 4. März mit seinem Regimente nach Tiefendorf rückte und im Beiseyn des dazu beorderten Stadtvogts Hendel die Orte Hohendorf[6] und Tiefendorf abbrennen ließ. Rehau[7] wurde geplündert, wobei viele Einwohner getödtet wurden. Die übrigen verbargen sich in die nahe Waldung“.[8]

Der Hofer Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] berichtet unter 1633: „Als aber die vorgemeldeten croaten allhier zum Hof aufgebrochen, haben sie 2 soldaten zur salva guardia hinter sich verlassen, so bey herrn Georg Schillern verpfleget worden, bis freytags den 15. martii um 10 uhr der schwedischer obrister Georg Christoph von Taubadel neben seinen und den sächsischen taubischen volck vor den Unternthor angesezt, mit gewalt eröffnet und die beyden auf salva guardia liegende croaten gefänglich angenommen, darauf die stadt umritten, dieselbe besichtiget. Das meiste volck aber muste auf der höhe über dem Lazareth im felde halten, denen müste man bier und brod hinausverschaffen. Nachmittage um 2 uhr aber marchirte obgemeldter obrister mit seinen und den sächsischen völckern wieder zurück, wolten die beeden salvaguarden mitnehmen, wurden aber von hiesiger bürgerschaft erbeten, weil sonst die stadt um ihretwillen das höchste unheil würde haben ausstehen müssen, hingegen wurde ein croat, so die wunsiedler[9] fuhren nach Leipzig[10] gehend convoiret, vor den Unter Röhrkasten[11] von einen schwedischen erstochen, dahero ein [p. 6] groß schrecken entstanden, also gar, dass viel leuthe aus der stadt entwichen und fast niemand bleiben wollen, obgleich die andern 2 von den sächsischen loßgebetene croaten auf dem bürgerlichen Rathhause öffentlich beckant, auch an ihre obristen geschrieben, dass die stadt unschuldig und vor die grose gewalt nicht gekönt. Nichtsdestoweniger sind die flüchtigen bürger, so den schweden und sächsischen nachgeeylet, vermeinet, bey ihnen schuz zu haben, unterwegens nach Redwiz,[12] alda die wonsiedler[13] fuhren auch aufgehauen und auf 20 pferde ausgespannt, sehr spolirt worden“.[14] Am 26.4.1633 überfiel er zusammen mit dem in schwedischen Diensten stehenden Obristen Georg Christoph von Taupadel die drei Kroatenregimenter Orosi, Beygott und Keglevich bei Arzberg, wobei das Regiment Orosi fast vollständig vernicht wurde.[15]

Rüthner erinnert sich weiter: „Vom 1. maii an sahe man dies orts täglich auf Herzog Wilhelm von Weimar als der crone schweden generalfeldobristenlieutenant auf. Es verzog sich aber seine ankunft bis den 5. maii, da zu früh die croaten sich sehen ließen, derowegen alsobald herr obrist Taubadel hinausgesetzt, aber nichts antreffen und um Mittage wieder zurückkommen. Gantz abends aber kam obgedachter Herzog Wilhelm nebst seinen jungen printzen an, brachte mit sich 6 regiment stücklein auf neue schwedische manier,[16] so auch nur ein roß regieren und über berg ziehen könte. […] Montags den 6. maii brach alles auf, und halten die regimenter, dabey auch der obrist  Taube, so die nacht zu Leimitz[17] quartieret, beym Gerichte randevous, marc[h]irten selbiges abends bis auf Selb,[18] da Herzog Wilhelm im Schloß verblieb, das volck aber im felde halten muste. Dienstags darauf, ehe diese armee wieder zurück kam, hatte der taubische troß ihr quartier Leimitz aus fahrläßigkeit angesteckt, musten derowegen im rückmarch, der sofort geschahe, um Feilitsch,[19] Trogen,[20] Zedtwitz[21] und der örter quartier machen“.[22]

Rüthner hält noch fest: „Montags darauf den 17. junii des morgens mit dem allerfrühesten kam obrist Taubadel von Schlaiz[23] und das taubische volck von Plauen[24] wie auch obristen Eßlebens regiment wieder hier an, fütterten in gaßen, nahmen das getraidig von closterböden[25] hinweg. Als es des morgens bis 4, halb 5 uhr kam, ließ ein starcker troup croaten über das Gericht von Tauperlitz[26] sich sehen, derowegen eine parthey unter rittmeister Daniel von Grunau hinaus commandiret wurde. So die croaten innen worden, [sind sie] deswegen ausgerißen. Umb 6 uhr aber ruckt das ganze volck hinaus auf eine wiesen gegen die Münchberger[27] Straße zu, hielten randevous, darbey auch das erste mal unter freyen himmel betstunde, ruckten darauf fort gegen Münchberg, haben etliche wenige gefangen bekommen. Nachmittags aber kam alles volck wieder, wurde einquartiret auf ein 5 häuser eine compagnie. Folgends dienstags den 18. Junii brach alles wieder von hinnen zurück auf, mit welchen auch ein solch ausreisen von hiesiger burgerschaft entstanden, dass mittwochs darauf den 19. junii, da sonst jährlich der herren geistlichen synodus allhier gehalten worden, wegen höchst besorglicher gefährlichkeit ein ein[z]iger geistlicher in der stadt verblieben, und ist eben an diesen Mittwoch auch die stadt Bayreuth,[28] nachdem sie montags vorhero von general Holcky[29] attaquirt und von obristen Manteuffel durch das pfälzische volck eingenommen, desgleichen auch Culmbach[30] und der vestung Plaßenburg, davon ihnen aber mit stücken zimlich begegnet, angesonnen, eingenommen, ausspolirt und theils geistliche, so angetroffen, als herr Bürschmann, todschießen bis zu erlegung 1500 thaler mitgenommen und gefänglich weggeführet worden. Donnerstag am 12. jun[ii][31] ruckte das taubische regiment von Plauen wieder herauf, quartirete sich ein, deme freytags das taubaldische regiment folgete und zugleich nebst obrist Eißlebens 3 compagnien, imgleichen von sattlerischen, brandsteinischen, groppischen, auf 48 trouppen zusammengerechnet, in die stadt logirt, da allezeit auf ein cornett über 5 häußer zum quartier nicht gegeben werden können. Weil dann der mehrere theil der verderbten bürger ihre häußer verlassen und die sobalden nachmahls mit durchgrabung und verwüstung dermasen gehauset, dass diejenigen soldaten, so in wüsten quartieren gelegen, nochmals in die andern quartier, da noch hauswirthe vorhanden gewesen, gedrungen, ist den überbliebenen hauswirthen so grose bedrängnis wiederfahren, daß nicht zu beschreiben. Weil auch mittlerzeit die soldatesca mit abhauung des getraidigs auf dem felde grosen schaden und muthwillen verübet in erwegung, sie auf den wießmahten graß genug haben können, als[o] ließ herr obrister Taubadel den 22. junii öffentlich bey leib- und lebensstrafe ausblaßen, auch unter den thoren anschlagen, sich des getraidigabhauens und verderbens zu hüten“.[32]

Zuletzt amtierte er als Landvogt der Oberlausitz.

[1] Vgl. allgemein SENNEWALD, Das Kursächsische Heer.

[2] Tiefendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].

[3] Hendel, Johann Christoph [18.3.1601 – 30.9.1645, Stadtvogt Hofs und Vizekapitän des fürstlichen Ausschusses. Vgl. die Erwähnungen bei KLUGE, Hofer Chronik, S. 9f.; HOFNER, Sörfer, S. 132f.

[4] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[5] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[6] Hohendorf, heute Ortsteil von Töpen [LK Hof].

[7] Rehau [LK Hof]; HHSD VII, S. 613.

[8] HOLLE, Das Fürstenthum Bayreuth, 1. Abschnitt, S. 10.

[9] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[10] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[11] Laufbrunnen.

[12] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. S. 429f.

[13] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[14] KLUGE, Hofer Chronik, S. 11f.

[15] ENGERISSER, Von Kronach (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung), S. 174.

[16] Lederkanonen: „Die lederne Kanone war eine Erfindung von Freiherr Melchior von Wurmbrand-Stuppach. Er verkaufte die Idee an den Schwedischen König Karl II. Gustav. 1623 gab dieser Wurmbrand das Gut Juleta in Södermanland zusammen mit einer Reihe von Eisenwerken, damit er Kanonen für die Schwedische Armee produzieren konnte. Nachdem die Produktion in Gang gebracht war, verpachtete Wurmbrand das Werk an Jakob De la Gardie. Ihren ersten Einsatz hatten die Kanonen 1627 vor Wormditt. Die lederne Kanone bestand aus einem Kupferrohr, das mit eisernen Ringen, Leinen, Tauwerk und Leder verstärkt wurde. Die seiner Zeit gebräuchlichen Geschütze waren zu schwerfällig, um mit der beweglichen Kavallerie mitkommen zu können. Die neue Kanone wog nur 50 kg (90 Pfund) und konnte von 2 Personen getragen werden. Sie war etwa 1,20 m lang und hatte ein Kaliber von 8 cm. Während des Polenfeldzuges zeigten sich gravierende Nachteile, so konnten nur 10 bis 12 Schuss abgefeuert werden. Dann musste die Kanone auskühlen. So war die Art nur drei Jahre im Einsatz und wurde am Ende des Feldzuges ausgemustert“. [wikipedia]

[17] Hof-Leimitz, östlich der Neustadt gelegen.

[18] Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 694f.

[19] Feiltzsch [LK Hof].

[20] Trogen [LK Hof].

[21] Zedtwitz [LK Hof].

[22] KLUGE, Hofer Chronik, S. 14f.

[23] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.

[24] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[25] Das ehemalige Klara-Klöster war Getreidelager.

[26] Döhlau-Tauperlitz, südöstlich von Hof gelegen.

[27] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[28] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[29] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.

[30] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[31] Richtig wäre der 20. Juni.

[32] KLUGE, Hofer Chronik, S. 20.

Dieser Beitrag wurde unter Miniaturen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.