Streiff Freiherr von Lauenstein, Johann [Reinhold]

Streiff Freiherr von Lauenstein, Johann [Reinhold]; Generalmajor [ – 1634 ?] Streiff von Lauenstein stammte aus Diedendorf[1] in der Grafschaft Nassau-Saarwerden,[2] war 1620 Obristleutnant der Kavallerie unter Christian I. von Anhalt-Bernburg und führte 4 oder 6 Kompanien „Extraordinari Reuter von der Avantgarde zur Wacht und Scharmützel wahrzunehmen verordnet“,[3] in der Schlacht am Weißen Berge.[4] 1621 war er pfälzischer Obrist und 1622 Generalleutnant der Kavallerie unter Ernst von Mansfeld.[5] Zumindest war er beim Entsatz von Bergen-op-Zoom[6] dabei und zog dann mit Mansfeld nach Ostfriesland.[7]

„Alle Reetzer[8] hatten am 11. März [1627; BW] Gelegenheit, die von Gustav Adolf geworbenen drei Regimenter auf ihrem Marsch nach Polen zu betrachten. Es handelte sich um 2000 Mann zu Fuß und 1000 Mann zu Pferde des Obersten Johann Streiff zu Lauenstein unter dem Kommandanten Maximilian Teuffel, Freiherr zu Guntersdorf, die ‚ihren Weg zwischen Pommern und der Mark hinauf nahmen, über die Oder kamen, Reetz erreichten, sich in Eil eines Passes bei Saatzig[9] bemächtigten und gar gemächlich von dannen nach Hammerstein[10] in Pommerellen gingen’. Diese Truppen waren besser als ihr Ruf. Sie verschonten die Neumark, zogen nur von Schlagenthin[11] bis Reetz für 15 Kilometer durch neumärkisches Gebiet und nahmen im übrigen einen weiten Umweg nach Norden über Schivelbein,[12] obwohl der kürzeste Weg von Reetz quer durch den Kreis Arnswalde[13] führte.

Die schwedische Truppe zog über die Stübenitzbrücke bei der Pamminer Mühle. Während die Soldaten auf dem Pamminer Feld rasteten, schickte Oberst Streif am 11. März seinen Generalquartiermeister nach Reetz, um freien Durchzug zu erbitten. Hier hielten sich unter Hauptmann Senff, dem Leiter der Musterungskommission des Jahres 1623, achtzig brandenburgische Musketiere auf, die zum Schutze des Landes abgestellt und ständig neben den Schweden an der Südgrenze Pommern hergezogen waren. Außerdem hatte sich das Landvolk und der Städteausschuß in Reetz versammelt. Obwohl dem Quartiermeister der Durchmarsch durch Reetz abgeschlagen wurde, brach Oberst Streiff mit seinen Truppen von Pammin[14] nach Reetz auf. Vor Reetz verhandelte er mit Leutnant Rüdiger von dem Borne. Streiff bedeutete, daß er nicht als Feind gekommen sei und der Stadt nicht den geringen Schaden zufügen würde. Würde ihm jedoch der Durchzug verwehrt, wolle er ihn erkämpfen. Darauf ließ man ihn passieren, und seine Truppen zogen zwischen dem Amte und der Stadt Reetz hindurch bis zur Dammühle, wo sie wieder pommersches Gebiet betraten“.[15]

Er stand 1632 als Generalmajor der Kavallerie in schwedischen Diensten.

Streiff von Lauenstein nahm an dem sinnlosen Anrennen der Schweden und Weimarischen auf Wallensteins Lager an der Alte Veste[16] nahe bei Nürnberg[17] im September 1632 teil.[18] Der schottische Kriegsteilnehmer Robert Monro berichtet: „Am 16. August kamen die Verstärkungen, die der Reichskanzler Oxenstierna und Herzog Wilhelm von Weimar in Sachsen, Hessen und Thüringen zusammengebracht hatten, in Windsheim[19] zusammen. Nachdem sie am 18. August in Herzogenaurach[20] und Bruck,[21] am 21. August in Fürth[22] waren, wo über 1 000 Mann kaiserliche Truppen lagen, die im Handumdrehen verjagt waren und ihren Rückzug in Wallensteins Lager nahmen. Nachdem dies geschehen war, setzten General Baner und Herzog Wilhelm von Weimar den Marsch mit der etwa 30 000 Mann starken Armee durch die Felder in Richtung auf das Dorf Großreuth[23] fort, wo sie sich auf einer Ebene eine halbe Meile vor dem Lager des Feindes in Schlachtordnung aufstellten. Der König marschierte dann mit der Armee aus dem Lager bei Schweinau[24] in Richtung Kleinreuth[25] heraus und stellte sich unverzüglich in Schlachtordnung vor dem Lager des Feindes auf. Die Kaiserlichen jedoch, die nicht bereit waren, sich im Feld sehen zu lassen, hielten sich innerhalb ihrer Verschanzungen und schossen mit ihren Kanonen auf uns. Sie richteten aber keinen Schaden an und töteten nur einen Konstabler und einige Soldaten. In der Erwartung, daß sie sich entschließen könnten, aus dem Lager herauszukommen, unternahmen wir den ganzen Tag über nichts und standen bis zum Abend zur Schlacht bereit. Dann bekam die Infanterie den Befehl, auf Kanonenschußweite an das Lager heranzugehen und Batteriestellungen vor der Front aufzuwerfen, und zwar auf der ganzen Länge, in der unsere Truppen dem feindlichen Lager gegenüberstanden. Wir hoben vom linken bis zum rechten Flügel vor unseren Linien einen Laufgraben aus, der sich von einer Batteriestellung zur anderen erstreckte. Dort wurden die Batterien großer und kleiner Geschütze eingebaut, 72 Kanonen, durch Musketiere und Pikeniere abgesichert, während andere Brigaden bereitstanden, ihnen zu Hilfe zu kommen, wenn es nötig sein sollte. Auch Kavallerie stand in der Nähe bereit, die Infanterie zu unterstützen.

Als der Tag anbrach, wurden die kaiserlichen Generale mit einer Artilleriesalve begrüßt, die sie zu so ungewohnter Zeit aus ihrem Schlaf weckte. Sie brachten sich in ihren Schanzen in Sicherheit, da sie nicht den Mut hatten, ihre Gesichter (II, 148) im Feld zu zeigen. Das Artilleriefeuer dauerte den ganzen Tag. Am Abend nahmen die Kaiserlichen ihre Streitkräfte in die Verschanzungen bei Altenberg[26] zurück, die in diesem Abschnitt sehr stark waren, so daß keine Möglichkeit mehr bestand, ihnen dort mit der Artillerie beizukommen. Der König dachte deshalb, daß er den Feind aus dem Lager heraustreiben könnte, wenn er sich des Berges bei der Alten Veste bemächtigte. So gab er den Befehl, die Batterien in der Nacht aus den Stellungen zu ziehen, und indem er die Armee in Kampfbereitschaft hielt, marschierten wir nachts durch Fürth auf die andere Seite des feindlichen Lagers, in der Absicht, die Alte Veste einzunehmen und den Feind aus dem Lager zu werfen. Nachdem der König Nachricht erhalten hatte, der Feind sei überhaupt abgezogen und habe nur eine Nachhut auf dem Berg zurückgelassen, seinen Abmarsch zu decken, marschierten wir an die Alte Veste heran und stellten uns davor in Schlachtordnung auf, Reiterei, Infanterie und Artillerie. Um 7 Uhr morgens beschloß der König aufgrund einer weiteren nicht gesicherten Information, den Berg ernsthaft anzugreifen.

Herzog Wilhelm von Weimar, zu dieser Zeit Generalleutnant unmittelbar unter dem König, kommandierte die Armee, Bernhard von Weimar die Reiterei, General Baner [der schon in der Nacht vom 31.8. zum 1.9. verwundet worden war; BW] hatte das Kommando über die Infanterie, und Oberst Lennart Torstenson befehligte die Artillerie, während verschiedene andere Kavallerie von Stand angewiesen wurden, sich beim König zur Verfügung zu halten, da er die Schlacht leitete. So standen Graf Nelen [Nils Brahe; BW], ein Schwede, damals Generalmajor der Infanterie, Generalmajor Boëtius, ein Deutscher, und Sir John Hepburn dem König zur Verfügung. Hepburn hatte das Kommando seiner Brigade niedergelegt, und da er nicht mehr im Dienst des Königs stand, hielt er sich nur so bei ihm auf. Generalmajor Rostein war als Stallmeister auch in der Nähe S. M., während Generalmajor Streiff [v. Lauenstein; BW] neben Herzog Bernhard die Reiterei befehligte.

Nachdem die Armee in Schlachtordnung aufgestellt war und die Stabsoffiziere beim König ihre Position eingenommen hatten, begann alsbald die Schlacht. General Baner wurde in den Arm geschossen und ging zurück, auch Generalmajor Rostein wurde getroffen und ging sofort nach hinten. Der König befahl starken Kampfgruppen von Musketieren, die aus allen Brigaden abkommandiert worden waren, unter Führung eines Obersts, eines Oberstleutnants und einer Anzahl befähigter Offiziere niederer Ränge gegen den Berg vorzurücken, um einen Einbruch in die Stellungen des Feindes zu erzielen, die dieser jedoch hartnäckig verteidigte. Der Kampf wurde auf beiden Seiten mit größter Härte geführt. Kaum waren die Sturmgruppen vorgegangen, mußten schon die Verstärkungen vorgezogen und eingesetzt werden, ihnen beizustehen. Der Tod war so häufig unter Offizieren und Mannschaften, daß diejenigen, die verwundet wurden, froh waren, mit dem Leben davongekommen zu sein, denn sie sahen unsere Lage als verzweifelt an, da wir unsere Leute verloren, ohne gegen den Feind voranzukommen, der durch seine Verschanzungen gedeckt war, während wir, Offiziere und Soldaten, wie die Zielscheiben vor ihm standen, auf die man nur zu feuern brauchte, da sie keine Deckung hatten, es sei denn, man bezeichnet den Schatten einiger großer Bäume im Wald als solche. So verloren wir die besten Offiziere und Mannschaften, und man konnte bei diesem Sturm kaum den Kopf heben. Da unsere besten Leute gefallen oder verwundet waren, wurden wir am Ende so schwach, daß die Infanteriebrigaden fast keine mehr Pikeniere hatten, die Fahnen zu schützen, denn die Musketiere waren durch die dauernden (II, 149) scharfen Angriffe zu erschöpft und aufgerieben. Das galt aber nicht nur für die Infanterie, die den Berg angriff, sondern auch für die Truppen an den Flügeln außerhalb des Waldes, wo die Kavallerieverbände beider Seiten sich heftig angriffen, unterstützt durch Dragoner und Musketiere, die als Verstärkung in den Kampf eingriffen.

Um 1 Uhr mittags befahl mir Herzog Wilhelm – es war mein erster Einsatz als Oberst – , am Fuß der Alten Veste das Kommando über eine Sturmgruppe von 500 Musketieren zu übernehmen, da Graf [Johann Jakob; BW] von Thurn getroffen worden war. Ich nahm von meinen Kameraden Abschied und befand mich, als ich auf meinem Posten ankam, im dicksten Durcheinander. Eine Menge Offiziere und Soldaten lagen überall blutend auf dem Boden herum. Als erstes ging ich nach meiner Lagebeurteilung daran, die Soldaten der Kampfgruppe anzuweisen, das Äußerste für unseren eigenen Vorteil, unsere Sicherheit und zum Niederhalten des Feindes zu tun. Ich sah, daß die Feinde von Zeit zu Zeit aus ihren Schanzen mit kleinen Gruppen von Musketieren Ausfälle machten und auf uns feuerten, auch daß sie unsere eigenen Bewegungen ausspähten und sich erst wieder zurückzogen, wenn ihr Pulver verschossen war. Um sie niederzuhalten, legte ich einen Sergeanten mit 24 Musketieren in einen Hinterhalt, sie bei ihrem nächsten Ausfall zu empfangen. Als sie das sahen, kamen sie nicht mehr heraus, bis auf einen Mann, der unsere Bewegungen ausspähte.

Als ich mich zu meiner Verstärkungsgruppe begab, um sie einzuweisen, und dabei stehenblieb, dann wieder weiterging, erkannten mich die Feinde daran wohl als Offizier. So kommandierten sie einen Mann mit einer langen Büchse ab, der von einem Baum aus auf mich zielte und schoß. Die Kugel traf mich auf der linken Seite unmittelbar oberhalb des Hüftknochens, glücklicherweise aber auf die eiserne Schnalle meines Degengehängs, durchschlug sie, wobei sie plattgedrückt wurde und ihre Wucht verlor. Die Trümmer der Schnalle und die Kugel drangen etwa zwei Inch[27] tief in meinen Körper ein, wo ich sie fand. Ich habe sie nun als Amulett umhängen als Zeichen des Beweises dafür, daß ich damals durch Gottes Fügung mit dem Leben davonkam. Trotz meiner Verwundung und obwohl ich viel Blut verloren hatte, fühlte ich mich kräftig genug, auf meinem Posten bis zum Abend auszuhalten. Dann kam mein Oberstleutnant John Sinclair mit 500 Musketieren, uns abzulösen. Ich brachte aber nur einen geringen Teil meiner Leute zurück, da ich beinahe zweihundert Mann verloren hatte, nicht gerechnet die Offiziere und Soldaten, die verwundet worden waren. Sinclair brachte am nächsten Morgen noch weniger zurück, denn von denen, die nicht getötet oder verwundet worden waren und die Nacht über bleiben mußten, liefen aus bloßer Angst soviele davon, daß zuletzt von seiner ursprünglichen Zahl etwas mehr als 30 Offiziere und Soldaten übrig waren. […] Beim Angriff an diesem Tag wurden auf unserer Seite getötet: Generalmajor Boëtius, Generalmajor Zepper, Oberstleutnant Maschien, Rittmeister Moritz von Moltburg, Obristleutnant Wildenstein und verschiedene Offiziere niederer Ränge, dazu über 1 200 Soldaten, auch der Graf [Georg Friedrich; BW] von Erbach. Viele Offiziere  waren verletzt, so z. B. der Graf [Kaspar; BW] von Eberstein, der Graf von Thurn, Oberst Burt, und von unseren Landsleuten aus dem Regiment Spence war Hauptmann Traile durch die Kehle geschossen, Hauptmann Vanse vom Regiment des Obersten Monro von Fowlis in die Schulter getroffen. Leonard Torstenson von der Artillerie und Oberst Erik Hand, beide Schweden, waren zusammen mit zwei Oberstleutnanten gefangengenommen worden. Bei diesem Gefecht wurden von unseren Leuten 2 000 Mann verwundet, die dann nach Nürnberg in Pflege gegeben wurden. Die getöteten Offiziere der Kaiserlichen waren: Oberst Jakob Fugger, Oberst Aldobrandini, Oberst [Mario; BW] de Caraffa und über 40 niedere Offiziere, dazu hatten sie 1 200 Soldaten verloren. Herzog Wallenstein und Herzog Bernhard von Weimar wurde das Pferd unter dem Leib erschossen“.[28]

[1] Diedendorf [Dép. Bas-Rhin].
[2] Sarrewerden [Bas-Rhin].
[3] KREBS, Schlacht, S. 86.
[4] 8.11.1620: Maximilian I. von Bayern schlägt das böhmische Ständeheer unter Christian I. von Anhalt. Friedrich V. von der Pfalz geht nach Den Haag in die Niederlande. Vgl. KREBS, Schlacht.
[5] Vgl. die Erwähnungen bei KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld (hier Todesjahr 1634 !).
[6] Bergen-op-Zoom [West-Brabant].
[7] TOPHOFF, Christian von Braunschweig, S. 137f.
[8] Reetz [Recz, LK Choszczno, Polen].
[9] Saatzig [LK Satzig, Polen]
[10] Hammerstein [Czarne, LK Człuchów, Polen].
[11] Schlagenthin, heute Ortsteil von Jerichow [LK Jerichower Land].
[12] Schivelbein [Świdwin; Kr. Belgard]; HHSD XII, S. 268f.
[13] Arnswalde [Choszczno LK Choszczno, Polen].
[14] Pammin [Pomierzyn, LK Drawsko Pomorskie].
[15] heimatkreis-arnswalde.de/060 5 bis 6 1957.pdf, S. 7.
[16] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.
[17] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[18] ENGERISSER, Von Kronach (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung), S. 104ff.
[19] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.
[20] Herzogenaurach [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 291.
[21] Bruck [LK Erlangen].
[22] Fürth; HHSD VII, S. 219ff.
[23] Großreuth hinter der Veste, heute Stadteil von Nürnberg.
[24] Schweinau, heute Stadtteil von Nürnberg.
[25] Kleinreuth bei Schweinau.
[26] Altenberg, heute Stadtteil von Oberasbach [LK Fürth].
[27] 1 Inch = 2, 54 cm.
[28] MAHR, Monro, S. 184ff.
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