Seestädt [Seestadt, Sehestedt, Seestätter], Friedrich von; Obrist [ - 6.3.1645 bei Jankau] Seestadt, der aus der holsteinischen Linie der Familie stammte, stand als Obristleutnant bzw. Obrist in schwedischen Diensten.
Im „Theatrum Europaeum“ heißt es zu 1642: „Dem von Königsmarck aber zogen um diese Zeit 15. Compagn. Lüneburg. erlassen Volcks unterm Obrist Pintsch / und Obr. Lieutenant Seestätter zu / welche um den 25. Octobr. st. v. Hameln[1] fürüber giengen“.[2]
Am 23.3.1643 schrieb der schwedische Kriegskommissar Brandt aus Mansfeld[3] an Axel Lillie und teilte ihm mit, dass Seestädt sich zum Feldzug rüste. Deshalb müsste an die beiden Kompanien in Duderstadt[4] und Nordhausen[5] der Befehl zum Aufbruch und Marsch nach Stolberg[6] erteilt werden.[7]
Wie der Historiograph Wassenberg in seinem 1647 erneut aufgelegten Florus berichtet, war Schweidnitz[8] nach Blockade und Belagerung durch Kapoun wieder in kaiserliche Hände gefallen: „So ist auch nunmehr [7./17.5.1644] die von den Schwedischen ingehabte Statt Schweinitz mit vergleich übergangen / vnd wider in Keyserliche Hände gerathen / daselbsten die gemeine Teutschen Knechte sich vnterstellen müssen / die Officirer aber vnnd andere seynd nach Groß-Glogaw[9] begleitet worden. Der verlust dieses Orts wird vornehmlich dem abgang deß Saltzes vnd Fleisches / weil sie mehr nicht dann nur noch 8. Pferde zu verzehren gehabt / beygeschrieben / darauff der Obriste Kappaun den 10. 20. dieses mit denen zu Schweinitz erlangten 6. Fahnen bey Herrn General Graffen von Gallas in Prag wider angelanget“.[10] Der Übergabevertrag zwischen Kapoun und dem schwedischen Obristen Friedrich von Seestadt datiert vom 18.5. 1644.[11] Die Vereinbarung wurde zwischen den Vertretern Ferdinands III. und den Beauftragten Schwedens abgeschlossen: Nach Kapouns Blockade und Belagerung von Schweidnitz kapitulierte die Stadt [nach Gallas erst am 28.5.[12]] und der schwedische Kommandant war zu einem Akkord gezwungen. Der Kaiser beauftragte Gallas und R. G. von Wolframsdorff, dessen Reiterei ebenfalls an der Belagerung teilgenommen hatte, mit der Übernahme der Stadt und der Verhandlungsführung mit den Vertretern der schwedischen Krone. Die Vereinbarung trat am 16.5.1644 in Kraft. 1. Reiterei und Fußvolk der beiden schwedischen Regimenter versammeln sich mit allem Eigentum auf dem Marktplatz und werden als kaiserliches Kriegsvolk übernommen; Fahnen und Standarten werden ihnen abgenommen. 2. Munition wird übergeben,[13] Minen und Fallen entfernt. 3. Die fremdländischen Offiziere, Generalwachtmeister Billihörk und Generalmajor Arvid Wittenberg dürfen samt ihren Wagen, Angehörigen und Sachen abreisen, alle Übrige verbleibt am Ort. 4. Was Menschen, Stadt und Umgebung genommen wurde, hat am Ort zu bleiben. 5. Die Gefangenen werden entlassen. 6. Kontributionen, Obligationen und Schuldbriefe werden herausgegeben. Auch die Schlüssel zu den Stadt-toren sind abzugeben. Offiziere, die nicht gedient haben, und Frauen haben freien Abzug aus der Stadt.[14]
„Von der Torstensonschen Hauptarmee kam der Oberst Seestädt mit seinem Regiment nach Naumburg[15] in Garnison. Der Rat klagte nach seiner Gewohnheit, und Torstenson schrieb ihm am 16. Dezember 1644, daß er geneigt sei, die Einquartierung zurückzunehmen. Er stellte jedoch dieselbe Forderung, die er in Zeitz[16] durchgesetzt hatte: damit nicht der Feind nach dem Abzuge der Schweden ‚ihnen selbst und den gesamten Landeseinwohnern zu merklichem Präjudiz sich in die Stadt logiere, sollten die Mauern und Türme und, was sonsten zur Defension des Posten dienlich, demoliert und heruntergerissen werden’. Es sollte nur soviel Schutz bleiben, dass sich die Bürger vor streifenden Kriegsscharen wahren könnten. Das griff nun den Herren empfindlich in die ehrwürdige Krone ihrer Hoheitsrechte, und sie zogen sich mit mehr Klugheit als Würde aus der Affäre. Sie erlangten ‚durch fleißiges Bitten soviel, daß der Oberst Seestädt ihnen die Mauern samt den Toren unabgetragen gelassen’, und versprachen, ihm für solche Willfahrung zweihundert Reichstaler auszuzahlen. Nur die jüngeren im Zwinger erbauten Verteidigungswerke mussten fallen. Dann verließ der Oberst die Stadt“.[17]
Nach Darstellung des schottischen Kriegseilnehmers William Forbes, der in schwedischer Bestallung stand, ist Seestädt in der Schlacht bei Jankau[18] am 6.3.1645 gefallen: „Marchirten dem nägst nach Böheimb, da wir den 24. Februar anno 1645 die Kayserliche undt Bayrische bey Janckow geschlagen, daß sieben Generalspersohnen todt geblieben undt gefangen worden. Ich mit meinem Regiment zwey Brigaden vom Feindt aus dem Waldt geschlagen, viele gefangen, Fähnlein, Stücke, Munition, Wagen bekommen, daß ihrer viele das gewehr wegk werffen müssen, ihr Leben zu salviren. In Gegenwarth Herrn Feldmarschalls Torstensohns und General Mortaigne. Ich mußte mit meinem Regiment uber einen Grund avanciren undt hatte keine Reuterey bey mir. Da kahmen 2 Esquadrons Bayrische Curassier mir in die flanque, darüber etliche Officirer und Knechte todt blieben und gefangen wurden, auch Herr Obrister Seestedt blibe, dan wir seine Fahnen und Picquen bey uns hatten, auch von des Herrn Generalmayor Peykels [Paykull; BW] Regiment zu uns gestoßen wehren“.[19] Sein Regiment wurde von Samuel Österling übernommen und als Besatzung nach Iglau[20] gelegt.
[1] Hameln; HHSD II, S. 192ff.
[2] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 837.
[3] Mansfeld [Kreis Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 316ff.
[4] Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.
[5] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.
[6] Stolberg [LK Harz]; HHSD XI, S. 453ff.
[7] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1430; vgl. auch NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 183; QUETZ 55 l.
[8] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.
[9] Glogau [Glogów; Schlesien]; HHSSchl, S. 127ff.
[10] WASSENBERG, Florus, S. 575.
[11] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 391.
[12] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 272.
[13] Vgl. TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 246.
[14] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 244.
[15] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.
[16] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.
[17] BORKOWSKY, Schweden, S. 100.
[18] Jankau [Jankov]; HHSBöhm, S. 226.
[19] PLEISS, Forbes, S. 144.
[20] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.