Ruck [Rock], Hubald

Ruck [Rock], Hubald; Obrist [ – Sept. ? 1640] Hubald Ruck war kaiserlicher Obrist und Generalquartiermeister.

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[1] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 1. Juni [11.6.1638; BW] sind drey Regimenter keyserliche Völcker im Eichsfeld ankommen, als des Generalwachtmeister Rockens, der liegt in Orschel,[2] denn des Obristen Horthen und das dritte“.[3] „Den 11. Juli [21.7.1638; BW] ist das Rockische Regiment wieder zu Deuna,[4] Orschel und Gerterode[5] ankommen“.[6] „Den 13. Juli [23.7.1638; BW] ist das Rockische Regiment in die Mühlhäuser[7] Dorfe gezogen“.[8] „Den 17. [27.7.1638; BW] ist das keyserliche Ruckische Regiment zu Ebeleben[9] durch gezogen, davon ein Schelm Hansen Ehrharten übel geschossen. Eodem [die] haben etzliche Reuter von den Hanauwischen [Augustin v. Hanau; BW] zweene Rückische Reuter beraubet. Eodem [die] haben etzliche Ruckische Reuter Meinem Gnädigen Herrn ein Lamb vor Ebeleben am Thore genommen. Den 18. Juli [28.7.1638; BW] sind die Ruckischen Reuter aus Schernberg,[10] Rockstedt[11] und Abtsbessingen[12] aufgebrochen“.[13]

Am 3.4.1639 schrieb der kaiserliche Kommandierende Matthias Gallas[14] aus Prag an den Kaiser: Aus seiner vorigen Relation habe er von den Schwierigkeiten bei der Zusammenziehung der hierher kommandierten Regimenter erfahren; die Truppen aus Franken seien noch nicht angekommen, sie hätten Bamberg[15] erst am 30.3. verlassen. Der Kurfürst von Sachsen urgiere Hilfstruppen für die – von den Schweden belagerte – Stadt Freiberg.[16] Laut Berichten von Spähern Feldmarschalls Morzin wisse der Gegner noch nichts vom Rendezvous der Kaiserlichen. Er habe Schlick von allem, auch von der Tatsache, dass die aus Schlesien und Böhmen hierher kommandierten Regimenter noch nicht alle an Ort und Stelle seien, in Kenntnis gesetzt; dieser habe verlangt, alles Menschenmögliche für den Kurfürst von Sachsen zu tun. Deshalb habe er Ruck zu Morzin entsandt und Generalwachtmeister [Hans Christoph v.; BW] Puchheim befohlen, zu Morzin zu stoßen. Dem aus Franken kommenden Kriegsvolk habe er einen Obristleutnant mit weiteren Befehlen entgegen geschickt und den bereits erwähnten Ruck aufs Neue mit der Instruktion zu Morzin entsandt, er solle, falls der Gegner noch bei Zwickau[17] stehe, unverzüglich mit allen Truppen durch die Wälder in Richtung St. Joachimsthal[18] und Eger marschieren, um dort zu Friedrich von Fürstenberg zu stoßen. Sollte der Gegner zur Elbe ziehen, möge Morzin genügend Schiffe vorbereiten, um diesen Plan zu vereiteln. Ruck solle sich nach Erledigung seines Auftrags bei Morzin zum Kurfürsten von Sachsen aufmachen und u. a. den verspäteten Truppenanmarsch entschuldigen sowie den Kurfürsten zur Erteilung von Befehlen zum vollen Schutz des Landes vor dem Gegner bewegen. Am Vormittag sei die Nachricht eingetroffen, dass der Gegner mit einem Teil seiner Reiterei nach St. Joachimsthal ziehe und der Stadt Karlsbad[19] einen Brandbrief geschickt habe. Kolb, der Kommandant der bayerischen Abteilungen, habe ihm, Gallas, mitgeteilt, dass Maximilian I. diese Abteilungen abberufe; er habe geantwortet, dass der Kurfürst von den gegenwärtigen Veränderungen nichts wissen könne.[20]

Der Rudolstädter[21] Landrichter Michael Heubel [1605 – 1684][22] schreibt in seinen „Anmerkungen“ zum April 1640 und seine Begegnung mit Ruck: „Darmit fuhr Mein Gnädiger Herr[23] wieder zum Herrn Generalwachtmeister, nahmen da eine herrliche Mahlzeit ein, bey welcher der Generalquartiermeister Rock, auch 2 Obriste Lieutenants wahren Ihro Hochgräfliche Gnaden wolten auch dem Generalfeldtmarschall Picolomini aufwarten, sie wehren in das Läger und vor Abents nicht wieder erwartent. Herr Generalwachtmeister bath Meinen Gnädigen Herrn gar sehr zue bleiben, aber Ihro Hochgräfliche Gnaden entschuldigte sich nebst großer Danksagung und dass sie morgendes Tages dem Herrn Feldtmarschall Exzellenz in bewusster angelegenen Sache aufwarten und zeitlich wieder in Saalfeldt[24] sein wolten. Bathen, dass Herr Generalwachtmeister inzwischen Ihrentwegen Audienz zue begehren und gebührlich zue recommendiren, welches alles mit mehrn ange nehmen Offerten zuegesaget worden. Darauf bath Herr Generalquartiermeister Meinen Gnädigen Herrn, dass sie morgen bey derselben abtreten und mit einer geringen Mahlzeit vorlieb nehmen mögten, Herr General Breda wolte solches nicht nachgeben, sondern verlangte Ihro Hochgräfliche Gnaden zue bedinen. Es erhielte es aber der Generalquartiermeister sowohl bey Meinen Gnädigen Herrn, als auch bey General Breda. Den 22. April vormittags fast 9 Uhr kahm Herr Generalquartiermeister Meinen Gnädigen Herrn bis an den Rabenstein entgegen, und stiegen Ihro hochgräfliche Gnaden vor Herrn Generalquartiermeisters Quartier in den Watzdorffischen Hause ab. Zue dem kahm Herr General Breda, empfing Mein[en] Gnädigen Herrn sehr angenehm, und dass Herr Generalfeldtmarschall dieselbe zue bedienen verlangten Sobalden fuhren Ihro Hochgräfliche Gnaden zum General Picolomini, welche in dem Herrnhaus das Quartier. Dieselbe empfingen Meinen Gnädigen Herrn uf der Stiegen und führten dieselbe bey der Hand bis an das Zimmer, in welchen sie eine zimliche Zeit alleine wahren. Bey genommenen Abschiedt haben Ihro Exzellenz Meinen Gnädigen Herrn p zur Mittages Mahlzeit zue verbleiben gebethen, Ihro Gnaden aber hatten es aber nechst Danksagunge für guthe Verrichtung höflich abgeschlagen und dero Unterthanen Herrn Feldtmarschall bestermaßen anbefohlen. Darauf begleiteten Ihro Exzellenz Meinen Gnädigen Herrn nicht alleine die Stiege herab, sonder gar bis unter die Hausthür. Bey dem Generalquartiermeister, bey der auch General Breda und dessen Gemahlin wahr, wurde köstlich gespeiset, und über Tafel wahr die Frau Generalquartiermeisterin, welche ein Holländern mit güldenen Ketten und Kleinodien umbhenget, [und ein] trefflich Gespräch. Es wahr des Ertzhertzogs und Herrn Feldtmarschalls Gesundheit eben nicht aus großen Gläsern gedrunken.“.[25]

„Den 6. Mai haben Ihro hochgräfliche Gnaden, Mein Gnädiger Herr p, mir 234 thlr, welche nebst Hanns[Velten] Trompetern, ich nacher Saalfeldt bringen und darvon dem keyserlichen Generalquartiermeister 160 thlr:, dem Proviandmeister und seinen Dienern 74 thlr: wegen des unerträglich begehrten Proviandtes, umb einige Linderung zue erhalten, præsentiren müssen, welches auch etzliche 100 thlr: erhalten, indem die schwere kostbahre Execution sobalden wieder abgenommen und nur der halbe Theil Proviand und Commiss angenommen worden, auch in andern und bey den Hatzfeldtischen March dem Lande große Hülfe gethan“.[26]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[27] aus dem von Eger[28] abhängigen Marktredwitz[29] erinnert sich in seiner Hauschronik an den Juli 1640: „Den 7. Juli ist ein Trupp [etwa] 100 Mann [stark], wobei auch viel[e] Offiziere(r) [waren], aus dem Lager hie[r]her(o) [ge]kommen. Weil man ihnen aber weder Quartier noch [et]was anderes geben wollte, sind sie nach Pfaffenreuth[30] und Manzenberg[31] hinauf. Man hat ihnen hernach Bier und Brot hinauf verschafft. Des andern Tags zu Mittag sind sie auf[ge]brochen, hier vorüber und gegen Brand[32] und Konnersreuth[33] [ge]zogen. Obwohl wir ihnen stark zugeredet, warum sie im Quartier alle Öfen und Fenster eingeschlagen, ist doch wenig mit ihnen zu richten gewesen. Diese hatten Patent und Order, in Böheim(b), für den Oberst Rock, [den] Gen[eral]quartiermeister, ein Regiment aufzurichten“.[34] Im September 1640 berichtete Mislík v. Hyršov aus dem Feldlager bei Fritzlar[35] J. Černin d. Ä., dass Ruck von Kroaten erschossen worden sei.[36]

[1] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[2] Niederorschel [Kreis Eichsfeld].

[3] HAPPE II 204 r; mdsz.thulb.uni-jena.de. Das 3. Regiment fehlt.

[4] Deuna [Kreis Eichsfeld]

[5] Gerterode [Kreis Eichsfeld].

[6] HAPPE II 210 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[7] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis].

[8] HAPPE II 211 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[9] Ebeleben [Kyffhäuserkreis].

[10] Schernberg [Kyffhäuserkreis].

[11] Rockstedt [Kyffhäuserkreis].

[12] Abtsbessingen [Kyffhäuserkreis].

[13] HAPPE II 211 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[14] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas.

[15] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[16] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[17] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[18] [Sankt] Joachimsthal; HHSBöhm, S. 540ff.

[19] Karlsbad [Karlovy Vary]; HHSBöhm, S. 249ff.

[20] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 784.

[21] Rudolstadt [Kreis Saalfeld-Rudolstadt].

[22] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 118.

[23] Ludwig Günther I. von Schwarzburg-Rudolstadt.

[24] Saalfeld [Kreis Saalfeld-Rudolstadt].

[25] HEUBEL, Bl. 280 – 285; mdsz.thulb-uni.jena.de.

[26] HEUBEL, Bl. 289; mdsz.thulb-uni.jena.de.

[27] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[28] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[29] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[30] Pfaffenreuth, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[31] Manzenberg, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[32] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[33] Konnersreuth [LK Tirschenreuth].

[34] BRAUN, Marktredwitz, S. 122.

[35] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[36] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1081.

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