Röhrscheidt [Rohrscheidt, Rohrscheid, Röhrscheitt], Johann Caspar von

Röhrscheidt [Rohrscheidt, Rohrscheid, Röhrscheitt], Johann Caspar von; Obristleutnant [ – ] Kursächsischer Rittmeister im Regiment Joachim von Schleinitz. Er stand 1637 als Obristleutnant im kursächsischen Regiment Monier.[1]

Ab Dezember 1637 stand er als Obristleutnant im von Feldmarschall Johan Banér vergeblich belagerten Leipzig.[2]

„In den Monaten Februar und März [1639; BW] lag eine schwedische Besatzung unter dem Befehle eines Obristen Duwal [Tobias Duwall; BW] in Altenburg.[3] Am 21. März kam es in der Stadt selbst zu einem Kampfe. Der kursächsische Oberstleutnant Rohrscheid, der in Leipzig stand, überfiel unvermutet mit 400 Musketieren und 150 Reitern frühmorgens die Stadt und ihre nichtsahnende Besatzung. Er machte große Beute in Geld, Gold und Kleinodien, da die schwedischen Offiziere vielfach ihre Wertsachen in Altenburg zusammengebracht hatten, nahm 200 Pferde, meistenteils gesattelt, weg und den Obristen Duval mit mehreren Offizieren gefangen. Da die auf den umliegenden Dörfern einquartierten Schweden ihren Kameraden zu Hilfe eilten, sah sich Rohrscheid zu schleunigsten Rückzug gezwungen, den er aber wohlbehalten und geordnet mit seiner Beute glücklich bewerkstelligen konnte. Die Schweden glaubten an einen Verrat von seiten der Altenburgischen Bürger. Torstenson befahl 3 Regimentern nach Altenburg aufzubrechen, die Stadt auszuplündern und von Grund aus zu zerstören. Nur die Aussage der gefangenen schwedischen Offiziere, die versicherten, die Bewohner Altenburgs hätten ebenso wenig wie sie den beabsichtigten Überfall geahnt, rettete die Stadt vor dem Äußersten. Der Feldherr zog seinen Befehl zurück. Doch trotzdem erschien am 25. März der Oberst Dörfling [Derflinger; BW] und forderte von der unglücklichen Stadt 1800 Taler Brandschatzung für den durch die Niederlage erlittenen Schaden. Trotz aller Bitten musste die Stadt die hohe Summe auch aufbringen. Am 29. und 30. März zogen die Schweden nach Zeitz ab“.[4]

Das „Theatrum Europaeum“[5] berichtet unter dem Februar 1640: „Es war in Hall[6] ein Schwedischer Commendant mit neuen Fahnen / deß Namens Martin Lange / ein Schlesier / nachdem derselbe seine Wachten nicht nach dem besten bestellt / und der General-Commissari Schleunitz [Joachim v. Schleinitz; BW] den Vortheil ersehen / commandirte derselbe um den 10. 20. Febr. den Hauptmann Rabiel mit 130. Musquetirern von Leipzig nach Delitz[7] / von dannen nach Hall zu gehen / und es zu wagen / ob er sich der Moritzburg[8] daselbsten impatroniren möchte. Der Anschlag gieng am 11. 21. ejusd. zwischen 9. und 10. Uhren Vormittags an / da diese Chur-Sächsische durch die Stadt biß an das Schloß-Thor kommen / der Wacht Gewehr ergriffen / und den Commendanten samt den seinigen gefangen genommen / von denen sie auch gute Beute gemacht/ darüber etliche von der Wacht unterm Thor / die sich zur Wehr stelleten / niedergemacht worden / die Chur-Sächsische aber nicht einen Mann verlohren. Der Obrist-Lieuten. Rorscheid / wurde nechsten Tags mit mehrerm Volck dahin commandirt / gute Ordnung anzustellen / und die gefangene Schwedische nach Leipzig zu liefern: unter denẽ  neben obernantem Commendanten 1. Capitäin-Lieutenant und 2. Fähndrich / samt den neuen Fahnen. Der Hauptmann Rabiel wurde darüber zum Commendanten in der Moritzburg gemachet / und ihme neben seiner Compagnie der Hauptmann Spiegel mit den seinigen zugegeben“.[9]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[10] notiert unter dem 9./19. bzw.10./20.11.1641: „Eodem [die] die Merckischen [Franz von Mercy; BW] Musquetier anhero kommen. Den 9. eine Compagnie churfürstlich sächßische Reuter unter Rittmeister Röhrscheitten vor hiesige Stadt Sondershausen[11] kommen, ist aber abgewiesen worden, hat sich in Berka[12] geleget und ziemlichen Schaden gethan. Den 10. ist diese Compagnie vor Greußen[13] kommen, aber auch abgewiesen worden, hat sich in Clingen[14] geleget. Eodem [die] sind der Fürstin zu Heringen[15] 63 Pferde genommen worden und etzliche Musquetier erschossen. Eodem [die], den 10., sind die churfürstlich Sächßischen vor Heldrungen[16] gezogen.[17]

1642 verhandelte er zusammen mit Mitgliedern der Stadtregierung Leipzigs[18] mit Torstensson wegen der Übergabe der Stadt.[19]

„Im November [1643; BW]  zog Hofkirchen mit vier sächsischen und drei kaiserlichen Regimentern aus Melnik[20] nach Sachsen. Er selbst kam zu Schiff am 12. November in Dresden[21] an und bat Johann Georg I. um Quartiere. Seine Truppen warteten erst einmal bei Pirna,[22] Dresden und Meißen[23] ab.

Lilie [Lillie; BW] warnte den Kurfürsten durch das Zusammenziehen seiner Besatzungen, die Schlagkraft zu erhöhen und gegen die Schweden zu marschieren. Er schickte Königsmarck über die Elbe, um gegen Hofkirchen vorzugehen. Bei seinem Anmarsch zogen die von Johann Georg I. geführten Sachsen nach dem Erzgebirge in die Gegend von Komotau,[24] Annaberg[25] und Frauenstein.[26]

Nach Brandenburg auszuweichen war nicht mehr möglich. Denn bereits im Juni hatte der neue Kurfürst Friedrich Wilhelm – Sohn des am 11. Dezember 1642 verstorbenen Georg Wilhelm – Frieden mit Schweden geschlossen. So in gewisser Weise zum Einlenken veranlasst, trat Johann Georg I. schriftlich an Torstenson heran. Lilie schickte dann Oberstleutnant Röhrscheid und Hans Ernst von Osterhausen, Landrat und Oberststeuereinnehmer, an den Dresdner Hof, um Schwedens Vorschlag zu erläutern. Zusammengefasst beinhaltete dieser, dass, wenn der Kurfürst zur Rettung von Land und Leuten sich auf Verhandlungen einlassen wollte, ihm gute Konditionen eingeräumt wurden. Die hierauf vom Geheimen Rat Dr. Oppel entworfenen Bedingungen lauteten:

Der Kurfürst sollte dem Kaiser und Heiligen Römischen Reich ergeben und treu bleiben. Die sich bei der Reichsarmee befindenen kursächsischen Regimenter dürften da verbleiben, solange es der Kurfürst wollte.

Die Schweden sollten alle Plätze im Lande räumen. Wenn sie aber auf dem Elbpass bei Torgau[27] bestehen sollten, würde der Kurfürst einer annehmbaren Besatzung zustimmen. Jedoch sollte den Sachsen das Recht zugestanden werden, den Übergang ungehindert zu nutzen.

Leipzig sollte aufgegeben werden, in der Pleißenburg könnte eine nicht zu große Besatzung verbleiben.

Für solche Besatzungen wäre es gerechtfertigt, Kontribution aus den kurfürstlichen Landen zusammenzubringen und monatlich auszuzahlen. Beim Kurfürsten müssten die durch die Ämter eingezogenen Steuern und Abgaben erhalten bleiben. Alle Kontributionen, Anlagen, Musterplätze und Einquartierungen müssten gänzlich eingestellt werden. Durchzüge könnten nur im Notfall und nach rechtzeitiger Anmeldung beim Kurfürsten erlaubt werden, jedoch nur bei Torgau.

Falls die Schweden aus den kurfürstlichen Ländern vertrieben und die Festungen in Leipzig und Torgau von der Reichsarmee bedrängt würden, sollte auf Bescheid des Kurfürsten Schweden seine Besatzungen zurückführen, anstatt Sachsen erneut zu zerstören“.[28]

Später wurde er noch Obristwachtmeister.

[1] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).

[2] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[3] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[4] FRITZSCHE, Altenburg, S. 30f.; Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[5] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[6] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.

[7] Delitzsch [Kr. Delitzsch]; HHSD XI, S. 73f.

[8] Am 19.3.1639 mit Akkord eingenommen; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 102.

[9] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 246.

[10] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[11] Sondershausen [Kyffhäuserkreis].

[12] Berka [Kyffhäuserkreis].

[13] Greußen [Kyffhäuserkreis].

[14] Clingen [Kyffhäuserkreis].

[15] Clara von Braunschweig-Lüneburg-Celle; Herzogin; Ehename: Schwarzburg-Frankenhausen; Gräfin [16.1.1571 – 18.7.1658] seit 1593 zweite Ehefrau von Wilhelm I., Graf von Schwarzburg-Frankenhausen [4.10.1534-30.9.1598], Tochter Herzog Wilhelms von Braunschweig-Lüneburg, Schwester Herzog Georgs von Braunschweig-Lüneburg und „Fürstin von Heringen“. Vgl. KUHLBRODT, Clara von Heringen.

[16] Heldrungen [Kyffhäuserkreis].

[17] HAPPE II 433 r – 433 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[18] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[19] KUNATH, Kursachsen, S. 258.

[20] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[21] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[22] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[23] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[24] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.

[25] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.

[26] Frauenstein [LK Mittelsachsen].

[27] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.

[28] KUNATH, Kursachsen, S. 267f.

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