Pollius [Polli; Polio ?], N

Pollius [Polli; Polio ?], N; Major [ - ] Pollius stand 1634 als Major im Regiment Wilhelm von der Brink, das im belagerten Regensburg[1] stationiert war.

“Am 13. Juni beschossen die Bayern aus einer Batterie bei Kumpfmühl die Stadtmauern und am 14. Juni erstürmten sie, nach Beschuß der Stadtmauern beim Deutschen Haus, in der Nacht ein Ravellin, konnten aber wieder zurückgeworfen werden. Am 16., 17. und 19. Juni, nach Chemnitz am 18.6., machten die Belagerten Ausfälle aus dem Hornwerk von Stadtamhof[2] und dem Ostentor (Heilmann II, S. 472). Unter anderem fielen am 17. Juni 20 Reiter aus der Stadt in das Quartier der Burgundischen Regimenter, lockten die Reiterwache des Cronbergischen Regiments in das Feld,, denen weitere Truppen der Belagerten den Weg abschnitten und 15 Reiter und etliche Musketiere in den Laufgräben niedermachten. Bei den Ausfallenden wurde ein Reiter vom Pferd geschossen. Als man ihn auszog, fand man etliche Taler, die anläßlich der Einnahme Regensburgs durch Herzog Bernhard geprägt worden waren mit dem Bild Regensburgs auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Schrift: ‘Bernardus Sax. Dux Victor Ratisbonam ingreditur IV. Novembris Anno 1633′ (Khevenhiller, S. 1184).

Den Ausfall am 18. Juni unternahmen Major Pollius (Polli) und Kapitän Truchseß vom Brinkenschen Regiment mit Unterstützung von 100 Reitern beim Ostentor, schlugen die schlecht verschanzten Belagerer aus den Laufgräben bei St. Niklas, nachten 150 davon nieder (nach Khevenhiller handelte es sich wieder um die Burgundischen Regimenter, deren allerdings nur 60 ‘blieben’) und nahmen etliche Gefangene, darunter den Obristwachtmeister (Major) eines Burgundischen Regiments”.[3]

“Am 17.8. war das Hauptquartier in Alerheim[4] unweit Nördlingen.[5] An diesem Tag brach eine starke Abteilung mit 5 Regimentern zu Roß und 4 Dragonerregimentern unter den beiden Generalwachtmeistern Johann von Werth und Giacomo von Strozzi nach Franken auf. Man zog zuerst gegen Oettingen[6] ‘in der Hoffnung, die von Forchheim heranmarschierenden Feinde [des Feldmarschall Cratz] an einem bequemen Ort vorzubiegen und sie aufzuschlagen’. Die kaiserlich-bayerischen Regimenter erreichten am 18.8. Ansbach,[7] ließen die Tore sprengen und die Stadt plündern. Der gerade mündig gewordene Markgraf Friedrich hatte sich mit seiner Mutter und etlichen Hofbeamten nach Kitzingen[8] begeben. Von Ansbach schwärmten die Reitertruppen aus und plünderten die Nürnberger[9] Gegend, des weiteren die südlich davon gelegenen Orte Hilpoltstein,[10] Greding,[11] Dietfurt,[12] Beilngries,[13] Heideck[14] und Gunzenhausen.[15] Daraufhin wandten sie sich in Richtung Westen nach Rothenburg o. d. Tauber.[16] Der zu Unterhandlungen abgeschickte Rothenburger Bürgermeister Petzolt wurde zusammen mit dem Kommissar Metzler niedergeschossen. Nach Rothenburg selbst hatte Herzog Bernhard drei Kompanien des Brinken’schen Regiments unter Major Pollius (Polli) gelegt, zwei Brinken’sche Kompanien unter Oberstleutnant Balthasar Goll wurden in (Bad) Windsheim[17] stationiert (der Inhaber des Regiments, Wilhelm von Brinken war, wie wir bereits erfahren haben, bei der Verteidigung Regensburgs verwundet worden und nun Kommandant in Königshofen[18]). Nach Dinkelsbühl[19] wurde eilig der Oberstleutnant Woldemar von Rosen mit drei Kompanien Dragonern geworfen. Die genannten Städte wehrten sich zunächst nach Kräften gegen die Einlegung dieser Garnisonen, ließen sie aber bei Annäherung der kaiserlichen Truppen schließlich zu ihrem Vorteil ein. Die Truppen Werths und Strozzis mußten deshalb, trotz ernstlicher Übergabeaufforderungen, von Rothenburg (19.8.) und Dinkelsbühl erfolglos wieder abziehen. Feuchtwangen[20] wurde eingenommen und geplündert”.[21]

“In der Zwischenzeit war der kaiserliche Feldmarschall Graf Octavio Piccolomini bereits mit 7000 Mann vor die Mauern von Rothenburg gezogen. Hier befehligte der Major Polli (Pollius) mit einer Abteilung vom Regiment Wilhelm von den Brinken, dem Stadtkommandanten in Königshofen. Alles in allem hatte Polli mit gesunden und kranken Knechten nicht mehr als 200 an der Hand. Der Kommandant hatte bereits am 10. September 1634 die schriftliche Übergabeaufforderung durch Generalleutnant Gallas abgeschlagen. Obwohl die Stadt für eine Verteidigung, vor allem nach dem Taubertal hin, günstige Voraussetzungen hatte, gab es doch einige Schwachstellen. Piccolomini, der am 15.9. vor der Stadt erschien, ließ deshalb sofort von dem Galgen- und Rothertor 2 Geschützbatterien erbauen und die Stadt beschießen. Am folgenden Morgen, dem 16.9., wurden 10 weitere Geschütze auf die Engelsburg gebracht und der alte Burgturm ins Visier genommen, welcher nach kurzer Zeit an einer Ecke einstürzte. Ebenfalls beschossen wurde die Stadtmauer beim Frauenkloster.

Als der Feldmarschall die Stadt am 18.9. am Spitaltor zum Akkord aufforderte, erbat sich der Kommandant 3 Stunden Bedenkzeit, um sich mit dem Magistrat zu besprechen. Bei dieser Besprechung ‘vergassen beydes Bürgerschafft vnd Rath des hievor gemachten verbundes vnd wurden anstatt nothwendiger weiterer zusammensetzung auffstützig: also daß sie dem Major, nebst den Seinigen die hälse brechen wolten’ (Chemnitz, s. o.). Nach Ablauf dieser Frist begab sich Polli in Piccolominis Quartier nach Gebsattel[22] und willigte ohne weitere Hinzuziehung des Magistrats in den vorgeschlagenen Akkord ein. Die Besatzung, 3 Kompanien zu Fuß, bekam freien Abzug ‘mit Ober- und Untergewehr, Kugeln im Mund, mit dem Pack, den jeder tragen mag aber ohne fahnen und ohne gerührtes Spiel unter deutscher Eskorte. Das Thor gegen Gebsattel mußte sofort übergeben werden, die Bürgerschaft wurde pardonniert und dem in die Stadt geflüchteten Adel und Landvolk der Auszug gestattet’. Der Stadt wurde eine Ranzion von 20.000 Reichstalern auferlegt und erhielt als Garnison 4 Kompanien vom Regiment des Barons Ernst Roland de Suys. Dem kaiserlichen Feldzeugmeister Francesco del Caretto di Grana mußten nach Kriegsbrauch die Glocken für 6000 Gulden in Bar abgekauft werden. Nach Chemnitz wurde der Akkord von Piccolomini nicht eingehalten: ‘Gleichwohl denen zuwiedern, folgenden tags [19.9.] beym auszuge die knechte weggenommen [und untergesteckt] vnd nur die Officirer zu ihrem Obristen nach Königshofen gelassen worden’. (Heilmann II, S. 503; Chemnitz II, S. 548)”.[23]

Wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um jenen 1642 bei dem Historiographen Wassenberg[24] in dessen 1647 neu aufgelegten „Florus“ erwähnten Obristleutnant Polio, der in französischen Diensten stand.[25]

[1] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[2] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.

[3] ENGERISSER, Von Kronach, S. 265ff. (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[4] Alerheim [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 6f.

[5] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[6] Oettingen i. Bayern [LK Nördlingen]; HHSD VII, S. 558f.

[7] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.

[8] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.

[9] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[10] Hilpoltstein [LK Roth]; HHSD VII, S. 295f.

[11] Greding [LK Roth]; HHSD VII, S. 247f.

[12] Dietfurt a. d. Altmühl [LK Neumarkt]; HHSD VII, S. 138.

[13] Beilngries [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 79f.

[14] Heideck [LK Roth]; HHSD VII, S. 276.

[15] Gunzenhausen [LK Gunzenhausen-Weißenburg]; HHSD VII, S. 260f.

[16] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[17] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[18] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.

[19] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.

[20] Feuchtwangen [LK Feuchtwangen]; HHSD VII, S. 196f.

[21] ENGERISSER, Von Kronach, S. 305f.

[22] Gebsattel [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 228.

[23] ENGERISSER, Von Kronach, S. 363ff.

[24] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[25] WASSENBERG, Florus, S. 501f.

Keine Kommentare
December 6, 2010 in Miniaturen
Tagged

Hinterlassen Sie einen Kommentar