Oeynhausen [Einhausen] zu Velmede, Rabe Arnd von; Obrist [1601 - 6.7.1634] Der aus Westfalen stammende Einhausen war der Sohn des Moritz von Oeynhausen und der Mette von der Hegge, Erbtochter zu Velmede.[1] 1623 bis 1626 in hessen-kasselischen Diensten gestanden. 1629 diente er als Hauptmann unter Holzappel der Republik Venedig. Seit Mitte 1632 erscheint er als Major der Kavallerie, dann als Obristwachtmeister in schwedischen Diensten, ab 1633 als Obrist unter dem Befehl Gustav Horns in Oberschwaben.[2]
Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: “Die in Brysach[3] haben dieser Zeit etwas Lufft bekommen / dañ nachdeme der Schwedische GeneralFeld-Marschalck Horn alle umbligende Oerther umb Brysach her eingenommen / und in seine gewalt gebracht / also damit umbzirckelt und gleich ploquirt gehalten / daß sie sich weder regen noch wegen können noch dörffen / und aber nunmehr mit einem ansehenlichen Läger dem Schwäbischen Krayß wider die Kayserlichen über Rhein gesetzt / und naher dem Schwartz-Wald / und fürters naher dem Schwabenland gezogen; auch Hr. Rheingraff Ott-Ludwig / welchen der Herr Feld-Marschalck Horn zum Ober-Commendanten im Elsaß hinterlassen hatte / im Sundgau mit Einnehmung der Stadt und Schloß Thann[4] / wie nit weniger Alt-Kirch[5] / Pfirdt[6] / etc. beschäfftigt gewesen / haben die Brysacher das Städtlein Neubergk[7] oberhalb Brysach am Rhein gelegen / überrumpelt / und eingenommen / die darin gelegene Schwedische Compagnie theils nidergemacht / theils sampt dẽ Officirern gefangen genommen / und den Orth mit den ihrigen starck besetzt hinterlassen / und dieweil es damit angegangen un geglücket / haben sie es noch ferner gewagt / und einen Anschlag auff Langendentzlingen gemacht[8] / dahin der Obrist Einhausen am 28. Jan. den Obristen Schavelitzky / und Obristen Canoffsky zu Gast und Mittagsmahl geladen / da nun diese am allerlustigstẽ / kompt Avis / daß die Kayserische von Brysach mit Reutern / Tragonern und Mußquetirern über tausend starck auff sie zugehen; der Obriste Einhausen hat alsobald zu Pferd blasen / und seine Reuter sich in aller Eyl geschwind fertig machẽ lassen / welche aber kaum fertig / kam der Feind auff den Flecken angehauen / derowegen sie zu scharmütziren miteinander angefangẽ: die Brysacher aber als ungleich stärcker haben sie biß für Freyburg[9] gejagt. Der Obriste Canofsky in Freyburg hat auch seine Reuter in Eyl auffmahnen / und mit denselben den Einhäusischen zum Succurs den Feind wieder nach Langendentzlingen zurück getrieben: daselbst sie sich wieder gesamblet / und Standt gehalten / und auff einander getroffen / da dann die Kayerische gar in Disordre gebracht / und von den Schwedischen biß ein Stund über Langendentzlingen verfolget / daß ihrer auff 400. im Stich blieben / und fast 400. gefangen zurück in Freyburgk gebracht / darunter viel verwundet / und viel darvon gestorben”.[10]
“Ein Abstecher nach Überlingen,[11] wo Horn am 24. April ankam, und nach geschossener Bresche am 27.4. einen Sturmversuch wagte, blieb erfolglos. Die Besatzung wehrte alle Eroberungsversuche ab. Ein Versuch, durch Sappeure mit Hilfe von Approchen an die Stadtmauern zu kommen, scheiterte am felsigen Untergrund. Dies war nun genau die Zeit, als Herzog Bernhard seine Armee vor seinem Entsatzversuch von Regensburg[12] zwischen Rothenburg[13] und Nördlingen[14] einquartiert hatte und von dort dringende Hilferufe an den Feldmarschall Horn richtete. Dieser entschloß sich nun endgültig nach Bayern zu gehen, ‘das, wann der Feind Regensburg angriffe, oder auf Herzog Bernhard andrünge, Er alsdan in solchem fall zu Demselben stossen, vnd mit gesambten kräfften den Feind sustiniren helffen solte. Als zog er die Armee zusammen, vnd avancirte gegen Augsburg[15] damit. In meinung, wo nicht dem Hertzog zu hülffe zu ziehen, doch dem Feinde, ehe die Italiänische Armee noch herauskeme, einen vortheil abzugewinnen’.
Ein kleines Korps von 300-4000 Mann ließ er unter den Obersten Canoffsky und dem Generalmajor Schafelitzky am Bodensee zurück, wobei auch die Regimenter zu Pferd dieser beiden Obersten, jedes zu 8 Kompanien, sich befanden. Weiterhin blieben die Squadrons zu Roß der Obersten Gassion (Jean de Hontas de Gassion führte eine französische Squadron), Einhausen und Oberstleutnant Beuschel zurück. Das Kommando in Abwesenheit Horns wurde dem Rheingrafen Otto Ludwig übertragen, der die Weisung erhielt, im Falle des Eindringens der Spanier unter dem Kardinal-Infanten Fernando in Oberschwaben alle Truppen im Elsaß zu sammeln und sich mit den am Bodensee zurückgebliebenen Truppen zu vereinigen. (Chemnitz II, S. 389, 393, 394, 475; Heilmann II, S. 468)”.[16]
Am 1.7. wurde Oeynhausen im Duell mit Christoph von Schwansbell tödlich verwundet und verstarb am 6.7.1634.[17] Sein Regiment wurde von seinem Obristleutnant Gnese weiter geführt und war in Oberschwaben stationiert. Ende September 1634 wurde es reformiert und in die Schwadron des Helm Wrangel eingegliedert.
[1] Velmede, heute Ortsteil von Bestwig [Hochsauerlandkr.]; HHSD III, S. 732.
[2] ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht), S. 27, Anm. 27.
[3] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.
[4] Thann [Tann, Elsass, Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[5] Altkirch a. d. Ill [Elsass, Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[6] Pfirt [Elsass, Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[7] Neuburg [Neubourg, Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[8] Denzlingen [LK Emmendingen].
[9] Freiburg im Breisgau; HHSD VI, S. 215ff.
[10] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 4.
[11] Überlingen [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 807f.
[12] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[13] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.
[14] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.
[15] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[16] ENGERISSER, Von Kronach, S. 288f.
[17] Vgl. OEYNHAUSEN, Geschichte 3. Teil, S. 392-398; MANKELL, Uppgifter, S. 180.