Muschamp [Muscamp, Mustamp, Mustchamp, Mustehemp, Muston, Musten, Mustan, Mussen], Thomas; Obrist [1580 - 6.9.1629] Muschamp[1] wurde 1580 in England geboren. Trotz seiner englischen Herkunft war er stets mit den Schotten in der schwedischen Armee verbunden und war mit der Schottin Elin Lindsay verheiratet, was wohl dazu führte, dass ältere Quellen ihn als Schotten bezeichneten. Sein Schwiegersohn war Robert Bruce, der 1652 in Schweden starb.
Muschamp begann seine militärische Karriere im Schweden 1621 als Kapitän in James Seatons neu geworbenen Regiment. Er stand 1621 im Leibregiment Gustav II. Adolfs, als er an der Belagerung Rigas[2] teilnahm.
„Am 1. August, früh um vier Uhr, sichten die Wachtposten auf den Wällen Rigas die ersten schwedischen Fahrzeuge vor der Mündung der Düna. So hat also das Gerücht die Wahrheit gesprochen: der schwedische König, der wenig Geld, aber viele Soldaten hat, streckt seine Hand nach dem reichen, betriebsamen Riga aus. Immer mehr Segel tauchen am Horizont auf, immer bedenklicher zählen die Bewohner Rigas die Schiffe der feindlichen Flotte, deren Größe ihre schlimmsten Befürchtungen noch übersteigt. Von einem der vordersten Fahrzeuge steigen Rauchwolken auf, dann ertönen dumpf und drohend vier Kanonenschüsse. Die Kanonen Rigas antworten mit drei Schüssen. Die zwei Kämpen grüßen einander, und das ernste Schauspiel kann beginnen.
In den nächsten Tagen wird Riga von allen Seiten eingeschlossen. Als die Schweden anfangen, die ersten Schanzen aufzuwerfen, zünden die Bewohner Rigas ihre Vorstädte an, damit der Gegner sie nicht für seine Zwecke nutzen kann. Flammen und Rauchwolken, aus Hunderten von brennenden Häusern aufsteigend, bilden das Vorspiel zu dem Hexenkonzert, das nun beginnen soll. Die Bewohner Rigas ziehen sich in ihre Festungswerke zurück, und die Tore der Stadt werden doppelt verschlossen.
Während die schwedische Flotte die Düna blockiert, schlägt das schwedische Heer vor der Stadt in fünf verschiedenen Gruppen sein Lager auf. Des Königslager, zu dem das Hofregiment gehört, wird nordöstlich der Stadt beim Kloster St. Gertrud abgesteckt. Hier hat Johan Baner Gelegenheit, die Wirksamkeit des Königs aus nächster Nähe zu verfolgen, hier erfährt er das Allerneueste über den Fortgang der Belagerung und hierher kann er sich zu kurzen Ruhepausen zurückziehen. Es gibt viel zu lernen, und mit wachem Interesse verfolgt Johan die systematischen Anordnungen des Königs, die technischen Finessen der Fortifikationsoffiziere, das methodische Feuern der Artillerie, die energischen Gegenangriffe der Verteidiger und die besondere Taktik des Nahkampfes. Im Lauf eines langen, ereignisreichen Monats lernte er das meiste von dem, was er über den Angriff auf eine befestigte Stadt wissen muß. Viele Soldaten sieht er an seiner Seite fallen, er ist Augenzeuge mancher unerschrockenen, wagehalsigen Unternehmung, wie die anderen setzt er die eigene Person rücksichtslos der Gefahr aus; er begreift, daß der Tod des Soldaten getreuester Begleiter ist. Er empfängt die Feuertaufe und trägt als Erinnerung an die scharfgeschliffenen Waffen der Bürger von Riga ein paar Narben davon. Unter dem Donner der Kanonen absolviert er seine Meisterprüfung als Soldat und legt den Grund zu einer militärischen Laufbahn, deren Höhepunkt das Amt eines Feldmarschalls ist.
Riga wird allgemein für eine der stärksten Festungen Osteuropas gehalten. Mit Respekt betrachten die schwedischen Soldaten die Verteidigungsanlagen; sie fühlen sich geneigt, diesem Urteil beizustimmen. Das Innere der Stadt ist durch einen dreifachen Festungsgürtel geschützt. Die erste Befestigungslinie wird von einer mittelalterlichen Mauer mit etwa zwanzig hohen Türmen gebildet, in deren Schießscharten klobige Kanonen und leichte Falkonetts zu sehen sind. Außerhalb dieser Mauer erstreckt sich ein starker Festungswall mit Bastionen, die sich dem Feinde wie scharfe Stacheln entgegenschieben. Die äußere Verteidigungslinie bildet ein breiter, mit Wasser gefüllter Graben, der nur unter großen Schwierigkeiten genommen werden kann. Die Überreste der Verteidigungsanlagen zeugen noch heute von der massiven Stärke der Befestigungen.
An bestimmten Abschnitten jedoch sind die Anlagen von nicht ganz einwandfreier Beschaffenheit und nicht in dem Maße ausgebaut, wie die Bedeutung der Stadt es erfordert hätte. Gustav Adolf ist hierüber gut informiert, einer der holländischen Fortifikationsoffiziere der Stadt hat ihn über die Qualität der Festungswerke und den Verteidigungsplan des Kommandanten eingehend informiert. Durch diesen Überläufer erfährt der König auch, daß die Besatzung außer 3700 bewaffneten Bürgern nur 800 polnische Reiter zählt. In kurzsichtiger Verblendung haben die Polen es unterlassen, die Besatzung zu verstärken, sie nahmen die Gefahr nicht ernst genug. Mit inneren Zwistigkeiten beschäftigt, überlassen sie es den Bürgern Rigas, auf eigene Faust fertig zu werden. Ein Beweis ihrer Gleichgültigkeit gegenüber der Stadt und ihrer Bevölkerung. Verachtung erfaßt die stolzen, kraftvollen Bürger vor einem solchen Schutzherrn, der nichts versteht, nichts vermag und sie in der Stunde der Not im Stich läßt. Vierzig Jahre lang, seit dem Jahr 1681,[3] hat Riga unter polnischer Oberhoheit gestanden, und die Erfahrungen, die es in dieser Zeit machen mußte, sind nicht nur freundlicher Art. Die fleißigen, pflichtbewußten deutschen Bürger der Stadt fühlen in der Schicksalsstunde, wie wenig sie doch mit den unbeständigen Polen gemeinsam haben, die gedankenlos eins der schönsten Kleinodien des Reiches preisgeben.
Die Stadt ist also ganz auf sich gestellt, als der schwedische Angriff erfolgt. Sie hat kein Reich, auf das sie sich verlassen kann, sie ist keine Hauptstadt eines nationalen Staates. Riga ist ein alleinstehendes Gemeinwesen, dessen Reich vor den Toren der Stadt zu Ende ist. Kirchen, Paläste und Bürgerhäuser besitzt es in großer Zahl, aber keine ausgedehnten Waldgebiete, keine Flüsse, Berge und Täler, keine stammverwandte Landbevölkerung. Doch die Bürger von Riga verzagen nicht. Mehrere Jahrhunderte hindurch haben sie sich selbst regiert, sie schätzen ihre Unabhängigkeit hoch ein und sind hartnäckige Vorkämpfer des freien Handels, der ihren Truhen Gold bringt. Darum sind sie entschlossen, dem schwedischen König, der wahrscheinlich ein strengerer Herr als der König in Warschau sein würde, zu trotzen.
Gustav Adolf verfügt über 18.000 Mann. Trotz dieser bedeutenden Überlegenheit kann er nicht sofort zum Sturm auf die Stadt vorgehen, er muß sie regelrecht belagern. So werden eiligst Laufgräben gezogen, die Artillerie wird in Stellung gebracht, und die Scharmützel beginnen. Ununterbrochen, ob Alltag oder Sonntag, früh oder spät, kracht das Feuer der schwedischen Batterien, schleudert seine Geschosse auf die Festungswälle und beschießt die Häuser mit glühenden Kugeln. In die groben Baßstimmen der Mörser mischt sich das scharfe Knallen der Feldkanonen. Mauern stürzen unter dieser heftigen Kanonade ein, Türme fallen zusammen, Gebäude geraten in Brand, und Fahrzeuge werden vernichtet. Daneben werden Minen gelegt und wiederholt Angriffe und nächtliche Überfälle gemacht. Aber die Bürger Rigas sind aus zähem Holz. Von den polnischen Reitern haben sie wenig Nutzen, sie müssen sich auf sich selbst verlassen. Opferfreudig ziehen Meister, Gesellen und Lehrlinge in den Kampf; viele büßen ihr Leben ein, aber die Zurückbleibenden kämpfen unverdrossen weiter. Tagsüber fechten sie, nachts bessern sie die Schäden an den Festungswerken aus. Durch scharfe Gegenangriffe, geglückte Minenlegungen und intensives Feuer verstehen sie sich Respekt zu verschaffen. Die Kühnheit der Gesellen bereitet den Schweden unangenehme Überraschungen, und die geruhigen Kaufleute laden die Kanonen mit einer Gewandtheit, als hätten sie nie im Leben etwas anderes getan. Sie sind aller Bewunderung wert, diese selbstbewußten Bürger, die bis zum Äußersten für ihre Stadt und ihre Privilegien kämpfen.
Aber trotz ihrer Tapferkeit können sie nicht hindern, daß die Schweden sich näher an die Stadt heranarbeiten, daß die Festungswerke zerstört werden und der Druck der Angreifer immer härter wird. Die Mineure von beiden Seiten sind einander inzwischen so nahe gekommen, daß sie sich auch unter der Erde gegenseitig
hacken und graben hören können. Manchmal stoßen sie aufeinander, und dann werden heftige Kämpfe ausgefochten, bei denen Hacke, Spaten und Handgranaten als Waffen dienen.
Am 30. August, nachmittags um 5 Uhr, sehen die Wachtposten von Riga plötzlich etwas, da sie hoch erfreut. Polnische Truppen rücken unter dem Feldherrn [Christoph; BW] Radziwill von der anderen Seite der Düna her zum Entsatz heran und machen Anstalt, den Übergang über den Fluß zu erzwingen. Die Bürger von Riga sammeln sich aufatmend auf den Wällen und bereiten sich darauf vor, das Unternehmen durch einen Ausfall zu unterstützen. Eine lange, erwartungsvolle Nacht hindurch geben die Belagerten sich den rosigsten Hoffnungen hin. Aber das klare Licht des heraufziehenden Morgen zerstreut die Nebel ihrer Illusionen. Die Schar, die Radziwill kommandiert, ist erbärmlich klein,[4] und ihre wiederholten Attacken werden von den Schweden mit Leichtigkeit abgewiesen. Schon gegen 1 Uhr am 31. August, also noch nicht vierundzwanzig Stunden nach seinem Anrücken, tritt Radziwill den Rückzug an und überläßt die Bürger von Riga ihrem Schicksal. Dies ist das letztemal in der Geschichte, daß die Polen ihre Macht über Riga geltend zu machen versuchen. Ihrem Einfluß auf diese Stadt ist ein Ziel gesetzt, ihre Herrschaft in diesem Teil der Ostsee steht vor dem Zusammenbruch. Als die polnischen Reiter am Horizont verschwinden und nur noch eine Staubwolke über der Ebene steht, werden die Bewohner Rigas von tiefer Enttäuschung ergriffen. Verraten und verkauft, fühlen sie sich verloren, wenn es ihnen nicht gelingt, sich selbst zu retten.
Als am Sonnabend, den 9. September, eben die Glocken zum Abendgottesdienst läuten, machen die Schweden heftige Vorstöße auf zwei der Außenwerke, das Sandrondell und die Jakobsbastion. Das Sandrondell wird von Gustaf Horns Nordländern überfallen, die Jakobsbastion von Baners, de la Chapelles und Muschamps Kompanien vom Hofregiment. Nun bekommt Johan Baner Gelegenheit, zu zeigen, wozu er taugt. Nachdem das Tor der Bastion durch eine Petarde gesprengt worden ist, stürzen die Angreifer durch die Öffnung hinein, stoßen die Verteidiger beiseite und erstürmen die Brustwehr. Von allen Seiten eilen die Bürger herzu, und ein heftiger Nahkampf entsteht. Der junge Fähnrich de la Chapelle fällt und mit ihm viele andere. Aber der Angriff geht weiter.
Der schwedischen Schar voran stürmt Johan Baner, er führt seine Leute auf altschwedische Art, kühn geht er dem Feind zu Leibe. Wer ihn so sieht, wird den Anblick lange nicht vergessen. Im Dämmerlicht des Abends steht der junge Hauptmann hoch oben auf der Brustwehr und treibt die Verteidiger mit dem Degen in der Hand zurück.
Aber je weiter die Schweden vordringen, um so härter wird auch der Widerstand. Das Musketenfeuer aus den Schießscharten nimmt zu, Steine und Balken werden auf die Stürmenden herabgeschleudert, Handgranaten explodieren, und Degen blitzen auf. Johan Baner wird verwundet und muß aus dem Feuer geführt werden. Viele seiner Soldaten fallen. Die Reihen der Schweden lichten sich. Von den heftigen Angriffen der Verteidiger bedrängt, müssen sie sich endlich zurückziehen. Das ist jedoch sehr beschwerlich, weil es inzwischen dunkel geworden ist. Der Überfall der Schweden ist allerorts zurückgeschlagen, nur am Sandrondell glückt es den Nordländern, eine von ihnen aufgeworfene Wehr zu halten.
Aber auch den Bürgern von Riga ist es schlimm ergangen, ihre Lage erscheint ihnen sehr ungewiß. Auf dem Rathause und in den Innungssälen wird die Situation mit steigender Unruhe besprochen. Gegen einen so entschlossenen, tatkräftigen Feind kann man sich nicht in alle Ewigkeit halten. Am 12. September erhält die Stadt ein Ultimatum Gustav Adolfs: sie soll kapitulieren oder sich auf einen umfassenden Sturmangriff vorbereiten. Blutiger Ernst steht hinter des Königs Drohung, ein großer, bis in alle Einzelheiten ausgearbeiteter Plan für den Sturmangriff liegt ihm vor. Die Situation erscheint den Bürgern von Riga ziemlich hoffnungslos. Das Artilleriefeuer auf die Wälle ist in den letzten vierundzwanzig Stunden so heftig gewesen und die Verluste auf seiten der Verteidiger sind so groß, daß die Soldaten bitten, hinausgehen und auf offenem Felde kämpfen zu dürfen, damit sie in Ehren fallen können und nicht wie Ratten in ihren Löchern sterben müssen.
Die Bürger sehen ein, daß sie einen erneuten Sturmangriff nicht aushalten können, sie wollen ihrer Stadt seine Schrecken ersparen. Sie haben mit Ehren gekämpft und ihre Pflicht getan.
Am 15. September kapituliert die Stadt, die Schlüssel werden dem schwedischen König übergeben, und am nächsten Tage, einem Sonntag, nachmittags um drei Uhr, hält Gustav Adolf seinen feierlichen Einzug in die Stadt. An dem Triumphzug nehmen drei Fähnlein Reiter und vier Regimenter Fußvolk teil. Auch Johan Baner, dessen Wunde nicht allzu schwer ist, erscheint im Zuge. Der Lärm der marschierenden Truppen mischt sich in das Läuten der Kirchenglocken. Um fünf Uhr ist die Feier vorüber. Die alte Stadtwache wird eingezogen und aufgelöst, die Schweden besetzen Wälle und Straßen. Schwedische Fahnen wehen über der alten Stadt. Am nächsten Tage, dem 17. September, wird in der Jakobskirche ein Tedeum abgehalten. In der schwedischen Predigt wird an die schwere Niederlage erinnert, die Karl IX. im Jahre 1605 an ebendiesem Tage bei Kirkholm von den Polen beigebracht wurde. Nach sechzehn langen Jahren ist dieser Schimpf nun ausgelöscht“.[5]
1623 war Muschamp Obristleutnant in Patrick Ruthvens Kalmar-Regiment, obwohl eine Quelle ihn bereits als Obrist bezeichnet. Er wird auch in Herman Wrangels Kronoborg-Regiment aufgeführt. Um 1626 war er Obristleutnant eines Kronoborg-Regiments. 1626 wurde er Obrist eines eigenen Regiments. Von 1627 bis 1629 führte er als Obrist ein Regiment der Småland-Infanterie. Während dieses Jahres wurde ein Großteil seines Regiments von Krankheiten heimgesucht und deswegen kehrte es im November dieses Jahres nach Schweden zurück. Gustav II. Adolf schenkte ihm 1627 Landbesitz in Småland und adelte ihn. 1629 wurde Muschamp Kommandant von Marienwerder,[6] nachdem die bisherigen polnischen Besatzungstruppen vertrieben waren. Allerdings hatte Muschamp große Schwierigkeiten bei der Versorgung seiner Garnison. Er starb am 6.9. dieses Jahres. Herman Wrangel unterrichtete Reichskanzler Oxenstierna über Muschamps Tod und teilte ihm mit, dass Major Carl Campbell[7] unterwegs nach Elbing sei, um Muschamp beisetzen zu lassen.
Sein Regiment wurde von David Drummond übernommen.
Muschamp hatte zwei Töchter, Margaretha und Isabella, die seine Besitzungen erbten. Margareth heiratete Obristleutnant Robert Bruce. Ein Portrait Muschamps von 1625 hängt in dem von Carl Gustav Wrangel erbauten Schloss Skokloster.
[1] MURDOCH, SSNE ID: 3168.
[2] Riga [Lettland].
[3] 1581; BW.
[4] Nach JUNKELMANN, Gustav Adolf, S. 254, 1.500 Mann; nach BERNER, Gustav Adolf, S. 206, „ein paar tausend Mann“.
[5] STECKZÉN, Baner, S. 47ff.
[6] Marienwerder [Kwidzyn, Kr. Marienwerder]; HHSPr, S. 133ff.
[7] Elbing [Elblag, Stadtkr.]; HHSPr, S. 45ff.