Maestro [Maistro, del Medicis, de Majestra; „Dalmeister“, „Demettro“], Lorenzo del

Maestro [Maistro, del Medicis, de Majestra; „Dalmeister“, „Demettro“], Lorenzo del; Obrist [ – 4.10.1636 bei Wittstock gefallen] Lorenzo Maestro [Maistro, del Medicis, de Majestra; „Dalmeister“, „Demettro“] war kaiserlicher Obristleutnant, Obrist und Generalfeldwachtmeister (15.5.1627).

1622 wurde er in der Oberen Pfalz einquartiert: „Am 29. März kam das aus 10 Komp. bestehende Rgt. z. Pf. Lorenzo del Maèstro mit 3 Komp. von Taus[1] nach Rötz.[2] Er brachte 20 lahme Pferde mit, 8 Pferde standen in Rötz. Einige Komp. bestanden nur aus Franzosen, so z. B. jene der Rittmeister Barau und Mohr vom Wald, Rittmeister Barau selbst sprach kein Wort deutsch. Er war mit 30 Pferden und 32 Mann bei dem Bürger Georg Raidt in Rötz einquartiert, zechte bei diesem für 105 fl und ließ sich zum Abschied 20 fl geben, zum Dank wurden dem Raidt Gegenstände im Werte von 35 fl entwendet. Rittmeister Mohr vom Wald war in Rötz mit 15 Dienern und 33 Pferden bei dem Bürger Achaz Weidner, der 77 fl Auslagen hatte. Rittmeister Vögele, ebenfalls in Rötz, war mit 19 Mann und 28 Pferden bei Hans Deigner, dessen Unkosten 135 fl betrugen. 65 Bürger von Rötz wurden durch diese 3 Komp. am 29. und 30. März um 3825 fl geschädigt. Die Reiter haben Frauen und Kinder geschändet, die Leute geschlagen und aus den Häusern gejagt, sie verschmähten das Fleisch von Mastochsen und Kälbern und verlangten Indiane (Truthahn) und Kapaune (verschnittener Masthahn) sowie Wein. Von diesem waren in der ganzen Stadt nur 2 Eimer vorhanden, so daß die Bürger gezwungen waren, solchen von dem Marketender zu kaufen und die Maß mit 2 fl zu bezahlen. Die oben genannte Komp. Barau kam am 31. März nach Schwarzenfeld,[3] von wo aus 40 Reiter am frühen Morgen des 1. April Wolfring[4] plünderten. In dem von dem Oberforstmeister Valentin Fuchs von Dornheim bewohnten Schloß lag eine bayerische salva guardia, die ebenso wie der erwachsene Sohn des Hauses durch Schießen und Schläge verjagt wurde. Die Reiter nahmen 7 Pferde, von denen 4 der Rittmeister Barau sich aneignete, 2500 fl Bargeld und andere Sachen im Gesamtwert von 8000 fl mit. Dies war die 5. Plünderung, welche Fuchs seit dem 21. September 1621 erlitt, der Gesamtschaden bezifferte sich auf 15000 fl. Als ein 2., ebenfalls aus 10 Komp. bestehendes Rgt. z. Pf. des Oberst Lorenzo del Maèstro am 6. April bei Waldmünchen[5] ankam und durch unmenschliche Gewalttätigkeiten die Bevölkerung zur Verzweiflung brachte, rotteten sich 500 Bauern der dortigen Gegend zusammen und schlugen 100 Reiter in die Flucht. Auch in diesem Rgt. waren einige französische Komp., welche mit den deutschen Komp. in offener Fehde lebten, so daß es sogar zu Schießereien kam“.[6]

„Seit dem Jahr 1623 hörten die Einquartierungen von Truppen der unterschiedlichsten Parteien in der Grafschaft Bentheim nicht mehr auf. So heißt es in der Rechnung des besagten Neuenhauser[7] Rentmeisters, am 18. August 1623 sei ‚von der Keyserlichen Armada hierin zu liggen kommen der Obrister Lorenzo del Maistro‘. Weiter wird berichtet, daß die kaiserlichen Regimenter aus Uelsen,[8] Veldhausen[9] und Neuenhaus zwar am 29. August 1623 wieder abgezogen seien, doch rückten sofort wieder drei neue Kompanien in die Stadt Neuenhaus ein“.[10]

Im Oktober 1623 lagen zwei Kompanien des Regiments im Diezer[11] und Hadamarer[12] Land. „Der im Diezischen liegende Rittmeister ließ sich wöchentlich 140 Reichstaler auszahlen und verlangte zusätzlich noch die Lieferung eines fetten Ochsen und – zum persönlichen Gebrauch – eines Ohms Wein. Als [der Diezer Rat Dr. Martin; BW] Naurath gegen diese ungewöhnliche Forderung opponierte, drohte der Rittmeister, ihn und seinen Sohn, den damaligen Diezer Keller Hermann Naurath, erschießen zu lassen, falls seiner Forderung nicht entsprochen würde. So sah der Amtmann sich wohl oder übel gezwungen nachzugeben“.[13]

„Eine Feuersbrunst legte in der Nacht zum 8. November [1623; BW] mehr als die halbe Stadt Haiger[14] in Schutt und Asche. Das Brandinferno war durch unvorsichtiges Hantieren mit den Leuchtern im Quartier des Rittmeisters ausgebrochen. Rittmeister von Lülsdorf [Luilsdorf; BW] sollte am nächsten Tag mit seiner hier einquartierten Kompanie vom Regiment Don Lorentzo del Mestro [Maestro; BW] die Stadt verlassen. Durch den starken Nachtwind konnte sich das Feuer schnell zu einem Großfeuer ausbreiten, so daß in nur drei Stunden 70 Gebäude, darunter 40 Wohnhäuser, ein Stadttor nebst Stadtturm und alles Hab und Gut eingeäschert wurden und Teile der Stadtmauer einstürzten. 250 Einwohner waren hiervon betroffen, wobei der Tod eines Kindes zu beklagen war. Graf Ludwig Heinrich, Sohn und Nachfolger von Graf Georg, taxierte den Schaden auf 50.000 Gulden. An anderer Stelle wird die Höhe des Schadensregulierung mit 500.000 Gulden angegeben“.[15]

Der Schweriner[16] Dompropst und Ratzeburger[17] Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium: „Laurentius de Medicis, Ducis Florentiae filius, ist vmb diese Zeit durch Teutschland, dasselbe zu besichtigen gereiset vnd ist den 17. Octbr. [1626; BW] zu Wathlingen[18] bei Julio Brunmarretig vber Nacht vf seinem Hofe gelegen; ist des andern Tages in Zelle[19] mit wenigem Comitat[20] eingelassen, aber nicht zur fürstlichen Tafel herauf gefordert worden“.[21]

Und unter November 1626 heißt es bei Estorf: „Lorenz de Majestra, [durch] einen Bohemischen Ob.-Lieutenant gefangen nach Trenschin[22] geführet worden“.[23] 1626 hatten ihn seine eigenen meuternden Soldaten in Ungarn zusammen mit Schlick an Bethlen Gábor von Siebenbürgen ausgeliefert; ihre Auslösung verschlang 100.000 Rt.

Am 10.11.1627 zog er mit Wallenstein[24] in Frankfurt (Oder)[25] ein und blieb nach dessen Abzug als Garnisonskommandant zurück.[26]

Del Maestro fiel 1636 in der Schlacht bei Wittstock.[27]

[1] Taus [Domažlice]; HHSBöhm, S. 598ff.

[2] Rötz [LK Cham, OPf.]; HHSD VII, S. 649.

[3] Schwarzenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 686.

[4] Wolfring, heute Ortsteil von Fensterbach [LK Schwandorf].

[5] Waldmünchen [LK Cham]; HHS VII, S. 785.

[6] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 35 (die umfassendste Darstellung der Kriegsereignisse in der Oberen Pfalz).

[7] Neuenhaus [Kr. Grafschaft Bentheim]; HHSD II, S. 340.

[8] Uelsen [Kr. Grafschaft Bentheim]; HHSD II, 454.

[9] Feldhausen, heute Stadtteil von Bottrop.

[10] STEINWASCHER; RÖTRIGE, Krieg, S. 40.

[11] Diez [Unterlahnkr.], HHSD V, S. 75f. Vgl. KELLER, Drangsale, S. 49.

[12] Hadamar [Kr. Limburg]; HHSD IV, S. 194f.

[13] HECK, Naurath, S. 109.

[14] Haiger [Dillkreis]; HHSD IV, S. 196f.

[15] GAIL, Krieg, S. 12.

[16] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[17] Ratzeburg [Kr. Herzogtum Lauenburg]; HHSD I, S. 216f.

[18] Wathlingen [LK Celle]; HHSD II, S. 478.

[19] Celle; HHSD II, S. 94ff.

[20] Begleitung, Hofstaat.

[21] DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium S. 51.

[22] Trentschin [Trenčín; Oberungarn, (deutsch Trentschin, ungarisch Trencsén, lateinisch Laugaricio) heute Westslowakei nahe an der Grenze zu Tschechien.

[23] DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium S. 52.

[24] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[25] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[26] GRIESA, Frankfurt/O., S. 11f.

[27] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 710; SCHMIDT, Schlacht, S. 79. 24.9./4.10.1636: Schwedische Truppen (9150 Berittene und 7228 Infanteristen) unter Johan Banér schlagen die kaiserlich-sächsischen Truppen (9000 Berittene und 9000 zu Fuß) unter Melchior von Hatzfeldt. Dadurch konnten die schwedischen Kontributionsgebiete wieder ausgeweitet werden; Banér hatte bewiesen, dass mit Schweden als Militärmacht in dieser Kriegsphase wieder zu rechnen war. Vgl. die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; ferner HÖBELT, Wittstock.

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