Löwenstein [Löwenstain, „Liebenstein“, „Lobenstein“, „Lowenstein“], Hans Ludwig von

Löwenstein [Löwenstain, „Liebenstein“, „Lobenstein“, „Lowenstein“], Hans Ludwig von; Obrist [ – ] Löwenstein war ursprünglich kurbayerischer Obrist[1] und führte ein Kürassierregiment, das Leibregiment von Götz. Im März 1639 umfasste sein Regiment 987, im November 1640 1.054 , 1642 1099 Mann.[2]

„Auch Höchstädt[3] und Gundelfingen[4] hatten in diesen Monaten viel Volk im Quartier. Mitte März [1639] trat eine Erleichterung ein. Infolge der unablässigen Bemühungen der Neuburger[5] Regierung wurden am 14. März die Pappenheimer von Lauingen[6] abgeführt; aus Höchstädt wurde die Löwenstein’sche Kompagnie und der halbe Stab und aus Gundelfingen eine halbe Kompagnie ausquartiert – Lauingen hatte von da ab noch 3 Kompagnien mit insgesamt 220 Mann innerhalb seiner Mauern. Die Haslang’sche Kompagnie wurde nach Günzburg[7] verlegt und von dort Hauptmann Reischl mit seiner Kompagnie nach Lauingen beordert. Die Stadt machte dabei schlechte Geschäfte, denn sie hatte infolge dieses Tausches, gegen den sie sich mit Recht, aber vergeblich gesträubt hatte, monatlich 500-600 fl. Mehrauslagen. Beim Auszuge verlangten die Haslang’schen Offiziere auch noch den Sold vom 1.-15. Januar, im Betrag von 337 fl. 45 kr., obwohl sie um diese Zeit gar nicht in Lauingen gewesen waren. Die Sache wurde später zu Gunsten der Stadt entschieden. Auch in Höchstädt hatte Oberst von Löwenstein sich derartige Überforderungen zu schulden kommen lassen. Kriegs-Commissarius Alexander Pittinger erhielt deshalb vom Kurfürsten Maximilian einen strengen Verweis, weil es seine Pflicht gewesen wäre, diese Missbräuche abzustellen“.[8]

Am 25.8.1640 berichtete Piccolomini von einer am 21.8.1640 in der Grafschaft Waldeck gelieferten Schlacht. Die kaiserliche Armee befand sich auf Proviantsuche und war weit zerstreut, Banér hielt seine Gelegenheit für gekommen, vereinigte sich mit den Hessen und Lüneburgern und erreichte so eine Truppenzahl von 40000 Mann; am 19.8. überschritt er bei Münden[9] die Fulda und trat den Marsch in die Grafschaft Waldeck an. Am nächsten Tag machte er zwei Marschstunden vor den Kaiserlichen Halt. Mit einem Kanonenschuss rief Erzherzog Leopold Wilhelm zu den Waffen und übergab Piccolomini das Kommando. Die Soldaten sammelten sich rasch und diszipliniert und begannen ihre Stellungen zu befestigen. Am 21.8. um 8 Uhr morgens besetzte der Gegner einen durch einen Wald günstig gedeckten Hügel auf seinem rechten Flügel. Piccolomini schickte eine Abteilung Dragoner zur Erkundung hin, diese aber überfiel auch noch den Gegner und verjagte ihn. Der dort kommandierende Longueville schickte ein Regiment gegen die Kaiserlichen ins Feld, Piccolomini betraute Soye mit der Verteidigung. Daraufhin verstärkte der Gegner das angreifende Regiment mit zwei weiteren. Soye, unterstützt von der bayerischen Reiterei unter Caspar von Mercy und den Obersten Kolb und Liebenstein [Löwenstein; BW], fiel den Gegner mit solcher Wucht an, dass dieser auf dem linken kaiserlichen Flügel das Schlachtfeld verließ. Jetzt gab Piccolomini den Befehl zum allgemeinen Angriff. Die Kroaten mit Suys beteiligten sich an ihm und verfolgten die flüchtenden Schweden. Banér wurde gesehen, wie er mit gezogenem Schwert seine Soldaten an der Flucht hindern wollte. Die Kaiserlichen machten erst bei Wildungen[10] Halt, wo sie die Gefangenen zusammenzogen. Nun rücken Hatzfeldt und Wahls Truppen heran.[11] Bei dem Teilnehmer Augustin von Fritsch heißt es: […] da Wür hunburg[12] schon Innengehabt, von darauß sein wür vf Frizlar[13] gangen, alda wür vnß verschanzt, da dann den dritten Tag General Bannier mit seiner Armee von Casel[14] hero bey vnnß ankhommen, Vnweit vnsern Läger sich präsentirt, vnnd sich in gesicht vnser in Petali gestelt, da wür dann nicht anderst vermeint er werde vnß angreiffen, hernacher hat er wider angefangen zu marchirn, vnd ist neben vnser Armee vf einen sehr hohen Berg gezogen, da dann von Vnsern Völckhern 3000. Mann zue Fueß, vnderm Commando, deß Generalwachtmaisters Freyherrn Söue [Soye; BW], vnnd herr Obrist von Löwenstain, mit 1000. Pferdten Im disen Berg zuuerwöhren Comandirt worden, sein aber nach harten vnd lagen gefecht den Berg von dem Feind herunter geiagt worden, daryber vill Reutter vnd Fueßvolckh, neben herrn Generalwachtmaister Söue gebliben“.[15]

Der Hildesheimer[16] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 14./24.8.1641: „Geschah bey der Asseburg[17] eine starke Recontre, da die Weymarschen 2000 Kayserl. auscommandirte Reuter geschlagen. Der Obrist Lowenstein, Obr. Goldacker, 2 Obristwachtmeister, 10 Rittmeister, worunter der junge Graf Broy [Bruay; BW], 16 Leutnand, 6 Cornet und viele Gemeine gefangen eingebracht. Übrige bis in Hornburgk[18] verfolget. Von den Weymarschen der obr. Graf von Nassau [Wilhelm von Nassau-Katzenelnbogen-Siegen; BW], Obr. Miller, 2 Rittmeister, der Grãl.-Wachtmeister Broy wird unter den Todten gesucht“.[19]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet dazu: „Gen. Feld-Wachtmeister Graf von Bruay wolte seine Fortune mit 2000. Pferden auch versuchen / er wurde aber rencontrirt / und ihme 2. Rittmeister die sich im Außzug verspätet hatten / abgefangen / die beym Trunck / wie starck die Parthey / und was ihr Intent sey / sich außkundschafften liessen. Man gienge auff die Parthey noch selbige Nacht mit genugsamer Reuterey und einem Regiment zu Fuß / und wurden beyde Theil bey der Asse oder Asseburg / die auff kleiner anderthalb Meilen Hornburg liget / ansichtig. Ob nun nwol die Käiserl. sich starck übermannet gesehen / haben sie doch redlich gefochten / unangesehen  sich endlich der Uberrest nach Hornburg retiriren müssen. Es blieben in dieser Rencontre zwar nicht über 100. Reuter beyderseits / aber wie oben erzehlter massen den Königsmarckischen 400. Pferden widerfahren / also musten auch die jetzige Käiserl. von ihren Pferden springen / dieselben im Stich lassen / und sich ins Gehölze salviren. Der Obriste Löwenstein und 3. Obriste Lieutenant / unter denen der kürzlich noch abgewesene Brandenburgische Obrist-Lieutenant Goldacker sich befunden / wurden neben 10. Rittmeistern / 16 Lieut. und 6. Cornetten mit vielen Unter-Officirern darüber gefangen / deßgleichen ihre meiste Dragoner niedergemacht / über 800. reisiger Pferde bekommen / und viel Dragoner gefangen genommen. Auff der Unirten Seiten blieben Herr Graf Wilhelm Otto von Nassau / Weymarischer Armee Condirector, und Herr Johann Müller Obrister / der Graf an einem Auge / Müller aber oberhalb Gemächtes hineingeschossen worden / und wurden beyde sehr betauret. Die Käiserl. holeten nächsten Tages ihre Revange, und brachten auch bey nahe 800. Fourragier-Pferd davon / Daß also der Adler in mitten deß Unfalls noch einen guten Stern / in dieser seiner Expedition gehabt: Wie dann auch die Käiserl. Alfeld[20] / Gronau[21] und Gandersheim[22] besetzet / und an den ersten zweyen anfiengen gleichsam Real-Vestungen darauß zumachen : davon nächst oben auch angereget“.[23]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold aus dem von Eger[24] abhängigen Marktredwitz[25] erinnert sich an den Januar 1642: „Den 25. Januar ist hier Bericht eingelangt, daß 25 kaiserliche und churbayerische Regimenter im Marsch auf Hof[26] und dann weiter in die Winterquartiere begriffen [seien. Daraufhin] haben wir solches nit allein einem edl[en], e[hrenfesten], hochweisen Rat der Stadt Eger berichtet, sondern auch gebeten, daß sie uns mit Salva Guardi[a] versehen wollten. Ehe aber der Bericht von Eger angelangt, sind vom Löwensteinischen Regiment 130 Reiter – die meisten zu Fuß – mit ihrem Kommandanten, einem Kapitänleut(e)nant, hier angelangt. Ihnen ist vor das Tor hinaus Bier und Brot gereicht worden. Die Offiziere(r) aber sind hereingelassen und gespeist worden. Obwohl sie vorgegeben haben, selben Tag noch auf Fuchsmühl[27] zu marschieren, sind sie doch – weil das Wetter so bös [war] – nit weiter als bis Pfaffenreuth[28] gekommen. Doselbst [haben] sie sich eingelegt und [sind] über Nacht verblieben. Ich kam zu ihnen hinauf und bat sie, gut[es] Kommando zu halten, was dann auch geschehen [ist]. Des andern Tags früh sind sie auf[gebrochen] und gegen Wiesau[29] [ge]gangen“.[30]

Am 16. Februar [1642] bekam Lauingen einen Kapitänleutnant vom Löwenstein’schen Regimente mit etlichen Knechten ins Quartier. Dieselben blieben bis 15. Mai und verursachten der Stadt Unkosten im Betrage von 4000 fl“.[31] Im März 1642 bezog das Regiment Winterquartiere in der Oberen Pfalz.[32]

Im August 1646 berichtete Montecuccoli Hatzfeldt, Löwenstein sei wegen Disziplinlosigkeit verhaftet worden.[33]

Anfang 1648 nahm Montecuccoli, der mit seiner Kavallerie um Frankfurt/M.[34] logierte, dier Regimenter Pompejo und Löwenstein auf und erreichte Aschaffenburg.[35] Der Graf von Hanau hatte ihnen notgedrungen den Durchzug gestattet. Die Regimenter versammelten sich im Stift Fulda und in Unterfranken nördlich des Mains, während das Hauptquartier in Hammelburg[36] aufgeschlagen wurde. Die letzte Phase des Dreißigjährigen Krieges, gekennzeichnet durch den Rückzug der kaiserlich-bayerischen Armee unter Holzappel und Gronsfeld hatte begonnen.

[1] Vgl. auch Könnecke, Quellen II, S. 270, 315-317, 346.

[2] KAPSER, Kriegsorganisation, S. 223, 224, 227.

[3] Höchstädt a. d. Donau; HHSD VII, S. 301f.

[4] Gundelfingen; HHSD VII, S. 257ff.

[5] Neuburg a. d. Donau; HHSD VII, S. 497ff.

[6] Lauingen; HHSD VII, S. 396f.

[7] Günzburg (Schw.); HHSD VII, S. 259.

[8] RÜCKERT, Lauingen II, S. 20.

[9] Hann. Münden; HHSD II, S. 333f.

[10] [Bad] Wildungen; HHSD IV, S. 35ff.

[11] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1074; ferner Nr. 1076.

[12] [Bad] Homburg v. d. Höhe; HHSD IV, S. 23ff.

[13] Fritzlar [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 149ff.

[14] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[15] FRITSCH, Tagbuch, S. 171f.

[16] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[17] Asseburg [Gem. Wittmar, Kr. Wolfenbüttel], HHSD II, S. 20f.

[18] Hornburg [Kr. Wolfenbüttel]; HHSD II, S. 243f.

[19] SCHLOTTER, Acta, S. 349.

[20] Alfeld; HHSD II, S. 5f.

[21] Gronau; HHSD II, S. 184.

[22] Gandersheim; HHSD II, S. 158ff.

[23] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 597.

[24] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[25] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.

[26] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[27] Fuchsmühl [LK Tirschenreuth].

[28] Pfaffenreuth, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[29] Wiesau [LK Tirschenreuth]

[30] BRAUN, Marktredwitz, S. 157.

[31] RÜCKERT, Lauingen II, S. 29.

[32] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 214.

[33] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 263.

[34] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[35] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.

[36] Hammelburg; HHSD VII, S. 268ff.

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