Koglewitz [Keglevič, Keglewich, Kegleritz, Kechleritz, Keglwitz], Peter, eigentlich Kokořovec z Kokořova, Jiři Petr

Koglewitz [Keglevič, Keglewich, Kegleritz, Kechleritz, Keglwitz], Peter, eigentlich Kokořovec z Kokořova, Jiři Petr, Graf von; Obrist [ – ] Koglewitz, Kroatenobrist,[1] so sein eingedeutschter Name, nahm an Holks 1. Zug nach Sachsen teil.

„Die vereinten Heere Wallensteins und Maximilians von Bayern wandten sich nach Norden mit dem urspünglichen Plan, den sächsischen Kurfürsten Johann Georg in Dresden[2] anzugreifen. Schon vorher, bereits in den ersten Augusttagen, hatte Wallenstein den Generalfeldzeugmeister Heinrich Holk damit betraut, bei Forchheim[3] ein festes Lager zu beziehen, um die Flanke der schwedischen Stellungen abzudecken und den Weg nach Böhmen offenzuhalten. Am 10. August 1632 bekam Holk, mit gleichzeitiger Ernennung zum Feldmarschall-Leutnant, den Befehl, mit ca. 12 000 Mann nach Sachsen einzurücken, zur ‚Bestrafung‘ des sächsischen Kurfürsten, dessen Truppen unter Generalleutnant Hans Georg von Arnim nach Schlesien und in die friedländischen Herrschaften Sagan[4] und Großglogau[5] eingedrungen waren“.[6] In der Regimentsliste des Hofer[7] Amtsschreibers, der am 25.8.1632 eine Regimentsliste nach Kulmbach[8] einsandte, war auch das von ihm geführte Kroaten-Regiment aufgeführt.[9]

Er war Anfang 1633 kaiserlicher Obrist eines ungarischen Kroatenregiments,[10] das 1633 von Stephan Petrositz übernommen wurde, und in Liebenstein[11] einquartiert.

„Auf Anordnung Wilhelms von Weimar versammelte Taupadel im April 1633 seine Truppen um Hof[12] und schloß sich mit dem kursächsischen Obristen Dietrich von Taube zusammen. Beide Obersten unterstützten sich nun in ihren Operationen im Fichtelgebirge. Zusammen zählten sie etwa 2000 Reiter. (Huschke, S. 114). Wie wir bereits erfahren haben, konnte das kleine Corps das Kroatenregiment des Marcus Corpes am 8. April bei dessen Rückmarsch von Weismain[13] abfangen und ihm eine empfindliche Niederlage zufügen (s. S. 148), nachdem bereits Anfang Februar der Taupadel’sche Oberstleutnant Reinhold von Rosen gegen Corpes’sche Streiftruppen in der Gegend von Burgkunstadt[14] und Weißenstadt[15] erfolgreich war. Zu diesem Zeitpunkt hatte der kaiserliche Feldmarschall Heinrich Holk mit starken Truppenverbänden um Eger[16] Stellung bezogen. Als Taupadel Nach-richt bekam, daß sich die Kroatenregimenter Paulus Orossy (genannt ‚Horatius‘), Daniel Beygott und Peter Graf Keglewich als Teil der Holk’schen Truppenverbände in der Nähe von Arzberg[17] logiert hatten, brach er am 15./ 25. April mit 40 Cornets Reitern von Hof auf, zog über Kirchenlamitz[18] nach Arzberg und überfiel in den Morgenstunden des 16./26.4.1633 die Regimenter Orossy in Arzberg und Keglewich in Schlottenhof.[19] Das Regiment Orossy wurde ‚dergestalt ruiniert, daß von vierhundert Mann, so es effective stark gewesen, über zwanzig nicht das Leben davon gebracht. Ohne was von des Obristen ‚Kegelwitzen‘ Regiment im Lauffe geblieben‘. Der Kroatenoberst Paul Orossy wurde gefangengenommen und 8 Cornets (in diesem Fall Kompaniestandarten) erobert. Das Quartier des Regiments Beygott in Fischern[20] war nicht bekannt geworden, so daß dieses entwischen konnte. Drei in der Nähe lagernde Kürassierkompanien vom Alt-Sächsischen Regiment (Regiment Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg unter Oberstl. Albrecht Gaston Spinola, Gr. von Bruay) ließ der Obristleutnant vom Regiment Taube entwischen. (Chemnitz II, S. 111; Braun/Leopold, S. 31)“.[21]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold aus dem von Eger[22] abhängigen Marktredwitz,[23] der sehr ausführlich die Einquartierung der Kroaten schildert, erinnert sich an den Anfang des Jahres 1633: „Hernach kam der Ober[st] Forgatsch [und] nahm sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Thiersheim,[24] [Markt]leuthen[25] und Kirche[n]lamitz.[26] Der Ober[st] Beygott hatte sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Fischern[27] und Markhausen.[28] [Der] Ober[st] Orossi Paul [war] mit seinem Regiment Kroaten zu Mühlbach[29] und Kunreuth,[30] Ober[st] Koglewitz mit seinem Regiment Ungarn zu Liebenstein,[31] Ober[st] Corpes, welcher diese Regimenter alle kommandierte, nahm das Quartier mit seinem starken Regiment Kroaten zu Arzberg[32] [und ver]teilte sein Regiment auf die [folgenden] Dörfer: ein Kornet[t] nach Grafenreuth,[33] ein Kornet[t] nach Korbersdorf,[34] ein Kornet[t] nach Lorenzreuth,[35] ein Kornet[t] nach Haag,[36] zwei Kornet[t] nach Brand[37] [und] ein Kornet[t] nach Seußen.[38] Die übrigen hatte er bei sich. Als sie sich nun solchergestalt in die Quartiere verteilt hatten und der Regimenter viel waren, hingegen die Quartiere eng, auch darin[nen] wenig zum besten, haben diese Völker ausgesetzt weit und breit im Land. Da ging es dann im ganzen Land abermals jämmerlich her, denn diese Völker hatten gute, geschwinde Pferde. Da war auf 12 oder 15 Meilen nichts sicher vor ihnen. In solcher Ferne plünderten sie aus Städten und Märkten und rissen den Männern sowohl die Weiber [als] auch ihre Jungfrauen und Töchter von ihren Seiten und führten sie mit sich in ihre Quartiere. Solch trauerige Herzen, die uns sehnlich von ferne angesehen und [an]geseufzet, haben wir fast täglich vor Augen gehabt und vorüberführen sehen. Aber da war bei diesen barbarischen Völkern keine Rettung. Da war kein Tag, [daß] man [nicht] hörete, [daß] da und dort dieser oder jener erschossen, erhauen oder sonst zu Tode gemartert worden ist. Da war ein Winseln, ein Schreien, Händewinden und Haarausraufen; bald von Männern, bald von Weib[ern] und Kindern. Ach mein Mann, ach mein Vater ist erschossen, erhauen oder gefangen mitgeführet worden ! Ach mein Weib, meine Tochter, meine Mutter, meine Schwester haben sie mit hinweggeführet, zu Tod[e] gemartert, hernach ins Wasser geworfen ! Ach, wie haben die Frommen ihre Häupter emporgehoben und nach einem seligen Ende geseufzet ! Und obwohl wir allhie[r] Tag und Nacht bei diesem jämmerlichen Zustand in Gefahr und Sorgen vor diesen fremden fremden Völkern standen, so hat doch Gott der Allmächtige seine starke, schutzreiche Hand über uns so gnädiglich gehalten, daß wir’s ihm nicht genugsam(b) (ver)danken können. Denn der Kommandant zu Eger, Herr Ober[st] Adelshöffer [Adelshofen; BW], von welchem diese Regimenter alle Order holen und erwarten mußten, (der) hielt uns mächtigen Schutz und band ihnen ernstlich ein, sie sollten sich an Rebitz – welches sein Quartier [war] und zur Erhaltung seines Regimentes kontribuieren mußte – ja nit vergreifen. Obwohl wir des Adelshöffers Regiments-Proviantmeister mit etlichen Musketieren zur Besatzung und Salva Guardi[a] hatten, die uns vor allem Anfall defendieren sollten, so haben wir doch zur (Ver)sicherung auch bei Herrn Ober[st] Corpes etliche Kroaten ausgebracht und zu unserem Dienst gebraucht, damit, wann die Parteien, [die] so stark hin- und hergeritten [sind], etwas begehrt und haben wollten, (daß) sie auf ihre Sprache mit ihnen reden und antworten konnten. Denn da sparten wir keine Unkosten, weder Geld noch Geldeswert. Da zogen wir alles hervor und gaben willig und gerne alles, was wir hatten den(en) Obersten, die uns [in] dieser Zeit geschützt haben. Unsere Tor[e] mußten wir zugesperret haben Tag und Nacht und fleißig wachen, denn allernächst an den Toren wurden die Leut[e] ausgezogen, niedergehauen und beschädigt. Und durfte sich also niemand außerhalb auf dem Lande ohne starke Konvoi sehen und betreten lassen. Deswegen die Bauersleut um(b) uns sich mit Weib, Kind und Vieh – was sie noch hatten – wieder herein zu salvieret [haben]. Und ist dies gar gewiß, daß sie solche vergiftete Waffen hatten, daß, wer nur ein wenig von ihnen beschädigt wurde, der mußte daran sterben, er trieb’s gleich lang oder kurz.

Als im Anfang die Kroaten in die Quartiere kamen, schickte der Ober[st] Beygott Schreiben anher[o], daß unsere Herren alsbald(e) nach dessen Verlesung sich aufmachen und noch selben Tag[s] bei ihm in seinem Quartier in Markhausen erscheinen sollten. Und do solches in puncto nicht geschehe, sollten wir von ihm nichts anderes als Feuer und Schwert zu erwarten haben. Daher(o) [haben] sich abordnen lassen: He[rr] Friedrich Wuttig, Bürgermeister, He[rr] Hans Georg Steinl, Richter und He[rr] Hektor Hagius, Gerichtsschreiber. Und als sie sich zu [= bei] ihm [ein]gefunden im Dorf Markhausen, hat der Ob[e]r[st] von ihnen über Bier, Fleisch und Brot [hinaus] an Geld [noch] begehret 100 Reichstaler. In langer [Ver]handlung ist es auf 60 Taler kommen. Und weil(n) er sie von dannen nit [hat] lassen wollen, er habe denn das Geld, als[o] sind beide Herren, als[o] Wuttig und [der] Gerichtsschreiber, auf Hohenberg[39] zum Kommandanten daselbst, welcher ein Hauptmann unter dem Adelshöffer [war]. Der bewilligte, das Geld herzuleihen. Unterdessen haben sie Herrn Steinl, [den] Richter, bei den Kroaten, bis sie mit dem Geld kamen, gefangen zurück (hinter)lassen.

Inmittelst ist von dem großen Regenwetter das Gewässer so groß gewachsen, daß sie nicht zusammenkommen konnten. Und ehe solches gefallen, haben die Kroaten Ordonanz bekommen, daß von ihnen 2 Komp[anien] in Böheim(b) [ein]marschieren sollten. Dieselben nahmen unsern Herrn Richter, warfen ihn auf ein Pferd und führten ihn anstatt des Geldes gefänglich mit davon. Und als sie nun mit ihm zu Eger vorüber wollten und sie sich in der Vorstadt etwas aufgehalten, da sahen dann die egerischen Bürger, daß sie (ihn) He[rrn] Richter gefänglich mitführten. Sie zeigten solches alsbald dem Kommandanten an. Der schickte geschwind etliche Offiziere(r) hinaus und läßt ihn mit Gewalt wieder hinwegnehmen und in die Stadt bringen. Da [war] denn der Kommandant sehr übel zufrieden, daß sich unsere He[rren] Abgeordneten ohne sein [Vor]wissen hinausbegeben hatten; aber es war [eben] geschehen.

Die Kroaten aber, die es damals nit anders(t) machen konnten und geschehen lassen mußten, gaben zwar Drohwort[e] aus und wollten es zu gelegener Zeit schon rächen, wie denn bald hernach(er), als selbiges Regiment neben noch anderen 3 Regimentern Kroaten auf uns zu marschierte und einen Trompeter voraus geschicket und zu wissen begehret, ob man ihnen das versprochene Geld wollte geben. Wo nit, so wüßten sie solches an jetzo selbst zu zahlen. Aber unser Proviantmeister sprach nit allein dem Trompeter, sondern auch den Kroaten zu, es wäre ihm von seinem He[rrn] Obersten ernstlich geboten, daß die Rebitzer ohne sein Wissen und Verwilligung niemand weder Geld noch Proviant geben sollten. Doch wollte er (solches) an seinen He[rrn] Ob[e]r[st] nach Eger berichten, ob sie ihnen was geben sollten oder nit. Inmittelst sollte der kroatisch[e] Ober[st] seinen Regimentsquartiermeister so lang, bis der Bericht zurückkäme, allhier (hinter)lassen. Als nun der Bericht kam, wurde uns nit allein verboten, nichts zu geben, sondern der Kommandant schrieb auch den Kroaten charf, so sollten Rebitz unbedrängt lassen. Wollten sie dann [noch] was Widerwärtiges wider sein (Ver)hoffen vernehmen, wüßte er sie bei Kais[erischer] Majestät schon zu finden. [Er] wollte sie also hiermit treulich verwarnet haben.

Dieser Bericht gefiel den hinterbliebenen Kroaten aber nicht und murreten also davon. Aber lang hernach führte sie der Teufel wieder her. Da mußten wir Gott danken, daß sie das Geld von uns mit Willen annahmen und sonst nichts Feindliches tentierten; denn der Adelshöffer war [zu] selber Zeit nit mehr in Eger. Dieser Adelshöffer hielt herrlichen Schutz über uns. Er ließ uns nit gern in Not geraten, denn sobald Volk in der Nähe im Marsch war, hat er (solche) Vorsorg um(b) uns getragen und uns bisweilen 30 bis 50 Dragoner und Musketiere(r) zur Defension herausgeschickt. Aber bei ihm war auch Geld die Losung. Wir mußten ihm steif in die Büchsen blasen. Er war ein junger, tapferer und gelehrter Herr. Einesgleichen ist nach ihm nit mehr auf Eger [ge]kommen.

Dieser Zeit sind etlich wenig Polacken zu Münchberg[40] eingefallen und haben geplündert. Weil sich dann die Münchberger auch bedenken ließen, es wäre ihnen ein[e] Schand[e], daß sie sichj von solch[en] wenig[en] Leuten sollten tribulieren lassen, wollten [sie] ihren Mutwillen nit gestatten, fallen dieselben an, erschlagen nit allein derselben (bei) 10 oder 8 und nehmen ihnen etliche Pferde, sondern, weil sie auch sahen, daß die Polacken hübsch stark und fett [waren], haben sie etliche Riemen aus dem Leib geschnitten und sind übel mit ihnen um(b)gangen. Aber sie mußten nit allein die Pferde wieder zurückgeben, sondern es wurden auch um(b) dieswillen viele zu Boden gehauen und [es wurde] wieder übel mit ihnen gehauset. Wie dann lange Zeit niemand hat doselbst wohnen und bleiben können, bis diese Völker sich wieder aus dem Land gemacht.

Am heiligen Ostertag neuen Kalenders sind die 4 Regiment[er] Kroaten in ihren Quartieren auf[ge]brochen, hier vorüber und gegen Kemnath zu [gezogen]. Den 16. Mart[ii] haben die Kai[serischen] Völker die Stadt Creußen[41] abgebrandt. Den 29. dito hat der chursächsische Oberst(e) Daube [Taube; BW], so bishero in der Stadt Hof und Plauen[42] (nit allein, sondern) mit etlichen sächsischen Völkern gelegen, das Kaiser[ische] Forgatzische Regiment Kroaten in ihren Quartieren zu Kirche[n]lamitz,[43] Leutten [= Marktleuthen] usw. überfallen und gute Leut[44] gemachet. Dahero die anderen Kroaten auch nit große Lust [hatten], länger zu bleiben; wie dann der Oberst Corpes den 4. Apr[il] zu Arzberg mit den übrigen auch aufgebrochen und nach Schlesien zu marschieret [ist]. Dieser – der Kroaten Aufbruch – hat in unserer Gegend große Freude verursacht; so aber nit lange gewähret, denn [es haben] sich bald andere Gäste herbeigefunden. Denn den 9. April [ist] der schwedische Ober[st] Rosen vor die Stadt Wunsiedel[45] [ge]kommen und [hat] hineinbegehret. Als ihm solches abgeschlagen, hat er die Stadt ersteigen lassen, die Kaiser[ische] Salva Guardi[a] herausgenommen und gefangen mit hinweggeführt; welches die Wunsiedler bei dem Kaiserischen Oberst(en) auch verdächtig und ihnen kein Gut bringen wollte“.[46] […] „Als nun die Schwedischen (in) etwas von uns gewichen und wir aufs Neue bei He[rrn] Ober[st] Adelshöffer um(b) Schutz und Salva Guardi[a] angehalten, (da) fanden wir keine Gnad[e] mehr bei ihm. Er schalt uns Hund[e], Verräter und Rebellen. Wir wären alle des Henkers wert. Er wollte heraus, (und) den Markt an vier Orten anzünden und die Mauern in Grund niederreißen und schleifen lassen. Wir hätten es bisher(o) mit den Feinden gehalten. Da möchten wir wohl Schutz [bei ihnen] suchen. Von ihm hätten und sollten wir nichts Besseres zu hoffen haben. Obwohl er inständig gebeten [und] ihm auch unsere Unschuld dargetan wurde, [so] wollte doch von ihm diesmal keine andere Resolution fallen als diese: Wir wären Verräter, hätten mit dem Feind korrespondiert [und] den Pfaffen verraten. Wir sollten uns packen und trollen. Und was uns darau würde entstehen, ers wäre gut oder bös, das sollten wir erwarten, etc.

Dies[es] Bad hat uns unser Pater namens M[agister] Johannes Gör[n]ingl geheizet und [hat] stark gehoffet, es sollte uns geschröpfet werden. Aber Gott, der Allmächtige, hat aller Menschen Herzen in seinen Händen ! Denn als wir in Forchten und Schrecken und diesem geschwinden Kopf nit trauen wollten, sonern unsere Sachen wieder zur Flucht richteten, da kamen um(b) Mitternacht etliche Musketiere(r) von Eger, über deren Ankunft wir anfangs nit wenig erschrocken [waren]. Wie wir aber vernommen, zu was (End) sie wären herausgeschicket worden – daß sie nämlich zur Salva Guardi[a] sollten liegen (ver)bleiben, haben wir uns verwundert und Gott gedankt, daß dieser große Zorn sobald in Linderung verwandelt worden [war]“.[47]

„Als den Schweden der Weg in die Oberpfalz versperrt blieb, richteten sich im April und Anfang Mai ihre Angriffe mehr auf die von den Kroaten besetzten Orte im Sechsämterland [Epprechtstein,[48] Selb,[49] Wunsiedel,[50] Hohenberg,[51] Weißenstadt[52] und Thierstein;[53] B. W.] und an der böhmischen Grenze. Damit trat Oberstleutnant von Rosen seiner eigentlichen Aufgabe eines Schutzes des Landes näher, und man darf in seinen Angriffen, die sich in scheinbar völlig willkürlichen Einzelaktionen vollzogen, vielleicht sogar die Absicht einer allmählichen Befreiung des Sechsämterlandes von der kroatischen Einlagerung sehen. Wenn diese Annahme zutrifft, mag hinter der undurchschaubaren Verworrenheit all der turbulenten Ereignisse dieser Zeit doch noch einmal der vorbedachte Plan einer höheren Instanz, etwa des Markgrafen und seiner Regierung, gestanden haben. Dafür spricht jedenfalls, daß gleichzeitig mit den aus dem Westen geführten Vorstößen von Rosens auch vom Norden her Angriffe schwedischer und sächsischer Abteilungen unter Generalmajor Taupadel erfolgten. Diese Truppen stießen über Hof in das Sechsämterland vor und trafen dabei, meist sehr überraschend, auf größere und kleinere Abteilungen der Kroaten. Die erfolgreichste ihrer Aktionen führten sie wohl am 25. April, als Taupadel mit 2000 schwedischen und sächsischen Reitern die drei Kroatenregimenter Beygoth [Beygott; BW], Keglewitz [Koglewitz; BW] und Pauli [Orosi, Pál (Paul); BW] in ihren Quartieren zu Thiersheim, Arzberg und Schlottenhof überfiel, sie zerstreute und den Kroatenobersten Pauli gefangennahm. Damit machte sich für die nächste Zeit eine Überlegenheit der Schweden im Osten des Oberlandes geltend, ohne daß jedoch die Kroaten ganz aus ihm vertrieben werden konnten. Dieser Zustand änderte sich erst, als nach dem Abrücken der Schweden zur Teilnahme an der Belagerung Kronachs[54] die Kroaten wieder freie Hand bekamen und alle bis dahin von den Schweden gehaltenen Plätze, am 13./23. Juni auch die Stadt Hof, vorübergehend besetzten“.[55]

Er nahm an Holks zweitem Einfall in Sachsen teil.

Der Hofer Chronist Rüthner erinnert sich: „Am Jakobtag den 25. juli [a. St.; BW] entstand nicht wenig schrecken allhier, indem unter der frühepredigt sich unterschiedene croatische trouppen von Gerichte herein sehen ließen, derowegen alles volck aus der kirchen entloffen und die communion bis nächsten freytages ins Capitel verschoben werden müßen. Den hellen haufen commandirte obrist Paul Rosy, von welchen oben auch meldung geschehen, kam vor das Obere Thor, begehrte anfangs quartier, nochmals eingelassen zu werden mit etlichen officiren, auf ein pferd 12, so geschehen. Als nun herr burgermeister und rath erfordert werden sollen und sich niemand zu erkennen geben dürfen, ließ er durch einen officier der noch wenig anwesenden burgerschaft (weil alles entflohen und viel leute unterwegens spolirt worden) vorhalten: 1. ob man in kayserlicher devotion leben wolle, dann 2. ihme vor [p. 15] seine mühwaltung, dass er hieher reiten müßen und auf die angeforderte contribution man sich nicht gehorsamlich eingestelt ( wiewohl ein both vorher allbereits mit schreiben an den herrn obrist Prisiovsky [Jan Karel von Přichovský; BW] abgefertigt, so noch keine resolution wiederbracht) ihme 500 thaler geben wolten ? weil nun der erste punct mit ja beantwortet, des andern aber die unmöglichkeit praetendiret worden und die arme verlassene bürgerschaft wegen groser bedrohung nicht wuste, in grosen furchten sich zu erklären, ritte gemeldter obrist mit ungeduld wieder zum Obern Thor. Deßwegen dann ihme von der bürgerschaft und vorhandenen weib und kinder ein fußfall gethan und 50 thaler geboten wurde, aber es wollte nichts fruchten, sondern man muste unnachläßlich innerhalb 8 tagen 100 thaler zu geben und nach Asch[56] zu liefern mit aushändigung einer obligation sich verwilligen. Und damit sich die entwichenen beamten und rahtspersonen wieder nach hause finden und die versprochene contribution einbringen möchten, gab er auf begehren schriftlich salvum conductum, ingleichen einen paß, dass man ehestens tages nach Eger zum obristen Adelshöfer [Adelshofen, BW] sich verfügen und wegen wöchentlicher contribution tractiren solte. Zog also die Plauische Straße wieder fort, als man ihme vor das Unterthor hinaus futter und mahl, seinen croaten bier und brod auf die wießen abgegeben. In der stadt wurde dißmahl nicht mehr als Junkern Wolff Oßwaldt Prückners hauß in etwas spolirt, so aber doch bald von den officiren gewendet, die Graben[57] aber zimlich mitgenommen worden.

Freytags den 26. julii wurden nach Eger abgefertiget herr magister Johan Georg Wolf, herr Georg Nester und Jobst Christoph Reuter, organist, wegen der wöchentlichen contribution zu tractiren, welchen abgeordneten montags zuvor den abgeloffenen bothen zwischen Rehau[58] und Selb[59] mit schreiben vom obristen Prisiovsky [zu gesicht] bekam[en], [der ihnen mitteilte], dass die abgeordneten sich nach Hoheberg[60] verfügen und also dem ferners bescheidt erwarten solten. Deme also nachzukommen [haben] ernannte deputirte bey herrn commendanten zu Hoheberg, Georg Wilhelm Merix Angelo, römisch kayserlicher mayestät truchses, Maltheserritter und capitain unter den hochlöblichen kunischkischen[61] regiment sich verfüget, der sich alles guten gegen gemeine stadt anerboten, auch der ruinirten stadt Hof noth eingehändig an den obrist Prisiovsky berichtet. Wurden die [p. 16] abgesandten bis montags den 29. julii, da die croatische soldatesca aufbrach, aufgehalten, als deme ermeldter commendant zu Hoheberg in nahmen obrist Prisiovskii tractiret, wöchentlich 25 thaler zu reichen, wolte dagegen die stadt in kayserlichen schutz und schirm erhalten. Kamen also die abgeordneten dienstags frühe wieder anheimbs, und nach gethaner relation schickte obengemeldter commendant ein warnungsschreiben gar spät hieher, dass in beschehenen aufbruch obrist Rose und Keglaritz nebst 3 compagnien  kayserlicher und 2 compagnien dragouner ordre bekommen, in egrischen crais zu verbleiben, die straßen zu battiren. Entzwischen wurden die versprochene 100 thaler durch ein absonderliche contribution colligiret und gieng ein troupp donnerstags frühe den 1. augusti vor dem Obern Thor bey der armen leuthe hauß[62] vorüber gegen Brunn,[63] nahmen alles vieh daselbst. Im rückmarch aber kam ein lieutenant neben einen andern trouppen vor das Obere Thor, welche eingelassene und vor das Rathhaus geführet worden, welche nicht allein die versprochene 100 thaler, sondern auch neue abordnung wegen der wöchentlichen contribution begehrten. Weil aber die summe auch nicht gar beysammen, sie auch weder obligation noch quittung bey handen hatten und eben beym Schloßbach[64] in einen hause feuer auskommen und um den anschlag abermahls mäniglich erschrocken worden, reisete dieser troupp auch wieder fort und wurde Johann Christoph Ritter, organist, alsobalden zu den herrn capitain Merix nach Hoheberg abgeordneten, um sich zu erkundigen, wie man der wöchentlichen contribution wegen sich verhalten solte. Derowegen herr capitain Merix nicht [darauf] verfallen wollen, mit jemand anders zu tractiren, er hätte denn von den herrn generalfeldmarschallen[65] Horfeldter [Hatzfeld; BW] excellenz eigentliche ordinanc vorzuweisen. Sonnabendts frühe den 3. augusti um 3 uhr schickte obrist Paul Rosy ein schreiben anhero, man solte nicht allein ihme die versprochene 100 thaler nach Hoheberg schicken, sondern auch personen abordnen, aufs neue wöchentliche contribution zu tractiren, darauf magister Johann Georg Wolff und Heinrich Peter, ziengießer, mit dem gelde abgefertiget worden. Als nun sontags 2 croaten nach Hoheberg kamen, hat herr Merix das geld ohnbegehrt allbereit vor sich ausgezahlet, die obligation und quittung vor voll zu sich genommen, hingegen den croaten 20 thaler abgezogen mit vorgaben, die armen leuthe hätten es nicht gar zusammen bringen können. Und als weiter die croaten begehrt, die abgeordneten solten mit zu ihren obristen wegen tractirung fernerer wöchentlicher contribution reisen, hat herr Merix solche verweigert und vorgewandt, weilen sie marchiren müßen, würden sie [p. 17] keine contribution mehr zu fordern haben, er hätte nunmehro die stadt in seiner contribution und behielte die abgeordnete so lange bey sich, bis er seine ausgelegte gelder wieder hätte, darob besagte croaten sich abweisen lassen müßen. Darneben berichten die abgeordneten, dass eben noch selbigen tages herr commendant sie auf der vestung herumgeführet und unterschiedliche viel regiementer und wacht-feuer gegen Eger gezeuget, daneben auch ferner vorgeben, die armee sollte halb ins churfürstliche land[66] und der halbe theil in die Pfaltz[67] gehen. Kamen also morgens den 5. augusti frühe um 7 uhr wieder zu hauß. Ebenselbiges abends montags den 5. augusti kam generalfeldtmarschalllieutenant Holeki, obriste Hatzfeldt, Picolomini, Bredau, Lamboji und Orosio Pauli mit allen ihren völckern allhier an. Der andern völcker march gieng auf Adorf[68] und Plauen,[69] und weilen niemandts von fürstlichen herrn beamten noch burgermeister und rathspersonen sich wegen besorglicher wegführung finden lassen wollte, hat obristen Hopffeldt [al]so beym herrn apothecker logirt und diesen abend die obgemeldte obristen insgesamt bey sich zu gast gehabt.

Dienstags frühe den 6. augustii vor seinen aufbruch hinter[70] [sie] alle thoren und thürlein der gantzen stadt verbrennen, ingleichen die vor dem jahre bey dem Obern Thor gebauete brustwehr oder schanze demoliren und alles niederreißen lassen“.[71]

„Sontags den 11. augusti [1633; BW], als das hiesige kirchenfest alten herkomens und gewohnheit noch frühe solenniter celebriret[72] worden und nachmittags vorbesagt verstorbener kirchner begraben werden sollte, komt unter der kinderlehre eine croatencompagnie von 50 personen von Trogen[73] her unter dem commando des obrist Kechleritz [Peter Graf Keglevich; BW] [und des] obristlieutenant Jancoritz [Jankowitz; BW], so vor dem Untern Thor hielten und brod und bier, so ihnen auch gefolget worden, neben einer abforderung von 300 thaler, so man obrist Kegleritz schuldig verblieben seyn sollte, und einen schriftlichen schein, daß sie hier recognosciren gewesen wären, begehrt. Als ihnen nun den begehren noch[74] der schein über eines ehrbaren raths siegel um gefahr willen [S. 29; BW] nicht könnte noch wollte besiegelt werden, ruckte die compagnie um 3 uhr herein in die stadt vor das Rathhaus und theilten sich nachmals in die gaßen aus, fingen an zu plündern, nahmen herrn doctor Abraham Müchl, stadtmedicum allhier, gefangen, tractirten ihn nebst seinem weibe, unangesehen er sich viel und unterschiedlich über 100 thaler rantionirt, übel, daß nicht zu beschreiben, wollten auch die frau samt den töchtern gefänglich mitnehmen. Ihren [Nachbarn; BW] Georg Bayren, sonst Presecken genanndt, einen handelsmann, haben sie auf seinen todenbette dermaßen zerschlagen, daß er wenig stunden darauf gar verstorben.

Herr magister Schlee als diaconus und prediger zu Trogen wurde in seinen heimgehen nach verrichten seinen amt gefänglich von der Schildwacht angenommen, deßgleichen Hanß Prückner, salzhändler, mit fortgeführet. Des jungen Reitenbachs auß Erckersreuth[75] tochter wurde mit auf ein pferd gesezt und davon geführet, ein meßerschmidt, Hanß Müller genandt, ungeachtet er sich zu 12 thaler rantionirt, zum krüppel gehauen. Viel vornehme leute, derer nahmen alhier billig ehrenhalben verschwiegen wird, maßen aber alles unbekannt[76], [mussten] mit hergebung habes und guthes sich loß kaufen, und ein jeder, nachdem es im vermögen[77] oder [er ein]gekärkert worden, rantioniren.

So wurde auch die kirchen wieder erbrochen und in derselben wie auch auf den thurn[78] viel leuthe angetroffen, welche dann sehr übel mit schlägen tractiret worden, andere crudelitaeten, so bis in die nacht hinein geweh[r]et, allda sie wieder fortgezogen, zu geschweigen. Herr doctor Abraham […] Michael ist endlich wieder loßgegeben worden, herr magister Schlee und herr Prückner mit fortgenommen worden, von welchen beeden sie 90 thaler rantion erforde[r]t, und weilen noch selbigen abends wegen herrn Prückners 25 thaler nachgeschicket worden, herr magister Schlee nach Schönfels,[79] eine weile von Zwickau gelegen, neben des Reitenbachs tochter mitgeführet worden, so ist zwar herr Prückner montags frühe wiederkommen, vor den herrn Schlee aber selbigen tages, ihn auch zu lösen, eine collecte gesamblet worden, welcher aber mittwochs frühe den 14. augusti, jedoch barfus, zu hause gekommen und von den völckern, weil sie auf die parthey ausgeritten und unbewacht gelaßen, sich absentiret. Des von Reitenbachs tochter hätte auch mit herrn magister Schleen fortkommen können, wo sie um der grosen furcht willen sich getrauet [hätte]. Deßen elendes ungeachtet wurde doch montags den 12. durch einen eignen bot-[S. 30; BW]ten von den croaten hergeschrieben, daß man ihnen die rantion gewiß zuschicken oder der execution erwarten sollte“.[80]

„Am 4. August 1633 war der Befehl Wallensteins an den Feldmarschall ergangen, ‚allda dem Feind eine diversion zu machen‘, damit der ‚Kurfürst zu Sachsen desto ehender den Frieden zu suchen verursacht werden wird‘ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.; Hallwich, ADB 12, S. 743, nennt den 11. August als Datum des Einmarschbefehls). Einer der Hauptgründe war freilich, daß die Verpflegungssituation der in Böhmen um Eger, Pilsen[81] und Brüx[82] liegenden kaiserlichen Regimenter unhaltbar geworden war, und man sich von einem Zug nach Sachsen Verbesserung erhoffte. Tatsächlich stand auch der Plan, die Expedition nach Leipzig[83] auszudehnen und dort reiche Beute zu machen, von Anfang an fest. Holk beeilte sich deshalb, die an der Grenze Böhmens stehenden Regimenter zusammenzuziehen, um auf Wallensteins Befehl hin ‚unversehener Weise etwas zu tentiren, Chemnitz,[84] Freiberg[85] und Zwickau[86] berennen zu lassen, dass wir zu leben können haben und, ehe Volk dahin einkommt, sie zu überraschen‘ (ebd.).

Der Angriff auf Sachsen begann am Sonntag, dem 14.8., in drei Hauptstoßrichtungen mit drei getrennten Truppenabteilungen, welche sich am 15. und 16.8. in Zwickau vereinigen sollten, um dann über Altenburg[87] weiter nach Leipzig zu ziehen. Während das Korps unter dem Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld über Hof und Plauen[88] Zwickau erreichen sollte, hatte der östliche Heeresteil unter dem Obersten Franz von Ulfeld die Aufgabe, auf Freiberg, die Gebiete vor Dresden[89] und Chemnitz vorzudringen, während das Hauptheer unter Holk von Joachimsthal (Jáchymov),[90] wo ‚Rendezvous‘ gehalten worden war, auf direktem Wege über Schwarzenberg,[91] Aue[92] und Schneeberg[93] Zwickau erreichen sollte. Hatzfeld, welcher die leichte Reiterei und die Kroaten befehligte, war in Eger aufgebrochen und zog zunächst über Hof nach Adorf:[94] ‚[…] zu Hof, Wunsiedel[95] und andern Orten haben sie alle Thor zerhauen, dann keine Stadt mehr versperrt sein soll‘. Am 15. August rückte Hatzfelds Korps von Adorf gegen Oelsnitz[96] vor, welches am 16.8. kapitulierte[,] woraufhin das dortige Schloß in Brand gesteckt wurde, schließlich nach Plauen, welches am gleichen Tag besetzt, die Stadt geplündert und die Tore ausgebrannt wurden. Weiter ging die Spur der Verwüstung nach Mylau[97] und Reichenbach[98] und schließlich über Reichenbach nach Werdau.[99] Werdau, ‚wo sie die Rathspersonen und sonderlich Bürgermeister Sausen mit Radeln heftig marterten, wurde gänzlich ausgeplündert, Stollberg[100] von einem Reiterhaufen erst gebrandschatzt, dann doch in Brand gesteckt. Mehrere Rathsherren, die kurz zuvor das Geld beigeschafft hatten, wurden mit Stroh verbrannt‘. (Droysen/Holck etc.). In Zwickau, welches, von der Pest entvölkert, widerstandslos eingenommen wurde, war die Vorhut bereits am 16.8. eingetroffen, während die letzten Kompanien erst am 17.8. Plauen verließen.

Der Oberst Franz Graf von Ulfeld war am 14.8. mit 24 Kompanien Reitern, den Dragonern und einem Kroatenregiment aus dem Gebiet von Dux[101] (Duchcov) und Brüx (Most) in Böhmen aufgebrochen. Bereits am 15.8. zeigten sich einige seiner Reitertruppen vor Freiberg, allen voran die Kroaten unter dem Obersten Daniel Beygott, ‚eine fast längliche Person mit einem rotgülbligten Barte, so doch gut Deutsch geredt‘. Freiberg weigerte sich aber, seine Tore zu öffnen, weshalb Ulfeld, der sich nicht zu lange verweilen wollte, seinen Weg weiter nach Chemnitz nahm, welches am 16.8. aufgefordert und eingenommen wurde.

Altenburg wurde am Abend des 17.8. (Mittwoch) von einem 3000 Pferde starken Reiterkorps, bestehend aus den Regimentern Hatzfeld, Neu-Piccolomini, Bredau [Bredow; BW] und Orossy [Orosi; BW] unter dem Hatzfeldischen Obersten Hans Rudolf von Bredau überfallen, welcher mit seinen Regimentern von Plauen über Reichenbach und Crimmitschau[102] gleich weiter in Richtung Altenburg[103] vorgedrungen war: ‚[…] da ging alsobalden die schreckliche Plünderung an allenthalben. In welchen Häusern niemand vorhanden, denen haben sie zehn Mal so arg mitgefahren; wo Bier in Keller gewesen, ist dasselbe weggelassen worden; der Hausrath zerstümmelt auf die Gassen geworfen und zertreten […]. Wohl in die hundert Leichen sind anitzo zu begraben, weil gestern und vorgestern niemand hat begraben werden können. Vorgestern ist auch dem Lazaristen das Pferd, so die leichen hinaus geschafft, auch gestohlen und dessen Wärter entlaufen. Jetzo hat man mit grosser Mühe ein anderes geschafft‘. (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.). Nach der Aussage des Theatrum Europaeum (Bd. III, S. 109), welches den Einfall in Altenburg drastisch, jedoch in üblicher Manier etwas propagandistisch übersteigert schildert, waren die kaiserlichen Truppen ‚gantz plötzlich und unversehens mit vier Tausend Pferdten allda ankommen / alles geplündert / die Weibs-Personen zu todt geschändet / und die Mannspersonen zu todt geschraufft / geprügelt / und auff allerley Marter und Weis getödtet. Kirchen / Schulen / Pfarrhäuser wurden geplündert […], die Todten wurden aus den Särcken geworffen / die Weiber ranzioniert und geschändet / Tafeln und Flügel aus der Kirchen genommen / der Syndicus erschlagen / die Apothecken in grund verderbet [usw.]‘.

Leipzig erreichte man bereits in der Frühe des 18. August. Nachdem am 21.8. der Feldmarschall Holk und Feldzeugmeister Rudolf Colloredo mit der Artillerie eingetroffen waren, wurde die Stadt von Mitternacht an 12 Stunden lang heftig beschossen, so daß am 22.8. ein Akkord abgeschlossen und die Stadt übergeben wurde. Leipzig mußte 70.000 Reichstaler Ranzion erlegen und eine große Menge an Handelswaren, welche die Kaufleute in der Stadt zurücklassen mußten, fiel in die Hände der kaiserlichen Truppen. Lediglich die Pleissenburg, auf welcher der kursächsische Oberstleutnant Christoph von Trandorf befehligte, konnte sich den Eindringlingen widersetzen. (Chemnitz II, S. 121; Krebs/Hatzfeld, S. 271 nennt August Adolf von Trandorf)“.[104]

Der Hofer Chronist Rüthner schreibt: „Selbiges tages [18.9. a. St.; BW] wurde der wachtmeister von obrist Kegleritz, so mit allhier auf salv guard gelegen, abgefordert, und blieb der cornet nebst 2 personen noch hier, den[n] es giengen die partheyen tag und nacht starck und trieben viel vieh im lande um“.[105]


[1] KONZE, Stärke, S. 33.

[2] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[3] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[4] Sagan [Žagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[5] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[6] ENGERISSER, S. 118.

[7] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[8] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[9] STA Bamberg Rep. C 48, Nr. 185, fol. 307.

[10] KONZE, Stärke, S. 33.

[11] Liebenstein, heute Ortsteil von Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[12] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[13] Weismain [LK Lichtenfels].

[14] Burgkunstadt [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 117.

[15] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.

[16] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[17] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[18] Kirchenlamitz; unter Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 308.

[19] Schlottenhof; erwähnt unter Schirnding; HHSD VII, S. 665.

[20] Schirnding-Fischern [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 665f.

[21] ENGERISSER, S. 174.

[22] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[23] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.

[24] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[25] Marktleuthen [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[26] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[27] Fischern

[28] Markhausen

[29] Mühlbach; HHSD VII, S. 16, 59, 340.

[30] Kunreuth [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 380f.

[31] Liebenstein, heute Ortsteil von Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[32] Arzberg; HHSD VII, S. 31f.

[33] Grafenreuth, heute Ortsteil von Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[34] Kobersdorf

[35] Lorenzreuth, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[36] Haag, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[37] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[38] Seußen, heute Ortsteil von Arzberg.

[39] Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 307f.

[40] Münchberg; HHSD VII, S. 464.

[41] Creußen; HHSD VII, S. 129.

[42] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.

[43] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[44] Beute ?

[45] Wunsiedel; HHSD VII, S. 836f.

[46] BRAUN, Marktredwitz, S. 27ff.

[47] BRAUN, Marktredwitz, S. 32f.

[48] Epprechtstein, Burg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 177f.

[49] Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 694f.

[50] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[51] Hohenberg a. d. Eger [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 307f.

[52] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.

[53] Thierstein [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 742f.

[54] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[55] STICHT, Markgraf Christian, S. 174.

[56] Asch [Aš, Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 9f.

[57] Straßen an der Stadtmauer (Graben, Sigmundsgraben).

[58] Rehau [LK Hof]; HHSD VII, S. 613.

[59] Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 694f.

[60] Hohenberg a. d. Eger [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 307f.

[61] Nach ENGERISSER, S. 255, Anm,. 171, Kapitänleutnant im Inf.-Rgt. Neu-Trčka, später Inf.-Rgt. Gordon.

[62] Armenhaus oder (oberes) Lazarett in der Altstadt

[63] Köditz-Brunn [LK Hof].

[64] Schlossgraben, der den Schlossbezirk als Abzweigung des Stadtgrabens umgab.

[65] Hatzfeldt wurde erst am 25.6.1635 Feldmarschall.

[66] Sachsen

[67] Oberpfalz

[68] Adorf [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 1f.

[69] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[70] haben oder möglich auch: hinter [sich]

[71] KLUGE, Hofer Chronik, S. 25ff.

[72] feierlich gehalten

[73] Trogen [LK Hof], nördlich von Hof gelegen.

[74] verschrieben für „nach“.

[75] Selb-Erkersreuth [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[76] verschrieben für „bekannt“

[77] möglich war

[78] Kirchturm

[79] Lichtentanne-Schönfeld [LK Zwickau]

[80] KLUGE, Hofer Chronik, S. 28ff.

[81] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[82] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[83] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[84] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[85] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[86] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[87] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[88] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[89] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[90] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.

[91] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.

[92] Aue; HHSD VIII, S. 10ff.

[93] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.

[94] Adorf [Kr. Oelsnitz]; HHSD VIII, S. 1f.

[95] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[96] Oelsnitz [Kr. Stollberg]; HHSD VIII, S. 263f.

[97] Mylau [Kr. Reichenbach]; HHSD VIII, S. 240f.

[98] Reichenbach; HHSD VIII, S. 298f.

[99] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[100] Stollberg; HHSD VIII, S. 337ff.

[101] Dux [Duchcov, Bez. Teplitz]; HHSBöhm, S. 118f.

[102] Crimmitschau [Kr. Werdau]; HHSD VIII, S. 53ff.

[103] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[104] ENGERISSER, S. 187ff.

[105] KLUGE, Hofer Chronik, S. 36.

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