Knoch, Christian Ernst von

Knoch, Christian Ernst von; Obrist [ – ] Knoch, verheiratet mit Anna-Amalie von Börstil [28.4.1610 Köthen-1.9.1651 Köthen],[1] Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „der Weichende“, stand als Obristleutnant bzw. Obrist in kursächsischen Diensten.[2]

Im April [?] 1642 berichtete Piccolomini[3] Melchior von Hatzfeldt über Knochs Gefangennahme in Schlesien.[4]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[5] berichtet in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ über die Einnahme von Schweidnitz[6] am 21.5.1642 durch Torstenssons Truppen: „Mit diesem allen sind die Schwedischen noch nicht begnüget vnd ersättiget worden / sondern haben nach fettern Beuten getrachtet / vnd sich vnterstanden die Statt Schweinitz auch vnter ihren gewalt zu bringen / wie sie dann ohne längern verzug ihren March darauff genommen. Als nun der Schweden intent auff Schweinitz / I. F. G. Hertzog Frantz Albrecht von Saxen-Lawenburg / als Keyserl. General notificirt worden / hat er sich eilends in person mit 7000. Mann starck auch dahin begeben / deß gäntzlichen vorhabens die Statt mit 300. Musquetierern zu verstärcken / vnd der Schweden vorhaben zu verhindern / hat I. F. Gn. alsbald den General Major Königsmarck / welcher den fortrab geführet / angetroffen / mit demselben chargiret, vnd endlichen / weil er sich zu schwach befunden / zu rück zu weichen gezwungen.

Als solches nun dem General Torstensohn / welcher mit der gantzen Armee nicht gar ein Meil weges dahinden gewesen / verkundtschaftet worden / daß die Königsmarckische zu weichen gezwungen worden / hat er sich nicht lang gesäumet / sondern ist eilends mit der Cavallery in person auff die Keyserische zugangen / vnter dessen in guter Ordre das Fußvolck vnd Stücke auffs schläunigst folgen lassen / dieselbe mit der gantzen Cavallery / vnd zu rück gebrachten Königsmärckischen / ringsum vmbgeben dermassen chargirt vnd tapffer angegriffen / daß die Keyserische also in verwirr gebracht / auch gäntzlich ruinirt vnd geschlagen worden. In diesem harten Treffen ist Ihr Fürstliche Gnaden Hertzog von Saxen-Lawenburg tödlich verwundet vnd gefangen / an welcher empfangenen Wunden er dann am dritten Pfingsttage zu Schweinitz todes verfahren / General Major Hanaw [Augustin v. Hanau; BW] / Obrister Warloffsky / Obrister Knoch / Wachtmeister Milcke die Wentzel / auch viel hohe vnd andere Officirer / wie ingleichen 2000. Reutter gefangen / die nach erobertem Schweinitz sich vnterstellen müssen: Bei dieser herrlichen Victori haben die Schweden 38. Standarden / 4. Feldstücklein vnd sehr stattliche Beute überkommen“.[7]

„Nachdem das schwedische Heer eine Reihe anderer kleinerer Orte bezwungen hatte – von denen die meisten ihre Stadttore öffneten, ohne daß ein Schuß abgegeben worden war – , marschierte es auf Schweidnitz zu. Der nahe der gebirgigen Grenze zu Böhmen gelegene Ort war von strategischer Bedeutung. Je nachdem, in wessen Hand Schweidnitz sich befand, konnte die Stadt als Einfallstor nach Böhmen oder als Sperre für den Weiterweg nach Schlesien und umgekehrt dienen. Franz Albrecht von Lauenburg, der bei der Nachricht vom Fall Glogaus[8] seinen Marsch dorthin abgebrochen hatte, antwortete damit, daß er sich an die Spitze eines Korps mit 7000 kaiserlichen Reitern, 500 Dragonern und vier Kanonen setzte und auf den Weg machte, um diese wichtige Festung zu entsetzen. Seine Truppe wurde jedoch entdeckt, und am 21. Mai warfen sich starke schwedische Verbände über das sorglos dahinmarschierende Korps. Nach einem blutigen Kampf, der dennoch so kurz war, daß die Schweden ihre Kanonen nicht in Stellung bringen konnten, verschwand der Hauptteil der von Panik geschlagenen kaiserlichen Reiterei raschelnd in den lichten Wäldern, die die flachen, frühlingsgrünen Äcker in unmittelbarer Nähe von Schweidnitz, auf denen das Gefecht stattfand, umgaben. Den Schweden fielen außer den vier Kanonen vier Wagen mit Munition, vier fortgeworfene Paar Trommeln und zwei mit der Kriegskasse beladene Esel in die Hände, außerdem machten sie über 1200 Gefangene. Unter diesen war auch Franz Albrecht, der, von zwei Schüssen getroffen, sterbend aus dem Kampf getragen wurde“.[9]

Das „Theatrum Europaeum“[10] berichtet: „Es soll hierauff der Schwedische Feld-Marschall Torstensohn / dem Obr. Lieut. Knochen und D. Küelwein / als die bey S. Excell. wegen der belägerten Stadt Leipzig[11] gewesen / die im Treffen [2. Schlacht bei Breitenfeld; BW] bekommene Käis. Kriegs-Cantzley-Schreiben fürgezeigt haben / darauß man genugsame Ursache hätte nehmen können / sich wiederum auff die Schwedische Seiten / und wenigstens Neutral zu legen : wie dann auch darbey Ih. Churfl. Durchl. soll angebotten worden seyn / daß / wann sie mit Einnemmung Wittenberg[12] und Magdeburg[13] / Versicherung thun / sie wegen der Cron Schweden würcklich geschützet / auff widrigen Fall aber keine viertheil Meil Wegs vor der Stadt Dreßden sollten sicher seyn : danebens wollte man die Stadt Leipzig / Wittenberg und Magdeburg / mit so leydentlicher Guarnison tractiren / alß man biß dahero mit Franckfurt an der Oder[14] gethan habe. Solchemnach wurde unterm dato den 16. Decembr. auß Dresden[15] geschrieben / die Conditiones der Tractation über die Neutralität seyen / daß Torstensohn Leipzig und Torgau[16] zur Versicherung haben / im übrigen das Land unmolestirt bleiben / zugleich aber der Churfürst sein Volck von Käis. Armada abfordern / und keine Hostilität wider die Schweden mehr fürgehen lassen solle : auch mögen diese Vorschläge durch den Obr. Lieut. Knochen / wie ein Torstensohnisches Schreiben an den jungen Chur-Printzen [August v. Sachsen-Weißenfels (13.8.1614 – 4.6.1680); BW] zu erkennen gegeben / hinc inde, dem Land zum besten geschehen seyn / es ist aber nichts hierauff zur Folge vernommen worden / sondern nachdem deß Ertz-Hertzogen[17] Hoch-Fürstl. Durchl. den Obr. Mistling [Mislík; BW] an Chur-Sachsen geschickt / und derselbe Eingangs Januarii deß 1643. Jahrs nach Prag wiederum zurück kom̃en / er mitgebracht / daß der Herr Churfürst bey Käiserl. Maj.[18] den letzten Blutstropffen auffzusetzen sich erklärt haben“.[19]

„Die angespannte Situation durchaus nicht verkennend, schrieb Johann Georg I. am 7. Februar 1646 Torstenson, er möchte doch Vertraute nach Oschatz[20] zu Unterhandlungen entsenden. Da dem Feldmarschall der Ort vor der Reichsarmee nicht sicher schien, schlug er im Gegenzug Eilenburg[21] vor, das von den Schweden gut zu verteidigen wäre.

Schließlich begannen dann am 20. Februar in Eilenburg Lilie und Alexander Erskein im Namen der Königin von Schweden sowie Oberst Arnim und Dr. Oppel im Namen des Kurfürsten mit weiteren Verhandlungen. Anwesend waren im Auftrag des Administrators von Magdeburg [August v. Sachsen-Weißenfels (13.8.1614 – 4.6.1680); BW] auch Einsiedel [Hildebrand III. v. Einsiedel (1566 – 1647 ?] und Oberst Christian Ernst von Knoch im Namen der anhaltinischen Fürsten.

Die Schweden bestanden aber auf einen allgemeinen Frieden und die Verpflichtung, die Abmachung von den Nachfolgern der Königin und des Kurfürsten zu übernehmen. Den darüber verstimmten Johann Georg I. drängte [Ulrich Adam Poel v.; BW] Lobkowitz, die Verhandlungen sofort abzubrechen. Er versprach im Namen des Erzherzogs[22] baldige militärische Hilfe und 80.000 Reichstaler Unterstützung im Krieg gegen die Schweden“[23].

[1] VD17 3:642446L: SACHSE, Daniel, Gedächtnüs Predigt: Der … Frawen Annen-Amalien/ Gebornen von Börstil: Des … Herrn Christian Ernst Knochen / … Haußfrauen: Welche den 28. Aprilis des 1610. Jahres allhie in Cöthen geboren / daselbst … den 1. Septembris 1651 … verschieden … Cöthen 1651.

[2] Vgl. SENNEWALD, Das kursächsische Heer.

[3] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.

[4] ENGELBERT, Hatzfeldt Nr. 133.

[5] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[6] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[7] WASSENBERG, Florus, S. 480ff.

[8] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[9] ENGLUND, Verwüstung, S. 275.

[10] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[11] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[12] Wittenberg [Kr. Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[13] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[14] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[15] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[16] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.

[17] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[18] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[19] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 832.

[20] Oschatz; HHSD VIII, S. 265ff.

[21] Eilenburg [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 100ff.

[22] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[23] KUNATH, Kursachsen, S. 280f.

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