Keller von Schleitheim, Adam Heinrich

Keller von Schleitheim, Adam Heinrich; Obrist [ - ] Keller stand als Rittmeister, Obristwachtmeister bzw. Obrist in kurbayerischen Diensten. Die Kellers waren ursprünglich Ministeriale des Klosters Reichenau (Bodensee)[1] in dessen Besitz Schleitheim[2] bei Schaffhausen gewesen und Mitglieder der schwäbischen Reichsritterschaft.

Er gehörte als Rittmeister dem bayerischen Kürassierregiment des Adam Philipp von Cronberg an.

Keller überbrachte Kurfürst Maximilian I. von Bayern die Nachricht von der Niederlage bei Breitenfeld[3] und war bei der Rückreise zu seinem Regiment von dem Würzburger[4] Bischof Franz von Hatzfeldt mit dem Kommando über die Festung Marienberg betraut und wie Maximilian I. am 19.10.1631 an seinen Generalleutnant Tilly[5] schrieb, „in Mangel eines qualifizierten subjecti gleichsam beeidigt worden“.[6]

„Der gerade neu gewählte Fürstbischof Franz von Hatzfeld hatte seine Residenz bereits am Samstag den 11. Oktober verlassen, um in Frankfurt[7] Hilfe für sein Land zu bewirken.[8] Auf dem Marienberg befehligte der Rittmeister Adam Heinrich Keller von Schleitheim, welcher nach besten Kräften versuchte, die Festung in einen verteidigungsfähigen Zustand zu bringen. Seine Mannschaft bestand aus 400 Mann kaiserlichen Soldaten und ungefähr 300 Mann Ausschuß, wovon allerdings der größte Teil bei Annäherung der Gefahr entlief. Am Dienstag, den 14. Oktober gegen 9 Uhr vormittags erreichte das schwedische Heer also Würzburg und lagerte sich auf dem Grainberg. Der König ließ sofort Stadt und Festung zur Übergabe auffordern. Die Stadt bat sich drei Tage Bedenkzeit aus, welche jedoch nur bis zum nächsten Morgen 8 Uhr gewährt wurde. Weil aber das schwedische Lager aus der Festung beschossen wurde, ließ der König das Teufelstor am dicken Turm mit einer Petarde aufsprengen und bemächtigte sich der Vorstädte Haug und Pleichach. Ohne Aussicht auf Erfolg und möglichen Entsatz entschloß sich die Stadt zu kapitulieren. Am 15. Oktober 1631, morgens gegen 8 Uhr rückte das schwedische Heer durch das Spitaltor in die Stadt ein, welche sich mit 80.000 Reichstalern ranzionieren mußte.

Gustav Adolf ritt in Begleitung des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar und des schwedischen Hofrats und General-Kriegspräsidenten Graf Philipp Reinhard von Solms in die Stadt ein und nahm vor dem Gasthaus zum Kleebaum die Parade seiner Truppen ab. Noch waren Stadt und vor allem Festung nicht gewonnen, denn die würzburgische Besatzung hatte einen Bogen der Mainbrücke abgetragen, welches sich als größtes Hindernis zur Eroberung der Festung erwies. Die Eroberung dieser Brücke, eines der riskantesten Kommandounternehmen dieses Eroberungsfeldzuges, wurde erneut von den schottischen Eliteregimentern durchgeführt, die bereits in der Schlacht bei Breitenfeld einen maßgeblichen Anteil am Sieg der protestantischen Truppen hatten. Robert Monro, zu diesem Zeitpunkt noch Oberstleutnant des schottischen Regiments Mackay, der sich mit dem zweiten schwedischen Heereskorps zum Zeitpunkt der Kapitulation Würzburgs gerade auf der Höhe von Karlstadt[9] befand und erst am Abend in der Stadt eintraf, hat die Aktion nach der Erzählung seiner schottischen Kameraden überliefert. Danach wählte Gustav Adolf zur Erstürmung der Brücke die beiden Obersten Sir James Ramsay, den späteren Gouverneur von Hanau,[10] und Sir John Hamilton mit ihren Regimentern aus, welche zusammen mit dem Regiment Mackay die schottische Brigade bildeten. Über den mittleren herausgebrochenen Brückenbogen war eine lange, dünne Planke gelegt, welche von den Musketieren nur einzeln überwunden werden konnte, während die Verteidiger mit ganzen Abteilungen von Pikenieren und Musketieren sich am gegenüberliegenden Ufer verschanzt hatten und von der Festung aus die Brücke mit allen zur Verfügung stehenden Geschützen beschossen. Schließlich gelang es einigen Schotten mit kleinen Booten im Hagel der Musketenkugeln den Main zu überqueren und nach heftigen Kämpfen am anderen Ufer Fuß zu fassen, während ihre Kameraden, dadurch angespornt, einer nach dem anderen die Planke überwanden und schließlich das festungsseitige Mainufer erobern konnten. Beide schottische Regimenter hatten schwere Verluste und der Oberst James Ramsay erhielt einen Schuß in den linken Arm. Die kaiserlichen Verteidiger zogen sich auf die Festung zurück. (Monro/Expedition II-80).

Die Schweden besetzen nun das Mainviertel, von wo das Schloß am folgenden Tag mit zwei Geschützbatterien beschossen wurde. Tags darauf, 17.10., nachdem auch die zweite Übergabeaufforderung, bei Angebot freien Abzugs mit allem Gepäck, abgeschlagen worden war und die Gefahr des Entsatzes durch Tilly’sche Truppen sich vergrößerte, wurden vom Kloster Himmelpforten[11] aus alle Vorbereitungen zum Sturm getroffen und die vom Höchberg in die Festung führenden Wasserleitungen abgegraben, so daß die Besatzung auf die Zisternen angewiesen war.

Am Samstag den 8./18. Oktober früh um 4 Uhr ließ der König den Marienberg an der stadteigenen Flanke stürmen. Der erste Sturmversuch wurde abgeschlagen. Beim zweiten Versuch erstiegen die Angreifer die untere Mauer des Schloßgartens mit Leitern, rissen die Palisaden nieder und öffneten das Brückentor, dessen Zugbrücke nicht aufgezogen war. Schließlich sprengten sie das innere Schloßtor und eroberten so innerhalb von zwei Stunden die Festung. Der größte Teil der Besatzung wurde unter dem Ruf ‚Magdeburgisch Quartier’ niedergehauen (in Anspielung an die 20.000 Toten der grausamen Erstürmung Magdeburgs[12] durch kaiserlich-ligistische Truppen unter Tilly und Pappenheim am 20. Mai 1631). Der Rittmeister Keller wurde schwer verwundet gefangengenommen und vor den König gebracht, der ihn sofort erschießen lassen wollte, ihn jedoch verschonte, als dieser einen Kniefall tat und um Gnade bat. Er wurde später gegen einen schwedischen Offizier ausgewechselt. In das Schloß hatten sich, neben der Besatzung, auch viele Bürger, Frauen, Mönche, Nonnen und fürstbischöfliche Hofbeamte mit ihren besten Sachen, Gold, Geld und Hausgeräten geflüchtet. Sämtliche Personen mußten sich ranzionieren (Lösegeld) bezahlen. ‘Des Bischofs Edel-knaben aber, 12 an der Zahl, deren Präceptor, dann Doctoren und darunter Doctor Rikleh, Ratsherren, Notare und andere gelehrte Leute, die sich im Schlosse aufgehalten, mußten hernach wacker schwitzen’. Die Schweden eroberten 30 Stück grobes Geschütz, bedeutenden Vorrath an Proviant, Munition, Kraut und Loth, an Gold und Silbergeschmeid, auch baarem Gelde, ein unermeßlicher, unschätzbarer Schatz. Der fürstliche Marstall war voll der stattlichsten Pferde, und der Keller mit einem solchen Vorrath an Wein versehen, daß er für 20 Jahre hinreichte. In Summa, man fand und erbeutete im Schlosse, was ein König zu seiner königlichen Hofhaltung brauchte’. (Continuativ der siegreichen Victorien, so der Allerhöchste Ihre kö. Maj: zu Schweden etc., Würzburg 1631, bei Soden I, S. 40). Zum Festungskommandanten wurde der Schwede Axel Lillie mit dem Uppland und Värmland Regiment bestellt, die Stadtkommandantur übernahm der schwedische Oberst Johann Yxkull (Üxkull) zu Casti (Scharold, Zwischenregierung I, 12f. u. III, S. 246, wo nicht anders angegeben). Nach Geijer (Bd. III, S. 199) gab es nach der Einnahme Würzburgs kaum einen Soldaten in der schwedischen Armee, der nicht neue Kleider hatte. Die umfangreiche Bibliothek mit vielen kostbaren Büchern, Manuskripten und Dokumenten schenkte der König der Universität Uppsala. Heute stehen sie in der königl. Bibliothek in Stockholm”.[13]

Am 10.12.1632 stand Cronberg in Weilheim[14] und bat Maximilian I. vergeblich, das vakant gewordene Regiment Pappenheim an seinen Obristleutnant Keller zu übertragen.[15]

„Zu jener Stunde war Adam Philipps Ende bereits ganz nahe; denn schon am 5. August 1634 richtet der Obristleutnant Adam Heinrich Keller von Schleitheim, aus Wolnzach[16] bei Pfaffenhoven[17] an den Kurfürsten Maximilian I ein Gesuch um Beförderung zum Obersten des Cronbergschen Kürassier-Regimentes: ‚Demnach der Allmechtige Gott nach seinem Allweisen Rath den hochwolgeborenen Graven und Herrn, Herrn Adam Philipp Graven zu Cronnenburg verschienenen Freitag (Donnerstag) den 3 huius Abentsz 6 Uhrn in Regenspurg … zu den Ewigen Freuden abgefordert hat’. … Keller, der das Regiment während Adam Philipps höherer Kommandos geführt hatte, erhielt [am 8.8.;[18] BW] 6 Kompanien Kürassiere, die späterhin als das Gayling’sche Regiment erscheinen werden”.[19]

Keller nahm am 5./6.9.1634 an der Schlacht bei Nördlingen[20] teil.

„Man war sich nun im schwedischen Lager bei Bopfingen[21] einig, daß ein Aufschub des Angriffes nicht länger möglich sei. Der Plan war jedoch vorerst dahingehend ausgerichtet, daß man sich der Stadt nur nähern wollte, einmal um Präsenz zu zeigen und um einen günstigen Posten zu fassen, von wo man die weitere Entwicklung besser im Auge behalten konnte und dabei die Ankunft der Rheingräflichen Truppen abwarten wollte. Der Aufbruch der schwedischen Armee von Breitwang[22] erfolgte am Morgen des 5. September. Auf Anraten des schwedischen Generalquartiermeisters Morshäuser begab man sich jedoch nicht direkt nach Osten, sondern zog zuerst nach Süden bis etwa auf die Höhe von Dehlingen,[23] um sich dann in nordöstlicher Richtung entlang der Straße nach Ulm[24] an die Stadt Nördlingen anzunähern, und zwar über den sogenannten Arnsberg oder Ohrenberg, einem Höhenzug der Schwäbischen Alb, dessen höchste Erhebung der Ohrengipfel zwischen den Orten Härtsfeldhausen[25] und Schweindorf[26] bildete.

Kurz vor diesem Zeitpunkt waren auch die Truppen des Feldmarschalls Cratz und die 4 rheingräflichen Kompanien unter dem Major Goldstein [Johann Arndt v. Goltstein; BW] zur Armee gestoßen. Während Herzog Bernhard, der das Hauptheer und die Vorhut führte, im Bereich der heutigen Schwäbischen Albstraße heranzog und sich zwischen Ederheim und Holheim den Vorposten der kaiserlichen Belagerungsarmee näherte, hielt sich die Nachhut mit der schweren Artillerie unter Feldmarschall Horn weiter östlich bis auf die Höhe von Schweindorf, um dann in einem nordöstlichen Schwenk, entlang des Buchbrunnenwaldes und unter südöstlicher Umgehung des Thalbergs durch einige in das Retzenbachtal hinabführende Hohlwege bei Ederheim[27] den Riesgrund zu gewinnen. Die Gesamtstärke des vereinten schwedisch-weimarischen Heeres betrug nach Khevenhiller: unter Herzog Bernhard 9500 (4500 zu Roß und 5000 zu Fuß), unter Gustav Horn 6300 Mann (4000 zu Roß und 2300 zu Fuß) und unter Feldmarschall Cratz 3800 Mann (800 zu Pferd und 3000) zu Fuß. Dazu kamen 6000 Mann württembergischer Ausschuß. Zusammen waren dies 9300 Mann zu Roß und 16.300 zu Fuß, nach Gustav Horns Bericht 11.000 Mann zu Roß und 14.000 Mann zu Fuß, mithin insgesamt ca. 25.000 Mann.

Vor den nördlichen Abhängen des Rieskraterrandes, gegenüber der Ortschaft Hürnheim,[28] wirft sich eine strategisch günstige und unbewaldete Erhöhung namens Albuch auf. Dieser Hügel fällt nach Süden relativ moderat ab und ist von den  Höhenzügen der Schwäbischen Alb durch ein damals teilweise sumpfiges Bachtal getrennt, durch welches in westöstlicher Richtung der Retzenbach (ehemals Goldbach) fließt, welcher östlich von Hürnheim in den Forellenbach mündet. An den Albuch schließt sich nach Westen eine Reihe mehr oder weniger zusammenhängender Erhebungen an. Die markanteste davon ist der bewaldete Heselberg (auch Häselberg), nordöstlich der Ortschaft Ederheim gelegen. Daran gliedert sich in westlicher Richtung der nördlich Ederheims liegende, teilweise bewaldete Lachberg mit seinen sanft in die Nördlinger Riesebene abfallenden Hängen und dessen bewaldeter und etwas höher gelegener westlicher Fortsatz, das Ländle. Den westlichen Abschluß dieser Hügelkette bildet das sogenannte Himmelreich, eine flache Felsformation, vom Ländle durch eine Senke getrennt, durch welche die Straße von Ulm nach Nördlingen führt.

Bei der Annäherung der protestantischen Truppen, die man erst bemerkte, als die Vorhut unter Herzog Bernhard auf der Straße westlich von Ederheim aus dem Wald kam, wurden diese Anhöhen mit Infanterieabteilungen besetzt. Vor allem der bewaldete Heselberg (bei Khevenhiller als Wäldchen bezeichnet) wurde von den kaiserlichen Befehlshabern zunächst als strategisch wichtig eingeschätzt, und mit einer starken Abteilung aus 200 spanischen sowie 300 deutschen und burgundischen Musketieren besetzt (Die in Neapel gedruckte ‚Relatione della Grandissima Vittoria’ (bei Rystadt, S. 236) nennt 400 Musketiere aus dem spanischen Regiment des Conde de Fuenclara unter dem Befehl des Majors Francesco Escobar). Der Großteil des kaiserlich-spanischen Heeres sammelte sich auf dem Schönefeld, einer flachen Erhöhung im Süden Nördlingens zwischen Reimlingen,[29] Schmähingen, Herkheim und dem Albuch und auf den Höhen bei Reimlingen. Einige Regimenter kaiserlicher Kürassiere wurden von König Ferdinand (bzw. dem General Gallas,[30] der den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen führte) auf die leicht erhöhten Ausläufer des Tannenbergs zwischen Ederheim und der Ulmer Straße, südlich des Ländle kommandiert, um dort am Fuß des Arnsbergs (bzw. Thalbergs) einen Posten zu fassen und zu versuchen, die Annäherung der weimarischen Vorhut unter Bernhard aufzuhalten und den Paß zwischen Ländle und Himmelreich zu sichern.

‚Umb 4. Uhren [nachmittags] ist der Feind mit Reutter, Fussvolck unnd Stucken auss dem Waldt auff der Ulmer Strass auff Nördlingen herauss kommen [...]‘ (Kurze eylfertige Relation etc., bei Rystad, S. 121). Die kaiserlichen Kürassiereinheiten, ca. 3000 Reiter stark, konnten jedoch das Vordringen der Schwedischen, welche mit kommandierten Fußtruppen und etlichen Regimentstücken vorrückten, nicht verhindern. Sobald Herzog Bernhard einige seiner berittenen Truppen herangezogen hatte, etwa gegen 5 Uhr nachmittags, befahl er den Angriff. Feldmarschall Cratz, der bei dieser Gelegenheit erstmals auf schwedischer Seite seine Fähigkeiten im Gefecht unter Beweis stellen wollte, griff die kaiserlichen Kürassierabteilungen zusammen mit den Regimentern Philipp Sattler [Sadler; BW] und Reinhold von Rosen mit Vehemenz an, welche sich zwar anfänglich unter dem Oberstleutnant Octavio de la Trapolla wieder etwas sammeln und die Cratzische Reiterei etwas aufhalten konnten, aber schließlich, nach dem Eingreifen der weimarischen Reiterei unter Lorenz von Hofkirchen, vor dieser massiven Attacke dennoch weichen mußten und über den Paß zwischen Ländle und Himmelreich, heute noch der ‚Kampf’ genannt, zurückgedrängt wurden. Die weimarischen Fußtruppen bemächtigten sich relativ schnell der westlichen Hügel Lachberg, Ländle und Himmelreich und schlugen die dort postierten kaiserlichen Musketierabteilungen aus dem Feld, während einzelne berittene Abteilungen ziemlich weit ins freie Feld vordrangen: ‚bey dieser Escarmouche haben sich 3000. Käys: Reuther befunden, welche vom Feindt biss in die Ebene under dem Berg [Lachberg] abgetrieben worden, worauff derselb vff vorbesagten Busch [das Ländle] mit unaussprechlicher furi zugesetzt [...] daß die Käyserischen umb 9. Uhren Abendts denselben quittieren müssen [...]‘ (Kurtze Relation und Specification etc., bei Rystad, S. 81).

Die Hauptmacht Herzog Bernhards rückte nun in Schlachtordnung vor, wobei die Fußbrigaden ungefähr zwischen Ederheim und Himmelreich, die Reiterei zwischen Ländle und Holheim zu stehen kam. Weil jedoch mittlerweile die Nacht hereingebrochen war und man an diesem Tag in offener Feldschlacht nichts mehr verrichten konnte, zog Bernhard die Schlachtordnung hinter Hesel- und Lachberg zurück zurück, wo man bei Ederheim Aufstellung nahm. Bei dem erwähnten Kavalleriegefecht wurde gleich zu Anfang der Malteser-Grandprior Pietro Aldobrandini, Oberst eines Kürassierregiments, angeblich eigenhändig von Feldmarschall Cratz erschossen: ‚vnd wiewohl ihme [Aldobrandini] die vndergeende Sonne Straalen in das Gesicht giengen, nichts desto weniger, so setzte er Mannlich in den Feind, gleich wie es einem solchen Cavalier wolzustehet. Aber weil die Kriegslauff vngewiss, vnnd jhne das vnglück getroffen, wirdt er mit einer Pystolen durch den Kopff geschossen, da er dann vom Pferd gefallen vnd von dem Feind als der da mutmasse das es eine vornemme Person war auff gehebt worden, jhne nun gleich widerumb zu curiren’. (Grundtlicher vnd aussführlicher Bericht etc.). Khevenhiller weiß noch einige Einzelheiten: ‚Als der Kratz zurück, hat er den Aldobrandino todt auf der Erden liegen gesehen, und seinen Todt, als seines guten Freundts, sonderlich, weil er ihn selbst durch den Kopf geschossen, betauret, und dem Obristen Rosa [Reinhold von Rosen] befohlen, den Leichnam auf eine Calesse zu legen und in das Dorf zu führen, in welchem, als es angezündet worden, der Cörper auch verbrandt’. (Khevenhiller XII, S. 1214). Ebenfalls auf kaiserlicher Seite gefallen war der Baron de la Tornetta aus Piemont, der ein Freifähnlein aus 2 Kompanien Arkebusieren geführt hatte. Der Marques Baptista Sanct Martin de la Baina, ein ‚Burgunder’ und Oberst eines wallonischen Arkebusierregiments, wurde lebensgefährlich verwundet. Auf protestantischer Seite fiel der Obristleutnant aus dem Regiment Öhm.[31] Verletzt wurden der schwedische Generalleutnant Lorenz von Hofkirchen und der weimarische Oberst Bodendorf, welche sich noch am selben Abend zurück nach Ulm führen ließen.

Durch diese Entwicklung und die unvermuteten schnellen Erfolge der Vorhut Herzog Bernhards war nun eine Situation eingetreten, die ursprünglich überhaupt nicht beabsichtigt war, und vor der der schwedische Feldmarschall Gustav Horn ausdrücklich gewarnt hatte. Dessen Vorschlag, auf den sich auch beide Feldherren vorher verständigt hatten, war gewesen, daß man ‘auf vnd am’ Arnsberg einen befestigten Posten gefaßt, gleichermaßen eine befestigte Stellung über den nordöstlich gegen Utzmemmingen[32] vorgelagerten Hügel bis an die Eger gezogen und sich hinter dieser Linie festgesetzt hätte. Auf diese Weise hätte man Gelegenheit gehabt, die heranziehenden Truppen des Rheingrafen Otto Ludwig abzuwarten und die Stadt Nördlingen bei Bedarf zu verstärken. Zudem hätte man sich in Richtung Neresheim[33] einen offenen Nachschubweg für Verpflegung und Material aufrechterhalten. Diese Vorteile hätten gleichzeitig schwerwiegende Nachteile für das kaiserlich-spanische Heer bedeutet, welches bei seiner großen Zahl jetzt schon unter Nahrungsmangel litt, und durch einen solchen Posten in Richtung Ulm und Bopfingen blockiert gewesen wäre. Wie man aus zuverlässigen Quellen nach der Schlacht erfuhr, wäre das spanische Heer unter dem Kardinalinfanten Don Fernando unter diesen Umständen maximal 10 Tage bei der kaiserlichen Armee verblieben und hätte dann seinen Weg in Richtung Bodensee und das Elsaß genommen, was die Kaiserlichen gezwungen hätte die Belagerung Nördlingens aufzugeben. (Chemnitz II, S. 530).

Die weimarischen Fußtruppen hatten, wie erwähnt, die nördlich von Ederheim liegenden Vorhügel des Arnsbergs: Lachberg, Ländle und Himmelreich, eingenommen. Die Eroberung des Wäldchens auf dem Heselberg gestaltete sich etwas schwieriger. Die anfänglich zu dessen Einnahme dorthin kommandierten Fußknechte konnten nichts ausrichten und wurden durch die dort postierten 500 kaiserlich-spanischen Musketiere zurückgeschlagen. Herzog Bernhard kommandierte daraufhin die Fußbrigade des Generalmajors Johann Vitzthum von Eckstädt dorthin, welcher diese Stellung zuerst mit Artillerie beschießen ließ, daraufhin die Anhöhe stürmte und die Musketiere, welche durch die Artillerie in Unordnung gebracht, auch wegen der Dunkelheit Freund von Feind nicht mehr unterscheiden konnten, vertrieb und sich so des Heselbergs bemächtigte. Als diese Aktionen abgeschlossen waren, ging es bereits gegen Mitternacht (Khevenhiller XII, S. 1215). Generalmajor Vitzthum sollte nun auch den östlich des Heselbergs liegenden Albuch unter seine Kontrolle bringen. Weil Herzog Bernhard aber Besorgnis trug, daß seine Fußregimenter zu weit von seinen Haupttruppen entfernt würden, erbot sich Feldmarschall Gustav Horn, dem ja der rechte schwedische Flügel zugedacht war, diese Aufgabe zu übernehmen. Die Truppen des Feldmarschalls waren, wie wir bereits erfahren haben, mit der Artillerie und der Nachhut in einem nordöstlichen Schenk unterhalb von Schweindorf herangerückt und begannen den Abstieg vom Arnsberg östlich des Thalbergs bei Ederheim. Dabei hatte Horn geplant, daß die Reiterei vorangehen sollte, gefolgt von den Fußtruppen[,] und die groben Stücke mit dem zugehörigen Train nachfolgen sollten. Im Anmarsch auf den waldfreien unteren Teil des Arnsbergs, bis zu dem man durch Gehölz und Hohlwege vorandringen mußte, war jedoch diese Ordnung in das Gegenteil verkehrt worden. Die Artillerie hatte sich noch vor der Reiterei eingereiht und in den Hohlwegen zum Teil umgeworfen, so daß an ein geordnetes Vorrücken nicht mehr zu denken war. Als man endlich im Talgrund anlangte[,] war es Mitternacht geworden und an gezielte Aktionen nicht mehr zu denken.

Durch den Verlust der Musketierstellung im Wäldchen auf dem Heselberg gewarnt, hielt man im kaiserlichen Lager Kriegsrat. Zu diesem kamen in der Kutsche König Ferdinands der spanische Kardinalinfant, General Matthias Gallas und Herzog Karl IV. von Lothringen zu einer Beratung zusammen. Man beschloß die Stellungen auf dem Albuch durch etliche Regimenter zu verstärken. Gleichzeitig begannen die auf diesem Hügel liegenden spanisch-italienischen Einheiten unter dem Kommando des italienischen Conte Gio[v]anni Cerbellone [Serbellone; BW] (der auch ein Kürassierregiment führte) und der Anleitung des Paters Gamaja, einem Experten für Fortifikationen, während der verbleibenden Nacht drei Erdverschanzungen aufzuführen, die zusammen eine dreipassige oder kleeblattförmige Anordnung hatten und mit Geschützstellungen versehen waren. Die schwedischen Generale nahmen diese Vorbereitungen nicht besonders ernst, obwohl ‚von selbigem Hügel etliche Schüsse aus Feldstücken unter die Königl. Schwedische Trouppen geschehen [...] Sintemahl ob man schon den Feind stark arbeiten gehöret, man darvor gehalten, daß Er in so kurtzer Zeit seine Wercke in keine sonderliche defension zubringen vermögen würde; Bevorab da man gewußt, daß der Berg felsicht, und nicht tieff in die Erde zu kommen’. (Chemnitz II, S. 531).

Zur Sekundierung der spanischen Pioniere auf dem Albuch kommandierte der General Gallas die unter spanischem Befehl stehenden Regimenter der Obersten Erhard Wurmser, Graf Wilhelm Salentin von Salm und Don Casparo Toralto (Neapolitaner) auf diese befestigte Höhe. Ebenfalls dorthin schickte er das Altschauenburgische Regiment[34] zu Fuß unter dem Grafen Walter Leslie sowie das bayerische Regiment Ottheinrich Graf Fugger, welche zusammen eine Brigade bildeten. Auf Bedenken des kaiserlichen Feldzeugmeisters Marchese Francesco Caretto di Grana, die 4 kommandierten Regimenter auf dem Albuch könnten noch nicht ausreichend sein, auch teilweise noch unerfahren, man müsse noch ein spanisches Regiment dazugeben, erteilte der Kardinalinfant dem Obersten Don Martin de Idiaques [Ydiaquez; BW] den Befehl, sich mit seinem spanischen Regiment zusätzlich dorthin zu begeben. Als dieser sich zu fragen unterstand, wie sich das Regiment im Falle eines Angriffs bei der Gefahr zerstreut zu werden verhalten solle, antwortete der Kardinalinfant Don Ferdnando: ‚Que Crepaay’, womit er meinte, er solle auf seinem Posten eher krepieren als weichen. Gleichzeitig unterstellte Don  Fernando die gesamte spanische Armee dem Oberbefehl des Matthias Gallas. (Khevenhiller XII, S. 1215, 1217, nach Don Diego de Aedo y Gallart).

Unterdessen berieten auch die beiden schwedischen Generale in Herzog Bernhards Kutsche die weitere Vorgehensweise. Bei den Kämpfen um den Heselberg hatte man den spanischen Major Escobar und einen Hauptmann gefangen genommen. Man ließ den Major vorführen. Die Frage nach der Stärke der spanischen Truppen beantwortete dieser mit etwa 20.000 Mann, was zwar leicht übertrieben war, der Wahrheit allerdings näher kam als die 7000 Mann, welche Herzog Bernhard annehmen wollte. Bernhard geriet durch die Antwort des Spaniers dermaßen in Rage, daß er drohte, diesen aufhängen zu lassen, falls er nicht die Wahrheit sage. Dieser blieb jedoch bei seiner Meinung und der Herzog ließ ihn abführen. (Ayedo y Gallart). Die beiden Feldherren waren sich einig, daß die Eroberung des strategisch außerordentlich wichtigen Albuchs ein hartes Gefecht bedingen würde und weil es mittlerweile etwa 3 Uhr morgens war und bis zum Tagesanbruch nicht mehr als 2 Stunden zu erwarten waren, kam man überein, während der Dunkelheit nichts mehr zu unternehmen und den folgenden Tag abzuwarten.

Das vereinte katholische Heer hatte am Morgen des 6. September, einem Mittwoch, etwa folgende Schlachtordnung eingenommen: die Hauptmacht besetzte das sogenannte Schönefeld. Hier und hinter dem Albuch hatte sich vor allem das spanische und kaiserliche Fußvolk und die Reiterei positioniert. Der linke Flügel stand auf den Anhöhen bei Schmähingen[35] und wurde durch spanische und kaiserliche Reiterverbände unter dem Oberbefehl von General Matthias Gallas, dem der spanische Generalleutnant Diego Felipe de Guzman, Marquès de Leganés zur Seite stand, gebildet, wobei die äußerste linke Stellung aus 9 Squadrons Kavallerie unter dem Kommando des spanischen Obersten Gerardo de Gambacorta gebildet wurde. Eine starke spanisch-bayerische Abteilung aus den bereits weiter oben erwähnten Regimentern hatte den Albuch und die dortigen Erdschanzen besetzt. Hinter diese Verschanzungen hatte Gallas die Kürassier- und Arkebusierregimenter unter dem kaiserlichen Feldmarschall Graf Octavio Piccolomini und dem Obersten Rittberg [Rietberg; BW] kommandiert. Diese bestanden aus den Regimentern Alt-Piccolomini, Rittberg, Aldobrandini, Nicola und Altsachsen. Das Mittelfeld bestand aus starken italienisch-spanischen Verbänden unter dem Conte Gioanni Cerbelloni und dem spanischen General Felipe Spinola, Marqués de los Balbases. Hier, gegenüber den schwedischen Stellungen auf dem Heselberg, standen die starken lombardischen Fußregimenter unter Giovanni Battista Panigarola und Carlo Guasco [Lixheim; BW]. Dahinter standen in Reserve die drei neapolitanischen Regimenter San Severino, Torrecusa und Cardenas, das spanische Regi-ment des Conde de Fuenclara, das lombardische Regiment Lunato und eine Reserve von 1000 Pferden kaiserlicher Reiterei. Der rechte Flügel zog sich in einem Bogen, am westlichen Ende des Schönefelds vorbei, bis etwa auf die Höhe von Herkheim nördlich des Heselbergs und wurde im wesentlichen von den bayrisch-ligistischen Truppen unter dem Oberkommando des Herzogs von Lothringen mit den Kavallerieregimentern unter Generalwachtmeister Johann von Werth und Feldmarschalleutnant Maximilian de Billehe gebildet, an deren rechten Flügel sich noch die Kroaten anschlossen.

Die Gesamtstärke des verbündeten katholischen Heeres betrug nach Khevenhiller 12.000 Mann Kaiserliche (7000 Roß und 5000 Fuß), 15.000 Mann Spanier (3000 Roß und 12.000 Fuß) und 6000 Mann Bayerisch-Ligistische (3000 Roß und 3000 Fuß), zusammen 20.000 Mann zu Fuß und 13.000 zu Roß. Dazu kam die irreguläre Reiterei der Ungarn und Kroaten mit etwa 2000 Mann zu Roß. Dies bestätigt Horns Bericht, der 20.000 Mann zu Fuß und 15.000 zu Roß angibt, insgesamt also 35.000 Mann. Der ‚Grundtliche und aussführliche Bericht etc.’ gibt 16.000 Spanier und 22.000 kaiserl.-ligistische Truppen an, insgesamt 38.000 Mann. Man war also auf katholischer Seite dem protestantischen Heer um mindestens 10.000 Mann überlegen.

Bei Tagesanbruch machte sich der Feldmarschall Horn daran, den Albuch anzugreifen. Vom Heselberg zog sich ein mit Hecken bewachsener Hohlweg herunter, welchen der schwedische Vormarsch zu überwinden hatte. Horn entschloß sich deshalb, zu Gewinnung freien Raums, die Kavallerieregimenter von Hürnheim ausgehend etwas mehr auf den rechten Flügel östlich des Albuchs zu verlegen und das Fußvolk frontal auf die Erhebung vorrücken zu lassen, so daß sich daraus eine Art Zangenangriff ergab. Zum Sturm auf die zentrale Südflanke des Albuch kommandierte er die Würt[t]embergischen Brigaden zu Fuß unter Oberst Philipp von Liebenstein und ein Regiment unter Oberst Josias von Rantzau. An vorderster Front stand, wie so oft, die schottische Brigade unter Oberst Ludovick (oder Robert) Leslie, dem Oberstleutnant des Monro’schen Regiments, William Stewart und dem schottischen Oberst Henry Muschamp sowie das grüne Regiment unter Oberst Adam von Pfuel (ehemals Sir John Hepburns Rgmt.). Nach Osten schloß sich Horns Reiterei an, beginnend mit seinem Leibregiment aus 2 Squadrons à 4 Kompanien unter Oberstleutnant Georg Melchior von Witzleben, nach rechts anschließend Arvid Wittenbergs finnische Squadron, die Regimenter des Generalmajors Bernhard Schafelitzky [Schaffalitzki; BW] und Friedrich von Rostein [Rostien; BW], das Regiment des Generalleutnants Lorenz von Hofkirchen (ex Baudissins Regiment) unter dem Befehl von dessen Oberstleutnant und die 4 rheingräflichen Kompanien des Majors Johann Arnd von Goldstein. Die Absicht Horns war, die Kavallerie gleichzeitig mit dem Fußvolk vorrücken zu lassen um dieses in der rechten Flanke zu sekundieren.

Dem Feldmarschall Horn unterlief nun der erste folgenschwere Fehler, indem er, weil die Fußbrigaden etwas langsam heranrückten, einen Erkundungsritt auf die erste Anhöhe des Albuchs machte. Dieses wurde von Oberstleutnant Witzleben mißverstanden, welcher nun meinte, mit den 2 Squadrons des Horn’schen Leibregiments vorrücken zu müssen. Ehe sich Horn versah, war Witzleben auf der Höhe der Verschanzungen und attackierte sofort Walter Leslies Alt-Schauenburgisches Regiment und die spanischen Fußregimenter. Als ihm aber das spanische Kürassierregiment des Gerardo de Gambacorta in die Flanke fiel, wandte sich Witzleben gegen dieses, schlug es mitsamt der anrückenden Unterstützung zurück, wobei der Oberst Gambacorta schwer verletzt wurde, und verfolgte es bis auf die östlichen Anhöhen des Schönefelds bei Schmähingen. Dort wurde Witzleben von den Kürassierregimentern unter Gallas und Leganés zurückgeworfen, woraufhin Horn letztendlich gezwungen war, seinem Oberstleutnant zu sekundieren und mit etlichen Kavallerieregimentern nachzurücken, die, weil sie gegen die verschanzten Musketiere und Artilleriestücke anreiten mußten, ebenfalls empfindliche Verluste erlitten.

Der schwedische Feldmarschall wollte sich nun unbedingt der am vordersten gelegenen halbmondförmigen Verschanzung, in der die Fußregimenter Salm und Wurmser sowie 3 halbe Kartaunen und etliche Feldstücke standen, versichern. Er ließ deshalb die beiden vordersten Brigaden zu Fuß vorrücken, welche auch wirklich die Schanze, nach Heilmann erst im 7. Anlauf, eroberten und die darin stehenden beiden Regimenter herausschlugen. Die beiden in spanischen Diensten stehen Obersten Graf Wilhelm von Salm und Erhard Wurmser kamen bei diesem Angriff ums Leben. Indem aber die beiden Horn’schen Sturmbrigaden ‘mit kurtzen Wöhren’ (Helmbarten) fast gleichzeitig von zwei Seiten in die Verschanzungen eindrangen, brachten sie selbst in Unordnung, wobei noch zu allem Unglück die dort gelagerten Munitionsvorräte in die Luft flogen und auf beiden Seiten zahlreiche Tote und Verletzte forderten. Diese Verwirrung nutzten nun die hinter den Schanzen, welche zu dieser Seite offen waren, haltenden Kürassiere unter Piccolomini und Rittberg, trieben die schwedischen Fußregimenter in die Schanzen zurück und zwangen diese schließlich zum verlustreichen Rückzug an den Fuß des Albuchs. Die demoralisierten Brigaden waren vorerst nicht mit allem Zureden Horns zu einem neuen Sturmversuch zu überreden, obwohl die Verschanzung mit den darin stehenden Geschützen für eine geraume Weile leer stand. Chemnitz (S. 532) bemerkt bei dieser Stelle richtig, daß, wären die Regimenter zu Roß, welche sich nach ihrem ersten Rückschlag etwas weiter zurückgezogen hatten, zusammen mit den Fußtruppen zur Stelle gewesen, hätte man wohl unweigerlich die Schanze einnehmen und halten können. Dieser Fehler kann zweifelsohne als eines der Versäumnisse angesehen werden, die entscheidend zur Niederlage der protestantischen Truppen beitrugen.

Auf kaiserlich-spanischer Seite hatte man die Schwachstelle der unbesetzten Schanze schnell erkannt und beeilte sich, diese wieder zu besetzen. Das Alt-Schauenburgische Regiment unter Leslie wurde nun auf die rechte (westliche) Seite der Verschanzungen herübergezogen und an der rechten Flanke mit den lombardischen Fußregimentern Panigarola und Guasco verstärkt. Die bayerischen Regimenter der Obersten [Johann Christoph Fhr.] von Ruepp und von Hartenberg wurden als Reserve hinter dem westlichen Teil des Albuch auf dem Schönefeld in Bereitschaft gestellt. Als dies geschah, war es gegen 8 Uhr morgens. Nun war aber die Wichtigkeit der Gewinnung des Albuch zu groß, als daß man schwedischerseits darauf hätte verzichten können. Horn ließ also frische Brigaden heranführen, welche erneut vergeblich versuchten, das Bollwerk zu erstürmen. Nach einer Bemerkung im Theatrum Europaeum hätte sich in diesen Aktionen besonders die weimarische Brigade des Generalmajors Johann Vitzthum von Eckstädt bewährt und ihre ‚devoir, wie gesagt wird, wohlgethan’. Vitzthums Brigade, die zu Herzog Bernhards Armeekorps gehörte und in der vergangenen Nacht die Höhe des Heselberg eingenommen hatte, auch im Begriff war den Albuch zu stürmen, wurde von Herzog Bernhard jedoch, wie wir wissen, zurückgehalten, nachdem sich Horn bereit erklärte diese Aufgabe zu übernehmen. Sie war wohl im rechten Teil von Herzog Bernhards linkem Flügel vor dem Heselberg positioniert, links neben Johann Jakob von Thurns Brigade und dem gelben Regiment. Als man bei den Sturmtruppen am Albuch, es war gegen 10 Uhr, gewahr wurde, daß etliche Truppen von Bernhards linkem Kavallerieflügel in Unordnung gerieten und sich auf die Höhe des Lachbergs, teilweise sogar bis an die Hänge des Arnsbergs zurückzogen, sank die Moral der Sturmbrigaden auf den Tiefpunkt.

Um den Zusammenhang zu wahren, soll an dieser Stelle auch die Entwicklung auf der Seite des linken schwedischen Flügels unter Herzog Bernhard von Weimar beleuchtet werden, wo sich folgendes Szenario entwickelt hatte. Die Fußregimenter Herzog Bernhards hatten sich bald nach Tagesanbruch an den Nordhängen des Hesel- und Lachbergs in Schlachtordnung aufgestellt. Nördlich des Lachbergs formierte sich die weimarische Reiterei unter Feldmarschall Cratz in folgender Anordnung: im Anschluß an die Brigaden zu Fuß, knapp westlich der Verbindungsstraße zwischen Ederheim und Herkheim, stand das Kavallerieregiment Christoph Karl von Brandenstein unter dessen Oberstleutnant. Nach links schlossen sich an: das Regiment von Eberhard Beckermann, das Regiment des Obristen Johann Bernhard von Öhm, eine Reitersquadron unter dem jungen Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Ansbach (ehemals Regiment Bulach), das Regiment Herzog Ernst von Sachsen-Weimar, das Regiment Courville unter dessen Oberstleutnant, das Regiment Uslar unter Oberstleutnant Birckenfeld[36] (der weimarische Generalmajor Georg von Uslar selbst war am 3. August von Forchheim[37] aus zu Herzog Wilhelm abgereist) und schließlich Feldmarschall Cratz’ eigenes Regiment zu Pferd. Den äußersten linken Flügel bildeten die Regimenter Georg Christophs von Taupadel (dem man erst im Frühjahr dieses Jahres vor Furth im Wald[38] den linken Arm abgeschossen hatte) mit seinen Obersten Philipp Sattler und Reinhold von Rosen.

Diesen gegenüber stand die bayerische Kavallerie unter Feldmarschall-Leutnant Maximilian de Billehe und Generalwachtmeister Johann von Werth, welche den rechten Flügel der katholischen Kavallerie formierten. Taupadels Reiter schwärmten nun gleich anfänglich, es war gegen 8 Uhr morgens, an der Straße nach Nördlingen gegen Kleinerdlingen[39] aus, in der Absicht, der bayerischen Reiterei in die Flanke zu fallen. Auf diese Weise zog sich die schwedische Kavallerieaufstellung nun in einer bogenförmigen Anordnung vom Heselberg bis fast nach Kleinerdlingen, wie dies auf Merians Kupferstich im Theatrum Europaeum (Bd. III, S. 334) deutlich zu sehen ist. Werths Reiterei eilte den Taupadel’schen Esquadrons entgegen und es entspann sich ein hin- und herwogendes Reitergeplänkel, wobei die schwedische Reiterei ‚bald zum Streit gelocket, bald zurückgetrieben’ wurde (Khevenhiller XII, S. 1220). Dabei wurde gleich anfangs der kurbayerische Feldmarschall-Leutnant Billehe erschossen. General Gallas kommandierte nun das kaiserliche Kürassierregiment Luigi Gonzaga und das Neu-Piccolomini’sche Kürassierregiment unter Oberstleutnant Hans Notario zur Unterstützung auf den rechten Flügel, welche zusammen mit Werths Truppen den linken schwedischen Flügel bis zu den Hängen des Lachbergs und des Heselbergs zurückjagten[,] und bei dieser Gelegenheit die zur Unterstützung kommandierten schwedischen Musketiereinheiten niedermachten.

Nach dem Tagebuch des bayerischen Obersten Fritsch ergibt sich der Eindruck, als hätte Johann von Werth die schwedische Kavallerie absichtlich in Richtung des Kirchdorfes Kleinerdlingen (welches niederbrannte) locken wollen: ‘Da dann der General Wert, samt den Croaten etliche Male unweit über ein Kirchlein dieselben Truppen [schwedische Reiterei] angefallen, aber allezeit wieder zurückgejagt worden; als aber; als aber von uns etliche Regimenter deutscher Reiter, die hinter dem Kirchlein gehalten und von unserem Regiment Hauptmann von Angelbach[40] mit 200 Mann kommandiert darin gewesen [d. h. im Dorf lagen 200 kommandierte Musketiere], als hat Herr General den Hauptmann aus dem Kirchhof herausgenommen, zwischen dem Regiment reutend eingemischt, darauf er mitselbigen Reitern und Croaten mit ganzer Macht auf des Feindes Reiter losgegangen, und weil sie [die Weimarischen] auch Musketiere unter sie eingetheilt gehabt, sind selbige, welche bei 300 gewesen zu rechnen, in einem Augenblick niedergemacht. Jan van Wert ist alsobald fort und auf die Infanterie gegangen, welche auch nicht lange gestanden, weil sie gesehen, daß ihre Reiter durchgegangen, haben sie sich auch fort wollen machen, aber es sind wenig davon kommen’. (Fritsch, Tagebuch, bei L. v. Westenrieder Bd. 4, Teil 4, S. 105-191). Durch die Mitteilung Fritschs wird klar, daß dieses Re[n]contre bei Kleinerdlingen und nicht, wie bisweilen angenommen, bei Herkheim seinen Ausgang genommen hatte. Dies geht auch aus der Darstellung des sehr detaillierten Kupferstiches der Schlacht von Matthaeus Merian im Theatrum Europaeum hervor. Dort ist Erdlingen als einzig brennende Ortschaft eingezeichnet, während Herkheim komplett von kaiserlichen-spanischen Verbänden und Feldbefestigungen umgeben ist.

Gegen 10 Uhr vormittags hatte Herzog Bernhard von Weimar die schwedischen Brigaden zu Fuß, welche bisher noch an den Nordhängen des Hesel- und Lachberges gestanden hatten, in die Ebene hinabrücken und, von der Artillerie auf diesen Anhöhen unterstützt, gegen die kaiserlichen Stellungen am westlichen Rand des Schönefelds vorgehen lassen. Von dort wurden sie jedoch durch massives Musketenfeuer zum Stehen gebracht und durch die zwei oben genannten Kavallerieregimenter Gonzaga und Piccolomini, unterstützt von einigen Kompanien zu Pferd und etlichen Hundert kommandierten Musketieren des Regiments Fuenclara, die ihnen der Marqués de los Balbases entgegenschickte, zurückgetrieben.

Dies war nun der Zeitpunkt [,] als die Horn’schen Sturmbrigaden am Albuch die bis auf die Höhen des Lachbergs zurückflutenden schwedischen Reiter Taupadels wahrnahmen. Herzog Bernhard, der sich im rechten Abschnitt des linken schwedischen Flügels befand, versuchte mit den verbliebenen Fußregimentern die Stellungen vor dem Heselberg zu halten und die linke Flanke Horns zu decken. Von seiner Position hatte er die Probleme Horns am Albuch mitbekommen. Er kommandierte deshalb den Grafen Johann Jakob von Thurn mit einer Brigade, die aus dem gelben Regiment (ehemaliges Regiment Lars Kagg) und Thurns eigenem schwarzen Regiment bestand, dem rechten Flügel zu Hilfe zu kommen. Diese Brigade rückte nun, unterstützt durch Bernhards Leibregiment zu Pferd unter Oberstleutnant Bouillon, am nördlichen Waldsaum des Heselberges an den Albuch heran, traf jedoch nicht auf die umkämpfte vordere Schanze, sondern auf die steil abfallende und mit Gebüsch bewachsene[n] westliche Flanke des Berges, wo die starke neapolitische Brigade des Obersten Caspar Toralto, das Altschauenburgische Regiment unter Leslie und die spanischen Fußtruppen standen.

Thurn, der gegen diese starken Verbände auf erhöhter Position nicht ankommen konnte, setzte sich am Westhang des Berges fest und verhinderte auf diese Weise das Eindringen der katholischen Truppen auf die strategische Waldhöhe des Heselbergs. Piccolominis Kürassierregimenter versuchten verschiedene Male, die Thurn’sche Brigade in der Flanke zu treffen, wurden aber durch die nun aktiver werdende Horn’sche Kavallerie in Schach gehalten, bei der vor allem der Oberstleutnant von Witzleben mit Horns Leibregiment seine anfangs erhaltene Scharte wieder auszuwetzen suchte, sodaß sich nach und nach ein ausgedehntes Kavalleriegefecht entwickelte. Der königl.-schwedischen Reiterei gelang es allerdings nicht, die kaiserlichen Kürassiere nachhaltig zurückzudrängen und sie mußte sich nach jedem der bergauf zu führenden Angriffe wieder an den Fuß des Hügels stellen. Mit der Zeit hatten das gelbe und schwarze Regiment unter Graf von Thurn schwere Verluste erlitten und mußten abgelöst werden. Das neu herangeführte Regiment war hingegen schon demoralisiert und konnte die Stellung nicht lange halten, so daß es den lombardischen Fußtruppen unter Guasco und Panigarola gelang, an der westlichen Flanke des Albuchs vorzurücken und in das strategisch wichtige Wäldchen auf dem Heselberg einzudringen.

Das Treffen hatte nun (nach Horns Bericht bei Chemnitz II, S. 532) ‚in die sieben oder acht stunden gewehret, darin die truppen durch so viel unterschiedliche Chargen [...] sehr schwach geworden. Nicht weniger, daß sich die Soldaten mit den Verwundeten (deren man nach und nach sehr viele bekommen) hauffenweyse weggeschlichen [...]. Dieser Ursachen halber, sowol in Erwegung, daß, da der Feind in obgemeldtes Holtz [Heselberg] mit theils Fußvolck gerücket, [und] er den FeldMarschalck [Horn] sambt den Seinigen [...] von der Seyte und von hinten her anfallen, zugleich vom lincken Flügel gantz abschneiden können, [darum] sprachen die hohe Officirer dem FeldMarschalck unterschiedlich zu, darauff zu gedencken, wie er sich von dem Ort ab[be]geben, und einen sicheren Stand ergreiffen möchte’. Die schwedischen Kommandeure dachten nun also über einen geordneten Rückzug nach, welches unter den zu diesem Zeitpunkt herrschenden Bedingungen ein extrem riskantes Unternehmen war.

An dieser Stelle ist es interessant, den Zeitpunkt dieser Phase der Schlacht etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Geht man von einem Beginn des Vormarsches bei Tagesanbruch gegen 5 Uhr aus, dann war es nach Horns Bericht und der Schilderung bei Chemnitz jetzt gegen 12 Uhr Mittag. Zum gleichen Ergebnis kommt die ‚Kurtze eylfertige Relation etc.’, nach der ‘Morgens zwischen 4. und 5. Uhren [...] der Feind [...] in grosser furi [...] angesetzt [... und ...] nach siebenstundigem unauffhörlichen Treffen dess Feindts gantze Armada [... usw.]‘ (Rystad, S. 121). Nach dem ‘Grundtlichen vnd aussführlichen Bericht’ hatte die Hornsche Armee bei Hürnheim in Schlachtordnung gestanden, ‚so sich die schöne Morgenröthe herfürgethon’, mußte also erst, wie auch Horn schildert, über den Hohlweg anmarschieren, worüber es wohl 6 Uhr war, welchen Zeitpunkt auch Khevenhiller bestätigt, worauf Horns Brigaden nach obigem Bericht ‚sechs gantzer Stunden in die vnserige bestendig gesetzt’. Also war es auch nach dieser Quelle um die Mittagszeit, bis zu welchem Zeitpunkt die schwedischen Sturmtruppen insgesamt 15, nach anderen Quellen 17 erfolglose Stürme gegen den Albuch vorgetragen hatten und dadurch stark dezimiert und völlig erschöpft waren.

Horn schickte deshalb den Generalquartiermeister Morshäuser zu Herzog Bernhard, um ihn nach seiner Meinung zu fragen. Bernhard schlug vor, sich in den jetzigen Stellungen zu verschanzen, und dort die Dunkelheit abzuwarten. Dies wurde jedoch von Horn abgelehnt: ‚[...] nachdemmahl es aber nicht viel über mittag, und dahero eine Unmüglichkeit an so unbequemen Ort, und unter so viel offensen eine dergleichen lange Zeit abzuwarten’. Man einigte sich schließlich darauf, daß Bernhard mit dem Fußvolk die Stellungen auf den Hügeln halten und mit der Reiterei den Feind in Schach halten sollte, bis Horn seine Truppen abgeführt hätte, um sich dann unter dem Schutz von Horns Artillerie selbst zurückzuziehen.

Horns einzige Möglichkeit des Rückzugs bot sich am Retzenbachtal entlang in westlicher Richtung gegen Ederheim, um von dort den Arnsberg zu gewinnen, sich dort zu verschanzen und sodann mit einigen Geschützstellungen Bernhards Rückzug zu decken. Dies konnte aber nur unter der Voraussetzung gelingen, daß Bernhard ihm die linke Flanke und damit den Zugang dorthin freihielt. Horn ließ, weil die Artillerie ziemlich weit vorgerückt war, seine Reiterei nochmals auf den Feind chargieren und unter dieser Bedeckung die Geschütze einholen. Die Zugordnung arrangierte er so, daß er die Geschütze an den Anfang setzte, dann kam die Avantgarde an Reiterei und Fußvolk, danach das Hauptheer und schließlich die Nachhut. Dieser Zug setzte sich schließlich in Richtung Ederheim in Bewegung und machte auch ziemliche Fortschritte. In das Dorf selbst plante Horn, sobald der Zug dieses passiert hätte, starke Musketiereinheiten zu legen um auf diese Weise den Nachzug zu decken.

Über die genaue Abzugsrichtung Horns hat es einige Spekulationen gegeben. Der Grund hierfür ist, daß in Merians Schlachtskizze des Theatrum Europaeums, in welchem alle Schlachtbewegungen, auch die des Vortages, sonst akribisch dargestellt sind, das besagte Dorf, über welches der Anzug wie auch die Flucht der Horn’schen Truppen erfolgte, mit ‚Hirnheim’ bezeichnet ist. Auch der zugehörige Text im Theatrum Europaeum (Bd. III, S. 335, gedr. i. J. 1639) lautet: ‚[...] und haben sich (Horns Truppen) bey dem Dorf Hirnheim sampt und bey den Stücken gestellt, da sie dann schon allbereit den Berg zu gutem Vortheil gefaßt, und unterschiedliche Truppen neben den Canonen darauff gebracht und sich wieder gestellet’. Betrachtet man den Merian’schen Stich allerdings genauer, dann sieht man, daß am linken Bildrand, unterhalb der heutigen Ruine Niederhaus, einige Häuser stehen, die zweifelsohne zu Hürnheim gehören. Ederheim ist auch am richtigen Ort, jedoch mit dem falschen Namen ‘Hirnheim’ eingezeichnet. Es kann sich also nur um eine Verwechslung der Ortsnamen handeln.

Chemnitz, unter Einbeziehung von Horns Bericht, definiert die Örtlichkeit wie folgt: ‚Es lag aber in dem Thal am Arnsberge, ohngefähr zween mußquetten-Schuß von dem Hügel, da das Treffen vorgangen [in diesem Fall dem zentralen Ort, als dem Heselberg], ein Dorff, welches sich von der einen Hand nahend an die Höhe schloß, von der anderen Seite ein morrassisches Bächlein [den Retzenbach] hatte’. Nimmt man zwei Musketenschüsse mit max. 600-800 m an, so wird klar, daß hier nur Ederheim gemeint sein konnte, von wo man die Artillerie in die Stellungen auf dem Arnsberg zu bringen gedachte. Weiter bei Chemnitz: ‚In deme also der Canon schon über das Dorff hinauß, die avantguarde fast neben dem dorffe, und die arriereguarde über dreyhundert Schrit nicht mehr davon, siehe da kommt der linke flügel [Herzog Bernhards] in gänzliche confusion, und dessen etliche Regimenter zu Roß [von Lachberg und Ländle] ins Tal hinunter gehauen’. (Chemnitz II, S. 533).

Was war geschehen ? Herzog Bernhard hatte, nachdem die Reiterei des linken Flügels gegen 10 Uhr zu-rückgeworfen worden war, damit begonnen, sich in seinen Stellungen festzusetzen. Dazu wurden die auf der Höhe des Lachbergs und den anderen Erhebungen installierten Geschütze aktiviert (auf dem Lachberg standen 2, auf dem Ländle 6 Stücke) und vor dem Heselberg einige starke Brigaden zu Fuß postiert. Diese bestanden aus den Regimentern Bartholomäus Zerotin [Žierotin; BW], dem Fußregiment des Feldmarschalls Cratz, dem Regiment (Detlof von) Tiesenhausen, dem orangen Regiment des Generalmajors Johann Vitzthum von Eckstädt, dem Fußregiment James King unter seinem Obristleutnant, den Resten der Brigade Mitzlaff (Joachim Mitzlaff selbst nahm zwar an der Schlacht teil, jedoch als ‘reformierter’ Oberst, d. h. ohne Kommando), dem Fußregiment James Ramsey und Herzog Bernhards (grünem) Leibregiment unter Oberstleutnant Rüdiger von Waldau [Waldow; BW].

Mit dieser neuen Aufstellung gelingt es Bernhard, die Front wieder einigermaßen zu festigen. Die schwedische Reiterei formiert sich wieder und der Kampf mit den Truppen Johanns von Werth und den Regimentern des Herzogs von Lothringen wogt einige Zeit hin und her. Schließlich gelingt es den Kaiserlichen, die schwedische Reiterei massiv zurückzudrängen. Nachrückende Fußtruppen bemächtigten sich der Höhe des Lachbergs. Der bayerische Artillerieobrist Johann Puck [Puech; BW] läßt die beiden schwedischen Stücke gegen die feindlichen Stellungen wenden und beginnt den Wald des Heselbergs zu beschießen. Sobald der kommandierende General der bayerischen Liga, Herzog Karl von Lothringen, den Rückzug von Horns rechtem Flügel bemerkt, und dies kann nach Horns und den anderen Berichten, entgegen vieler Behauptungen, nicht vor Mittag dieses Tages gewesen sein, wirft er alle verfügbaren Regimenter zu Roß gegen die vor dem Heselberg befindlichen schwedischen Brigaden. Mit dem Herzog attackieren die kaiserlichen Kürassiere der beiden Mantuanischen Markgrafen und Brüder Annibale und Luigi Gonzaga, von denen der letztere acht Mal in den Feind setzt, dem ersteren zwei Pferde unter dem Leib erschossen werden (Grundtlicher vnd aussführlicher Bericht etc.). Parallel dazu rücken die spanischen Kürassiere unter dem Grafen Gioanni Cerbellone sowie, peletonweise feuernd, die spanischen Fußregimenter des Zentrums unter dem Marqués de los Balbases vor. Die Regimenter des kaiserlich-spanischen linken Flügels unter Gallas und Leganés sowie Piccolominis Kürassiere dringen über und östlich des Albuch auf die abziehenden Horn’schen Regimenter. Ununterbrochen attackiert Johann von Werths Kavallerie zusammen mit den Kroaten die schwedischen Reiterverbände des linken schwedischen Flügels, wobei die Kroaten nun östlich der Ulmer Straße über das Himmelreich ausschwärmen und dem abziehenden schwedischen Troß in den Rücken fallen. Die bayerischen Regimenter zu Pferd, (Egon Graf) Fürstenberg und (Adam Heinrich) Keller, dringen in die schwedischen Fußregimenter ein.

Herzog Bernhards Leibregiment zu Fuß wird vom Regiment Keller fast völlig vernichtet. Umsonst versucht der Herzog, die Fahne seines Leibregiments schwingend, die Truppen zu stoppen und erneut zu formieren, schickt auch noch einige Esquadrons Reiter in die Flanke des anstürmenden Gegners. Es gibt jetzt kein Halten mehr. Während die weimarischen Fußregimenter größtenteils niedergehauen werden, fluten die berittenen schwedischen Schwadronen über Lachberg und Ländle sowie den von Herkheim nach Ederheim zwischen Lach- und Heselberg hindurchführenden Weg zurück in Richtung Ederheim und Arnsberg. Im Retzbachtal prallen sie mit den sich noch in geordnetem Rückzug befindlichen Truppen Horns zusammen, bringen diese in Unordnung und reißen sie mit in die Flucht. Obwohl der Feldmarschall Horn von der Nachhut nach vorne galoppiert und die Verbände wieder zu ordnen versucht, ‚war die confusion doch so gros, daß er nichts auszurichten vermochte. Bevorab, da die Kayserliche ihnen stracks in den Eisen gewesen [...] daß es also hiemit bund über eck, und alles in voller Flucht durcheinander davon gegangen: da sonderlich das Königl. Schwedische Fußvolck hefftig eingebüsset, und was sich nicht in die Büsche verkrochen, mehrentheils niedergemachet, das allerweinigste aber gefangen genommen worden’ (Horn bei Chemnitz II, S. 533).

Herzog Bernhard hatte man das Pferd erschossen. Zu Fuß und mit einer leichten Verletzung am Hals kämpfte er gegen eine Kroaten und konnte, nachdem man ihm bereits den Degen genommen und die rote Feldbinde vom Leib gerissen hatte, von dreien seiner Leute wieder befreit werden. Er wäre dennoch unweigerlich in Gefangenschaft geraten, hätte ihn nicht ‘ein Capitain von den Tupadelischen Dragonern mit einem kleinen, doch untersetzten raschen Klöpper ausgeholfen: Der Dißmahl das Beste bei demselben gethan und ihn davon getragen (ebd. S. 534). Nach dem ‚Grundtlichen vnd aussführlichen Bericht’, der zu diesem Zeitpunkt die genauen Umstände der Flucht noch nicht kennen konnte, ist der ‚Weinmar mit einer Mussqueten Kugel geschossen worden, aber weil er zu Pferd war, hat er die flucht fort gesetzt gleichwohl das Pferd aller müd vnd ubel zugericht, weil ers selbige gantze Schlacht gebraucht, wie Horn selbst bekennt’.

Der schwedische Feldmarschall Gustav Horn wurde in der allgemeinen Verwirrung von einigen Reitern vom bayerischen Kürassierregiment des Werth’schen Obristen Bruno Busch gefangengenommen, der Feldmarschall Johann Philipp Cratz von Scharfenstein von einem Kroatenrittmeister namens La Fontana [Fontaine; BW]. In Gefangenschaft fielen auch die beiden schwedischen Generalmajors Schafelitzky und Friedrich von Rostien sowie die Obersten Schneidewein (Johann Schneidewindt), Hans Wachtmeister, Wettberger (Arvid Wittenberg), Bartholomäus von Zerotin (Bartholomé von Žerotín)  und dessen Oberstleutnant Hans Georg Colonna von Fels. Die beiden letzteren waren mährische bzw. böhmische Exilanten, von denen von Fels wenig später an der Pest starb (Chemnitz II, S. 534).

Nicht unmittelbar in der Schlacht, aber auf der Flucht von den Kroaten gefangengenommen wurde Horns Generalquartiermeister Morshäuser. Auch der schottische Generalmajor Jakob (James) King, der am 8. September auf Befehl Herzog Georgs von Braunschweig-Lüneburg zur Unterstützung der schwedischen Truppen in Richtung Main gezogen war, wurde Ende Oktober von Truppen des Kroatengenerals Goan Lodovico Isolano gefangen. Dies wird durch einen Brief Isolanos an Feldmarschall Piccolomini vom 10.11.1634 bestätigt, in welchem dieser über die seit der Schlacht bei Nördlingen gemachten Gefangenen berichtet. Darin schreibt er, er selbst halte Oberst König, einen Schotten, in Gewahrsam. Die Polen (Kosaken) hielten neben anderen Personen den Oberstleutnant zu Roß (David) Leslie, gleichfalls Schotte, Horns Generalquartiermeister und den Generaladjutanten Herzog Bernhards, von der Grün, gefangen. (StA Leitmeritz, RA Clam-Gallas XVIII/5, in: DBBTI V/1059).

Der Blutzoll dieser Schlacht übertraf alles bisher in Feldschlachten des Dreißigjährigen Krieges Dagewesene. Das schwedisch-weimarische Heer hatte insgesamt etwa 8000-10.000 Tote, zum weitaus größten Teil Fußvolk, zu beklagen, 3000-4000 Mann gerieten in Gefangenschaft. Unter diesen hatte der württembergische Landesausschuß, von dem allein 4000 tot oder gefangen waren, und die schottische Brigade die schlimmsten Verluste. Von Robert Monros schottisches Regiment (Regiment Mackay) unter Oberstleutnant William Stewart konnte Ende September bei Worms[41] in der Pfalz gerade noch eine Kompanie gebildet werden. Hier beklagt Monro in seinen Erinnerungen zu recht: ‘Eine unselige Angewohnheit aller Generale war es, daß sie für gefährliche Dienste meistens diejenigen heranzogen, die ihnen auch sonst am besten dienten, und nachdem sie einmal deren Mut erfahren hatten, versäumten sie es nie, diese immer in den gefährlichsten Aktionen einzusetzen, wobei sie als einzige Belohnung nur deren Mut lobten, während andere überhaupt nicht erwähnt wurden’. (Monro/Expedition I-1, I-19 u. II-List 1). Das verbündete katholische Heer hatte 1200 Tote und ebensoviel Verwundete.

Was die Befehlshaber anbelangt, so waren im protestantischen Heer von den Deutschen nur der gerade mündig gewordene Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach und, bereits am Vortag, der Oberstleutnant des Regiments Ohm gefallen. Die schottische Brigade verlor den Oberst Henry Muschamp und Oberstleutnant John Forbes of Tullough sowie die Obristwachtmeister [Majors] Ruthven, Sidserfe und David King, einen Bruder des schwedischen Generalmajors. Die katholischen Verbündeten hatten neun Obristen und viele Offiziere verloren. Gefallen waren der Oberst Silvio Piccolomini (ein Neffe des späteren kaiserlichen Generalleutnants und Herzogs von Amalfi, Graf Octavio Piccolomini), der durch einen Pistolenschuß fiel, die in spanischen Diensten stehenden Obristen Erhard Wurmser und Wilhelm Salentin von Salm, der Conte Giovanni Battista Panigarola, der piemontesische Oberst Ayazzo (Don Diego schreibt Ayasso), der gleich morgens um 6 Uhr zwischen dem Kardinal-infanten Don Fernando und König Ferdinand stehend mit einer Geschützkugel getroffen wurde, der ebenfalls spanische Feldmarschall Carlo Guasco[42] und der bayerische Feldmarschall-Leutnant Maximilian de Billehe. Billehe, ein Wallone, wurde nach Khevenhiller allerdings nicht in der Schlacht getötet, sondern durch einen Schuß mit einem gezogenen Rohr[43] aus dem Wald getroffen. Auch Johann von Werths Major Mörmann war gefallen. Am Vortag waren, wie bereits berichtet, die kaiserlichen Obersten Pietro Aldobrandini, der piemontesische Baron de la Tornetta und der wallonische Marques Baptista Sanct Martin de la Baina auf dem Schlachtfeld geblieben. Letzterer wird von einigen Quellen unter den Toten verzeichnet, Khevenhüller schreibt ‚tödtlich verwundet’, was im damaligen Sprachgebrauch als lebensgefährlich verwundet zu verstehen ist, an anderer Stelle wird bestätigt, daß ‚Hr. Obr. St. Martin, doch nicht tödlich, verwundet worden [...]‘ (Kriegskommissär Reinhard von Walmerode in einem Brief an Hofkriegsratspräsident Graf Heinrich von Schlick). In den kaiserlichen Kriegslisten ist er nicht unter den Toten verzeichnet.

Das Elend, das auf dem Schlachtfeld zurückblieb, entzieht sich unserer heutigen Vorstellungskraft. Auf protestantischer Seite wurden die Verwundeten überhaupt nicht registriert, da die leichteren Fälle zu den Gefangenen gezählt wurden, die schwerer Verwundeten keine Überlebenschance hatten. Die siegreichen Soldaten durchzogen das Schlachtfeld, machten alles nieder, was sich noch bewegte, zogen den stöhnenden Verwundeten und Toten die Kleider aus[44] und plünderten, was zu bekommen war. Dabei taten sich vor allem die Spanier unrühmlich hervor: ‚Beynebens war auch der Spanier Eifer so groß, daß sie auf der niedergemachten schwedischen Soldaten Kleyder Pulver gestrewet und angezündet haben, mit vermelden, weils Ketzer seyen, so müsse man sie mit Feuer verfolgen und verbrennen’ (Gründliche und wahrhafte Relation usw.). Ein spanischer Soldat, nennen wir ihn Estebanillo Gonzáles, der sich zu Beginn der Schlacht neben einem Pferdekadaver tot gestellt hatte, nun aufsprang, sein Rapier zog und sich über die Verwundeten hermachte, war wohl nur einer von Vielen, die zum Realität gewordenen Alptraum der hilflos am Boden Liegenden wurden. Die meisten Äußerungen dieser Art, von denen die zeitgenössische Literatur eine Vielzahl bietet, sind sicherlich tendenziell und deshalb mit Vorsicht zu genießen. Auch verbietet sich hier eine einseitige Klassifizierung der siegreichen Seite (so bestand z. B. die spanische Armee des Kardinalinfanten auch aus einem Großteil Italienern und die Verfolgung und Niedermetzelung der Fliehenden wurde hauptsächlich von Kroaten und den bayerischen Kürassieren Johann von Werths übernommen). Jedoch wird niemand, der sich mit diesem Metier auseinandersetzt, die Tatsache in Frage stellen, daß die Brutalität der Wirklichkeit diejenige der erhaltenen Schilderungen bei weitem übertraf.

Auch König Ferdinand und der Kardinalinfant ließen sich das schaurige Szenarium des Schlachtfelds nicht entgehen: ‚Nach geendigter Schlacht ist der König und der Infante hin und wieder auf der Wahlstatt herumgeritten, und die toden Cörper in grosser Anzahl zerhackt und durchschossen liegen sehen; der Prince Don Matthias [Matteo di Medici, Prinz von Toscana] ist mit geritten, dessen Pferd auf einen toden Cörper getreten, so noch eine brennende Lunde bey sich gehabt, die in die Pulver-Flaschen kommen, und einen solchen Stoß gethan, daß ihm sein Roß gantz aufgehoben und niedergeworfen’. (Khevenhiller XII, S. 1221). Selbst die Verwundeten auf der siegreichen katholischen Seite konnten nur ungenügend versorgt werden: ‘Auf obgemeldete [664 Mann] ist an dato 14. [September] verordnet worden 350 Rationen Brot, 600 Pfund Fleisch, 370 Maß Bier; die Knechte müssen bei dieser Verpflegung ganz verderben’. (Fugger und Ruepp an Maximilian von Bayern, bei Heilmann II, S. 495).

Die Beute der Sieger war beachtlich. Mehr als 300 Cornets und Fähnlein, ein damaliger Gradmesser für die Größe des Sieges, wurden erbeutet und den Monarchen zu Füßen gelegt. Von diesen präsentierten die bayerisch-ligistischen Truppen unter Herzog Karl von Lothringen 125 Exemplare, 75 Trophäen hatte allein Johann von Werths Leibregiment erobert. Dazu kam der gesamte Schwedische Troß, bestehend aus 4000 vollbeladenen Wägen, 80 Geschützen und 1200 Pferden. Die berittenen Siegertruppen, vor allem die Kroaten, schwärmten nun regimentweise aus, um die Fliehenden zu verfolgen, niederzusäbeln und Beute zu machen. ‘Im Verfolgen sind die Reutter [der Schweden] hauffenweiß von den Pferden heruntergefallen und [haben] die schlechte auch unarmierte Croatenbueben kniend mit aufgehobenen Handen umb Quartier gebetten’, berichtete Ferdinand III. (Lahrkamp/ Werth, S. 40). Zum Glück für die Flüchtigen, jedoch auch nur für die Berittenen, war der Rheingraf Otto Ludwig über Göppingen[45] bis nahe Schwäbisch Gmünd[46] herangerückt, und konnte die verfolgenden Kroaten: ‘welcher nur drey Meilen von der Wahlstatt in bataille gehalten, und manchem guten Kerl das Leben gerettet’. (Chemnitz II, S. 533).

Die Straße in Richtung Stuttgart[47] war auch voll von zivilen Flüchtlingen. Der kurmainzische Rat und Amtmann von Fritzlar,[48] Christoph Heinrich von Griesheim (nach G. Rystad ein Verwandter des schwedischen Generalmajors Schafelitzky) schildert die Zustände drastisch: ‚uff 3. unnd 4. meil wegs seyn die Leut auss den Stätten gelauffen, nur die Kinder an den Armen gehabt, mit großem jamer und geschrey [... auf die Frage, wohin sie wollten ...] Gott möchte es wissen, sie könten in dieser eyl keinen rath finden, wehe und immer wehe gerufen, daß die Schweden ins Reich kommen, zuvor hetten sie mit accord handlen können, jetzo ginge es alles zu grundt [...]‘ (Rystad, S. 193)“.[49]

“Herzog Karl von Lothringen hatte sich unterdessen, eine Abteilung zur Blockade Augsburgs[50] zurücklassend,mit dem größten Teil des bayerischen Heeres in die Markgrafschaft Durlach und die Unterpfalz begeben. Nachdem er auf dem Weg dorthin Heidenheim,[51] Eppingen[52] und Pforzheim[53] eingenommen hatte, zog er mit der bayerischen Reiterei und 6 Feldgeschützen am 23. September von Pforzheim nach Ettlingen,[54] wo er am 25.9. ankam, um sich von dort weiter auf die Verfolgung des Rheingrafen zu begeben. Am 26.9. ging es weiter nach Steinbach[55] (bei Bühl[56]) und am 27.9.1634 näherten sich die Bayern der Rheinbrücke bei Kehl.[57] Auf der Höhe von Willstätt[58] kam es zu einem kleineren Gefecht mit den rheingräflichen Truppen, welche durch die mitt-lerweile zum bayerischen Heer gestoßenen Werth’schen Reiter einige Verluste erlitten. Rheingraf Otto Ludwig, der beabsichtigt hatte, bei Willstätt sein Armeekorps zusammenzuziehen, war von Offenburg[59] kommend, wo er zusätzliche Truppen gesammelt hatte, im Anmarsch auf Straßburg. Als der Rheingraf, welcher mit nur 15 Begleitern vorausritt, auf das bayerische Reiterregiment Keller stieß, war er der Meinung, dieses gehöre zu seinen Truppen und ritt eine Zeitlang parallel zu diesem. Seinen Irrtum schließlich bemerkend, gab er, verfolgt von den Keller’schen Reitern, seinem Pferd die Sporen und versuchte, an der Kinzig angekommen, diese unter dem Kugelhagel der Verfolger schwimmend zu überwinden: ‚da er dann sambt dem Pferde über ein schrecklich hoch Gestade hinab, gantz unters Wasser und den Schleim [Schlamm] sich gestürtzet, nachgehens dem Pferde den Kopff mit den beiden Fäusten wieder hervorgezogen, und bis ans andere Gestade durchgeschwummen, das pferd, dieweilen demselben, da hinauff zuklettern nicht müglich, verlassen, sich an den Bäumen und Gesträuche hinauff geholffen und also, unerachtet des continuierlichen Schiessens vom Feinde, gantz unversehret auf die andere Seite gelanget’.[59a]

Otto Ludwig erreichte also wirklich das andere Ufer, wo sich erneut ein tiefer Graben auftat, den er ebenfalls durchschwamm, sich mehrere Stunden in einem Busch versteckte und sich mit Hilfe eines Hanauischen[60] Bauern schließlich nach dreistündiger Fußwanderung nach Kehl[61] zu seinen Truppen durchschlug, welche er dort eilig in Schlachtordnung stellte. Auf diese traf der Herzog von Lothringen eine Stunde vor Sonnenuntergang und eröffnete mit 2 Geschützen das Feuer. Die Rheingräflichen mußten schließlich ihre Stellungen bei dem Dorf Kehl verlassen und wichen bis an die Rheinbrücke zurück, wobei eine Abteilung, die nicht rechtzeitig aus dem Dorf kommen konnte, eingeschlossen wurde und in den Flammen umkam. Durch einen Flankenangriff des frischgebackenen Feldmarschall-Leutnants Johann von Werth wurden die Truppen des Rheingrafen schließlich in die Flucht gebracht. 1500 Mann von ihnen blieben auf dem Schlachtfeld, eine große Anzahl wurde in den Rhein gesprengt. Ein Teil des Gepäcks, welches noch auf dem Weg nach Offenburg war, wurde erbeutet. Das Gefecht ging auch als ‚Schlacht an der Straßburger Brücke’ in die Annalen ein. Aus Wut und Enttäuschung über die seit Nördlingen erlittenen Niederlagen übergab Otto Ludwig alle besetzten Städte im Elsaß an die Franzosen und starb an den Folgen dieser Strapazen und Aufregungen am 16.10.1634 in Worms”.[62]

1634/35 führte Keller 6 Kompanien von ingesamt 500 Mann.[63]

Am 25.5.1635 schrieb Maximilian I. an Johann von Werth: „Weil der Oberst Keller in Tyrol Dienst angenommen und jetzt, da er in dem Winterquartier den Beutel gespickt, bei angehendem Feldzug zu quittieren vorhabens, wwäre man wohl befugt ein anderes gegen ihn vorzunehmen, man habe aber resolviert, und dem Herzog [Karl IV.; BW] von Lothringen geschrieben, ihn Keller alsogleich zu cassieren und bei dessen Regiment dem Oberstleutnant Gayling [v. Altheim; BW] anzustellen“. Gayling von Altheim übernahm das Regiment Kellers am 20.9.1635 als Obrist.[64]

Weiter heißt es im „Theatrum Europaeum“ zu 1643: „Der Commendant auff Hohen-Twiel[65] / Herr Obrister Widerhold / hatte besser Glück / darzu ihme eben wohl gedienet / daß das meiste Volck vom Bodensee abgeführet gewesen war / inmassen auch alles Käiserliche und Bäyrische Volck / so im Algäu / und Würtembergischen gelegen / auß den Besatzungen genommen / und unter dem General Mercy, wegen der Schwedischen Successen, nach Donawerth[66] geführet worden / geführet worden / massen dann erwehnter Herr Obrister Widerhold / auff empfangene gute Kundschafft / wie es um Uberlingen[67] am Bodensee beschaffen / den Orth auf den 19. 29. Januarii deß 1643. Jahrs / Morgens um 5. Uhr überfallen / ein Thor petardiret und einbekommen / drey Stund lang geplündert / darinnen eine gute Quantität Früchten gefunden / und die Stadt mit 600. Mann besetzt / welches denen zu Costnitz[68] nicht geringe Perturbation und Schrecken gegeben / angesehen der Orth zu erhalten / und von ansehnlicher importantz ist : insonderheit auch der in Costnitz gewesene Commendant, Obrister Keller / seithero der von Erlach im Ende Novembris vor der Stadt gewesen / und genugsamen Schaden gethan / sich so verdächtig gemacht / daß man ihn Wehrloß gemacht / seinen Secretarium zu examiniren angefangen / und den Obr. Lieutenant vom Commendanten verordnet hat.

Viel Bürger / Weiber und Kinder haben im ersten Schrecken die Flucht von Uberlingen nach Costnitz zu nehmen vermeynet / und sind darüber auff der See ersoffen. Der von Erlach aber hatte sich um diese Zeit deß Januarii allbereit mit Weymarischer Armee am Württemberger-Land conjungiret / und Baron d’Oysonville hatte seinen Weg schon Eingangs Decembris nach Pariß genommen / um Heraußsendung mehrern Volcks in Person zu sollicitiren“.[69]

[1] Freundlicher Hinweis von Herrn Peter Müller.

[2] Schleitheim [Kanton Schaffhausen].

[3] HALLWICH, Briefe und Akten Bd. 1, S. 549-553: Bericht Kellers vom 6.10.1631; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 73, fol. 248 (Konzept): Maximilian I. an Ferdinand II., München, 1631 X 13; Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f.

[4] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[5] JUNKELMANN, „Der Du gelehrt hast meine Hände den Krieg“. JUNKELMANN, Tilly. Eine Karriere; JUNKELMANN, Tilly. Der katholische Feldherr; KAISER, Politik.

[6] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 303.

[7] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[8] Franz v. Hatzfeldt war unter Mitnahme einer erheblichen Summe Geldes schlicht und einfach geflohen, nicht ohne die entsprechenden Durchhaltebefehle an seine Untertanen auszugeben.

[9] Karlstadt [LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 343ff.

[10] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[11] Himmelspforten, Kloster (Stadt Würzburg); HHSD VII, S. 297f.

[12] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[13] ENGERISSER, Von Kronach, S. 22ff. (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[14] Weilheim [LK Weilheim-Schongau]; HHSD VII, S. 797.

[15] OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 549.

[16] Wolnzach [LK Pfaffenhofen a. d. Ilm]; HHSD VII, S. 831f.

[17] Pfaffenhofen a. d. Ilm [LK Paffenhofen/Ilm]; HHSD VII, S. 579f.

[18] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 928.

[19] OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 564.

[20] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff. ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[21] Bopfingen [Ostalbkr.]; HHSD VI, S. 105f.

[22] Breitwang: Als Breitwang wird eine auf der Hochfläche des Härtsfeldes gelegene Ebene bezeichnet.

[23] Dehlingen, heute Stadtteil von Neresheim [Ostalbkreis].

[24] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[25] Härtsfeldhausen, heute Ortsteil von Bopfingen.

[26] Schweindorf, heute Stadtteil von Neresheim [Ostalbkreis].

[27] Ederheim [LK Donau-Ries].

[28] Hürnheim, heute Ortsteil von Ederheim [LK Donau-Ries].

[29] Reimlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 617f.

[30] Vgl. REBITSCH, Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[31] Hier sollte man die richtige Schreibweise Ehm bevorzugen.

[32] Utzmemmingen, heute Ortsteil von Riesbürg [Ostalbkreis].

[33] Neresheim [Ostablkr.]; HHSD VI, S. 556f.

[34] Das Regiment Hannibal von Schaumburg, der im März 1634 bei Freiburg an einem Fieber verstorben war.

[35] Schmähingen, heute Stadttteil von Nördlingen [LK Donau-Ries].

[36] Berkefeld [Birkenfeld], Jobst Rudolf von.

[37] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[38] Furth i. Wald [LK Cham]; HHSD VII, S. 221f.

[39] Kleinerdlingen, heute Stadtteil von Nördlingen [LK Donau-Ries].

[40] Bei FRITSCH, Tagbuch, S. 149, heißt der Hauptmann Angellach !

[41] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[42] Das stimmt nicht.

[43] Nach dem „Kriegsbüchlein“ von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.

[44] Ein durchaus üblicher Vorgang angesichts der meist schlechten Versorgungslage mit Bekleidung. Bei den Schweden wurden Kleider nach Stockholm verbracht, geflickt, gereinigt und wieder an die Truppe ausgeteilt; BW.

[45] Göppingen; HHSD VI, S. 260f.

[46] Schwäbisch Gmünd [Ostalbkr.]; HHSD VI, S. 720ff.

[47] Stuttgart; HHSD VI, S. 768ff.

[48] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[49] ENGERISSER, Von Kronach, S. 321ff.

[50] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[51] Heidenheim a. d. Brenz [LK Heidenheim]; HHSD VI, S. 312f.

[52] Eppingen [LK Heilbronn]; HHSD VI, S. 184f.

[53] Pforzheim [Stadtkreis]; HHSD VI, S. 627ff.

[54] Ettlingen [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 199ff.

[55] Steinbach [Stadtkr. Baden-Baden ]; HHSD VI, S. 753.

[56] Bühl [LK Rastatt]; HHSD VI, S. 123f.

[57] Kehl [Ortenaukr.]; HHSD VI, S. 395f.

[58] Willstätt [Ortenaukr.]; HHSD VI, S. 892f.

[59] Offenburg [Ortenaukr.]; HHSD VI, S. 607ff.

[59a] [59a] Vgl. HOLTZ, Generalfeldzeugmeister Georg Friedrich vom Holtz, S. 60.

[60] Hanauerland; HHSD VI, S. 285f.

[61] Kehl [Ortenaukr.]; HHSD VI, S. 395f.

[62] ENGERISSER, Von Kronach, S. 358f.

[63] KAPSER, Kriegsorganisation, S. 222.

[64] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 928, 1048, 1121.

[65] Hohentwiel [Singen, LK Konstanz]; HHSD VI, S. 352ff.

[66] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[67] Überlingen [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 807f.

[68] Konstanz [LK Konstanz]; HHSD VI, S. 419ff.

[69] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 794f.

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October 25, 2011 in Miniaturen
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