Kalkum [Calcheim, Calchum], Wilhelm von, genannt Lohausen [Lohehausen]

Kalkum [Calcheim, Calchum], Wilhelm von, genannt Lohausen [Lohehausen]; Generalmajor [15.2.1584 Lohausen-30.1.1640 Rostock] Lohausen,[1] seit dem 10.11.1629 verheiratet in kinderloser Ehe mit Magdalena von Stralendorf, einer Tochter des Christoph von Stralendorf auf Gamehl,[2] wurde am Aschermittwoch 1604 auf dem väterlichen Stammhaus Lohausen[3] geboren.
Er wurde zunächst zu Hause erzogen, dann aber im siebten Lebensjahr als Page an den Hof den Pfalzgrafen bei Rhein und Herzogs Johann Casimir von Pfalz-Zweibrücken-Cleeburg gesandt. Da der Pfalzgraf ihn schätzte, durfte er mit den beiden Söhnen auf deren Kavalierstour nach Frankreich reisen, wo man sich in den adeligen Gepflogenheiten vervollkommnete. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Kammerjunker befördert. Er nahm seinen Abschied, um am Feldzug in Böhmen teilzunehmen. In der Festung Eperies[4] wurde er drei Jahre von den Türken belagert. In seiner freien Zeit erlernte er die lateinische Sprache und war in „derselben gantz fertig und kündig geworden“. Die Bamberger Jesuiten, die ihn während der schwedischen Besetzung kennen lernten, nannten den Calvinisten Kalkum einen „nicht ungebildeten Mann“.[5]
Nach seiner Rückkehr wurde er wiederum Kammerjunker am Zweibrücker Hof. Die Fürstin Antonetta, Herzogin von Jülich-Kleve-Berg, die 2. Gemahlin Herzog Johann Wilhelms und Tochter Karls III. von Lothringen (1658-1610), verwandte ihn in verschiedenen diplomatischen Missionen. Um noch mehr militärische Erfahrungen zu sammeln, trat er in kurbrandenburgische Dienste. Zunächst Fähnrich, avanzierte er jedoch bald zum Leutnant. 1609 oder 1610 ? hatte er als Leutnant im Regiment des Obristen [Hildebrand ?; BW] Kracht vor Jülich[6] sein rechtes Bein verloren und hatte, wie der Annalist des Jesuitenkollegiums in Bamberg schreibt, „einen hölzernen Fuß“. Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst gewährte ihm Johann Casimir eine lebenslängliche Pension.
Auf Grund seiner körperlichen Einschränkung konzentrierte er sich ganz auf die Geisteswissenschaften. Unter anderem studierte er Mathemathik und Festungsbau. Trotz seiner körperlichen Behinderung wurde er wieder im Militärdienst verwendet. 1614 bestallte ihn Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg zum Kapitän. Für den brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm warb er eine Truppeneinheit an, brachte sie nach Berlin und trat als Kapitän der Garde in brandenburgische Dienste. „In dasselbe Jahr [1614; BW] fällt aber schon die Errichtung derjenigen Truppe, welche den Stamm des ältesten Infanterie-Regiments der altpreußischen Armee – vor 1806 – bildete, nämlich einer von Wilhelm von Kalkum gen. Lohausen im Jülichschen geworbenen, seit 1620 unter Befehl Konrad v. Burgsdorffs gestellten Kompagnie Leibgarde, aus welcher sich das im Jahre 1806 unter dem Namen Graf Kunheim Nr. 1 zugrunde gegangene Regiment entwickelt hat. Diese Kompagnie hat in den ersten Jahren ihres Bestehens mehrfach in Peitz[7] gelegen, ist aber nicht mit der eigentlichen Peitzer Festungsgarde zu verwechseln”.[8]
Bis 1619 diente er in militärischen und diplomatischen Missionen. Georg Wilhelm beförderte ihn zwar zum Obristleutnant eines Infanterie-Regiments, doch trat er bald darauf als Obrist in die Dienste des Markgrafen Hans Georg von Brandenburg-Kulmbach, später wurde er sogar zum General der Artillerie befördert. Im Anschluss daran diente er Anthon Günther Graf von Oldenburg und Delmenhorst als Geheimer Rat, Statthalter und Obrist.
1625 trat er als Obrist des Leibregiments in die Dienste Christians IV. von Dänemark,[9] wo er zum Geheimen Rat, Kommissar und als Obrist des Königlichen Leibregiments zum Generalwachtmeister avancierte. In der Schlacht bei Lutter am Barenberg[10] (27.8.1626) fiel er in Tillys Hände,[11] worauf er 1 1/2 Jahre in Bockenem[12] gefangen lag. In der Gefangenschaft hatte er den Sallust und aus dem Italienischen den ‘Verfolgten David’ übersetzt. Der Schweriner[13] Dompropst und Ratzeburger[14] Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zu 1626: „17. Aug ist zwischen dem König zue Dänemark und Graf Tilli eine Schlacht gehalten im Lande zu Braunsweig bei Lutter am Bahrenberge, darin Tilli das Feld behalten, weil des Königs Reuter nicht fechten wollen, sondern davon geritten. Sind viel vornehme Officiere geblieben. Auf der Wahlstadt sind todt gefunden: Wersebe,[15] Nortproth,[16] Landgraf Philipp zu Hessen,[17] Graf zu Solms,[18] der Rheingraf[19] so Catlenburg[20] abgebrannt, General-Commissarius Sivert Powisch,[21] nebst vielen anderen hohen Officieren vnd Befehlshabern. Gefangen sind: der Obriste Lochhauschen, ein Graf von Stolberg,[22] Obriste Twachting,[23] Berent Gos,[24] Courville[25] Französischer Obrister, Gunternach,[26] Königl. Hofmarschal N., General-Commiss. Rantzow[27] hart verwundet vnd viele Andere“.[28]
Nach seiner Freilassung trat er 1628 in die Dienste der Stadt Bremen,[29] der er 3 Jahre als Kommandant und Obrist diente. Der Calvinist Lohausen war einer ganzen Reihe von Sprachen mächtig. Unter dem Namen „Der Feste im Stande” gehörte der hochgebildete Lohausen ab 1629 der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ an.
Am 13.7.1629 verlobte er sich mit Magdalena von Stralendorf, die einer mecklenburgischen Adelsfamilie entstammte. Die Hochzeit wurde am 10.11.1629 in Bremen[30] gefeiert. Am 29.6.1630 übergab ihm Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin das Patent als Obrist eines neu zu errichtenden Regiments, mit dem er zu den Truppen des am 6.7.1630 in Peenemünde[31] gelandeten Gustav II. Adolf wechselte und Kommandant zu Wismar[32] wurde. Zudem wurde er zum Generalmajor und Kommandeur der Truppen im Niedersächsischen Reichskreis ernannt.
„Nachdem darauf Gustav Adolph die mecklenburgischen Herzöge förmlich als Landesherrn wieder eingesetzt und proklamirt hatte, brachen diese nach Vollendung ihrer Rüstungen mittelst schwedischer Gelder und Mannschaften, Ende Juli mit etwa 2000 Mann von Lübeck[33] auf. Den Oberbefehl führten die Obersten Kalkum, gen. von Lohausen, aus dänischen Diensten übernommen, auch in der Literaturgeschichte wohl bekannt, und dü Menil; Hauptleute waren die Mecklenburger Raben, Holstein, Bülow, Zülow, Ilenfeld, sowie die Holsteiner Buchwald, Alefeld, Wisch. Am dritten Tage vor Schwerin[34] angelangt, begann sofort der Sturm auf die von nur etwa zweihundert Kaiserlichen unter den Hauptleuten Milatz und Kelly verteidigte Stadt; unter nicht beträchtlichen beiderseitigen Verlusten brachen die Mecklenburger am schwächsten Punkte der Befestigung, nämlich durch das Spielthor – wo auch im nächsten Jahrhundert zu Herzog Karl Leopolds Zeiten die Hannoveraner eindrangen -, in die Stadt. Die Kaiserlichen zogen sich ins Schloß; die Mecklenburger führten von der alten Kanzlei aus quer über die Reitbahn auf dem alten Garten bis zur Brücke Laufgräben, von wo aus sie das Schloß unter Feuer nahmen, welches aber kräftig erwidert wurde und auch mehrere Einwohner in ihren Häusern tödtete; als aber am zehnten Tage sechs Fähnlein Finnländer mit fünf Feldstücken auf den Ostorfer Bergen schanzten und das Schloß beschossen, gleichzeitig auch alle Prähme und Kähne der Umgegend herangeschafft wurden und von allen Seiten gleichzeitig gestürmt werden sollte, ergab sich die kaiserliche Besatzung gegen freien Abzug”.[35]
In Minden[36] angelangt, erreichte den ligistischen Kommandierenden im Weser-Bereich und Stellvertreter Pappenheims, Gronsfeld, ein Schreiben des unzuverlässigen und mehr auf seine eigene Sicherheit bedachten Virmond von der Neersen, der ihm mitteilte, er habe Rostock[37] übergeben,[38] das seit Ende Juli 1631 durch den ebenso eigenwilligen wie sonst untätigen Åke Henriksson Tott und Generalmajor Lohausen, belagert worden war.[39] Er sei der Meinung, im Felde bessere Dienste als in der Garnison leisten zu können. Es ist schwer zu entscheiden, ob hier maßlose Selbstüberschätzung oder nur der fehlende Wille Virmonds, sich unterzuordnen, entscheidend war. Da kein anderer General da sei, bei dem er Rat einholen könne, frage er Gronsfeld, unter dessen Befehl er stehe. Seine Absicht sei es, nach der Festung Wolfenbüttel[40] zu marschieren, um sich Subsistenzmittel zu beschaffen. Als der misstrauische Graf den Überbringer des Schreibens eindringlich befragte, stellte sich allerdings heraus, dass Virmond aufgefordert worden war, die Festung zu übergeben, da nach der Schlacht bei Breitenfeld[41] kein Entsatz zu erwarten sei. Virmond habe sich dessen vergewissert und sei der Ansicht gewesen, dass 4.000 Mann zu Fuß und 300 Berittene im Felddienst mehr wert seien als in der hoffnungslosen Lage einer belagerten Festung, wobei er allerdings nur über die Hälfte der angegebenen Truppen verfügte.[42] Gronsfeld hatte unter diesen Umständen, obwohl Virmonds eigenmächtiges Verhalten, das man wohl auch als Feigheit vor dem Feind hätte auslegen und ihn in Anwendung geltenden Kriegsrechts den Kopf hätte kosten können, und in Kenntnis der weiteren Strategie Tillys diese Entscheidung nicht begrüßt. Zudem hatte Wallensteins[43] mecklenburgischer Kanzler Eltz den Akkord für Rostock abgeschlossen.[44]
„Nachdem schon im September 1631 die Warnemünder[45] Schanzen von den Mecklenburgern erobert, aber auch von Schweden besetzt waren, kapitulirte nach mehrwöchentlicher Belagerung im Oktober auch Virmond zu Rostock mit kriegerischen Ehren. Eine zweimalige Freudensalve von allen Regimentern rings um die Stadt mit 49 Geschützen und Kleingewehr feierte den Sieg. Kommandant wurde hier der mecklenburgische Befehlshaber Lohausen, der auch die Stadt während des ganzen Krieges zu behaupten verstand, sodaß sie nie in Feindes Hände fiel und der sichere Zufluchtsort vieler Tausende aus den übrigen Landestheilen wurde”.[46]
Gronsfeld sah aber in den avisierten Truppen eine wirkungsvolle Verstärkung gegen die Schützen Wilhelms V. von Hessen-Kassel, falls die Vereinigung schnell herbeigeführt werden konnte. Den damaligen Kommandanten der Schlüsselfestung Wolfenbüttel, seinen alten Freund Geleen,[47] hatte er bereits dementsprechend instruiert. Schließlich hielt man von hier aus wegen der strategischen Lage nicht nur das Herzogtum Braunschweig, sondern auch einen guten Teil des Stifts Halberstadt[48] und Magdeburg[49] in Kontribution.
„Am 22. August 1631 war Wismar vollständig von einem schwedischen Belagerungsring eingeschlossen. Die Heerführer und der Rat schlossen am 20. November einen Waffenstillstand. Bis zur Einnahme der anderen bedeutenden Stadt Mecklenburgs – Rostock – am 14. Oktober 1631 wurde Wismar zunächst nur belagert, erst dann wollten die Befehlshaber entscheiden, ob die Stadt gestürmt oder ausgehungert werden sollte. – Cram hatte übrigens am 24.12.1631 die Weisung Wallensteins erhalten, auf keinen Fall zu kapitulieren.[50]  – Als die Vorräte an Lebensmitteln fast zu Ende waren, Widerstand oder Ausbruchsversuche zwecklos erschienen und kein kaiserliches Entsatzheer mehr zu erwarten war, übergab der amtierende Kommandant Gramb die Stadt am 7. Januar 1632 an den schwedischen Obristen Wilhelm von Calchum. Am 12. Januar zogen die kaiserlichen Truppen ‚mit 2 schweren Karthaunen und einem Feldgeschütz und 20 Schuß, fliegenden Fähnlein und Kornets, Ober- und Untergewehr, brennenden Lunten, gefülltem Bandolier, die Kugel im Munde, unter Rühren aller Kriegsinstrumente’ ab und marschierten unter schwedischem Geleit in Richtung des Kurfürstentums Brandenburg”.[51]
„Noch ehe Wismar kapituliert hatte, begann der Streit um den Besitz der Stadt. Schon unter dem 25. November 1631 wird dem Obersten Lohausen, der dem Herzog wie dem schwedischen König eidlich ‚verwandt’ war, von jenem ‚in ihrer Königl. Würden zu Schweden und unserm Nahmen’ ‚daß Kommendo in unser Statt Wißmar und darzu gehoriger Schantzen Walfisch auffgetragen’. Er soll sein Amt ‚seinen ihrer Kon. Würden zu Schweden und uns geleisteten Pflichten gemeeß’ verwalten, ‚wie es hochstgedachter Ihro K. Mayest. zu Schweden und unsere Dienste, in specie auch unsere Landt und Leuthe und gemelter unserer Statt Wismar’ ‚Bestes erfordert’. Enthält diese Bestallung noch einige Konzessionen an den König, so heißt es in der entsprechenden Mitteilung an Wismar vom 26. November 1631, der Rat und die Gemeinde sollten Lohausen ‚für unsern dahin gesetzten Gubernatorn’ respektieren und dem, was er im Namen des Herzogs ihnen anbefehlen würde, gehorchen. Zugleich übertrug Adolf Friedrich dem Obersten für die Zeit seiner Reise nach Mainz,[52] wo er mit Gustav Adolf verhandelte, das Kommando und directorium militiae in Mecklenburg. Gewiß hatte er es mit der Bestallung deshalb so eilig, weil er Einsprüche der Schweden befürchtete, die er dadurch, daß er sie vor eine vollendete Tatsache stellte, leichter überwinden zu können hoffte. Tott jedoch, dem die Bestallung des Obersten mitgeteilt war, verweigerte in einem etwas gewundenen, äußerlich entgegenkommenden, inhaltlich aber ganz bestimmten Schreiben seine Anerkennung. Er erwiderte, das directorium militiae sei ihm für Mecklenburg und Pommern von Gustav Adolf übertragen, es könne vom Herzog also nicht an Lohausen gegeben werden. Auch hätte der schwedische König schon wegen Wismars und des Walfisches eine andere Resolution gefaßt. Überdies wolle er Lohausen jenseits der Elbe verwenden; nur bis zur Beendigung der Verhandlungen mit Gramb könne er noch vor Wismar bleiben. Und noch ehe der Herzog, der auch hierüber in Mainz verhandelte mit Gustav Adolf zu einem Abschluß gekommen war, wurde bereits unmittelbar nach der Kapitulation -, wahrscheinlich durch Tott, der nach Schröder am 13./23. Januar in Wismar war und von hier nach Schwerin weiterreiste -, die Frage der Gubernatorschaft in der Weise neu geregelt, daß Lohausen zwar nicht abgesetzt, daß aber “für die Zeit seiner Abwesenheit” – faktisch also für immer – das Kommando in der Stadt dem schwedischen Obersten Wilhelm von Salzburg anvertraut wurde.
Der Herzog hatte keine Möglichkeit des Widerstandes. Er beugte sich dem Willen seines ‚Befreiers’; er müsse es Gott und der Zeit, die alles ändern könne, mit Geduld befehlen, schreibt er am 3. Februar an Lohausen. Die Herzogin aber beglückwünschte in einem Schreiben, dessen Ton man die Schmerzlichkeit des Verzichts anmerkt, Salzburg zu seiner Ernennung. Am 13. Januar wurde die Stadt zu Devotion gegen den schwedischen König aufgefordert und ihr sogar ‚biß zu fernerer Verordnung’ verboten, herzoglichen Befehlen nachzukommen, vielmehr wurde sie allein an Salzburg verwiesen”.[53]
Seit März 1632 stand Lohausen im Zusammenschluss mit den neu geworbenen Truppen Herzog Georgs von Braunschweig-Lüneburg als schwedischer Generalmajor unter dem Oberbefehl des schwedischen Generalleutnants Baudissin.
„Als der Herzog im Mai 1632 das Kriegstheater in unserer Heimat als Verbündeter Gustav Adolfs wieder betrat, waren die meisten festen Plätze Niedersachsens in Händen der Liga. Zwar war Tilly im Vorjahre [Rain;[54] BW] am Lech vor Augsburg[55] gegen Gustav Adolf, der selbst in Süddeutschland stand, gefallen, aber der Reitergeneral Graf Pappenheim,[56] dem Kaiser Ferdinand II.[57] die Anwartschaft auf das Land Calenberg[58] verliehen hatte, saß in seinem Hauptquartier in Hameln[59] an dem wichtigen Weserübergang, so recht an dem Tore für Calenberg. Herzog Georg hatte seine sechs Regimenter im Norden des Fürstentums Celle, in Winsen a. d. Luhe,[60] aufgestellt, und tat nun die ersten Schritte zur Befreiung der Heimat. Ihm war ein schwedisches Korps unter dem General v. Baudissin, welches vorher im Bremischen gegen Pappenheim operiert hatte, zur Unterstützung zugesagt. Aber da dieses Korps noch nicht eingetroffen war, konnte Georg vorläufig nur Operationen in kleinem Umfange vornehmen. Er brach am 18. Mai von Winsen nach Süden auf und schlug am 29. Mai in der Neustadt von Hannover[61] sein Hauptquartier auf. Die starke Festung Hannover hatte sich mit Erfolg aller Aufnahme von Truppen entziehen können, doch hatte nach langen Verhandlungen mit Georg der Magistrat eingewilligt, drei Kompagnien des Herzogs sowie dessen Gemahlin bei sich aufzunehmen. Auf diese Weise hatte Georg den stärksten Stützpunkt des Landes in seinem Besitz.
Georgs Plan war zunächst, die beiden festen Schlösser Calenberg und Steuerwald[62] von feindlicher Besatzung zu säubern. Er detachierte am 9. Juni die Obersten v. Lohausen und von der Heyden mit zwei Infanterie-Regimentern zur Besetzung von Hildesheim[63] und zur Belagerung von Steuerwald dorthin, er selbst nahm zum Schutz dieses Unternehmens mit zwei Kavallerieregimentern, seinem Leibregiment und dem Regiment v. Wettberg eine Bereitschaftsstellung beim Dorfe Linderte[64] vor dem Deister. – In der Hannover’schen Chronik heißt es: „Den 5. [15.; BW] Junii sein 36 Fahnen zu Fuß vorüber marchiret ins Ambt Coldingen[65] unter dem Obristen Lohausen, mit 12 Feldstücken“.[66] Der Hildesheimer Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 9./19.6.1632: „Nachmittages zwischen 2 und 3 Uhr zog Ihr Frd Gr: Herzog Jörgen von Lüneburg, Zellischer Linie, mit dem Gral.-Liutnand Heinrich Wolff von Bendiß [Baudissin; BW] und Gral Majeur Lohausen alhie ein uff der Brawer Hause. Die gantze Armee aber uff die benachbahrte Dörffer herumb, das Geschütz 15 an der Zahl, groß und klein nebest aller Zubehör ward uff beeden Seiten der Viehtriffts in der Wiese geführet, und mit Soldaten bewacht“.[67]
Von hier konnte er sowohl die Straße von Minden[68] als auch die von Hameln, die hier zusammenstoßen, beobachten. Von beiden Weserfestungen aus war der Versuch des Entsatzes von Steuerwald zu erwarten, und richtig hatte Pappenheim von Hameln aus den General Ludloi[69] mit einem bedeutenden Kavalleriekorps zu diesem Zwecke detachiert. Ludloi marschierte über Elze,[70] Poppenburg,[71] wo er die Leine überschritt, und Sarstedt[72] auf den Hülperberg (Kipphut) nordöstlich von Sarstedt, und stellte sich hier zunächst mit der Front gegen Steuerwald auf. Gegen die Belagerer des Schlosses wurden Aufklärungsabteilungen vorgeschickt, damit Ludloi nach dem Ergebnis der Aufklärung seine Maßnahmen zum Entsatz der Festung treffen konnte. Sein Kavallerie-Korps biwakierte währenddem in der angegebenen Front.
Herzog Georg, durch seine Patrouillen von den Bewegungen des Gegners genau unterrichtet, beschloß, den bedeutend überlegenen Feind zu überfallen, der, durch die Leine im Rücken geschützt, von hier keine Gefahr vermutete. Diesen Fluß wollte Georg mit seinen beiden Kürassierregimentern an einer seichten Stelle, die ihm ein Bauer aus Linderte zu zeigen sich anheischig gemacht hatte, nächtlicherweise durchreiten und dann sofort den Überfall ausführen. Gegen Abend brach der Herzog, geführt von dem Bauern, mit den beiden Regimentern auf und erreichte auch die als seicht bezeichnete Stelle. Aber durch Regengüsse war die Leine stark angeschwollen. Man weiß, was für ein gefahrvolles Unternehmen es ist, eine Furt bei Hochwasser und starker Strömung zu durchreiten, noch dazu bei Nacht und mit schwer gepanzerten 2000 Reitern, dicht hinter der feindlichen Front. Aber der Herzog zeigte seine echten Führereigenschaften, hier, wo schnelles Handeln das einzige Gebot der Stunde war. Als erster hat er sich sofort zu Pferd in die Leine gestürzt und hat glücklich das andere Ufer erreicht. Es wird erzählt, daß seine Kürassiere zunächst noch gestutzt hätten, daß aber auf den Ruf des Herzogs: ‚Folgt, folgt !’ als erster nach ihm ein Reiter seines Leibregiments, namens Barthold aus Wettbergen,[73] den Sprung in den Fluß gewagt hätte, worauf beide Regimenter nacheinander die Furt ohne Unfall durchritten. Jedenfalls ist der Herzog als erster in der Gefahr voran und seinen Leuten ein wahrer Führer gewesen, wie in noch vielen Fällen später. Am anderen Ufer hat Georg in der Stille der Nacht seine beiden Regimenter zum Angriff formieren lassen und im ersten Morgengrauen den Überfall auf das ahnungslose, sehr überlegene feindliche Kavallerie-Korps ausgeführt. Der mit großem Ungestüm unternommene Angriff gelang vollständig; der Feind wurde zum großen Teil niedergemacht oder gefangen genommen, der General Ludloi [Lintelo; BW] entkam mit dem Rest nach Hameln. Die Belagerung von Steuerwald konnte ungestört ihren Fortgang nehmen und führte nach kurzer Zeit zur Übergabe des Schlosses.
– Weiter heißt es bei Dr. Jordan: „Mitlerweil wurde der Steurwald die folgende Nacht, noch heut beschoßen, weil der begehrte accord der Besatzung darauf nicht erfolgen mügte“. 10./20.6.: „In dem diesem Morgen die Schwedische die Stürmleiteren anschlagen wollten, begehrten die Belagerten ufm Stewrwalde Gnade, müten sich auch auf Gnad und Ungnad ergeben. Die Officier und des Amtmann Heysters Frawe gefangen genomen, die Soldatesca muste sich unterstellen, und wurd in den Anger uff Ihr Fr.: Gnaden des H. Generals bey 5 Thl. Straff gebeten, die Vestung Stewrwald, Wall und Mawr zue demoliren; das Geschütz und die Schantz-Körbe werden wieder abgeführt, und Ihr Fr. Gnd. 2 Blawen Fahnen, so darauf gewesen, (p(rae)sentirt. Die Schweden machten darauf an Pferden allerhand Vieh und Hausgeräth große Beute“.[74] –
Dieses erste, nur in kleinerem Rahmen ausgeführte Unternehmen Georgs in diesem Kriegsabschnitt ist insofern von besonderem Interesse, weil es dicht bei Hannover, Georgs künftiger Residenz, sich abspielte. Der Herzog belohnte den Reiter Barthold, der ihm als erster durch die Leine gefolgt war, dadurch, daß er ihm den Namen Volger gab, ihn als stete Ordonnanz in den folgenden Feldzügen bei sich behielt und ihn mit einem Hofe in Wettbergen belohnt, auf dem seine Nachkommen noch gegenwärtig sitzen sollen. Dem Bauern aus Linderte, der ihn sicher zu der Furt geführt hatte, erteilte der Herzog für seinen Hof Befreiung von allen Abgaben.
Georg wandte sich jetzt zur Belagerung des sehr festen Schlosses Calenberg. Dieses Unternehmen sollte zu einem zweiten glücklichen Gefechte die Veranlassung geben. Der Graf v. Pappenheim hatte kurz nach der Detachierung des Generals Ludloi sich von Hameln südwärts nach Westfalen gewandt. Es hatte nämlich dort sein sehr tätiger General Graf Gronsfeld glücklich gegen die Truppen des Landgrafen von Hessen operiert und bei Volkmarsen,[75] nicht weit von Waldeck,[76] 14 Cornetten hessischer Reiter überfallen und größtenteils aufgerieben. Der Begriff Cornetten entspricht ungefähr unseren Schwadronen. Pappenheim wollte diesen Vorteil militärisch ausnutzen und war bis Warburg[77] an der Diemel in Westfalen vorgerückt, als ihn die schlimme Nachricht von der Vernichtung des Ludloi’schen Kavallerie-Korps bei Sarstedt und der Eroberung von Steuerwald traf. Sofort detachierte Pappenheim den General Grafen Gronsfeld gegen den Herzog Georg. Graf Gronsfeld hoffte auf einen ähnlichen Erfolg gegen diesen, wie er ihn soeben gegen die Hessen errungen hatte und rechnete auf schwache und mangelhaft ausgebildete Kavallerie bei der erst kürzlich aufgestellten Armee des Herzogs. Er wollte mit den vier Kavallerie-Regimentern, an deren Spitze er den Überfall bei Volkmarsen ausgeführt hatte, Calenberg entsetzen. Das Unglück des Ludloi’schen Korps schreckt ihn nicht. Denn die Unterführer des Pappenheimschen Heeres hatten eine hohe Meinung von der taktischen Überlegenheit ihrer Kavallerie. Graf Gronsfeld überschritt bei Poppenburg die Leine und zog gegen Calenberg. Aber da zeigte sich sofort wieder Georgs Führereigenschaft. Statt den Gegner vor Calenberg zu erwarten, ging er ihm mit seiner Kavallerie entgegen, griff ihn ungestüm an und trieb ihn mit großen Verlusten über die Leine zurück. Graf Gronsfeld rettete sich nur durch Aufopferung seiner aus fünf Cornetten bestehenden Arrieregarde, die sich am linken Ufer rühmlich hielt und niedergehauen wurde, während er Zeit gewann, die Brücke abbrechen zu lassen, wodurch Georg an der weiteren Verfolgung gehindert wurde. Gronsfeld erreichte Hameln und erbat schleunige Verstärkungen von Pappenheim. Diese beiden, in kurzer Zeit nacheinander errungenen Vorteile über Unterführer des berühmten Pappenheimschen Heeres ließen Georgs früheren Kriegsruhm wieder hell aufleuchten und die Herzen in der gequälten Heimat voll Hoffnung ihm entgegenschlagen.
Pappenheim, der nun in Georg seinen Hauptgegner erkannte, wandte sich sofort wieder nordwärts aus Westfalen, vereinigte sich in Hameln mit Gronsfeld und rückte, 10 000 Mann Infanterie und 3500 Mann Kavallerie stark, gegen Georg vor. Dieser war inzwischen durch den schwedischen General Baudissin erheblich verstärkt worden und hatte ebenfalls ungefähr 14 000 Mann unter seinem Kommando. Er hob bei Annäherung Pappenheims die Belagerung auf und marschierte gegen Hildesheim, auf welche Stadt er bei der Wichtigkeit derselben als Stützpunkt für Pappenheim einen feindlichen Angriff vermuten mußte. Für Georg war aber der Besitz von Hildesheim ebenso wichtig wie der von Hannover. Pappenheim blieb bis zum 29. Juni vor dem Calenberg in Stellung, marschierte dann vom linken Innersteufer gegen Hildesheim und besetzte die Vorstadt Moritzberg. Dann nahm er eine verschanzte Stellung längs der Innerste, wobei Moritzberg den Mittelpunkt der Stellung bildete und stark verschanzt wurde. Ihm gegenüber, zu beiden Seiten von Hildesheim und auf den Wällen der Stadt selbst nahm Herzog Georg Aufstellung mit seiner Armee, die Kavallerie größtenteils als Reserve im Mittelpunkte der Stellung hart hinter Hildesheim. Die Innerste trennte beide Armeen. Die an beiden Ufern aufgestellten Posten lieferten sich ein ununterbrochenes Infanteriefeuer. Für beide Teile war ein förmlicher Angriff mit den größten Schwierigkeiten verbunden. Pappenheim ließ mit seiner Artillerie die Stadt Hildesheim beschießen, doch brachte des Herzogs Artillerie die feindliche Batterie nach stundenlanger heftiger Kanonade zum Schweigen. In der Nacht ließ Pappenheim Kavallerie-Detachements mit großer Kühnheit über die Innerste setzen, um die Vorposten Georgs längs des Flusses durch Überfall auszureiben, doch wurden diese Unterbrechungen durch Gegenangriffe vereitelt und die Pappenheimer mit Verlust zurückgetrieben. Der Herzog sah diese nächtlichen Unternehmungen als das Vorspiel zum Angriff an und hielt seine Truppen in Bereitschaft, doch erkannte er bei Tagesanbruch, daß Pappenheim hiermit nur seinen bereits eingeleiteten Abmarsch verschleiert hatte.
Pappenheim war durch mehrere Ursachen zum Rückzuge bewogen worden, deren wichtigste eine dringende Aufforderung des Kurfürsten von Cöln[78] war, Pappenheim möge ihm gegen den schwedischen Feldmarschall Horn zu Hülfe kommen, der von Süden gegen den Niederrhein im Anmarsch war. Auch war Unzufriedenheit in Pappenheims Heere wegen mangelnder Soldauszahlung ausgebrochen. Er beschloß daher, Niedersachsen aufzugeben und zog über Gronau,[79] woselbst sich die Besatzung von Calenberg mit ihm vereinigte, die das Schloß nach Sprengung der Festungswerke geräumt hatte, nach Hameln. Den kaiserlichen Besatzungen in Peine[80] und Steinbrück[81] erteilte Pappenheim den Befehl, zur Verstärkung der Garnison Wolfenbüttel dahin abzumarschieren. So hatten Georgs Unternehmungen mit glücklichen Erfolgen begonnen. Zweimal war er im offenen Felde siegreich gegen Pappenheims Unterführer gewesen. Pappenheim selbst war ohne Schlacht zum Rückzuge aus Niedersachsen bewogen worden. Die meisten festen Plätze waren vom Feinde geräumt, die Befreiung Niedersachsens schien schon nahe herbeigeführt”.[82]
In der Hannover’schen Chronik heißt es: „Von dannen [Duderstadt;[83] BW] hat sich der Hertzog Georg und Obrister Lohausen vor Wolfenbüttel begeben, neben Illmo Hertzogen Friedr. Ulrich, der Stadt Braunschweig[84] und unserer Hannoverschen Compagnie“.[85]
Dr. Jordan notiert am 14./24.7.1632:Eodem die gantze Lüneburgische Infanterie bey Bokenem[86] hart vor der Stadt überzogen bis Rüden[87] und hat Herr Gral. Herzog Georg von Lüneburg mit Gral.-Wachtmeister Wilhelm von Calchum zugenant Lohausen in Bokenem Taffel gehalten“. 15./25.7.1632: „Marchirte die Armee von da nach Seesen“.[88]
„Der Herzog [Georg v. Braunschweig-Lüneburg; BW] war leider nicht selbständiger Herr seiner Entschließungen, sondern mußte sich nach den Ansichten des Kriegsrates richten, dessen gewichtigste Stimme er als anerkannt guter Feldherr wohl selbst war, dessen Meinungen aber doch oft auseinandergingen. So war es besonders jetzt, wo es sich um den Verfolg der weiteren Kriegsoperationen handeln mußte. Die schwedischen Offiziere im Kriegsrat waren der Meinung, dem Befehle Gustav Adolfs zufolge müßte der Herzog mit dem ganzen Heere nach Westfalen gegen Pappenheim aufbrechen. Der Herzog Friedrich Ulrich von Wolfenbüttel mahnte aber immer dringender, daß nun die sofortige Belagerung und Befreiung seiner Hauptstadt, wie zugesagt sei, erfolgen müsse. Georg entschied sich auch hierfür, und begründete seine Ansicht damit, „daß sowohl in dem Vergleiche, den er selbst mit dem König von Schweden zu Würzburg,[89] als auch in dem Traktat, den der Herzog von Wolfenbüttel später mit selbigem abgeschlossen habe, ausdrücklich festgesetzt sei, daß die Wiedereroberung der Festung Wolfenbüttel der erste Gegenstand der Unternehmung der schwedischen Truppen und ihrer Niedersächsischen Alliierten sein solle’. Der Entschluß, zu dem der Kriegsrat schließlich kam, war aber leider ein Kompromiß, der beide Meinungen vereinigen sollte, und der den Keim des Mißlingens in sich tragen mußte: die Armee sollte getrennt werden. Der Herzog sollte mit der halben Armee Wolfenbüttel belagern, mit der anderen Hälfte sollte der schwedische General von Baudissin nach Westfalen marschieren, um Pappenheim zu beobachten. Die Teilung einer kleinen Armee hat meist die Folgen, daß keiner der gestellten Aufgaben kraftvoll begegnet werden kann, und daß die getrennten Armeeteile in die Gefahr geraten, einzeln geschlagen zu werden. Der Herzog Georg wäre mit seinem vereinigten Heere dem des Grafen Pappenheim gewachsen gewesen, er hätte auch mit seinem vereinigten Heere zu einer aussichtsreichen Belagerung von Wolfenbüttel schreiten können. Wo er nun aber wie hier seine Streitkräfte teilen mußte, konnte auf keiner Seite etwas Entscheidendes erwartet werden. Schweren Herzens und voll Grimm mußte Georg sich dem Beschlusse fügen.
General v. Baudissin setzte sich mit den Schweden also nach der Weser in Marsch, Georg, vereinigt mit den Wolfenbüttelschen Truppen des Generalmajors von Lohausen, marschierte nach Wolfenbüttel. Hier vereinigte sich mit ihm der wolfenbüttelsche Oberst von Mützephal, der ein schwaches, meist aus Ausschuß-Kompagnien bestehendes Korps führte. Der Herzog schloß Wolfenbüttel von allen Seiten ein. Noch während des Anmarsches am 9. August wurde ein feindlicher Ausfall nach lebhaftem Gefecht, wobei die Kaiserlichen zwei Geschütze verloren, zurückgeschlagen. Auch ein zweiter, am 15. August unternommener Ausfall wurde zurückgeschlagen, doch nahmen die Kaiserlichen dabei den schwedischen Kriegskommissar, Oberst Anderson [Trana; BW], gefangen.
– Dr. Jordan notiert unter dem 14./24.8.1632: „General Wilhelm von Calcum, zugenandt Lohausen, läßet vor Wolfenbüttel bey Halichter[90] über die oker eine Brugken machen, kostet ihm aber zu vor an die 50 Reuter“.[91] –
Aber der Herzog Friedrich Ulrich, der doch so dringend für die Belagerung seiner Residenz gestimmt hatte, war nicht einmal zu dem Entgegenkommen geschritten, Verpflegung in Magazinen für die Belagerungsarmee bereit stellen zu lassen. Von weither mußte gewaltsam requiriert werden, und die Kavallerie mußte Georg wegen fehlender Fourage bis ins Magdeburgische verlegen. Dadurch war die Lage für Georg sehr schwierig, zumal seine Truppen kaum um die Hälfte stärker als die kaiserliche Besatzung waren. Auch machte sich Munitionsmangel bemerkbar. Seinen Bruder in Celle,[92] den Herzog Christian der Ältere, vermochte Georg nicht zur Unterstützung durch Lieferungen zu bewegen, vielmehr geriet er mit ihm in Mißhelligkeiten wegen der Forderungen, die das in Winsen[93] noch in der Formierung begriffene Regiment von der Heyden an den Herzog Christian zu stellen hatte.
Aber die Hauptschwierigkeiten kamen noch. Der General v. Baudissin hatte bei Höxter[94] die Weser überschritten, hatte Warburg[95] und Volkmarsen[96] besetzt und aus Paderborn[97] kaiserliche Werbe-Depots vertrieben. Da kam Pappenheim vom Rhein zurück und drang mit seiner vereinigten Macht gegen die Weser vor. Baudissin zog sich nach Höxter in eine verschanzte Stellung zurück und bat den Herzog dringend um Unterstützung. Schon der Kriegsrat hatte dem Herzog den Rat gegeben, Wolfenbüttel nur zu blockieren, und zwar mit seinen eigenen Regimentern, den Generalmajor von Lohausen aber mit allen anderen Truppen dem General v. Baudissin zu Hülfe zu schicken. Dem Herzog konnte die ihm zugedachte Rolle, Wolfenbüttel, welches er erobern wollte, nur zu blockieren, seine Armee aber ganz aufzulösen, natürlich nicht gefallen, und erst durch die dringenden Unterstützungsrufe Baudissins fühlte er sich bewogen, ihm den Generalmajor v. Lohausen zu Hülfe zu schicken. Am 20. September setzte sich Lohausen mit sieben Regimentern aus dem Lager von Wolfenbüttel in Marsch auf Höxter.
Nun verblieben dem Herzog außer seiner eigenen Infanterie nur noch Ausschußkompagnien des Herzogs von Wolfenbüttel und die Stadtkompagnien von Hannover. Georgs Kavallerie lag, wie erwähnt, zum großen Teil weit rückwärts im Halberstädtischen und Magdeburgischen. Die Blockadetruppen wurden in drei Teile geteilt, und zwar stand der Hauptposten unter dem schwedischen Obersten King zu Halchter, südlich der Festung, wo sich auch der größte Teil der wolfenbüttelschen Truppen befand, ein zweiter Posten zu Linden,[98] südöstlich der Festung, unter dem Oberst Mützephal, ein dritter zu Thiede[99] und Fummelse,[100] westlich, unter dem Oberst von Meerettig. Der Oberst King führte den Oberbefehl über die beiden Posten von Halchter und Linden. Herzog Georg stand mit der Hauptreserve unter dem Oberst v. d. Heyden in Kl.-Stöckheim[101] zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig. So waren nur die Hauptausgangsstraßen der Festung blockiert.
Inzwischen war Pappenheim mit seiner Armeeabteilung vor Höxter angekommen. Um den schwierigen frontalen Angriff auf die verschanzte Stellung des General v. Baudissin zu vermeiden, setzte Pappenheim eine geschickte Umgehung der Stellung ins Werk, indem er einen Teil seiner Truppen bei Polle[102] über die Weser gehen und Baudissin im Rücken beschießen ließ. Die natürliche Folge war die Unhaltbarkeit der Stellung. Baudissin sah sich gezwungen, sich bei Nacht auf Münden[103] zurückzuziehen.
General v. Lohausen, der Baudissin unterstützen sollte, war auf dem Vormarsch auf Höxter über Seesen[104] hinaus gelangt, als er den Rückzug des General v. Baudissin auf Münden erfuhr. Er wagte sich nun nicht mehr ins Leine-Tal vor, aus Besorgnis, allein auf den überlegenen Pappenheim zu stoßen, sondern zog eilig in den Harz, um südlich dieses Gebirges über Duderstadt[105] die Vereinigung mit dem General v. Baudissin zu suchen. Er sowohl wie Baudissin begingen aber den Fehler, dem Herzog keine Meldungen über ihre Bewegungen zukommen zu lassen. Georg mußte daher die beiden Heeresabteilungen, wahrscheinlich vereint, jedenfalls zwischen seinen Blockadetruppen und Pappenheim vermuten. Er bekam am Morgen des 24. September die Meldung von Pappenheims Weserübergang bei Polle, und glaubte nun sinngemäß, daß Baudissin in Verbindung mit Lohausen sich direkt an ihn wieder heranziehen würden. Er rechnete aber mit der Wahrscheinlichkeit eines Entsatzes von Wolfenbüttel vor seiner Vereinigung mit Baudissin und wollte in diesem Falle wegen der geringen Zahl seiner Truppen die Blockade zeitig aufgeben und sich in nördlicher Richtung zurückziehen. Er gab an die einzelnen Abschnittskommandanten vor der Festung die hierfür nötigen Direktiven, die darauf hinausliefen, daß sämtliche Blockadetruppen sich auf Klein-Stöckheim zurückziehen sollten.
Am 25. September, noch bei Dunkelheit, durchbrach der General Graf Gronsfeld mit Pappenheims Kavallerie überraschend den schwachen Blockade-Ring und entsetzte die Festung, und Herzog Georg zog seine Reserve und die Blockadetruppen mit starken Verlusten auf Braunschweig zurück. Der Oberst King war verwundet in Gefangenschaft geraten.
– Dr. Jordan schreibt unter dem 24.9./4.10.1632:Die Bappenheimische unter dem Grafen von Gronßfeld kom̃en ins Amt Woldenbergk,[106] nehmen kegen Morgen ihren Weg uff Gebershagen[107] nach Wolfenbüttel. Schlagen das Lüneburgische Lager uff und treffen das Unglück sonderlich das Zeutzephelische [Metzfall; BW] und Königsche [King; BW] Regiment. Kieg [King; BW] ward gefangen, Gral.-Majeur Lohausen retirirt sich nach Goßlar,[108] Herzog Georg von Lüneburg nach und in Braunschweig“.[109] –
Nach Braunschweig zog sich auch das Regiment von Meerettig zurück, das der Herzog am Tage vorher nach Hildesheim detachiert hatte, das aber bei seiner Ankunft vor Hildesheim Pappenheim mit seinen Truppen dort bereits vorgefunden hatte. Baudissin und Lohausen abgedrängt, Pappenheim vor Hildesheim, Wolfenbüttel entsetzt, das waren die Folgen von dem unseligen Beschluß des Kriegsrates, gegen Georgs bessere Meinung und Willen, die Armee zu verschiedenen Aufgaben zu trennen. Keine dieser Aufgaben hatte gelöst werden können. Auch war die Folge der unterlassenen Meldungen der beiden Generale von Baudissin und von Lohausen der Überfall auf die Blockadetruppen.
Für den Herzog waren die Verluste vor Wolfenbüttel und die am 29. September erfolgende Einnahme von Hildesheim sehr schmerzlich, obwohl nicht ihm, sondern allein dem Kriegsrat ein Vorwurf deswegen gemacht werden konnte. Herzog Georgs Bestreben mußte jetzt dahin gehen, seine gänzlich verzettelten und aufgelösten Truppen wieder zu sammeln. Bei der großen Nähe der Pappenheimschen Armee in Wolfenbüttel und Hildesheim konnte dieses Sammeln nur in nördlicher oder östlicher Richtung geschehen. Georg scheint zuerst gegen Norden zum Schutz der Residenz Celle das Zusammenziehen seiner Truppen beabsichtigt zu haben, denn nach Aufhebung der Blockade von Wolfenbüttel ist der Herzog nach Gifhorn[110] geritten. Von dort erteilte er aber die Marschbefehle an seine Regimenter und detachierten Korps und beorderte sie in die Gegend von Halberstadt.[111] Er ließ nur das Regiment v. d. Heyden in Hannover, sowie die Regimenter von Wurmb und von Merrettig in Braunschweig, auf dringende Bitten des dortigen Rats. Am 7. Oktober schrieb ihm aus Nürnberg[112] der schwedische Kanzler Oxenstierna und empfahl ihm im Namen des Königs Gustav Adolf, eine Aufstellung an der Elbe zu nehmen. Dieser Rat stimmte mit Georgs eigenen Absichten zusammen, der nach den eingegangenen Meldungen ein Vordringen Pappenheims in östlicher Richtung vermuten mußte. Er beabsichtigte also, die Elbübergänge gegen Pappenheim zu sperren, setzte sich auch sogleich mit dem Kurfürsten von Sachsen in Verbindung, der die nahende Hilfe Georgs freudig begrüßte und ihm einen Teil seiner eigenen Truppen unterstellte. Am 19. Oktober ersuchte der Kurfürst den Herzog, auf Torgau[113] zu marschieren zur Vereinigung mit dem sächsischen General-Wachtmeister von Hoffkirchen. Bei Leipzig[114] und Eilenburg[115] hätten sich feindliche Reiter in großer Zahl sehen lassen”.[116]
Ende 1632 wurde Lohausen unter dem schwedischen Statthalter Ludwig von Anhalt Kommandant von Magdeburg.[117]
Seit Beginn des Jahres 1633 nahm Lohausen als Coadjutant der fränkischen Armee unter dem Kommando Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar,[118] dessen Infanterie und Artillerie er befehligte, bei zahlreichen Aktionen in Franken und im Donauraum teil, während sein eigenes Regiment unter Obristleutnant Ilefeldt unter den Befehl Herzog Wilhelms IV. von Sachsen-Weimar kam.
„Bernhard von Weimar hatte sich am 13. Januar 1633 von Altenburg[119] nach Jena[120] begeben, um sich dort von einer Erkrankung, welche er sich während des letzten Feldzuges und der Schlacht bei Lützen[121] zugezogen hatte, zu erholen. Am 4./14. Januar verfaßte er dort ein ‚Memoriall’ an die beiden Generalmajore Lohausen und Claus Conrad Zorn von Bulach, ‚sich zum Aufbruch nacher Francken in bereitschafft zu halten’ und wie sich diese ‚in unnserem abwesen unndt nach erlangter ordre des aufbruchs zu halten’ hätten (Skrifter II Bd. 7, S. 18). Während sich Bernhard am 22. Januar weiter nach Weimar[122] begab, da, wie er an den Reichskanzler Oxenstierna[123] schreibt, ‚die mattigkeit noch nicht nachlassen will’, bekamen die Generalmajore Lohausen und Bulach am 20. Januar von Oxenstierna den Befehl, Bernhards Armee über den Thüringer Wald nach Franken zu führen, sich im Hochstift Bamberg und der Maingegend festzusetzen und dabei die Stadt Nürnberg[124] gegen kaiserliche Feindseligkeiten abzusichern (Chemnitz II, S. 36).
Nach Bernhards eigenhändiger Instruktion vom 14.1. sollte sich Lohhausen mit der Infanterie, ‚doferne vom feindt man nichts vernehmen noch sich befahren würdet, in bemeltes Bamberg[125] logiren [und; BW] undt rückhwarts hinauss gegen Eltmann[126] zue sich des Mayns […] versichern’, sofern der Feind aber ‚auch von Hoff[127] oder der Ober Pfaltz starckh uff die armee undt dieses volckh gehen solte […] und uf den fall, er [Lohausen] sich nicht zu halten möglichen, [sollte er] dasselben [Bamberg] abbrennen undt in grund demoliren [!], undt er sich zuerückh gegen Schweinfurth[128] wenden undt in sicherheit begeben’ (Skrifter, s. o.).
Die Armada Bernhards zählte zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als 8000 Mann, wie der kaiserliche Generalkommissär Wolf Rudolph von Ossa berichtete, der in einem Brief vom 27. Februar 1633 aus Eichstätt[129] schrieb, er fürchte eine Vereinigung mit dem schwedischen Feldmarschall Gustav Horn, welcher zu diesem Zeitpunkt zwischen Ehingen[130] und Biberach[131] an der Donau in Kämpfe mit dem kaiserlichen Feldmarschall Aldringen verwickelt war (Soden II, S. 51). Im Kern bestanden Bernhards Truppen aus den relativ schwachen Regimentern zu Pferd: Georg von Uslars Regiment (160 Pferde), Bulachs Regiment (120 Pferde), (Wilhelm von) Goldsteins Regiment unter Oberstleutnant Max Conrad von Rehlingen (150 Pferde. Dieses Regiment wurde im März 1633 durch den Obristen Philipp Sattler [Sadler; BW] übernommen, Oberst (Eberhard) Beckermanns Regiment (150 Pferde), Herzog Bernhards Leibregiment unter Oberstl. Bouillon (12 Kp., 500 Pferde), Nicholas de Courvilles Regiment (5 Kp. 300 Pferde), (Christoph Karl Graf von) Brandensteins Regiment unter Rittmeister Lorbeer (300 Pferde), (Georg Ludwig Graf von) Löwensteins Regiment unter dessen Obristwachtmeister (200 Pferde), Oberst Wolf Jaroslav von Steinbachs Regiment (200 Pferde), Johann Bernhard von Öhms [Ehm; BW] Regiment (300 Pferde). Die Dragoner unter Oberst Georg Christoph von Taupadel und den Oberstleutnants (Lorentz) Ambrosius und (Pierre) Margali blieben in Chemnitz[132] zurück. Die Fußtruppen bestanden aus der blaue[n] Brigade (dem alten blauen Regimen) unter Hans Georg aus dem Winckel, von der jedoch ein Teil als Garnison in Zwickau[133] verblieb, Herzog Bernhards Brigade (grüne Brigade), Joachim Mitzlaffs Brigade und dem schwarzen Regiment des jüngeren Grafen (Johann Jakob) von Thurn; zusammen etwa 6000 Mann in 8 Regimentern zu Fuß und 2600 zu Pferd. (Soden II, S. 32ff.; Huschke, S. 44, 48, 108; Brzezinski/Lützen, 21; Skrifter II Bd. 7, S. 18)“.[134]
„In der Gegend um Kulmbach[135] flammten nach kurzer Ruhe schon im Januar die lokalen Auseinandersetzungen wieder auf. Die Weismainer[136] plünderten die Dörfer Peesten[137] und Proß,[138] und auch Besatzung und Bürger von Burgkunstadt[139] beunruhigten wieder die markgräflichen Orte. Da machte sich hier der Vorstoß der Schweden nach Franken zugunsten der Markgräflichen bemerkbar. Kronach[140] widerstand zwar Anfang Februar einem Ansturm der auf Bamberg marschierenden Scharen Herzog Wilhelms von Sachsen-Weimar unter der Führung Wilhelms von Lohhausens und Claus Conradt Zorn von Bullachs, und auch Weismain konnte noch rechtzeitig seine Tore schließen, aber Mainroth,[141] Altenkunstadt[142] und Burgkunstadt wurden von den Schweden besetzt und geplündert, wobei letzteres in Flammen aufging”.[143]
„Während Lohausen das Fußvolk und die Artillerie kommandierte, war Bulach für die Reiterei zuständig. Die schwedischen Truppen hielten am 27. Januar zwischen Neustadt/Orla[144] und Weida[145] ‚Rendezvous’ und nahmen ihren Weg teils über Lobenstein[146] und Nordhalben[147] (1. Februar), teils über Ludwigsstadt[148] und Teuschnitz[149] nach Kronach (Chemnitz II, S. 38). Nach obenerwähntem ‚Memoriall’ Bernhards sollten sie sich bemühen, ‘ob sie en passant die vestung Cronach, jedoch mit zuvorgehenden reiffen rath undt einbeziehung gueter kundtschafft (1) wie der ort besetzt, (2) wo demselbigen beyzuekhommen, (3) woher das proviand zu nehmen […] emportieren [einnehmen] khönnen. […] Sonsten aber undt ausser diesem den nechsten wegkh uff Bamberg zue nehmen, […] undt sich dessen bemechtigen’.
Den direkten Vorbeizug an Kronach vermiet [vermied; BW] man zuerst. Das vorläufige Hauptquartier hatte man westlich der Stadt in Mitwitz[150] genommen. (Vom 26. Januar/5. Februar ist ein Schutzbrief Lohausens und Bulachs für das Herzogtum Coburg aus dem ‘Hauptquartir zu Midwitz’ datiert[151]). Am 3. Februar machte eine schwedische Abteilung von ca. 3000 Mann zu Fuß, teils vom Haßlacher Grund über die Hofwiese kommend teils von Mitwitz über Entmannsdorf[152] (bei Breitenloh, Zitter (S. 29) schreibt ‚Enselsdorf’) kommend beim äußeren Haßlacher Tor einen halbherzigen Angriff auf Kronach, während die Reiterei 17 Kompanien stark auf dem Haßlacher Berg in Richtung Mitwitz hielt. Die feindlichen Truppen drangen über den Ziegelanger bis zum Mühlgraben am Marienplatz vor, wurden jedoch durch einen zangenartigen Ausfall der Kronacher am Haßlacher (Bamberger) Tor zurückgedrängt, worauf sie die Vorstadt am Ziegelanger in Brand steckten. 70 Häuser und Städel wurden ein Raub der Flammen.
Die schwedischen Truppen hielten sich allerdings nicht lange auf, da sie sich auf eine Belagerung im Winter kaum einlassen wollten und sie überdies am gleichen Tag von Bernhard eigenhändige Instruktion erhielten, ‚sich vor Cronach, weil selbiger orth gleichwohl von zimlicher importanz undt mit ein 500. Man besetztt, nicht [zu] engagieren, sondern seine marche [wormit es bishero des sehr bösen wetters […] halben sehr langsam zugangen) recta uf Bamberg nehmen’ (Skrifter II Bd. 7, S. 21). Über den Angriff auf Kronach schreibt die Nonne vom Heiligen Grab in ihr Tagebuch: ‚Freidtag den 4. februarius [richtig: 3.2.] hat der feind wiedterumb an die statt Cronig angesetzt / aber sie haben mit Spott müssen abziehen / dann es seint ihr 200 gewesen / so den ersten anlauff gethon haben / disse seint alle nidter gemacht worden / das ihr uber zwen oder drey nicht dar von kumen seint, wie uns ein schwedischer soltadt selbst gesagt / der auch dabey gewessen ist / dan es sey von der statt heraus hauffen weis auff sie gangen / dann die Croniger seint wie die teüffel, er möchte wol einen sehen’. (Tagebuch der Maria Anna Junius in BHVB 52, Bbg. 1890, S. 103).
Lichtenfels[153] wurde am 6. Februar, von Soldaten und Bürgerschaft nahezu verlassen, kampflos eingenommen. Staffelstein[154] wollte sich nicht kampflos ergeben. In der Stadt lag eine Kompanie vom Jung-Pappenheim’schen Regiment (Graf Philipp von Pappenheim war ein Vetter des bei Lützen gefallen[en] Feldmarschalls Gottfried Heinrich von Pappenheim). Die schwedischen Truppen sprengten jedoch die Tore am 7. Februar mit Petarden[155] auf, hieben die Besatzung nieder und plünderten den Ort aus. Nach dem Bericht der Bamberger Jesuitenchronik fielen 106 Personen aus Bürgerschaft und Garnison der Furie der Angreifer zum Opfer und wurden am folgenden Tag beerdigt. (BHVB 48, S. 40). Am 8. Februar nahmen die schwedischen Truppen ihr Hauptquartier in Scheßlitz[156] und am 9. Februar zogen Lohausen und Bulach ohne Gegenwehr in Bamberg ein. Das Militär und alle höheren Personen hatten sich in die Festung Forchheim[157] geflüchtet. Die Schwedischen Truppen bezogen nun in und um Bamberg Winterquartiere und lagen bis Mitte März in der Stadt. (Looshorn VI, S. 291f.; Chemnitz II, S. 38ff.)“.[158]
„Wie der Verfasser der Bamberger Jesuitenchronik bestätigt, verhielt sich Lohausen während der schwedischen Besatzung Bambergs den Jesuiten und auch den anderen Bürgern gegenüber tadellos, nahm diese auch des öfteren in Schutz. Der Überfall auf Staffelstein verursachte ihm Zeit seines Lebens Gewissensbisse, wie er in Gesprächen mit dem Bamberger Jesuitenpater Adolph Clever darüber ins Reine zu kommen versuchte. In der Bamberger Jesuitenchronik heißt es: Der Winter ging schon zu Ende, als Bernhard von Weimar neue sächsische Rekruten nach Franken schickte. Diesen Truppen hatte er in seinem Namen Wilhelm von Lohausen, von der Glaubensgemeinschaft der Calvinisten, einen nicht ungebildeten Mann, und Nikolaus Konrad Zorn von Bullach vorangestellt, beide Befehlshaber von Truppen, die die gesamte Diözese weithin mit Drohungen und Schrecken erfüllten, weil sie Brandlegungen und Waffengewalt androhten. Selbstverständlich hätten diese eine Strafe verdient, die unter dem Vorwand, einen Friedensvertrag zu schließen, schließlich den König getäuscht hätten. Deshalb versuchten sie Kronach durch einen Angriff zu erobern, als ihre Abteilungen nicht so weit von der Stadt marschierten, aber nach einem vergeblichen Versuch erhielten sie überhaupt keinen Ruhm, abgesehen davon, dass sie zurückgeschlagen wurden. Die Bürger von Staffelstein, deren Stadt nur durch eine mäßige Besatzung gehalten wurde, sind beinahe durch die Niedermetzelung ausgelöscht worden, nachdem sie von Lohausen überwunden worden waren, weil sie sich gegen den sechsten Februar im Allgemeinen weigerten, dass sie sich ergeben werden. Es ist sicher, dass einhundertsechs Menschen an einem Tag innerhalb der Stadt begraben wurden. Diese Grausamkeit verursachte später nicht nur einmal Skrupel bei Lohausen“.[159]
“Mit dem Einzug von Lohausens Truppen in Bamberg hatte der Oberst Claus Hastver von Herzog Bernhard die Aufforderung erhalten, die schwedischen Operationen in Franken zu unterstützen. Er war deshalb am 13. Februar 1633 mit einem Teil seines Regiments von Nürnberg aus nach Herzogenaurach[160] aufgebrochen, wo er keine Verpflegung vorfand und deshalb am Abend des 14. Februar weiter nach Höchstadt a. d. Aisch[161] marschierte, um zu versuchen, ob er den Platz mit Akkord einnehmen könne. Am nächsten Morgen forderte er die Stadt zur Übergabe auf, welches Ersuchen jedoch von der Bürgerschaft und Besatzung abgelehnt wurde. Hastver zog sich deshalb am Abend nach Neustadt a. d. Aisch[162] zurück und bat von dort aus den Rat von Nürnberg um eine Verstärkung von 100 bis 150 Musketieren, 3 bis 4 Petarden nebst einem guten Petardierer und einige Pechkränze. Er wollte damit ‘ein Thor mit Petarden aufspielen’, und das andere zu verbrennen. Der Rat lehnte Hastvers Begehren ab, da sich in Nürnberg nur noch so viel Volk befand um die Wachen zu versehen, das übrige lag in den umliegenden Städten zur Besatzung.
Aus Bamberg hatte ihm der der Generalmajor Claus Conrad Zorn von Bulach die Einnahme von Staffelstein, Bamberg und Eltmann[163] gemeldet. Mittlerweile (17. Februar) war auch Bernhards Bruder, Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, in Bamberg eingetroffen, um weiter in die in die Oberpfalz zu marschieren. Die ‚Hastver’schen Völker’, wie ihr Kommandant sie selbst nannte, also das Truppenkontingent, mit dem Hastver von Johann von Werth vor Herrieden[164] zurückgedrängt worden war, lag noch immer in Ansbach.[165] Hastver wollte es auch nicht eher nach Neustadt kommandieren, bis Ansbach eine neue Besatzung hatte, trotzdem bestand er weiterhin auf Ausführung seines Angriffes auf Höchstadt. Schließlich bewilligte der Nürnberger Rat die gewünschten Materialien und Hastver beorderte nun die Musketiere seines Regiments von Ansbach nach Neustadt.
Am 26. Februar fand er sich mit seinen Truppen unter dem Major John Affleck und dem aus Bamberg kommandierten Reiterregiment Öhm [Ehm; BW] erneut vor Höchstadt ein, mußte jedoch am Abend ergebnislos wieder abrücken und zog sich nach Dachsbach[166] zurück. Die Unternehmungen wurden zusätzlich von großen Überschwemmungen in der Gegend behindert. Um nicht völlig erfolglos zu erscheinen, zog man am 28. Februar vor Forchheim und verbrannte die Brücke über die Regnitz. Die aus Nürnberg übersandten Pechkränze[167] taten dabei gute Dienste. Aus der Festung erfolgten währenddessen 80 Kanonenschüsse, die allerdings keinen Schaden anrichteten. Am nächsten Tage kehrte Hastver mit den Truppen zu seinem Stützpunkt Dachsbach und schließlich nach Neustadt zurück. (Soden II, S. 32ff.).
Am 28. Februar war Herzog Bernhard, der wieder gesundet war, zusammen mit dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna, den er am 23. oder 24. Februar in Buttstädt[168] bei Weimar getroffen hatte, in Schweinfurt[169] angelangt. Von dort erteilte er dem in Bamberg liegenden Generalmajor der Kavallerie Claus Conrad Zorn von Bulach den Befehl zum Vordringen in die Oberpfalz. Während die Reiterregimenter Öhm und Courville bereits nach Auerbach[170] vorausgezogen waren, hatte Bulach die Regimenter [Christoph Karl Graf von] Brandenstein und (Georg Ludwig Graf von) Löwenstein in Pretzfeld[171] einquartiert. Er selbst übernachtete mit den Leibdragonern des Herzogs (Bernhard) und drei weiteren Regimentern in Ebermannstadt.[172]
In der Nacht des 23. Febr./5. März früh drangen Reiter des ligistischen Reiterobristen Werth in Pretzfeld ein, zersprengten die beiden schwedischen Regimenter, erbeuteten viele Pferde und nahmen mehrer[e] Offiziere gefangen. Am Morgen des 6. März gegen 6 Uhr begab sich Werth in das Hauptquartier Bulachs nach Ebermannstadt: ‚Woselbst gleich der Generalmajor, als der ohne das eben damahls zu Pferde wollen blasen lassen / sich eilends mit dem Leibregiment herausser gemacht […] vorm dorffe sich gesetzet und in ordnung gestellet: Da dann der feindt stracks gestutzet / vnd ohne ferneren angriff wieder zurück gewichen. Die zerstrewete von obgedachten beiden Regimentern funden sich folgends auch eintzelnen zur Armée wieder herbey: Also das der Verlust / ausserhalb der Pferde und pagage, so dem Feinde zutheil worden / so gar groß nicht gewesen. Gen-Major Bulach aber / in die Oberpfalz sich nicht mehr zuvertieffen […] vnd lies beyhabende reuterey alsbald in ihre vorige quartiere bey Bamberg wiederumb rücken’. (Chemnitz II, S. 39). Nach Werths Schlachtbericht an Kurfürst Maximilian hatte er bei dieser Aktion insgesamt 1800 Pferde erbeutet. Aus Frustration und Rache über die erlittene Niederlage legten die schwedischen Regimenter in Ebermannstadt 80 Häuser und die Stadtkapelle in die Asche. (Lahrkamp/Werth, S. 23).
Auf die Nachricht von der Schlappe Bulachs war Herzog Bernhard am 25. Februar/7. März von Würzburg[173] nach Bamberg geeilt, wo er die Regimenter musterte und in der Folge die Eroberung Höchstadts a. d. Aisch, dessen Besatzung nur aus 60 Soldaten und der Bürgerschaft bestand, ernsthaft vorantrieb. Zu diesem Zweck schickte er den Generalmajor Lohausen mit 1200 Mann zu Roß und Fuß und das schwarze Regiment des jüngeren Grafen (Hans Jakob von) Thurn sowie zwei halbe Kartaunen vor die Stadt. Die Erstürmung erfolgte am 28.2./10.3.1633, nachdem nachmittags um 2 Uhr Bresche geschossen worden war. Chemnitz (Bd. II, S.39) schreibt darüber: ‚Das Städtlein Hochstädt hatte gegen denen Königl.=Schwedischen bishero sich hart / und fast über seine Macht vnd Vermögen opiniastriret. Wegswegen […] Herzog Bernhard, so nunmehr wieder wol auf vnd bei der Armée angelanget / Gen-Major Lohausen mit etlichen trouppen zu ros vnd fus sambt theils artholeri, davor gesandt. Dies lies / den letzten Tag Hornungs [28. Februar alten Stils, bzw. 10. März nach dem neuen Kalender] / weil die darin sich in güte keines wegs bequemen wollen / morgens frühe breche schiessen / vnd ein loch in die maure machen: Worauff bey des Herzogen ankunfft von Bamberg / die Soldaten mit guter resolution den sturm angetreten / vnd vnerachtet der Belagerten hefftigen gegenwehr / wodurch etliche Knechte / neben einem jungen Graffen von Schlick[174] (der schon die Leiter hinauffgestiegen war / vnd recht [genau] in der bresche geschossen worden) umbkommen / den ort mit gewalt erobert; alles was Mänlich vnd erwachsen / an Soldaten / Bürgern / Bawren und Juden / niedergemacht / vnd das Städtlein rein ausgeplündert. Bey welcher confusion ein fewr auskommen / vnd dadurch der ort / nebenst dem darin vorhandenem vorrath an getreyde / so der Herzog lieber conserviret gesehen hette / im rauche aufgangen’.
Während der schwedische Historiograph Chemnitz zwar einige interessante Details beisteuert, die Eroberung aber eher nüchtern, teilweise sogar etwas verharmlosend schildert, gibt die Bamberger Dominikanernonne Maria Anna Junius die Grausamkeit dieser Eroberung Höchstadts in ihrem Tagebuchbericht in unverblümter[,] aber auch unparteiischer Form wieder. Nach der Schilderung der Nonne (die den Tag der Eroberung irrtümlich auf den 11. März legt) setzten die protestantischen Truppen ‚zu frü um 7 uhr wiedterumb an höchstadt mit gantzer macht / zuvor zum öfteren mahl hineingeschickt und sagen lassen sie [die Höchstädter] wollen doch auff geben / sie sehen doch die grosse macht deren sie sich nicht wiedersetzen können[;] wan sie gutt willig auff geben sol weder der stadt noch ihnen einiges leidt geschehen / wo aber nicht[,] so sol alles nidter gemacht werden und die stadt in Brandt gesteckt / die aber in der stadt haben zu andword geben sie wollen sich wehren biss auff den letzten man / dan der comendtant zu forgam [Friedrich von Schletz, Kommandant zu Forchheim] hat einen botten um den andtern hingeschickt / sie sollen sich nur noch zwu stund wehren / so wert ihnen hilff kumen. Also haben sie sich gar ridterlich gewert und den feind großen schadten gethon / dan der graff schlick ist gleig dar vor todt blieben auch viel soltadten / dan da die mener nicht mehr haben schiessen könen / da haben die weiber wasser siedtent gemacht und auff sie gossen / auch mel ins siedtent wasser gerührt und die feind mechtig mit verbrent / auch mechtig mit steinen under sie geworffen und den feind grossen schadten gethon. Aber ihr riedterliches wehrn und wachen ist vergebens gewessen / dan es ist ihnen kein mensch zu hilff kumen; dan um 2 uhr haben die schwedtischen die statt erst erobert […] alls sie nun die stadt gehabt da haben sie alles nidter gemacht und die stadt hinweg gebrent bis auff die kirgen und das schlos; auch etliche kleine heüslein seint stehn blieben / dan es ist ein mechtiges mörtten und blutbatt da gewessen / dan weiber so ihre kinder an dem arm gehabt hat man samt den kindern nidter gemacht / auch ist ein mechtiges gutt und getreyt allda verbrent / das man nicht genuch darvon hat sagen könen / an welcher jemerlichen history niemand schultig ist alls der commendtant zu forgam [Schletz] / auch haben die soltadten die höchstadter kirgen durchgraben dan sie haben gemeint sie wollen in grebern grose schetz finden’. (BHVB Nr. 52, S. 121f.).
Nach den Nürnberger Kriegsakten (B. 29) wurde nahezu die gesamte Garnison Höchstadts niedergemacht. Nur 15 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Der Kommandant, der als Korporal zuvor in schwedischen Diensten gestanden hatte, wurde aufgehängt. Noch schlimmer erging es der Bürgerschaft. Nahezu 300 Bürger und ‚etliche Weiber’ wurden niedergemetzelt. Nach anderen Berichten sollen nur 7 Bürger in der Stadt und diejenigen, welche in den Wäldern das Vieh hüteten[,] überlebt haben. Die protestantischen Truppen verloren bei dem Sturm, außer dem Grafen Schlick, ca. 100 Mann an gemeiner Mannschaft und Offizieren.
Nach geendeter Expedition marschierten die schwedischen Truppen wieder nach Bamberg zurück”.[175]
„Bernhards Plan war anfangs nur auf die Eroberung Regensburgs[176] gerichtet. Über die Eroberung Auerbachs[177] in der Oberpfalz wollte er sich den Weg dorthin ebnen. Oxenstierna hinderte ihn jedoch an der Ausführung dieses Plans und bewog ihn, an die Donau zu marschieren[,] um sich dort mit dem Feldmarschall Gustav Horn zu vereinigen. (Soden II, S. 56).
Herzog Bernhard verließ am 27. März mit seiner mittlerweile 13.000 Mann starken, (ebd. S. 57) aus 15 Regimentern zu Roß und Fuß bestehenden Armee Bamberg. Den Generalmajor Georg von Uslar schickte er mit 22000 Reitern in 5 Regimentern, nämlich dem Weimar’schen (Leibregiment), Uslar’schen, Brandenstein’schen, Steinbock’schen (muß heißen: Steinbach’schen) und Becker’schen (muß heißen Beckermann’schen) zur Verproviantierung von Weißenburg[178] voraus (ebd. 60). Am vorhergehenden Tag begehrte er in einem Schreiben an den nürnbergischen General von Schlammersdorff für seine Armee auf 2 Tage je 14.000 Pfund Brot. Er selbst kam am 29.3. nach Nürnberg. Hier legte er dem Rat seine Pläne dar und forderte, daß die Stadt noch etwa 800 bis 1000 Mann zu ihrer Verteidigung aufnehme. Außerdem drang er darauf, daß die Stadt jene 130 Mann vom Hastver’schen Regiment weiterhin behalte und bezahle, die sie bisher bereits in Garnison hatte.
Am 30. März verließ Bernhard Nürnberg und logierte mit der gesamten Armee im Amt Schwabach.[179] Nach Ansbach, das er am 31. März erreichte, hatte er Nachricht übersenden lassen, man möge 20.000 Pfund Brot backen und binnen 2 Tagen zur Lieferung in Bereitschaft halten lassen. (Ebd. S. 58ff.). Dort beschloß Bernhard, die befestigten Plätze Herrieden[180] und (Wolframs-)Eschenbach[181] ein[zu]nehmen. Er kommandierte deshalb den Generalmajor Lohausen mit einigem Volk und Stücken vor Eschenbach, welcher am 23.3./2.4.1633 Bresche schießen ließ und die Besatzung und Bürgerschaft zur Übergabe durch Akkord zwang.
Er selbst zog, nachdem er von Ansbach zusätzliche Geschütze angefordert und das Hastver’sche Regiment von Neustadt herbeigerufen hatte, am 2. April vor Herrieden. Die bisherige kaiserliche Garnison bestand aus 150 Mann und hatte die zweimalige Aufforderung, sich zu ergeben, mit höhnischen Worten abgewiesen. Der Herzog ließ daraufhin Bresche schießen und den Graben füllen: ‚Worauff die belagerte[n] ein weis fähnlein über die maure ausgestecket / vnd sich zum accord erboten. Da dann der Obriste Hastvert unter die breche gegangen / vnd jemand, den accord zu machen / herausgefordert: Hingegen sie [jemand] von [den] Officierern hinein begehrt. Wie nun Capitain von gemeldtem Obristen nebst dessen Capitain Lieutenant durch die breche hineingestiegen / vnterdessen ihnen der Obrister [Hastver] etwas hart zugesprochen / wolten sie solches nicht recht verstehen / sondern gaben auf gemeldte beyde Officierer fewr heraus / vnd ward der Capitain Lieutenant dergestalt getroffen, das er todt aufm platze blieb. Worüber der Herzog [Bernhard] entrüstet / das Gespräch abrumpiret / mit Stücken noch zweymal Salve gegeben / die breche also erweitert / vnd die Soldaten hineingehen lassen’. (Chemnitz II, S. 96). Außer Weibern und Kindern wurde alles niedergehauen und die Stadt geplündert. Das Hastver’sche Regiment wurde zunächst als Besatzung hineingelegt, allerdings nach einigen Tagen durch den Rittmeister Christoph von Rochau (Rochow) mit einer Kompanie zu Pferd von Bernhards Leibregiment und 200 Musketieren ersetzt. (Soden II, S. 62, S. 67).
Es ist anzunehmen, daß der Verlauf der Belagerung nicht im eigentlichen Sinne Hastvers verlief, der ja, wie die vorausgegangenen Ereignisse zeigen, eher zur Nachgiebigkeit tendierte. Unter dem Bruck Bernhards hatte er aber keine andere Wahl. Die Vorgehensweise in Herrieden wirft jedoch auch ein Bild auf die brutale Kompromißlosigkeit Bernhards und läßt einige Parallelen zu den Belagerungen Kronachs erkennen. Hier war Hastver im Jahre 1632 wieder abgerückt, nachdem er die Aussichtslosigkeit seiner Aktion eingesehen hatte. Was passiert wäre, wenn Herzog Bernhard, der bei seiner Belagerung Kronachs im Jahre 1634 bereits Bresche geschossen hatte und stürmen ließ, die Stadt eingenommen hätte, läßt sich aus obrigen Verlauf erahnen.
Von Ansbach zog Bernhards Armee, die sich mittlerweile mit weiteren Regimentern verstärkt hatte, unter anderem mit dem Regiment zu Fuß des Obersten Thomas Sigmund von Schlammersdorff, über Donauwörth[182] in Richtung Augsburg.[183] Hastver blieb mit seinem Regiment in Ansbach zurück”.[184]
„Herzog Bernhard selbst hatte am 3. April 1633 Ansbach verlassen. Ihm folgten 1500 Mann Reiterei. Auf dem Weg nach Ornbau[185] an der Altmühl (zwischen Gunzenhausen[186] und Herrieden) stießen sie in der Nähe des Ortes auf eine 3000 Mann starke Partie von Kaiserlichen unter Johann von Werth, welche von Amberg[187] aus in 48 Stunden 16 Meilen (ca. 120 km) zurückgelegt hatten und am Morgen desselben Tages dem Leibregiment des Herzogs 500 Pferde abgenommen hatten. Nach einer Verfolgung durch die Reiterregimenter Öhm [Ehm; BW] und Courville kam es am 24.3./3.4. zum Gefecht bei Ornbau, wobei die Generale Lohausen und Georg von Uslar der total erschöpften Reiterei Johann von Werths eine empfindliche Niederlage beibrachten. 300 von Werths Reitern wurden getötet, über 200 gefangen und 2 Standarten erbeutet. (Chemnitz II, S. 97)”.[188]
„Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar hatte ursprünglich selbst daran gedacht, im Frühjahr 1633 nach Franken zu gehen, um dort als Generalleutnant den Oberbefehl über die Fränkische Armee zu übernehmen (Huschke, S. 95). Bernhard kümmerte sich indes wenig um die Ansprüche seines Bruders. Er hatte schon von Schweinfurt aus Befehle an Lohausen und [Zorn v.; BW] Bulach erteilt, ohne die Zustimmung Wilhelms einzuholen. Als er im März 1633 dessen Aufforderung, sich zur Armee zu begeben, erhielt, war er schon in Bamberg (ebd. S. 107). Wilhelm verzichtete schließlich auf die eingangs erwähnte Vorgehensweise, weil er seinen Bruder Bernhard nicht düpieren wollte, auch fehlte ihm die Unterstützung Oxenstiernas. Er änderte seine Pläne und dachte daran, einen konzentrierten Angriff auf Böhmen und Österreich vorzunehmen (ebd. S. 109). Mit seiner Armee wollte er gegen Eger[189] und Elbogen[190] und weiter gegen die Donau vorrücken. In enger Fühlung mit ihm sollte Bernhard in die Oberpfalz eindringen, auf Regensburg ziehen und nach dem Fall der Stadt ins Österreichische einbrechen.
Aufgrund der ablehnenden Haltung Oxenstiernas gab Wilhelm jedoch diesen Feldzugsplan auf, wollte sich zuerst nach Eger und die Oberpfalz wenden und, als auch dieses von Oxenstierna mißbilligt wurde, wandte er sich gegen Franken und den Main. (Ebd. S. 116, 118). Er gedachte aber auf dem Weg nach Bamberg wenigstens das fürstbischöflich-bambergische Kronach in seine Hand zu bekommen. Er wollte diesem ‚großen Hindernis und Unheil ein Ende machen’ und hatte dafür bei seinem Onkel, dem Coburger Herzog Johann Casimir viel Beifall gefunden (ebd. S. 122). Nach Aussage eines nach Würzburg geschickten Leutnants begehrte man die Eroberung der Stadt, ‚um dann endlich einmal vor Forchheim[191] ziehen zu können’ (Soden II, S. 158).
Wilhelm forderte Taupadel auf, alle seine Truppen bei Hof zusammenzuziehen und kommandierte auch die Obersten Steinau und [Reinhold v. (Hoch-Rosen); BW] Rosen dorthin. Außer seinen magdeburgischen Regimentern (Lohausen, King, Tiesenhausen) hatte er nur noch sein Leibregiment zu Fuß unter Oberst Georg Friedrich von Brandenstein und das Regiment des Obersten Johann Schenck. Die Infanterie, zum Großteil frisch geworben und gemustert, hatte eine für 5 Regimenter relativ geringe Stärke von 3500 Mann (StA Weimar, Abt. H 260, Bl. 230) ‚darunter viel Lumpengesindel’ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen) und ‚Jungen, so noch keinen Mann bestehen können’. Diese Aussage deckt sich auch mit der Anweisung in einem Truppenverzeichnis des Herzogs vom 24. März 1633, 3000 Mann aus dem Landesausschuß in die damals recht schwachen Regimenter einzugliedern, die aber großteils wieder entliefen (Skrifter II Bd. 7, S. 32).
Am 10. Juni führte Wilhelm die Regimenter aus den Quartieren bei Saalfeld[192] nach Ludwigsstadt[193] und befahl Taupadel, seine Truppen heranzuführen, da zu Hof der Proviant auszugehen drohte (H. 235, Bl. 37f. u. H. 252, Bl. 155ff.). Reiterei, Dragonerverbände und Fußvolk eingeschlossen, belief sich die Gesamtstärke von Wilhelms Armee vor Kronach auf insgesamt etwas mehr als 6000 Mann. Nicht zu vernachlässigen ist allerdings der Troß, welcher bei dergleichen Kommandounternehmen zwar nicht so zahlreich wie gewöhnlich war, jedoch mindestens nochmals die Hälfte der kämpfenden Truppen erreichte und damit die Zahl der subjektiv sichtbaren Streitmacht erheblich vergrößerte. Die Chronik des Johann Nikolaus Zitter spricht von ‚9 Regimentern zu Fuß und 8 zu Roß’ und einer ‚gewaltigen Macht’ von 20.000 Mann, die vor Kronachs Mauern aufzog. Der Kronacher Dechant Franz August Bauer will diese Zahlen gar mit den Kompaniestärken deutscher Landsknechte errechnen. Auch der Mitwitzer Tagebuchschreiber Andreas Dötschel spricht von 9 Regimentern zu Fuß und 9 zu Pferd sowie 16 Artillerie-Stücken (Dötschel/Tagebuch. In: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach 13/1984).
Die Verwechslung rührt daher, daß zur leichteren Bildung von Brigaden die schwedischen Fußregimenter in jeweils zwei ‚Squadrons’ zu 4 Kompanien aufgeteilt waren, so daß die Regimenter Lohausen, King, Leibregiment und Schenck zusammen 8 Squadrons bildeten, das Regiment Tiesenhausen hatte nur 4 Kompanien und bildete die 9. Squadron. Die 5 Kavallerieregimenter Taupadels bildeten 8 Esquadrons zu je 4-6 Kompanien. Die von Zitter erwähnte Truppenstärke der ‚Schweden’ von 20.000 Mann, welche Zahl bezeichnenderweise in der handschriftlichen Chronik Zitters eine Korrektur von fremder Hand aufweist, ist völlig aus der Luft gegriffen, wird jedoch immer wieder gerne zitiert, obwohl auch die realistische Zahl der heldenhaften Verteidigung Kronachs keinerlei Abbruch tut. Die Stärke der wehrhaften Kronacher Bürger dürfte, wie bei der ersten Belagerung, bei etwa 500 Personen gelegen haben, der in der Regel unzuverlässige Ausschuß belief sich laut eines Verzeichnisses vom April 1633 auf 277 Mann (Fehn VI, S. 215). Den bei Kurfürst Maximilian von Bayern und bei dem kaiserlichen Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld angeforderten Sukkurs blieben diese leider schuldig. In Kronach kommandierte seit dem Vorjahr der Italiener Francesco de Melon. Das Statthalteramt hatte nach wie vor des Fürstbischofs Vetter, Wolfgang Philipp Fuchs von Dornheim, inne.
Der außerordentlich verläßliche ‚Hofhistoriograph’ Bogislav Philipp von Chemnitz unterstellte den Plänen Wilhelms von vornherein keine großen Erfolgsaussichten: ‚In Thüringen hatte Herzog Wilhelm zu Sachsen / Weimar ein klein Corpo beysammen: Welchem der Herzog zu Coburg und Markgraf Christian zu Brandenburg versprochen / da Er etwas auf Cronach tendieren könnte / mit Stücken und munition zustatten zu kommen. Wodurch Er bewogen sich den ersten Brach-Monats [1. Juni a. St./10. Juni n. St.] von Saalfelde mit etlichen trouppen erhub / über den Thüringer Wald marchierte / und gerade nach Cronach das haupt streckte: Solches / ungeachtet der Feind von Eger / vnd aus der OberPfalz / vber neun meilen [1 Meile ca. 7, 5 km] zum Secours nicht hatte / anzugreiffen / vnd zu versuchen; Ob er mit einem sonderbaren [besonderen] vortheil sich der Stadt bemächtigen / auch zugleich das Schlos / ehe der Feind zeit zum entsatz gewünne / occupieren möchte’. (Chemnitz II, S. 166).
Bereits am 18. Mai hatte Herzog Wilhelm mit einer Abteilung von gefähr 2000 Mann unter dem Kommando des Generamajors Jakob (James) King die Festung und Stadt Kronach ‚recognosciren’ lassen. Die Abteilung kam in der Nacht nach Friesen[194] und rückte dann am folgenden Morgen vom Vogelherd kommend hinter die Festung Rosenberg. Dabei machte man sich das bereits stehende Getreide zu nutze und kam unbemerkt, die Hänge der hinteren Haingasse hinaufsteigend, bis zu der Anhöhe hinter der Festung bei der Schwedenwiese, wo sich eine Abteilung Kronacher Musketiere hinter den dortigen Steinmauern zur Erkundung des Feindes verschanzt hatte. Bei dem überraschenden Zusammenstoß kam es zu einem Schußwechsel, wobei aber niemand verletzt wurde. Obwohl aus der Festung Rosenberg mit Geschützen ‚hinausgespielet’ wurde, mußten sich die Kronacher zurückziehen und es gelang den King’schen Truppen, sich 3 Stunden lang in dieser Stellung zu halten, wobei ein Ingenieur einen Lageplan der Festung und Umgebung anfertigte.
Am 12. Juni brach die Infanterie Wilhelms aus dem Feldlager von Ludwigsstadt, wo man 2 Tage gerastet hatte, auf und vereinigte sich am 13. mit der von Hof über Nordhalben[195] heranziehenden ca. 2000 Mann starken Reiterei unter Taupadel bei Posseck[196] nördlich von Kronach (StA Weimar, Abt. H 235, Bl. 37f.). Der fürstbischöflich-bambergische Markt Nordhalben, welcher am 21. Mai eine Aufforderung des Herzogs, zwecks Kontributionsverhandlungen eine Abordnung nach Lehesten[197] zu sehen, ‚andernfalls militärische Execution erfolge’ (Fehn VI, S. 217), ignoriert hatte, war von den durchziehenden Taupadel’schen Truppen in die Asche gelegt worden.
Am 13. Juni erreichten die berittenen Regimenter und etwa 450 kommandierte Musketiere (100 Mann aus jedem Fußregiment) Kronach. Zur Einschüchterung der Bürger stellte sich die Reiterei am Steinbruch an der Hofwiese in Schlachtordnung, während die kommandierten Musketiere mit einigen ausgefallenen Kronachern ‘chargirten’ (StA. Weimar Abt. H. 252 u. H. 235, Bl. 37). ‚Da war bey uns in Ansehung einer so gewaltigen Macht / das Lachen zuverbeissen / die Reüterey hielten in batalia biß in die Nacht das wir nit ersehen kunden, wo deren Marsch hinauß gienge / im Läger bliesen jhre Trompeter die gantze Nacht / das es bey jhnen zwar schön, bey vns aber erschröcklich zuhören war’ (Zitter, S. 31). Herzog Wilhelm traf, gemäß seinem Bericht an Oxenstierna und den weimarischen Quartierlisten, zusammen mit der Infanterie erst am 4./14. Juni vor Kronach ein (H. 260, Bl. 82f. u. H. 235, Bl. 37). Vom Lager hinter der Festung unternahm er am gleichen Tag mit etlichen Reitern einen Erkundungsritt, wobei der Major des Ausschusses, Hans Rudolph Mayer, mit ihm ‚scharmutzierte’. Die Fußtruppen begaben sich, über Bernsroth,[198] mit ‚schönen neuen Fahnen’ (es handelte sich ja zum großen Teil um neugeworbenes und noch unerfahrenes Kriegsvolk) sowie den Geschützen, Munition und Bagagewägen, auf das Gelände des alten Hastver’schen Lagers von 1632 am Westhang des Rosenberges. Von Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach erbat sich der Herzog in einem Schreiben vom selben Tage Verstärkung und Munition. Christian antwortete ihm, die verlangten 50-60 Ztr. Pulver stünden bereit, jedoch forderte er die Wagen mit Bespannung zurück. Er wünschte ‚glücklichen Succeß darzu, vnnd das Sie sich dieses platzes […] baldt bemächtigen mögen’ (Abt. H. 260, Bl. 24f.).
Die Kronacher besetzen ihre Wachen und Laufgräben entlang der Trüllengaß (heute Rosenbergstraße) so gut wie möglich und errichteten oberhalb des Friesener Tores eine neue Batterie aus Bretten des Wasenmüllers (späteres Sägewerk Brückner). In der Nacht zum 15. Juni 1633 nach Mitternacht (Die ‚EhrenCron’ vermeldet unrichtig den 16.6.) begann der Angriff der weimarischen Truppen, wobei die Regimenter den aufgestauten Mühlbach oberhalb der Wasenmühle ‚über halben leib-tieff’ durchwaten mußten und zwischen den Häußern in die Strauer Vorstadt einfielen. Trotz heftiger Gegenwehr der Kronacher aus der neuen Verschanzung oberhalb des ‘Strauiger Thors’ und den Laufgräben entlang der ‚Trüllengaß’ waren diese schließlich genötigt, sich in die Stadt zurückzuziehen. Der Wache auf dem Kaulanger war der Rückzug abgeschnitten, so daß etliche, die in Richtung des Strauer Tors eilen wollten, von den ‘Schwedischen’ niedergemacht wurden. Dem Rest gelang es, sich an den Scheunen entlang und über die Spitalbrücke zum gegenüberliegenden ‘vndern Thor’ (heute Bamberger Tor) und von dort in die Stadt zu retten.
Das King’sche Regiment stürmte nun in Richtung auf das Strauer Tor, wohinein sich noch immer Kronacher Bürger ‚retirirten / vnd die Statt in eüsserster Gefahr stunde / in dem einer Namens Erhard Pantzer zwo Kühe hinein treiben liesse, deren die letzte nit geschwind durch den Schlagbaum zu bringen / der Feind vnder Commando deß Majors Kött vom Kinckischen Regiment mit gantzer Macht die Gassen die Straw genent herein setzete’. Dem tollkühnen Obristwachtmeister (Major) des King’schen Regiments, Jörg Kött, war es gelungen, eine Pike zwischen Stachet (Fallgitter) und Mauer zu schieben, wodurch ein Ratsmitglied namens Lorenz Zimmermann verletzt: ‚[…] da greiffen die jnnerhalb des thors befindliche Wacht mit Gewalt an die Picken, ziehen dem Major solche auß der Hand und lasten das Stachet vollents zufallen. Der Major schreyt allzeit gut Freund gut Freund, welches aber vnserer Sprach nit ehnlich. Do schiest ihm vnser Schildwacht auß dem Schüllerhäußlein, so ober dem Stachet ausser deß Thors stund, eine Kugel in Leib, das er gleich Todt alldort lage. Der Feind stunde in batalia in der Gassen vnd besetztete die Häuser vff beeden seiten in der Straw, geben continuirlich Fewer vff das Stachet vnd in die Zwinger. Wir theten auch nit feyern, besetzeten die Zwinger und schossen manchen für den Kopff das der Feind die Todten vff Wägen hinwegführen liesse’.
Die Gefahr, welche durch den Ansturm einer so großen Anzahl feindlicher Truppen bei Nacht für die Stadt bestand, war immens, so daß die Kronacher sehnlich den Tag herbeiwünschten. Bei Tagesanbruch (15.6.), und während die Musketiere von der Stadtmauer, dem Tor und dem Zwinger Feuer auf die gegenüberliegenden Häuser der Strau gaben, beschloß die Bürgerschaft, einen Ausfall zu machen. Mit 200 Mann rückte man durch das obere Stadttor und an der Mauer entlang durch die sich anschließenden Gärten und besetzte die Häuser der Friesener Straße auf der zur Festung gerichteten Seite. Auf der gegenüberliegenden Seite hatten sich jedoch die feindlichen Truppen verschanzt, so daß sich ein regelrechter Straßenkampf mit einem Feuergefecht von Fenster zu Fenster entwickelte. Währenddessen lag der Leichnam des Majors Kött immer noch vor dem Strauer Tor auf offener Strasse. ‚Nach deme nun der Feind den todten Leichnamb ihres Herrn Majors Kött gern mit sich genommen, welcher unweit des Stackets herunter vff freyer gassen gelegen, sein Pferdt aber gantz ledig mit einem roth Sammeten Sattel und pistoln schön mundiert die Gassen auff vnd abgelauffen, haben werder sie [der Feind] noch einer aus uns [der Kronacher Bürgerschafft] sich wagen dörffen, in deme geschwind 20. in 30. Schüß vff dahin giengen. Biß endlich unsere Bürger etlich Flößhäcken ergrieffen, lange Stangen daran gemacht vnd nach vnd nach herüber in Hanß Stauffen Hauß den todten Leichnamb geschleifft, welches ein schöner langer Cavalier gewesen, von ansehlichen stattlichen Kleydern. Dene aber diejenigen so es gewagt, so balden biß vffs Hembt außgezogen, und den Leib hernacher gantz Erbahr in die St. Martins Kirchen getragen. Das Pferdt haben etliche andere von uns auch ertapt, Sattel, Pistolen und Pferdt unter sich verteilt’.
Die Kronacher beschlossen nun, den Feind von der Seite her anzugreifen um ihn aus der Strauer Vorstadt zu vertreiben. Zu diesem Zweck rückten sie durch das Haßlacher Tor (heute Bamberger Tor) und weiter um die Stadtmauern herum bis zu den ‚Gärten des dicken Schneiders Haus’ (hinter der späteren Korbwarenfabrik Gebr. Heim), fielen in die feindlich besetzten Häuser der Strau und machten etliche nieder, etliche nahmen sie gefangen, darunter einen Furier, der sich im Gasthaus des Wirtes Panzer (an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche) in einer Truhe versteckt hatte. Es gelang, den Feind bis zum Brücklein beim Haus der Siebenhünerin zurückzudrängen, wo er sich hinter Floßböden verschanzte und den Kronachern erhebliche Verluste beibrachte, darunter die erprobten ‚Musquetierer Mottla Latz / Stöltzlein Metzger / Fritz Drexel / und andere / wie auch etliche durch Armb / Achsel vnd Kopff geschossen und verwundt’. Zur Erfrischung der abgematteten Bürger ließen die Bürgermeister Bier in Butten hinaustragen, ‚damit bißweilen einer einen Trunck zur Labung thun können’. Der Feind hielt die Kaulangerbrücke besetzt und konnte erst zum Rückzug gezwungen werden, nachdem die Kronacher ‚bey des Muglers Schmidten’ (Johann-Nikolaus-Zitter-Str. 1) über die Mangstraße von unten heraufdrangen und mit geballter Feuerkraft die Schweden mit ihrem bei sich geführten Munitionswagen zum Rückzug über die Brücke zwangen. Eine Verfolgung war, wegen der feindlichen Reiterei, und weil von der Festung mangels Unterscheidungsmöglichkeit von Freund oder Feind keine Artillerieunterstützung gegeben werden konnte, nicht möglich.
Unterdessen ‚kombt das Geschrey daß der Feind vffm Ziegelanger jenseits der Stadt [zum Sturm] ansetzte / wie dann das platzen und beschiessen gegeneinander unauffhörlich gehört / und die Sturmb Glocken vffn Stadt-Thurn geleutet wurde’. Die Kronacher ließen an der verbarrikadierten Kaulangerbrücke eine starke Wache zurück und wandten sich mit allen verfügbaren Kräften zur gegenüberliegenden, westlichen Stadtseite gegen den Ziegelanger (heute Bahnhofsplatz). Das Regiment Tiesenhausen hatte sich dieses Platzes bereits bemächtigt und war bis zur Brücke an der Haßlach (heute Bahnhofsbrücke) vorgedrungen, als sich die Kronacher ihm mit vereinten Kräften entgegenwarfen. Dabei erhielt der Obrist Detlof von Tiesenhausen gleich zu Anfang einen Bauchschuß, worauf das Regiment anfing zu weichen, jedoch von den Offizieren so hart angetrieben wurde, daß es standhielt, bis man einen Mietwagen zum Abtransport des verwundeten Obristen aufgetrieben hatte. Als die Kronacher merkten, daß es sich bei dem Verwundeten um eine vornehme Person handelte, fielen sie die Angreifer mit solcher ‘furi’ und Entschlossenheit an, daß viele[n] von ihnen ihre Musketen wegwarfen und die Flucht gegen den Haßlacher Berg ergriffen, wo sie bermeinten, sich hinter den dortigen Steinmäuerchen zu einzugraben. Die Kronacher rückten jedoch entschlossen nach und warfen den Feind schließlich in einem Sturmangriff aus den Stellungen, so daß dieser sich genötigt sah, sich unter Verlusten von 10 Toten und etlichen Verwundeten in das Hauptlager zurückzuziehen.
‚Des andern Tags [16.6.] schickte Hertzog Wilhelm von Weimar einen Trommelschlager aus dem Lager herein / vnd liesse vmb den todten Leichnamb / des gebliebenen Obristen Wachtmeisters Kött anhalten, meldent daß sein Liebste denselben umb ein ansehlige Ranzion lösen wollte / deme man zur Antwort gab / man brauche ihres Geldes nicht / Ihr Herr sollte schon ehrlich begraben werden / welcher damals noch in der Martins Kirchen lag / vnd liessen den Trommelschlager also damit hinziehen’ (Zitter, S. 32ff.). Außer dem Major Kött vom King’schen Regiment waren von den weimarischen Offizieren ein Fähnrich (ebenfalls vom Regiment King) und der Hauptmann Gersdorf vom Regiment Schenk gefallen (StA Weimar, Abt. H. 235, Bl. 38).
Am 16.6., nach nur 3 Tagen, brach Wilhelm die Belagerung ganz unerwartet ab. Der Troß machte sich bereits früh um 5 Uhr auf den Weg und zog in Richtung Coburg.[199] Gegen Mittag brachen dann auch die Truppen auf. Die Regimenter zu Roß unter Taupadel sammelten sich auf der Ebene des Rosenbergs hinter der Festung gegen den Vogelherd. Sobald die Kronacher den Aufbruch des Feindes bemerkten, liefen sie, Männer und Frauen, ohne Befehl ober- und unterhalb der Haingasse hinaus, füllten die Laufgräben ein und plünderten das verlassene Lager. Der Major des Ausschusses Hanß Rudolph Mayer, der dabei, wie schon bei der 1. Belagerung Kronachs ‘daß von Gott verliehene glückh mißbrauchte’, setzte mit den wehrhaften Bürgern den abziehenden Truppen trotz allgemeiner Warnungen nach, wobei man ununterbrochen Feuer unter die Regimenter zu Fuß gab, so daß diese glaubten, es wäre bereits Unterstützung seitens der kaiserlichen Armee angekommen und sich in Schlachtordnung stellten. Solche Eskapaden konnte man sich jedoch bei Gegnern vom Schlage eines Georg Christoph von Taupadel nicht leisten. Dieser bediente sich einer Finte. Er ließ die Kronacher vom ‚Königl-Schwedischen Fußvolk so weit an sich ziehen, das sie ins feld gebracht worden’ (Chemnitz II, S. 167)[,] und befahl dann dem Oberstleutnant Reinhold von Rosen, ‚welcher bis zu diesem Zeitpunkt mit 600 Reitern auf dem Bergrücken ‘en embuscade’ gelegen hatte, ‚auf sie zu chargiren’ (Soden II, S. 158). Die Rosen’schen Reiter schnitten den Kronachern unweit des Schloßwalles den Weg ab: ‚da ging es an ein jagen, als wenn es Füchs oder Hasen weren, vnd war der Fleck neben das Loch gesetzt daß man des Feinds Lauffgraben zu bald eingefüllet, dahin man sich sonst retiriren vnd den Feind aufhalten können. Vnd wann sich die unserigen nicht hinder und durch die Dorn-Rhein vnd Steinmauern, deren es diß Orths viel hat, salvirt, vnd die Flucht gegen dem Thal, alwo mit reithen nicht gar wol fortzukommen, genommen, were alles im stich geblieben’. Etwa 30 Kronacher bezahlten diesen Leichtsinn mit dem Leben, darunter der Stadtvogt und ‚Hexendenunziant’ Friedrich Fleischmann, der nur aus reiner Neugier hinausgegangen war, um dem Spektakel zuzusehen, der ‚Bürger-Hauptmann’ Jeremias Rainfalt, Clauß Meußel, Zacharias Dürckerß, und der Feldscherer Balthasar Steinmetz. Der Obristwachtmeister Hanß Rudolph Mayer wurde gefangengenommen. (Zitter, S. 36). Einen letzten Hinweis auf Mayer bietet ein Verhörprotokoll vom 7./17. Juni aus Coburg, welches auch bestätigt, daß er ‘ein geborner Türckh’ sei (StA Weimar, H. 260, Bl. 56). Sein weiteres Schicksal liegt im Dunklen.
Für die lokalen Verbündeten kam der Rückzug völlig überraschend. Wilhelm hatte nicht einmal die avisierte markgräfliche Pulverlieferung aus Kulmbach[200] abgewartet. Dort war man völlig perplex. An den Lichtenberger[201] Kommandanten und Amtmann Hans von Pudewels auf Wildenreuth schrieb man: ‚[…] daß wir die Uhrsach von der Seckßischen Armée vffbruch von Cronach ganz nichts wißendt, vnd verwundert sich wohl mancher darüber, do man sonderlichen so viel wochen darauf praeparatoria [Vorbereitung] gemachet’. (Fehn VI, S. 222). Der überstürzte Abzug Wilhelms hatte mehrere Gründe. Er selbst schreibt in seinem Bericht vom 13./23. Juni an Oxenstierna, er habe den Ort so beschaffen gefunden, ‚das er in geringer Zeit vndt mit wenigen Volgk nicht zu gewinnen, haben wier bedacht getragen vnß weder zu engagirn, oder einig bey vnß gehabtes Stück draufzurichten, zumal weil die einkommende avisen des feindes starcken Secours bestetigt […], derwegen vor rathsam gehalten, in guter order abzuziehen’ (StA Weimar, Abt. H. 260, Bl. 82ff.). Hier finden wir auch die Bestätigung Herzog Wilhelms, daß während der Belagerung die mitgeführten Geschütze gar nicht zum Einsatz kamen. Der schwedische Reichskanzler Oxenstierna war mit Wilhelms Aktion überaus unzufrieden. Zu seinem Bericht meinte er, der Erfolg wäre größer gewesen, ‚wenn E. f. G. mir einige Wissenschaft vorher zugefügt, damit eine bessere Vorbereitung mit Verordnung etlicher mehrer Truppen und anderer Bereitschaften hätte können gemacht werden’ (ebd. H. 264).
Tatsächlich gab es verstärkte Anzeichen für eine baldige Unterstützung durch die Kaiserlichen. So zum Beispiel aus Nürnberg, von wo man schrieb, daß 7 Fähnlein Reiter und 3000 Mann zu Fuß mit 2 Stücken in Auerbach/Oberpfalz angelangt seien. Ebenso daß zu Pottenstein[202] 7000 Kaiserliche angelangt wären und aus Forchheim 6 halbe Kartaunen mit 300 Man[n] zu Fuß dahin abgegangen wären. (Ebd.). Zu groß kann die Gefahr eines Entsatzes allerdings nicht gewesen sein, denn Zitter schreibt in seiner Chronik, man habe zwar nach Eger um ‚Succurs’ geschickt, der dortige (stellvertretende) Kommandant, Oberstleutnant Veit Dietrich von Steinheim (vom Regiment Neu-Hatzfeld) hätte daraufhin auch an die umliegenden Ämter Anweisung gegeben die wege instand zu setzen und Brot zu backen, mit der Begründung, daß die ganze „Keyserische Armee heraußwarts in Anzug begriffen’. Dies sei jedoch nur ‘proforma’ geschehen, um dem Feind einen Schrecken einzujagen. Es war lediglich ein größeres Kavalleriekorps an Kroaten aus Böhmen in Richtung Eger kommandiert worden.
Die Frage stellt sich, warum Herzog Bernhard seinen Bruder bei dieser Aktion nicht unterstützte. Gerade er, der kurz vor der Verleihung seines ‚Fürstenthums Franken’ (bestehend aus den Bistümern Würzburg und Bamberg) stand, mußte an einer Beseitigung dieses Bollwerks im nördlichen Hochstift Bamberg besonders interessiert sein. Bernhard befand sich aber, wie wir bereits erfahren haben, zum Zeitpunkt der Belagerung am 16. Juni mit dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna auf einer Reise zu einer Fürstenversammlung nach Heidelberg.[203] Gerade hier ging es um die für Bernhard essentiell wichtigen Themen der offiziellen Belehnung seines Fürstentums und die Besoldung und Kompensation seiner vor Donauwörth[204] liegenden meuternden Armee. (Soden II, S. 162). Bernhard hatte jedoch nach eigener Aussage seinen Bruder zu einer Einahme Kronachs gedrängt, die Gründe für dessen vorzeitigen Abzug kannte er am 20. Juni nicht. ‚Bernhard habe gehofft, seinen Bruder Herzog Wilhelm dahin disponiert zu haben, daß er Kronach emportieren sollte; er müsse jetzt das Gegentheil erfahren’, so berichtet der nürnbergische Gesandte Johann Jakob Tetzel zum selben Zeitpunkt an den Rat von Nürnberg (ebd. S. 170).
Die Kronacher jedenfalls waren erleichtert und schrieben den glücklichen Erfolg dem Umstand zu, daß alle Frauen und Kinder zweimal täglich die Kirche besucht und mit dem Lied ‘O Unüberwindlicher Held St. Michael’ ihren Schutzpatron um Gnade angefleht hatten.
Die Truppen Herzog Wilhelms, der sich selbst nach Neustadt und weiter nach Coburg begab, wurden in die verschiedensten Richtungen abkommandiert. Oberstleutnant von Rosen sollte mit seinem Regiment auf Wunsch des Markgrafen Christian zum Schutz gegen feindliche streifende Rotten nach Bayreuth,[205] Oberst Taupadel mit 600 Dragonern und 3 Squadrons (zu je 2 Kompanien) Reitern nach Hof rücken. Oberst Steinau zog nach Staffelstein[206] und Lichtenfels.[207] Die Regimenter zu Fuß (Tiesenhausen, Schenck und Leibregiment) wurden in die Grafschaft Henneberg[208] und gegen Gräfenthal[209] logiert und das Lohausische Regiment nach Magdeburg entlassen. (Chemnitz II, S. 167; StA Weimar, H. 260, Bl. 80f.). das eigenmächtige Handeln Herzog Wilhelms blieb nicht ohne Folgen. Der schwedische Reichskanzler Oxenstierna entzog ihm nun einen großen Teil seiner Regimenter und stellte diese mit Datum 29. Juni unter den Befehl Herzog Bernhards von Weimar (Röse I, S. 232). Dies betraf besonders die Regimenter unter Georg Christoph von Taupadel und Wilhelms Leibregiment zu Fuß unter Oberst von Brandenstein. Durch die geänderten Befehlsstrukturen fühlten sich Taupadels Dragoner und einige der anderen Regimenter nicht mehr an die alten Instruktionen gebunden. Mitte Juli 1633 finden wir deshalb die Regimenter Taupadel, Steinau, Sattler, Oberstleutnant Rosen, King, Schenck, Tiesenhausen und Muffel in Bamberg vereint. Sie waren am 8./18. Juli dort angekommen, nach Soden 8000 zu Roß und zu Fuß. Nach einer dortigen Verpflegungsordonnanz brauchten diese Truppen täglich für die Reiterei 4600 und für die Infanterie 2900 Pfund Brot. (Soden II, S. 219, 229)“.[210]
Der Hildesheimer[211] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 27.3./6.4.1634:Nachmittages wurden wieder 2 Gefangene Jungen anhero gebracht, berichteten daß die Wolfenbüttelsche von Lohausen geschlagen, und ihren Commendanten, den Obrist-Leutnand gefangen bekomen, auch des Morgens H. von Braunschweig, Grál Bannier und Obr: Lohausen auf Marienburg[212] zusamkomen würden“.[213] 9./19.4.1634: „Kegen Abend umb 6 Uhr sollen an die 73 gefangene uf den Galgberg meist Officirer geführt worden sein, soll auch an den Wall heut gerufen seyn, der Kayserliche Succurs seyn am Oster-Dienstage bey Holzminden[214] an der Weser durch Lohausen, und Braunschw. Auscommendirte geschlagen. General-Majeur King hat die Schwedische gefürth“.[215] Unter dem 14./24.7.1634: „It. Lohausen und Boy bloquiren Wolfenbüttel“.[216] Schon am 14./24.10.1634 heißt es bei ihm: „Die Bloquirung Wulfenbüttel wird ufgehoben von dem Obristen Jacob Boy“.[217]
Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe[218] erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“: [„Den 19. und 20. [29./30.; BW] März das schwedische Regiment unter dem Obristen Lohehausen die Erfurtischen[219] Dorfe gantz ausgeplündert, unter anderm dem Amtmann zu Vargula,[220] Curt Wilhelm Branden, über eintausend Stücke Schaafviehe genommen“.[221]
Am 26.6./6.7.1635 wird er von Dr. Jordan wieder erwähnt: „Bannier schicket seinen General-Majeur Lohausen anhero, so kam auch H: Wilhelm von Weymers sein Majeur Jörgen von Uslar. It. Der Heßische Graff [Kaspar; BW] von Eberstein“.[222] Im Juli 1635 verhandelte er als Bevollmächtiger Schwedens. „Als Uslar als erster am 1. Juli nach Göttingen[223] kam, traf er niemanden an, Dr. Frantzke, der tags darauf anlangte, fand einen Fähnrich des Landgrafen vor, der ihn nach Kassel[224] einlud. Uslar aber wurde von Herzog Georg nach Hildesheim gebeten. Beide leisteten der Einladung Folge. Am 4. Juli hatte Dr. Frantzke Audienz beim Landgrafen in Kassel. Dieser erklärte, er habe soeben seinen Marschall [Hans Heinrich v.; BW] Günterode nach Weimar geschickt, um dem Herzog seine Gedanken mitzuteilen. Herzog Wilhelms Vorschläge seien zwar ‚sehr vernünftig, dieweil aber itzo alles auf Eilfertigkeit bestünde, zumal bei der bewußten Konfusion, so unter kursächsischen Armee eingerissen’ sei, so zweifle er sehr, ob man dadurch sein Ziel erreichen werde. Wolle man erst mit allen Ständen Unterredung pflegen oder gar eine Gesandtschaft nach Dresden[225] schicken, so ‚würde viel Zeit vergebens vorüberpasssieren, und mittlerweile alle occasiones aus Händen gehen. Die Stände, die über Truppen verfügten, müßten beizeiten den Anfang machen und durch einen tapferen Entschluß die anderen zum Beitritt bewegen. Durch langes Zögern würden die vier oberen Kreise ruiniert; dann hätten die sächsischen Kreise alles allein zu tragen. Eine Zusammenkunft werde von großem Nutzen sein. Am 5. Juli verließ Dr. Frantzke Kassel und kam nach Hildesheim, wo Uslar sich schon tags zuvor eingestellt und den Herzog Georg, dessen Räte [Veit Kurt; BW] von Mandelsloh und [Heinrich; BW] von Dannenberg, die hessischen Gesandten Graf von Eberstein und Sixtinus und den Generalmajor Lohausen als Bevollmächtigten Schwedens angetroffen hatte, und deshalb die Regimenter nicht nach Witzenhausen[226] und Münden gezogen seien. Herzog Georg hatte es Herzog Wilhelm bereits in einem gesonderten Schreiben mitgeteilt. Der Lüneburger hielt den Frieden für unannehmbar, allerdings wollte er erst die Entschlüsse seiner Brüder abwarten. Sachsen werde in Güte von dem Prager Schluß nicht abgehen, die Waffen würden jetzt entscheiden müssen. Durch Wilhelms Vorschläge werde zuviel Zeit verloren. Er solle sich lieber mit ihm und dem Landgrafen am 18. Juli in Nordhausen[227] treffen, der Reichskanzler werde vielleicht auch dorthin kommen, und Kurbrandenburg werde auch eingeladen. Das im Nordhäuser Rezeß versprochene Kriegsvolk sollte am 20. Juli an den bestimmten Orten sein.
Die Gesandten machten in Hildesheim die Wahrnehmung, daß man nicht darüber verhandelte, ob man den Frieden annehmen solle oder nicht, sondern darüber, wie man sich ihm am besten widersetzen könne. Da sie darauf nicht instruiert waren, ließen sie sich auf eine Aussprache über diese Frage nicht ein. Sie baten, man möge ihnen mitteilen, was man von Kurbrandenburg, von den niedersächsischen Ständen und Schweden zu erwarten hätte, erhielten jedoch keine bestimmte Antwort. Man müsse ‚einen Anfang haben’, erklärten die Hessen und Lüneburger, die anderen ‚würden sich danach wohl akkomodieren’. Lohausen versicherte, Schweden suche nur einen redlichen Frieden. Mit diesem Bescheid verließen die Gesandten am 9. Juli Hildesheim und kamen noch am gleichen Tag nach Einbeck,[228] wo sie hörten, daß der Friede im Fürstentum Lüneburg-Celle bereits angenommen und in den Kirchen veröffentlicht worden sei”.[229]
Am 11.8.1635 ist Kalkum unter den ranghohen Offizieren aufgeführt, die nach dem Prager Frieden mit Axel Oxenstierna und Johan Banér in Magdeburg[230] eine gegenseitige Treueverpflichtung[231] unterzeichneten. Allerdings war er nicht persönlich anwesend.
„Die Offiziere wollten, dass einige von ihnen bei den Verhandlungen dabei wären, dann würden sie bis zum Friedenschluss[232] bei der Armee bleiben. Am 11. August [1635; BW] schickte Oxenstierna Christoph von Brandenstein, Generalmajor Wilhelm von Kalkum, genannt Lohausen und den schwedischen Reichshofrat Heinrich von Schwalenberg nach Leipzig.[233] Er ließ Johann Georg I. mitteilen, dass er zusammen mit den vier oberen Reichskreisen gehofft hatte, dass er den Friedensschluss aufschieben und die evangelischen Stände ebenso anhören wollte, wie der Kaiser die katholischen Stände. Allerdings hatte er erfahren, dass der Frieden den Ständen zum Schaden werden würde sowie Schweden ausgeschlossen und feindlich behandelt würde. Zwar hätte auch er den Frieden gewünscht, aber so könnte Schweden den Prager Frieden nicht annehmen. Es sei denn, man würde einige Veränderungen vornehmen, weil auch die Pfalz und andere Stände in den vier oberen Reichskreisen ausgeschlossen sowie Frankreich und die Generalstaaten mit keinem Wort erwähnt wären“.[234]
„Johann Georg I. wollte jedoch die Armee nicht eher zum Abzug drängen, bevor er mit Schweden einen Vergleich geschlossen habe. Bis den Wünschen der schwedischen Krone entsprochen werden konnte, sollte sie Stralsund[235] zum Pfand behalten. Damit erklärte sich Oxenstierna nicht einverstanden und schickte Brandenstein mit neuen Instruktionen zurück. Denn er bestand auf einem beständigen und aufrichtigen Frieden mit dem Kaiser[236] und dessen Verbündeten. Die Rückführung der Soldaten sollte ohne Belastung und unter Berücksichtigung aller Ansprüche Schwedens geschehen. Zwischen der Königin[237] und Schweden seinerseits und dem Kurfürsten und den evangelischen Ständen andererseits sei es notwendig, ein Bündnis zu schließen. Die übrigen Stände, die den Prager Frieden noch nicht angenommen hatten, sollten in die Amnestie einbezogen werden. Ebenso der König von Frankreich und die Generalstaaten, wenn sie wollten.
Der Kurfürst wiederum wollte die Ansprüche Schwedens reduzieren, denn Gustav II. Adolf habe erklärt, dass er seine Beleidigungen rächen wollte, deshalb könnten die Unkosten nicht von den Evangelischen aufgebracht werden. Nach Gustav II. Adolfs Tod habe er die Hilfe der Schweden niemals gebraucht, Baner wäre freiwillig nach Böhmen gegangen. Wegen der Bezahlung der Soldaten wolle er sich bemühen, von den evangelischen Ständen 1.000.000 Meißnische Gulden[238] innerhalb von vier bis fünf Jahren aufzubringen. Auch sollten alle besetzten Orte in kürzester Zeit geräumt, die Deutschen entlassen und die Ausländer zurückgeführt werden.[239] In die Amnestie wollte er die Schweden und Evangelischen zwischen 1618 und 1630 nicht mit aufnehmen, weil das weder Schweden noch ihn etwas anginge. Da die Bildung einer Allianz bei den Katholischen zu neuen Bündnissen führen würde, müsste er sich an die Reichs- und Kreisverfassungen halten.
Unterdessen marschierten die Verbündeten über die Saale nach Barby,[240] Calbe,[241] Bernburg,[242] Neuburg,[243] Staßfurt,[244] Salza[245] und Schönebeck,[246] wo die Schweden nur mit einer kleinen Besatzung lagen. Johann Georg I. war überzeugt davon, dass er sich mit gutem Recht das genommen hatte, was ihm ohnehin gehörte und lange vor Gustav II. Adolfs Ankunft zugesprochen worden war. Den zu ihm von Oxenstierna geschickten Lohausen und Krockow erklärte er, dass der König gekommen wäre, um den Freunden das ihrige zurückzugeben. Beide entgegneten, dass die Offiziere vor einem ehrlichen Frieden ihre Dienste für Schweden nicht quittieren könnten, auf das sie vereidigt waren“.[247]
Im September 1635 lagen 12 Kompanien unter seinem Obristleutnant vor Magdeburg.[248]
Er war 1635 an dem Prozess gegen Johan Stallman beteiligt, dem der Versuch eines Attentats auf Feldmarschall Johan Banér vorgeworfen wurde. Das „Theatrum Europaeum“[249] hält fest: „Dem außgerissenen und wieder zur Hand gebrachten Cantzler Stallmann ward zu Magdeburg der Proceß gemacht / die darzu Depuitirte seynd zu Magdeburg angelangt / als der VizeCantzler von Halberstatt[250] Christoff Schultze / D. Christian Staffel / Fiscal[251] in der Sache / Gerhard Busso von der Asseburg / HoffRath / Tota von Teutschenthal / LandRath / Cammerpræsident / General Major Lohausen / Obrister Salomon Adam / der Finnische Obriste Armis [Ermes; BW], und der Regiment Schultheiß Nüchtern“.[252]
Am 11.4.1638 meldete Lohausen dem kaiserlichen Kommandierenden Gallas aus Rostock[253] die drohende Gefahr eines schwedischen Angriffs von der See her, womit die Stadt von den Versorgungswegen abgeschnitten wäre, und bat um entsprechende Gegenmaßnahmen.[254] Wie er an Herzog Adolf Friedrich schrieb, sollte 1639 ein technisches Buch von ihm erscheinen, wozu es allerdings nicht mehr kam.
Lohausen starb am 30.1.1640 als Kommandant von Rostock. Da er kinderlos war, wurde sein Neffe Wilhelm von Lohausen, Major im schwedischen Regiment Christoph Heinrich von der Goltz, sein Alleinerbe.
In seiner Leichenpredigt hieß es: „Er war ein Mann von ungeheuerer Zähigkeit und Energie, konnte spanisch, französisch, italienisch und lateinisch sprechen, war christlich gesinnt und ein großer Schriftsteller. Festungen konnte er sowohl mit der Feder als auch mit der Waffe erobern. Nach einiger Krankheitszeit, nachdem ihm nochmals aus der Bibel vorgelesen worden war und er sein Gesinde um sich gesammelt hatte, verstarb er am 30. Januar in Rostock zwischen 10 und 11 mittags“.[255]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. SCHAUMBURG, Lohausen. Sein Signet findet sich unter http://www.abteistrasse.de/phlohau/h47_lohaus_ signet.gif
[2] Gamehl, heute Ortsteil von Benz [LK Nordwestmecklenburg].
[3] Lohausen, heute Ortsteil von Düsseldorf.
[4] Eperies [Prešov; Bezirk Prešov].
[5] RAHM, Jahr 1633, S. 14.
[6] Jülich [LK Jülich]; HHSD III, S. 367ff.
[7] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.
[8] http://www.grosser-generalstab.de/regiment/bredow/bw001.html.
[9] Vgl. HEIBERG, Christian 4.
[10] Lutter am Barenberge [Kr. Gandersheim]; HHSD II, S. 315f. 27.8.1626: Sieg der kaiserlichen Truppen unter Tilly über das dänische Heer unter König Christian IV. und seine protestantischen Verbündeten, die bis auf die Herzöge von Mecklenburg von ihm abfielen. Die Dänen verloren etwa 6.000 Mann, 2.500 gerieten in Gefangenschaft. Zu Beginn der Schlacht waren beide Armeen etwa 19.000 Mann stark. Die genauen Verluste sind nicht mehr feststellbar. Die Dänen dürften etwa 4.000 Tote und Verwundete, 3.000 Gefangene, etwa 100 Fahnen und Standarten, dazu die gesamte Artillerie und einen Großteil ihrer Bagage verloren haben. LAHRKAMPS Angaben, Bönninghausen, S. 246 (8.000 Tote), liegen eindeutig zu hoch. Das zeitgenössischen Flugblatt »Kurtze[r] vnd einfältige[r] […] Bericht« spricht von 6.000 Toten und 2.000 Gefangenen. Tillys Verluste lagen wohl deutlich unter 1.000 Mann. MELZNER, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Neue Beiträge, Chronik; KLAY, 27./17. August.
[11] JÜRGENS, Chronik, S. 425. Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.
[12] Bockenem [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S. 54.
[13] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.
[14] Ratzeburg [Kr. Herzogtum Lauenburg]; HHSD I, S. 216f.
[15] Wersebe, Wolf Heinrich v.; Offizier [ – 27.8.1626 Lutter]
[16] Nerprot, Johann v.; Generalleutnant [ – 27.8.1626 Lutter]
[17] Hessen-Kassel, Philipp Landgraf v. [1604 – 17.8.1626 Lutter], Sohn des Moritz v. Hessen-Kassel. Vgl. VD17 23:263431T: SEYLER, Crato, Oratio Qua Fortissimo & bellicosissimo iuveni Philippo, Hassiae Landgravio, … Mauritii Hassiae Landgravii … filio e secundo connubio natu maximo … Quum is 17. Aug. in Luterensi praelio fortiter in hostem pugnant occubuisset, Casselis in Collegii philadelphico Mauritiano 15 Septemb. … 1626 Amoris & devotionis ergo supremus honos habitus fuit / a Cratone Seylero P.P.P. Kassel 1626.
[18] Solms-Hohensolms, Graf Hermann Adolph v.; Obrist [ – 27.8.1626 Lutter].
[19] Salm in Kirburg, Mörchingen u. Tronecken, Otto Ludwig, Wild- und Rheingraf v.; General [13.10.1597 – 16.10.1634].
[20] Katlenburg [Kr. Northeim]; HHSD II, S. 263f.
[21] Pogwisch, Sievert v.; Generalkommisar [1587 – 27.8.1626 Lutter].
[22] Stolberg, Bodo Ulrich Graf v.; Offizier [29.5.1596 – 28.10.1626].
[23] Twachting, N; Obrist [ – ].
[24] Geist [Geistes, Geest], Berend; Obrist [ – ].
[25] Courville [Corvill, Corvillt], Nic(h)olas de; Generalmajor [ – 1.6.1634 in Regensburg gefallen].
[26] Gunternach, N; Offizier ? [ – ].
[27] Rantzau, Marquard; Generalkommissar, Generalmajor [ – ].
[28] DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium S. 49f.
[29] Bremen; HHSD II, S. 69ff.
[30] Bremen; HHSD II, S. 69ff.
[31] Peenemünde [Kr. Usedom-Wollin]; HHSD XII, S. 246f.
[32] Wismar [Kr. Wismar]; HHSD XII, S. 133ff.
[33] Lübeck; HHSD I, S. 153ff.
[34] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.
[35] BALCK, Mecklenburg im dreißigjährigen Kriege, S. 91f.
[36] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.
[37] Rostock; HHSD XII, S. 95ff.
[38] Zur Einschätzung der Situation vgl. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2396, fol. 33′ (Ausfertigung): Tilly an Maximilian I., Oldisleben, 1631 VI 22.
[39] Zu Tott (1598-1640) vgl. FINDEISEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 337: „Offensichtlich gefördert als Enkel des 1568 abgesetzten Eriks IV. von Schweden, erfüllte dieser General in keiner Weise die Erwartungen Gustavs II. Adolf und des Reichsrates. Äußerst entschlußarm und ohne strategische Einsichten wich er selbst zahlenmäßig deutlich unterlegenen gegnerischen Streitkräften, so daß ihn Reichskanzler Axel Oxenstierna schließlich auswechselte”. Am 16.10. hatte Rostock kapituliert; RITTER, Deutsche Geschichte Bd. 3, 502.
[40] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.
[41] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f. Schlacht bei Breitenfeld (nahe Leipzig) am 17.9.1631, in der das Heer der katholischen Liga unter Tilly durch die Schweden unter Gustav II. Adolf und die mit diesen vereinigte sächsische Armee unter Kurfürst Johann Georg I. eine vernichtende Niederlage erlitt. HAPPES Zahlen (vgl. mdsz.thulb.uni-jena.de) liegen deutlich zu hoch: Auf kaiserlich-ligistischer Seite dürfte von 8.000 Toten, 6.000 Verwundeten, 3.000 Gefangenen und 3.000 auf der Flucht Umgekommenen auszugehen sein, auf der Gegenseite waren 3.000 Sachsen und 2.000 Schweden ums Leben gekommen. RUDERT, Kämpfe, S. 49ff.; WALZ, Der Tod, S. 51ff.
[42] Nach LAHRKAMP, Kriegsvolk, S. 135, waren es nur 2.200 Infanteristen, 2 Reiterkompanien u. 45 Kroaten; vgl. DITTMAR, Beiträge, S. 274.
[43] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.
[44] ROTH, Eltz I, S. 405ff. Eltz hatte zuvor in dänischen Diensten gestanden u. über Tillys Mittelmänner Kontakte zu Ferdinand II. aufgenommen, um mit dessen Pardon eine neue Karriere zu beginnen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2376, fol. 161 (Abschrift): Dr. Kratz an Tilly, o. D. [Lübeck, Februar 1628].
[45] Rostock-Warnemünde; HHSD XII, S. 108ff.
[46] BALCK, Mecklenburg im dreißigjährigen Kriege, S. 93.
[47] SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen, S. 62ff.
[48] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.
[49] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[50] HALLWICH, Briefe und Akten Bd. 1, Nr. 480, S. 707: Wallenstein an Gram, Znaim, 1631 XII 24.
[51] TOBER, Wismar im Dreißigjährigen Krieg, S. 30f.
[52] Mainz; HHSD V, S. 214ff.
[53] WIEGANDT, Wismar im Dreißigjährigen Kriege, S. 87f.
[54] Rain am Lech [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 599f.
[55] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[56] Vgl. STADLER, Pappenheim.
[57] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.
[58] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.
[59] Hameln; HHSD II, S. 192ff.
[60] Winsen/Luhe; HHSD II, S. 497f.
[61] Hannover; HHSD II, S. 197ff.
[62] Steuerwald [Kr. Hildesheim]; HHSD II, S. 443.
[63] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.
[64] Linderte, heute Stadtteil von Ronnenberg.
[65] Koldingen [Kr. Hannover]; HHSD II, S. 273f.
[66] JÜRGENS, Chronik, S. 501.
[67] SCHLOTTER, Acta, S. 43f.
[68] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.
[69] Timan Dietrich Lintelo v. Valbert.
[70] Elze [Kr. Alfeld]; HHSD II, S. 133f.
[71] Poppenburg [Kr. Alfeld]; HHSD II, S. 384.
[72] Sarstedt [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S. 410f.
[73] Wettbergen, heute Stadtteil von Ricklingen (9. Stadtbezirk von Hannover).
[74] SCHLOTTER, Acta, S. 43f.
[75] Volkmarsen [Kr. Wolfhagen]; HHSD IV, S. 441f.
[76] Waldeck; HHSD IV, S. 444f.
[77] Warburg [LK Höxter].
[78] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.
[79] Gronau; HHSD II, S. 184.
[80] Peine; HHSD II, S. 377ff.
[81] Steinbrück [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S439f.
[82] WERSEBE, Geschichte, S. 6ff.
[83] Duderstadt; HHSD II, S. 123f.
[84] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.
[85] JÜRGENS, Chronik, S. 503.
[86] Bockenem [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S. 54.
[87] Ruthe [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S. 405.
[88] SCHLOTTER, Acta, S. 49; Seesen [Kr. Gandersheim]; HHSD II, S. 425f.
[89] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[90] Halchter, heute Ortsteil von Wolfenbüttel.
[91] SCHLOTTER, Acta, S. 51.
[92] Celle; HHSD II, S. 94ff.
[93] Winsen/Luhe; HHSD II, S. 497f.
[94] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.
[95] Warburg [LK Warburg]; HHSD III, S. 752ff.
[96] Volkmarsen [Kr. Wolfhagen]; HHSD IV, S. 441f.
[97] Paderborn; HHSD III, S. 601ff.
[98] Linden (Stadt Hannover); HHSD II, S. 298f.
[99] Thiede, heute Stadtteil von Salzgitter.
[100] Fummelsee, heute Stadtteil von Wolfenbüttel.
[101] Klein Stöckheim, heute in Braunschweig eingemeindet.
[102] Polle [Kr. Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 383.
[103] Hann. Münden; HHSD II, S. 333f.
[104] Seesen [Kr. Gandersheim]; HHSD II, S. 425f.
[105] Duderstadt; HHSD II, S. 123f.
[106] Wohldenberg [Kr. Hildesheim-Marienburg]; HHSD II, S. 502.
[107] Gebhardshagen [Stadt Salzgitter]; HHSD II, S. 162.
[108] Goslar; HHSD II, S. 174ff.
[109] SCHLOTTER, Acta, S. 56.
[110] Gifhorn; HHSD II, S. 167ff.
[111] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.
[112] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[113] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.
[114] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[115] Eilenburg [Kr. Delitzsch/Eilenburg]; HHSD XI, S. 100ff.
[116] WERSEBE, Geschichte, S. 6ff.
[117] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[118] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.
[119] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[120] Jena; HHSD IX, S. 215ff.
[121] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f. Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff.
[122] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.
[123] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.
[124] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[125] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.
[126] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.
[127] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[128] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[129] Eichstätt [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 160ff.
[130] Ehingen (Donau) [Donau-Alb-Kr.]; HHSD VI, S. 167ff.
[131] Biberach an der Riß [LK Biberach]; HHSD VI, S. 80ff.
[132] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[133] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[134] ENGERISSER, Von Kronach, S. 138f.
[135] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[136] Weismain [Gem. Altenkunstadt, LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 797f.
[137] Peesten, heute Ortsteil von Kasendorf [LK Kulmbach].
[138] Proß, heute Ortsteil von Mainleus [LK Kulmbach].
[139] Burgkunstadt [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S.117.
[140] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[141] Mainroth, heute Stadtteil von Burgkunstadt [LK Lichtenfels].
[142] Altenkunstadt [LK Lichtenfels].
[143] STICHT, Markgraf Christian, S. 172.
[144] Neustadt a. d. Orla [Kr. Pößneck]; HHSD IX, S. 301f.
[145] Weida [Kr. Gera]; HHSD IX, S. 471ff.
[146] Lobenstein; HHSD IX, S. 261f.
[147] Nordhalben, Burg [LK Kronach]; HHSD VII, S. 525f.
[148] Ludwigsstadt [LK Kronach]; HHSD VII, S. 419.
[149] Teuschnitz [LK Kronach]; HHSD VII, S. 737f.
[150] Mitwitz [LK Kronach].
[151] Landesbibliothek Coburg F 59, 1#6.
[152] Entmannsdorf: Gehülz (mit Entmannsdorf, Breitenloh, Brand, Zollbrunn u. a.), Stadtteil von Kronach.
[153] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.
[154] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.
[155] durch „Petardiere“ angebrachte Sprengladung, die am Tor oder an einer Brücke mit einem Brett angeschraubt oder aufgehängt und mit einer Lunte gezündet wird. Dabei kommen auf 50 Pfd. Metall 4 Pfd. Pulver. Damit wurden Festungsringe an Schwachstellen aufgesprengt, ohne die Wehranlage zu zerstören. Durch die Bresche drangen Sturmtruppen ein, während die aufgesprengten Eingänge zum eigenen Schutz schnell wieder geschlossen werden konnten, wenn der äußere Ring u. die Festung oder das Schloss erobert waren.
[156] Scheßlitz [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 663f.
[157] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[158] ENGERISSER, Von Kronach, S. 140f.
[159] RAHM, Das Jahr 1633, S. 14f.
[160] Herzogenaurach [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 291.
[161] Höchstadt a. d. Aisch [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 301.
[162] Neustadt a. d. Aisch [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 512f.
[163] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.
[164] Herrieden [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 288f.
[165] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.
[166] Dachsbach [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 131.
[167] Aus brennbarem Stoff geflochtener und mit Pech überzogener Kranz, verwandt, um zu leuchten oder in Brand zu stecken; er wurde bei Belagerungen an die Stadttore gehängt, um diese zu verbrennen.
[168] Buttstädt [Kr. Sommerda]; HHSD IX, S. 66f.
[169] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[170] Auerbach [Vogtland]; HHSD VIII, S. 12f.
[171] Pretzfeld [LK Forchheim].
[172] Ebermannstadt [LK Forchheim]; HHSD VII, S.151f.
[173] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[174] Schlick, Christoph Carl [Carol] Graf, genannt „der junge Schlick“.
[175] ENGERISSER, Von Kronach, S. 141ff.
[176] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[177] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.
[178] Weißenburg i. Bayern [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 799ff.
[179] Schwabach; HHSD VII, S. 681f.
[180] Herrieden [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 288f.
[181] Wolframs-Eschenbach [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 827f.
[182] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.
[183] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[184] ENGERISSER, Von Kronach, S. 148ff.
[185] Ornbau [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 561.
[186] Gunzenhausen [LK Gunzenhausen-Weißenburg]; HHSD VII, S. 260f.
[187] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.
[188] ENGERISSER, Von Kronach, S. 151.
[189] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[190] Elbogen [Loket, Bez. Falkenau]; HHSBöhm, S. 133f.
[191] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.
[192] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.
[193] Ludwigsstadt [LK Kronach]; HHSD VII, S. 419.
[194] Friesen, heute Stadtteil von Kronach [LK Kronach].
[195] Nordhalben, Burg [LK Kronach]; HHSD VII, S. 525f.
[196] Posseck, heute Ortsteil von Pressig [LK Kronach].
[197] Lehesten [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 254.
[198] Bernsroth, ehemaliger Weiler, heute Gehöft nördlich von Kronach.
[199] Coburg; HHSD VII, S. 127f.
[200] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[201] Lichtenberg [LK Naila]; HHSD VII, S. 406f.
[202] Pottenstein [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 593.
[203] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.
[204] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.
[205] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.
[206] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.
[207] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.
[208] Henneberg [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 193ff.
[209] Gräfenthal [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 161.
[210] ENGERISSER, Von Kronach, S. 175ff.
[211] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.
[212] Marienburg [Gem. Schulenburg, Kr. Springe]; HHSD II, S. 319.
[213] SCHLOTTER, Acta, S. 149.
[214] Holzminden; HHSD II, S. 240f.
[215] SCHLOTTER, Acta, S. 155.
[216] SCHLOTTER, Acta, S. 198.
[217] SCHLOTTER, Acta, S. 206.
[218] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.
[219] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.
[220] Großvargula [Kr. Bad Langensalza]; HHSD IX, S. 181.
[221] HAPPE I 381 r – 381 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[222] SCHLOTTER, Acta, S. 220.
[223] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.
[224] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.
[225] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[226] Witzenhausen; HHSD IV, S. 478f.
[227] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.
[228] Einbeck; HHSD II, S. 128ff.
[229] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 302f.
[230] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[231] Quelle 20: Übereinkunft zwischen Axel Oxenstierna, Johan Banér und den Obristen im schwedischen Heer nach dem Prager Frieden, Magdeburg, 11.8.1635.
[232] Der in Folge der schwedischen Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen (5./6.9.1634) vereinbarte Prager Frieden zwischen Johann Georg von Sachsen und Kaiser Ferdinand II. wurde am 30.5.1635 unterzeichnet. Bei diesem Friedensschluss, dem fast alle protestantischen Reichsstände beitraten, verzichtete der Kaiser auf seinen Anspruch, den Augsburger Religionsfrieden von 1555 allein zu interpretieren und damit das Restitutionsedikt von 1629 durchzuführen (vgl. s. v. „Religionsedikt”); Ergebnis war eine begrenzte Festschreibung des konfessionellen Status quo. Weitere Ergebnisse waren: die Festschreibung der Translation der pfälzischen Kurwürde auf Bayern, der Ansprüche Sachsens auf die Lausitz und die Bildung eines Reichsheers (wobei Johann Georg von Sachsen und Maximilian I. von Bayern eigene Korps führen ließen, die als Teil der Reichsarmee galten), die bestehenden Bündnisse waren aufzulösen, fremde Mächte sollten den Reichsboden verlassen, etwaige Ansprüche auf den Ersatz der Kriegskosten seit 1630 wurden aufgehoben, eine allgemeine Amnestie sollte in Kraft treten. Zudem kann der Prager Frieden als einer der letzten kaiserlichen Versuche betrachtet werden, ein monarchisches System im Reich durchzusetzen. Maßgebliches Mittel dazu war die so genannte Prager Heeresreform, mit der der Kaiser den Versuch unternahm, nahezu alle reichsständischen Truppen unter seinen Oberbefehl zu stellen und zugleich den Ständen die Finanzierung dieses Reichsheeres aufzuerlegen. Diese Vorstellungen ließen sich ebenso wenig verwirklichen wie das Ziel, durch die Vertreibung der ausländischen Mächte Frankreich und Schweden zu einem Frieden im Heiligen Römischen Reich zu gelangen. HAPPE schätzte den Prager Frieden zu Recht als trügerisch ein; Happe I 396 v – 397r, mdsz.thulb.uni-jena.de; vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik, S. 87. Zur Forschungslage vgl. KAISER, Prager Frieden.
[233] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[234] KUNATH, Kursachsen, S. 190f.
[235] Stralsund [Kr. Stralsund]; HHSD XII, S. 292ff.
[236] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.
[237] Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden.
[238] 1 meißnischer Gulden = 21 Groschen.
[239] Das hätte die „schwedische“ Armee auf 10 % ihres Bestandes reduziert.
[240] Barby [Kr. Calbe/Schönebeck]; HHSD XI, S. 31ff.
[241] Calbe/Saale [Kr. Calbe/Schönebeck]; HHSD XI, S. 65ff.
[242] Bernburg [Kr. Bernburg]; HHSD XI, S. 37ff.
[243] Neuburg: nicht identifiziert.
[244] Staßfurt [Salzlandkr.]; HHSD XI, S. 443ff.
[245] Salza, heute Stadtteil von Nordhausen [LK Nordhausen].
[246] Schönebeck [Kr. Calbe/Schönebeck]; HHSD XI, S. 420ff.
[247] KUNATH, Kursachsen, S. 195ff.
[248] KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 36.
[249] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.
[250] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.
[251] Ankläger.
[252] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 545.
[253] Rostock; HHSD XII, S. 95ff.
[254] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 591.
[255] Landesbibliothek Schwerin, Schmidt’sche Bibliothek Bd. LXIX (3). Nach home.foni.net/~adelsforschung1/meck00.html.
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