Hessen-Darmstadt, Johann Landgraf von

Hessen-Darmstadt, Johann Landgraf von; Obrist [17.6.1609 Darmstadt – 1.4.1651 Bad Ems] Johann [Hans] von Hessen-Darmstadt war ein Sohn des Landgrafen Ludwigs V. und ein Bruder Georgs II. sowie der Bruder von Anna Eleonore von Hessen-Darmstadt [Darmstadt[1] 30.7.1601 – Herzberg[2] 6.5.1659], die am 14.12.1617 in Darmstadt Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg geheiratet hatte.

Nach seiner Ausbildung unternahm er die obligate Kavalierstour durch Frankreich und Italien. Vom 1.8.1627 bis 2.31628 war er als „Consiliar der deutschen Nation“ an der Universität Siena tätig.

Am 13.2.1634 hatte der kurbayerische Obrist Johann Heinrich Freiherr von Haslang zusammen mit dem Ingolstädter[3] Kommandanten Caspar Schnetter bei dem Versuch der Verproviantierung der Festung Wülzburg[4] bei Eichstätt[5] eine Niederlage gegen schwedische Verbände unter Johann von Hessen-Braubach, dem Sperreuter’schen Obristleutnant Simon Rammel und des Obristen Claus Hastver erlitten und war gefangen genommen worden.[6]

Entgegen dem Testament seines Vaters diente er im schwedischen Heer unter Bernhard von Weimar, bevor er unter Melchior von Hatzfeldt in kaiserliche Dienste trat. Im Januar/Februar 1635 war er mit seinem Reiterregiment in Umstadt[7] (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) einquartiert. „Hingegen aber sobald den 23. Januar 3 schwedische regimenter, nämlich 1) ihrer fürstl. Gnaden landgrafen Johannsen regiment zu pferd, 2) obristen Rosens [Reinhold von Rosen] regiment zu pferd, 3) obristen Illarts regiment zu pferd; war ein groß volk. Und dann ferner eodem die gegen abend kam auch wieder zurück der obgedachte, vorhin allhier gelegene Canofski’sche [Chanowsky; BW] Kapitän Scheffter mit seinen 100 kommandierten musketieren. Dem folgten hernach der Canofski’sche major Müller mit noch ferner kommandierten musketierem, daß also neben obigen 3 regimentern reutern 300 zu fuß hier waren. Den 31. Januar ist das landgräfische und Illartische regiment abgezogen. Den 11. Februar herr major und kapitän Scheffter mit 250 soldaten abgezogen, hergegen 50 soldaten hierblieben. Den 13. Februar herr obrist Rosa [Reinhold v. Rosen; BW] mit seinen schwedischen reutern und übrigen Canofski’schen musketieren auch abgezogen. Und ist also die stadt eine einige nacht leer von volk bis daher blieben !“[8]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[9] erwähnt ihn in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 11. November [21.11.1635; BW] ist Landgraf Johann zu Heßen Darmstadt|[R.] Landgraf Görgens Bruder| unversehens anhero nach Ebeleben[10] kommen und eine Nacht alhier auf Meines Gnädigen Herrn Hause blieben“.[11]

Der Hildesheimer[12] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 14./24.11.1635 fest: „Land-Graff Hans von Darmstadt kombt ungewarneter sach in die Stadt zue Ihr Fr: ins Gemach“.[13] 16./26.11.1635: „Der Herr General H. Jörg [Georg v. Braunschweig-Lüneburg; BW] ziehet wieder nacher Braunschweig[14] mit seinem Schwager Land-Graff Hanß von Darmstadt“.[15] 21.11./1.12.: „Land-Graff Hans kombt wieder von Braunschweig anhero“.[16] 27.11./6.12.: „Land-Graff Hans von Darmstadt reiset wieder von hier ab nach Ostfrießland“.[17]

Für den 6./16.2.1636 ist notiert: „Landgraff Johan von Darmstadt Fr: Gnd: ziehen von hinnen nach Hause“.[18] 1636 trat Johann in die Dienste seines Schwagers.

Am 11.1.1637 bekamen die Kaiserlichen durch den Landgrafen Johann von Hessen-Darmstadt weitere Verstärkung und konnten gemeinsam den schwedischen Feldmarschall Leslie bis Northeim[19] zurückdrängen. Erst der Vorstoß des ihnen taktisch überlegenen Feldmarschalls Johan Banér zwang sie zum Rückzug. Dr. Jordan notiert unter dem 13./23.1.1637: „Eodem Abends umb fast 8 Uhr rediit Illmus [von Alfeld;[20] BW] mit seinem Schwager Landgraff Hans von Hessen-Darmstadt“.[21] Vom 24.5./3.6.1637 bis zum 31.5./9.6.1637 war er wieder in Hildesheim zu Besuch,[22] ebenso am 23.7./2.8.1638[23] wie auch am 12./22.12.1638.[24]

1639 wurde Landgraf Johann unter dem Gesellschaftsnamen „der Stattliche“ in die „Fruchtbringende Gesellschaft“ aufgenommen.

Dr. Jordan schreibt unter dem 19./29.5.1641: „Landgraf Johan von Heßen Darmstädtischer Linie, unserer Herzogin Herr Bruder, bricht von hier auf mit dem Leibregiment zue Pferd und des Obrists Dannenbergs Regiment zue Pferd nach Wulfenbüttel,[25] umb das Generalat über die Braunschw. und Lüneb. Armee anzutreten“.[26]

„Ein kaiserliches Heer war unter dem Erzherzog Leopold aus dem Magdeburgischen zum Entsatz der blockierten Festung herangerückt. Generalleutnant von Klitzing vereinigte die braunschweig-lüneburgischen Truppen gegen den inneren Wunsch der Herzöge mit dem schwedischen Heere unter den Generalen Phul [Pfuel; BW] und [Helm; BW] Wrangel sowie den Weimaraner Truppen unter dem französischen Marschall Guébriant im Juni vor dem Kiebitzer Damm am Großen Bruchgraben, um die Blockade von Wolfenbüttel zu decken. Da aber die Kaiserlichen nördlich dieses Hindernisses über Germersleben[27]-Schöningen[28] vorrückten, zogen die Alliierten gleichfalls auf Wolfenbüttel, so daß beide Heere parallel miteinander gleichsam in die Wette marschierten und fast gleichzeitig vor der Festung anlangten. Am 17. Juni marschierte die kaiserliche Armee durch Wolfenbüttel, auf das linke Okerufer, wo die schwedisch-deutsche Armee schon stand, und nahm unter den Kanonen der Festung eine Stellung, derjenigen der Alliierten gegenüber. Hier kam es am 19. Juni zu einer blutigen und lange unentschiedenen Schlacht, in der es sich hauptsächlich um Steterburg[29] und den Besitz des dortigen Waldes handelte. Bei den Verbündeten stand das schwedische Heer auf dem rechten, das deutsche Heer auf dem linken Flügel. Die Stärke des verbündeten Heeres betrug 22 000 Mann, die des kaiserlichen 20 000 Mann. Von den Truppen des verstorbenen Herzogs nahmen sein berühmtes Leib-Kavallerie-Regiment, das ebenso berühmte Kürassier-Regiment Anton Meier und die Kürassier-Regimenter v. Warberg, Koch und von Dannenberg, von der Infanterie das rote Regiment v. Schlütter und das blaue Regiment mit je 6 Kompagnien, sowie endlich vom Leib-Infanterie-Regiment v. Bessel und vom gelben Regiment v. Waldow je 2 Kompagnien in der Gesamtstärke von 5400 Mann an der Schlacht teil. Namentlich zeichnete sich Generalleutnant v. Klitzing mit den drei alten Kavallerie-Regimentern Georgs aus. Die gesamte Kavallerie der Verbündeten unter dem General v. Königsmark führte durch einen umfassenden Angriff auf den kaiserlichen rechten Flügel, der diesen zum Weichen brachte, die Entscheidung zugunsten des protestantischen Heeres herbei. Das Leib-Kavallerie-Regiment unter dem Oberstleutnant v. Schönberg drang dabei in zwei bayerische Infanterie-Regimenter ein, nahm 2 Obersten [Gayling v. Altheim u. Hagenbach; BW] gefangen und eroberte 6 Fahnen und 4 Kanonen. Die Kaiserlichen wurden bis unter die Wälle der Festung getrieben, zogen am 24. durch Wolfenbüttel und setzten den Rückzug bis Schöningen fort“.[30]

In der Hannover’schen Chronik heißt es dazu: „Den 17. [27.6.1641; BW] entsetzen die Kayserlichen Wolfenbüttel. Sie vermeinten aber die Belagerung gantz aufzuheben und die unsrigen gantz dafür auszuschlagen.

Den 19. Sonnabend Morgens hora 3. sein die Kayserliche mit ihrer gantzen Macht auf die unsrige (Lüneburgische und Schwedische) gegangen, einen großen Vortheil im Walde bey Stederborg eingenommen, daß auch die Schwedische fort gewollt, wenn nicht Landgraf Johann zu Hessen (der jungen Printzen Vormünder und der Hertzoginnen Bruder), welcher von Hildesheim voriges Tages ins Lager kommen, unsere Braunschweigische Völker in Bataglia gestellet und sich dem Feinde widersetzet, deswegen die Schweden sich schämen müssen und auch Stand gehalten. Darauf ist es zu einem harten Treffen kommen gegen Mittag, worin die Beyrische Armada benebenst dem Kayserlichen Fußvolk gar geschlagen, und der Rest sich unter die Stücke vor Wolfenbüttel reteriren müssen. Es sollen aber über 3000 Todte und 2000 gefangen sein. Aus dem Ampte Peina[31] sein 100 Bauren commandiret, die Todten zu begraben.

Extract hievon eines Schreibens des Obristen Leutnants Oppermanns aus der Weinbergischen Schantzen den 25. Junii:

Der Feind ist gestriges Tages aus seinem Lager aufgebrochen und hat sich hinter Saltzdahlum[32] eine Stunde von Wolfenbüttel in eine Hohle gesetzet. Ein Leutenant vom Waldauischen Regimente, den der Feind gefangen gehabt und jetzo wieder kommen, berichtet wie der Feind so kleinmüthig und in so großer Furcht sei. Gewiß ist, daß auf der Wahlstatt 4500 Mann (ohne was sonst niedergemachet, gequetschet und gefangen) gefunden. Auch sollen über das 1000, worunter 6 Obriste, 5 Obriste Leutenant und Obr. Wachtmeister und andere Officirer in Wolfenbüttel begraben und also bey der gantzen Infanterie nicht mehr als 1 Obrister und 1 Obrister Wachtmeister vorhanden sein.

Den 21. Junii Montags hat der Obrister Schlüter, Commandante alhie, von I. F. G. Befehl bekommen, auf solche herrliche vermuhtete Victoria 2 mahl Salve zu schießen, welches auch noch denselben Nachmittag h. 3 geschehen“.[33]

Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 6./16.7.: „Ziehet Herzog Christian Ludwig mit Landgraf Johan, dem Grãl., von hinnen nach Hannover nebest den Landständen, Canzler und Räthen, erwarten daselbst Ihres Herrn Vetter Herzog Friedrich von Zell, die Regierung ufs new zu bestellen“. […]  12./22.7.: „Illmus Christian Ludwig nebest seinen Vettern Landgraf Johan von Darmstadt komen von Hannover“.[34] 8./18.8.: „Landgraf Johann von Darmstadt und Grãl.-Liutnand Klitzing komen anhero und ging das Geschrey, Klitzing kätte abgedankt. Zog auch folgende Nacht von hinnen“.[35]

5./15.9.1641: „Die Allirten Armeen marschirten vergangene Nacht von dannen nach Gifhorn.[36] Die Ursach mach von Gott bekannt seyn, weil sie noch feststunden und keines Mangels an Proviant hatten. In dem Abmarche seyn beide Herzog August Regimenter, eins zu Roß und eins zu Fueß, unter beiden Obristen Koch von ihnen nach Dannenberg[37] gegangen. Wie die Schwedische solches gesehen und gesagt: ‚Wo stremet sick, dut‘. Herzog Augusti seine Leute haben gesagt: ‚Es streme sick soo‘. Bis an Lüneburgk[38] alles Vieh geraubet. Nachgehnds wie die Armee von Oeßel[39] nach Zell[40] sich gewandt sich gewandt, kombt der Obristliutnand Rochow und Obrist Hake von Wißmar[41] zu der Schwedischen Armee berichten, daß Torstensohn sie zu Wißmar gesprochen und warumb sie den Posten bey Wulfenbüttel verlassen. Landgraf Johan (von Hessen) und Klietzing haben ihm unter blawen Himmel höchlich verwiesen, daß sie die Schweden die schöne occasion so verlassen und in keine Differenz setzen wollten, sondern dafern sie, die Schweden, noch ferner bey ihren Propositionen verharren, werden sie, die übrigen Allirten, Ursach genug haben von ihnen zu gehen. Darauf einhelliglich beschloßen uf den Feind zu gehen. Man gab große Schuld uf Grãl.-Majeur Adam von Pfuhl und anderen, so etwan coorumpiert oder hohe Ehren im Säckel vom Kayser führeten“.[42] Unter dem 7./17.9.1641 ist notiert: „Landgraf Johan kompt von der Schwedischen Armee herein“.[43] 11./21.9.1641: „Obrist Waldow wird von Landgraf Johan in Arrest gelegt“.[44] Dr. Jordan hält hält den Abschied von der braunschweig-lüneburgischen Armee unter dem 17./27.4.1642 fest: „Eodem resignirte Ihre Fr. Gnd. Landgraf Johan von Darmstadt sein Generalat“.[45]

1643 wurden Johann in einem Teilungsabkommen mit seinen Brüdern die Besitzungen Eppstein, Katzenelnbogen und Braubach zugesprochen.

In der Hannoverschen[46] Chronik heißt es unter 1646: „Die 7000 Thlr., so Landgraf Johann zu Hessen, wegen seiner Generalitaet vor Wolfenbüttel, noch forderte und dieserwegen eine Obligation oder bahr Geld haben wollte, sollten die Städte so wohl als die Landschaft in solidum sich verschreiben.

Welches aber hie nicht gewilliget, sondern man hat sich hie zu Hannover erkleret, sich pro quota sexta zu verobligiren, oder unsere quotam als tertiam sextae bahr aufzubringen, welches dieser Stadt 300 und etzliche Thaler austragen wollte“.[47]

Im Jahre 1647 heiratet er Johannette (Johanna) von Sayn-Wittgenstein [1632-1701], Tochter des Grafen von Sayn-Wittgenstein und der Louise Juliane von Erbach. Die Ehe blieb kinderlos. Landgraf Johann von Hessen-Braubach starb am 1.41651 in Bad Ems.[48]

[1] Darmstadt; HHSD IV, S. 79ff.

[2] Herzberg [Kr. Osterode]; HHSD II, S. 225f.

[3] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[4] Wülzburg [Stadt Weißenburg i. Bayern]; HHSD VII, S. 835f.

[5] Eichstätt [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 160ff.

[6] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 457; SODEN, Gustav Adolph Bd. 2, S. 405; LAHRKAMP, Werth, S. 35, Anm. 5.

[7] Umstadt; HHSD IV, S. 189.

[8] HERMANN, Aus tiefer Not, S. 154f.

[9] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[10] Ebeleben [Kyffhäuserkreis]

[11] HAPPE I 426 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[12] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[13] SCHLOTTER, Acta, S. 226.

[14] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[15] SCHLOTTER, Acta, S. 226.

[16] SCHLOTTER, Acta, S. 226.

[17] SCHLOTTER, Acta, S. 226.

[18] SCHLOTTER, Acta, S. 236.

[19] Northeim; HHSD II, S. 353f.

[20] Alfeld; HHSD II, S. 5f.

[21] SCHLOTTER, Acta, S. 259f.

[22] SCHLOTTER, Acta, S. 265.

[23] SCHLOTTER, Acta, S. 288.

[24] SCHLOTTER, Acta, S. 293.

[25] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.

[26] SCHLOTTER, Acta, S. 341.

[27] Groß-Germersleben [Kr. Wanzleben]; HHSD XI, S. 155f.

[28] Schöningen; HHSD II, S. 419f.

[29] Steterburg [Stadt Salzgitter]; HHSD II, S. 442f.

[30] WERSABE, Geschichte der hannoverschen Armee, S. 32ff.

[31] Peine; HHSD II, S. 377ff.

[32] Salzdahlum [Kr. Wolfenbüttel]; HHSD II, S. 406f.

[33] JÜRGENS, Chronik, S. 541f.

[34] SCHLOTTER, Acta, S. 345f.

[35] SCHLOTTER, Acta, S. 348.

[36] Gifhorn; HHSD II, S. 167ff.

[37] Dannenberg [Kr. Lüchow-Dannenberg]; HHSD II, S. 106f.

[38] Lüneburg; HHSD II, S. 311ff.

[39] Orrel bei Munster [Örtze] [LK Soltau-Fallingbostel].

[40] Celle; HHSD II, S. 94ff.

[41] Wismar [Kr. Wismar]; HHSD XII, S. 133ff.

[42] SCHLOTTER, Acta, S. 352.

[43] SCHLOTTER, Acta, S. 353.

[44] SCHLOTTER, Acta, S. 353.

[45] SCHLOTTER, Acta, S. 373.

[46] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[47] JÜRGENS, Hannoversche Chronik, S. 575.

[48] (Bad) Ems [Unterlahnkr.]; HHSD V, S. 23.

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