Goldacker, Hartmann von

Goldacker, Hartmann von; Obrist [ -3.3.1648 bei Geseke] Hartmann von Goldacker, Sohn des Rittmeisters Caspar Goldacker auf Weberstedt[1] und Allstedt,[2] und Vetter des Burkard von Goldacker, stand als Obristleutnant in brandenburgischen[3] und als Oberst in kaiserlichen Diensten.

1634 war er noch Rittmeister im Regiment Alt-Sachsen [Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg].

1636 war man in Brandenburg an die Werbung einer neuen Leibgarde zu Pferde unter Kapitänleutnant Hartmann von Goldacker gegangen, welche bis 1640 auf 7 Kompagnien zu Pferde und 2 Kompagnien Dragoner, darunter eine in Ostpreußen gebildete Dragoner-Leibgarde-Kompagnie, anwuchs.[4] 1638 war er in Köpenick[5] stationiert, von wo aus er Soldaten für sein Reiterregiment anwarb.[6]

1640 führte er 7 Kompanien zu Pferde und 2 Kompanien Dragoner.

„Am 5. Januar 1641 kam von Spandau[7] her die Nachricht, der schwedische General Stalhans [Stålhandske; BW] rücke mit starker Macht auf die Residenzen an. Niemand wußte genaueres, die abenteuerlichsten Gerüchte gingen; schließlich wurde die Beunruhigung so stark, daß die ‚vornehmsten’ Leute ihren wertvollsten Besitz auf Wagen luden und nach Spandau flüchteten. Gegen 9 Uhr abends erhielt der Rat endlich aus der Nachbarfestung ein Schreiben des Statthalters. Danach war Stalhans mit 200 Mann zu Fuß, 1500 Reitern und 8 Geschützen nach Kottbus[8] gerückt, und der kurfürstliche Rittmeister v. Strauß hatte sich noch rechtzeitig von dort auf Peitz[9] zurückziehen können. Es drohte also keine unmittelbare Gefahr. Aber aus der Angabe von Gefangenen und aus andern Nachrichten ergab sich, daß Stalhans’ Absicht auf die Residenzen ging; er habe besonderen Befehl von Banér, die Städte ‚zu ruiniren und in Brand zu stecken’. Dieses Schreiben wurde am nächsten Morgen nach der Frühpredigt bekanntgegeben; die Bestürzung und Verwirrung war unbeschreiblich. Wer konnte, eilte aufs Rathaus, um hier noch Schlimmeres zu hören. Denn inzwischen war der Kommandant erschienen und hatte dem Magistrat einen Befehl des Statthalters über die Verteidigung der Stadt vorgelegt. Bürgerschaft und Besatzung sollten mit vereinten Kräften den Feind abwehren. Zur Verstärkung waren die Regimenter [Hartmann v.; BW] Goldacker und Lüdicke nach Berlin kommandiert. Griff Stalhans noch vor ihrer Ankunft an, so waren die Städte nach Möglichkeit zu verteidigen und im Notfall ‚vermittelst eines guten und honorablen Akkords das Volk – die Truppen – zu salviren und nach Spandau zu führen’. Wenn Kracht aber die Reiterei bei sich habe, sollte er ‚die Städte aufs äußerste defendiren und eher sein Blut und Leben vergießen, als dieselbe in Feindes Gewalt kommen lassen’. Es war zum ersten und auch einzigen Mal in dem ganzen Kriege, daß für Berlin ein solcher befehl gegeben wurde. Die Niederlegung der Vorstädte überließ Schwartzenberg der kriegskundigen Entscheidung des Obersten. Fürs erste sollte er die Spree von Cöpenick bis Lützow[10] aufeisen lassen lassen, um dem Feinde das Herankommen zu erschweren.

Am schlimmsten war von allen diesen Bestimmungen die Reitereinquartierung. Noch am gleichen Tage rückten die zwölf Schwadronen ein. Die Quartierherren des Rats bemühten sich vergeblich, die 1300 Reiter gerecht zu verteilen. Über dreißig Bürger verließen abends ihre Häuser, um diesem Schrecken zu entgehen; so wurden die Quartiere überfüllt. In einem Hause, in dem schon einige von Krachts Leuten lagen, mußten noch zehn Reiter untergebracht werden. Und woher sollte man den Unterhalt für Mann und Pferd beschaffen ? Auf die dringende Bitte des Rats setzten die anwesenden Stände ein hochamtliches Schreiben an den Statthalter auf; der einzige Erfolg seiner Maßnahmen werde sein, daß die Schweden bei längerer Belagerung Teltow,[11] Havelland[12] und Zauche[13] ‚totaliter ruiniren’ würden. Die Residenz werde erschöpft und Spandau gefährdet. Schließlich würde es gehen, wie in Landsberg[14] und Ruppin,[15] wo die Besatzung bald den Kampf aufgegeben und die Einwohner, im Stich gelassen, alle ‚niedergemetzschet’ worden seien. Solch Unglück zu verhüten, sei der beste Ruhm. Die Stände durften eine entschiedene Sprache führen, als Rat und Bürgerschaft, die demütig bekannten, solche Strafen wie den Anzug des Stalhans mit ihren Sünden verdient zu haben, und nur die Bitte wagten, Krachts Auftrag zu mildern, damit bei zu großer feindlicher Macht auf jeden Fall ein Akkord geschlossen werde. Schwartzenberg berief sich auf den kurfürstlichen Befehl, dem Feinde Abbruch zu tun. Den Nutzen ‚Gütlicher Traktate’ vermöge er nicht einzusehen, besonders nach den Erfahrungen mit Jens [von Hadersleff; BW], [Herman; BW] Wrangel und Dewitz. Stalhans werde ja durch ihre Kleinmütigkeit, zumal wenn noch die Garnison aus der Stadt genommen werde, geradezu verleitet, Ansprüche nach Belieben zu stellen, ‚seine postulata pro libitu anzustrengen’. Auch bei gütlichen Traktaten müßten sie die kurfürstliche Kontribution weiter bezahlen und täten am besten, die schon seit drei Monaten ausstehenden Summen für Kracht endlich zusammenzubringen. Den Ständen antwortete der Graf, wenn sie durchaus einen Akkord wünschten, sollten sie es auf eigene Verantwortung tun; jedenfalls müsse die Garnison freien Abzug nach Spandau erhalten. Er gab also nach. Entschieden verwahrte er sich aber dagegen, als ob die Verteidigung der Residenzen eine Aufreizung der Feinde bedeute. ‚Eine sehr fremde und bis daher nicht erhörte Art zu kriegen, wann der Feind nach seinem Willen agieren, der Kurfürst aber dies alles mit guten Augen und gebundenen Händen sehen und geschehen lassen sollte’. Die Bürger beruhigten sich keineswegs. Sie glaubten aus des Grafen Brief zu lesen, er habe die Reiterei in die Residenzen gelegt, um die Stände zu zwingen, endlich die Anweisungen für den Unterhalt der Truppen auszugeben, und außerdem schien es, als ob er überhaupt keine Unterhandlungen zulassen wollte. Schwartzenberg wies sie auf den Befehl für Kracht hin und ermutigte sie. Er rechnete so: Stalhans mußte einen Teil seiner Macht zur Deckung gegen Peitz in Kottbus zurücklassen; gegen das Übrige war die jetzige Besatzung der Residenz, zumal wenn die Bürger noch dazu kamen, stark genug. Und mit den 8 Regiment- oder Feldstücken, die der Schwede mit sich führte, waren doch weder Mauern zu brechen noch Breschen zu stürmen. Im Rathause scheine man die Bürger ängstlich zu machen; sie könnten sich leicht ausrechnen, wie der Feind handeln werde, wenn er höre, ‚daß man auf den Fall seiner Ankunft schon auf den Sprung eines Akkords und Übergabe stehe’. Die Bürger wußten nun, woran sie waren.

Um die Residenz vor einer Überrumpelung zu sichern, hatte der Statthalter das feste Haus in Zossen,[16] das den Übergang über die Rotteniederung deckte, mit einer Kompanie besetzen lassen. So wurde Stalhans in seinem Vormarsch eine Woche lang aufgehalten. Während hier vier Meilen vor den Toren der Residenz gekämpft wurde, durchlebten die Berliner böse Tage. Es war ja nicht allein die Furcht vor einem Überfall, der täglich zu erwarten war. Die Stadt sah jetzt schon aus, ‚als wenn der Feind darin dominierte, daß einem die Berge zu Haare standen’. Jetzt war noch das Regiment Volkmann nach Berlin geschickt worden. Weit über 2000 Mann lagen in der Stadt. Täglich kam es zu Ausschreitungen. Der Statthalter hatte den Rat wiederholt aufgefordert, die Namen der Missetäter zu nennen, allgemeine Klagen könne er nicht verfolgen. Aber die Bürger werden sich wohl gescheut haben, ihre Einquartierung anzuzeigen; sie mochten die Rache der Bestraften fürchten. Diesen unerquicklichen Zustand hatte freilich die Stadt zum Teil selbst verschuldet. Als im Dezember die Landstände die Geldanweisungen für den Sold der Reiterei abgelehnt hatten, war bei den Verhandlungen, wie Schwartzenberg später an den Kurfürsten berichtete, ‚Berlin am schwierigsten gewesen’. Nun mussten die Bürger zum Quartier auch noch die Kost geben. Das führte natürlich täglich zu Reibereien zwischen Wirt und Einquartierung; denn die Soldaten steigerten ihre Ansprüche ins ungemessene. Auf Befehl des Kommandanten mussten außerdem für die Soldaten, die auf Posten zogen, täglich 8 Tonnen[17] Bier geliefert werden.

Da kam die Nachricht vom Fall des ‚Hauses’ Zossen; der Tod des tapferen Kommandanten hatte die Kompagnie schließlich zur Übergabe veranlaßt.[18] Kracht ließ sich zu seiner eigenen Sicherheit noch einmal vom Grafen die Vollmacht zum Abbrennen der Vorstädte erneuern. Schwartzenberg schärfte ihm ein, zeitig festzustellen, ob der Feind auch ‚wirklich anrücke. Am 18. Januar zeigten sich die Spitzen der Schweden an den cöllnischen Weinbergen. Sofort gab Kracht der Reiterei den entscheidenden Befehl. Als wenn eine wilde Meute losgelassen wurde, so brachen die Soldaten in die Cöllner Vorstadt ein. Sie arbeiteten gründlicher als die Krachtschen Musketiere das Jahr zuvor. Sogar die Offiziere beteiligten sich daran, an ihrer Spitze Kracht und die drei Herren von Goldacker [Burkhard, Caspar u. Hartmann v. Goldacker; BW], die persönlich brennende Fackeln in die kurfürstlichen Häuser auf dem Werder warfen. Fast alle Gebäude brannten bis auf den Grund nieder, nur wenige blieben, die geringeren Schaden litten. Die Vorräte auf dem Cöllnischen Holzgarten wurden zum großen Teil vernichtet, die Ostbäume ein Raub der Flammen. Selbst das Hospital verschonte man nicht. Die Soldaten gingen bei ihrem Werk ohne jede Rücksicht vor; sogar jenseits des ‚Kirchleins Jerusalem’ wurde ein Wohnhaus angezündet, das wegen der großen Entfernung die Verteidigung der Mauern nicht im geringsten hindern konnte. Inzwischen hatte der Kommandant einen Teil der Reiter gegen den Feind aufsitzen lassen. Der Ritt glückte: über 360 Gefangene und ebensoviel Pferde brachten die Brandenburger ein. Die übermütigen Reiter feierten ihren Sieg auf Kosten der Bürger, die angesichts dieses leichten Erfolges um so mehr überzeugt sein mußten, daß die Abbrennung der Vorstädte völlig überflüssig und geradezu unverantwortlich war. Die Reiter beuteten das fette Quartier gehörig aus. Es muß ein wüstes Treiben gewesen sein. Die Städte haben sich später bitter über ‚der Cavallerie Schwelgerei’ beklagt, ‚welche sie ungescheuet ihre Berlinische Hochzeit öffentlich genannt haben’. Nicht bloß in den Bierschenken und auf den Gassen machten sich Wut und Empörung Luft,, ‚auch auf allen Kanzeln war ein solch Schelten und vermaledeien zu hören’, daß es schien, als würden sich die Berliner der Fortführung der Schwartzenbergschen Defensionspolitik mit Gewalt widersetzen. Der Diakon M. Krautheim sollte bei der Predigt in der Petrikirche sogar gesagt haben, daß ‚der armen Spittelleute ihr Gebet viel thätiger als der Brenner ihre Karthaunen, denn es doch dazu kommen würde, daß sie den Degen in die Scheide und die Trommel in den Sack stecken und zu dem Loch, das der Zimmermann am größten gelassen, hinauslaufen würden’. Sofort begab sich der Oberstleutnant des Regiments Kracht, der Komtur von Goldacker, ein Vetter des Reiterführers, zum Propst und beschwerte sich in aller Form. Die Offiziere ‚könnten ferner nicht leiden, für böse Leute und Landesverderber ausgerufen zu werden’, sie seien auch Christen und kurfürstliche Untertanen. Der Propst wandte ein, es sei doch wohl ‚etwas geschwinde mit solchem Band verfahren worden’, und überdies würden seine ‚Pfarrkinder von einesteils übel disziplinierten Reitern und Soldaten mit Einquartierung, übermäßigem Fressen und Saufen, ja wohl gar harten Schlägen, Prügeln, nächtlich ungestraften Einbrechen und ehrenrührigen Worten, samt wären die Bürger Schelme, Diebe und Rebellen, übel traktiert’. Darum ‚haben wir uns unseres Strafamtes, weil sie in unsere Gemeine kommen, billig angenommen und mit dem feuerbrennenden Eifer göttlicher Rache sie angeschrien’. Er versprach aber, auf seine Kollegen einzuwirken, und als sich dann Besuch einstellte – der Propst musste wegen Krankheit das Zimmer hüten – , endete die Unerredung sehr friedlich; Goldacker blieb noch eine Stunde, und die Herren haben ‚ihr Kurzweil und Zeit im Brettspiel miteinander vertrieben’.

Zehn Tage nach ihrer Heldentat zogen die schlimmen Gäste endlich ab“.[19]

„Es war ein Irrtum, wenn die Berliner annahmen, daß nach Schwartzenbergs Tode sofort über den Frieden verhandelt würde. Gerade jetzt zogen die Schweden von allen Seiten heran, so dass die Mittelmark und so auch die Residenz förmlich eingekreist wurden. Es war zugleich eine Probe auf die Ehrlichkeit der neuen kurfürstlichen Politik.

Doch wie weit konnte man den Schweden trauen ? Militärische Vorsichtsmaßregeln durften auf keinen Fall versäumt werden. Berlin war augenblicklich keineswegs auf einen Widerstand eingerichtet. Über 80 Soldaten waren auskommandiert, eine große Zahl auf Exekution ausgeschickt. So befahlen die Geheimen Räte dem stellvertretenden Kommandanten Burchardt von Goldacker auf den auf beiden Seiten herumstreifenden Feind mit doppelter Wachsamkeit Acht zu geben. Die Warnung erwies sich als berechtigt. Kaum war eine Woche vergangen, als die Stadt plötzlich alarmiert wurde. Am Nachmittag des 14. März kamen drei adlige Herren ‚mit blutigen Köpfen’ hereingejagt und berichteten, daß sie in der verwichenen Nacht von Stalhans’ Reiterei ausgeplündert worden seien. Goldacker schickte seine wenigen Berittenen – 15 Leute – zur Erkundung hinaus, sie kamen aber bald im wilder Flucht zurückgejagt, nachdem sich drei von ihnen hatten fangen lassen; dann sah man einen Trupp sich den Gärten nähern, die vordersten standen bis an die Kapelle Jerusalem. Noch am gleichen Abend sandte der Oberstleutnant einen Boten nach Spandau, der die Kriegsräte um 12 Uhr nachts aus dem Schlafe weckte. Eilends schrieben diese an den Oberst Volkmann nach Brandenburg,[20] seine zwei Reiterkompanien nach Berlin zu schicken; Hartmann von Goldacker sollte mit der übrigen Kavallerie nach Spandau heranrücken, damit er zur Hilfe bereitstände. Der Rat in Berlin empfing die Benachrichtigung, daß das Vorhaben des Feindes verhindert werden müsse; sie würden demnächst Verstärkung erhalten und sollten sich entscheiden, ob sie es ‚auf eine beharrliche Defension ankommen lassen’ wollten. Es war das letzte Mal in diesem langen Kriege, dass die Frage an Berlin gestellt worden ist. Die Stadt wird sie wie immer verneint haben. Dafür sorgten schon die Schweden. Stahlhans’ Vorhut lag in Jüterbog.[21] Der dort kommandierende Oberst v. Dewitz gab dem Magistrat den guten Rat, Goldackers Reiter nicht einzunehmen. Stalhans würde sie dann so einschließen, ‚dass sie einander auffressen müßten’. Sie täten besser, ‚dafern es den Herrn um den lieben Frieden zu thun ist, sich als neutrale Leute zu halten’. Dewitz hatte von seinem General den Teltowschen[22] Kreis zugewiesen bekommen und ging daran, von Cölln und den kleineren Städten Kontribution einzutreiben“.[23]

„Am 31. März [1641; BW] drangen weitere 400 schwedische Reiter und Dragoner über die Brunnische Förde ins Havelland ein, das sie bis einschließlich Nauen[24] eroberten, wobei sie etliche aldort und unterwegens einzeln Officier und Reutter gefangennahmen. Die beiden brandenburgischen Obristlieutenants [Hartmann v.; BW] Goldacker und Lüdicke, die zur gleichen Stunde mit ihrer Reiterei aus ihrem Standort Brandenburg[25] ausgezogen waren, in Meinung, denen im Lendlein Rinow[26] liegenden Schweden einzufallen und denselben Abbruch zu thun, setzten den von Norden andringenden Schweden, obwohl sie darüber Kundschaft erhalten hatten, keinen Widerstand entgegen, sondern zogen, nachdem sie irgendwo 20 Schweden aufgegriffen hatten, eiligst in ihr Brandenburger Quartier zurück“.[27]

„Die Landesherrschaft geriet dadurch [durch den Einfall schwedischer Truppen; BW] in arge Bedrängnis, um so mehr, als die Befehlshaber der im Havellande stationierten Truppen keine Lust bezeigten, den Schweden ernstlich entgegenzutreten. Die in Rathenow[28] liegenden Kompanien von der Osten und Tembler wussten auf ein Hilfegesuch der besonders gefährdeten Stadt Rathenow nichts besseres zu tun, als drei Scheunen, so bei vorgestandener oftmahligen Belagerung weder von Feindt noch Freundt und bei Einäscherung der gantzen Vorstadt und Scheunen allemahl geblieben, zum Entsetzen der Bürger abzubrennen. Ohnmächtig mußte die Landesherrschaft das alles geschehen lassen. Sie mußte froh sein, daß sich jetzt Burgsdorff, Volkmann und Goldacker bereit erklärten, nach dem gefährdeten Rathenow zu marschieren. Kaum aber waren diese Truppen am 24. März in Rathenow angelangt und hatten sich an Ort und Stelle von der äußerst bedrohlichen Lage dieser Stadt überzeugt, da hatten sie auch schon hier nicht Stand zu behalten sich vorgenommen. Noch am gleichen Tage wollten sie die Stadt wiederum verlassen. Die Zeit bis zum Abmarsch wussten nun die kurfürstlichen Truppen nicht besser auszufüllen, als mit einer allgemeinen Plünderung Rathenows. Verschiedene Häuser, sogar das Rathenower Armenhaus auf dem Kirchhof, wurden vollständig ausgeplündert. Roggen, Gerste, Malz, Käse, Speck, Fleisch, Wurst, Butter, Wachs, Leinwand, Bier, Wein, Betten, eiserne Nägel, Kleider, Gewürz, überhaupt alles, was die Soldaten in den Häusern vorfanden, wurde den Rathenowern fortgenommen. Kisten und Kasten wurden zertrümmert und Leute verprügelt. Sogar an dem Verteidigungsgerät der Stadt vergriffen sich die Plünderer. 25 doppelte Hacken wurden ins Wasser geworfen, nachdem das einzige in der Stadt vorhandene Falkonett schon vorher von den Ostenschen Soldaten beseitigt worden war. Ärger als die schlimmsten Feinde hausten die zum Schutz der Stadt bestimmten Soldaten, ohne dass ihnen das Treiben von den Offizieren untersagt worden wäre. Die Offiziere haben teils untätig zugesehen, teils wie der Rittm. Straußen, sein eigen Quartier ausräumen laßen. Die Rathenower waren überglücklich, als diese Helfer samt und sonders ihrer Stadt den Rücken kehrten, um sich nach Brandenburg[29] zu begeben“.[30]

„Diese Ruhe [nach dem Abzug der Schweden aus dem Havelland; BW] benutzte die brandenburgische Landesherrschaft, um mit den unbotmäßigen Heerführern abzurechnen. Markgraf Ernst ließ sich am 19. Mai [1641; BW] [August Moritz v.; BW] nach Berlin kommen, wo er ihm seine Absetzung verkündete und ihn sofort in Haft nehmen ließ, weil Rochow sich weigerte, sein Regiment zu entlassen. Noch am Nachmittag desselben Tages begab sich Markgraf Ernst in Begleitung von Konrad von Burgsdorff nach Spandau,[31] dessen Tore er vorsichtshalber schließen ließ. Sämtliche Offiziere des Rochowschen Regiments wurden darauf für den nächsten Morgen zum Rapport befohlen. Gehorsam waren die Offiziere am 30. Mai zur Stelle. Auch die Mannschaften waren gerufen worden. Nun wurde den Versammelten die Absetzung Rochows bekanntgegeben und [Johann Georg; BW] von Ribbeck als neuer Befehlshaber des Regiments in die Pflicht genommen. Alle Mannschaften und alle Offiziere bis auf den Obristleutnant [Jobst Friedrich; BW] v. Oppen erkannten v. Ribbeck als ihren neuen Befehlshaber an und schwuren dem Kurfürsten den Eid der Treue; v. Oppen, der zu dem v. Ribbeck keine Affection trug, bat um seine Entlassung und kam damit der bereits befohlenen Amtsenthebung zuvor. Darauf rechnete der Kurfürst am 2. Juni mit den an der Rathenower Plünderung beteiligten Heerführern ab. Osten erhielt einen strengen Verweis, ebenso Lütke und [Georg v. der; BW] Marwitz, auch des Kurfürsten Freund Burgsdorff kam nicht ohne Rüffel davon. Der Kurfürst verbat sich das Rauben der kurfürstlichen Truppen. Goldacker, der sich eigentlich schon mit Rochow in Berlin zur Amtsenthebung hatte einfinden sollen, entfloh, als er hörte, daß Volkmann mit seiner Verhaftung beauftragt worden war, mit wenigen Reitern zur kaiserlichen Armee. Der Stadt Rathenow aber gab der Kurfürst auf ihre Beschwerde über die durch seine Truppen erlittene Plünderung zur Antwort, dass augenblicklich zu einer eingehenden Untersuchung der empörenden Vorfälle keine Zeit sei, daß aber nechtskünftig und zu besserer Gelegenheit von dieser Sach wol weiter geredet, und so wol wegen Bestrafung der Thädter, als auch euerer Befriedigung halber fernere gebührende Verordnung gemacht werden solle“.[32]

Der 1641 bei Nacht und Nebel in kaiserliche Dienste übergetretene Goldacker und Obrist über zwei kaiserliche Regimenter,[33] damals noch Kommandant in Peitz,[34] war am 1.-2.1642 mit vier Regimentern Kroaten in Schwerin[35] erschienen, hatte dort gute Ordnung gehalten und war am 3.2.1642 nach Wittenburg[36] gezogen.[37] „Oberst Goldacker hatte von Gallas den Befehl erhalten, mit zwei deutschen und zwei kroatischen Regimentern Wittenburg und Boizenburg [38]von den Schweden zu säubern. In der Nacht vom 2./3.[39] Februar [1642; BW] überrumpelte er Wittenburg. Der dortige Stadtvoigt Holstein berichtet darüber an den Herzog: ‚- – keine Türken oder Heiden können es ärger machen, als allhier gehauset, insonderheit die Krabaten, und wenn der redliche Cavallier Obr. Goldacker es nicht gethan, hieselbst wol kein Mensch lebendig geblieben, der auch meinethalben mit dem Crabaten=Oberst Kugeln wechseln wollen – -, haben mir das Geringste nicht gelassen, Alles aus dem Hause hinweg, die Kirche ist nicht verschont, Kelche und Alles was in der Kirche gewesen, zerhauen und weggenommen, uns nicht eine Krume Brot oder Fleisch gelassen, meine Pferde sind dahin, Bürger und Rath nackend ausgezogen, verwundet, jämmerlich zugerichtet, ich habe 4 ganze Stunden die Todten bis in die finstere Nacht auf den Kirchhof auf Schlöpen nackend und bloß zusammenfahren lassen, unter den Schwangern und Säugern ein solch‘ Schreien und Jammern gewesen, daß es einen Stein in der Erden hätte erbarmen mögen, viele Bürger weg, man weiß nicht ob am Leben oder todt, Rathsherr Hennecke Krüger auf den Tod verwundet nackend im Stalle liegend befunden; Obr. Goldacker ist in meinem Hause gewesen, sein Quartier gehabt, aber mir Nichts gelassen, 2 Wagen voll geladen, wie sie keine Säcke gehabt, Betten aufgeschnitten und in die Bühren geschüttet, mein Haus ist über 15 mal ausgeplündert u. s. w.‘

Der Herzog selbst schreibt, daß die Frauen und Mädchen in die Kirche geflüchtet, die Kroaten ihnen nachgesetzt, und der Oberst selbst mehrere der letzteren auf den Leibern der Weiber mit seinem Degen erstochen habe. – Am nächsten Tage gings nach Boizenburg, wo die Schweden aber besser auf der Hut waren und den Angriff blutig zurückwiesen“.[40]

„Gleich nach dem Abmarsche der Chursächsischen Truppen rückte ein Österreichisches Regiment Fußvolck nach Langensalza,[41] wo es unter dem General Hartmann von Goldacker, dem Sohne eines benachbarten Rittergutsbesitzes Caspar Goldacker auf Weberstedt, vom 31. Januar bis zum 17. Mai 1642 15 Wochen lang liegen blieb. Hartmann Goldacker zog damals aus dem Fürstenthume Gotha monatlich 8000 Thaler Kriegssteuer. Aber auch unserer Stadt kostete diese 15wöchentliche Einquartierung, welche auf eine 11wöchentliche folgte, sehr viel, und noch überdieß das Leben zweier Bürger. […] Unter so schlechter Manneszucht zog Goldacker, obwohl ein Landsmann und Landnachbar, von hier weg; er ging nach Naumburg,[42] wo er diese Stadt gegen die Schweden verteidigte, denn der General Königsmark musste abziehen, nachdem er schon Bresche geschossen hatte“.[43] Der Naumburger Chronist Maul notiert dazu: „Den 24. May ist das Kayserliche regiment v[on] Goldacker alhier eingezogen, es wurde von denen Dörfern verpfleget, und wir gaben Servies

10 f   g Welcher 14 Wochen lang bis den 15. Oct[obe]r nach Ende der schwedischen Belagerung dauerte, der mich jede Woche 3 f, also

42 f – g kostete“.[44]

[1] KÖNIG, Biographisches Lexikon, S. 41f.; Weberstedt [Unstrut-Hainich-Kreis].

[2] Allstedt [Kreis Mansfeld-Südharz].

[3] MÖRNER, Kriegsobristen, S. 245f.

[4] http://www.grosser-generalstab.de/regiment/bredow/bw001.html.

[5] Berlin-Köpenick; HHSD X, S. 62ff.

[6] Faden, Berlin, S. 208.

[7] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[8] Cottbus [Stadtkr.]; HHSD X, S. 134ff.

[9] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.

[10] Lietzow, Ort auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Charlottenburg.

[11] Teltow [LK Potsdam-Mittelmark].

[12] Havelland [Landschaft; LK Havelland].

[13] Zauche, heute Ortsteil von Kasel-Golzig [LK Dahme-Spreewald].

[14] Landsberg/Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[15] Ruppin [Land u. Kr.]; HHSD X, S. 343f.

[16] Zossen [Kr. Teltow/Zossen]; HHSD X, S. 408f.

[17] 1 Tonne = 100 Stof = 114,5 l (Bier).

[18] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 576f.: „Die Stalhansischen aber griffen auff das Schloß Zossen mit Ernst / beschossen es / und bliebe von einem Canon-Schuß der darinnen ligende Hauptman Centemeyr [Zehntmehner; BW] / dessen Lieutenant sich mit etlichen auff einen Thurn salvirte /und noch etwas wehrte / aber doch im Januario auff Gnad und Ungnad ergeben muste. Worüber die in Berlin / auß Furcht / daß sie die nächsten am Reyen werden seyn müssen / die 3. Vorstädte zu Cöllen an der Sprey theils einrissen / und darunter das Churfürstl. und andere andere Vorwercke ansteckten / auch an der Kirchen zu S. Gertraut etwas anfingen abzubrechen : daß also fast nichts als das Churfürstl. Reit- und Ballen-Hauß diß Orts stehend geblieben / welche beyde zur Defension verschanzt wurden / um welcher Defension willen man sich also menagiret hat : und kamen doch die Stalhansischen weiter nicht / als biß an dieses Zossen / allda sie den gefundenen Vorrath zuvorn verzehrten / die Thor verbrenneten / bey ungefehr 800. Mann über dieser Expedition im Stich liessen / worauff sie wieder / wo sie herkommen waren / hinkehreten : zuvorn aber aus dem Teltawischen[18] / und andern Orten herum / das Geträyde / Vieh und Pferd weg holten“.

[19] FADEN, Berlin, S. 222f.

[20] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[21] Jüterbog [LK Teltow-Fläming]; HHSD X, S. 229ff.

[22] Teltow [LK Potsdam-Mittelmark].

[23] FADEN, Berlin, S. 229f.

[24] Nauen [LK Havelland].

[25] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[26] Rhinow [LK Havelkreis].

[27] SCHRÖER, Havelland, S. 99f.

[28] Rathenow [Stadtkr. Rathenow/Kr. Rathenow]; HHSD X, S. 333f.

[29] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[30] SCHRÖER, Havelland, S. 99.

[31] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[32] SCHRÖER, Havelland, S. 101f.

[33] SCHRÖER, Havelland, S. 104.

[34] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.

[35] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[36] Wittenburg [LK Ludwigslust]; HHSD XII, S. 140f.

[37] FROMM, Chronik, S. 212f.

[38] Boizenburg [Kr. Hagenow]; HHSD XII, S. 5ff.

[39] z. T. auch am 1.2.

[40] BALCK, Mecklenburg im dreißigjährigen Kriege, S. 97f.

[41] Bad Langensalza [Kr. Langensalza]; HHSD IX, S. 33ff.

[42] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.

[43] GÖSCHEL, Chronik Bd. 3, S. 62.

[44] WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 143.

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