Gallus, N

Gallus, N; Rittmeister [ – ] N Gallus [ – ] stand 1627 als Rittmeister[1] in kaiserlichen Diensten. Der Jurist Valentin Scharfe[2] [ – ] stand als Stadtleutnant[3] in den Diensten der freien Reichsstadt Nordhausen,[4] als er mit ihm in Konflikt geriet.

„Valentin Scharfe, ein Jurist, ist der erste, so sich als Lieutenant bestellen lassen. Er war ein Sohn Hrn. Dietrich Scharfens, Hoch-Gräfl. Schwartzburgl. Amt-Schössers[5] zu Kelbra,[6] und Fr. Catharinæ, einer eheleibl. Tochter D. Josuæ Stegmanns, Superintendentis[7] zu Eckartsberge.[8] Er hat der Stadt viel gute Dienste gethan, indem er im 30jährigen Kriegs-Wesen vielfältig hin und wieder zu denen Armen geschicket worden. An. 1627. ließ ihn der in Kelbra liegende Rittmeister Gallus, als er in Wolckramshausen[9] bey einer Adelichen Hochzeit war, mit gewehrter Hand verarretiren, weil die hiesigen Stadt-Soldaten einem von seinen Reutern, der in den hiesigen Weinbergen herum geritten, und die Leute auf der Straße angefallen hatte, das Pferd unter dem Leibe tod geschossen hatten, wiewohl er bald wieder loß kam“.[10]

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[1] Rittmeister [schwed. Ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, in besetzten Gebieten wurden schon einmal 240 Rt. monatlich erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15), während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[2] Valentin Scharfe [ – ], Stadtleutnant in Nordhausen.

[3] Stadtleutnant: in kleineren Städten Kommandant des => Ausschusses.

[4] Nordhausen [LK Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[5] Schösser: Der Schösser (auch Amtsschösser) nimmt die Wirtschaftsverwaltung eines Amtes wahr, vor allem die Einnahmen durch Schoss, Zinsen, Gefällen. Der Schoss war eine allgemeine Vermögensabgabe, die zwar vom Schösser in regelmäßigen Abständen eingezogen wurde, bei Bedarf jedoch extra und auch in vielfacher Höhe erhoben werden konnte. Der Schösser führt das Rechnungswesen des Amtes. Schösser und Amtmann bezeichnen im 17. Jahrhundert häufig den Träger derselben Verwaltungsfunktion, deshalb ist auch der Terminus Amtsschösser gebräuchlich. [mdsz]

[6] Kelbra [LK Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 236f.

[7] Superintendent: In der lutherischen Kirche Leiter der unteren Kirchen- und Schulbehörde eines Amtsbezirks, zugleich erster Geistlicher der Stadt. Der Superintendent leitete die inneren Angelegenheiten der Kirche und hatte die Aufsicht über das Volksschulwesen. Damit war er Vorgesetzter sowohl der Pfarrer als auch der Lehrer eines Amtsbezirks.

[8] Eckartsberga [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 97f.

[9] Wolkramshausen [LK Nordhausen], unter HHSD IX, S. 193, 425, 495.

[10] LESSER, Historische Nachrichten von […] Nordhausen, S. 357.

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