Galiberto [Gali(m)berti, Galleberti], Giovanni Battista [Giambatista] Conte di

Galiberto [Gali(m)berti, Galleberti], Giovanni Battista [Giambatista] Conte di; Obrist [ – ] Giovanni Battista Conte di Galiberto stammte aus neapolitanischem Adel und war ligistischer Obristleutnant bzw. Obrist der Dragoner.

„Tilly war nach der Eroberung Königsbergs[1] nach Bamberg[2] zurückgekehrt. Nachdem er jedoch Kunde vom Anzug Gustav Adolfs erhielt, fühlte er sich zu schwach, seine dortige Stellung zu behaupten. Am 24. März [1632; BW] trat er seinen Rückzug, abermals über Forchheim,[3] durch nürnbergisches[4] Gebiet nach der Oberpfalz an (Soden I, S. 198). Nach Bamberg schickte er eine kleine Besatzung von 40 kroatischen Reitern unter dem Italiener Giovanni Battista di Galiberto zurück, welche am 29. März dort eintrafen“.[5]

Galiberto war am 27.3. in Lauf[6] von Tilly zum Kommandanten in Bamberg ernannt worden. „Galiberto war ein äußerst tatkräftiger und fähiger Offizier, weshalb ihn der Kurfürst am 17. Oktober 1632 bei seiner Rückkehr von Coburg[7] (wo sich Maximilian am 15.10. von Wallenstein getrennt hatte) wieder mit nach Bayern nahm (Looshorn VI, 253, 284)“.[8] Auf Grund derGravamina“ des Bischofs Johann Georg II. Fuchs von Dornheim wurden die ligistischen Regimenter von Maximilian I. „amoviert“.[9]

Die Stadt Kronach[10] hatte lt. einer Musterung vom Jahr 1616 durch Carl Neustetter 483 Mann aus der Bürgerschaft unter Waffen. Der dazugehörige Ausschuß umfaßte nach einer Musterrolle vom 9.7.1627 386 Mann (Fehn VI, S. 154). Am 11.1.1632 zählte der Ausschuß einschließlich der Ausschußkompanien aus Hollfeld[11] und Stadtsteinach[12] 841 Mann, worunter sich aber auch Kompanien der Bürgerschaft und seit dem 13.12.1631 eine Kompanie aus 40-50 Dragonern unter dem ‚gewesenen Drillmeister‘ und Hauptmann Georg Kempf und dem Fähnrich Michael Gabriel Stauders von Winkelbach (Zitter 1666, S. 2) vom Pappenheim’schen Regiment von Salis befanden (Looshorn VI, S. 190). Diese wurden am 8.2. nach Scheßlitz[13] verlegt und der Ausschuß verringert, so daß dieser nur noch 600 Mann betrug (Fehn VI, S. 169). Die Stadtsteinacher Ausschußkompanie (315 Mann mit Offizieren) war dann jedoch noch vor der Belagerung ‚mit gesambter Mannschafft durchgangen‘ und hatte ihre Fahne im Stich gelassen (Zitter 1666, S. 3).

Während die Kämpfe um Kronach bereits im Gange waren, gab es zwei Unterstützungsversuche seitens der Bamberger Garnison und des hochstiftlichen Ausschusses. In den ersten Tagen der Belagerung entschlossen sich die Bürger von Weismain[14] und dem Amt Niesten,[15] den hartbedrängten Kronachern etwa 50 Musketiere zu Hilfe zu schicken. Diese jedoch ‚ergaben sich in Burgkunstadt[16] dem Trunke‘ und plünderten unterwegs lutherische Dörfer. Auch aus Bamberg machten sich etliche Ausschüsser, unterstützt von einer Kompanie Kroaten, nach Kronach auf den Weg und zogen unterwegs den Lichtenfelser[17] und Staffelsteiner[18] Ausschuß an sich. Als der Obrist Hastver dies erfuhr, schickte er ihnen 4 Kompanien Reiter, darunter 3 Kompanien aus seinem eigenen Kontingent und 200 aus dem Quartier in Pegnitz[19] herangezogene Reiter des Truchseß’schen Regiments unter dem Oberstleutnant Jaroslav Adam Schaffmann, entgegen. Diese trafen am 19. Mai bei Tiefenklein[20] auf die heranziehenden Weismainer und Niestener Musketiere, welche ‚bis auf 3 oder 4 Mann niedergehauen wurden‘. Einige Wenige konnten entkommen und zogen sich nach Küps[21] zurück, wo sie auf den aus Bamberg heranrückenden Sukkurs trafen. Dort wurde der gesamte Ausschuß am gleichen Abend von Hastvers Kavallerie-Esquadron erneut attackiert und zerstreut. Pöhlmann vermutet, daß die Musketenkugelabdrücke auf der Nordwestseite der Küpser Kirche von diesem Kampf herrühren. (u. a. Looshorn VI, S. 262; Pöhlmann, S. 291).

Khevenhiller (Bd. XII, S. 148) bringt einen erstaunlich detaillierten Bericht über diesen Vorfall, der bisher kaum Beachtung fand: ‚Und weil gleich damahls Kundschafft angelangt, daß den Bischöflichen Succurs zukommen sollte, ist der Obrister Hastver mit 3. Compagnien Reutern, und Obristen Lieutenant Schafmanns 200. Pferden, so eben selbiger Zeit auch ankommen, ihnen entgegen gezogen, und bei Diefglein [Tiefenklein] 59. Mann so nach Cronach gewollt, angetroffen, und alle niedergehauen, wie auch noch selbigen Abend bei Kypß [Küps] wieder auf 200 gestossen, dieselbe meistentheils auch nieder gemacht und getrennet, und also den Succurs zernichtet. Es waren ingleichen 80. Croaten auf dem Wege, welche aber aus Beysorge, daß sie dergleichen Stöße auch bekommen möchten, auf eingenommene Kundschafft sich wieder retirirt‘. (Bericht gleichlautend im Theatr. Europ. II, S. 567). Daß sich diese Berichte u. a. auf die Originalkorrespondenz Hastvers stützen, geht aus einem Vergleich mit dessen Brief vom 13. Juni an Herzog Wilhelm von Weimar hervor: ‚[…] vnnd wie ich erfahren, dz etlich volck von Weismain, Lichtenfels,[22] Staffelstein vnnd ander ortten sich gesamblet, vnnd Cronach succurirn wollen, bin ich Ihnen mit 3. compagn. benebst H. Obristleutenambts Schaffmanns Reuttern entgegen gegangen, vnnd erstlich bey Diefenglein .60. niedergehauen, dann selbigen abent bey Küps noch .200. angetroffen vnd getrennt wie auch den andern Tag bei Zeulen [Marktzeuln[23]] etliche gescheuchet‘. (Riksarkivet Vol. E 842, Bl. 223).

Bald darauf bekam Oberst Hastver Nachricht, daß sich der Hollfelder, Weismainer und Scheßlitzer Ausschuß, insgesamt ‚600 Bauern‘ bei Weismain erneut gesammelt, und zusammen mit ‚etlichen Kroaten und Dragonern‘ zur Unterstützung Kronachs auf den Weg gemacht hätten. Die heranrückende Verstärkung wurde jedoch am 1. Juni von zwei Kompanien zu Pferd, die ihnen Hastver nach eigener Aussage entgegengeschickt hatte, und einer Kompanie des markgräflichen Obristen Muffel auseinandergetrieben und zerstreut (Jäck, Geschichte Bambergs, S. 129). Hastver schreibt über diesen Vorgang in seinem Brief an Herzog Wilhelm: ‚Inzwischen haben sich wiederumb .600. Pauren zue Weißmain gesamblet, vnnd mit etlichen Croaten vnnd Tragonern vff Cronach gehen vnnd solches entsetzen wollen; hab ich den 22. May (1. Juni) durch meine 2. Compagnien selbige wiederumb scheuchten vnnd etliche davon niederhauen lassen, das sich das Übrige mehrentheils wiederumb verlauffen‘. (Riksarkivet Vol. E 942, Bl. 223).

Trotzdem gelang es dem Obristwachtmeister Johann Rudolph Mayer, mit 300 Mann Ausschuß und einigen Pferden den Belagerungsring zu durchbrechen. Er kam am 2. Juni zwischen 2 und 3 Uhr früh in der Stadt an, nachdem er sich bei Burkersdorf[24] durch 3 Kompanien feindlicher Reiter (zwei von Hastver und eine des Obristen Muffel) durchgeschlagen hatte (Martin Tülps Tagebuch). Ein Brief des Bamberger Kommandanten Giambatista di Galiberto an Kurfürst Maximilian bringt Klarheit und bestätigt, daß es sich bei den Berichten Hastvers und des Kronacher Stadtschreibers Martin Tülp um ein und dasselbe Ereignis handelt. Galiberto hatte nach eigenen Angaben 800 Mann Ausschuß von Bamberg abgeschickt, welcher eine Meile vor Kronach (ca. 7, 5 km, also bei Burkersdorf und Tiefenklein) durch 3 Kompanien Reiter, die im Feld gehalten, überfallen und zersprengt wurden, sodaß nur zwischen 200 und 400 Mann in die Stadt kamen, der Rest sich wieder nach Weismain zurückziehen mußte. Der Coburger Herzog Johann Casimir bestätigt diese Nachricht in einem Brief an den bayerischen Kurfürsten Maximilian: ‚Succurs von Bamberg auß nach Cronach geschickht von den Schwedischen geschlagen, doch etwas dauon in Cronach khommen‘. (Tagebuch des Stadtschreibers Martin Tülp und Bericht Galibertos vom 4.6. an Maximilian von Bayern; Fehn VI, S. 180, Anm. 374, u. S. 188)“.[25]

Am linken oberen Bildrand der Kronacher Belagerungsskizze von 1632, zwischen Konelsdorff (Gundelsdorf[26]) und Bernetz:Roth (Bernsroth[27]), sieht man 4 Fußkompanien mit gelben Fahnen heranrücken. Die erste Kompanie führt eine schwarzgelbe finnische Fahne. Die Bildsunterschrift lautet: ‚H: Markgraff Hanß Georg sein Volkh kömpt ahn‘. Wer war nun jener Markgraf, welcher der Allgemeinheit nahezu unbekannt ist, jedoch bei genauerer Recherche der zeitgenössischen Quellen als typischer militärischer Abenteurer und Opportunist der Zeit in Erscheinung tritt ? Bei dieser Frage kommt selbst der sonst genealogisch sattelfeste Chronist Fehn in Erklärungsnot – er bezeichnet ihn als Markgrafen von Brandenburg-Ansbach.

Johann Georg (04.08.1598-27.01.1637) wurde als 8. Sohn des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg in 3. Ehe mit Elisabeth Anna von Anhalt geboren. Nachdem seine Brüder Christian (als Zweiter der Erbfolge) und Joachim Ernst (als Dritter) die Markgrafentümer Bayreuth und Ansbach übernommen hatten, blieb Johann Georg nur die Option einer militärischen Laufbahn. Im Jahre 1627 war Johann Georg in kaiserlicher Bestallung. In den kaiserlichen Kriegslisten von 1628 ist er noch als Oberst eines Regiments von 10 Kompanien niederdeutscher Arkebusiere gelistet. Mit Gustav Adolfs Erscheinen in Franken trat er im Jahr 1632 in schwedische Dienste. (DBBTI IV/LKKA, S. 435; Soden I, S. 264). Jedenfalls schrieb Markgraf Johann Georg zu Brandenburg am 18. (28.) Februar 1632 aus dem Hauptquartier Höchstadt[28] als ‚von Schwedischer Majestät bestellter Obrister zu Roß und Fuß, dem das Amt Burgebrach[29] assigniert ist […]‘, dem Bischof zu Bamberg (Looshorn VI, S. 224).

Johann Georg scheint während seines kurzen militärischen Wirkens eine recht bekannte und schillernde Persönlichkeit gewesen zu sein. Seinen Wohnsitz hatte er zeitweise in Kulmbach.[30]

Nach dem Bericht der Kronacher Statthalter und den Angaben und des Chronisten Fehn könnte man annehmen, daß die Truppen des Markgrafen ‚Hanns Geörg‘ zur Unterstützung der Belagerungstruppen zusammen mit den Kompanien Truchseß bereits am 25. Mai 1632 in Kronach ankahmen (Fehn VI, S. 185). Tatsächlich handelte es sich bei Johann Georgs Truppen um zwei neugeworbene ritterschaftliche Kompanien zu Fuß unter seinem Obristleutnant Johann Winckler, welche bisher in Ochsenfurt[31] lagen (Johann Winckler fiel als Oberstleutnant des grünen Leibregiments zu Fuß Herzog Bernhards von Weimar in der Schlacht von Lützen[32] am 16. November 1632). Die beiden besagten Kompanien waren erst auf Anforderung des Generalkommissärs Heußner von Wandersleben (Schreiben Heußners vom 27. Mai aus Neuhaus/Schierschnitz[33] an die Statthalter von Würzburg[34]) von Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen bewilligt worden (Soden I, S. 258).

Die Truppen Hans Georgs können deshalb am 25. Mai noch nicht in Kronach gewesen sein, sondern frühestens in der zweiten Juniwoche. Das erklärt auch, warum die Kronacher Belagerungsskizze von 1632 unter den aus Gundelsdorf anrückenden Truppen Johann Georgs eine Kompanie mit schwarzgelber Fahne zeigt, welche bekanntlich auch erst am 10. Juni, zwei Tage vor Ende der Belagerung, eintrafen. Es ist deshalb naheliegend, das Eintreffen der beiden Kompanien des Markgrafen Hans Georg ebenfalls frühestens für den 10.6. anzunehmen. Hastver selbst berichtet gar in seinem Brief an König Gustav Adolf, daß Johann Georgs Kompanien erst bei bzw. nach seinem Abzug von Kronach, also am 12. Juni, zu ihm gestoßen seien: ‚Es seindt Irer vnterwegs .150. Mann von H: Marggraff Johann Georgen, wie auch 2 Compagnien vom Truchseßischen Regimenth zue mir gestossen‘. (Riksarkivet, Skrivelser til Konungen, Vol. 13, Bl. 305).

„Die persönliche Anwesenheit des landlosen Markgrafen [Johann Georg v. Brandenburg; BW] im Feldlager vor Kronach ist mit ziemlicher Sicherheit auszuschließen, da er sich, am 29.05.1632 in Hallerndorf[35] (bei Hirschaid[36] südl. Bamberg) befand: Den 19. (29.) Mai ‚vor Tag haben die Bambergischen einen starken Außfall in Marggrafen Hanß Georgen von Bayreuth [!] sein Quartier [in Hallerndorf] getan / und viel Soldaten niedergehawet. Hierauf ist der Obriste [Paul] Khevenhüller / so nit weit darvon gelegen / […] zu Hülf komen […] da dann die Bamberger 400 […] auf den Platz geblieben‘ (Theatr. Europ. Bd. II, S. 567). Der Annalist des Bamberger Jesuitenkollegs und die Dominikanernonne Maria Anna Junius beschreiben diesen Vorfall wesentlich drastischer. Danach zog der Bamberger Kommandant Giovanni Battista di Galiberto mit seinen Kroaten, einer großen Anzahl von Bamberger Bürgern und jungen Leuten, meistenteils Studenten und Bürgerssöhnen, sowie dem Ausschuß, insgesamt an die 1100 Personen, mit einigen Geschützen in der Nacht des 28. Mai nach Hallerndorf. Der Überfall gegen Mitternacht auf das Lager Johann Georgs gelang, die Bamberger machten die Schildwache nieder, zersprengten die Mannschaft und bemächtigten sich der Bagage. Anstatt jedoch den Sieg auszunutzen, plünderte man, trotz der eindringlichen Appelle Galibertos, das feindliche Gepäck und gab so den Truppen des Markgrafen die Gelegenheit sich zu sammeln. Mit Hilfe der heranrückenden Verstärkung Khevenhüllers wurden die Bamberger, welche größtenteils ihre Musketen abgelegt hatten, nun ihrerseits überrascht und gnadenlos niedergemetzelt. Als die Nachricht von dem Massaker am Morgen des 29. Mai, dem Samstag vor Pfingsten, nach Bamberg drang, waren das Entsetzen und die Trauer groß. 250 Tote waren zu beklagen, darunter 80 Familienväter, der Rest Jugendliche, Studenten und Ausschüsser. Viele Bürger erlagen noch in der Folge ihren schweren Verletzungen. (BHVB Nr. 48, S. 27; Nr. 52, S. 78)“.[37]

„Unter dem Kommando des nun unter dem Befehl Maximilians stehenden kais. Feldmarschalls Johann von Aldringen nahm Galiberto an dessen Winterfeldzug in Oberschwaben und dem Allgäu mit den Rückeroberungen von Landsberg[38] (28.12.), Memmingen[39] (7.1.) und Kempten[40] (13.1.) teil. Galiberto, nunmehr Oberst, wurde dabei am 19. Januar 1633 verwundet, als der schwedische Feldmarschall Horn bei Memmingen sein Regiment und das seines Vorgesetzten, des Generalwachtmeisters Cronberg, überfiel und zerstreute (Chemnitz II, S. 40, 41)„.[41]

„Durch den Anmarsch der Horn’schen Armee wurde Aldringen allerdings um die ‚Früchte seines Erfolges in Oberschwaben‘ [die Eroberung Memmingens u. Kemptens; BW] gebracht. Horn griff Aldringens Truppen am 9./19. Januar zwischen Memmingen und Kempten an, vernichtete zwei kurbayerische Kavallerieregimenter, darunter das Regiment Cratz und zerstreute 200 Cronbergische Dragoner. Der Oberst Adam Philipp von Cronberg, welcher bei Zirndorf[42] mit seinem berühmten bayerischen Kürassierregiment den Schweden so großen Abbruch getan hatte, wurde durch einen Schuß in die Schulter schwer verwundet, ebenso der uns als Kommandant Bambergs bekannte Giambatista di Galiberto. (Chemnitz II, S. 41: dieser meldet Galiberto irrtümlich als gefallen). Aldringen und Generalfeldzeugmeister Ottheinrich Graf Fugger begaben sich sofort an den Ort des Geschehens, sammelten die verstreuten Truppen und führten neue Regimenter gegen den Feind. Der bayerische Generalquartiermeister und Oberst Lorenz von Münch wurde bei dem folgenden Gefecht tödlich verwundet und starb wenige Minuten später. Sein Oberstleutnant Georg Christoph von Haslang wurde verwundet. Generalfeldzeugmeister Fugger geriet kurzzeitig in Gefangenschaft, konnte sich jedoch befreien, indem er seinen Bedränger, der bereits den Arm um ihn gelegt hatte und ihm Quartier anbot, mit dem Degen durchstieß, aber, ‚weil damals ein sehr ungestümmer Wind war, ist ihm, Generalzeugmeister, der Hut sammt der peruca abgeweht, und von ihm im Stich gelassen worden‘ (Hans Jakob von Starzhausen an Kf. Maximilian am 21.1., StAM T. 252).[43]

„Während die kaiserlichen Truppen am 13. Januar 1633 Kempten – welliches Stättl es zu einem ernstlichen Sturm und Ausblinderung kommen lassen, daß außer den Soldaten in die 700 Bürger sind eingehaut worden – einnahmen, sammelten sich die schwedischen Truppen unter Horn westlich der Iller, um bei Heimertingen[44] den Fluß zu überqueren. Aldringen und Ott Heinrich ließen die Brücke bewachen und zogen die Truppen bei Memmingen zusammen, wo am 19. Januar die Schweden die bayerischen Regimenter Cratz und Cronsfeld[45] in den Quartieren überfielen, weshalb es zur Schlacht im Gebiet der fuggerischen Herrschaft Grönenbach[46] kam. Der bayerische Oberst und Kriegsrat Starzhausen berichtete an Maximilian, daß während des Überfalls Aldringen und Ott Heinrich schnellstmöglich herbeigeritten waren. Das habe die Moral der Truppe erheblich gesteigert und diese zum Durchhalten anstatt zur Flucht veranlaßt. Beide Kommandanten hätten sich mit grossem Herz und muett bei diser occasion erzaigt, und [sich] mit sehr grosser gfahr under den Feindt auch Freundt bis siedz werckh in rechten standt gesezet, zu verschidenen mahlen durchgearbeitet. Beinahe habe jedoch Ott Heinrich Fugger seinen Mut mit dem Leben bezahlt. Er sei von den Feinden verfolgt und von einem mit dem Arm bereit umbfangen, auch gefragt worden, ob er quartir haben welle. Fugger sei allerdings schneller gewesen. Er habe den Angreifer durchstossen, das er gleich vom Pferdt gefallen. Diese mutige Selbstverteidigung wurde aber von einer peinlichen Begebenheit begleitet. Starzhausen schreibt nämlich weiter: alsdann er sich auch von den andern Ritterlich salvirt, aber weil damalen ein sehr ungestümer starcker Windt wahr, Ist ime General Zeugmeister der Huet sambt der paruca abgewehrt und von Ime im stich gelassen worden. In seinem eigenen Bericht an den Vetter Hans in Schwaz[47] bot Ott Heinrich seine Sicht der Ereignisse sowie ein weiteres lebensrettendes Detail, unterschlug aber die blamable Situation mit den Worten: Sonsten wolle E. Ld. ich nit verhalten, das in nächster occasion bei Grönenbach auch mein Persohn nit in geringer Gefahr gewesen, denn es hatte mich einer des Feindts Reiter albereit am Zaum und fragte, ob ich Quartier wollte, Als ich den selben aber den Degen in Leib stiesse, setzte mir ein anderer zwar die Pistole an den Khopf, die hat ihm aber Gott Lob versagt, was weiter erfolgt davon gibe Ich D. Ld. geliebts Gott parte […].

Nicht alle hatten Ott Heinrichs Glück und überlebten die Schlacht. Viele Kriegsknechte wurden wie der Oberst und Generalquartiermeister Lorenz Münch getötet oder überlebten wie Oberstleutnant Haßlang nur schwer verletzt. Wie nach jeder Schlacht mußten neue Soldaten angeworben und vakante Offiziersstellen neu vergeben werden, für die immer auch schon Bewerber bereitstanden. Haßlang, der zwar ein guter, tapferer Soldat sei, aber wenig zur Stärkung seines Reiterregiments beigetragen habe, sollte auf Vorschlag von Ott Heinrich bei dieser Gelegenheit durch Oberstleutnant Eberhard Manteuffel ersetzt werden, der obwohl er nit unserer Religion ist, seit 14 Jahren bey diser Armee gedient, sich ieder Zeit dapfer verhalten und sein fidelitet nunmehr genuegsamb demonstriert hat. Maximilian akzeptierte den Vorschlag und ernannte Manteuffel zum Obersten. Die Fürsprache für den evangelischen Manteuffel zeigt, daß in dem propagierten Kampf um die ›richtige‹ Religion auch überzeugte Katholiken wie Ott Heinrich Fugger nach pragmatischen Gesichtspunkten argumentierten“.[48]

„Aldringen verteidigte abermals gegen Horn das Gelände zwischen Iller und Lech zum Schutze des östlich dahinterliegenden Bayerlandes. Am 23. Januar 1633 berichtet er dem Kurfürsten Max aus dem Hauptquartier Tiepersried (Dietmansried):[49] ‚auch der General-Wachtmeister Herr Graf von Cronberg den 19ten umb Mittagszeit hinaus geschickht worden, zu recognosciren und zu sehen: ob etwas vom Feindt zuvernemmen sein möge. ‚Bald hernach schickht mir … Cronberg seinen Adjutanten mit dem vermelden: der Feindt seie in vollem anzug gegen unsere Quartieren, und was zu thun seie ? Darauf Ich bevohlen: alle reyter aufsizen und nach der piazza de Arma bescheiden solle‘, … da die wenigen Truppen, so … Cronberg beij sich gehabt, nict also sicher wie wohl beschehen khunen, gestellet und dieselbe vil zu weith impegnirt worden (sich verwickelt, verbissen haben)‘. Als Aldringen nahe hinan kam, liefen ihm seine Reiter bereits entgegen. Ihm gelang jedoch noch der geordnete Rückzug auf Kempten. Vom 20. – 22. dauerte der zweitätige Angriff des Feindes auf Aldringens feste Stellung vor Kempten, wo ‚die Stückh gegen einander gespillet‘. Dann retirirt der Schwede, er kann Memmingen nicht angreifen. Aldringen will nun nach Kaufbeuren[50] ziehen um den Feind vom Bayerlande abzuwehren.

Die schlechte Haltung der Reiter konnte der Kriegsherr nicht ungeahndet lassen.

Am 11. März reskribirt der Kurfürst an Kronberg: ‚Euch ist vonhero wissend, wie übel und straffbar sich etliche Compagnien eures undhabenden Regiments bei jungst fürgangen occasion verhalten, in dem sie sich on Ursach gewendet und dem feindt plaz gemacht. … Nit zweifelnde, wie herund nit weniger auch eur ehr und reputation versire, Ir werdet selbst dabei bedacht seind, wie solche Pflichtvergessenheit gebührlich zur bestraffung gebracht sei, bleiben wir …

Adam Philipp erwiedert aus Kaufbeuren, am 22. März 1633: ‚Er hat inquirirt, aber des unaufhörlichen Marschiren wegen auf keinen rechten Grund zur Zeit nit kommen mögen‘. Er bittet: der Kurfürst wolle ‚jemanden mit Vollmacht abordnen um die sache allerseits mit Sicherheit zu untersuchen‘.

Das lehnt der Kurfürst ab: ‚dass unser gelegenheit und reputation nit gemäss, unsern Obristen und Officiere in dergleich fellen beiordnung zu thuen‘, deswegen er an den Feldmarschall Aldringen darüber geschrieben. Aldringen war ‚Feldmarschall‘ (Chef des Generalstabes), da der Kurfürst, neben Wallenstein, das Oberkommando führte.

Bereits am 12. März hatte der Kurfürst gleichzeitig an seinen Locumtenens reskribirt: ‚bei der jüngst fürgangen faction haben 5 Cronbergische Compagnien dergestalt manquirt, dass wann sie ire Schuldigkeit im geringsten gethan, den feindt noch … mehr abpruch, als ie damahl beschehen, habe mögen zugefügt werden. Diweil wir aber nit gedacht, es als wie geschehen also hingehen lassen‘ soll man es … ‚exemplarisch bestraffen – gestalten wir dem General Wachtmeister zu Pferdt Grafen von Cronberg allbereits gemessen Befelch geben‘. Aldringen soll darauf achten: ‚dass Cronberg die Bestrafung vornehmen, oder sie als Feldmarschall selbst vornehmen‘.

Der Kurfürst erinnert schon am 19. März an die ‚exemplarische Straffe‘ der 5 Compagnien. Am 27. März rescribirt er aus Braunau[51] an Aldringen:

‚Weil der Graf Cronberg, vermutlich allerhand respect und ursach willen, mit der ihme anbevollne execution nicht recht daran wagen will und erst an mich begert: dass ich von den meinigen jemandt beiordnen solle, welches ich aber pro reputatione nit thun kan … so ist meine meinung: dass ihr den process formiren sollt, zu welcher end ich meinen Rhat, dem Doctor Scheiffele ufgetragen, dass er sich fürdersamst zur Armade begeben und, was Ir im anbefehlt, neben dem General-Auditor vornehme … damit die unverantwortliche faute der Cronbergischen Reitter, inmassen die notdurft erfordert, durch euch exemplarisch bestraft werde. Wil nun der Graf von Cronberg niemandts der seinigen darzu ordnen, steets ihme … frei‘.

Den Ausgang des vom Kurfürsten mit so besonderer Energie eingesetzten Kriegsrechts erfahren war aus den Akten nicht“.[52]

Das stimmt so nicht, denn Galiberto musste sich in München rechtfertigen und verließ schließlich auf Grund der Differenzen mit Cronberg die Armee. Galiberto setzte sich nach Italien ab. Von hier aus bot er Bernhard von Sachsen-Weimar seine Dienste an.[53] Er wurde im Winter 1633 auf der Rückreise im Reich verhaftet und im Januar 1634 in der Feste Burghausen[54] inhaftiert. Während seiner Haft schrieb er ein Buch über Pferdedressur und Veterinärwesen, das erstmals 1650 in Wien unter dem Titel ‚Cavallo da maneggio‘ und 1660 unter dem Titel ‚Neugebahnter Tummel-Platz / und eröffnete Reit-Schul'[55] erschien.

1637 gelang Galiberto erneut die Flucht.

[1] Königsberg i. Bay. [LK Hassberge/UFr.]; HHSD VII, S. 365f.

[2] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[3] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[4] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[5] ENGERISSER, Von Kronach, S. 55 (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[6] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.

[7] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[8] ENGERISSER, Von Kronach, S. 55, Anm. 28.

[9] LOOSHORN, Geschichte Bd. 6, S. 287. Nachfolger Gali[m]bertos in Bamberg wurde der Domherr Kaspar von Guttenberg.

[10] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[11] Hollfeld [LK Bayreuth].

[12] Stadtsteinach [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 710f.

[13] Scheßlitz [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 663f.

[14] Weismain [Gem. Altenkunstadt, LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 797f.

[15] Niesten, heute Ortsteil von Weismain [LK Lichtenfels].

[16] Burgkunstadt [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 117.

[17] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.

[18] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.

[19] Pegnitz [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 577.

[20] Tiefenklein; heute Ortsteil von Küps [LK Kronach].

[21] Küps [LK Kronach].

[22] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.

[23] Marktzeuln [LK Lichtenfels].

[24] Burkersdorf, heute Ortsteil von Küps [LK Kronach].

[25] ENGERISSER, Von Kronach, S. 68ff.

[26] Gundelsdorf, heute Ortsteil von Kronach [LK Kronach].

[27] Bernsroth, ehemaliger Weiler, heute Gehöft nördlich von Kronach.

[28] Höchstadt a. d. Aisch [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 301.

[29] Burgebrach [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 112f.

[30] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[31] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[32] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[33] Neuhaus-Schierschnitz [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 299f.

[34] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[35] Hallerndorf [LK Forchheim].

[36] Hirschaid [LK Bamberg].

[37] ENGERISSER, Von Kronach, S. 63ff.

[38] Landsberg a. Lech; HHSD VII, S. 385f.

[39] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[40] Kempten (Allgäu); HHSD VII, S. 352ff.

[41] ENGERISSER, Von Kronach, S. 55, Anm. 28.

[42] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[43] ENGERISSER, Von Kronach, S. 137.

[44] Heimertingen [LK Unterallgäu].

[45] Richtig ist Cronberg.

[46] Grönenbach [LK Unterallgäu]; HHSD VII, S. 249.

[47] Schwaz [Tirol].

[48] HABERER, Ott Heinrich Fugger, S. 280ff.

[49] Dietmannsried [LK Oberallgäu]; HHSD VII, S. 138f.

[50] Kaufbeuren; HHSD VII, S. 348f.

[51] Braunau a. Inn; HHSÖ I, S. 24ff.

[52] OMPTEDA, Kronberg, S. 549ff.

[53] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2484, fol. 88f.; Akten Nr. 350.

[54] Burghausen [LK Altötting]; HHSD VII, S. 115.

[55] VD 17 23:270643R: „Neugebahnter Tummel-Platz / und eröffnete Reit-Schul. Sampt beygefügter Gestütt-Ordnung / und gründlicher Einzäumung / wie auch der PferdeCur / und Artzney / Hiebevor von Herrn Johann Baptista Galiberti / Neapolitanischen Grafen … Italiänisch beschrieben. Anjetzo aber durch Matthäum Drummern von Pabenbach / ins Teutsch übersetzt/ und mit denen darzu gehörigen Figuren gezieret“. Wien/Franfurt a. M. 1692.

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