Fernemont [Fernamont, Fernamond, Fernemundt], Johann Franz Barwitz [Barwith], Freiherr von; Generalfeldzeugmeister [1597-1667] Seine Vorfahren entstammten dem Piemont, zogen dann nach Lothringen, wo sie Fernemont erwarben, gingen dann in die Spanischen Niederlande und wurden noch vor dem Krieg in Österreich und Schlesien ansässig. Johann Franz gehörten auch Parlette und Touche in der ehemaligen Grafschaft Namur, dazu erwarb er Gilgenberg[1] (Niederösterreich) sowie die Herrschaften Schlava[2] und Pürschkau[3] in Schlesien. Verheiratet war er mit Clara Eugenia, Gräfin von Frezin-Gaure. Fernemont, auch als Stadtkommandant von Alzey[4] erwähnt,[5] Obristquartiermeister in Regiment Wilhelm Verdugo,[6] stieg bis zum kaiserlichen Generalfeldzeugmeister auf.[7]
Fernemont galt als Leopold Wilhelms Lieblingsgeneral „mit seinen Höflingsmanieren, derselbe, über den Schlick missgünstig schrieb: ‚wenn er den staub und pulver so wohl rüchen müsste als er blaudern kann’, würde er gewiß exzellieren.“[8]
Im März 1633 ging es in seiner Korrespondenz mit Melchior von Hatzfeldt um einen Getreidetransport nach Meissen.[9] Im Sommer 1633 scheinen seine Soldaten sich in Joachimsthal[10] und Umgebung aufgehalten zu haben.[11] Der Erzgebirgschronist Lehmann erwähnt sie dort auch noch im Mai 1634.[12]
“Ulysses von Salis-Marschlins, damals Oberst-Inhaber eines Bündner-Regiments in französischem Solde, der diesen Veltliner-Feldzug mitmachte, gibt in seinen Memoiren an, der Oberbefehl über die kaiserlichen und liguistischen Truppen sei anfänglich dem ‘Sergeant Général de bataille’ (General-Wachtmeister) Hans Wolf von Salis übertragen worden. Dieser habe sich aber geweigert, ‘gegen sein Vaterland zu fechten, es noch vorziehend, seinen Abschied zu nehmen’. Salis’ Verhalten habe ‘unverhohlenen Beifall bei den oesterreichischen Ministern’ gefunden, worauf man das Kommando dem General Fernamond übertrug. In dieser form ist die Mitteilung jedenfalls ungenau. Das Kommando wurde – wohl nur von Seite Oesterreichs – Salis nicht über-, sondern höchstens a n getragen und von einem ‘Abschied’ aus kaiserlichen Diensten konnte damals nicht die Rede sein”.[13]
Am 29.10.1635 schrieb der kaiserliche Obristleutnant Rähwein aus Böhlertal an den kaiserlichen Obristen Rudolf von Thun:[14] Sie seien am 23.10. ausgerückt, um den Gegner bei Bormio[15] anzugreifen. Da sich Generalwachtmeister Fernemont aber schwach gefühlt habe, hätten sie sich hierher zurückgezogen, wo sie schon drei Tage lägen. Es herrsche großer Mangel an allem, die Soldaten litten an Frost und Kälte. Täglich würden größere Hilfstruppen erwartet, nach deren Ankunft der Generalwachtmeister erst aufbrechen, sich durch das Veltlin durchschlagen und mit den Spaniern zu verbinden beabsichtige.[16] Aus Mals[17] schrieb Rähwein am 6.11. an Thun: Vor 14 Tagen seien sie ins Veltlin gezogen. Während ihre Truppen im Frolicher Tal lagen, vereinigten sich die gegnerischen Streitkräfte und griffen die Kaiserlichen an, so dass sie zurückweichen mussten. Hätte sich der Gegner nicht um mehrere Stunden verspätet, wäre ihm keiner entkommen. Vom Regiment wurden fünfzig Mann samt Leutnant Pelchinger gefangen genommen. Fernemont habe den Regimentern den Befehl zum Aufbruch erteilt. Wohin man ziehen solle, wisse er nicht.
Er würde Thun gern recht bald beim Regiment sehen. In Castelbell[18] hätten sich an die 5.000 Bauern gesammelt, das Regiment müsse daher in Bereitschaft sein.[19]
Im Januar 1636 schrieb der kaiserliche Kommandierende Gallas an Ferdinand III. und empfahl, dass die unter Fernemont stehenden Regimenter nach Westfalen abgezogen werden sollten.[20] Am 10.1.1636 teilte Gallas Ferdinand III. mit, Fernemont verlange, nach nach Mailand ziehen zu dürfen; es würde nicht schaden, wenn [Friedrich] Graf von Fürstenberg auch dorthin kommandiert werde.[21] Fernemonts Operationen im Veltlin 1636 waren allerdings recht erfolglos.[22]
In der Vereinbarung zwischen den kaiserlichen und spanischen Vertretern wegen der in der Grafschaft Burgund zu hinterlassenden Einheiten vom 7.12.1636 hieß es: „[De lo] que en junta de tres de diciembre 1636 se propuso en cuanto al número y forma de[l mand]o y gobernio de las tropas que hubieren de quedar en el Condado de Borgoña entre los [ministro]s cesáreos y embajadores católicos se ajustó en otra conferencia a siete del dicho mes, lo siguiente:
[1.] Que les señores Conde Galaso, Conde Rudolfo Coloredo, Marques de Torrecuso, comisario general Walmerode y disputados del Gobernio y Provincia de Borgoña se junten y concierten en cuanto al número de gente de infantería y caballeria que puede sustentat el Condado y el que ha menester para su defensa durante el invierno.
2. Que de lo que se tratare en esta junta o de la diversidad de pareceres que puede haber se avise al sereníssimo señor Infante Cardenal y se esté a lo que S. A. ordenare.
3. Y que entre tanto salga la gente que hubiere de salir, quedando la que los cabos de guerra juzgaren ser menester para defensa de la Provincia hasta que llegue la repusta de S. A.
4. En la forma de alojar, tanto en cuanto al bagaje (que se ha de reformar) como en el pan de munición y otros subsi-dios, sea tratada la gente de S. M. Ces.a como lo fuere la de S. M. Ces.a que está allí, y la infanteria conforme a los regimientos de la infantería alemana imperial que están a cargo del Conde Picolomini. Y es declaración que lo que se hubiere de dar a esta gente sea a la que hubiere efectiva y no más.
5. Que quede por commandante de la gente imperial que quedare en Borgoña los sargentos generales Mercy y Ferne-mont, el primero de la caballeria y el segundo de la infanteria.
6. Que S. M. Ces.a manda enviar luego órdenes para la [reformación] que està resuelta, reduciendo a cien infantes por los menos [cada comp]añía de infantería y las de caballeria de cincuenta a se[senta caba]llos y que ningún regimiento de caballos pueda tener monos de cinco compañías.
7. En el Condado de Borgoña han de quedar seis piezas de campaña con su trein y requisitos necesarios.
8. Que la artillería gruesa, municiones, afustes y carros se pongan en Borgoña en la plaza que más a propósito fuere al parecer de los cabos de guerra. Bien entendido que siempre podrán disponer de ella Sus Majestades Cesárea y Apostólica y que soló han de quedar con ella los oficiales menores que fueren necesarios para la custodia, cuenta y razón de lo que quedare.
9. Que todo el resto del ejército imperial, officiales, caballos y trein del [sic] artillería, la caballería y el bagaje y todo lo de-más, excepto lo arriba dicho, salge desde luego de aquella provincia y siga las órdenes de Sus Majestades Cesárea y Apostólica.
10. Que la gente que quedare en el Condado esté toda a orden de Marqués de Torrecuso, y en cuanto al gobierno de la dicha soldatesca, Su Majestad Apostólica enviará órdenes respectivamente al dicho Marqués y a los comandantes de la milicia cesárea y a los coroneles de ella, si fuere menester, para que sepan como se han de gobernar, con plena autoridad al Marqués de Torrecuso para hacerlo ejecutar.
[11.] Bien entendido que si se ofreciere facción militar, el dicho Marqués llame a los comandantes de la militia cesárea, ajuste con ellos lo que conveiniere hacer y les dé la orden para que ellos las den a sus coroneles.
12. Y también se declara que para las cosas militares que generalmente se ofrecieren en la armada el Marqués de Torrecuso ha de estar a orden de quien tuviere cargo superior al suyo, a quien tocare dársela.
13. Pero en lo que fuere entre la soldatesca y el país, ha de observar las órdenes de Su Majestad Apostólica y del señor Infante, sin que se puedan mudar.
14. Sobre todo esto dará Su Majestad Apostólica las necesarias y el señor Conde de Oñate escribará al señor Infante para que mandar dar las que tocan a S. A. y entre tanto dará las que ahora se pueden al Marqués de Torrecuso”.[23]
Am 1.2.1637 informierte Enckevort Gallas aus Besançon:[24] Er hoffe, dass Gallas seine durch Bruay und Suys übersandten Briefe erhalten habe. Er habe seinen Auftrag in Besançon bereits beenden wollen, werde nun aber den Abschluss der Truppenverlagerungen abwarten: Die Soldaten litten an ungewöhnlicher Not. Er werde mit Fernemont zusammen einen Abschluss- und Übersichtsbericht vorlegen.[25]
Im Juli 1637 wurde Fernemont mit dem Kommando in den Spanischen Niederlanden, in Burgund und Westfalen beauftragt.[26] Der Kaiser selbst schrieb am 12.7. aus Prag an Generalleutnant Gallas: Er antwortete auf die ihm von Fernemont überbrachten und die kommenden Ereignisse betreffenden Vorschläge und billigte sowohl die Truppenkonzentrierung bei Dömitz[27] als auch die Abkommandierung von Hilfstruppen an Melchior von Hatzfeldt.[28]
Im August 1638 wurde Fernemont mit der Ausführung eines Verschonungspatentes beauftragt, das Erbprinz Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg vom Kaiser am 10.8. für die neuburgischen Lande erlangt hatte, beauftragt: “Die Truppen zogen jedoch erst Mitte September ab und ließen noch 40 Mann, sowie 45 Verwundete in Lauingen[29] zurück, wie die Bürgerschaft sagte, in keiner anderen Absicht, als »um zum Winterquartier einen bequemen aditum zu haben«.”[30] Am 22.12.1638 schrieb Ferdinand III. an Gallas, er habe seinen Bericht über das Gefecht bei Perleberg[31] erhalten. Aus seiner Relation könne er ersehen, dass der Gegner sich einen Havelübergang erkämpfen und damit breitere Stellungen gewinnen wolle. Gallas werde sich ohne Zweifel an Fernemonts Bericht über die Winterquartiere halten und dem Gegner ein Überschreiten der Elbe, Havel, Spree und Oder unmöglich machen. Die Armee in Böhmen und Schlesien sei müßig und sollte an den Übergängen der genannten Flüsse eingesetzt werden.[32]
Von März bis Dezember 1639 informierte Fernemont Piccolomini über die Quartiere in Ansbach,[33] im Bistum Bamberg[34] und in Weissenburg,[35] über den Marsch durch Kleve und die Überführung der ihm anvertrauten Truppen nach Böhmen.[36] Im Schreiben Becks an Piccolomini vom 4.11.1639 aus Luxemburg ist u. a. von dem schwachen Regiment Fernemont die Rede.[37]
Am 24.1.1640 informierte Piccolomini aus dem Böhmischen den Kardinal-Infanten u. a. darüber, dass Fernemont zu Besprechungen der weiteren Pläne von ihm zu Melchior von Hatzfeldt gesandt worden sei, während der Angriff aus Nimburg[38] und Brandeis[39] vorbereit wurde. Am 30.1. war Fernemont mit allen seinen Truppen von Kolin[40] aus gegen den Gegner ausgerückt.[41] Aus der Zeit vom 2.5. bis 16.9.1640 existieren fünf Briefe an Piccolomini mit Berichten über Einquartierung, Rekrutenbesoldung und Bewegungen verschiedener kaiserlicher Truppeneinheiten.[42]
Ende September 1640 sollte er unter dem Befehl Leopold Wilhelms an der Eroberung Höxters[43] teilnehmen. In einer Chronik aus Höxter heißt es dazu: „In diesem 1640. jahr hat der ertzhertzog Leopold [Wilhelm; BW] alß er mit der kayserlichen armee von 60.000 mann den Bannier [Banér; BW] verfolgete, hat er auch die statt Huxar belagert, dieselbige auch per accordt nach dreymahligen, andere tagen[44] funffmahligen sturm erobert, eß haben darin 900 mann Braunschweigsche völcker unter dem obristen Brauns gelegen, wie nuhn diese belagerung abgangen, kan man aus folgenden besehen. Den 29./19. Septembris Nach dem ihre kayserliche mayestät bruder eine geraume zeit hero gegen den Schwedischen feldmarschallen Johan Bannier zu Fritzlar[45] undt Wildungen[46] zu felde gelegen, undt nach dem auffbruch auff Warburg[47] undt ferner auf Höxer zog, hat er den 19. Septembris durch generall von Gleen [Geleen; BW] die statt mit 5000 pferden berennen laßen, undt folgenden abents und nachts mit seinem gantzen krieges heer gefolget, alsobalt die stücke geplantzet, undt unterschidtliche läger von Bruchhausen[48] an bis ober der statt von der Klippmühlen an unter dem Bielenberg heer bis an den Brenckhaüser thurn, undt von dannen unter dem Roseberg heer bis nach Albexen[49] (seindt also das ganze läger in die sechtzigtausendt mann bestanden) schlagen lasen, darauff auch alsobalt angefangen mit 12 stücken an zweyen unterschidtlichen örthern auff den Stumrigen walle an den mauren presse zu schiesen, das Peters thoer abgebrandt, undt über 825 grose kugelen (so weit mann nachrichtung hatt) in die statt geschoßen; wie aber die belagerten unter dem commando herrn obristen Brauns undt den dreyn hauptleuten, Milert, Fischers und Wilcken sich tapfer gewehret, undt mit allerhandt mit mittelen (worzu sie auch etliche immekörbe gebrauchet, welche sie über die mauren unter den feindt gewoffen) fünff generalsturm, worunter einer 3 stunden ohne auffhören gewehret, hurtig abgeschlagen, das dem bericht nach über 70 mann todt undt viell gequetschet worden, entlich aber wie noch 5000 man beordert worden, abermahlß einen sturm zu thun, undt nach eroberung keines menschen zu verschonen, hat der gnädige Gott gegen den abendt ein groses schreckliches blitzen undt donner wetter erwecket, dabey ein ungewöhnlicher regen gefallen, das dem feindt alles pulfer naß undt untüchtig worden: Dannenhero die kayserlichen bewogen worden, den belagerten einen accordt anzubieten; sie wolten anfangklich nichtes davon hören, doch entlich, wie der entsatzs ausblieb undt ein klägliches wintzelen undt wehklagen in allen ecken der statt ware, der obriste auch von den belagerten gahr starck hierzu angehalten wurdt, gingen sie den accord ein, da dan verwilliget worden, bey sonnenschein selbigen tages noch mit sack undt pack undt mit fliegenden fahnen, krieges gebrauch nach über die Weeser außzuziehen, wie sie sich aber etwas über bestimte zeit in der statt verweilten, wardt ihnen der accord nicht gehalten, sondern alle miteinander (ausgenohmen den obristen, capitäinen, lietenanten undt fendrichen) sich unterstellen müsen, darauff ist der obriste Mercii [Caspar ? v. Mercy] mit seinem regiment gelegt worden in Huxar, folgender tages ihre ertzhertzogliche durchlaucht Leopold Wilhelm selber, Ottavio Picolomini, der herr von Stadien [Johann Kaspar v. Stadion; BW], Teütscher Meister, generall von Gleen [Geleen; BW], von Hannibal de Gonzago [Gonzaga; BW], general Breda, general Mercy, graff [Wilhelm Leopold; BW] von Tattenbach, graff von [Maximilian Felix von; BW] Wolckenstein, graf [Michael Ferdinand v. Althan ?; BW] von Altenhann, ein fürst [Eitel Friedrich; BW] von Hohenzöllern, baron de Hoye [Soye; BW], baron de Rhodan [Rodoan; BW], generalwachtmeister Fernemundt [Fernemont; BW], obriste Rackenwitz [Nikola Rajkovič; BW], obriste Zaradetzky, obrist Bonell, obrister Ägydi, obrister Install, obrister de Meers [Mers; BW], obrister Güsenberg [Giesenberg; BW], obrister Zweyer, undt viele andre obristen undt hohe officier mehr mit ihrem sämbtlichen hoffstäben in die stadt logert und seindt bis über die 8000 pferde bis in den vierten tag still darinn gelegen, welche alles getrayt ausgetroschen, bey die 1200 malter rocken,[50] ohne was verfuttert, unter die füse getretten undt über die seiten gebracht, das also kein korn, obst gemüß, oder etwas anders, womit man sich hette laben können, übrig geplieben“.[51]
Am 6.1.1641 war der Befehl Leopold Wilhelms an Geleen ergangen, angesichts eines zu erwartenden gegnerischen Einfalls in Böhmen oder in der Oberen Pfalz das Kommando über die Mainbefestigungen an Fernemont zu übergeben, selbst mit Suys oder de Haes nach Bamberg[52] zu gehen und die Regimenter an einem einzigen Ort in Bereitschaft zu halten; er kommandiere 300-400 Kroaten und Földváry zu ihm.[53] Am 5.2. schrieb Fernemont aus Würzburg[54] an Piccolomini: In Franken wehrten sich die Kaiserlichen tapfer gegen die Übermacht, Rosens Angriffe seien abgeschlagen worden und Gil de Haes halte Würzburg noch immer. Taupadel stehe noch im Ansbacher[55] Land, beabsichtige jedoch, gegen Rothenburg[56] zu ziehen.[57] Fernemont informierte Piccolomini am 13.2. aus Würzburg, seiner Meinung nach wolle der schwedische Kommandant Rosen bei Bamberg zu Taupadel stoßen; anderen Berichten zufolge beabsichtige er, direkt gegen Rothenburg zu ziehen und diese Stadt ebenso wie Windsheim[58] zu besetzen; in Verbindung mit Taupadel könnte ihm dies gelingen. Um einen solchen unangenehmen Verlust zu vermeiden, schlug Fernemont vor, je 300 Infanteristen in beide Städte abzukommandieren. Er legte eine Liste der Garnisonen in Rothenburg, Windsheim und weiteren 13 Orten am Main bei – diese waren nach seiner Meinung unzureichend besetzt. Es könnte den Weimarern leicht gelingen, gewisse kleine Orte zu besetzen und dann größere, ungenügend geschützte, wie Schweinfurt,[59] einzuschließen; in Schweinfurt habe er viele Unzulänglichkeiten wahrgenommen, die auf den großen Umfang der Befestigungsanlagen, die Kleinmütigkeit der Bevölkerung und die Schwäche der Verteidiger zurückzuführen seien. Ferner machte er auf die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Getreidebeschaffung für die Truppen aufmerksam; die Bauern würden alles Getreide nach Nürnberg[60] fahren, ohne vom Gegner beunruhigt zu werden.[61] Am 16.2. schrieb er erneut aus Würzburg an Piccolomini: Der Mainzer Kurfürst Anselm Kasimir bitte dringend um Verbleib und Vermehrung der kaiserlichen Regimenter; er biete an, eine in Nürnberg auszuzahlende finanzielle Beihilfe zu gewähren. Noch dringlicher habe in der gleichen Angelegenheit der Würzburger Bischof Franz von Hatzfeldt angesucht, da die Weimarer Bamberg halten.[62] Im November 1641 weilte er in Würzburg, um von dort Geschütze und Munition nach Erfurt[63] abzuführen.[64]
Am 2.1.1642 schrieb Fernemont aus Wohlau[65] an Piccolomini und beschrieb den Feldzug Herzog Franz Albrechts von Sachsen-Lauenburg, an dem er drei Wochen teilgenommen hatte. Der Herzog wolle noch vor dem Beziehen der Winterquartiere mit seinen Truppen versuchen, ganz Schlesien von den Schweden zu befreien. Heute habe die Stadt Wohlau kapituliert.[66] Aus Brieg[67] informierte er am 3.5.1642 Piccolomini: Franz Albrecht sei im März nach Wien berufen worden und enttäuscht zurückgekehrt, da er auf mehr Militär gehofft habe. Nun stehe er, Fernemont, der schwedischen Übermacht gegenüber. Torstensson und Stålhandske hätten schon viele Orte in der Lausitz und einige Grenzorte in Schlesien besetzt. Am heutigen Morgen sei von Obrist Münster die Nachricht eingetroffen, dass die schwedischen Abteilungen bei Groß-Glogau[68] stehen und beabsichtigen, diese Stadt anzugreifen. Ohne umfassende Hilfe werde es ihm nicht möglich sein, den Gegner am weiteren Vormarsch zu hindern.[69] Im August war Fernemont in Glogau.[70]
Nach der Niederlage bei Schweidnitz[71] und den großen Verlusten an Artillerie und Munition existierte praktisch keine kaiserliche Streitmacht mehr. Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini versuchten die verstreuten Truppen zu sammeln. In diesem militärischen Vakuum konnten die schwedischen Reitertrupps bis auf vierzig Kilometer vor Wien vorrücken. Aber Torstensson war zu vorsichtig: Statt eines schnellen Sieges hätten ihm auch die Reste der kaiserlichen Armee unter dem fähigen Piccolomini den Rückzug und den Nachschub abschneiden können. So zog er sich mit dem Hauptteil seiner Truppen nach Sachsen zurück, um den schlecht bewaffneten Kurfürsten von Sachsen vor dem Eintreffen möglicher kaiserlicher Verstärkung zu besiegen.
Der Weg nach Sachsen führte über Zittau[72] und Torgau[73] bis vor Leipzig.[74] Leipzig als wichtige Handelsstadt sollte als militärische Basis für weitere Kriegszüge in Mitteldeutschland ausgebaut werden. Am 30. Oktober 1642 schossen die Belagerer die Stadt sturmreif. Nachdem eine Bresche geschlagen war, versuchten die Schweden vergeblich in die Stadt zu dringen. Zur Verblüffung der Leipziger Verteidiger gaben die Truppen Torstenssons weitere Versuche auf. Wie sich herausstellte, war von Süden ein starkes kaiserliches Heer unter Leopold Wilhelm und Piccolomini im Anmarsch. Torstensson zog sich nordöstlich nach Breitenfeld[75] zurück. Hier befand er sich auf geschichtsträchtigem Boden, denn 1631 besiegte Gustav II. Adolf in der ersten Schlacht bei Breitenfeld das kaiserliche Heer unter Tilly.
Für die heranrückenden Kaiserlichen sollte es die Revanche für die 1631 erlittene Niederlage gegen Gustav II. Adolf werden; Leopold Wilhelm träumte von einem zweiten Nördlingen, als dort die vereinten spanischen und kaiserlichen Truppen den Schweden eine vernichtende Niederlage beibrachten. Am 2. November 1642 kam es zur Schlacht. Sie begann bei Sonnenaufgang und dauerte nur vier Stunden. Aber sie war wohl die blutigste des ganzen Krieges und endete für die kaiserlichen Truppen in einer Katastrophe. Suys befehligte die Artillerie. Der Erzherzog griff die Schweden mit einer furchtbaren Kanonade an, von der er sich Deckung erhoffte, so lange seine Truppen sich noch zum Angriff sammelten. Die kaiserliche Artillerie war der schwedischen überlegen und ein Volltreffer einer kaiserlichen Kettenkugel hätte Torstensson, dem schwedischen Oberkommandierenden, fast das Leben gekostet; das Pferd des späteren Schwedenkönigs Carl X Gustav wurde unter ihm getötet.
Als aber den kaiserlichen Söldnern schwedische Reitertrupps in die Flanke und in den Rücken fielen und sie sich dem starkem Schützenfeuer schwedischer Musketiere ausgeliefert sahen, brach ihr Widerstand zusammen. Ganze Kompanien auch der kaiserlichen Reiterei warfen ihre Waffen weg und ergaben sich den Schweden. Der Erzherzog selbst entkam nur mit knapper Not und mit Löchern im Pelz der Gefangennahme. Er verlor 5.000 Tote und rund 4.500 Gefangene, die Hälfte seines Heeres. Die Schweden erbeuteten 46 Kanonen, fünfzig Wagen mit Munition und die Kriegskasse Leopolds Wilhelms. Suys, der bis zuletzt versucht hatte, den überstürzten Rückzug der Infanterie aufzuhalten, geriet zusammen mit Fernemont in schwedische Kriegsgefangenschaft.[76]
Der Hofer[77] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 - 1648] hält fest:: „Den 11. februarii [21.2.1643; BW] ist der kayserliche generalfeldzeuchmeister Fernemondt nebst dem obristen Columbo und anderen vielen hohen und niedern officiers, welche in und nach der leipziger schlacht gefangen und nach Erfurth geführet worden, als ein gefangener und auf parole losgebener hierdurch passiret und nach Böhmen zur kayserlichen armee gereißet“.[78]
Im August 1643 war Fernemont auf Ehrenwort in Wien wegen der Forderung von 7.000 Rt.[79] Nach dem Schreiben Ferdinands III. an Gallas vom 13.10.1643 hatte er 6.000 fl. für die in Gefangenschaft geratenen Suys und Fernemont überwiesen.[80] Fernemont wurde mit Suys wurde zwei Jahre in Erfurt gefangen gehalten. Gallas hatte am 15.11. noch an Ferdinand III. geschrieben, es sei nicht bekannt, wo die Schweden ihre Gefangenen hielten; der Austausch solle über Nürnberg geschehen.[81] Erst am 28.11.1644, nach Zahlung des Lösegeldes, wurden beide, mit Bezeugung aller Hochachtung, von den Schweden wieder freigelassen.
Gallas informierte Ferdinand III. am 17.6.1644 aus Werdau,[82] einer Nachricht von Suys zufolge sei der Erzbischof von Bremen von Torstensson ernstlich bedroht. Er selbst werde an Fernemont und Ludovico Gonzaga den Befehl zum Beginn der Operationen in Schlesien erteilen, das Kommando solle Montecuccoli führen.[83]
Am 23.9.1645 schrieb Piccolominis Vertrauter Formarini aus Linz an seinen Gönner: Vor zwei Tagen sei der Erzherzog von dort aufgebrochen, um mit einem Teil der Armee zu Kurfürst Maximilian I. zu stoßen und die Franzosen zu schlagen. Inzwischen war Torstensson in Krems[84] einmarschiert und hatte unterwegs alle Dörfer in der Umgebung von Korneuburg[85] in Brand gesetzt. Königsmarck stehe nun abermals in Böhmen und ziehe von Leitmeritz[86] gegen Königgrätz.[87] Er, Formarini, habe sich nach Hilfs-truppen umgesehen, für den Fall, das der Gegner bis zu Piccolominis Besitz Nachod[88] käme, dessen Verteidigung in der Hauptsache in der Hand der Untertanen liege, und habe diesbezügliche Versprechungen von Jan van der Croon aus Pilsen[89] und von Fernemont erhalten.[90] Fernemont übersandte Gallas am 4.10.1645 aus Albern[91] eine Kopie seiner Relation an den Kaiser. Diese datierte vom 3.10., Feldlager Dietweis:[92] Er berichtete über die Vorkehrungen im österreichischen Grenzland bei Waidhofen.[93] Er habe Obrist Ranft und Konrad Balthasar von Starhemberg über die Verteidigung von Oberösterreich instruiert. Die Befestigungen der Stadt Waidhofen seien in Ordnung, die Bürger bewaffnet, weshalb er ihnen noch einen Leutnant mit 50 Mann und 40 Reitern zurücklassen wolle; ferner habe er Besatzungen in den wichtigen Ort Drosendorf[94] und auf Schloss Frain[95] gelegt. Ein Flügel des Gegners stehe bei Eggenburg,[96] der andere bei Langenlois;[97] der Gegner scheine entweder über Böhmen in die Obere Pfalz oder näher an Königsmarck heran nach Mähren ziehen zu wollen.[98] Am nächsten Tag, so weiter in seinem Schreiben an Gallas, wollte er mit den ihm zugewiesenen Regimentern tiefer ins Land Böhmen vorstoßen. Nach Aussage eines Gefangenen sei der Gegner nach Retz[99] vorgerückt, was bedeute, dass sein Marschziel Iglau[100] oder überhaupt Mähren sei.[101] Am 18.10. sandte er Gallas Berichte vom Marsch der gegnerischen Armee gegen Deutschbrod,[102] Pardubitz[103] und Königgrätz.[104] Ferdinand III. informierte den für die Verteidigung Prags zuständigen Rudolf von Colloredo: Am heutigen Tag sei von Fernemont die Nachricht eingetroffen, dass Torstensson gegen Pardubitz, Königgrätz und Glatz[105] vorrücke. Colloredo solle daher diejenigen Dragoner, die Puchheim nach Böhmen geführt habe, so schnell wie möglich zur Verstärkung der drei genannten Städte abkommandieren.[106] Aus Budweis[107] unterrichtete Fernemont Gallas am 25.11. über sein Schreiben an Leopold Wilhelm: Torstensson erhalte Verstärkungen durch Königsmarck, sein Hauptquartier stehe in Jaroměř [108] und wolle angeblich Königgrätz angreifen; Graf von Vrtba und die Kreishauptleute bemühten sich mit wenig Erfolg um Getreidespeicherungen. Die Dislokation der Regimenter in böhmischen Quartieren ermögliche eine Verteidigung und einen etwaigen Rückzug nach Oberösterreich oder zum Erzherzog nach Cham.[109]
Der Chronist Dr. Johannes Volhard aus Friedberg[110] (Landgrafschaft Hessen-Kassel) notiert für 1646: „Den 5. Juni kame ein Obrister Wachtmeister [Fernemont] mit noch 2 Hauptleuten und 170 Fußknechten, sambt darzu gehörigen Offizieren, brachten Ordre mit, sie einzunehmen und zu logiren. Als uns nun der Kommandant [Tullian; BW] hirüber zu sprechen [holen] lassen, ist der jünger Bürgermeister [Engelbert Thomas] neben dem Stadtschreiber zu ihm gangen, und ihm angedeut, daß die Stadt albereits in die 300 Pferd neben seiner Garnison in Häusern haben, könten also die Fußknecht zumal nicht einquartiren, [noch] weniger unterhalten, sondern die Burg müßt bei diesem algemeinen Unglück und Kriegs Unruh das Ihrige auch prästiren [leisten], möchte demnach er diese Völker in die Burg logiren und darinnen unterhalten lassen.
Als er nun solches Junker Rauen und dem Hauptmann Löher [Burghauptmann], so eben auch uf der Freiheit gestanden, angezeigt, haben sich selbige beschwert und nichts einzunehmen resolvirt [entschieden erklärt]. Derowegen uns Tullian solches angezeigt. Daruf wir geantwortet: wanns mit Verneinen und Abschlagen gedan were, so wolten wirs auch thun; damit würde aber den Völkern nicht geholfen. Einmal vor alles, wir könnten diese Völker zu den andern nit einnehmen. Es lautete die Ordinanz [Befehl] nit auf die Stadt, sondern Friedberg in genere [allgemein], darunter Burg und Stadt [zu verstehen]; wolten unparteiische Leut hierüber erkennen lassen.
Als er nun wieder hingangen und mit dem Junker geraten und sie etwas zu thun ohn Zweifel ermahnt, ist er endlich kommen und gesagt, sie wolten den Herrn Obristwachtmeister sambt seinen 2 Hauptleuten und noch 100 Mann einnehmen; die übrigen 70 sambt angehörigen Offizieren müsten wir logiren. Als wir nun protestirt, wie könten keine Leut mehr unsern Bürgern zulegen, weil deren schon viel 6, 7 oder 8 Personen in Häusern hätten, hat er gesagt, wir solten sie ins Rathaus, uf der Waagen und sonst in leere Häuser legen, wo hinein verschaffen und vor die Völker Bier und Brot hergeben.
Als wir nun der Logirung in ledige Häuser zufrieden gewesen, haben sie die Bolletenschreiber ins ober [alte] Rathaus, die Waage, den Bornziegel, die Schirn, wie auch zwölf sambt einem Korporal in das Mainzisch Thumbstifts [Domstift] Haus verlegt, denen wir denn bald daruf Bier hergeben.
Als wir nun verhofft, etwas Ruh zu haben, da schickt der Kommandant herauser und läßt auf die hundert in der Burg logirte Fußvölker Proviant als Bier und Brot begehrn. Als sich nun die Stadt solches zu thun beschwert mit Vermelden, sie hätte ihren Leuten haus [hier außen in der Stadt] schon gegeben, könnte den Burgischen nichts geben; wären auch Leut drinnen, man möchte es von solchen erheben oder die Burg sonsten Anstalt darzu machen; wär nit Herkommen, der Stadt auch zumal disreputirlich [schimpflich], daß sie die Leut, so in der Burg logirten, unterhalten solten; wüßten deshalben nichts zu geben.
Als nun solches dem Kommandanten und Obrist-Wachtmeister angezeigt worden, hat er noch einmal drumb anhalten lassen. Als sich nun die stadt hirüber zum höchsten beschwert mit Vermelden, man sehe ja wohl, daß ers mit der Burg hielte …, müßten es klagen, wo er ferner also gegen uns verfahren würde, könnten nichts mehr geben.
Als er nun solches vernommen, [drohte er], uns die sämbtlichen Fußvölker aus der Burg ins Rathaus schicken und alda aufwarten zu lassen, bis sie was bekämen. Als nun solches ohnlängst hernach geschehen und sich die Fußknecht ins Neue Haus gelagert und draußen vor der Thür hat man sich zwar hirüber zu höchst beschwert, nichts weniger, so man deren loß werden wöllen, auch ihnen Bier und Brot, doch halb so viel als den andern geben müssen, darmit sie wieder in die Burg gezogen.
Enzwischen hette Herr Hans Henrich Runckel zu Frankfurt[111] … [bei der kaiserlichen Militärverwaltung] die Reuter-Beschwerung angebracht und die Order erhalten, daß den Reutern täglich 2 Pfund Brot, 1 Maß Bier gegeben, hingegen aber des Kommandanten Kompagni in die Burg gezogen und darin logirt werden müste, darmit den armen Bürgern die Last nicht zu schwer und sie darunter gar erliegen möchten. Auch dieselbige [Ordre] den 6. [Juni] unter Nachmittag mit der ordinari Post hingeschickt, neben einem Schreiben an Obristwachtmeister Plössen [Plesse, BW] und Tullian wegen ihrer beider Völker …
Den vorigen Tag [5. Juni] Nachmittag umb 2 uhr ließ sich ein Partie schwedische Reuter vorm Nauheimer Wald sehen, welche, als es Plöß gewahr worden, ist er alsobald mit seinen Völkern aufgesessen, ihnen entgegen gangen und sie ohnfern vom Obermörler Steg angetroffen. Alda es zum harten Treffen kommen, also daß von den Schwedischen etlich und siebenzig gefangene Reuter mit wohl 100 Pferden selbigen Abend alhir einbracht worden. Die Pferd haben die Reuter unter sich getheilt, die Gefangenen aber sind mit einer starken Partei den folgenden Tag ins Feldlager nach Rodenbach[112] geschickt worden …
Den 10. Juni [1646] nach unserem gehaltenen Bettage ward ich, neben dem jüngeren Bürgermeister, abermahl zu Tullian geschickt, welcher eben auf der Freiheit gegen der Judengasse oben vorbei ginge, ihn der Ordre wegen Einnehmung seiner Kompagni in die Burg zu erinnern und zu bitten, daß er derselben nachkommen und die Völker delogiren [verlegen] wolle. Als wir ihm nun solches vorgetragen, ist er dessen nit willens gewesen. Als man nun darüber in harten Disputen gerathen, ist er unter anderm heraus gefahren, er werde also perturbirt [wirr gemacht], daß er bald nit wisse, was er thun solte. Als ihm nun geantwortet, er solte seiner Ordre pariren und das Uebrige den, so die Ordinanz gegeben, verantworten lassen, ist er so heftig darüber erzürnt worden, daß er heraus gefahren, er wolte, daß die Stadt gar in Brand stünde. Und als ich ihm gesagt, was er da rede, ob wir das umb ihn verdient hetten,, daß wir ihm alle Dienst gethan … Er solte seiner Order nachgehen, so irrte er nit, es geriethe, wie es wolle. Aber er wollte nicht daran, die Burg war ihm viel viel zu lieb. Als man ihn nun Nachmittag dessen abermals erinnert und es ferner zu klagen gedröhet, hat er sich endlich erbieten wollen, morgen seine Kompagni herein zu nehmen, welches auch geschehen. …
Den 13. Juni [1646] kame Ordinanz von General Commissario Saradetzky [Zahrádecký; BW], daß Obrist Wachtmeister Plöß marschieren, hingegen nur 30 Reuter (blieben aber doch 50) hier verbleiben, welche der Stadt neben den sämbtlichen Fernemontischen Fußvölkern, so alsbald nach der Tullianischen Kompagni hereingelegt worden, herausquartiert wurden, die kais. Burg Friedberg aber des Tullians Kompagni als ordinari Garnison verpflegen sollen; wie von uns auch geschehen. Nur die Burg hat der Garnison nichts, sondern Tullian ihnen den Kommiß [Verpflegung] und, wie er selbst sagt, aus seinen Mitteln, den Sold gaben“.[113]
Im September 1646 kam Fernemont krank in Schweinfurt[114] an, reiste aber am 17.9. bereits wieder ab.[115]
Am 14.10.1646 schrieb Fernemont aus dem Feldlager bei Augsburg[116] an Piccolomini: Er verspreche sich eine Besserung der militärischen Lage vom Eingreifen des Herzherzogs Leopold Wilhelm, der der bedrohten Stadt Augsburg zu Hilfe eilte und nun offensiv an den Rhein vorrücken wolle, um den Gegner von der Bedrohung Böhmens abzulenken. Bayern werde vom Gegner befreit und Donauwörth[117] noch vor Wintereinbruch zurück gewonnen werden müssen, wenn der Gegner nicht noch im laufenden Jahr Herr des Reichs werden solle. Das Militär erwarte die Ankunft des Kaisers und man halte diese für ein sehr wirksames Mittel zur Ermutigung der Armee.[118] Am 7.11. informierte Formarini Piccolomini aus Pressburg[119] über die Änderungen in der Kommandoführung. Gallas wurde zum Kommandanten der Armee ernannt, mehrere Generäle wurden abgelöst. Der Hof will nur mit dem Einverständnis des bayerischen Kurfürsten vorgehen und hat daher Traun zu ihm entsandt. Dieser brachte den Bescheid zurück, Erzherzog Leopold Wilhelm möge die Armee nicht verlassen, es bestehe auch keine Ursache dazu. Gallas selbst sei für Piccolominis Rückkehr, auch Borri, aber Terranova sei dagegen. Borri weiß nicht, ob er nicht lieber die von den Franzosen angegriffene Toscana verteidigen soll. Schlick unterstützt Goltz, der ihm sein Vermögen hinterlassen hat. Einige heben Holzappel hervor, der Kaiser will aber von dem Häretiker nichts hören und erinnert sich zu gut an den Undank Franz Albrechts. Das Artillerie-Generalat scheint Annibale Gonzaga oder Goltz zuzufallen, während Fernemont völlig übergangen wird.[120] Am 30.12. schrieb Fernemont aus Abensberg[121] an Gallas: Vor seiner Abreise am Vortag zu Mittag habe ihn der Erzherzog angewiesen, das beiliegende Schreiben unverzüglich an Gallas zu schicken und ihn sowohl über seine Abreise als auch darüber zu informieren, dass die Bayern nicht länger auf die Gesandten zu den Waffenstillstandsverhandlungen, Wachenheim und Rosenberg, warten wollten; beide hätten daher ihre Reisepässe kopieren lassen und sie ihm, Gallas, zur Unterschrift eingeschickt; Rosenberg werde ihm über den Waffenstillstand ausführlich berichten. Lobkowitz und er selbst wünschten ihm, G., eine glückliche Ankunft.[122]
Weißenburg[123] war im Februar 1647 trotz der Einwände von Gallas von Traudisch erobert worden, wie Ranfft Hatzfeldt mitteilte.[124] Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[125] schreibt in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“: „Alß die Schweden in Belägerung Lindaw[126] occupirt gewesen / hat die Stadt Weissenburg 7. Stund von Nürnberg[127] gelegen / den 3. Januarii 1647 der Keiserische General Trauditz [Traudisch; BW] auffordern lassen / darzu sich aber der Schwedische Commendant darinn / OberstLeutenant Weyer nicht verstehen wollen / darauff sie von 300. Pferden biß auff den 8. dito blocquirt gehalten / hernach durch 6000. theils Keyserischen / theils Chur-Beyerischen Commandirten Völckern belägert worden. Vnd alsobald mit Canoniren ein solcher Anfang gemacht worden / also daß man vom 9. biß 16. Januarii in allem 5700. Schüsse gethan / den 17. ist man gantz still vnnd mit Lauffgräben machen vnnd approchiren geschäfftig gewesen / den 18. hat man Presse geschossen / auff die 1065. Schüsse gerechnet / also daß dergleichen scharpff schiessen bey diesem langwirigen Krieg kaum gehöret worden / vnd war diesen Tag von 11. biß Abends gestürmet / aber der Sturm mit Verlust vieler Toden abgetrieben worden / den 20. 21. würde mit glüenden Kugeln in die 200. Schüß gethan / etliche Häuser in Brand gesteckt / vnnd die Mawer vber den See vnd Eyß gantz nidergefällt / vnd den Belagerten die Gegendefension ( weil sie mit keinem Stück versehen) gäntzlich abgeschnitten 50. Häuser ruinirt / 30. zum Brennholtz eingerissen / den 22. hat man accordirt / vnnd seynd den 23. die Schweden ab vnnd die Keyserischen vnnd Beyerische eingezogen / vnnd ist also die gute Stadt vbel zugericht wider in der Key[s]erischen Hände kommen“.[128] Angeblich soll Weißenburg im Februar 1647 von Hans Christoph Ranfft von Wiesenthal erobert worden sein.[129] Das „Theatrum Europaeum“ berichtet dagegen: In dem nun droben am Bodensee die Schwedichen die Statt Lindaw[130] starck belägert haben / haben inmittelst etliche / theils Käyserl. Theils Chur-Bäyrische Regimenter / vnter denen Generaln / Herrn Trauditzschen [Traudisch; BW] / Fernemond [Fernemont; BW] / vnd Enckefort / sich kurtz nach Eingang deß Januarii / für die Statt Weissenburg gemacht / solche belägert / gantz hefftig beschossen / vnnd ob man zwar vermeynt Herr Gen. Leutenant Königsmarck solchen Platz entsetzen würde / endlich am 23. dieses erobert. Welcher schweren Beläger- vnd Eroberung ordentlichen Verlauff / wir anhero / gleichsam in einem Diario; ebenmessig wollen beyfügen: Welcher ist dieser:
Am 3. Januarii Anno 1647. ist die besagte Statt Weissenburg (welche im Nordgaw 7. Stund von Nürnberg ligt) durch einen Trompeter im Nahmen Herrn Generals von Trauditz / auffgefordert vnd mit 300 Pferden / biß auff den 8. blocquirt worden.
Am 8. ist sie mit 6000. Käyserischen vnnd Chur-Bäyrischen commandirten Völckern belägert worden / vnd die Stück auff der Hagenaw vor dem Frawenthor gepflantzt / vnd sich verbollwercket.
Eben nach Mitternacht hat man Fewerballe vnd Granaten zu 60. 70. Pfund. hinein geworffen / in allem 104. die keinen effect erreicht / ausser ein Mañ von Emelsheim[131] erschlagen / vnd eine Müllers Tochter von Wedelsheim[132] in dem Losament Arm und Bein abgeschossen worden / daß sie bald darauff gestorben.
Am 9. biß 16. sind 728 in allem 5700. Schüß vnnd vierhundert glüende Kugeln hinein geschossen worden.
Am 17. ist man gantz still vnnd mit Lauffgräben vnd Approchiren occupirt gewesen.
Am 18. hat man vor der Steinhütten / Oberthor vnd Schießmawer Preß geschossen / auff die 1065. Schüß gerechnet / dergleichen scharpffes canoniren nicht bald bey diesen continuirlichen Kriegszeiten wird seyn erhört worden.
Die eod. von 11. ist biß Abends gestürmet / aber der Sturm mit Verlust vieler Todten abgetrieben worden. In währendem Sturm haben sich die Bürger / Weib vnd Kinder in Kirchen : vnd vornehme Häuser reterirt / mit Seuffzen vnnd Forcht ihre Seele Gott dem Allmächtigen befohlen / vnd sich zum Sterben bereit gemacht.
Am 20. sind 166. glüende Kugeln hinein geschossen / vnnd 8. Häuser / Städel / darunter ein schön Haupt-Hauß / vnd die alt Apotecken angezündt vnnd abgebrandt worden / die Leut sind in grossem Jammer / Schrecken vnd gleichsam Desperation in der Statt vmbgelauffen / vnd mancher nit gewust / wo er die Retirada hinnehmen soll / weil besorglich / die gantze Statt mit Fewer möcht versehret werden / so aber doch der Allmächtige Gott in Gnaden abgewendet / vnd der armen Statt verschonet:
Am 21. hat man 36. glüende vnd steinerne Kugeln / die hernach in viel stücker zersprungen / hinein geschossen / wie auch die Mawern über den See vnd Teich gantz niedergefällt / vnd den Belägerten die Gegendefension ( weil sie mit keinem Stück versehen) gäntzlich abgeschnitten / auch die allerseits beschossene Mawern dermassen gefällt / daß leichtlich heinein zukommen / darbey 50. Häuser gantz zerschossen 50. zum Brennholtz demolirt vnd eingerissen worden.
Am 22. haben Ihr Hochw. vnd. Gnad. Herr Landcommenthur zu Oettingen[133] / zu Verhütung der eussersten Extremität / mit gnädiger interposition zum Accord Anlaß geben / vnd sich ins Mittel gelegt / so auch geschehen vnd vollzogen worden.
Am 23. sind die Posten von den Schwedischen quittirt / vnd mit Käyserl. vnd ChurBäyrischen Völckern besetzt / vnd von dem Herrn GeneralFeldzeugmeister Fernemond vnd Herrn Gen. Feldmarschall Leutenant von Enckefort die Statt übergeben worden. Als nun der darauff Obrist Leutenant deß Gründlischen Regiments Herr Adam Weyher / mit dem Regim. gemeiner Soldaten Gebrauch nach / mit dem Gewehr in der Hand / Heerpaucken / brennenden Lunten vnd Kugeln im Mund / etc. abgezogen / sind die Käys. vnnd Chur-Bäyrische Croaten vnnd andere zu Roß vnd Fuß einquartiert worden.
Bey dieser Belägerung sind todt geblieben H. ObristLeutenant von Kreilsheim / vnd viel gemeine Soldaten / ausser der Gequetschten.
Auff der Schwedischen Seiten in der Statt sind todt geblieben 2. Fähndrich / 2. Corporal / 2. Serganten, vnnd gemeine Soldaten auf 20. ein Marquententer mit einem Stück in Rücken getroffen / daß er gleich todt blieben / ein Frantzoß mit sampt dem Schillerhäußlein / da er Schildwacht gehalten / vom canonirn in den Stattgraben gefallen / vnd daselbst jämmerlich das Leben enden müssen / seyn auch 2. Bawren vnd 1. Jung bey der Schanze geblieben“.[134]
Im April 1647 lag Fernemont in Krumau.[135] Er hoffte auf einen baldigen Friedensschluss und informierte Melchior von Hatzfeldt von Gallas’ tödlich verlaufener Krankheit.[136] Holzappel selbst hatte beim Kaiser angefragt, ob er bei einem Ausweichen ins Reich noch vor dem Winter Eger[137] oder Schweinfurt angreifen sollte.[138] Ferdinand III. hatte ihm befohlen, am Gegner zu bleiben.[139] Beim Kriegsrat in Bĕlá [140] hatte sich nur der vorwärts drängende und Piccolomini treu ergebene Montecuccoli für einen weiteren Vormarsch bis in die Gegend von Leitmeritz plädiert, während die übrigen Teilnehmer Werth, Fernemont, Hunolstein, von der Beck, Reich und Traun sich für das Abwarten bis zum Eintreffen der kaiserlichen Verstärkungen und der bayerischen Reichsarmada ausgesprochen hatten.[141]
Die niederhessische Besatzung auf Schloss Blankenstein[142] hatte versucht, sich nach dem belagerten Marburg[143] durchzuschlagen, zuvor aber das Schloss vernichtet. Wie der Gladenbacher[144] Diakon berichtete, habe der Kommandant den Blankenstein „an allen Ortten mit Bechgränzzen behanken, vor das Gefänknuß, darinnen noch allerlei gestanden, anzünden und bis uf den Mauerstock eineschern lassen. Angeblich habe den Kommandanten „diese That also bekümmert, daß ihme das Wasser zum Auge herauß geflossen“.[145] Georg II. von Hessen-Darmstadt hatte Holzappel am 14.12. über die Verhandlungen mit Hessen-Kassel und die „Cassellischen grausamen Unthaten“ unterrichtet: „So hab ich nicht umbgehen mögen, den Herrn General: undt feldmarschall hiervon nochmalß wohlmeinende parte zu geben, auch ihn darbeneben zu berichten, daß der Cassellische, auf Meinem Hauß Marpurg liegende Obriste Stauff, kurz verrückter Zeit, undt zwar in dem noch wehrenden stillstandt, Mein uraltes berg-hauß Blanckenstein, durch den daruffgelegenen officirer in brandt stäcken, dasselbe aus dem grundt abbrennen undt zu einem kohl: undt steinhauffen machen lassen, welxches nun das Sechste under den Uhralten fürstl. heußern undt Schlößern Meines fürstenthumbs undt landts ist, welches Mir die Cassellische fast innerhalb Jahresfrist, theils mit feuer angezündet, theils in die Lufft gesprenget, theils sonst vorsetzlich zerstört haben“.[146]
Marburg wurde unter dem Kommando Fernemonts am 14.12.,[147] nach Aussage der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel am 15.12., von den kaiserlichen Truppen erobert: „So erlange ich die unangenehme zeitung, daß der feind die statt Marburg vorgestern morgen mit sturmb erobert, dieselbe ausgeplündert und viel soldaten und bürger niedergemacht,[148] auch nunmehr im werk seie, das schloß zu miniren und mit gewalt anzugreiffen. Gleichwie nun dem gemeinen wesen nicht weniger als mir an conservation dieses schlosses zum höchsten gelegen, also hab ich obgedachten meinen geheimen rhat[149] oder in dessen abwesen den obristleutnant Mey[150] uffgetragen, bei dem herrn generaln und feldmarschalln den entsatz gemelten schlosses zu urgiren“.[151]
“Wie war es nun der Stadt nach der Eroberung ergangen ? Daraus, daß die Bürger mitgefochten hatten, leiteten die Kaiserlichen nach damaligem Kriegsgebrauch das Recht der Plünderung ab, die 3-4 Tage lang ausgiebig erfolgte. Nur die Sachen, die in die Superintendentur und das Pädagogum gerettet waren, blieben verschont, die in der lutherischen Kirche befindlichen wurden auch geplündert. In allen Häusern wurden Kisten und Kasten aufgeschlagen, auch die Holztäfelungen in den Wänden und die Fußböden aufgerissen, um nach verborgenen Schätzen zu suchen, woran sich auch die darmstädtischen Soldaten und Offiziere beteiligten. Ganze Wagenladungen geraubter Sachen, Waschkessel, voll Leinen wurden fortgeschafft, auch viel Vieh weggetrieben, z. T. nach Gießen,[152] und dort von der Bürgerschaft, allerdings gegen den Einspruch der Gießener Geistlichkeit, aufgekauft. Die Marburger haben das damals den Gießenern gewaltig übel genommen. Die Stadt berechnet ihren Schaden in einer Aufstellung von 1653 auf 1 Million Rthlr., das ist natürlich eine ungeheuerliche Uebertreibung, die um so grotesker wirkt, als die Stadt schon 1645 in gemeinsamer Sitzung mit den fürstlichen Beamten als Gesamtvermögen der Bürgerschaft, die Häuser, Gärten und Land einbegriffen, nur 43 000 Gulden angegeben hatte. Die Stadt Biedenkopf,[153] wo ein kaiserlicher Kurier erschossen war, und die dafür geplündert und z. T. eingeäschert wurde, es wurden 150 Häuser verbrannt, beziffert ihren Verlust nur auf ca. 30 000 Rthlr., die vier Hausdörfer um Marburg auf 6 000 Rthlr., das Amt Wetter[154] auf 24 000 Rthlr. [...] Am schlimmsten erging es den Ratsherrn, sie wurden ins Rathaus gefangen gesetzt, dem kaiserlichen Profoß übergeben und sollten als eidbrüchige Rebellen gegen den Kaiser und ihren Landesherrn hingerichtet werden. Man drohte ihnen, wenn sie die geforderte Kontribution nicht zahlten, außerdem ihre Häuser abzubrennen und zu ewiger Schande Galgen auf der Trümmerstätte zu errichten. Nun ging ein tagelanges Feilschen um die Höhe der Brandschatzungsgelder an, in dessen Verlauf sie sich wacker wehrten und mannhaft die unmäßigen Forderungen ablehnten. Einmal war ihre Hinrichtung schon schon festgesetzt, sie beichteten abends im Gefängnis und nahmen am Morgen das heilige Abendmahl. Da endlich, kurz vor der Hinrichtung, gab die Bürgerschaft nach und unterschrieb mit dem Rat einen Schuldschein auf 12 000 Rthlr. an den kaiserlichen Kriegskommissar v. Traun, halb auf der Ostermesse, halb auf der Herbstmesse 1648 in Frankfurt zahlbar. Außerdem verlangte die kaiserliche Artillerie unter Feldzeugmeister Fernamont nach damaligem Kriegsbrauch alles Metall in der Stadt für sich oder statt dessen sogenannte “Glockengelder” auch in Höhe von 10 000 Rthlr. Man einigte sich schließlich auf 2 500 Rthlr. Glockengelder, für die gleichfalls ein Schuldschein ausgestellt wurde. Nun wurde ein Teil des Rates aus der Gefangenschaft befreit, aber 4 Bürger wurden von den Artilleristen als Bürgen für die Glockengelder, zeitweise unter miserabler Behandlung, anfangs gefesselt zu Fuß mitgeschleppt, später unter die Offiziere verteilt, die ihnen gegen Versprechung der Zahlung Wagen und Pferde und bessere Behandlung bewilligten. Dreien von ihnen gelang es im März in der Gegend von Regensburg zu entwischen, der vierte, Schöffe Bierau, wurde von da an wieder ganz schlecht behandelt, bis er im August 48 nach Zahlung des Lösegeldes frei wurde. Unterwegs wurde er noch einmal von Buschkleppern bis auf die Hose ausgeplündert”.[155]
Der dem Schreiben Amalie Elisabeths beigelegte Bericht des Kommandanten der Festung Ziegenhain,[156] Jacob von Hoff,[157] sollte wohl Wrangel davon überzeugen, dass man auch nach Aussage eines den Kaiserlichen entflohenen hessischen Untertans selbst im gegnerischen Lager die Ansicht vertrat, dass ein schwedischer Entsatz des Schlosses den Abzug ihrer Truppen erzwingen musste. Außerdem hätten die Belagerer bereits über 500 Mann verloren.[158] Tatsächlich gelang es der Schlossbesatzung, sich zu verteidigen, während Hunderte der kaiserlichen Soldaten während dieser Belagerung in diesem strengen Kriegswinter starben. Montecuccoli schrieb in seinen Erinnerungen: „Viele Hunderte Soldaten kamen vor demselben um und das Heer schmolz endlich wegen der Strenge des Winters, wegen des Mangels an Proviant und der fortwährenden Beschwerden der Märsche, der Lager und dieser überhastenden Belagerung so zusammen und litt eine solche Noth, dass es, ohne etwas, was der Mühe werth gewesen wäre, gethan zu haben, die Belagerung aufheben, das Schloß Homburg[159] aufgeben und sich durch Franken an die Donau zurückziehen musste“.[160] Da mit Holzappels Ableben wegen der bei der Belagerung des Marburger Schlosses erlittenen schweren Verletzungen gerechnet werden musste, hätte nach Gronsfelds Wunsch endlich der »Habicht« Piccolomini den Oberbefehl übernehmen und den Krieg gegen Schweden erfolgreich führen können; Fernemont kommandierte unter der Aufsicht des Grafen während der Rekonvaleszenz Holzappels die kaiserlichen Truppen.
Der Bischof von Bamberg, Melchior Otto, berichtete seinem Gesandten auf dem Westfälischen Friedenskongress im Februar 1648, dass die kaiserliche Armee 6.000 unberittene Kavalleristen hatte, was er einem Schreiben Fernemonts entnommen habe.[161]
Wrangel selbst stand noch am 9.3. im Ochsenfurter Gau und erzwang beim weiteren Vorrücken von Melchior Otto die Herausgabe der neun schweren Geschütze,[162] die Fernemont bei der bambergischen Feste Forchheim[163] – nach Maximilian die „Schlüssel des Bayernlandes“; denn „mit Forchheim und Kronach[164] steht und fällt das ganze Stift“[165] – , wegen fehlender Stückpferde[166] bei seinem Abmarsch hatte zurücklassen müssen. Traun wurde aufgefordert, Artilleriepferde zu kaufen, die länger als einen Monat durchhielten.[167] Den Kommandanten der Festung hatte man zur Verwahrung zwingen müssen;[168] angeblich hatten die Kaiserlichen deswegen ein paar Dutzend Dörfer abgebrannt.[169] Als man den schwedischen Truppen die Herausgabe verweigerte, hatten diese mit der Beschießung Bambergs gedroht.[170] Nach einer Mitteilung Gronsfelds an Holzappel waren 5 schwedische Regimenter in Bamberg einmarschiert.[171] Nach Aussage Jans van der Croon hatte Melchior Otto – seit 1647 amtierte der ehemalige schwedische Kommissar David Schmidtlein als sein Kammermeister – dem Gegner die Kanonen dagegen zur Verfügung gestellt.[172] Sie wurden nach Windsheim zu Wrangel gebracht,[173] an den sich der Bischof, da Ferdinand III. 60.000 Rt. Schadenersatz gefordert hatte, zumal durch entstellende Berichte die Übergabe als Verrat am Kaiser hingestellt wurde,[174] vergeblich wegen einer Auslösung gewandt hatte.[175]
Am 15.5. – an diesem Tag wurde der bereits am 20.1. vereinbarte Frieden zwischen Spanien und den Generalstaaten ratifiziert, was Frankreich zu einer weiteren Annäherung an Schweden führen musste, zumal der von Schweden abgefangene Rekonjunkturrezess eine erneute Separation Kurbayerns von Habsburg auszuschließen schien – hatte man dank einiger geschickter Manöver die gesamten Truppen bei Zusmarshausen[176] zusammenziehen können. Der gemeinsame Kriegsrat, so Fernemont später an Ferdinand III., habe den Aufenthalt zu Zusmarshausen für notwendig gehalten, „weilln die vermuethung gewesen, daß der feindt sich auch woll widerumb beseits und gegen der Iller wenden oder aber an den Bodensee oder den Schwarzwald sein absehen, ein oder andern posto daselbst anzugreifen gerichtet sein mögte hat man nötig zu sein erachtet, daß wir unß zu gedachten Zusmarshausen einen tag aufhielten, uns nicht übereileten, sondern vorher deß feindts intention vernehmben theten“.[177] Die Donau-Linie war frei, und im kaiserlichen Hauptquartier rechnete man wohl eher damit, dass die Konföderierten die Iller entlang und dann zum Bodenseegebiet oder Schwarzwald zurückziehen würden,[178] da dort kein allzu großer Widerstand zu erwarten war. Nachdem sich der vorsichtige Gronsfeld jedoch auf einem Erkundungsritt von der seiner Meinung nach immer gefährlicher werdenden Lage überzeugt hatte, schrieb er, das kommende Unheil vorausahnend, am Tage vor der Schlacht an den Kurfürsten, indem er die ganze Verantwortung von sich abwälzte: „Bitte aber underthenigst und gleichsamb umb Gottes willen, wan nicht alles khan errathen oder getroffen werden, mir nicht allein die schuld zu imputiren, weillen dem graffen von Holzappel, welcher das oberkommando führet, sovil, wo nit mehrers obligt, auf alles achtung zu geben“.[179]
Auf dem linken Donauufer waren die schwedischen Truppen von Langenau[180] aus zu dem Stützpunkt Lauingen[181] vorgestoßen,[182] wo sie sich, wie Gronsfeld befürchtet hatte, am 16.5. mit den Truppen Turennes vereinigten. Noch am gleichen Tag gingen drei französische und sechs schwedische Regimenter über die Donau, um die Stärke des kaiserlich-bayerischen Heeres einzuschätzen und dessen weitere Bewegungen zu beobachten. Am Roten Berg neben der Verbindung Zusmarshausen-Günzburg[183] kam es zum ersten Aufeinandertreffen, das bereits die prekäre Situation deutlich werden ließ: Entgegen den Erwartungen Holzappels suchten Turenne, eigentlich im Widerspruch zu seiner eigenen Theorie der Kriegsführung,[184] und Wrangel die Auseinandersetzung endgültig zu erzwingen, da sie über die geringere zahlenmäßige Stärke des Gegners und dessen verminderte Kampfkraft, hervorgerufen durch lange Märsche und zahlreiche, zum Teil nutzlose Aktionen, informiert waren, um sich den Weg in die bayerischen Erblande endgültig freizukämpfen. Im Gegensatz zu Gronsfeld schien sich Holzappel immer noch nicht über die wahren Absichten seiner Gegner im Klaren gewesen zu sein. Das mag auch daran gelegen haben, dass Kundschafter und Spione aus der eigenen Tasche bezahlt werden mussten.[185] Erst als die Annäherung der gegnerischen Verbände nicht mehr zu übersehen war und er die damit verbundenen Gefahren erkannt zu haben glaubte, befahl er den Rückzug, um nicht von Augsburg abgeschnitten zu werden, da er nach der von ihm selbst festgelegten Marschordnung die Nachhut kommandierte.[186] Er vermutete, dass ihn die Konföderierten vor den Toren Augsburgs durch ein geschicktes Umgehungsmanöver aufhalten könnten, und stellte an die Spitze des abrückenden Heeres die schwere Artillerie unter dem Kommando Gronsfelds, den dann aber die Wucht des gegnerischen Angriffs getroffen hätte, während er dem Nachtrab den äußerst schwer beweglichen Tross anvertraute. Diese Zugordnung sollte fatale Folgen haben.
Die gegnerischen Verbände zogen jedoch nicht auf einem Umweg nach Augsburg, sondern griffen am Sonntagmorgen, den 17.5.,[187] mit aller Wucht den Nachtrab des abrückenden Heeres zunächst mit der schwedisch-finnischen Kavallerie unter Königsmarck am Pass von Herpfenried[188] an.[189] Trotz der Warnungen einer Patrouille nach den Mitteilungen eines „von Lauingen überloffenen Pauern“,[190] Schweden und Franzosen hätten am 16.5. um 3 Uhr nachmittags die Donau überschritten, traf der Angriff die Truppen unvorbereitet. Montecuccoli, der 800 Musketiere befehligte, musste zusehen, wie sich der Abstand des Nachtrabs vom Hauptheer in kurzer Zeit vergrößert hatte, denn die Straßenverhältnisse waren schlecht, der schwerfällige Tross kam nicht voran und Unterstützung durch das Hauptheer war nicht zu erwarten.[191]
Was Wrangel und Turenne nun nach vorn warfen,[192] war etwa viermal stärker als der kaiserliche Nachtrab, der zudem dankbar sein musste, dass das neben der Straße liegende Sumpfgelände zumindest einen gefährlichen Flankenangriff durch die gegnerische Kavallerie verhinderte. Die Konföderierten erlitten in dieser ersten Phase bereits so schwere Verluste, dass in Eilmärschen Verstärkung herbeigeführt werden musste. Nach zwei Stunden Kampf begann der Widerstand der Kaiserlichen nachzulassen, bis endlich Verstärkung von der Hauptarmee eintraf und die gegnerischen Verbände noch einmal zurückgeworfen werden konnten. Montecuccoli bezog in einem geschützten Hohlweg eine neue Stellung, als dem Gegner ein Umgehungsmanöver in die ungeschützten Flanken gelang. Die Verluste unter den Kaiserlichen waren hoch;[193] die Reiterei hatte sich bereits zur Flucht gewandt. Holzappel selbst versuchte, die weichende Nachhut mit dem Degen zum Stehen zu bringen, als ein Schuss ihn zwischen 11 und 12 Uhr[194] niederstreckte. Die des Öfteren zitierten „letzten Worte“ Holzappels: „Denkt nicht an mich, ich bin tot. Sucht nur über den Fluß zu kommen, wenn Ihr das Glück des Kaisers retten wollt. Vorwärts, vorwärts !“[195] sind schlichtweg erfunden. Nach der Darstellung seines Feldpredigers Floredus ist er „uff einmahl gefallen und tod blieben, also daß nicht ein eintzig Wort mehr uff den Schuß, ja fast kein eintziger athem erfolget“. Dem Bericht des Feldmediziners Christoph von Ruoff an Fernemont nach traf ihn der Schuss so, „daß (er) in seim eigenen blütt, zumahl insonderheit propter defectum spiritum, alsbald erstickht ist“.[196] Montecuccolis Angaben zufolge wurde sein Leichnam in den Verhau gebracht und erst später nach Augsburg überführt.[197] Montecuccoli war mit sechzehn Jahren als Musketier in Habsburger Dienste getreten; 1675 sollte Turenne bei Sasbach[198] im Kampf gegen ihn tödlich verletzt werden.
Mit der ihm verbliebenden Infanterie und Kavallerie deckte Montecuccoli den Rückzug zur Hauptarmee, die sich unter Grons-felds Kommando jenseits des Flüsschens Schmutter am Sandberge aufgestellt hatte, um das weitere Vordringen der schwedisch-finnischen Kavallerie unter Königsmarck zu verhindern. Die kurbayerische Infanterie warf vom Ufer aus die gegnerische Reiterei durch massives Musketenfeuer – das sogenannte bayerische “Schnellschießen” – , das auf kürzere Distanz verheerende Wirkung hatte, zurück und stellte die Kampfstärke “altgedienter” Truppen – die 15- bis 30-Jährigen stellten ca. 87% der zwischen 1635 und 1648 angeworbenen Gedienten und Ungedienten[199] – eindrucksvoll unter Beweis. Wrangel versuchte nun, durch permanentes Feuer aus dreißig herangeführten Geschützen bis zum Einbruch der Nacht den Übergang zu erzwingen, was ihm aber wegen des erbitterten Widerstands nicht gelang. Im Schutz der Dunkelheit zogen sich die kaiserlich-bayerischen Truppen bis unter die Mauern von Augsburg zurück: Dort hatte der Stadtkommandant Adrian Wilhelm von Virmond zu der Neersen – er kommandierte seit Dezember 1647 in Augsburg und wird als besonders unerfreulicher Vertreter des Soldatenstands apostrophiert[200] – durch seine Soldaten und das Bürgeraufgebot - dabei kann es sich nur um drei Kompanien katholischer Bürger, also ca. 450 Mann, gehandelt haben[201] – die Wälle hatte besetzen lassen und die nachsetzenden schwedischen Verbände durch Geschützfeuer zurückwarf.
Das Gefecht hatte auf kaiserlich-bayerischer Seite etwa 2.000 Tote und Verwundete gekostet; groß war allerdings die Desertionsquote im kaiserlichen Heer, dessen Befehlshaber in diesem „Scharmützel“[202] gefallen war, was unter diesen Umständen zu allgemeinen Auflösungserscheinungen führte, wie Gronsfeld Maximilian gegenüber zugeben musste.[203] Über das Treffen berichtete er am 18.5. – an diesem Tag informierte der Kurfürst seinen kaiserlichen Schwager; dabei hatte Maximilian wieder einen möglichen neuen Waffenstillstand angedeutet;[204] überschritten Wrangel und Turenne die Schmutter und rückten nach Augsburg vor – aus seinem Feldlager vor Augsburg: „Es ist hart hergangen und hat das angreiffen des feindts und disseitige defension der Schmutter sine intervallo in die neun geschlagene stunde gewehret, in welcher occasion der Druckmüller, I. F. Gn. von Württemberg [Ulrich v. Württemberg in Neuenbürg (1617-1671)], Fleckenstein, und der Junge Kolb, wie auch alle andern, so darzue commendirt worden, sonderlich sich tapfer und wohl verhalten und competirt, und danke ich Gott, daß die beede armaden glückhlich anhero gebracht, so wohl nicht daß ansehen gehabt, wie der graf Holzappel todt bliben“.[205] Die bayerische Infanterie habe 40.000 Musketenkugeln und die Artillerie ungefähr 450 Schuss,[206] der Gegner aber nicht mehr als 1.000 Schuss aus den Geschützen abgefeuert, wobei gerade die genannten Regimenter, „so das ganze peso auf dem hals gehabt“, große Verluste erlitten hätten. Nach Mazarins Einschätzung war der Sieg über die kaiserlich-kurbayerische Armee nicht unbedingt militärisch, sondern politisch insofern bedeutungsvoll – auch im Hinblick auf die schwedischen Satisfaktionsforderungen; zumindest hatten Wrangels Erfolge die Satisfaktionszahlungen, zu denen die Reichsstände bereit waren, von drei auf sechs Millionen hochgetrieben, während Oxenstierna seinerseits auf neun Millionen herunterging und durchblicken ließ, dass man sich auf acht Millionen einigen könnte;[207] – , als dadurch Wrangel[208] überzeugt werden konnte, dass der schwedische Verdacht eines geheimen Einverständnisses zwischen Kurbayern und Frankreich hinfällig geworden war.[209]
Maximilian I. hatte seinem Feldmarschall neue Befehle zur „Conservation“ seiner Armee und zur Deckung Münchens zukommen lassen. Dieser glaubte daher die Annahme einer weiteren Schlacht nicht verantworten zu können. Von ausgesandten Patrouillen hatte er die falsche Nachricht erhalten die Konföderierten hätten einen Übergang gefunden und setzten bereits mit der Kavallerie über. Deshalb entschloss er sich nach der Anhörung der kaiserlichen und kurbayerischen hohen Offiziere[210] im Kriegsrat und der Verlesung eines Schreibens Maximilians an seinen Generalkriegskommissar Schäffer vom 25.5.,[211] in der Nacht vom 26. zum 27. 5. den Lech kampflos aufzugeben und sich mit 14.500 Mann „in guter Ordnung“ an die Donau zurückzuziehen.[212] Fernemont hatte noch am 21.5. aus Friedberg[213] dem Kaiser versichert: „Was hernach die militaria angehen, seyn in selbigen seithero noch solche gute dispositionen beschehn, daß der freind hoffentlich in diesen orten uns schwerlich weiters etwas abnehmen wird können“.[214] Drei Stunden lang lagen sich die Heere unterhalb Freisings[215] in verschanzten Stellungen gegenüber. Allerdings hatten die Kaiserlichen zwei Geschütze am Lech “vergessen”; die Rate der Desertierenden stieg sprunghaft. Da der Wasserstand zu niedrig war, die Konföderierten sich zudem in einer besseren strategischen Position zum Übergang befanden, wurde der Rückzug nach Braunau[216] und Schärding[217] angetreten, obwohl Schäffer angedeutet hatte, man könne zur Verteidigung des Lechs 4.-5.000 (kaiserliche ?) Soldaten opfern, ohne den Verlust der eigenen Armee oder eine Schlacht zu riskieren. Der gegen den Willen der Generäle – der karrieresüchtige Fernemont, seit 30 Jahren Piccolomini treu ergeben, ein erklärter Gegner Maximilians, der sich bereits am 19.5. vergeblich um Holzappels Stelle beworben hatte[218] und nun bis zur Ankunft des noch in Prag weilenden Reuschenberg interimistisch die kaiserliche Armee kommandierte,[219] und Wachenheim waren für den Rückzug,[220] während bei einer zweiten Abstimmung nur Hunolstein dagegen stimmte; Schäffer, Willeson und Druckmüller hatten bereits die Seite gewechselt – eingeleitete Rückzug nach Ingolstadt[221] glich keinesfalls einer fluchtartigen Absetzbewegung. Das wurde jedoch später von Maximilian unterstellt, was Fernemont aus Sorge um seine Reputation bzw. Karriere gegenüber Piccolomini im Laufe der späteren Untersuchungen vehement in Abrede stellte: „Daß sich aber in der that befinden solle, alß wann des feindts gewaldt nichts veranlaßt hette, und es ein unzeittiger schrecken und flehen geweßen sei, kan ich in der wahrheit nicht sagen, daß bei so vielen ehrlichen generalspersonen, cavalliren und soldaten, die I. Ksl. Maj. und I. Kfl. Durchl. in Bayern so lange jahr bei so vielfeltigen schwehren occasionen ehrlich gedient haben, einzigen schrecken und unzeitige forcht, davor unnß Gott behütte, sondern vielmehr eine trewen ehrliche und wohlmeinende betrachtung unnser beiderseits und des gemeinen wesens wohlfahrdt gespühret; alßo ist viel mehrerß von allen mit großem hertzens wehemut protestiret und bedauert worden, wie schwehr es einem jedwedem vorkommen, wegen der reputation und des nachklangß zue einer retirada zue votiren, wiewohl nunmehr eine große gefahr vor augen stünde“.[222]
Auch dürften die Plünderungsaktionen und sinnlosen Zerstörungen in den bayerischen Klöstern,[223] Dörfern und Städten – angeblich waren nach einer Schadensaufstellung nach Kriegsende ca. 900 Städte, Marktorte, Dörfer und Flecken zerstört oder verwüstet[224] – die Erbitterung des Kurfürsten über seinen Feldmarschall noch gesteigert haben. Zunächst wurde die Schuldfrage den kaiserlichen Generälen zugeschoben. Am 28.5. verlangte Maximilian von Ferdinand III. die Verhaftung Fernemonts, der sich darauf berufen konnte, dem Befehl Gronsfelds unterstellt gewesen zu sein: „Wiewohl ich nun auf der Röm. Ksl. Maj. allergnedigisten gemeßen befelch schon bei zeitten des herrn veldtmarschalckens graffen von Holzappel bei Marburg empfangener wunden, wann er damalß mit todt abgangen wehre, mit meinem respect an den herren veldtmarschalckhen graffen von Gronsfeld in allem angewiesen und mir solches hernacher wiederumb von I. Kfl. Durchl. in Bayern selbsten, wie auch von dem herren reichsvicekanzler graff Kurz, durch unterschiedliche befelch erinnert worden, also bei lezter conjunctur gedachtes herrn graffens von Gronsfeld direction vollkommentlich unterworffen gewesen, und mir nicht bewußt, waß er von I. Kfl. Durchl. in Bayern für eigentliche befelch hette, deßwegen ich auch keine andere verantworttung auf mich zue nemben hette, alß waß meinen schuldigen gehorsamb und fleiß betreffen thut, an welchen hoffentlich auch durch seine eigene zeugniß der geringste mangel nicht erschienen sein wird.[225]
Fernemont wollte donauabwärts bis Plattling[226] und von dort aus jenseits der Isar nach Landshut[227] vorstoßen. Als Gronsfeld mit seiner Armee allein abmarschierte und Schäffer entsprechend Fernemont bearbeitete, gab dieser schließlich seine Absicht auf und rückte mit dem Grafen über Ilmendorf[228] am 29.5. mit der kaiserlichen Armee in Landshut ein.[229] Auch Wachenheim sollte verhaftet werden,[230] da er zusammen mit Fernemont den Feldmarschall zur Aufgabe des Lechs gezwungen habe.[231] Zwar wurde die Verhaftung angeordnet[232] – die Untersuchung der Vorfälle hatte Ferdinand III. Piccolomini übertragen[233] – , sie blieb aber ohne weitere Folgen für die beiden Generäle, die sich aus der Affäre heraus wanden, während der Kurfürst nach einem Schuldigen suchte und auch fand. Gronsfeld wurde für diesen Rückzug später inhaftiert und vor das Kriegsgericht gestellt, im Frühjahr 1649 jedoch nach eingehender Untersuchung wieder freigelassen.
Nach Maximilians Anweisung an seinen Beauftragten Haslang sollte Druckmüller das Kommando über die Kavallerie und Holtz das der Infanterie übernehmen; beide hatten jedoch als neuen Kommandierenden Hunolstein vorgeschlagen.[234] Haslang hatte mit Maximilians Billigung Hunolstein akzeptiert.[235] Am 31.5. hatte Reuschenberg auf Wunsch Maximilians[236] den Befehl über das kaiserliche Heer[237] und den Oberbefehl über die Verbündeten übernommen, während die kaiserlich-bayerische Armee von Kronwinkel (früher Altenpreising)[238] nach Weipersdorf[239] marschierte. Während der vergrätzte Fernemont sofort seinen Dienst eingestellt hatte. Einen Tag später hatte Ferdinand III. Fernemont und Wachenheim in Arrest nehmen lassen,[240] wahrscheinlich aber nur, um den auf einen baldigen Friedensschluss ohne Spanien oder allgemeinen Waffenstillstand hartnäckig insistierenden Schwager zu besänftigen. Allerdings wurde kein Kriegsgerichtsverfahren gegen beide Generäle eröffnet.
An diesem Tag hatte sich Fernemont aus dem Feldlager bei Freising[241] bereits bei Piccolomini angebiedert: Seit 30 Jahren diene er ihm als sein wahrer Gesinnungsgenosse und so wolle er mit ihm zusammentreffen, noch bevor er zur Armee komme, um ihn über die schmachvolle und gefährliche Lage der kaiserlichen Armee, in der sie sich infolge ihrer Unterwerfung unter Bayern befinde – noch kommandierte sie der bayerische Feldmarschall Gronsfeld – , zu informieren. Dieser Zustand werde sich nicht ändern, solange Maximilian I. auf die bisherige Weise gegen sie vorgehen und die eigene Armee auf ihre Kosten präferieren wird.[242] Ähnlich äußerte er sich am 5.9. aus Linz:[243] Der Widerstand Maximilians I. gegen die Abkommandierung von Hilfstruppen nach Böhmen beweise seine bösen Absichten, sein Warten auf den Niedergang des Kaiserhauses. Seit zwei Monaten spreche man am Ort von einer Niederlage der spanischen Armee in Flandern und von Turennes unmittelbar bevorstehendem Angriff auf die kaiserliche Armee. Zwar sei Pfalzgraf Karl Gustav nach Böhmen gekommen, aber man müsse sich fragen, ob ein Friedensschluss, den der Kaiserhof so sehr ersehnt und mit solchem Eifer betreibt – was nun doch übertrieben war – , in dieser traurigen Lage wohl möglich sein wird.[244] Äußerungen, die zeigen, wie gut Fernemont negative Piccolominis Meinung über Maximilian I. kannte. Am 22.9. schrieb er ihm: Während bei Hof Friedensstimmung herrsche, konnte Wittenberg Krumau[245] einnehmen und bei Hohenfurth[246] die Bagage der Regimenter Puchheims erbeuten.[247]
[1] Gilgenberg, Katastralgemeinde von Waldkirchen a. d. Thaya.
[2] Sława [Slawa, LK Wschowa, h. Polen]
[3] Przybyszów [Pürschkau, heute Ortsteil von Sława, h. Polen]
[4] Alzey; HHSD V, S. 11f.
[5] EGLER, Die Spanier, S. 130.
[6] SODEN, Kriegs- und Sittengeschichte Nürnbergs, 2. Teil, S. 378.
[7] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.
[8] HÖBELT, Ferdinand III., S. 271.
[9] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220; Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[10] [Sankt] Joachimsthal; HHSBöhm, S. 540ff.
[11] LEHMANN, Kriegschronik, S. 62.
[12] LEHMANN, Kriegschronik, S. 73.
[13] SALIS-SOGLIO, Hans Wolf von Salis-Soglio, S. 82f.
[14] Vgl. MOSCA, La croce, le armi, il cavallo.
[15] Bormio [alte deutsche Bezeichnung "Worms", Prov. Sondrio, Lombardei].
[16] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf,Nr. 131.
[17] Malles Venosta [dt. Mals, Prov. Bozen, Trentino].
[18] Castelbell; HHSÖ II, S. 630 [unter Tschars].
[19] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 137.
[20] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 170.
[21] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 172.
[22] ERNST, Madrid und Wien, S. 166ff.; WENDLAND, Nutzen der Pässe.
[23] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 364.
[24] Besançon [Frankreich; Dép. Doubs].
[25] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 396.
[26] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 486, S. 190: Ferdinand III. an Gallas, Wien, 1637 VII 27.
[27] Dömitz [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 21ff.
[28] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 653.
[29] Lauingen; HHSD VII, S. 396f.
[30] RÜCKERT, Lauingen II, S. 17.
[31] Perleberg [Kr. Westprignitz/Perleberg]; HHSD X, S. 308ff.
[32] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 729.
[33] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.
[34] Bamberg; HHSD VII, 66ff.
[35] Weißenburg; HHSD VII, 799ff.
[36] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 769.
[37] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 936.
[38] Nimburg [Nymburk]; HHSBöhm, S. 413ff.
[39] Brandeis a. d. Elbe [Brandýs nad Labem, Bez. Prag-Ost]; HHSBöhm, S. 62f.
[40] Kolin [Kolín]; HHSBöhm, S. 280ff.
[41] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 972; vgl. Nr. 978.
[42] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1030.
[43] Höxter; HHSD III, S. 346ff.
[44] sagen ?
[45] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.
[46] [Bad] Wildungen; HHSD IV, S. 35ff.
[47] Warburg; HHSD III, S. 752ff.
[48] Bruchhausen; HHSD III, S. 122.
[49] Albaxen, heute Stadtteil von Höxter [LK Höxter].
[50] Das würde einer Gesamtmenge von 170.400 bis 340.800 l entsprechen.
[51] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 101f.
[52] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.
[53] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1120.
[54] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[55] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.
[56] Rothenburg o. d. Tauber; HHSD VII, S. 637ff.
[57] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1140.
[58] (Bad) Windsheim; HHSD VII, S. 63f.
[59] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[60] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[61] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1147.
[62] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1151.
[63] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.
[64] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220.
[65] Wohlau [Wolów; Schlesien, h. Polen]; HHSSchl, S. 569ff.
[66] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1267.
[67] Brieg [Brzeg]; HHSSchl, S. 54ff.
[68] Glogau [Glogów; Schlesien]; HHSSchl, S. 127ff.
[69] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1298.
[70] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220.
[71] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.
[72] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.
[73] Torgau; HHSD XI, S. 467ff.
[74] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[75] Breitenfeld; HHSD VIII, S. 38f.
[76] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1366.
[77] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[78] KLUGE, Hofer, Chronik, S. 217.
[79] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220.
[80] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 92.
[81] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf,, Nr. 449.
[82] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.
[83] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 293.
[84] Krems; HHSÖ I, S. 363ff.
[85] Korneuburg; HHSÖ I, S. 359ff.
[86] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[87] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.
[88] Nachod [Náchod]; HHSBöhm, S. 386f.
[89] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[90] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 675.
[91] Albern [Albeř, heute Ortsteil von Nová Bystřice (Bez. Jindřichův Hradec].
[92] Dietweis, heute Katastralgemeinde von Heidenreichstein [BH Gmünd, Niederösterreich].
[93] Waidhofen a. d. Thaya; HHSÖ I, S. 596ff.
[94] Drosendorf; HHSÖ I, S. 230ff.
[95] Frain [Vranov, seit 1986 Vranov nad Dyjí; Bez. Znaim]; HHSBöhm, S. 142f.
[96] Eggenburg [BH Horn]; HHSÖ I, S. 239ff.
[97] Langenlois [BH Krems]; HHSÖ I, S. 376ff.
[98] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 686.
[99] Retz [BH Hollabrunn]; HHSÖ I, S. 498ff.
[100] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.
[101] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 686.
[102] Deutschbrod [Německý Brod, seit 1950 Havlíčkův Brod]; HHSBöhm, S. 107ff.
[103] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.
[104] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 691; Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.
[105] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.
[106] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 693.
[107] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.
[108] Jaroměř [Bez. Nachod]; HHSBöhm, S. 228ff.
[109] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 711; Cham; HHSD VII, S. 124ff.
[110] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.
[111] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.
[112] Rodenbach, heute Ortsteil von Altenstadt [Wetteraukreis].
[113] WAAS, Chroniken, S. 207ff.
[114] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[115] HAHN, Chronik 3. Theil, S. 619.
[116] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[117] Donauwörth; HHSD VII, S. 147ff.
[118] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 902.
[119] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].
[120] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 918.
[121] Abensberg [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 2.
[122] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 939.
[123] Weißenburg i. Bayern [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 799ff.
[124] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23.
[125] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.
[126] Lindau; HHSD VII, S. 414ff.
[127] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[128] WASSENBERG, Florus, S. 713f.
[129] Vgl. Staatsarchiv Würzburg, Schönborn-Archiv 23; ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 37; WREDE, Wehrmacht III/2, S. 121.
[130] Lindau (Bodensee); HHSD VII, S. 414ff.
[131] Emelsheim: Ermetzheim, heute Ortsteil von Weißenburg [LK Weißenburg-Gunzenhausen].
[132] Wedelsheim: Weimersheim, heute Ortsteil von Weißenburg [LK Weißenburg-Gunzenhausen].
[133] Ernst II. Graf zu Oettingen-Wallerstein (1594-1670) ?
[134] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 1241f.
[135] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.
[136] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220.
[137] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[138] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 351-357 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Leskau, 1647 IX 19.
[139] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 462-463 (Entwurf): Ferdinand III. an Holzappel, Prag, 1647 IX 23.
[140] Horní Bĕlá u. Dolní Bĕlá [Plzeňsky kraj].
[141] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 169, fol. 397-398 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Bela, 1647 IX 21.
[142] Blankenstein bei Gladenbach [LK Marburg-Biedenkopf]; http://www.stadt-gladenbach.de/gladen/schloss/schloss.htm.
[143] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.
[144] Gladenbach [LK Marburg-Biedenkopf]; HHSD IV, S. 174ff.
[145] BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach und Schloß Blankenstein, S. 75; HHSD 4, S. 174f.
[146] BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach und Schloß Blankenstein, S. 75f. Nach SIEGEL, Geschichte der Stadt Wolfhagen, S. 171, hatte Holzappel dagegen geplant, Kassel zu erobern, er habe dies jedoch angesichts der notwendigen langwierigen Belagerung wieder aufgegeben.
[147] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 172, fol. 323-324 (Ausfertigung): Gratulationsschreiben Georgs v. Hessen-Darmstadt, Dillenburg, 1647 XII 14, an den noch in Altena weilenden Holzappel; bzw. den Bericht Enckevorts an Holzappel, Reimlingen, 1647 XII 20; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 172, fol. 69-74 (Ausfertigung).
[148] BÜCKING, Geschichtliche Bilder, S. 168ff.
[149] Dr. iur. utr. Andreas Christian Pagenstecher, hessen-kassel. Generalauditor, Kriegsrat u. Geheimer Rat (1612-1677); MITTEILUNGEN, S. 275-282.
[150] Adolf von Mey, Herr zu Brüntrup in der Grafschaft Lippe, 1623 Obrist unter Christian v. Braunschweig, dann hessen-kasselischer Obrist, hessen-kassel. Resident bei der schwedischen Hauptarmee, 1646/47 Bevollmächtigter bei Ulmer Stillstandsverhandlungen, 1649-1650 Gesandter auf dem Nürnberger Exekutionstag.
[151] Riksarkivet Stockholm E 8373 (Ausfertigung): Amalie Elisabeth an Wrangel, Kassel, 1647 XII 07 (a. St.); eingegangen Minden, 1647 XII 18 (a. St.); vgl. Statní oblastní archiv v Zámrsku Rodinny archiv Piccolominové 25.591 (ital. Orig.): Gronsfeld an Piccolomini, Hauptquartier Kitzingen, 1648 I 16.
[152] Gießen; HHSD IV, S. 172ff.
[153] Biedenkopf; HHSD IV, S. 50f.
[154] Wetter [Kr. Marburg]; HHSD IV, S. 455ff.
[155] KÜRSCHNER, Marburg, S. 8.
[156] Ziegenhain; HHSD IV, S. 483ff.
[157] GIEBEL, Jacob von Hoff.
[158] Riksarkivet Stockholm E 8373 (Ausfertigung): Bericht des Kommandanten von Ziegenhain, Hoff, an Amalie Elisabeth, 1647 XII 04 (a. St.), beigelegt ihrem Schreiben an Wrangel, Kassel 1647 XII 07 (a. St.). SAMBRAUS, Feldzug, 25, geht v. 400 Mann Verlust aus.
[159] Homberg a. d. Efze; HHSD IV, S. 236f.
[160] VELTZÉ, Ausgewählte Schriften Bd. 3, S. 63; im italienischen Original bei DUDÍK, Schweden, 394. Nach SOLMS-LAUBACH; MATTHAEI, Wetterfelder Chronik, S. 307, habe die schwedische Armee am 26.1. (a. St.) „bey Wetter, Rauschenberg und Gemünden sich wieder movirt und die marche auff Homburg an der Ohm eingerichtet“.
[161] Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/59 (Ausfertigung, teilweise chiffriert mit Dechiffrierung): Melchior Otto an Göbel, Bamberg, 1648 II 17. Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/52: Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 II 17.
[162] Vgl. die Bitte Holzappels an Melchior Otto, Hammelburg, 1648 II 04; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 45 (Ausfertigung).
[163] Die Feste Forchheim war während des ganzen Krieges nicht erobert worden und Zufluchtsort des Bischofs Melchior Otto Voit von Salzburg wie auch seiner Vorgänger gewesen; KIST, Fürst- und Erzbistum Bamberg, S. 103f. Die Einlagerung kaiserlicher Truppen hatte er zu verhindern gesucht: „Welches wir gleichwohl ungern und doch entlich cum protestatione, daß wir uns deretwegen mit keiner verantworttung wolten beladen, zur verhutung allerhandt mißgedanckhen eingangen, müßen stehen lassen“. Staatsarchiv Bamberg B 33/II/ 3/59 (Ausfertigung, teilweise chiffriert mit Dechiffrierung): Melchior Otto an Göbel, Bamberg, 1648 II 07.
[164] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[165] Zit. bei KUPFER, Forchheim, S. 64.
[166] Dass es an Bespannung (u. Munition) für die Artillerie fehlte, hatte Holzappel Maximilian I., Hauptquartier Arnstein, 1648 II 10, mitgeteilt; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 174-181 (Ausfertigung).
[167] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 60; HOYOS, Ernst von Traun, S. 81. Auf 1 Pfd. des Geschützkalibers wurde 1 Pferd gerechnet.
[168] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 259 (Ausfertigung): Kommandant von Forchheim an Fernemont, Forchheim, 1648 II 14.
[169] Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/52 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 II 17; Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/59 (Ausfertigung, teilweise chiffriert mit Dechiffrierung): Melchior Otto an Göbel, Bamberg, 1648 II 17; vgl. DIETZ, Hochstift, S. 40. Bis 1647 waren im Hochstift 8 Städte, 6 Marktflecken, 65 Dörfer, 7 Schlösser, 32 Kirchen, zahlreiche Höfe, Häuser, Spitäler, Mühlen etc. vernichtet worden. Vgl. die Darstellung Bambergs in der 50. Sitzung des Fürstenrats, Osnabrück, 1648 IV 26/V 06: „Es sey bekant, was das stifft Bamberg bey dem fast uf die 30 iahr sich erstreckenden krieg ausgestanden und das fast continuirlich der Schwäbische und Fränckische creiß überschwemmet gewesen. Viel städte, dörffer und kirchen weren zugrunde abgebrant. Das stifft habe continuirlich die starcke guarnisonen halten müßen, ohne einige abkurzung bey denen reichscontributionen. Sieder anno 1618 sey aus den Kernischen landen [Kärntner Besitzungen], soweit dieselbe dem stifft zustendig, eine ganze million paares goldes dem hause Österreich hergeben wordenn. Sage es allein zu dem Ende, weil in vorhergehenden votis das unvermögen remonstrirt worden“. REPGEN, Geschichtsschreibung, S. 77f.
[170] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 107 (Ausfertigung): Holzappel an Melchior Otto, Hauptquartier Kipfenberg, 1644 III 08.
[171] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 216-218 (Ausfertigung): Gronsfeld an Holzappel, Hauptquartier Beilngries, 1648 III 15; vgl. dagegen Wrangels Darstellung gegenüber J. Oxenstierna, Feuchtwangen, 1648 III 11/21; APW II C/4, 2, Nr. 178, 324.
[172] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1100, 353: La Corona an W. E. Lobkowitz, Wunsiedel, 1648 III 14.
[173] Vgl. den Bericht des Kommandanten von Rottenburg/Neckar an Wolf Ferdinand v. Fitsch, Kommandant von Glatz, Rottenburg, 1648 III 09; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 112-114.
[174] Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/69 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 III 23; B 33/II/3/72 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 III 23; B 33/II/3/74 (Ausfertigung): Melchior Otto an Ges. in Osnabrück, Forchheim, 1648 III 29; B 33/II/3/75 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1648 III 31; B 33/II/3/76 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Würzburg, 1648 IV 03: Man habe einen Bericht den ksl. Hof gesandt, an den auch Holzappel, „aber umbstendig und außführlich, den gantzen verlauf überschrieben habe, doch nicht wissen wir, waß daruf folgen werde, ärger alß wir biß dato ohne das tractirt worden, kan man unß fast hinführo auch nicht woll tractiren, man hatte uns in verpleibung der stuck extradition noch ein paar dutzet dörfer abgebranndt“. Melchior Otto verwies darauf, dass 3.000 Kavalleristen den Forchheimer Kdt dazu gezwungen hatten; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 176, fol. 331-332 (Ausfertigung): Melchior Otto an H., Bamberg, 1648 III 24.
[175] BECK, Schweinfurt, Sp. 85.
[176] Zusmarshausen [LK Augsburg]; HHSD VII, S. 849f.
[177] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/12 (Ausfertigung): Fernemont an Ferdinand III., Augsburg, 1648 V 19.
[178] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/12 (Ausfertigung): Fernemont an Ferdinand III., Augsburg, 1648 V 19. Selbst nach HÖFER, Ende, S. 181, eine Fehleinschätzung Holzappels, obwohl dieser zumindest durch J. L. v. Nassau-Hadamar gut informiert gewesen sein muss; vgl. dessen Schreiben an Holzappel, Münster, 1648 IV 03, Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 177, fol. 15-16 (Ausfertigung); Münster, 1648 IV 21, Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 177, fol. 156-157 (Ausfertigung); 1648 IV 24, Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 177, fol. 185-186 (Ausfertigung).
[179] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2961, fol. 523 l (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I., Zusmarshausen, 1648 V 16.
[180] Langenau; HHSD VI, S. 446ff. Nach ZILLHARDT, Zeytregister, S. 35, lag das Hauptquartier v. Turenne, Wrangel u. Douglas dort.
[181] Lauingen; HHSD VII, S. 396f.
[182] Das wird auch v. Fernemont bestätigt; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 148/5/12 (Ausfertigung): Fernemont an Ferdinand III., Augsburg, 1648 V 19. In Lauingen waren nach RÜCKERT, Lauingen I, S. 51, 166 Häuser verödet, 74 abgebrochen.
[183] Günzburg (Schw.); HHSD VII, S. 259.
[184] Nach seiner Auffassung war es bei Feldzügen wichtig, „nur wenige Belagerungen zu führen, doch viele Gefechte (nicht Schlachten) zu liefern“. Zit. bei JÄHNS, Geschichte, S. 1157.
[185] 1637 hatte Werth einmal versucht, seine Ausgaben für Boten u. Spione von Maximilian I. ersetzt zu bekommen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2450, fol. 347 (Ausfertigung). Maximilian I. schrieb ihm, er habe doch selbst den Vorteil davon gehabt, und lehnte eine Erstattung ab. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2450, fol. 350 (Entwurf): Maximilian I. an Werth, München, 1637 V 27.
[186] STECKZÉN, Arriärgardesstriden, S. 148, gibt die Zugordnung wieder: Die Nachhut sollte v. Montecuccoli u. den kaiserlichen0 Kroaten gebildet werden, während die gesamte bayr. Kavallerie u. Artillerie über Dinkelscherben, Häder, Agawang, Nessried (?), Rommelsried u. Biburg ins Lager vor Augsburg marschieren sollte. Er geht dabei von insgesamt 22.000 Mann vor dem Treffen aus, wobei er sich auf die bei SAMBRAUS, Feldzug, S. 93ff., gemachten Angaben stützt.
[187] Zur Schlacht vgl. HÖFER, Ende, bzw. HÖFER, Schlacht, der alle Details nach den Wiener Akten wiedergibt, bzw. den Bericht eines Unbekannten an B. v. Schwanendal, 1648 V 22 (Riksarkivet Stockholm Diplomatica Germania A I 1: Westfaliska freden och des exekution 12, fol. 945-946 (A): Beilage zum Schreiben J. Oxenstiernas u. Salvius’ an Christina, Osnabrück, 1648 V 22/VI 01; APW II C 4/2, 484; bzw. fol. 964-966′: Wrangel an J. Oxenstierna, Feldlager bei Hennhofen, 1648 V 08/18.
[188] Herpfenried, heute Ortsteil von Horgau [LK Augsburg].
[189] SCHMIDT, Kalvinist, S. 160f.; SAMBRAUS, Feldzug, S. 93ff.; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 6, S. 315f.
[190] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/12 (Ausfertigung): Fernemont an Ferdinand III., Augsburg, 1648 V 19.
[191] Vgl. Fernemonts Bericht; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/12 a (Ausfertigung).
[192] Nach CORVISIER, Histoire Militaire, S. 366, dienten in der französischen Infanterie 1644 31 % Ausländer, 1651 44 %, so dass man wohl auch für 1648 ca. 40 % annehmen darf. Nach den Zahlenangaben von 1653 stellten die Iren vor den Deutschen und Schweizern den höchsten Anteil.
[193] Statní oblastní archiv v Zámrsku Rodinny archiv Piccolominiové 25.889 (Ausfertigung, dt.): Obrist des Regiments Gonzaga an F III, s. l., s. d.: Der Feind habe ihre gesamte Bagage erbeutet, das Regiment sei zersprengt u. vernichtet worden.
[194] Nach dem Text des in Esten am 2.8.1648 abgehaltenen Totengedenkens; MELANDERGRUFT, S. 7.
[195] z. B. bei PUFENDORF, S. 806; KELLER, Drangsale, S. 458.
[196] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/ad 12 (Ausfertigung): Ruoff an Fernemont, s. l., s. d. [wahrscheinlich Augsburg, 1648 V 18].
[197] Wie Montecuccoli Ferdinand III. berichtete; DUDÍK, Schweden, S. 394f. Bei VELTZÉ, Ausgewählte Schriften Bd. 3, S. 64f., ist der Verlauf des Treffens aus Montecuccolis Sicht detailliert beschrieben. Er berichtete in seiner Korrespondenz mit dem Prinzen v. Medici aus dem ksl. Feldlager bei Friedberg am 20.5.1648 über die Ereignisse: „Der Feind überschritt am 16. die Donau und suchte uns mit seiner gesammten Cavallerie und seinen Dragonern an den Leib zu rücken; am 17. Morgens, um 7 Uhr, kam er uns in Sicht und es war meine Aufgabe, als Commandant der Nachhut, welche aus 2500 Reitern, 800 Musketieren, sowie 4 Geschützen bestand, ihm die Stirne zu bieten. Der Kampf war sehr hartnäckig und schwierig, da wir uns Schritt für Schritt zurückziehen mussten und dauerte sechs Stunden; endlich hatten wir die zwei Meilen entfernte Hauptarmee, die eine vorteilhafte Stellung bezogen hatte, erreicht und der Feind begann nun mit Hilfe seiner eingetroffenen Infanterie den Haupt-Angriff. Es wurde bis zum Abend gekämpft und der Feind verlor 5-6000 Mann“. Nach HOGL, Andechs, S. 94 (unter Benutzung des Tagebuchs des Abts v. Andechs), dauerte die Schlacht neun Stunden.
[198] Sasbach [Ortenaukr.]; HHSD VI, S. 693f.
[199] Wie DAMBOER, Krise, S. 256f., 279, an Hand einiger bayerischer Regimenter zwischen 1634 u. 1647 aufzeigt, waren 1624 nur 15 % der Soldaten gedient, 1639 hatte sich ihr Anteil auf 30 % verdoppelt, 1643 waren es bereits 50 %, während ihr Anteil 1647 auf 66 % stieg. Nach RIED, Neumarkt, S. 106, fanden sich im Neumarkter Lazarett (1647) Soldaten im Alter v. 57 u. 60 Jahren, was jedoch nach KAPSER, Kriegsorganisation, S. 266ff., bei den zwischen 1638 u. 1648 geworbenen gedienten u. ungedienten Söldnern extrem selten ist. Bei den ungedienten Söldnern lag der Anteil derer, die praktisch nur den Krieg als Existenzform kannten, bei über 75 %. Nach HOLTZ, Unsicherheit, S. 135, Anm. 4, betrug die Lebenserwartung verheirateter Männer ab dem 20. Lebensjahr zwischen 1620 u. 1654 39, 4 Jahre; das Alter wird dabei mit 50 Jahren angesetzt.
[200] ROECK, Augsburg Bd. 2, S. 973.
[201] KRAUS, Militärwesen, S. 122; vgl. ZILLHARDT, Teytregister, S. 222: „Nachdem die Schweden und Frantzoßen den sig erhalten und gewonen, alsdan sindt die Keyserischen und Bayrischen in einen grossen schreckh komen, voran weil der keysserische general und sein beste manschafft gefallen. Da sindt sie in die flucht komen und haben sich nach Augsburg geretteriert, welche sie inehaten. Die Schwedischen aber haben inen nachgesetzt büß an die stat, das man mit stuckhe unter die Schweden geschossen“.
[202] So Schlick an W. E. v. Lobkowitz, Karlsbad, 1648 V 20; Statní oblastní archiv Litoměřice (Zitenice), Rodinny archiv Lobkovicové-LR, C 116 (Ausfertigung).
[203] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2961, fol. 564 l (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I., Scheuring, 1648 V 21.
[204] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/10 (Ausfertigung): Maximilian I. an Ferdinand III., München, 1648 V 18.
[205] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2961, fol. 542 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I., 1648 V 18.
[206] In der Nachhut waren dreipfündige Feldkanonen vorhanden; ihre Reichweite betrug zwischen 500 u. 1000 Metern; das Gewicht einer Kanone lag bei 600 kg. Theoretisch konnte man 3 Schuss pro Minute abfeuern, doch erhitzte dabei das Rohr sehr leicht.
[207] MEIERN, APW Bd. 5, S. 848ff.; LORENTZEN, Die schwedische Armee, S. 131.
[208] Zu Wrangels Einschätzung vgl. dessen Bericht an A. Lille, 1648 V 18; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 6, S. 316f.
[209] CHÉRUEL; AVENEL, Lettres III, S. 142: Mazarin an Turenne, Paris, 1648 VI 22: «M. Wrangel pourra maintenant cognoistre s’il a en tort quoy il nous a soupconnés d’entretenir des intelligences secrettes avec le duc de Baviere, et que vous aviez ordre de la cour de l’espargner». In einer Relation aus Osnabrück vom 18./28.5. heißt es: „Die von den Keyserlichen erlittene Niederlage, und Gefahr, darinn Chur-Bayern bey solcher Bewandniß begriffen, ist bereits vor etlichen Tagen allhier erschollen; Und wie es Ihrer Churfürstlichen Durchlauchtigkeit den Appetit zu denen zweyen Schwäbischen und Fränckischen Craysen, zu Contentirung dero Militiae, vermuthlich benehmen würde. Ob die von der Schwedischen und Frantzösischen Militia erhaltene Victorie das Friedens-Geschäfft hindern oder befördern werde, wird sich in Kürtze ergeben“. Nach Aussage der kaiserlichen Gesandten seien Schweden uund Frankreich jedoch fest entschlossen, in einer Allianz den Krieg fortzusetzen; MEIERN, APW V, 840.
[210] Vgl. den ausführlichen Bericht des Generalkriegskommissars Schäffer »Copia protocolli von herren general commissari Schäffer selbsten, auß dem mund der generaln aufgezeichnet und mir hernacher communicirt worden«, München, 1648 VII 13; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75 (Ausfertigung): „Also erstlichen hat Schäffer den churfrl. bevelch vom 25. may nochmahlen offentlich abgelesen und vermeldt, wan solchem gemeß der Lech ohne verluest der armada oder einiger haubtaction khönne defendirt werde, solle mans billich thuen, und solten auch 4. oder 5.000 man dariber verlohren werden (NB), wie aber die generalspersohnen vermainen, daß dies unmiglich, sollen die herrn generales ein anders consilio vorschlagen, oder NB. lassen, was vor ein besseres remedium sein möge“.
[211] Da dieses Schreiben in der Untersuchung gegen Gronsfeld von ausschlaggebender Bedeutung war, wird es hier in vollem Umfang wiedergegeben: „Wir haben Ew. bericht schreiben von gestrigem dato empfangen und darauß vernomben, wie sich deromahlen der kriegs status am Lech anzeigt, und daß der feindt seit Ew. vorigen berichts nichts vorgenomben, waß darbei theils generals personen vor discurß geführt, und daß sie vermeint, man werde den Lech in die lenge ohne gefahr eines großen besorgenden schadenß nicht defendiren können, wobei unnß zugleich von unseren damahln noch zu München hinterbliebenen geheimben und kriegsräthen bericht eingelangt, waß sie durch den obristen leutenandt Willeson dem veldtmarschalcken in unserem nahmen wegen manutenirung besagten Lechs bedeuten lassen. Nun wißen wir zwahr selbst, waß an conservation der ksl. und unßerer reichsarmada dem gantzen haus weßen gelegen und daß nicht rathsamb, wie dann auch unser intention nicht, solte sich ieziger zeidt zue einer haupt occasion obligiren zu laßen. Wir wollen aber nicht zweifeln, man werde den Lechstromb ohne der generalen von euch angeregte besorgender großer gefahr und extremitet defendiren können. Derowegen wir es bei angeregter unserer räthe, denen wir unsere intention zur genüge hinterlassen, durch ihme, obristen leutenandt Willeson, dem veldtmarschalcken intimirte resolution bleiben laßen, und ist zu ermeßen, wann der feindt schon nicht mehr intentionirt wehre, sein heill an dem Lech zu versuchen, daß er doch durch ein vorzeitige retirada selbst herbei gezogen würde, über den Lech zu setzen und dadurch sedem belli völlig in unser landt zu transferiren, zu geschweigen der auß einer dergleichen vorzeitigen retirada und gar ohne not verlaßung des Lechß der ksl. und unserer armada zuewachsender disreputation. So würde es auch, wann er einstmahls über den Lech, welcher strom ein schlüßell zue anderen strömen des landes ist, alleß dann darbei nicht verbleiben, sondern auch eß an der Isar versuchen. Derowegen ihr ihme, veldtmarschalckhen, und anderen generalspersonen neben vorweisung dieses, weilln wir sie mit schreiben dismahls nit distrahiren wollen, anzudeuten, daß wir unns versehen, sie werden den Lech ohne sonderbahre noth und augenscheinliche gefahr beeder armeen nicht verlaßen, und da solche vorzeitige verlaßung des Lechs unterdeßen von der generalitet wieder verhoffen schon geschehen, und, soweit es res integra, daß sie den posto am Lech, ehe dann der feindt herüber gesezt, wieder fassen können, solches unverlangt wieder zurücksetzen. Ihr sullet auch von dem ein und andermahl erzaigenden statu desto öfter und zumal ausführlicher alß bishero geschehen berichten, wie dann in diesem anderm iezigen und vorigen bericht nit vorkumbt, nicht herkumbt, waß, wie viel und wer von den unsrigen, von dem feindt in nechster occassion am Lech geblieben. Daß bißhero unterschiedliche unsere partei jenseits Lech geschlagen wurden, ist nicht zue verwundern, weiln sie am Lechfeld vor dem feindt und seinen wachten sich nicht bedecken können, sondern gleich bloß geben müßen, hingegen die schickung dergleichen parteien viel sicherer und beßer von Augsburg auß beschehen kan, wiewohln wir nicht zweifeln wollen, der veldtmarschalck und generalspersonen verdienst für selbst in obacht nehmen, habt ihr ihnen doch ein und anderst (.weiln wir dem veldtmarschalken seiner ietzigen occupation halber selbst nicht schreiben wollen:) craft diß in unserem nahmen anzudeuten“. Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75 C 1 (Abschrift): Maximilian I. an Schäffer u. Kriegskommissar Christoph Albrecht v. Sazenhofen, Abensberg, 1648 V 25; Beilage zum Schreiben Fernemonts an Piccolomini, Vilshofen, 1648 VI 20; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75 c (Ausfertigung).
[212] Ausführlich dargestellt bei HÖFER, Ende, S. 200ff.
[213] Friedberg; HHSD VII, S. 213f.
[214] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/19 (Ausfertigung).
[215] Nach HÖFER, Ende, S. 204, Ingolstadt (!).
[216] Braunau a. Inn; HHSÖ I, S. 24ff.
[217] Schärding; HHSÖ I, S. 105ff.
[218] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/13 (Ausfertigung): Fernemont an Ferdinand III., Augsburg, 1648 V 19.
[219] Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1175.
[220] Wie auch aus Schäffers Protokoll hervorgeht; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75.
[221] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.
[222] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75 c (Ausfertigung): Fernemont an Piccolomini, Vilshofen, 1648 VI 20.
[223] HOLZFURTNER, Katastrophe, S. 553ff.
[224] STUTZER, Geschichte, S. 112; DOLLINGER, Schwarzbuch, S. 324.
[225] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75 c (Ausfertigung): Fernemont an Piccolomini, Vilshofen, 1648 VI 20. Fernemont hatte bis zur Ankunft Reuschenbergs (nach Mitteilung Vorburgs war dieser am 27.5. zur Armee gegangen; Staatsarchiv Würzburg Korrespondenzarchiv Johann Philipp von Schönborn 319 (Ausfertigung, chiffriert mit Dechiffrierung): Vorburg an J. Ph. von Schönborn, 1648 VI 03) interimistisch die Armee zu führen u. ebenfalls den Befehl erhalten, „den Lech in keinerley Weg zu verlassen“. Zit. bei SAMBRAUS, Feldzug, S. 101; ferner Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2966, fol. 570 (Ausfertigung). Als Reuschenberg am 31.5. bei Weipersdorf [heute Ortsteil von Langenpreising (LK Erding)] zur kaiserlich-bayerischen Armee stieß, wollte Fernemont an den kaiserlichen Hof gehen, wurde aber in Passau von Piccolomini zurückgehalten.
[226] Plattling [LK Deggendorf]; HHSD VII, S. 588f.
[227] Landshut; HHSD VII, 386ff.
[228] Ilmendorf, heute Ortsteil von Geisenfeld [LK Pfaffenhofen a. d. Ilm].
[229] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2966, fol. 311, 312 (Ausfertigung).
[230] So der gut unterrichtete würzburgische Gesandte Vorburg an Johann Philipp v. Schönborn, 1648 VI 03; Staatsarchiv Würzburg Schönborn-Archiv Korrespondenzarchiv Johann Philipp von Schönborn 319 (Ausfertigung, chiffriert mit Dechiffrierung). Vgl. Otto Ludwig v. Wachenheims »Antwort auf die von der Röm. Ksl. Maj. bestelten generalleutenandt duca di Amalfi F. Gn., den übergang deß Lechs betrefend, mir zuegeschickte articul«, 1648 VI 21; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/7/75 e-l (Ausfertigung).
[231] „Fernemont und Wachenheim haben, ob aus Zaghaftigkeit oder wegen anderer geheimen Dissegni ist nicht zu bestimmen, den Lech gegen seinen Befehl und die Majora im Kriegsrath verlassen, den Gronsfeld mitzugehen gezwungen und sich nicht einmal getraut, auf München sich zu reteriren, sondern sind bis Vilshofen gegangen“. Zit. bei DUDÍK, Schweden, S. 284.
[232] Am 1.6.1648 erging aus Prag Fs III. Befehl an Piccolomini: „Nach näherer Information seien die Feldzeugmeister Fernemont, bisheriger Interims-Commandant der kaiserlichen Armee, und Generalmajor Wachenheim in Arrest zu nehmen und weitere kaiserliche Befehle abzuwarten“. Zit. bei DUDÍK, Schweden, 284.
[233] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/6/ad 1 a (Ausfertigung): Ferdinand III. an Reichsvizekanzler Kurz, Prag, 1648 VI 01.
[234] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2964, fol. 31-34 (Entwurf): Maximilian I. an Haslang, Braunau, 1648 VI 01.
[235] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 1122.
[236] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/10 (Ausfertigung): Maximilian I. an Ferdinand III., München, 1648 V 18, beigelegt der Meldung Albrechts v. Sazenhofen, Augsburg, „um 4 Uhr den 17. May Anno 1648“ (Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/10a).
[237] Dem in der »Instruction für den von Ruischenberg so zur haubtarmada voran verschickht wird, wessen er sich zu verhalten« (Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/ 23 (Kopie): Ferdinand III. an Reuschenberg, Prag, 1648 V 23) die „Conservation der armada“ anbefohlen wurde, wie zuvor bereits Montecuccoli; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1645/5/22 (Ausfertigung): Ferdinand III. an Montecuccoli, Prag, 1648 V 20.
[238] Kronwinkl [LK Landshut]; HHSD VII, S. 377.
[239] Weipersdorf, heute Ortsteil von Langenpreising [LK Erding].
[240] So behaupten es jedenfalls SCHREIBER, Maximilian, S. 940, und SAMBRAUS, Feldzug, S. 115, Anm. 2. Allein aus der Tatsache, dass Fernemont freiwillig aus dem Dienst schied und nach Prag ging, Wachenheim bis zum Ende des Krieges seinen Rang behielt, lässt sich dies wohl nicht allein schließen. Aus den Akten heraus wird dies jedoch nicht eindeutig erkennbar.
[241] Freising; HHSD VII, S. 209ff.
[242] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1109.
[243] Linz; HHSÖ I, S. 66f.
[244] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1175.
[245] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.
[246] Hohenfurth [Vyšýí Brod; Bez. Krumau]; HHSBöhm, S. 195f.
[247] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1186.