Comargo [Camario, Cammerario; “Carnay”] Theodor Freiherr de

Comargo [Camario, Cammerario; “Carnay”] Theodor Freiherr de; Obrist [ – nach 16.11.1632]

Er stammte aus Flandern; in einem Portrait wird er als „Signor de Wornborg Theodoro de Carnay“ bezeichnet.[1]

Comargo stand zunächst als Hauptmann in ligistischen Diensten, der am Böhmischen Feldzug im Stab Wilhelm von Verdugos teilnahm. Franz von Dietrichstein schrieb aus Brünn[2] an den Conde de Salazar, dass es am 10.7.1621 in der Nähe von Neuhäusel[3] zu einer Begegnung mit dem Gegner gekommen sei, wobei Bucquoy, von wenigen begleitet, auf zahlreiche gegnerische Reiter gestoßen sei, angegriffen und durch zwei Lanzenstiche schwer verwundet worden sei. Dadurch sei er zu Boden gestürzt und habe viele Wunden erlitten, bis er in den Armen des Hauptmanns Comargo aus dem Stab Verdugos seine Seele Gott übergeben habe.[4]

Er stand als Hauptmann 1622/23 im Regiment Ott Heinrich Fugger.[5]

1622/23 soll er bereits als Obristleutnant (?) unter dem Kommando Fuggers in der Soester[6] Börde gestanden haben. Im November 1622 wurde das Regiment, das bei Bergen-op-Zoom[7] gekämpft hatte, in Soest stationiert. „Am 21. November [1622] zog der spanische Kapitän Mewen mit seiner Kompanie aus Soest fort. An ihrer Stelle rückte noch am selben Tag das ganze Fuggersche Regiment bei 10 Fenlein und 1.800 Mann stark ohne Weiber und Jungen neben 2 Kompagnien Reitern, die alle in Soest einlogiert werden mußten. Was nun solches den Einwohnern für Beschwer geben, indem sowoll die Reiter und die Soldaten auf eine Ordinantz [Absprache über die Zahlung der Verpflegungsgelder] sich nicht verstanden, sondern immerfort vollkommen und zum Überfluß underhalten werden müssen, ist aus den Klag- und Berichtsschreiben so im Protokollum Missivarum de Anno 622 und 623 genugsam zu ersehen. Diese Abschriften ausgehender Briefe sind für die Jahre von 1615 bis 1632 nicht erhalten. Aber bei einer Garnison von mindestens 2.000 Soldaten, zahlreichen Pferden und etlichem Familienanhang kann man sich die Drangsale der Soester Bevölkerung gut vorstellen. Angesichts der jämmerlichen Klagen des Soester Rates, die aus späteren Jahren noch reich erhalten sind und die den baldigen Untergang der Stadt vorhersagen, wundert man sich, wie sie dann doch überlebt hat. Die Klagen spiegeln, wie es scheint, nicht die Realität wieder.

Da das Fuggersche Regiment in Bergen op Zoom gegen die Niederländer gekämpft hatte, kündigte der Lippstädter[8] Kommandant [Niehofen; BW] den Vertrag, den er im August mit den Soestern geschlossen und der ihm 3.100 Rt. eingebracht hatte und erlaubte sich damit erneute Plünderungen in der Börde.

Das gesamte Fuggersche Regiment blieb bis zum 5. August 1623. Mit drei Kompanien Reitern zog es aus und hinterließ als Besatzung zwei Kompanien zu Fuß. In den 37 Wochen, die es in Soest in voller Stärke verbrachte, hat es die Soester und die Bördeeinwohner ca. 26.000 Rt. allein an Unterhalt für die Soldaten gekostet, wie der Rat in seinem Protokoll vom 14. Juni 1624 notiren ließ“.[9] Im Haushalt 1623 sind 45.504 Mark (10.500 Rt.) an Fugger, Theodor de Comargo und andere Offiziere ausgewiesen.[10]

1626 ermordete Comargo seine leichtlebige Gattin wegen deren Untreue, wurde aber letztlich nach eingehender Untersuchung freigesprochen.[11]

Als Tilly[12] von Stade[13] aus zur Kur nach Wiesbaden[14] aufbrach, um die bei der Belagerung Pinnebergs am 11.9.1627 erlittene Verletzung[15] auszukurieren, wurden die Obristen Hans Heinrich IX. Freiherr v. Reinach, ein angeheirateter Onkel Pappenheims,[16] und Comargo als Kommandanten von Stade zurückgelassen, bis Pappenheim es am 15.5.1632 endgültig räumen musste.[17] Sein Regiment wurde dabei gerettet. Der Kriegsteilnehmer Augustin von Fritsch[18] vom Regiment Reinach berichtet folgende Episode, die neben den Spannungen zwischen beiden Kommandierenden auch die Unbeliebtheit Comargos bei den Soldaten mehr als deutlich zeigt: …. „solang in der Schanz ligen bliben, biß der Bischoff von Bremmen[19] vnser Feindt worden, da wür vnß dann neben den Comargischen Regiment in die Statt Stade begeben, vnd solang darinn ligen bliben, biß vnß der General Todt [Åke Tott; BW], neben den Bischofflichen Bremischen Volckh Plockhirt gehalten, vnnd ober sich wohl 18000. Mann starckh geschäzt, hat er vnnß doch nicht belägern dörffen, dann wür ein ganze meil hinder sein haubtquartier, welches er zu Hornburg[20] gehabt, außgefallen vnd grossen schaden gethan, auch alß sie mit 400 Pferdten, vnuersehens, daß nur Lermen worden, am andern Pfingstfeuertag vor die Statt khommen, vnser am Eussersten Schlagbaumb stehente Schiltwacht Todt geschossen, aber weiln wür alsobalden mit stückhen vnd Mußqueten vf sye Feyer geben, haben sye sich zurückh hinder den Galgenberg begeben, worauf der Obrist Comargo mit 50 pferden sich hinauß begeben, da mir dann mein Obrist befolchen, Ich solte demselben fleißig aufwartten, vnnd weiln sich etliche Reutter von deß Feindts Troppen zum Scharmizirn Präsentirt, aber der Obrist Niemants von der Troppen gelassen, alß ist ein Corporal zu Pferdt vnuersehener weiß hinauß, vnnd mit Iren einem scharmizirt, woryber noch zwey khommen, alß ich vnd meines Obristen Stallmeister solches gesehen, sein wür ohne willen deß Obristen Comargo, Im zuentsezen von der Troppen, vnd neben den Corpral scharmizirt, vnnd ieder vf sein Mann vnd ich vf einem in ganz rothen Khleidt loßgangen, sobalden ich mein eine Pistoln gelöst, hat er einen Corbiner vnderm Rockh herfür gethan, vnd sobalden er seinen schuß vf mich verbracht, ist er etwas zurückh, vnd ich Im mit meiner noch geladenen Pistoln nachgangen, der Stallmeister aber hat in dem er sein Pferdt gewendt, gesehen, daß mein Pferdt geschossen, mir Eilents zuegeritten vnd gerueffen, Leutenant, vor hundert Teifel zurückh, dein Pferdt ist geschossen, woryber Ich vorn hinunder gesehen, da dann beyde PferdtSchenckhel oder füeß ganz voller bluet gewesen, darauf wür alle zu der Troppen geritten, da ich dann gesehen, daß mein Pferdt recht fornen in die Brust geschossen, vnnd mür mit der andern Kugl ein Stückhl von einen Mesingen Pigl hinweckh geschossen gewesen, Worauf der Obriste Comargo gerueffen, wolt Gott daß Ir getroffen weret, binn also mit Stillschweigen vf die Statt vnnd in mein Losament geritten, ein anders Pferdt lassen Satteln, vnnd mich darauf gesezt, vnnd wieder hinauß begeben, an ders zu hollen, wie ich nechst deß Obrist Comargo Troppen khommen, hat man mir den guten Corprallen, welchen wür zuuor entsezt, schon Muetternackhent vf seinen andern Pferdt, Todter entgegen gebracht, darauf ich gar zur Troppen khommen, da mir dann der Obrist wider gesagt, habt Ir den Corprallen sehen hinfüren, so würdts euch ergehen, vnder dessen sein ie lenger Je mehr Reutter khommen, bey einer Vierthl stundt lang, ist der Leutenant Aichelberger mit ein Pferdt 60. oder 70. khommen vnd nur vor vnß vorbey, wie Ingleichen ist der Leutenant Jän mit ein 40. Pferdt khommen vnd zu gedachten Leutenant Eichelberger geritten, Wie solches der Feindt gesehen, vnnd wohl gewust, daß wür ansehentliche 4. Compn. Reutter, da iede yber 120 Pferdt starckh sein, haben sye sich zurückh yber ein Teich Damb gezogen, vf der Höch vf beyden seitten ieder 2. Troppen gesezt, da dann der Leutenant Eichelberger gerueffen, waß Reutter sein, sollen zu Inen khommen, sonst seins alle schelmmen, dan dann alles daruon vnnd zu den beyden Leutenanten geritten, daryber sich der Obrist schröcklich erzirnt, vnnd geschworen daß er gedachten Leutenant Eichelberger wolte henckhen lassen, darauf ich gesagt, ich will sye woll einhollen, vnnd Inen deß herrn Obristen Mainung sagen, darauf er gesagt, ich solle hinreutten, vnnd den beeden Leutenanten sagen, Obs mit so wenig Mannschafft vf den Feindt wollen gehen, vnnd daß Volckh muetwillig verlieren, sollten sich ins Teufels nammen zurückh scheren, oder sollen alle beyde gehenckht werden, da ich zu Inen khommen, vnnd Inen solches angedeutt, hat der Eichelberger gesagt, der von Reimach sey Commandant, vnnd nicht der Comargo, darauf dann mehrgedachter Aichelberger mich angeredt, Brueder wilst mir mein Troppen helffen führen, darauf ich geantwortt, Warumb nicht, den Jän hat er angeredt, ob er die abndern Troppen führen will, vnd hart vf Ihn, damit vnß die zwey Feindts Troppen nicht khönnen in rückhen khommen, darauf der Leutenant Jän geantwortt, schaut nur zue, daß Ir die zwey Troppen zur rechten handt bräf Puzt, ich will die andern zwey Troppen dergestalt scharschirn, daß sye Euers rückhen wohl vergessen sollen, darauf wür die Reutter, deren aber yber 170 oder 180 (so wahr alß ich Ehrlich binn) nicht starckh gewesen, genommen, vnnd in Gottsnammen mit einen grossen geschrey, weiln die Reutter maistens voll gewesen, mit grosser Furi vf den Feindt loßgangen, demselben dergestalten scharschirt vnnd yber Kopf vnnd halß geschlagen, daß wür yber hundert gesattelte Pferdt, auch yber 70. gefangene, darunter zwey Rittmaister, 2 Leutenant, vnnd ein Corneth gewesen sein, alßdann mit gueter Beutt, vnnd grossen Frolockhen, in die Statt gekehrt, da dann der Oberist Comargo dem Leutenant Aichlberger, bey meinen Obristen verclagt, vnnd haben wollen daß er henckhen solle, welches aber der von Reinach nicht gethan, sondern vnß alle gelobt, daß wir vnß so Präf gehalten, die Rittmaister aber, deren 4. gewesen, den andern Tag wackher außgemacht, daß so gar kheiner darbey gewesen oder hinauß khommen“.[21]

Comargo nahm an Pappenheims vergeblichen Zug gegen Maastricht[22] teil und wurde dabei in den Arm geschossen.[23]

In der Mühlhäuser[24] Chronistik heißt es über den Oktober 1632: „Als die Soldaten hier lagen, ließ der Oberst Camario einen Schneidergesellen, der früher unter ihm gedient hatte und desertirt war, den er bei diesem Feuerlöschen wieder bekam, im Spittelsgraben am Burgteiche (zu St. Margarethen-Hospital im Garten) an einen Baum hängen“.[25] Bis zum Abmarsch der Pappenheim’schen Regimenter am 21.10. a. St. fungierte Comargo als Kommandant von Mühlhausen.[26]

Comargo soll in der Schlacht von Lützen[27] tödlich verwundet worden sein, wie das „Theatrum Europaeum“[28] und der Erzgebirgschronist Lehmann in seiner Kriegschronik berichtet: „Und [Bernhard v. Weimar; BW] rückte darmit vor Chemnitz,[29] drinnen 3 Regiementer Keyßerlicher lagen, Obrist Comargo, von Wunden in der Schlacht drinnen gestorben,[30] war in Böhmen geführet worden, Palantz und Obrist Contreras, Commendant, wehreten Sich wohl, aber General-Wachtmeister Kniphausen brauchte einen ernst, daß Sie den 21. November accordiren, 24 eigene fahnen und 6 fahnen, so sie in Hildesheim[31] bekommen, uberliefern musten; ein ganz Regiement knechte steckte er untter, die Pagagi Plünderten ihre eigene Volcker, darzue die Schweden halffen. Der Rest mit den Offficirern wurde biß an Paß Reitzenstein[32] confoirt“.[33] Der Tod Comargos wurde auch Maximilian I. von Bayern bestätigt.[34]

[1] HABERER, Fugger, S. 256, Anm. 663.

[2] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[3] Neuhäusel [Nové Zámky; ung. Érsekujvár; Bez. Nové Zámky].

[4] Kouříl, Der Kampf des Hauses Habsburg, Nr. 140, S. 66.

[5] HABERER, Fugger, S. 256.

[6] Soest [LK Soest]; HHSD III, S. 692ff.

[7] Bergen-op-Zoom [West-Brabant].

[8] Lippstadt [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 474f.

[9] WIDDER, Soest Bd. 3, S. 776.

[10] WIDDER, Soest Bd. 3, S. 777.

[11] WEBER, Aus vier Jahrhunderten, 1. Bd., S. 28-41.

[12] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[13] Stade; HHSD II, S. 432ff.

[14] Wiesbaden; HHSD IV, S. 465ff.

[15] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 13467, fol. 124f. (Ausfertigung): Balthasar Ranpek an Johann v. Hohenzollern, München, 1627 X 10.

[16] Vgl. STADLER, Pappenheim.

[17] FRITSCH, Tagbuch, S. 122ff.; STADLER, Pappenheim, S. 628.

[18] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 92f.

[19] Bremen; HHSD II, S. 69ff.

[20] Horneburg [Kr. Stade]; HHSD II, S. 244f.

[21] FRITSCH, Tagbuch, S. 123f.

[22] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[23] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 961, fol. 253 (Ausfertigung): Flantz an Kurköln, bei Maastricht, 17.8.1632.

[24] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[25] JORDAN, Mühlhausen, S. 63.

[26] JORDAN, Mühlhausen, S. 65.

[27] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[28] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 2, S. 751.

[29] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[30] Vgl. HAPPE I 294 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[31] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[32] Reitzenhain; heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis/Sachsen].

[33] LEHMANN, Kriegschronik, S. 55.

[34] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2424, fol. 158 (Ausfertigung): H. L. v. Münchhausen an Maximilian I., Zwickau, 1632 XII 06.

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