Colombo, Giacomo di

Colombo, Giacomo di; Obrist [ – 1657 ?] Colombo [Colomba, Columbo] stand als Obrist in schwedischen [?], dann in kaiserlichen Diensten.[1]

Der Wernigeroder[2] Magister und Chronist Jacob Klingsporn [12.1.1601 – 23.10.1665] notiert zu 1641: „Den 3. Mai sind ungefähr 22 Columbische Schwedische Reiter, worunter Bette von Benzigerode[3] mit gewesen, welche die Nacht in Langeln[4] gelegen und gegen Morgen nach Schmattfeld[5] gezogen, nach geendigter Betstunde wieder in Langeln eingefallen, und vorgegeben: Wolfenbüttelsche[6] (Kaiserliche) wären hinter ihnen, fallen darauf hin und wieder in die Häuser und nehmen das Viehe heraus, so noch darinnen gewesen, damit sie gepflüget haben, an Ochsen und Kühen, ungefähr 30 Stück und ein Trift[7] Schaafe von ungefähr 150 alten und 60 Lämmern, welches sie weggetrieben. Darauf sind die Wasserlebischen[8] mit Pferden und Röhren[9] (Gewehren) kommen, neben den Langelschen den Reitern gefolget, welche sich gewendet und weil die Bauersleute in Confusion und Unordnung hin und wieder gelaufen, haben sie etliche hart beschädigt und einen von Wasserleben, Hennis Schmidts Sohn, gar erschossen, die Wasserleben sind alsbald, als die Reiter sich gewendet, ausgerissen. Und sind die Reiter mit dem Vieh davon kommen“.[10] Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass sich Colombos Reiter als Schwedische ausgaben.

Im „Theatrum Europaeum“ wird zu 1642 berichtet: „Königsmarck hatte einen Anschlag auff Nordhausen[11] und Duderstatt[12] / als er nun diese Ort / und zwar Nordhausen zu erst anzugreiffen angefangen / hat er sich deß Fußvolcks / Geschützes und Munition auß Erfurt[13] darzu gebrauchet / darbenebens auch das übelverwahrte Duderstatt / und darauff das Schloß Gleichenstein[14] durch Accord wieder hinweggenommen / zugleich nach mehrerm Volck an der Weser / alß auß Minden[15] / Niemburg[16] und dergleichen Besatzungen getrachtet. Nordhausen aber gieng mit Sturm über / der Obriste Columbo mit seinen Officirern gefangen genommen / dessen 5. Rittmeister vor diesem unter den Schweden gedienet / deßwegen sie um Gnad zu bitten hatten / die gleichwol vermittelst leydentlicher Rantzion zeitlich sich entledigten“.[17]

In der zweiten Schlacht bei Breitenfeld[18] geriet er im Mitteltreffen stehend[19] in Gefangenschaft. Der Hofer[20] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 – 1648] hält fest: „Den 11. februarii [1643; BW] ist der kayserliche generalfeldzeuchmeister Fernemondt nebst dem obristen Colombo und anderen vielen hohen und niedern officiers, welche in und nach der leipziger schlacht gefangen und nach Erfurth geführet worden, als ein gefangener und auf parole losgebener hierdurch passiret und nach Böhmen zur kayserlichen armee gereißet“.[21]

Weiter heißt es bei Rüthner: „Als nun der major Höwel [Hoerl; BW] mit seinen dragonern auf dem Schloß, der Graf und obrist Kynsky [Jaroslav Petr Kinský v. Vchynice; BW] in der stadt sicher, lustig und guter dinge waren, so kamen bisweilen nachrichten ein, der feind sammelte sich in der Pfalz[22] und Böhmen. Allein es wurde allezeit veracht und verlacht. Den 16. maii aber abends um 5 oder 6 uhr liesen sich alhier bey sich[23] Warth[24] etliche reuter sehen, und weil man aus des damaligen herren castners[25] […] Georg Schubhardts hinten auf dem Plaz[26] gelegenen wohnhauß absonderlich[27] weit hinaussehen konnte, so kam der obrist und alle officiers dahin auf den obersten gang, sahen hinaus und commendirten endlich den capitainlieutenant Herrmann mit etlichen pferden und die quartiermeisters zu ihnen hinaus, welche auf parole[28] zusammenritten und sich erkundigten, was sie brächten und wolten. Die diescourse[209 aber, weil man sie wohl hören können, die waren folgende: „Ob sie wohl gut quartier hierinnen hätten ?“ Denen der capitainlieutenant antwortete: „Jawohl“. Sie sollten mit hereinreuten auf einen abendtrunck. Darauf der kayserliche versezte: „Nein, heute nicht“. Es sey nunmehro zu spat, allein morgen frühe um 3 uhr wollte er ihnen bescheid thun. Deß morgens aber, als den 17. Maii, zu frühe, als es nun begunte zu tagen, so ruckte alsobald der helle haufe an, ritten durch das wasser und fielen von den pferden, liefen nach der stadt zu sturm und trieben es nicht über eine stunde, so kamen sie bey dem neuen neuen pfarrbau durch wüste häußer und andere löcher der stadt über die mauren, und stieg am ersten mit in die stadt herein herr obristlieutenant Herrand [Christoph Wilhelm Freiherr v. Harrant v. Polschuwitz u. Westruwitz; BW], der ein böhmischer von adel und seinen vater und geschwister alhier wohnend hatte. Dieser ließ sogleich die thore aufschlagen, darmit der helle haufen […] herein konte, und nahmen also bey 500 oder 600 reuter aus übler vorsicht, unachtsamkeit und schlechter gegenwöhr diese stadt unversehens ein. Die schwedischen retirirten[30] sich auf das Schloß, und wenige wurden niedergemacht, wie dann auch ein zeugmachersgesell,[31] welchen sie vor einen soldaten angesehen, und eines tischlers, Georg Knöringers, weib in der furie anfänglich erschoßen worden. Die kayerlichen aber unter dem praetext,[32] ob suchten sie den feind, plünderten die stadt aus und nahmen an vieh, pferden, kleidern und gewand, was sie finden konten. Dahero die stadt in nicht geringen schaden gerathen. Die officiers verhinderten zwar manches und thaten alles, besonders thate hierinnen der obrist Columbo [Giacomo de Colombo; BW], als welcher die leute anführete, sein bestes, er liese die stadt nicht entgelten, das ihm abgewichenen 11. februarii, als er hierdurch nach Erfurth in die gefangenschaft geführet wurde, wie es sein sollen, nicht allerdings begegnet worden, auch nicht so aufgewartet noch an die hand gegangen wurde. Jedoch blieben sie nicht länger als diesen tag, machten auch keine quartier, sondern plünderten und ritten gegen den abend wiederum des weges hin, wo sie hergekommen waren. Nachdem es nur ein wenig wiederum stille, so wurde von hauß zu hauß wegen des schadens der plünderung sich erkundiget, und befande sich nur, was […] angegeben würde, ohne was gar verschwiegen geblieben, 2244 reichsthaler“.[33] Nach Rüthner soll Colombo in dieser Zeit 8 Kompanien mit 300 Mann kommandiert haben.[34]

[1] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.

[2] Wernigerode [LK Harz]; HHSD XI, S. 493ff.

[3] Benzingerode [LK Harz], heute Ortsteil von Wernigerode (Eingemeindung: 1994). Der Ort selbst kann auf eine fast 800-jährige Geschichte zurückblicken. Der Ortsname Benzingerode (Variationen: Benshingerod, Bentsingerod) wird erstmals im Lehnsverzeichnis des Grafen Heinrich I. von Regenstein erwähnt, das Einträge aus der Zeit von 1212 bis 1227 verzeichnet. Da es sich um den ältesten Teil des Lehnsverzeichnisses handelt, in dem Benzingerode genannt wird, könnte sich der Zeitpunkt der Ersterwähnung auf die Jahre 1212/13 eingrenzen lassen. Aus einer Urkunde vom 28. September 1323 geht hervor, dass Graf Heinrich von Regenstein dem Stiftskapitel St. Sylvestri zu Wernigerode drei Viertel Land und einen Hof zu Bencingerode übergab, wie seine Brüder Ulrich und Siegfried es auch getan haben. Der Ort geht auf zwei ehemalige Gutshöfe zurück, den Oberhof und den Unterhof. Beide Bezeichnungen haben sich als Flur- bzw. Straßennamen bis heute erhalten. Der Unterhof soll das Gut der Herren von Benzingerode gewesen sein. [wikipedia]

[4] Langeln [Harz/Sachsen-Anhalt]. Der Ort war Sitz einer Deutschordenskommende. Der Deutsche Orden (auch Ordo Teutonicus, Ordo domus Sanctae Mariae Theutonicorum Ierosolimitanorum, Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem, Deutschherrenorden, Kreuzritterorden, Deutschritterorden oder Deutscher Ritterorden) (abgekürzt OT = Ordo Teutonicus) ist ein geistlicher Ritterorden und war maßgeblich an der Deutschen Ostkolonisation beteiligt. Seit 1929 ist er ein klerikaler Orden. Er ist neben dem Johanniter- bzw. Malteserorden und den Templern der dritte große Ritterorden, der in der Zeit der Kreuzzüge gegründet wurde. An der Spitze des Deutschen Ordens stand der Hochmeister, der jeweils auf Lebenszeit gewählt wurde. An seiner Seite standen fünf Großgebietiger: der Großkomtur als Statthalter des Hochmeisters, der Marschall mit Zuständigkeit für das Heerwesen, der Tressler in der Funktion des Schatzmeisters, der Trapier in Verantwortung für die Ausrüstung und der Spittler als Leiter des Hospitalwesens. Daneben gab es einige Provinzialobere: den Deutschmeister für die zwölf deutschen Ordensballeien, der seit 1494 Reichsfürst war, und seit 1525 nach der Säkularisierung des Ordensstaates, das Hochmeisteramt verwaltete und daher später auch als Hoch- und Deutschmeister bezeichnet wurde. Der Landmeister für Livland sowie Landkomture für die Ordensgebiete außerhalb Deutschlands. Der Orden setzte sich aus dem Mönchsgelübde verpflichteten Priester- und Ritterbrüdern zusammen sowie aus dienenden Halbbrüdern. Das Ordenszeichen ist ein schwarzes Tatzenkreuz auf weißem Grund. Zur typischen Ordenskleidung gehört für die Geistlichen, welche Soutane, Halskreuz und Brustkreuz tragen, ein weißer Mantel, auf dem rechtsseitig ein graues Kreuz angebracht ist. Der Wahlspruch des Ordens lautet „Helfen, Wehren, Heilen“.

[5] Schmatzfeld [Harz/Sachsen-Anhalt].

[6] Wolfenbüttel [LK Wolfenbüttel]; HHSD II, S. 503ff. Ab 1570 wurde die Festung nach neu-italienischer Manier mit Bastionen und Kurtinen versehen. Herzog Heinrich Julius stellte 1589 zu seinem Schutz mehrere Kompanien mit berittenen und Fußsoldaten auf. Die Soldaten trugen einheitliche Uniformen. Unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Krieg sind die Befestigungen unter Herzog Heinrich Julius noch einmal verstärkt worden. Das Zeughaus und Reste der Festungswälle, Befestigungsgräben und der Bastionen sind heute noch im Stadtbild Zeugen dieser Zeit. Das Zeughaus wurde als Rüstkammer für den Landesausschuss gebaut und beherbergte auch dessen Geschütze. Der Schlossplatz zwischen Schloss und Zeughaus diente seit dem späten 17. Jhdt. auch als Exerzierplatz für die herzoglichen Truppen (nach einem Stich Merians nach Konrad Bruno). Obwohl Wolfenbüttel noch vor dem 30-jährigen Krieg zu den am besten gesicherten Festungen Norddeutschlands zählte, wurde es nach mehr als 140 Tagen Belagerung durch kaiserliche Truppen besetzt. Unmittelbar nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge [1626] setzten kaiserliche Truppen ohne Gnade den geschlagenen dänisch-niedersächsischen Truppen nach und belagerten die Landesfestung Wolfenbüttel. Da alle Maßnahmen angesichts der verstärkten Festung versagten, ließ man mit Hilfe der zu Zwangsdienst verpflichteten Bauern einem Damm errichten, der die Oker aufstaute. In der Festung stand 140 Tage das Wasser mehr als einen Mann hoch. Die Besatzung gab auf. […] Die Kaiserlichen Truppen errichteten diesen Damm mit dem Ziel, die Stadt Wolfenbüttel zu fluten. Die Schweden setzten diesen Damm 1641 in Wolfenbüttel erneut ein, um so wiederum die kaiserliche Besatzung in Bedrängnis zu bringen, aber sie konnten die Festung nicht einnehmen. [wikipedia: Wolfenbüttel]. Vgl. THÖNE, Wolfenbüttel; GROTE, Schloss Wolfenbüttel.

[7] Trift: Herde.

[8] Wasserleben [LK Harz/Sachsen-Anhalt].

[9] Rohr: Waffe für leichte Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Vgl. ENGERISSER, Frühe Neuzeit, online verfügbar unter: engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[10] Klingsporn, Jacob, Kleine Chronik von Wernigerode aus den Jahren 1641 bis 1664. Ursprünglich abgedruckt im Wernigeröder Intelligenzblatt 1825-1826 (auch in Stadtarchiv Wernigerode As 10b); NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 208-237; hier NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 211.

[11] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[12] Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.

[13] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[14] Gleichenstein, Burg [Kreis Eichsfeld]; HHSD IX, S. 147.

[15] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[16] Nienburg/Weser; HHSD II, S. 346f.

[17] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 836.

[18] 2. Schlacht bei Breitenfeld am 23.10./2.11.1642: Die Schweden unter Torstensson besiegen die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Ottavio Piccolomini.

[19] RUDERT, Kämpfe, S. 137.

[20] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[21] KLUGE, Hofer Chronik, S. 217 (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Hofs und seines Umlandes).

[22] Oberpfalz.

[23] verschrieben für „der“.

[24] Hohe Warte, Erhebung östlich von Hof, Standort des Wartturms (Wachturms).

[25] Bürgerlicher Verwaltungsbeamter, Einnehmer und Verwalter der Natural- und Geldabgaben, dann Steuern aller Art, vergleichbar dem Rentmeister, dessen Unterbeamter der Kastner war, wenn der Rentmeister einem größeren Bezirk vorstand.

[26] Oberer, südlicher Teil der Orla, heute Maxplatz.

[27] besonders.

[28] Ehrenwort.

[29] Gespräche.

[30] zogen sich zurück.

[31] Zeugmacher: Verfertiger leichter wollener, früher auch seidener Zeuge.

[32] Vorwand.

[33] KLUGE, Hofer Chronik, S. 220f.

[34] KLUGE, Hofer Chronik, S. 231.

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