Colloredo [Coloredo, Coloreto, Coleredo, Colredo, Kolloredo]-Waldsee [Wallsee], Rudolf [Rodolfo] Graf; Feldmarschall [2.11.1585 in Budweis - 2. 11.1585 in Budweis] Rudolf Graf Colloredo[1] gehörte nicht zum Kreis der Favoriten Wallensteins. “Es waren zwei Brüder Colloredo, Rudolf und Hieronimus, germanisierte Italiener, bevor sie, dank Kriegs-Schicksalen, von welchen sie begünstigt wurden, aber andere nicht, sich in Böhmen prunkvoll niederließen”.[2] Über ihn und seine höfischen Beziehungen schrieb Wallenstein an seinen Schwiegervater und diplomatischen Interessenvertreter bei Hofe, Karl Graf Harrach: „Daß sich Ihre Majestät wegen des Colloredo, daß er General-Wachtmeister sein sollte, nicht resolviert haben, sondern mein Gutachten begehrt, sag ihnen untertänig Dank, denn hätte er sein sollen, so wäre ich gewiß nicht geblieben, dieweil die Armada mit ihm wär versehen worden wie ein Dorf mit einem unsinnigen Pfaffen, denn ich kann schwören, daß ich die Zeit meines Lebens keinen größeren Sancuragine als ihn gesehen hab und sein Regiment ist in einer solchen Unordnung und gibt mir mehr zu schaffen als die ganze Armada“.[3] Colloredo hat es trotzdem im Laufe der Jahre geschafft, die ursprünglich von Wallenstein sabotierte Position einzunehmen. Ferdinand III. ernannte ihn zum kaiserlichen Geheimrat und Feldmarschall, 1637 wurde er Großprior des Malteser-Ordens zu Strakonitz,[4] 1647 Botschafter des Ordens am kaiserlichen Hof und Landeskommendant in Böhmen.
1617 hatte er am Uskoken-Krieg[5] Erzherzog Ferdinands von Innerösterreich gegen Venedig teilgenommen, 1618 stand er als Hauptmann in Friaul. Colloredo war bestimmt kein einfacher Charakter. „Der schon von Jugend an im Dienst der Habsburger stehende Colloredo galt zwar als tapferer Soldat, hatte aber als Kommandant immer wieder unglückliche bis problematische Auftritte. Im Uskokenkrieg Ferdinands gegen Venedig stach Hauptmann Colloredos Einheit, die in Pettau/Ptuj (heute Slowenien)[6] stationiert war, durch besondere Disziplinlosigkeit hervor. Alle Disziplinierungsmaßnahmen der Landesbehörden scheiterten und Colloredo wurde sogar persönlich gegen den Landprofos der Steiermark handgreiflich, wobei er ihn schwer verletzte“.[7] 1619 erhielt er ein Patent für die Anwerbung eines Regiments, mit dem er am Böhmischen Krieg teilnahm.
Wie der Zeitzeuge Jost Maximilian von Gronsfeld in seinen Anmerkungen zu Wassenbergs 1647 erneut aufgelegten „Florus“ festhielt, war Colloredo beim bekannten Sturm kaiserlicher Truppen auf Pressburg[8] dabei. Nachdem der Plan Dampierres, Pressburg schon am 28.9.1620 durch Zerstörung der Schiffsbrücke anzugreifen, nicht zu verwirklichen war, hatte er vor, seine Streitkräfte zu verstärken[9] und Stadt und Schloss nicht durch eine aufwendige Belagerung,[10] sondern durch einen nächtlichen Überraschungsangriff einzunehmen. Er teilte das Heer in zwei Abteilungen: Den linken Flügel kommandierte er, den rechten Collalto. Die Hauptgruppe fuhr „vom Closter Newburg[11] mit dem gantzen anholtschen Regiment / ohne Schiffleute die Donau hinunter“.[12] Die mit Geschützen und Lebensmitteln be- und wahrscheinlich auch überladenen Schiffe sollen bis Theben[13] gebracht worden sein. Von dort aus sollten die Truppen des linken Flügels unter Dampierres Kommando nach Pressburg vorstoßen. Der Plan misslang allerdings, da die Schiffe sanken.[14] Sehr anschaulich wird von dem Augenzeugen Gronsfeld die Fahrt beschrieben. Es gab keine erfahrenen Schiffsleute, so dass „noch bey hellem Tage / gegen Abend / wie man unter der Wiener Brücken durchfahren sollen / daß alsbald das Schif / da die Ingenieurs Munition und mehrerntheils Petarden eingewesen / an die Brücken gescheitert / und alles ersoffen / vnd daß stracks darauf ein ander Schif mit 100 Mann beladen / vnter der Brücken auf die schiffmühlen getrieben / das Schiff gleichfalls zu grund gangen / vnd der grössere theil der Soldaten ersoffen / vnd weil die Thonau sich dorten in vnterschiedene Insuln vnd Stamge zertheilet / deren etliche gar vmb die grosse S. Andreae Insul oder Schutte herumber gehen / vnd nicht ehender den rechten Flügel wieder erreichen / biß naher Raab[15] vnd Comorra[16] / vnd den Soldaten / so die Schiff auß mangel der Schiffleuten guberniret / dieses nicht wissend gewesen / ist erfolget / daß mehrentheils Schiffe hin vnnd her auff dem Sand bestecken blieben also daß der Graff Dampier endlich gar allein mit seinem Schiff / darinnen der Graff [Ernest; BW] Montecuculi / Coleredo [Rudolf v. Colloredo; BW], Don Pietro Aldobrandini, Graf Ernst von Hohenzollern[17] / der Obrister Wachtmeister Matthias Gallas[18] / vnd ich auch gewesen / fortgefahren“.[19] Gronsfeld beschrieb hier die geographischen Verhältnisse, dass sich die Donau teilt und dass ein linker Arm, die Kleine Donau, die Große Schütt umfasst, durchaus zutreffend; nur trennt sich die Kleine Donau erst einen Kilometer hinter Pressburg vom Hauptstrom und erreicht ihn erst wieder hinter Komorn.[20] Doch darf bei seinen Berichten nicht vergessen werden, dass er sie erst ein Vierteljahrhundert nach dem Sturm auf Pressburg niederschrieb.[21]
Die Stabsoffiziere baten Dampierre, oberhalb des von Bethlen vergeblich belagerten Hainburg[22] so lange zu warten, bis weitere Kähne nachfolgten. Ein Teil kam wirklich noch und Gronsfeld nahm auch auf der anderen Donauseite die Kavallerie des rechten Flügels wahr. Dieser Flügel, „das Colaldische vnd Coloredische Regiment zu Fuß / vnd etliche Truppen zu Pferdt / vnterm Commando des damaligen Obristen Leutenanten / hernacher aber gewesenem General Wachtmeister de Four,[23] das Fußvolck etwa ein par stunde zuvor zu Lande herunter gewesen / alles mit dieser außgetheilter Ordre / daß wann gedachter de Four vmb 1. Vhr nach Mitternacht auff der andern seyten bey der Stadt Lermen machen würde / daß alsdann Schloß / Vorstadt / stadt vnd Schiffbrücke auf dieser seyten zugleich angefallen werden sollte“.[24] Der rechte Flügel ging weisungsgemäß vor, doch konnte Dampierre wegen der verunglückten Zillen den Angriffstermin nicht einhalten. Es dämmerte bereits und man bat Dampierre, den Angriff zu verschieben; die Schlossbesatzung sei bereits durch den Kavallerieangriff gewarnt. Dampierre lehnte dies ab, da er auf die Unterstützung des kaisertreuen Pálffy hoffte, der die Krone verwaltete und Bethlen über seine Einstellung zu täuschen glaubte. Nach seiner eigenen Darstellung hatte Gronsfeld 200 Musketiere unter seinem Kommando.[25] Abermals, so berichtet er weiter, bestieg man zwei Zillen; diese kenterten, und die Mehrzahl der Soldaten ertrank. Als man dennoch die Angriffsvorbereitungen fortsetzte, geriet man vom Kastell ‚Kitze’[26] her unter Geschützfeuer, was Gronsfeld als „Schickungen Gottes des Allmächtigen“ ansah.[27] Mit dem Erschießen Dampierres und dem Abschneiden seines Kopfes enden im Wesentlichen die ungarischen Quellen über den Sturm auf Pressburg; in einigen wird noch ergänzend berichtet, wie Bethlen den Toten in der Franziskaner-Kirche prächtig aufbahren ließ.[28] Gronsfeld selbst teilt mit, wie er Dampierres Tod gemeldet und den ligistischen Obristleutnant Ernst Georg von Zollern um Verstärkung und Munition gebeten habe. Daraufhin erhielt er den Befehl, sich zurückzuziehen und Dampierres Leichnam mitzunehmen, „darüber der Feind mit 400 Mann außgefallen / mir dermassen (dz ich mich / auß obgedachte mangel / nicht defendiren können) zugesetzet / daß ich den Cörper zuverlassen gezwungen worden / den der Feind gleich bekommen / hinein geschleppet / den Kopff abgehawen / vnd über die Mawren herauß gezeiget / in welcher Occasion ich 3. schüsse auf meine Rundtaschen / zwey durch den Federbusch vnd einen so mir die Backen gestreiffet / bekommen“.[29]
Ende 1625 standen Colloredos Truppen im Harz, um gegen die Widerstandsbewegung der Harzschützen vorzugehen: „Die 13 Kompanien des Obristen Colloredo, in Osterwieck,[30] Abbenrode,[31] Stapelburg[32] und anderen Ortschaften stationiert, hatten sich auf die Verbreitung von Unruhe verständigt. In Osterwieck kommandierte der Obristwachtmeister Oswald von Bodendieck;[33] auf seinen Befehl hörten auch Kroaten, während deren im Kloster Riechenberg[34] einquartierten Landsleute der Fuchtel Tillys unterstanden. Weshalb die Angehörigen der beiden Heere sich das Amt Harzburg[35] für ihre Beutezüge aussuchten, ist wohl nur mit deren Witterung für Lohnendes zu erklären. All diese herumstreifenden Söldner wagten sich bis an den Stadtrand von Goslar[36] vor; wenn die Gelegenheit günstig schien, griffen sie zu, stahlen, was nicht niet- und nagelfest war; sie raubten Vieh und lebten, leichten Herzens, in den Tag hinein. Ein solcher Krieg brauchte nie zu enden”.[37] „Heinrich Drees notierte über Wernigerode:[38] »Lorenzo di Medici, Altringer [Aldringen] und Colloredo bleiben mit ihren wilden Scharen in der Stadt, in der Grafschaft und auf dem Schloß; Kontributionen, Plünderungen, Gewalt sind an der Tagesordnung; Spanier, Italiener, Panduren und Kroaten überboten sich in Greueln, besonders zeichnete sich darin der irische Hauptmann Robertus Viti aus, vor dessen Raubgier die Kanonen auf dem Burgwall mit Mühe gerettet werden konnten.«”[39]
Der Wernigeroder Chronist Schmidt hält unter dem 18.4.1626 fest: „Den 18. forte ist Colloredo hiedurch nach dem Tilly verreiset, welcher aus jedem Kornet bei 20 Reiter (waren 72 Mann) mit sich weggenommen. Diese sind den 24. wiederkommen, ohne etliche wenige“.[40] Juli 1626: „Den 7. haben sich die Reddeberschen[41] Bauern und Gemeine durch 6 gevollmächtigte Abgefertigte neben ihren aedituo so aufs Rathhaus kommen, gütlich erklärt, in der Kontribution dem Oberst[42] Colloredo versprochen, der Stadt zu Hülf zu kommen und geboten, wöchentlich 1 ½ Wispel eiteln Rocken[43] zu bringen, wenn oder eingeerndtet, wollen sie wöchentlich ½ Wisp. Malzen,[44] ½ Wisp. Rocken,[45] und ½ Wisp. Gerste[46] geben. (Es wurde spargirt) Wallenstein wisse von der Kontribution nichts, es sei ein Blanquet genommen, baten Graf Henrich Ernst[47] möge doch Linderung erbitten. U. g. H.[48] erklärte dann das Schreiben für ächt: hätten die Unterthanen eine oder zwei Kontributionen erlegt, alsdann könnte sein Herr Sohn beim General[49] um Linderung anzuhalten abgefertigt werden. Der Herr Kanzler[50] ist consulirt worden, ob auch ein Rath die 5 Adelhöfe, weil sie in der Stadt gelegen, nach Billigkeit[51] schätzen könnte zu dieser Kontribution (denn Schulenburgs[52] wie auch Gadenstedts[53] Hof wohl 4 Malter Korn[54] die Woche geben[,] könnte man es zuvor in die Kanzlei gen Stolberg[55] (weil keine bestellte Kanzlei alhier) gelangen lassen, daß es denen von Adel schriftlichen zu wissen gethan würde. Den 8. E. E. Rath dem Korporal, der Komando hat, zugesagt zu geben, täglich 12 Gr. dem andern 9 Gr., einem Gefreiten 6 G., einem Musketier aber 3 Gr. Heut sind vor Altenrode[56] die Schweine, wie auch ihr Kuhvieh hinweggetrieben worden von Soldaten. – Den 10. ist die Garnison vom Obersten Kolloredo als 40 Personen, darunter ein Hauptmann, ein Feldwebel, 2 Korporale, 2 Gefreite, 2 Landbusaten mit 2 Pauken ankommen. (von den 32 Musketieren wurden 15 aufs Land als Salvagarde gelegt, die übrigen blieben auf dem Schloß.)“.[57]
„Anfang August hatte er [de Fours] mit seinem Regiment und den Scharen der Obristen Cerboni und Colloredo die Grafschaften Regenstein[58] und Stolberg[59] zu decken, mit dem Befehl, sich im Notfall mit Tilly zu vereinigen, während Wallenstein mit der Hauptarmee nach Schlesien aufbrach, um Mansfeld zu verfolgen, der in dänische Dienste getreten war. Auf Ordre des Generals Aldringen wurde am 17. August [Nikolaus; BW] des Fours mit 32 Reiterkompanien und zwei Infanterieregimentern von Blankenburg[60] nach Göttingen[61] geschickt; am 22. August vereinigte sich des Fours bei Geismar[62] mit der Liga-Armee des Grafen Tilly”.[63]
Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe[64] erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 17. [27.; BW] November eine Compagnie Crabaten hier durch nach Tonna[65] gezogen. [...] Eodem [die] [1.12.; BW] der Oberste Isolano vor 4 Regiment Crabaten auch in der Herrschaft Schwartzburg[66] um Quartier angesuchet. Den 22. November [2.12.; BW] kommet Bericht ein, dass 4 Regimenter Crabaten umb Artern[67] liegen sollen. Die haben ihre Ordinanzen, dass sie perhyenniren[68] sollen. Als zu Witzenhausen,[69] Allendorf[70] und Hessisch-Lichtenau[71] Herr Oberster Avantagio mit einem Regiment, zu Mühlhausen[72] Herr Oberster Colloredo mit einem Regiment. Wernigerode,[73] Regenstein,[74] Artern Herr Oberster Isolan. Im Stift Hirschfeld[75] Herr Oberster Dragi [Stefano Mille Draghi; BW]. Davon werden die drey Regiment, so nach den Mühlhausischen Gerichten, Stift Hirschfeld und Heßen ziehen, alle durch die Grafschaft Schwartzburg marchiren. Werden wir also über unsere tägliche Last hierbey auch noch ein großes leiden müssen“.[76]
Happe schreibt weiter: „Den 3. [13.1.1628; BW] ist ein Cornet Reuter hierdurch gezogen nach Mühlhausen, dem Keyserischen Obersten Colloredo zustendig“.[77] In der Mühlhäuser Chronistik ist festgehalten: „Den 19. [29.; BW] Januar sind 5 Cornet kaiserliches Volk allhier von den Dörfern hinweggezogen; sie sind (?) Wochen allhier gewesen und hat kein Mensch aus der Stadt vor das Thor gehen können. Es hat der Rittmeister Stetthausen (Neuhausen ?) die Kirche in Ammern[78] zusiegeln lassen und bewachen, weil die Leute viel Gut in selbige in Sicherheit getragen haben; da er nun den 18. wieder abgezogen, haben sie ihm eine Verschreibung geben müssen, daß er die Kirche nicht spoliret. Diesen Tag sind wieder Kroaten auf die Dörfer gekommen, welche, nachdem sie fast alle Häuser verwüstet hatten, den 10. [20.; BW] März abgezogen sind“.[79]
Bei Happe ist weiter vermerkt: „Den 20. [30.; BW] Januar der Oberste Colloredo aus den Mühlhäusischen Gerichten in das Fürstenthum Altenburg[80] mit seinem Regiment verrücket“.[81]
Der schwarzburg-rudolstädter Landrichter Heubel berichtet, dass er Colloredo in Schweinfurt[82] bei Generalkriegskommissar Ossa getroffen habe.[83]
Colloredo wird in der Hannoverschen[84] Chronik unter 1629 erwähnt: „Als nach dem Dänischen zu Lübeck[85] gemachten Frieden die Kayserischen aus Holstein geführet, sein den 21. Julii 1629 4 Regimenter Wallensteinische Völker zu Fuß unter dem Obristen Coloredo dieser Oerter vor Hannover angekommen und auf den Dörfern vor Hannover herum Quartier genommen, und in angehender Erndte großen Schaden gethan, die Hausleute von dem Ihrigen verjaget, geschlagen, geprügelt und heftig gepresset. Zu Linden[86] haben sie Capitain Bartold Knusten auf seinem Hofe daselbst in Arrest und fast gefänglich genommen und übel tractiret mit Prügeln und demselben alle Verdrießlichkeit gethan, ohnangesehen derselbe immer gut Kayserisch und Spanisch gewesen. Den 28. Julii sein die Wallensteinische hier aufgebrochen, vor dem Leinthore her, über die Neustadt[87] nach Hildesheim[88] marchiret. Als nun vor dem Leinthore viel Hausleute gestanden, die aus ihren Häusern gewichen und sehen wollen, ob sie etwas wieder bekommen könnten, so ihnen abgenommen, da sein etliche Soldaten unter sie gerannt und haben sie geprügelt, daß die Leute, Bürger und Hausleute, so daraußen vor dem Thore gestanden, auf das Leinthor gedrungen, daß man schwerlich das Thor hat zubekommen können, darüber das Geschrey in der Stadt erschollen, die Stadt wäre schon eingenommen. Solch Geschrey ist auch in S. Georgii Kirche, dar eben Betstunde gehalten worden, kommen und jedermann aus der Kirchen gelaufen. Es ist zwar nicht ohne, wenn Gott der Allmächtige damahls unser Schutz auch nicht gewesen wäre, und die Wallensteinische nachgedrungen hätten, sie hätten die Stadt, weil kein Widerstand in Bereitschaft war, besondern man sicher lebete, überrasseln und weg bekommen können. Auf der Neustadt, in dem über marchiren, durfte sich kein Mensche außerhalb Hauses auf der Gassen sehen lassen, den prügelten und schlugen sie, schossen aus nach dem Walle, da Bürger auf standen. Durch das Stift Hildesheim, nach dem Rhein, und ferner in Italien marchiret, zu dem Mantuanischen Kriege“.[89]
Colloredo zeichnete sich 1630 bei Mantua aus, auch wenn er meist wegen der bekannteren Gallas, Aldringen und Piccolomini nicht erwähnt wird.
„Im Juli, 1630, erstürmen seine Generale die Festung Mantua. Mit feinster Höflichkeit wird der Herzog [Karl I. Gonzaga; BW] von Nevers an seines Landes Südgrenze escortiert, in Ritterseite [Rittersitte ? BW] und in Rücksicht auf die Kaiserin, welche seine Cousine ist. Aber dann. Gallas, Aldringen, Piccolomini lassen den Feenpalast von 3000 Mann umstellen, um sich ungestört in ihm zu ergehen, trunkenen Auges. Die in 300 Jahren gesammelten Schätze werden geteilt wie unter Brüdern: die Gemälde und Statuen, die Prunkmöbel, Teppiche, Tapisserien, die Juwelen, das goldene Service, das Silberzeug – alles auf Wagen, die angeblich für den Kaiser bestimmt sind; aber sie gehen anderswohin. Das, wozu die Transportmittel der Oberen nicht ausreichen, nehmen am nächsten Tag die Unteren; tanzen in den Gewändern der Gonzaga-Damen um Feuer, werfen die kostbaren Manuskripte der Bibliothek hinein oder verhökern sie um ein paar Pfennige an solche, die es besser wissen – ein Vetter Aldringens soll der glücklichste Käufer gewesen sein – , geilen in den Weinkellern sich zu noch Schlimmerem auf; die Kirchen, die Klöster, die reichen Privathäuser, die Banken, das Ghetto geben Zeugnis davon … Nie hat Wallenstein selber dergleichen getan. Er hätte es nicht getan, auch wenn die Gelegenheit gewesen wäre. Ein tadelndes Wort über das Verhalten seiner Offiziere besitzen wir jedoch nicht. Als ihn die Nachricht Ende Juli in Memmingen[90] erreicht, hat er andere Sorgen. Auch macht er sich keine Illusionen über das, was seine Kommandanten vom Kriegführen erwarten. Unsererseits merken wir uns immerhin die drei von Mantua: Gallas, Aldringen und Piccolomini”.[91]
Hofrat Happe notiert, dass am 9./19.6.1631 etliche Reiter Colloredos in der Grafschaft Schwarzburg-Sondershausen einquartiert wurden.[92] Am 18./28. seien die Reiter aus den Ämtern Keula[93] und Ebeleben[94] weggezogen und Musketiere des Regiments Adolph von Schleswig-Holstein eingelegt worden.[95] Der Schmalkaldener[96] Chronist Pforr berichtet: „Den 29. Jun: sint ein trupp Keys: reutter vom Obrist[en Colredo, so damalß zu Saltzungen[97] gelegen, zum Truses[98] eingefallen und daßselbe geblündert. Den 3. Jul: haben etzliche Colredische reutter Heßleß[99] geplündert. Wegen solcher blünderung hat man den Jegermeister Wechmar zum Obristen Colredo geschicket, demselben obbemelte Keyserliche befreyung [durch Tilly; BW] andeuten und umb abschaffung solcher einfelle bitten zu lassen. Daruff sint uff des obristen befelch etzliche abgenommene pferd wieder zurückgegeben worden“.[100]
“Die nach Böhmen abberufenen kaiserlichen Truppen zogen, wie schon früher erwähnt, vom 3. Dezember 1631 unter [Rudolf] Colloredo und Gallas aus der Gegend südlich Nürnberg[101] unter entsetzlichen Plünderungen ab. Während des Durchmarsches durch Sulzbach,[102] der über einen Tag dauerte, erhielt Gallas am 6. Dezember die Order, mit 3 Rgt. z. Pf. und 3 000 Mann z. F. Hersbruck,[103] Lauf[104] und Altdorf[105] zu besetzen, offenbar in Genehmigung des vorhin erwähnten Auftrags der Amberger[106] Regierung. Hiermit wurde Graf Sulz betraut, der mit den bereits bei Hahnbach[107] befindlichen Regimentern am 7. Dezember an Sulzbach vorbei gegen Hersbruck marschierte. Von da berichtete er am 17. Dezember an Oberst Lintelo, daß er einen Überfall der Nürnberger, die von den Schweden unterstützt würden, befürchte: ‘Ich sitze wie ein Vogel auf dem Zweig, der alle Augenblicke nit weiß, wann man ihn herunterschießt’ “.[108] “Mit dem Durchzug Colloredos Anfang Dezember 1631 wurde die Pest in Amberg eingeschleppt, jedoch nicht sogleich erkannt”.[109]
„Der kaiserliche Generalwachtmeister Gallas, welcher den Krieg in Italien geführt hatte und mit 21 000 Mann – darunter Colloredo – zu Tilly gestoßen war, marschierte mit 28 Rgt. – 10 000 – 12 000 Mann – am 6. Dezember morgens von Hartmannshof ab, zog über Hahnbach,[110] Schnaittenbach,[111] Waidhaus[112] (Sulzbach und Hirschau[113] hielten die Tore geschlossen) nach Pilsen[114] und hauste womöglich noch schlimmer als Colloredo. Gallas erzählte dem Kommissär, Landrichter [Christoph; BW] von Lerchenfeld, daß seine Leute vor Nürnberg 4 Tage kein Brot erhalten hätten und das Plündern nicht mehr zu verhindern sei, man solle ‘alles auf die Seite thun’, denn der ‘Teufel sei in diesen Leuten’.
Es half nichts, daß die Einwohner mit ihrem Vieh in die Wälder geflohen waren; die Soldaten führten ganze Hundemeuten mit, welche darauf abgerichtet waren, das Vieh in den Wäldern aufzusuchen. Durch Reiter Isolanis [Isolano; BW] erlitt der Hammermeister Hans Wilhelm Heber in Hammergänlas[115] bei Auerbach[116] einen Schaden von 1 000 fl, sein Vater einen solchen von 3 000 fl. Die Amberger Regierung beklagte sich am 10. Dezember bei Gallas und Colloredo über die Plünderungen mit folgenden Worten: ‘ … hat man den unterthanen alles getroschene traid aufgefresset, das ungetroschene den Pferden untergestreut, alle victualien abgenommen’ … ‘alles spoliert (geraubt), die leithe mit straichen und Raithlen anderst nicht denn feindlichen tractiirt und wann bey dem auf[b]ruch in den quartieren noch etwas so die unterthanen hetten genießen mögen, übrig verblieben, selbis schädlich boßhaftiger weiß verderbt, und dabei fenster auch öfen eingeschlagen, alles vieh und Pferde mit hinweg geführt’ … (Nun folgt eine Schilderung, wie das in die Wälder getriebene Vieh mit den Hunden abgesucht und herausgetrieben wurde) … ‘die lieben samen auf dem felde hat man mit abhieten, darüber fahren, reiten, gehen und treiben gar elendiglich zu schanden gemacht, die weibsbilder geschendet, häuser u. Mühlen in Prand gesteckt’ “.[117]
„Als Maximilian am 16. Juni [1632] von Burglengenfeld[118] nach Schwandorf[119] marschierte, wurde Ensdorf[120] wiederum von 4 Reiterkomp. geplündert; das gleiche Schicksal erfuhren Freudenberg[121] am 16. und 17. Juni, Kastl[122] und Lauterhofen[123] durch 1 Reiterkomp. von Colloredo am 18. Juni; der Torwart in Kastl[124] und der Bürgermeister Bruckmüller in Lauterhofen wurden hierbei erschossen“.[125]
Im November 1632 unterrichtete Colloredo Melchior von Hatzfeldt über die Streifzüge Hatzfeldt’scher Truppen nach Torgau,[126] die Anwesenheit Gustav II. Adolfs in Naumburg[127] und den Anmarsch Arnims aus Schlesien zu Gustav II. Adolf.[128]
In der Schlacht bei Lützen[129] war er bereits Generalwachtmeister und Kommandeur einiger Kompanien Infanterie und der berüchtigten Kroatenregimenter. In der Schlacht wurde Colloredo durch einen Kopfschuss schwer verwundet.
„Vor Nürnberg war der Siegeszug des Schwedenkönigs 1632 jäh unterbrochen worden. Wallensteins befestigtes Lager hatte allen Stürmen der Protestanten getrotzt, und schwere Verluste durch Kämpfe und Seuchen geboten Gustav Adolf mehr denn, seine Kräfte zusammenzuhalten und Verstärkungen an sich zu ziehen. Deshalb hätte es der König gern gesehen, wenn Kursachsen sein Heer mit dem schwedischen vereinigt hätte. Aber Arnim, dem nichts daran lag, sich dem unbequemen Könige unterzuordnen, beeinflußte den Kurfürsten im gegensätzlichen Sinne. Dazu kam, daß auch Johann Georgs Bewunderung für den Schwedenkönig herabgemindert war. Einmal sind ihm wohl die wenig schmeichelhaften Äußerungen zu Ohren gekommen, die der König in seinen Briefen an Johann Casimir von Polen über den Kurfürsten – wie wir sahen zu unrecht – , getan hatte. Dann machte ihn vor allem das seltsame Auftreten des Königs im Reiche bedenklich. Wenn schon der Ausländer nach der Kaiserkrone greifen wollte, war es da nicht besser, man verdiente sich den ‚Dank vom Hause Österreich’ und willfahrte dem Fremden nicht ? So hielt man sich den Weg offen, – falls das schwedische Abenteuer fehlschlug – , auf dem man mit Anstand zum Kaiser zurückkehren konnte.
Arnim, der alte Freund Waldsteins, hatte wohl auch eine Abneigung dagegen, seinem früheren Waffenbruder im Felde entgegen zu treten; nicht daß er schon damals heimlich mit ihm verhandelt hätte, aber er wußte: dem Friedländer kreuzte man den Weg besser nicht: So gingen nur zwei Regimenter zu Roß: Hofkirchen und Herzog von Anhalt und drei zu Fuß: von der Pfordten (früher Starschedel), von Bose (früher Arnim) und von Vitzthum nach Nürnberg ab. Die sächsische Hauptarmee zog sich unter Arnim nach Schlesien. In Torgau standen zwei Regimenter zu Roß: Friedrich Wilhelm von Altenburg (früher Steinau) und Friedrich Wilhelm von Vitzthum (erst im Dezember 1631 errichtet) = 2000 Mann und Loeser zu Fuß. In Mühlberg[130] sammelte sich ein neues Dragonerregiment: von Kalkstein.
Nach dem ergebnislosen Kampfe vor Nürnberg wandte sich Gustav Adolf nach Würzburg,[131] Waldstein aber nach Sachsen zu. Der Friedländer rechnete damit, daß dieses Land seit einem Jahre vom Kriege verschont geblieben war, also gute Quartiere geben mußte. Der Kurfürst war aufs äußerste bestürzt.[132] Schon während des Spätsommers war Sachsen, besonders das Erzgebirge[133] und das Vogtland,[134] von kaiserlichen Scharen bedrängt worden. Am 19. und 20. August sprach der Rat zu Leipzig[135] sogar die Besorgnis aus, Graf Holck möchte mit seinen 7/8000 Mann auf Leipzig anrücken, wo die Pest so wütete, daß die Stadtdefension auf 500 Mann zusammengeschmolzen war. Bis gegen Dresden[136] stießen die Kaiserlichen vor und brannten Gorbitz[137] nieder; doch wagte Holck nicht, die Hauptstadt oder Leipzig anzufallen.
Ende September erschienen nun auch noch der General Jakob Gallas[138] mit 4 Regimentern zu Roß und zu Fuß (rund 10000 Mann) in Plauen,[139] schwenkte aber dann ins Altenburgische ab, wo er sich mit Holck vereinte. Dazu kamen noch kleinere Verbände: Generalwachtmeister Graf Strozzi mit den Regimentern zu Roß Colloredo, Coronino, Marsilen,[140] Merode und Bernecol[141] und Obristleutnant Adelshofen mit einer Kompagnie Dragoner und einer Kompagnie Musketiere.
Nun trafen Schlag auf Schlag Hiobsposten ein. Am 25. September entsetzte der kaiserliche Oberst Merode Wolfenbüttel[142] und schlug den belagernden Lüneburger [Georg von Braunschweig-Lüneburg; BW], dessen ganzes Regiment von Mitzlaff verloren ging, so daß ‚der Obrist durch Haxte[143] selbander geritten’. Zwar lag Pappenheim noch immer verwundet ‚zur Alefelde’,[144] seine Truppen wurden aber auf 13000 Mann veranschlagt.
Am 29. September wurde Altenburg[145] von 3000 Kaiserlichen mit 4 Stücken überrumpelt. Graf Holck und Jakob Gallas führten persönlich den Handstreich an, erpreßten 5000 Thaler, gingen aber schon am 30. auf Chemnitz[146] zurück. Von ihren Truppen heißt es: „Es ist ein wohl mundiertes Volck gewesen, vnd von vielen Regimentern auß commandiret’. In den nächsten Tagen ward Rohren[147] und Gnandstein[148] verbrannt, am 8. Oktober Freiberg[149] genommen.
Am 9. Oktober überrannte Graf Hatzfeldt mit 3000 Reitern, die er über Franken herangeführt hatte, die Stadt Lobenstein.[150] Die Burg trotzte ihm. Am folgenden Tag stieß er über Schleitz[151] nach Poßa[152] vor. Am gleichen Tage stand der Friedländer selbst mit 30000 Mann in Hof.[153] Die nächsten Tage zeigten klar, daß Waldsteins Unternehmen Leipzig galt. Am 14. Oktober trafen 14 seiner Regimenter in Altenburg ein, am 15. abends war seine Spitzensicherung ‚an hundert Reiter’ bereits in Connewitz[154] zu sehen.
Auch Pappenheim näherte sich diesem gemeinsamen Ziele. Er erstürmte am 22. Oktober Heldrungen,[155] wobei 3 Offiziere, 8 Amtspersonen, 2 Bürger, 5 Frauen und 84 weitere Leute niedergehauen wurden. Ein Leutnant, ein Kapellan, zwei Frauen und drei Kinder wurden gefangen. Der ‚Kornschreiber’ verschwand dabei. Bis an die Elbe streiften schon die feindlichen leichten Reiter. Am 25. ‚ist das Städtlein Belgern[156] von denen Crabaten in Brandt gestecket worden, … vnd ist fast alles wie auch Kirch vndt Schule in die asche gelegt’. Doch mußten die Kroaten bald umkehren ‚da sie des wassers halber an Torgav nicht kommen könten’ und drei Kompagnien in der ‚Torgavischen Heyden’ durch die sächsischen Dragoner verloren hatten. Inzwischen hatten aber die Kaiserlichen Leipzig erreicht und am 22. die Stadt, am 23. die Pleißenburg besetzt, wobei sich der Rat und der Burghauptmann Vopelius in schönem Wetteifer an Angstmeierei und Pflichtwidrigkeit überboten. Der Rat tat sein übriges noch durch beispiellose Infamie.
Dies war die Lage des Landes, als Gustav Adolf den Kurfürsten dringlichst um ‚Sukkurs’ bat, und zwar sollten die Torgauer Regimenter und [Georg von Braunschweig-; BW] Lüneburg, der sich mit etwa 2500 Reitern ebenfalls nach Torgau gezogen hatte, zum schwedischen Hauptheere stoßen. (Schreiben aus Arnstadt[157] vom 26. Oktober und aus Naumburg[158] vom 31. Oktober). Georg von Lüneburg war auch sofort bereit, aufzubrechen. Das teilte er am 30. Oktober dem Kurfürsten mit und bat ihn, die sächsischen Regimenter gleichfalls abgehen zu lassen. Aber der Kurfürst forderte erst genauere Nachrichten ein (am 1. November). Dieses Schreiben kreuzte sich mit dem Lüneburgs vom gleichen Tage, der schon Gustav Adolfs Aufforderung aus Naumburg in den Händen hätte. Er erklärte, für seine Person wolle er ‚über heute und morgen aufs langeste’ aufbrechen, bat aber wieder, daß die Sachsen ihn begleiten dürften. Ehe der kurfürstliche Bescheid eintraf, forderte Lüneburg am 2. ‚schleunigst, schleunigst’ des Kurfürsten Entscheidung. Aber Johann Georg schlug am gleichen Tage alle Unterstützung aus, da auf dem rechten Elbufer und in Böhmen bedrohliche Truppenansammlungen stattfanden. Überdies riet er Lüneburg dringend, selbst in Torgau zu bleiben.
Der König war inzwischen unruhig geworden. Trotz der vollständigen Unsicherheit der Wege sandte er seinen Geheimschreiber Laurentius Grubbe nach Dresden, der am 5. November Torgau erreichte und am 6. in Dresden eintraf. Er erreichte es endlich, daß Hoffkirchen angewiesen ward, die sächsischen Regimenter Altenburg und Fr. v. Vitzthum zu Roß gemeinsam mit Lüneburg den Schweden zuzuführen ‚vnd neben den andern, vnsern Regimentern, so bereit bey der Königl. Armee seynd, hiruoriger erteilter Ordinanz nach (zu) commandiren’. Neben Grubbes eindringlichen Vorstellungen hatte wohl auch das ‚Torgauer Protockoll’ vom 3. gewirkt, das die Räte Hanns Caspar von Körbitz, D. Gabriel Tünzel und Heinrich Hildebrand von Einsiedel aufgesetzt hatten, als ‚Ihnen die von Dietrich von Tauben dem Jüngeren anhero gebrachte Konigliche Schreiben communiciret worden’. Sie rieten darin, obschon das ihre Amtsbefugnis eigentlich nicht sei, 1500 Reiter mit Lüneburgs 2500 Reitern abzuschicken, einmal in Rücksicht auf das ‚Ansehen bei Ihrer Königl. Majth., welch diesen Landen zum besten so einen schweren wegk gezogen’ und ferner könne der ‚Torgauer Paß’, d. h. die Schirmenitzer[159] Enge mit den restlichen 500 Reitern auch noch gedeckt werden.
Auch Gustav Adolfs Schreiben vom 2. aus Naumburg war nun in des Kurfürsten Hände gelangt. Der König erklärte darin, er wolle vor dem Anmarsche der Verstärkungen keine Schlacht annehmen. Zum mindesten solle Kursachsen eine fliegende Abteilung vorausschicken sowie ‚ein Paar Hundert Zentner Pulver’ und die ‚Defension’ in dem besetzten Gebiet aufzubieten gestatten. Ohne Kursachsens Bescheid abzuwarten tat der König am 3. November dies auf eigene Faust, was zweifellos einen Eingriff in des Kurfürsten Hoheitsrechte darstellte und in Dresden[160] sehr peinlich vermerkt werden mußte.
Am 6. November ging Dietrich von Taube an den König zurück. Er sollte zunächst mündlich anbringen, Geld – auch darum hatte Gustav Adolf gebeten – , könne Kursachsen auf keinen Fall geben, da es ‚sich des vorraths ziemlich sehr entblöst’ sähe, was übrigens lautere Wahrheit war. Das Schreiben, das Taube gleichzeitig überreichen sollte, sagte: Proviant für die Schweden werde eben zusammengebracht, da aber Gallas von Freiberg[161] nach Böhmen gezogen und zu befürchten sei, er möchte sich nach Schlesien wenden oder bei Leitmeritz[162] über die Elbe gehen und dann auf dem rechten Elbufer gegen Dresden anrücken, könne man nur die beiden Regimenter zu Roß entbehren. Überdies fügte der Kurfürst eine Heeresliste Waldsteins und Gallas bei, die in dem vorliegenden Altenstücke (loc: 9231) leider fehlt und auch sonst nicht zu finden ist. Mit dem Aufgebote der Defension fand man sich in Dresden als mit einer vollendeten Tatsache ab und ernannte am 9. November den Obristen Dam von Vitzthum zum Befehlshaber dieser Truppe. Dessen heftige Klagen über eine solche Ernennung zeigen deutlich, wie man in Soldatenkreisen über diese Waffe dachte.
Über das Verhalten Johann Georgs ist viel Unnützes geschrieben worden. Fast einstimmig verurteilt man in den schärfsten Ausdrücken sein ‚bundesbrüchiges’ Benehmen. Das ist aber sehr ungerecht, wenn man alle Umstände in Betracht zieht, die damals auf Kursachsen einstürmten: da Arnim Sachsen noch immer nicht erreicht hatte, bildete die Abteilung Gallas tatsächlich eine ständige Gefahr für Dresden oder für die Torgauer Pässe. Zudem waren die Zustände in Torgau selbst alles, nur nicht geordnet. Das weist ein Brief des Generalkriegskommissars [Joachim; BW] von Schleinitz aus, in dem es heißt (Bericht vom 29. Oktober 1632, 11 Uhr abends):
‚Sonsten befinde ich allenthalben eine grosse verwirrung vnd confusion, auch wegen der Menge des Volcks grossen mangel an Proviandt vnd sonderlich an bier alhier. – . Die Tragoner zu Mülbergk,[163] welche noch nicht gemustert, desgleichen Stachs [Eustachius; BW] Lösers Knechte alhier begehen gantz grobe Insolentien, lassen sich auch sehr leichtfertiger reden verlauten, weil sie kein geld bekommen’. Zudem machte der Fall von Leipzig einen sehr widrigen Eindruck auf die Truppen, da er in übertriebenen Gerüchten nach Torgau gemeldet gemeldet ward; darnach sollte das Schloß, ‚nach deme zwey Schöße aus den stücken darwieder geschehen’ übergegangen sein ‚und hatte Er, bemelter Vopelius, sich vnter den Keys. vnterhaldten lassen’.
Bei den Hauptheeren nahte die Entscheidung fühlbar heran. Nach der Einnahme von Leipzig war Waldsteins Hauptmacht vor der Stadt in dem Lager zusammengehalten worden. Am 28. Oktober ging Graf Holck ‚inder Thomaskirchen zur Predigt’, wie er sich dann immer wieder auf den treuen Lutheraner hinausspielte, wenn ihm das nützlich schien. Einzelne Abteilungen, die sich doch noch in der Stadt gefunden hatten, wurden am 30. daraus zurück und ins Lager gerufen. Am gleichen Tage erreichte der kaiserliche Vortrab Weißenfels,[164] das samt dem Schlosse geplündert ward. Gustav Adolf erreichte, ebenfalls am 30., Naumburg. So standen die Truppen wie sprungbereite Tiger einander gegenüber.
Friedland erkannte sofort, daß er den Schweden gar nicht erst nach Sachsen hineinlassen dürfe, wenn anders ihm nicht die Winterquartiere verdorben werden sollten. Er mußte die Schlacht also anbieten, nicht annehmen, wo der König sie ihm bot oder aufzwang. Daher ließ er am 31. Oktober das Hauptheer ‚mit Geschütz vnd Bagäsche nach Ranstatt[165] vnd Lützen’[166] aufbrechen. ‚Es war eine vnaußsprechliche Menge Volcks: dessen Marsch von 7 Uhr frühe Morgens an / biß in die sinckende Nacht gewehret hat’. [...]
Am 2. November kamen Eilboten durch Leipzig, ‚welche den General Gallam mit seinem Volck haben herbey rufen sollen: vnter dessen wurden alle Häuser umb das Schloß herumb niedergerissen: vnd muste fast die gantze Stadt daran arbeiten’. Waldstein wollte also alle kaiserlichen Truppen in Sachsen vereinigen und die Pleissenburg zu seinem festesten Stützpunkt machen. Da Gustav Adolf sich in Naumburg still hielt, glaubte Waldstein, der König werde der vorgeschrittenen Jahreszeit wegen nicht mehr versuchen, gegen ihn vorzustoßen. Um nun die Lützener und Leipziger Gegend etwas zu entlasten und gleichzeitig seine Flanke zu sichern, sandte er am Morgen des 5. Pappenheim mit dessen Regimentern zu Roß und zu Fuß nach Halle[167] ab.
Weshalb Gustav Adolf bis dahin gezögert hatte, Waldstein anzugreifen, wissen wir: er wartete, daß Kursachsen und Lüneburg zu ihm stoßen würden. Vor allem an Reiterei gebrach es dem Schweden sehr. Er besaß kaum 8000 Mann, und das waren nicht die besten Leute. Waldstein dagegen verfügte über 10000 Reiter, fast alles vorzügliches Volk. Erst als am 4. November noch immer kein Bescheid aus Dresden kam und der König durch gute Kundschafter erfuhr, daß Pappenheim sich vom Hauptheere trennen würde und nach Halle ging, beschloß er mit den vorhandenen Truppen anzugreifen.
Am frühen Morgen des 5. Novembers – ‚drey Stunden vor Tag’ (d. h. vor Sonnenaufgang, also etwa etwa ½ 5 Uhr) brach das schwedische Heer aus Naumburg auf. Da die Landstraße nach Weißenfels etwa 15 km lang und das Gelände sehr durchschnitten ist, können die Schweden Weißenfels erst mit Sonnenaufgang erreicht haben. Sie fanden Stadt und Schloß geräumt. Auch den abziehenden Feind vermochten sie nicht mehr einzuholen. Er war ungestört bei Rippach[168] und Poserna[169] über die Rippach gegangen. Nur die Rückendeckungen der beiden Abteilungen holten sie ein und zwangen sie zum Kampfe.
Es waren Kroaten- und Dragonerabteilungen. In dem Geländeabschnitte der Rippach entwickelte sich ein heftiger Kampf, in den zuletzt sogar die schwedischen Stücke eingriffen. Schließlich mußten die Kaiserlichen weichen, da sie ausschließlich nur leichte Truppen zur Verfügung hatten, und verloren eine Standarte, ‚darinnen die Fortune vnd deß Röm. Reichs Adler gestanden’, ‚vnd hette man noch ein paar Stunden Tag gehabt / wäre der Feind meistentheils ruinirt worden’. So ging die Sonne bereits kurz nach 4 Uhr unter, und der einfallende Nebel zwang die Schweden, diese Nacht auf dem rechten Ufer der Rippach zu lagern.Der König war entschlossen, am nächsten zeitigen Morgen den Stier bei den Hörnern zu packen und anzugreifen. Deshalb ließ er die Truppen gleich ‚in bataglia’ lagern. Er war sehr zufrieden: der Rippachübergang, der gut verteidigt den Schweden böse Schwierigkeiten hätte bereiten können, war gewonnen, und die erbeutete Standarte erschien wie ein gutes Vorzeichen.
Dam Vitzthum hatte mit seinem Regimente zu Fuß ‚so ahn die Officirer noch 350 gefunden Mann starck ist, alhir in der Naumburg zu vorbleiben, vnndt alle Disordre, weil sich Ihr Maytth: eine Blünderung von dem Gantzen Droß vnd vieler Canalien besorgt, verhütten zu helffen, auch diese Stadt in beste Verwahrung zu nehmen, Vnndt die Nachschickung der Proviandt zufördern zu helffen’. Hätten die Sachsen im Vorjahr bei Podelwitz[170] tatsächlich die schwedischen Wagen geplündert gehabt, so würde der König wohl ein anderes Regiment mit diesem verantwortungsreichen Posten betraut haben.
Die Regimenter v. d. Pfordten und v. Bose zu Fuß, sowie Hoffkirchen und Anhalt zu Roß waren in der ‚bataglia’ des Königs, so daß es vollständig aus der Luft gegriffen ist, wenn man behauptet, – was noch immer geschieht, – die Sachsen hätten bei Lützen nicht mitgefochten. Die sächsischen Regimenter hatten zwar schwer gelitten, wie wir an dem Vitzthum zu Fuß sehen, aber auch die Schweden waren nicht in bester Verfassung, da auch sie vor Nürnberg durch Pest und Kämpfe und durch die Gewaltmärsche der letzten Wochen viele leute verloren hatten. Im ganzen verfügte Gustav Adolf über rund 30000 Mann. Diese Zahl läßt sich folgendermaßen errechnen:
Nach der Schlacht bei Lützen hatte Weimar noch 237000 Mann
An Toten verloren die Schweden 3000 Mann
An Verwundeten ungefähr 1500 Mann
Die sächsischen Truppen betrugen 2000 Mann
Zusammen rund 30000 Mann.
Nach dem überraschenden Vorgehen Gustav Adolfs am 5. war sich Waldstein darüber klar, daß der König für den folgenden Tag einen ernstlichen Angriff auf das Hauptheer beabsichtigte. Der Friedländer ahnte wohl den ganzen Zusammenhang: der Schwede mußte von Pappenheims Abzug erfahren haben und wollte nun das erheblich geschwächte kaiserliche Heer von Leipzig abdrängen. Einem ernstlichen Angriffe aber war dieses kaum gewachsen. Sechs seiner besten Regimenter zu Fuß und mehrere Reiterregimenter fehlten. Deshalb ließ Waldstein sofort folgenden Handbrief an Pappenheim abgehen:
‚Der Feind marchirt hereinwarths, der Herr lasse alles stehn und liegen und incamiere sich herzu mit allem Volck und Stücken, auf daß er morgen fruh bey uns sich befündet’.
Das war die einzig mögliche und einzig richtige Maßregel, die Waldstein ergreifen konnte. Daß sich in ihr ‚die Unruhe, die Aufregung, die Furcht im Lager der Kaiserlichen’ ausdrücke, wie Droysen meint, ist doch etwas fantasievoll. Im Gegenteile: sie zeigt, daß der Friedländer durchaus Herr der Lage war. Freilich war Pappenheims Rückkehr keine so einfache Sache.
Rechnet man, daß Waldstein vor abends 7 Uhr kaum vollständig über die Vorgänge bei Rippach unterrichtet war, so ist der Kurier schwerlich vor 8 Uhr abgeritten. Er hatte 32 km in Nacht und Nebel – beides wörtlich zu nehmen – auf schlechten Wegen zu reiten, wird also in der Stunde mehr als 8 km nicht haben zurücklegen können. Dann wäre er um 12 Uhr in Halle eingetroffen. Ehe die Regimenter marschfertig waren, – sie hatten mit einem so jähen Alarm gar nicht rechnen können, – vergingen mindestens 6 Stunden, so daß wir Pappenheims Aufbruch auf früh 6 Uhr frühestens ansetzen dürfen. In geschlossener Marschkolonne wird auch die Reiterei – alle Nebenumstände in Anrechnung gebracht – in der Stunde nicht mehr als 4-5 km zurückgelegt haben, darnach war Pappenheim auf dem Schlachtfelde vor 1 Uhr mittags nicht zu erwarten, selbst wenn alles gut ging. Das schwerfällige Fußvolk wird über 3 km in der Stunde nicht hinter sich gebracht haben, hätte also zum Marsche rund 11 Stunden gebraucht und wäre demnach ½ 5 Uhr nachmittags, d. h. nach Einbruch der Dunkelheit, eingetroffen, was wiederum [ Augustin von; BW] Fritsch bestätigt: ‚Aber wegen der Weite des Weges kamen wir erst gegen Abend an’.
Waldstein konnte in der Nacht nicht viel mehr tun, als die Stellung für den nächsten Morgen schriftlich festlegen und den einzelnen Regimentern zuschicken. Das erzählt auch Diodati. Eins stand jedenfalls im kaiserlichen Hauptquartier unerschütterlich fest: man wollte den Angriff der Schweden abwarten, da bei der geringen Truppenzahl an eine Angriffsschlacht gar nicht zu denken war. Noch in der Dunkelheit, am frühen Morgen, bezogen die Regimenter ihre Stellungen. Dem Zwecke der Verteidigung angemessen mußten sie in erster Linie die Landstraße nach Leipzig decken.
Wiederum tat Waldstein etwas, was gar nicht dem Zustande entspricht, den Droysen bei ihm voraussetzt: er ließ in aller Ruhe die Gräben zu beiden Seiten der Landstraße etwas vertiefen, – viel war nicht nötig, denn noch heute decken diese Gräben einen Mann mittlerer Größe bis zu den Schultern, – mit ‚Brustwehren’ versehen und von Schützen (Musketieren) besetzen.
Mit dem rechten Flügel lehnte sich Waldstein an Lützen, das er zu Beginn des Treffens noch besetzt hielt. Hinter der Stadt, auf der Anhöhe mit den ‚vier Mühlen’ wurde eine Batterie von 14 Stücken gepflanzt. Dahinter hielt der rechte Flügel: eine Brigade zu Fuß, die aus den Regimentern Waldstein und Marques de Grana bestand, außerdem zwei Schlachthaufen Reiter mit kommandierten Schützen, – diese Aufstellung hatte man Gustav Adolf abgesehen, – und als äußerste rechte Flankendeckung Kroaten. Den Befehl über den rechten Flügel führte der ‚junge Waldstein’, Berthold von Waldstein, des Friedländers Neffe.
Mitteltreffen und linker Flügel waren waren nicht getrennt, ja man kann sogar sagen, daß der linke Flügel fehlte. In der Mitte der Aufstellung befand sich das bekannte spanische Vierbrigadenbataillon, das sich vermutlich aus den Regimentern Colloredo, Alt-Sachsen; Terzky, Breuner, Condradas, De Soye; Geiß, Baden zusammensetzte. Die Verbindung mit dem rechten Flügel stellten zwei Schlachthaufen Reiter dar. Den linken Flügel ersetzen zunächst zweimal je drei Schlachthaufen Reiter. In der zweiten Reihe standen die Garderegimenter Piccolomini zu Roß und Götzkürassiere. Auch hier deckten Kroaten die Flanke. 7 Geschütze waren vor den Gräben im freien Felde gepflanzt und beherrschten die Anmarschstraße von Meuchen.[171]
Das Fehlen des linken Flügels ist nicht so wunderbar, wenn man weiß, daß Waldstein mit Pappenheims Anmarsche rechnete. Pappenheim sollte sich einfach an den einstweiligen linken Flügelschutz ansetzen. Daß er dies wußte und auch tat, beweist sein Eingreifen an dieser Stelle. Die Absicht kam nur nicht richtig zur Ausführung, weil Pappenheim bei seiner Ankunft die Schlacht schon im vollen Gange fand und soweit fortgeschritten, daß der linke Flügelstumpf so ziemlich eingedrückt war. Alles in allem war Waldsteins Stellung in einer Art meisterhaft: als Verteidigungsstellung. Den schwächsten Punkt des Ganzen, den linken Flügel, deckte zudem der Floßgraben.
Auch damals kann er nicht viel breiter als heute gewesen sein: etwa 2, 50 m. Heute würde er keiner Kompagnie mehr ein Hindernis sein, obschon er recht reißend und ziemlich tief ist. Damals aber war er auch für ein Heer einfach unüberschreitbar, denn die schwerfälligen Verbände, die des Heeres Stärke ausmachten, mußten dabei rettungslos auseinander gehen. Werden wir doch sehen, daß sogar die beiden trockenen Straßengräben Gustav Adolfs Reiter ernstlich aufhielten. Bedenklich war Waldsteins Stellung nur dadurch, daß man aus ihr von der Verteidigung unmöglich zum Gegenangriff vorgehen konnte. Das wollte aber der Friedländer auch nicht. Ihm schwebte der Gedanke vor, die Schweden sollten sich an seiner Stellung genau so die Köpfe einrennen wie vor Nürnberg. Dabei rechnete er mit dem Feuerkopfe des Königs, der ihm schon in Bayern den gewünschten Erfolg gebracht hatte. Überhaupt lag es Waldstein ganz fern, sein schönes Heer in offener Feldschlacht aufs Spiel zu setzen. Sein Streben war von Anfang dahin gegangen, den Schweden zu ermüden und sich in nutzlosen Angriffen erschöpfen zu lassen. Wenn ihm dies bei Lützen mißlang oder doch nur halb gelang, so lag das an den geringen Streitkräften, über die er bis Sonnenuntergang verfügte.
Über des Friedländers Truppenzahl besitzen wir folgende Liste, die aber Pappenheims Regimenter nicht enthält. Zur Umrechnung können wir den Maßstab anwenden: eine Kompagnie zu Roß = 50 Pferde, ein Fähnlein = 100 Mann.
Regimenter zu Roß:
Holck‚ ohngefähr’ 8 Komp. = 400 Mann
Martsini[172] 10 Komp. = 500 Mann
Piccolomini 10 Komp. = 500 Mann
Terzky (2 Regimenter) 15 Komp. = 750 Mann
Spaar[173] 5 Komp. = 250 Mann
Götz 10 Komp. = 500 Mann
Einaten 5 Komp. = 250 Mann
Pollacken 6 Komp. = 300 Mann
Isolani (4 Regimenter) 20 Komp. = 1000 Mann
Hatzfeldt 5 Komp. = 250 Mann
Bredow 5 Komp. = 250 Mann
Zusammen: 99 Komp. = 4950 Mann
Regimenter zu Fuß:
Colloredo 7 Fähnlein 700 Mann
Marchese de Grana 9 Fähnlein 900 Mann
Waldstein 10 Fähnlein 1000 Mann
Alt-Sachsen 10 Fähnlein 1000 Mann
Terzky 10 Fähnlein 1000 Mann
Breuner 10 Fähnlein 1000 Mann
Zusammen 56 Fähnlein 5600 Mann
Condradas 10 Fähnlein 1000 Mann
De Soye 10 Fähnlein 1000 Mann
Baden 10 Fähnlein 1000 Mann
Geiß 10 Fähnlein 1000 Mann
Übertragung 56 Fähnlein 5600 Mann
Zusammen: 96 Fähnlein 9600 Mann
Im ganzen hatte also Waldstein:
99 Kompanien = 4950 Mann zu Roß
96 Fähnlein 9600 Mann zu Fuß
195 Kompagnien = 14550 Mann[174]
So daß Diodatis Angabe: 12000 Mann nicht so falsch ist, als man früher angenommen hat.
Pappenheims Truppenzahl müssen wir mehr schätzungsweise anführen. Sein Fußvolk war 6 Regimenter stark, als etwa 6000 Mann, nach dem üblichen Verhältnis wird er dazu ungefähr 400 Reiter gehabt haben, alles in allem also 10000 Mann, so daß für das kaiserliche Heer, enschließlich der Geschützbedienungen rund 25000 Mann anzusetzen wären. Wenn Waldsteins Gesamtmacht gelegentlich auf 30 ja 34000 Mann veranschlagt wird, so erklärt sich daraus, daß unter dieser Zahl ‚aber viel Droß vnd Wehrloses Gesindlein / benebens einer großen Menge Pagagi’ mit inbegriffen ist. [...] Anfangs hatte Waldstein also eine Übermacht gegen sich, und Pappenheims Reiterei glich am Mittag den Unterschied immer noch nicht aus. Außerdem hatten die Schweden wieder den Vorteil zahlreicher leichter Feldgeschütze, dafür aber eine nicht günstige Stellung, wennschon der dichte Nebel wenigstens ihren Anmarsch verschleierte.Gustav Adolfs Vorteil an Truppenzahl konnte nur wirksam werden, wenn er rasch angriff und Waldstein sofort überrannte. Sein Zögern des Nebels halber hat ihm den entscheidenden Sieg verdorben.
Den Gang der Einzelereignisse der Schlacht darzustellen, fällt ungemein schwer. Einen der Gründe dafür führt bereits Chemnitz an: ‚dan solches richt / vnd wie es eigentlich hergangen / zu beschreiben / auch denjenigen / so dabey gewesen / vnmöglich fällt: Alldieweil der fast vbernatürliche Nebel so groß gewesen; daß kein Regiment von sich selbst / zu geschweigen von andern / berichten können’. Trotzdem sind unendliche Mengen von Schilderungen dieser Schlacht auf uns gekommen, die aber einfach unvereinbar sind, wenn man sich darauf versteift, alles wörtlich hinzunehmen und sie nicht zu vereinigen versucht. Droysen hat eine sehr wissenschaftliche Arbeit über Lützen geschrieben, so wissenschaftlich, daß er am Ende gesteht: von der Schlacht wissen wir so gut wie nichts Genaues. Wenn man aber die Schlußworte seiner Abhandlung liest, so merkt man die Absicht und ist verstimmt. Es scheint, als habe Droysen an einem Schulbeispiel erweisen wollen, daß man Schlachten überhaupt nicht darstellen kann. Daß ihm bei dieser vorgefaßten Meinung alles ‚wie Meersand bei der Kinder Spiel’ in der Hand zerrinnt, ist natürlich nicht wunderbar.
Es sei auch hier nicht verhehlt, daß wir bei dieser Darstellung der Schlacht nicht immer restlos geklärte Tatsachen vor uns haben, sondern daß wir uns oft darauf beschränken müssen, an der Hand guter Berichte das wahrscheinliche Bild des Kampfes zu geben. Bei dieser Betrachtungsweise ist eins natürlich unvermeidlich: wir müssen von vornherein alles ausschalten, was sofort als spätere, romanhafte Zutat erkennbar ist, z. B. die packenden und ergreifenden Schilderungen vom Tode des Königs, der ganze Leubelfingroman u. a. m.
Gustav Adolfs ursprüngliche Absicht am 6. November war: er ‚wollte etliche stunden vor der Sonnen Auffgang den Feind angreiffen, vnd ihn vberfallen / weil aber ein dicker Nebel war / vnd man nicht für sich sehen kunte / erwartete Ihre Mayt. deß Morgens. Als die Kayserischen der vnserigen Anschlag bey zeiten innen worden / haben sie alsbald die am Weg gemachte Lauffgraben noch tieffer gemacht / vnnd dahin etliche hundert Mußquetirer geordnet / welche solche Graben zur Brustwehr gebraucht haben’.
Demnach brach Gustav Adolf erst bei Sonnenaufgang, d. h. ½ 8 Uhr morgens auf. Das Heer hatte auf dem rechten Rippachufer ‚in bataglia’ übernachtet, formierte also nicht erst Marschkolonne, sondern ging in voller Schlachtordnung vor, genau wie bei Podelwitz.[175] Diese Ordnung war wie folgt:
Rechter Flügel
1. Treffen II. Treffen
19 Finnen R. Herzog Wilhelm zu Sachsen-
kleine Musketiere Befehlshaber: Weimar R.
Feldstücke Westgöthar R. Der König Goldstein R.
Musketiere
Sörmanland R. Zorn von Bulach R.
Musketiere
Upland R. Beckermann R.
Musketiere
Ostgöthar R. Hessen
Musketiere
Småland R. von Uslar[176] R.
Das erste Treffen des rechten Flügels zeigt ganz das Bild von Podelwitz, im zweiten fällt das Fehlen allen Fußvolkes auf. Der Grund dazu wird wohl in dem starken Menschenverluste der Schweden zu suchen sein. Bezeichnend für die Meinung, die der König von seinen deutschen Bundesgenossen hatte, ist deren Einordnung ins Hintertreffen.
Mitteltreffen
I. Treffen II. Treffen
20 große 1. Schwedische Brigade Oberst Oberst von Bose
Feld- Erek Handt Keil
Stücke Carl Hårdt Befehlshaber: Herzog Wilhelm
Keil
2. Schwedische Brigade Niclas Dodo von Inn- Burte
Leibkompagnie Graf von und
Leibregiment Brahe Kniphausen Mitschefal Oberst
3. Schwedische Brigade Winckel Öhmes[177]
Blaues Regiment Graf Thurn Schwa-
Weimarsche Brigade Bernhard dron
Grünes Regiment Mitzlaff
Auch im Mitteltreffen stehen die deutschen Truppen im zweiten Treffen.
Linker Flügel
I. Treffen II. Treffen
20 Herzog Bernhard R. Hoffkirchen R
kleine Musketiere Befehlshaber:
Feld- Kalberg R. Herzog Bernhard Anhalt R.
Stücke Musketiere zu Sachsen Löwenstein R.
Kurländer (Wrangel) R. Brandenstein R.
Livländer (Diefenhausen[178]) R. Steinbach R.
Musketiere Stechnitz und
Courville Franzosen R.
Richtspunkt für das Mitteltreffen war das Dorf Meuchen. Ob Gustav Adolf vor dem Aufbruche eine Andacht gehalten hat und dabei eine erbauliche Ansprache hielt, wollen wir dahingestellt sein lassen. Am wahrscheinlichsten ist es, daß er nur gesagt hat: ‚Nun wollen wir dran, das walt der liebe Gott !’,[179] denn das sind Worte ohne alles Theaterhafte, das der gute handfeste Schwede haßte, und klingen im Munde eines Feldherrn vernünftiger und besser als eine halbe Predigt. Daß der König ‚nüchtern / vnd ohne zu sich nehmung Speise oder Trancks auff den Feind’ ging, ist glaublich. Der König wird von früh an im Sattel gewesen sein, immer in der Hoffnung, der Nebel werde sich doch noch lichten. Sicher ist, daß er, wie bei Podelwitz bei der ‚Avantgardi’, d. h. auf dem rechten Flügel ritt. Diesmal war das aber nicht der gefährdetste Punkt.
Vielmehr stand der linke Fügel Lützen ziemlich nahe und kam so zuerst an den Feind. Waldstein ließ nur seine Seitendeckungen, die Kroaten, ausschwärmen und so erklärt es sich, daß Gustav Adolf ‚von beyden Seiten deß Feindes Reuterey Ihme hat entgegen gehabt’. Als nun der linke Flügel ‚nahe bey Lützen kommen, ist von den Mauren etwaß auß Mußqueten gespielet worden, an der seiten der Stadt haben sich 4 Trouppen Reuter sehen lassen, welche ganz stille gehalten – ‚, wohl Aufnahmetruppen für die Kroaten, falls die Schweden diese ernstlich angreifen sollten – , ‚worauff man deß Feindeß spiell von mehr ahnmarchirenden Volck klehrlich vornehmen können, Also haben Ihro Mayt. Ihre bataille zu der rechten Seiten an der Stadt biß gegen den flößgraben avanciret’.
Hieraus sehen wir zweierlei: der König findet Lützen besetzt, greift es aber nicht an, sondern nimmt sein ganzes Heer im Winkel von 90 Grad nach rechts herum, d. h. er schwenkt um den linken Flügel, einmal um sich der Deckung durch den Floßgraben zu versichern, dann um seine Hauptabsicht zu verwirklichen: den Feind von der Straße nach Leipzig abzudrängen. An dem Besitze der Stadt Lützen lag ihm zunächst nichts. Im Gegenteile: es war ganz gut, wenn man dort dem Feinde ein Tor ließ, durch das er schlüpfen konnte, wenn er geschlagen war.
Wichtig war es, sich zwischen Waldstein und Leipzig zu werfen, denn dann erreichte man ein doppeltes: einmal trennte man dann die Kaiserlichen von ihrer Verpflegungsstelle und dann war Kursachsen und Lüneburg die Hand geboten, denn der König glaubte beide nun bestimmt im Anmarsche. Mit dem Feuer aus Lützen begann das Treffen, gegen ½ 9 Uhr mittags. Eine Stunde später erhielt auch der schwedische rechte Flügel Feuer aus der Grabenbatterie ‚zwischen 9 vnd 10 Uhr’. Damit fing der eigentliche Kampf an.
Zwei Stunden lang schossen sich zunächst die Stücke herum. Dabei sollen von schwedischer Seite 5, von den Kaiserlichen 80 Schüsse gelöst worden sein. Soviel ist jedenfalls sicher: Gustav Adolf zögerte, bei dem dichten Nebel anzugreifen, ehe er sich über des Feindes Stärke ganz klar geworden war. Vielleicht hoffte er auch, Waldstein aus seiner Stellung herauszulocken, wie ihm das im Vorjahr mit Tilly gelungen war. Auch hätte Lüneburgs Auftauchen in der linken kaiserlichen Flanke Waldstein zum Wechsel seiner Aufmarschlinie zwingen können. Aber nichts regte sich dort. Als schließlich der Mittag herankam und von seiten der Kaiserlichen nichts geschah, sagte sich der König, daß weiteres Zögern nur dem Feinde Vorteil bringen könne, d. h. ihm Zeit lassen, seine Verstärkungen – Pappenheim – heranzuziehen. Deshalb entschloß er sich zum Angriffe. Schon zu spät. Die verlorenen zwei Stunden haben den schwedischen Sieg bei Lützen vereitelt, denn sie gestatteten Pappenheim, heranzukommen. Ohne ihn hätten die Schweden den erheblich schwächeren Waldstein überrannt.
Entgegen dem sonstigen Brauche, das Treffen mit der Flügelreiterei zu eröffnen, ließ Gustav Adolf zuerst das Fußvolk des Mitteltreffens vorgehen. Auf die starke Geschützstellung vor ihm mit der Reiterei anzusetzen, schien ihm doch zu gewagt. Gleichzeitig sollte Herzog Bernhard auf dem linken Flügel vorgehen. Dort hatten die Kaiserlichen in dem Glauben, Lützen solle von den Schweden angegriffen werden, die Stadt angezündet und sich langsam nach der Windmühlenanhöhe zurückgezogen. Deshalb hat der Bericht recht, der sagt, der kaiserliche rechte Flügel sei ‚anfangs zimblich gewichen –doch entlich gegen den Windmühlen ferne stehen blieben’. Von einem Erfolg Weimars konnte hier kaum die Rede sein. Waldstein nahm einfach aus rein taktischen Gründen seinen Flügel etwas zurück.
Den Angriff auf die Grabenbatterie begann des Königs Leibregiment. Es war gegen ½ 12 Uhr mittags. Der König wollte die verlorene Zeit einholen, warf deshalb sofort die besten Truppen in den Kampf. Der Erfolg gab seiner Maßnahme recht: die 7 Stücke wurden erobert, die Schützen aus den Gräben geworfen, die Straße war in den Händen der Schweden. Der ganze rechte Flügel der Schweden ging nun an die Straße heran, auch die Reiterei. Waldstein ahnte nichts Gutes, er ließ schleunigst den Fuhrpark hinter seinem linken Flügel auf den rechten hinüberbringen. Im Mitteltreffen hatten sich inzwischen Leibregiment und die vorderste Brigade des ‚Schlachthaufen’ verbissen. Aber das schwedische Regiment war ‚wegen des starcken Fechtens fast ermüdet’ und ward ‚fast umbringet’. Die am weitesten vorgestoßenen Abteilungen wurden einfach niedergemacht, die übrigen hatten alle Mühe, ‚daß sie sich mit genauer Not haben durch arbeiten können’. Im Kampfe erhielt der Regimentskommandeur Niklas Graf von Brahe eine schwere Wunde ‚im Schenckel’, 5 Hauptleute, 3 Leutnants, 3 Fähnriche, 18 Unteroffiziere und 258 Mann blieben tot auf dem Platze (= 287 Mann bei 1100 Mann Bestand). Die ‚Leibkompagnie der Guardi’ verlor einen Leutnant, 8 Fähnriche, 15 Unteroffiziere und 3 Mann an Toten (= 27 Mann bei 150 Mann Bestand). Die Verwundeten sind in beiden Zahlen noch gar nicht inbegriffen.
Daß es den Resten gelang, sich durchzuschlagen, verdankten sie nur dem entschlossenen Vorstoße des Obristen Winckel mit dem blauen Regimente, das zur Aufnahme herbeieilte. Aber auch seine Verluste waren schwer, ja noch schwerer als die vom Leibregiment. Der Oberst selbst fiel,[180] mit ihm 5 Hauptleute, 5 Leutnants, 4 Fähnriche, 18 Unteroffiziere und 381 Mann (413 Mann von 1100 Mann Bestand), auch hier fehlen die Verluste an Verwundeten. Darnach war das blaue Regiment so gut wie vernichtet. Daher flutete denn auch der Rest der Schweden über die Gräben und die Straße zurück.
Was hatte nun plötzlich die Stoßkraft der Kaiserlichen so gestärkt ?
Pappenheim war mit ‚etlichen Regimentern zue Pferd und Dragoner’ auf den kaiserlichen linken Flügel eingerückt (um 12 Uhr). Aber kaum hatte er sich vor sein Reitergeschwader gesetzt, als ihn eine schwedische Stückkugel aus einem Falconet, einer leichten Feldschlange, in die Hüfte traf. Todwund sank er aus dem Sattel und mußte hinter die Linie gebracht werden. Obschon man sich sofort entschloß, ihn nach Leipzig zu bringen, verschied er bereits auf der Fahrt im Wagen, nachmittags um 3 Uhr.
Einen Augenblick stutzten seine Regimenter. Es sah aus, als wollten sie kehrt machen, da setzte sich Graf Piccolomini an die Spitze seines Regiments und des Regiments von Goetz-Kürassiere, die auf dem linken Flügel standen, und brach mit der ganzen Reitermacht in das vorgedrungene schwedische Fußvolk, dem die seitendeckende Reiterei fehlte. Nacheinander überritt er Leibregiment, das ohnehin stark erschöpft war, und Winckel, das wahrscheinlich in dem Augenblicke angegriffen ward, wo es sich nach dem Übergange über den Graben neu ordnete. Dieser bedeutende Erfolg lohnte es schon, daß Graf Piccolomini selbst eine Musketenkugel erhielt, fünf Pferde unter sich zusammenstürzen sah und fast alle Offiziere tot oder verwundet und 200 Reiter auf dem Platze ließ.
Man begreift zunächst nicht recht, warum die schwedische Reiterei des rechten Flügels untätig zusah, wie ihr Fußvolk überritten und niedergehauen ward. Der Grund dafür war: die Reitermassen wagten sich nicht über die Gräben, weil sie dabei in Unordnung zu kommen fürchteten. Der König aber, um seine Garde zu retten, wollte versuchen, ihr mit der Reiterei wenigstens den Rückzug zu decken. Er eilte also auf das nächste Regiment zu Roß zu, – es war Småland, das dicht neben dem Fußvolke hielt, – aber auch er erkannte, daß man die Gräben nicht einfach überreiten konnte. Da entdeckte er eine art Grasbrücke, wie es deren an der Landstraße einige gibt. Zwar konnten die Reiter auf ihr nicht ‚mit dergestalt geschlossener ordre advanciren’, doch kurz entschlossen ließ der König ‚Marschkolonne’ formieren, setzte sich an die Spitze des Regimentes und ging über die Gräben. Drüben aber hielt das vorgestoßene Regiment Goetz-Kürassiere, das zunächst nicht in den Kampf eingegriffen hatte. Es gab auf die anreitenden Schweden eine Salve ab. Die Zügelfaust des Königs sank schlaff herab: sein linker Arm war zerschmettert. Dadurch verlor er die Gewalt über sein erschrockenes Pferd, es machte einen Seitensprung und brach aus.
Der Obristleutnant [Moritz; BW] von Falckenberg von Goetz-Kürassiere sah, daß ein vornehmer Schwede verwundet war und setzte dem Feinde nach. Da er aber das rasende Roß des Königs nicht einholen konnte, und der Reiter fast das Regiment Småland wieder erreicht hatte, brannte Falkenberg auf gut Glück sein Faustrohr ab. Der Schwede sank getroffen nach rückwärts, sein Pferd warf ihn ab und jagte mit fliegenden Bügeln davon. Gustav Adolf war nicht mehr. Über seinen Körper hinweg brauste der Reiterkampf, der mit dem Rückzuge der Schweden hinter die Gräben endete. Aber das kaiserliche Regiment wagte nicht, ihnen hinüber zu folgen, aus Furcht, die eigenen Verbände dadurch zu zerreißen. Es war kurz vor ein Uhr nachmittags.
Die Sage, die sich um Gustav Adolfs Tod gewoben hat, ist zu fesselnd, als daß wir sie hier ganz übergehen können. Wie beim Tode jedes großen Mannes suchte man dieses Ereignis zunächst dichterisch auszuschmücken. Schon bald nach der Schlacht entstanden mehr oder minder unsichere Berichte, deren Verfasser mehr Erfindungsgabe als Wahrheitsliebe besaßen. Wie Kurfürst Moritz[181] bei Sievershausen,[182] so sollte auch der König nicht vom Feinde, sondern von Mörderhand getötet worden sein. Besonders der Umstand, daß die Todeswunde ein Rückenschuß war, schien dafür zu sprechen.[183]
Die Schweden und die Deutschen in Gustav Adolfs Heere spannen schon damals nicht die besten Fäden zusammen. Wenn also einer aus dem protestantischen Heere den König ermordet haben sollte, so konnte es nach schwedischer Ansicht nur ein Deutscher sein. Ferner mußte es eine Persönlichkeit sein, die kurz vor des Königs Tode mit Gustav Adolf zusammen gesehen worden war und deren Treue nicht als zweifelsfrei erprobt galt. Nun hatte das Schicksal gewollt, daß der Herzog [Franz Albrecht; BW] von Sachsen-Lauenburg in der Schlacht im Stabe des Königs war. Er war nicht lange vorher von des Kaisers Partei zu den Schweden übergegangen: so kann es nicht wundernehmen, daß man in ihm den Schuldigen sah. Das Gerücht tauchte zunächst ganz schüchtern auf: man sprach von einem Mörder im allgemeinen, dann von einer ‚vornehmen Person’ mit leiser Andeutung, daß dem Lauenburger so etwas schon zuzutrauen sei (so Chemnitz), bis man den Herzog geradezu des Mordes bezichtigte (Pufendorf). Dieses Gerücht ist sinnlos und sichtlich in der Absicht gepflegt worden, die deutschen Bundesgenossen herabzusetzen, vielleicht auch, um Kursachsen einen üblen Streich zu spielen, denn der Lauenburger trat noch im gleichen Jahre in kusächsische Dienste, was viel dazu beitrug, den Gegensatz zwischen Sachsen und Schweden zu verschärfen.
Anders ist es mit den übrigen Angaben, die gelegentlich über die Person des Mannes gemacht werden, der den König im Kampfe erlegt haben soll. Am wahrscheinlichsten ist Pufendorfs Erwähnung des Obristleutnants von Falckenberg, denn der Kampf zwischen von Goetz und Småland ist ganz aus dem Verlaufe der Schlacht zu erklären. Der Obristleutnant befand sich vor seinem Regimente, der König ebenso. Pentz’[184] Bericht gibt ferner alles Übrige, was wir als Hintergrund brauchen. Bevor man nicht eine zweifellose und besser sich einzuordnende Angabe findet, wird man diese Darstellung schon bestehen lassen müssen.
Nur der Vollständigkeit halber sei folgender Bericht eingefügt: Unter loc: 10839 findet sich im Dresdner Hauptstaatsarchive der ‚Bericht eines gefangenen Capuciner Möchs’. Nach ihm hat ein Pater Glaudorff ‚zum Lauven[185] in Böhmen, kurz nach der Schlacht vor Lützen, von des Alten Breunerß Regiment vber gebliebenen Officirer vber einer Malzeitt verstanden, das ein Keyßl: Rittmeister, welcher ehrst vor der bemelten feldschlacht vnter der Schwedischen Armée gefangen geweßen, Unde do der Rittmeister seine gelegenheit gesehen vnde warnomen, habe er sich auff Vnde darvon zum Keyssh: Volcke gemachtt. Do er alß dan in bestelter feldschlachtt sein heyl Versuchtt, Unde also Ihre Königh: Maytt: so nahe komen, das er denselben, (: wie man gesaget) sol erleget haben’.
Er hieße Amsenrodt ‚außm Lande zu Gülich,[186] sey einer Adel, Will aber nicht Adlich, sondern die Herrn von Amsenrodt genandt, … soll auch auffgangen sein in der selben schlachtt’. Der Bericht stammt vom 19. Juli 1633. Verblüffend sind an ihm die genauen Angaben über die Persönlichkeit des Offiziers. Tatsächlich war nach Breitenfeld-Podelwitz ein Herr von Ambstroth in die schwedische bzw. sächsische Gefangenschaft geraten. Solange man aber nicht weitere Angaben über den Fall besitzt, muß man auch diesen Bericht unter die Abteilung ‚Kriegsklatsch’ einordnen.
Aber mit dem Tode des Königs war das Unglück des schwedischen rechten Flügels noch nicht erschöpft. Als die beiden Garderegimenter zu Fuß geschlagen über den Graben zurückfluteten, wollte Oberst Keil (Kyle) mit seiner Brigade (Erek Hand und Carl Hårdt) = 1250 Mann sie aufnehmen. Er vermochte aber nichts Wesentliches mehr zu retten. Die genommenen Stücke und Gräben gingen verloren, nur hinderte er wenigstens, daß der Rückschlag in eine Niederlage ausartete. Seine Regimenter brachten die Kaiserlichen zwar zum Stehen, bezahlten aber ihre Heldentat mit ungeheuren Verlusten. Der Obristleutnant Gabriel Keil, sein Major, 5 Hauptleute, 5 Leutnants, 4 Fähnriche, 20 Unteroffiziere und 374 Mann (410 Mann von 1250 = 33 %) deckten tot die Wahlstatt. Für den Rest des Tages war der schwedische rechte Flügel hilflos gelähmt, und es wäre ihm und dem zertrümmerten Mitteltreffen wohl noch Schlimmeres geschehen, hätten sich nicht die Brigaden Mitzlaff, Graf Thurn und Kniphausen rechtzeitig in die Bresche geworfen. So sah sich Waldstein einer neuen Mauer gegenüber und, da er ohnehin nicht aus seiner Verteidigung herausgehen wollte, begnügte er sich, seine Stellungen vom Vortage neu zu besetzen.
Er hätte nämlich auch auf seinem rechten Flügel einen kräftigen Vorstoß machen können. Dort sah es für die Schweden übel genug aus. Da die Kaiserlichen anfangs zurückwichen, drückte Herzog Bernhard gleichzeitig mit des Königs großen Mitteltreffensturm nach vorn. Das brennende Lützen hinderte ihn zwar, die Kaiserlichen in der Seite zu fassen, aber er machte doch bedeutende Fortschritte, bis Waldstein seine Windmühlenbatterie aufdeckte. Der Geschoßhagel zwang Weimar ‚mit einem langen Strich biß an deß Müllers Häußlein’ zu weichen, d. h. bis etwa an den Ort, den heute die König-Gustav-Adolf-Gedächtniskirche einnimmt. In diesem Augenblicke allgemeinster Verwirrung hatte der König nur zu recht, wenn er meinte, daß ‚nun alles vnter einander ging’, weshalb er dann den unseligen Reiterangriff ritt, von dem er nicht zurückkehren sollte.
Jetzt hielt sich Graf Forgač, der Kroatenführer, nicht länger zurück. Das zweite Mitteltreffen war zudem nach vorn eingerückt, als es das erste Treffen niederbrechen sah. Dadurch entstand in der Mitte der schwedischen Stellung eine Lücke: gerade vor dem schwedischen Troß, der übrigens nicht sehr zahlreich war, – der König hatte die meisten Wagen in Naumburg gelassen. Also fiel Forgač durch die Bresche hindurch ‚mit großem Geschrey vnd Furi die Pagsche’ an. Die deutschen Regimenter zu Roß des zweiten Treffens gerieten ‚in confusion’, weil sie sich plötzlich von ihrem Vordertreffen getrennt sahen, ‚aber weil eben ein Nebel wieder eingefallen / vnd der Feind solche disordre dahero nicht sehen können / welcher sonst / da er’s innen worden / an einem anderen Orte in vns setzen / vnd mehr confusion hette machen mögen / endlich wieder in Ordnung gebracht worden’.
Die Kroaten wurden ‚von dreyen anderen schwedischen Truppen’ angefallen und mit schweren Verlusten zurückgetrieben, wobei der schwedische Oberstleutnant Rölinger ‚durch einen Arm’ geschossen wurde. Die Kroaten wichen nicht nur, sondern sind vollends durchgangen’, waren also für den Rest der Schlacht nicht mehr zu brauchen. Bei diesem Treffen verlor Uslar zu Fuß einen Leutnant, 4 Unteroffiziere und 10 Mann tot.
Um 2 Uhr stand also die schwedische Schlachtordnung wie folgt:
Flügelreiterei (-Småland) = 1200 Mann Reiterei II. Treffen
Trümmer der Gardebrigaden = 1350 Mann
(-2400 Mann) = 1200 Mann
Kniphausen = 1100 Mann Uslar = 800 Mann
Graf Thurn = 700 Mann von Bosse = 800 Mann
Mitzlaff = 1100 Mann
4. Brigade (Weimar) Reiterei II. Treffen
(-200 Mann) = 1100 Mann (-300 Geflohene)
Flügelreiterei (-100 Mann) = 1500 Mann = 1000 Mann
Die Schweden hatten an Toten, Verwundeten und Flüchtigen bisher rund 3500 Mann verloren, zählten also noch etwa 15000 Kampffähige.
Herzog Bernhard bemühte sich nun, die erschütterten Reihen zu ordnen und seine Leute zu ermutigen. Da sprengte Graf Dodo von Inn- und Kniphausen persönlich zu ihm heran. Nur mühsam brachte er die schreckliche Kunde vor: daß der König vor dem Regiment Småland erschossen worden sei. Weimar übersah sofort die Tragweite dieses Unheils. Der Verkörperer der lutherischen Sache war tot. Wer war sein Erbe ? – Er, der kleine sächsische Herzog, der ‚jüngere Vetter’. Jetzt war er an die Stelle geschoben worden, durch ein wunderbares und grausiges Geschick, die er oft im stillen erträumt hatte. Auf seinen Schultern ruhte die Sache des Luthertums. Sollte er sein Erbe mit einem Rückzuge antreten ? Sollte er mit Fingern auf sich weisen lassen, weil er den Tod seines Meisters, seines großen Vorbildes ungerächt gelassen hatte ?
Nein ! Wenn er jetzt siegte, hatte er mehr getan als Gustav Adolf. Er hatte dann den Friedländer geschlagen, der den König zweimal blutig zurückgeworfen hatte. Aber mit dem halbzertrümmerten Heere ? Nun ja: die Garde lag tot oder verwundet auf dem Felde, aber noch war seine eigene Brigade leidlich kampffähig, noch war die Reiterei fast unerschüttert: Das frische zweite Treffen stand in der neugeordneten Schlachtreihe. Fürs äußerste waren noch Uslar und Bose bereit. Und dann: drüben hatte der erste Sturmangriff das Fußvolk auch schwer geschädigt, die besten kai-serlichen Kürassierregimenter waren kampfunfähig durch die erlittenen Verluste, denn die Garde hatte sich verzweifelt gewehrt. Die Kroaten waren nirgends. – Sei’s drum !
Noch eine halbe Stunde Ruhe, dann ein Angriff auf Siegen oder Sterben. Er war ja ein Wettiner. In seinen Adern rollte das Blut Friedrichs des Freidigen,[187] der auch ein kaiserliches Heer vernichtet hatte. Und rasten seine Leute nicht vor Begier, den Tod des verehrten Königs zu rächen ? – Also !
Er hatte sich gefaßt. Ein paar Worte des Beileids an den Schweden, dann richtete er sich im Sattel auf – ganz der Nachfolger, der Erbe des Königs:
‚Kniphausen ! Wir werden unsern Freund rächen. Reiten Sie zu Ihren Brigaden. Wir greifen an !’
Kniphausen senkte den Degen und neigte den Kopf ein wenig: ‚Zu Befehl !’ Dann jagte er davon.
Der Entscheidungsstoß ward auf der ganzen Linie angesetzt. Zunächst griff das Fußvolk des Mitteltreffens die Grabenbatterie an. Nach blutigem Ringen nahm die Brigade Kniphausen die Stücke, wobei sie 3 Hauptleute, 1 Leutnant, 3 Fähnriche, 5 Unteroffiziere und 96 Gemeine an Toten hatte (108 Mann von 1100 Mann Gesamtbestand). Die Brigade Graf Thurn drang neben ihr in die Gräben ein, warf die Kaiserlichen daraus, verlor aber nur 28 Tote (bei 700 Mann Gesamtbestand), nämlich das Regiment Graf Thurn seinen Inhaber,[188] 1 Major, 1 Hauptmann, 1 Fähnrich, 4 Unteroffiziere und 3 Mann = 11 Mann; Regiment von Isenburg seinen Inhaber, seinen Obristleutnant, 1 Leutnant, 4 Unteroffiziere und 10 Mann = 17 Mann. Auffällig ist in beiden Fällen der starke Verlust an hohen Offizieren. Blutiger war der Kampf der Brigade von Mitzlaff. Es verlor Mitzlaff zu Fuß seinen Obristleutnant, 1 Leutnant, 1 Fähnrich, 12 Unteroffiziere und 122 Gemeine tot (137 Mann bei 600 Mann Gesamtbestand) und Rossan seinen Obristleutnant, 4 Fähnriche, 4 Unteroffiziere und 45 Mann (4 Mann bei 500 Mann Gesamtbestand9, im ganzen 327 Mann von 1900 Mann = 17 %. Es scheint also nicht zuviel gesagt, wenn Chemnitz behauptet, die Schweden wären nach dem Fall des Königs ‚ohne allen respect / gleichsamb blinder Weise und wie wütendeThiere auf den Feind loß’ gestürzt.
Noch hitziger und blutiger war der Kampf vor den Windmühlen. Der Herzog selbst ‚mit einem in der Handt bloßhaltenden Schwerdt’ führte den Sturm. Der junge Waldstein und der Marquis de Grana warfen sich ihm an den Spitzen ihrer Regimenter entgegen. Beide wurden schwer verletzt und mußten den Kampfplatz verlassen. Die Kämpfer gerieten so dicht aneinander, ‚daß sie einander die Pistolen an die Köpfe setzen können’, und die Schweden gaben später zu, daß es damals ‚gar besorglich umb die Victoria gestanden’.
Aber die rasenden Rächer ihres Herren waren nicht mehr aufzuhalten. Sie nahmen die Windmühlenbatterie: nur eins der 14 Stücke konnte aufprotzen. Fußvolk und Reiterei der Kaiserlichen wichen. Trotzdem hielten sich noch 3 Regimenter ‚bey der Windmühlen in einer schanz’. Erschöpft machten die Schweden halt. Sie hatten schwere Verluste erlitten: Herzog Bernhard zu Fuß: 1 Major, 2 Hauptleute, 1 Kapitänleutnant, 3 Leutnants, 3 Fähnriche, 7 Unteroffiziere und 94 Mann (= 111 Mann bei 500 Mann Gesamtbestand), das Regiment [Georg Wulf von; BW] Wildenstein seinen Inhaber, 2 Hauptleute, 3 Leutnants, 1 Fähnrich, 7 Unteroffiziere und 80 Mann (94 Mann bei 400 Mann Gesamtbestand), d. h. 205 Tote auf 900 Mann = 22 %.
Setzen wir den Beginn des großen Angriffs auf ½ 3 Uhr an, so ergibt sich, daß etwa um 4 Uhr, also bei Sonnenuntergang, der rechte kaiserliche Flügel eingedrückt war. Aber Weimar war viel zu erschöpft, um seinen Erfolg auszunützen. Trotzdem hätte er wohl versucht, diesen halben Sieg zu ‚persecutiren’, da stieß er im Nebel auf frische feindliche Truppen: Oberst von Reinach hatte im Augenblicke der höchsten Not doch noch Pappenheims Fußvolk herangebracht. Die weichenden Kaiserlichen stellten sich von neuem, und ein Feuergefecht entbrannte. Nur die sinkende Nacht und der mit ihr sich verdichtenden Nebel machten allen Unternehmungen ein Ende. Zu von Reinach, der zum Kampfe drängte, sagte Waldstein: ‚Herr von Reinach, wir wissen was mehrers; der Kurfürst von Sachsen und Lauenburg (gemeint ist ‚Lüneburg’) kommen mit 16000 Mann (in Wahrheit bekanntlich 4000). Wir werden alsbald marschieren. Der Herr soll hier stehen bleiben’. ‚Das geschah bei einer Windmühle, wo unsere größten Stücke standen. Über drei Stunden blieben wir auf der Walstatt, bis unsere Stücke und alles fortgekommen’.
Noch immer stand Waldsteins Mitteltreffen unerschüttert, sein rechter Flügel war stärker denn je, aber die Kaiserlichen hatten zahlreiche Geschütze eingebüßt. Die meisten ‚Pülverwägen’ waren außerdem ‚zwischen den Wind Mühlen vnd dem Galgen’ zum Entsetzen der Kaiserlichen aufgeflogen, deshalb verwarf Waldstein seinen ursprünglichen Plan, am nächsten Morgen seinerseits anzugreifen und ließ gegen 9 Uhr abends sein Lager anzünden. Dann marschierte er unbehelligt und in bester Ordnung nach Leipzig zurück. Er selbst ritt mit 80 Reitern dem Heere voraus und traf um Mitternacht in Leipzig ein, wo er im Hausenhause Wohnung nahm. Die Schweden blieben auf dem Felde, ‚weil man sonderlich vermeinet / er (Waldstein) würde stehen / vnd den 7. Morgen noch eines Angreiffs (Sic !) erwarten’.
Den Schweden legten ihre Verluste große Zurückhaltung auf. Auch die Regimenter, deren Standort in der Schlacht nicht geklärt ist, die also wahrscheinlich die Musketiere zwischen den Reitern stellten, hatten ebenfalls größere Blutverluste:
Gersdorff[189]: 1 Hauptmann, 2 Leutnants, 12 Unteroffiziere und 90 Mann (= 105 Mann von 500 Mann
Bestand),
Cassel: 1 Kapitänleutnant, 2 Leutnants, 1 Fähnrich, 7 Unteroffiziere und 70 Mann (= 81 Mann von 200
Mann Bestand),
Henderson: 1 Hauptmann, 1 Leutnant, 1 Fähnrich, 4 Unteroffiziere und 47 Mann (= 54 Mann von 180
Mann Bestand),
im ganzen 233 Tote auf 880 Mann Bestand.
Die Gesamtverluste des Fußvolkes waren:
4 Obristen
4 Obristleutnants
3 Majore
25 Hauptleute
36 Mann an Toten
2 Kapitänleutnants
31 Leutnants
35 Fähnriche
145 Unteroffiziere (darunter 6 Feldscheers)
1729 Gemeine
36 Mann Übertragung
1978 Mann an Toten.
Leider fehlt eine genaue Verlustliste der Reiterei. Wir erfahren nur, daß Bernhard, Anhalt, Löwenstein und Brandenstein ‚sehr gelitten’ haben, auch Småland muß viele Leute verloren haben, so daß ein Gesamtverlust von 1000 Toten hier nicht zu hoch gegriffen sein dürfte, wodurch der schwedische Gesamtverlust auf rund 3000 Tote steigt; die Verwundeten sind nicht gezählt worden, doch lagen allein in Weißenfels[190] ‚400 beschädigte Officirer vnd Soldaten’. Ihre wirkliche Zahl wird ungefähr das Dreifache, also 1200 Mann betragen haben, so daß ein schwedischer Gesamtverlust von 4200-4500 Mann zusammenkommt = 15 %.
Die Truppen waren am Ende ihrer Kraft angelangt. So blieb dem Herzoge nichts übrig, als am 7. November mittags das Heer nach Weißenfels zurückzunehmen, um ‚allda ein wenig zu rasten / vnd I. Durchl. des Churfürstl. zu Sachsen vnd Hertzog Georgs von Lüneburgs / welche bey diesem Treffen gar nicht gewesen / mit jhrem Volck zuerwarten / vnd die Victoriam conjunctim zu prosequiren’.
Erreicht war mit dem Siege weit weniger, als man erhofft hatte. Zwar ward Waldstein gezwungen, sich auf Leipzig und in der Folge aus sachsen zurückzuziehen. Aber sein Heer war und blieb bedeutend. Alles, was man von seiner Auflösung geschrieben hat, stammt aus schwedischer Quelle und ist übertrieben. Verloren war allerdings ziemlich viel Geschütz, drei schon halb gerettete große Stücke mußte man aus Mangel an Pferden stehen lassen, so daß sie eine leichte Beute der Sieger wurden: nur 2 Stücke und 6 Feuermörser, ‚die sie noch darvon bracht’, führten die Kaiserlichen am 7. in Leipzig mit sich. Das war aber bestimmt nicht alles.
Der Gesamtverlust Waldsteins ward auf 6000 Tote und 2000 Verwundete veranschlagt. Die Zahl der Toten ist sicher übertrieben. Nach dem Verwundetenverluste zu urteilen, werden es nicht viel über 400 Mann gewesen sein. Wichtig ist die mitteilung, daß Waldstein ‚die meisten’ seiner Verwundeten hatte fortbringen können, wieder ein Beweis dafür, daß er in bester Ordnung zurückging. Allerdings mußte er viele dann in Leipzig lassen, wo ‚die gantze Stadt / fürnemlich aber die Barbier Häuser / dermassen erfüllet / daß man letztlich mit ihnen nicht mehr wohin gewußt’.
Verloren ging in den nächsten Monaten noch die Besatzung der Pleissenburg, die unter dem Pappenheimischen Obristwachtmeister Mosen[191] zurückgeblieben war und aus einem Hauptmann, 4 Leutnants, ‚etlichen Feld- und Gemeinwebeln’ und ‚600. von den eltesten Regimentern commendirten Knechten’ bestand. Viel Verlust an Fahnenflüchtigen haben die Kaiserlichen kaum gehabt, denn Waldstein traf gute Maßregeln, seine Leute beisammen zu halten. Im ganzen hat Waldstein kaum mehr als 7000 Mann verloren.
Sein höheres Offizierskorps aber hatte schwere Verluste erlitten. Gefallen waren: der Oberst Law von Westrum,[192] die Obristleutnants Bordav, Taxheim, Lampert, Kammerhoff. Tödlich getroffen erlagen ihren Wunden: Pappenheim vor Leipzig, Generaloberst der Artillerie Breuner in Prag und Oberst Comargo, der in Chemnitz[193] starb. Verwundet waren die Obristen: Berthold Graf von Waldstein, Marques de Grana, Piccolomini, Colloredo, Isolani und Römer, die Obristleutnants Schott, Bernhard Einhoff, Haßloch[194] und zwei andere, deren Namen in den Verlustlisten hilflos verdorben erscheinen. Der fürwitzige Abt von Fulda,[195] der den Schlachtenbummler gemacht hatte, hatte ebenfalls seinen Tod gefunden“.[196]
Im Leipziger[197] Tagebuch heißt es über den folgenden Tag: „Den 7. [a. St., BW] sind vor Mittag 40 Fahnen Fußvolk, so aber in allem nicht 1 500 Mann stark gewesen, hereingekommen und auf den Markt in Battaglia gestellt, desgleichen auch General Holck, Marquis de Grande [Caretto di Grana; BW], [Rudolf von; BW] Colloredo, wie auch alle hohen Officiere neben überaus vielen Bagage-Wagen und viel Reiterei hereingekommen, also daß es in allen Häusern und Gassen voll gewesen, daß sich fast niemand regen können, daher sichs zu großer Bedrängnis angelassen, sintemal die einquartierten Soldaten die Wirte und Bürger über alle Massen arg angefangen zu tribulieren und zu ängstigen. Es ist aber unversehens eilende und schleunige Ordinanz vom Herzog von Friedland zum Aufbruch erteilt, daher sich der Aufbruch bald abends nach 6 Uhr angefangen und fast die ganze Nacht durch ohne Unterlaß gewährt, sind alle zum Peterstor hinaus gegen Borna[198] gezogen, wie denn der Herzog von Friedland persönlich halbweg 10 Uhr gefolgt und sind abermals etliche Bürger mitgenommen worden. Abends gegen 6 Uhr ist das Flößholz vor der Stadt angesteckt und ein ziemlich Teil davon verbrannt.
Den 8. dies hat der Hinauszug noch fast den ganzen Tag gewährt, wie denn auch noch viel Volks vor der Stadt vorüber, sonderlich nach Mittag 17 Cornett, so teils weiß, blau, rot und grün gewesen, insgleichen sehr viel Vieh vorüber getrieben worden. Diesen ganzen Tag ist abermals ein überaus starker dichter Nebel gewesen, daß man gar nicht erkennen können, so haben auch die Kaiserlichen alle beschädigten und kranken Offiziere mit hinweggeführt“.[199]
Wegen seiner erwiesenen Tapferkeit wurde Colloredo von Wallenstein als Beisitzer im Prozess gegen die Fahnenflüchtigen von Lützen ernannt. Zwölf Offiziere und fünf Soldaten, die in der Schlacht bei Lützen fahnenflüchtig wurden, erwartete nach dem Willen ihres Oberkommandierenden das Todesurteil.
Trotz beschwörender Beschwichtigungsversuche führender Offiziere ließ Wallenstein am 14.2.1633 in Prag dreizehn Offiziere, darunter auch solche von angesehenem Adel, und fünf Reiter öffentlich mit dem Schwert hinrichten.[200] Die Namen von 50 fahnenflüchtigen Offizieren wurden mit allen Zeremonien militärischer Entehrung an einen Galgen genagelt; ein Todesurteil in Abwesenheit. Auch in dem „Relationbericht des Wallensteinischen und seines anhang tods verlauf“ vom 25.2.1634 hieß es: „Zum fünften ist auch zue merken, daß dieser armselige mensch, der Fridtlender, ist eben in dem monat, in der wochen und auf die jarzeit, da er die unbarmherzige execution zue verdeckung seiner schand, die er vor einem jare in der schlacht von Lützen mit den Schweden, da er dieselbige verloren, begangen hat, als wann die junge officier, die er hat hinrichten lassen, durch ir vorzeitige flucht wären daran schuldig gewesen, umb welcher ursach willen sie doch gleichsamb unschuldig gestorben, sonderlich der obrist Hagen und der graf Grogla [Broglia; BW] sambt einem jungen herrn [Staitz; BW] von Wobersnau welche für gott und der ganzen welt protestirt und umb iren tod rechenschaft zue geben citirt haben, alweil er sich durch fürneme potentaten fürbitt und ersuchen, noch der billigkeit nach nicht hat wollen erweichen lassen“.[201]
Während aber Bönninghausen wohl durch Fürsprache Holks dem Todesurteil entging – Wallenstein verweigerte ihm dafür später die Beförderung – , wurde sein Kapitänleutnant hingerichtet. Piccolomini und die anderen „welschen“ Beisitzer des Kriegsgerichts, Rudolf von Colloredo und Annibale Gonzaga, waren verärgert, dass sie ihren jungen Landsmann nicht vor der Hinrichtung hatten bewahren können.
„Er [Wallenstein; BW] blieb in Prag bis in den Mai, über fünf Monate, mit der Routine neuer Rüstungen beschäftigt. Noch war seine Korrespondenz scharf und vielfältig. Aber er schloß sich ein im Friedländer-Haus und überließ nach außenhin dem starken Heinrich Holk den Großteil der Last. Ein bayerischer Agent an Maximilian: »Seine Fürstliche Gnaden lassen sich gar wenig sehen; auch gelangen die vornehmsten Offiziere nur selten zur Audienz, wie z. B. der Colloredo in etlichen Wochen niemals vorkommen konnte. Der Holk ist factotum, versieht Alles, Artillerie, Proviant und was sonst vorlaufen mag.« “.[202] Im Mai stand Colloredo in Pilsen; in der Korrespondenz mit Hatzfeldt ging es um die Anfertigung von Pulver in Pulvermühlen.[203]
Der Erzgebirgschronist Lehmann berichtet: „Der keyßerliche Genral Holcke hatte in seinen Comitat Herrn General-Feltzeugmeister Coloredo,,[204] Herrn General Feldmarschal-Leutenandt Graf [Melchior; BW] von Hatzfeld, Herrn Ernst Baron von Suys, Herrn Obrist von Wagler [Johann Wangler d. Ä.; BW] etc. Der March ginge von Jochimsthal[205] uff die förstern, güldene Höhe,[206] Böhmische Mühle, durch die Rittersgrün,[207] uff Crandorf,[208] Schwartzenberg,[209] Awe[210] und Schneeberg.[211] Sein Vortropf verirrte Sich bey der Gottesgab[212] und ritte die straße uffn Wiesenthal[213] zue biß an die Gränzsteine. Do muste er umbkehren durch Gottesgab, durch den Seiffen[214] hienunder und den gereumbten Weg paßiren. Der kam am Sontag frühe umb 8 Uhr in der Rittersgrün an und uberraschte untter andern auch einen Breutigam, der vorgerichtet hatte und auf denselben tag wolte hochzeit machen, plünderte und verzehrete alles. Darvon bekahmen Sie lerm in Schwartzenberg durch einen Schneider, der die brautleute gekleidet hatte und entsprungen wahr. Der brachte die Post in die kirche, daß die Leute auß der Predigt entliefen, und die Communicanten ungespeist blieben. Peter Burckart, der Ampt-Schößer lest vor erschrecknuß eine Post gelt auf den tisch und einen brief, drinnen Er auß Böhmen gewarnet worden, in den fenster liegen, reißet auß und mit ihm das gantze Schwartzenberg und laßen den feindt thür und thor offen.
Den keyßerlichen General mit seinen Comitat muste Paulus Stecher, förster uff der Platta,[215] ubern Walt führen biß an die Meisner Gräntze, und alß Sie untter die Böhmische Mühle an die Gränzsteine kahmen, sagte der förster, hier scheidet sich Böhmen und Meißen, drauf der General andtwordete: So bin ich nun ins Churfürsten lande, er mag zuesehen, wie er mich wieder hinauß bringe. Das erste Nachtlager hielte er in Schwartzenberg[216] in Hans Adams Lengefelders hauße, besezte das Schloß mit 3 Compagnien zue fuß und 1 Compagnie Croaten untter einem Hauptmann Wilhelm Otto von Ullersdorf, einen Mehrischen von Adel, und steckte das gefundene Warnungsschreiben aus dem Ampthause zue Sich und zog den 5. August fruhe auf Zwicke[217] zue und logirte der Pest wegen in Dorf Mergenthal[218] die andere Nacht. Zweene gefangene bürger auß Schwartzenberg, der eine Martin Hertzog, ein Schuster, der andere Samuel Sachs, ein Goltschmidt, haben ihn nach Zwicke führen sollen, die hat er, weil sie ihn den Steig nach Wiesenburg[219] und nicht die landtstraße, drinnen die Armee marchiret, geführet, untterwegens mit der Carbatschzen uber die köpfe gehauen, hernacher von Zwicke auß durch Sie mit schriftlichen salvaguardien und Contributionszetteln an Annen[220]- und Marienberg[221] mit 3 Crabaten zurückegesendet, und wahr außer diesen kein ortt in gebirg alß Wiesenthal versalvaguardirt, darein der General auf Interceßion eines Fürsten den Rit-Meister Maleschitzky mit 30 reutern geleget hatte, der den gantzen March uber alda liegen und uber die Verpflegung nicht mehr den 15 thl. bekommen. Der March wehrete 5 tage lang durch das gebirg, in welchen alle Städte, Flecken und Dörfer, die an March lagen, und die sie erreichen und bezwingen kundten, außgeplündert, theils niedergehauen, verbrennet, die leute gefangen, ranzionirt und mitfortgeschleppet worden. Den anfang machten sie mit morden und brennen, kein lebendiger Mensch durfte sich sehen laßen, bey Nacht sahe mann oft 3 und 4 feuer uff gehen. Den 4. August in anritt schoßen Sie in der groß-Pöle[222] nieder Merten Graubner, der blieb den gantzen March also todt liegen und branden ab in Dorf Adam Düringers hauß. Den 6. August branden Sie ab das Erb-Richtergut mit Scheun und Ställen in der groß-Pöle, darüber des Richters tochter von 18 jahren uff den Walt so erschrack, daß Sie gestorben, und weil man ins Grünstädtel[223] nicht gedurft, muste (sie) nach Crotendorf[224] begraben werden. Den 7. August schoßen Sie todt in der Rittersgrün uff Arnoldtsfeld[225] Hans Fischern, einen köhler, der uff Wald gehen wolte. Den 11. August Plünderten Musquetirer in Breittenbrunn.[226] Den begegnete Christoph Hemann, ein frommer bergmann, hatte eine axt an arm und wolte Sich mit weib und kindt uff den Walt salviren, den schoßen Sie das hertz entzwey, daß er augenblicklich starb, Plünderten und schendeten Weib und Kindt und wüdeten ärger den die reißenden Wölffe, die doch auch grimmig gnug sindt in diesen gebirge.
Den 4. August wahr des Feindes Artollerey biß ins Städtlein Awe kommen und mit vielen Fußvolck des Nachts stehen blieben, darvon ezliche frühe uffn raub in Walt laufen und von denen wohlbeschossenen Hammerschmieden nicht zum besten empfangen worden. Diese pralen zuerücke, rechnen [rächen] Sich an Stedtlein und brennen es ab mit kirche, Schule, Pfarr, Rathhauß und allen biß auf 3 kleine heußerlein. Eben diesen tag flohen die Croaten durch das gebirg in alle winckel, Plünderten auß Rittersgrün, Breittenbrun, Crandorf, Groß- und klein-Pöhle,[227] Grünstedtel, Bermansgrün,[228] Schwartzenberg, Rascha,[229] Mipe,[230] Grünhein,[231] Behrfeld,[232] Berensbach,[233] Wildenaw,[234] Ober- und Nieder-Saxenfeld,[235] Lauter, Awe, Lößnitz[236] etc. Do wurden alle kirchen aufgehauen und geplündert, die Weibsbilder geschendet, die Männer geradelt, die heußer eingebrandt, die betten außgeschüttet und alles zernichtet, daß es mit der feder nicht grausam gnung kan beschrieben werden. Den 4. August fielen Sie in Schneberg[237] ein, durchplünderten die gantze Stadt, schoßen ezliche bürger todt mit sambt den Statt-Richter M(agister] … Cardinal, Brandschazten die Stadt, zerhieben das bier in kellern und erfüllten alle winckel mit schendereien und grausamkeit, daß ezliche schwangere Matronen zum Schnee- und Schwartzenberg sindt todt in kellern gefunden worden, obgleich die Pest aller ortten regierte, daß darvon 2000 in Schneeberg, 4000 in Chemnitz[238] und 1500 in Marienberg[239] gestorben.
Den 5. August uberfielen 2 Esquadronen zue Roß Die Stadt Stolberg,[240] brandtschazten Sie umb 700 thl., dran sie halbgelt und halbtuch bekahmen; alß Sie aber uber den parten in Niederdorf[241] Uneins worden, ging eine starcke parthei zuerück und zündeten die Statt ungeacht ihrer Salvaguardien an 3 ortten an, daß darvon 100 heußer* mit kirche, geistlichen und Rathsgebeuden niederbrandten, sengeten eines theils Raths-Herrn, die ihnen vorhin das gelt zue zahlen helffen, mit strohe, daß Sie gestorben, zogen drauf nach der Zschopa,[242] brandtschazten es auch und legten Sich darein in (Schloß) und auf Schloß Scharfenstein,[243] den Pas Reizenhain[244] Desto beßer in acht zue haben.
Den 5. August kam der Holcke mit 12000 nach Zwicke, und weil von der Pest und furcht wegen die meisten bürger geflohen, und sonsten die Pest grimmig drinnen regierte, daß darvon alle 7 Geistliche, der Bürge-Meister, beyde Stattvogte, 5 ratsherrn und 2 Collegen an der Schulen gestorben, muste die stadt ohne ceremonien accordiren auf die form des jehrigen accords, den Baron de Suys ezliche 100 thl. zur discretion spendiren, die er auß den Waßer nahme, 100 Soltaten auffs Schloß einnehmen und uber den accord sich, ungeacht alle heußer, Marckt, gaßen und winckel voller toden und krancken lagen und oft einen tag 40, 50 biß 100 leichen zue begraben wahren, den 6. und 7. August ungescheuet außplündern laßen, Darüber sich die Soltaten selbst angestecket und an der Bauern-Pestilenz, den So Nante Sie der General Holcke verrecken mußen“.[245]
„Am 4. August 1633 war der Befehl Wallensteins an den Feldmarschall ergangen, ‚allda dem Feind eine diversion zu machen’, damit der ‘Kurfürst zu Sachsen desto ehender den Frieden zu suchen verursacht werden wird’ (Droysen/ Holcks Einfall in Sachsen etc.; Hallwich, ADB 12, S. 743, nennt den 11. August als Datum des Einmarschbefehls). Einer der Hauptgründe war freilich, daß die Verpflegungssituation der in Böhmen um Eger,[246] Pilsen[247] und Brüx[248] liegenden kaiserlichen Regimenter unhaltbar geworden war, und man sich von einem Zug nach Sachsen Verbesserung erhoffte. Tatsächlich stand auch der Plan, die Expedition nach Leipzig[249] auszudehnen und dort reiche Beute zu machen, von Anfang an fest. Holk beeilte sich deshalb, die an der Grenze Böhmens stehenden Regimenter zusammenzuziehen, um auf Wallensteins Befehl hin ‘unversehener Weise etwas zu tentiren, Chemnitz,[250] Freiberg[251] und Zwickau berennen zu lassen, dass wir zu leben können haben und, ehe Volk dahin einkommt, sie zu überraschen’ (ebd.).
Der Angriff auf Sachsen begann am Sonntag, dem 14.8., in drei Hauptstoßrichtungen mit drei getrennten Truppenabteilungen, welche sich am 15. und 16.8. in Zwickau vereinigen sollten, um dann über Altenburg[252] weiter nach Leipzig zu ziehen. Während das Korps unter dem Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld über Hof[253] und Plauen[254] Zwickau erreichen sollte, hatte der östliche Heeresteil unter dem Obersten Franz von Ulfeld die Aufgabe, auf Freiberg, die Gebiete vor Dresden[255] und Chemnitz vorzudringen, während das Hauptheer unter Holk von Joachimsthal (Jáchymov),[256] wo ‘Rendezvous’ gehalten worden war, auf direktem Wege über Schwarzenberg,[257] Aue[258] und Schneeberg[259] Zwickau erreichen sollte. Hatzfeld, welcher die leichte Reiterei und die Kroaten befehligte, war in Eger aufgebrochen und zog zunächst über Hof nach Adorf:[260] ‘[...] zu Hof, Wunsiedel[261] und andern Orten haben sie alle Thor zerhauen, dann keine Stadt mehr versperrt sein soll’. Am 15. August rückte Hatzfelds Korps von Adorf gegen Oelsnitz[262] vor, welches am 16.8. kapitulierte[,] woraufhin das dortige Schloß in Brand gesteckt wurde, schließlich nach Plauen, welches am gleichen Tag besetzt, die Stadt geplündert und die Tore ausgebrannt wurden. Weiter ging die Spur der Verwüstung nach Mylau[263] und Reichenbach[264] und schließlich über Reichenbach nach Werdau.[265] Werdau, ‘wo sie die Rathspersonen und sonderlich Bürgermeister Sausen mit Radeln heftig marterten, wurde gänzlich ausgeplündert, Stollberg von einem Reiterhaufen erst gebrandschatzt, dann doch in Brand gesteckt. Mehrere Rathsherren, die kurz zuvor das Geld beigeschafft hatten, wurden mit Stroh verbrannt’. (Droysen/Holck etc.). In Zwickau, welches, von der Pest entvölkert, widerstandslos eingenommen wurde, war die Vorhut bereits am 16.8. eingetroffen, während die letzten Kompanien erst am 17.8. Plauen verließen.
Der Oberst Franz Graf von Ulfeld war am 14.8. mit 24 Kompanien Reitern, den Dragonern und einem Kroatenregiment aus dem Gebiet von Dux (Duchcov)[266] und Brüx (Most) in Böhmen aufgebrochen. Bereits am 15.8. zeigten sich einige seiner Reitertruppen vor Freiberg, allen voran die Kroaten unter dem Obersten Daniel Beygott, ‘eine fast längliche Person mit einem rotgülbligten Barte, so doch gut Deutsch geredt’. Freiberg weigerte sich aber, seine Tore zu öffnen, weshalb Ulfeld, der sich nicht zu lange verweilen wollte, seinen Weg weiter nach Chemnitz nahm, welches am 16.8. aufgefordert und eingenommen wurde.
Altenburg[267] wurde am Abend des 17.8. (Mittwoch) von einem 3000 Pferde starken Reiterkorps, bestehend aus den Regimentern Hatzfeld, Neu-Piccolomini, Bredau [Breda; BW.] und Orossy [Orosi; BW] unter dem Hatzfeldischen Obersten Hans Rudolf von Bredau überfallen, welcher mit seinen Regimentern von Plauen über Reichenbach und Crimmitschau[268] gleich weiter in Richtung Altenburg vorgedrungen war: ‘[...] da ging alsobalden die scheckliche Plünderung an allenthalben. In welchen Häusern niemand vorhanden, denen haben sie zehn Mal so arg mitgefahren; wo Bier in Keller gewesen, ist dasselbe weggelassen worden; der Hausrath zerstümmelt auf die Gassen geworfen und zertreten [...]. Wohl in die hundert Leichen sind anitzo zu begraben, weil gestern und vorgestern niemand hat begraben werden können. Vorgestern ist auch dem Lazaristen[269] das Pferd, so die Leichen hinaus geschafft, auch gestohlen und dessen Wärter entlaufen. Jetzo hat man mit grosser Mühe ein anderes geschafft’. (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.). Nach der Aussage des Theatrum Europaeum (Bd. III, S. 109), welches den Einfall in Altenburg drastisch, jedoch in üblicher Manier etwas propagandistisch übersteigert schildert, waren die kaiserlichen Truppen ‘gantz plötzlich und unversehens mit vier Tausend Pferdten allda ankommen / alles geplündert / die Weibs-Personen zu todt geschändet / und die Mannspersonen zu todt geschraufft / geprügelt / und auff allerley Marter und Weis getödtet. Kirchen / Schulen / Pfarrhäuser wurden geplündert [...], die Todten wurden aus den Särcken geworffen / die Weiber ranzioniert und geschändet / Tafeln und Flügel aus der Kirchen genommen / der Syndicus erschlagen / die Apothecken in grund verderbet [usw.]‘.
Leipzig erreichte man bereits in der Frühe des 18. August. Nachdem am 21.8. der Feldmarschall Holk und Feldzeugmeister Rudolf Colloredo mit der Artillerie eingetroffen waren, wurde die Stadt von Mitternacht an 12 Stunden lang heftig beschossen, so daß am 22.8. ein Akkord abgeschlossen und die Stadt übergeben wurde. Leipzig mußte 70.000 Reichstaler Ranzion erlegen und eine große Menge an Handelswaren, welche die Kaufleute in der Stadt zurücklassen mußten, fiel in die Hände der kaiserlichen Truppen. Lediglich die Pleissenburg, auf welcher der kursächsische Oberstleutnant Christoph von Trandorf befehligte, konnte sich den Eindringlingen widersetzen. (Chemnitz II, S. 121; Krebs/Hatzfeld, S. 271 nennt August Adolf von Trandorf)”.[270]
Mit Holk konferierte Colloredo im September dieses Jahres über die Befestigungsanlagen von Eger.[271] Wie er Melchior von Hatzfeldt schrieb, seien schwedische Truppen bei Lichtenfels[272] erschienen. Zudem ging es um die leidige Quartierfrage und die Versorgung der Artillerie, die Beschießung der Wülzburg[273] und einen befristeten Waffenstillstand mit Schweden.[274] Colloredo weilte im Oktober in Leitmeritz[275] und informierte Hatzfeldt – durch ein Schreiben des Maximilian Martin von der Goltz aus Zittau[276] – vom Abmarsch der schwedischen Truppen aus Schlesien.[277] Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[278] aus dem von Eger[279] abhängigen Marktredwitz[280] erinnert sich: „Den 1. Novemb[er] [1633; BW] haben bei 150 coloredische Musketiere(r) in der Nacht Wunsiedel erstiegen in aller Still[e]. Sobald sie hinein[ge]kommen [waren], haben sie Lärm(en) geschlagen, die Häuser auf[ge]brochen und geplündert bis an den Tag. Sie haben nit allein einen großen Schaden getan, sondern auch viel Leut [so hart] geschlagen, daß sie baldgestorben sind. Die Bauern zu Ho(h)lenbrunn haben die Leitern[281] – damit die Stadt zu ersteigen [war] – mit hintragen müssen. Auf [sie waren] die Wunsiedler viel übler zu finden als auf die Soldaten“.[282] In diesem November unterrichtete Colloredo Hatzfeldt über die Zusammenziehung kaiserlicher Verbände bei Teplitz[283] gegen feindliche Truppen, auch bei Neuschloss.[284]
„Als Piccolomini Anfang Dezember [1633; BW] in einem Schreiben an Gallas jenen Rückzug nach Böhmen in diskreten Untertönen verurteilt hatte – man könne die Reaktion in Wien und Bayern leider sich vorstellen – antwortete Gallas nach seiner Art, gutmütig vermittelnd. Das Wetter sei miserabel, unleugbar, und zum Kriegführen ungeeignet. Wenn die Herren Kritiker wüßten, was es kostete, eine solche Heeresmaschine zusammenzuhalten angesichts solcher Feinde, so würden sie anders reden. Was hülfen passionierte Gehässigkeiten da und dort ? – Octavios erste, zarte Andeutung hatte keinen Erfolg.
Den 3. Januar sah er im Auftrag Wallensteins den Generalleutnant in Großglogau.[285] – Aus Glogau informierte er Melchior von Hatzfeldt über die Bewegungen feindlicher Truppen und die feindliche Haltung der Stadt Breslau gegenüber den Kaiserlichen.[286] – Der General der Artillerie Rudolf Colloredo kam hinzu; ein Gespräch zu dreien. Was Piccolomini hier vorbrachte, weiß man ungefähr, aus seinem im März niedergeschriebenen Bericht. Und zwar dieses. Wallenstein ging um mit Verrat und Rebellion solchen Ausmaßes, wie er in der Welt Geschichten bisher unbekannt war. Octavio hatte es aus seinem eigenen Munde. Er wolle, so der Herzog, die Armee zum Feinde hinüberführen, die Erblande erobern, den Kaiser gefangennehmen, das Erzhaus ausrotten, nicht bloß in Deutschland, sondern überall und zumal in Italien. Dann werde er schier das ganze Europa neu ordnen: Neapal dem Nepoten des Papstes, Monferrat dem Herzog von Savoyen, Lucca und Siena dem Großherzog von Toskana, Mailand vielleicht an Venedig, vielleicht an Savoyen; für Frankreich Burgund und Luxemburg, Unabhängigkeit für Flandern. Dem König von Polen ein Teil Schlesiens, um ihn zu locken, machte er aber nicht mit, so würde man seine eigenen Calviner gegen ihn hetzen; ferner dann dem Grafen Trčka die Markgraf-schaft Mähren, die Herzogtümer Glogau und Sagan, samt allen Gütern des Fürsten Eggenberg, dem Grafen Gallas, Friaul dem Grafen Colloredo, die Herrschaft Glatz,[287] das Herzogtum Teschen[288] und die Besitzungen Wilhelm von Slawatas aber ihm selber, Piccolomini. »So rasch war die Welt verteilt«. Ein äußerst gewagtes, schwieriges Unternehmen, hatte Piccolomini eingewendet, Wallenstein geantwortet: Nur der Anfang. Es gehöre nichts als Mut und Selbstvertrauen dazu; ginge es anders nicht, so würde er an der Spitze von tausend Pferden sein Glück versuchen. – Solches alles hatte Wallenstein leichthin geplaudert an einem jener Dezembertage, während derer er, nach Piccolominis eigener Aussage, an schwerer Trauer des Gemütes litt; während derer er übrigens krank lag und ein Pferd gar nicht besteigen konnte, jetzt nicht und nie mehr.
Es scheint, daß Gallas den Ausführungen Piccolominis gewisse Zweifel entgegenbrachte; nicht, vermutlich, weil er ihn für einen Lügner hielt, sondern weil die gewichtlosen Improvisationen Wallensteins ihm vertraut waren. Es scheint, daß Rudolf Colloredo glaubte, ganz und sofort, denn er bemerkte, man sollte »diesen Schelm geschwind erwürgen«. Der Rat blieb ungehört. Die drei Herren fanden zum Schluß es besser, oder behaupteten voreinander, daß sie es besser fänden, den Kaiser zunächst gar nicht zu unterrichten, damit nicht etwa überstürzte Maßnahmen die Katastrophe beschleunigten, die zu verhindern sie bestimmt wären; und daß Gallas versuchen sollte, den Herzog von seinen verworfenen Plänen abzubringen. Piccolomini kehrte nach Pilsen[289] zurück. Als er nun dort von Wilhelm Kinsky erfuhr, was mit Frankreich, mit Schweden, mit den evangelischen Kurfürsten schon auf den Weg gebracht worden war, als er ferner zu bemerken glaubte, daß Wallenstein sich von ihm distanzierte und nicht so, wie er versprochen hatte, ihn auf dem laufenden hielt, erkannte er seine Pflicht anders als in Glogau. Geheime Boten schwärmten aus, um den Kaiser Ferdinand, den Grafen Oñate, den Nuntius Rocci zu informieren. Rocci fügte das Eine hinzu, was in Piccolominis eigener Relation fehlt, nämlich, daß Böhmen für Wallenstein selber bestimmt war. Was die Verteilung der Welt betrifft, so erhielt sie demnächst einige Zusätze und Korrekturen, zumal Piccolomini sich an das Erfundene im Detail unmöglich erinnern konnte; so daß dann Tirol dem Feldmarschall Ilow zugedacht war, Luxemburg nicht dem König von Frankreich, sondern dem Kardinal Richelieu perönlich, Salzburg dem Herzog Franz Albrecht [von Sachsen-Lauenburg; BW] und so weiter fort. – Um den 10. Januar wußte man in Wien Bescheid”.[290]
“Eine Beteiligung von Feldmarschall Colloredo am direkten Vorgehen gegen Wallenstein schloß Gallas von vornherein aus, da der Generalissimus alle Unternehmungen des Feldmarschalls mißtrauisch zu beobachten schien”.[291]
In diesem Februar unterrichtete Colloredo Hatzfeldt von der Verstärkung für Steinau[292] und der Einquartierung im Schloss Liegnitz[293] sowie der Flucht der Bevölkerung nach Polen.[294]
Nach der Exekution Wallensteins schrieb der kaiserliche Beichtvater Lamormaini am 3.3.1634 an den Ordensgeneral Mutio Vitelleschi: „Die geheimen Machinationen des Friedländers mündeten schließlich am 12. Januarii in eine Verschwörung. Er wollte den Kaiser verderben, das Haus Österreich auslöschen, die Königreiche und österreichische Lande in seine eigene Hand bekommen und die Güter und Herrschaften der getreuen Diener des Kaisers unter seine Mitverschworenen verteilen. So hatte er Heerführern, Hassern des Kaisers und hartnäckigen Ketzern und denen, die wegen ihrer Empörungen in den letzten Jahren und wegen ihres Ketzertums Böhmen und die Erblande verlassen hatten hatten, weitestgehende Hoffnungen gemacht, allerdings so vorsichtig, daß er nur wenigen die Umtriebe seines Herzens darlegte und auch nur denen, mit deren Treue er rechnen zu können glaubte, falls er ihnen ganze Fürstentümer verspräche. Mit der Heiligen Kaiserlichen Majestät verkehrte jedoch inzwischen in der Weise, daß er alles anders vortäuschte. Sobald der Kaiser ganz insgeheim durch die, denen er sich geoffenbart hatte, die Tücke des argen und undankbaren Mannes durchschaut hatte, trachtete er ganz im stillen, alle seine Ränke zu vereiteln und zunichte zu machen. Fürs erste nahm er selber fromme Zuflucht zur Hilfe Gottes, desgleichen ließ er auch, ohne Bekanntgabe des Anlasses beim Klerus darauf hinwirken, daß sie Gott zu versöhnen suchten. Ich habe den Leuten unseres Hauses außerordentliche Gebete und Werke der Abtötung vorgeschrieben, das gleiche erbat ich vom Kolleg und dem Noviziat, und ich bat den Hochwürdigen Herrn Provinzial und Euch, Vater, daß man die gegenwärtigen Fährlichkeiten, die zwar höchst bedrohlich waren, aber nicht näher dargelegt werden könnten, durch das fromme Gebet der gesamten Sozietät abzuwenden versuche. Fürs zweite gab er einigen ganz Getreuen – Gallas, Aldringer, Piccolomini, Coloredo - , die taten, als ob sie für den Friedländer agierten, Vollmacht und Auftrag, Hauptleute und Gemeine je nachdem von Abirrung zurückzuhalten, die die meisten gar nicht merkten, oder sie in der Ergebenheit gegen den Kaiser und in ihrer Pflicht zu halten, und, wenn irgend möglich, das Haupt und die vornehmlichsten Anhänger der Verschwörung gefangenzunehmen und nach Wien zu schaffen, oder sie, nachdem man sie beweiskräftig überführt hätte, aus der Zahl der Sterblichen zu elimieren. Diese Weisungen wurden am 24. Januarii gegeben, und es gefiel der göttlichen Majestät, die Pläne des Kaisers zu segnen. Denn das Vorgehen blieb zur Gänze bis zum 22. Februarii geheim. An jenem Tage erfuhr der Fried-länder [...], daß in Prag ein Patent bezüglich der Vollmachten, die Gallas eingeräumt wurden, veröffentlicht worden war, waren doch damals schon alle Soldaten dem Kaiser gehorsam und in solcher Zahl nach Prag verlegt worden, daß man nichts mehr zu fürchten brauchte, denn Piccolomini, dem sich der Tyrann immer ganz anvertraut hatte, bedrohte auf Befehl des Kaisers mit starker Reiterei, die er aus Oberösterreich herangeführt hatte, Pilsen,[295] um den Tyrannen und seine Anhänger zu überwältigen. Damals merkte der zum erstenmal, daß sich gegen ihn Unheil zusammenziehe. Deshalb verließ er selbigen Tags und selbiger Stund, da er das begriffen, mit den weiter unten zu nennenden Freunden und 10 Reiterabteilungen Hals über Kopf Pilsen, die ganze Kriegsausrüstung und die Besatzung ließ er in Pilsen mit der Weisung zurück, daß die Feldgeschütze gegen Eger, wohin er selbst ging, gebracht würden. Daß dies nicht geschah, dafür sorgten die, denen die Verantwortung für das Ganze aufgetragen war. Die Pferde, welche dafür vorgesehen waren, wurden nämlich von ihnen zurückgehalten. Sobald das kaiserliche Heer Tags darauf aus Oberösterreich vor Pilsen anlangte, ließ die Besatzung es in die Stadt ein. Der Friedländer blieb mit Illo [Ilow; BW], mit Graf Trczka und Wilhelm Kinsky, dem Schwager Trczkas, in Eger und wartete auf die Hilfstruppen der Feinde (mit diesen konspirierte er nämlich bis dahin). Wie die Getreuen in der kaiserlichen Stadt erfahren, daß diese kämen, drangen sie mit bewaffneter Hand in den Raum ein, in welchem der Friedländer mit den Seinen über die gesamte Lage Rates pflog, und erschlugen am 26. dieses ihn selber, Illo, Trczka und Kinsky. An diesem Tag nahm der Kaiser mit der Kaiserin, dem König und drei Erzherzögen in der Kirche dieses unseres Hauses vor- und nachmittags am Gottesdienst teil und auch am Frühstück. An diesem Tage hatten auch alle gebeichtet, um die göttliche Verzeihung zu erringen, und communiciert, obschon sie dasselbe am 24., am Tage des hl. Matthias, getan hatten. Das Ende der Friedländischen Komödie ist sicherlich tragisch, und sobald heute die Kunde davon eintraf, schickte der Kaiser an alle Kirchen der ganzen Stadt, um Messen zu erbitten, und zwar gegen Zusicherung eines Entgelts. Von unserem Hause erbat er 50 Messen, die ich auch anordnete. Bevor das gemeldet wurde, hatte der Kaiser schon angeordnet, daß im Namen des Fiscus alle Güter des Friedländers, Trczkas und Kinskys, die sehr groß sind, außerdem noch die Fürstentümer Glogau[296] und Sagan[297] in Schlesien eingezogen würden, die der Kaiser jenem noch vor gar nicht langer Zeit geschenkt hatte. Dem Heere in Schlesien hatte der Friedländer einen gewissen Schaffgotsch, einen nichtkatholischen, aber tüchtigen Heerführer, als Kommandanten gegeben, der bislang tatkräftig für den Kaiser gegen den mächtigen Sachsen gekämpft hatte. Diesen hatte er durch zweifellos glänzende Versprechen dazu gebracht, sich mit zusammen gegen die Kaiserliche Majestät zu verschwören, und er hatte ihm aufgetragen, Coloredo gefangen zu nehmen, von dem er annahm, daß er dem Kaiser verbissen anhange. Andererseits aber hatte der Kaiser Coloredo aufgetragen, Schaffgotsch zu fangen und in Gewahrsam setzen zu lassen, wenn er ihn nicht zur Treue gegen den Kaiser zurückführen könne. Während jener nach Glogau kam, um im Auftrag des Friedländers Coloredo zu verhaften, nahm Coloredo, der die Truppe durch die Bloßstellung der Verschwörung schon für die Treue zum Kaiser gewonnen hatte, seinerseits Schaffgotsch gefangen“.[298]
„Über Prag hinaus ging der Rettung suchende Blick nach Schlesien, der alten, Wallenstein so genau vertrauten Kriegslandschaft. Seit Gallasens Abberufung kommandierten dort der Feldmarschall Colloredo, der General Graf Schaffgotsch. Rudolf Colloredo galt als der Feindlichste von Anfang an; Schaffgotsch, reicher schlesischer Magnat, Schwager der Herzöge von Brieg[299] und Liegnitz,[300] zeigte sich bereit, mitzuspielen. Er sollte die schlesischen Regimenter in Form bringen für die Kraftprobe zwischen Kaiser und General, die wichtigsten Orte sichern, Glatz,[301] Neiße,[302] Troppau,[303] Glogau;[304] sollte auch Quartier machen für kaiserliche Reiterei aus Brandenburg, die Wallenstein unter einem Vorwand näher an sich heranzuziehen wünschte. Am 19. wurde Oberst Schlieff, der Sachse, mit geheimer Botschaft nach Schlesien geschickt. Am 23. Schreiben Schaffgotschs an Trčka: Er tue, was er kann, er sucht, das überwiegend protestantische Land freundlich zu stimmen, aber er fühlt sich gehindert durch Colloredo. »Wie unsere Sachen jetzt stehen, darüber bitt ich um Nachricht, besonders wie die Tractaten mit dem Kurfürsten und den Schweden stehen, denn sind wir da richtig, hat es mit den anderen keine Not.« PS. »Daß der Diodati so fort ist, macht mir viel Gedanken. Er hat es nicht von sich aus getan. Ist Zeit, die Augen aufzumachen und nit zu feiern …« Am folgenden Tag ließ Colloredo den Grafen Schaffgotsch gefangennehmen. Sein Brief kam nie in Trčkas Hand; er kam, zum Unglück des Schreibenden, in anderer Leute Hände”.[305]
Im Intrigenspiel um die Ermordung Wallensteins kann Colloredo kein wirklich aktiver Part nachgewiesen werden. Aber er gehörte zum engsten Kreis der Treuen, denen Ferdinand II. seinen Entschluss mitteilen ließ, Wallenstein und dessen Mitverschworene gefangen zu nehmen oder als überführte Schuldige zu töten. Colloredo fiel dabei die Aufgabe zu, nach der Ermordung des Generalissimus gemeinsam mit Aldringen und Marradas die Regimenter in Südböhmen-Mähren und Schlesien erneut auf den Kaiser einzuschwören. Im März lag Colloredo in Steinau und Liegnitz und informierte Hatzfeldt von den Bewegungen feindlicher Truppen in Schlesien und Böhmen. Zugleich teilte er ihm die Belagerung von Kronach[306] und Amberg mit. Auch warf die Versorgung von Landsberg[307] – das im April von schwedischen Truppen erobert wurde – und Frankfurt/Oder[308] erhebliche Probleme auf.[309]
“Zwischen dem 15. und dem 30. April 1634 fand in Wien die Konferenz der Generäle Gallas, Aldringen und Colloredo mit den kaiserlichen Räten zur Planung des bevorstehenden Feldzugs statt. Hinzugezogen wurden Vertreter Spaniens [Oñate; BW] und Kurbayerns [Wolkenstein und Ruepp; BW]. Noch während der Konferenz wurde offiziell mitgeteilt, daß der älteste Sohn des Kaisers, König Ferdinand von Böhmen und Ungarn, zum neuen General-Haubt der Armee erhoben worden sei. Unmittelbar nach Abschluß der Beratungen, am 2. Mai, brach der Kaisersohn nach Böhmen auf”.[310]
Als Belohnung für seine treuen Dienste erhielt Colloredo nach der Ermordung Wallensteins aus der konfiszierten Immobilienmasse Trčkas Schloss und den Güterkomplex Opočno.[311] Es gab übrigens zwei Brüder Colloredo: Rudolf und Hieronymus. Golo Mann bezeichnet sie als “germanisierte Italiener”,[312] die sich, vom Kriegsverlauf begünstigt, prunkvoll in Böhmen niederließen.
In den „48. Ordentliche[n] Wochentliche[n] Nachrichten. 1634“ ist die „Relation eines auß Prag kommenden Bottens auß dem Voigtland vom 25. Julii/4. Augusti“ abgedruckt: „In Prag were Colloredo vnd Don Balthasar [Marradas; BW], hetten darinn bey sich 12. Regimenter zu Roß / vnd 7. Regim. zu Fuß / vnd also 2. Theil Reuterey / vnd ein Theil Fußvolck / von vngefehr zwölff biß in 14000 Mann starck / wiewol sie sich auff 20000. schätzten / hetten sich verschanzet vons Lorenzenberg nach dem Weisenberg / vñ vom Strohoff biß an die höhe / auch allda ihr Geschütz. Dienstags den 15. Julii weren die ChurSächsische vñ Bannierische Armeen vor Prag ankommen / Ihre Excellenz Arnheim [Arnim; BW] hetten sich in dem einen Thiergarten / Ihre Excell. Bannier aber an die seiten gelegt: den 16. diß hetten sich beyde Läger zusammen gethan / vnd das Geschütze gerichtet: Hingegen hetten sich die Keyserischen auch zur Gegenwehr / sonderlich mit Geschütze gerüstet / vnd were den 16. 17. vnd 18. diß / von beyden Theilen grosser Ernst mit schiessen vorgegangen / vnd scharmuziert worden: Von beyden Armeen hauffen weren von 8. biß 900. Mann / vnd deren drinnen in 600. todt blieben / dann sie darinnen grossen Vortheil auff der Höhe innen / vnd ziemlichen Schaden gethan / auch sich verschossen hetten / daß sie keine Kugeln mehr zum Geschütz gehabt / vnd deßwegen in 40. Centner Zien von den Juden erpreßt / vnd Kugeln darauß gegossen. Weil nun bey solcher starcken Gegenwehr / vnd gar grossen Vortheil nicht viel zuthun / vnd beyde Armeen auff anderthalb Tag zu spät angelangt / sonsten die Keyserischen Ihre Macht nicht also hetten zusammen vnd hinein bringen können / weren beyde Armeen mit Fußvolck / Geschütz vnd Pagagi / den 18. diß / gegen Abend wider darvor auffgebrochen / vnd den 19. die Reuterey gefolgt. Ihre Excellenz Arnheim [Arnim; BW] weren auf Leutmaritz gangen / Ihr Excellenz Bannier aber nach Schlan[313] / Laun[314] / Satz[315] / vnnd Commethau[316] / vnd hette solche Ort eingenommen: dem Verlaut nach / solte Ihr: Excell: Intent auff Eger stehen / doch wüßte man es nicht eigentlich / sondern muthmaßte vielmehr / daß beyde Armeen wider vor Prag auff der andern seiten nach dem Weissen Berg zu rücken würden: die fürnembste Leute zu Prag weren hinweg gewichen / deren Häusser die Soldaten aufschlügen / vnd alles plünderten“.[317] „Fortan wurde Generalleutnant Gallas ein unentbehrlicher Offizier und Feldherr für die Habsburger. Bester Beweis dafür war die Anforderung Ferdinands II. [bei Ferdinand von Ungarn; BW], der Gallas unbedingt nach Schlesien schicken wollte, da der dortige Oberbefehlshaber – wi er befürchtete – dem verschlagenen Arnim nicht gewachsen sei und er zudem kein Vertrauen bei den eigenen Soldaten Soldaten genießen würde. Nach der für die kaiserlichen Truppen verlorenen Sclacht von Liegnitz/Legnica (Niederschlesien; heute Polen) am 13. Mai gegen die kursächsischen Verbände Arnims, die eine massive Gefährdung der böhmischen Länder mit sich brachte, wollte das Reichsoberhaupt seine Truppen in Schlesien und ebenso die Armeeführung in Böhmen verstärken. Die Befürchtungen des Habsburgers waren gerechtfertigt, denn schon im Sommer marschierte der schwedische Feldmarschall Johann Banér, der am 2. Juni Frankfurt an der Oder[318] eroberte, verstärkt durch kurbrandenburgische Verbände über Schlesien nach Böhmen, wo er schließlich auch Leitmeritz/Litomĕřice nehmen konnte. Ein grobes Zerwürfnis zwischen Arnim und Banér, die schon bis vor die Tore Prags vorgestoßen waren, und die unkoordinierte Kriegsführung der Verbündeten verhinderte wohl Schlimmeres für die Habsburger“.[319]
Die „Wochentliche[n] Postzeittungen Nr. 32“ vom 8.8.1634 wird aus Wien unter dem 16.7. gemeldet: „Des Feindts Anzug auff Böhmen continuirt / vnd solle derselb nicht weit von Prag sich sehen lassen / verhoffentlich aber / weilẽ Herr General Feldmarschalck Gallas mit 28. Regimentern vor Regenspurg[320] auffgebrochen / vnnd ihme vnter Augen zu gehen vorhabens / als möchte er wol nicht lang daherumb quartieren können / derselb ist anfangs auff Leutmeritz[321] gangen / daselbst Don Balthasar de Marradas / vnnd Herr General Major Lamboy mit etlichen Regimentern zu Roß vnd Fuß / vnnd vielen Commandirten Tragonern / sich verspüren lassen / mit welchen der Sächsische Vortrab scharmuziert / aber gar vnfreundlich von den Keyserischen empfangen / vnd zurück gewiesen worden. Weil nun nach eingebrachter Kundtschafft vernommen / daß beyde Armeen / nemblich die Sächsische vnd Bannierische / iunctis viribus auff gedachter Statt Leutmeritz im anzug begriffen weren / als haben die Keyserische nach reiffer erwegung / vnnd gehaltenem Kriegsraht / rahtsamb befunden / die Statt zu verlassen / vnnd die Brücken hinder sich abzuwerffen / dahero der Feindt / weil er allda nicht vber die Elbe kommen können / hat er auß Mangel der Brücken / seinen Marsch änderen / vnd nacher Melnick[322] / allda die Besatzung imgleichen sich vbers Wasser saluirt / mit den Armeen fortgehen müssen. Coloredo vnd Gallas gehen nunmehr auff den Feindt recht zu / vnd vermeynet man / daß innerhalb wenig Tagen etwas wichtiges werde fürlauffen“.[323]
Der Erzgebirgschronist Lehmann schreibt für das Jahr 1634: „Der keyßerliche General Graf Colloredo ließ noch einen streif ins landt thun uber Presnitz[324] und Frauenstein[325] Durch den Obristen Abraham Schönnickel, von Chemnitz gebürtig, der den 18. October frühe umb 8 Uhr vor Freyberg[326] kommen mit 1 Regiement zue fuß, 1 Regiement Curißirer und 2 Regiementer meist Trajoner, deme ie mehr und mehr Volck auß Böhmen gefolget, Die Stat feindtseelig und güttlich uffgefordert, das Hospital mit Pfarrhause, Rathsscheunen, Gießhause, ezlichen Vorwercken und 44 heußern in der Vorstatt abgebrandt, das darvon die Stadt selber in großer gefahr gestanden. Weil sie sich aber tapfer gewehret und nichts den kraut und loth gewilliget, ist er des tages nachts umb 10 uhr in der eil aufgebrochen und darvon gezogen. Der Churfürst zue Sachsen schickte den 26. October der Statt 1 Compagnie Reuter untter den Rit-Meister Hans Georg Löwen und 4 Compagnien Trajoner unter dem Obristen Unger zum Succurs zue; von den Trajonern ist also balt eine starcke parthie auf Recognition außgeritten, die zue Lauterbach[327] bey Marienberg[328] 40 Pferde von keyßerlichen angedroffen, chargirt und den rest gefangen genommen. Der Rit-Meister darvon ist zue Fuß, ohne Pferd und stifel kümmerlich nach Marienberg kommen“.[329] [...] „Die Keyßerlichen fuhren mit streiffen fort und achteten der Friedenstractaten, die zue Pirn[330] gehandelt wurden, wenig, sondern bemächtigten Sich aller Päße in gebirge und fielen von allen orten ein, es halffen nichts die Salvaguardien“.[331]
Lehmann berichtet weiter zum Jahr 1634: „Der Reitzenhainer Paß[332] wahr ins dritte jahr zue und verhauen gewesen, den ließe der General und Obrist-Wach-Meister Johann de Bec [Beck; BW] den 21. October des Nachts uffhauen, eine schantze dran bauen und sie starck besezen, dardurch oft von kayßerlichen 2, 3 biß 10 Regiementer auß Böhmen in Meißen[333] gangen, alles in die Contribution gesezt und darneben mächtigen schaden gethan. Dahin solte geben Marienberg,[334] die vorhin untter ihrer Contribution wahr, 20.000 Pfd. brod, weils aber nit muglich wahr, den die armen burger hatten selbst weder gedreit, mehl, mehlwasser noch brod, und der Rath darfür bate, Nahmen Sie den 31. October 170 thl. Contribution, von dem Rath zum Annenberg[335] uff die Schantze 2 faß bier, 400 pfd. brod, Den 10. November dohin wieder 1 faß bier, 200 pfd. Brod und vor den General Colloredo 2 Eimer Wein, item den Croaten Obristen Johann Tischlern dohin den 12. November 1 faß bier, 400 pfd. brod, den 13. November 160 thl. contribution auf die Schantze, und wahr des streifens und raubens auß der Schantze in gebirg weder Maß noch Weise“.[336] [...] „Den 31. October musste Marienberg[337] die 170 thl. den Obristen Schuzen [Schütz v. Schützky; BW] versprochen an gelt, hering und stockfischen liefern. Weil die Chur-Sächsischen Regiementer in der Zschopa[338] denen keyßerlichen so auf den halß und viel Volck zernichteten, trachteten die keyßerlichen Generalspersonen drauf, wie Sie denen Chur-Sächsischen einfallen und das Nest auf einmahl reumen möchten. Deshalb ritten die 3 Generales Colloredo, Götz und Sparr selbst durch den Reitzenheiner Paß herauß uff recognition und speiseten in Marienberg, die Sie musten außlösen. Den 8. November besazten die keyßerlichen die Reitzenheiner Schantze, denen muste Marienberg Bergleute, Negel und allerhandt sachen uffn wald schicken, mit 1 Compagnie zue Fuß und begehrte ihr Capitan Gunther [Günther; BW] von der Statt Marienberg aufs regiement bier, brod und fleisch, disarmirte die burger, ließ das gewehr auf einen Wagen mit 2 Ochsen nach Satz[339] führen und behielte wagen und viehe vorgebendt, es hette ein bürger eine Musquete getragen, der wolte den Senat in Arrest nehmen in Curia“.[340]
Die Kaiserlichen holten unvermittelt zum Gegenschlag gegen die Kursächsischen aus: „Worauf die keyßerlichen lange gelauert hatten, das wagten Sie endlich und gelunge ihnen. Den 21. November brachen die Regiementer auf und vor den Walt bey Marienberg auf, 4 derselben gingen in der stille und eill Marienberg vorbey und 4 Regiementer uber den großen teich zue Rückerswalde[341] auf die Stadt Zschopa zue, uberfielen mit ofnen Spiel und keßel-Drummeln des abendts zwischen 4 und 5 in der Stadt die 4 regiementer, daß Sie außreißen, viel pferde und alle pagagi musten in stiche laßen. Das Hanauische Regiement alleine kam zue fechten und des Obristen Ungers Tragoner hielten Sich eine Weile, musten doch zueletzt der gewalt weichen und durchgehen, das er den 23. November mit 100 Pferden zue Ronneburg[342] gelegen, die andern Regiementer Des nachts uff Freyberg[343] sporenstreichs außgerißen und ihre Sicherheit mit schaden beklagen müßen. Der feindt plünderte erstlich alles, ließ aufladen und anspannen, zündeten drauf an Schloß erst an und dann die Stad, daß ettliche 100 heußer mit kirche, geistlichen und Rathsheußern in und vor der Stadt sindt abgebrandt; viel bürger und leute vom landtvolck, so sich hinein retterirt hatten, sindt gefangen mit weggeführet, weib und kinder in kellern zue 5, 10, 15, 20 ersticket, viel verbrandt, niedergehauen, zue tod geschendet und ezliche 100 Menschen vermißet worden. Denn die Nacht gings bundt uber, und was der feindt an raub und Pagagi nicht darvon bringen können, das alles ist in brandt verdorben. Sehr viel Soltaten und ihr gesindel mitsambt den Inwohnern hat die darvon geholfen und der Walt und berge erhalten, daß Sie den feindt sind entgangen. Gewiß ist, daß die Chur-Sächsi-schen über 500 Pagagi-Pferde verloren ohne die Reuter und was von ihren gesindte in brandt umbkommen und mit fortgeschleppet worden. Den 22. November morgens frühe vor tage umb 3 Uhr ging der March wieder fort, die beladenen Wagen ubern teich, die andern Regiementer Marienberg vorbey mit grosen triumpf und eroberten 8 Standarten und zogen wieder nach Sotz[344] und ihren quartiren in Böhmen, ließen die Schantze hinter sich besetzt, drauß ferner groser schaden durch streifen geschehen.Die Generals-Personen Coloredo, Götz, [Ernst Georg von; BW] Sparr, Schütz und die Crabaten-Obristen ritten in Marienberg und ließen Sich durch den Rath speißen, legten Sich nieder und rasteten. Die Reuterey stunde vor der stat, theils erstiegen die Mauern, suchten brod und funden keins. Die gemeinen von regiementern waren auch verhungert und wehren mit gewalt in die Stad getrungen, wofern die Genralspersonen nicht ihr eigen Volck untter die Thore commandirt und sie hetten abtreiben laßen. Nach ihren abzug muste des Coloredo Hof-Meister die Statt selbst Personlich versalvaguardiren, und hiergegen die Stat in Böhmen zue contribuiren versprechen. Mit diesem einfall verrichteten die Keyßerlichen ein großes. 1. Schlugen Sie ihren feindt auß den Quartiren; 2. profiantirten Sie die besatzung zue Chemnitz;[345] 3. theten Sie einen streif nach Leißnig[346] und die ortt und kahmen aller ortt ohne wiederstandt durch und mit reichen beuten wieder in Böhmen. Das geschah alles unter wehrenden Friedenstractaten zue Pirn,[347] daß auch der Coloreto, nachdeme der Churfürst von Sachsen sich darüber beschwert hat, von Wien auß einen starcken Verweiß bekommen, sonderlich darumb, daß Er zue Franckenberg[348] und zue Tschopa[349] also gebrennet hette, welcher aber sich darmit entschüldigt hat, daß er von stille stand der Waffen nichts gewust hette. Darmit hatte die Statt Zschopa den Schaden“.[350]
Breda informierte Hatzfeldt im Dezember von der Eroberung von Chemnitz durch Colloredo, in der Anlage fand sich ein Bericht des Obristen Steinheim für Piccolomini.[351]
Lehmann berichtet weiter: „Gleich wie sie mit brennen und feuer eingezogen wahren, also zogen Sie auch mit brennen auß [Oberwiesenthal;[352] BW]. Den 18. December branden durch ihre verwahrlosung ab 3 heußer am Marck mit einen Malzhauß, den 19. December, an welchen der aufbruch und zug geschah nach Jochimsthal[353] und Lichtenstadt,[354] zundeten Sie an eine Mahl-Mühle, damit Sie ein gedächtnuß hinder sich ließen und den tag vor ihren aufbruch ließ der General Colloredo von Annenberg[355] 200 thl. Contribution abhohlen. Von Jochimsthal haben Sie nach Eger marchiren müßen und sindt an ihre statt einquartirt worden in Jochimsthal das Montefliesische[356] Regiement zue fuß ohne Zweiffel vermittelst der Friedenstractaten, damit die Reuter in gebirg nicht solchen schaden theten, welche 20 wochen liegen blieben“.[357]
Bei Leopold wird Colloredo sehr ausführlich charakterisiert: „Den 9. Juni ist Graf Colloredo mit einer [kai]serischen Armee von 16 Regimentern zu Roß und [zu] Fuß zu Eger an[ge]kommen. Wir holten uns vorher(o) – ehe er dann zu Eger an[ge]kommen – bei dem Herrn Kommandanten Rat, wessen wir uns zu verhalten und wie wir es bei diesem Marsch angreifen sollten. Der sagte, wir hätten uns nit zu fürchten. Wir sollten nur zu Haus[e] verbleiben; auf welches wir dann auch gebauet und zu Hause sämtlich verblieben sind.
Den 10. dito ist das Volk zu Eger auf[ge]brochen und gegen Thiersheim[358] marschieret. Doselbsten und [in] selber Gegend [hat es] Quartier genimmen. Auch [ist es] am 11. und 12. still gelegen; wie denn am 11. dito, sobald der Tag an[ge]brochen [war], viele starke Truppen von dem götz(ischen) [Johann v. Götz, BW] Regiment aus ihren Quartieren herüber gesprenget [sind]. Und als vor dem Unter[e]n Tor die steinheimischen [Veit Dietrich v. Steinheim auf Seeberg zu Haslau; BW], Soldaten – so wir zur Salva Guardi[a] [hatten] – , ihnen zusprechen wollten, daß sie sich an dem Markt nit vergreifen und keine(n) Gewalt brauchen sollten, achteten sie alles nicht(s), sondern hieben Schrank€ und Tore auf und sprengten grimmig(lich) mit bloßem Degen und Geschrei herein.
Nun hatte man zu solchen Zeiten gemeiniglich Rathaus und Kirche(n) eröffnet, damit die Leute darinnen zusammenlaufen konnten.
Wie ich mich denn damals auch in dem Fieber todkrank in der Kirche(n) befunden, da fielen diese alsbald auch in die Kirche(n) hinein, zerschmüssen den Gotteskasten, nahmen die Pfennig[e] heraus [und] zerschlugen [den] Altar und Predig[t]stuhl, [da sie] meineten, Geld darinnen zu finden. Sie gruben auch unter die Beichtstein[e], hin und wieder [auch] unter die Stühle, huben viel[e] Stein[e] und Ziegel auf [und] erwischten auch die Kelch[e], welche versteckt gewesen [waren]. Wie sie dieses alles zusammengerichtet und fleißig durchsucht [hatten], da machten sie sich an uns [und] zogen einen nach dem anderen aus, was er anhatte. Wie dieses geschehen, führeten sie einen nach dem anderen hinaus, damit man ihnen in den Häusern auch [alles] sollte. Da wurden die Leut[e] alle von einander zerstreuet. Ich selbst(en) als ein Kranker, der auch nichts mehr anhatte als Hemd und Hose(n), kam aus der Kirche(n) und über die Mauer hinaus, machte mich durch das Getreid[e] und die Thöla[uer] Gasse hinunter auf Wunsiedel zu, hatte weder Schuhe an den Füßen, noch einen Hut auf dem Haupt, sondern [nur] ein kleines Kißlein. Damit bedeckte ich mein Haupt vor dem heißen Sonnenstrahl. Wann mir gleich Reiter begegneten, achteten sie meiner nit groß, denn sie sahen wohl, daß ich schon auf der Mess[e] gewesen und daneben auch [noch] krank war. Und so krank als ich gewesen, dass ich des Morgens mit großer Mühe aus dem Bette und in die Kleider gebracht worden [bin], ebenso hübsch und geschwind hab ich [am] Nachmittag wieder gehen gelernt. Und es ist ganz gewiß, daß ich in diesem Einfall und Schrecken von meiner Krankheit [ge]kommen und gar gesund worden [bin].
Dieses Plündern hat nun bei uns gewähret den ganzen langen Tag; denn [so haben] sich die Reiter je mehr und mehr herbei gefunden, in der Kirche(n) mit den Pferden herum(b) gesprenget, viel[e] Leut[e] mit den Pistolen und ihren Spitzhämmern,[359] (so wohl) auch unsere Salva Guardi[a] ausgezogen und jämmerlich geschlagen, daß sie endlich auch über die Mauern springen und entlaufen mußten. Und obwohl sie ihnen viel abgenommen, haben sie dadurch doch nichts verloren, sondern wir haben ihnen hernach(er) viel ein mehrers wieder zahlen und gutmachen müssen. Als es aber Nacht und finster [ge]worden, (da) haben sich die Leut[e] alle – bis auf etlich wenig Bürger, die noch ein wenig zusehen, wo es hinauslaufen wollte – nach Wunsiedel begeben.
Des andern Tags, als Graf Colloredo um(b) Mittag mit dem Stab nach Wunsiedel [ge]kommen und das Hauptquartier allda genommen, kamen die Hinterbliebenen nach Wunsiedel geloffen, daß das Rauben und Plündern heut[e] ebenso groß, als es gestern gewesen. Dahero fanden wir uns [beim] Colloredo ein. Weil er aber schlief, mußten wir etwas (auf)warten, bis der Ober[st] Götz und ander[e] Oberste(n) kamen. Da machte er sich auf. Wir klagten ihm unser[e]n Zustand, wie es bei uns gestern und heut[e] her[ge]gangen. Überdies hatten wir auch verstanden, daß man auch Quartier bei uns machen wollte. Deswegen, weil wir ohnedies [schon] verderbte Leute, baten [wir] ihn, er sollte doch durch seine Reiter oder durch einen Trompeter sowohl das plündern abschaffen, [als] auch die Quartierung diesmal von uns abwenden. Dieser Graf Colloredo war ein feiner, diskreter Herr, hörete uns gar mitleidentlich [an und] sagte auch, daß es ihm nit lieb [wäre], zu hören, dass dieses bei uns vorgegangen [sei]. Wir sollten uns billig zu Eger bei ihm angemeldet haben, da wollte er diesem Unheil schon vorgebauet und uns mit Salva Guardi[a] versehen haben. So [aber] könnte auch das Quartier nit mehr geendet werden, denn das marotzinische [Morzin; BW] Regiment zu Fuß hatte heut[e] früh auf dem Rendezvous Ordonanz erlanget, bei uns übernacht zu logieren; [es] würde auch ohne Zweifel schon da sein. Und weil die ander[e]n Regimentern auf den Dörfern um(b) uns schon bereit[s] in die Quartiere gerucket, könnte solches nunmehr ohne große Konfusion nimmer geendet werden. Doch wollte er dem Oberstleutnant, welcher das marotzinische Regiment kommandier(t)e, zuschreiben, dass er bei uns gut Kommando hielte. Wir sollten nach Haus[e] [gehen]. Er wollte uns Konvoi mitgeben. Und do wir die geringste Klag[e] wider ihn hätten, sollten wir ihm fröhlich zusprechen, er wollte es ändern.
Weil dann der General sich den Konvoi und alles Gute entbot, sind unser etliche mit nach Haus[e] [und] nahmen von Wunsiedel Fleisch, Brot, Eier, Schmalz und was wir haben konnten mit. Als wir nach Haus[e] [ge]kommen, fanden wir die Quartiermeister [vor]; das Regiment aber war noch nit eingezogen. [Es] kam aber alsbald(en). Wir gingen ihm (hinaus) entgegen, eröffneten ihm unser[e]n Zustand [und] klagten unser[e]n Jammer und [unsere] Not, dass auch nit über 6 Häuser sein würden, darinnen Brot zu finden sei und Leute vorhanden wären. Und da wir auch (gleich) seine Person gerne nach Würden traktieren wollten, so wäre doch wenig und gar nichts vorhanden. [Wir] gaben ihm auch des Generals Schreiben. Dieser war wohl auch ein guter Mann [und] hätte uns lieber was [ge]geben als genommen. [er] war ein Österreicher und evangelisch. Er erbot sich, gut Kommando zu halten. [Er] ist seinen Worten auch nach[ge]kommen. Dieses Regiment ist auf das wenigste doch – sam(b)t dem Troß – (in) 1500 Mann stark gewesen“.[360]
In diesem Jahr wurde Colloredo zu Gallas’ Feldzug gegen Lothringen abkommandiert.
Am 22.6.1635 konnte Piccolomini dem Kardinal-Infanten Fernando aus Andernach[361] melden, dass er mit der Armee den Rhein überschritten habe und gegen Namur[362] vorrücken werde, im Einverständnis mit Feldmarschall Colloredo und Obrist Beck, gemäß den kaiserlichen und den königlichen Befehlen.[363]
Aus Speyer[364] hatte sich Colloredo am 25.6.1635 an Gallas gewandt: Hier in Speyer habe er erfahren, dass Gallas samt der Armee in unbekannter Richtung abgezogen sei; um nicht in die Hand des Feindes zu fallen, wolle er ihm nicht folgen, sondern nach Heilbronn[365] zurückkehren. Der Kaiser und der König hätten ihm, C., befohlen, sich zur lothringischen Armee zu begeben – er wisse um die vielen damit verbundenen Schwierigkeiten. Laut kaiserlicher und königlicher Anweisung solle er Gallas’ Rat darüber einholen, ob er das Eintreffen der Hilfstruppen abwarten oder Lothringen wiedererobern oder in Frankreich einfallen solle. Seiner Meinung nach werde Frankreich alle Kräfte an die Pforte des Königreichs werfen, nämlich nach Burgund und Lothringen. Er wolle seine Befehle abwarten und zur Armee Karls IV. von Lothringen gegen Breisach[366] vorrücken.[367] Vom 25.6. bis 19.10. gingen 23 Berichte Colloredos vom lothringischen Kriegsschauplatz an Gallas.[368] In seinem Schreiben an Piccolomini aus dem Feldlager vor Worms[369] vom 14.7. informierte der kaiserliche Generalleutnant Piccolomini über Colloredos Vormarsch.[370]
Aus Heilbronn hatte Ferdinand von Ungarn Colloredo am 26.7. mitgeteilt: Gallas ziehe mit starker Kavallerie ins Saarland: Colloredo solle Gallas durch die Zusammenarbeit beider Armeen unterstützen. Bassompierre werde als Vermittler mit Karl IV. von Lothringen über die Friedensbedingungen verhandeln. Für Getreideankauf stehe kein Geld zur Verfügung; Colloredo möge in Burgund nach guten Getreidevorräten Umschau halten und etwa vorhandene sicherstellen; er, F., wolle ihm das zur Bezahlung notwendige Geld aus den dann fälligen Kontributionen im September überweisen. Aus der kommenden Ernte müssten Getreide beschafft und Speicher errichtet werden. An Graf Gronsfeld, den Führer des kurbayerischen Armeekorps, das nunmehr Teil der „Reichsarmada“ war, sollten 2 Halbkartaunen, 100 Artilleriepferde sowie Munition geschickt werden.[371]
Am 27.7. schrieb Colloredo aus dem am 11.7. von lothringischen Truppen[372] unter Karl IV. von Lothringen eingenommenen Remiremont[373] an den Generalleutnant: In seinem letzten Brief habe er ihm gemeldet, dass der Feind im Begriffe sei, Épinal[374] zu verlassen und dass er diesem 1.000 Reiter nachgeschickt habe. Nun stelle er fest, dass sich der Feind bei Charmes[375] an der Mosel zusammenziehe; er wisse nicht, aus welchen Gründen: entweder will der Feind die Kaiserlichen aus Remiremont hervorlocken oder er fürchtet, von dem in Pont-à-Mousson[376] stehenden Kardinal La Valette abgeschnitten zu werden oder es zwinge ihn der Umstand, von Versorgungsmöglichkeiten abgeschnitten zu sein. In Épinal habe er 4 Regimenter gelassen, Werth aber mit Arkebusieren und Kroaten in den Hennegau[377] kommandiert.[378] “Um nicht die Verbindung mit Nancy[379] zu verlieren, sah sich La Force gezwungen, Épinal zu räumen und auf Lunéville[380] zurückzugehen. Der alte schon 84jährige Marschall, gebeugt durch den Tod seines Enkels, der im Geplänkel mit Werths Reitern den Tod gefunden hatte, bat den König um seinen Abschied, in den Ludwig XIII. aber nicht einwilligte. Er sandte ihm den Herzog von Angoulême, Charles de Valois, als Mitfeldherrn zu, der als Heerführer über große Erfahrung erfügte. Richelieu hatte ihm größte Strenge gegen die ‘abtrünnigen’ Lothringer empfohlen”.[381] Am 30.7. wandte sich Colloredo aus Remiremont erneut an Gallas: Von einem vertrauten Freund wisse er, dass sich Ludwig XIII. im Bassigny,[382] zehn Wegstunden entfernt, aufhalte, und La Force vier Wegstunden weit stehe. Er bitte um Anweisungen, wie er sich zu verhalten habe.[383] Am 4.8. schrieb der Thronfolger aus Heilbronn an Rudolf von Colloredo: Er habe erfahren, dass sich Kardinal La Valette zusammen mit Bernhard von Weimar und wahrscheinlich auch mit La Force zu einem Ausfall gegen Gallas’ Armee rüste. In Zusammenarbeit mit Karl IV. von Lothringen solle Colloredo verschiedene Diversionen gegen die vereinigte franzöische Armee vornehmen.[384]
Am 9.8. hatte sich der Kardinal-Infant aus Goch[385] wieder an Gallas gewandt: Er sei im Besitz von Nachrichten, dass die Franzosen mit 20.000 Mann aus Artois vorrücken. Gallas möge mit der Armee an die Grenzen Frankreichs vormarschieren, da er selbst nicht an so vielen Orten gleichzeitig sein könne. „Con ocasión de tener avisos ciertos de que por la parte de Artois entran franceses en estos estados con 14 mil infantes y seis mil caballos, vuelvo de nuevo a deciros de cuanta conveniencia seria que vuestra persona con las tropas de vuestro cargo se avanzase a las fronteras de Francia, y el Conde Colredo con las suyas marche en la conformidad que teniades dadas las órdenes, porque hallándome y empeñado tan adentro, así para municionar y dar calor a que el fuerte Schenke[386] se conserve, como también en oposición de los dos ejércitos de holandeses y franceses, tendré gran difficultad el acudir a tantas partes, y por la vuestra tengo muy segura confianza que en cosa que tanto importa os governareis ajustándos a esto, pues es de tanta conveniencia. Y al señor Rey de Ungria, mi hermano, escribo en la misma conformidad”.[387]
An diesem 9.8.1635 waren auch neue Meldungen Colloredos aus Deycimont[388] eingetroffen: Von Obrist Enckevort sei er über die Wünsche Ferdinands von Ungarn unterrichtet worden. Er habe seine Truppen hierher nach Deycimont verlegt, morgen wolle er an Bruyères[389] vorbei marschieren:, wo eine Besatzung von 100 Mann liegt. Er werde versuchen, sich Rambervillers[390] zu bemächtigen, um die Übergänge ins Elsass im Rücken zu haben und um sich auf diese Weise wann auch immer mit Gallas zu verbinden und gegenseitig helfen zu können. Der Feind rücke aus Épinal[391] gegen die französische Grenze vor, der Herzog von Angoulême werde sich wohl mit La Force vereinigen. Er selbst wolle den Ort einer Kontaktaufnahme mit Gallas aussuchen.[392] An diesem Tag schickte Colloredo aus St. Hélène[393] ein weiteres Schreiben an den Generalleutnant: Die Truppen des Marschalls La Force hätten wegen Proviantmangels Épinal verlassen, er selbst habe 1.000 Reiter unter Werth hinter ihnen hergeschickt. Zwei gefangene Kapitäne hätten behauptet, La Valette habe mit Bernhard von Weimar die Saar überschritten. Verschiedenen Nachrichten zufolge habe La Valette keine 12.000 Soldaten. Angeblich soll La Force gehen und das Kommando vom Herzog von Angoulême übernommen werden; dieser sei mit 2.000 Infanteristen und 8 Kompanien nach Nancy[394] gekommen. Er selbst habe mit der Truppe hier Quartier genommen, da er nicht genug Proviant besitze und Gallas näher sein wolle.[395]
Am 14.8.1635 schrieb Ferdinand III. aus Heilbronn[396] an Colloredo und legte einen vom 3.8. datierten Brief der Erzherzogin Claudia aus Innsbruck[397] bei, in dem diese die Beschwerden der Städte und Bergleute von Oberösterreich über das Hausen der Soldateska und Vernichtung von Gütern vorlegte und um Abhilfe bat.[398] In einem zweiten Schreiben vom selben Tag teilte er Colloredo mit, die Stände von Oberösterreich klagten darüber, dass auf Graf Rappolsteins Gütern im Elsass die Reiterregimenter Tilly [Montigny; BW] und Suys lägen, ferner ein Vernier’sches Dragonerregiment in Thann,[399] Sulz,[400] Gebweiler[401] und Rufach[402] sowie im Bistum Basel, wo sie Kontributionen eintrieben und Musterplätze errichteten; diesseits des Rheins liege das Regiment des Giovanni Bastista Braccolini und alle verwüsteten das Land. Mit Rücksicht aber auf den Friedensschluss aber sollten sämtliche Musterungsplätze liquidiert werden. Er, Ferdinand, befehle ihm, diese Liquidierung mit Karl IV. von Lothringen zu besprechen und die Regimenter Vernier und Suys samt der Reiterei Bracciolinis zur Armee zu kommandieren. Mit dem Bischof von Basel möge er sich über die Verproviantierung der Festung Breisach[403] einigen.[404] Ein weiteres Schreiben Ferdinands von Ungarn ging am 21.8. aus Heilbronn an Colloredo: Auf Grund des Friedensschlusses und der damit verbundenen Liquidierung sämtlicher Musterungsplätze befahl er, Colloredo solle mit Karl IV. von Lothringen Kontakt aufnehmen und die Auflösung seines Musterungsplatzes in Würzburg, wo dieser 4 Dragonerkompanien stehen habe, besprechen, um so dem Gesuch der Stadt zu willfahren.[405]
Am 23.8. schrieb Colloredo aus Rambervillers an Gallas: Die Regimenter Rantzau mit 2.000 Mann, Obrist Straf mit 1.000 Reitern und das französische, das in Marsal[406] gestanden sei, seien auf dem Marsch, um zu La Valette zu stoßen. In Frankreich, der Schweiz und in Lothringen fänden ausgedehnte Rekrutierungen statt, der Herzog von Angoulême habe mit seiner Reiterei zwischen zwei Flüssen in Lunéville[407] sein Lager aufgeschlagen.[408]
Am 26.8. wandte sich der Kaisersohn aus Philippsburg[409] erneut an Colloredo: Der Bischof von Basel habe sich darüber beschwert, dass Karl IV. von Lothringen Vernier gewisse Orte des Bistums als Mustrerungsplätze angegeben habe. Da infolge des Friedensschlusses sämtliche Musterungsplätze im Reich aufgelöst werden sollen, möge Colloredo diese Angelegenheit mit Karl IV. abhandeln, mit dem Vorbehalt, dass die Festung Breisach[410] vom Bistum Basel verproviantiert würde.[411] Auf Weisung des Kaisersohns vom 29.8.1635 aus Philippsburg für Colloredo wurde Kriegsrat und Feldmarschallleutnant Ossa am Oberrhein eingesetzt, wo er vor allem im Hinblick auf den Prager Frieden die Militärdisziplin heben, Übertretungen untersuchen und die Bestrafung der Schuldigen betreiben sollte.[412]
Karl IV. hatte sich am 31.8. aus Rambervillers bei Ferdinand von Ungarn über die kaiserliche Heeresleitung beschwert: Nach jahrelangen aufwändigen Diensten für Kaiser und Reich, in denen er sein Leben aufs Spiel gesetzt habe, um es im Kampf schließlich zu verlieren, diene er weiter als General und benutze dazu sämtliche eigenen Mittel sowie die seiner im Exil lebenden Verwandten. Jetzt aber seien seine Möglichkeiten erschöpft, er habe weder Munition noch Proviant oder andere Vorräte und wisse nicht, wovon er bei den gegenwärtigen Verzögerungen und Aufschüben seine Armee ernähren solle. Darüber habe er schon in seinen Briefen vom 9. und 11.8. geschrieben, auch seinen Kommissär in dieser Angelegenheit zum König entsandt. Nichts aber hätte sich geändert, die Ordonnanzen gingen nicht an ihn, den General, sondern an Rudolf von Colloredo, der ihm nur mitteile, was er für nötig halte. Die kaiserlichen Generäle hätten jene Verzögerungen, die nun ihm zugeschoben würden, selbst verschuldet. Obristleutnant Pienzenau, den er mit diesem Schreiben zu ihm, F., schicke, werde ihm seine Meinung auch mündlich bekanntgeben. Dem Grafen Colloredo, der ihm in allem zuwider sei, möge befohlen werden, ihn als General zu respektieren sowie alle günstigen Gelegenheiten zu Angriffen auf den Feind zu nützen.[413] Am 1.9. hatte Colloredo, der wohl mehr zur Führung des Kleinen Krieges geeignet schien,[414] in einem Schreiben aus dem Lager bei Rambervillers Ferdinand von Ungarn seine Vorstellungen über den weiteren Verlauf des Feldzugs entwickelt,[415] falls dieser entschlossen sein sollte, die Franzosen zum Abzug aus dem Reich zu zwingen. Da Gallas mit seiner Armee noch immer am Rhein stehe und der Winter sich nähere, lege er Ferdinand zwei Überwinterungsvorschläge vor. Die erste Möglichkeit sei der Rückzug aus Rambervillers nach Saarburg,[416] Blâmont[417] und Deneuvre,[418] die Eroberung der Stadt Zabern[419] und die Sicherung des Rheinübergangs bei Rheinau.[420] Die zweite Möglichkeit, falls Ferdinand die Franzosen aus dem Reich zu vertreiben beabsichtige: Er, C., bemächtige sich der Orte Bayon,[421] Charmes,[422] Toul[423] und Vaucouleurs,[424] der Herzog von Lothringen erobere Pont-à-Mousson.[425] Dadurch müsste sich das jetzt in Luneville[426] liegende französische Heer gegen Metz[427] zurückziehen und die französische Armee den Rückzug aus dem Reich antreten. Gallas könne dadurch an die Saar gehen und „seine quartier, weiln des Weimar macht hoffentlich nicht also starckh, daß sie ihme widerstehen und dieses vornem[en] hindern kan, bis auf Blâmont und selbige gegend nehmen und extendiren. [...] Dieses zu volziehen und also in das werckh zu setzen, begert ich nicht mehr alß 2.000 küraß, 2.000 teutsche archibusier, 2.000 croaten, hungarn oder polacken, 7.000 zu fueß und die bei dem grafen von Gronsfeld vorhandene artigleria und hoffe also, mit Gottes hülfe diese armee zu überwintern, auch diesen posto wol zu erhalten, dardurch dan auch I. Durchl., in ihren landen etwas volckh zu samblen, luft und gelegenheit erwachsen würde, mit welchen dieselbe also mechtig gelassen werden könte, daß sie auf allen fahl in ihrem land verbleiben könne“. – Viele Reichsstände hatten die Zahlung der hundertzwanzig Römermonate verweigert bzw. um Erlassung ersucht, so dass der Kaiser seinem Sohn schrieb, er möge sich bei Erhebung der Kontributionen „nach gelegenheit, umbständt und beschaffenheit der sachen“ richten.[428] – Gleichzeitig wies Colloredo jedoch darauf hin, dass Karl IV. unerfahren sei, und die „bei derselben anwesende personen und seine vasallen alles nur zu ihren privatnutzen distrahiren, wird derohalben aller behuef überall entzogen, maßen dan alhir und aller orthen beschehen, und dardurch alle officier disgustirt werden“.[429] Diese Kritik an dem Herzog – der während des Feldzuges am 2.9. für vier Wochen die Bäder von Luxueil[430] aufsuchte und Werth das Kommando übertrug – und seinem aufwendig-repräsentativen Hofstaat muss wohl im Zusammenhang mit den ständigen Versuchen Gallas’ gesehen werden, die Niederlegung des Generalats durch den Lothringer zu erreichen, um ohne jede Einschränkung oder Rücksichtnahme selbstständig das Kommando führen zu können, dadurch den Einfluss des kritischen Maximilian zu schwächen und den formalen Bruch mit Frankreich vorerst zu vermeiden. Nicht zuletzt wegen dieser weitreichenden Pläne der kaiserlichen Heeresleitung wurde die Abordnung des kurbayerischen Kommandierenden Gronsfeld an Karl IV. schon am 8.9. erneut widerrufen,[431] so dass er zunächst, wenn auch wohl sehr widerwillig, bei Gallas verblieb, während dieser andere kurbayerisch-kaiserliche Truppen an Karl IV.[432] und Colloredo abordnete.[433]
Am 2.9. hatte sich wieder Colloredo aus dem Lager von Rambervillers bei Gallas gemeldet: Seit dem 5.8. sei er ohne Nachricht von ihm. Nun nütze er die Gelegenheit und sende ihm einen Lagebericht: Er halte sich gegen den Feind, dieser aber falle ihm jetzt auch in den Rücken und da seien seine Kräfte zu schwach. Träfen die versprochenen Hilfstruppen ein, könnte er zwischen Mosel und Maas vorrücken, um einerseits Proviant zu beschaffen und andererseits die sich nähernden Franzosen aufhalten. Gallas solle zur Saar vordringen, wo er genügend Proviant vorfände. Er selbst brauche die Gewissheit ständigen Kontakts mit ihm. Aus seinem ausführlichen Brief an Ferdinand von Ungarn könne Gallas seine eigenen Möglichkeiten ersehen. Dem auf dem Weg hierher befindlichen Ligaheer solle aufgetragen werden, seine Reiterei über Markirch[434] und St. Dié[435] vorauszuschicken, Infanterie und Bagage sollten den gleichen Weg nehmen. Er selbst habe die die verlässliche Nachricht, dass die Stadt Zabern[436] in Bedrängnis sei. Gallas solle 1.000 Reiter und 1.000 Dragoner zwecks Vertreibung der Besatzung und Öffnung des Verbindungsweges nach Saarburg entsenden. Auf diesem Wege könne er ihm, C., sofort 2.000 Ungarn, Polen und Kroaten zu Diversionen gegen die Franzosen senden.[437] Colloredo informierte Gallas am 5.9. über Aufstellung und Bewegungen der französischen Armee: „Aldieweilen nunmehr gewiss, dass auf funfzehn Standarrn des franzoischen Adel und zehn Companien Dragoner, so sambtlich auf 6 000 Mann geachtet werden, aus Frankreich ankomen, als habe E. E. ich solches, wie auch dass derselbe sich zwischen Fu[438] und Ponte Moson[439] logiert, und dass etlicher Aussage nach gemeldter Adel und Dragoner von aldort hinab zu den Cardinal de Valleta passiren, wie aber andere melden, gesagter della Valleta das bei ihme habende deutsche Volk von den Weinmar verlassen und mit den ubrigen Franzosischen auch herauf zu den della Forza [de la Force; BW] sich begeben solle, zu berichten nicht umbegehen können. Im Fall nun ernanter della Valleta mit seinen Volke heraufkomben und neben den Adel zu der della Forza, welcher sich mit seiner Arme zwischen denen beiden Stromben verschanzet, und auch noch immer mehr und mehr befestigen tuet, stossen möchte, werden E. E. meinen jüngsten Schreiben, noch hoch vernünftig ermessen, wie ich dieser Orten bestehen wurde, sintemalen auch die jüngste avenirte heimbliche Correspondenz I. Dt mit der Burgerschaft zu Ponte Moson nicht verschwigen, sondern lautbar worden; als ist das Schotische Regiment wieder zuruckmarschirt, und in erwegter Stadt selbigen Posten zu versichern sich logiert. Ein heut fruhe eingebrachter Gefangener, so nur vor acht Tagen aus Paris komben, berichtet, dass der König in Frankereich mit dem Adel aus Poitu,[440] (welcher 6 000 stark geschezet wird), seinen Leibregiment und den Schweizern nacher Picardia sich begeben und dass in Frankreich sonsten von keiner andern Werbung das wenigste nicht gehöret wird“.[441]
Am 11.9. informierte Colloredo Gallas wieder aus Rambervillers: Er wisse aus sicheren Quellen, dass Ludwig XIII. aus Paris ausgerückt sei und sich an der Grenze zum Bassigny[442] mit den Schweizern verbinden wolle, ferner dass der französische Adel mit den Dragonern nach mehreren Tagen Nancy[443] verlassen habe, um bei St. Nicolas-du-Port[444] zu Kardinal La Valettes Truppen zu stoßen. Er selbst bleibe am Ort, wo er; seiner Meinung nach werde Herzog La Force gewisse Abteilungen zu La Valettes Truppen abkommandieren, weshalb er, C., Kundschafter ausschicke und ihm Bericht erstatten werde, sobald er etwas Sicheres erfahren habe.[445] An diesem Tag wandte sich auch Ferdinand von Ungarn von Horneck[446] aus an den Generalleutnant und gab ihm die Vorschläge Karls IV. von Lothringen und Colloredos bekannt. Des letzteren Vorschlag halte er nicht für schlecht, man könnte auf diese Weise eine Vereinigung der Truppen, einen Vormarsch bis nach Toul[447] und zur Maas und eine Eroberung dieser Gebiete erreichen; er, G., möge diese Vorschläge gründlich erwägen und ihm seine Ansicht mitteilen. Inzwischen möge er alle nur irgend entbehrliche Reiterei zu Colloredo abkommandieren, damit jener die stark sich zusammenziehenden französischen Adeligen aufhalten könne; alles übrige werde er von Obrist Enckevort erfahren. Aus Leipzig[448] habe Reichsvizekanzler Kurz gemeldet, dass sich der Kurfürst von Sachsen gegen Banér stark genug fühlt; der Niedersächsische Reichskreis habe sich gänzlich für den Prager Frieden ausgesprochen. Daher sei zu überlegen, wie das kaiserliche Volk in Böhmen und Schlesien in der verbleibenden Zeit des diesjährigen Feldzugs am besten zu gebrauchen wäre. La Valette und Bernhard von Weimar hofften, ihre Stellungen zu halten, und rechneten mit keiner Diversionsmöglichkeit; eine solche könnte höchstens der Herzog von Lothringen wagen, vorausgesetzt, er erhalte Verstärkungen. Gallas möge sich dazu äußern.[449]
Am 21.9. informierte der Sohn des Kaisers aus Horneck Rudolf von Colloredo, dass sowohl die feindliche als auch die kaiserliche Armee den Rhein überschritten hätte, erstere scheine sich in Richtung Lothringen zu bewegen. Colloredo möge mit dem Herzog von Lothringen zusammenarbeiten – der sich übrigens immer noch in den Bädern von Luxueil[450] befand – und für dessen Truppen Proviant besorgen sowie Getreidespeicher sicherstellen.[451] In seinem Schreiben aus Rambersvillers[452] vom 22.9.1635 teilte Colloredo aus Rambersvillers Gallas mit, nach erhaltenen Informationen eile Bernhard den Holländern zu Hilfe, so dass es gut wäre, Kroaten und Dragoner schleunigst nach Saarburg[453] zu schicken, damit La Valette diesen Pass nicht besetzen könne. Er habe daher dem Kommandanten der Kroaten geschrieben, in diese Richtung vorzustoßen und sich mit Peter Ernst von Lützelburg zu verbinden, der ihm weitere Anweisungen erteilen werde. Er, C., sei sich der Unterstütung durch Gallas auch darin gewiß, dass der Feind die Ankunft von Gallas nicht erwarte. Würde Gallas gegen Saarburg vorrücken, könnte er unterwegs nicht nur Zabern,[454] sondern auch die meisten elsässischen Städte einnehmen, denen der Feind nicht zu helfen im Stande wäre.[455]
Ferdinand von Ungarn sandte am 24.9.1635 aus Horneck Colloredo in Abschrift eine schriftliche Beschwerde Erzherzog Leopold Wilhelms, datiert Wien, 7.9., über das wüste Hausen der Truppen des Herzogs Karl IV. von Lothringen auf den Klostergütern von Gebweiler[456] und anderen Orten. Laut dieser Beschwerde plündere und verwüste die Soldateska die Kirche, morde weltliche und geistliche Personen und entehre Frauen. In der Beilage fanden sich schriftliche Beschwerden vom 5., 23. und 6.6. Colloredo wurde angewiesen, die Täter zu bestrafen und beim Militär Zucht zu halten.[457]
Colloredo hatte am 30.9. Gallas aus Rambervillers informiert, der Feind habe am vorigen Morgen sein Feldlager nach Baccarat[458] verlegt habe, die feindlichen Pläne nicht bekannt seien und dass sich unsichere Gerüchte über La Valettes Niederlage verbreiteten. Er bat Gallas um Nachrichten und Anweisungen. Bei einer etwaigen Bewegung des Feindes werde er vorsichtig vorrücken und Gallas’ Befehle abwarten. Von der französischen Grenze informiere ihn sein Freund, dass die Gerüchte über die königliche Armee abklängen, so dass nur die Truppen von La Force und Angoulême übrig blieben. Die französischen Adeligen zögen heimwärts und wollten kommenden Mittwoch bereits in der Champagne sein.[459]
Am 8.10. hatte der auf Schloss Heuchlingen[460] liegende Kaisersohn seinem Generalleutnant geschrieben: Er habe den Stand der Dinge wohl erwogen und sei wie immer mit Gallas’ Vorgehen zufrieden; nun müssten alle Kräfte der Bewahrung der eroberten Gebiete gewidmet werden. Da der Feind nun mit Sicherheit aus dem Reichsgebiet vertrieben sei, dürfe man sich auf keinerlei Aktionen einlassen und so das Gesamtinteresse nicht gefährden, was er völlig seinem bewährten Urteil überlasse. Gallas möge mit Karl IV. von Lothringen, der gewiss der kaiserlichen Ansicht zustimmen werde, in Korrespondenz bleiben.[461] An diesem 8.10. hatte auch Colloredo wieder aus Rambervillers einen Lagebericht geschickt: Am gestrigen Morgen habe der Feind Lunéville[462] verlassen und ziehe nach Saint-Nicolas;[463] Bernhard von Weimar habe mit seinen Abteilungen die französische Nachhut gebildet. Er erwarte seine Nachricht, wohin Gallas sich wenden werde.[464]
Am 13.10. hatte Gallas aus dem Feldlager bei Saargemünd Piccolomini gegenüber u. a. Erfolgsbilanz seines Vernichtungsfeldzugs an der Saar gezogen, mittlerweile in Begleitung seines Saufkumpans Johann von Götz: “La Maestà del Re d’Ungria m’avvisa haver scritto a S. R. A. [Fernando; BW] acciò si compiaccia mandar V. E. con le sue truppe verso Luzemburg, per causare diversione a francesi; presupponendo che costi non vene [sic] sia più di bisogno, come qui habbiamo nuova, che l’armata sia per ritirarsi ne quartieri d’inverno, e che li francesi habbino imbarcato loro cavalleria per ritornare in Francia, tantio più facilmente S. A. se ne dovrà compiacere. La Maestà del Re è stata informata, che quelli signori pensino mandar V. E. in Artues,[465] e di là in Cambresi[466] per fa diversione in Piccardia. Io sono molto pratico di quei paesi, e non vedo ch’altro si potesse effetuare, che [...] li stati del Re, e rovvinare l’esercito di V. E., sendo la Piccardia[467] piena di fortezze. Il mio parer sarebbe che V. E. passasse la Mosa a Nemur[468] verso Mesieres[469] di dove verebbe à entrar nel cuore della Francia, dove troverà pochissime fortezze e il paese pieno, e vicino per poter dar la mano con S. A. di Lorena [Karl IV. von Lothringen; BW] e noi altri. S. R. A. [Fernando; BW] non ha paesi per poter invernare l’esercito che ha V. E., se non vuole offendere li lieggesi, e altri confini, dove potiamo rifare le nostre levate, e per questa via tornarebbe a tirar il nemico a quella volta. Il che tutto V. E., con la sua solita prudenza, saprà dar ad intendere a S. R. A., acciò ogni cosa riesca con suo gusto e sodisfatione. Io essendo arrivato insino a tre hore di Metz,[470] e vedendo di non poter più dannegiar il nemico, che haveva già guadagnato il passo, mi sono messo ad assicurarmi le spalle et il fianco, occupando Walderfang,[471] Saarbrucken,[472] Saargemund,[473] Zweibrucken,[474] et altri luoghi circumvicini, dove sendomi venuto à trovare S. A. di Lorena, contandomi i digusti che haveva con il signore Coloredo, sono restato d’accordo con lui, che marciarò con l’armata cesarea verso Luneville[475] per far testa al nemico e coprir l’armate di detto signore Duca, et quella del Coloredo, acciò possino giuntarsi sicuri a questa et astringere il nemico a rompere almeno i suoi disegni.
A. S. A. ho dato 4 000 ungari e croati, e sei regimenti cavalli allemani disarmati, due della cavalleria della Lega, con li quali, e due delli suoi fatti, partiranno domani per passar la Mosella, Thionvilla,[476] e Metz,[477] et entrar nella campagna per far quella diversione, che sarà possibile. A Giovanni de Wert, che si trova con il Conte Coloredo, mando in questo punto il colonello Enckefort, acciò con sei regimenti di cavalleria alemana, disarmati, e due di dragoni passi verso Neufchateau,[478] et entri nel Bassigni[479] per impedire i viveri al nemico, e per far ancora lui quella diversione che potrá. Io non scrivo per adesso a S. R. A., suppenendo che V. E. li dará paerte del tutto, e mi honorarà (si come La prego) farli da parte mia humilissima riverenza, racomandandomi anco a tutti quei signori.
P. S.: Sono per strada 7 000 pollachi, e la gente alemana, che haveva il Re di Polonia pigliato servitio per S. Mtà Cesea, arriva da dieci, o dodici mila huomini”.[480] “Ein weiterer Konfliktherd entstand zwischen dem launenhaften und unberechenbaren Karl von Lothringen und dem kaiserlichen Generalfeldmarschall Rudolf Colloredo, der dem bayerischen Oberbefehlshaber unterstellt wurde. Colloredo war bestimmt kein einfacher Charakter. Der schon von Jugend an im Dienst der Habsburger stehende Colloredo galt zwar als tapferer Soldat, hatte aber als Kommandant immer wieder unglückliche bis problematische Auftritte.Im Uskokenkrieg Ferdinands gegen Venedig stach Hauptmann Colloredos Einheit, die in Pettau/Ptuj (heute Slowenien)[481] stationiert war, durch besondere Disziplinlosigkeit hervor. Alle Disziplinierungsmaßnahmen der Landesbehörden scheiterten und Colloredo wurde sogar persönlich gegen den Landprofos der Steiermark handgreiflich, wobei er ihn schwer verletzte. Während der Verteidigung der böhmischen Länder im Jahre 1634 erhob Ferdinand III. schwere Vorwürfe gegen den als Korpskommandanten in den Ländern der Wenzelskrone eingesetzten kaiserlichen Feldmarschall: Nachlässigkeit, Befehl[e] wurden weder bestätigt noch ausgeführt, versäumte Gelegenheiten für einen durchaus möglichen Gegenangriff, schwere Disziplinlosigkeit in seinen Truppen, Zugrunderichtung der eigenen Artillerie, usw. Ingesamt brachte der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armada 17 Punkte gegen den General vor. Der König dachte bereits an die Festnahme seines Offiziers in Böhmen und Matthias Gallas musste zu dieser Causa Stellung beziehen. Das Gutachten des Trientners über seinen Offizierskameraden fiel jedoch positiv, zumindest verständnisvoll aus, so dass Colloredo bedingt rehabilitiert und an die Westfront versetzt wurde. Der Kaiser, der ihn ohnehin nicht besonders schätzte, gab den Feldmarschall in die bayerische Reichsarmada zu Lothringen, mit dem er sich offenbar sofort zerstritt – insonderheit den von Coloredo, der sich in allen mir widersezet, so meldete der über die kaiserliche Generalität enttäuschte Herzog an Ferdinand III. Tatsächlich leistete sich der Feldmarschall wiederum einen schweren taktischen Fehler, wie auch Gallas in seinem Bericht an Ferdinand zugeben musste. So verunglückte ein Angriff Colloredos gegen französische Truppen an der Saar dermaßen, dass seine ganze Armeeabteilung in Konfusion geriet wie es selbst der Generalleutnant noch nie gesehen hat. Nach diesem Debakel intervenierte sogar der Kaiser, in dem er er seinen Sohn aufforderte, diese unbedachten und leichtsinnigen Angriffe abzustellen. Colloredo war also nicht nur eine problematische Persönlichkeit, sondern hatte zudem auch militärische Schwächen. Später beschwerte sich der kaiserliche Generalissimus Erzherzog Leopold Wilhelm über die Respektlosigkeit und den Ungehorsam des in Böhmen kommandierenden Feldmarschalls: Aus peikkommenden schreiben werden E. K. M. sehen, was ich mich meiß erachtens mit ragion wider dem Colredo pekhlagen. […] ich hoffe noch einmall ganzlich zue E. K. M., sie werden ein ernstliche demonstration gegen dem Coloredo erwarten lassen, auff dass andere kinftig daran sich spieglen, doch also dardurch E. K. M. peser dienst leisten khenen. Diese Klage des als Oberbefehlshaber fungierenden Erzherzogs vermag die bestimmt vorhandenen Eigenschaften des Grafen gut abzurunden“.[482]
Auch Colloredos Bruder Hieronymus war nicht gerade vom Glück begünstigt. Nach einem Schreiben Wilhelm von Slawatas an Adam von Waldstein vom 17.10.1635 waren die kaiserlichen Obristen Peter von Götz, Binder und Lang unter dem Kommando von Hieronymus von Colloredo vom Gegner gefangen genommen worden. Colloredo sei wegen seiner schlechten Kommandoführung auf Befehl Ferdinands von Ungarn ins Gefängnis geworfen worden, da die kaiserliche Armee um die Hälfte stärker als der Gegner gewesen sei. Der Großteil der kaiserlichen und ligistischen Reiterei sei schmählich vor dem Gegner ausgerissen.[483]
Am 17.10.1635 schrieb Ferdinand III. an Colloredo: Seinen Brief vom 3.10. habe er zur Kenntnis genommen. Die Armeen von Gallas und Karl IV. sollten so weit von einander entfernt sein, dass alles durch schnelle Korrespondenz in Ordnung gebracht werden könne.[484] Colloredo selbst wandte sich am 18.10. zweimal aus Blâmont an Gallas: Seinen Befehl habe er erhalten und er werde sofort nach Zusammenziehung der Truppe durch die Wälder nach Mézières[485] marschieren; ein von ihm am Vortag nach Lunéville[486] ausgeschickter Landmann habe heute gemeldet, dass der Feind in voller Stärke bei Rosières-aux-Salines[487] liege, was auch ein Vertrauensmann in Lunéville bestätigt habe. Mangels anderer Nachrichten wolle er auf dem bezeichneten Weg vorrücken. Im Nachtrag hieß es: Soeben sei Obrist Enckevort eingetroffen, daher wolle er mit der Truppe aufbrechen; von einem Kund-schafter erfahre er, dass der Feind zwischen zwei und drei Uhr nachmittags von Lunéville angerückt sei.[488] In seinem zweiten Schreiben hieß es: Er hätte am heutigen Tag zu Gallas kommen wollen, doch habe ihn die alarmierende Nachricht aus Nancy,[489] die auch den Berichten der Kundschafter entspreche, nämlich dass der Feind ihn, C., in Rambervillers angreifen wolle, zurückgehalten. Nach Meinung anderer werde der Feind versuchen, ihm, C., die Fouragierungsmöglichkeiten zu nehmen.[490]
Nach Colloredos Bericht vom 25.10. für Ferdinand von Ungarn wollte Karl IV., der ein „seltsamer Herr“ sei, die kurbayerischen Truppen bereits mit Einverständnis Maximilians abziehen. Karl IV. habe Gronsfeld den Befehl hinterlassen, dass bei seiner Ankunft „alles volck von der Liga zu dem Grafen stoßen und dessen ordinanz nachleben“ solle. Gallas sei erst von Gronsfeld davon unterrichtet worden. Zudem habe der Lothringer den Befehl hinterlassen, „der Liga volck solle sich ganz absendiren undt ein aigene corpo machen, undt etliche regimenter, so vor diesem zu der Liga gehörieg, zu diesem corpo stossen, undt solle ein commissarius [Schäffer ?; BW] von I. Kfl. Durchl. auß Bayern unterwegs sein“.[491] So beschwerte sich Colloredo bei Ferdinand von Ungarn am 15.11., dass Gronsfeld die alleinige Kommandogewalt über die Liga-Armee ausübe und nur noch Befehle des Generalleutnants entgegennehme.[492] Gronsfeld tat dies augenscheinlich in der konsequenten Auslegung des Stuttgarter Rezesses, dass das Heer der Liga wie eine „underschidene armada absonderlich kommandirt“ werden[493] und Befehle nur von dem persönlich anwesenden Ferdinand von Ungarn, zu dessen bevorstehender Wahl zum Römischen König Maximilian I. „mit händ und fuessen darzu helffen und rathen wollte“,[494] erhalten sollte. Allerdings hatte Colloredo sich zumindest etwas durch seine Aktionen am kaiserlichen Hof rehabilitieren können.[495]
Am 29.11. schrieb Gallas wieder an Piccolomini: Die französische Armee habe sich entfernt, er selbst habe die seine in Winterquartieren untergebracht, halte sich jedoch in Bereitschaft. Das Gebiet von Trier[496] habe er notgedrungen der kurbayerischen Armee zur Einquartierung abtreten müssen. Die Polen warteten bereits sechs Wochen auf Quartiere. Militärstreifen säuberten das Land von Franzosen, was gelingen könnte, wenn der Winter nicht zu rauh würde. Colloredo tue das Gleiche an den Grenzen Burgunds. Auch die lothringische Grenze sei stark besetzt. Der Kurfürst von Sachsen habe dem Kaiser von seinem Erfolg gegen Banér geschrieben; er habe einige Quartiere erobert und schwedische Regimenter verjagt. Die französische und die schwedische Reiterei hätten guten Grund zu überlegen, ob sie sich, wie ursprünglich geplant, in der Gegend Schaumburg-Lippe einquartieren sollten.[497]
In seiner Instruktion vom 31.12.1635 für Walmerode für dessen Verhandlungen mit dem Kaiser verteidigte sich Gallas gegen die Vorwürfe der Spanier. Er erklärte, warum es ihm nicht möglich war, in Frankreich einzufallen und sich einer Schlacht zu stellen. Dazu sei er nämlich zu schwach gewesen. Gern würde er dem Kaiser ähnliche Berichte ersparen. Gewisse Leute behaupten, die gegenwärtigen Schwierigkeiten seien von ihm, G., verschuldet worden. Daher wolle er nun die Ereignisse der verflossenen Kampagne genau aufzeigen und beweisen, wie wenig es der kaiserlichen Sache nütze, ihn zu diskretieren. Der Kaiser werde sicher noch die Verzeichnisse der Heeresabteilungen in Erinnerung haben, die er ihm vor Beginn des Feldzugs geschickt hatte; viele würden sich nun fragen, warum von der ganzen Armee nur noch ein Schatten übrig geblieben ist. Er bat, seine Ausführungen ohne Vorurteil entgegen zu nehmen. Als erstes mußte er trotz seiner Warnung, der die Entwicklung der Dinge recht gab, an die 10.000 seiner besten Soldaten ins Veltlin schicken, wo sie zum Großteil dem Hunger und dem Feind ausgeliefert waren und fast völlig vernichtet wurden. Ferner musste er auf kaiserlichen Befehl 6.000 Mann zur Verstärkung Karls IV. von Lothringen abgeben, obwohl dieser selbst schon 22.000 Mann besaß. In welchem Zustand er, G., dann diese Truppe wiederfand, hatte Colloredo dem Kaiser oder dessen Ministern berichtet. Schließlich sei dem Kaiser gleichfalls bekannt, was er ihm, G., wegen der bedenklichen Lage in den Spanischen Niederlanden anbefohlen hatte, nämlich nicht nur den spanischen Truppen bei ihren Operationen in Trier zu helfen, sondern später ein starkes Heer von 10.000 Mann mit Piccolomini an den Kardinal-Infanten zu überstellen, womit die Chance, Bernhard von Weimar zu schlagen, verloren ging; wie viele Truppen ihm dann verblieben, zeigen die Listen, die er eingesandt hatte. Es sei allgemein bekannt, dass er sich den ganzen Winter über gegen zwei starke französische Armeen und eine schwedische trotz aller Kümmernisse des Feldzugs gehalten habe, ebenso im Sommer, und auch bei der Belagerung Würzburgs,[498] ganz zu schweigen von dem Wintermarsch über den Odenwald, einer Hilfsaktion für den Kurfürsten von Bayern; ohne bayerische Hilfe eroberte er die Festungen Schorndorf,[499] Würzburg, Coburg,[500] Philippsburg[501] und andere; er wolle nicht wiederholen, dass er früh ins Feld ausgezogen war, ohne dass seine Soldaten die Winterquartiere hätten ausnutzen können. Am meisten aber bedauere er die Tatsache, dass er, in Meinung, mit allem Notwendigen ausgerüstet zu sein, feststellen musste, dass es ihm an allem fehlte – an Artillerie, Proviant, Geld und den übrigen Mitteln – all dies hatte er dem Kaiser gemeldet. Trotzdem überschritt er in dem ‘Hauptstreich’ den Rhein, nahm Stellungen ein, hielt Stand und zwang überdies Bernhard von Weimar zur Räumung von Speyer.[502] Aus Mangel an Schiffen ließ er auf eigene Kosten eine Brücke schlagen, wodurch Bernhard von Weimar zum Rückzug zu den Franzosen gezwungen wurde; dann folgten die Eroberung von Worms[503] und Kaiserslautern[504] und die Belagerung Frankenthals.[505] Weitere Erfolge aber vereitelten Mangel an Mitteln und der Umstand, dass keine Hilfe von Bayern kam, denn ein Teil der Armee belagerte Mainz, der andere setzte Bernhard von Weimar nach. Als letztere eine neue französische Armee erhielt, mussten die Kaiserlichen mit Rücksicht auf den kaiserlichen Befehl, nichts zu hasardieren, die Armee zu erhalten und den Rhein zu verteidigen, zurückweichen, von der Belagerung der Stadt Mainz[506] ablassen und sich bei Worms formieren. Über all dies habe er den Kaiser hinlänglich informiert. Bekannt seien auch die weiteren Ereignisse auf beiden Rheinufern sowie die Rückeroberung Sachsenhausens[507] von den Schweden.
Da der Proviantmeister nicht ein Stück Brot lieferte, schwärmten die Soldaten auf der Suche nach Nahrung und Futter für die Pferde meilenweit aus, wobei ihrer viele verschwanden. Doch auch so wurden dem Feind Verluste zugefügt und die Umgebung des Saarflusses besetzt. Wiederum fehlte es an Proviant, die Armee befand sich in einem vom Feind völlig verwüsteten Land und wurde aufs Neue geschwächt. Er, G., wartete so lange, bis die Absicht des Feindes klar wurde. Als er sich selbst schon anschickte, den Feind zu umklammern und den Krieg siegreich bis nach Lothringen zu tragen, stieß er auf den König von Frankreich samt seiner ganzen Armee und dem Adel und wandte sich daher im Interesse der Sache zum Heer des Herzogs von Lothringen und des Grafen Colloredo. Der Feind nahm seine Chance wahr und zog eine doppelt so starke Armee[508] hierher, wovon er dem Hoch- und Deutschmeister Johann Kaspar von Stadion und in Abschrift durch Vermittlung Obrist Zweyers auch dem Kaiser Bericht erstattete. Der Feind hatte unter anderen die Festungen Marsal,[509] Nancy[510] und Pont-à-Mousson[511] sovie viel Geld in seiner Hand, während auf kaiserlicher Seite sowohl Geld als auch Proviant fehlte. Trotzdem wurde mit Gottes Hilfe die Reputation des Reichs gerettet, indem die zweifache Übermacht zum Stehen gebracht werden konnte. Piccolominis Feldzug nach Luxemburg habe er, G., nur deshalb gefordert, um die starken feindlichen Kräfte zu teilen; die Ausdauer der Offiziere und Soldaten bewirkte, dass der Feind als Erster die Stellungen verließ. Jeder Kriegskundige könne sich ausrechnen, dass bei dem notorischen Mangel, den langen Märschen und dem notdürftigen Kampieren eine Anzahl Soldaten zugrunde ging – es wäre ein Wunder, wenn bei der Verteidigung des Rheins gegen einen schon von Beginn an gut ausgerüsteten und ständig verstärkten Feind keine Verluste gewesen wären. Nach all dem habe er erwartet, dass der Kurfürst von Bayern geeignete Winterquartiere beschaffen werde, aber was die Kaiserlichen als Quartiere zugeteilt bekamen, sei es nur dem Namen nach; darüber berichteten die kaiserlichen Obristen Zweyer und Enckevort. Ihn selbst ärgere der Umstand am meisten, dass er wegen der Bayern die Franzosen nicht länger aus den Quartieren beunruhigen könne.
Die Macht, auf der des Erzhauses Autorität und Hoheit und das Wohl des Reichs und der ganzen Christenheit beruht, steht da „als ein zerschmetteter, zerschlagener, verwundeter und erkrankter Leib ohne Nerven und spirito, mit dem einen Fuß schon im Grab, ohne alle Hoffnung von, in und durch sich selbsten wiederumb zu genesen, besondern vielmehr in einer Disposition außer bald erfolgender äußerlichen Applizierung kräftiger Medicinen unfehlbar vollends gänzlich zunichten, und zugrund zu gehen“. Diejenigen, die behaupten, man hätte in Frankreich bleiben sollen, wenn man schon dort eingefallen war, sollten bedenken, daß der Feind auch nach Beendigung der Kampagne, wie Obrist Henderson darüber ausführlich berichtete, verstärkt worden ist und dass die kaiserlichen Truppen, erschöpft und ohne Proviant, dort ganz und gar dem Feind ausgeliefert gewesen wären. Der beste Beweis dafür, wozu Frankreich allein im Stande sei, sei die diesjährige Kampagne – sie hielt den ersten Ansturm aus, erprobte die gegnerischen Kräfte, erkannte die gegnerischen sowie auch die eigenen Unzulänglichkeiten, die jetzt beseitigt werden können. Frankreich kennt den Feind, den es vor sich hat, kennt seine Stärke, weiß um die Gegensätze und Feindseligkeiten zwischen denen, die den Kaiser unterstützen. Die Franzosen werden sicher alles tun, um die Hilfe der deutschen Reichsstände, auf die sich der Kaiser verlassen will, zu schwächen, so dass dieser, wollte er den Hauptstreich führen, sich nur auf die eigenen Kräfte wird verlassen können. Auch wenn mann nicht mehr an einen Vormarsch und nur an die Verteidigung dächte, muss man bedenken, ob ein so mächtiger Herrscher wie der König von Frankreich damit einverstanden sein wird und ob die Reichsstände nicht auf einen Friedensschluss drängen werden. Was im Veltlin und in Italien begonnen wurde, ist eine Andeutung der notwendigen Wintervorbereitungen, umso mehr angesichts der von den Franzosen geförderten emsigen Werbungen der Schweizer. Vorsicht sei auch vor dem inneren Feind geboten, dem „in visceribus regni“. All dem solle nun er, G., gewachsen sein, mit eriner Armee, deren Stärke im Vergleich zu der des Feindes die einer Mücke gegen einen Elefanten ist. Er wolle weder des Kaisers Erwägungen beeinflussen noch die Dinge schlimmer darstellen als sie ohnehin sind; er wollte bloß den wahren status rerum ohne Beschönung darlegen. Wird nun etwas unternommen und der Armee geholfen, werden die Offiziere noch besser als bisher ihre Pflicht erfüllen, um extreme Situationen abzuwenden. Andernfalls wolle er, G., nicht länger die Verantwortung tragen, sondern von Herzen wünschen, Gott möge dem Kaiser eine andere Person bescheren, die die übertragene Aufgabe für leichter halte, als er es tue. Ihm als Minister [Diener, BW], dem bloß die Exekutive obliege, gezieme es nicht, Mittel und Wege zur Besserung anzugeben; wie immer wolle er jedoch alles ausführen, was ihm der Kaiser bei der Durchführung der Besserungsmaßnahmen befehlen werde. Doch bitte er, man möge bei den Beschlüssen von dem Grundsatz ausgehen, das Notwendige zur rechten Zeit zu tun, dann, wenn es die richtige Wirkung habe, und nicht erst, wenn der rechte Augenblick vorbei sei. All dies möge Walmerode dem Kaiser bei der ersten Audienz vortragen und sich bemühen, einen baldigen Entschluss zu erreichen; dann solle er schleunigst zur Armee zurückkehren, da Gefahr im Verzug sei.[512]
Am 8.1.1636 hatte sich der Kardinal-Infant aus Brüssel wieder an Gallas gewandt und ihm die Aussendung des Feldmarschalls Carlos Guasco [Lixheim; BW] mitgeteilt, der Befehle bringe, nach denen aus der Provinz Luxemburg möglichst starke Hilfstruppen mit Geschützen und Munition an Graf Colloredo überstellt werden sollen, damit dieser nach Frankreich durchbrechen und dort Quartier nehmen könne.[513]
Vom 6. bis 8.1.1636 waren drei Schreiben des Generalleutnants aus Zabern[514] an Ferdinand von Ungarn gegangen: Feldmarschallleutnant Colloredo habe in Frankreich Querelen mit den Polen und der von ihm befehligten Reiterei; auch bei den Unterhandlungen mit den kurbayerischen Ministern gebe es Schwierigkeiten. Aus der Festung Colmar[515] sei die Nachricht eingetroffen, dass die dortige Besatzung große Not leide; auch sei ihm die verlässliche Meldung zugegangen, dass sich der Feind in Épinal[516] und Dieuze[517] stark stark konzentriere; man könne daher einen feindlichen Angriff erwarten. Colloredo sei gewarnt worden, doch werde sich der Angriff möglicherweise gegen ihn, G., richten. Man treffe daher alle notwendigen Vorbereitungen. Würde er selbst angegriffen werden, sollte Colloredo ihm zu Hilfe kommen, damit er dadurch Zeit gewänne, alle Kräfte gegen den Feind zu sammeln. Weiteren Nachrichten zufolge wolle der Feind über Münster[518] im Sankt Gregorienthal[519] ziehen. Daher habe er, G., Feldmarschallleutnant de Suys schriftlich beordert, in jenem Raum das Kommando über vier Infanterieregimenter und die Reiterei zu übernehmen, damit Badenweiler[520] und Saarburg[521] nicht bedroht würden; Suys solle die Passübergänge schützen und im Falle der Wendung des Feindes nach Colmar und gegen ihn, G., sich sofort mit dem ihm unterstehenden Volk zu dem vereinbarten Treffpunkt in Marsch setzen setzen, dabei sämtliche Bewegungen des Feindes verfolgen und zu Colloredo stoßen. Sollte Suys von jenem abgeschnitten werden, möge er sogleich ihn, G., informieren und in den Raum Thann[522] und Belfort[523] marschieren. Diesen solle er dann halten und verteidigen. Im schlimmsten Notfall werde er, G., Hilfstruppen von den Regimentern jenseits des Rhreins anfordern. Die unter Fernemont stehenden Regimenter sollten nach Westfalen marschieren. Obrist Zweyers Regiment sei derart erschöpft, dass es zur Erholung nach Mailand geschickt werden müsse.[524] In diesem Januar meldete Colloredo Hatzfeldt seine Ankunft in Diedenhofen.[525] Am 25.1. teilte Suys Gallas mit, er sei glücklich in Dambach[526] angekommen, obwohl ihm zwei Kavallerie-Abteilungen und mehrere Infanterieabteilungen bei Kestenholz[527] in die Flanke gefallen seien. Er habe alle Regimenter in Bleyschweiler[528] untergebracht, aber hundert Mann vom Hardegg’schen Regiment mit Kapitän und Leutnant in Gemar[529] gelassen. Sollte der Gegner seine Getreidevorräte in Colmar[530] und Schlettstadt[531] zurückgelassen haben, werde er nicht weiterziehen, sondern nach Lothringen zurückkehren.[532] Einen Tag später hieß es, die Franzosen seien bereits am Vortag im Col du Bonhomme[533] eingefallen. Suys bezweifelte, ob die von Colloredo nach Rambervillers[534] gesandte Reiterei noch rechtzeitig komme.[535] Bei der Einquartierung Colloredos im Sundgau[536] Ende Januar 1636 sollen Tausende von Einwohnern und Flüchtlingen an Hunger gestorben sein.[537]
Am 15.4.1636 schrieb Ferdinand II. an Khevenhiller, seinen Gesandten zu der kaiserlich-kurbayerisch-spanischen Militärkonferenz in Speyer,[538] und bestätigte den Empfang seiner Relationen aus München und Speyer. Sollten sich die aus Brüssel entsandten spanischen Bevollmächtigten in Speyer aufhalten, müssen die weiteren Verhandlungsschritte mit Gallas und den Abgesandten des bayerischen Kurfürsten besprochen werden. Dann sollte Khevenhiller nach Wien zurückkehren, am kaiserlichen Hof Bericht erstatten und hierauf im Auftrag des Kaisers die erreichten Vereinbarungen abschließen. Ferner verlangte er eine Ermittlung der Stärke seiner in den oberen Kreisen liegenden Armee und der unter dem Kommando Colloredos an der Saar liegenden Truppen.[539]
Am 2.5.1636 hatte ein unbekannter Absender [Khevenhiller ?; BW] Gallas aus Speyer informiert: Nachdem der Empfänger seine Reise nach Heilbronn[540] fortgesetzt hatte, begab er sich selbst mit Colloredo zum Deutschmeister Johann Kaspar von Stadion, um die dortigen Absichten zu ermitteln. Am folgenden Tag kehrten sie beide nach Speyer zurück. Er wollte noch am selben Abend den spanischen Gesandten besuchen, da aber jener zur Inspektion der Festung Philippsburg[541] ausgefahren war, musste er diesen Plan aufgeben. Am nächsten Tag trafen dann er, Colloredo und der spanische Gesandte zusammen und konnten alles besprechen. Letzterer bat sie um Informationen über Absichten und Stärke der kaiserlichen Armee. Man rechnet damit, daß der gegenwärtig gegen die holländischen Stände operierende Kardinal-Infant sich mit der kaiserlichen Armee vereinigen und ihr mit Proviant und Ausrüstung aushelfen kann. Auf diese Weise wird die kaiserliche Armee auf ihrem Vormarsch gegen die Franzosen das Ufergebiet von Rhein und Saar besetzen können. Im Verlauf der Diskussion über die ferneren Pläne der kaiserlichen Armee legte Colloredo Landkarten vor, an Hand derer er die Pläne der Armee erläuterte. Der spanische Gesandte meinte, die Armee sollte sich in kleinere Corps aufteilen und so den Feind angreifen. Er selbst habe dagegen die Notwendigkeit hervorgehoben, die Armee als Ganzes operieren zu lassen. Über diese Frage entspann sich eine ausführliche Debatte, in der beide Seiten ihre Argumente vortrugen. Ferner besprach man die Stärke der Armee und ihrer einzelnen Teile. Insgesamt ständen 38.000 Mann zur Verfügung. Auch wenn 12.000 Mann abgetrennt blieben, müsste eine Armee von 26.000 Mann für einen Feldzug nach Frankreich genügend stark sein. Der spanische Gesandte wollte wissen, ob in dieser Zahl auch die Abteilungen des Kurfürsten von Sachsen und des Marquis Caretto di Grana inbegriffen seien; es wurde ihm versichert, dass man mit diesen Abteilungen nicht direkt rechne. Der Gesandte erhielt alle gewünschten Informationen und die Beratung wurde zu Mittag abgeschlossen.[542]
Piccolomini schrieb am 28.6.1636 aus der Abtei San Lamberto an Tommaso di Savoia: Am Morgen sei Jacinto Cortes vom Kardinal-Infanten gekommen und am Abend ein Kurier von Ferdinand von Ungarn, der auch ein Schreiben Colloredos mitgebracht habe. Die Armeen seien nun in Bewegung – der Herzog von Lothringen, Werth und die Polen. Nun müsse man in Burgund einfallen und einen größeren Einfall der Franzosen aus dem Elsass in Deutschland verhindern.[543]
Das erwähnte Gutachten für den Kaiser legte Gallas am 5.7. aus Sely[544] [?] vor: „E. Kt. Mt gnädigstes Schreiben vom 30. obgewichenen Monats Juni, die eventualiter vorbedachte Resolution, wen dess Herrn Cardinal Infante H. Dt die verglichene Impressa in Frankreich nicht fortsetzen sollte und dann das eingeschlossene Gutachten wegen Succurirung Elsas-Zabern[545] und des Saarstroms betreffend, habe ich mit unterthänigster Reverenz zurecht empfangen.
Was nun zu foderst die Praemissa wegen des Landgrafen von Hessen Vorbruch belanget, werden E. Mt aus meinen seit diesem eingeschickten gehorsamsten Relationen gnädigst ersehen haben, dass, wie insgemein bei den Kriegshandlungen zu geschehen pflegt, sich selbige Occasion allerdings geändert und nummehr der Herr Graf Göcz, wen er allein seine Marciata lastermassen fortstellet, allen denen darniedrigen Feinden und [um ?; BW] ein merkliches überwachsen, wie E. Mt die warhaffte Beschaffenheit aus meiner über obbesagtes Gutachten mitkommenden unterthänigsten Nebenerinnerung gnädigst mit mehrerem werden vernehmen können. Sonsten habe ich für meine Person noch keine Gewissheit, ob gedachter Herr Graf Göcz albereit aufgebrochen, oder wie und wohin er seinen Zug eigentlich anzustellen resolviret. Des Herrn von Lamboy untergehabte Trouppen betreffend, ist kein oder gar schlechtes Fundament darauf zu machen, weiln dieselbe, darumb dass ihnen niemands ein Stück Brod geben wollen, unvermeindlich haben zugrund gehen müssen. Ja eben des Herrn Landgrafen [Georg II.; BW] zu Darmstadt fürstl. Gnaden und andere, die ich nicht nennen darf, haben sich zu einiger Provianthälfe, als endlichen da ihnen das Wasser schon im Mund gegangen und es allzustatt gewesen, nicht verstehen wollen, dessen Interesse selbige Bloquirung doch am meisten angegangen.
Wegen des Haubtwercks werde E. Mit aus des Herrn Grafen Piccolomini und meinen unlängst überschickten gehorsamsten Berichten gnädigst ersehen haben, dass des Herrn Cardinal Infante Hochfürstliche Hoheit nicht den veranlasten Weg, besondern gegen Picardey[546] fortgegangen, allwo sie sich zwischen die Festungen in dero eigene Lande seinen, die diesseitige Feinde nicht divertiren, besondern den Franzosen noch mehrers Luft machen, allen ihren nervum belli anherowerts zu wenden und aus teils unnotwendigen Guarnisonen ein neues Corpo zu formiren. Wie dann aus des Herrn Obristen Zweyers abgelegten Relation ein solches, und dass sie allein den Krieg durch die Polakhen zu führen und den Überrest besagter und stehen zu lassen entschlossen, genugsam erscheinet. Worauf nun ausserdem, dass es ein lauteres Stuckwerk und das Hauptwesen dahier solchergestalt allerdings stecken bleiben würde, einige Reflexion nicht zu machen, zumaln wenn man gleich E. Mt neulich eingeschickten gnädigsten Befehlich gemess anstatt der Polakhen die Croaten hinunter commandiren wollte, diesselbe doch wegen des von Herrn Spaniern, wie es der Graf [Rudolf von; BW] Colloredo selbst gesehen zu haben affirmiret, empfangenen Übelen Tractaments so wenig als besagte Polakhen hinunterzubringen sein werden. Nachdem aber E. Mt mit [mir ?; BW] gnädigst befehlen, über die ganze Ma-china Ihre meine einfaltige Gedanken untertänigst zu eröffnen, so befinde ich praeliminariter soviel, dass keinesweges ratsam des Herrn Herzogen zu Lottringen Dt unterhabendes Volk zu E. Mt Soldatesca näher zu zielen [ziehen ? BW], besondern vielmehr Gott zu danken, dasselbe je ferner je besser abgesondert zu halten, und solches zwar aus denen Ursachen, wie E. Mt mehrermeltes Herrn Grafen Piccolomini durch den Obristen Zweyer mitgebrachten Bericht gnädigst werden verstanden haben. Ihn Herrn Grafen Piccolomini von dorten aus, wo er jetzo stehet, in Burgundt avanziren zu machen, ist solches wegen Unwegsamheit und Entlegenheit der Landen unmöglich; es were dan Sache, dass man ihn seinen Zug gegen dieser Armata und von hinen aus erst in besagte Provinz nehmen liesse. Zudem er von dorten aus mitten unter den Feinden durchmarchiren und ehender er an Ort und End, wo einiger Effect zu tun anlangen könnte, allerdings zergehen auch der weiter Tür und inmittels diese Waffen wegen des allzustarken Feindes ohne einige hauptsächliche Operation stecken bleiben würden. Dahero were ich umb auf allen Seiten der Feinde dissegni zu contrapesiren, dieser gehormsamst ohne vorschriftliche Meinung. Der Herr Graf von Haczfeld [Melchior von Hatzfeldt; BW] ist mit I. Churf. Dt zu Sachsen und des Herrn Grafen und Ulefeld [Uhlfeldt; BW] unterhabenden Volk selbigem Feind umb ein vieles unzweifentlich überlegen. Ein ebenmessige Bewandtnuss hat es mit dem Herrn Graf Göczen, dem Landgrafen von Hessen und allen bei demselben sich befindenen dorniedigen Feindsvölkern. Der Herr Feldzeugmeister Marazini [Morzin; BW], wenn er nichts offensive zu richten getrauet, ist bastant des von ihm habenden Feinds andamenti su la difesa aufzuhalten. In Burgund ist das Landtvolk nebenst dem, was man von E. Mt Armata hineingeschickt, genugsam gewachsen wo nicht selbigen Feind hauptsächlichen Abbruch zu tun, doch desselben fernere Progresse zu verhindern. Dieses also, wie es die lautere unlaugbare Warheit ist, praesupponiret und dann darbei consideriret, dass des Herrn Grafen Piccolomini letzterem eigenhendigten Bericht nach, des Herrn Cardinal Infante H. Dt von 7 000 bis in 8 000 Mann zu Fuess und 4 000 Pferd des Herrn Herzogs zu Lottringen Dt 3 000 Mann zu Fuess, 400 Dragoner und 2 500 Pferde bei ihro haben, wird diesselbe beisammen derer Gegend, wo sie sich anjetzo befinden, ohne einige andere Assistenz nichts zu fürchten haben, weilen sie durch alle ihre feste Örter in Rücken zur Genüge versichert. Als bleibe der Herr Graf Piccolomini mit 5 000 Mann zu Fuess, 4 500 Pferden und 900 Dragoner und dann der Johann von Wöhrt mit 3 500 Mann zu Fuess, 2 000 Pferden und 400 Dragonern übrig, welche sich unterm Commando gedachtes Herrn Grafen Piccolomini oder des Herrn Grafen Colloredo, so selbiger Örter sonders wol kündig, dern Enden hin, wo erstermelter Herr Herr Graf Colloredo dieser Winter gestanden, zwischen der Mosel und Maas wenden könnten, wodurch der Cron Spanien mehrer Dienst als anjetzo bei Chapella[547] geleistet, denen diesseitigen Waffen, die schwächer als alle die an-dere, weilen allen der andern darvon hat geholfen werden werden müssen, Luft gemacht, Burgundt entsetzet und der Rheinstrom sambt dem ganzen gemeinen Reichswesen versichert würde. Was mir sonsten für weitere Considerationen bei diesem Werck beigefallen dass könne E. Mt zum Teil aus obangedeuteter Nebenerinnerung wegen Succurirung des Saarstrombs und Elsas-Zabern,[548] zum Teil aus meinem an des Herrn Deutschmeisters H. Dt. [Stadion; BW] mitkommenden Schreiben gnädigst vernehmen, auf die ich mich kürzerhalber gehorsam remittiren und darbei zu E. Mt beharliche königliche Gnaden untertänigst empfehlen tue“.[549]
Im August 1636 informierte Colloredo Hatzfeldt über die Lage in Frankreich, insbesondere in der Picardie und Burgund.[550]
Sein Regiment nahm am 4.10. an der Schlacht bei Wittstock[551] teil.
In schwieriger Lage besiegte Báner am 4.10.1636 bei Wittstock überraschend die siegessicheren Sachsen und Brandenburger. „Einen solchen unerwarteten Gegenstoß arrangierte er jetzt im nördlichen Brandenburg. Elf Tage lang spielte sich dort ein merkwürdiges Schauspiel ab. Wie zwei Boxer umkreisten die zwei Heere einander; die schwedische Armee wie ein verbissener und selbtbewußter Fliegengewichtler, der immer wieder den Schlagabtausch sucht, während der großgewachsene Widersacher – verwirrt und nicht wenig verängstigt durch seinen aggressiven Gegner – immer wieder ausweicht. Aber am Samstag, dem 24. September, stellte Banérs Heer seinen Gegner in dem hügeligen, bewaldeten Terrain unmittelbar südlich der kleinen Stadt Wittstock. Die Kaiserlichen und die Sachsen hatten beschlossen, ihre Gegner auf einigen sandigen Höhen, dem Scharfenberg, zu empfangen; der Sicherheit halber hatten sie einen Teil der Front mit sechs in aller Hast gegrabenen Schanzen und einer Mauer zusammengeketteter Troßwagen gedeckt. Ihre Befehlshaber warteten lange darauf, daß sich die schwedischen Truppen auf den offenen, sumpfigen Feldern vor ihrer Front offenbarten, um sich wie bei Nördlingen in geordneten Formationen von der zahlreichen Artillerie niedermähen zu lassen. Aber statt dessen kam die Meldung, daß die schwedischen Truppen völlig unvermutet und gegen herkömmlichen Brauch durch einen Wald aufmarschiert waren, an den sich der linke Flügel der vereinigten Armeen anschloß, und daß sie schon gut geordnet bereitstanden, um die kaiserlichen und sächsischen Truppen zu überflügeln ! Letztere waren daher gezwungen, ihre schönen Schanzen und ihre feine Wagenburg zu verlassen und gegen die angreifenden Schweden umzuschwenken. Dann begann die Schlacht.[552]
Sie dauerte Stunde um Stunde. Wie gewöhnlich war es kein richtig geordneter Kampf, sondern eher nur ein rhapsodischer Wirrwarr von Schwadronen und Brigaden, die ein ums andere Mal im Rauch aufeinanderprallten. Beide Seiten verfügten über große Kavallerieverbände, und diese waren bald in eins der blutigsten und ausgedehntesten Reitergefechte des ganzen Krieges verbissen – Schwadronen prallten für einige kurze, verwirrte Augenblicke aufeinander, während die wogenden Reiter (die Gesichter schwarz von Pulverstaub und weiß vor Schrecken) wild mit den Degen in die Luft hieben und ihre schweren Pistolen aufeinander abfeuerten: dann kämpften sie sich frei, wie Ringer, ordneten ihr Glied und ritten aufs neue an. Oft entschieden die Pferde über die Dauer der Schlacht. Sie hielten in der Regel nicht länger als vier, fünf Stunden Kampf durch, dann mußte der Verband aus dem Feuer genommen werden. Über dem Ganzen waren das Dröhnen der Schüsse, das Klappern der Harnische, das Splittern von Piken, das Wirbeln von Trommeln und die Silbertöne von Trompeten und Pfeifen zu hören, gemischt mit den Schreien der Verwundeten und Rufen der Kämpfenden. [...] Banér selbst schrieb später in einem Brief, einen so »grausamen« Kampf habe er bis dahin noch nie gesehen.
Es fehlte nicht viel, und es wäre für die Schweden schlecht ausgegangen. Nicht genug damit, daß sie zahlenmäßig unterlegen waren: Banér hatte auch noch kurz vor der Schlacht seinen gesamten linken Flügel unter King auf einen langen und unerhört gewagten Flankenmarsch durch morastiges und waldiges Gelände geschickt; er sollte nach einiger Zeit im Rücken der Vereinigten auftauchen. Nur selten hatte ein General die Nerven, im Kampf ein so riskantes Manöver zu versuchen, aber Banér wagte es. Das Problem war nur, daß der linke Flügel ausblieb. Währenddessen wurden Banérs Verbände langsam von dem überlegenen Feind zermürbt. Die aus Nationalschweden bestehende Schwedische Brigade wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen und »fast ganz ruiniert«; von den 892 Männern des Verbands wurden fast zwei Drittel getötet oder verwundet. Die schwedischen Streitkräfte standen kurz vor dem Zusammenbruch, als ferner Kampflärm verkündete, daß King und die Männer des linken Flügels schließlich wieder zum Schlachtfeld gefunden hatten. Der Druck ließ sogleich nach, die Kaiserlichen wichen zurück, doch der einbrechende Abend setzte weiteren Kämpfen ein Ende.
Die beiden Heere biwakierten auf dem Schlachtfeld und entzündeten nur wenige hundert Meter voneinander entfernt ihre Lagerfeuer. Die Nacht wurde ruhig – nur vereinzelte Schüsse waren aus dem Dickicht zu hören; das waren die ständigen Begleiter der Schlachten, die Marodeure, die umherstreiften und die Toten und Verwundeten ausplünderten. Die anderen warteten auf den Tag und den Tod. In der Frühe des kalten Sonntagmorgens nahmen die schwer mitgenommenen schwedischen Verbände Aufstellung und rückten – sicher mit einem inneren Beben – aufs neue gegen die Höhen vor, die sie am vorhergehenden Tag vergebens zu erstürmen versucht hatten. Zu ihrer Verwunderung begegnete ihnen Schweigen. Die Sachsen und die Kaiserlichen hatten während der Nacht das Schlachtfeld verlassen. Sie fanden nur Reihen von verlassenen Kanonen (alles in allem 33 Geschütze; eins davon ein Dreipfünder, den Gustav Adolf 1631 seinen damaligen Verbündeten geschenkt hatte, der aber nun gegen die Schweden verwendet worden war; 24 der anderen waren schön gegossene Stücke mit Abbildungen von Wilden auf den Rohren), 180 Munitionswagen (ein Teil davon in tausend Stücke gesprengt, andere unbeschädigt und vollbeladen mit hochwillkommenem Pulver) sowie natürlich unglaubliche Mengen von Toten und Verwundeten. Ein Augenzeuge beschreibt das Grauen des Schlachtfeldes wie folgt: Die Erde, deren Gewohnheit ist, die Toten zu bedecken, war damals am selbigen Ort selbst mit Toten überstreut, welche auf unterschiedliche Manier gezeichnet waren, Köpf lagen dorten welche ihre natürlichen Herren verloren hatten, und hingegen leiber, die ihrer Köpf mangleten; etliche hatten grausam- und jämmerlicher Weis das Ingeweid herauß, und andern war der Kopf zerschmettert und das Hirn zerspritzt; da sah man, wie die entseelten Leiber ihres eigenen Geblüts beraubet und hingegen die lebendigen mit fremdem Blut beflossen waren, da lagen abgeschossene Arm, an welchen sich die Finger noch regten, gleichsam als ob sie wieder mit in das Gedräng wollten, hingegen rissen Kerles aus, die noch keinen Tropfen Blut vergossen hatten, dort lagen abgelöste Schenkel, welche ob sie wohl der Bürde ihres Körpers entladen, dennoch viel schwerer worden waren, als sie zuvor gewesen; da sah man zerstümmelte Soldaten um Beförderung ihres Tods, hingegen andere um Quartier und Verschonung ihres Lebens bitten. Summa summarum: da war nichts anders als ein elender jämmerlicher Anblick !
Die nachsetzende schwedische Reiterei brauchte nur der Spur von verwundeten Soldaten, fortgeworfenen Kleidern, liegengelassenen Waffen und zu Bruch gefahrenen Troßwagen zu folgen, die nach Südwesten führte. Innerhalb weniger Stunden wurden große Teile des fliehenden Heeres zersprengt und auf den schmalen Wegen, die von Wittstock wegführten, niedergeritten; als man später die Beute zusammenzählte, waren unter anderem 151 Fahnen und Feldzeichen – die Ablieferung eines eroberten Feldzeichens wurde mit zwischen 10 und 30 Reichstalern belohnt, die Kanzlei des Kurfürsten, seine vergoldete Karosse sowie sein gesamtes Tafelsilber darunter”.[553]
Bei Happe heißt es über die Einquartierung geschlagener kaiserlicher Regimenter: „Den 8. [18.; BW] Oktober haben wir die leidige Post bekommen, dass uns 12 Regimenter Hatzfeldisch keyserlich Reuter einquartiret werden solten. Den 10. [20.; BW] Oktober sind diese Regimenter ankommen, als der Obriste Conzago, Oberiste Coloredo, Obriste Lombardo mit 30 Compagnien im Amt Clingen[554] und Stadt Greußen,[555] das Herverische [Herrera; BW] des Obristen Nitrams [Ni(e)derumb; BW], Obristen Manteufels, Obristen Zweyers und Obristen Wendrums [Hans Otto Westrum ?; BW] Regimenter von 28 Compagnien in das Amt und Stadt Sondershausen,[556] das Harrossische [Otto Friedrich von Harrach; BW],Wolckensteinsche, Altwallensteinische und Bönnigheusische im Ambt Keula[557] und Ebeleben,[558] ist ein unaussprechlicher Jammer [im Original Korrektur aus Schade] allenthalben. Eodem [die] ist auch eine Compagnie churfürstliche Reuter von dem Obristen Trantschen [Transehe; BW] in das Dorf Bothenheilingen[559] gelegt worden. Den 11. [21.; BW] Oktober sind die Soldaten im Ambt Keula ausgetheilet worden, hat das geringste Dorf 2 Compagnien bekommen“.[560] „Den 21. [31.; BW] Oktober ist das Coloredische regiment von Greußen und aus dem Amt Clingen [hinweg gezogen, hat einen sehr tyrannischen Abschiedt genommen zu Greußen, etzliche hundert Thaler ermartert von den Dorfen und den vom Adel etliche hundert Stücke Schafe, Pferde und Rindviehe mit genommen, auch fast von allen Dorfen die reichesten Leuthe gefangen mit hinweg geführet“. „Den 25. October [4.11.; BW] haben wir einen sehr mühseligen, betrübten Tag gehabt, denn der Coloredische Commendant Meinem Gnädigen Herrn[561] und den armen Leuthen alle das Rindviehe, über die einhundert Stücke, und über 30 Pferde aus den Ställen alhier zu Ebeleben nehmen lassen. Eodem die haben sich auch zu Niederspier[562] alles Viehe hinweg genommen. Eodem [die] auch zu Wengenehrich[563] diese Leuthe 11 Stück Rindviehe und 3 Pferde dem armen Volcke auch genommen“. [...] „Den 26. [5.11.; BW] Oktober haben die Coloredischen Viehetreiber Meinem Gnädigen Herrn Viehe zu Niederspier stehen und anhero sagen lassen, wir sollten solches wieder abhohlen lassen. Als nun Mein Gnädiger Herr 5 von Seiner Genaden Diener, als den Balbierer Hans Tonnen, des Stallmeister Marschallen 2 Knechte und den Sattler, und 6 Tragoner, alle wohl beritten, hinaus geschicket, das Viehe abzulangen, sind sie im Rückwege von einer gantzen Compagnie Kurassier Reuter jenseits Rockstedt[564] überfallen und ihnen Pferde und alles genommen worden. Das Rindviehe hat zwar Mein Gnädiger Herr wieder bekommen, aber das Bauren Viehe und Pferde nebst dem ietzigen sind alle in Lauf blieben“. „Eodem [die] [27.10./6.11.; BW], die Coloredischen den Amtsverwalter zu Clingen und den zu Wolferschwenda,[565] item drey Bauren von Wasserthaleben[566] und drey von Otterstedt[567] gefangen mit genommen. [...] Den 30. Oktober [9.11.; BW] sind alle keyserlichen Regimenter in der Grafschaft aufgebrochen auf Erfurt“.[568]
Die Thomas-Chronik berichtet über die Ereignisse in der Reichsstadt Mühlhausen:[569] „Den 20. [30.; BW] Oktober ist der kaiserliche Oberkriegskommissarius Johann Ludwig Fuß vom Grafen Melchior von Hatzfeld uff vorgehende Assignation des Kurfürsten von Sachsen mit bei sich habender Jnstruction ankommen und vom Rate begehrt 24000 Rtlr. für die kaiserliche Armee, und daß dieselben vom 16. [26.; BW] Sept. bis datto uff 3 Wochen allhier nicht hätten logiret und Quartier gehabt, daneben dann acht Regimenter, so vor Wittstock bis aufs Haupt geschlagen, anhero geführet, als das Altwallensteinische, Hatzfeldische, Colloredische, Harrachische, Zweyerische, Ennoische, Wolkensteinische, Johann de Werths Regiment und die Leßleschen Dragoner. Von diesen allen haben die hohen Offiziere in der Stadt logieret, die Unteroffiziere aber und gemeinen Knechte haben in der Vorstadt gelegen und alles verzehrt, bis auf den 5. [15.; BW] November, da sind sie fortgezogen. Der Rat und gemeine Stadt hat auf drei Mal 50fache Contribution gegeben und ist dieselbe nicht nur mit Gelde, sondern auch mit Pferden, Wagen, Tüchern, Leder, Leinwand, Stiefeln, Schuhen und allerhand dargereicht, daß auf bemeldte 8 Regimenter 8840 Rtlr. geschlagen worden, aber ohne nutzige Anweisung“.[570]
Vom 13. und 14.11. datiert eine ausführliche Instruktion für den kaiserlichen Rittmeister Wesselius und Obrist Zweyer, die Gallas aus Burgund an den Kaiser in Regensburg[571] gesandt hatte, um sich zu rechtfertigen. Gallas wusste, wie man Misserfolge schön reden konnte: Er hoffte, der Kaiser habe allen eingesandten Relationen entnommen, wie er die ihm anvertraute Armee führe und welche Schritte er bisher unternommen habe. Freilich könne man nicht alles auf einmal zurückgewinnen, was vorher verloren ging. Er wolle nur seine bisherigen Hauptaktionen in Erinnerung rufen. Es gelang, den Feind zur Räumung des Reiches zu zwingen und die Franzosen hinter den Rhein zu drängen; Zabern wurde erobert, Dôle und die Grafschaft Burgund befreit. Mit Hilfe der Artillerie habe man den Feind von Dijon und anderen Teilen Burgunds abschneiden und dort neue Quartiere errichten können. Freilich seien die jetzt überall versumpften Wege besonders für die Artillerie schwer befahrbar. Ferner beschrieb Gallas den Zustand der einzelnen Truppenteile, der Infanterie, Artillerie, Kavallerie und der Ausrüstung, den Stand der Munitionsvorräte und die Lage der Armeeversorgung samt dem Brot- und Futtermangel. Die feindliche Reiterei griff bei Mirebeau ihre Einheiten an, wurde jedoch von Franz von Mercy mit Unterstützung Marschall Ranzows[572] zurückgedrängt. Am Fluss Tille habe man weitere Gefechte geliefert. In die Kämpfe habe auch Graf Colloredo eingegriffen. Die Weiterentwicklung der militärischen Lage in Burgund wird für die Zukunft von großer Bedeutung sein. Der Kardinal-Infant zog sich mit seinen Truppen aus Frankreich in die Niederlande zurück und bezog dort neue Stellungen, die er befestigte. Die kaiserliche Armee muss in Zukunft genügend Schiffe und Material zum Brückenbau zur Verfügung haben. Es folgten Angaben über den Stand der Infanterie unter Piccolomini, Hatzfeldt, Götz und Werth. Es wäre nötig, die Absicht der Spanier für die nächste Zeit zu ermitteln und die Zusammenarbeit zu koordinieren. Auch muss die Kooperation mit dem Kurfürsten von Sachsen gesichert werden. Ferner stellte er zur Diskussion, was La Valette und Bernhard von Weimar unternehmen könnten, und wies darauf hin, dass die für Italien bestimmten Regimenter Piccolomini und Werth fehlen würden, da der Schwerpunkt der Kämpfe in der nächsten Zeit in Burgund bleiben werde. Die Armee müsste durch neue Werbungen gestärkt und Proviantlager und Munitionsmagazine müssten in genügender Zahl errichtet werden, ebenso Feldspitäler und -apotheken. Fraglich bleibe weiterhin die Beschaffung einer genügenden Anzahl von Pferden für Artillerie- und Vorspannzwecke. Abschließend erinnerte Gallas daran, dass er diese ausführliche Untersuchung nur vorlege, damit man ihn in Zukunft nicht beschuldigen könne, er hätte nicht rechtzeitig Probleme aufgezeigt, die man hätte klären müssen. Diese Untersuchung diene als Instruktion für seine Bevollmächtigten, die weitere und genauere Informationen und Begründungen vorlegen könnten.[573]
In der Vereinbarung zwischen den kaiserlichen und spanischen Vertretern wegen der in der Grafschaft Burgund zu hinterlassenden Einheiten vom 7.12.1636 hieß es: „[De lo] que en junta de tres de diciembre 1636 se propuso en cuanto al número y forma de[l mand]o y gobernio de las tropas que hubieren de quedar en el Condado de Borgoña entre los [ministro]s cesáreos y embajadores católicos se ajustó en otra conferencia a siete del dicho mes, lo siguiente:
[1.] Que les señores Conde Galaso, Conde Rudolfo Coloredo, Marques de Torrecuso, comisario general Walmerode y disputados del Gobernio y Provincia de Borgoña se junten y concierten en cuanto al número de gente de infantería y caballeria que puede sustentat el Condado y el que ha menester para su defensa durante el invierno.
2. Que de lo que se tratare en esta junta o de la diversidad de pareceres que puede haber se avise al sereníssimo señor Infante Cardenal y se esté a lo que S. A. ordenare.
3. Y que entre tanto salga la gente que hubiere de salir, quedando la que los cabos de guerra juzgaren ser menester para defensa de la Provincia hasta que llegue la repusta de S. A.
4. En la forma de alojar, tanto en cuanto al bagaje (que se ha de reformar) como en el pan de munición y otros subsidios, sea tratada la gente de S. M. Ces.a como lo fuere la de S. M. Ces.a que está allí, y la infanteria conforme a los regimientos de la infantería alemana imperial que están a cargo del Conde Picolomini. Y es declaración que lo que se hubiere de dar a esta gente sea a la que hubiere efectiva y no más.
5. Que quede por commandante de la gente imperial que quedare en Borgoña los sargentos generales Mercy y Fernemont, el primero de la caballeria y el segundo de la infanteria.
6. Que S. M. Ces.a manda enviar luego órdenes para la [reformación] que està resuelta, reduciendo a cien infantes por los menos [cada com]pañía de infantería y las de caballeria de cincuenta a se[senta caba]llos y que ningún regimiento de caballos pueda tener monos de cinco compañías.
7. En el Condado de Borgoña han de quedar seis piezas de campaña con su trein y requisitos necesarios.
8. Que la artillería gruesa, municiones, afustes y carros se pongan en Borgoña en la plaza que más a propósito fuere al parecer de los cabos de guerra. Bien entendido que siempre podrán disponer de ella Sus Majestandes Cesárea y Apostólica y que soló han de quedar con ella los oficiales menores que fueren necesarios para la custodia, cuenta y razón de lo que quedare.
9. Que todo el resto del ejército imperial, officiales, caballos y trein del [sic] artillería, la caballería y el bagaje y todo lo demás, excepto lo arriba dicho, salge desde luego de aquella provincia y siga las órdenes de Sus Majestades Cesárea y Apostólica.
10. Que la gente que quedare en el Condado esté toda a orden de Marqués de Torrecuso, y en cuanto al gobierno de la dicha soldatesca, Su Majestad Apostólica enviará órdenes respectivamente al dicho Marqués y a los comandantes de la milicia cesárea y a los coroneles de ella, si fuere menester, para que sepan como se han de gobernar, con plena autoridad al Marqués de Torrecuso para hacerlo ejecutar.
[11.] Bien entendido que si se ofreciere facción militar, el dicho Marqué llame a los comandantes de la militia cesárea, ajuste con ellos lo que conveiniere hacer y les dé la orden para que ellos las den a sus coroneles.
12. Y también se declara que para las cosas militares que generalmente se ofrecieren en la armada el Marqués de Torrecuso ha de estar a orden de quien tuviere cargo superior al suyo, a quien tocare dársela.
13. Pero en lo que fuere entre la soldatesca y el país, ha de observar las órdenes de Su Majestad Apostólica y del señor Infante, sin que se puedan mudar.
14. Sobre todo esto dará Su Majestad Apostólica las necesarias y el señor Conde de Oñate escribará al señor Infante para que mandar dar las que tocan a S. A. y entre tanto dará las que ahora se pueden al Marqués de Torrecuso”.[574]
Aus Regensburg[575] hatte Ferdinand von Ungarn am 21.1. an Generalleutnant Gallas geschrieben und seine Anwesenheit in Regensburg bei wichtigen Beratungen über die diesjährige Weiterführung des Krieges gefordert. Während seiner Abwesenheit möge Colloredo daher den Interimsbefehl übernehmen.[576]
Ferdinand von Ungarn wandte sich am 29.1. aus Regensburg an Colloredo, er habe erfahren, dass der Feind sich in Lothringen konzentriere und gegen Saar-Buckenheim[577] rüste. Es herrsche Proviantmangel. Er befahl, dass die Truppen auf ihren Plätzen bleiben und starke Reiterabteilungen die Proviantlieferungen für die Magazine sichern sollten.[578]
Am 2.2.1637 forderte Ferdinand von Ungarn von Gallas und Colloredo die Beantwortung folgender Fragen: 1) Wie sollte in diesem Jahr 1637 der Krieg geführt werden; 2) wie gegen Frankreich; 3) wie gegen Schweden; 4) wie stark die kaiserliche Armee zur Zeit sei; 5) an welchen Orten Magazine für den nächsten Feldzug errichtet werden; wieviel Proviant sie enthalten sollten und woher der Proviant geliefert werden sollte; 6) wie stark die Artillerie sein sollte, wie viele Pferde sie haben sollte, wieviel Offiziere, Mannschaft und Munition.[579]
Happe hält unter dem 26.1./5.2. den erneuten Aufenthalt Colloredos fest: „Auf dem Schlosse zu Clingen[580] hat der Churfürstlich Sächsische General Friedrich Wilhelm von Vitzthum und in der Schäferey Graf Coloredo gelegen“.[581]
Vom 5.2.1637 datiert eine ausführliche gemeinsame Antwort Gallas’ und Colloredos auf Ferdinands III. Frage nach der Art und Weise der weiteren Kriegsführung: „1) Was erstlichen die Quartierung und Reformationssache belanget, ist einmal nicht ohne dass, denen vorigen Remonstrationen gemäss, aus dessen Exequirung allerhando grosse Confusion und Ungelegenheiten endstehen werden, aber weiln I. Mt endlicher und cathegorischer Will vorhanden, ist bereits dem Herrn Marggrafen von Caretto gemessener Befelch erteilt worden, alles und jedes, was darinnen begriffen, ohne einige Zeitverlierung oder ferneres Zurückdenken mit äusserster Punctualität zum Effect zu bringen.
2) Betreffend die angedeutete Erleichterung der Quartier durch Abführung einer Anzahl Regimenter gegen Franken und Düringen hat man zwar zu Erlangung solchen heilsamen Intents, sobald die Zeitungen wegen des unglücklichen Stosses von dem Herrn von Geleen nebenst des Herrn Bischofen zu Bambergk fürstl. Gn. Schreiben wegen Incaminirung eines eilfertigen Succursus einkommen, gedachten Herrn Marggrafen von Caretto Ordinanz erteilet, deren gleichen begehrten Endsatz zu Ross und Fuss dahinwerts avanziren zu lassen. Nachdem aber seit diesem der Feind sich wieder über den Wald zurück begeben und dahero zu be[r]sorgen, dass gegen etlicher Maasen erlöschend Gefahr man auch des Volks nicht mehr achten und dasselbe aus Mangel ihm anweisender Unterhalt und Refreschirungsmittel deren End zugrunde gehen dürfen, als wird unvorgreiflich darfür gehalten, dass, dieses Werk umb soviel mehrers zu vorsichern, I. Mat. ein bewegliches Schreiben an hoch gedachtes Herrn Bischofs fürstl. Gn. abgehen liessen. Welches gleichwohl diesen Verstande hat, das, was in Düringen zu Verschonung mehrhochgedachter I. fürstl. Gn. Landen ohne Risigo unterzubringen möglich, solches in alle Wege beschehen solle. Wie dann deswegen dem Herrn Marggrafen von Caretto eingebunden, hiermiter die dahin deputierte Regimenter nebenst den Herrn Grafen von Rittbergk [Ernst Christoph von Rittberg; BW] und einen Generalwachtmeister auf des Herrn von Geleen gute Information und Anleitung zu weisen.
3) Was haubtsachlichen die Continuirung der Krieg gegen Frankreich betrifft, lasst man die der Offensiva halber angeführten Rationes in ihrem Wert vorbleiben. Alleine will sehr schwer fallen, dieser oder einer andern Meinung aussen Fundament beipflichten, solange man nicht weiss, auf was für Macht Volke und anderen Requisiten solches Intent fundiret und wie stark man vor mittelst der neuen Werbungsorte, anderwerts her, ausser dem, was denen beiden Herrn Grafen bewusst ins Feld zu kommen verhoffet. Dann ihnen zu Gemüt gehet, dass weiln die Werbungen jedesmahl schlecht revertiret, diss Jahr auch wegen ziemblicher Verfliessung der Zeit auf die Recrouten alzuviel Fundament nicht zu machen und durch die vorgenommene Reformation besorglich mehr Mannschaft wegkommen, als einige Recrutirung nicht geben wird, wann man anderer ihnen vorborgener Hülfen über dies, was im Römischen Reich albereit auf den Beinen verhand [!], vorsichert man anstat der Offensiva mit der Defensiva genug zu schaffen haben werde. Und solches insonderheit sofern, bis das Feuer im Römischen Reich völlig gedämpfet und man nicht Ursach habe, auf dergleichen Extremiteten, worinnen man jedesmal durch dergleichen unglücklichen Streich als unlängst beschehen, geraten kann, mehrere Reflexionen zu machen. Zumaln, wie oberwehnt, derzeit kein solcher nervus belli übrig, dass man sich zugleich ohne Zurückdenken gegen dem Franzosen offensive empegniren, gegen die Schweden den Meister spielen und eine anderwertige Armata, umb auf allen widerwertigen Fall dem notleidenden Teil die Hand zu bieten, mobile und libero in reserve stehen lassen hätte. Auf welches Extremum man verhoffentlich die summam rerum nimmer mehr wird stellen wollen. Ein anders könnte statuiret werden, wann im Römischen Reich ein durchgehend Frieden stabiliret und man mit allen Requisiten, so zu einem ausländischen Krieg gehörig, vorsichert wehre, solange eines von diesen beiden ermangelt, kann das frische Exempel des vorgangenen Jahrs eine Richtschnur sein, was für Nutzen oder Schaden von weiteren gegen selbiger Cron auf dieser Seiten vornehmenden Impressen zu gewarten. Umb aber gleichwohl den darunter zu desto fordersamer Erhaltung eines reputirlichen Friedens versirenden Haubtzweck zu erreichen, so würden nachfolgende Mittel zu ergreifen sein: In der Grafschaft Burgund sind von I. Mt Armata verblieben in die 2 700 Mann zu Fuss, an Reuterei in die 1 400 ohne alle leichte Cavallerie ausser den wenigen Polacken, so sich in Teutschland befinden. Der Herr Marches von Tarrachuso mag zu Ross und Fuss ohnegefehrlich in die 3 000 Combattanten. Die Landmilitie solle ihrem gewissen Vorgeben nach, wiewohl man sie von Seiten I. Mt nicht gesehen, sich auf 4 000 zu Fuss und 1 000 Pferde belaufen. Des Herrn Herzogs zu Lottringen Dt sollen noch 2 000 Pferde und bis in 700 Mann zu Fuß stellen können. Wann nun alle diese mit guter Correspondenz beieinander leben und von dem Land gebührlich unterhalten werden, wird unvergreiflich darfür geachtet, dass dieselbe nicht allein auf dieser Seiten su la difesa bastant sein, besondern auch dem Feinde obligiren, alle ein Corpo gegen ihnen stehen zu lassen. Der Überrest von I. Mt Haubtarmate könnte sich am Rhein oder zwischen dem Rhein und Saarstrom halten und gleichergestalt in selbiger Positur den Feinde necessitiren, ein anderwertiges Corpo, umb seine Reflexion dahinwerts zu machen, in suspenso zu halten bei welcher Beschaffenheit, wann er schon etwas gegen dem Reich vorhälte. Ihm so schwer darinnen, als I. Mt Armata in Frankreich, zu agiren fallen, er sich auch, wann er nicht auf bessere Provisionen als bis dato gedenket, ehinder und mehrers als wann man mit ihm in seinem eigenen Lande zu tun, consumiren und ruiniren und unter eines vielleicht I. Mt Waffen mit grösserer Sicherheit eine Occasion zu einem hauptsächlichen Colpo durch seine Abmattung an die Hand geben würde. Zu geschweigen, das ihm nach itz gestallten Sachen kein grösserer Abbruch zugefüget werden könnte, als der Gefahr mitten im Reich für allen Dingen ein End zu machen und ihm davon durch die Gelegenheit sich derer bishero darinnen und daraus gebraucheten Mittel zu seiner Inforzirung noch länger zu praevaliren abzuschneiden.
4. Belangende die Relevirung der Artillerie ist man stündlich eines Officirs von dem Herrn Principe zu Toscana Dt mit einer Spezification, was noch hin und wieder an Artilleriesorten in esse und darüber nit künftig zu erzeugen sein wird, gegenwärtig; zu mittelst am meisten dahin zu gedenken, wie man mit einer ergibigen Anzahl Pferden sambt zugehörigen Geschirren und Leuten aufkommen, auch eine starke Anzahl Granaten, Kugeln und bis in die 8 000 Stück Schanzzeug in Vorrat machen lassen könne, zumals verhoffentlich wegen des übrigen keine sonderbare Difficultet geben wurde.
5) Schlieslichen die Recroutirung in den Erblanden betreffend, würde in alle Wege fürträglicher sein, dass den Offiziren die wückliche Geniessung der assignirten Recrouten Platz vergönnet würde, doch stehen solches zu I. Mt allergnädigsten Wohlgestalten und wann allein besagte Officir der Recroutengelder habhaft werden, wird sich ein jeder der aufs äusserste bemühen, seine Schuldigkeit in Wiederaufbringung derer ihm anvertrauteren Mannschaft zu erweisen“.[582]
Colloredo unterrichtete Hatzfeldt im Februar 1637 von seiner Rückkehr aus Burgund und der Anwesenheit in Regensburg.[583]
An seinem spanischen Berichterstatter de las Infantas schrieb Piccolomini am 16.3. aus Brüssel und berichtete ihm über die Regensburger Verhandlungen der Armeekommandanten in Anwesenheit von Gallas und Colloredo. Man habe sich auf die offensive Kriegsführung gegen Frankreich sowie auf größtmögliche Hilfe der kaiserlichen Armee für den Kardinal-Infanten geeinigt. Er selbst sei von Ferdinand II. und Ferdinand von Ungarn in Audienz empfangen worden. Dann sei er mit dem Hof nach Wien gefahren, wo er wiederum auf Überstellung von Hilfstruppen an den Kardinal-Infant drängte. Er erwarte, die Gesandten des Königs von Spanien würden in Madrid seine Bemühungen nicht verschweigen, und hoffe, de las Infantas werde dort seiner Liebe zum Haus Habsburg sowie seines Verlangens, Philipp IV. zu dienen, Erwähnung tun und bei den Verhandlungen mit Graf Olivares dringlich eine rechtzeitige Abfertigung der versprochenen Geldsummen für die Armee fordern.[584]
Der mittlerweile in Brüssel eingetroffene Piccolomini wandte sich am 17.1.1638 an Trauttmansdorff und berichtete ihm über die Rüstungen für den kommenden Feldzug. Er habe für die Armee 29.000 fl. über Nürnberg in Empfang genommen. Zugleich erläuterte er ihm seine Pläne zur Aufstellung von drei Armeen, deren stärkste gegen Frankreich, die zweite in Westfalen und die dritte gegen Schweden in Bereitschaft stehen sollte. Die erste Armee sollte mit den Niederlanden und dem Kardinal-Infanten in Verbindung stehen, die dritte mit Bayern und gleichzeitig mit der Prager Garnison; als Kommandanten empfahl er Hatzfeldt und Colloredo.[585]
Aus seinem Feldlager bei Malchin[586] klagte Gallas in seinen Schreiben an Piccolomini, Colloredo und F. S. Kurz am 14.8.1638 über die prekäre Lage der Truppen nach dem Verlust von Loitz;[587] auch Wolgast[588] sei bedroht.[589] Auch militärische Teilerfolge in Böhmen vermochten nichts an der sich zuspitzenden Lage zu ändern.
Im Januar 1639 teilte Colloredo Hatzfeldt seinen Abmarsch nach Tabor[590] mit. Aus Prag berichtete er ihm von der Hoffnung auf die baldige Ankunft Hatzfeldts und Piccolominis. Es bestehe die Gefahr eines türkischen Angriffs auf Venedig nach dem Friedensschluss zwischen der Türkei und Persien.[591]
Am 23.2.1639 ergingen neue kaiserliche Anweisungen an Gallas: Ferdinand III. kam auf seinen Befehl vom 18.2., die Reiterei ohne Bagage an die Grenze Böhmens abzukommandieren, zurück. Nun habe er neue Berichte darüber erhalten, dass der Gegner am 11.2. in Gifhorn[592] war, gegen das Stift Halberstadt[593] marschiert und weiter nach Meißen[594] und Thüringen vorrücken wolle. Daher habe er beschlossen, ein Korps von 14.000-15.000 Mann nach beiliegender Liste aufzustellen und mit deren Oberbefehl wegen Gallas’ Erkrankung für kurze Zeit Piccolomini zu betrauen; nun hänge alles davon ab, dass sich die bestimmten Regimenter aus Böhmen und Schlesien unverzüglich in Marsch setzen, d. h. die böhmischen direkt in Richtung Komotau,[595] die schlesischen in Richtung Dresden;[596] am 12. oder 13.3. sollten sie sich zum Generalrendezvous bei Leipzig[597] und Merseburg[598] treffen. Nach Meißen[599] habe er eine verlässliche Person entsandt, die alles Nötige für die anmarschierenden Truppen einrichten werde. Da Adolf von Puchheim seines Amtes enthoben wurde, werde dieser Truppenmarsch aus Schlesien von Obrist Jung angeführt werden, an dessen Stelle ein neuer Kommandant der in Schlesien verbleibenden Regimenter ernannt werden müsse; die böhmischen Regimenter würden vorläufig von Bruay befehligt, bis Hans Christoph von Puchheim das Kommando übernimmt; Obristen und Offiziere müssten dafür einstehen, dass die Mannschaft vollzählig bleibt. An alle Soldaten werde die nötige Bekleidung ausgegeben, die Colloredo auf seinen kaiserlichen Befehl hin aus dem Magazin in Leitmeritz[600] nach Dresden schaffen werde; auf Gallas’ Befehl würden Troppauer[601] Artilleriefuhrwerke die Munition von Mähren nach Prag befördern; um keine Zeit zu verlieren, habe er, F., Sonderkuriere zum Artilleriekommandanten nach Schlesien, zu Obristen Jung und zu Fürstenberg nach Franken entsandt; auch der Kurfürst von Sachsen sei von den notwendigen Vorkehrungen benachrichtigt worden.[602]
Colloredo war in die sogenannte „Ruppertsgrüner[603] Affäre“ verwickelt: “An demselben Tage [5.3.1639] meldet Oberst Kolb zu Weiden[604] seinem ‘hochgeehrten Herrn Schwagern’, dem Rentmeister N. zu Amberg,[605] er habe in Erfahrung gebracht, General [Hans Wolf von] Salis sei mit den 3 Kavallerie-Regimentern Coloredo, Salis und [Gayling von] Altheim und mit 2 Regimentern zu Fuß, deren Namen der Kundschafter ‘nicht behalten’, bei Plauen[606] auf die Schweden gestoßen, ‘deren 8 Regimenter, 600 Tragoner und 6 Veldtstuckh unter dem Commando Frangels [Wrangel] und Schlangs’ [Slange] standen. Das Regiment Salis habe 5 Standarten verloren. Von Salis selbst habe noch nicht in Erfahrung gebracht werden können, ‘ob er gesundt, Gefangen, bey leben oder Todt’ sei; die ‘bagagi von disen 5 Salischen Regimentern’ habe bei dem raschen Vordringen des Feindes zurückgelassen werden müssen und sei ‘in der Voidtländischen Bauern Handt verblieben’.[607]
Am 8.3.1639 ergingen wieder kaiserliche Weisungen an Gallas: Mit den Avisos aus Böhmen darüber, dass Feldzeugmeister Salis in Richtung Eger[608] marschiert und von 12 schwedischen Regimentern bis Plauen[609] verfolgt wurde, werde er sich in den Beilagen bekannt machen. Daher müsse das Generalrendezvous bei Leipzig[610] und Merseburg[611] anderswohin verlegt werden. Er überlasse es ihm, ob die Grenzstädte Saaz,[612] Komotau,[613] Brüx,[614] Eger,[615] Elbogen[616] und Leitmeritz[617] besetzt werden sollen und eine Garnison nach Prag zu legen sei. Gleichzeit habe er Goltz beordert, den Regimentern, die Fürstenberg nach Leipzig führen sollte, noch folgende vollständigen Regimenter anzugliedern: die Infanterieregimenter [Rudolf von] Tiefenbach und [Johann von] Prösing sowie die Reiterregimenter Kapoun, Lembke, Lamboy und Gonzaga mit sämtlichen Dragonern und Kroaten; diese solle er im Bistum Bamberg konzentrieren. Fürstenberg solle mit Salis schriftlichen Kontakt unterhalten und mit den Regimentern nach Eger und von dort zu dem Ort marschieren, den Gallas zum Rendezvousplatz bestimmt; darüber möge er sich mit dem Kurfürsten von Sachsen einigen – in Frage kämen Chemnitz[618] oder Zwickau.[619] Feldmarschall Colloredo solle zur Armee aufbrechen und sich nach Gallas’ Befehlen richten; Ferdinand III. überließ es dabei Gallas’ Gutdünken, ob auch Hatzfeldt zur Hilfe gerufen werden solle. Er habe ferner an Graf Adam von Schwarzenberg, den Statthalter des Kurfürsten von Brandenburg, geschrieben, ob er nicht einen Teil des Brandenburger Heeres entbehren und es zur Vereinigung mit den Kaiserlichen oder den Sachsen abkommandieren könne. Er würde es begrüßen, wenn Gallas baldmöglichst nach Prag kommen und von dort den Feldzug leiten würde.[620]
Am 16.3.1639 schrieb der Kaiser seinem Generalleutnant und bestätigte den Empfang seiner Relationen vom 11., 12. und 13.3. Ihnen habe er ebenso wie dem von Gallas an Trauttmansdorff geschickten Brief entnehmen können, dass er nicht recht wisse, ob es jetzt, da der Feind durch das Treffen mit den Sachsen und Salis’ Niederlage neue Kräfte gesammelt habe, da andererseits die kaiserlichen Regimenter noch nicht vereinigt seien und Hatzfeldt wegen Georgs von Braunschweig-Lüneburg Widerstand nicht direkt zu ihm marschieren könne, günstig sei, einen unsicheren Angriff auf den Feind zu wagen, und es vielleicht für besser halte, die Vereinigung mit Hatzfeldt und Piccolomini abzuwarten. Er, F., sei gleichfalls gegen einen voreiligen riskanten Versuch und erwarte, dass Gallas so schnell wie möglich die vorher bestimmten Regimenter zu sich ziehen und gemeinsam mit Graf Schlick, Colloredo und Generalkommissar Tilly [Montigny; BW] die Grenzen des Königsreichs Böhmen schützen werde. Er gab Gallas ferner zu bedenken, ob es besser wäre, wenn Hatzfeldt entweder über Hessen und Franken zöge, wenn er schon nicht über die Weser gehen kann, oder ob er die Vereinigung mit gewissen Regimentern des Korps Piccolomini abwarten, sich auf 15.000-16.000 Mann verstärken und den Weg über die Weser nach Lüneburg und Braunschweig mit Gewalt erzwingen sollte, wodurch der Feind von zwei Armeen in die Zange genommen würde. Er habe Hatzfeldt bereits geschrieben, in allem Gallas’ Befehle zu befolgen.[621]
Zwischen dem 30.4. und dem 20.11.1639 hielt Colloredo in 21 Schreiben Piccolomini über den Vormarsch des schwedischen Heeres und die getroffenen Verteidungsmaßnahmen auf dem Laufenden.[622]
Jiří Vojtĕch Nefestýn z Koberovic,[623] der Sekretär des Erzbischofs von Prag, berichtete Ernst Adalbert von Harrach am 28.6. 1639 aus Prag über die Musterungen der kaiserlichen Armee unter Gallas, Schlick und Colloredo auf den Wiesen bei Königsaal,[624] die er selbst gesehen habe. Gallas habe am Donnerstag eine neue Truppenschau hinter der Prager Burg abgehalten, Hatzfeldt habe sich persönlich mit seinem Stab beteiligt. Schlick habe den einst im Dienst des Herzogs von Friedland gestandenen Pĕček als Regenten in seine Dienste aufgenommen. Am Freitag früh habe der Feind mit etwa 1.000 Reitern das Lager der Kroaten an der Moldau bei Podol[625] angegriffen, sich vieler Vorräte und vieler Pferde und Menschen bemächtigt. Gleichzeitig habe der Feind die Neustädter Stadtwälle vom Karlshof bis zum Galgentor beunruhigt. Gegen Abend sei endlich Maximilian von Waldstein mit seinen 7 Infanteriefähnlein auf der Burg eingetroffen. Heute erwarte man Nachrichten darüber, wie des den Obristen Kapoun, Zahrádetzký und Caba bei Königgrätz ergangen sei.[626]
Leopold Wilhelm und der Kriegsrat schrieben am 11.10.1639 an Colloredo: Vor dem hereinbrechenden Winter müssten die von Oberst Borri begonnenen Befestigungsarbeiten in der Stadt Prag beendet werden. Bisher seien mehrere hundert Einwohner der Prager Städte bei den Befestigungsarbeiten beschäftigt gewesen. Colloredo werde aufgetragen, die Prager Städte von der Notwendigkeit dieser Arbeiten zu überzeugen.[627]
Im Dezember 1639 schrieb Colloredo, er hoffe auf ein baldiges Eintreffen Hatzfeldts in Strakonitz[628] oder Schüttenhofen.[629]
Nefestýn informierte am 7.1.1640 aus Prag Kardinal Ernst Adalbert von Harrach von den Ausschreitungen der kaiserlichen Soldaten während der Neujahrsnacht in Prag und dem Hass der Bevölkerung auf jene, vom Ableben Lebzelters, des alten sächsischen Residenten in Prag, und der Krankheit des Kurfürsten von Sachsen. Colloredo habe Kuriere zu Piccolomini und Hatzfeldt entsandt, ein Angriff auf die Schweden scheine bevorzustehen. Das Militär in Rothřečitz [630] könne er immer noch nicht loswerden. Die Scharmützel um Melnik[631] und Brandeis[632] dauerten an.[633]
Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „Deß Gen. Banners übeles Haußhalten in Böhmen und dem Satzer-Creyß[634] verursachte / daß die beyde Generalen Piccolomini und Hatzfeld / ihres Volcks General-Randezvous zu Tabor[635] desto zeitlicher und zwar umb den 20. Jan. hielten / darumb die in Prag ligende / deren der Zeit 14. Regiment zu Fuß / und 8. zu Pferd waren / darinnen noch verblieben / unangesehen / alles / sampt einer wol præparirten Artolleria / und auff Wägen gesetzten Schiffen / zum Auffbruch fertig gehalten wurde : gestalt dann der halbe Theil dieses Volcks zur gemusterten Armee stossen / das übrige Herr Colloredo in Prag commandiren sollte : Darbeynebens wurden viel Regimenter untern Käis. und unter denselben deß von Reinach zum ersten reformirt“.[636]
Zwischen dem 9.1. und dem 13.12.1640 sind 95 Schreiben Colloredos mit ausführlichen Berichten über den Schwedenkrieg an Piccolomini erhalten.[637] Am 12.1.1640 hatte sich Piccolomini aus Schüttenhofen[638] wieder an den Kardinal-Infanten gewandt: Er sei mit Hatzfeldt und Colloredo über den Termin des Aufbruchs der Armee gegen den Feind übereingekommen. Ort des Generalrendezvous sei die Umgebung von Tabor,[639] die Zeit der 15. bis 20.1. Dann werde die Armee wahrscheinlich zur Elbe und gegen Nimburg[640] marschieren; während des Feldzugs werde man erkennen, ob der Feind zu kämpfen beabsichtige. Sollte der Feind keinen Kampf riskieren wollen, werde dieser wohl nach Leitmeritz[641] zurückweichen und, damit müsse gerechnet werden, alles hinter sich zerstören. Daran werde ihn der bewegliche Teil der Armee hindern müssen; dieser bestehe aus 5.000 Kürassieren, 3.000 Reitern und weiteren Kroaten und Ungarn, die Infanterie zähle 14.000 bis 15.000 Mann, die Artillerie verfüge über 60 Kanonen. In Prag stünden an die 7.000 Mann und 2.000 Reiter unter Colloredo, in Pilsen[642] 4.000 bis 5.000 Infanteristen, die gleiche Anzahl sei nach Eger[643] und in einige weitere Orte im Land kommandiert worden. Der Proviant für den Feldzug stehe bereit. Die kaiserliche Armee könne sich in ihrer jetzigen Position keinen weiteren Rückzug mehr erlauben, sie wüsste nicht, wohin. Die feindlichen Streitkräfte zählten an die 10.000 Reiter und 9.000 Infanteristen, ihre Artillerie besitze 70-80 Geschütze. Nun komme es darauf an, dass sich die Feinde nicht, wie schon früher geschehen, zum Unglück der Kaiserlichen rechtzeitig an einem einzigen Ort konzentrieren.[644] Ferdinand III. schrieb am 25.1.1640 aus Regensburg an Colloredo: Das Mehl und Getreide aus Freistadt[645] sei nach Krumau,[646] Wittingau[647] und Budweis[648] zu schaffen. Befestigte Orte, vor allem Tabor, seien gegen einen feindlichen Einfall zu besetzen, die Bürger zur Wachsamkeit und fälligen Abwehr des Feindes aufzurufen. Colloredo solle ihm über die Besatzungsstärke und Versorgungslage referieren.[649]
Colloredo informierte Piccolomini am 11.2.1640 aus Prag: Die Schweden hätten Nimburg[650] verlassen, sich nach Benatek[651] zurückgezogen und die nahe gelegene Brücke hinter sich verbrannt. Während das Eis auf den Flüssen schon zu schmelzen beginne, weiche der Feind gegen Jung-Bunzlau[652] zurück und sammle seine Bagage in Weißwasser.[653] Landbewohner meldeten, dass er auf seinem Weg alles niederbrenne. Heute sei aus Prag die Nachricht eingetroffen, dass die Schweden im Begriff stünden, Melnik[654] zu verlassen und dass der Ort, wo sie ihr Militär und ihren geringer werdenden Proviant konzentrieren wollten, Böhmisch-Leipa[655] sei. Torstensson und Banér seien sich über die Richtung des Rückzugs uneinig. Unterdessen sei Königsmarck mit 3.000 Mann zu Hilfe gekommen und habe Aussig[656] besetzt. Wegen des Hochwassers aber sei ihm die Errichtung einer Schiffsbrücke nicht gelungen und er sei entschlossen, längs der Elbe nach Leitmeritz[657] und weiter vorzurücken. Auch die Kaiserlichen besetzten Orte an der Elbe.[658]
Piccolomini unterrichtete Colloredo am 9.3.1640 aus Prag: Banér habe sich nach Meißen[659] zurückgezogen. Er, P., billige Colloredos Absicht, Leitmeritz in einen Stützpunkt zu verwandeln und dort Kanonen und Munition anzusammeln. Über die Verteidigung Böhmens habe auch W. E. von Lobkowitz mit ihm korrespondiert.[660] Colloredo selbst schrieb am 11.3. an Piccolomini: Banér sei am 9.3. in Leitmeritz erschienen. Diese Stadt sei zum Mittelpunkt der Feinde geworden, weitere schwedische Abteilungen zögen aus Eger über Raudnitz[661] hin. Dort sollte die kaiserliche Armee die schwedischen Verbindungen mit Eger und Meißen[662] abschneiden. Allerdings benutzten die Schweden auch den Wasserweg und stießen von Westen her auf der Eger zu den anderen.[663]
Am 14.3. hatte Colloredo Borri aus Prag mitgeteilt, er sei von Leopold Wilhelm und Piccolomini angewiesen worden, bei Nimburg eine Brücke über die Elbe zu schlagen; seiner Meinung nach wäre Kosteletz[664] der dafür am besten geeignete Ort, denn er habe eine günstige Lage und Verbindung mit Rostok an der Moldau.[665] Colloredo ließ am 20.3.1640 einen neuen Lagebericht an Piccolomini abgehen: Nach wiederholten Verschiebungen beider Armeen hätten die Schweden am 19.3. Leitmeritz verlassen; ihr Versuch, die Brücke zu verbrennen, sei jedoch gescheitert. Die Kaiserlichen seien im Besitz von Laun,[666] Rakonitz und Schlan.[667] Königsmarck halte sich noch immer in Komotau.[668]
Colloredo schrieb am 17.4. aus Prag an Piccolomini: Die Schweden hielten sich nicht nur noch immer in Nordböhmen, sondern könnten, wann immer sie wollten, aus der Lausitz und Meißen kommen, da die Grenzübergänge in ihren Händen seien. Er kümmere sich um Lebensmittelvorräte für die kaiserlichen Soldaten, damit diese nicht zum Feind überliefen; die Vorräte würden auf dem Wasserweg von Prag und Melnik[669] nach Leitmeritz befördert.[670]
Am 5.5.1640 hatte sich Leopold Wilhelm wegen der Notwendigkeit, Proviant nach Dresden und Getreide mit Ochsenfuhren zur Armee schaffen zu lassen, an Colloredo gewandt. Den Streifzügen des Feindes von Görlitz[671] aus müsse von den Gallas’schen und anderen verfügbaren Truppen Einhalt geboten werden. Zudem ging es um Rekrutengelder und die Fürsorge für Soldaten über den Winter. Kinskýs Kompanie sei zum Unterhalt an Piccolomini überwiesen worden. Schließlich forderte einen Bericht über die Anzahl der in beiden Prager Spitälern und auch in Privathäusern liegenden Kranken sowie den wahrscheinlichen Termin ihrer Genesung an.[672]
Am 12.5.1640 schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Saalfeld[673] an Colloredo, seine Briefe vom 21.4. und 1., 3. und 5. habe er zur Kenntnis genommen. Er übersende ihm eine Abschrift der am selben Tag für Graf Heinrich von Schlick erlassenen Versorgungsvorschrift. Der Vorschlag zu Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch mit dem Feind sei angenommen. Die in Oberöstereich liegenden Soldaten hätten die Salzeinfuhr sehr geschädigt und seien daher dem Kommando Camillo Gonzagas unterstellt worden. Zudem ging es um die Abkommandierung von 5 Gallas’schen Reiterkompanien zur Armee, die Ausrüstung der Dragoner zu Fuß und den Ankauf von Pferden für Rekrutengelder.[674]
Am 20.5. wandte sich der Kaiser an Colloredo: Das besetzte Schloss Tetschen[675] sei mit einer Garnison zu versehen und in ihm oder in seiner nächsten Umgebung sei ein Proviantmagazin zu errichten; Graf Schlick solle eine Liste alles Notwendigen anlegen und Colloredo solle es in dessen Abwesenheit besorgen. Vor allem sei darauf zu achten, dass Tetschen besser als bisher befestigt werde. Alle Schiffe müssten zur Ausfahrt bereit stehen, die Getreideausfuhr dürfe nicht aufgehalten werden. Das gefundene Salz gehöre ebenso wie andere Bedarfsartikel dem Herrscher, bis auf weiteren Befehl dürfe nichts davon genommen werden.[676]
Erzherzog Leopold Wilhelm informierte am 3.6. Colloredo aus seinem Feldlager bei Saalfeld:[677] Er möge die Statthalter von Böhmen dazu bewegen, für die zur Überwinterung nach Böhmen zugeteilten Regimenter das Geld für einen Monatssold zu beschaffen und auszuzahlen; er habe sie bereits mehrfach darum ersucht. Das übrige an verschiedenen Orten in Böhmen liegende Kriegsvolk solle nach Eger[678] überstellt und dort die Ankunft Carettos erwarten, der sie zur Armee führen werde.[679] Am 8.6. schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Saalfeld an Colloredo: Obwohl man die Pläne des Gegners nicht kenne, müsse man jetzt schon Sicherheitsvorkehrungen treffen. Den Schutz Pilsens und Egers solle Piccolomini übernehmen; Pilsen werde außerdem noch mit einer Briaumont’schen Kompanie besetzt, die mit Rekruten unter dem Kommando Briaumonts oder eines anderen tüchtigen Kommandanten ergänzt werden solle. Auf die gleiche Weise müsse Eger zur Verteidigung gerüstet werden. Der Gegner sei in seinen Bewegungen von allen Orten zu verfolgen und sein Auftauchen wo immer sofort zu melden; nötigenfalls müsse die Feldmunition von Eger nach Amberg[680] überführt werden.[681]
Am 10.6.1640 hatte Ferdinand III. aus Regensburg an Rudolf Colloredo geschrieben: Johann Georg I. von Sachsen habe Proviantlieferungen für die Festung Magdeburg[682] und Geld zur Bezahlung des bereits zwei Monate überfälligen Soldes für die Soldaten und Offiziere der Festung angefordert. Die Versorgungslage der Festung sei sehr ernst, weder die ober- und unterschlesischen Stände noch der Erzbischof von Magdeburg, Herzog August, könnten Geldmittel beisteuern und die von ihm, Ferdinand, übersandten 6 000 fl. seien bereits zur Deckung anderer Ausgaben bestimmt. Er habe dem Kurfürsten mitgeteilt, dass Colloredo den Auftrag erhalten habe, 4 000 Metzen Getreide zu beschaffen und sie auf der Elbe nach Magdeburg zu schaffen. In der Geldfrage sei er der Ansicht, August Adoolf Trandorf, der dortige Kommandant, solle selbst versuchen, Geld zu beschaffen und auch die Festung Dömitz zu proviantieren. Das Geld zur Bezahlung des schuldigen Soldes werde ihm die ausgeschriebene Kriegsanleihe einbringen. Der Kurfürst möge den wirklichen Stand der Truppen in der Festung melden. Colloredo würden Dispositionen für die Getreidebeförderung zugehen.[683]
Leopold Wilhelm wandte sich am 6.7. aus seinem Hauptquartier Neustadt an der Saale[684] an Colloredo und legte das Gesuch der Stadt Tetschen um Loslauf des ehemaligen Bürgermeisters M. Lindtner und weiterer vier Bürger, die wegen Nichtbezahlung von 2.000 ungarischen Dukaten, die der schwedische Kriegskommissär widerrechtlich der Stadt auferlegt hatte, von den Schweden abgeführt wurden. Leopold Wilhelm schlug Colloredo vor, die Geiseln gegen den bei der Eroberung Tetschens gefangen genommenen und in Prag eingekerkerten schwedischen Obristleutnant auszutauschen.[685]
Der Kaiser teilte am 31.7.1640 aus Regensburg Colloredo mit: Obwohl man ihm sage, dass der Großteil der Rekruten und des Kriegsvolks bereits zur Armee abkommandiert worden sei, schlage sich dennoch Kriegsgesindel raubend und plündernd durch das Land und mache die Wege unsicher. Da er das Land vor ähnlichen Leuten schützen wolle, sollten diese ausfindig gemacht und bestraft werden. Entsprechende Anweisungen seien zum gleichen Zweck an die Statthalter von Böhmen sowie an die Kreishauptleute ergangen.[686]
Am 5.8. teilte Erzherzog Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier in Vacha[687] Colloredo mit, Ferdinand III. habe beschlossen, die 6 Kompanien Gall’scher Kürassiere nicht in Schlesien zu belassen, sondern zur Hauptarmee abzuordnen. Sollten inzwischen die erwarteten Artilleriepferde aus Mähren eintreffen, solle Colloredo die 6 Kompanien mit den restlichen Infanteristen sowie 6 Kanonen, die Vierpfünder verschossen, und 6 Falkonen als Konvoi zur Hauptarmee führen. Sollten die bewussten Pferde noch nicht zur Verfügung stehen, sollten jene Kompanien zur Armee abmarschieren. Er wolle über den eingeschlagenen Weg sofort informiert werden, um die entsprechende Order schicken zu können. Der Kaiser habe seinen Beschluss hinsichtlich der für die Truppenrekrutierungen bestimmten Orte bekannt gemacht; Stände und Bevölkerung der Erbländer müssten sich fügen.[688]
Am 8.8.1640 schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier in Vacha an Colloredo: Er habe die Regimenter Kapoun und Webel mit einer gewissen Anzahl vom Kriegsvolk Goltz’ von Vacha aus nach Schlesien abkommandiert. Sie würden über Böhmen marschieren und deshalb möge Colloredo für ihre Übernahme durch Kommissäre an bestimmten Orten sowie für die Lebensmittelbeschaffung sorgen. Feldzeugmeister Goltz werde über alles unterrichtet sein.[689]
Der Kaiser informierte Colloredo am 17.8.1640 aus Regensburg, er habe zum 28.8. den böhmischen Landtag nach Prag einberufen und als seine kaiserlichen Bevollmächtigten W. E. Lobkowitz, J. V. Berka von Dubá und J. J. Chanovský hin entsandt. Colloredo sei gebeten, persönlich am Landtag teilzunehmen und mit seinem Einfluss die Forderungen des Kaisers bei den Ständen zu unterstützen.[690]
Am 18.8. schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Fritzlar[691] erneut an Colloredo: Er habe seinem Bericht vom 4.7. über Goltz’ Ausfall gegen die Stadt Fürstenberg,[692] der trotz seiner Übermacht misslungen sei, zur Kenntnis genommen. Aus Vacha sei das Regiment Goltz, das Infanterieregiment Webel und Kapoun mit seinem Reiterregiment hinkommandiert worden. Man hatte auch erwartet, dass die sächsischen Einheiten bereits konzentriert wären und dass 1000 Pferde ankämen. Er zweifle nicht, dass die Armee stärker war als der Gegner, man hätte bloß den günstigsten Augenblick zu einem siegreichen Treffen abwarten sollen, wenn noch dazu die Artillerie in der Übermacht war.[693]
Am 21.8.1640 informierte Ferdinand III. Colloredo aus Regensburg: Der Statthalter des Kurfürsten von Brandenburg, Adam Graf von Schwarzenberg, fordere die versprochenen 4.000 Strich Getreide und 200 bis 400 q Schießpulver. Colloredo möge dafür sorgen, dass das Getreide aus Böhmen von Dresden nach Magdeburg und Havelberg[694] transportiert werde. Schwarzenberg werde das Getreide dann in die Festung Dömitz[695] befördern, an deren weiterem Besitz ihm, Ferdinand, sehr gelegen sei. Ferner solle er 200 q Schießpulver in die Festung Spandau[696] bringen lassen.[697]
Am 14.9.1640 teilte Ferdinand III. Colloredo mit, dass Militärkleidung nach Prag und zu Goltz unterwegs sei. Miniatti sei befohlen worden, auch 100 Paar Pferde und die Knechte zu Goltz zu überstellen. Die Offiziere und Soldaten, die tatenlos in Böhmen lägen, seien zu ihren Abteilungen abzukommandieren.[698] Unter dem 4.10. erging Piccolominis Anweisung an Colloredo über die Verteilung der Winterquartiere für die unter Colloredo in Böhmen zurückgebliebenen Regimenter.[699] Der Kaiser hatte sich am 5.10. aus Regensburg an Colloredo gewandt: Sobald er, F., von Maximilian I. die Nachricht von der Genehmigung des Durchmarsches durch die Obere Pfalz für die Artilleriepferde aus Böhmen erhalten werde, wolle er ihn gleich informieren, damit Colloredo ihre Weiterkommandierung nach Würzburg, Schweinfurt,[700] Königshofen[701] und andere Orte in Franken zur Armee einrichten könne. Aus Böhmen sollen keine Kanonen, nur die dort zurückgelassene Munition ausgeführt werden. Der Kurfürst von Sachsen habe ihn, F., erneut um 5.000 Rt. für die Festung Magdeburg ersucht (der Brief des Kurfürsten vom 21.9. lag in Abschrift bei) und er habe beschlossen, ihm diese Summe aus der nächsten Kontribution in Böhmen zu überlassen. Um aber von der Festung das Schlimmste abzuwenden und Zeit zu gewinnen, möge Colloredo dem Kurfürsten von Sachsen jene 5.000 Rt. Vorläufig leihen; sie würden ihm aus der Kontribution zurückgegeben werden.[702] Der Kaiser schrieb am 12.10. erneut aus Regensburg an Colloredo: Der Marschweg durch Hessen sei gesperrt, weshalb die kaiserliche Armee nach Überschreiten der Weser bei Höxter[703] das Herzogtum Braunschweig betreten habe. Somit werde es kürzer und sicherer sein, ihr die Artilleriepferde durch Sachsen nachzuführen. Vorläufig aber würden diese in Böhmen bleiben und auf die Kameralgüter verteilt werden, wo sie zu Feldarbeiten verwendet würden. Er möge in dieser Sache Kontakt mit den Statthaltern aufnehmen.[704] Am 25.10. ging ein weiteres kaiserliches Schreiben an Colloredo: Er habe seinen Brief vom 20.10. betreffs der Verteilung der Artillerie und der Artilleriepferde in der Umgebung von Budweis[705] in Böhmen erhalten. Colloredo solle die Frage der Futtermittel für die Pferde mit den Statthaltern von Böhmen beraten. Die Pferde sollten nicht zu Salzfuhren benutzt und bis zu ihrem Transport zur Armee gut gehalten werden. Da die kaiserliche Armee die Weser nicht überschritt, sondern ins Stift Paderborn zurückkehrte, blieben die Übergänge für die Feinde offen, so dass er in Böhmen einfallen könnte. Colloredo solle daher der Stadt Eger besondere Aufmerksamkeit widmen, da in Böhmen derzeit keine Truppen ständen, 100 Rekruten oder Männer aus verschiedenen Regimentern, die jetzt bei den Artilleriepferden seien, hinkommandieren. Das in Böhmen liegende Kriegsvolk, das derzeit nicht gebraucht werde, solle nach Eger und Elbogen[706] disloziert werden. Colloredos Regiment solle mit 1.000 Mann verstärkt werden und in Böhmen bleiben. Die Anwerbung der genannten Anzahl von Männern wolle er, F., von der nächsten Weinsteuer finanzieren.[707] Bereits am 27.10. wandte sich Ferdinand III. erneut an Colloredo: Am 19.10. habe Leopold Wilhelm die beschleunigte Abkommandierung der Artilleriepferde und des in Böhmen liegenden Trains nach Franken angefordert. Colloredo möge deren Abmarsch aus Böhmen über Nürnberg in die Wege leiten. Um Schwierigkeiten beim Durchmarsch durch die Obere Pfalz zu vermeiden, müsse Maximilian I. ersucht werden, Durchmarsch und Futternahme zu gestatten; vor kurzem habe dieser beides genehmigt. Die Besetzung Egers und der Grenze solle gemäß der letzten Entschließung erfolgen.[708]
Lehmann erinnert sich an den Versuch, Zwickau von der schwedischen Besatzung zu befreien: „Den 10. [a. St.; BW] November kahmen noch zum Succurs auß Böhmen 6 regimenter Colloredisch volck zue roß und fuß Durch Presniz,[709] funden in gebirg niemandt in heußern, weil abermalß alles Volck mit viehe und mobilien in die Städte und wälder geflohen war, und (es) Stunde darauf, daß Sie nun der Stad wolten mächtig werden, aber der Schwedische Succurs verhinderte alles, daß alles wieder in Böhmen außriße“.[710] [...] „Die Keßerlichen Gallas- und Colloredischen rißen auch auß durchs gebirg auf 3 Päßen in Böhmen so verzagt, daß Sie sich auch nicht einest umbgesehen. Den 14. November quartirten des nachts darvon 400 in Wiesenthal,[711] 600 uffn Weipert,[712] 3 regiementer uff der Presnitz,[713] die nahmen den deutschen Fuhrleuten, meist Cranzlern, die von Prag kamen, uff der Presnitzer straßen 18. November 38 schöne Pferd weg pro 1500 thl. Den 17. November legten Sich 50 Pferde davon in Wiesenthal auf die Vorwache zue sehen, was der feindt vor hette, 6 tage lang, brachen den 23. November auf, legten Sich zum andern in Böhmen in die Quartiere, partheiten uber den Pas herauß, und wahr vor ihnen niemand sicher in handel und wandel, ließen den feindt in Meißen rauben, sengen und brennen und nahmen sich des nichts an“.[714]
Am 22.11. informierte Colloredo aus Prag Piccolomini: Das sächsische und das kaiserliche Kriegsvolk sei der Belagerung von Görlitz und Zwickau ins Stocken geraten.[715]
Am 25.11.1640 schrieb der Erzherzog aus dem Hauptquartier Nidda[716] an Colloredo und übersandte ihm eine Kopie des an Piccolomini adressierten Schreibens vom 19.11. mit der Nachricht, dass Banér seine Armee bei Einbeck[717] konzentrieren und nach Alfeld[718] ziehen wolle, um die nach Zwickau marschierenden Regimenter zu verfolgen. Der Braunschweiger Generalkommissär Pape sei angeblich von Georg von Braunschweig-Lüneburg zu Longueville entsandt worden, um mit ihm über die Truppeneinquartierung in Braunschweig zu verhandeln. Colloredo möge ähnliche Nachrichten sammeln und ihm zugehen lassen.[719]
Nach den Anweisungen Ferdinands III. an Colloredo aus Regensburg vom 4.12.1640 sollte das unter Caba stehende Waldstein’sche Regiment zur Hälfte nach Eger, zur Hälfte nach Elbogen, Hartenberg,[720] Graslitz[721] und Joachimsthal,[722] das Regiment Caba zur Hälfte nach Eger, die andere Hälfte in nahe und günstig gelegene Orte verlegt werden. Borri solle Pressnitz und sämtliche Grenzübergänge bis Aussig besetzen. Myslík logiere in den festen Städten von Kaaden über Komotau bis Aussig. Die Kreise Pilsen und Rakonitz helfen den Städten Elbogen und Eger mit der Lebensmittelversorgung aus, der Kreis Schlan entsprechend der Stadt Saaz. Die mit dem Unterhalt der Truppen verbundenen Kosten werden mit Ausnahme von Heu, Stroh und Servitien gegen Kontributionsabzüge ausgeglichen. Colloredo habe mit den Statthaltern in ständiger Korrespondenz zu stehen. Die Getreidevorräte in Prag, Melník, Leitmeritz, Eger und Elbogen seien als Reservebestände zu betrachten und dürften zur Verproviantierung der Einheiten nicht angerührt werden. Die übrigen Getreidemengen in Budweis, Iglau und umliegenden Gegenden seien zusammenzuziehen und auf dem Wasserweg nach Prag oder Melník zu befördern. Sofort nach Erhalt der Meldung, um welche Menge es sich handele, werde der Kaiser seine Entscheidung treffen.[723]
Leopold Wilhelm schrieb am 10.12. aus seinem Hauptquartier in Aschaffenburg[724] an Colloredo: Er habe seinem Brief entnommen, dass man zur Abwehr eines feindlichen Einfalls in Böhmen eine gewisse Anzahl von Artillerieeinheiten und mindestens 2.000 Reiter brauchen werde. Vor einiger Zeit habe er bereits die Abkommandierung der Regimenter Myslík und Caba nach Böhmen befohlen. Nun wolle er mit Rücksicht auf die über die Stärke des Feindes eingegangenen Berichte noch die folgenden Regimenter nach Böhmen kommandieren: Neu-Piccolomini, Bruay, Puchheim und Wolframsdorf sowie die Gall’schen Arkebusiere und Dragoner.[725]
Am 13.12. war Banér auf einer Schiffsbrücke bei Hameln[726] wieder über die Weser gegangen, erschien am 16. vor Leipzig, am 28.12. muss er sich noch in Erfurt aufgehalten haben. Der Kaiser selbst wandte sich am 30.12.1640 vom Regensburger Reichstag an Colloredo: Es gingen Berichte darüber ein, dass der Feind mit der Absicht, in Böhmen oder Franken einzufallen, immer mehr Regimenter in Thüringen konzentriere. Um dies zu verhindern, habe er beschlossen, die von Bruay und Borri nach Böhmen geführten Regimenter zu verstärken, und zwar mit dem Regiment Alt-Piccolomini, das bis auf weiteres im Kreis Prachen[727] einquartiert werden solle.[728]
Leopold Wilhelm übersandte Colloredo am 5.1.1641 eine detaillierte Liste der in Böhmen zurückgelassenen Regimenter, die Rekrutengeld und Remonten erhalten sollten. Dabei sollten aus Wien u. a. 12.000 fl. für die 12 Kompanien Alt-Piccolomini und 10.000 fl. für die 10 Kompanien Jung-Piccolomini kommen, aus Regensburg sollten 13.000 fl. für die 10 Kompanien Leibgarde Leopold Wilhelms und Piccolominis aufgebracht werden. Das Geld werde von Wien nach Iglau geschickt. Er, C., solle einen geeigneten Offizier zur Geldübernahme gegen eine Bestätigung hinkommen. Die Summe solle nach der Anleitung aufgeteilt werden, die Colloredo von Piccolomini erhalten werde.[729] Am 9.1. schrieb Leopold Wilhelm aus Regensburg an Colloredo, aus den über die feindlichen Bewegungen erhaltenen Nachrichten gehe die Notwendigkeit einer möglichst starken Sicherung des Königreichs Böhmens und insbesondere Prags hervor. Daher möge Colloredo schleunigst die vier Infanterieregimenter, die unlängst nach Schlesien kommandiert wurden, ohne Wagenlenker und Bagage nach Prag führen. Beigelegt war eine Kopie des vom Kanzler aus Kulmbach[730] an den Landrichter in Amorbach[731] adressierten Schreibens vom 27.12.1640, in dem er mitteilte, dass Banér am 26.12. nach Gefell[732] gezogen kam und gleich am nächsten Tag nach Ulm[733] weitermarschierte, um dort zu nächtigen. Sein rechter Flügel solle wahrscheinlich gegen Plauen vorrücken; genauere Berichte habe er nicht, doch scheine Banér eher nach Böhmen als in die Pfalz ziehen zu wollen; diese Orte seien ebenso wie Kronach[734] gewarnt worden. Beigelegt war auch eine Kopie von Georg Paul Kerling, vom 7.1., Buchbach,[735] an Jobst Werth, Leutnant in Pegnitz;[736] darin die Mitteilung, dass Banér in der vergangenen Nacht sein Hauptquartier bei der Stadt Hof[737] aufgeschlagen habe, 132 Regimenter bei sich habe, heute in Arzberg,[738] eine Meile vor Eger, Halt machen und sich dort entscheiden solle, ob er weiter nach Böhmen oder in die Obere Pfalz marschieren werde. Am heutigen Morgen seien 200 schwedische Reiter nach Bayreuth[739] aufgebrochen und der Leutnant habe angedeutet, dass eine gleiche Gruppe auch nach Kemnath[740] abreiten solle.[741]
Am 9.1.1641 schrieb Ferdinand III. aus Regensburg an Colloredo: Er erteilte eine Instruktion betreffs der Besetzung, Verteidigung und Versorgung Egers, die so ausgeführt werden müsse, dass Obrist Borri die Stadt mit einer ausreichenden Besatzung zumindest so lange verteidigen könne, bis die kaiserliche und die bayerische Armee ihre Stellungen eingenommen hätten. Ferner teilte er ihm mit, dass der Feind bei Hof lagere. An Pachonhay sei der Befehl ergangen, sich mit den Gallas’schen Dragonern nach Eger und, falls ihn der Feind darin hindern sollte, nach Pilsen[742] zu legen, wo Colloredo bis auf weiteres das Kommando übernehmen solle. Am selben Tag habe er, Ferdinand, auch an Geleen und Goltz die entsprechenden Befehle zur Sicherung der Verteidigung sämtlicher Orte in Böhmen und in der Pfalz erteilt. Colloredo möge jene in schlesische Winterquartiere geschickten vier Infanterieregimenter nach Böhmen zurückführen lassen und sie in Prag und den umliegenden befestigten Orten einsetzen. Vom Kurfürsten von Bayern erwarte er die Nachricht, mit einer wie großen Truppenzahl er nötigenfalls zur Verstärkung der kaiserlichen Regimenter in Böhmen beitragen könnte. Colloredo solle für ausreichende Mehlvorräte an den Orten sorgen, wo sich die Streitkräfte konzentrieren. Beigelegt war eine Kopie von Leopold Wilhelms Befehl an Geleen vom 6.1., Regensburg, in dem er ihn mit der Absicht eines feindlichen Einfalls in Böhmen oder in der Oberen Pfalz bekannt macht und ihn anweist, das Kommando über die Mainbefestigungen an Fernemont zu übergeben, selbst mit Suys oder Haes nach Bamberg[743] zu gehen und die Regimenter gemäß beiliegender Liste an einem einzigen Ort in Bereitschaft zu halten; er kommandiere 300 bis 400 Kroaten und Obrist Földváry zu ihm. Für die versammelten Regimenter möge Colloredo ausreichende Proviantmengen in Bamberg oder Schweinfurt bereitstellen; wegen der Rekrutengelder werde er Anweisungen von Piccolomini erhalten. Beigelegt war ferner die Kopie des kaiserlichen Befehls zur Verteidigung und Abkommandierung der Infanteriemannschaft nach Böhmen im Falle von Colloredos Anforderung, er möge vor allem alle möglichen Übergänge zu dem schwedischen Generalmajor Stålhandske bewachen.[744]
Leopold Wilhelm teilte Colloredo am 12.1. aus Regensburg mit: Der Feind habe von seiner Absicht, gegen Eger zu marschieren, abgelassen, abgelassen und ziehe in die Obere Pfalz gegen Amberg. Colloredo solle ein entsprechendes Corps aufstellen und zusammen mit der in Böhmen zurückgelassenen Infanterie die Grenzen gegen das Vogtland[745] und Plauen[746] besetzen lassen. Die Summe von 40.000 fl. zu Remonten und Rekrutierungen werde er wohl aus Iglau[747] bereits erhalten haben. Jeder Offizier sei verplichtet, die Remonte binnen 14 Tagen durchzuführen. Die Städte Eger und Pilsen müssten mit einer ausreichenden Anzahl von Reiterei und Infanterie besetzt werden. Obrist Borri sei zum Kommandanten von Eger ernannt und Bruay mit dem Oberbefehl über die ganze Kavallerie in Böhmen betraut worden. Die Passübergänge gegen die Obere Pfalz und das Vogtland sollen, wie es bereits den Hauptleuten des Kreises Pilsen befohlen wurde, mit Verhauen versehen werden. Aus Iglau werde Militärkleidung zur Armee gebracht; Colloredo möge schriftlichen Verkehr mit Goltz unterhalten und dem Kaiser alle Ereignisse melden.[748]
Leopold Wilhelm informierte Colloredo am 18.1. aus Regensburg, über die Absichten des in der Oberen Pfalz stehenden Feindes sei nichts bekannt. Colloredo möge seine Wachsamkeit erhöhen und vor allem die Pilsener Besatzung mit 300 bis 400 Mann verstärken.[749]
Der Kaiser schrieb am 29.1. wieder an Colloredo: Aussagen von Kriegsgefangenen und Überläufern zufolge rücke Banér direkt nach Böhmen vor. Colloredo solle daher von Goltz die augenblickliche Abkommandierung von 2.000 Kavalleristen fordern und mit deren Geleit einen fähigen Offizier nach Prag einen fähigen Offizier betrauen.[750]
Der Kaiser hatte am 4.2.1641 aus Regensburg nochmals an Colloredo geschrieben: Es sei ihm bekannt, dass Colloredo am 30.1. von Prag zu Leopold Wilhelm gereist und von diesem entsprechende Befehle erhalten habe. Trotzdem möge er nun 2.000 oder auch mehr überflüssige Männer aus Schlesien zur Landesverteidigung abkommandieren. Da sich die Stadt Cham[751] dem Feinde widerstandslos ergab, sei der Feind offenbar auch im Königreich Böhmen zu erwarten. Deshalb müssten die befestigten Orte mit allem Notwendigen versehen und mit tüchtigen Befehlshabern besetzt werden, damit diese unter Einsatz von Leben und Ehre die ihnen anvertrauten Orte verteidigen. Da sich Leopold Wilhelm gewisse Zeit in Passau und Österreich aufhalten werde, möge Colloredo seine Berichte in doppelter Ausfertigung für Leopold Wilhelm und ihn, F., senden.[752]
Am 8.2.1641 teilte Ferdinand III. aus Regensburg Colloredo mit: In der jetzigen Zeit, da Gerüchte über Banérs beabsichtigten Feldzug gegen Pilsen umliefen, scheine ihm die Ernennung Herreras zum Stadtkommandanten recht ungenügend. Er schicke deshalb einen Sonderkurier an Borri nach Eger. Dieser möge nach der Kommando-Übergabe und entsprechenden Instruktionen an Obrist Neuhaus nach Pilsen gehen und sich dort der Leitung der Verteidigung annehmen.[753] Leopold Wilhelm schrieb am 12. 2.1641 aus Passau an Colloredo: Borris Anmarsch in Pilsen müsse, sofern dies nicht bereits geschehen sei, beschleunigt werden.[754]
Der Kaiser wandte sich am 19.2. an den recht eigenwillig agierenden, teilweise auch wohl mit der Verteidigung Böhmens überforderten Colloredo und gab seinem Unwillen darüber Ausdruck, dass Colloredo jene 2.000 Kavalleristen, die Goltz auf seinen kaiserlichen Befehl hin hatte nach Böhmen führen lassen, jetzt, da der Gegner an der Moldau stehe und sich der Städte Klattau, Schüttenhofen[755] und Pisek[756] bemächtigt habe, zurückführen ließ. Er, Ferdinand III., werde sich eine solche eigenwillige Änderung
seiner Befehle nicht länger dulden. Colloredo solle nun zwecks Verhinderung eines weiteren gegnerischen Vormarsches die genannten Kavalleristen ebenso wie sämtliche in Böhmen stehenden Reiter zu Bruay kommandieren und nur die Abgesessenen und Fußsoldaten in den Quartieren belassen; die ersteren würden mittels der Remontierungen in den einzelnen Kreisen bald wieder einsatzbereit sein, das verbliebene Fußvolk jedoch solle zur Abwehr des Gegners nach Prag und in andere befestigte Orte abkommandiert werden. Die befestigten Orte seien mit ausreichendem Vorrat an Munition und Proviant zu versorgen; Colloredo solle den Stand der Fortifikationsarbeiten in Prag, Königgrätz,[757] Pardubitz und anderen Orten persönlich überwachen und festgestellte Mängel auf der Stelle beheben. Eine Kopie des kaiserlichen Befehls an Goltz vom gleichen Tag lag bei, in dem Ferdinand III. mitteilte, Colloredo habe den am 7.2. erteilten Befehl zur Überführung der 2.000 Kavalleristen nach Böhmen eigenmächtig abgeändert; diese Kavalleristen seien an Bruay, der sich am 15.2. in Moldauthein[758] befunden habe, nach Wittingau[759] und Časlau[760] abzukommandieren.[761]
Die Verwalter der Landeshauptmannschaft Mähren teilten Colloredo am 22.2.1641 als Olmütz[762] mit: Aus der Nachricht des Iglauer Kreishauptmanns Heinrich von Halebich vom 18.2. gehe hervor, dass der Gegner weiter in Richtung Mähren vorrücken werde; dieser habe mit 8 Reiterregimentern, Dragonern, 1.000 Musketieren und 4 Kanonen bei Moldauthein den Fluss überschritten und Bruay habe sich nach Tabor[763] zurückgezogen. Colloredo möge daher die mährische Grenze schützen und die an die 2.000 Fußsoldaten zählende Landwehr verstärken. Über den Verbleib der 1.000 Pferde, die im Gefolge des Regiments Sperreuter von Goltz über Mähren nach Böhmen geschickt wurden, wüssten sie nichts. Abschließend monierten sie den schlechten Zustand der Stadtbefestigungen in Iglau.[764] Am 28.2. erging aus Regensburg der kaiserliche Befehl an Colloredo, sämtliche aus Schlesien gekommenen Kavalleristen zu Bruay abzukommandieren.[765] Am 2.3. forderte Erzherzog Leopold Wilhelm aus Linz Colloredo zur genauen und unaufschiebbaren Ausführung des kaiserlichen Befehls vom 28.2. auf, dessen Kopie er vorsichtshalber beilegte. Darin befahl der Kaiser Colloredo, die unter Bruay in Böhmen stehende Reiterei zusammen mit der aus Schlesien nach Böhmen gekommenen unverzüglich zur Donau in Marsch zu setzen; die abgesessene und übrige Reiterei solle eine Remonte erhalten und die Infanterie in gutem Zustand gehalten werden, um sie überall einsetzen zu können. Er verlangte häufige Berichterstattung.[766] An diesem 2.3. wandten sich die Administratoren der Landeshauptmannschaft Mähren aus Olmütz an Colloredo und stellten die Nachrichten von einem feindlichen Einfall als blinden Alarm hin, versprachen, auch weiterhin mit ihm in Korrespondenz zu bleiben, und verpflichteten sich im Bedarfsfall zu allseitiger Hilfeleistung.[767]
Die Verwalter der Landeshauptmannschaft Mähren informierten erneut am 4.3. Colloredo: Von der anbefohlenen Anzahl von 3.000 Mann für das Landesaufgebot hätten sie bloß 100 Wallachen aufstellen können. Da aus den von Bruay an den Iglauer Kreishauptmann gesandten Nachrichten hervorgehe, dass sich der Gegner nach Böhmen zurückziehe, verlangten sie die Auflösung des Landesaufgebotes.[768]
Am 12.3.1641 schrieb der Kaiser an Rudolf von Colloredo, laut kaiserlichem Befehl werde der Kreis Eger dem Regiment Waldstein als Quartier zugewiesen, die Kreise Eger, Elbogen[769] und Saaz[770] dem Regiment Borri und der Kreis Elbogen dem Regiment Caba; der Kreis Rakonitz sowie der halbe Kreis Leitmeritz dienen als Aushilfe. Die genannten Regimenter hätten ein Memorandum, dessen Abschrift beilag, an ihn, F., geschickt und sich beschwert, dass ihnen aus den assignierten Quartierten weder für die alten noch die neu geworbenen Knechte, weder für die abgesessenen Reiter oder diejenigen, die ein Pferd haben, die vorgeschriebenen Nutznießungen gewährt würden. Er, F., wisse, dass diese Kreise durch die Kriegsereignisse in Mitleidenschaft gezogen worden seien, doch dürfe nicht zugelassen werden, dass Regimenter, deren Stand erhöht und die remontiert werden sollten, durch Mangel zugrunde gingen. Er gab Colloredo ferner die an die Statthalter ergangene Forderung bekannt, dem Befehl nachzukommen und die Regimenter mit allem zu versorgen, was laut gedruckter Versorgungsvorschrift festgesetzt sei. Colloredo solle in diesem Sinne auf die Statthalter und Graf Wrtba einwirken.[771]
Am 19.3. traf die nächste kaiserliche Weisung an Colloredo ein: Ferdinand III. befahl die unverzügliche Abkommandierung von vier ausgesuchten Infanterieregimentern zusammen mit Borris Regiment und allem, was einsatzfähig sei, von Prag nach Pilsen, wo dieses Kriegsvolk unter Borris Kommando in voller Bereitschaft stehen solle. Auf Befehl des Erzherzogs oder Piccolominis werde es Borri an einen vorher bestimmten Ort führen. In Pilsen sei bloß eine Garnison von 200 Mann zurückzulassen. Andererseits solle Colloredo das in den Stellungen gegen die Lausitz zurückgelassene Regiment nach Prag kommandieren und es dort so lange in Bereitschaft halten, bis ein Befehl von Leopold Wilhelm eintreffe, mit dem es sich dann vereinigen solle.[772]
Ferdinand III. teilte Colloredo am 20.3. aus Regensburg mit, er sei im Besitz von Nachrichten, dass Banér sich von Cham fort bewegte und morgen früh in Furth im Wald[773] stehen und über den Gebirgspass nach Böhmen kommen könnte. Colloredo solle daher alles in voller Bereitschaft halten. An Borri sei bereits der Befehl ergangen, die Festung Königgrätz mit 300 Dragonern zu besetzen.[774]
Leopold Wilhelm hatte am 25.3.1641 aus Tirschenreuth[775] an Colloredo geschrieben: Am 21.3. habe er Banér bei Neuburg vorm Wald[776] eine Niederlage bereitet und viele Gefangene gemacht, wie aus beiliegender Liste hervorgehe. Er, L. W., werde ihm in der Oberen Pfalz weiter nachsetzen und am nächsten Morgen, spätestens nach Mittag, in Eger eintreffen. Daher solle Colloredo eine zureichende Proviantmenge für die Versorgung beider Armeen und eine größere Anzahl Infanterie als Verstärkung nach Pilsen und von dort nach Eger abkommandieren. Hinsichtlich des Proviants habe er eine gleich lautende Anweisung an Skuhrovský und die Statthalter von Böhmen erteilt, mit denen Colloredo Kontakt aufnehmen solle. Kanonen und Munition seien in ständiger Bereitschaft zu halten; er möge baldmöglichst melden, wie viel von beiden zur Verfügung stehe und wie viele Pferde er zur Beförderung brauchen werde.[777]
Am 22.5.1641 übersandte Colloredo Piccolomini die neuesten Nachrichten aus Konstantinopel über die türkischen Kriegsrüstungen und wahrscheinlichen Absichten sowie über Rákóczis Bemühungen um die Zustimmung der Türken zu einem Einfall in Ungarn: “Di Constantinopoli: Gli ottomanni si mettone al ordine, per non fare parole ma fatti; gli apparechi sono gagliardi, tanto per mare quanto per terra, ne si possiamo persuadere che il tutto sia indirizatto per impresa d’Asach,[778] come corre le voce, ma più tosto si suspetta, che vi siano più altri disegni. Et appariscono inditii, che la tempestà sia per cadere sopra Principe Mattia di Walachia, et che disposto o rovinato questo, sia per voltarsi il Turco verso Transilvania, per aggiuntare Rogozi [Rákoczí], quale non tralascia di mandare messi qui, sollicitando il gran Signore che voglia dare il principato di Transsilvania a suo figliolo, et a lui licenzia et aggiustamento di gente per entrare in Ungheria, et impadronirsi di quella Corona. La Porta pe´`o non vi acconsente per hora, dandoli solamente qualche speranza, in tanto Ragozi scrive di continuo al Versier grande pessime nuove di S. M. Cesea et con istigationi gagliardi di francesi et olandesi. Et per esser il gran Vesier mal affetto contro di noi, fà temere la rottura in Ungheria”.[779]
Schlick schrieb am 18.6.1641 vom Regensburger Reichstag an (vermutlich) Colloredo: Die Dauer der Wintereinquartierungen werde von den bisherigen 5 Monaten auf 4 reduziert, was sowohl für die kaiserliche Armee als auch für die kurbayerischen Truppen gelten solle. Er fügte hinzu, dass die Regimenter in Böhmen bislang 5 Monate in Winterquartieren verbrachten, während es im Reich nur 2 oder 3 Monate waren. Pistolen, Karabiner und anderer Bedarf sollen gegen Ersatz bei dem kaiserlichen Proviant- und Musterkommissar Binago beschafft werden. Die Schiffsbrücken müssten eilends errichtet werden.[780]
Aus seinem Hauptquartier „Dettleben“[781] wandte sich Leopold Wilhelm am 8.7.1641 an Colloredo und forderte 20.000 fl., Proviant und Artillerie an. Zur Beförderung der Kanonen und des Artilleriezubehörs solle man Schiffe verwenden, die zurückgeschickt würden. In Prag seien die dort befindlichen 6 Falkonen und 6 Falkonette zu belassen. Er äußerte sein Erstaunen darüber, dass er entgegen den Versicherungen und der ihm in Prag von Colloredo übergebenen Liste kaum die Hälfte des Proviants erhalten habe. Colloredo möge sich von Skuhrovský die Proviantrelation geben lassen und in dieser Sache Bericht erstatten.[782] Am 9.7.1641 schrieb Leopold Wilhelm aus „Dettleben“ an Colloredo, bei der Hauptarmee herrsche Mangel an Schanzzeug. Er solle es daher besorgen und der Armee auf dem Wasserweg zugehen lassen. Ferner möge er das Reitzeug für die Artilleriepferde, das unlängst aus Nördlingen[783] nach Pilsen beförderte Pferdegeschirr und auch die Artilleriepferde und Knechte, die Miniatti in Mähren erwerben und nach Prag befördern werde, zur Armee schaffen lassen.[784]
Schlick wandte sich am 13.8. wieder aus Regensburg an Piccolomini: Er halte es für sehr weise, dass Piccolomini Wolfenbüttel so gut versorgt hatte; der Feind wage es weder, die Stadt anzugreifen, noch sich im Feld zu stellen. Aus Westfalen sei die Nachricht von Hatzfeldts Angriff auf Dorsten eingetroffen. Er, Schl., erwarte die Besetzung der Stadt. Das Magdeburger Magazin werde aus Böhmen nicht nur mit Proviant, sondern auch mit Munition gut versorgt. Colloredo liefere regelmäßigen Nachschub aus Prag.[785]
Trauttmandorff teilte Piccolomini am 26.8. aus Regensburg mit, die Munitions- und Proviantlieferungen aus Böhmen für die Armee würden tadellos abgehen, da Colloredo die entsprechenden Anweisungen von Ferdinand III. erhalten habe. Der in Prag stattgefundene Landtag habe beschlossen, dass jeder Untertan im Königreich von Haus zu Haus einen und einen halben Strich Korn hergeben und auf eigene Kosten an die Elbe oder nach Prag bringen müsse; auch genaue Ablieferungstermine seien festgesetzt worden, nämlich der 16.9. und 16.10. des laufenden Jahres. Mit solchen die Versorgung, Geld und andere Dinge betreffenden Maßnahmen erreiche man, dass die Armee dort überwintern könne, wo sie stehe, und ihre Quartiere behalte und erweitere. Ferner teilte er ihm die von ihrem kecken Auftreten verschuldete Ausweisung der Vertreter Lüneburgs und Hessen-Kassels aus Regensburg mit.[786]
Im September unterrichtete Colloredo Hatzfeldt aus Prag über den Waffenstillstand zwischen Johann Georg I. von Sachsen und Generalleutnant Königsmarck sowie den schwedischen Vormarsch auf Böhmen, den kaiserlichen Angriff auf Krems,[787] das Erscheinen Torstenssons in Mistelbach[788] sowie die Schwierigkeiten in der Versorgung der Truppen mit Kleidung aus Mähren und Munition.[789]
Ferdinand III. schrieb Colloredo am 26.11. aus Wien, er solle die Proviant- und Munitionslieferungen an die Armee möglichst beschleunigen und Ochsenfuhren nach Leipzig und ins Feldlager nach Erfurt abfertigen, um Hatzfeldts Truppen vor Lebensmittelmangel zu bewahren; zur Beförderung in der Militärkleidung werde er weitere Anweisungen erhalten.[790] Ferdinand III. befahl Colloredo am 24.12.1641 aus Wien, dem Wunsch Leopold Wilhelms entsprechend solle die Militärkleidung auf dem Land- oder Wasserweg nach Dresden oder Leipzig zu befördern. Der mährische Rentmeister Nusser habe berichtet, dass er in den Monaten September und November viermal im Ganzen 3.392 Kleidungsstücke und am 10.12. nochmals 1.010 Stück nach Melník abgefertigt habe, wobei pro Mann mit einer Hose, einem Hemd, einem Paar Strümpfe und einem Paar Schuhe gerechnet werde; außerdem habe er weitere 5.250 Paar Strümpfe und Schuhe dorthin geschickt. Er, F., habe Nusser noch angewiesen, die auf die Gesamtzahl von 6.000 fehlenden Kleidungsstücke eilends nachzusenden.[791]
Vom 5.1. bis 27.1. gingen 29 Schreiben Colloredos an Piccolomini, die sich in der Hauptsache mit Fragen der Versorgung, Einquartierung und Verstärkung der kaiserlichen Truppen in Böhmen und Schlesien beschäftigten.[792] Im Januar 1642 korrespondierte Colloredo mit Hatzfeldt über die Unsinnigkeit der Belagerung Erfurts und dessen Marsch an den Niederrhein. Zugleich ging es um die Versendung von Kleidern aus Mähren nach Köln, von der Ferdinand III. Colloredo unterrichtet hatte.[793] Der Kaiser schrieb Colloredo am 9.1.1642: Seinen Brief vom 28.12. über die Beförderung der aus Mähren gekommenen Militärkleidung sowie der Munition und des Proviants habe er erhalten. Der mährische Rentmeister Nusser habe mitgeteilt, er wolle im Laufe von 2 bis 3 Wochen 1.600 restliche Kleidungsstücke nach Prag und Melník abfertigen; dorthin werde er gleichfalls 500-600 Stück Militärkleidung, die aus den vergangenen Jahren übrig blieben, sowie die bisher in Olmütz aufbewahrten Schuhe und Strümpfe abschicken. 750 Stück Militärkleidung seien bereits lieferfertig und könnten mit je 750 Paar Schuhen und Strümpfen aus Olmütz abtransportiert werden, sobald die erwarteten Getreidefuhren zurückkehrten.[794]
In diesem Februar informierte Colloredo Hatzfeldt über den kaiserlichen Vormarsch in Schlesien.[795] Colloredo berichtete Hatzfeldt im Juni dieses Jahres von der Eroberung von Schweidnitz[796] durch schwedische Truppen und deren Vormarsch auf Neisse,[797] Olmütz sei durch Torstensson erobert worden, Piccolomini stehe bei Iglau.[798] Nach der Niederlage bei Schweidnitz und den großen Verlusten an Artillerie und Munition existierte praktisch keine kaiserliche Streitmacht mehr. Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini versuchten die verstreuten Truppen zu sammeln. In diesem militärischen Vakuum konnten die schwedischen Reitertrupps bis auf vierzig Kilometer vor Wien vorrücken. Aber Torstensson war zu vorsichtig: Statt eines schnellen Sieges hätten ihm auch die Reste der kaiserlichen Armee unter dem fähigen Piccolomini den Rückzug und den Nachschub abschneiden können. So zog er sich mit dem Hauptteil seiner Truppen nach Sachsen zurück, um den schlecht bewaffneten Kurfürsten von Sachsen vor dem Eintreffen möglicher kaiserlicher Verstärkung zu besiegen.
Der schwedische Vormarsch in Schlesien setzte sich im Juli fort. Wie Colloredo Hatzfeldt mitteilte, seien die Prager Bürger bewaffnet worden. Brüx[799] werde belagert.[800]
Am 17.8.1642 schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Wietsch[801] an Colloredo, über die Ordnung seiner; C.s, Beziehungen als Militärstatthalter zu den Statthaltern in Böhmen. Er möge ferner die marschbereiten zwei Kompanien Zúñigas zur Armee abkommandieren, wo sie sehr benötigt würden.[802] Leopold Wilhelm informierte Colloredo am 22.8.1642 aus dem Feldlager vor Groß-Glogau: Seinen Brief vom 13.8. mit der Mitteilung von der Bereitstellung von 2.000 Kanonenkugeln und 100 q Schießpulver habe er erhalten. Das genannte Kriegsmaterial solle der Armee zugeführt werden, da es für die Operationen vor Glogau gebraucht werde; den Transport von Glatz nach Glogau würden Rueblands Soldaten besorgen. Er, L. W., habe auch beim böhmischen Statthalter Hilfe angefordert.[803] In diesem August hatte Colloredo Hatzfeldt zum Tod seines Bruders Franz von Hatzfeldt kondoliert und die Belagerung Glogaus durch kaiserliche Truppen erwähnt. Kaiserliche Truppen seien auf dem Vormarsch auf Olmütz, schwedische Verbände seien bei Krossen aufgetaucht.[804]
Im September unterrichtete Colloredo Hatzfeldt von der Eroberung Nordhausens[805] durch Königsmarck. Torstensson sei über Bunzlau[806] nach Löwenberg[807] gezogen.[808]
Leopold Wilhelm setzte Colloredo am 23.9. von seinem Hauptquartier Goldberg[809] aus von der Nachricht in Kenntnis, die er den Statthaltern in Böhmen zugeschickt habe und die sich auf die gegen die Lausitz gerichteten Bewegungen des Feindes sowie seine eigenen Gegenmaßnahmen beziehe. Colloredo solle so schnell wie möglich eine zureichende Proviantmenge für die Hauptarmee an die böhmische Grenze, vor allem nach Friedland[810] schaffen lassen.[811]
Am 29.9.1642 schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Feldlager bei Friedeberg[812] an Colloredo: Vorgestern sei er aus Hirschberg[813] ausgerückt und mit der Absicht, sich weiter gegen Friedland zu wenden, hierher nach Friedeberg zu kommen; sein Marsch habe sich jedoch verzögert, da die Armee auf den Tross warten musste, dessen Großteil wegen plötzlichen starken Nebels nicht weiter konnte; inzwischen aber hatte sich der Feind in Richtung Friedland in Marsch gesetzt. Seine Absichten seien noch nicht bekannt, es sei aber zu befürchten, er könnte seinen Vorsprung nutzen und sich auf Böhmen werfen. Colloredo solle unverzüglich Leitmeritz,[814] Melnik[815] und Brandeis[816] besetzen lassen, um die Schweden an einem Elbe-Übergang zu hindern.[817] Aus seinem Feldlager bei Friedland teilte der Erzherzog Colloredo am 30.9. mit, dass er von Friedeberg nach Friedland gezogen sei; über die Pläne des Feindes sei noch immer nichts bekannt. Er wiederholte seine Befehle vom 29.9., die Elbe-Übergänge zu befestigen und die Armee mit allem notwendigen Proviant zu versorgen.[818]
Colloredo teilte Hatzfeldt im Oktober mit, kaiserliche und schwedische Truppen ständen sich bei Zittau gegenüber.[819]
Am 8.10. schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier bei Grafenstein[820] an Colloredo: Ohne Zweifel werde ihn der Kaiser von der Absicht des Feindes, in Böhmen einzufallen, und von den notwendigen Gegenmaßnahmen bereits informiert haben; auch werde ihm der kaiserliche Befehl an Enckevort bekannt sein, sich mit den bei Olmütz liegenden böhmischen und oberösterreichischen Truppen nach Böhmen zu wenden, wohin auch die vier in Österreich angeworbenen alten Kompanien kommen sollen, um dort seine, Leopold Wilhelms, Befehle abzuwarten. Jetzt solle das gesamte Kriegsvolk gegen Bunzlau vormarschieren, und Colloredo solle es mit Proviant versorgen. Es sei ihm ferner bekannt, dass sich im Königreich Böhmen eine Menge verschiedenster Deserteure herumtreibe; daher sollen Profosse mit einer gewissen Anzahl von Soldaten ausgesandt werden, um dieses Gesindel einzufangen und das Land von ihnen zu säubern. Der Kaiser habe erfahren, dass Königsmarck angeblich mit 1.300 Reitern und 700 Infanteristen bei Saalfeld stehe und mit Torstensson den gemeinsamen Vormarsch nach Böhmen abspreche. An Suys sei der Befehl ergangen, dem Feind sofort nachzusetzen, wenn sich dieser nach Böhmen wenden wollte. Colloredo möge über alle feindlichen Bewegungen Bericht erstatten.[821] Diese unangenehme Aufgabe wurde dann Enckevort übertragen, denn in einem weiteren Schreiben des Erzherzogs, der noch bei Grafenstein lag, vom 13.10. an Colloredo hieß es: Er bestätigte den Empfang seines Briefes vom 10.10. In Sachen der Deserteure und des herumvagabundierenden Kriegsgesindels habe er nicht nur Obrist Corona angewiesen, sie zurück zur Armee zu führen, sondern den destinierten Profoss mit seinen fünfzig Reitern und Obrist Enckevort den Befehl erteilt, die Deserteure zu fangen. Die von ihm, C., an der Elbe zusammengezogenen Einheiten Henderson, Bourré, Borri und Gonzaga sollen bei Leitmeritz aufgestellt und in ständiger Bereitschaft gehalten werden. Enckevorts abgesessene Reiter sollten bis auf weitere Ordre in Böhmen belassen und mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Laut kaiserlichem Befehl sollen die Verhaue in Stand gehalten, die böhmischen Grenzübergänge gesperrt und bewacht werden. Als Beilage sandte er ihm die Kopie eines kaiserlichen Schreibens, in dem er Enckevorts Mitteilung vom 9.10. vom Marsch seiner Armee gegen Mährisch-Trübau[822] bestätigte und ihm einen weiteren Marschbefehl gegen Pardubitz und Turnau[823] erteilte, wo er Leopold Wilhelms weitere Befehle abwarten sollte; alle durchs Land streifende Parteien, die der Bevölkerung ungeheuren Schaden zufügten, seien zusammenzufangen; dasselbe gelte für die übrigen Soldaten, sofern sie sich nicht mit einem von Leopold Wilhelm oder Piccolomini ausgestellten Pass ausweisen könnten.[824]
Am 18.10. ging ein erneutes Schreiben des Erzherzogs aus Grafenstein an Colloredo: Er habe den Befehl erteilt, die unweit von Leitmeritz in Böhmen logierenden Truppen Borri, Bourré, Henderson und Gonzaga so zusammen zu ziehen, dass sie jederzeit schnellstens zur Hauptarmee abberufen werden könnten. Ihre Quartiere werde das vom Feind übel zugerichtete Dragoner-Regiment Gallas beziehen, um sich zu erholen und für den weiteren Einsatz zu rüsten. Es folgte eine Liste der bei Grafenstein liegenden Männer und Offiziere des Dragoner-Regiments Gallas.[825] Zwei Tage später erhielt Colloredo von ihm beim Ausmarsch aus Grafenstein neue Anweisungen: Leopold Wilhelm sei im Besitz von Nachrichten darüber, dass der Gegner an Bautzen[826] vorbei gegen Kamenz[827] ziehen wolle. Colloredo solle daher für die Zusammenziehung nach Tetschen[828] und die Kampfbereitschaft der in Böhmen liegenden Regimenter Borri, Bourré, Henderson und A. Gonzaga sorgen. Diese Truppen sollten dann von Tetschen entweder zur Armee oder zum Kurfürsten von Sachsen abkommandiert werden.[829]
Am 22.10. bekam Colloredo vom Erzherzog aus dessen Hauptquartier hinter Bautzen neue Befehle: Er erhielt in Kopie die am 21. und 22. in Löbau[830] und hinter Bautzen erteilten Befehle an Enckevort und dessen vier niederösterreichischen alten Kompanien, an Graf Zrinski und dessen neu angeworbenes oberösterreichisches und ungarisches Kriegsvolk, an Graf Schlick, Burian Ladislav von Valdštejn und dessen böhmische Infanterie- und Kavallerietruppen und an den Hauptmann des Kreises Königgrätz. (Enckevort sollte das neu angeworbene böhmische Fußvolk und die Reiterei zur Verteidigung der befestigten Orte in Böhmen und die Rückführung der vagabundierenden Rotten an Burian Ladislav von Valdštejns Oberbefehl übergeben. Enckevort selbst sollte sich mit vier alten niederösterreichischen Kompanien und dem neu angeworbenen oberösterreichischen Kriegsvolk auf weiteren Befehl
marschbereit halten. Zrinski und seine ungarische Reiterei sowie Schlick und seine niederösterreichische Truppe sollen sich zur Hauptarmee aufmachen. Valdštejn soll die alte Garnison des Schlosses Friedland samt dem Kommandanten gegen Leitmeritz oder Tetschen in Marsch setzen, wo sie zur Hauptarmee stoßen werden. Nach Friedland selbst solle er eine 80 Mann zählende Garnison mit tüchtigen Kommandanten aus seinen neu angeworbenen Truppen legen: Ebenso solle er die alte Garnison von Grafenstein samt den Kommandanten mit den Truppen Gonzagas vereinigen. Grafenstein solle mit 140 bis 150 Mann der neu angeworbenen böhmischen Truppen besetzt und 100 Pferde dort gelassen werden. Die von Zittau kommenden Deserteure und Vagabunden sollen zusammengefangen werden. Mit dem übrigen neu angeworbenen böhmischen Volk seien Leitmeritz, Melník und die anderen Orte zu besetzen, die bisher von den Truppen Bourré, Borri, Henderson und Gonzaga gehalten wurden. Die Grenzen sollten mit Reiterei besetzt und 200 Pferde an die Übergänge von Böhmen nach Zittau kommandiert werden, um die feindlichen Streifen aus Zittau nicht durchzulassen. Die Leibgarde des Grafen Vrbno solle er gleich nach ihrer Ankunft in Böhmen zu Obrist Ruebland nach Glatz kommandieren. Sämtliche Salvaguardien und anderes in Böhmen zerstreutes Kriegsvolk, das zur Hauptarmee gehöre, seien unverzüglich zu dieser abzukommandieren und das Land mit Salvaguardien aus eigenen Truppen zu versehen.).[831]
Am 28.10.1642 schrieb Colloredo aus Prag an Piccolomini: Die Landesbereitschaft sei aufgeboten worden, doch sollten seiner Meinung nach Eger, Tetschen und Glatz wegen ihrer wichtigen Stellung von altgedienten Soldaten besetzt werden. Mit der Landesverteidigung sei Maximilian von Waldstein beauftragt worden. Auch die Weimarer marschierten gegen Eger, ihren Einfall aus der Oberen Pfalz nach Böhmen werde aber das Regiment Wahl und 700 bayerische Reiter verhindern. Im Norden seien die Abwehrtruppen zwar von Böhmen nach Pirna verschoben worden, doch der schwedische Vormarsch sei nicht aufgehalten worden und die kaiserlichen Armeen wichen aus Deutschland nach Böhmen zurück. In Melnik, auch in Österreich und in Mähren befänden sich große Mehlvorräte für die Armee.[832]
Der Hofer[833] Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] beschreibt die Vorgänge vor und während der 2. Schlacht bei Breitenfeld[834] am 2.11.1642, in der Colloredo verwundet wurde: “Den 24. oct[obris] hatten seiner kayserlichen Mayestät nach Leipzig[835] einen conventtag[836] ausgeschrieben, alda zu tractiren[837], wie die schwedische als der reichsfeind von dem reichsboden zu bringen sein, und war kayserlicher legatus,[838] ihro gnaden aber der andere jüngere herr von Reuß[839] von Gerau, ingleichen auch fürsten albereit im anzuge begriffen und dahin zu reisen würcklich gefaßet. Alleine es wurde dieser tag bei zeiten zu wasser, maaßen die ganze schwedische armee aus Schlesien in anmarsch begriffen und ihren weg durch das Churfürstenthum Sachsen genommen. Die kayserlichen folgeten ihnen auf eine tagreise weit auf dem fuße nach. Torstensohn aber, der schwedische general, hat seine armee bey Torgau[840] über die Elbe und den 21. october nahe bei Wurzen[841] über die Muldau[842] gebracht. Dann es muste jedesmalen ein regiement reuther ein regiement zu fuß abholen [p. 208] und hinter sich zu pferde setzen. Worauf endlich den 22. october der völlige marsch recta[843] auf Leipzig gegangen, welche stadt sie in der grösesten furie[844] angefallen, aufgefordert und endlich die stücke gegen sie gepflanzt[845] und in zeit von 2 stunden eine ziemliche breche[846] gemachet, darauf aber den sturm angeordnet. Weilen aber ein ziemlich hoher thurn[847] neben solcher breche,[848] so von dem canonirern beschädiget war, eingefallen und solches loch der breche wiederum verstopfet und verschüttet, unterdeßen aber die kayserlichen völcker sich immer mehr und mehr näherten, so daß die partheien einander schon zu unterschiedlichen malen getroffen, so hat der general Torstensohn die belagerung eilend aufgehoben, das lager anzünden und noch selbigen abends die völcker gegen Dölitsch[849] zu marchiren laßen. Dadurch die kayßerliche in den wahn gerathen, als ob der feind zu stehen nicht getraue und sich nicht genugsam im stande befände. Als er aber den breiten plaz, Breitenfeld[850] genandt, nahe bey dem dorfe Budelwiz[851] eine meile[852] von Leipzig erreichet (alda anno 1631 den 7. septembris die grose hauptschlacht zwischen denen römisch-kayserlichen und königlich schwedischen, auch chursächsischen völckern vorgegangen), so hat er sich gesezet, die armee en ordre de bataillie[853] gestellet, auch die nacht zu schanzen und batterien[854] zu machen angewendet. Und obwohl seine kriegsräte und obristen ihm solches wiederrathen und sich an einen sicheren und bequemen ort, da man [...] eine vortheilhafte retirade[855] haben könnte, ermahnet, so ist er auch [auf; BW] seiner einmal doch gefasseten resolution[856] bestanden und geantwortet, er wolle da stehen, da der könig, sein herr, ehemalen gestanden und glüklich viktorisiret[857] hätte. Die kayßerlichen, so zwar den abend zuvor auch durch die Muldau[858] gesezet, aber bis über den gürtel im waßer waten müssen, welches dieselbe im fechten sehr beschwerlich gewesen, haben gleichfalls nicht gefeiert,[859] sondern sich gleich in der nacht ebenfalls gestellet und die partheyen gegen die feinde avanciren[860] lassen und in aller frühe annoch in dämmerung mit aller macht den 29. november[861] an dieselbige gesezt und in schlachtordnung angesezt, auch sich so wohl gehalten, daß der sieg anfänglich für die kayserliche favorabel,[862] für die schweden aber sehr [p. 209] müßlich[863] angelaßen. Indeme aber der schwedische rechte flügel bereits zurücke getrieben und in einige disordre[864] gebracht worden, auch dem herren general Torstensohn ein schößlein vom belz[865] hinweggeschoßen, auch sonsten vieles volck eingebüßet worden ist. Allein als der kayserliche lincke flügel von einem haufen schwedischer musquetirs, so in einem dorfe[866] versteckt gewesen, attaquiret worden, in dem rücken ihme starcke salven gegeben, so wurden hierdurch die kayserlichen in große confusion[867] und folgend darauf gänzlich in die flucht gebracht, darüber sodann alle munitionwägen, 48 grose und kleine [...] stücke[868] verlohren geggangen. Ja, es ist fasr die ganze infanterie auf dem plaz geblieben, welches alles die schweden neben 28 fähnlein und 71 estandarten,[869] 7000 pferden, des Erzherzogs durchlaucht wie auch denen anderen generalspersonen gehörig kriegscanzleygeld, silber und cammergeschirr[870], ihro durchlaucht betten und zelt, welches Torstensohn um 3000 thaler von seiner soldaten einem an sich erkaufet, in summa ein groß guth erobert, und solches treffen keine 3 stunden in allem gedauert. Das wort auf der auf der kayserlichen seiten ist gewesen: “Maria hilf !”, auf der schwedischen seiten aber: “Jesu Christi hilf !” Diese niederlage ist für den grösesten verlust derer kayserlichen, welchen sie noch jemalen in diesem kriege gehabt, gehalten worden. Auf kayserlicher seiten wurde 3000 mann auf der wahlstadt[871] gezehlet. Ihro hochfürstliche durchlaucht Erzherzog Leopoldus hatten sich zwar tapfer gehalten und heroisch gefochten, es wurden ihm währenden treffen von 4 schweden die kette vom leibe gerissen, ist auch von einem schuß verlezt worden, ist sodann mit wenig gütern gegen Dreßden[872] gezogen und hat sich in Bremen[873] salviret[874], alwo er hernachmalen bei Rackenau[875] in die 1600 mann an sich gezogen und zusammengebracht. Der obrist Collredo [Rudolf von Colloredo; BW], [...] Pompejus [Tommaso Pompeio; BW], Graf Buchheim [Hans Christoph III. von Puchheim; BW] sind alle drey verwundet nach Altenburg[876] kommen und von seiner fürstlichen gnaden daselbst nach Zwickau[877] convoiret worden. Der general Picolomini und Don Hannibal Gonzago [Gonzaga; BW] aber sind nach Leipzig gekommen.
An todten sind gewesen:
1. herr generalwachtmeister Graf Broy [Albert Gaston Spinola Graf von Bruay verstarb erst 1645; BW],
2. herr generalwachtmeister Paron de Soye[878] [Achilles Baron de Soye; BW]
3. obrister Münster [Christian von Münster; BW]
4. obrister Nicolao [Lorenzo Nicola de Neyvel; S. 210; BW]
5. obrister Wannß [Johann von Wintz; BW]
An gefangenen sind gewesen:
1. generalfeldzeuchmeister Comte de Soye [Ernst Roland, baron de Grysort, Graf von Suys (Soise); BW]
1. obrist Wangenheim [Friedrich Luwig von Wangenheim; BW],
3. obrist Ranff, [Johann Christoph Ranfft von Wiesenthal (1599-1660); BW]
4. Don Felix [de Zuniga; BW],
welche alle auf Erfurth,[879] die generals auf einer kutschen, dir[880] anderen officiers aber auf rüstwägen,[881] sind geführet worden. haben daselbsten bei dem thor absteigen und zu fuß hineingehen mßen. Daselbst ein danckfest gehalten und die stücke gelößet[882] worden.
Auf derer schweden seiten sind geblieben und verlohren worden in und bei dieser schlacht:
1. generalfeldzeuchmeister Lilienhoeck [Johan Liliehöök, BW]
2. generalmajor Schlangen [Erik Klarson Slange; BW] [...]
3. obrist und assistenzgeheimderrath Biber [N. Bibo, BW]
4. obrist [Hans Heinrich von; BW] Schlieben
6. obristlieutenant Stinz [wahrscheinlich Anton King; BW],
7. obristlieutenant Tozky [Tortz, Trotzig; BW]
8. capitain Banner [Obrist Banér von Banér zu Fuß ?, geriet allerdings in Gefangenschaft; BW],
9. capitain Montaigne [N. Mortaigne; BW]
10. capitain Manß Person [Måns Pierson; BW].
Der generalmajor Stollhanß [Torsten Stålhandske; BW] verfolgete die victorie und gienge denen flüchtigen bis in die bergstädte nach. Der generalmajor Königsmarck aber gienge in die Schlesien, und war dazumal die französische oder weimarische armee auch im anzuge und befande sich kurz darauf in Sangerhausen“.[883]
Leopold Wilhelm schrieb am 4.11.1642 aus Zehista[884] nach der vernichtenden Niederlage der Kaiserlichen bei Breitenfeld an Colloredo, erhaltenen Nachrichten habe er entnommen, dass der Feind seine Artillerie und Königsmarcks Stab bei Leipzig zurücklassen und mit der Reiterei in Richtung Freiberg vorrücken werde. Er, L. W., habe beschlossen, mit der Armee nach Rosenthal,[885] dann nach Tetschen und nach Übersetzen der Elbe in Richtung Böhmisch Leipa,[886] Jung-Bunzlau und Pardubitz zurückzuweichen. Das Wichtigste sei nun, Eger, Elbogen, Pilsen, Tabor und Budweis mit sämtlichem in Böhmen befindlichen Militär zu besetzen und sie mit Proviant und allem Notwendigen ordentlich zu versorgen.[887] Leopold Wilhelm betraute am 6.11. aus Minkowitz[888] Colloredo mit dem Militärkommando in Prag und der Verteidigung der Stadt.[889] In einer Mitteilung Leopold Wilhelms aus Pilsen vom 5.12.1642 für Colloredo hieß es, dass Gonzaga an Stelle des von den Schweden gefangen genommenen Feldzeugmeisters Suys zum Kommandanten der kaiserlichen Feldartillerie ernannt worden sei; er solle nach Prag kommen, um mit den Aufgaben betraut zu werden. Colloredo möge ihn in allem entgegen kommen.[890]
Am 10.12.1642 schrieb Leopold Wilhelm aus Pilsen an Colloredo: Laut Berichten der Kommandanten aus Zwickau habe der Feind durch Akkord am 6.12. Stadt und Schloss Leipzig übernommen – auch Hatzfeldt war in diesem Monat von Colloredo über die Beschießung und Übergabe der Stadt informiert worden[891] – . Somit sei es nicht ausgeschlossen, dass er während des Winters gegen Prag vorrücken werde. Colloredo solle daher die Verteidigung Prags nicht aus den Augen lassen und seine Truppen in ständiger Bereitschaft halten, um sie im Falle plötzlichen Notstands so rasch wie möglich nach Prag zusammenziehen zu können. Sollte sich der Feind der Stadt nähern, solle Colloredo melden, wieviel Kavallerie er in Prag unterbringen und wie lange er sie unterhalten könne.[892]
W. E. von Lobkowitz berichtete noch am 17.12.1642 aus Prag dem Reichshofrat Dr. Justus von Gebhardt und entschuldigte sich für die schlechten Informationen, die er ihm über Leipzig erteilt habe, Colloredo habe ihn dazu verführt. Verhängnisvoll habe sich der von Joachim von Schleinitz und August Adolf Trandorf schlecht abgeschlossene Akkord ausgewirkt, beide seien beim Kurfürsten in Ungnade gefallen und angeblich im Gefängnis. Über den Feind sei derzeit nicht viel bekannt. Leopold Wilhelm befinde sich in Tepl oder in Pilsen, seine Rückkehr hierher sei ungewiß.[893] Colloredo hatte Hatzfeldt in diesem Monat von der Reise des Erzherzogs über Prag nach Wien informiert.[894]
Leopold Wilhelm wandte sich am 18.1.1643 aus Pilsen an die obersten Beamten in Böhmen: Aus dem Schreiben Colloredos an Piccolomini habe er erfahren, dass Colloredo zum Schutze Prags 2.000 Mann Infanterie von Hatzfeldts Truppen abkommandierte, die sich bei Königsaal konzentrieren sollen. Er, L. W., habe ferner befohlen, dass die jetzt bei Tabor liegenden 1.000 Infanteristen so schnell wie möglich zu jenen stoßen sollen. Sie, die obersten Beamten, sollen für das bei Königsaal[895] liegende Militär aus den umliegenden Dörfern oder aus Prag noch vor der Bewilligung der Getreidekontribution durch den Landtag Getreidevorräte beschaffen.[896]
Am 5.2.1643 teilte der kaiserliche Sekretär Schröder aus Prag Piccolomini mit: Damit die Armee nicht ohne Oberbefehlshaber bleibe, habe der Kaiser für die Zeit der Abwesenheit Piccolominis und seines Dienstes in Spanien den Grafen Colloredo zum – vorläufigen – Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee ernannt,[897] denn mit Gallas wurde ja noch verhandelt. Bereits am 6.2. wandte sich Piccolomini aus Brüx[898] an Colloredo: Er sei in Sachen seines spanischen Dienstantritts nach Wien geladen worden, müsse noch vor seiner Abreise mit Colloredo gewisse dringende Armeefragen besprechen und schlage als Ort ihrer Zusammenkunft Plauen vor.[899]
Am 6.2.1643 schrieb Piccolomini aus Brüx an Leopold Wilhelm: Der Kurfürst von Sachsen habe den Mut der Verteidiger Freibergs durch Zusicherung baldiger Hilfe gestärkt. Die Schweden steigerten ihr Bemühen, die Stadt noch vor dem Anmarsch der kaiserlichen Armee zu erobern. Heute sei ein Kurier aus Freiberg nach Brüx gekommen und habe wissen wollen, ob die Stadt sich weiterhin wehren solle und auf Hilfe hoffen dürfe. Er habe ihn seiner baldigen Hilfe versichert. Den Feldzug bereite er im Einverständnis mit Colloredo vor. Zugleich würden die Schweden in Mähren angegriffen, wohin er das Regiment Sperreuter abkommandiert habe. Er arbeite mit den Statthaltern in Prag und Mähren zusammen.[900] Am 9.2. schrieb Piccolomini an einen ungenannten spanischen Gesandten, sehr wahrscheinlich aber Salamanca: “Sua Maestà Cesarea mi ha comandato, ch’io vengo quanto prima a Vienna, però senza detrimento al suo imperial servizio, ed intanto m’ha ordinato di vedermi col Conte Colloredo e d’incaricargli il commando, ma egli non ne vuol saper niente. Io temo che in queste congionture io restarò qua, attacato, non per altro, se non per necessità perchè non habbia chi mandarei o chi ci voglia servire. Io non vorrei esser necessitato a pigliar esempio dalla disubbedienza degli altri, havendo sempre obbedito al Padrone con ogni puntualità e prontezza. Ma richiedendomi il Re con dimonstrazione di tanta clemenza io sono resoluto di eseguire la sua volontà. Se io resto qua non potrò servire qua nè là. Io ne ho voluto dar parte a V. E. acciò possi pensare a trovare remedio”.[901]
Piccolomini wandte sich am 13.2. aus Brüx an den Erzherzog: Er habe lange Zeit keine Antwort auf seine Anforderung eines Marschbefehls gegen Freiberg erhalten, obgleich er dargelegt hatte, dass ein Einsatz Freibergs im Interesse der Verteidigung Böhmens liege. Sollte Freiberg fallen, wäre dem Feind der Weg nach Meißen und in die Obere Pfalz offen und er könnte sich mit den Weimarern und Franzosen vereinigen. Die Feinde bedrohten nämlich auch Eger. Er habe darüber an Trauttmansdorff geschrieben und Colloredo um Rat gebeten. Dieser sei am 9.2. nach Laun[902] gekommen und man habe sich über die Maßnahmen zur Verteidigung Böhmens geeinigt. Einiges Kriegsvolk habe er mit Colloredo nach Prag schicken lassen, mit den übrigen werde er nach Freiberg ziehen.[903]
Piccolomini schrieb am 15.2. aus Brüx an Leopold Wilhelm und versprach, die Aufgabe, mit der ihn Ferdinand III. und Leopold Wilhelm betrauten, nämlich Freiburg Hilfe zu bringen, gewissenhaft zu erfüllen. Er habe Colloredo benachrichtigt, dass alles für seine, C.s, Kommandoübernahme vorbereitet sei, da er sich selbst nach Beendigung dieses Unternehmens zu Ferdinand III. und Leopold Wilhelm begeben werde.[904] Am 20.2. schrieb Leopold Wilhelm aus Wien an Colloredo, er habe Piccolomini angewiesen, Freiberg so schnell wie möglich zu entsetzen. Sicher werde Colloredo laut letztem Schreiben vom 17.2. jenem die restliche Artillerie und Infanterie als Hilfstruppe nachgeschickt haben; nun verlange Piccolomini die Abkommandierung weiteren Fußvolks aus Prag. Er, L. W., habe erfahren, dass 600 Mann des österreichischen Heeres am Vortag über Iglau anmarschiert seien und jetzt in der Umgebung von Caslau stehen; diese Truppe solle er möglichst schnell als Ersatz für die abkommandierten Soldaten nach Prag führen.[905]
Am 10.3. informierte der Erzherzog aus Wien Colloredo: Er sei auf eigenen Wunsch vom Kaiser des Amts des Oberbefehlshabers der Armee entsetzt worden. Seine Infanterie-Leibgarde sei laut kaiserlichen Beschluss als Anerkennung seiner Verdienste an Colloredo übergeben worden.[906] Im März 1643 war Colloredo als untauglich für das Oberkommando des Heeres befunden worden.[907]
Ferdinand III. wandte sich am 13.3. an Colloredo, eingegangenen Nachrichten zufolge sei der Feind im Begriff, die Elbe zu überschreiten und werde wahrscheinlich versuchen, über den Bunzlauer oder Leitmeritzer Kreis in Böhmen oder in Schlesien einzufallen. Daher habe er alles Nötige bei Piccolomini eingerichtet. Colloredo solle die Königgrätzer Besatzung mit nahe liegender Infanterie verstärken; wenn keine zur Verfügung wäre und wenn er von ihm, Ferdinand, die Nachricht erhielte, dass der Feind tatsächlich die Elbe überschritten habe, dann solle er aus Stadt und Kreis Pilsen Militär nach Königgrätz abkommandieren.[908] Bereits einen Tag später schrieb der Kaiser Colloredo, er sei entschlossen, zur Rettung des vom Feinde bedrohten Römischen Reichs, der Erbkönigreiche und Erbländer selbst ins Feld zu ziehen. Da die Kriegskosten sehr hoch seien, müsse er dem Land eine 6%-ige Kriegsanleihe von 2.000 Gulden auferlegen.[909]
Am 18.3.1643 schrieb der Kaiser an Rudolf von Colloredo: Er habe den Befehl erteilt, in Königgrätz[910] und Pardubitz[911] Proviantmagazine für den kommenden Feldzug zu errichten. Daher müssten beide Städte gut besetzt und verstärkt werden. Colloredo solle beide Orte mit einer ausreichenden Mannschaft versehen. Ferner solle Ladislav von Waldstein aus seinem Regiment einen Konvoi zum Schutz der von Graf Sezima von Wrtba abgefertigten Proviantfuhren so bilden, dass sowohl die sichere Hinfahrt als auch die ungehinderte Rückkehr von Wagen und Pferden gesichert sei. Zu diesem Zweck solle auch Graf Wrtba eine gewisse Anzahl von Reitern aus seiner Kompanie zur Verfügung stellen.[912]
Der Kaiser hatte Colloredo am 22.3.1643 informiert, Gallas habe sich von seiner Krankheit, deretwillen er seinerzeit um Urlaub angesucht hatte, erholt und sei wieder mit dem Oberbefehl über die Hauptarmee und alle anderen Corps betraut worden. Colloredo solle mit Gallas Kontakt aufnehmen und ihm in allem, insbesondere in der Landesverteidigung, entgegen kommen.[913]
Ein weiteres Schreiben des Kaisers an Colloredo datiert vom 23.3.1643: Seinen Vorschlag betreffs der Einquartierung der Armee, die vor dem Feind nach Böhmen zurückweichen musste, habe er zur Kenntnis genommen. Colloredo werde der beigelegten Kopie seines kaiserlichen Befehls an die böhmischen Statthalter seine Absicht entnehmen können. Er solle alle seine Kräfte in den Dienst der von ihm geforderten Aufgaben stellen und mit Gallas, der sich am heutigen Tag zur Armee begeben habe, mit Piccolomini, den Statthaltern in Böhmen und insbesondere mit dem Grafen Wrtba in Verbindung treten. Beigelegt war ein kaiserliches Schreiben gleichen Datums, Wien, an die Statthalter in Böhmen. Laut eingegangenen Nachrichten habe der Feind sein Hauptquartier in Sonnenwalde[914] in der Lausitz aufgeschlagen, wo er Stålhandskes Anmarsch erwarte und scheinbar ein Unternehmen gegen Schlesien oder Böhmen plane. Darum habe er, F., der zum Entsatz Freibergs in Marsch gesetzten Armee den Rückmarsch nach Böhmen und die Beziehung der ihr vor kurzem von der böhmischen Hofkanzlei zugewiesenen Quartiere anbefohlen. Das Militär solle in den unteren Moldaukreisen sowie beiderseits der Elbe, also in den Kreisen Leitmeritz, Königgrätz, Kouřim, Chrudim und notfalls auch Časlau untergebracht werden, um so schnell wie möglich zusammengezogen und ins Feld geschickt werden zu können. Die angeführten Kreise würden allerdings mit eigenen Mitteln ein so zahlreiches Heer nicht unterhalten können; deshalb müssten die nicht besetzten Kreise in die soeben in Königgrätz und Pardubitz errichteten Magazine eifrig Korn einfahren. Die Statthalter seien angewiesen, rechtzeitig alle Vorbereitungen zu treffen und sich sowohl mit Piccolomini als auch mit Gallas zu verständigen. Letzterer habe soeben Wien verlassen, um sich des Oberbefehls über die Armee anzunehmen. Den Grafen Colloredo und Wrtba sei bereits bedeutet worden, sich zu Beratungen mit Piccolomini in Leitmeritz einzufinden.[915]
Am 27.4.1643 wandte sich der Kaiser erneut an Gallas: Seinen Briefen vom 25. und 26.4. habe er entnommen, dass sich der Feind mit allen Streitkräften in Marsch gesetzt, mit seiner Vorhut bei Turnau[916] schon die Grenze überschritten habe und weiter gegen Gallas’ Armee oder gegen Prag zu ziehen beabsichtige. Er erwarte Nachrichten über die feindlichen Bewegungen und über Gallas’ Vorkehrungen zur Abwendung des feindlichen Einfalls. Er habe die königlichen Statthalter in Prag sowie Feldmarschall Colloredo bereits gewarnt und sie aufgefordert, zur Verteidigung der Stadt Prag mit Rat und Tat beizutragen und die Prager Soldaten, Bürger und Studenten zur Hilfe heranzuziehen.[917]
Am 1.5.1643 wandte sich der in Prag wohl nicht besonders beliebte Colloredo an den Kaiser: Er bestätigte den Erhalt des Befehls vom 27.4. und versprach, Prag unter allen Umständen gegen den Feind verteidigen und etwaige plötzliche Überfälle durch feindliche Truppen abwenden zu wollen. Würde er mit vollem Verfügungsrecht in Militärsachen betraut, mit geeigneten Mitteln ausgerüstet und wären die Kreis- und Stadthauptleute in Militärsachen auf ihn angewiesen, dann könnte er für alles die volle Verantwortung übernehmen. Auf eine Verteidigung Prags durch Bürger- und Studentenschaft könne er sich überhaupt nicht verlassen. – Dass diese jedoch sehr effektiv sein konnte, zeigte sich beim Überfall Königsmarcks auf die Prager Kleinseite im Sommer 1648, als eben nicht Colloredo die Befehle gab. – Er sei überzeugt davon, dass sich die Bürger beim Heranrücken des Feindes außerhalb von Prag in Sicherheit bringen und einen Angriff erst gar nicht abwarten würden. Die Studenten eigneten sich besser zur „Comedien“ als zur Verteidigung. Trotzdem habe er ihnen die Bildung eigener Kompanien anbefohlen. Auch auf das angeworbene Fußvolk und die Reiterei sei kein Verlass, wie sich jüngst bei Jung-Bunzlau gezeigt habe, wo der Feind leicht hatte durchbrechen können. Die Grenzpässe müssten unbedingt militärisch besetzt werden; nur so werde man die aus Erfurt, Chemnitz, Torgau und Zittau heranmarschierende feindliche Armee an einem Eindringen in Böhmen hindern können. Königsmarck sei vor drei Tagen mit drei Regimentern bei Torgau gewesen, man wisse aber nichts über seine Pläne. Er, C., wolle selbst ein neues Regiment aufstellen und zur Landesverteidigung einsetzen; Soldaten und Offiziere würde er teils unter der Prager Bürgerschaft aufteilen, teils zum Schutz der Grenzpässe abkommandieren. So könnte es gelingen, die Verbindung zwischen den einzelnen feindlichen Abteilungen abzuschneiden. Er habe sich darüber bereits mit Gallas beraten und diesen um Abkommandierung der angeworbenen Reiter ersucht.[918] Am selben Tag ging ein weiteres Schreiben an den Kaiser: Soeben eingetroffenen Nachrichten nach stehe Torstensson mit der feindlichen Armee noch immer bei Münchengrätz,[919] sei aber in voller Bereitschaft. Man wisse nichts Bestimmtes über seine nächsten Ziele; den einen zufolge wolle er weiter ins Gebirge, den andern nach gegen Prag ziehen. Die Elbe-Übergänge seien so gut wie möglich gesichert worden. Das in Eger liegende Regiment Goldacker sei angewiesen worden, sofort 100 Mann nach Prag zu schicken. Ein feindlicher Versuch, Prag anzugreifen und die Elbe zu überschreiten, werde auf den Widerstand von 1.200 bis 1.300 Mann stoßen und die Bürger würden auch helfen. Der Aussage eines Gefangenen habe man entnommen, dass Torstensson zwar nach Mähren marschieren, seinen Weg dorthin aber über Schlesien nehmen werde. Er erwarte angeblich 7.000 Mann Hilfstruppen aus Siebenbürgen, die sofort bei Torstenssons Anmarsch an die ungarische Grenze marschieren sollen.[920]
Am 3.5. schrieb Gallas Ferdinand III. aus Königgrätz: Der Großteil des Kriegsvolks stehe marschbereit bei Schweidnitz; ob auch die Truppen aus Frankfurt/Oder, Guben[921] und anderen Orten kommen, wisse er noch nicht. Ein Kornett des Regiments Bruay, der den Feind auskundschaften ging, sei sowohl mit Beute als auch mit 25 Gefangenen zurückgekommen; diese seien dann in kaiserliche Dienste übernommen worden. Es herrsche Mangel an Artilleriebedarf, doch werde er binnen 14 Tagen hoffentlich behoben sein. Im Postskriptum teilt er mit, dass der Feind ohne Unterlass starke Spähtrupps in Böhmen einfallen lasse. Darum habe er beschlossen, dem Grafen Colloredo 2 Regimenter und die Leibkompanie des Generalkommissärs von Wrtba zur Verfügung zu stellen. Diese sollten die Grenze besetzen und sie befehlsgemäß von Leitmeritz ab längs des Gebirges bis nach Eger gegen diese Einfälle schützen; zugleich sollten sie laufend über den Feind Bericht erstatten.[922] „Wier einmal hatte es Gallas dabei nicht leicht mit den Verantwortlichen an der Moldau. Bei den offensichtlich eintretenden Koordinationsproblemen zwischen dem Hauptquartier und Prag, fühlte sich mitunter auch Ferdinand bemüßigt einzugreifen: dieweill wier aber befunden, dass sovil undterschiedliche ordinanzen unsern diensten nur schädlich sein. Konsequenz der offensichtlichen Dissonanzen war, dass der Militärkommandant von Böhmen, Colloredo, seine Befehle in Zukunft mit dem Generalleutnant abstimmen musste“.[923]
Am 23.5.1643 rügte Ferdinand III. Colloredo: Seinem Schreiben vom 20.5. habe er entnommen, dass er Obrist Kapoun befohlen habe, mit der Reiterei in Richtung Leitmeritz auszurücken. Gallas aber habe beschlossen, Kapoun gegen Königsmarck, der in die Obere Pfalz marschiere, einzusetzen. Er, F., sei mit diesem Beschluss, dem Kurfürsten von Bayern zu helfen, einverstanden; Colloredo möge daher Kapoun diesen Marschbefehl erteilen und sich in Zukunft stets vorher mit Gallas beraten.[924]
Ferdinand III. schrieb am 13.6.1643 an Colloredo: Er habe erfahren, dass die feindliche Armee entweder gegen Budweis oder gegen Mähren aufgebrochen sei. Auch wenn unter diesen Umständen Prag keine Gefahr drohe, müssten doch andere befestigten Plätze sorgsam im Auge behalten werden. Zum Kommandanten in Budweis habe er Obristleutnant Schwenck bestimmt. In Mähren habe er Obristfeldwachtmeister Ladislav von Waldstein beordert, dass das Regiment Borri mit einem geeigneten Kommandanten Iglau besetzen solle. Gleiche Vorbeugemaßnahmen müssten ihrer Bedeutung wegen für die Stadt Tabor getroffen werden. Er, F., zweifle nicht daran, dass Gallas alle jene Orte bereits mit einer genügenden Anzahl von Soldaten und Kommandanten besetzt haben werde. Colloredo solle bei der Besetzung der Orte mithelfen und sie mit allem Nötigen versehen.[925]
Ferdinand III. wandte sich am 21.7.1643 an Gallas: Seine Berichte über die der Armee gelieferte „schlechte Münz“ und über den Befehl an Colloredo wegen der Aktion bei Zittau habe er ebenso zur Kenntnis genommen wie die Berichte über die laufende Korrespondenz zwischen Fürst Rákóczi von Siebenbürgen und Torstensson und auch über den Marsch des Obristen Kapoun sowie dessen Verbindung mit den bayerischen Truppen. Die Klärung der Geldfrage für den Loskauf der Gefangenen überlasse er Gallas. Jene Summe von 24.000 Rt. sei in scheinbar guter Münze abgeschickt worden. Wegen Rákóczi habe er Berichte erhalten, dass dieser im laufenden Jahr nichts unternehmen werde.[926]
Am 1.8.1643 wandte sich Johann Georg I. an Gallas: Generalwachtmeister Wevel und Obrist Kapoun hätten einen Sturm auf Schloss Hof versucht. Als Königsmarck wegen des Entsatzes von Hof Magdeburg auf beiden Elbufern umzingelte, habe er Krockow befohlen, zu Kapoun zu stoßen und mit der Reiterei Königsmarcks Abteilungen, die die Ernte vernichteten, zu bedrängen. Mit Colloredos Unterstützung habe er sich zum Angriff auf Zittau[927] entschlossen, gleichzeitig aber von Colloredo und dem Görlitzer Kommandanten Oberst Arnim die Nachricht erhalten, dass Torstensson sein Feldlager verlassen habe und in Richtung Schlesien marschiere. So sehe er sich gezwungen, von seinem Plan abzulassen und abzuwarten, wie sich die Kämpfe zwischen der Hauptarmee und Königsmarck entwickeln würden.[928]
Am 7.10.1643 schrieb der Kaiser aus Ebersdorf an Colloredo und übermittelte ihm die Bitte Maximilians I. um Besetzung
des Schlosses Hof durch Truppen aus Böhmen. Bei Königsmarcks letzten Einfall in Böhmen war Hof von [Jaroslav Petr] Kinskýs Regiment besetzt worden, doch Maximilian sei es mit der kaiserlichen Armee gelungen, das Schloss wieder zu entsetzen. Nun müssten Vorkehrungen getroffen werden, dass die Stadt nicht wieder dem Gegner in die Hände falle. Mit dieser Aufgabe hatte er Christian von Brandenburg-Kulmbach betraut, der aber Hof wegen Mangel an Truppen nicht besetzte. Nun solle Colloredo das Schloss mit Truppen aus Böhmen besetzen.[929]
Am 29.10. berichtete Warasiner Gallas über die Übergabe der von ihm kommandierten Festung Dömitz. Wenn es ihm gelänge, wolle er mit den Offizieren und dem Rest der Truppe von Magdeburg nach Prag gehen. Er bitte um eine schriftliche Intervention bei Colloredo, in Prag ausruhen und sich erholen zu dürfen. Der Feind beabsichtige, seine Streitkräfte zusammenzuziehen, Krockow und dessen Regimenter zu vernichten und dann mit dem ganzen Armeekorps gegen die kaiserliche Hauptarmee in Schlesien und Mähren zu ziehen und Gallas anzugreifen.[930]
Am 10.12.1643 informierte Colloredo allerdings zu optimistisch Piccolomini: Gallas’ Rückzug sei ohne größere Verluste gelungen. Der Hauptteil der Armee unter Bruay, Montecuccoli, Enckevort und Trauditsch sei aus der Oberlausitz nach Böhmen zurückgewichen, Bruay und Monteccucoli hätten sich in kleineren Scharmützeln durchgefochten. Enckevort wie Dewaggi und Heinrich von Schleinitz konnten einen Teil ihrer Regimenter retten; bisher seien aus dem Regiment Schleinitz 35 Soldaten mit 5 Standarten in Böhmen eingetroffen. „Queste accennate truppe, entrano à poco à poco in Bohemia et io li faccio la dispositione di quartieri. Il conte d’Hatzfeld com le sue truppe à qua in Bohemia, la sua Cavalleria non passa 1.400 Cavalli, et per questo non se fida d’avanzare, mentre che ben presto non venghi un buon socorso dall’armata di Baviera”.[931] In diesem Dezember hatte Colloredo Hatzfeldt über die Besetzung Löwenbergs[932] durch kaiserliche Truppen informiert; Torstensson stehe bei Torgau, Gallas vor Zittau.[933]
Im Januar 1644 informierte Colloredo Hatzfeldt über die Kriegslage in Schlesien. Torstensson sei nach Dömitz gezogen, die Schweden seien in Holstein eingefallen. Königsmarck sei im Erzstift Bremen erschien. Wohlau werde durch Götz belagert.[934]
Der Kaiser informierte am 27.1.1644 Gallas und Colloredo: Rottal, der Landeshauptmann der Markgrafschaft Mähren, habe Beschwerden über verschiedene fremdländische Werbungen eingegeben. Er, F., habe den königlichen Statthaltern befohlen, gemäß früheren Verboten sämtliche ausländische Werbungen einzustellen, Offiziere und Werber gefangen zu nehmen sowie deren Werbepatente und Verzeichnisse einzusenden; die angeworbenen Knechte sollten unmittelbar in die kaiserlichen Truppen aufgenommen werde. Wer kein Patent mit der kaiserlichen Signatur vorlegen kann, dürfe keine Werbungen vornehmen.[935]
Colloredo informierte Gallas am 29.1.1644: Nachrichten zufolge scheine sich der Feind in Meißen zusammen zu ziehen, um in Böhmen einzufallen. Er, C., habe von Generalkriegskommissar Heusner erfahren, dass der Kurfürst von Sachsen eine 1.000 Pferde zählende Reiterabteilung zurück kommandiert habe, um sie aus Dresden über die Elbe zu schicken. Er, C., sorge für genügenden Munitionsvorrat an allen in dieser Richtung liegenden Orten.[936]
Am 10.2. hatte der Kaiser an Colloredo geschrieben, er habe beschlossen, die Armee sofort nach Winterende ins Feld führen zu lassen, weshalb sie neben anderen Militärbedürfnissen rechtzeitig mit genügenden Getreidemengen versorgt sein müsste. Er könnte freilich von seinen Ländern eine ausgiebige Getreideanleihe fordern, wolle dies jedoch nicht tun. Da Colloredo und andere Obrigkeiten bekanntlich über beträchtliche Getreidevorräte verfügen, möchten sie im Interesse der Allgemeinheit zu genanntem Zweck soviel Getreide zur Verfügung stellen, wie sie entbehren könnten. Es werde ihnen durch Abzüge an gegenwärtigen und künftigen Kontributionen ersetzt werden.[937] Colloredo hatte Hatzfeldt u. a. in diesem Monat darüber informiert, dass die schwedische Besatzung in Glogau Proviant aus Polen beziehe.[938]
Der kursächsische Geheimrat Sebotendorff teilte W. E. von Lobkowitz am 21.3.1644 mit: Die kaiserliche und die kurfürstliche Reiterei liegen in Pegau,[939] Grimma[940] und Borna.[941] Der kaiserliche Geheimrat Tattenbach habe mit Schreiben vom 17.3. mitgeteilt, dass Königsmarck das Stift Bremen verlassen und in Eilmärschen gegen Halberstadt[942] und Magdeburg vorrücke, wovon am heutigen Tag Gallas, Colloredo und Hatzfeldt unterrichtet wurden. Der Kurfürst von Sachsen habe vom Dänenkönig ein wichtiges Schreiben bekommen, das die Ursachen von Torstenssons Aktionen erkläre. Ferner habe der Kurfürst ein gedrucktes Manifest des Königs von Dänemark erhalten, das er nach Kenntnisnahme einschicken werde.[943] Colloredo informierte Hatzfeldt im März über die Bemühungen Frankreichs und der Generalstaaten, Schweden und Dänemark zu versöhnen, die Eroberung Sagans[944] durch La Carona und einen polnischen Sieg über tartarische Truppen.[945]
Am 2.4.1644 schrieb der Generalproviantkommissar der sächsischen Kreise, Sieber, aus Hamburg an Colloredo und dementierte die Nachricht von einem Treffen zwischen dem Prinzen Christian von Dänemark und Gustav Horn, wonach der Prinz tödlich verwundet und Horn von den Dänen gefangen genommen sein sollen. Vor einigen Tagen seien die Garnisonen aus Glückstadt[946] und Krempe[947] zu einem Angriff auf den Feind ausgerückt, die Glückstädter seien jedoch innerhalb einer Stunde wieder zurückgekehrt. Piccolomini bleibe in Spanien, wo er den Oberbefehl über die Armee gegen Katalonien führe.[948]
Aus Eger schrieb Bruay am 11.4. an Gallas: Laut Berichten von Gersdorf habe sich Königsmarck der Stadt Halle[949] bemächtigt. Er selbst wolle mit einigen Abteilungen gegen Plauen und weiter nach Pegau marschieren, was die wichtigste Aufgabe sei. Die Truppen müssten auch an der Elbe bis Dessau[950] vorrücken und Bernburg[951] besetzen; sie könnten mit Fähren oder auf Hängebrücken über den Fluss setzen. Er habe festgestellt, dass der Gegner nicht stark und durch Wetter und Hochwasser im Vormarsch behindert sei. Colloredo rücke mit der Infanterie gegen Zwickau vor.[952] Bei dem Erzgebirgschronisten Lehmann heißt es: „Die Obristen Colloredo und [Jaroslav Julius von Kolovrat-Lipštejnský; BW] Colobrad mit 3000 Mann zue Roß und Fuß rißen auch durch diß gebirg (aus), weil ihnen der Eger Pas zue gefehrlich. Den 1. May lagen Sie zur Tschopa, den 2., 3., 4., 5. umb Annenberg und Buchholz;[953] darvon ritten die Crabaten herüber in grundt, plünderten Aue, lauter[954] und dran liegende dörffer, packen auf die Pferde brod, fleisch, huner, gänß, schaf, kälber, haber usw. und was Sie funden. Salvaguardien, deren Scheibenberg[955] 3 hatte, kunten kaum solche Mauspartheien abweisen, und wahr biß auf den 12. May (in) diesen gebirg eine heiße Woche, weil die Völcker durch alle Päße in Böhmen zogen“.[956]
Am 13.4. teilte Bruay aus Ölsnitz[957] Gallas mit: Er logiere mit einer geringen Truppernzahl in Ölsnitz und wolle am nächsten Tag gegen Plauen vorrücken. An der Saale gebe es keine feindlichen Truppenteile. Laut Colloredos Nachricht sei Douglas vor 11 oder 12 Tagen aus Schlesien abgezogen, vermutlich werde er bei Barby[958] zu Königsmarck stoßen. Es sei daher für ihn Bruay, wichtig sich bald mit den Truppen Gersdorfs und und des Kroaten-Obristen Rajkovič zu vereinigen.[959] Im April informierte Colloredo Hatzfeldt über das Verhalten Rákóczis und Gefechte zwischen schwedischen und dänischen Truppen: Königsmarck stehe bei Nordhausen.[960] Colloredo berichtete Hatzfeldt im Mai über die Verhandlungen kaiserlicher Generäle mit Rákóczi.[961]
Am 3.8.1644 erging die kaiserliche Weisung an Colloredo, Maximilian von Waldstein solle Königgrätz mit wenigstens 200 bis 300 Mann und Pardubitz mit 100 Mann besetzen. Die übrigen Knechte solle er nach Eger kommandieren. Er, Ferdinand, habe die Stadthalter angewiesen, für die Aufnahme beider Stadtgarnisonen und deren Sommerverpflegung Sorge zu tragen. Das übrige Kriegsvolk in Böhmen sollte Colloredo mit der Graf von Vrbno-Kompanie vereinigen und die Reiterabteilungen zum Einsatz gegen die dortigen gegnerischen Streifzüge nach Schlesien expedieren. Diejenigen Einheiten, die wegen der großen Entfernung weder die Haupt- noch die ungarische Armee erreichen könnten, sollte er zu L. von Waldstein nach Olmütz abkommandieren.[962]
Colloredo hatte Gallas am 6.8. aus Prag mit Neuigkeiten versorgt: Um das Schicksal des belagerten Gravelingen[963] zu erleichtern, schicke Montecuccoli drei Regimenter in die Spanischen Niederlande. In Ungarn unternahmen die Kaiserlichen Angriffe auf Rákóczi und Palatin Eszterházy rüste sich emsig zum Beistand der Kaiserlichen. Oppeln[964] habe kapituliert, die kaiserliche Armee konzentriere Munition in Dresden und einige Reiterei bei Aussig. Der Kurfürst von Sachsen habe sich der Stadt Chemnitz bemächtigt.[965] Den kaiserlichen Sieg über Torstensson bei Dömitz meldete er ihm im September. Torstensson stände bei Halberstadt, die kaiserliche Armee bei Bernburg. Johann Georg I. von Sachsen habe Luckau[966] erobert.[967]
Aus Bordesholm[968] schrieb Gallas dem Kaiser am 19.8.: Er habe von den Plänen des französischen Gesandten erfahren, in Dänemark und Holstein die Vereinigung der Franzosen mit den Schweden vorzubereiten. Seine eigenen Abteilungen stehen bei Neumünster,[969] wo das Gelände sumpfig und schwer zugänglich ist. Königsmarck rücke mit 22 Kompanien längs der Elbe vor und verfüge über 12.000 Reiter, viele Knechte und 6 Infanteriebrigaden mit 3.000 Mann. Die Kaiserlichen verfügten über 5.000-6.000 Reiter, 300 Kroaten, 1.200 Dragoner und 4.500 Infanteristen, dazu noch die 900 Reiter und 1.600 Mann der Dänen. Der Feind werde wohl versuchen, zu Rákóczi zu stoßen, weshalb der Grenzschutz in Böhmen, Mähren und Schlesien verstärkt werden müsse; das sollten Colloredo, die Regimenter L. B. v. Waldstein und Mörder besorgen. Er selbst wolle ganz Jütland besetzen. Die schwedische und die dänische Flotte stünden bei Christianpries.[970]
Der Kaiser hatte am 22.9. aus Ebersdorf[971] an Colloredo geschrieben: Damit die Hauptarmee wegen Proviantmangels nicht aus fremden Ländern zurück nach Böhmen gezogen werden müsse, habe er der Kommission der Böhmischen Kammer die Beschaffung von Getreidevorräten angeordnet. Er wisse um Colloredos Getreidevorräte und fordere ihn daher auf, der Böhmischen Kammer alle entbehrlichen Vorräte anzubieten. Das Getreide werde ihm ersetzt und die entsprechende Obligation ausgestellt.[972]
Ferdinand III. unterrichtete am 19.10. aus Linz[973] Colloredo: Er habe den kaiserlichen Proviant- und Musterkommissar Antonio Binago und Benedetto Caccia, Bier-, Wein- und Salzsteuereinnehmer in Böhmen, angewiesen, Gallas in Dresden oder Wittenberg[974] 15.000 fl. einzuhändigen. Er möge für das notwendige Geleit sorgen.[975] Colloredo berichtete Piccolomini am 26.11. aus Prag über Gallas’ Rückzug von Bernburg nach Magdeburg. Dazu beschrieb er ihm eine neue in Prag hergestellte und wirksame Kanone, die auf 700 Schritt Steine schleudern könne.[976]
Aus Prag und Freiberg datieren Colloredos und Hatzfeldts Berichte vom 6.12. über Gallas’ Rückzug nach Magdeburg, beigefügt war ein Schreiben Steinheims über Torstenssons Angriff auf die Reiterei Gallas’, deren Vernichtung und die Gefangennahme von Trauditsch, Montecuccoli und Bruay. Die Reste der Truppen fanden in verschiedenen Orten Zuflucht, Gallas wandte sich nach Magdeburg.[977] Am 9.12. schrieb Ferdinand III. aus Linz an Colloredo: Von Oberst Ranfft sei über die Zerschlagung der kaiserlichen Kavallerie bei Jessen[978] und Jüterbog[979] benachrichtigt worden. Er habe Hatzfeldt befohlen, das bei Pegau zerstreute Volk sowie die in Böhmen und anderswo zurückgelassene Reiterei zusammenzuziehen und mit den eigenen Truppen zu vereinigen, um den Gegner an weiteren Vormärschen zu hindern, wobei ihn auch die Artillerie unterstützen sollte. Die Statthalter von Böhmen seien angewiesen worden, Hatzfeldt solche Plätze zur Verfügung zu stellen, die er selbst als geeignet für die Konzentrierung der zerschlagenen Regimenter betrachte, sowie ihn mit Proviant zu versorgen. Colloredo sollte diesen kaiserlichen Befehl unterstützen.[980] Im Dezember hatte Colloredo Hatzfeldt wegen der Sammlung der kaiserlichen Truppen bei Pegau geschrieben.[981]
Am 10.12. teilte Colloredo allerdings zu optimistisch Piccolomini mit: Gallas’ Rückzug[982] sei ohne größere Verluste gelungen. Der Hauptteil der Armee unter Bruay, Montecuccoli, Enckevort und Trauditsch sei aus der Oberlausitz nach Böhmen zurückgewichen, Bruay und Monteccucoli hätten sich in kleineren Scharmützeln durchgefochten. Enckevort wie Waghi und Heinrich von Schleinitz konnten einen Teil ihrer Regimenter retten; bisher seien aus dem Regiment Schleinitz 35 Soldaten mit 5 Standarten in Böhmen eingetroffen. „Queste accennate truppe, entrano à poco à poco in Bohemia et io li faccio la dispositione di quartieri. Il conte d’Hatzfeld com le sue truppe à qua in Bohemia, la sua Cavalleria non passa 1.400 Cavalli, et per questo non se fida d’avanzare, mentre che ben presto non venghi un buon socorso dall’armata di Baviera”.[983] In der Korrespondenz Colloredos mit Hatzfeldt in diesem Dezember ging es um die Winterquartiere in Böhmen.[984]
Ferdinand III. hatte am 4.1.1645 Colloredo informiert, man werde schleunigst ein neues Artilleriekorps aufstellen müssen, da die alte Artillerie noch bei Magdeburg stehe. Er habe Hatzfeldt mit dieser Aufgabe betraut; für die zum Ankauf der Pferde benötigten Mittel werde der kaiserliche Proviant- und Musterkommissar Antonio Binago sorgen.[985]
Am 12.2.1645 hatte Colloredo Gallas einen umfangreichen Lagebericht übermittelt: Er freue sich über Gallas’ Rückkehr aus Böhmen. Der Feind stehe zwischen der Eger und dem Gebirge und Torstensson sei einer eben erhaltenen Meldung nach in Kaaden[986] eingetroffen; seine Absicht scheine ein Feldzug nach Mähren und eine dortige Kriegsführung mit Unterstützung Siebenbürgens und der Türken zu sein. Nach Gallas’ Ankunft in Böhmen habe der Feind seinen Feldzug hinausgeschoben. Es folgten Angaben über die Heeresstärken: Der Feind habe an die 5.000-6.000 Mann zu Fuß, 7.000 -8.000 Reiter und an die 60 Stück Artillerie; die Kaiserlichen haben an die 3.000 Reiter, 2.000 Fußsoldaten sowie alles von Maximilian I. abkommandierte Kriegsvolk; Hatzfeldt 2.000 Reiter, Götz etwa 4.000 Reiter und 600 Mann, sie lagern am Sázava-Fluss. Von den aus Magdeburg gekommenen Truppen seien 1.000 Fußsoldaten in Prag, 1.000 Reiter bei Götz, der Rest in Quartieren; man habe auch eine zahlreiche Artillerie in Stand setzen können. Der Kaiser habe beschlossen, die Eger zu überschreiten und den Feind anzugreifen; wegen des Tauwetters aber könne man weder den Fluss überschreiten noch eine Brücke schlagen. Aus Leitmeritz werde geschrieben, dass der Feind sich bei Saaz und Kaaden zusammenzieht und heftig plündere, was wohl seine baldige Bewegung bedeute.[987] Im Februar berichtete Colloredo Hatzfeldt über den Bau von Brücken in Prag. Torstensson stände an der Pressnitzer Schanze, schwedische Truppen seien bei Annaberg, Marienberg und in Böhmen aufgetaucht.[988]
Am 11.3.1645 schrieb Colloredo anlässlich des Todes von Giuseppe Piccolomini an Piccolomini: Bisherigen Auskünften zufolge hatten die Kaiserlichen die Schlacht bei Jankau[989] zu früh begonnen und dann Kanonen, Munition und die Infanterie verloren. Die Kavallerie konnte sich zum Großteil retten, 2 000 Reiter seien nach Prag, die gleiche Zahl nach Budweis und Pardubitz gekommen. Wenn alle versammelt seien, würden sie eine schöne Truppe bilden, aber ohne Infanterie könne keine Armee daraus werden. Der Fehler lag an der Uneinigkeit der Kommandanten und an der Tatsache, dass sich einige statt auf den Gegner auf dessen Bagage warfen. Ansonsten hätten Kavallerie wie Infanterie ihre Pflicht erfüllt, so dass der Sieg den Gegner viel Blut kostete und er viel Militär verlor; er werde heute oder morgen in Neuhaus eintreffen. Manche glaubten, der Gegner wolle nach Pressburg[990] ziehen, um zu Rákóczi zu stoßen, er selbst aber sei der Meinung, er werde sich eher nach Krems[991] wenden, um beide Donauufer zu beherrschen.[992] Colloredo hatte am 13.3. aus Prag Gallas informiert, eine vertrauenswürdige Person habe ihm aus Iglau mitgeteilt, dass Rákóczi sich unter allen Umständen mit Torstensson verbinden wolle und bereits bis Pressburg vorgerückt sei; ähnlich schreibe ihm Montecuccoli aus Schlesien auf Grund von aus Jablunkau[993] stammenden Berichten stammenden Berichten, dass Torstensson General Königmarck beordert habe, nach Schlesien zu ziehen, zu den dortigen schwedischen Garnisonen zu stoßen und mit ihnen in Böhmen einzufallen. Sämtliche Kundschafter meldeten einstimmig, dass der Feind erbittert Brünn angreife; ein Teil der Kanonen aus Magdeburg sei bereits angekommen.[994]
Am 21.3.1645 hatte Erzherzogin Claudia Piccolomini informiert: Die Schlacht in Böhmen (bei Jankau) stelle zwar eine schwere Niederlage des kaiserlichen Kriegsvolks vor, doch müsse man andererseits zugeben, dass der Feind, und besonders die feindliche Infanterie, schwere Verluste erlitten hat. – Im Folgenden wurde der Verlauf der Schlacht beschrieben: Götz trieb am rechten Flügel seinen Angriff mit solcher Macht voran, dass der linke Flügel des Feindes völlig versprengt wurde und die kaiserliche Reiterei bis an die feindliche Bagage heran kam; bei dieser siegreichen Attacke blieb Götz auf dem Felde. Am linken Flügel konnte auch Werth Erfolge verzeichnen, übersah jedoch die feindliche Reiterreserve, die unvermutet vorstieß und die Infanterie vernichtete. Nach dem Tod ihres Kommandanten tat die Reiterei am rechten Flügel nicht anderes als Beutemachen. Hatzfeld und Bruay wurden gefangen genommen, Obrist Guiseppe Piccolomini fiel, die Schweden verloren Wittenberg und Mortaigne. Die beiderseitigen Verluste an Gefallenen werden auf 10000 geschätzt. Torstensson blieb Herr des Schlachtfeldes, hielt sich weitere drei oder vier Tage am Ort auf, um sein Heer zu reorganisieren und seine 3000 Toten zu begraben. Der Kaiser ließ Schlick, Gallas und Colloredo in Prag zurück und befahl die Herausgabe von Waffen an die Bürger; so entstand eine Truppe von 7000 zur Verteidigung entschlossenen Männern. Der Kaiser fuhr nach Pilsen, um die Reste der versprengten Armee zusammenzuziehen und entsandte Erzherzog Leopold Wilhelm zu dem gleichen Zweck nach Linz. – Diese Informationen habe sie unter dem Datum des15.3. aus Wien erhalten.[995]
Der Kaiser teilte Gallas am 27.3.1645 aus Wien sein Antwort auf Gallas’ von Obrist Reich übermittelte Zweifel an der Richtigkeit der kaiserlichen Entscheidung, das Kriegsvolk aus Böhmen nach Österreich oder gegen Budweis[996] abzuziehen, mit. Er berichtete über den Vormarsch Torstenssons, der über Znaim[997] und Krems am 26.3. mit der Armee Stein[998] erreichte und sich des Großteils des Kavallerieproviants bemächtigen konnte, da es im Lande kein formiertes Militärkorps gäbe; ohne rasche Hilfe müsse sich das ganze Land dem Gegner ergeben. Er wiederholte den Befehl, mit sämtlichen Truppen aus Böhmen nach Österreich zu marschieren, sich dort mit den aus anderen Orten ankommenden Abteilungen zu verbinden und den Gegner am weiteren Vormarsch zu hindern. Das Kommando in Böhmen bleibe in der Hand Colloredos. Ferner machte er Gallas mit den von ihm getroffenen militärischen Vorkehrungen im Reich bekannt und befahl ihm, sämtliche wo auch immer gefundene Metalle und Glockenmassen nach Prag zu schaffen und dort gießen zu lassen. Ebenso habe er mit den Resten der Geschütze in Magdeburg, Wittenberg und Schlesien zu verfahren. Für die Gießarbeiten in Wien jedoch solle Metall aus Nürnberg herangeschafft werden; in dieser Stadt wolle er auch einige Kanonen kaufen.[999]
Gallas wandte sich am 1.4.1645 aus Prag an Piccolomini: Er möchte seine Irrtümer wieder gut machen. Der Feind sei bei Krems vorgerückt, seine Angriffe auf die Stadt seien jedoch erfolglos geblieben. Er selbst werde am folgenden Tage fast das ganze Militär aus Böhmen als Hilfstruppen abführen. „Io vorrei ritornare a rimediar li miei errori, se pure potesse rincontrar l’occasione di servir a Vostra Eccelenza cose di suo gusto, quello che la presente materia non me la da. Il nemico doppo haver preso Iglau, Znaimb é marchiato con tuta la sua armata verso crembs presidiato dal colonello Ranft con più che trecento houmini, dove ha perso due assalti di consideracione, il pegio á che oltra tanti ricordi ci havianno lasciato pigliare da undie barchoni. Dimane matina me porto con tute quelle puoche reliquie che sono restate in Bohemia à quella volta. Il Sig. Conte Colloredo attenderà al governamento di deto Regno (oltri li guarnisoni), con 5 regimenti di cavalleria, come anco il Sig. Conte Montecucculi con altri sette, per defensione di quel paese. Di quello che passerà non mancherò dar parte à V. E.”[1000]
Colloredo informierte Gallas am 5.4.1644, die Patente für das Landesaufgebot seien bereits ausgefertigt, doch der Kaiser habe sich noch nicht zu ihnen geäußert. Der Kaiser sollte das Aufgebot wie 1642 ausdehnen, da die böhmischen Herren lieber Geld für Werbungen geben als die eigenen Untertanen aufstellen wollten; dieses Geld könnte dann für neue Rekrutierungen und die Ergänzung der Regimenter verwendet werden. Im Nachtrag hieß es, soeben sei aus Iglau die Nachricht eingetroffen, dass der Feind versuche, über die Donau zu setzen.[1001] Ferdinand III. forderte Gallas am 7.4. auf, so schnell wie möglich nach Wien zu kommen und das Armeekommando in Böhmen Colloredo zu übergeben.[1002]
Ferdinand III. hatte Gallas am 12.4.1645 geschrieben, ungern habe er vernommen, dass sich die sächsischen Regimenter über unzureichende Fürsorge beschwerten und der sächsische Kurfürst nicht ohne Grund die Abkommandierung des Regiments Reinecke von Callenbergs verlange. Zwischen den kaiserlichen und den kursächsischen Regimentern dürften keine Unterschiede gemacht werden; daher habe er Montecuccoli angewiesen, die kursächsischen Regimenter so zu dislozieren, dass alle Gründe zu Beschwerden wegfielen. Zwei der kroatischen Regimenter seien zu ihm, F., zu kommandieren, das dritte, bei Tábor liegende, sei in Böhmen zu lassen. Mit dem Vorschlag, die Städte Schweidnitz, Wohlau und Oppeln zu demolieren, könne er wegen des Vertrages mit Wladislaw IV. von Polen nicht einverstanden sein, doch möge Gallas sich dazu äußern. Generalauditor Graß solle mit dem schwedischen Trompeter nach Wien kommen, da Schlick und Torstensson schriftlich einen Kriegsgefangenenaustausch vereinbart haben. Angesichts der von Königsmarck drohenden möglichen Gefahr sei die Artillerie aus Magdeburg und Wittenberg unverzüglich abzutransportieren; der diesbezügliche Befehl ergehe gleichfalls an Colloredo.[1003] Colloredo selbst schrieb am 12.4. an Gallas: An die Regimenter, die aus Schlesien nach Böhmen marschieren sollten, habe er den Befehl zum Rückmarsch weitergeleitet. In der Frage des Landesaufgebots seien keine Fortschritte zu melden, da man auf die Ernennung von Offizieren durch den Kaiser warte. Seiner Meinung nach sei es besser, statt der Bauern Geld zu nehmen und dafür fähige Soldaten anzuwerben. Der Kaiser aber wolle kein Geld, sondern eine auf Grund des Landesaufgebots zusammengestellte Mannschaft. Diese sollte dann in Prag und an irgendeinem Ort im Lande zusammengezogen werden.[1004]
Colloredo drängte am 15.4. bei Gallas auf die Auszahlung von 5.057 fl. und berichtete über die Metalllieferungen für den Guss von Kanonen in Breslau, Regensburg und Prag. Der Feind liege in Iglau, erhebe Kontributionen aus dem ganzen Land bis zur Elbe und Moldau, habe in Deutschbrod[1005] die Wehrtürme und Stadttore niedergerissen und drohe der Stadt mit Brandschatzung. Da die Bauern keinen Schutz fänden, liefen sie zum Feind über. Dieser fordere unter Androhung von Brandschatzungen doppelt so hohe Pferde- und Menschenkontingente, wie sie das Landesaufgebot vorstellte. Die Vorräte in den Kreisen Chrudim, Časlau und Königgrätz seien vom Feinde bedroht und müssten anderswohin geschafft werden. Abschließend informierte er ihn über Leopold Wilhelms Befehl zur Räumung des Kreises Bechin[1006] und kritisierte die gefährliche, aus weiter ferne geübte Kommandoführung.[1007]
Colloredo informierte Gallas am 22.4.1645: Der Feind habe Schloss Landskron[1008] genommen. Gallas habe ihm in seinem letzten Brief die Regimenter Bourré und Bünau zur Verteidigung des Landes versprochen; nun sehe er, dass das wohl ein Scherz gewesen sei, denn beide hätten nicht mehr als hundert Mann. Tabór und Wittingau seien nun ohne Schutz vor dem Gegner, der die Kreise Bechin, Königgrätz, Časlau, Kouřim[1009] und Chrudim zum größten Teil in der Hand habe. Er sei davon überzeugt, dass die Kaiserlichen den Gegner verjagen könnten, wenn sie alles Volk zusammenzögen, zweifle aber an der Möglichkeit, die Donau zu überschreiten.[1010]
Ferdinand III. erklärte am 1.5.1645 seinen Bruder Leopold Wilhelm zum Oberkommandierenden der kaiserlichen Armee.[1011]
Leopold Wilhelm wandte sich am 24.5. aus Wien an Colloredo und bestätigte dessen Brief, in dem sich Colloredo über die Stände beschwerte, die eine Proviantversorgung ablehnten und die Erteilung eines Befehls verlangten, nach dem sie sich in Ver-sorgungsfragen richten könnten. In seiner Antwort berief sich der Erzherzog auf seine ähnlichen Erfahrungen in Österreich und verwies die Stände auf das diesbezügliche Patent.[1012] Colloredo erstattete Gallas am 25.5. auf Grund der Meldung des Kurfürsten von Sachsen Bericht über die Bewegungen und Unternehmungen der Schweden, über deren Angriff auf Torgau und die Verstärkung der Blockade Magdeburgs. Königsmarck habe von Bremen nach Meißen ziehen wollen, verhalte sich jedoch noch ruhig. Er, C., erachte es für nötig, die Schweden über die Lausitz anzugreifen, solange Königsmarck noch nicht dort sei.[1013]
Am 30.5. setzte Leopold Wilhelm Colloredo von der Beschwerde des Rektors des Prager Jesuitenkollegs in Kenntnis, dass Colloredo beim Bau der Prager Schutzwälle die Grundstücke und vor allem die Gärten des Kollegs benütze, und verlangte, erst nach Gallas’ Stellungnahme den Bau fortzusetzen, Grund und Eigentum des Kollegs seien nach Möglichkeit zu schonen.[1014]
Am 3.6. wandte sich der Erzherzog aus Wien an Colloredo: Der Kurfürst von Sachsen verlange, dass seine bisher bei der kaiserlichen Armee eingesetzten Truppen nicht vor einem gegnerischen Angriff in seine Länder abgezogen werden, und ersuche um Hilfe. Er, L. W., habe beschlossen, die kursächsischen Regimenter am Ort zu lassen und drei Regimenter aus Böhmen, nämlich Wolframsdorf, Kapoun und Tappe, samt zweien aus Schlesien ebenfalls nach Kursachsen zu überstellen. Colloredo solle alles Notwendige einrichten.[1015]
Am 17.6.1645 berichtete Colloredo dem kaiserlichen Kommandierenden Gallas aus Prag über die militärische Lage in Böhmen und dortige Truppenverschiebungen: „Oggi è arrivato qua il colonello Bachonhay [Pachonhay; BW] et m’ha esposto la mente di Sua Altezza Serenissima [Leopold Wilhelm; BW] et d’Vostra Eccelenza. Io certo stava nel medemo pensiero et spero ch’il partito reuscira, aspetto solo li sacci di polvere, quarli martedi saranno qua; resta solo ch’il Wirbna [Vrbno; BW], qual deve condure la partita, venghi per tempo, essendo ora con li regimenti di Silesia già passato Pilsen; nulla dimeno ho spedito subito una stafeta a quella volta per richiamarlo et caso che lui non potesse arrivar’ in tempo, inviarò ó il tenente collonello del Capone [Kapoun, BW], quel poco fa, è stato con una truppa fin’vicino a Bruna,[1016] o il tenente Strassaldo, ch’ora sta a Pardobiz.[1017]
Giovedi poteranno da Pardobiz partire queste truppe et andare per coniungerse con li doi capitani del Conte Bocarme [Mérode-Bocarmé; BW], Heneman [Hannemann; BW] et Unger. Li vilani del Conte della Torre [Thurn; BW] a Letovisch[1018] daranno ogni assistenza et buon indirizo a questa gente; con agiuto de quali le nostre partite, ch’andarono da quella banda, travagliarono di modo l’inimico, che l’è convenuto di tirare de li la sua gente, et metterla verso Niclaspurg[1019] et quelli luogi. In questa cavalcata me ne servirò del regimento del Capone, qual già sta a Pardobiz. Li dragoni d’V. E. sono in marcia, quelli del La Corona, mentre von verrà replicato l’ordine, lasciá ò a Pardobiz, non avendo gente da presidiare quel posto et poterebbe correr risico d’esser perso, mentre l’inimico venissi avanti, confrontando tutti l’avisi che l’intenzione dell’inimico sia a Pardobiz”.[1020]
In diesem Juni korrespondierte Colloredo mit Hatzfeldt über die letztlich erfolglose Belagerung Brünns durch Torstensson.[1021]
Am 3.7. hatte Colloredo Gallas informiert, Johann Georg I. von Sachsen stelle ein Militärkorps gegen die Schweden auf. Aus Schlesien habe Obrist Mörder geschrieben, dass die Ungarn einen Durchbruch über den Jablunka-Pass[1022] versuchen und er darum Verstärkungen brauche. Soeben habe er ein Schreiben vom Kurfürsten von Sachsen erhalten, das besage, dass die kursächsischen Regimenter bereits in Meißen angelangt seien und dass sich Obrist Reichvald auf diese Nachricht hin gegen Merseburg[1023] und Erfurt abgesetzt habe.[1024]
Am 5.7.1645 übersandte Leopold Wilhelm Gallas das Originalschreiben Mörders, des Kommandanten von Brieg,[1025] vom 25.6., das einen militärischen Lagebericht über Schlesien und die Anforderung von Verstärkungen enthielt. Laut Mörders Darstellung ziehe sich der Gegner bei Sillein[1026] und Trentschin[1027] zusammen, um über den Jablunka-Pass in Schlesien einzudringen. Deshalb sei das Regiment Dewaggi zusammen mit den Polen gegen Jablunkau[1028] vorgerückt und das dortige Oberamt schicke die Untertanen der benachbarten Herrschaften hin. Trotzdem forderten Waghi und Rochow fast täglich Verstärkungen an. Angesichts der Nähe des Gegners, der bei Brünn stehe, sei es nicht ratsam, die Wachtposten zu schwächen, doch stehe keine andere Reiterei zur Verfügung und Niederschlesien sei schutzlos dem Gegner ausgeliefert. Er habe Colloredo bereits über alles informiert und ihn gleichzeitig um schnellste Abhilfe gebeten.[1029]
Colloredo schrieb am 14.7.1645 an Gallas: Nachrichten zufolge müsste Brünn nicht verloren sein, da das Kanonenfeuer auf die Burg wirkungslos sei und die feindlichen Angriffe scheiterten; auch Vorräte sollen zur Genüge vorhanden sein. Der Kommandant von Brünn habe gemeldet, dass der Feind über höchstens 2.600 Mann und 7.000 Reiter verfüge. Aus Glatz sei die Nachricht von einer blutigen Schlacht zwischen Douglas und Puchheim eingetroffen, in der der Feind, insbesondere durch Rákóczis ungarische Abteilungen, den Sieg davon getragen haben soll.[1030]
Am 22.7.1645 schickte Colloredo aus Prag an Piccolomini eine Schilderung der Belagerung Brünns durch Torstensson. Man erwarte Hilfe aus Polen. “Torstenson continua l’assedio di Bruna, anzi con pi`u ardore che prima, et se fortifica molto bene intorno il suo campo havendo fornito di tirare linee di communicatione, et provede per tutt’alla gente con provianda. Li giorni passati diede l’assalto à un baluardo del Castello et insieme fece attacar il fuoco, favori peró la sorte alli defensori, che rebuttarono l’inimico, et estinsero il fuoco. Quando li nostri andaranno à soccorrerla non posso sapere, et come vedo le cose caminano con piedi di piombo. Si sta ancora in speranza d’agiustare le cose d’Hungaria, sarebbe de bramare l’effetto, gia che le forze nemiche per tutto ci molestano. Il Re di Polonia deve haver concesso à Sua Maestà Cesarea ch’il Vesselini meni fori del Regno à suo servitio 8000 Polaci. Li soldati che sono fugiti sotto Bruna all’inimico et arrivati qua hoggi, m’assicurano che l’inimico ha perso sotto Quell’assedio fra cavalleria et infanteria più che 5.000 homini, et che la sua infanteria in tutto non arriva 4.500, hora considera Vostra Eccelenza che bella fortuna è la nostra”.[1031]
Colloredo informierte Gallas am 24.7.1645 aus Prag: Tappe stehe in Schlesien, Wolframsdorf mit zwei Regimentern zusammen mit den kursächsischen Truppen bei Zeitz; das Militär, das Gallas nach Böhmen schicken will, möge er über Pilsen, Rakonitz[1032] und Melník[1033] ständig nur auf Waldwegen marschieren lassen, denn man behaupte, die tschechischen Bauern würden dem Gegner sofort Nachricht geben.[1034]
Johann Georg I. schrieb Gallas am 28.7.1645: Die beiden Regimenter Tappe und Wolframsdorf setzten ihren Marsch nach Böhmen fort. Über Königsmarcks Feldzug lägen Berichte nicht nur vom kurbayerischen Feldmarschall Mercy, sondern auch von Obrist Otto Christoph von Sparr und Graf Colloredo vor. Gleichfalls hätten die von Generalwachtmeister Hanau gegen Saalfeld ausgesandten Truppen gemeldet, dass der Feind sich bereits bei Meiningen gezeigt habe. Dieser erwarte aus Holstein und dem Erzbistum Bremen zwei starke Regimenter, die zu Obrist Reichvald stoßen sollten. Seine eigenen Streitkräfte reichten für eine Gegenwehr nicht aus, er, J. G., müsse daher den Kaiser um Hilfstruppen bitten.[1035]
Am 19.8. informierte Colloredo Gallas, er habe den Regimentern Tappe und Wolframsdorf unverzüglich den Marschbefehl nach Cham erteilt. Am gleichen Tag habe er bei Brüx eine Bitte des Kurfürsten von Sachsen um Beistand erhalten. Königsmarck sei zu Lille und Reichsvald gestoßen, plane nach Dresden zu ziehen und dort den Kurfürsten zur Neutralität zu zwingen. Daher habe er, C., nichts gegen die dringende Bitte des Kurfürsten unternommen, um nicht dessen Missfallen zu erregen.[1036]
Gallas hatte sich am 19.8. aus Hohenfurth an den Erzherzog gewandt und in den Anlagen seine Antwort auf ein Schreiben des Kaisers sowie einen Brief Colloredos ähnlichen Inhalts übersandt. In dem Brief vom 19.8. bestätigte Gallas dessen Schreiben vom 17.8., aus dem er vom Sieg der Reichsarmee bei Alerheim[1037] am 3.8. erfahren habe. Befehlsgemäß stünden 2.000 Reiter bereit, um zum Beistand des Kurfürsten von Bayern ins Feld zu ziehen; „sonsten wüsste ich hierbei nichts zuerinnern, darf mich auch fast nicht unterstehen etwas dabei zu sagen, weil ich mich bereits oftmals verbrennet, indem meine Schreiben in andre Hände kommen sein“. Er müsse zugeben, dass es völlig richtig sei, die Franzosen am rechten Rheinufer zu vernichten, womit dem Frieden und weiteren Operationen gedient sein werde. Doch müsse man damit rechnen, dass Brünn fallen werde, bevor noch die Franzosen Hilfstruppen erhalten. So drohe dem Kurfürsten von Bayern keine direkte Gefahr, während bei einem Fall von Brünn Böhmen und Schlesien bedroht seien.[1038]
Am 27.8. schrieb der Erzherzog sehr indigniert aus seinem Hauptquartier Theben[1039] an Colloredo: Aus seinem Schreiben vom 19.8. habe er mit Beunruhigung von Colloredos Änderung des erzherzoglichen Befehls, Tappe und Wolframsdorf zur Reichsarmee des Kurfürsten von Bayern nach Cham abzuordnen, erfahren. Für dieses Mal wolle er die Sache auf sich beruhen lassen, doch müsse er ihn in Zukunft vor ähnlich eigenmächtigen Änderungen seiner Befehle warnen. Er solle ihm ferner ein Namensverzeichnis derjenigen schwedischen Offiziere einschicken, die um einen Pass angesucht haben.[1040]
Am 28.8. hatte Colloredo Gallas aus Prag geschrieben, er halte es im Hinblick auf die Umstände nicht für angebracht, Johann Georg I. ohne Beistand zu lassen. Ein weiteres Vorrücken Königsmarcks sollte unbedingt verhindert werden. Er habe Tetschen, Leitmeritz und Grabstein[1041] mit dem Regiment Zuñiga besetzt. Man dürfe den Kurfürsten con Sachsen nicht im Stich lassen. Aussagen von Kundschaftern zufolge habe Torstensson alles verfügbare Militär gegen Olmütz kommandiert.[1042] In diesem August hatte mit Hatzfeldt wegen dessen Gefangenschaft korrespondiert.[1043]
Colloredo wandte sich am 1.9.1645 erneut an Gallas: Er müsse den letzten an ihn ergangenen Befehlen hinsichtlich der Regimenter entnehmen, dass weder Gallas noch der Erzherzog sein Schreiben erhalten haben und den wahren Stand der Dinge kennen. Gleichzeitig sei er benachrichtigt worden, dass der Kurfürst von Sachsen mit Königsmarck Neutralitätsverhandlungen führe. Seiner Meinung nach wäre es geboten, dem Kurfürsten zu helfen, damit dieser nicht die vom ganzen Land ersehnte Neutralität erkläre. Um nicht den Anschein der Nichtbeachtung der erzherzoglichen Befehle zu erwecken, erteile er Kapoun den Marschbefehl, in der Hoffnung, Gallas werde diesen von Budweis zurück schicken. Die Absicht des Feindes sei es, entlang der Donau in die Obere Pfalz zu ziehen und auf dem Marsch Österreich und Böhmen zu verheeren, um den Nachschub an Verstärkungen unmöglich zu machen.[1044]
Am 6.9.1645 schrieb Colloredo an Gallas, in Prag verbreite sich das Gerücht von einem auf vier Monate mit Königsmarck geschlossenen Waffenstillstand, von dem Obrist Wolframsdorf nichts erwähnt habe. Königsmarck werde wohl sein Lager entweder in Meißen aufschlagen und auf den günstigen Moment warten, den Sachsen einen Schlag zu versetzen oder nach Böhmen marschieren und so nahe wie möglich an Torstensson heranrücken.[1045]
Am 13.9. wird in einer Mitteilung Colloredos an Gallas Königsmarcks Aufenthalt in Reichenbach[1046] in der Oberlausitz erwähnt. Vorläufig sei noch keine Nachricht über einen Aufbruch eingetroffen. Nach Gefangenenaussagen wollte er über Schlesien zu Torstensson stoßen. Die kaiserlichen und kursächsischen Regimenter seien bei Jung-Bunzlau versammelt.[1047]
Leopold Wilhelm wandte sich am 2.10. aus Reichertshofen[1048] an Colloredo: Die Städte Pardubitz, Königgrätz, Tabor und Leitmeritz seien, wie ihm gemeldet wurde, unzureichend besetzt; darum müssten die Garnisonen dieser wichtigen Städte mit Musketieren besetzt werden, die an Orten ständen, deren Verteidigung nicht wichtig sei.[1049]
Colloredo informierte Gallas am 7.10.: Er habe erfahren, dass Magdeburg einer Blockade ausgesetzt sei, so dass die Bürgerschaft die Garnison unterhalten müsse. Der Garnisonskommandant habe schon mehrmals an den Kurfürsten von Sachsen geschrieben, aber bislang keine Antwort erhalten. Um die Stadt verproviantieren zu können, sollten drei sächsische Regimenter sowie das Regiment Piccolomini gegen Magdeburg abkommandiert und 2.000 Strich Getreide auf der Elbe nach Wittenberg geschafft werden. Von Nutzen in dieser Sache wäre ein Schreiben des Erzherzogs an den Kurfürsten von Sachsen. Er, C., meine, Sachsen habe an Magdeburg kein sonderliches Interesse; die Verproviantierung der Stadt aber müsse vor Wrangels Anmarsch aus Holstein erfolgen.[1050] Am 9.10. informierte der Kaiser Colloredo: Johann Georg I. habe ihn von der Magdeburg drohenden Gefahr benachrichtigt, um Abkommandierung kaiserlicher Truppen gebeten und zu bedenken gegeben, ob Ferdinand III. nicht die Verteidigung der Stadt seinem Sohn August überlassen wolle, der Rechte auf das Erzstift Magdeburg habe. Er habe beschlossen, dieser Bitte stattzugeben. Gemäß der Abmachung mit den Schweden werden die kaiserlichen Truppen nach Böhmen abmarschieren und Colloredo sei gebeten, deren Aufnahme allseitig vorzubereiten.[1051] Colloredo hatte Hatzfeldt in diesem Monat informiert, dass Königsmarck bei Olmütz und Torstensson bei Brünn und Iglau stünde.[1052]
Am 21.10. informierte der Kaiser Colloredo: Am heutigen Tag sei von Fernemont die Nachricht eingetroffen, dass Tostensson gegen Pardubitz, Königsgrätz und Glatz vorrücke. Colloredo solle daher die Dragoner, die Puchheim nach Böhmen gebracht habe, so schnell wie möglich zur Verstärkung der drei genannten Städte abkommandieren.[1053] Ein weiteres kaiserliches Schreiben aus Linz erreichte Colloredo am 27.10.: Nach Colloredos Ermittlung würden die Feinde wahrscheinlich die Marschroute Chrudim, Königgrätz und Glatz nehmen. Sofern sie wirklich auf diesem Weg marschierten, solle er sie weiter verfolgten. Sollten sich die Schweden aber zur Moldau wenden, möge er beim Marsch zur Donau eine bestimmte Verbindung mit Erzherzog Leopold Wilhelm aufrechterhalten.[1054]
Leopold Wilhelm selbst wandte sich aus seinem Hauptquartier Öhringen[1055] am 28.10. an Colloredo: Er habe die Avisos und die Anforderung von Mannschaft sowie die von Prag gestellten Forderung erhalten. Wegen der durch den Einmarsch der Schweden in Böhmen geänderten Lage aber sei es wegen Zeitmangels nicht möglich, Dispositionen zu treffen und Truppen zu verstärken. Er vertraue auf Colloredos Fähigkeiten, sich selbst zu helfen.[1056] Am 1.11. ging ein weiteres Schreiben des Erzherzogs aus dem Hauptquartier Öhringen an Colloredo: Seinen Brief vom 21.10. betreffs des Fortgangs der Fortifikationsarbeiten habe er erhalten. Wegen des Mangels an Geld, Arbeitern und Zeit solle vom Bau eines breiten Befestigungsrings abgesehen und nur der notwendigste enge Festungsgürtel um die Stadt errichtet werden; er habe für die Arbeiten 8.000 fl. bewilligt.[1057]
In diesem November ging es im Briefwechsel mit Hatzfeldt um die baldige Heirat von Königin Christina mit Pfalzgraf Karl Gustav – die allerdings nie zustande kam -, den Abmarsch von Torstensson nach Schlesien sowie die Vereinigung mit den Truppen Königsmarcks.[1058]
Am 1.12. schrieb Leopold Wilhelm aus Linz an Colloredo: Nachrichten zufolge ziehe der Feind gegen Schlesien und werde zweifellos trachten, die wichtigsten Orte zu nehmen. Colloredo solle unverzüglich die Kommandanten der befestigten Orte in Schlesien, insbesondere Feldmarschallleutnant L. Gonzaga, von diesem Vorhaben des Feindes benachrichtigen und sie zu ständiger Bereitschaft ermahnen.[1059] An diesem 1.12. teilte Colloredo Gallas mit, man wisse nicht mit Sicherheit, ob der Feind sich nach Ober- oder nach Niederschlesien wenden werde. Laut Aussage von Gefangenen wolle er an die Elbe ziehen. Man werde Magdeburg im Auge behalten müssen; seiner Meinung nach würde eine Kavalkade von mehreren hundert Reitern die Blockade Magdeburgs leicht durchbrechen, wozu jetzt der geeignete Zeitpunkt sei, da Wrangel, wie er schriftlich aus Magdeburg erfuhr, gegen Hohenhameln[1060] abmarschiert sei.[1061]
Colloredo informierte am 5.12. Gallas: Soeben erreiche ihn die briefliche Nachricht des Landeshauptmanns in Glatz vom 1.12., dass Königsmarck und Torstensson sich auf dem Marsch befänden und derzeit bei Freiburg[1062] und Landeshut[1063] logierten. Er halte es für geboten, sämtliche Kroaten und einige deutsche Reiterei in die Grafschaft Glatz abzukommandieren, damit sie dort dem Feind im Rücken bleiben.[1064] Colloredo schrieb Gallas am 13.12., laut Bericht aus Glatz vom 9.12. hatte sich der Feind auf dem Durchmarsch in die Oberlausitz in der Stadt aufgehalten; er solle die entsprechenden Befehle an Obrist Lüttich erteilen. Im Nachtrag hieß es, der Feind ziehe angeblich nach Bautzen. In der Anlage fand sich die Kopie eines Briefes des Bürgermeisters und Rats der Stadt Lauban vom 6.12. an den Landvogt der Oberlausitz: sie hätten seinen Brief erhalten, in dem er ihnen vorwarf, nichts vom Marsch der Schweden gemeldet zu haben. Die schwedische Armee ziehe in die Oberlausitz und wolle bei Zittau logieren; alle eroberten festen Orte seien völlig niedergebrannt und vernichtet worden.[1065]
Am 20.12.1645 schrieb Leopold Wilhelm aus Budweis[1066] an Gallas. Er verwarf dessen Bemerkungen zu seinen Propositionen und erteilte neue Anweisungen: „Ich hab Euer Schreiben vom 18. dieses aus Glatta[1067] zurecht empfangen. Kann aber aus demselben, was eigentlich Euer Intention sei, nit vernehmen, denn was die Regimenter, so im Glatzischen[1068] Königgrätz,[1069] und jenseits der Sasava losieren, belanget, befinde ich das ebensolche zumahl von Euch selbsten und ehender ich hieher kommen also, sein ordinirt worden, sehe auch nit wie durch solche Losierung mir ein absonderlicher Gefahr zu kommen solle; wenn allein, wie ich Euch durch den Montecuccoli erinnern lassen, die beede Generals-Personen, als der Misslick [Mislík; BW] zu Satz,[1070] und der Traudisch zu Bardowitz,[1071] oder derorthen Ihr wachendes Aug auf die Regimenter haben, und dieselben also anordnen, wie eines und das ander im Fall der Not in der Retirada sich verhalten solle. Und weilen der Generalquartiermeister Reich, ohne dass sich bei Euch befindet, wird derselbe wiessen, wie nach letzteren Leipziger Schlacht[1072] ich die böhmishe Frontieren besetzt habe, und ein Regiment auf das ander gewiesen, und überall die notwendigen Generalen darbei gestellt worden, und also mit Gottes Hilf kein Affronto geschehen. So sein die Regimenter, so in Österreich und Mähren losiert, viel nahender als manche Regimenter in Boheimb also, dass man dieselbe jederzeit in einer kurzen Frist haben kann.
Wegen des Randevous ist mein Intent nit gewesen, dass solche zu Tabor sein solle, sondern zwischen Tabor und herwärts Budweis, und zurecht an der Stadt wie Ihr vermeinet. Mein Hauptquartier von Neuhaus[1073] anderwärts und nacher Cromau[1074] zu transferiren, sehe ich auch nicht, woher von dem Feind ein sonderbare Gefahr zu besorgen, sintemalen wenn er gar etwas tentiren wollte, er bei meinen Regimentern für übergehen muste, und alsdann pro re nata man Resolution nehmen könnte, dasselbe zu verwenden oder viel.
Wollet diesem nach dem Werk etwas mehrers nachdenken, und Euch fernere Meinung durch den Montecuculi mit Beischliessung Eurer abgehenden Ordinanz, in welcher expresse und ausführlich in ein jeglichen Kreis die Regimenter Ihres Verhaltens ordiniert werden, welchen ich mit Verlangen erwarte, auch gern sehe, dass der Reich mit ihm komme, mir anzeigen und entdecken lassen“. Im Nachtrag hieß es: “Non sò donde venga che la nostra gente sia quasi tanto poltrona, che non non sempre continuamente partite siano contra il nimico, accio lui non faccia un passo che non lo sapiamo, perchè gl’avisi del Colloredo passano quasi come Gassenzeitung; potresi ordinar, se non à gia fatto, che sempre i Croati, e altri buoni Parteireiter travalgiano il nimico, e per d’avanti e per di dietro, accioche una volta sapiamo il certo suo stato; quelli regimenti che stanno in Egra,[1075] et Elpogen Crais, potrebanno ancor far partite nell’ Turingia e Misnia, accioche ancor del Wrangel se havesse certezza; potrebanno veder ancor, con corrispondenze di ddiversi gentiluomini, di saper qualche cosa del stato del nemico”.[1076]
Colloredo schrieb Gallas am 21.12.1645, die gesamte feindliche Armee liege um Böhmisch Leipa.[1077] Er glaube, der Feind werde weiter nach Melnik ziehen, da dort der Fluss jederzeit überschritten werden kann. Neue Gefangene sagten aus, der Feind stehe mit der ganzen Armee in Böhmen und plane, nach Leitmeritz zu ziehen und dort eine Brücke zu schlagen.[1078]
Maximilian I. verlangte an diesem 22.12. von Colloredo Berichterstattung über die weiteren Pläne des Feindes, Angaben, welche Städte an der Donau der Feind zu erobern versuchen werde und ob die in Böhmen liegende kaiserliche Armee im Stande, sich des Feindes zu erwehren.[1079]
Am 17.12. hatte Lobenhoffer Gallas’ Schloss Friedland an Arvid Wittenberg übergeben müssen. Am 24.12. erstattete der kaiserliche Kriegsauditor Johannes Capromalleus auf Befehl Colloredos Bericht über das Verhör Lobenhoffers: Den 15.12. habe Wittenberg sagen lassen, Lobenhoffer solle das Schloss gegen einen Revers herausgeben, des Inhalts, dass Wittenberg keine Besatzung in das Schloss legen werde, sondern dass sie es gemeinsam „versalvaguardiren“ würden. Lobenhoffer habe dies abgelehnt und am nächsten Tag habe Wittenberg das Schloss von sieben bis drei Uhr unter Feuer genommen; des Nachts sei ein Teil der Garnison aus dem Schloss geflohen, so dass ihm nur 59 Mann übrig blieben, davon 18 Bauern; „es hat Herr Hauptmann Lobenhoffer auch gemeldet, dass der General Major Wittenberg, als sie zusammenkommen und einander gesehen, ihm Hauptmann gesagt hätte; Du, Hauptmann, was hastu dir gedacht, dass du mit einer Handvoll Volks in diesen Rattennest meiner ganzen Armee dich hast widersetzen dörffen, er geantwortet, er hätte getan als ein Soldat; Wittenberg seine Ordre zu sehen begehrt, welche als er gelesen, stracks gesaget, diese Ordre ist von dem Obristen Leutenand Rodmüller [Rathmüller; BW] und wider Kriegs-Manir und Gebrauch und gar von keiner Generals-Person; über welches des Wittenbergs scharfes Zusprechen er Hauptmann und die Seinige ganz zweifelhaftig gewesen, ob ihnen der Accord, dessen gleichen zuvor kein Commandant erlanget hätte, gehalten worden möchte, aber gleichwohl bei den Akkord geblieben“.[1080]
Colloredo berichtete Piccolomini vom 6.1. bis 29.12. über das Kriegsgeschehen in Böhmen und in den Nachbarländern, die schwedische Besetzung des Egerlands und den Versuch, Böhmen von Bayern abzuschneiden, den schwedischen Einfall in Schlesien und Montecuccolis Abwehrmaßnahmen sowie über Wittenbergs misslungenen Ausfall.[1081]
Der kaiserliche Obrist Reich informierte Gallas am 8.1. aus Budweis: Colloredo habe ihm geschrieben, dass Wrangel samt der Artillerie bei der Armee sei, angeblich bereits das Gebirge überschritten habe und dass sein baldiger Aufbruch erwartet werde. Auch am Ort sei alles marschbereit, die Regimenter gesammelt und man warte bloß auf Nachrichten über das kurbayerische Hilfskorps.[1082]
Am 18.1.1646 schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm aus Klattau[1083] an R. Colloredo: Er entnehme seinen Berichten, dass der Gegner aufs Neue mit außerordentlicher Stärke Leitmeritz und Laun[1084] besetzt habe und plane, gegen Pilsen und Eger zu ziehen. Er selbst halte dies für Gerüchte und Erfindungen der Kroaten, wie sich schon mehrfach gezeigt hatte. Trotzdem lasse er die Regimenter in Prag. Die kroatischen Offiziere sollten angehalten werden, richtige Informationen zu verbreiten. Colloredo solle die Gefangenen verhören, um Aufenthaltsort und Stärke des Gegners, seines Generalstabs, Zahl der Regimenter, Stärke der Infanterie, Kavallerie und Artillerie sowie seine weiteren Absichten, auch die Herkunft seiner Proviant- und Futtermittel zu erkunden. Gefangen genommene Offiziere seien ins Hauptquartier zu eskortieren. Sollten die Städte Laun und Leitmeritz nicht besetzt sein, solle Pálffy mit 200 bis 300 Reitern in aller Heimlichkeit des Nachts zwischen Leitmeritz und Aussig[1085] die Elbe überschreiten, sich nach Teplitz wenden und den Aufenthalt des Gegners erkunden. Gleichzeitig solle ein Spähtrupp von etwa 25 Reitern über den nächsten Elbübergang hinter Aussig direkt nach Dresden und Leipzig aufbrechen, sich für Schweden oder Leipziger Räte ausgeben, eingeweihte Soldaten nach Nachrichten ausforschen und die von Torstensson in Leipzig erteilten und empfangenen Befehle abfangen.[1086] Colloredo informierte Hatzfeldt in diesem Januar, dass Wittenberg bei Saaz, Wrangel bei Leitmeritz stände.[1087]
Im Februar unterrichtete Colloredo Hatzfeldt über die schwedischen Truppenbewegungen in Böhmen und Schlesien.[1088]
Leopold Wilhelm befahl am 23.2. Colloredo aus seinem Hauptquartier Tirschenreuth,[1089] die Prager Städte und vor allem die Juden sollten durch militärische Exekutionen zur Abgabe des schuldigen Getreides sowie der Kleidungsstücke gezwungen werden.[1090]
Colloredo berichtete Hatzfeldt im März von den Verpflegungsschwierigkeiten der kaiserlichen Armee, dem Gefecht bei Frankenstein,[1091] dem Marsch des Obristen Reichvald und der Eroberung von Stadt und Schloss Teschen.[1092]
Am 28.3.1646 schrieb Leopold Wilhelm von der Militärkonferenz in Staffelstein[1093] an Colloredo: Falls der Feind tatsächlich aus Schlesien aufbrechen und in Böhmen oder Mähren einfallen solle, sollte L. Gonzaga oder Dewaggi mit dem schlesischen Heer zu den in Böhmen und Mähren liegenden Truppen stoßen und sich dem Gegner zur Wehr setzen. Falls dies nicht gelinge und der Gegner in Böhmen einfalle, solle Colloredo selbst die in Böhmen stehenden Truppen an sich ziehen, mit Ausnahme des Regiments Kapoun, das bei Iglau und Znaim[1094] zu verbleiben habe, im Falle, dass Znaim dem Gegner noch nicht abgenommen sei. Wenn Colloredos Meinung nach zusätzliche Streitkräfte benötigt würden, solle er von Puchheim die Überstellung des Regiments Pompejo anfordern.[1095]
Der Kaiser schrieb Colloredo am 3.4. aus Linz, seinen Vorschlag zur Getreidebeförderung aus Böhmen nach Magdeburg habe er erhalten. Da er nicht ohne Wissen des Erzherzogs über die Vorräte in Böhmen und anderswo verfügen wolle, binde er seine Entscheidung an die Meinung und das Einverständnis Leopold Wilhelms.[1096] Der Erzherzog teilte Colloredo am 16.4. aus dem Hauptquartier Staffelstein mit, die kaiserliche Artillerie solle von Magdeburg nach Prag geschafft werden. Der Kaiser habe ihm mitgeteilt, dass die Verhandlungen mit dem Feind wegen Magdeburg in ihr Endstadium getreten seien. Ohne seine, L. W.s, Einwilligung dürfe kein Getreide hingebracht werden. In der Anlage fand sich in Kopie das Schreiben Leopold Wilhelms, vom 20.3. aus Staffelstein: Torstensson habe Magdeburg durch einen Akkord gewonnen, nach dem die kaiserlichen und bayerischen Garnisonen die Stadt zu verlassen haben und Artillerie sowie Munition weggeführt werden sollen. Colloredo solle 42 große und kleine Stücke auf der Elbe und Moldau transportieren lassen.[1097] In diesem April unterrichtete Colloredo Hatzfeldt über die Verhandlungen zwischen Kursachsen und Schweden.[1098]
Der Kaiser unterrichtete Colloredo am 4.5.1646: Er habe für den Gesandten des Fürsten von Siebenbürgen, Johan Daniel de Vargyas, der mit seiner kaiserlichen Einwilligung zu Torstensson unterwegs ist, einen Reisepass für vier Monate ausgestellt; Vargyas werde sich auf der Reise etwa 8 Tage in Prag und 3 Tage in Pilsen und Eger aufhalten. Colloredo und die Kommandanten der genannten Städte sollen dem Gesandten einen Konvoi zur Verfügung stellen.[1099] Im Mai unterrichtete Colloredo von der Eroberung von Krems durch Torstensson. Wittenberg ziehe entweder nach Namslau[1100] oder Wartenberg[1101] und werde von Montecuccoli verfolgt. Schloss Lipnitz[1102] werde belagert.[1103]
Am 8.6.1646 schrieb der Kaiser aus Linz an Colloredo und verlangte einen Bericht von der Verhandlung über die von Erzherzog Leopold Wilhelm erhobene Forderung an die böhmischen Stände betreffend den dreimonatigen Unterhalt der nach Böhmen
kommandierten Regimenter. In der Anlage war ein Schreiben des Erzherzogs an Wrtba und Colloredo vom 17.4.1646 aus Staffelstein: Leopold Wilhelm drückte darin seine Unzufriedenheit über die Haltung der böhmischen Stände in dieser Angelegenheit aus, von der ihm in Schreiben vom 27.3. referiert worden war. In einem weiteren Schreiben des Erzherzogs vom selben Tag wurde der Kaiser mit der Stellungnahme der Stände bekannt gemacht und die Notwendigkeit unterstrichen, seine Forderung als einzigen Weg zur Erhaltung des guten Zustands der Armee anzunehmen.[1104]
Am 14.6. bestätigte Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Rottenbach[1105] Colloredo den Erhalt seines Briefes vom 6.6., in dem Colloredo seine Meinung über die durchgeführte Visitation der Getreidevorräte Ausdruck gab und empfahl, von dieser Art der Getreidebeschaffung abzulassen und dafür die Untertanen mit neuen Getreideabgaben zu belasten. Diese Getreidevisitation aber sei vom Kaiser befohlen worden und es werde nichts an ihr geändert werden. Noch heute wolle er Obrist Beygott anweisen, sie bei allen in Frage kommenden Personen unterschiedslos vorzunehmen.[1106] Mit Schreiben vom 16.6. nahm Ferdinand III. die Vorschläge Colloredos an und stellte die Visitation in den Prager Städten vorläufig ein. So schrieb der Erzherzog am 24.6. aus seinem Hauptquartier Rottenbach an Colloredo, der Kaiser habe wissen lassen, dass er auf Grund von Colloredos Vorschlag Obrist Beygott angewiesen habe, mit den Getreidevisitationen in Böhmen fortzufahren, in den Prager Städten aber bis zu seiner, L. W.s, Entscheidung keine Visitationen vorzunehmen. Er selbst sehe es nur sehr ungern, dass die Prager Städte nicht der Visitation unterliegen, die die Ermittlung der wahren Getreidevorräte bezwecke. Colloredo möge ihr daher keine weiteren Hindernisse in den Weg legen, sondern Beygott unterstützen.[1107] In diesem Juni berichtete Colloredo Hatzfeldt von der Eroberung von Schloss Wartenberg durch Wittenberg, über Werbungen in Polen und die Eroberung von Schloss Frankenstein.[1108]
Am 12.7. wandte sich der Kaiser aus Linz an Colloredo, er gedenke in den nächsten Tagen nach Prag zu reisen; einiges Militär müsse ihm das Geleit geben und der Feind bei Iglau blockiert werden. Colloredo solle daher zusehen, dass ihn am 23.7. 100 Pferde in voller Bereitschaft mit einem guten Offizier sowie 15 Musketieren in Budweis und andere 15 Musketiere am 24.7. bei Pisek erwarten. Ferner solle er in Iglau, Pelhřimov[1109] und anderen umliegenden Orten ordentliche Maßnahmen gegen den Feind treffen.[1110] Leopold Wilhelm wandte sich am 12.7. aus seinem Hauptquartier Homberg[1111] an Colloredo, er habe gewisse Avisos von ihm erhalten und seine Vorkehrungen gegen den schwedischen Obristen Reichvald mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Er erwarte weitere Nachrichten.[1112]
Ferdinand III. schrieb am 22.7. aus Linz an Colloredo und billigte dessen getroffene Maßnahmen zur Reise des Kaisers nach Prag, d. h. Abkommandierung einer kleineren Reiterabteilung unter Darius von Neuhaus nach Budweis, von 200 Pferden unter Pachonhay nach Moldauthein[1113] und 800 Kroaten längs der Moldau zu seinem Empfang. Pachonhay solle sich am 24.7. mit dem Großteil seiner Reiterei in Budweis einfinden.[1114] Leopold Wilhelm schrieb am 24.7. aus seinem Feldlager zu Grünberg[1115] an Colloredo, er solle solche Vorkehrungen gegen den Feind in Iglau treffen, dass dieser die diesjährige Ernte nicht wegführen könne.[1116] In diesem Juli erwähnte Colloredo gegenüber Hatzfeldt Gerüchte um die Abdankung Torstenssons. Der Böhmische Landtag sei zu Ende gegangen.[1117]
1646 wird Colloredo anlässlich der Belagerung Korneuburgs[1118] erwähnt: „So ernstlich die Kayserlichen unter den Generals, Buchheim, Colloredo und [Heinrich von; BW] Mercy, der Stadt Corneuburg zusetzten; so tapfer erwiesen sich die Belagerten in der Gegenwehr. Unter andern schossen sie mit gezogenen Röhren so scharf heraus, daß täglich Offiziers, Soldaten und Schantz-Bauern, getödtet oder übel zugerichtet wurden. Die Häuser in der Stadt waren allesamt abgetragen und mit Sand beschüttet; und obgleich die Kayserlichen das Wiener-Thor niederschossen, fielen jene dennoch aus, erlegten auch bey 70. Mann. Unter solchem Verlauff erscholl ein Gerücht, als ob die Schwedische Armee aus Schlesien im Anzug wäre wäre, daher nicht allein das Land-Volck zu flüchten, sondern auch die Belagerer ihr Geschütz und Bagage über die Schiff-Brücke zu führen anfiengen; endlich aber erfuhr man, daß es 300. streiffende Schwedische Reuter waren. Man schritte also mit neuem Eifer zu der Belagerung, doch wolte es so wenig mit Miniren als mit Bresche-Legen gelingen, weil sich beym Graben Wasser fand, und die Breschen gleich von den Schwedischen verbauet wurden. An Ausfällen fehlte es auch nicht, und als die Schwedischen eine schlafende Schildwache niedergehauen, drungen sie in eine Kayserliche Schantze, wo sie mit Morgensternen bey 70. Mann schlafen legten.
Am 4. August, als dem Crönungs-Tage, ergab sich die Stadt Corneuburg an den Kayserlichen General, Grafen von Buchheim, welcher dem Commandanten und der Besatzung freyen Abzug verwilligte, wiewohl von den ausziehenden 100. Mann zu Fuß und 150. Reutern nicht über 40. nach Glogau[1119] gekommen. Die Kayserlichen fanden hier über 100. Stücke und 30. Centner Pulver. Auf Seiten der Belagerten waren bey 400. getödtet oder beschädiget worden. Hierauf rückten die Kayserlichen vor das feste Schloß Ravenspurg,[1120] welches sich auch mit Accord ergab, und suchten sich ferner des Schlosses Falckenstein[1121] zu bemeistern“.[1122]
In diesem August meldete Colloredo Hatzfeldt die Ankunft des Kaisers in Prag und die Krönung Ferdinands IV. zum böhmischen König. Zudem ging es um die Kriegslieferungen der böhmischen Stände. Er informierte ihn an Hand beigelegter Berichte aus Krakau und Thorn über die Lage in Polen.[1123]
Leopold Wilhelm wandte sich am 8.9. aus seinem Hauptquartier Beldersheim[1124] an Colloredo: Vor Einbruch des Winters müssten die Soldaten bekleidet werden. Colloredo solle daher baldmöglichst Stoffe und Schuhe von Prag nach Regensburg schaffen lassen.[1125] Am 14.9.1646 schrieb der Kaiser aus Pressburg[1126] an Rudolf von Colloredo: Er werde der Anlage entnehmen, dass Lodovico Gonzaga auf Schloss Albersdorf[1127] Hans Christoph von Waldstein gefangen genommen habe und weitere Dispositionen erwarte. Er habe Gonzaga befohlen, den Gefangenen nach Glatz[1128] zu befördern und ihn dort Obrist Fitsch zu übergeben, der ihn nach Prag bringen soll.[1129] In der Anlage befand sich ein Schreiben Gonzagas vom 24.8.1646 aus Neisse an Ferdinand III.: Waldstein habe sich in Troppau[1130] und dann in Neustadt[1131] im Fürstentum Oppeln aufgehalten; noch unter Albrecht von Wallenstein war er verhaftet und seine Güter in Oberschlesien, vor allem in Albersdorf, waren konfisziert und den Jesuiten übergeben worden. Als Königsmarck im vorigen Winter Leobschütz[1132] und Jägerndorf[1133] eroberte, trat er zum Feind über, bemächtigte sich aufs Neue des Guts Albersdorf und schadete der kaiserlichen Armee. Am 23.8. nahmen die Kaiserlichen Albersdorf ein und Waldstein gefangen.[1134]
Ferdinand III. informierte am 21.9. aus Pressburg Colloredo: Er werde über die Lage im Hinblick auf die Unterstützung Wittenbergs und die Ereignisse bei Glogau Bescheid wissen. Er selbst habe bereits am 1. dieses Monates Montecuccoli angewiesen, eine gewisse Anzahl seiner Reiter von der Truppe abzukommandieren und die Abgänge durch die in Böhmen, Schlesien und anderen Erbländern stehende Kavallerie und Infanterie zu ersetzen. Colloredo solle daher sämtliches vor Friedland[1135] stehendes Kriegsvolk Montecuccoli unterstellen. Ferner habe er de Souches angewiesen, die zwei in Brünn und Ungarisch-Hradisch[1136] liegenden Kompanien abzulösen; eine komme nach Pardubitz, die andere nach Leitmeritz, Aussig und Tetschen. Das in Pardubitz liegende Regiment La Corona solle zu Montecuccoli abkommandiert und diesem unterstellt werden.[1137]
Am 21.9. schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Kallmünz[1138] an Colloredo, die gegenwärtige Lage erfordere als Wichtigstes, den Feind, der immer tiefer in Bayern eindringe, Einhalt zu gebieten. Die Operation gegen Wittenberg in Schlesien solle bloßen Defensivcharakter tragen. Obrist Pompeio solle seine Reiterei in ständiger Bereitschaft halten, um sofort nach Befehlserhalt zur Hauptarmee abmarschieren zu können. Er habe Montecuccoli angewiesen, seinen Offizier zu ihm, C., zu schicken, um die Frage der Verteidigung gegen Wittenberg zu erörtern.[1139] Am 25.9. informierte Leopold Wilhelm aus dem Hauptquartier Reinhausen[1140] Colloredo, er übersende ihm Abschriften seiner Befehle an Montecuccoli wegen der Beschleunigung von dessen Marsch zur Hauptarmee. Colloredo habe für die rasche Befolgung dieses Befehls zu sorgen. In der Anlage 1 fand sich die Kopie eines Schreibens des Erzherzogs aus Laaber[1141] vom 24.9. an Montecuccoli, angesichts der Lage dürfe sein Marsch zur Hauptarmee nicht mehr hinausgeschoben werden. Er solle sich mit seinen Truppen daher unverzüglich gegen Cham und weiter nach Straubing[1142] in Marsch setzen, wo er weitere Befehle zu erwarten habe. Gleichlautender Befehl sei an Pompeio ergangen. Anlage 2 war die Kopie eines Schreibens an Montecucoli bei Regensburg vom 25.9.: Seinen Brief vom 23.9., beinhaltend die Ergebnisse der Abmachungen mit Colloredo über die militärischen Maßnahmen gegen Wittenberg nach Abkommandierung der angeforderten Regimenter zur Hauptarmee habe er erhalten. Er, L. W., wiederhole seinen Befehl, dass Pompeio mit seinem Regiment und Montecuccoli persönlich sich nach Cham und Straubing in Marsch setzen, wo sie weitere Befehle erhalten sollten.[1143]
Die wohl mehr oder weniger erzwungene Zusammenarbeit böhmischer Herren und Einwohner mit den schwedischen Besatzern war Ferdinand III. unangenehm. Der Kaiser wandte sich am 18.10. aus Pressburg an Colloredo: Er habe seine Nachricht vom 7. des Monats erhalten, in der er ihn darauf aufmerksam machte, dass gewisse Stände und Einwohner des Königreichs Böhmen dem Feind Kontributionen zahlen und ihre Beamten zu Verhandlungen zu ihm schickten, wodurch der Feind gestärkt und informiert werde. Da dies eine politische Angelegenheit sei, die als solche unter die Rechtsgewalt der böhmischen Statthalter falle, möge Colloredo sie diesen zur Untersuchung vorlegen.[1144]
In Gutenfeld[1145] kam es zu Verhandlungen zwischen Gallas und Wittenberg. Im Vertragsentwurf vom 19.10.1646 über die Gallas’schen Herrschaften Friedland und Reichenberg[1146] hieß es: Wittenberg überlässt die volle Nutznießung beider genannten Herrschaften Gallas; die Schweden werden dort weder Kontributionen erheben noch sonstige Lasten auferlegen. Damit Gallas seine Güter besser nutzen kann, ist Wittenberg bereit, die Garnison aus Friedland abzukommandieren, unter der Bedingung, dass vorher sämtliche Befestigungen demoliert werden und die Kaiserlichen bis Kriegsende keine Besatzung nach Friedland legen. Gallas verspricht, jährlich 8.000 Rt. in zwei Raten zu zahlen. Wird der Friede in Deutschland binnen drei Jahren geschlossen, bezahlt er 32.000 Rt. für sämtliche Prätensionen Wittenbergs, wird der Krieg fortgesetzt, bleibt es bei der genannten Jahreszahlung. Da Wittenberg einen protestantischen Prediger in Böhmisch Weigsdorf[1147] einführte, wird dieser seine Gottesdienste in der Kirche in Böhmisch Weigsdorf abhalten und die Bewohner beider Herrschaften werden zu diesen ungestörten Zutritt haben. Der Vertrag ist auch für die Erben verbindlich und wird auf „Cavagliers Parol“ geschlossen. Falls die vereinbarte jährliche Summe nicht bezahlt wird, ist Wittenberg zur Exekution berechtigt.[1148] Der Geheime Rat und Kriegsrat lehnte diesen Entwurf ab, wie aus einem Schreiben Gallas’ an den Kaiser hervorgeht. Obwohl er auf Erfüllung seiner jüngsten Bitte, nämlich die kaiserliche Genehmigung des Vertragsentwurfs mit dem schwedischen General Wittenberg zur Übergabe der Herrschaften Friedland und Reichenberg gehofft hatte, womit das Verderben des ganzen Bunzlauer Kreises[1149] abgewendet werden könnte, habe er bloß die mündliche Mitteilung erhalten, dass der Geheime Rat und Kriegsrat dem Kaiser über dieser Angelegenheit referierte, dass dieser ihm, G., und seinen Untertanen gern helfen würde, aus Furcht vor möglichen Folgen aber seine Zustimmung nicht geben könne. Er, G., fürchte, in seinem Gesuch nicht alles so klar ausgeführt zu haben, dass auf keinen Fall der Eindruck entstehen könnte, dem Kaiser könnte dieser Vertragsentwurf mehr Schaden als Nutzen bringen; er wolle darum seine Argumente wiederholen. Vor allem liege Schloss Friedland, wie allgemein bekannt, nicht auf einem Gebirgspass, sondern in der Ebene, so dass ein auf diesem Weg nach Böhmen eindringender Feind an der Betretung des Schlosses nicht gehindert werden könne, während derjenige, der das Schloss besitze, wie die Erfahrung lehre, der Umgebung und dem ganzen Kreis Schaden zufügen könne. Deshalb wünschten alle Bewohner und insbesondere die Kreishauptleute, dass Friedland dem Feind abgenommen werde, und wollten 8.000 fl. zur Kontribution beisteuern, womit auch Colloredo als Landeskommandant einverstanden sei. Ferner halte er es für besser, die geforderte Summe zu bezahlen als dem Feind zu gestatten, sich in einen doppelt so hohen Genuss zu setzen und dabei zu riskieren, dass die Einwohner in die Oberlausitz abwandern, deren Religionsbekenntnis die meisten von ihnen überdies teilen. Ein Versuch der Kaiserlichen, das Schloss zu erobern, würde viel Geld und viele Menschen kosten. Angesichts der guten Befestigungen wäre das Ergebnis unsicher und die Gegend würde mit Sicherheit verwüstet. Besser wäre eine Wiedergewinnung des Schlosses ohne Verluste durch Akkord, was auch ermöglichen würde, Nachrichten über die Bewegungen des Feindes zu beschaffen. Der einzige Ort in den Händen der Schweden bliebe dann Grafenstein.[1150] In Böhmen gäbe es keinen ähnlichen Fall wie diesen, dass die schwedische Krone einem ihrer Offiziere zwei Herrschaften schenkte; Wittenberg sehe sie als sein Eigentum an, was zu schlimmen Folgen führen könnte; „so ists …, wie männiglich bekannt, Fridlandt nie kein Festung gewesst; sondern erst von dem Herzog von Fridlandt, weilen er mehrernteils daselbst residiret,[1151] damit er ruhig schlafen können, und zu seiner Reputation, in ein Esse gebracht worden“. Er, G., habe keineswegs im eigenen Interesse mit dem Feind verhandeln wollen, sondern nur zum Vorteil seiner Untertanen und mit des Kaisers Einverständnis. Ferdinand möge diese Darlegungen zur Kenntnis nehmen, sein Gesuch bewilligen und das entsprechende Dekret ausstellen.[1152]
Am 24.10.1646 informierte Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Egingen[1153] Colloredo: La Corona, der Stadtkommandant von Pilsen, sei der Meinung, der Gegner wolle von Leipzig[1154] aus dem ganzen Pilsener Kreis Kontributionen auferlegen. Da er, Colloredo, die Lage gut kenne, solle er zwecks Verhinderung der gegnerischen Absichten eine gewisse Anzahl Reiter nach Elbogen[1155] oder einen anderen geeigneten Ort legen.[1156]
Leopold Wilhelm wies am 10.11. Colloredo von seinem Hauptquartier Lamerdingen[1157] an, er solle mit Montecuccoli über das Fußvolk verhandeln und sich besonders aufmerksam mit den zu formierenden Truppen befassen. Montecuccolis Stellung vor dem Feind müsse durch einen genügend hohen Mannschaftsbestand gesichert werden.[1158]
Am 21.11. wandte sich der Erzherzog aus seinem Hauptquartier Schrobenhausen[1159] an Colloredo: Wie er erfahren habe, kämen gewisse Stände und Einwohner Böhmens dem oft meilenweit entfernten Feind mittels Kontributionsabgaben und Annahme von Patenten entgegen und hülfen ihm auf diese Weise. Da dies eine politische Angelegenheit sei, möge er sich damit an den Kaiser wenden,[1160] der diese Angelegenheit bereits den böhmischen Statthaltern zugewiesen hatte.
Colloredo äußerte sich am 28.11. gegenüber W. E. von Lobkowitz über die Möglichkeiten eines Friedensschlusses mit Spanien, Frankreich und den Vereinigten Niederlanden. Einem Bericht vom 25.9. zufolge habe die kaiserliche Armee ihre Quartiere bei Schrobenhausen, die bayerische bei Hohenwart.[1161] Der Feind liege bei Landsberg[1162] und rüste sich zum Vormarsch an die Donau.[1163] In diesem November unterrichtete Colloredo Hatzfeldt vom Marsch Wittenbergs nach Olmütz und von den Verhandlungen der polnischen Stände wegen der Nachfolge und den ständischen Privilegien.[1164]
Am 1.12. teilte Colloredo Lobkowitz mit, man wisse noch nicht, wohin Wittenberg vorrücken werde. Montecuccoli stehe mit der Reiterei bei Braunau,[1165] von wo er Wittenberg verfolgen wolle. Einer Nachricht vom 27.11. zufolge, die er, C., von der kaiserlichen Armee erhielt, näherten sich die französische und die schwedische Armee der Donau; am 28. habe Leopold Wilhelm ausrücken wollen, um ihren Vormarsch zu verhindern.[1166]
Colloredo wandte sich am 8.12. an Lobkowitz: Montecuccoli müsse verstärkt werden, um Wittenberg aufhalten zu können, denn dieser sei entschlossen, sobald das Wetter es erlaube, jenen anzugreifen und bis zur Donau zu treiben. Die Feinde seien aus Ottmachau[1167] nach Niederschlesien gezogen. Montecuccoli stehe noch bei Braunau und um das Gebirge. Sämtliche königlichen Statthalter seien zwar angewiesen, das in den Garnisonen liegende Fußvolk mit Proviant zu versorgen, doch sage niemand, wie die Armee zu unterhalten sei. Wenn 5.000 Reiter an einem Ort im Kreis Königgrätz zusammenträfen, würde diese Kreis vernichtet, daher müsse eine solche Drohung abgewendet werden. Lobkowitz sollte diese Angelegenheit womöglich dem Kaiser vortragen.[1168]
Am 15.12.1646 schrieb Colloredo an W. E. von Lobkowitz, man möge sich nicht allzu sehr auf die Generalkommissar Wrtba eingesandte Liste des Garnisonsstands in Böhmen verlassen, da diese Garnisonen sehr schnell verschoben würden und ihren Standort wechselten. Wittenberg sei dieser Tage bei Ohlau[1169] gestanden und man wisse noch nicht, ob er die Oder in Richtung Namslau[1170] überschreiten werde. In diesem Falle würde der Feind seiner Ansicht nach Montecuccoli verfolgen.[1171]
An diesem 22.12.1646 hatte Colloredo aus Prag Piccolomini eine Schilderung der Gesamtaufstellung der Armee in Schlesien und Bayern zum Jahresende gegeben. Die polnischen Stände hätten ihren König gezwungen, alle Ausländer aus der Armee und aus seiner Umgebung zu entfernen, weshalb auch Pater Valerio Magni des Landes verwiesen wurde. „Quest’ordinario non aportò altre novità solo che Wittenberg sta tuttavia tratendosi nelli suoi quartieri à Olau[1172] et per la vicini, non trovando modo in queste coniunture di tempi et inundationi d’aque di passare l’Odera, n’il Sig. Conte Montecuccoli s’é mosso dalli contorni di Silberberg,[1173] stando attendendo à quello che l’inimico poterebbe risolvere di fare, il quale non é dubio che volontieri passarebbe l’Odera, per poter tirat à se la gente, ch’il Re di Polonia anderà licentiando, non volendo quelli stati quietare fin che non vedino fori del Regno la soldatesca forestiera. Et con le lettere venute da quelle parti con quest’ordinario s’ha inteso ch’essi stati Polaci con sommo dispiacere del Re, habbino dato un bando fori di quel Regno al Padre Magno Capucino, à un secretario del Re, et ad alcuni altri, volendo che per l’avenire il Re se prevalghi di soli Polaci nelli suoi consiglii. La nostra armata, secondo che de la ricevo avisi se ritrova di presente fra Ingolstat et Monaco dove vorà fefrescarse per alcuni giorni, et l’inimici ancora allogiano fra Memingen et Olma. Non si sa, quando la Dieta d’Hungaria poterebbe pigliar un fine, dove occorrono molte controversie”.[1174]
Leopold Wilhelm wandte sich am 27.12. aus seinem Hauptquartier Abensberg[1175] an Colloredo: Er wolle die 3.000 fl. zur Bezahlung der notwendigen Munition im Prager Zeughaus beschaffen; Colloredo müsse eine so wichtige Stadt wie Königgrätz mit hinreichenden Munitionsvorräten versorgen.[1176]
Colloredo teilte Lobkowitz am 26.1.1647 mit, am 22.1. sei Montecuccoli aus Münsterberg[1177] aufgebrochen, marschiere nun gegen Brieg[1178] und wolle wahrscheinlich die Oder überschreiten, um Wittenberg anzufallen oder um sich zwischen diesen und die Schiffsbrücke bei Ohlau zu stellen. Wittenberg stehe noch bei Namslau.[1179]
B. I. von Martinitz informierte Piccolomini am 27.1.1647 aus Prag, in Zusammenhang mit dem Frieden zwischen Spanien und den Vereinigten Niederlanden herrsche die Meinung, der Universalfrieden könne nicht mehr fern sein. Demgegenüber nehme aber der Krieg kein Ende, die Schweden bedrohten Lindau[1180] und selbst Tirol sei in äußerster Gefahr. Die kaiserliche Armee sei schwach und beziehe ungeordnet die bei Eger zugewiesenen Winterquartiere. Einzelne Truppen stoßen allerdings bis Prag vor, lieferten einander Gefechte und hätten sogar die Pferde Colloredos gestohlen. Mit schwachen Kräften wehre sich Montecuccoli in Schlesien gegen Wittenberg. Es sei die Nachricht eingetroffen, der alte Oxenstierna sei für eine Versöhnung.[1181]
Montecuccoli schrieb am 30.1.1647 aus Strehlen[1182] an Gallas: Gegen jede Erwartung sei in den letzten Tagen die Oder zugefroren und nach Schätzung ausgesandter Kundschafter könne das Eis auch Kanonen tragen. Der Feind habe Verstärkungen aus Pommern und Polen erhalten und rüste sich angeblich zum Feldzug nach Böhmen; dies habe er Colloredo und den nächstliegenden Kreishauptleuten gemeldet, damit sie an den nach Böhmen führenden Pässen Vorkehrungen treffen.[1183]
Colloredo wandte sich am 27.2. wieder an Lobkowitz: Der kaiserliche Wunsch, die Regimenter außerhalb der Erbländer stehen zu haben, könnte erfüllt werden, wenn Proviant vorhanden wäre; auf die Fuhren des Landvolks dürfe man sich nicht völlig verlassen. Ferner beklagte er den Mangel an Schießpulver und Munitionsbedarf. Weder habe die kaiserliche Resolution erfüllt werden können, noch gebe es Mittel, Vorräte anzuschaffen. Wittenberg ziehe zur Warthe und sichtlich weiter nach Oberschlesien.[1184]
Am 2.3.1647 berichtete Colloredo aus Prag Lobkowitz, Wittenberg plane anscheinend Aussagen von Soldaten zufolge nach Oberschlesien zu ziehen und sein Korps im Fürstentum Teschen zu dislozieren, Montecuccoli verfolge ihn. Zudem habe Pachonhay aus Brüx gemeldet, dass Lewenhaupt außer seinen 5.000 Mann starken Truppen bei Leipzig noch weitere Truppen zusammenziehe und möglicher Weise gegen Brüx vorrücken wolle. Nach genauerer Kenntnis der gegnerischen Absicht werde er die Stadt durch Kavallerie verteidigen lassen.[1185]
Colloredo wandte sich an diesem 2.3.1647 aus Prag an Piccolomini, er habe immer noch auf seine Rückkehr aus Flandern gehofft, doch sehe jetzt, dass man ihn dort zurückhalten wolle – vielleicht würde er später nach Böhmen kommen. Piccolomini sollte heiraten und zwar bald, sonst würden sich andere darum kümmern und ihm eine Braut nach seinem Geschmack finden; es sei wirklich schon höchste Zeit. – Die kaiserliche Armee ziehe sich in die Winterquartiere zurück, die allerdings in den völlig erschöpften Erbländern liegen.[1186]
Im April dieses Jahres berichtete Colloredo Hatzfeldt von der Lage in Schlesien und der baldigen Krönung Ferdinands IV. Zum König von Ungarn.[1187] Die Einsetzung Holzappels zum kaiserlichen Oberkommandierenden, die Operationen Wrangels und Wittenbergs in Schlesien, der Abmarsch Wittenbergs von Auras,[1188] der Tod des Prinzen Christian von Dänemark bei Dresden auf der Reise nach Karlsbad und der schwedische Angriff auf Eger beschäftigten Colloredo in der Korrespondenz mit Hatzfeldt im Mai dieses Jahres.[1189]
1647 stockten die Vorbereitungen für den Feldzug gegen die schwedische Armee in Böhmen. In Prag war wochenlang kein Pulver zu bekommen. Anlässlich einer Audienz bei Ferdinand III. war dem kaiserlichen Oberkommandierenden Holzappel mitgeteilt worden, dass die Armee aus dem Prager Zeughaus 100 Zentner übernehmen könne, doch Colloredo, der territoriale Befehlshaber in Böhmen, teilte Holzappel am 19.6.1647 mit, dass keine Vorräte vorhanden seien und die Erzeugung wegen Rohstoffmangels sich verzögere.[1190] Eine polnische Lieferung von 1.000 Zentnern wurde mit Ungeduld erwartet.[1191] So ging man mit nur 60 Zentnern Pulver für die Artillerie in diesen Feldzug.[1192]
Pappenheims einziger Sohn, Wolfgang Adam, wurde nach einem heftigen Wortwechsel „wegen des Generals Sperreuter“ von Goltz im Duell bei Prag getötet: “Am 30. Juni 1647 geriet Wolf Adam in Prag an der Tafel des Oberkommandierenden in Böhmen, Rudolf Graf Colloredo, mit Martin Maximilian von der Goltz in einen heftigen Wortwechsel und forderte den früheren Waffenkameraden seines Vaters und nunmehrigen Generalzeugmeister heraus. Obwohl es Colloredo zu verhindern trachtete, verliessen die Kontrahenten die Stadt und führten das Duell durch, in welchem der letzte Herr von Treuchtlingen[1193] erschossen wurde”.[1194]
Am 22.7. informierte Colloredo Piccolomini aus dem Feldlager bei Eger: Auf Wunsch des Kaisers, der über Budweis in Prag ankam, sei er selbst zum Beistand Egers aufgebrochen. Inzwischen traf aber die Nachricht vom Fall der Stadt ein. Der Gegner habe sich auf Grund einer Verabredung mit Paradeiser und den Offizieren, die vom Korporalsrang aufwärts ihre Bagage mitnehmen und fortgehen durften, der Stadt bemächtigt; die Soldaten aber seien dem Gegner überlassen worden. Die Armee, mit der er, C., vor Eger stehe, habe 13.000 Mann zu Fuß und 15.000 Reiter und er werde mit ihr den feindlichen Einfall ins Land zum Stehen bringen können. Werth sei zum General der Kavallerie und Sporck zum Vizemarschall ernannt worden.[1195] Auch Melchior von Hatzfeldt hatte Colloredo in diesem Juli auf dem Laufenden gehalten. Er meldete ihm die Ankunft Werths, der nach seiner Rebellion gegen Maximilian I. ins kaiserliche Lager geflüchtet war, in Pilsen. Von Schlackenwerth aus informierte er Hatzfeldt über die Belagerung Egers durch Wrangel sowie über die Ernennung Werths zum General und die Sporcks zum Feldmarschallleutnant.[1196]
Ferdinand III. unterrichtete Rottal am 16.8.1647 aus Pilsen mit: Er habe H. Chr. von Puchheim zum „Kriegskapo“ der kaiserlichen Truppen in Mähren, Schlesien und Niederösterreich befördert und ihn für die Zeit der Abwesenheit Colloredos gleichfalls zum Oberkommandierenden der Truppen in Böhmen ernannt.[1197]
Am 5.10. schrieb Colloredo erneut aus Prag an Piccolomini, der bayerische Kurfürst habe eine Rückkehr an die Seite des Kaisers an zahlreiche Bedingungen geknüpft; seine Truppen hätten Böhmen betreten und die Schweden vertreiben geholfen. „Le diversi conditioni et clausule, che Baviera mandò li giorni adietro a Sua Maestà Cesarea davano non poco da dubitare, si la coniuntione potesse seguire, finalmente superatosi la difficoltà, la gente di quel’Elettore é entrata in Boemia a nomero di 6.000 cavalli et 3.000 fanti con 20 pezzi di canone, si spera che la coniuntione seguirà fra tre giorni.
Fra tanto l’inimco hauto la lettera dell’Elettore di Baviera, nella quale renunciò all’armistitio, se misse subito sabato passato a marciar verso il passo di Presniz et la domenica sorti con la più parte dell’armata, le commun’opinione é che andarebbe verso Erfurt, ben ch’alcuni pensano ch’andarà verso Leipzig et che per la voglia fermare suo campo.
Nella marcia lasciò andar fori un commandamento che per la vita nisun’ardisci di tocare pur’una galina, nelli stati dell’
Elettore di Sassonia. Hoggi se move la nostra armata verso Caden, verso qual’ volta marciaranno ancora li Bavaresi, et nell’istessa marcia segiurà la coniuntione, et à forze unite, s’andarà perseguitando l’inimico, et havendosi un poteroso essercito, á da sperare ch’il peso della guerra verà transportato in altri paesi”.[1198]
Am 2.11.1647 schrieb Colloredo aus Prag an Piccolomini: Die Kaiserlichen hätten die Saale überschritten und verfolgten Wrangel. Endlich dürfe man hoffen, ihn von den Grenzen der Erbländer weit entfernt zu halten. Der Angriff auf Iglau mache gute Fortschritte, Strassoldo sei es mit einem Teil der Infanterie gelungen, die Stadtwälle zu besetzen. In Schlesien sei eine an die 1.000 Pferde starke schwedische Abteilung zusammengezogen worden, um die Operationen der Kaiserlichen in Iglau zu vereiteln, als aber die Schweden erfuhren, dass die Kaiserlichen gewarnt wurden, hätten sie kehrtgemacht. Es folgte eine Schilderung des schwedischen Versuchs, den Kurfürsten von Sachsen zu töten.[1199] In einem Schreiben des B. I. von Martinitz an Piccolomini vom 9.11. hieß es dagegen: Er sei von dem geplanten Überfall auf den Kurfürsten von Sachsen und dessen Söhne zwecks deren Gefangennahme benachrichtigt worden. Ein Kornett, ein sächsischer Untertan in schwedischen Diensten, der sich in der Umgebung Johann Georgs I. bewegte, habe den Schweden eine geplante Jagd des Kurfürsten informiert, dieser aber habe sich im letzten Augenblick entschieden, nicht auf die Jagd, sondern zum Fischfang zu gehen.[1200] Der sächsische Chronist Lehmann erinnert sich dagegen: „Der [Wancke; BW] truge den Churfürst zue Saxen ein fehde nach, umb das Er ihme bey der eroberung von Gorlitz[1201] Ao. 1641 Plündern laßen wider den accord, das gedachte er izt zue revanchiren. Do die Schwedische Armee 1647 auß Bohmen ginge, vermeinte er in diesen March in Meißen sein stücklein ins werck zuestellen, entweder den Churfürsten, der umb Freyberg jagte, selbst zue fangen oder die Festung Dresden mit list zuerobern. Er wahr in March von der Presniz[1202] herauß mit seinen regiement Trajonern der 1. Die erste Nacht stunde er auf der Cunersdörfer[1203] hohe, Den andern tag und nacht durch Schletta,[1204] stehen blieben auf der Schletner höhe hinder den Schloß nach Hermersdorf[1205] zue, Den 3. tag in grundt bey den Dörfel und die Freyreuter, die Er von der gantzen armee an sich gehengt hatte, in Walt, alda ließ Er sein regiement mit den andern marchiren und nahm darvon nur 52 ledige und die besten Cärl auf einen anschlag, daß er mit den Freyreuttern 200 starck an den künesten wagehelßen worden. Des tags stunde er stille in Buschen, des Nachts recognoscirte er auf allen seiten, wo der Churfürst lege, und wie an Dresden zue kommen, und stunde deswegen 2 tage in Dorantischen walde. Alß die Schwedische Haupt-Armee in Altenburgischen außruhete, ritte er wieder hin und erhandelte von etlichen Obristen mehrreuter, daß er in 600 Pferde starck worden. Damit sazte er Sich in Spittelwalt vor Freyberg. Alß solches der General Wrangel verkundtschaft, commandirte er geschwindt 50 Pferde auß, ließ ihn gefangen nehmen, auf die festung Leipzig sezen, die Standarten nehmen und die Völker avociren. In Seinen Arrest eiferte Chur-Saxen mechtig uber sein Attentat, doch wurde Er perdonirt und sub amnistia frey- und loßgelaßen und begab sich bey einen andern Herrn in Dienste“.[1206]
Am 23.11.1647 berichtete Colloredo Piccolomini über die Eroberung Iglaus. Die Kaiserlichen drangen in die Stadt ein, doch die Schweden ergaben sich nicht, befestigten sich in zwei Häusern und wollten bis zum letzten Mann kämpfen. In der Stadt waren insgesamt 400 Fußsoldaten, von denen sei die Hälfte tot oder verwundet. Strassoldo habe eine schwere Beinverletzung davongetragen. “Ben che quest’ordinario poco mi soviene degno alla notitia di Vostra Eccelenza pur per continuare la debita osservanza che professo all’Eccelenza Vostra vengo a avisarla, come li nostri sotto Iglau, se sono impatroniti d’un baluardo, mediante una mina, che sotto fecero giocaro, et non resta altro che impatronirse del tutto della Città ch’a quest’hora, sarà ancora fatta, essendo stati già alloggiati dentro le mure.
In recuperare detto baluardo, il Conte Strassoldo é stato malamente ferito in una gamba. I inimico se ha ritirato in due parti della Città et s’ha fortificato et trincirato in due case su la piazza, et conforme referisco li pregionieri scampati de qua, si vuol defender fin all’ultimo huomo, et convenirà alli nostri di batter queste case, e da maravigliare di tanta resistenza, non essendo nella Città stato altro che 400 fanti, de quali già metà é resto morto et ferito”.[1207]
Am 15.12.1647 schrieb Leopold Wilhelm aus Brüssel an Colloredo, er habe sein Schreiben vom 30.11. mit den Kriegsberichten und den Informationen über die Absichten Wittenbergs erhalten und ersuche um weitere Berichterstattung.[1208]
Nach Holzappels Tod in der Schlacht bei Zusmarshausen (17.5.1648) war sofort Piccolomini zum „Capo über die kaiserlichen Waffen“ ernannt worden;[1209] bis zu seiner Ankunft sollte auf Wunsch Maximilians[1210] Reuschenberg interimistisch das Kommando führen,[1211] obwohl Schlick gegenüber W. E. von Lobkowitz Colloredo oder seinen Favoriten Goltz in Vorschlag gebracht hatte,[1212] die jedoch die Ernennung nicht annehmen wollten.[1213]
Am 17.6. informierte Colloredo W. E. von Lobkowitz, Wittenberg habe in Johannisberg[1214] im Neissegebiet gestanden, jetzt sei er ins Glatzer Bergland einmarschiert und man müsse seine weiteren Bewegungen abwarten. Den meisten Vermutungen zufolge könnte er in Böhmen eindringen.[1215]
Colloredo schrieb am 17.6. an W. E. von Lobkowitz, Wittenberg in Schlesien und Königsmarck in der Oberen Pfalz verhielten sich ruhig. Angeblich sei Pfalzgraf Karl Gustav persönlich, in Begleitung von zwei Regimentern, in Leipzig eingetroffen; ob ihm weitere Regimenter folgen würden, wisse man noch nicht.[1216] Am 24.6. wandte sich Colloredo erneut an W. E. von Lobkowitz: Er wisse nicht, wer es verschuldete, dass von den für Befestigungsarbeiten bestimmten 1.500 fl. wöchentlich 300 fl. für die Beschaffung von Schießpulver abgezogen würden. Ein solcher Eingriff gestatte keine ordentliche Inangriffnahme der Befestigungsarbeiten, denn dazu genügten nicht einmal die überwiesenen 1.500 fl. Da bei der Fähre in Raudnitz[1217] und Liboch[1218] feindliche Abteilungen erblickt wurden, möge Lobkowitz die Fähre in Raudnitz entfernen lassen, bevor sie noch Schaden anrichte.[1219]
Ferdinand III. teilte Colloredo am 30.6. aus Linz mit, der Inhaber der Fuhrpost in Böhmen habe sich über einen feindlichen Überfall von Königsmarcks Soldaten beklagt. Er, F., halte ein solches Vorgehen für vertragswidrig und befehle ihm, mit Königsmarck ähnliche Verhandlungen einzuleiten, wie sie ein kaiserlicher Generalleutnant mit Wrangel führte, jenen auf diese Tat aufmerksam zu machen und Vorkehrungen zu treffen, dass die Vereinbarung eingehalten werde und die Postbeamten mit Pferden und Wagen unbehelligt heimkehren könnten.[1220]
Am 4.7. schrieb Colloredo an W. E. von Lobkowitz, Königsmarck stehe noch vor Falkenau und halte die Stadt unter starkem Beschuss; ohne Hilfe werde sie sich nicht lange halten können. Wittenberg sei auf dem Wege von Glogau, wolle angeblich nach Polen, anderen zufolge nach Pommern; wegen dieser Provinz misstrauten die Schweden dem Kurfürsten von Brandenburg. Wittenberg solle den Befehl haben, einige Truppen aus Schweden zur Hauptarmee abzukommandieren. Die Schweden hätten Oels[1221] und Bernstadt[1222] verwüstet und wollten auch Jauer[1223] das gleiche Schicksal bereiten. Allem Anschein nach beabsichtige der Feind schnell zuzuschlagen.[1224]
Am 16.7.1648 schrieb B. I. v. Martinitz in düsterer Vorahnung aus Prag an Piccolomini: In seinem Schreiben vom 24.6. habe er ihm die Wahrheit gesagt: Gegenwärtig greife Königsmarck Falkenau[1225] und Elbogen[1226] an, und Graf Eberstein, dieser Häretiker, der hätte zu Hilfe kommen sollen, habe nichts unternommen; Wittenberg und Königsmarck ziehen ihre Truppen zusammen und wollten mit den aus Pommern kommenden Verstärkungen angeblich Prag umzingeln. Auch wenn Colloredo gute Absichten hege, sei er doch zu alt und verfüge über nichts anderes als höchstens 600 gute Fußsoldaten und eine verarmte, von M. von Waldsteins Offizieren ausgesaugte Bürgerschaft. Die Torwachen seien schwach, und es gebe selbst solche Vorfälle, dass feindliche Reiter ein- und ausgehen, sich als Kaiserliche ausgeben, und niemand untersuche sie oder verlange einen Pass. Aus dem gegen den Weißen Berg liegenden Tore könne niemand hinaus, da das Land dort vom Feinde besetzt sei; 10-12 000 Mann könnten mit Leichtigkeit die ganze Stadt belagern und bei einem Überfall, insbesondere von der Burgseite her, auch in geringerer Zahl in die Stadt eindringen. Er habe Colloredo darauf aufmerksam gemacht, der aber habe geantwortet, er wisse davon, habe jedoch überall zu wenig Leute. Den jüngsten Nachrichten zufolge ziehen die Schweden ihre Truppen zu einem Angriff auf Prag zusammen.[1227] Unter dem 18.7.1648 schrieb Ferdinand III. an Colloredo: Um die in den Festungen und befestigten Orten Böhmens und Mährens ständig entstehenden Unordnungen zu beseitigen, habe er Obrist Bissingen mit der Inspektion dieser Orte beauftragt. Er, Colloredo, solle ihn bei seiner Tätigkeit unterstützen.[1228]
Am 22.7. teilte Colloredo Lobkowitz mit, Wittenberg setze seinen Vormarsch in Böhmen fort, halte sich nun bei Jaroměř[1229] auf und wolle sichtlich zur Elbe ziehen. Königsmarck sei dieser Tage in Eger gewesen, jetzt aber wieder zu seinen Leuten abgereist. Vor zwei Tagen stand er bei Plan. Alle Bewegungen beider schwedischer Heere müssten aufmerksam verfolgt werden. Puchheim stehe mit den Truppen noch bei Časlau.[1230] Colloredo schrieb am 25.7. Lobkowitz, Königsmarck stand am 23.7. bei Pilsen, wo er überall Vieh zusammen trieb und nach Eger bringen lasse. Die Aussagen von Gefangenen ließen nicht deutlich erkennen, wohin sich Königsmarck zu wenden gedenke. Die einen behaupteten, sein Ziel sei Saaz, die anderen, es sei die Obere Pfalz. Wittenberg befinde sich bei Skalitz, Puchheim bleibe bis zum Anmarsch von Verstärkungen an der Sazawa.[1231]
Am 26.7. sollte Königsmarck in einem Überraschungsangriff die Prager Kleinseite erobern.
“Diese Truppe war ein eigens abgestelltes Korps unter Königsmarck, der den Auftrag erhalten hatte, noch einen Einfall in die kaiserlichen Erblande zu machen. Wenige von denen, die auf den sommerlich staubigen Wegen dahintrabten, wußten, daß sie im Begriff waren, einen unerhört gewagten Coup gegen Prag auszuführen. Im Normalfall hätte sich ein Feldherr mit so wenigen Truppen nicht an ein derartiges Unternehmen herangewagt, denn Prag war eine der größten Städte Europas, mit mehreren Ringen von Mauern und Festungsanlagen umgeben, gut bestückt mit Kanonen und von rund 1000 regulären Soldaten sowie einer bewaffneten Bürgermiliz bewacht, die bis zu 12000 Mann zählen sollte. Nun war Königsmarck, kürzlich mit dem imposanten Titel eines Feldmarschallleutnants behängt, kein gewöhnlicher Feldherr, sondern ein verschlagener Fuchs und Streifzugkrieger mit ständigem Appetit auf abenteuerliche Unternehmungen. Außerdem hatte er eine geheime Waffe in Gestalt eines kaiserlichen Überläufers,[1232] der versprochen hatte, den Schweden in die Stadt zu helfen.
Dieser Mann war Ernst Odowalsky, der sich einst in der kaiserlichen Armee vom Gemeinen zum Oberstleutnant hochgedient hatte, aber nun ins Unglück geraten war; zuerst verlor er seinen rechten Arm und damit seinen Posten. (Ansonsten kam es oft vor, daß Offiziere, die eine schwere Verwundung überlebten, unter den Fahnen blieben. Ein vielleicht etwas drastisches Beispiel hierfür bietet Josias von Rantzau, der nacheinander den Dänen, den Schweden, dem Kaiser, dann wieder Schweden und schließlich Frankreich diente; während dieser Zeit soll er nicht weniger als sechzig Verwundungen erhalten und ein Auge, ein Ohr, einen Arm und ein Bein verloren haben. Derartige Piratenphysiognomien zu Pferde waren in den verschiedenen Armeen kein ungewöhnlicher Anblick.) Zu allem Überfluß wurde Odowalskys Haus in Eger im Verlauf der Belagerung 1647 von den Schweden geplündert und niedergebrannt. Nachdem er ohne spürbares Resultat den Kaiser um Hilfe ersucht hatte, wandte er sich in seiner Verbitterung an die Schweden. Gegen Ende Mai hatte er Königsmarck aufgesucht und vorgegeben, in schwedische Dienste treten zu wollen, ließ aber gleichzeitig durchblicken, daß er wisse, wie man sich ohne größere Anstrengung Eingang in die Stadt Prag verschaffen könne. Königsmarck horchte natürlich auf, nicht nur weil Prag die Residenzstadt des Kaisers war, sonderlich in erster Linie, weil der böhmische Adel und die kaiserliche Familie seit dem Beginn des Krieges dort große Mengen von Besitz und Wertsachen aufbewahrten. Die Stadt war wie eine riesige Bank. Königsmarck war gierig und sagte nie nein zu einer kleinen Beute, und als ihm wie hier eine Beute von nahezu biblischen Dimensionen in Aussicht gestellt wurde, konnte er der Versuchung natürlich nicht widerstehen. Er setzte sein Korps nach Osten in Bewegung. Das Ziel war Prag, aber Königsmarck wußte, daß alles von der Geheimhaltung des Plans abhing, weshalb der Vormarsch in einen Schleier von Winkelzügen, falschen Gerüchten und verwirrenden Täuschungsmanövern gehüllt wurde.
Am 13. [23.] Juli änderte das Korps abrupt die Richtung, ließ Pilsen im Rücken und verschwand in aller Stille auf Prag zu. Eine Avantgarde von 200 Reitern ritt voraus und fegte Reisende und Soldaten aus dem Weg. Jeder, den sie trafen, wurde angehalten und gefangengenommen, damit niemand vor dem Anmarsch der Schweden Alarm schlagen konnte. Am Tag danach erreichte man Rakonitz.[1233] Prag lag 50 Kilometer entfernt.
In Rakonitz ließ Königmarck die gesamte Artillerie und den ganzen Troß, von 200 Dragonern bewacht, zurück. Die Pferde der Wagen und Geschütze wurden ausgespannt. Das ganze Fußvolk, rund 1000 Musketiere,[1234] wurden beritten gemacht, und zusammen mit den 2000 Reitern des Korps – darunter ein Teil alte Bernhardiner – ritten sie gegen 10 Uhr am Vormittag des 15. [25.] Juli 1648, einem Samstag, auf Prag zu. Am Nachmittag glitten die Kolonnen leise in einen Wald in nicht allzu großer Entfernung von der Stadt. Hier, in den sommerwarmen Wäldern, wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Königsmarck verkündete den Truppen, was auf sie zukam, und stellte ihnen große Beute in Aussicht. Odowalsky hatte eine Liste der wichtigsten Einwohner der Stadt und ihrer Adressen zusammengestellt; alle wohnten auf der sogenannten Kleinseite von Prag am westlichen Ufer der Moldau. Die Liste der Adelspalais wurde durchgegangen, und die Soldaten erfuhren, welches Palais gerade sie plündern dürften. Direktiven für den eigentlichen Vorstoß in die Stadt wurden auch gegeben: Jeder, der mit Waffen in der Hand angetroffen wurde, sollte niedergehauen werden, und auf alle, die sich in den Fenstern zeigten, sollte geschossen werden. Die Truppen wurden in verschiedene Sturmkolonnen eingeteilt, und einige mußten ihre Ausrüstung mit Äxten und anderem vervollständigen. Dann galt es nur noch, die Dämmerung abzuwarten. Ein Teil der Soldaten vertrieb sich die Zeit im Wald mit Kartenspiel und Würfeln.
Nach Einbruch der Dunkelheit ritten sie los. Als Erkennungszeichen trugen sie Eichenlaub an den Hüten. Gegen Mitternacht kamen sie zum Weißen Berg, 5 Kilometer von der Kleinseite entfernt. Der Vortrupp von 100 Mann unter Führung von Odowalsky selbst und begleitet von Königsmarck schlich sich in einen Park, der das kaiserliche Lustschloß Stern umgab. Noch gab es keine Anzeichen, daß sie entdeckt waren. Gerade da hörten sie Laute. Der Sommerwind trug Glockengeläut herüber, dem bald der Klang einer zweiten Glocke erfolgte. Der sonst so kühle Königsmarck wurde plötzlich nervös, er glaubte, in der Stadt werde Alarm gegeben. Odowalsky, der in Prag Dienst getan hatte, konnte ihn damit beruhigen, daß dies nur die Mönche im Brevnovkloster[1235] und im Kapuzinerkloster bei der Königsburg, dem Hradschin seien, die zur Mitternachtsmesse riefen.
Der Rest der Truppen wurde im Dunkel herangeführt. Fußvolk und Dragoner saßen ab, ließen ihre Pferde im Lusthauspark zurück und zogen leise weiter. Königsmarck und die Kavallerie blieben in einem abgebrannten Dorf knapp einen Kilometer vor den Mauern. Das Fußvolk und die Dragoner rückten noch ein Stück vor, versteckten sich dann aber in einigen Gärten, die direkt vor dem Westtor der Kleinseite lagen. Odowalsky mit dem Vortrupp schlich weiter vor bis zum Wallgraben. Alles war still. Die Stelle für den Einbruch war gut gewählt. Seit einiger Zeit wurden an den Mauern Ausbesserungsarbeiten durchgeführt, und im Wallgraben zwischen zwei Bastionen lag ein großer Erdhaufen, wo die Grabenden ihre Schubkarren entleerten. Der Haufen reichte fast bis an die Mauerkrone. Hier gingen Odowalsky und seine 100 Männer in Deckung. Sie warteten. Ungefähr eine Stunde vor Anbruch der Morgendämmerung, als die Glocken der Stadt gerade halb drei geschlagen hatten, wurde ein Zeichen gegeben, und die 100 Männer stürmten den Erdhaufen hinauf und bestiegen den Wall. Sie trugen alle entsicherte Gewehre mit Schnappschlössern oder Pistolen Einige trugen Äxte und Keulen, die gebraucht wurden, um Türen und Tore einzuschlagen. Die Mauer war leer. Die Truppe teilte sich in zwei Gruppen. Die eine lief nach links, die andere nach rechts zu den beiden Bastionen, die das nächstgelegene Tor flankierten. Bei den Bastionen angekommen, stießen sie auf einige Wachen, doch diese wurden überrumpelt und von der hohen Mauer hinabgeworfen. Odowalsky lief nun sofort mit einer Gruppe Soldaten zum Strahover Tor. Sie kamen an dem Kapuzinerkloster vorüber, dessen Glockenläuten Königsmarck erschreckt hatte. Davor standen zwei Wachen. Die eine wurde niedergeschossen, die andere konnte fliehen.
Nun mußte es schnell gehen. Odowalsky und seine Männer liefen weiter zum Tor und warfen sich über die Wache, die niedergemacht wurde. Das Tor wurde aufgestoßen. Die Zugbrücke wurde heruntergelassen. Odowalsky stürmte hinaus in das schwache Licht der Morgendämmerung. Er rief die Soldaten, die in den nahegelegenen Gärten versteckt waren. Die schwer bewaffneten Männer ergossen sich in einem dunklen Strom durch das Gewölbe, hinein in die Straßen der Stadt. Dann brach der Tumult los. Schlaftrunkene Bürger und Soldaten sprangen aus ihren Betten und liefen halbnackt aus ihren Häusern, sie wurden von gezückten Degen und krachenden Schüssen empfangen. Wer seinen Kopf aus dem Fenstern steckte, wurde beschossen, unter anderem ein Frantisek Sternberg,[1236] der von einem Schuß getroffen wurde, als er hinausschaute, um nachzusehen, was los war – er starb einige Wochen später. Ein Obristleutnant Schmidt lief hinunter zur Karlsbrücke, die die beiden Hälften Prags verbindet. Er wurde erschossen, denn eine schwedische Abteilung hatte bereits den Brückenturm besetzt, um Entsetzungsversuche von der östlichen Seite des Flusses zu verhindern. Zwei Grafen namens Cernin[1237] und Michna[1238] versuchten, mit einem Boot über das Wasser zu fliehen, aber sie wurden von pfeifenden Kugeln getroffen. Prags Kommandant Colloredo – der im Nachthemd war, nachdem er aus dem Bett gesprungen und durch Gärten und Weinfelder gelaufen und dann über die Stadtmauer geklettert war – entging jedoch den Schüssen und rettete sich mit seinem Lakai und seinem Sekretär in einem Fischerboot hinüber ans andere Ufer.[1239] Als die Morgensonne auf die Kleinseite schien, waren die Kämpfe so gut wie vorüber. Rund 150 Bürger und kaiserliche Soldaten waren tot, 350 verwundet. Die Schweden hatten lediglich einen Leutnant und sieben Mann verloren. So groß war die Überraschung gewesen. Viele hochgestellte Persönlichkeiten waren auch in die Gewalt der Schweden geraten, unter anderem der Erzbischof von Prag.[1240]
- – Am 28.7. hatte der Kaiser aus Linz an Colloredo geschrieben, mit Trauer habe er zur Kenntnis genommen, dass sich der Feind wider alle Erwartung (!) der Prager Kleinseite bemächtigt habe. Das Schicksal der böhmischen Statthalter kenne er noch nicht. Colloredo möge sie, sofern sie sich nicht in der Macht des Feindes befänden, in seinem Namen zur weiteren Tätigkeit und zum ununterbrochenen Dienst für das Königreich ermutigen. Er erwarte weitere Nachrichten über ihr Schicksal.[1241] Ferdinand III. schrieb am 30.7.1648 aus Linz an Vratislav z Mitrovice, bei dem feindlichen Angriff auf die Kleinseite und den Hradschin sei augenscheinlich auch neben anderen Landesbeamten der Generalkriegskommissar in Böhmen, V. A. von Kolovrat-Krakovský, in Gefangenschaft geraten. Da dieses Amt sehr wichtig sei, müsse es neu besetzt werden. Bis zu seinem weiteren Beschluss würden er, Vratislav, und Friedrich Vĕžník von Vĕžník, Burggraf des Königgrätzer Kreises, dieses Amt bekleiden. Sie sollten Colloredo und Puchheim in allem, was die Verteidigung der Stadt und das Interesse des Königreichs erforderten, gehorsam sein.[1242] Leslie hatte am 30.7. Piccolomini aus Linz mitgeteilt: Königsmarck habe sich der Prager Kleinseite und der Burg bemächtigt; es bestehe wenig Hoffnung auf eine Vertzeidigung der übrigen Prager Städte und ebenso wenig auf einen Widerstand des ganzen Königreichs Böhmen.[1243] Am 3.8. antwortete er ihm: Er ersuche um Mitteilung, wem die Schuld an einem so unglaublichen Erfolg des Feindes gegeben wird. Er habe nämlich einen Brief aus Prag erhalten, in dem der Schreiber – gemeint war Martinitz – die Eroberung von Prag voraussagt und meint, Colloredo sei zwar erfahren, aber zu alt und ohne Hilfe. Auch habe in der Stadt ein Regiment gelegen, dass von Offizieren geführt wurde, die sich mehr um den eigenen Beutel scherten als um den kaiserlichen Dienst, und darum in der ganzen Stadt verhasst gewesen seien. Er selbst wundere sich darüber, wie so viele kluge Kavaliere ihre Gemahlinnen, ihr Leben und ihren Besitz in Gefahr bringen, und wie zwei- oder dreitausend Leute die kaiserliche Residenz besetzen konnten. „Ma dal’altro canto di Praga m’è stato scritto e preveduto questo accidente per veder il Conte Colloredo, Cavaliere di grand’esperienza e valore, ma vecchio e non assisto da nissuno. Un Regimento di soldatesca inesperta con officiali che badavano più a far la borsa ch’al servizio del Padrone, e che percio era odiato da tutta la Citta, e mi maraviglio che tanti cavalieri saggi e prudenti vedendo la forma di quel governo, habbino voluto esporre a questo pericolo le lor moglie, vita, e havere. Quello però stimo oltra il danno e le consequenze, e che cosa ne dirà il mondo di vedere la residenza d’un Imperatore occupata a due in tre milla huomini”.[1244] Leslie antwortete am 11.8., die Schuld an dem Verlust Prags werde in Linz Colloredo zugemessen; Adel und Volk des Königsreichs seien entrüstet über sein Verhalten und wollten ihn, bis es mit der Zeit möglich sein wird, vor Gericht verklagen. Wittenberg und Königsmarck befestigten die Orte zwischen der Moldau und der Stadt Beraun, damit diese Prag nicht zu Hilfe kommen kann.[1245] Piccolomini fand es unglaublich, dass ein so schwacher Gegner die Kleinseite überrumpelt habe, ohne einen Schuss abzugeben.[1246] Piccolomini hatte Colloredo gegenüber Maximilian wieder einmal die Schuld an der militärischen Lage vor allem in Böhmen zugewiesen: Die kaiserliche Armee verfolge den Gegner in Süddeutschland und unterstütze den Kurfürsten von Bayern bei der Vertreibung der Schweden. Der Kurfürst werde (aber) einen Abmarsch der Kaiserlichen aus Bayern nicht gestatten, bevor sein Land vom Feinde völlig befreit ist, und bestehe selbst jetzt darauf, nachdem ein Großteil der Schweden nach Böhmen gezogen, Prag belagert und die Prager Kleinseite besetzt hat. An diese Forderungen habe er Drohungen einer Allianz mit dem Gegner und eines Separatfriedens geknüpft. Er selbst sehe die Schuld an der Vernichtung des Königsreichs Böhmen und der Bedrohung Prags im Egoismus des bayerischen Kurfürsten.[1247] Königsmarck selbst schrieb am 30.7. an Johan Oxenstierna: „Euere Gräfl. Excellenz verhalte ich hiermit gebührend Nachricht nicht, daß ich nächst Gottes Beistand den 16. [26.] dieses mit anbrechendem Tage sowohl das hiesige kgl. Schloß als die kleine Seite der Stadt glücklich bekommen habe. Was an Stücken und Munition allhier befindlich, ist aus der eingelegten Specification zugesendet. Nach der Königlichen Kron[1248] habe mich [...] erkundigt, allein ist selbige von der Kaiserlichen Majestät jüngst bei dero Abreise mitgenommen“.[1249] -
Nun, da die Kleinseite in schwedischer Hand war, die Tore besetzt und die Flußseite gegen Rückeroberungsversuche vom östlichen Teil der Stadt gesichert waren, durften die Soldaten sich ans Plündern machen. Es wurde eine groteske Angelegenheit. [...] Die Plünderung dauerte zwei ganze Tage und Nächte, und die Beute war unfaßbar groß. Mehr Reichtümer als irgend jemand sich hätte träumen lassen, waren hier in Schatzkammern und Kellergewölben versteckt. Aus dem Palais des Stadtkommandanten Colloredo wurden 12 Tonnen Dukaten und über 2, 5 Tonnen Silber herausgetragen. Aus dem Palais des getöteten[1250] Grafen Cernin wurde Gold im Wert von mehreren 100 000 Talern gestohlen. In einem Kloster[1251] fanden sie 100 000 Taler in barem Geld. Dem Postmeister Paar wurden 18 000 Taler abgenommen, und so weiter. Man sah schwedische Soldaten Münzen nicht Stück für Stück abmessen, sondern Hut für Hut. Königsmarck selbst konnte fünf Wagen mit Gold und Silber füllen”.[1252] Diese Großzügigkeit den Soldaten gegenüber war wohl notwendig, um dieser letzten Phase vor Kriegsende mögliche Meutereien[1253] unter den zur Abdankung anstehenden Verbänden zu verhindern.
- Colloredo schrieb sich rechtfertigend am 18.8. aus Prag an Piccolomini: Nach langen Nachforschungen ist die wahre Ursache des schwedischen Erfolgs ermittelt worden. Oberstleutnant Odowalski wurde zum Verräter. Er hat in Eger ein Haus und im Egerland einigen Grundbesitz, hatte vor einem halben Jahr bei Hof um eine Kommandantenstelle angesucht und ihn einige Male bei den Inspektionen der Befestigungen begleitet. Er versprach Königsmarck, ihm für eine Belohnung von 20 000 Rt. Das Strahower Tor zu öffnen und verlangte von diesem nur fünfzig bewaffnete Infanteristen. Mit diesen überschritt er den von der St. Margaretenkirche herabrinnenden Bach, hielt sich an der Rückseite des Kapuzinerklosters und erreichte über den Garten des Grafen Schlick das Haus Haugwiz;[1254] von dort ging er zur Torwache, überfiel und erschlug sie und öffnete das Strahower Tor. Vor diesem wartete bereits Königsmarck mit seiner gesamten Reiterei, drang ein, stellte rasch eine Wache ans Tor und kam in Person bis zu seinem Haus; dort betrat er den Hof, es erschien der Verräter Odowalski und fragte Königsmarck, ob er jene 20.000 Rt. nun verdient habe. Dieser bestätigte ihm auf seine Kavaliersehre, dass er sie verdient hat. Hierauf trat Königsmarck in sein Haus ein und ließ ihn im Weinberg und der gegenüber liegenden Toreinfahrt suchen, im Glauben, er hätte im Karmeliterkloster Zuflucht gefunden.
Königsmarck ließ dann die Kleinseite, die Burg und die Kaiserliche Galerie völlig ausplündern und nahm sich heraus, mit den Adeligen und Damen derart umzugehen, dass ihnen nicht einmal das Hemd auf dem Leibe blieb; heute könnte man in der Stadt Damen in Leinenkleidern sehen, wie sie die Weiber auf dem Land tragen, ein kläglicher Anblick ! Salvaguardien ließ Königsmarck nur in das Haus des Fürsten Lobkowitz, der Frau von Bilina [Anna Maria v. Sternberg, verehelichte v. Lobkowitz;[1255] BW] und des Grafen Berka legen, alle übrigen Häuser überließ er der Plünderung, die mehrere Tage dauerte. Wittenberg selbst sagte, sie hätten nicht ärger hausen können, wenn sich die Kleinseite gewehrt, und Blut, Menschen und Zeit gekostet hätte, und fügte hinzu, all dies sei überhaupt nicht die Absicht der schwedischen Krone gewesen.
Nach einigen Tagen entließ Königsmarck die Damen nach Hause, behielt jedoch die meisten Adeligen als Gefangene auf der Burg und verlangt, außer allem, das er ihnen genommen, noch große Geldsummen von jedem, wobei er ihnen droht, er werde sie ins Jenseits befördern. Er benimmt sich wie ein Barbar und völlig ohne Rücksicht auf Frauen. Die Schweden behalten ihre Beute für sich; Gold, Silber, Schmucksachen und Bargeld übersteigen die Summe von 6 Millionen, andere Mobilien nicht eingerechnet.[1256]
Nach eigenen Schätzungen machten die Schweden bei der Eroberung der Kleinseite in Prag eine Beute im Wert von 7 Millionen Reichstalern. Königsmarck selbst hatte 28.000 Rt. aus der Prager Beute erhalten.[1257] Königsmarck hatte seine Millionenbeute auf der Burg Neuhaus[1258] (Archiv, Zeughaus und Schatzkammer des Deutschen Ordens) bei Mergentheim[1259] deponiert. Zu Kriegsende soll der ehemals mittellose Königsmarck ein Vermögen von fast einer Million Rt. und ein Einkommen von etwa 130.000 Rt. in Schweden besessen haben.[1260]
Colloredo informierte W. E. von Lobkowitz am 18.8.: Am Vortag sei Wittenberg nach Konopischt[1261] gekommen und habe die Burg unter Beschuss genommen. Die darin befindlichen Adligen und Landleute hätten sich ergeben und die Waffen niedergelegt. Auch der Feldwebel mit 20 Soldaten habe sich ergeben und jetzt rücke der Feind nach Tabor vor, wohin er, C., Hauptmann Salvetti kommandierte.[1262] Der Kaiser wandte sich am 19.8. an Colloredo: Die Hilfe für Prag müsse beschleunigt und dürfe in keiner Weise aufgehalten werden. Er wurde in Kürze seinen Beschluss über die Besetzung der Hauptmannstellen in der Prager Alt- und Neustadt bekannt geben. Colloredo möge ihm alle Nachrichten zukommen lassen, die von den feindlichen Soldaten auf der Kleinseite und im Lande und auch von Gefangenen über Absichten und Pläne des Feindes gewonnen würden.[1263]
Am 20.8. schrieb Leslie wieder an Piccolomini: Prag warte vergeblich auf Hilfe, die Schlick schicken soll. Derjenige Teil der Stadt, den die Schweden nicht besetzten, leide an der Blockade und an Lebensmittelmangel. Die Verteidigung sei umso bewundernswerter, da keine Hoffnung auf Hilfe bestehe; andererseits könne die kaiserliche Armee ohne die Rückgewinnung Prags den Krieg nicht weiter führen. Königsmarck befestige sich in Prag nicht gegen eine Armee von außen, sondern bloß gegen die Prager Altstadt, um die Flucht aus dem besetzten Stadtteil sowie das Hinaustragen von Wertsachen zu verhindern. Von den Gefangenen erpresse er Lösegelder.[1264] Am 21.8. schrieb Piccolomini Leslie: Karl Gustav führe der guten schwedischen Armee weitere Verstärkungen zu, während ihnen die kaiserliche Armee macht- und mittellos gegenüber steht. In Prag habe es für die Soldaten kein Brot gegeben und jetzt führt der Gegner Millionen aus der Stadt, so dass die 7.000 Mann, über die Wittenberg und Königsmarck zusammen verfügen, diese große und volkreiche Stadt mit einer Blockade sperren könnten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, die von Schlick aufgestellten Truppen würden zusammen mit den 2.000 Mann, die er selbst in Bayern anwerben will, zur Vertreibung des Gegners aus Prag führen.[1265] Am 2.9.1648 teilte Formarini Piccolomini aus Linz mit: Am Vortag sei der kurbayerische Rat Teisinger eingetroffen und beim Kaiser zur Audienz gewesen; er brachte den Protest und die Drohungen seines Kurfürsten, mit dem Feind – unter der Garantie der Sicherheit seines Landes – Frieden zu schließen, falls Soldaten von der Armee in Bayern nach Böhmen überstellt werden sollten. Der Kaiser sei ebenso wie der Kurfürst in Bayern der Ansicht, in Böhmen müsse keine Vorbereitung zu einem Zusammenstoß mit dem Feind getroffen werden, da eine solche den Friedensschluss verzögern könnte. Nach Formarinis Meinung sollte Piccolomini seinen ständigen Vertreter am Hof haben, der seine Ansichten durchzusetzen wüsste. Puchheim marschiere mit schwachen Abteilungen nach Böhmen und Colloredo werde mit solchen Hilfstruppen wohl nicht zufrieden sein.[1266] Ferdinand III. wandte sich am 8.9.1648 aus Linz wieder an Colloredo: Er habe von Colloredos Forderung erfahren, mehrere Geschütze, Militär und Schiffe von Budweis auf der Moldau nach Prag zu transportieren, und das des Nachts, um Gefahren durch den Feind zu vermeiden. Er gebe zu bedenken, dass der Transport in die Hände des Feindes fallen könne und dass die Moldau kein so schneller Strom wie die Donau oder der Rhein sei. Aus diesen Gründen habe er Brisigello angewiesen, den Transport für diesmal zurückzubehalten.[1267]
Piccolomini schrieb am 13.9. hinsichtlich der Weigerung Maximilians zur Überstellung kaiserlichen Kriegsvolks nach Böhmen an Colloredo: “Il negoziato del Conte Curtz con Baviera non ha partorito effetto nissuno non volendo quel Principe che si stacchi pur un huomo da questa Armata, se prima non si scaccia il nemico fuora del Suo paese, e minaccia apertamente se si fu questo ch’egli s’aggiusterà co’nemici havendo scritto in questa conformità li suoi sentimenti a Sua Maestà, la quale mi ordina nonostante questo, ch’io tenghi inparato da 2 in 3 milla huomini per mandar al primo ordine in Bohemia. Vostra Eccelenza giuducherà se questi con quelli che sono la, saranno bastanti di poter essere Patroni della Campagna e cacciare in nemico di Boemia, e percio il mio parere é stato, poi che Baviera vedendo staccar quella gente s’accomoderà infallibilmente col nemico”.[1268]
Colloredo teilte Piccolomini am 17.9. aus Prag mit, der Feind habe seine Soldaten auf der Burg untergebracht, den Rest nach Königsaal[1269] überstellt, alle Wege gesperrt und die Stadt Prag von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten. Er, C., habe bereits vor mehreren Wochen den Hof schriftlich gebeten, sofort Munition und Artillerie zu schicken. Alles hätte rechtzeitig ankommen können, wenn man es hätte abschicken wollen. Nun sei es zu spät, die Stadt sei umzingelt und nur ein Heer mit starker Kavallerie könnte Wittenberg vertreiben und die Wege frei machen. Er habe keinen Heller, weder Pulver noch Geschosse für das hilflose Heer.[1270]
Colloredo wandte sich am 29.9. aus Prag wieder an Piccolomini: Der bayerische Kurfürst habe den Sukkurs verweigert, nun warte man auf die von Schlick versprochenen Truppen. Angeblich seien der Kanzlei auf der Kleinseite Schriftstücke übergeben worden, in denen die Verfasser verlangen, jeder Adelige möge ein Drittel seines Besitzes für die Fortsetzung des Krieges widmen. Der Inhalt dieser Schriftsachen sei nun in Stadt und Land in Umlauf und werde von ihren Prädikanten von den Kanzeln gelesen, wobei diese sagten, die Stände selbst sollten ihre weiteren Schritte erwägen, sich rasch mit ihnen verbinden und dem Land die frühere Freiheit zurückzugewinnen. All dies habe derartige Verwandlungen bewirkt, dass so mancher beginne, sich kühl zurückzuziehen, und sollte es nicht zum Friedensschluss kommen, müsse man wahrlich den Abfall vieler Menschen fürchten. Vor zehn Tagen sei Puchheim nach Budweis gereist, um militärischen Sukkurs herbei zu schaffen. Die Wahl seiner Person sei nicht eben glücklich gewesen, da er sich unterwegs krankheitshalber aufhielt, der Feind ihn zwischen Frauenberg und Budweis, zusammen mit anderen Offizieren, die ohne ihn die Reise nicht fortsetzen wollten, gefangen nahm und zurück auf die Prager Kleinseite brachte, wo alle am Vormittag eintrafen. Nur Mislík habe sich mit einem Teil der Reiterei nach Oberösterreich retten können. – Weder Königsmarck noch Wittenberg werde es gelingen, zwei Prager Städte durch Waffengewalt zu nehmen, doch könnte es ihnen durch langsame Ermüdung gelingen. – Er bitte um Nachricht über die Friedensaussichten. Wittenberg sei von Königsaal zurückgekommen, Königsmarck habe Prag mit Schanzen umgeben, so dass die Lebensmittelversorgung auch auf dem Wasserweg erschwert sei. An ein schnell aufgestelltes Heer, das Schlick verspräche, glaube er nicht und selbst wenn er es aufstelle, wäre es nicht im Stande, dem siegreichen Feind Widerstand zu leisten. Er, P., müsse es sobald wie möglich durch eine ordnungsgemäße Abteilung verstärken und auch einen tüchtigen Kommandanten schicken.[1271] – -
Königsmarck hatte sich am 1.10. zur Besprechung über das weitere Vorgehen gegen Prag mit Karl Gustav in Saaz getroffen. Am 25.9/4.10. traf Karl Gustav mit 6000 Mann bei Prag ein. Am Tag darauf wurde die östliche Seite der Stadt eingeschlossen, und eine förmliche Belagerung setzte ein. Natürlich wußte Karl Gustav, daß der Friede täglich zu erwarten war, doch das trieb ihn nur noch an, den Angriff zu beschleunigen. Er schrieb nach Hause, er wisse, daß die Eroberung Prags ihm große Ehre einbringen werde – doch gleichzeitig hoffte er zweifellos, große Beute machen zu können. Die Belagerung wurde nach bewährtem Brauch mit dem Ausheben von Laufgräben, Artilleriebeschuß und Minensprengungen geführt, aber sie war doch außergewöhnlich gewaltsam, weil Karl Gustav sie mit großer Energie betrieb, während zugleich die Verteidiger – weitgehend also bewaffnete Zivilisten – sich als ungewöhnlich standhaft erwiesen. Die ganze Stadt bebte von dem heftigen Kanonenbeschuß; rauchende Granaten hagelten in die engen Gassen und detonierten in Wolken von Rauch und Splittern, und große Stücke der Stadtmauer wurden von Schwärmen brummender Geschosse zu Schotter zermahlen. Hinter den zerfallenden Mauern bauten die energischen Verteidiger
jedoch rasch ein System von Holzpalisaden und Brustwehren auf und wiesen jedes Angebot eines Akkords ohne Zögern zurück.
- – Am 13.10. schrieb der Kaiser an Colloredo: Die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück seien bereits so weit fortgeschritten, dass er die Ergebnisse und Einstellung sämtlicher Feindseligkeiten täglich erwarte. Am Tage nach der Veröffentlichung des Friedensschlusses würden aus beiden Städten Kuriere zu den Generälen der Krieg führenden Armeen entsandt werden, um den Friedensschluss bekannt zu geben. Solle Colloredo dies von den kaiserlichen Gesandten in Münster und Osnabrück früher erfahren als er selbst, möge er Vorkehrungen treffen, um den Ausbruch von Feindseligkeiten zu vermeiden.[1272] – -
Am Nachmittag des 3. Oktober rückte die schwedische Leibgarde zum Sturm auf eine der Breschen bei dem sogenannten Galgentor vor. Wir wissen von Bildern ungefähr, wie dies aussah. Zuerst kommen die Sturmkolonnen, noch in Deckung, langsam vorrückend, eine dichte Masse von Hüten und Musketen und Armen, die am Schluß nur noch vorwärtskriecht. Dann erfolgt der Sturm über Schotterhaufen und Mauerreste, hinein in das Durcheinander von Palisaden und Laufgräben und fortgeworfenen Fachinen und zerborstenen Schanzkörpern. Jetzt folgen Rauchwolken, Knalle und Handgranaten, die durch die Luft wirbeln; Menschen, die sich in alle Richtungen bewegen – ein Teil kriecht, ein Teil läuft – , kleine Gruppen, die sich im Feuer vorarbeiten. Verstärkungen rücken im Schutz einer Kaponniere heran. Und ständig neue schwellende Garben von Rauch und Feuer, das aus Schußwaffen sprüht. Granaten, die detonieren, Menschen, die brennen, Menschen, die in Stücke gesprengt werden: hier ein Kopf ohne Körper, dort ein Körper ohne Kopf.
Der Sturm war erfolgreich, und alle Verteidiger an dem angegriffenen Punkt wurden entweder getötet oder in die Flucht getrieben. Während der Nacht führten Prags Verteidiger eine Serie heftiger Gegenangriffe aus. Immer wieder schlichen sich Leute durch das dichte Dunkel heran und überschütteten die Soldaten der Leibgarde mit Handgranaten, und am Morgen des 4. stellten die völlig zermürbten Schweden fest, daß sie keine andere Wahl hatten, als sich zurückzuziehen. Die Belagerung ging weiter, nahm aber immer mehr den Charakter eines reinen Grabenkriegs an. Am gleichen Tag, als in Münster der Friede unterzeichnet wurde, also am 14. Oktober, gelang es den Belagerten, einen hohen Holzturm in Brand zu stecken, den die Schweden gebaut hatten, wobei dreißig Schweden verbrannten. Schon am 19. Oktober erhielt Karl Gustav die Mitteilung, daß Frieden geschlossen sei, doch er brach die Kämpfe nicht ab, sondern behielt die Neuigkeit für sich und drohte mit einer allgemeinen Erstürmung, wenn die Verteidiger nicht sogleich aufgäben. Er hatte allerdings keine Pläne für ihre Durchführung. Am 27. Oktober traf ein Kurier mit der offiziellen Bestätigung ein, daß tatsächlich Frieden geschlossen war. Da war es nicht mehr möglich weiterzumachen”.[1273]
“Als Wrangel in Bayern die Nachricht [von der Unterzeichnung der Westfälischen Friedensverträge] erhielt, begann er zu fluchen und warf wütend seinen Generalshut auf den Boden. Als die Nachricht Prag erreichte, waren seit der Unterzeichnung in Osnabrück zwei Wochen vergangen. Da war die Kaiserstadt seit Juli unter schwedischer Belagerung, als die Schweden einige der schweren Geschütze aus den gut ausgestatteten Zeughäusern der Kleinseite auf den Burgberg Hradschin gerollt und begonnen hatten, über den Fluß in den jenseitigen Teil der Stadt zu schießen. Nulla dies sine fulminibus heißt es in einer zeitgenössischen Chronik – »Nicht ein Tag ohne Feuer«. Königsmarck hatte einen triumphierenden Brief an Wrangel geschrieben, in dem er versprach, »diesen Ort nicht zu verlassen, bevor die Offiziere ihren letzten Blutstropfen vergossen und die Stadt in einen Friedhof verwandelt haben«. (Während seine Kanoniere ein anhaltendes Bombardement einleiteten, das 250 Häuser zerstören und Hunderte von Menschenleben kosten sollte, richtete sich Königsmarck im Lobkowitzschen Palais ein und begann dort in nahezu fürstlichem Stil Hof zu halten. Unter anderem verlangte er, daß die bereits schwer verheerte ländliche Umgebung seine Küche versorgen solle, nicht allein mit den üblichen Lebensmitteln wie Mehl und Fleisch, sondern auch mit kulinarischen Kostbarkeiten wie Ingwer, Safran, Zimt, Muskat und Zitronen.) Die Bevölkerung im östlichen Teil Prags war trotz großen Mangels an Waffen, Munition und geübten Männern zur Verteidigung der Stadt zusammengeströmt. Eine Studentenlegion[1274] von 745 mit Hellebarden, Piken, Musketen, Keulen und Handgranaten bewaffneten jungen Männern unter der Führung eines Jesuitenprofessors sperrte die Karlsbrücke, Brauereiknechte, Handwerkergesellen und Kneipenpersonal bildeten eigene kleine Freikompanien; der Adel schickte 400 Freiwillige, die Geistlichkeit 200, und die Juden der Stadt bildeten eine improvisierte Feuerwehr, die Feuer löschte und später auch Minen unschädlich machte. Viele Kämpfe wurden um die Karlsbrücke ausgetragen, die so stabil gebaut war, daß es den Verteidigern nicht gelungen war, sie zu zerstören: Angriffe mit blanken Waffen, Scharfschützenduelle, Artilleriebombardements und der Austausch grober Beschimpfungen lösten dort einander ab”. – - Es sei daran erinnert, was Colloredo am 1.5.1643 an Ferdinand III. geschrieben hatte: Er bestätigte den Erhalt des Befehls vom 27.4. und versprach, unter allen Umständen Prag gegen den Feind zu verteidigen und etwaige plötzliche Überfälle durch feindliche Truppen abwenden zu wollen. Würde er mit vollem Verfügungsrecht in Militärsachen betraut, mit geeigneten Mitteln ausgerüstet und wären die Kreis- und Stadthauptleute in Militärsachen auf ihn angewiesen, dann könnte er für alles die volle Verantwortung übernehmen. Auf eine Verteidigung Prags durch Bürger- und Studentenschaft könne er sich überhaupt nicht verlassen. Er sei überzeugt davon, dass sich die Bürger bei einem Heranrücken des Feindes außerhalb von Prag in Sicherheit bringen und einen Angriff erst gar nicht abwarten würden. Die Studenten eigneten sich besser ‘zur Comedien’ als zur Verteidigung. Trotzdem habe er ihnen die Bildung eigener Kompanien anbefohlen.[1275] Das war nur eine der vielen Fehleinschätzungen Colloredos. Piccolomini schrieb am 26.10. an Colloredo, Schlick zaudere zu sehr mit der Hilfe für Böhmen. Er sei entschlossen, selbst zu Hilfe zu eilen und habe in diesem Sinne an den Hof geschrieben. Die Extravaganzen des bayerischen Kurfürsten würden den Untergang des Königreichs Böhmen verursachen. „Io non ho mancato di dar continuamente parte a Vostra Eccelenza di quanto é andato passando die qua et il soccorro si mando dubito, che Sua Maestà me l’ha comandato, e di più numero che s’era ordinato, e s’havesse lasciato far a me sarebbe stato in Boemia un peto prima che vi é venuto il Palatino [Karl Gustav]. Ma havendo Sua Maestà incaricato quelle cose la al S. Conte Schlick, mi pare che poteva esser un poco più sollecito di dar a Vostra Eccelenza assistenza di quelle cose che bisognava et havendo da 8.000 insieme et valendosi di cirva 4.000 dismontati che ho mandato in la, mi par che potevano tentar il soccorso realmente.
La stravaganza di Baviera sono tali che sausano la perdita di quel Regno e se havesse la Corte sequita li miei sensi si haverebbe potuto obvier a molto. Io ricevo due Sue del 18 e 20. Dal ultimo veggo come per mancamento di tutti comincia a trattare; io gli posso dire che dimani l’altro mi risolverò di marciare con queste armi alla volta die Boemia di questo luogo. Vostra Eccelenza farà il suo conto che parcie posso fare et in che tempo posso venire poiche trovo preciso al servizio di Sua Maestà di far questo per veder di soccorer Praga et se ella non si può tenere fin tanto di ripigliarla e non dar tempo al nemico di rifar le breccie et altri preparementi. Io menarò da 10.000 huomini et gli 8.000 che sono la, sspero saranno bastanti a questo, e cacciar l’inimico da quel Regno. Vostra Eccelenza mi tenga puntualmente avvisata d’ogni cosa per duplicati e triplicati mandando le Sue lettere a Butweis acciò si possa incaminare il meglio servizio del Patrone. Di questi miei sentimenti ne ho dato quelche giorni fa parte alla Corte. Le nostre cose si potranno rimettere pur, che non ci adormentiamo nelle speranze della Pace, della quale io non credo gran cosa”.[1276]
Colloredo unterrichtete einen nicht genannten Obristen am 10.11. aus Prag, die Hilfstruppen, die bereits vor Prag hätten stehen sollen, zogen sich wiederum zurück und stehen jetzt bei Worlik.[1277] Am Vortag stand der Feind bei Kuttenberg[1278] und wende sich nun zurück gegen Schwarzkosteletz.[1279] Wenn einige Hilfstruppen von der Hauptarmee zu dem Militär bei Worlik stießen, könnte der Feind aus dem ganzen Königreich vertrieben werden. Ein Trompeter von Schlick sei mit Nachrichten über einen Waffenstillstand eingetroffen, von Pfalzgraf Karl Gustav aber sei noch keine Antwort gekommen. Piccolomini müsse schleunigst benachrichtigt werden.[1280]
Colloredo teilte Piccolomini am 17.11. aus Prag mit, die Nachricht von der Beendigung des Krieges sei eingetroffen. „Euer Excellenz berichte hiermit gantz dienstlich, wasmassen deroselben Trompetter mit denen Schreiben den allgemeinen Frieden betreffend heute um 4 Uhr allhier angelangt ist, welchen ich sobalden mit frischen Pferden zu Ihre Durchlaucht dem Pfaltzgrafen [Karl Gustav] incaminirt hab, so sich dato noch um Kuttenberg befindet und die Volcker der Orten einlogiret hat. Wie auch bereits den General Königsmarck und den Kriegs-Praesidenten Alexander Ersckein zu diesen Tractaten deputirt, welche auf der Kleinseiten auch ankommen, und der gantzlicher Meinung seind, es werde der Herr Graf Schlick ehistes allhier ankommen und also samblich eine Conferentz halten. Wessen sich nun der Pfaltzgraf über die durch Euer Excellenz Ihme zugeschicktes Schreiben ferners erkären wirdt, hatt man zugewarten; der Herr von Kolowrath befindet sich zu Budweis“.[1281]
Colloredo wandte sich am 22.11. aus Prag wieder an Piccolomini: Blumenthal sei am Vortag in Prag eingetroffen, während sich Generalkommissar Kolovrat sich noch immer in Meißen aufhalte. Es sollte noch Traun kommen oder noch jemand, der fähig wäre, zusammen mit Blumenthal die Verhandlungen zu führen. Gegen Abend sei Pfalzgraf Karl Gustav mit 4.000 Reitern auf der Prager Kleinseite erschienen. In der Umgebung Kuttenbergs vernichte die schwedische Armee dort alles; Anzeichen für ihren Abmarsch seien nicht zu erkennen. Nach seinen Erkenntnissen hätte der Gegner wohl vor, das Königreich Böhmen noch 2 Monate lang arm zu essen.[1282]
Am 28.11.1648 schrieb Colloredo aus dem immer noch umlagerten Prag an Piccolomini: In Prag gäbe es kein Körnchen Getreide mehr. Auch auf dem Wasserwege komme nichts mehr an. Seiner Meinung nach hatte sich Goltz, der längs der Moldau lagerte und nun abmarschiert sei, derartig aufgeführt, dass alles Landvolk in die Wälder floh, und nun gebe es niemanden, der ein Floß bauen würde, und es bestehe auch keine Hoffnung, dass Proviant nach Prag gelangt. Die einzige Möglichkeit sei nun, diejenigen Personen, die noch gewisse Vorräte haben, zu überzahlen. Bekanntlich lebten die Prager Beamten wie in den Historie di Roma. Lebensmittel müssten unbedingt beschafft werden, sonst würden weder die Offiziere und Soldaten noch die Bürger weiter dienen wollen. Der Feind liege bei Jung-Bunzlau, im Časlauer, Chrudimer und Königgrätzer Kreis und befestige sich stark auf der Kleinseite. Kolovrat sei endlich eingetroffen, morgen sollten die kaiserlichen Bevollmächtigten die schwedischen mitten auf der Brücke treffen.[1283]
Das Misstrauen Piccolominis hinsichtlich der Schweden schlug sich auch am 6.12. in seinen Anweisungen für Monteccucoli nieder: dieser solle nach jeder Sitzung die Verhandlungsergebnisse festhalten – Vorschläge, Antworten und Schlüsse. Er solle nicht vergessen, dass Unterhaltungen und Bankette die Waffen der Schweden seien, um die Verhandlungen hinauszuziehen, und stets das Hauptziel im Auge behalten, nämlich den Abmarsch ihrer Armeen aus Böhmen. Das schwedische Vorhaben, bis zur völligen Befriedigung sämtlicher Forderungen im Königreich Böhmen zu bleiben, würde dessen Untergang bedeuten. Den Schweden sei prinzipiell so lange nicht zu glauben, bis es zu Taten komme.[1284] Über den Stand der Prager Verhandlungen informierte Colloredo Piccolomini an diesem 6.12.: Er warte auf Berichte über die Verhandlungsergebnisse mit den Schweden, mit denen Piccolomini Goltz und Traun betraut hatte. Auch in Prag verhandle man mit den Schweden. Am Vortag habe Johan Stadelmayer, der schwedische Generalquartiermeister, mit ihm zu Abend gegessen und gesagt, die Schweden hätten sich mit ihrem Abzug aus Böhmen einverstanden erklärt, doch würden nicht alle abmarschieren. Am nächsten Tag solle die Verhandlung mit sämtlichen schwedischen Kommandanten fortgesetzt werden; der Ablauf wäre bei einem Pokal Wein günstiger als bei Disputationen und Streitigkeiten. Er halte es für das Wichtigste, den ehemaligen Erfurter Residenten Erskein zu gewinnen, der der Wortführer der Schweden sei. In Prag herrsche große Not, die einzigen Städte, aus denen ab und zu etwas nach Prag gelange, seien Budweis und Pilsen.[1285]
Colloredo informierte Piccolomini am 11.12.1648 aus Prag, die Schweden marschierten aus dem Kreis Königgrätz ab. Auf der Prager Kleinseite seien die Generäle mit Königsmarck in Streit geraten, da sie sich mit ihm die Beute teilen und ihn selbst nach Schweden expedieren möchten, er aber alles für sich beanspruche und bis zum Ende bleiben wolle. Die Generäle sähen es gern, wenn Wittenberg bis zum Ende der Verhandlungen bliebe. Am heutigen Tag hätte die Bagage mit der Beute einiger Generäle abgefahren werden sollen, aber dann sei die Abfahrt der Generäle verschoben worden, aus Angst, sie könnten zu kurz [1286] kommen.[1287] Piccolomini schrieb am 28.6.1649 an Colloredo, bei Hofe habe man sich nicht nach seinen, P.s, Ratschlägen gerichtet. Es werde sich zeigen, ob die Forderungen Moskaus die Schweden zu einer Entscheidung bewegen könnten. Die Kaiserlichen seien mit den Schweden in so engem Kontakt, dass entweder der Frieden bald erreicht werde oder die schwedischen Absichten aufgedeckt werden.
Colloredo galt allgemein als rücksichtslos, geschäftstüchtig und Habsburg ergeben wie kaum ein anderer.
Weiteres Material über die Nachkriegszeit findet sich im Nachlass Hatzfeldt.
Er starb 1657 als Feldmarschall und Gouverneur von Prag. Im Februar 1657 teilte sein Sohn Ludovico[1288] [1631-1693] Melchior von Hatzfeldt den Tod seines Vaters mit.[1289]
[1] ALLMAYER-BECK, Colloredo-Waldsee; BENZONI, Colloredo; REBITSCH, Matthias Gallas; vgl. die häufigen Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher; HÖBELT, Ferdinand III.
[2] MANN, Wallenstein, S. 310f.
[3] TADRA, Briefe, S. 301.
[4] Strakonitz [Strakonice]; HHSBöhm, S. 587f.
[5] MATSCHKE, Das Kreuz und der Halbmond, S. 254ff.
[6] Pettau, Ptuj; Bez. Maribor [Slowen]; vgl. VALENTINITSCH, Ferdinand II., S. 525.
[7] REBITSCH, Gallas, S. 132.
[8] Pressburg [Bratislava], Kgr Ungarn.
[9] Nach WASSENBERG, Florus, S. 42, waren es 6.000 Mann; BOHATCOVÁ, Irrgarten, Nr. 50. Nach LUKINICH, Bethlen Gábor, S. 189, 8.000 Mann; ferner MAKKAI, Bethlen Gábor emlékezete, S. 265. In der Flugschrift Le champ de Bataille (OSKB Röpl. 516, 6) wird Dampierres Armee mit 12.000 Fußsoldaten, 1.800 Musketieren zu Pferd u. mehr als 3.000 Reitern angegeben. KRAUS, Siebenbürgische Chronik, S. 62, nennt nur „etlig taussend mann“; Rákóczys Truppenstärke betrug angebl. 6.000 Haiducken u. 1.000 Fußsoldaten.
[10] Zur Belagerungstechnik vgl. allgem. die Darstellung bei DUFFY, Siege Warfare.
[11] Klosterneuburg [BH Wien-Umgebung]; HHSÖ I, S. 355ff.
[12] WASSENBERG, Florus, S. 47.
[13] Theben [ung. Devény, slow. Dévin; Oberungarn, h. Slowakei]., auf dem linken Ufer der March bei ihrer Mündung in die Donau gelegen; ursprüngl. meist dt. Einwohnerschaft, heute n: gelegener Stadtteil Pressburgs.
[14] LUKINICH, Bethlen Gábor, S. 189.
[15] Raab [Györ; Ungarn].
[16] Komorn [Komárno; Oberungarn; h. Slowakei].
[17] Ernst Georg v. Hohenzollern (Zollern), Pfleger zu Wemding, bayr. Kämmerer u. OL unter Anholt, bei Wimpfen u. Höchst dabei, Bruder des einflussreichen J. zu Hohenzollern-Sigmaringen, † 1625; FERCHL, Bayerische Behörden und Beamte 2. Teil, S. 1294.
[18] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[19] WASSENBERG, Florus, S. 42. BARKER, Piccolomini, S. 333, vermutet die Teilnahme Ps. beim Sturm auf Pressburg; sollte dies der Fall gewesen sein, hätte G. seinen alten Bekannten sicher im „Florus“ erwähnt. Das gilt übrigens auch für Geleen; zu dessen Teilnahme SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Geleen, S. 39. Nach ELSTER, Piccolomini-Studien, S. 62, war dagegen Piccolomini beteiligt.
[20] Komorn [Komárno; Oberungarn; h. Slowakei].
[21] Im bethlenfreundl. Flugblatt (BOHATCOVÁ, Irrgarten, Nr. 50) wird der Anmarsch so dargestellt: Nach der Niederlage, die Dampierre mit „cossagen, Crabaten vnd Deutschen Knechten in die 6.000 starck gewesen“, am 14.9.1620 erlitten hatte, zog er sich nach Wien zurück u. warb in Wien u. Umgebung neue Truppen an, so dass er „zu den vorigen vberbliebenen in 5000. Mann zusammen gebracht / dieselbe vor dem rodten Thurn zu Wien auff die lange Salzillen gesetzt / vnd sie samptlichen einer stattlichen Beut vertröstet / mit welchen er den 8. diß gegen Abend gar still / die Thonaw hinab geschwummen / die Reuterey aber auff dem Land durch die Schwechet / Vischa / Petronell vnd Haimburgk biß nahend vnter dem Schloß in der Awen gehalten“. »Warhafftiger unnd Eigentlicher Bericht« (Országos Széchényi Könyvtar Budapest Röpl.. 531) stellt die Anfahrt so dar: „Sonsten ist der Feind mit Sprengwercken / Petarden / vnd Mörseln zimblich wol versehen gewesen / vnangesehen er desselben Feuerwercks ein gantze Schillen voll sampt den Knechten / im herabfahren / an der Wolffsbrücken bey Wien in der Nacht zerscheitert / vnd ertrencket / Also seind auch zu Haimburg zwo schillen mit Knechten vntergangen / vnd vber die 150. ertruncken“. Gegenüber Gronsfeld. Darstellung fehlt es hier an Details; ledigl. die Örtlichkeiten (Wolfsbrücke in Wien) werden genauer bezeichnet. »Eigentliche Abbildung vnd Contrafactur« (Országos Széchényi Könyvtar Budapest Röpl.508; bethlenfreundl.) schreibt: „Vnd von Preßburg auß / als der Königlichen Residentz sich bemeldter Gabor mit einem mächtigen Kriegsheer herauff begeben / vnnd zu Schiff hinab gefahren / auch oberhalb von Preßburg angeländet / deß Bergs bey dem Schloß sich impatronirt / dergestalt den Schloß auff 40 Schritt sich genähert / in meynung solches ehest zuerobern. Als der Tampier nun mit seinem Band Degen ein Zeichen geben / darauff den Schloßschantzen durch sein volck starck zulauffen lassen / hat die Guardia im schloß tapffer Fewer geben / vnnd mit grossen Stücken vnter das Kayserisch Volck geschossen / auch die Musquetirer im Schloß mit schiessen starck angehalten / vnter andern begibt es sich / daß der Tampier / der sich gar zu bloß geben / von einem Hungarn in das Genick mit einer Kugel geschossen wird / davon er nider gefallen“. Von einem Schiffsunglück weiß der unbek. Verf. nichts; auch fehlt ein Hinweis auf die strateg. Vorbereitung des Sturms. Hier sollte wohl nur das Bild Dampierres auf dem Totenbett kommentiert werden, das dem Stich im Theatrum Europaeum Bd. 1 entspricht.
[22] Hainburg [BH Bruck an der Leitha]; HHSÖ I, S. 302ff.
[23] Nikolaus Fhr (später Gf) Des Fours, 1618 Kommando einer Arkebusierkompanie, 1618 in Nieder-Österreich, dann unter Dampierre in Böhmen, 1619/20 mit Bucquoy in Österreich u. Böhmen, Teilnahme an der Schlacht v. Lackenbach, später ksl. Generalwachtmeister; WREDE, Wehrmacht III/2, S. 377, 413f. u. 814.
[24] WASSENBERG, Florus, S. 41; »Warhafftiger unnd Eigentlicher Bericht« (Országos Széchényi Könyvtar Budapest Röpl. 531), S. 2.
[25] WASSENBERG, Florus, S. 43; nach LUKINICH, Bethlen Gábor, S. 190, kommandierte Dampierre sie selbst. Zum Musketier BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 119; JUNKELMANN, Gustav Adolf, S. 212ff.
[26] Kitze, auch Kotze, heute Kittsee [BH Neusiedl am See]; HHSÖ I, S. 734f., Dorf u. Festung ca. 5 km n: Pressburg im Burgenland, an der Grenze zu NÖ u. der Slowakei; heute ca. 10 km v. der Donau entfernt, damals Wasserburg, v. einem Nebenarm der Donau umflossen. 1570 ließen die Puchheim als Besitzer v. Kittsee die Straße Hainburg-Pressburg u. die Brücke über den Donauarm, das „Gerinne” zerstören u. hier eine Brücke auf der Straße nach Pressburg bauen, weshalb es Streit mit Hainburg gab. Die dt. Bewohner des Ortes waren fast alle luth.; möglicherweise stand deswegen Puchheim auf BEthlen Gábors Seite; HHSÖ I, S. 754f.
[27] BOHATCOVÁ, Irrgarten, Nr. 50: „Wie nun Tampier vnterhalb den Marck / auff dem Wasser herabgeflossen / vnd den 9. diß frühe zwischen 6. vnd 7. Vhr nahend Oberhalb des Schlosses kommen / haben die Vngarn so wol auch des Hauptmanns Pindt 300. Mußquetirer / als des Vngarischen Königs hinterlassene Leib Guardi, nicht anderst / dann das es Herr Ragötzy seyn möcht / vermeynt / vnd solches durch einen Schuß wahrnehmen wollen. Da aber die Tampierschen starck gegen die Schantzen vnter dem Schloß geschossen / haben die Vngarn alsbald / das es Feind seyn werden / wahrgenommen / Derowegen sie geschwind ihre Stück auff den Feind loß gehen lassen / von welchen sie drey Schiff zu Grund geschossen / vnd die Knecht darin ersäufft. Der Tampier aber / welchem das Streiten zu Wasser nicht so wol / als auff dem Land gefallen wollen / hat sich eilends gegen dem Schloß Berg zu Land begeben“. Im Gegensatz zu Gs. Annahme wurde das Geschütz zur Begrüßung der erwarteten Truppen Rákóczys (KRAUS, Siebenbürgische Chronik I, S. 62) abgefeuert. »Warhafftiger unnd Eigentlicher Bericht« (Országos Széchényi Könyvtar Budapest Röpl.531) beginnt mit dem eigentl. Sturm; erst danach begründet er – inhaltl. gleich mit Gronsfelds Bericht -, warum der Sturm wegen der Unfähigkeit der Soldaten zur Führung der Schiffe scheitern musste: „Den 10. Oktobris / zwischen 7. vnnd 8. Vhr / hat sich der Feind auf dem Berge / der Freund genandt / sehen lassen / die Leser im Gebirge verjaget / welche sie angetroffen / theils beschädiget vnd nidergehawen / vnd seynd die Kosacken / weil man deß Feindes gar keine Kundschafft gehabt / nechst an das Thor bey Preßburg kommen / vnnd vnter dessen von Wien vnnd Haimburg acht Schillen mit Soldaten / vnter acht newen Fenlein angestanden / sich losiret / der Schiffbrucken zugeeylet / Hew vnd Stroh darauff getragen / vnd bey 10. Schiffen vertrebet vnd verbrennet / Vnd weil der General Tampir diese Impressa geführet / als hat er sich des Bergs / vnd consequenter deß des Schlosses zu impatroniren starck angenommen vnd commendirt, vnd von der einen Seiten von Zeben her / nechst an das Gangerische Hauß losiret / auff der anderen seiten biß auff 40. Schritt an das Schloß kommen / vnd in simili sich zu losieren begehret. Danhero man dann vom Schlosse vnd der Schantze / vnd auß der Stadt 6. stund an einander / auß Stücken / vnd sonsten starck Fewer gegeben / welches dann deß Feindes Musquetirer nicht gesparet / vnnd weil der General Tampiro so sicher / vnd mit blossem Schwert nechts Schloß die Musquetirer angetrieben / als hat ein gemeiner Heyducke auß einer Musqueten auff ihn Fewer gegeben oben nechst durch das Ohr / vnd durch den Halß geschossen / daß der gute General an der stelle bleiben müssen”. Im Bericht fehlt, dass Dampierre die Truppen geteilt hatte; der Angriff ist so, wie er im »Wahrhafftigen unnd Eigentlichen Bericht« (OSKB Röpl. 531), wiedergegeben ist, wohl nicht abgelaufen. Der Sturm der Soldaten Collaltos auf die Schiffsbrücke ist dagegen richtig dargestellt; nicht erwähnt werden die Barrikade vor dem Tor u. der Einsatz deutscher Söldner (darunter wahrscheinl. auch engl.-schott. Söldner). Wie im Bericht der »Magyar kronika«, S. 190, wird Dampierre v. einem Haiducken getötet, aber nur durch einen Musketenschuss; der Schütze ist unbekannt. Zeben: Theben, Deveny, Devín; nicht zu verwechseln mit Szeben im Komitat Saros (WAGNER, Delineatio, 16). Wie bei LUKINICH, Bethlen Gábor, kommen im »Bericht« (OSKB Röpl. 531) die Schiffe v. Theben.
[28] LUKINICH, Bethlen Gábor, S. 190; MAGYAR KRONIKA, S. 190. Es fällt auf, dass in den beiden Flugblättern (Országos Széchényi Könyvtar Budapest Röpl.508 u. 531, 4) der kaisertreue Pálffy, im Gegensatz zur MAGYAR KRONIKA u. zum Flugblatt (BOHATCOVÁ, Irrgarten, Nr. 50) die ehrenvolle Beisetzung veranlasst haben soll.
[29] WASSENBERG, Florus, S. 45. Zur Rondartsche vgl. BEAUFORT-SPONTIN, Harnisch, S. 160.
[30] Osterwieck [Kr. Wernigerode/Halberstadt]; HHSD XI, S. 359f.
[31] Abbenrode [Kr. Wernigerode]; HHSD XI, S. 1.
[32] Stapelburg [Kr. Wernigerode]; HHSD XI, S. 443.
[33] Vgl. die Erwähnungen bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode.
[34] Riechenberg [Stadt Goslar]; HHSD II, S.392f.
[35] Harzburg, ehemalige Kaiserburg am Harz-Nordrand oberhalb von Bad Harzburg, Stützpunkt der sogenannten „Harzschützen“. Vgl. BRÜCKNER, Grafen zu Stolberg, S. 91; SPIER, Geschichte der Harzburg. Vgl. auch WIERIS, Amt Harzburg, S. 180-240.
[36] Goslar; HHSD II, S. 174ff.
[37] HOFFMANN, Harzschützen, S. 38.
[38] Wernigerode [Kr. Wernigerode]; HHSD XI, 493ff.
[39] HOFFMANN, Harzschützen, S. 95f.
[40] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 33.
[41] Reddeber [Harz/Sachsen-Anhalt].
[42] Obrist: Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt.
[43] 1 Wispel Roggen = 24 Scheffel = 1440 Pfund.
[44] 1 Wispel Malz = 24 Scheffel = 960 Pfund.
[45] 1 Wispel Roggen = 24 Scheffel = 1440 Pfund.
[46] 1 Wispel Gerste = 24 Scheffel = 960 Pfund.
[47] Heinrich Ernst zu Stolberg, Graf [20.7.1593-4.4.1672] Stifter des älteren Hauptlinie des gräflichen Hauses Stolberg und ältester Sohn des Grafen Christoph zu Stolberg. Seit 1639 war er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Johann Martin zu Stolberg regierender Graf über die stolbergischen Besitzungen. Am 31. Mai 1645 teilten beide den Besitz. Heinrich Ernst erhielt die Grafschaft Wernigerode und den Hohnsteiner Forst. Er verlegte die Residenz von Wernigerode nach Ilsenburg. Am 2.5.1649 Heirat mit Gräfin Anna Elisabeth [getauft 6.8.1624-17.10.1668], die Tochter des Grafen Heinrich Volrad zu Stolberg, mit der er die beiden Söhne Ernst und Ludwig Christian hatte, die ihm nach seinem Tod aufgrund fehlender Primogeniturordnung in der Regierung folgten. ZEITFUCHS, Stolberg, S. 99.
[48] Christoph II. von Stolberg-Wernigerode; Graf [1.12.1567 - 21.11.1638] verheiratet mit Hedwig von Reinstein und Blankenburg [20.11.1572-20.11.1634]. 1593 wurde der Titel „Graf von Stolberg, Königstein, Rochefort, Wernigerode und Honstein, Herr zu Eppstein, Münzenberg, Breuberg, Agimont, Lohra und Klettenberg“ vom Kaiser bestätigt. 1631 erlischt bereits in der dritten Generation die Harzlinie wieder. Christoph II. aus der Rheinlinie vereinigt daher fast die gesamten Besitzungen wieder in einer Hand. 1645/57: Erneute Teilung der Besitzungen unter den beiden Söhnen des Grafen Christoph II.: Heinrich Ernst begründet die ältere Hauptlinie und übernimmt Wernigerode, Gedern und Schwarza. Johann Martin stiftet die Jüngere Hauptlinie mit den Besitzungen in der Grafschaft Stolberg und Herrschaft Ortenberg. Vgl. BRÜCKNER, Grafen zu Stolberg; ZEITFUCHS, Stolberg, S. 95ff.
[49] Wallenstein
[50] Jordan, Dr. Heinrich [ - ] gräflich-stolbergischer, dann halberstädtischer Kanzler.
[51] Billigkeit: natürliche Gerechtigkeit.
[52] Schulenburg, N. von der [ - ] Adelsgeschlecht. Möglicherweise ist Levin von der Schulenburg [9.11.1581-23.12.1640] gemeint. Er war Landrat im Fürstentum Anhalt und Angehöriger des weit verzweigten Adelsgeschlechts derer von der Schulenburg.
[53] Gadenstedt, N [ - ] Adelsgeschlecht in Wernigerode. Oberpfarrkirchhof 13: Als Oberpfarrkirchhof werden das Gelände und die Häuser rund um die Sylvestrikirche benannt. Er gehört zusammen mit dem Klint und der Klintgasse zu den ältesten Siedlungsgebieten der Stadt. Südlich der Sylvestrikirche befindet sich das 1582 von Dietrich von Gadenstedt erbaute und nach ihm benannte Haus Gadenstedt. Dietrich von Gadenstedt war der gräfliche Schloßhauptmann. Der Bau aus der Hochrenaissance hat ein massives Untergeschoss, auf welchen sich das Fachwerk aufbaut. Hier trifft die Bedeutung des Wortes „steinreich“ wirklich zu, denn nur wer reich war, konnte sich in der damaligen Zeit ein Erdgeschoss aus Stein bauen lassen. Jedes Brüstungsfeld ist mit einer Fußstrebe versehen, welche von Feld zu Feld seine Richtung ändert. Am rechten Teil des Hauses, bei welchem der First etwa zwei Meter höher gebaut worden ist, befindet sich ein markanter Erkervorbau mit einem Spitzdach, welcher von drei reich profilierten Kopfbändern gestützt wird. Der Erker ist an allen drei Seiten mit Fenstern versehen die mit Butzenscheiben verglast sind. [haus-geschichte-wernigerode.de]
[54] 1 Malter Korn = 12 Scheffel = 1272 Liter.
[55] Stolberg [Mansfeld/Südharz-Sachsen-Anhalt].
[56] Altenrode, heute Ortsteil von Darlingerode [Harz/Sachsen-Anhalt].
[57] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 39.
[58] Regenstein [Gem. Blankenburg/Kr. Wernigerode]; HHSD XI, S. 386f.
[59] Stollberg; HHSD VIII, S. 337ff.
[60] Blankenburg am Harz; HHSD XI, S. 46f.
[61] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.
[62] Geismar; HHSD II, S. 164f.
[63] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 246.
[64] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.
[65] Gräfentonna [Kr. Langensalza]; HHSD IX, S. 162ff.
[66] Schwarzburg [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 395ff.
[67] Artern [Kr. Sangerhausen/Artern]; HHSD XI, S. 23.
[68] überwintern
[69] Witzenhausen; HHSD IV, S. 478f.
[70] Allendorf; HHSD IV, S. 33f. [unter Bad Sooden-Allendorf (Kr. Witzenhausen)].
[71] Hessisch-Lichtenau [Kr. Witzenhausen]; HHSD IV, S. 218f.
[72] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.
[73] Wernigerode [Kr. Wernigerode]; HHSD XI, S. 493ff.
[74] Regenstein [Gem. Blankenburg/Kr. Wernigerode]; HHSD XI, S. 386f.
[75] Bad Hersfeld; HHSD IV, S. 20ff.
[76] HAPPE I 121 r-121v; mdsz.thulb.uni-jena-de.
[77] HAPPE I 126 v; mdsz.thulb.uni-jena-de.
[78] Ammern [Unstrut-Hainich-Kreis].
[79] JORDAN, Mühlhausen, S. 44.
[80] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[81] HAPPE I 126 v; mdsz.thulb.uni-jena-de.
[82] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[83] HEUBEL S. 63; mdsz.thulb.uni-jena-de.
[84] Hannover; HHSD II, S. 197ff.
[85] Lübeck; HHSD I, S. 153ff.
[86] Linden (Stadt Hannover); HHSD II, S. 298f.
[87] Neustadt am Rübenberge; HHSD II, S. 343ff.
[88] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.
[89] JÜRGENS, Chronik, S. 485f.
[90] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.
[91] MANN, Wallenstein, S. 548.
[92] HAPPE I 266 r, mdsz.thulb.uni-jena.de.
[93] Keula, Amt: 1620: Grafschaft Schwarzburg-Sondershausen (Unterherrschaft)
[94] Ebeleben, Amt: 1620: Grafschaft Schwarzburg-Sondershausen (Unterherrschaft)
[95] HAPPE I 266 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[96] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.
[97] Bad Salzungen; HHSD IX, S. 36ff.
[98] Trusen, Ortsteil von Trusetal [LK Schmalkalden-Meiningen].
[99] Heßles, heute Ortsteil von Fambach [LK Schmalkalden-Meiningen].
[100] WAGNER, Pforr, S. 106.
[101] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[102] Sulzbach-Rosenberg [LK Sulzbach-Rosenberg]; HHSD VII, S. 728ff.
[103] Hersbruck [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 289ff.
[104] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.
[105] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.
[106] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.
[107] Hahnbach [LK Amberg-Sulzbach].
[108] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 80.
[109] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 122.
[110] Hahnbach [LK Sulzbach-Rosenberg].
[111] Schnaittenbach [LK Amberg-Sulzbach].
[112] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 781.
[113] Hirschau [LK Amberg-Sulzbach].
[114] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[115] Hammergänlas, durch die Anlage des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr verschwundener Ort.
[116] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.
[117] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 86.
[118] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.
[119] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.
[120] Ensdorf [LK Amberg-Sulzbach].
[121] Freudenberg [LK Amberg-Sulzbach].
[122] Kastl [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 346f.
[123] Lauterhofen [LK Neumarkt]; HHSD VII, S. 397f.
[124] Kastl [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 346f.
[125] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 121.
[126] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.
[127] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.
[128] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[129] Lützen; HHSD XI, S. 286f.
[130] Mühlberg [Kr. Liebenwerda]; HHSD XI, S. 338ff.
[131] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[132] RUDERT, Kämpfe, S. 84ff.
[133] Erzgebirge; HHSD VIII, S. 90ff.
[134] Vogtland; HHSD VIII, S. 350ff.
[135] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[136] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[137] Gorbitz, heute Stadtteil von Dresden.
[138] Matthias Gallas !
[139] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.
[140] Morzin [Marazin], Johann Rudolf von
[141] Bornival d’Erlin.
[142] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.
[143] Hatten [LK Oldenburg].
[144] Alfeld; HHSD II, S. 5f.
[145] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[146] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[147] Rohren
[148] Gnandstein [Kr. Geithain]; HHSD VIII, S. 118.
[149] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.
[150] Lobenstein; HHSD IX, S. 261f.
[151] Schleiz [Kr. Schleiz]; HHSD IX, S. 380ff.
[152] Großpösna [LK Leipzig].
[153] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[154] Connewitz, seit 1891 Stadtteil von Leipzig.
[155] Heldrungen [Kr. Eckartsberga/Artern]; HHSD XI, S. 205f.
[156] Belgern [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 35f.
[157] Arnstadt [Kr. Arnstadt]; HHSD IX, S. 18ff.
[158] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.
[159] Schirmenitz [Ortsteil von Cavertitz (LK Nordsachsen/Sachsen)].
[160] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[161] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.
[162] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[163] Mühlberg [Kr. Liebenwerda]; HHSD XI, S. 338ff.
[164] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.
[165] Altranstädt, heute Ortsteil von Großlehna [Kr. Merseburg/Leipzig]; HHSD XI, S. 13.
[166] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.
[167] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.
[168] Rippach [Burgenlandkreis].
[169] Poserna [Burgenlandkreis].
[170] Podelwitz, heute Ortsteil von Rackwitz [LK Nordsachsen].
[171] Meuchen, heute Ortsteil von Lützen.
[172] Morzin (Marazin).
[173] Sparr, Ernst Georg von.
[174] Es findet sich z. B. in der Stockholmer Kartensammlung (www.ra.se/kra/0425.html; 0425 a Sveriges krig, kartsamling) unter 0425:03:107 „Keÿserliche Schlacht Ordnung Wie solche durch den General Walenstein ist gestellet vnd gehalten worden den 6. Novembris Anno 1632. vnd diese Schlachtordnung ist bestanden in nachfolgenden Nehmlichen 26,000 Mann Zue Fues, 2000. Dragons, 8000 Curassier, 5000 Herquebuss: 3000 Croat: insumma 44,000 Mann, die Fronte ist breit 979 Ruthen Reinlandisch macht 4895 Pass“.
[175] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S.38f.
[176] Georg von Uslar.
[177] Johann Bernhard Ehm.
[178] Tiesenhausen.
[179] Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“: [I 301 v] „Bey dieser Relation kan ich nicht vorbey nachfolgende Wort [anzuführen], welche der Höchstseligste König oftmals und 3 Tage vor der Schlacht zu [I 302 r] Doctor Fabricius in der Naumburg geredet: Mein Herr Doctor, die Sachen stehen alle wohl und gehet alles nach Wuntsch. Aber ich sorge, weil mich jedermann so hoch veneriret und gleichsam vor einen Gott hält, es werde mich Gott strafen. Aber Gott weiß, dass ichs nicht begehret. Nu, es gehe wie der liebe Gott will, so weiß ich, dass die Sache zu seines Nahmens Ehre gereichet, wirds auch helfen hinaus führen“. Weiter heißt es bei Happe über die Schlacht selbst: [I 295 v] „Haben Ihre Königliche Majestet also bald vor Naumburg ein Lager und Retragament verfertigen lassen, und des Feindes ferner Intentation ein wachendes Auge zu haben. Der hat sich aber gleichsam flüchtig den 4. November zu Weißenfels weg gemacht, zu Nacht aber Stadt und Schloss geplündert und sich nach Lützen, 2 Meilen von Leipzig, gewendet. Darauf Ihre Majestät sobald den 5ten, drey Stunde vor Tage, zu Naumburg mit der Armee aufgemacht und den Feind noch selbigen Tag nach Mittage umb 2 Uhr refrontiret und mit Spilunge der kleinen Stücke zurücke getrieben, etzlich Volck erleget und eine Standarta, darauf die Fortuna und der Römische Adler gestanden, von des Feindes Tragoner [I 296 r] überkommen, welches wir auf unser Seiten vor ein gutes Inticium gehalten, und hätte mann noch ein bar Stündlein Tag gehabt, wäre der Feind gäntzlich ruiniret worden. Dieweil aber die Nacht und ein starcker Nebel eingefallen, ist es bey[d]seits stille worden. Königliche Majestet haben die gantze Nacht in Bataille im Felde gehalten und willens gewesen, den glücklichen Anfang fortzusetzen und den Feind 2 Stunde vor Tag anzugreifen. Es ist aber wieder Verhoffen ein dicker Nebel gewesen, dass nichts Fruchtbarliches auszurichten, mussten also Ihre Königliche Majestet den hellen Tag, bis der Nebel von der Sonne untertrück[t], erwarten. Hierzwischen hat der Feind die Nacht durch an den Flussgraben eine Brustwehre angeworfen und sich in seinem Vortheil unser zu warten gelegt. Nachdem nun Königliche Majestet das Morgengebeth durch Doctor Fabricium thun lassen und algemach der Nebel durch die Sonne untertrückt und sich zu einem schönen Tage angesehen, haben sie alles Volck zu Ross und Fuß mit beweglichen Worten redlich zu fechten vermahnet und zu den Schweden und Finnen gesagt, ihr redlichen Brüder, haltet euch heute wohl, fechtet redlich um Gottes Wort und euren König. Werdet ihrs thun, so werdet ihr vor Gott und der Welt Genade und Ehre haben und wils euch redlich belohnen. Werdet ihrs aber nicht thun, so schwehre ichs, dass euer kein Gebein wiederum soll in Schweden kommen. Zu den Teutschen sagt Ihre Majestet: Ihr redlichen teutschen Brüder, Officirer und alle gemeine Soldaten, ich bitte euch alle, haltet euch männlich, fechtet redlich mit mir, weichet nicht, wie ich denn mein Leib und Blut euch zum besten mit [I 297 r] aufsetzen will. Werdet ihr bey mir stehen, so wird uns Gott hoffentlich Sieg geben und werdet ihr und eure Posteritet solches zu genießen haben. Werdet ihr es aber nicht thun, so ist umb eure Religion und Liberte geschehen. Nach solchem sagt Ihre Königliche Majestet: Nu wollen wir dran. Das walt der liebe Gott. Und rufte darauf mit heller Stimme Jesus, Jesus, Jesus und sahe gen Himmel, hilf mir heute streiten zu deines Nahmens Ehre“. HAPPE I 301 v, mdsz.thulb.uni-jena.de. Diese Worte Gustav Adolfs stammen aus der Flugschrift „Eigentliche vnd warhaffte Beschreibung Der Siegreichen Victori“, S. 7: „nachfolgende Wort / welche höchstselige Kön. Maj. offtmals vnd 3. Tag vor der Schlacht zu einem vornehmen Theologiæ D zu Naumb. geredt / mein Herr Doctor / die Sachen stehen alle wol / und gehet alles nach Wunsch / aber ich sorg / ich sorg / weil mich jederman so sehr venerirt, vnd fast vor einen Gott helt / es werde mich Gott deßwegen einmal straffen / aber Gott weiß / dass es mir nicht gefellt / nun es gehe wie der liebe GOtt will / so weiß ich doch / daß er die Sach / weil es zu seines Namens Ehre gereichet / folgends hienauß führen wird: Hucusq; verba Regis“. Der Verleger der Flugschrift, Gregor Ritzsch (1584-1643), war Buchdrucker und Autor in Leipzig, seine vor den Stadtmauern Leipzigs gelegene Druckerei war während der Schlacht in Mitleidenschaft gezogen worden und wurde 1633 wieder eröffnet. Diese Worte werden auch bei dem Ulmer Superintendenten Konrad Dieterich in seiner „Leich-Klag“, Bl. 9r, zitiert. Nach BORKOWSKY, Schweden, S. 49, ist diese „Aussage“ sinngemäß dem „Theatrum Europaeum“ Band 2 von 1637 [im Folgenden nach der Ausgabe 1643, Bd. 2, S. 750], entnommen: „Was dem König damals begegnet / hat demselben zweiffels ohn sein Herz zuvor gesagt / dann nicht allein offtmals / sondern auch etliche wenige Tag vorher / hat er zu seinem Hoffprediger / Herrn Doct. Fabricio, diese Wort geredet / er sehe dass er aller Orthen / wo er hinkäme / mit grossem Frolocken empfangen / vnnd in grossen Ehren gehalten würde / es vergeß aber das Volck darbey deß Gebets / würde sicher vnnd trawete auff Menschen mehr / dann auff Gottes Hülffe: welches dann im sehr missfällig wäre / hielte derohalben davor / dass Gott wohl in kurzem seiner Armee ein Vnglück begegnen lassen / oder auch ihn selbsten durch den zeitlichen Tod hinweg nehmen dörffte“. Vgl. auch RADLACH, Das zeitgenössische Urteil, S. 257ff.; LIEMANDT, Tod des Königs Gustav II. Adolf, S. 56. Die „digitale.bibliothek.uni-halle.de/content/ pageview“ verzeichnet weitere 14 Berichte von 1632 über diese Schlacht. Zur Verwendung von Flugschriften etc. vgl. MORTIMER, Models of Writing, S. 634ff.
[180] Das ist nicht richtig; Winkel war später Stadtkommandant von Augusburg.
[181] Moritz von Sachsen [21. März 1521 in Freiberg- 11. Juli 1553 bei Sievershausen] war ein aus dem Hause der albertinischen Wettiner stammender Fürst, er war ab 1541 Herzog des albertinischen Sachsens und ab 1547 auch Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Er war einer der wichtigsten Gegenspieler Kaiser Karls V. bei der Reformierung des Reiches.
[182] Sievershausen, heute Ortsteil von Lehrte [Region Hannover].
[183] FINDEISEN, Gustav II. Adolf, S. 13ff.
[184] Adam Heinrich Pentz, Hofmeister Gustav Adolfs.
[185] Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.
[186] Jülich [LK Jülich]; HHSD III, S. 367ff.
[187] Friedrich I. [1257 - 1323] Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen (1307-1323), nach dem Tod seines Vetters Konradin der letzte männliche Staufer.
[188] Johann Jakob Graf Thurn fiel nicht in dieser Schlacht.
[189] Hans Eberhard von Gersdorf.
[190] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.
[191] Melchior Adam Moser
[192] Johann von Westrum
[193] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[194] Haslang ?
[195] Johann Bernhard Schenk von Schweinsberg
[196] RUDERT, Kämpfe, S. 84ff. Rudert dat. nach dem alten Stil.
[197] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[198] Borna; HHSD VIII, S. 34ff.
[199] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 319f.
[200] Vgl. SEIDLER, Prager Blutgericht. In einem Bericht aus Prag vom 4.2.1633 hieß es: „Demnach in der bei Lützen den 6. Nov. gehaltenen Feldschlacht die kaiserische Armada unter Herrn Generalissimo Herzog von Friedland von den Schwedischen aus dem Feld geschlagen und darauf ermeldeter Herzog von Friedland aus Meißen nach Prag in Böhmen sich retiriert, hat er daselbst diejenigen hohen und niederen Officiere und Soldaten, so in ermeldeter Schlacht feldflüchtig geworden und zu der schnöden Flucht und Confusion Ursach und Anlaß gegeben, gefänglich annehmen, wohl verfahren, endlich im Fürstlichen Liechtensteinischen Haus General-Stand-, Malefiz- und Kriegsrecht über sie gehalten und letztlich exequieren lassen. [...] Die alle (11 Officiere) sind als abtrünnige, leichtfertige Feldflüchtige sämtlich mit dem Schwert gerichtet auf einem bei dem Rathaus hierzu sonderlich aufgerichteten hohen und mit schwarzem Tuch bedeckten Theatro. Hierauf sind noch andere sieben zum Galgen geführt, vier enthauptet und zween aufgehängt und einer, Jacob Winckler, nachdem ihm sein Degen auf dem Haupt gebrochen, vom Scharfrichter unehrlich gemacht, von der Kaiserlichen Armaden abgeschafft worden, wie dann auch bei 50 hoher und niedriger Officiere Namen, so gleichfalls bei der Lützener Schlacht ausgerissen, an den Galgen geschlagen und also die Execution vollzogen“. JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 325f.
[201] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 415.
[202] MANN, Wallenstein, S. 755; vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.
[203] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[204] Bei LEHMANN im Anhang fälschlich Hieronymus v. Colloredo. Lehmann datiert nach dem alten Stil.
[205] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.
[206] Goldene Höhe: Gohlig, (auch Goldene Höhe) Erhebung unweit von Dresden im Erzgebirgsvorland in Sachsen, zwischen Rittersgrün und Gottesgab [Boží Dar, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 168.
[207] Rittersgrün, heute Ortsteil von Breitenbrunn [Erzgebirgskr.].
[208] Crandorf, eine heute zum Schwarzenberger Ortsteil Erla gehörende Siedlung.
[209] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.
[210] Aue; HHSD VIII, S. 10ff.
[211] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.
[212] Gottesgab [Boží Dar, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 168.
[213] Oberwiesenthal [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 261.
[214] Seiffen (Erzgebirgskreis].
[215] Bergstadt Platten [Horní Blatná, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 33.
[216] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.
[217] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[218] Mergenthal [LK Meißen].
[219] Wiesenburg [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 360.
[220] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.
[221] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.
[222] Großpöhla, seit dem 1. Januar 2008 ein Ortsteil von Schwarzenberg/Erzgebirge.
[223] Grünstädtel, Ortsteil von Schwarzenberg, HHSD VIII, S. 328.
[224] Crottendorf [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 55.
[225] Arnold’s Feld und Hammer bei Rittersgrün.
[226] Breitenbrunn/Erzgeb. [Erzgebirgskreis/Sachsen].
[227] Kleinpöhla, seit dem 1. Januar 2008 Ortsteil von Schwarzenberg/Erzgebirge.
[228] Bermsgrün, heute Ortsteil von Schwarzenberg, HHSD VIII, S. 328.
[229] Raschau, heute Ortsteil der Gemeinde Raschau-Markersbach im Erzgebirgskreis.
[230] Mittweida [Kr. Hainichen]; HHSD VIII, S. 234.
[231] Grünhain [Kr. Schwarzenberg]; HHSD VIII, S. 140f.
[232] Beierfeld, heute Stadtteil der am 1. Januar 2005 neugebildeten Stadt Grünhain-Beierfeld/Erzgebirgskreis.
[233] Bernsbach [Erzgebirgskreis].
[234] Wildenau bei Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.
[235] Sachsenfeld, heute Ortsteil von Schwarzenberg.
[236] Lößnitz [Kr. Aue]; HHSD VIII, S. 208f.
[237] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.
[238] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[239] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.
[240] Stollberg; HHSD VIII, S. 337ff.
[241] Niederdorf [Erzgebirgskreis].
* Anmerkung Lehmanns: Drinnen wohnen 100 tuchmacher, 40 zeugmacher oder, wie sie sie nennen leinweber; in dem jahr, do es abbrand, starben 600 Personen ab.
[242] Zschopau; HHSD VIII, S. 378f.
[243] Scharfenstein [Kr. Zschopau]; HHSD VIII, S. 315f.
[244] Reitzenhain; heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis].
[245] LEHMANN, Kriegschronik, S. 63ff.
[246] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[247] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[248] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.
[249] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[250] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[251] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.
[252] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[253] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[254] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.
[255] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[256] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.
[257] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.
[258] Aue; HHSD VIII, S. 10ff.
[259] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.
[260] Adorf [Kr. Oelsnitz]; HHSD VIII, S. 1f.
[261] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.
[262] Oelsnitz [Kr. Stollberg]; HHSD VIII, S. 263f.
[263] Mylau [Kr. Reichenbach]; HHSD VIII, S. 240f.
[264] Reichenbach; HHSD VIII, S. 298f.
[265] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.
[266] Dux [Duchcov, Bez. Teplitz]; HHSBöhm, S. 118f.
[267] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[268] Crimmitschau [Kr. Werdau]; HHSD VIII, S. 53ff.
[269] Lazaristen: auch Vinzentiner (lat.: Congregatio Missionis, CM), ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.
[270] ENGERISSER, Von Kronach, S. 187ff.
[271] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[272] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.
[273] Wülzburg [Stadt Weißenburg i. Bayern]; HHSD VII, S. 835f.
[274] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[275] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[276] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.
[277] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[278] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.
[279] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[280] Marktredwitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.
[281] Holenbrunn, heute Ortsteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel].
[282] BRAUN, Marktredwitz, S. 36.
[283] Teplitz [Teplice]; HHSBöhm, S. 604ff.
[284] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21; Neuschloss [Nový Hrad, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 404f.
[285] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.
[286] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[287] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, 116ff.
[288] Teschen [Český Těšín, poln. Cieszyn, Bez. Karwin]; HHSBöhm, S. 607ff.
[289] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[290] MANN, Wallenstein, S. 887ff.
[291] KAMPMANN, Reichsrebellion, S. 131.
[292] Steinau a. O. [Śinawa, Kr. Wohlau]; HHSSchl, S. 517ff.
[293] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.
[294] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[295] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[296] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.
[297] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.
[298] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 354ff.
[299] Brieg [Brzeg]; HHSSchl, S. 54ff.
[300] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.
[301] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.
[302] Neisse [Nysa]; HHSSchl, S. 331ff.
[303] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.
[304] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.
[305] MANN, Wallenstein, S. 922.
[306] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[307] Landsberg [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.
[308] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.
[309] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 21.
[310] KAMPMANN, Rebellion, S. 178.
[311] Opočno [Bez. Reichenau an der Kněżna]; HHSBöhm, S. 431ff.
[312] MANN, Wallenstein, S. 310.
[313] Schlan [Slaný, Bez. Kladno]; HHSBöhm, S. 550f.
[314] Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.
[315] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.
[316] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.
[317] Archives Municipales de Strasbourg.
[318] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.
[319] REBITSCH, Matthias Gallas, S. 107.
[320] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[321] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[322] Melnik [Mĕlník]; HHSBöhm, S. 370f.
[323] Archives Municipales de Strasbourg AA 1065.
[324] Pressnitzer Pass: der Preßnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Preßnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Preßnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges.
[325] Frauenstein; HHSD VIII, S. 98f.
[326] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.
[327] Lauterbach [Erzgebirgskreis].
[328] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.
[329] LEHMANN, Kriegschronik, S. 78f.
[330] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.
[331] LEHMANN, Kriegschronik, S. 79.
[332] Reitzenhain; heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis].
[333] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[334] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.
[335] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.
[336] LEHMANN, Kriegschronik, S. 79f.
[337] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.
[338] Zschopau; HHSD VIII, S. 378f.
[339] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.
[340] Im Rathaus; LEHMANN, Kriegschronik, S. 81.
[341] Großrückerswalde [Erzgebirgskreis].
[342] Ronneburg [Kr. Schmölln]; HHSD IX, S. 356f.
[343] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.
[344] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.
[345] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[346] Leisnig [Kr. Döbeln]; HHSD VIII, S. 197ff.
[347] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.
[348] Frankenberg [Kr. Hainichen]; HHSD VIII, S. 97f.
[349] Zschopau; HHSD VIII, S. 378f.
[350] LEHMANN, Kriegschronik, S. 82f.
[351] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23.
[352] Oberwiesenthal [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 261.
[353] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.
[354] Lichtenstadt [Hroznětín, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 338f.
[355] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.
[356] Nicht identifiziert.
[357] LEHMANN, Kriegschronik, S. 86.
[358] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].
[359] Spitzhammer, auch Kriegshammer (oder Streithammer), ein im Kampf verwendeter langstieliger Hammer. Er wurde bis ins 17. Jahrhundert in Europa und auch im Nahen Osten verwendet und war dazu gedacht, Rüstungen zu deformieren oder zu zerbrechen. Einige Versionen dieser Schlagwaffe sind mit Hammerköpfen ausgestattet, die den Körper penetrieren können. [wikipedia]
[360] BRAUN, Marktredwitz, S. 56ff.
[361] Andernach [Kr. Mayen]; HHSD V, S. 12f.
[362] Namur [Span. Niederlande, h. Belgien].
[363] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 40.
[364] Speyer; HHSD V, S. 350ff.
[365] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.
[366] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.
[367] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 42.
[368] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 43.
[369] Worms; HHSD V, S. 410ff.
[370] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 57.
[371] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 62.
[372] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 30.
[373] Remiremont [Hgt Lothringen, Dép. Vosges].
[374] Épinal (Frankreich, Dép. Vosges].
[375] Charmes [Frankreich, Dép. Vosges].
[376] Pont-à-Mousson (alter dt. Name: Moselbruck; Lothringen, Dép. Meurthe-et-Moselle).
[377] Hennegau; (französisch Hainaut, niederländisch Henegouwen, wallonisch Hinnot) ist heute eine belgische Provinz. Sie gehört zur Wallonischen Region und zur Französischen Gemeinschaft Belgiens. Der Name leitet sich von dem Fluss Haine (dt. Henne, ndl. Hene) ab.
[378] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 63.
[379] Nancy [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[380] Lunéville [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[381] LAHRKAMP, Werth, S. 45.
[382] Bassigny [Landschaft in Frankreich], an der oberen Marne, Hauptstadt Langres, größtenteils im Dép. Haute-Marne gelegen, teilweise im Dép. Vosges.
[383] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 65.
[384] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 68.
[385] Artois (ndl. Artesië; dt. auch Artesien), frühere Provinz im Norden Frankreichs. Artois liegt im Inneren des Dép. Pas-de-Calais, dessen westlicher Teil das frühere Boulonnais bildete.
[386] Schenkenschanz [Gem. Salmorth, LK Kleve]; HHSD III, S. 665.
[387] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 69.
[388] Deycimont [Frankreich, Dép. Voges].
[389] Bruyères [Frankreich, Dép. Vosges].
[390] Rambervillers [Frankreich, Dép. Vosges].
[391] Épinal (Frankreich, Dép. Vosges].
[392] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 70.
[393] Sainte-Hélène [Frankreich, Dép. Vosges].
[394] Nancy [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[395] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 71.
[396] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.
[397] Innsbruck; HHSÖ II, S. 500f.
[398] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 74.
[399] Thann [Tann, Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[400] Sulz [Soultz, Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[401] Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[402] Rufach [Rouffach; Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[403] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.
[404] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 75.
[405] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 82.
[406] Marsal [Frankreich, Dép. Moselle].
[407] Lunéville [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[408] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 83.
[409] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.
[410] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.
[411] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 85.
[412] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf: Ferdinand v. Ungarn an R. Colloredo, Philippsburg, 1635 VIII 29.
[413] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 91.
[414] KREBS, Hatzfeld II, S. 48.
[415] Statní oblastní archiv Litomĕřice (Dĕčín) Rodinny archiv XVIII/7 (Ausfertigung): R. Colloredo an Ferdinand von Ungarn, Rambervillers, 1635 IX 01; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 92.
[416] Saarburg [Sarrebourg; Lothringen; heute Frankreich; Dép. Moselle].
[417] Blâmont, Stadt u. ehem. Grafschaft in Lothringen zwischen Meurthe u. Vezouse [Dép. Doubs], als Lehen der Bischöfe v. Metz an die Grafen v. Salm, 1220 an die Nebenlinie der Herren v. Blâmont bis etwa 1500, Ulrich v. Blâmont übergab es an Lothringen, seit 1567 unmittelbares Reichslehen. Nach PETERS, Söldnerleben, S. 149, war Blâmont das „Provianthaus“ der Armee.
[418] Deneuvre [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[419] Zabern [Saverne; Elsass, heute Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[420] Rheinau [Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[421] Bayon [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[422] Charmes [Frankreich, Dép. Vosges].
[423] Toul [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[424] Vaucouleurs [Frankreich, Dép. Meurse].
[425] Pont-à-Mousson (alter dt. Name: Moselbruck; Lothringen, Dép. Meurthe-et-Moselle).
[426] Lunéville [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[427] Metz [Bistum u. Stadt], [Frankreich; Dép. Moselle].
[428] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 115, fol. 98 (Ausfertigung): Ferdinand II. an Ferdinand von Ungarn, Wien, 1635 X 23.
[429] Statní oblastní archiv Litomĕřice (Dĕčín) Rodinny archiv XVIII/7, fol. 3 (Ausfertigung): R. Colloredo an Ferdinand von Ungarn, Rambervillers, 1635 IX 01; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 92, S. 49. Vgl. dessen Lageeinschätzung gegenüber Gallas, Rambersvillers, 1635 IX 05; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 97, S. 51: „Aldieweilen nunmehr gewiss, dass auf funfzehn Standarrn des franzosischen Adel und zehn Compagnien Dragoner, so sambtlich auf 6 000 Mann geachtet worden, aus Frankreich ankomen, als habe E. E. ich solches, wie auch das derselbe sich zwischen Fu [Foug/Lothr. ?] und Ponte Moson [Pont-a-Mousson] logiert, und dass etlicher Aussage nach gemeldter Adel und Dragoner von aldort hinab zu den Cardinal de Valleta passiren, wie aber andere melden, gesagter della Valleta das bei ihme habende Volk von den Weinmar verlassen und mit den ubrigen Franzosischen auch herauf zu den della Forza sich begeben solle, zu berichten nicht umbgehen können. Im Fall nun ernanter della Valleta mit seinem Volke heraufkomben und neben den Adel zu der della Forza, welcher sich mit seiner Armee zwischen denen beiden Stromben verschanzet, und auch noch immer mehr befestigen thuet, stossen möchte, werden E. E. meinen jüngsten Schreiben, noch hoch vernünftig ermessen, wie ich dieser Orten bestehen wurde, sintemal auch die jüngste avenirte heimbliche Correspondenz I. Dt. mit der Burgerschaft zu Ponte Moson nicht verschwigen, sondern lautbar worden; als ist das Schotische Regiment wieder zuruckmarschirt, und in erwegter Stadt selbigen Posto zu ver-sichern sich logiert. Ein heut fruhe eingebrachter Gefangener, so nur vor 8 Tagen aus Paris komben, berichtet, dass der König in Frankreich mit dem Adel aus Poitu (welcher 6 000 stark geschezet wird), seinen Leibregiment und den Schweizern nacher Piccardia sich begeben und dass in Frankreich sonsten von keiner andern Werbung das wenigste nicht gehöret wird“.
[430] Luxeuil [Luxueil-les-Bains; Dép. Haute-Saône; Frankreich].
[431] Statní oblastní archiv Litomĕřice (Dĕčín) Rodinny archiv Clam-Gallasove XVIII/7 (Ausfertigung): Ferdinand von Ungarn an Gallas, Horneck, 1635 IX 08; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 98, S. 52. Zuvor hatte sich Ferdinand von Ungarn mit Castañeda in Nördlingen u. Donauwörth zur vertraglichen Regelung der militärischen Zusammenarbeit getroffen; der Vertrag, am 30.12.1635 v. Oñate unterzeichnet, findet sich in Kopie unter Österreichisches Staatsarchiv Wien Spanien Kart. 23/Konv. 16, fol. 1-2.
[432] Vgl. die Beschwerden Leopold Wilhelms (7.9.1635) über die Ausschreitungen lothring. Truppen in dem Schreiben Ferdinands III. an R. Colloredo, Horneck, 1635 IX 24; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 109, S. 55.
[433] Gallas’ Bericht vom 31.12.1635; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 163, S. 77. Selbst Bestechungsversuche Spaniens blieben erfolglos; ERNST, Madrid und Wien, S. 173f., vgl. ferner Gallas’ Instruktion für Walmerode, 1635 XII 31; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 163; bei ERNST, Madrid und Wien, S. 174f.
[434] Markirch [Sainte-Marie aux Mines; Ober-Elsass, h. Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[435] Saint-Dié [Frankreich; Dép. Vosges].
[436] Zabern [Saverne; Elsass, heute Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[437] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 94.
[438] Foug [Lothringen, h. Frankreich].
[439] Pont-à-Mousson (alter dt. Name: Moselbruck; Lothringen, Dép. Meurthe-et-Moselle).
[440] Poitou, französischer Name für Piktavien, (kelt. Piktavia, altnorw./norm. Peitaland), iLandschaft im Westen Frankreichs und historische Provinz und Grafschaft. Das Gebiet der Grafschaft entsprach ungefähr den heutigen Dép.s Deux-Sèvres, Vienne und Vendée, ausgenommen die alte Seneschallate von Loudun die zur Provinz Anjou gehörte. Hauptstadt der ehemaligen Provinz Poitou war Poitiers.
[441] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 97.
[442] Bassigny [Landschaft in Frankreich], an der oberen Marne, Hauptstadt Langres, größtenteils im Dép. Haute-Marne gelegen, teilweise im Dép. Vosges.
[443] Nancy [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[444] Saint-Nicolas-du-Port [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[445] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 103.
[446] Horneck; unter Gundelsheim [LK Heilbronn], HHSD VI, S. 275ff.
[447] Toul [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[448] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[449] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 104.
[450] Luxeuil [Luxueil-les-Bains; Dép. Haute-Saône; Frankreich].
[451] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 107.
[452] Rambervillers [Dép. Vosges].
[453] Saarburg [Sarrebourg; Lothringen; heute Frankreich; Dép. Moselle].
[454] Zabern [Saverne; Elsass, heute Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[455] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 108.
[456] Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[457] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf,, Nr. 109.
[458] Baccarat [Frankreich; Dép. Meurthe-et-Moselle].
[459] Statní oblastní archiv Litomĕřice (Dĕčín) Rodinny archiv Clam-Gallasove XVIII/7 (ital. Orig.): R. Colloredo an Gallas, Rambersvillers, 1635 IX 30.
[460] Heuchlingen [Bad Friedrichshall, Stadtteil Duttenberg, LK Heilbronn]; HHSD V, S. 336f.
[461] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 113.
[462] Lunéville [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[463] Saint-Nicolas-du-Port [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[464] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 114.
[465] Artois (ndl. Artesië; dt. auch Artesien), frühere Provinz im Norden Frankreichs. Artois liegt im Inneren des Dép. Pas-de-Calais, dessen westlicher Teil das frühere Boulonnais bildete.
[466] Cambrai [Frankreich, Dép. Nord].
[467] Picardie; eine Region und historische Provinz Frankreichs im Norden des Landes. Sie setzt sich heute aus den Dép. Aisne, Oise und Somme zusammen. Der Hauptort der Region ist Amiens.
[468] Namur [Span. Niederlande, h. Belgien].
[469] Mézières [Frankreich, Dép. Ardennes].
[470] Metz [Bistum u. Stadt], Frankreich [Dép. Moselle].
[471] Wallerfangen [Kr. Saarlouis]; HHSD V, S. 393f.
[472] Saarbrücken; HHSD V, S. 315ff.
[473] Saargemünd [Sarregemines; heute Frankreich].
[474] Zweibrücken; HHSD V, S. 419ff.
[475] Lunéville [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[476] Thionville [Span. Niederlande, heute Dép. Moselle; Frankreich].
[477] Metz [Bistum u. Stadt], Frankreich [Dép. Moselle].
[478] Neufchâteau [Belgien, Prov. Luxemburg].
[479] Bassigny [Landschaft in Frankreich], an der oberen Marne, Hauptstadt Langres, größtenteils im Dép.Haute-Marne gelegen, teilweise im Dép. Vosges.
[480] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 118.
[481] Pettau, Ptuj; Bez. Maribor [Slowen]; vgl. VALENTINITSCH, Ferdinand II., S. 525.
[482] REBITSCH, Gallas, S. 132f.
[483] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 121.
[484] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 122.
[485] Mézières [Frankreich, Dép. Ardennes].
[486] Lunéville [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[487] Rosières-aux-Salines; Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[488] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 123.
[489] Nancy [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[490] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 124.
[491] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1635/10/175 (Ausfertigung): R. Colloredo an Ferdinand von Ungarn, Mazières-lès-Vic, 1635 X 25.
[492] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1635/11/64 (Ausfertigung): R. Colloredo an Ferdinand von Ungarn, Mazières-lès-Vic, 1635 XI 15.
[493] BA NF II/9, S. 323f.
[494] So J. v. Hohenzollern gegenüber Khevenhiller; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Württemberg Kriegsakten 11 a, Nr. 8 (Ausfertigung): Khevenhiller an Ferdinand II., München, 1635 XII 06.
[495] REBITSCH, Matthias Gallas, S. 139.
[496] Trier; HHSD V, S. 372ff.
[497] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 152.
[498] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.
[499] Schorndorf [Rems-Murr-Kr.]; HHSD VI, S. 714f.
[500] Coburg; HHSD VII, S. 127f.
[501] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.
[502] Speyer; HHSD V, S. 350ff.
[503] Worms; HHSD V, S. 410ff.
[504] Kaiserslautern; HHSD V, S. 158ff.
[505] Frankenthal; HHSD V, S. 100ff.
[506] Mainz; HHSD V, S. 214ff.
[507] Sachsenhausen, unter Frankfurt, HSSD IV, S. 126ff.
[508] Nach PAGÈS, La guerre de trente ans, S. 207, betrug die offizielle Gesamtstärke der französischen Armee im Juli 1635 160.000 Mann, davon 26.000 Reiter.
[509] Marsal [Frankreich, Dép. Moselle].
[510] Nancy [Frankreich, Dép. Meurthe-et-Moselle].
[511] Pont-à-Mousson (alter dt. Name: Moselbruck; Lothringen, Dép. Meurthe-et-Moselle).
[512] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 163.
[513] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 169.
[514] Zabern [Saverne; Elsass, h. Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[515] Colmar, Reichstadt [Frankreich, Dép. Haut-Rhin]; vgl. STEIN, Protéction.
[516] Épinal (Frankreich, Dép. Vosges].
[517] Dieuze [Lothringen, h. Frankreich, Dép. Moselle].
[518] Munster [Frankreich; Dép. Haut-Rhin].
[519] St. Gregoriental: Um 660 n. Chr. wurde bei Munster von Benediktiner-Mönchen das St. Gregor-Kloster (lat. monasterium) gegründet, wonach die Stadt und das Tal benannt wurden. 1308 wird die Stadt mit einer Mauer versehen. 1354 schließt sich die Stadt mit anderen Städten des Elsass zum Zehnstädtebund zusammen. Im 16. Jahrhundert schließt sich die Stadt der Reformation an.
[520] Badenweiler [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 58f.
[521] Saarburg [Sarrebourg; Lothringen; heute Frankreich; Dép. Moselle].
[522] Thann [Tann, Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[523] Belfort; [Sundgau; h. Frankreich, Dép. Territoire de Belfort].
[524] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 170.
[525] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172; Thionville [Span. Niederlande, heute Dép. Moselle; Frankreich].
[526] Dambach [Dambach-la-Ville, Dép. Bas-Rhin].
[527] Châtenois (deutsch Kestenholz, elsässisch Keschtaholz), Gemeinde im Dép. Bas-Rhin der Region Elsass in Frankreich am Fuße der Vogesen in der Nähe von Sélestat (Schlettstadt).
[528] Blienschwiller (dt. Blienschweiler), Haufendorf am Rand der Nordvogesen im Dép. Bas-Rhin.
[529] Gemar [Guémar; Herrschaft Rappoltstein; heute Frankreich, Dép. Haut-Rhin].
[530] Colmar, Reichstadt [Ober-Elsass, h. Frankreich, Dép. Haut-Rhin]; vgl. STEIN, Protéction.
[531] Sélestat, vor 1920 Schlestadt (deutsch Schlettstadt, elsässisch Schlettstàdt) ist eine Stadt im Elsass im Dép. Bas-Rhin. Vgl. STEIN, Protéction.
[532] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 180.
[533] Col du Bonhomme; ein wichtiger Pass über den Kamm der Vogesen. Er liegt auf einer Höhe von 949 m im Gemeindegebiet von Le Bonhomme im Elsass. Er verbindet das elsässische Weisstal mit dem Tal der Meurthe in Lothringen (Gemeinde Plainfaing) über die Nationalstraße 415. Die Entfernung nach Saint-Dié-des-Vosges im Westen beträgt 26 km und die Entfernung nach Colmar im Osten 32 km.
[534] Rambervillers [Frankreich, Dép. Vosges].
[535] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 181.
[536] Sundgau; Landschaft im Süden des Elsass, im südlichen Bereich des Dép. Haut-Rhin, etwa zwischen Basel, Belfort und Mülhausen gelegen.
[537] ELLERBACH; SCHERLEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 225f.
[538] Speyer; HHSD V, S. 350ff.
[539] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 214.
[540] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.
[541] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.
[542] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 221.
[543] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 240.
[544] Wahrscheinlich Selz (Seltz), Elsass [Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[545] Zabern [Saverne; Elsass, heute Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[546] Picardie; eine Region und historische Provinz Frankreichs im Norden des Landes. Sie setzt sich heute aus den Dép. Aisne, Oise und Somme zusammen. Der Hauptort der Region ist Amiens.
[547] La Capelle-en-Tiérache [Dép. Aisne; Frankreich].
[548] Zabern [Saverne; Elsass, heute Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[549] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 248.
[550] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[551] Wittstock [Kr. Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff.
[552] Bogislav Philipp v. Chemnitz beschrieb die Schlacht; JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 373ff.: „Der Feldmarschall [Banér] mußte durch einen Wald eine halbe Meile lang marschieren, ehe er ein so geraumes Feld angetroffen, da er sich recht in Schlachtordnung stellen können. Diesen Wald, wie er auf den Rücken bekam, ward er des Feindes Bataille erst ansichtig: Welcher hinter einem andern Walde auf einem hohen Berge, der solchen Wald kommandiert, sich gesetzt, mit Reduiten und Ravelinen vorn verwahrt, zwischen denselben seine Wagen vorgeschränkt und seine Stücke gar bequem gepflanzt gehabt. In so trefflichem Vorteil den Feind anzugreifen, [...] sandte der Feldmarschall den linken Flügel um den Wald und Berg herum, zur linken Hand auf den Feind, mit dem rechten Flügel aber schwenkte er sich zur rechten Seite des Waldes gegen die Stadt zu, an das Ende eines des Feindes Bataille berührenden Berges, in Meinung den Feind aus seinem Vorteil dadurch zu ziehen, welches auch geschehen und der Feind seinen ersten Stand verändern müssen. Da er dann durch den Wald, welcher etwas weitläuftig mit hohen Eichen bewachsen, also leicht dadurch zu kommen war, dem Feldmarschall anfangs seine ganze Reiterei auf den Hals geworfen, dem das Fußvolk gefolgt und dergestalt die ganze feindliche Macht auf der Königl. Schwedischen rechten Flügel allein gefallen. Worüber es zu einem so hitzigen scharfen grausamen Gefecht gediehen, das der Feldmarschall seinem eignen Bekenntnis nach dergleichen die Zeit seines Lebens nicht beigewohnt. Unangesehen auch die Officiere und Reiter das Ihrige, jeder seines Orts, nach äußerster Möglichkeit getan, wurden sie doch in solche Bedrängnis gesetzt, daß sie schier zu wanken angefangen [...]. Ja, sie wären endlich wegen großer Macht des Feindes in gänzliche Unordnung gekommen, wenn nicht Feldmarschall Leslé mit 5 Brigaden zu Fuß eben zur rechten Zeit angelangt und 4 Brigaden von des Feindes Fußvolk mit männlichem Angriff zurückgetrieben und von ihm abgekehrt, daß er etlicher maßen zur Respiration gelangen können. Gleichwohl ward solches des Feindes Fußvolk von dessen Cürassieren entsetzt und darüber diesseits zwo Brigaden als die Schwedische, so aus Magdeburg abgezogen, und die Karrische fast ganz zernichtet, die Schwedischen aber am meisten, als welche auch etliche Fähnlein eingebüßt, so jedoch von denen in der Bataille gestandenen Reitern wieder erobert worden. Diese Extremitäten und Gefahr nun hätte der rechte Flügel und das im ersten Treffen stehende Fußvolk nicht unterworfen sein dürfen, wann der linke Flügel sich etwas ehe an den Feind hängen können und die Reserve nicht so gar langsam nachgefolgt, sondern, da sie die ersten also mit dem Feind verwickelt zu sein vermerkt, eiliger fortgerückt wäre. Allein, wie jener einen gar weiten Umschweif nehmen müssen, so war bei dieser dem Generalleutnant Vitztum, der sie geführt, von unterhabenden Obristen schuld gegeben, daß er ihnen nicht zulassen wollen, geschwinder fortzurücken. [...] Dieweil aber endlich bei hereinbrechender Nacht der linke Flügel auf des Feinds erst verlassene vorteilhaftige Post gerückt, derselbe aus die königl. schwedische Reserve, die doch zum Fechten allzu spät angelangt und wegen der eingefallenen dunklen Nacht nicht gebraucht werden können, ungefähr erblickt und ihre Annäherung gewahr worden, so ward er dadurch irre gemacht und ließ den Mut fallen, also daß er eilig in Confusion geraten, die völlige Flucht ergriffen und das Feld mit Hinterlassung aller Stücke geräumt. Von demselben sind auf der Walstatt zwischen vier und fünftausend tot gefunden, ohne die, so im Verfolgen niedergemacht, unter denen von tausend bis elfhundert Reiter, das übrige Fußvolk gewesen, welches dann zum meisten eingebüßt und zumal die Kaiserliche Infanterie fast allerdings darauf gegangen [...] Fähnlein verlor der Feind 127 nebst 19 Standarten und 5 Dragoner-Fahnen [...] Auf königl. schwedischer Seite war es ebener maßen hart daher gegangen und hatte der Feind gegen die Schläge, so er bekommen, auch hinwieder etwas ausgegeben. Geblieben waren an Reitern 748, an Fußknechten 376, gequetscht 746 zu Roß, 1481 zu Fuß. Die Schwedische Brigade zu Fuß, so in Magdeburg gelegen und vor dem Treffen über 1200 Mann stark gewesen, stellte itz etwa 150 ins Feld, die Karrische Brigade war nicht weniger über die Maßen geschwächt. Die Regimenter zu Pferde, so auf dem rechten Flügel gestanden und nebst dem Fußvolk von der Bataille dieses warme Bad allein aushalten müssen, waren insgemein übel zugerichtet [...], daß also dieser Sieg von den königl. Schwedischen ziemlich teuer bezahlt worden. Unter denen gab der Feldmarschall selbst dem Reichszeugmeister H. Leonhard Torstensson das Zeugnis, daß er neben ihm die Armee aufrecht erhalten und durch seine Courage und Tapferkeit, auch mitwaltender Direktion, die Victori dem Feinde abdringen helfen“.
[553] ENGLUND, Verwüstung, S. 157ff.
[554] Clingen [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 69f.
[555] Greußen [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 170f.
[556] Sondershausen [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 402ff.
[557] Keula [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 233.
[558] Ebeleben [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 84f.
[559] Bothenheilingen, unter Großburschla [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 174.
[560] HAPPE II 45v – 46r; mdsz.thulb.uni-jena.de:
[561] Christian Günther I. Graf zu Schwarzburg-Hohenstein (1578-1642).
[562] Niederspier, unter HHSD IX, S. 210, 311.
[563] Wenigenehrich [Kyffhäuserkreis].
[564] Rockstedt [Kyffhäuserkreis].
[565] Wolferschwenda [Kyffhäuserkreis].
[566] Wasserthaleben [Kyffhäuserkreis].
[567] Otterstedt, unter Ilfeld [Kr. Nordhausen], HHSD IX, S. 210.
[568] HAPPE II 49 r – 53 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[569] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.
[570] JORDAN, Mühlhausen, S. 256f.
[571] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[572] Nicht identifiziert.
[573] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 348.
[574] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 364.
[575] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[576] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 385.
[577] Saar-Buckenheim [Saar-Union, Sarre-Union, Lothringen, h. Frankreich, Dép. Bas-Rhin].
[578] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 394.
[579] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 397.
[580] Clingen [Kyffhäuserkreis].
[581] HAPPE II 85 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.
[582] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 399.
[583] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[584] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf,, Nr. 419.
[585] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 552.
[586] Malchin [Kr. Malchin]; HHSD XII, S. 61f.
[587] Loitz [Kr. Grimmen]; HHSD XII, S. 232f.
[588] Wolgast [Kr. Greifswald]; HHSD XII, S. 317ff.
[589] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 674.
[590] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.
[591] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[592] Gifhorn; HHSD II, S. 167ff.
[593] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.
[594] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[595] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.
[596] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[597] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[598] Merseburg; HHSD XI, S. 322ff.
[599] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[600] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[601] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.
[602] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 752.
[603] Ruppertsgrün, heute Ortsteil von Pöhl [LK Vogtlandkr.].
[604] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.
[605] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.
[606] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.
[607] SALIS-SOGLIO, Hans Wolf von Salis, S. 92.
[608] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[609] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.
[610] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[611] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.
[612] Saaz [Žatec]; HHSBöhm, S. 535ff.
[613] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.
[614] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.
[615] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[616] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S. 133f.
[617] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[618] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.
[619] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[620] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 759.
[621] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 770.
[622] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 799.
[623] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.
[624] Königsaal [Zbraslav, Bez. Prag-West]; HHSBöhm, S. 275f.
[625] Podol [Podolí, heute Stadtteil v. Prag].
[626] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 850.
[627] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 923.
[628] Strakonitz [Strakonice]; HHSBöhm, 587f.
[629] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172; Schüttenhofen [Sušice, Bez. Klattau]; HHSBöhm, S. 558.
[630] Rothřečitz [Červená Řečice; Bez. Pilgram]; HHSBöhm, S. 529.
[631] Melnik [Mĕlník]; HHSBöhm, S. 370f.
[632] Brandeis a. d. Elbe [Brandýs nad Labem, Bez. Prag-Ost]; HHSBöhm, S. 62f.
[633] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 959.
[634] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.
[635] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.
[636] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 95.
[637] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 960.
[638] Schüttenhofen [Sušice, Bez. Klattau]; HHSBöhm, S. 558.
[639] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.
[640] Nimburg [Nymburk]; HHSBöhm, S. 413ff.
[641] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[642] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[643] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[644] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 963.
[645] Freistadt; HHSÖ I, S. 38f.
[646] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.
[647] Wittingau [Třeboň, Bez. Neuhaus] HHSBöhm, S. 666ff.
[648] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.
[649] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 974.
[650] Nimburg [Nymburk]; HHSBöhm, S. 413ff.
[651] Benatek [Benátky, seit 1950 Benátky nad Jizerou; Bez. Jung-Bunzlau], HHSBöhm, S. 26f.
[652] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.
[653] Weißwasser [Bělá pod Bezdězem; Bez. Jung-Bunzlau]; HHSBöhm, S. 651f.
[654] Melnik [Mĕlník]; HHSBöhm, S. 370f.
[655] Böhmisch Leipa [Česká Lípa]; HHSBöhm, S. 57f.
[656] Aussig [Ústí nad Labem]; HHSBöhm, S. 13ff.
[657] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[658] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 988.
[659] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[660] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1006.
[661] Raudnitz [Roudnice nad Labem, Bez. Leitmeritz]; HHSBöhm, 511ff.
[662] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[663] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1007.
[664] Elbekostelez [Kostelec nad Labem; Bez. Melnik]; HHSBöhm, S. 133.
[665] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1009; Rostok [Roztoky; Bez. Prag-West], HHSBöhm, 10, S. 333.
[666] Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.
[667] Schlan [Slaný, Bez. Kladno]; HHSBöhm, S. 550f.
[668] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1012.
[669] Melnik [Mĕlník]; HHSBöhm, S. 370f.
[670] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1026.
[671] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.
[672] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1032.
[673] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.
[674] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1036.
[675] Tetschen [Děčín]; HHSBöhm, S. 610ff.
[676] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1038.
[677] Saalfeld; HHSD IX, S. 369ff.; vgl. dazu STURNBRICH, unter Quelle 18.
[678] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[679] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1046.
[680] Amberg, HHSD VII, S. 20ff.
[681] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1050.
[682] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[683] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1051.
[684] Bad Neustadt/Saale [LK Rhön-Grabfeld], HHSD VII, S. 59f.
[685] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1057.
[686] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1064.
[687] Vacha (Kr. Bad Salzungen); HHSD IX, S. 447f.
[688] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1067.
[689] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1069.
[690] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1070.
[691] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.
[692] Fürstenberg [LK Soest]; HHSD III, S. 240f.
[693] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1071.
[694] Havelberg [Kr. Westprignitz/Havelberg]; HHSD X, S. 217ff.
[695] Dömitz [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 21ff.
[696] Berlin-Spandau; HHSD X, 97ff.
[697] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1073.
[698] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1079.
[699] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1084.
[700] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[701] Bad Königshofen im Grabfeld [Stadt Bad Königshofen i. Grabfeld]; HHSD VII, S. 368.
[702] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1086.
[703] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.
[704] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1089.
[705] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.
[706] Elbogen [Loket, Bez. Falkenau]; HHSBöhm, S. 133f.
[707] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1094.
[708] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1096.
[709] Pressnitz [Přisečnice; Kr. Chomutov (Komotau)]: Bergstadt im Erzgebirge, bis 1974 an der Stelle, wo sich heute die große Fläche der Pressnitztalsperre (vodní nádrž Přisečnice) erstreckt. Häuser, Kirchen und Schloss von Přisečnice sowie die benachbarten Dörfer Rusová (Reischdorf) und Dolina (Dörnsdorf) wurden abgerissen und an deren Stelle der Fluss Přísečnice (Pressnitz) gestaut.
[710] LEHMANN, Kriegschronik, S. 126f.
[711] Oberwiesenthal; HHSD VIII, S. 261.
[712] Weipert [Vejperty]; HHSBöhm, S. 650.
[713] Pressnitzer Pass: Der Pressnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Pressnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Pressnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]
[714] LEHMANN, Kriegschronik, S. 127.
[715] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1102.
[716] Nidda [Kr. Büdingen], HHSD III, S. 345f.
[717] Einbeck; HHSD II, S. 128ff.
[718] Alfeld; HHSD II, S. 5f.
[719] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1106.
[720] Hartenberg [Hřebeny], Ortsteil von Josefsdorf [Josefov, Bez. Sokolov].
[721] Graslitz [Kraslice]; HHSBöhm, S. 169f.
[722] [Sankt] Joachimsthal; HHSBöhm, S. 540ff.
[723] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1108.
[724] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.
[725] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1110.
[726] Hameln; HHSD II, S. 192ff.
[727] Prachiner Kreis [Prácheňský kraj; Böhmen].
[728] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1111.
[729] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1115.
[730] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[731] Wahrscheinlich Lesefehler, gemeint ist Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.
[732] Gefell [Kr. Schleiz]; HHSD IX, S. 129f.
[733] Ulm erscheint sehr unglaubwürdig, da war er zu diesem Zeitpunkt ganz bestimmt nicht.
[734] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.
[735] Büchenbach [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 108f.
[736] Pegnitz [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 577.
[737] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[738] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.
[739] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.
[740] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.
[741] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1119.
[742] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[743] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.
[744] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1120.
[745] Vogtland; HHSD VIII, S. 350ff.
[746] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.
[747] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.
[748] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1128.
[749] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1124.
[750] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1133.
[751] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.
[752] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1135.
[753] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1143.
[754] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1146.
[755] Schüttenhofen [Sušice]; HHSBöhm, S. 558.
[756] Pisek [Písek]; HHSBöhm, S. 452f.
[757] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.
[758] Moldauthein [Týn n. Vltavou, Bez. Budweis]; HHSBöhm, S. 379.
[759] Wittingau [Třeboň, Bez. Neuhaus] HHSBöhm, S. 666ff.
[760] Časlau [Časlav, Bez. Kuttenberg]; HHSBöhm, S. 90ff.
[761] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1156.
[762] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.
[763] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.
[764] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1158.
[765] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1162.
[766] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1166.
[767] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1165.
[768] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1168.
[769] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S.133f.
[770] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.
[771] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1170.
[772] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1172.
[773] Furth i. Wald; HHSD VII, S. 221f.
[774] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1175.
[775] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.
[776] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.
[777] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1177.
[778] Asow [Russland].
[779] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1192.
[780] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1208.
[781] Tottleben [Unstrut-Hainich-Kreis].
[782] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1215.
[783] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.
[784] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1216.
[785] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1227.
[786] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1230.
[787] Krems an der Donau [Statutarstadt]; HHSÖ I, S. 363ff.
[788] Mistelbach/Zaya [BH Mistelbach]; HHSÖ I, S. 424ff.
[789] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[790] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1253.
[791] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1261.
[792] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1266.
[793] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[794] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1269.
[795] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[796] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.
[797] Neisse [Nysa]; HHSSchl, S. 331ff.
[798] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[799] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.
[800] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[801] Wiese [Louka u Litvínova; Bez. Most].
[802] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1314.
[803] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1315.
[804] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172; Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.
[805] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSÖ IX, S. 305ff.
[806] Bunzlau [Boleslawiec]; HHSSchl, S. 63ff.
[807] Löwenberg [Lwówek Śląski]; HHSSchl, S. 296ff.
[808] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[809] Goldberg [Kr. Lübz]; HHSD XII, S. 33f.
[810] Friedland [Mieroszów, Kr. Waldenburg], HHSSchl, S. 109f.
[811] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1323.
[812] Friedeberg/Isergeb. [Mirsk, Kr. Löwenberg]; HHSSchl, S. 107.
[813] Hirschberg [Jelenia Góra]; HHSSchl, S. 189ff.
[814] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.
[815] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.
[816] Brandeis a. d. Elbe [Brandýs nad Labem, Bez. Prag-Ost]; HHSBöhm, S. 62f.
[817] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1327.
[818] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1328.
[819] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[820] Grafenstein [Grabštejn, Bez. Reichenberg]; HHSBöhm, S. 169.
[821] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1330.
[822] Mährisch Trübau [Moravská Třebová, Bez. Zwittau]; HHSBöhm, S. 361f.
[823] Turnau [Turnov, Bez. Semil]; HHSBöhm, S. 633f.
[824] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1132.
[825] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1335.
[826] Bautzen [Oberlausitz], HHSD VIII, S. 19ff.
[827] Kamenz; HHSD VIII, S. 158ff.
[828] Tetschen [Děčín]; HHSBöhm, S. 610ff.
[829] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1336.
[830] Löbau [Lubowa]; HHSSchl, S. 123f.
[831] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1137.
[832] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1340.
[833] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[834] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f.
[835] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[836] Konferenztag
[837] verhandeln
[838] Gesandter
[839] Heinrich II. Reuß von Plauen zu Gera, der Jüngere (1602-1670)
[840] Torgau [LK Torgau-Oschatz].
[841] Wurzen [LK Muldentalkreis].
[842] Mulde
[843] geradewegs
[844] Wut, Sturmlauf
[845] die Geschütze gegen sie in Stellung gebracht
[846] Bresche
[847] Turm
[848] Gemeint ist hier wohl die Bresche am Pauliner-Kolleg, später Augusteum der Universität
[849] Delitzsch [Kr. Delitzsch]; HHSD XI, S. 73f.
[850] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f.
[851] Rackwitz-Podelwitz [LK Delizsch]
[852] 1 Meile = ca. 7,420 km.
[853] in Schlachtordnung
[854] Geschützstellungen
[855] Rückzugsmöglichkeit
[856] Entschluss
[857] gesiegt
[858] Mulde
[859] haben gleichfalls keine Zeit verloren
[860] vorrücken
[861] verschrieben für “23. october” = 2.11. n. St.
[862] günstig
[863] ungünstig angelaßen.
[864] Unordnung
[865] Schoßteil des Pelzes; vgl. ENGLUND, Verwüstung, S. 285.
[866] Klein-Wiederitzsch, (Wiederitzsch) heute Stadtteil von Leipzig.
[867] Verwirrung, Auflösung
[868] Nach RUDERT, Kämpfe, S. 150, und ENGLUND, Verwüstung, S. 288, 46 Stücke.
[869] Nach RUDERT, Kämpfe, S. 150, 69 Standarten und 121 Fahnen.
[870] Nachtgeschirr
[871] Schlachtfeld
[872] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[873] Bremen; HHSD II, S. 69ff.
[874] gerettet
[875] Rakonitz [Rakovník]; HHSBöhm, S. 508f.
[876] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.
[877] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[878] So auch bei RUDERT, Kämpfe, S. 150.
[879] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.
[880] verschrieben für “die”
[881] Plan-, Fracht-, Tross-, Kriegswagen
[882] die Geschütze abgefeuert
[883] KLUGE, Hofer Chronik, S. 207ff., Sangerhausen [Kr. Sangerhausen]; HHSD XI, S. 409f.
[884] Zehista, heute Stadtteil von Pirna [LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge].
[885] Rosenthal [Rožmitál pod Třemšínem [Bez. Příbram].
[886] Böhmisch Leipa [Česká Lípa]; HHSBöhm, S. 57f.
[887] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1347.
[888] Minkwitz [Minkovice], heute Ortsteil von Višňová u Frýlantu [Böhmisch Weigsdorf; Bez. Liberec].
[889] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1351.
[890] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1366.
[891] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[892] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1367.
[893] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1370.
[894] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[895] Königsaal [Zbraslav, Bez. Prag-West]; HHSBöhm, S. 275f.
[896] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1384.
[897] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1391.
[898] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.
[899] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1393.
[900] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1392.
[901] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1394.
[902] Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.
[903] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1335.
[904] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1396.
[905] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1335. Nr. 1400.
[906] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1410.
[907] HEYDENDORFF, Korrespondenzen, S. 125f.
[908] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1416.
[909] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1418.
[910] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.
[911] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.
[912] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1424.
[913] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1429.
[914] Sonnewalde [Kr. Luckau/Finsterwalde]; HHSD X, S. 358.
[915] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1431.
[916] Turnau [Turnov, Bez. Semil]; HHSBöhm, S. 633f.
[917] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1468.
[918] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1472.
[919] Münchengrätz [Mnichovo Hradiště], HHSBöhm, S. 383ff.
[920] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1474.
[921] Guben [Gubin, Niederlausitz]; HHSD X, S. 210ff.
[922] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1480.
[923] REBITSCH, Matthias Gallas, S. 234f.
[924] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1506.
[925] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 7.
[926] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 29.
[927] Zittau; HHSD VIII, 371ff.
[928] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 34.
[929] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 89.
[930] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 102.
[931] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 466.
[932] Löwenberg [Lwówek Śląski]; HHSSchl, S. 296ff.
[933] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[934] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[935] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 148.
[936] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 152.
[937] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 165.
[938] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[939] Pegau [Kr. Borna]; HHSD VIII, S. 272ff.
[940] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.
[941] Borna; HHSD VIII, S. 34ff.
[942] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.
[943] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 192.
[944] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.
[945] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[946] Glückstadt [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 66ff.
[947] Krempe [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 140f.
[948] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 203.
[949] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.
[950] Dessau; HHSD XI, S. 77ff.
[951] Bernburg; HHSD XI, S. 37ff.
[952] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 208.
[953] Buchholz [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 41f.
[954] Lauter/Sa. [Erzgebirgskreis].
[955] Scheibenberg [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 316ff.
[956] LEHMANN, Kriegschronik, S. 152.
[957] Oelsnitz; HHSD VIII, S. 263f.
[958] Barby [Kr. Calbe/Schönebeck]; HHSD XI, S. 31ff.
[959] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 210.
[960] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[961] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[962] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 350.
[963] Gravelingen [Gravelines; Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Nord].
[964] Oppeln [Opole], HHSSchl, S. 378ff.
[965] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 356.
[966] Luckau [Niederlausitz; Bez. Cottbus]; HHSD X, S. 268ff.
[967] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172; Luckau [Niederlausitz; Bez. Cottbus]; HHSD X, S. 268ff.
[968] Bordesholm [Kr. Rendsburg-Eckernförde]; HHSD I, S. 17f.
[969] Neumünster (Holstein); HHSD I, S. 187f.
[970] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 375; Christianpries => Friedrichsort [Stadt Kiel]; HHSD I, S. 60f.
[971] Kaisersebersdorf, heute Stadtteil von Wien.
[972] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 407.
[973] Linz; HHSÖ I, S. 66f.
[974] Wittenberg; HHSD XI, S. 504ff.
[975] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 431.
[976] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 456.
[977] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 463.
[978] Jessen [Kr. Schweidnitz/Jessen]; HHSD XI, S. 230.
[979] Jüterborg; HHSD X, S. 229ff.
[980] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 465.
[981] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[982] Vgl. dagegen TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 463, 464.
[983] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 466.
[984] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.
[985] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 181.
[986] Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, S. 241ff.
[987] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 509.
[988] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[989] Jankau [Jankov, Bez. Beneschau]; HHSBöhm, 226.
[990] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].
[991] Krems an der Donau [Statutarstadt]; HHSÖ I, S. 363ff.
[992] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 525.
[993] Jablunkau [Jablunkov, poln. Jablonków, Bez. Friedek-Mistek], HHSBöhm, S. 221f.
[994] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 534.
[995] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 542.
[996] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.
[997] Znaim [Znojmo]; HHSBöhm, S. 688.
[998] Stein; HHSÖ I, S. 564ff.
[999] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 550.
[1000] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 557.
[1001] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 566.
[1002] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 567.
[1003] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 571.
[1004] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 572.
[1005] Deutschbrod [Německý Brod, seit 1950 Havlíčkův Brod]; HHSBöhm, S. 107ff.
[1006] Bechin [Bechyně, Bez. Tabor], HHSBöhm, S. 25f.
[1007] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 575.
[1008] Landskron [Lanškroun, Bez. Wildenschwert]; HHSBöhm, S. 317ff.
[1009] Kauřim [Kouřim, Bez. Kolin]; HHSBöhm, S. 257ff.
[1010] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 582.
[1011] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 585.
[1012] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 596.
[1013] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 597.
[1014] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 598.
[1015] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 600.
[1016] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.
[1017] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.
[1018] Lettowitz [Letovice, Bez. Blansko; Mähren]; HHSBöhm, S. 332f.
[1019] Nikolsburg [Mikulov]; HHSBöhm, S. 411ff.
[1020] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 606.
[1021] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1022] Jablunka-Pass [Jablunkovský prusmyk; Westkarpaten].
[1023] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.
[1024] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 615.
[1025] Brieg [Brzeg]; HHSSchl, S. 54ff.
[1026] Sillein [Žilina; Oberungarn, heute Slowakei].
[1027] Trentschin [Trenčín; Oberungarn, (deutsch Trentschin, ungarisch Trencsén, lateinisch Laugaricio) heute Westslowakei nahe an der Grenze zu Tschechien.
[1028] Jablunkau [Jablunkov], HHSBöhm, S. 221f.
[1029] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 616.
[1030] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 622; Nr. 629.
[1031] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 629.
[1032] Rakonitz [Rakovník]; HHSBöhm, S. 508f.
[1033] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.
[1034] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 631.
[1035] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 635.
[1036] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 647.
[1037] Alerheim [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 6f.
[1038] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 644.
[1039] Theben [Dévin; Oberungarn, h. Slowakei].
[1040] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 655.
[1041] Grafenstein [Grabštejn, Bez. Reichenberg]; HHSBöhm, S. 169.
[1042] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 656.
[1043] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1044] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 663.
[1045] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 666.
[1046] Reichenbach [Dzierżoniów]; HHSSchl, S. 433ff.
[1047] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 671.
[1048] Reichertshofen [LK Pfaffenhofen/Ilm]; HHSD VII, S. 616.
[1049] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 682.
[1050] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 687.
[1051] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 688.
[1052] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1053] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 693.
[1054] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 698.
[1055] Öhringen [Hohenlohekr.]; HHSD VI, S. 612ff.
[1056] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 699.
[1057] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 702.
[1058] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1059] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 715.
[1060] Hohenhameln; HHSD II, S. 236.
[1061] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 716.
[1062] Freiburg i. Schl. [Świebordzice, Kr. Schweidnitz]; HHSSchl, S. 102f.
[1063] Landeshut [Kamienna Góra]; HHSSchl, S. 261ff.
[1064] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 720.
[1065] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 722.
[1066] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.
[1067] Klattau [Klatovy]; HHSBöhm, S. 262ff.
[1068] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, 116ff.
[1069] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, 269ff.
[1070] Saaz [Žatec, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 535ff.
[1071] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.
[1072] Schlacht bei Breitenfeld, 2.11.1642.
[1073] Neuhaus [Jindřichuv Hradec]; HHSBöhm, S. 398ff.
[1074] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.
[1075] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[1076] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 723.
[1077] Böhmisch Leipa [Česká Lípa]; HHSBöhm, S. 57f.
[1078] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 724.
[1079] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 726.
[1080] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 728.
[1081] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 738.
[1082] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 740.
[1083] Klattau [Klatovy]; HHSBöhm, S. 262ff.
[1084] Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.
[1085] Aussig [Ústí nad Labem]; HHSBöhm, S. 13ff.
[1086] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 748.
[1087] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1088] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1089] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.
[1090] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 785.
[1091] Frankenstein [Zabkowice Śląskie]; HHSSchl, S. 95ff.
[1092] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1093] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.
[1094] Znaim [Znojmo]; HHSBöhm, S. 688.
[1095] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 794.
[1096] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 798.
[1097] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 803.
[1098] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1099] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 816.
[1100] Namslau [Namyslów]; HHSSchl, S. 326ff.
[1101] Wartenberg [Stráž pod Ralskem, Bez. Böhmisch Leipa]; HHSBöhm, S. 648.
[1102] Lipnitz [Lipnice nad Sázavou, Bez. Deutschbrod]; HHSBöhm, S. 212 [unter Humpoletz (Humpolec, Bez. Pilgram)].
[1103] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1104] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 842.
[1105] Rottenbach, heute Ortsteil von Lautertal [LK Coburg].
[1106] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 846.
[1107] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 849.
[1108] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249; Frankenstein [Zabkowice Śląskie]; HHSSchl, S. 95ff.
[1109] Pilgram [Pelhřimov]; HHSBöhm, S. 444f.
[1110] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 855.
[1111] Homberg a. d. Efze [Kr. Fritzlar-Homberg]; HHSD IV, S. 236f.
[1112] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 856.
[1113] Moldauthein [Týn n. Vltavou, Bez. Budweis]; HHSBöhm, S. 379.
[1114] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 859.
[1115] Grünberg [Kr. Gießen]; HHSD IV, S. 189f.
[1116] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 860.
[1117] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1118] Korneuburg; HHSÖ I, S. 359ff.
[1119] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.
[1120] Rabensburg [BH Mistelbach]; HHSÖ I, S. 489f.
[1121] Falkenstein, BH Mistelbach; HHSÖ I, S. 247ff.
[1122] Der Schwed’ ist im Land, S. 63f.
[1123] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1124] Berolzheim [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 88f., wie bei TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, vermutet, erscheint unwahrscheinlich, hier dürfte Bertoldsheim [Gde. Rennertshofen, LK Neuburg-Schrobenhausen]; HHSD VII, S. 89, gemeint sein.
[1125] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 877.
[1126] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].
[1127] Albersdorf [Albrechtice, Bez. Karwin]; HHSBöhm, S. 3.
[1128] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.
[1129] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 880.
[1130] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.
[1131] Neustadt O. S. [Prudnik]; HHSSchl, S. 353ff.
[1132] Leobschütz [Glubczyce]; HHSSchl, S. 275f.
[1133] Jägerndorf [Krnov; Bez. Freudenthal]; HHSBöhm, S. 222ff.
[1134] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 880.
[1135] Friedland [Frýdlant]; HHSBöhm, S. 155f.
[1136] Ungarisch Hradisch [Uherské Hradiště]; HHSBöhm, S. 636ff.
[1137] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 890.
[1138] Kallmünz [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 337f.
[1139] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 891.
[1140] Reinhausen; heute Ortsteil von Regensburg.
[1141] Laaber [LK Regensburg]; HHSD VII, S. 382f.
[1142] Straubing; HHSD VII, S. 723ff.
[1143] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 896.
[1144] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 905.
[1145] Gutenfeld [Dobruška; Bez. Rychnov nad Kněžnou], HHSBöhm, S. 114.
[1146] Reichenberg [Liberec]; HHSBöhm, S. 514ff.
[1147] Böhmisch Weigsdorf [Višňová, Bez. Liberec].
[1148] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 907.
[1149] Bunzlauer Kreis [Boleslavsko].
[1150] Grafenstein [Grabštejn, Bez. Reichenberg]; HHSBöhm, S. 169.
[1151] Die Behauptung Gallas’, dass Wallenstein sich oft auf Friedland aufgehalten habe, entspricht nicht den Tatsachen.
[1152] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 908.
[1153] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, vermuten Göggingen; HHSD VI, S. 362, 429, 524. Gemeint ist hier aber Eggingen (heute Stadtteil v. Ulm); HHSD VI, S. 817f.
[1154] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[1155] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S. 133f.
[1156] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 911.
[1157] Lamerdingen über Schwabmünchen [LK Augsburg]; HHSD VII, S. 682f.
[1158] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 919.
[1159] Schrobenhausen [lK Neuburg-Schrobenhausen]; HHSD VII, S. 680f.
[1160] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 922.
[1161] Hohenwart [LK Pfaffenhofen/Ilm]; HHSD VII, S. 313.
[1162] Landsberg a. Lech; HHSD VII, S. 385f.
[1163] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 924.
[1164] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. S. 249.
[1165] Braunau [Broumov]; HHSBöhm, S. 63ff.
[1166] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 927.
[1167] Ottmachau [Otmuchów, Kr. Grottkau]; HHSSchl, S. 387ff.
[1168] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 929.
[1169] Ohlau [Olawa]; HHSSchl, S. 373ff.
[1170] Namslau [Namyslów]; HHSSchl, S. 326ff.
[1171] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 930.
[1172] Ohlau [Olawa]; HHSSchl, S. 373ff.
[1173] Silberberg/Eulengeb. [Srebrna Góra, Kr. Frankenstein]; HHSSchl, S. 505ff.
[1174] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 933.
[1175] Abensberg [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 2.
[1176] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 936.
[1177] Münsterberg i. Schl. [Ziebice, Kr. Frankenstein], HHSSchl, S. 320ff.
[1178] Brieg [Brzeg]; HHSSchl, S. 54ff.
[1179] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 979.
[1180] Lindau (Bodensee); HHSD VII, S. 414ff.
[1181] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 982.
[1182] Strehlen [Strzelin]; HHSSchl, S. 519ff.
[1183] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 985.
[1184] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1008.
[1185] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1009.
[1186] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1010.
[1187] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1188] Auras [Uraz; LK Wohlau/Trebnitz].
[1189] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1190] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 167, fol. 414-415 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Budweis, 1647 VI 19.
[1191] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 167, fol. 460 (Ausfertigung): Holzappel an Colloredo, Budweis, 1647 VI 21.
[1192] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 167, fol. 337 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Budweis, 1647 VI 17.
[1193] Treuchtlingen [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HSSD VII, S. 751f.
[1194] STADLER, Pappenheim, S. 754; PATZELT, Marschälle, S. 12.
[1195] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1062.
[1196] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249.
[1197] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1065.
[1198] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1075.
[1199] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1080.
[1200] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1081.
[1201] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.
[1202] Pressnitzer Pass: Der Pressnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Pressnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Pressnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]
[1203] Cunnersdorf bei Annaberg-Buchholz.
[1204] Schlettau [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 319f.
[1205] Hermannsdorf (Hermersdorf), heute Ortsteil von Elterlein [Erzgebirgskreis].
[1206] LEHMANN, Kriegschronik, S. 174f.
[1207] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1084.
[1208] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1086.
[1209] Statní oblastní archiv v Zámrsku Rodinny archiv Piccolominiové 26.028 (Entwurf): Piccolomini an Ferdinand III., Prag, 1648 V 23; in Übers. bei ELSTER, Studien, S. 117f.
[1210] In seinem Schreiben an Ferdinand III., München, 1648 V 18; Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/10 (Ausfertigung).
[1211] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Frankreich 56 b (Entwurf): Ferdinand III. an Maximilian I, Prag, 1648 V 23. Nach DUDÍK, Schweden, 284, erfolgte die offizielle Ernennung am 30.5.
[1212] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1107: H. Schlick an W. E. v. Lobkowitz, Karlsbad, 1648 V 20.
[1213] Statní oblastní archiv Litomĕřice (Zitenice) Rodinny archiv Lobkovicové-LR, C 116; auch TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1118: H. Schlick an W. E. v. Lobkowitz, Karlsbad, 1648 V 25.
[1214] Johannisberg [Janowa Góra, Kr. Habelschwerdt]; unter Schreckendorf [Strachocin, Kr. Habelschwerdt]; HHSSchl, S. 487. Die Angaben sind TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, nicht stimmig.
[1215] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1118.
[1216] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1120.
[1217] Raudnitz [Roudnice nad Labem, Bez. Leitmeritz]; HHSBöhm, S. 511ff.
[1218] Liboch [Libĕchov, Bez. Melnik]; HHSBöhm, S. 336.
[1219] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1126.
[1220] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1128.
[1221] Oels [Oleśnica]; HHSSchl, S. 368ff.
[1222] Bernstadt [Bierutów, Kr. Oels]; HHSSchl, S. 18ff.
[1223] Jauer [Jawor, Stadt u. Fürstentum; Schlesien, h. Polen]; HHSSchl, S. 206ff.
[1224] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1130.
[1225] Falkenau [Falknov nad Ohří]; HHSBöhm, S. 139ff.
[1226] Elbogen [Loket]; HHSBöhm, S. 133f.
[1227] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1135.
[1228] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1136, 362: F III an R. Colloredo, Linz, 1648 VII 18.
[1229] Jaroměř [Bez. Nachod]; HHSBöhm, S. 228ff.
[1230] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1139.
[1231] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1140.
[1232] Am 30.5.1648 von Königsmarck in schwedischen Sold übernommen.
[1233] Rakonitz [Rakovník]; HHSBöhm, S. 308f.
[1234] Nach HÖFER, Ende, S. 216, sollen es 600 gewesen sein.
[1235] Stift Břevnov: Břevnovký klástĕr: Kloster der Benediktiner im Prager Stadtteil Břevnov.
[1236] Graf Franz Karl Matthias von Sternberg [1612-1648]; vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebuch.
[1237] Hermann Graf Czernin von Chudenitz [1576-1651]; vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebuch.
[1238] Graf Václav Michna z Vacínova [ - 1667]; vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebuch.
[1239] Vgl. dazu NEUBERG, Schwedesch Lid, S. 86 (12).
[1240] Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1152.
[1241] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1142.
[1242] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1145.
[1243] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1144.
[1244] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1151.
[1245] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1153.
[1246] ÖSTA AFA Kriegsakten in genere 179, fol. 113-114: P. an Reichsvizekanler Kurz, Landau, 1648 VIII 04.
[1247] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr.1114, S. 356: Piccolomini an R. Colloredo, 1648 VI 07- XII 31.
[1248] Gemeint ist hier die Wenzelskrone, das wichtigste Kleinod der Böhmen.
[1249] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 398. Vgl. La Corona an Piccolomini, Beraun, 1648 VIII 01; TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1149.
[1250] Das ist nicht richtig.
[1251] Nach HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 295, in dem Kloster Kleinschnien [?].
[1252] ENGLUND, Verwüstung, S. 514ff. Vgl. JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 398.
[1253] So PETERS, Söldnerleben, S. 227.
[1254] Zur Familie Haugwitz vgl. HARRACH, Tagebücher.
[1255] Anna Maria von Lobkowitz (Bílina), geb. Sternberg, vereh. Rottal [ - 1654]; vgl. HARRACH, Tagebücher.
[1256] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1155.
[1257] Statní oblastní archiv v Zámrsku Rodinny archiv Piccolominiové 27.137 (ital. Orig.); TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1329, S. 392: Montecuccoli an Piccolomini, Prag, 1648 XII 23. Zur Meuterei des Regiments Steinecker in Schweinfurt 1649 LORENTZEN, Schwed. Armee, S. 188: Die Soldaten wollten abgedankt werden, “um der Früchte des Friedens, der durch ihre Mitwirkung zu Stande gekommen sei, nun auch genießen zu können; die Krone Schwedens habe keine Feinde mehr, darum wollten sie sich auch nicht mehr mit Weib und Kind einen so weiten Weg hinschleppen lassen”. Vgl. ferner SCHMIDT, Chronica, S. 702f., für die schwedische Besatzung in Zwickau nach dem Westfälischen Frieden: „Umb diese Zeit etwas zuvor sahe man unter denen hier einqvartirten Soldaten wunderliche Verenderung: Etliche wurden froh / daß sie wiederumb frey zu werden Hoffnung hatten / etliche wurden betrübt / und wusten nicht was sie sich und die ihrigen zuernehren (denn die meisten hatten Weib und Kinder) fürnehmen solten: Etliche auch wurden grimmig und böse / stahlen und nahmen was sie ergreiffen und darvon bringen kunten / insonderheit waren die Kühe in Ställen nicht sicher. Denn es wurden derselben viel bey nächtlicher weise heraus gezogen / in Büschen und anders wo geschlachtet / das Fleisch aber und die Häute sind hernach hin und her verparthiret worden: wie sichs denn auch befunden / daß sie den 10. Junii in der Nacht / allein in den alten Gemäuer der abgebranten Kirche St. Mauricii zwo auff solche Art niedergeschlagen hatten“. Zur Abdankung der Kaiserlichen vgl. allgem. HOYOS, Ksl. Armee.
[1258] Neuhaus; HHSD VI, S. 170 [unter Igersheim; Main-Tauber-Kreis].
[1259] Bad Mergentheim [Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 41ff.
[1260] BÖHME, Hans Christopher von Königsmarcks Testament; HENNING, Vorindustrielles Deutschland, S. 243.
[1261] Konopischt [Konopiště]; HHSBöhm, S. 287f.
[1262] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1156.
[1263] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1157.
[1264] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1158, ferner Nr. 1165, 1201.
[1265] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1162.
[1266] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1172.
[1267] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1178.
[1268] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1180.
[1269] Königsaal [Zbraslav, Bez. Prag-West]; HHSBöhm, S. 275f.
[1270] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1183.
[1271] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1190.
[1272] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1199.
[1273] ENGLUND, Verwüstung, S. 522ff.
[1274] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1150: Corona an Piccolomini, Pilsen, 1648 VIII 8: „Allein sollen die Studenten und andere mehr von der Altstadt etwann auf Schiefen oder wie sie gekönt vergangene Woche herüber auf die Kleine Seite gefallen sein, und den Feind etwas Schaden zugefügt haben. Aber balden wieder hinüber gegangen sein“.
[1275] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1472.
[1276] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1202.
[1277] Worlik [Orlík, Bez. Pisek], HHSBöhm, S. 671f.
[1278] Kuttenberg [Kutná Hora]; HHSBöhm, S. 307ff.
[1279] Schwarzkosteletz [Kostelec nad Černými Lesy, Bez. Kolin]; HHSBöhm, S. 560f.
[1280] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1209.
[1281] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1212.
[1282] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1217.
[1283] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1221.
[1284] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1224.
[1285] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1225.
[1286] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1264.
[1287] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1229.
[1288] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.
[1289] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 475.