Brossard [Brosard, Broßard, Brosart, Brossarth, Broßarth, Brossarden, Prohard, Prosardo, Prossarde, Prosart, Bossard, Broßert, Pose], Pierre de [Peter von]

Brossard [Brosard, Broßard, Brosart, Brossarth, Broßarth, Brossarden, Prohard, Prosardo, Prossarde, Prosart, Bossard, Broßert, Pose], Pierre de [Peter von]; Obrist [1594 - 11.10.1638 Lemgo]

Brossard[1] stand ab Dezember 1633 als Obrist des Leibregiments zu Roß in den Diensten Wilhelms IV. von Sachsen-Weimar. In diesem Jahr diente schon Robert Douglas als Obristleutnant der Dragoner unter ihm. Das Leibregiment Wilhelms IV. war im Februar 1633 im Amt Hildburghausen[2] einquartiert.[3]

“Seine Zusagen [gegenüber Georg Wilhelm von Brandenburg; BW] zu erfüllen, eilte Herzog Wilhelm nach Wittenberg,[4] wo er am 2. Dezember [1633; BW] anlangte. Hier verhandelte er wegen des Durchmarschs seiner Truppen durch sächsisches Gebiet mit dem Obersten Christoph Vitztum von Eckstädt. Auch den Kurfürsten Johann Georg bat er um Erlaubnis zum Durchzug, da er wegen des Eises seine Regimenter nur bei Wittenberg über die Elbe bringen könnte. Den Fürsten Ludwig und Baner aber bat er zu einer Unterredung nach Dessau,[5] wohin er selbst eilte. Hier traf er jedoch nur Ludwig an, den er bewog, einige Werbungen durchzuführen und mit dem Oberstleutnant Ilefeld vom Regiment Lohausen, den er besonders schätzte, zu diesem Zweck in Verbindung zu treten. Er selbst bestallte den bisherigen Oberstleutnant Pierre de Brossard zum Obersten über das Leibregiment zu Roß und gab ihm den Auftrag, von 12 Kompanien Reiter und 6 Kompanien Dragoner zu werben. Der Oberst mußte sich verpflichten, dem Herzog auch dann zu gehorchen, wenn er Schweden und den protestantischen Ständen nicht mehr folgen wollte”.[6]

„Seine wertvollsten Regimenter, das Leibregiment zu Fuß unter Oberstleutnant Günter, das Leibregiment zu Roß unter Oberst Brossard und die Artillerie unter dem gemeinsamen Oberbefehl Oberst Kings standen Anfang März [1634; BW] noch in Brandenburg. Ihnen befahl Oxenstierna, ohne den Herzog zu fragen, nach Hildesheim[7] zu marschieren. Da Wilhelm fürchtete, daß sie ihm entrissen werden könnten, gab er ihnen Befehl, bei Helmstedt[8] und Braunschweig[9] liegen zu bleiben“.[10]

„Nachdem die Schweden Thüringen verlassen hatten hatten, und auch die Grafschaft Henneberg[11] von den Kursachsen geräumt worden war, suchte sich Herzog Wilhelm in Thüringen wieder eine Truppenmacht zu schaffen.

Er hatte es nicht gern gesehen, daß seine Regimenter zur Belagerung Hildesheims verwendet wurden, mußte es aber auf Oxenstiernas Wunsch geschehen lassen. Als er aber vernahm, daß die Truppen ‚ziemlich schlecht akkommodiert’ seien, suchte er sie mit der Begründung, daß sein Land ‚vor Feindesgefahr nicht allerdings versichert’ sei, und ‚des Feindes Partien von Eger[12] herein fast nahe an Unser Fürstentum gehen, diese Orte ganz bloß, und daher Uns und die Unsrigen in acht zu nehmen vonnöten sein will’, wieder an sich zu ziehen. Er erteilte dem Obersten King, dem Oberst Brossard und dem Oberstleutnant Günter den Befehl, sich auf einen Marschbefehl gefaßt zu halten, inzwischen aber 3 Kompanien zu Roß, 100 Dragoner und die Leibkompanie zu Fuß mit der Artillerie auf das Eichsfeld[13] rücken zu lassen. Am 20. Mai kamen die Leibkompanie und die Artillerie vor Duderstadt[14] an, bald folgten auch die Reiter und Dragoner. Die Artillerie ließ der Herzog nach Thüringen marschieren und brachte sie später nach Maßfeld.[15] Die Leibkompanie zu Fuß quartierte sich neben den bereits dort liegenden und den ankommenden Dragonern und Reitern auf dem Eichsfeld. Alle übrigen Kompanien des Brossardschen Regiments zogen auf Befehl des Herzogs Anfang Juni ins Hohensteinische, Stolbergische und Mühlhäusische, schließlich ins innere Thüringen hinein, während Oberstleutnant Günter weiter an der Belagerung Hildesheims[16] durch Herzog Georg teilnahm“.[17]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 5. Mai [15.5.; BW] ist von des Weimarischen Obersten Prosart Regiment eine Compagnie Tragoner in das Dorf Keula[18] und zwo Compagnie in das arme abgebrante Dorf Holzthaleben[19] geleget worden“.[20]

„Einen weiteren Streitpunkt mit Braunschweig bildete die Grafschaft Hohenstein. Am 8. Juni hatte Wilhelm dem Obersten Brossard befohlen, einen Teil seiner Reiter und Dragoner ins Hohensteinische, Stolbergische und Mühlhäusische zu quartieren. Die Landstände der Grafschaft Hohenstein wandten sich klageführend an Herzog Ulrich, der über die Belastung seines Landes äußerst aufgebracht war. Er forderte Brossard empört zum Verlassen der Grafschaft auf, beschwerte sich bei Herzog Wilhelm und gab ihm zu verstehen, daß er den Obersten, wenn er nicht freiwillig abziehe, mit Gewalt vertreiben werde. Außerdem beklagte er sich bei Oxenstierna und erreichte, daß dieser dem Obersten befahl, zur Armee nach Regensburg[21] zu ziehen. Brossard ließ sich jedoch nicht einschüchtern. Er wandte sich an Herzog Wilhelm, der ihn anwies, sich ohne sein Einverständnis nicht nach Oxenstierna zu richten, der in dieser Sache nicht genügend unterrichtet sei. Er solle mit den Landständen der Grafschaft wegen des Unterhalts verhandeln, auch außer seinem Regimentsstab nur eine Reiterkompanie und einige Dragoner einquartieren. Die andere Kompanie möge das Land verlassen; sie werde mit allen übrigen Kompanien im Fürstentum Weimar und in den ihm von Gustav Adolf zugewiesenen thüringischen Quartieren unterhalten werden. Es seien ihm aber Klagen gekommen, daß „sich die daselbst (in Hohenstein) liegenden Völker mit Geldpressuren und anderen Exorbitantien, auch mit Niederreißung der Weibsbilder im freien Felde bezeigen, darob Wir ein hohes Mißfallen haben’. Gute Ordnung sei unbedingt nötig. Als Brossard mit der Abführung der einen Kompanie zögerte und die hohensteinischen Stände sich darüber in Weimar[22] beschwerten, mahnte er ihn scharf an seine Pflicht. Der Stab und eine Kompanie aber blieben in Hohenstein zurück, sehr zum Ärger Friedrich Ulrichs, der sich von Brossard sagen lassen mußte, daß, wenn ‚I. f. G. wider Verhoffen etwas Gewaltsames wider mich oder meine unterhabende Soldateska tentieren’ lasse, er ermessen werde, ‚daß solch affront I. f. G. Herzog Wilhelms als Herrn Generalleutnants der schwedischen Armeen und nicht mein sein würde, daher I. f. G. ein reiferes Bedenken haben werden, solchem Beginnen zu steuern, weil wir ja anderer Orte Feindes genug haben’. Auch gegenüber Oxenstierna berief er sich auf Herzog Wilhelm.

Stolberg[23] und Mühlhausen[24] konnten an der Einquartierung von je zwei Kompanien ebenfalls nichts ändern. Die übrigen Brossardschen Truppen zog der Herzog in die Fürstentümer Weimar und Eisenach und in die Grafschaft Schwarzburg. Hier kam es sofort zu Schwierigkeiten, da der schwedische Oberst [Hans Friedrich v.; BW] Heßler, den Herzog Wilhelm zur Armee abschieben wollte, auf Oxenstiernas Befehl die Grafschaft nicht verließ, der Herzog aber seinen Rittmeistern befahl, in den Quartieren zu bleiben. Die Grafen klagten über die übermäßige Belastung ihres Landes, dessen einen Teil, die Untergrafschaft, außerdem Kursachsen zu einer Geldhilfe für seine Armee heranzog, hatten aber damit keinen Erfolg. Zwar suchte Herzog Wilhelm durch strenge Befehle an die Offiziere, gute Ordnung zu halten und sich mit dem festgesetzten Traktament zufrieden zu geben, die Härte der Einquartierung zu mildern; sie blieb aber dennoch für die thüringischen Lande eine schwere Last. Sie beklagten sich darüber bei Oxenstierna, bei dem auch Beschwerden Georgs von Lüneburg, der das von Herzog Wilhelm abgeforderte Kriegsvolk lieber bei sich behalten hätte, einliefen“.[25]

Hofrat Happe notiert weiter:  „Den 6. Juni [16.6.; BW] sind des Obersten Peter Prosarts Reuter zu Keula und Thaleben[26] den armen Leuthen auf dem Halse liegend blieben. Der zu Keula liegende Rittmeister heißet Michael Dilucet von Picarda. Eodem die etzliche Diebe dem Herren von Werther aus seinem Guthe zu Wasserthaleben[27] bey Nacht 6 Pferde aus dem Stalle genommen. Den 7. Juni [17.6.; BW.] sind Gottlob die weimarischen Soldaten aus Keula und Thaleben und die Heßlerischen von Clingen[28] hinweg gezogen. Den 10. Juni [20.6.; BW] aber etzliche diebische Reuter Benjamin Krebßen zu Greußen[29] Pferd aus dem Pfluge genommen. Den 11. Juni [21.6.; BW] etzliche reuberische Diebe Jacob Sommerlaten zu Großbrüchter[30] ein Pferd mit Gewalt genommen. Den 12. Juni [22.6.; BW] hat der Oberste Prossert auf eine Compagnie weimarische Reuter Quartier begehret, das uns eine schlechte Zeitunge. Den 12. Juni [22.6.; BW] noch einem ein Pferdt zu Großbrüchter genommen worden. [...] Eodem die [24.6.; BW] ein Rittmeister, Gieselmann genant, von des weimarischen Obersten Proserts Regiment mit einer Compagnie Reuter zu Großmehlra,[31] Urbach[32] und Mohrstedt[33] Quartier genommen. Eodem die etzliche Reuter und Fußvolck eine Nacht zu Holzsußra[34] gelegen. Den 15. Juni [25.6.; BW] dem Heßlerischen Lieutenant durch den Bauschreiber und Hansen Thammen 524 rh nach Greußen bringen lassen. Den 16. Juni [26.6.; BW] die Brosordischen Reuter aus dem Ambt Keula hinweg gezogen. Den 19. Juni [29.6.; BW.] hat der Hertzog Wilhelm zu Sachßen Weimar eine Compagnie Tragoner von des Obersten Brosarts Regiment in das Ambt Arnstadt[35] gelegt“.[36] „Eine halbe Compagnie Broßardische Tragoner zu Haßleben“.[37]

In der Chronik von Mühlhausen heißt es: „Den 7. Juni [17.6.1634; BW] kam auch der schwedische Oberst Prosardo mit einem Regiment Dragoner auf seine Dörfer und verlangte in der Stadt Quartier, wurde ihm aber abgeschlagen. Da ließ er alle Thore blockieren, daß kein Mensch mehr aus noch ein konnte. Den 11. Juni [21.6.; BW] kam Ordre, daß Prosardo mit seinen Dragonern wieder abziehen mußte“.[38] Der Schmalkaldener[39] Chronist Pforr hält fest: „Vom 14. biß den 19. Junii ist eine compania reutter vom Brosardischen regiment von einem ambtsdorff zum andern herumbgezogen und endlichen zum Trußes[40] sich ohne ordre eingelegt. Und alß man an sie begehrt, auß dem ambt Schmalkalden zu weichen, <sint> sie aber doch liegen geplieben und <haben> den unterthanen, soldatenbrauch nach, allerley schaden und unheil zugefügt. Derowegen hat man den alhier liegenden Lieffländisch[en corporal mit 100 bewehrten burgern und zuziehung der Brodröder[41] bauren hinaußgeschickt und bemelte compagnia reutter forttreiben laßen. Solche reuter haben ordre gehabt, im fürstenthumb Eißenach zu loschiren. Alß sie aber doselbst mit gelt bestochen worden, haben sie ihren unterschleiff an hiesigem ortt gesuchet“.[42]

“Die Nachricht von dem Fall Regensburgs[43] [26.7.1634; BW], die Herzog Wilhelm am 3. August erhielt, versetzte ihn in lebhafte Unruhe. Er wies seine Offiziere an, ihre Truppen so zu quartieren, daß er ‘ihrer jederzeit mächtig sei’, befahl dem noch bei Hildesheim stehenden Oberstleutnant Günther, sich zum Aufbruch nach Thüringen bereit zu halten, und rief den Generalmajor Georg von Uslar zu sich nach Weimar,[44] um mit ihm zu ‘konferieren, was zu tun sei’. Den in Frankfurt versammelten Ständen gegenüber erklärte er sich bereit, mit 1200 Reitern, 1500 Mann zu Fuß und der Artillerie nach Franken zu marschieren, wenn sie ihm eine Entscheidung wegen seiner Charge zukommen ließen. Darüber hinaus tat er jedoch nichts. Den Bitten des Grafen Cratz um Abfolgung der thüringischen Regimenter, die dieser mit seinen Truppen zu einem Korps zum Schutz Frankens gegen feindliche Streifscharen vereinigen wollte, gab er ebensowenig nach wie der Aufforderung Oxenstiernas, dem Grafen die Regimenter zuzusenden. Er war nicht bereit, seine Truppen dem Kommando eines anderen zu unterstellen, verlangte jetzt auch, als er hörte, daß Graf Cratz die Blockade Forchheims wegen der andringenden Reiterschwärme Johann von Werths und Strozzis aufgehoben hatte und sich gegen Würzburg[45] und Schweinfurt[46] zurückziehen wollte, sein altes Leibregiment zu Fuß unter Oberst von Brandenstein, dessen Abfolgung ihm Herzog Bernhard einst verweigert hatte und das an der Blockade beteiligt gewesen war, zurück und wies ihm Quartiere im Hennebergischen an.

Inzwischen liefen immer bedrohlichere Nachrichten aus dem Süden ein. Am 18. August meldete Graf Cratz, der Feind habe die Donau überschritten, am 20., er sei im Marsch auf Dinkelsbühl,[47] Rothenburg[48] und Windsheim.[49] Herzog Bernhard sei ziemlich schwach, und der Feind dringe ziemlich stark auf ihn, Herzog Wilhelm möge daher möglichst schnell nach Franken kommen, damit er Bernhard unterstützen und den Feind von einem Einbruch in Franken abhalten könne. In Oxenstiernas und der Stände Namen erschien am 22. August der Generalkommissar Heusner in Weimar. Er berichtete, der Feind habe bei Ingolstadt[50] die Donau überschritten und sei im Marsch gegen die vier oberen Kreise. Graf Cratz werde bei Ochsenfurt[51] oder Schweinfurt eine ‘volante armée’ zur Versicherung des fränkischen Kreises zusammenziehen, und Herzog Wilhelm solle seine Truppen zu ihm stoßen lassen. Der Herzog könne versichert sein, daß ihm die Truppen, wenn er ‚deren wieder bedürftig, nicht sollen vorenthalten, sondern wieder gefolgt und passiert werden’.

Jetzt entschloß sich Wilhelm, seine Regimenter im Hennebergischen zusammenzuziehen, um ‘auf des Feindes Vornehmen gegen das Land zu Franken’ achtzugeben. Er ließ die im Stolbergischen,[52] Hohensteinischen[53] und Mühlhäusischen liegenden Kompanien und die Regimenter Brossard und Günter zum Marsch nach Süden aufbrechen. Das in Thüringen liegende Regiment des schwedischen Obersten Heßler ließ er sich bei Erfurt[54] sammeln. Seinem bereits in Henneberg[55] liegenden Oberstleutnant Wolframsdorf befahl er, Truppenabteilungen nach Bamberg[56] und Kronach[57] gehen zu lassen, um den Feind zu beobachten.

Die Truppen aber einem anderen zu übergeben, war er auch jetzt nicht geneigt. Jetzt bot sich ihm die schon lange ersehnte Gelegenheit, mit einer eigenen Armee aufzutreten. Er wollte sie nicht genützt vorübergehen lassen. Sein Ziel war die Führung einer obersächsischen Kreisarmee.

Für Heusner verfaßte er am 28. August eine ausführliche ‘Resolution’, die dieser dem Reichskanzler überbringen sollte. Er erklärte darin, er habe zwar Ursache genug, auf sein ‘Privatinteresse und Konservation’ zu sehen, dennoch wolle er dieses jetzt zurückstellen und das ‘publicum mehr als das privatum anderen zum guten Exempel vorziehen’. Seine Regimenter wolle er marschieren lassen, auch sich selbst zu Graf Cratz begeben, um sich mit ihm zu unterreden. Er fordere aber, wenn er sich mit ihm vereinige, das Kommando für sich. Wenn Thüringen in Gefahr käme, verlange er Hilfeleistung, da nicht nur seine Lande, sondern auch andere thüringische Stände die Mittel für seine Armee aufgebracht hätten.

Tags darauf verließ er Weimar, um seine ‘erteilte Resolution zu Werk zu richten’, und begab sich nach Schleusingen,[58] wo wir ihn am 1. September finden. Hier, in der Grafschaft Henneberg, befand sich bereits die Artillerie (Maßfeld[59]), das alte Leibregiment zu Roß unter Wolframsdorf (zwischen Meiningen,[60] Themar[61] und Römhild[62]) und das alte Leibregiment zu Fuß unter Brandenstein (im Amt Schleusingen). Den Obersten Brossard, der mit dem neuen Leibregiment zu Roß und seinen Dragonern noch im Schmalkaldischen lag, ließ er sofort nach Meiningen aufbrechen. Ihm folgte das neue Leibregiment zu Fuß unter Günter. Am 1. und 2. September wurden die Reiter und Dragoner gemustert.

Herzog Wilhelm hatte die Absicht, sich mit Graf Cratz zu unterreden und seine Regimenter mit dessen Truppen bei Kitzingen[63] zu vereinigen. Da erhielt er die Nachricht, daß der Graf von Herzog Bernhard den Befehl bekommen hatte, sofort zu ihm zu kommen. Cratz hatte seine Truppen bei Ochsenfurt[64] zusammengezogen und war nach Kitzingen marschiert. Von hier bat er am 25. August den Herzog ‘zum allerhöchsten, Dero Volk ehestens so viel möglich an seinem Marsch zu befördern’. Er selbst habe nur 3000 Mann, Herzog Bernhard sei entschlossen, gehen den Feind zu gehen. ‘Da nun dieser Streich etwas widerwärtig fallen sollte, kann E. f. G. ermessen, was ich alsdann mit so wenig Volk ausrichten kann’. Als sich Wilhelms Truppen noch immer nicht zeigten, verließ er schließlich den Main, bat den Herzog am 3. September aber nochmals, ihn für den Fall, daß die Regimenter noch kämen, zu benachrichtigen.

Inzwischen waren aus der Markgrafschaft Bayreuth Meldungen von dem Vordringen des kaiserlichen Obersten Wahl eingetroffen, bald darauf die Kunde von dem Fall Bayreuths. Da Herzog Wilhelm fürchtete, daß dieser gegen Franken vorgehen, sich mit ‘dem aufstehenden Landmann der beiden Bischoftümer Bamberg und Würzburg’ verbinden und dadurch ‘solchen fränkischen Staat in gänzlichen Ruin’ bringen wolle, entschloß er sich, seinen Plan zu ändern, nicht zu Cratz zu ziehen, sondern auf Wahl Obacht zu geben. Er gab dem Syndikus der Stadt Schweinfurt, Markus Heberer, den Auftrag, zu Herzog Bernhard zu reisen und ihm die Nachricht zu überbringen, daß er entschlossen gewesen wäre, zu Graf Cratz zu ziehen; da dieser aber abmarschiert sein solle, habe er seinen Plan geändert und wolle auf den Anzug des Obersten Wahl achtgeben. Wegen der Unterhaltung der Truppen wolle er mit den thüringischen und fränkischen Ständen reden. Zum Schluß sprach er die Bitte aus, Herzog Bernhard möchte ihm vier Regimenter zu Fuß und ein Reiterregiment zuschicken. Da Heberer ‘wegen einer ihm unverhofft zugestoßenen häuslichen Widerwärtigkeit’ seinen Auftrag nicht durchführen konnte und der Herzog inzwischen die Nachricht von der Nördlinger[65] Katastrophe erhielt, unterblieb jedoch die Absendung”.[66]

Hofrat Happe notiert in seiner Chronik: „Den 16. August [26.8.; BW]  der Obriste Broßert zu Keula und Thaleben Quartier gehabt. Den 17. August [27.8.; BW] er von dar in das Amt Salza[67] gezogen. Nach seinem Abzuge ist sein Quartier zu Keula vom Feuer angangen, aber Gott sey Danck balde gelöschet worden“.[68] Bei Pforr heißt es: „Den 19. August ist der Obrist Pierre de Brossarden mit 2 regiment reutter und tragoner ankommen und uff Hertzoch Wilhelms gegebene ordre hat sich der obrist mit etzlichen officirern in die statt und die völcker uff die nechste dörffer geleget. Den 23. dito sint sie wieder uffgebrochen und hat die statt 400 thlr und die dorffschafften, ihrem bericht nach, uff 6000 [dlr] uff diese völcker uffgewendet“.[69]

„Da Wilhelm dem Herzog Georg in Nordhausen[70] die Räumung dieser Gebiete [des Eichsfelds; BW] versprochen hatte, gab er diesen Regimenten [Treusch v. Buttlar-Markershausen; BW] Befehl, in das der hessischen Gebiete benachbarte Amt Bischofstein[71] zu marschieren, wo sie mit aus Thüringen anziehenden Reitertruppen und Dragonern gemeinsame Quartiere beziehen sollten. Aus Thüringen schickte er zunächst große Teile seines Leibregiments und des Brossardschen Regiments auf das Eichsfeld. Am 11. Juni [1635; BW] waren sie bereits dort angelangt, so daß die Stärke der im Lande liegenden Mannschaft nun etwa 3000 Mann betrug. Oberst Pierre de Brossard und Oberstleutnant von Wolframsdorff, die den Oberbefehl über die Truppen auf dem Eichsfeld führten, hatten ihr Hauptquartier in Heiligenstadt“.[72]

Happe hält in seiner Chronik weiter fest: „Den 6. Juli [16.7.1635; BW] die Broßardischen aus dem Amte Volkenroda[73] hinweg gezogen“.[74] „Hertzog Wilhelm hat sein Volck dem Churfürsten von Sachsen übergeben müssen, davon etliche Obristen, als Isler [Georg v. Uslar; BW]  und Broßarth, sich zu den Heßen Begeben“.[75]

“Größte Schwierigkeiten aber machte die Überführung der Soldateska in kursächsisch-kaiserlichen Dienst. Schon Mitte Juli hatte Generalmajor von Uslar der weimarischen Regierung des Eichsfelds geraten, das Land zu verlassen, da er sich sonst ‘anderweit bedenken’ und sie als Feinde betrachten würde. Herzog Wilhelm verwies ihm diese Reden und befahl ihm, nichts gegen die Kaiserlichen zu unternehmen, sich vielmehr, wenn sie allzu stark auf ihn gehen würden, nach Mühlhausen und Langensalza an die kursächsischen Quartiere zurückzuziehen und ihnen anzuzeigen, daß der Herzog ‘in den getroffenen Friedenstraktaten begriffen’ sei. Mit Hessen und Lüneburg solle er sich ‘weder durch Konjunktion oder sonst im geringsten nicht engagieren’. Dem Oberstleutnant von Wolframsdorf, der zu ihm nach Weimar gekommen war, gab der Herzog den Auftrag, dafür zu sorgen, daß die Truppen auf dem Eichsfeld bis zu ihrer Abführung notdürftig mit Unterhalt versehen, die Regimenter neu geordnet und die Städte Heiligenstadt und Duderstadt gut besetzt würden, damit das Land, wie er es eingenommen hätte, seinem früheren Besitzer zurückgegeben würde. Kämen Kaiserliche in das Land, so sollte er ihnen eine Abschrift der Friedensakzeptation vorlegen und sie bitten, nichts Feindliches gegen die weimarischen Truppen zu unternehmen. Dem Generalmajor von Uslar, von dem der Herzog gehört hatte, daß er sich auf die hessischen Quartiere zurückzog, sollte er seine Entlassung geben und ihm befehlen, das Eichsfeld in guter Ordnung zu verlassen. Zugleich sollte er sich über das Verhalten Oberst Brossards erkundigen, diesem, wenn er sich nicht füge, sein Regiment entziehen und dem Oberstleutnant Hanstein unterstellen. Mit Hessen und Lüneburg sollte Wolframsdorf ‘im geringsten nichts vornehmen’. Der Eichsfelder Regierung befahl er, den Oberstleutnant zu unterstützen. Alles, was er verrichten werde, geschähe ‘zu keinem anderen scopo als völliger Wiederlieferung des Landes’.

Als Wolframsdorf am 28. Juli nach Heiligenstadt kam, fand er dort Generalmajor von Uslar und Generalkommissar Heusner. Dieser hatte von Oxenstierna den Befehl erhalten, zu den weimarischen Truppen auf das Eichsfeld zu gehen und sie Schweden zuzuführen. Dem Generalmajor sollte er erklären, Herzog Wilhelm werde gegen seinen Willen gezwungen, den Frieden anzunehmen, der Reichskanzler habe aber zu dem Generalmajor das Vertrauen, daß er bei Schweden und dem evangelischen Bund bleiben und auch seine Soldateska dazu bestimmen werde. Heusner hatte bereits die Offiziere des Leibregiments zu Roß, dessen Befehlshaber Wolframsdorf war, zu sich beschieden und sie an ihre Pflicht gegen Schweden erinnert, als Wolframsdorf ihm antwortete, er wisse nicht, daß dieses Regiment der schwedischen Krone verpflichtet sei, es sei als Leibregiment Herzog Wilhelms gerichtet worden. ‚Wollte mir schwerfallen, zu verantworten, mit I. f. G. eigenem Regiment sonder Dero Befehl mich in andere Dienste einzulassen’. Uslar gab die Entlassung und befahl ihm, das Eichsfeld mit seinen Truppen zu verlassen. Zu Oberst Brossard, der sich zwischen Göttingen[76] und Northeim[77] quartiert hatte, schickte er einen Offizier, der ihm des Herzogs Meinung zu erkennen geben sollte.

Auf dem Eichsfeld herrschte ein vollständiges Durcheinander. Durch die ‚im Lande herumvagierenden Truppen’ wurde alles ‚zerrüttet, Früchte zertreten, vor der Zeit abgemäht und alles zu endlichem Ruin gebracht’. In Duderstadt erschienen lüneburgische Beamte und schlugen das lüneburgische Wappen an. Das Fußvolk quartierte um Duderstadt und Heiligenstadt, die Reiterei an der mühlhäusischen Grenze. Sie ‚haben wenig zu leben, greifen die noch unreife Feldfrucht stark an, was ein großes Lamentieren verursacht’. ‚Ich wollte wünschen, daß ich bald mit guter Manier aus diesem verdächtigen Orte möchte gezogen werden’, seufzte Wolframsdorf. ‚Ich weiß nicht, wem ich zu trauen, wer mein Feind oder Freund ist“.

Unter der Soldateska herrschte die größte Verwirrung. Uslar zog mit seinen Truppen nach Witzenhausen[78] zu Hessen. ‚Die Entlassung’, schrieb er dem Herzog, ‚schätze ich für ein großes Glück’. Er sei zwar dem Herzog nicht verpflichtet gewesen, habe ihm jedoch so treue Dienste geleistet, daß er wenigstens ein Geschenk erhofft habe. Er müsse aber ‚das contrarium vernehmen’. Das Eichsfeld habe er verlassen, es sei auch durch des Herzogs Regimenter ‚dermaßen ruinirt, daß weder Hund noch Katz darauf zu finden’ sei.

Oberst Brossard gab Wolframsdorf zur Antwort, der Herzog und er, der Oberstleutnant, schienen ihn ‚noch nicht recht gekannt’ zu haben, ‚maßen ich denn kein Hundsfott oder leichtfertiger Gesell’ bin, daß ich mich alle Stunden verändern oder aber wider mein Gewissen gegen meine Religionsgenossen dienen sollte. So bin ich auch nicht ein solcher Bärenhäuter, der seine Charge höher achtete als seine Ehre und Redlichkeit’. Die Offiziere seines Regiments forderte er auf, ihm zu folgen. Sie sollten bedenken, daß es ‚ein unchristlich Werk’ sei, ‚dergleichen leichtfertigen Dienst anzunehmen und wider seine Glaubensgenossen zu streiten, maßen sie denn keine Sklaven, sondern cavallierers’ seien, die ‚billig für ihre Libertät streiten’ sollten. Die Offiziere leisteten der Aufforderung nicht Folge, sondern erklärten, dem Herzog treu bleiben zu wollen”.[79]

Happe hält weiter fest: „Eodem die, den 1. August [11.8.; BW], den amen Leuthen von Niederspier[80] vier Pferde von den weimarischen Brosardischen Reutern genommen worden, als sie von Mühlhausen wieder nach Hause fahren wollen. Eodem die Friedrich Stendern auch ein Pferdt bey Billeben[81] genommen worden. Den 2. August [12.8.; BW] sind 3 Compagnien Broßardische Reuter in die Mühlhäusischen Dorfe geleget worden“.[82]

In den chronikalischen Aufzeichnungen von Mühlhausen heißt es: „Den 7. August [17.8.; BW] kam das Prohardische Regiment vom Eichsfelde, unter welchem viele Bürgerkinder waren. Diese stahlen den Leuten die Früchte aus Scheuern und vom Felde; sie lagen auf den Dörfern und die geraubten Früchte führten sie nach Langensalza und verkauften sie allda und an anderen Orten. Emanuel Ringleb, ein Cornet, brauchte sich hierinnen sonderlich wohl. [...] Den 17. August [27.8.; BW] sind die Regimenter fortgezogen und Kursachsen untergeben worden“.[83]

Happe erwähnt ihn zum letzten Mal: „Den 18. August [28.8.; BW], nachdeme die Reuselischen [Reuschel; BW] heute kaum hinweg gewesen, hat sich wiederumb eine Compagnie Reuter in Billeben und eine Compagnie in Rockensußra[84] geleget. Sind von dem Broßardischen Regiment. Ist zusammen eine Compagnie, hat sich in die beyde Dorfe eingetheilet, heißet ihr Rittmeister Gieselmann. Den 19. August sind gegen Abend die Broßardischen Reuter von Rockensußra nach Holzsußra[85] gezogen“.[86] „Eodem die, den 25.August [4.9.; BW], sind die Broßardischen auch nach [im Original nachträglich eingefügt] Billeben und Holzsußra hinweg gezogen“.[87]

Brossard wird von dem Kriegsteilnehmer Augustin von Fritsch als „Pöse“ anlässlich der Belagerung von Koblenz[88] 1636 erwähnt: …. „vnnd sein wür darauf nach der Vöstung Erbrechtstein[89] oder wie mans in Gemain hermanstein nent, gezogen, vnnß oberhalb 3/4 stundt in ein dorf mit dem Regiment gezogen, vnnd vnß daselbst, biß die ganze Armee welches Innerhalb 10. Tagen geschechen, einlosirt gehabt, vnder dessen ist ein Virtlstundt oberhalb vnser ein Schifbrückhen geschlagen worden, vnd ist alsdann die ganze Armee vor Cobolenz gezogen, selbiges formaliter belägert, da dann in einen Ausfahl die Commandirten völcker von den Thonauischen [Dohna; BW] Regiment auß den laufgräben, welche eben selbigesmahl die Affantquarti gehabt, geschlagen, vnnd von Ihnen ein haubtman, samt einen haubtman von vnß der Reutner, welcher von vnsern Völckhern zu den Thonauischen haubtmann hieuorgangen, gefangen worden, da sie dann alle beyde yber den Rhein vf die vösstung gefürth worden, alwo sie Ihn alsobalden zum Fensster außhenckhen wollen, vnnd wann er nicht französisch gekhönt hette, aber nachdem er sie berichtet Schnetters daß wür die Franzosen zu vnderlandtstein[90] nicht, sondern die Reutter auß befelch deß Generalwachtmaisters Nidergemacht hetten, haben sie Ihm daß leben geschenkht, aber sein gestalt, wie Ir brauch, mit Stro außgefült, zum Fenster herunter auß der vösstung gehenckht, vnnd darbey geschworen, wann sie den Generalwachtmaister sowohl alß einen Soldaten solten gefangen bekhommen, er gewiß solte gehenckht werden, nach verweylungetlicher Tagen, sein wür mit vnser Approchen nahe an den Graben khommen, da dann allernechst ein Patri von 11. Stückhen vfgerichtet worden, vnnd die Statt vnaufhörlich beschossen, vnnd mit stürmmeter handt einbekhommen worden, da ich dann deß General Pöse sein huet mit drey schönnen Federn bekhommen, er aber hat sich mit 1500. Mann durch die Statt an den Rhein vf seine alda in bereitschafft gestandene Schif begeben, vnnd vnder den Rhein in daß schönne, vnder der Vösstung ligende newe Gebew begeben, vnnd dahin reterirt, wür aber nicht vill yber 50. gemaine khnecht vnnd etliche Officir gefangen bekhommen, daruor wür vnsern haubtman vor einen Leutenant, vnnd zwey Fenderich loßbekhommen“.[91]

“1636 zogen die Schweden erneut in Wernigerode[92] ein; um nichts friedfertiger. Nach Ellrich[93] unternahmen sie eine Stippvisite, stürmten zielsicher zur Johanniskirche, in der wohlhabende Leute ihren Besitz verwahrt hatten. Nicht anders verhielten sich die  Schweden 1637 in Osterode.[94] Die Obristen Bossard und Jobst Rudolf [v. Berkefeld; BW] preßten die Stadt weidlich aus. Während des Abmarsches fingen sie den Landdrosten Heinrich von Dannenberg und den Ratsherrn Jordan Friedrich, um Lösegeld verlangen zu können. Es gefiel dem Herzog Friedrich von Celle, die Bürger Osterodes – und darüber hinaus ganz Grubenhagen – zur Zahlung der geforderten Summe zu verdonnern”.[95]

Der Chronist Heinrich Wendt aus Osterode[96] berichtet: „Den 12. [Septem]bris 1637 Zu Abendt seindt 3 Schwedische Reg[imen]t[e]r unterm Commando der Obr[isten] Broßard und Jobst Rudolff von Berckefeldt gantz ohnvermuthlicher Weise vor Osteroda kommen, haben einen Majeur benebst einen RegimentsQvartiermeister und andern Officirn auffs Rathhauß geschicket Und durch selbige angehalten, daß so bald die Bürgermeistere benebst etlichen RathsHerren Zugedachten Obristen hinaußkommen Und deren Vorhaben vernehmen sollten. Dabey auch angeZeiget, daß bemelte Obristen bedacht wehren, drey Reg[imen]t[er] in beede Vorstädte und uff die Freyheit, dan eine Compagn[y] Tragouner in die Stadt die Wachte daselbst Zubestellen, eunZuquartieren Und wie man eine geringe Frist Zubedenckhen gebeten Und inmittelst mit den Landtrosten und Räthen das Werck in Rath gestelt, ist von denn selben Zur Antwort worden, man könte sich Zu den Herrn Obristen hinaußzuverfügen nicht entbrechen. So Viel die einquartierung der Tragouner in die Stadt belangete, müste solche, Zumahl der Gewalt Zuwieder stehen eine impossibilität, bittweiß abgelehnet werden, Uff welches fürst[liche] Herrn Räthen Rathsames bedencken der Rath Zwey Persohnen aus jhrem Mittel hinaußgefertiget, Welche des Obr[isten] Broßard ankunfft Vor dem MarienThor in der Vorstadt erwarten müßen. Alß bemelter Obrister ankommen, hat Er Sie in sein Quartier verwiesen mit Vermelden, daß Er mit Jhnen außin Handen Habenden ordre Zureden, inZwischen die Thore berant Und die Schlüßel Zu dem Marienthor, Wofür beede Obristen Jhr Qvartier genommen, begehret worden. Wie nun aus solchen postulatis mit dem H[errn] Landtrosten vnd Räthen geredet, haben dieselbe bey so großer consternation und in Erwegung des Zweiffelhafften events hierin wieder gebieten, noch verbieten wollen, dahero erfolget, daß Zu verhütung größerer Gefahr die mit großen Bedrowungen geforderte Schlüßel abgefolget werden müßen. Und hat darauff der Obr[ist] Broßard nach inhalt seiner VorgeZeigten Ordre begehret, 3 Reg[imen]t[er] in die Stadt Zu logiren, demnach der Rath die Belette ohngsäumbt machen und folgenden Morgen früh, Weill umb Wendung dis ordre und etwa erfolgende Nein der Stadt Er dieselbe gegen die Nacht verschonen wollte, sich mit dem Qvartieren gefast machen sollte. Ob nun woll dawieder sehr flehentlich gebeten Und daß man mit der Einquartierung Verschonet bleiben möchte inständig angehalten worden, ist Er doch bey seiner Meinung verblieben, jnmittelst in den Wachen befohlen, niemand bey Leib- und LebensStraff in die Stadt ohne ordre ein- oder außZulaßen. Folgenden Morgen, den 13. Semptembr[is], ist durch einen Majeur und noch Zwey andere Officirer begehret, daß von fürst[licher] Regierung wie auch dem Rath etzliche persohnen hinaußkommen sollten mit dieser AnZeig, Es sollte der Rath mit Obgedachter EinQuartierung eilents Vorfahren oder aber vor dem Obristen 1.000, Vor 3 Obrist[en] 600 und 18 Rittmeister 1.800 und also Zusammen 3.400 R[eichs]th[a]l[e]r bar erlegen und daneben 3 Wagen mit 18 Pferden, Jtem 3 Stück[97] Wein außmachen, dagegen die Stadt mit allem, was dem Lande zustendig und hereingeflehet, versichert bleiben, auch der Stadt Von dem Lande Zulag geschehen.

Ob nun woll solche postulate sehr schwer und fast unmöglich in der eil daßselbe uffZubringen, dabey jedoch, Wie jämmerlich die Vorstädte durch die Einquartierung albereit Zugerichtet wahren, Vor Augen, alß hatt man unter Zweyen übeln das geringste Zuerwehlen und uff ein Stück Geldes Zu handeln Vor Rathsamb befunden Und endlich die gantze Forderunge auff 2.200 Th[a]l[e]r gebracht, auch daneben 3 Stück Wein Und auff die Weg 3 Wagen mit 12 Pferden hergeben müssen. Über dieses alles ist auch eine große Sum Geldes von dem Lande nachgefordert, derobehuff auch vnd bis solche  erfolget, Heinrich von Dannenberg Und D[octor] Johann Hundet, fürst[lich] Br[aunschweigisch]-Lüneb[urgischer] Landtrost und Räthe, Wie auch Wegen der Stadt Osteroda Johann Friedrich, Rathsverwandter, Weggeführet und mitgenommen worden.

Drey Tager hernacher seind jetzt bemelte Persohnen, nachdem Sie 10.000 R[eichs]th[a]l[e]r vor das Land bewilliget Und deswegen Schein von sich gegeben, Zu Marckoldendorff[98] wieder erlaßen“.[99]

Von Juni 1637 bis 22.2.1638 lagen Brossards Truppen mit Hackes Abteilungen in Stadthagen[100] (Grafschaft Schaumburg), was die Stadt 67 979 Taler kostete.[101] Ab dem 16.10. war er wieder mit 13 Kompanien und 4 pfalzgräflichen Kompanien unter Obristleutnant Craussert dort einquartiert. “Als lüneburgische Truppen am 25. November die Stadt durch einen Handstreich zu nehmen suchten, wurden von den Schweden gegen 13 Häuser bei den Toren angesteckt, und 126 Häuser sind im Laufe dieser Einquartierung niedergerissen. Den Gesamtschaden beziffern die Listen auf 117 426 Taler, wobei die niedergerissenen Häuser mit 50 000 Taler angesetzt sind”.[102]

Am 17.10. nahm Brossard bei Vlotho[103] an der Schlacht der pfalzgräflich-schwedischen Konföderierten unter Karl Ludwig und Ruprecht von der Pfalz und dem schwedischen Generalmajor James King gegen die Kaiserlichen unter Melchior von Hatzfeldt teil. “Im selben Jahr warb der älteste Sohn des verstorbenen »Winterkönigs«, Karl Ludwig von der Pfalz, in den Niederlanden neues Kriegsvolk, um die Rückeroberung der Pfalz vorzubereiten. Zunächst jedoch zog er mit seinen Truppen quer durch Westfalen dem schwedischen General King zur Hilfe, der im Begriff war, Lemgo[104] zu belagern. Als zum Entsatz der Stadt der kaiserliche General Hatzfeld mit 8000 Mann aus Dortmund[105] herannahte, brach King die Belagerung ab und versuchte, auf dem Weg über Vlotho Minden[106] zu erreichen. Doch kam er nur bis an die Werra bei Gohfeld,[107] da Graf Westerholt aus dem Hatzfeldschen Heer die dortige Brücke hatte abbrechen lassen. In einem engen Tal bei Valdorf,[108] das die Entfaltung der Schlachtreihen und den Einsatz von Geschützen behinderte, griffen die Kaiserlichen am 17. Oktober die zahlenmäßig unterlegenen schwedisch-pfälzischen Truppen an. Nach drei Stunden wandten sie sich zur Flucht, die durch die Weser behindert wurde. Ein Teil der Soldaten versuchte, schwimmend das andere Ufer zu erreichen, viele von ihnen ertranken. Andere, unter ihnen, zahlreiche Offiziere, zogen die Gefangenschaft vor. Auch Ruprecht, der 19jäh-rige Bruder des Pfalzgrafen wurde gefangengenommen und über Warendorf[109] nach Linz[110] gebracht. Pfalzgraf Karl Ludwig versuchte, mit einer Kutsche durch die Weser zu fahren, konnte aber wegen der steilen Böschung nicht das andere Ufer erreichen. In letzter Not sprang er aus der Kutsche heraus, ergriff eine Weide und zog sich ans Ufer. Zu Fuß erreichte er schließlich Minden, während Kutscher und Pferde tot in der Weser treibend gesehen wurden. Auch General King traf leicht verwundet mit fünf Gefährten in Minden ein. Die Beute, die den Siegern in die Hände fiel, war beachtlich: acht große Geschütze und einige kleinere, mehr als 40 Fahnen und Standarten, der diamantbesetzte Hosenbandorden, der dem  Pfalzgrafen erst vor kurzem verliehen worden war, und die pfälzische Kanzlei mit dem Zahlwagen, dessen Inhalt, 30000 Taler, Hatzfeld an die Soldaten verteilen ließ. Damit war der Versuch des jungen Pfalzgrafen, auf militärischem Weg die Pfalz zurückzugewinnen, gescheitert”.[111]

Nach Kings Aussage war Brossard dabei in Gefangenschaft geraten und im Oktober in Lemgo auch in Gefangenschaft verstorben. Kurt Koch, Obristleutnant und Kommandant von Lemgo, informierte Hatzfeldt über die Bitte seiner Witwe, die einbalsamierte Leiche ihres Mannes freizugeben.[112] Der schwedische Obristleutnant Jobst Rudolf von Berkefeld bedankte sich bei Koch wegen der Einbalsamierung und bat um Überführung der Leiche Brossards über Varenholz[113] oder Vlotho, ohne Zahlung einer Ranzion.[114] Brossard wurde am 14.11.1638 in Minden beigesetzt.[115]

[1] Vgl. die Erwähnungen bei SODEN, Gustav Adolph Bd. 3 [hier Prossarde]

[2] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[3] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen Amt Heldburg Nr. 2675.

[4] Wittenberg [Kr. Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[5] Dessau [Stadtkr. Dessau]; HHSD XI, S. 77ff.

[6] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 160f.

[7] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[8] Helmstedt; HHSD II, S. 219ff.

[9] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[10] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 176.

[11] Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f.

[12] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[13] Goldene Mark (Kr. Duderstadt); HHSD II, S. 172f.

[14] Duderstadt; HHSD II, S. 123f.

[15] Ober- und Untermaßfeld [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 319ff.

[16] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[17] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 183.

[18] Keula [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 233.

[19] Holzthaleben [Kyffhäuserkreis].

[20] HAPPE I 312 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[21] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[22] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[23] Stolberg [LK Harz]; HHSD XI, S. 453ff.

[24] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[25] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 185f.

[26] Thalebra [Kyffhäuserkreis].

[27] Wasserthaleben [Kyffhäuserkreis].

[28] Clingen [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 69f.

[29] Greußen [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 170f.

[30] Großbrüchter [Kyffhäuserkreis].

[31] Großmehlra [Unstrut-Hainich-Kreis].

[32] Urbach [Unstrut-Hainich-Kreis].

[33] Mehrstedt [Unstrut-Hainich-Kreis].

[34] Holzsußra [Kyffhäuserkreis].

[35] Arnstadt [Ilm-Kreis]; HHSD IX, S. 18ff.

[36] HAPPE I 313 r – 314 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[37] HAPPE I 316 r; mdsz.thulb.uni-jena.de. Haßleben [Kr. Erfurt] HHSD IX, S. 185f.

[38] JORDAN, Mühlhausen, S. 79.

[39] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[40] Trusen, heute Ortsteil von Trusetal [LK Schmalkalden-Leiningen].

[41] Brotterode [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 58.

[42] WAGNER, Pforr, S. 126.

[43] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[44] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[45] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[46] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[47] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.

[48] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[49] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[50] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[51] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[52] Stolberg [Kr. Sangerhausen]; HHSD XI, S. 453ff.

[53] Hohnstein [Kr. Sebnitz]; HHSD VIII, S. 151f.

[54] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[55] Henneberg [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 193ff.

[56] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[57] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[58] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.

[59] Ober- und Untermaßfeld [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 319ff.

[60] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[61] Themar [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.

[62] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[63] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.

[64] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[65] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[66] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 231ff.

[67] Bad Langensalza [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 33ff.

[68] HAPPE I 324 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[69] WAGNER, Pforr, S. 126.

[70] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[71] Bischofstein [Gem. Lengenfeld, Kr. Heiligenfeld]; HHSD IX, S. 50f.

[72] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 295f.; Heiligenstadt [Kr. Heiligenstadt]; HHSD IX, S. 186ff.

[73] Volkenroda [Unstrut-Hainich-Kreis].

[74] HAPPE I 401 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[75] HAPPE I 404 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[76] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[77] Northeim; HHSD II, S. 353f.

[78] Witzenhausen; HHSD IV, S. 478f.

[79] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 313ff.

[80] Niederspier [Kyffhäuserkreis].

[81] Billeben [Kyffhäuserkreis].

[82] HAPPE I 405 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[83] JORDAN, Mühlhausen, S. 86.

[84] Rockensußra [Kyffhäuserkreis].

[85] Holzsußra [Kyffhäuserkreis].

[86] HAPPE I 411 r – 411 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[87] HAPPE I 413 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[88] Koblenz; HHSD V, S. 178ff.

[89] Ehrenbreitstein; HHSD V, S. 86f.

[90] Oberlahnstein [Loreley-Kr.]; HHSD V, S. 271f.

[91] FRITSCH, Tagbuch, S. 158f.

[92] Wernigerode [Kr. Wernigerode]; HHSD XI, S. 493ff.

[93] Ellrich [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 100.

[94] Osterode; HHSD II, S. 370ff.

[95] HOFFMANN, Harzschützen, S. 127.

[96] Osterode; HHSD II, S. 370ff.

[97] 1 Stück = 1200 Liter ?

[98] Markoldendorf, heute Ortsteil von Dassel [LK Northeim].

[99] WENDT, Osterode, S. 422ff.

[100] Stadthagen [Kr. Schaumburg-Lippe]; HHSD II, S. 435f.

[101] ZARADETZKY, Stadthagen, S. 315.

[102] ZARADETZKY, Stadthagen, S. 315.

[103] Vlotho [LK Herford]; HHSD III, S. 738f.

[104] Lemgo [LK Lemgo]; HHSD III, S. 452ff.

[105] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[106] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[107] Gohfeld, heute Stadtteil von Löhne [LK Herford].

[108] Valdorf, heute Stadtteil von Vlotho.

[109] Warendorf [LK Warendorf]; HHSD III, S. 754ff.

[110] Linz; HHSÖ I, S. 66f.

[111] TESKE, Bürger, S. 135f. LAHRKAMP, Münsters Rolle, S. 87ff.

[112] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[113] Varenholz [LK Lemgo]; HHSD III, S. 729.

[114] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218.

[115] Christliche Leichpredigt, Auß der 2. an den Tim. am 4. v. 7. Bey Christlicher und sehr Volckreicher Leichbegängnüß des WolEdelgebohrnen / Gestrengen / Vesten vnd Mannhafften Herrn Peter von Brossarth: Berühmten und Wolbestalten Obristen vber ein Regiment zu Pferde / Welcher/ nach dem er den 7. Octob. An. 1638. in einer offentlichen Occasion so sehr verwundet/ daß er den folgenden 11. Octob. darauff sanfft entschlaffen / Allhie zu Minden den 14. Novembr. An. 1638. in S. Marien Kirchen mit ansehnlichen Trawer vnd Todten Begängnisse der Erden beygesetzet worden / Gehalten … Durch M. Thomam Edlern / Zu S. Marien Pastorn daselbst. Rinteln 1639 [VD17 1:022184L]. Den Hinweis verdanke ich Herrn Uwe Volz.

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November 24, 2010 in Miniaturen
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