Bodenhausen, Bodo von

Bodenhausen, Bodo von; Obristwachtmeister [ –  2.12.1636] Bodo von Bodenhausen auf Bodenhausen,[1] Niedergandern[2] und Görzig,[3] 1632 noch Rittmeister unter Bernhard von Weimar, war dann Obristleutnant der Kavallerie und kursächsischer Obristwachtmeister unter Dietrich Taube. „Als „der Hübsche“ wurde er 1630 Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“. Der Chronist Lehmann erinnert sich an 1633: „Weil nun die Angst und beschwerung immer größer wurde, nicht nur der Commendant zue Schwartzenberg[4] [Ullersdorf; BW] griffe weiter umb sich und übte große Tyranney, sondern es fielen auch den 6. November in 20 Pferde der keyßerlichen uber Frauenstein[5] herauß, raubten nicht allein Pferde, viehe und mobilien, sondern auch die Priester von dörfern und führten Sie mit in Böhmen vor starcke ranzionen, und damit Sie des streiffens mehr treiben könten, bauten Sie auch an Reitzenhainer[6] Pas eine Schanzte und besazten ihn im November mit einen Leutenandt Matz Schedt genandt und 40 Mann, die anfingen das Meisnische gebirg unter die Contribution zue sezen, (er) forderte von Marienberg[7] wochentlich 20 thl., ließ es aber bey 6 verbleiben. Das wahr die 1. contribution auf die Schantze und wehrete nur 8 Tage.

Den 11. November [1633] kahmen die Taubischen, verjagten die in der [Reitzenhainer] schantze und schleiften Sie. Derowegen commandirte auf Churfürstlichen befehl in anfang des September der Obrist Dietrich Taube auß der Lausnitz seine 2 Regiementer an Cavallerie und Trajoner in Meißen; sein Obrist-Wach-Meister Bodo von Bodenhausen ging den 9. November mit 300 Pferden dem feindt entgegen ans Böhmische gebirg und schleiften mit Zuthun des landtvolcks die Reitzenhaner schanz und beritten stez die Paße, streiften oft in Böhmen und hohlten Viehe, und damit mann die Schwartzenbergische besatzung enger hielte und die keyßerlichen Streiffen auß Böhmen gar abschaffte, marchirten theils regiementer zue Roß und fuß auß dem lager bey Dresden,[8] darinnen der Chur-Sächsische General Arnheim [Arnim; BW] mit der Churfürstlichen Armee von 29. September biß den 1. November Müßig lage. Des Obristen Posens [Poser; BW] regiement zue fuß wurde in Zwicka[9] gelegt, der Obrist Diedrich Taube kam den 3. Dezember mit den andern Compagnien zue den Obrist-Wachmeister von Bodenhausen umb Chemnitz[10] an, conjungirte sich mit des Posen regiement zue fueß auß Zwickau und zogen vor Schwartzenberg“.[11]

„Der Obriste Taube lag in Chemnitz. Sein Obrist-Wach-Meister Bodo von Bodenhausen lage in Annenberg[12] und bliebe liegen 34 wochen, kostete der Stadt die Zeit uber 10902 thl. 9 gr. 3 pf. von 8. December“.[13]

Und für 1634 heißt es bei Lehmann: „Darnach fiel von Presnitzer Pas[14] herauß der Morzinische Obrist-Leutenandt Heinrich von und zue Schuz [Schütz; BW] mit 1000 Musquetirern und ezlichen Esquadronen Reutern uber 2000 starck in Annenberg, brandschazte die Stadt pro 12000 thl., ließ ezliche läden Plündern, bekam vor seine Person eine güldene Kette an leib zue sänfftigung der Tyranney, nahmb nichts desto weniger zum Geißel mit Herrn Georg Wahlen, Mühlverwaltern, den Sie absonderlich mit 700 thl. lösen musten, und ließ darzue beym abzug wieder gegebene Parole umb die Statt alles Viehe auf den feld und in fuhrwercken wegnehmen pro 4000 thl. Es lag in der Statt zwar der Churfürstliche Obrist-Leutenandt Bodo von Bodenhausen und ließ seine 5 Compagnien, die in benachbarten Stadtlein umbherlagen, zuesammen führen; weil er aber keine fußvölcker hatte, muste er sich biß an Schönfeld[15] retteriren, iedoch do der feindt zuerück marchirte, fiel er hinden in sie, Machte einen Rit-Meister mit 30 Mann nieder, drunder auch gewesen Ein Capitanleutenandt, Wach-Meister-Leutenandt, Secretarius und andere officirer, nahmb ezliche gefangen, die Sich verspätet hatten. Das bekam der armen Stadt ubel, weil Sie die gefangenen und nieder gemachten teuer genug bezahlen musten“.[16] Für den Mai 1634 berichtet die Hauschronik des Annaberger Kupferschmiedes Kleinhempel vom Widerstand der Bauern gegen die Truppen Bodenhausens, von denen viel an der Grenze niedergemacht worden seien.[17]

1635 fungierte er noch als kursächsischer Gesandter.

[1] Burg Bodenhausen bei Ballenhausen, heute Ortsteil der Gemeinde Friedland [LK Göttingen].

[2] Niedergandern, heute Ortsteil der Gemeinde Friedland [LK Göttingen].

[3] Görzig [LK Anhalt-Bitterfeld].

[4] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.

[5] Frauenstein [LK Mittelsachsen].

[6] Reitzenhain; heute Ortsteil von Marienberg [Erzgebirgskreis/Sachsen].

[7] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[8] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[9] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[10] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[11] LEHMANN, Kriegschronik, S. 70. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[12] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[13] LEHMANN, Kriegschronik, S. 72.

[14] Der Preßnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Preßnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Preßnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]

[15] Schönfeld bei Annaberg.

[16] LEHMANN, Kriegschronik, S. 74.

[17] Harms zum Spreckel, Des Kupferschmiedemeisters Ludwig Kleinhempel Hauschronik, S. 23.

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