Bellinghausen, Johann Eberhardt von, Freiherr von Uelzen; Obrist [1604 – 13.6.1655] Bellinghausen [Mileckhausen ?[1]] stand 1634 angeblich als Obrist in pfalz-neuburgischen Diensten. “Über die Ereignisse des Jahres 1634 in Radevormwald[2] unterrichtet ein Schreiben des Magistrats der Stadt Radevormwald an den Landesherrn [Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg; BW], das auf die Jahreswende 1634/35 zu datieren ist. Es bezieht sich auf die zurückliegende Einquartierung von Truppen des pfalz-neuburgischen Obersten von Bellinghausen und auf dessen ungebührliches Verhalten. Damals lagen zwei Kompanien des Regiments in der Stadt, je drei lagen in Lennep[3] und Neuenburg.[4] Diese Truppen waren zum Schutz vor dem von Graf Philipp von Mansfeld angedrohten Vorgehen kaiserlicher Truppen gegen den auf Neutralität bedachten Pfalzgrafen geworben worden. Bis zum 5. März hatten Einheiten des Oberstleutnants Diependahl in der Stadt gelegen. Schon am 3. März entsandte von Bellinghausen Fähnrich Straube mit 100 Soldaten, weil er selbst in Elberfeld[5] sein Quartier nehmen wollte, doch dann zog er es vor, nach Radevormwald zu kommen. Der Stadt berechnete er Kosten bereits vom 1. Februar 1634 an, außerdem wurde eine Quittung über 100 Reichstaler vom 8. Juni 1634 vorgelegt. Als die Deputierten aus Radevormwald über den Betrag mit dem Obersten in Köln[6] verhandeln wollten, wurden sie ‘gefenglich hingeschleppt und geknebelt’ und die Stadt mußte ‘zue deren relaxation 490 rthlr geben und bezahlen’. Zudem hatte der Oberst verschiedentlich einige Radevormwalder mit Pferd, Wagen und Ladung in Mülheim[7] festsetzen ‘und große costen ufftreiben lassen, welche wir zur verhinderung weitern schaden bezahlen müssen’. Weiter beschwerte der Magistrat sich darüber, daß der Oberst für fünf statt nur für drei Pferde, wie es ihm zustand, Hafer, Heu und Stroh genommen hatte. Beim Abzug der beiden Kompanien des Regiments von Bellinghausen aus Radevormwald am 21. Juni blieben dessen Offiziere den Bürgern noch 60 Reichstaler schuldig. In Düsseldorf[8] nahm man die Klagen sehr ernst. Ein Schreiben an von Bellinghausen vom 15. Januar 1635 betonte, sein Regiment sei zum Schutz der Untertanen angeworben worden und nicht zu deren Beschwerung. Dem Obersten wurde befohlen, die Ordnung einzuhalten und zuviel berechnete Gelder zurückzuerstatten, ‘sonsten ihr zugewarten, daß wirs sambt den unkosten auß ewerem soldt erstatten und Euch abziehen laßen’. Disziplinlosigkeit gab es also nicht nur bei Mannschaften, sondern auch bei Regimentskommandeuren. Man war am Düsseldorfer Hof darauf bedacht, die Bevölkerung vor Willkür zu schützen und die Regeln des Krieges einzuhalten”.[9]
Bellinghausen rückte am 20.8.1634 nach Giengen[10] vor: „Dort schlug der schwedische Obrist Bellinghausen eine 600 Mann starke kaiserliche Reiterabteilung, die im Begriff war, die Stadt zu plündern. ‚Als wir jungsthin zu Leipheim über die Thonau passirt, und den andern Tag, nämlich den 10./20. Augusti nach Mittag bey Giengen marchirt, haben das Churländische und Ih. Fürstl. Gn. Herzog Bernhards Leib Regiment in der Avantgarde 600 Curassier vom Feind geschlagen, und viel Gefangene eingebracht …’“.[11]
Er nahm mit dem Kurländischen Kavallerieregiment an der Schlacht bei Nördlingen[12] am 5./6.9.1634 teil.
Der Hildesheimer[13] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 30.10./9.11.1640, dass Banér nach Hildesheim gekommen und Bellinghausen in seiner Entourage gewesen sei. Es war im November 1640 zu einem gewaltigen Trinkgelage gekommen, wohin sich viele höhere Offiziere begeben hatten, um an einer von Banér einberufenen Konferenz teilzunehmen. Der Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet unter dem 30.10./9.11.: „General Johann Banner kompt herein und wurde zweimahl 2 Schwedische Salve vom Hohen Rundel mit Stücken gegeben. Aus 2 Stücken umb 2 Uhr da kamen erstlich die Weymarschen. Er, Banner, kam umb 7 Uhr zur Nacht, – da auch 2 Stücke mehr gelöset wurden – , hatte bey sich Obristwachtmeister Pfuhl [Pfuel; BW], Wittenbergk, Schleng [Slange; BW] (und) Königsmarck, die Obristen Herr von Tzerotin [Bernhard von Žierotin; BW], ein Mährischer Freiher, Zabellitz [Zabeltitz; BW], den jungen Wrangel, Hake, Mortaigne, Hoikhing [Heuking; BW], Steinbock [Steenbock; BW], Bellingkhusen [Bellinghausen; BW], Gregersohn [Andeflycht; BW]. It. Ein Markgraf [Friedrich VI.; BW] von Durlach, des Banners Schwager. Von der Heßischen Armee war Obrist von Gundroth, von Braunschweig Bohn; von Zelle D. Langerbeck.
Von der Weimarschen Armee (die) Directoris Obrist Comte de Guebrian, Otto Wilhelm, Graf von Nassaw, Oheimb. It. Mons. Glocsi, Gral.-Intendant Extraordinari.
Ferner Herzog Philipp Ludwig von Holstein, Rittmeister, Landgraf Christian von Hessen, Caßelscher Linie Maximiliani Filius,[14] Graf Otto von Schomburg [Schaumburg; BW]. Diese letzten beiden nebst den Herrn Tzerotin starben über ein wenig Tagen innerhalb 24 Stunden“.[15]
1650 wurde er zum Generalmajor und Befehlshaber der Kavallerie in Livland erhoben, am 26.4.1650 zum Landrat ernannt. Am 8.8.1651 wurde er zum Freiherrn erhoben. Er war in zweiter Ehe mit Ebba Barbara von Wrangel verheiratet.[16]
[1] STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 25, Anm. 46. Vgl. die Erwähnungen bei Engerisser; Hrnčiřík, Nördlingen 1634; ENGERISSER, Von Kronach.
[2] Radevormwald [Rhein-Wupper-Kr.]; HHSD III, S. 618.
[3] Lennep [Stadt Remscheid]; HHSD III, S. 455f.
[4] Neuenberg, Burg; unter Lindlar [Rhein.-Berg. Kr.]; HHSD III, S. 468.
[5] Elberfeld [Stadt Wuppertal]; HHSD III, S. 197ff.
[6] Köln; HHSD III, S. 403ff.
[7] Mülheim [Stadt Köln]; HHSD III, S. 534f.
[8] Düsseldorf; HHSD III, S. 185ff.
[9] EHRENPREIS, Dreißigjähriger Krieg, S. 250f.
[10] Giengen a. d. Brenz [LK Heidenheim]; HHSD VI, S. 253ff.
[11] STOLCH; WÖLLPER, Schweden, S. 25; Zitat DROYSEN, Materialien, S. 23.
[12] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634; STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht.
[13] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.
[14] Mauritii Filius.
[15] SCHLOTTER, Acta, S. 327.
[16] BAENSCH, Geschichte, S. 295.