Begriffe W

Wachtgeld, Wachgeld: ADELUNG, Bd. 4, Sp. 1320: „Das Wáchgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1. Geld, welches man dem bezahlet, der die Nacht bey jemanden wachet. 2. Geld, welches jemand demjenigen bezahlet, der die Wache für ihn verrichtet; da es denn in manchen Städten eine Abgabe ist, welche die Bürger zur Unterhaltung der Lohnwächter oder Stadtsoldaten geben“.
Wachtmeister [schwed. Sergeant]: Unteroffiziersdienstgrad. Der Wachtmeister war zuständig für die Sicherheit des Lagers und der Truppen sowie für die Einteilung, Aufstellung, Beaufsichtigung der Wachen und Ausgabe der Losung. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen und 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Mit der Einrichtung stehender Heere wurde die Bezeichnung „Wachtmeister“ synonym für Feldwebel verwendet. Ein Wachtmeister der Reiterei erhielt in der brandenburgischen Armee monatlich 40 fl.
Wachtmeister: Bezeichnung für einen zur Wache abgeordneten Bürger.
Wachtmeisterleutnant: Er entsprach dem späteren Feldwebelleutnant und war der unterste Offiziersdienstgrad. Der Wachtmeisterleutnant fungierte als Adjutant in militärischen Einheiten, Festungen und größeren Städten.
wacken: DWB Bd. 27, Sp. 204: „fluszkiesel, frei daliegender stein, felsblock, basalt“.
wadeln: hin- und hergehen, schwankend gehen.
Waffen, geächtete: : Gewehre mit gezogenen Läufen, die eine bessere Treffsicherheit aufwiesen, durften nach allgemeinem Kriegsbrauch nicht eingesetzt werden. Nach dem „Kriegsbüchlein“von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon):„wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. => vergiftete Waffen.
Waffenstillstand von Kötzschenbroda am 6.9.1645 zwischen Schweden und Kursachsen: Kurz vor Ablauf der Waffenstillstandsdauer von sechs Monaten (am 31. März 1646) wurde, nach längeren Verhandlungen in Eilenburg, der Waffenstillstand bis zu einem allgemeinen Waffenstillstands- oder Friedensvertrag verlängert. Die Kontributionen wurden auf 8.000 Reichstaler reduziert. Mit dem Waffenstillstand von Kötzschenbroda schied Kursachsen aus dem Krieg aus.
Wagemeister: a) Wagemeister: der Vorgesetzte einer öffentlichen Wage. b) DWB Bd. 27, Sp. 378, 45: „bei den hammerwerken ist der wagemeister ein verpflichteter beamter, der die erze verwiegt und ihre verwendung überwacht“ […] „auf den zinnhütten ein bergbedienter, welcher das geschmelzte zinn wieget und verwahret“.
Wagenburg: zu einer Defensivformation aufgefahrene Wagen eines Wagenparks oder Konvois.
Wagenmeister: Aufseher über die Trosswagen des Heeres (auch über Fracht- und Reisewagen, Post- und Jagdwagen sowie den Kutschenstall bei Hof). In einem kaiserlichen Reiterregiment erhielt er 30 fl. monatlich.
Wagsauterturm: nordöstliche Spitze der im 16. Jh. erweiterten Stadtbefestigung Überlingens.
Wahlstid: Walstatt, Schlachtfeld, die ursprüngliche Bedeutung ist ‘von Leichen bedecktes Schlachtfeld’ oder überhaupt ‘Ort, wo gekämpft worden ist’.
Waidfarb: der aus den Blättern der Waid-Pflanze gewonnenen Farbstoff. Der Raum zwischen Erfurt, Langensalza, Gotha, Arnstadt und Weimar war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert ein bevorzugtes Anbaugebiet aufgrund der besonderen Färbekraft des dortigen Waids und der Anbindung des Thüringer Beckens an die wichtigen Fernhandelsstraßen in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung. Der Niedergang des Waidhandels Anfang des 17. Jahrhunderts war bedingt durch die wachsende Konkurrenz des in Übersee produzierten Indigo und die Beeinträchtigung des Fernhandels durch den Dreißigjährigen Krieg.
Walachen: Der Begriff „Walachen“ als Fremdbezeichnung für die Bewohner der Walachei kommt ursprünglich aus dem Germanischen u. wurde durch südslawische u. dann teilweise lateinische u. griechische Vermittlung in verschiedenen Gebieten zur Bezeichnung vor allem romanisierter oder romanischer Volksgruppen verwendet [nach Wikipedia]. Sie galten nach Auffassung der kaiserlichen Armeeführung allerdings als nicht besonders zuverlässig. THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd. (1642), S. 875: „Von der Käiserl. Croaten und Wallachen mehr als Barbarischen Proceduren in Schlesien mit Manns- und Weibs-Personen schriebe ein guter Freund / daß man Ehren halben es nicht alles melden dörffte / und dannoch dergleichen erschröckliche unchristliche Excessus nicht bestraffet würden / darum die arme Leut auß Desperation zum theil in die Oder geloffen / und sich selbsten ersäufften; ein sehr tribulirter Mann sey darum in die Oder gesprungen / habe unwissend einen Pfal angetroffen / und sich selbsten gespisset / den Schwangeren würden die Frücht auß den Leib geschnitten / die andern mit Gewalt geschändet / etliche entführet; darwider aber geschehe kein Einsehen“.Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 5. Bd., S. 104 (Juli 1643): „Kurtz nach Eingang dieses Monats / Julii) stunde der Obriste Wrangel mit 3000. Pferdten ein gute Zeit für der Wienerischen Brücken / zu welchen etlich hundert Wallachen übergefallen. Diese (Wallachen) führeten in ihren Fahnen nachfolgende Wort: PRO VERBO DEI, ET PATRIA, SUSCIPIMUS HÆC OMNIA: Das ist: für Gottes Wort / vnd vnser Vaterland / fangen wir dieses alles an. Vnd ob man ihnen zwar den Käyserlichen Pardon vnterschiedlich angebotten / haben sie sich doch  von den Schwedischen nicht separiren wollen“. Die in gegnerischen Diensten stehenden Walachen wurden unbarmherzig verfolgt, wie etwa durch den kaiserlichen Obristen Alessandro Freiherr (Graf) v. [del] Borri (1643); CHEMNITZ, Königlich Schwedischen in Teutschland geführten Krieges 4. Teil, 3. Buch, S.: „Wiewol der General Borry, wan Er derer mächtig worden, ja köpffen, hencken, radbrechen und viertheilen ihrer nicht geschonet“.
walcke: Kampf, Gefecht; übertragen auch Prügel.
Wälckener: Walker: der Tuche, Felle, Hüte u. s. w. walkt, dem Walker fiel es auch zu, die Tuche und Kleider zu reinigen und zu waschen. Ferner befasste er sich auch mit dem Färben der Tuche.
Waldochse: „der wilde ochse, namentlich der im 17. jahrh. ausgestorbene ur, auerochse“ [DWB].
Waldstädte: Säckingen, Rheinfelden, Laufenburg und Waldshut waren die vier vorderösterreichischen Waldtstädte in der Landgrafschaft Breisgau. Friedrich Markgraf von Baden hatte sie zusammen mit Rheingraf Otto Ludwig im Juni 1633 eingenommen. WEECH, Badische Geschichte, S. 343.
Waldvogt, Waldfaut: DWB Bd. 27, Sp. 1207: „vom oberherrn eingesetzter forstverwalter, auch amtmann in waldbezirken“.
Walker: Tuchwalker, er hatte auch die Tuche u. Kleider zu reinigen u. zu waschen.
Walkmühle oder Vollmühle (auch: Walke, Dickmühle, Filzmühle, Lochwalke oder Bläue): „eine seit dem Hochmittelalter eingesetzte Maschine zur Verarbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben bei der Herstellung von Walkstoffen, die früher als Tuch bezeichnet wurden. Sie ersetzte das Walken mit den Füßen, mit dem frisch gewebte Tücher durch Stoßen, Strecken und Pressen gereinigt und an der Oberfläche verfilzt wurden, damit sie dichter und geschmeidiger wurden. Walkmühlen, die es in Europa schon im 12. Jahrhundert, vereinzelt auch früher gab, führten oft zu sozialen Problemen, weil eine Walkmühle bis zu 40 Fußwalker ersetzen konnte. Sie wurden deshalb, aber auch weil fußgewalkte Stoffe von besserer Qualität waren, teilweise verboten“ [Wikipedia].
Wallbüchsen: reine Festungswaffen, die Ladungen v. 8 Lot Blei verschossen. Diese Wallbüchsen waren ca. 1,25 m lang u. konnten v. einem Mann allein noch v. einer Wehr zur anderen getragen werden, um sie an einem Schussloch oder Bock abschießen zu können.
Wallonen, Wallen: Französischsprachige Bevölkerung in den Niederlanden (Artois, Hennegau, Namur, Luxemburg, Limburg, Teile Flanderns und Brabants), z. T. im Fürstbistum Lüttich. Die Regimenter mit hohem Anteil an Wallonen (z. B. das Regiment Johanns II. von Mérode) waren bei Freund und Feind wegen ihrer Erbarmungslosigkeit seit Anfang des Krieges allgemein gefürchtet. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 459 (1619): „Die Wallonen und Ungern reissen sehr vom Spannischen Lager auß, weiln sie keine bezahlung haben können, die thun auff den Strassen deß Landts grossen schaden, greiffen die Leut auch gar in theil Vorstätten an, ziehen sie auß und hauens darnieder, wie sie dann den 26. diß drey Dörffer abgebrandt, daß man solches am Kalnberg selbsten zu Wien gesehen“. Zur Einschätzung bei den eigenen Verbündeten (10.1.1632): Man „weiß wohl, wie die Wallonen beschaffen, nur auf Plackherey und rauberey, doch zum fechten seyn sy wenig nuz, es heißt wol dem gemeinen Sprichwort nach: vill geschrey und wenig wohl. Thuet doch den armen undertanen wol soviel plagen als ein ganzes volles Regiment“. HELML, Oberpfalz, S. 121. Nach Ansicht des Grafen Albig von Sulz sei bei ihnen „gantz kein Rgt. zu halten“. HELML, Oberpfalz, S. 87; ENGELBERT, Wallonen. Vgl. auch MITHOFF, Chronik von Rodenberg, S. 235ff. (1629). BECKMANN, Historie 3. Teil, S. 297 (Zerbst 1626): „Den 1. Aug. sein bei 370. Wallonen / mehrentheils ungesundes und dabei boßhaftiges Volck herein gebracht / und im Frauen-Viertel einquartieret worden / wodurch die Stat / welche ohne deß wegen Menge des hereingeflüchteten Volcks voller Kranckheiten gewesen / vollends inficiret worden / so daß manchen Tag 10. biß 12. Personen begraben müssen werden. Gedachte Wallonen aber sein / nachdem sie über 10. Wochen hier gelegen / und viele gute Leute gantz ausgezehret / den 14. Octobr. wiederumb weg machiret“. Vgl. auch das harte Vorgehen Hatzfelds 1637 gegen kaiserliche Marodeure, die hauptsächlich aus Wallonen und Franzosen bestanden; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 791. => „Merode-Brüder“.
Walkmühle: Mühlwerk, in dem Hämmer auf die zu walkenden Stoffe wie Tuche, Leder niederfallen, um diese zu reinigen und zusammenzufilzen.
Wallschütze: Wallschützen waren Schützen, die den sogenannten Wallgang besetzten, der bei Befestigungen hinter den Geschützbänken am Wall entlang führte. Sie bedienten reine Festungswaffen, die Wallbüchsen, die Ladungen von 8 Lot Blei verschossen. Diese waren ca. 1,25 m lang und konnten von einem Mann allein noch von einer Wehr zur anderen getragen werden, um sie an einem Schussloch oder Bock abschießen zu können.
wälsche Sünde, wälsche Hochzeit: Homosexualität.
Walstatt: Schlachtfeld, Kampfplatz. ursprünglich mhd. „Leichenfeld”,  „von Leichen bedecktes Schlachtfeld” oder überhaupt „Ort, wo gekämpft worden ist”; DWB Bd. 27, Sp. 1360, 62.
waltfischer: Srauchdieb, der im Wald auf Beute lauert.
Wams, Wammes: ursprünglich das unter dem Panzerhemd getragene gesteppte Untergewand; seit dem 15. Jahrhundert allgemein unter dem Überrock (Schecke) getragen, entwickelte sich dann selbst zum Obergewand (Landsknechttracht).
Wandel: Verkehr, Gang, Lebensführung,
Wanderung: Stockwerk.
Wandmacher: Weber.
wantrouwen: argwöhnen.
Wanzenkraut: „ist ein zartes Gewächs, das Trauben-förmig blühet, und Saamen trägt, der Geruch ist sehr stark, doch nicht so gar unangenehm, daß man ihn mit dem Wanzengeruch vergleichen, oder gar viroß nennen sollte, es ware das Gewächs vor wenigen Jahren sehr berühmt unter dem Namen Römischer, oder Schlesischer Thee, und man hat es daher häufig in Gärten gepflanzt. Man verordnete es hauptsächlich in Theen und Getränken, und hielte es vor eine besondere Brustarzney, wider Keichen, heftige Husten, Schwindsuchten, und andere Brust-Zustände, man sahe es überhaupt wegen seiner gelinden Schärfe, und durchdringenden Geruch vor eine sehr eröfnende, verdünnernde, zertheilende, gelind erwärmende, und Nervenstärkende Arzney an, und brauchte es daher wider die Verstopfung des Monatlichen, Bauchweh, Grimmen, Podagra, und alle Glieder-Zustände. Man hat es meistens getrocknet in denen Apotheken; es behaupten aber einige, daß es also leichtlich wegen seines allzu starken Geruchs berausche“. EBERHARD, Onomatologia medica completa […]. 1. Bd., S. 229.
Warden: Weidenpflanzung zur Sicherung gegen das Wasser in Deichgegenden.
warmes Bad: heißes Gefecht, Blutbad.
warschouven: warnen.
Warte: Teil der äußeren Verteidigungsanlagen (Landwehr) einer Festung oder Stadt. Meist befestigter Turm weit vor der eigentlichen Befestigung, um Feinde rechtzeitig ausmachen und durch Signale die Bevölkerung früher warnen zu können.
Wartegeld: Ordentliche Wochentliche Post-Zeitungen 1631 Num. XI. Anno 1631, http://brema.suub.uni-bremen.de/zeitungen17/periodical/pageview/953644: Danach ließ der Kurfürst von Brandenburg auch an einfache Soldaten außer 2 Rt. Werbegeld auch 1 Rt. Wartegeld bezahlen, um sie im Fall des Falles in seine Leibkompanie aufzunehmen. Vgl. auch KAISER, Michael, Söldner im stand-by-Modus ?, unter: http://dkblog.hypotheses.org/508. Wartegeld wurde auch von der Schwedischen Krone an verdiente Offiziere beim Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bezahlt, ab dem Obristen aufwärts 1000 Rt. jährlich, mit der Verpflichtung, nicht gegen die Krone zu dienen.
Warthügel: Hügel, der eine hohe Warte, einen Beobachtungs- oder Aussichtspunkt bildet, um Truppenannäherungen schnell feststellen zu können, als Teil eines Frühwarnsystems.
warwulff: abschätzig für einen gefräßigen, gierigen Menschen.
waschen: schwätzen = von Wäscher; GRIMM; GRIMM Bd. 27, Sp. 2246: „in der bedeutung ruht das hauptgewicht auf dem vielen reden, dem sinn und verstand fehlt; wäscher ist ein unwissender, unbesonnener oder auch frecher mensch, [27, 2247] der von dingen zu reden pflegt, die er nicht versteht“.
Wäscherung: Geschwätz; von Wäscher; DBW 27, Sp. 2246: „in der bedeutung ruht das hauptgewicht auf dem vielen reden, dem sinn und verstand fehlt; wäscher ist ein unwissender, unbesonnener oder auch frecher mensch, [27, 2247] der von dingen zu reden pflegt, die er nicht versteht“.
Waschpfennig: Taufgeschenk.
ins Wasser ducken: heute bekannt als das sogenannte „waterboarding“, eine Methode des simulierten Ertränkens, früher, um das Geständnis versteckter Wertsachen zu erpressen. LEHMANN, Leben und Sterben, S. 248 (nach den Aufzeichnungen des Trusener Pfarrers Lucas).
Wassergraf: ein vereidigter Müller mit Aufsicht über die Mühlen und der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Untertanen, die nach dem Mühlenzwang die Mühlen benutzen mussten, nicht benachteiligt wurden.
warwulf: hier abschätzig für einen gefräßigen, gierigen Menschen.
ins Wasser ducken: heute bekannt als das sogenannte „waterboarding“, eine Methode des simulierten Ertränkens, früher v. Soldaten angewandt, um das Geständnis versteckter Wertsachen zu erpressen. LEHMANN, Leben und Sterben, S. 248 (nach den Aufzeichnungen des Trusener Pfarrers Lucas).
Wasserkunst: System zur Förderung, Hebung und Führung v. Wasser, meist hergestellt oder überwacht v. einem Kunstmeister. Zunächst bezeichnete der Begriff Wasserkunst nur die Einheit aus Pumpwerk u. Wasserbehälter, später wurde der Begriff auch für die Gesamtanlage des Röhrensystems verwendet. Die ersten Wasserkünste wurden aus Holz erbaut, später aus Stein. Sie bestanden aus einem Pumpwerk u. dem antreibenden Wasserrad sowie aus einem Hochbehälter, in dem das Wasser gespeichert wurde. Durch ein Röhrensystem, meistens in Form ausgehöhlter Baumstämme – den Deicheln –, wurde das Wasser an die Verbrauchsorte (Wasserbütten, Steintröge) geleitet, um eine Wasserversorgung der höher gelegenen Wohnhäuser zu gewährleisten [WIKIPEDIA].
Wasserrunze: Wassergraben.
Wassersarg: Waschbecken.
waterstoringe: Regenguss.
Watsack: Sack oder Behältnis für Kleider u. anderes, das man auf die Reise mitnimmt, Felleisen, auf dem Rücken getragen oder zu Pferd oder Wagen mitgeführt [DWB].
Watzen: männliche Schweine, Eber.
Webel [Waibel, Weibel], gemeiner: Der gemeine Webel, der monatlich 21 fl. Sold erhielt, vertrat die Interessen der Soldaten gegenüber den Offizieren. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 48f. Er wurde v. den Soldaten ernannt u. sorgte für das Marschtempo seiner Soldaten. Es gab einen Hurenwebel, der die Aufsicht über die Huren u. Tross- bzw. Soldatenjungen hatte u. mit diesen bei der Reinigung der Quartiere helfen musste.
Wecholder: Wacholderholz; verbranntes Wacholderholz diente der Luftreinigung bei der Pest.
Wecke: weibliches Geschlechtsteil.
Wedemhaus: Pfarrhaus.
wedewe: Witwe.
Wege pflastern: bestechen.
Wehmutter: Hebamme.
Weichbild, Weichbildstadt: 1) Bezeichnung für Minderstädte: Orte mit eingeschränktem Stadtrecht. Wichtigstes Recht einer Minderstadt war das Marktrecht, denn damit waren wirtschaftliche Vorteile für die Bewohner des Ortes verbunden. Minderstädte hatten eine wichtige Versorgungsfunktion für das Umland, sie waren die zentralen Orte der untersten Ebene. 2) äußere und innere Erscheinungsform eines städtebaulichen Ensembles. Es kann aber auch auf die gesamte Ausdehnung eines bewohnten Gebietes angewandt werden und damit ihre Begrenzung meinen. Der Wortteil Weich kommt dabei von einem alten Wort für Siedlungen.
Weichhaus: „hohes gebäude mit hausdach, der stadt- oder burgmauer aufgekragt, zu schutz und aufenthalt der besatzung“ [DWB].
weicher Lutheraner: ausgleichsbereiter Lutheraner.
weiches Getreide: Gerste und Hafer wurden als weiches oder rauhes Getreide, Korn und Weizen wurden als hartes oder glattes bezeichnet.
weiches Wetter: feuchtes regnerisches Wetter, das den Erdboden aufweicht, daher auch kotiges Wetter.
Weidicht: Dickicht.
Weingeld: Außer den „normalen“ Aufwendungen für die Küche der Offiziere wurde u. a. auch ein besonderes Weingeld erhoben.
Weinhauer: Winzer.
Weinwarm: warme Weinspeise, vor allem für Wöchnerinnen.
Weißbier: obergäriges Bier, das mindestens zur Hälfte aus Weizenmalz hergestellt wurde.
weißbrennen: sich als unschuldig hinstellen.
weißer Stab: das Zeichen der Pilger u. Bettler, symbolisiert hier das Zeichen der Landflüchtigkeit, für Kriegsgefangene, Aufrührer, die Übergabe auf Gnade u. Ungnade (DWB 17. Bd., Sp. 336, 28), der Niederlegung aller Würden u. den Verzicht auf allen Besitz.
Weißes Regiment: schwedisches Fußregiment [Inhaber Jost v. Rehn, William Burt, Dodo v. Knyphausen, Louis de Sarrazin, 1638 aufgelöst, Rest an Christoffer v. Steinecker].
Weißgerät: weißleinene Wäsche.
Weißpfennig: auch kurz Albus oder rheinischer Groschen genannt, eine silberne Groschenmünze des Spätmittelalters. Der Wert des Albus sank bis zum 17. Jahrhundert auf einen halben Batzen (2 Kreuzer). In Hessen galten seit dem 17. Jahrhundert 32 Albusse einen Reichstaler; mit dieser Relation wurde in Hessen bis in das 19. Jahrhundert gerechnet, z. B. in Hessen-Kassel mit 1 Albus= 12 Heller bis 1834.
Weitrasen: die zum Dorf gehörigen Weideflächen.
Welle: Reisigbündel.
Welle, grüne: belaubtes Reisig.
Wellerwand: Wand aus dünnen Wülsten, durch umwickelte Staken (Pfahl, Stange) hergestellt, später Fachwerkswand aus Lehm u. Stroh.
Wellholz, Wellenholz: walzenförmiges Reisigbündel.
Welsche: pejorativ für „Italiener“ (bzw. Südländer), z. T. auch für alle aus dem Süden stammenden Nichtdeutschen.
welscher Gebrauch: ventro-dorsale Kopulation.
wend hoyck, wendehoike, wendeheuke: Wendemantel, Spottname eines Menschen, der iin Religionsfragen sehr wetterwendisch (mit häufigem Glaubenswechsel) oder ein Heuchler ist. Der protestantische Schuhmacher Rudolf von Bellinckhausen; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 177: „Ist das nicht ein recht wetter han. Er ist zuvor gut lutersch, darnach calvinisch, widerumb catholisch und ein gut freundt der Jesuiters und singt nun widerumb des herrn Luthers lied wider dem Bapst”.
wenne: Geschwulst.
Wenzelsdom (Katedrála sv. Václava): errichtet von 1107 bis 1131 als romanische Basilika, im 14. Jahrhundert gotisch u. im 19. Jahrhundert neugotisch umgebaut, hier ist König Wenzel III. beigesetzt.
Werbe: Damm, Böschung.
Werbegeld: Handgeld für neugeworbene Soldaten; Summe, die dem Werbeoffizier zur Ausführung von Werbungen anvertraut wurde, die je nach Truppengattung und Armee differierte und oft von Werbeoffizieren unterschlagen wurde. Üblich waren etwa 8 Rt., der Durchschnittssatz für Fußsoldaten. Für Kürassiere (mit ganzem Harnisch) erhielt ein Obrist 1635/37 15-20 Rt., für Kroaten 10-13.30 Rt., Kosaken (polnische Reiter) 20 Rt., Dragoner 12 Rt., Arkebusiere 15 Rt.; ERNST, Madrid und Wien, S. 301. 1633 wurden in Mühlhausen bis zu 34 Rt. für einen Söldner ausgegeben bzw. in Rechnung gestellt. WAGNER, Pforr, S. 160: “Den 27. [Dezember 1641 a. St.; BW] kam der Beyerische Major Ilck mit dießer ordre alhier [an], daß er von statt und ambt [Schmalkalden; BW] 5200 thlr werbgelder erheben und ein compagnia tragoner alhier darvon werben und richten solde, in welches begehren die beampten alßobalden gewilliget und mit allem ernst die werbgelder von den armen und ubel geplagten leuhten heraußgetrieben. Und nachdem er schnellen zulauff gehabt und dadurch die compagnia balt complet bekom[m]en, alß ist er den 28. Martii deß 1642. jahrs ufgebrochen und sich nach Hilperhaußen [Hildburghausen, Thüringen; BW] geleget. Uff dieße völcker hat statt und ambt an werb: und wochengelder uber 12000 thlr verwendet. Alßo hat dießer geplagte ort dem Beyerfürsten eine comp: werben müßen, worzu D.[oktor; BW] Happel, alß er bey der Beyerisch[en] armee geweßen, trewlich geholfen haben solle”.Teilweise wurden die Werbegelder auch so hoch angesetzt, weil das „Debochieren“, das Abwerben gegnerischer Soldaten, weit verbreitet war.Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über Ermes’ Werbemethoden; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Nach der Aufstellung von KAPSER, Kriegsorganisation, S. 271ff., entstammten von den 1638-1648 in Kurbayern und in der Oberen Pfalz Rekrutierten folgenden Beschäftigungsbereichen: 1, 6 % Handel, 16, 2 % Nahrungsmittel- und Gastgewerbe, 28 % Bekleidungs-, Textil- und Lederverarbeitungssektor, 16, 7 % Baugewerbe, Holz- und Metallverarbeitung, 17, 3 % Landwirtschaft, Gartenbau und Viehzucht; alle anderen Gewerbe lagen bei max. 1, 7 – 1, 1 % oder niedriger. Der protestantische Schuhmacher Rudolf von Bellinckhausen; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 211: “Die bauer bengels, so hin und wider von der pflug, auch von den schaffenn und schweinen ihrn herrn entlauffen und sich bey uns undter die soldatenn begebenn und annehmen laßen, golcken und krolen auf allen gaßenn, singenn, rufen und kreyen, rufen, lauffen und wyßen nicht, was sie fur großen muth wyllen treiben wollen, aber es wehret einn zeitlang, Gott wirdts ein mahl wendenn”. Dass entgegen den Vorschriften auch Kinder angeworben wurden, geht aus KAPSER, Kriegsorganisation, S. 269, hervor; ihr Anteil lag bei 12, 7 %; bei den Ungedienten bei 19, 73 %; KAPSER Kriegsorganisation, S. 266. Nach SCHLÖGL, Bauern, S. 157, kam ein Dienstbote im bayerischen Raum auf etwa 12 Gulden pro Jahr (ohne Verpflegung), so dass der Militärdienst angesichts des Werbegeldes unter Umständen attraktiv erscheinen konnte. PARKER, Dreißigjährige Krieg, S. 284, vermutet, dass Handgeld, neue Kleidung sowie Aussicht auf Sold und Beute als Alternative zur Unsicherheit der Existenz (bei rückläufiger Produktion) und der Möglichkeit, von Söldnern beraubt oder durch Steuern ruiniert zu werden, betrachtet wurden, und dass trotz aller Umstände die Armee eine gewisse Sicherheit bot. Für die bayerische Armee 1648 trafen angesichts sinkender Preise und steigender Löhne aber nur Handgeld und die Aussicht auf Beute zu. Der einfache bayerische Soldat wurde mit 12 Dukaten abgefunden. Zur Motivation schottischer Söldner MAHR, Oberst Robert Monro, S. 54: “Hier ist auch zu sehen, daß der Baron von Foulis edlen Andenkens es nicht für eine Beeinträchtigung seines Ansehens hielt, zuerst meinem Lord Reay und seinem Regiment als Freiwilliger zu folgen, bis er einige Gefechte gesehen und einige Erfahrung gesammelt hatte. Dann begann er mit einer Kompanie und wurde zuletzt mit Ansehen Obrist eines Regiments zu Fuß und zu Pferd. So ermunterte er andere seines Namens und seiner Verwandtschaft, seinem Beispiel zu folgen und ehrenvoll im Ausland zu leben, anstatt ihren Freunden zu Hause, wie es viele tun, zur Last zu fallen. Dabei müssen sie, wie wir in Schottland sagen, für einen halben Laib Brot springen, während andere aufgrund ihrer Tapferkeit nobel im Ausland leben, sich Diener leisten können und von silbernen Tellern speisen”.
Werbepatent, Werbekontrakt, Werbekapitulation: Vertrag zwischen einem Landesherrn oder Obristen und einem mit der Werbung von Soldaten beauftragten Offizier. Die unterschriebene und gesiegelte Urkunde war der Nachweis der Berechtigung des Offiziers, Werbungen durchführen zu dürfen, gegenüber Amtsträgern und Untertanen des jeweiligen Ausstellers. Im Werbepatent waren u. a. festgelegt: das Gebiet, in dem die Werbung erfolgen sollte, die Zahl der anzuwerbenden Männer, nach Möglichkeit Name und Alter, bei Werbungen im eigenen Territorium z. T. das Verbot, Angehörige bestimmter Berufe anzuwerben, das Werbe-oder Handgeld, das dem Neugeworbenen sofort auszuzahlen war, sowie Ort und Zeitpunkt zur Versammlung der Geworbenen (=> Musterplatz).
Werbung: Botschaft, Auftrag, Anliegen.
Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: “Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen”. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: “Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren”. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: “In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte”. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass “die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen”. Plath, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er “mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen[Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein”. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.
Werbung: Botschaft, Auftrag, Anliegen.
Werg: Flachs, Hanf.
Werk: „Ab dem 16. Jahrhundert wird dieser Begriff verwendet als Überbegriff für eine einzelne isolierte Befestigungsanlage, oft als Teil einer Festung und kann u. a. eine Schanze, ein Bastion, ein Blockhaus oder ein Ravelin sein“. [http://de.wikipedia.org/wiki/Fachbegriffe_Festungsbau].
Wermutwein: „wermutwein ist starck vnnd bitter … hat grosse krafft vnd tugent, dann er tödt die würm im leib … solcher tranck eröffnet vnd reynigt[…]; also nützt auch das haupt offt mit wermutwein gewaschen, dann er trucknet die flüsz, heylet, sonderlich den grindt“ [DWB].
Westfälischer Friede: Am 24.10.1648 in Münster und Osnabrück unterzeichneter Vertrag zwischen Frankreich, Schweden und dem Reich. Er bestätigte den Rechtsstand des Augsburger Religionsfriedens von 1555 und dehnte ihn auch auf die Reformierten aus. Für die geistlichen Güter galt der 1.1.1624 als Termin. Der Friede schwächte das Reich, da umfangreiche Gebiete wie das Elsass an Frankreich, Bremen, Verden und Vorpommern an Schweden abgetreten werden mussten. Nun etwa 300 Reichsgliedern mussten zudem wesentliche Rechte wie etwa das Bündnisrecht zugestanden werden. Bayern behielt die Friedrich V. aberkannte Kurwürde, für seinen Nachfolger Karl Ludwig wurde eine neue Kur eingerichtet und die Kurpfalz restituiert. Die Schweizer Eidgenossenschaft und die Republik der Vereinigten Niederlande wurden als selbstständige Staaten anerkannt. Online verfügbar unter http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/index_aufruf. Der Salemer Mönch Sebastian Bürster zur Einschätzung dieses Friedens; Sebastian Bürster’s Beschreibung des Schwedischen Krieges, S. 189: “Ist aber wol zue besorgen, man werde noch arbat und mit dem krüeg zue schaffen gnuog bekomen, wan kain krüeg mehr vorhanden sein würd; alßdann werden erst die nachparn und underthonen ainanderen in daß haar wachßen und hinder ainanderen komen und werden erst nach und nach die dieb und diebstäl an tag und herfür kommen; quia nihil ita opertum, quod non aliquando reveletur [weil nichts so verborgen ist, dass es nicht irgendwann an den Tag kommen werde; BW]; darumben bald newe galgen werden müeßen uffgericht werden”. Stausenbacher Chronik des Bauern Caspar Preis heißt es für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Stausenbacher Chronik, S. 67f.: “Wie nun der liebe Friden, wie gesagt, einmal getroffen worden nach Gottes seinem lieben Willen, da wurden die Völker alle in dem gantzen deutschen Land ausgeteillet in Städen und Dörfer, als nach eines iden [jeden, BW] Vermögen, als in ein Dorf einen oder zwen, drey oder vier, nach dem das Dorf war. Die musten wir arme Leuth verplegen, musten jinen Gelt geben, den Perden Haffern und Häw. Da musten wir arme Stausenbächer auch einen Reutter mit einem Weib und dreyen Perten halten und musten vor dem, ehe die Völker ausgeteillet worden, gar ein groß Gelt geben, dan die schwedische Arme must aus dem Reich mit Gelt gebracht werden. Da musten wir Stausenbächer in das Fridengelt geben zum erstenmal [S. 73] zu unserem Pard dreysig sex Reichstaller uff einen Hauffen. Ich meine, es must ein jiglicher Gelt gedenken, dan wir waren gar wenig habhafft noch zu der Zeitt in allen Dörfern. Ich vor meine Persohn von meinen Sachen must darzu geben fünf Reichstaller. Da lieff und tracht ein ider, das er sein Gelt bekam, und meineten alle, wan wir das Fridengelt erlegt hätten, so dan würden wir wider gutte Sach und Ruhe haben, aber die Ruden steubt uns noch mehr. Darnach kamen da die Völker uns noch über den Halß und brästen und qwälletten uns noch mehr. Es ist doch nicht zu sagen noch zu erzehlen, allen den Jamer, die Trübsal und das Hertzenleyt, das wir arme Leuth haben müsen leyden und ausstehen in achtzehen Jaren. Es glaubet es kein [S. 74] Mensch, dan die es erfahren haben mit grosem Schmertzen und Hertzenleyt”.
westgotisch: aus Västergötland (südwestliches Schweden) rekrutiertes Regiment, auch als Regiment des Erik Soop bekannt, der in der Schlacht bei Breitenfeld am 17.9.1631 die Kavallerie aus Västergötland führte; hier geführt von seinem Obristleutnant Erik Larsson. Als Carl Hård im September 1631 das Regiment übernahm, bestand es noch aus 8 Kompanien mit 120 Pikenieren, 240 Musketieren und 128 Offizieren.
Wettekarrer: Dienstfuhrleute.
wetter han: wetterwendischer Mensch mit häufigem Glaubenswechsel. Der protestantische Schuhmacher Rudolf von Bellinckhausen; BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 177: „Ist das nicht ein recht wetter han. Er ist zuvor gut lutersch, darnach calvinisch, widerumb catholisch und ein gut freundt der Jesuiters und singt nun widerumb des herrn Luthers lied wider dem Bapst”.
weyer: Fächer oder Wedel.
Wicheler: Wahrsager, z. T. auch Zauberer.
Widenhof: Die Einkünfte dieses Anwesens standen dem Ortspfarrer zu.
widerbillig: unnatürlich, unrichtig, falsch, unbegründet.
Widerstand: Schon während des Böhmischen Krieges stießen die Truppen auf erbitterten Widerstand der Bevölkerung. Der Jesuit, Hofbeichtvater und Begleiter Maximilians I. von Bayern, Jeremias Drexel, auf dessen böhmischen Feldzug (1620) schrieb, MILGER, Gegen Land und Leute, S. 76: “Die Aufwiegler der rebellischen Bauern sagen, die Umstände hätten es geboten, sich tapfer zu verteidigen, denn aus Böhmen sei Hilfe genaht. So sammelten sich an die 9.000 Bauern an verschiedenen Orten. Viele der Unsrigen, vor allem Umherstreifende und Einzelne, wurden erschlagen, zwei Männern bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen, anderen die abgetrennten Genitalien in den Mund gesteckt, Ohren und Nasen abgeschnitten. Doch die Unglücklichen bezahlten dafür. Dörfer, Felder, und eine Stadt wurden gänzlich verbrannt”. Im Erzgebirge nutzte die Bevölkerung ihre Geländekenntnis aus; LEHMANN, Kriegschronik, S. 25 (1620): “Am Bömischen gebirge lagen die keyßerlichen Compagnien fast in allen Flecken und Stadtlein. […] Dargegen Pasten die Bergleute und Bauern, die alles verlohren hatten und nichts verdienen kunten, diesen reubern mächtig auf in buschen und höhlen, wegen und schoßen Sie herunder. Das wahr der zeit der Gebirger Nahrung: die Bauern erschlugen die fußgänger in Dörfern ubern Plundern zue Dutzent und mehrern. Mann hat unterschiedliche Exempel gewust, daß Sich Burger und Bauern uff die gehen felsen und berge sich retterirt und, wen die keyßerlichen Squadronen oder Compagnienweise drunder hinmarchiret, daß die Bergleute große wacken und stücker felsen von vielen Centnern loßgemacht und untter die völcker hienunder lauffen, Roß und wagen, oft gantze Caretten voll zerschmettern laßen”. Der wachsende Widerstand führte zu entsprechenden Vergeltungsaktionen; WAGNER, Pforr, S. 97: “Den 9. Maii 1624 haben die Schönbergische reutter das dorff Hergeß im ambt Hallenbergk in brantt gesteckt, weil sich selbige bauren den reuttern wiedersetzet. Bey dieser einquartierung ist ein corporal gehenckt und ein reuter bey nacht erschlagen worden”. Der zuständige Landesherr brachte sogar Verständnis für die Bauern und Bürger auf. Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Lüneburg schrieb an die niedersächsischen Stände, 5.9.1625; HOFFMANN, Harzschützen, S. 36: “Wo mag in der weiten Welt ein vernünftiger, rechtliebender Mensch sagen, daß die armen Bauern sich sollen das Ihrige nehmen, Weiber und Kinder schinden, Haus und Hof abbrechen sehen, ohne dazu sauer zu sehen dürfen ? Wer kann sie schelten, wenn sie, obwohl ohne Befehl, mitunter versucht haben, sich in dem Ihrigen zu schützen. Wenn Tilly sich damit entschdigt, daß er die Exzesse seiner Soldaten nicht angeordnet habe, noch an ihnen Gefallen trage, aber das Kriegsvolk nicht eben so genau im Zaume halten könne, wie sollten wir unsere durch Hunger und Kummer erbitterten Bürger und Bauern im Zaume halten ?” Tillys Verluste Ende August 1625 durch den bewaffneten Widerstand von „Bauren und Bürgern“ sollen angeblich bereits über 2000 Mann betragen haben; BOBLENZ, Harzschützen, S. 54. WAGNER, Pforr (1626), S. 98: “Den 30. Martii hat der Hertzoch von Holstein [Adolf Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp; BW] den bürgern alhier alle ihre gewehr abnehmen und aufs schloß führen laßen, weil er sich vor einem uberfall befürchtet, deßwegen er auch getrewet, so gegen ihme waß vorgenommen würde, ein jeder soldat sein quartir anzustecken”. Der Osteroder Chronist Heinrich Wendt berichtet über den Widerstand der Harzschützen, die auch gemeinsam mit den dänischen Truppen operierten; WENDT, Geschichte, S. 409ff.: “Umb diese Zeit hatten sich ein Hauffen HartzBauren und andere Schnaphanen Zusammenrottieret, darüber vornehmlich Hanß Warnecken von Aistorff [Hans Warnecke von Eisdorf] commendirte, Welcher hernacher Zum Schartzfeld in 4 Theile gelegt Und vor Osteroda an dreyen Ohrten uffgehänget, das Vierte Viertel ist Zum Schartzfeld gelaßen. Diese haben nicht allein den Kaiser[lichen] Abbruch gethan, besondern auch andere Reisende Leute herumb gerückt Und die Straßen umb Osteroda vnd am Hartz herumb gar Unsicher gemacht, Es seind fürst[liche] patenta angeschlagen Und darin befohlen worden, diese Gesellen Zu verfolgen. Man hat sie dennoch so bald nicht dempffen können. Bey denn Kaiserlichen, sonderlich dem GeneralCommissario Christoff von Lerchenfeld ist die Stadt Osteroda in Verdacht kommen, Alß wan die Stadt mit solchen Schützen oder Schnaphanen es hielte, denselben allen Vorschub thäte. Hingegen der Graff von Solmß, domaliger Dennemarckscher Commendant, in Wolffenbüttel sich beschweret, daß die Stadt Osterode gegen solche Schützen, die sich in des Königes (Christian IV. von Dänemark) Diensten gebrauchen ließen, feindlich erwiesen, mit dieser angehängten commination, Wofern die Stadt bemelten Schützen kein Paß oder repas verstatten, auch alle Notturfft an vivers gegen BeZahlung abfolgen laßen wurde, daß alßdan solches vindiciret und an der Stadt und deren Einwohnern gerochen werden solte. Darumb dan Osteroda von diesen Schnaphanen nicht wenig molestiren gehabt, Dan wan die Stadt Osteroda dem fürst[lichen] Befehl Zufolge von den Schützen, Welche anhalten wollen, haben sich die Schützen der Bürger alßbald wieder bemächtiget Und die Jhrigen dagegen loßbekommen. Es haben auch diese Schützen FeindeBrieffe an die Stadt geschrieben, darauff auch am PfingstMontag 1627 einen Bürger Nahmens Andreas Segelkcken von der Stadt hinweggenommen vnd denselben jämmerlich ermordet. Des Mitwochens in den H[eiligen] Pfingsten seind sie mit fliegenden Fähnlein über der Freyheit uff einen Hügel gerücket Und haben Bier, Brodt und Wein aus der Stadt abverlangen laßen. Jm Uffbruch aber sich feindlich beZeiget, Kühe vnd Schaff, Vieh und Pferde mitgenommen. Die Bürgere seindt außgefallen, haben Jhnen das Vieh wieder abgejaget und einen Von den Schützen, von Echte bürtig, gefangen mit weggenommen. Nach übergebung der Stadt Northeimb ist der Kaiser[liche] Commissarius Johan Moller vor Einbeck bey dem Huefethurn von den Schnaphanen beraubet, welches dan Veruhrsachet, daß der Graff von Fürstenberg Zwey Compagn[yn] uff dem Huefethurn gelaßen, Welche von den Städten Einbeck vnd Osteroda verpfleget werden müßen. Jedoch ist solche Besatzung uff Vielfältige Bitte und gegen Revers der Städte Eimbeck und Osteroda, daß Sie, respective jhre Wartthürmer, selbst besetzen vnd den Schnaphanen kein Vorschub thun, sonderlich aber die Von Einbeck die Verfügung schaffen wolten, daß das Buschholtz umb die Huefethurn ringsherumb einen Mußqueten Schuß lang ab- und niedergehawen werden solte, hinwieder abgeführet. Geschehen im Monath Decembri 1627. Bey solcher Abführung hat auch der General Tilly von den beeden Städten Einbeck und Osteroda 4.000 Th[a]l[er] begehret Und sich daneben erkläret, daß Sie alßdan hinfürters mit weitern Contributionen verschonet bleiben sollten”. Auch Nachbarschaftshilfe gehörte zum bäuerlichen Widerstand; BRUNS, Hallenberg, S. 261f.: “Anno 1632 am 16. Februarii ist von den Braunsheusern morgents umb 6 uhr ein geschrey ankommen, das ein rott reuter neben etlichen muscatierern dem dorf zusetzen und dasselbig ausplundern wolt. Darauf die burgerschaft durch den glockenschlag eilents zusamen kommen, welchen befohlen worden, mit ihren gewehren in aller eil dem dorf zuzueilen und die nachbarn mit ihrem viehe zu entsetzen. Als die burgere aber ins dorf kommen, ist das samptliche viehe an pferdten, kuhe und schaffen alsbereits mit etlichen reutern und den mus(c)atierern fortgeschickt worden ohn allein 6 oder 7 reuter, so noch im dorf ferner zu plundern sich aufgehalten, welche sich, als sie der burger ansichtig worden, fuga salvirt ohn allein einer, der nitt in solcher eil fortkommen konnen, hat sein pferdt vor einen schlagbaum im dorf mit saddel, zaum und einer pistolen verlasen und sich pedibus salvirt, soll aber durch ein hand geschossen sein. Die burger haben den reutern und dem viehe nach der Clögensbaum nachgeeilet, dieselben am Struett daselbsten ereilet, zertrennet, das deren etliche durch das gewälte nach Rengershausen zu, etliche aber auf Neukirchen zugerant und das viehe unden an der Struet beim Neukirschen Fort daselbst stehen lasen, welches die burger wieder zurück getrieben und den nachbarn restituirt, ohn allein vier pferde, welche die nachbarn alhier zur statt [Hallenberg, BW] fuhren wollen, aber die reuter dieselben auf der Eigersbach ereilet und bei sich behalten. Dieser reuter sollen ungefehr 40 und 10 muscatirer gewesen sein. die Braunshauser aber haben der burgerschaft wegen solcher muhe zwey ohmen [1 Ohm = 157 Liter; BW] bier verehrt”. Zum Teil erlitten die Bauern ganz erhebliche Verluste; so der Fuldaer Chronist Hartung; HAAS, Hartung, S. 107: “Den 5. july [1632] sindt etliche company Hessigs reutter bey Hunnfelt [Hünfeld] ankomen, so sindt die bauwer da selbs herum ein wenig aufrohrs gewessen, undt ihrer etliche hundert sich bey Mackenzell zusamen geschlagen, auss dem ampt Biberstein undt auss dem ampt Mackenzell, undt haben die reutter nit wollen durch lassen, aber die reutter sind ihrer mechtig worden, undt bey Mackenzell bey dem höltzgen und in dem höltzgen, da haben die reutter alle zeit bey die 200 bauwer erschossen undt erhauwen; sie haben die bauwer in dem höltzgen alss von den baumen herunner geschossen, dass sie sich uberworffen haben; undt haben die reutter darnach so ubel mit den bauersleutten umbgangen, wo sie einen haben antroffen, haben sien darnider geschossen oder gehauwen, hatt sich keiner dorffen lassen getrost sehen”. Zum Teil wurden die Bauern auch von ihren Amtleuten zum Widerstand aufgerufen, die sie allerdings dann im Stich ließen; LEHMANN, Kriegschronik, S. 37f. (1632): “Friderich Turk, der Ambtschößer zue Grünhein hatte Seine bauern dermaßen animirt und abgericht in seinen Dörfern, daß Sie ihnen nicht allein gut gewehr geschaft, sondern auch frisch vorn feind stunden, keine gefahr scheueten und sich dreflich wehreten, sonderlich wen Er darbey wahr und ihnen zuesprach. Die tollkühnen Grünheiner [Grünhain; BW] wusten nicht, wie es ihren Nachbarn gegangen wahr und lieffen confuß ohne führer und kundtschaft durcheinander mit Sensen, Heugabeln, Spießen, röhren und Musqueten den Feindt entgegen und in Dörffern zuesammen bloß auf Amtsbefehl: Die Amptleute selbst stunden post principia, sahen von ferne zue, theils hatten Sich aufs Jägerhauß nach der Bucka [Buckau; BW] salvirt und ließen die armen amptsbefohlenen in stich und niederhauen. Das volck wahr so verblendet, daß Sie den feindt mit glockenstürmen, schießen und schreien wolte abschrecken, und alß solches der General hörte und sahe, hat er sich hefftig verwundert ueber der Bauern verwegenheit, daß sie sich untterstünden, seiner gantzen Armee entgegen zu setzen und zuegleich sich uber der armen leutte Niederlage erbarmet, daß Sie von Ihren Amptleuten so ubel angeführt wurden. Doch daß Er ein schrecken ins gebirg brachte, ließe er zuegleich anfangen zue brennen und uffs neue zue morden”. LEHMANN, Kriegschronik, S. 35f. (1632): „Da nun der feindt schon zum Schneberg lag, gebotten die Amptleute uber 500 Mann auf und besezten damit die Schantze; darunter die Defensioner die besten wahren, hatten aber keinen rechten führer, keine kundtschafft, wie starck der Feindt wehre, keinen nachdruck, keinen muth und verstunden nicht, was krieg wahr. Obgleich die defensioner, so zue Eger und Ölsnitz gefangen und wieder ledig geworden und izt gerade durch die schantze anheim kahmen, die gantze Macht des Holckens beschrieben, die Leute warneten und einen bösen außgang prophezeiten, hielten es doch die furnembsten vor einen spott und zagheit, fuhren in ihrer thumkünheit fort und beredeten das volck, es wehre nur eine parthei von 3 oder 400 Pferden. Den 17. August führete der Oberförster in der Lauter 300 der besten Durch die Wälder an Schneberg – die Holckische Armee lag umb die Stadt her – an Plöselstein gegen uber, Von welchen Sie das gantze lager kundten uber sehen und gaben uber 100 Mahl feuer ins lager, blieben biß an Morgen, erschoßen auch ezliche 5 und 6 partheien auß der Schlem [Schlema bei Aue; BW] und andern Dörfern. Die andern liefen auf den raub auß in die Dörfer, tragen Milch zuesammen, fingen einen krieg an mit hüner und gänsen, ziegen und böcken, schlachteten, brieten und kochten in der Schantze. Den 19. August kahmen in der Nacht 400 Pferde an die Schantze. Der Oberförster in der Lautter scharmizirte eine weile mit dem Feindt, biß ihn die Kranichsfedern von Hut geschosen wurden. Do fiele auch der muth, und riße auß jedermann, und wurde die Schantze wüste und Unbesezt gelaßen. Ob nun wohl die Amptleute Ihre Gemeine warneten, daß Sie weib und kindt, viehe und mobilien solten wegschaffen, inmaßen Sie auch 3 tage vor den March gethan und diselben auf die Wälder salviret hatten, welche von ferne den Tumult, Drommeln und Pfeiffen, Keßel-Paucken, schießen und geschrey gehöret, die umbherstreiffenden partheien und mordbrände von gebirge sahen, wurden dennoch bürger und bauern, Mann vor Mann, auch die defensioner bey lebensstraf aufgeboten und fortgetrieben, mit ihren besten gewehr zue Schwartzenberg zu erscheinen, Darzue die Gräntzwachen von Wiesenthal beruffen worden, also daß in 300 Mann des Morgens zue Schwartzenberg zu erscheinen und den feindt biß in die Lautter entgegen zogen. Die andere Manschaft folgete in 300 Mann starck den grundt hienunder, Darzue viel auß den Ampt Grünhein kamen, welche alle mechtig ubel eingebüßet”.Teilweise zog man in die Wälder, um von dort aus den Kampf fortzusetzen; LEHMANN, Kriegschronik, S. 58 (1632): “So arg es herginge, und die Keyßerlichen mit feuer und schwerd dieses gebirg beschedigten, blieben dennoch die Bauern halßstarrig, wollten Sich zue keiner Contribution verstehen, sondern ließen ihre heußer wüste stehen, lagen mit Weib und kindt, Pferd und viehe und, was Sie noch hatten, in der Kälte und Frost auf den Wilten Wald und hütten, legten Sich des tages in die vortheil und schoßen untter die feinde, wurden auch oft selbst getroffen”. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz; BRAUN, Marktredwitz, S. 33 (1633): “Den 5. Mai ist eine starke schwedische Partei vor den schönen, wohlverwahrten Markt Breßet [= Pressath] [ge]kommen, haben mit Gewalt hinein begehret, solchen Ort brandschatzen und in ihre Kontribution bringen wollen. Aber auf ihres Pfaffen, Forstmeisters und zweier Bürgermeister Antrieb haben sich die Bürger gewehret und der Schwedischen etliche erschossen, worauf die Schwedischen Gewalt gebrauchet, den Markt erstiegen, die Tor[e] aufgehauen, auch an etlichen Orten angezündet und den schönen Marktflecken ganz abgebrannt [haben]. Es sind auch über (die) 60 Personen im Feuer erstickt und zu Boden geschossen worden. Man hat in etlichen Kellern Vater, Mutter und Kinder, welche im Feuer erstickten, liegend gefunden”. Auch der Widerstand der Bürger gegen eine starke und kostenaufwendige Salvaguarde hatte z. T. katastrophale Folgen; Das THEATRUM EUROPAEUM (1632); nach MILGER, Gegen Land und Leute, S. 240: “Zu Freiberg bei Augsburg haben indessen die Bürger übel mit der schwedischen Salva Guardi verfahren, die in siebzig Mann stark war und die doch um ihres Schutzes und Besten willen eingelegt worden war. Sie haben dennoch selbige bei nächtlicher Weile durch die Hilfe etlicher Truppen der Krabaten niedergemacht. Welche unredliche Tat aber der schwedische General Banner nicht ungerächt gelassen. Denn er hat stracks etliches Volk von Augsburg aus dahin kommandiert. Das Städtlein, inzwischen von den Kaiserlichen verlassen, wurde mit Macht angefallen, die Tore mit Petarden gesprengt und, obwohl die Bürger stark Feuer heraus gegeben, mit Gewalt erobert. Das Kriegsvolk hat alle Mannschaft darin niedergehauen, die Weiber und Kinder aber in das Feld hinaus geschafft, hernach das Städtlein geplündert und in Brand gesteckt”. “Als im Mai 1633 der kaiserliche ObristleutnantJensen Reiter in das Soester Gebiet geschickt hatte, um die Lage zu erkunden, fielen Bauern aus Hattrop über sie her, erschossen einen und brachten einen zweiten als Gefangenen nach Soest. Als die Kaiserlichen im Juni drohten, das Bördedorf Klotingen abzubrennen, und dort zehn Reiter aus dem Bilandschen Regiment schon bereitstanden, überfielen die Klotinger Bauern diese Reiter, nahmen ihnen die Pferde, Sättel, Gewehre, Kleidung und Geld. Ihre Beute brachten sie in die Stadt, die ausgeplünderten Reiter aber ließen sie laufen. Am folgenden Tag entwaffneten die Klotinger nochmals drei Reiter und erschlugen dabei zwei von ihnen. Den dritten führten sie bis vor die Stadt, zogen ihn nackt aus und jagten ihn fort. Wenig später erschlugen die Klotinger einen weiteren Reiter. Der Rittmeister Zersen aus dem Bilandschen Regiment wollte sich darüber in Soest beschweren. Vor der Stadt lauerten ihm Bürger und Bauern auf, die ihm sein Pferd unter dem Leib wegschossen. Seine Pistolen und sein Zaumzeug wurden ihm genommen, dann durfte er fliehen. Nach einem Klagebrief Bilands an seinen Befehlshaber Bönninghausen war dieser Vorfall erledigt”. WIDDER, Soest Bd. 3, S. 801. VOGEL, Annales, S. 612.Im Mai 1644 musste „die Bürgerschafft [Leipzigs; BW] auff Begehren General Königsmarcks / weil sie den Vergleich nicht unterschreiben wollten / den sie vor diesen mit Torstensohn gemacht / damit man sich keines Aufstandes zubefahren / darzu die auffgeworffenen Sechziger grosse Lust hatten / so wohl Ober- als Untergewehr bey 500 Thaler Straffe in E. E. Raths Zimmerhoff liefern“. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 10 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Im August 1631 haben zwei Reiter in Nesselbach zur Nachtzeit in einer Stube Feuer gelegt, worüber die Bauern sich sehr erzürnten. Sie haben beide totgeschlagen, dadurch aber dem Dorf großen Jammer zugefügt’ “. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Am 27. April [7.5.1632; BW] sind drei Soldaten zu Fuss, Brandenburgischen Regiments, unter den Kompanie[n ?; BW] des Obristleutnants Winkler, in Baudenbach begraben worden. Sie wurden von den Kürrnhöchstettern und ihren benachbarten Anhängern im Schlosshof ‚nicht allein jämmerlich geschlagen und übel zerlästert, sondern gänzlich entleibt und tod geschlagen’ “. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Der schwedische Reiter Matthäus Bücher, der in Baudenbach und Hambühl zur Salva Quardia einquartiert war, ist ‚auf Ausreißen mit andern Reitern’ entleibt, und von den Hirten im Holz tot aufgefunden worden. (Sch.)“. VOGEL, Annales, S. 612. Im Mai 1644 musste „die Bürgerschafft [Leipzigs; BW] auff Begehren General Königsmarcks / weil sie den Vergleich nicht unterschreiben wollten / den sie vor diesen mit Torstensohn gemacht / damit man sich keines Aufstandes zubefahren / darzu die auffgeworffenen Sechziger grosse Lust hatten / so wohl Ober- als Untergewehr bey 500 Thaler Straffe in E. E. Raths Zimmerhoff liefern“. SEMLER, Tagebücher, S. 59: „Vast vmb gleiche zeitt [Ende Juli 1633; BW] sein auch 9 Frantzosen welliche hievor vnder den Schwedischen geritten, von den vnsrigen aber gefangen vnd vnder herrn obrist König sich vnderhallten laßen), von Ravenspurg ausgerißen, vnd alß die nach Schönaw kommen, haben sie den veberlingen vnderthonen daselbst ihre roß vnd anders hinwegg nemmen vnd sich darmit zum feind begeben wollen. Deren aber die bauren maiserworden vnd haben selbige gefänglich nach Veberlingen gebracht, von dannen sie in einem schiff herrn obrist König nach Lindaw zugeschickt und nach schleunigem proceß alle neun mit dem strang hingericht worden. Welliche strenge sie mit ihrem selbst (!) maul verschuldt, in deme sie den bauren, so sie gefangen, vnder augen antrowen dörffen, wan sie wider auf freyen fůß gestellt (wie sie ihnen in tam corrupta disciplina militari [in einer solch verdorbenen militärischen Disziplin] die rechnung ohnfehlbar gemacht) daß sie derselben bauren häußern einen rothen haanen aufstöcken wollen. Daran sie aber sancta iustitia [die heilige Justiz] gehindert“. Das „Theatrum Europaeum“ berichtet zum März 1636 über Sachsen, 3. Bd., S. 637: „So haben die Bawren hin vnd wider ex desperatione alles was sie angetroffen / darnieder vnd  Todt geschlagen / dann ihnen Freund vnd Feind das Vieh abgenommen / sie darnieder massacrirt / den Feldbaw gesperrt / vnd alle Excessen verübt“. SEMLER, Tagebücher, S. 76 (1633): „Die bauren, so ab dem Land herein salvirt vnd thailß die zaichen an dem leib mitgebracht, haben bericht, dass hin vnd wider vil todte bauren, welliche der feind ermördt vnd hinwiderumb auch nit wenig Schwedische, die auf dem straiff von den bauren erschlagen worden, ligen, vnd in den wälden ettliche ledige roß vmblauffen“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 98 (1636): „Interim begibt sich, daß ettliche Vitzthumbische soldaten oder reuter von den compagnien, so vor Hohentwiel gelegen, ohne verlaubnuß außgerißen, oder auf die beit und raub geridten, der waren uff die 7 oder 8, die hierumben und biß auff Weingarten oder Waldsee alle straßen gar unsicher machten, sonderlich an dem Bodensee hetten ihren ihren uffenthalt mehrern thails zue Mimmenhaußen und Urnow. Unangesehen manß allhie zue Salem ungern gesehen, haben ettliche closterdiener und auch pauren solches in die harr länger nit kenden zuesehen noch gedulden, haben uff sie gespannen, selbe bekomen zue Mimmenhaußen in einer behaußung, hinaußgefüert gegen ainen weyher, schröcklich ermördt und nidergemacht; aber übel übersehen, dan ainer ihnen außgerißen, darvonkomen und entrunnen; darauß dan, wie volgen wird, groß übel ervolgt und erstanden“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 134 (1641): „Item in vigilia assumptionis vel Bernardi hat sich begeben, alß 5 oder 6 Zellerische am Undersee, stattlich und wohlmundierte reütter underm obristen und commendanten Rost, zwar nit uff beit zue reuten ihr intent gewesen, in unsern hof zue Bachopten ihr nachtquatier in einem stall zue nähmen begerten, so guotwillig verlaubt, vermainten nur rüebig und, weil sie sich wohl vermacht, sicher zue sein, seyen sie von underschidlichen herrschaften zue Osterach erfahren (weil eß gar viel dieser orten zuovor rauber und roßbeuter abgeben, [81.] deren sie müesten ergelten) sich uffmachten, sie alldort in unserm hof und stall, unwüssend deß hofmaisters diß orts, uberfallen,ainen nach dem anderen herauß uff die müste gezogen, half darfür kain büdten noch quatier, unangesehen solche unschuldig, wie die schwein oder oxen erschlagen und ermordt, (dass dan unß zum großen nachthail, weilß in unserm hof, darbei auch der unsrigen underthonen zwen oder 3 gewe0en, gerathen) ihnen ihr pferd, pistolen und waß sie hatten, verkauft und abgenohmen“. Der Pfarrer Aegidius Henning [ca. 1630-1686] hält fest; BUS, Die Zeit der Verheerung, S. 215f. (nach MÜLLER, Aegidius Hennig, S. 96): „So wie die Soldaten den Herren Bauern übel mitspielen, wenn sie ihrer habhaft werden, so legen die Bauern manchen, der zurückbleibt, schlafen. Ich habe des Öfteren gehört, daß sie über den und jenen von ihnen gesagt haben: Er hat manchen schlafen gelegt ! Er hat da und dort einen Reiter niedergeschossen. Was ? Sie rühmen sich selbst ihrer Mord- und Diebestaten, und es tut ihnen leid, daß sie es nicht noch schlimmer machen können“.
Passiver Widerstand geschah z. B. durch Flucht in ein Fluchtlager, wie es LEHMANN, Kriegschronik, S. 113, beschreibt: “Der Schwedische Obrist Hans Wachtmeister lag mit seinem Regiement in Caden [Kaaden [Kadan, Bez. Komotau; BW], deßen Maußer machten das gantze gebirg fertig. Den weil sie an der Elbe nicht mehr streiffen kundten, fielen Sie uber das gebirg in Meißen und Vogtland und preßeten gelt, viehe, victualien herauß und raubten, was Sie kunten, darvon große furcht und erschrecken entstunde, daß die gebirger, so was zue verzehren hatten, mit ihren mobilien, viehe und menschen in die Städte wichen und die traffen es am besten, die armen und das bauersvolck, die mit den Viehe und futter nicht untterkommen kunten, salvirten Sich in hartten winder auf die Böhmischen Walder, nechsten Hämmer und Waltheußer, so lang sie doselbst sicher wahren, endlich auf den wildten Walt; ihre heußer wahren dicke beume, hutten von Reißig mit brette[r]n, schindeln oder tüchern bedeckt, daß weder vor regen noch stöbern half, theils nahmen ihre Zueflucht zum Felsen, krochen in der füchse und beeren hohlen und wahren alda sicherer vor den wilden thieren den vor den feinden. Dorneben stunde das arme viehe, welches vor frost und hunger verschmachtete, weil mann wegen stetter Unsicherheit wenig futter hinauß schaffen kundte. Doheim hatten die Menschen ihre mobilien in faßen und laden gefaßet in die keller geschaffet und vermauren oder in die Schächte verstecken laßen, das Samgedreit verborgen in steinmauern, in schlackenhaufen, in Waltgruben, Zien und bücher in die brunnen und bein-heuser, die Kirchen=Cleinodien, kelche etc. in die anzuchten, in die gräber und untter den Mist, so noch von vorigen Marche in Pfarr- und Kirchenheußern lagen, den Handwerckszeug untter die Ufer an bächen in Wald und auf die beume, der Weiber kleidungen in die hohlen beume, oben mitt Mooß zudecket. Do lagen gantze Communen bey einander wie ein heerlager, die gründtner, Waldersdörfer, Crotendörfer, Scheibenberger, 3 wochen in hunger und kummer, in furcht und angst, in stündlicher gefahr tag und nacht und wurden entlich Der feinde beute”. Auch die Frauen setzen sich zum Teil gegen ihre Peiniger zur Wehr. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632; DUVE, DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22.: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“.Vgl. auch RATHJEN, Soldaten im Dorf, S. 199ff. => Harzschützen.
Widerstand, bäuerlicher: SCHMIDT, Der Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Am 27. April [7.5.1632; BW] sind drei Soldaten zu Fuss, Brandenburgischen Regiments, unter den Kompanie[n ?; BW] des Obristleutnants Winkler, in Baudenbach begraben worden. Sie wurden von den Kürrnhöchstettern und ihren benachbarten Anhängern im Schlosshof ‚nicht allein jämmerlich geschlagen und übel zerlästert, sondern gänzlich entleibt und tod geschlagen’ “. SCHMIDT, Der Aischgrund, S. 16 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Der schwedische Reiter Matthäus Bücher, der in Baudenbach und Hambühl zur Salva Quardia einquartiert war, ist ‚auf Ausreißen mit andern Reitern’ entleibt, und von den Hirten im Holz tot aufgefunden worden. (Sch.)“. SEMLER, Tagebücher, S. 59: „Vast vmb gleiche zeitt [Ende Juli 1633; BW] sein auch 9 Frantzosen welliche hievor vnder den Schwedischen geritten, von den vnsrigen aber gefangen vnd vnder herrn obrist König sich vnderhallten laßen), von Ravenspurg ausgerißen, vnd alß die nach Schönaw kommen, haben sie den veberlingen vnderthonen daselbst ihre roß vnd anders hinwegg nemmen vnd sich darmit zum feind begeben wollen. Deren aber die bauren maister worden vnd haben selbige gefänglich nach Veberlingen gebracht, von dannen sie in einem schiff herrn obrist König nach Lindaw zugeschickt und nach schleunigem proceß alle neun mit dem strang hingericht worden. Welliche strenge sie mit ihrem selbst (!) maul verschuldt, in deme sie den bauren, so sie gefangen, vnder augen antrowen dörffen, wan sie wider auf freyen fůß gestellt (wie sie ihnen in tam corrupta disciplina militari [in einer solch verdorbenen militärischen Disziplin] die rechnung ohnfehlbar gemacht) daß sie derselben bauren häußern einen rothen haanen aufstöcken wollen. Daran sie aber sancta iustitia [die heilige Justiz] gehindert“. SEMLER, Tagebücher, S. 76 (1633): „Die bauren, so ab dem Land herein salvirt vnd thailß die zaichen an dem leib mitgebracht, haben bericht, dass hin vnd wider vil todte bauren, welliche der feind ermördt vnd hinwiderumb auch nit wenig Schwedische, die auf dem straiff von den bauren erschlagen worden, ligen, vnd in den wälden ettliche ledige roß vmblauffen“. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 64 (1630): „Als der König von Stralsund weg zoge / filen etliche Crabaten auß Grypswald / streifften bey Anklam in ein Dorff. Demnach nun ein Schwedischer Capitein / so on Anklam commandirte, von solchem Kundschafft empfieng / schickete er etliche Dragoner vnd Reuter auß / welche die Crabaten / deren bey 60. waren / meistentheils niderhaueten: die übrigen so sich salvirten, wurden hernach von den Bawern auffgesucht vnd erschlagen“. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 64f. (1630): „Vmb selbe Zeit streifften in 300. Schwedische Dragoner / neben 150 Reutern in die VckerMarck biß an Brenßlaw / 6. Meilen von Stättin / trieben auß dreissig Dörffern alles Viehe hinweg. Wie nun hierauff ein Priester zu Melchaw von den Käyserischen vmb Hülff bate / wurden alsbald von 200. so allda in Besatzung lagen / die Helffte auß commandiret, immittels kamen auch bey 400. Bawren durch den Glockenschlag zusammen / da die Schwedischen solches innen wurden / eyleten die Reuter mit dem Vieh nach dem nechsten Holtz / die Dragoner aber versteckten sich im Hinderhalt / vnd wie die Käyserische vnd Bawren ankamen / brachen sie herfür / umbringeten sie / vnd haweten alles nider / was sich zur Wehr stellete / also dass nur vier Mußquetierern in Brenslaw wider kamen / das Viehe aber vnd die übrige Bawren trieben die Schwedische nach Uckermünde“. LATOMUS, Relatio Historicæ Semestralis Continuatio, S. 66f.: „VMb diese Zeit [Januar 1631; BW] hat sich bey dem Dorff Bischoffroda / vngefähr eine Viertelstunde von Eißleben gelegen / nachfolgendes begeben: Es wurde eine zimbliche Anzahl Bawersweiber / darbey auch etliche Manspersonen waren / welche zu Eißleben auff dem Marckt gewesen / von 6. Reuttern angegriffen: Als sie sich nun zur Wehr gestellet / sind zwo Manspersonen von ihnen erschossen worden / dessen aber vngeachtet / wehreten sich die andern hefftig / vnd risse das Weibsvolck die Reuter / weil sie sich verschossen / von den Pferden / richteten sie mit Messern / Parten vnd Prügeln vbel zu / namen ihnen auch die Pferdt / Pistolen / Dägen / Mäntel / also daß vier von den Reutern darvnder ein Edelmann / todt blieben / die andern aber sehr verwundet in das nechst darbey gelegene Holtz gekrochen. Es hat sich eine Fraw also vnder den Reutern hervmb gerissen / vnd vnder ihnen mit einem Messer also gehauset / daß sie außgesehen / als wann sie sich im Blut gewaschen hette / hat doch keinen schaden an ihrem Leib bekommen“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 98 (1636): „Interim begibt sich, daß ettliche Vitzthumbische soldaten oder reuter von den compagnien, so vor Hohentwiel gelegen, ohne verlaubnuß außgerißen, oder auf die beit und raub geridten, der waren uff die 7 oder 8, die hierumben und biß auff Weingarten oder Waldsee alle straßen gar unsicher machten, sonderlich an dem Bodensee hetten ihren ihren uffenthalt mehrern thails zue Mimmenhaußen und Urnow. Unangesehen manß allhie zue Salem ungern gesehen, haben ettliche closterdiener und auch pauren solches in die harr länger nit kenden zuesehen noch gedulden, haben uff sie gespannen, selbe bekomen zue Mimmenhaußen in einer behaußung, hinaußgefüert gegen ainen weyher, schröcklich ermördt und nidergemacht; aber übel übersehen, dan ainer ihnen außgerißen, darvonkomen und entrunnen; darauß dan, wie volgen wird, groß übel ervolgt und erstanden“. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 134 (1641): „Item in vigilia assumptionis vel Bernardi hat sich begeben, alß 5 oder 6 Zellerische am Undersee, stattlich und wohlmundierte reütter underm obristen und commendanten Rost, zwar nit uff beit zue reuten ihr intent gewesen, in unsern hof zue Bachopten ihr nachtquatier in einem stall zue nähmen begerten, so guotwillig verlaubt, vermainten nur rüebig und, weil sie sich wohl vermacht, sicher zue sein, seyen sie von underschidlichen herrschaften zue Osterach erfahren (weil eß gar viel dieser orten zuovor rauber und roßbeuter abgeben, [81.] deren sie müesten ergelten) sich uffmachten, sie alldort in unserm hof und stall, unwüssend deß hofmaisters diß orts, uberfallen,ainen nach dem anderen herauß uff die müste gezogen, half darfür kain büdten noch quatier, unangesehen solche unschuldig, wie die schwein oder oxen erschlagen und ermordt, (dass dan unß zum großen nachthail, weilß in unserm hof, darbei auch der unsrigen underthonen zwen oder 3 gewe0en, gerathen) ihnen ihr pferd, pistolen und waß sie hatten, verkauft und abgenohmen“.  Der Zeitzeuge Hanns Kahn aus Klings/Rhön; LEHMANN, Leben und Sterben, S. 212.: „Man war seines Lebens nicht sicher. Nicht sicher auf Feldern und Straßen, deswegen die Ackerleute immer ihr Gewehr bei sich führten. War daran Mangel, wurden die Sensen an lange Stangen gemacht, die zuvor am hinteren Ende gerade geschmiedet [wurden], daß sie wie Spieße standen. Manche Partei haben wir, gleich ob schwedisch oder kaiserlich, so von unserem Dörflein verscheucht […] Es war eine verderbte Zeit. Jeder trug im Wald das Gewehr, lauerte Soldaten auf, die man totschoss oder abknickte, wenn man einen erwischte. Der Drangsale wegen lag immer das Rohr [Gewehr] versteckt und so wüst es zuvor nur den Bauern [erging], so erging es den Soldaten, so von uns gefangen wurden. Es war fast kein ehrbares Volk mehr auf Erden“. Das „Theatrum Europaeum“ berichtet zum März 1636 über Sachsen, 3. Bd., S. 637: „So haben die Bawren hin vnd wider ex desperatione alles was sie angetroffen / darnieder vnd  Todt geschlagen / dann ihnen Freund vnd Feind das Vieh abgenommen / sie darnieder massacrirt / den Feldbaw gesperrt / vnd alle Excessen verübt“. THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 839 (1642) über den bäuerlichen Widerstand im Drömling (1642), einer Niedermoorlandschaft an der Grenze von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Es grentzet mit Chur-Brandenburg bey Garleben / der alten Marck / auch mit dem Lüneburgischen und Magdeburgischen ein Ort im Tremling oder Trommeling genant / mit Gehöltze und Morast umgeben / welchen böse Bauren bewohnen / die hatten von den Schwedischen und andern von Jahren hero viel Schaden erlitten. Als nun General Königsmarck im Eingang Februar. sich daselbsten herum mit 12. Regimentern legte / auff der Käiserl. Anzug Achtung zu geben / so legten sich diese Bauren an ihrem Paß mit Weib und Kindern / und allem ihrem Vermögen / fielen der Soldatesque ein / und thaten ziemlichen Schaden. Es wurde ein Trommelschläger zu ihnen geschicket / ob sie Freunde oder Feynde seyn wollten: Weil sie nun gewust / daß ihnen so leichtlich nicht beyzukommen / schnitten sie ihm Ohren / Nasen / und Finger ab / und schaffeten ihn von sich. Sie hatten sich nahend auff 1500. verstärcket / und schickten auß ihrem Mittel zum Ertzhertzog [Leopold Wilhelm; BW] / mit Bitte ihnen zu vergönnen / daß sie darauff schlagen möchten. Wie nun die Nachricht geloffen / so solle sie Ihre Hochfürstl. Durchl. mit Geld beschencket / und ihnen Officirer mitgegeben haben / ihre Gelegenheit / Ort und Pässe zu recognosciren.
Sie hatten einen Hauptmann unter sich selbsten gemacht / und zu Ihrer Durchl. nach Tangermünd ferners geschicket / der sich erbotten hatte die Schwedischen zu verfolgen / diesen sollen nun Ihre Hochfürstl. Durchl. eine güldene Ketten samt 1000. Ducaten / und einen Beltz mit Sammet überzogen / geben lassen / wie er aber dieses Gnaden-Präsent verdienet habe / ist weiter nicht erfahren worden”. Vgl. auch ZAHN, Der Drömling, S. 2f., ZAHN, Die Altmark, S. 47. SCHNEIDER, Saxonia vetus et magna […], S. 161: „Unweit von hier fähet sich bey der Fornitz der sogenannte Drömling an, welches eine waldige Gegend im Wolfenbüttelischen ist, die sich auf etliche Meilen erstreckt, und sehr verwegene grundlose Bauern zu Bewohnern hat, welche denen Nieder-Lausitzern im Spreu-Walde gantz gleich, und im 30jährigen Religions-Krige viel hundert Soldaten caputiret, ja sich gar nicht gescheuet haben, etliche Regimenter in ihren Feld-Lagern anzugreifen: wie sie denn Anno 1639. denen Käyserischen bey Stendel [Stendal; BW] eingefallen, sie geschlagen, und ihnen 2. Feldstücken nebst andern Geschütze abgenommen: item Anno 1642. zwey starcke Schwedische Regimenter fast gar ruiniret etc. wovon die damahligen Relationen zeugen“. Der Pfarrer Aegidius Henning [ca. 1630-1686] hält fest; BUS, Die Zeit der Verheerung, S. 215f. (nach MÜLLER, Aegidius Hennig, S. 96): „So wie die Soldaten den Herren Bauern übel mitspielen, wenn sie ihrer habhaft werden, so legen die Bauern manchen, der zurückbleibt, schlafen. Ich habe des Öfteren gehört, daß sie über den und jenen von ihnen gesagt haben: Er hat manchen schlafen gelegt ! Er hat da und dort einen Reiter niedergeschossen. Was ? Sie rühmen sich selbst ihrer Mord- und Diebestaten, und es tut ihnen leid, daß sie es nicht noch schlimmer machen können“.
Widerstand von Frauen: LATOMUS, Relatio Historicæ Semestralis Continuatio, S. 66f.: „VMb diese Zeit [Januar 1631; BW] hat sich bey dem Dorff Bischoffroda / vngefähr eine Viertelstunde von Eißleben gelegen / nachfolgendes begeben: Es wurde eine zimbliche Anzahl Bawersweiber / darbey auch etliche Manspersonen waren / welche zu Eißleben auff dem Marckt gewesen / von 6. Reuttern angegriffen: Als sie sich nun zur Wehr gestellet / sind zwo Manspersonen von ihnen erschossen worden / dessen aber vngeachtet / wehreten sich die andern hefftig / vnd risse das Weibsvolck die Reuter / weil sie sich verschossen / von den Pferden / richteten sie mit Messern / Parten vnd Prügeln vbel zu / namen ihnen auch die Pferdt / Pistolen / Dägen / Mäntel / also daß vier von den Reutern darvnder ein Edelmann / todt blieben / die andern aber sehr verwundet in das nechst darbey gelegene Holtz gekrochen. Es hat sich eine Fraw also vnder den Reutern hervmb gerissen / vnd vnder ihnen mit einem Messer also gehauset / daß sie außgesehen / als wann sie sich im Blut gewaschen hette / hat doch keinen schaden an ihrem Leib bekommen“.
„Widerwertige“: Bezeichnung der Lutheraner für Kaiserliche bzw. alle, die katholisch waren.
Wiederlage: Schadensersatz.
Wiedertäufertaler: Die Wiedertäufertaler sind als einfache und Halbtaler sowie als Doppeltaler bekannt. Auch Goldabschläge kommen vor. Die meisten dieser Stücke stammen nicht aus der Zeit des Wiedertäuferreichs, sondern sind Nachprägungen aus dem 17. Jahrhundert. Auch Taler mit dem Bildnis van Leydens und der Umschrift: IAN.VAN.LEYDEN.KONICK.DE.WEDERDOPER.TO.MVNSTER (Jan van Leyden, König der Wiedertäufer zu Münster) sind spätere Prägungen. [numispedia].
Wiekhaus: hausähnlicher Teil einer Befestigung. „Als Wiekhäuser bezeichnet man feldseitige Auskragungen mittelalterlicher Stadtmauern, die in einigen Städten zu kleinen Mauerhäusern oder -türmen ausgebaut wurden. Sie sind in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in die wehrhafte Stadtmauer eingebaut, trugen zu deren Erhöhung und Stabilität bei und wurden an Stelle von Wehrgängen zu Verteidigungszwecken errichtet. Zudem nutzte man die bestehende Mauer als Teil des Gebäudes. Im Armierungsfall musste das Haus den städtischen Truppen geöffnet werden. In späterer Zeit – vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg – wurden Wiekhäuser verschiedentlich mit einfach-schmucklosen Fachwerkkonstruktionen zu kleinen Wohnhäusern, so genannten Wohnbuden, Wick-Buden (niederdt.: Wikbaud) umgebaut“ [Wikipedia].
Wigbolde: Weichbild; Bezeichnung für Minderstädte (Freiheit, Weichbild).
Wildbann: 1) das Recht, einen gebannten Jagdbezirk zu halten, vom Jagdrecht unterschieden und mehr als dieses; 2) der eingeschlossene Jagdbezirk selbst.
wimblen: Trauben lesen.
Wind, Windspiel: Jagdhund.
Windischland: Slowenien.
Winkelehe: illegitime, im Feld oder in der Garnison geschlossene Ehe, teilweise v. den im Tross mitziehenden „Geistlichen“. Die aus dem Mittelalter stammende Winkelehe ging sehr einfach u. ohne Feierlichkeiten vonstatten: Oft in einem Winkel des Hauses wurde die zukünftige Ehefrau vom Bräutigam gefragt, ob sie ihn zum Ehemann haben wolle. Bei einer positiven Antwort wurde die Ehe gültig. Diese Ehe konnte wie alle Ehen im Mittelalter nicht geschieden werden. Da es aber keine Zeugen gab, hatte die Frau, die verlassen wurde, es schwer nachzuweisen, dass sie wirklich eine Ehe mit demjenigen eingegangen war, der das Gegenteil behauptete [WIKIPEDIA]. Da die Heiratserlaubnis durch die Obristen nur selten erteilt wurde, wurden die Marketenderinnenwagen zu fahrbaren Bordellen, was auch die Vergewaltigungen und den großen Prozentsatz an Geschlechtskrankeiten erklärt.
Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das – angesichts der um 1, 5 º tieferen mittleren Jahrestemperatur mit extremen Kälteperioden überlebensnotwendig – in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde und in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten, und immer wieder zu Streitigkeiten unter den Kommandeuren führte. Natürlich versuchten deshalb Magistrate und Stände immer wieder, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten und ihrem Tross führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats von Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226. Selbst wenn Truppen erst im Dezember einquartiert wurden, verlangte man doch auch Zahlungen für den vorausgegangenen November; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 387ff. Dazu kam der enorme Bedarf an Feuermaterial, wobei alles nur einigermaßen Brennbare durch die Truppen beschafft wurde. Der Chronist und Bürgermeister Leopold aus Marktredwitz berichtet über den November/Dezember 1640; BRAUN, Marktredwitz, S. 129: „Über diese 8 Regiment[er] [hinaus] sind auch 200 Polacken mit marchiert, welche – wie ob[en] gehört – zu Oberredwitz logierten: Einige sind auch in Dörflas einquartiert worden. Obwohl wir hier im Mark[t] kein Quartier gehabt, so haben wir doch des Generals Tafel versehen und herrlich in die Küche (ver)schaffen müssen. Auch haben wir für die Regiment[er] hinaus[gegeben] 800 Brot[e], 800 Maß Bier und 2 Rind[er]. Überdies hat (ein)jeder Bürger, der seinen Stadel nicht zugrund reissen oder gar verbrennen lassen wollte, hinaus[ge]geben Fleisch, Fisch, Futter, Bier, Brot und Geld. [Es] ist dadurch auch sehr wenig erhalten worden, denn fast in jedem Stadel [hat] eine Kompanie gelegen, welche (dann) alles Heu, Stroh, ungedroschenes Getreide, Holz und Brettern in das Feld getragen. Es sind daraus Hütte gemacht und hernach meistens verbrannt [worden]. Um das, was liegen geblieben war, haben sich die Nachbarn auch [noch] gezankt. Sie haben auch alle Zäun[e] um die Gärten, Planken [und] Um(b)schrote umgehauen und verbrannt. All(e) unser[e] Fischkästen, [von denen] ein [jeder] vorher um 50 K[ronen] erkauft [worden war], haben sie in einer Geschwindigkeit eingehauen, zerrissen, hinweggetragen und in Grund verdorben. [Auf] dem Freithof, welcher erst neu gemacht worden war, haben sie die Schindel[n] abgeschlagen und sam(b)t dem Tor verbrannt. In Summa, diese Leute haben einen großen Schaden getan in dem unausgedroschenen Getreide, Futter, (Ge)stroh und Holz. [Sie haben auch] fast alle Stadel im Grunde zerschlagen und das Gezimmer verbrannt; denn die Kälte war sehr groß. Daher [haben] sie auch außer[halb] der Stadel noch über 1000 Feuer angezündet und gehalten. Was sie in den Vorstädten ertappt haben, [das haben] sie (hinweg)genommen und das Vieh geschlachtet. Die Nacht [über] hat die ganze Bürgerschaft auf Befehl des Generals um und um auf der Mauer im Gewehr stehen und wachen müssen. Ungeachtet dessen aber sind die Musketiere(r) doch an vielen Stellen über die Mauer herabgestiegen, [sind] in die Ställ[e] eingebrochen, [haben] kleines Vieh erwürgt und was sie sonst [noch] bekommen konnten, [haben sie] mitgenommen und [sind dann] wieder hinausgewischt. Dies geschah (nun) an vielen Orten, [so] daß wir also genug(samb) zu wehren und solches zu verhindern hatten. Die Tor(e) hatte er selbst(en) besetzt und mit seiner Wacht versehen”.
„Wintersoldaten“: Teilweise traten Bauern(knechte) während der „stillen Zeit“ im Winter ins Heer ein, um dann zu Beginn der Frühjahrskampagne wieder zu desertieren, obwohl darauf die Todesstrafe stand. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 170: „Am 2. Mai 1642 wurde ‚ein armer Bauernkerl, so unter Graf Suys ausgerissen war, allhier auf dem Marktplatze gehenkt und am Abend auf dem Gottesacker an der Mauer begraben’ “.
Wippe: „Schnellgalgen, Wippgalgen, ein Galgen in Gestalt eines Griechischen r, gemeiniglich für die Deserteurs bestimmt. Ehemals wurden die Ausreißer an einen solchen Galgen mit rückwärts gebundenen Händen schnell in die Höhe gezogen oder geschnellt, und geschwinde wieder herabgelassen, um ihnen dadurch die Arme zu verrenken, welche Strafe jedoch jetzt veraltet ist. Man pflegt auch noch jetzt in weiterer Bedeutung einen Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu hänken pflegt, einen Schnellgalgen zu nennen“. [KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopädie] Vgl. Strapekorde, von ital. tratto di corda:Wippe/Wippen/Schnellen; d. h. Ausstreckung und Ausdehnung der Glieder, besonders im Kurfürstentum Sachsen für Wild, Fisch- und Krebsdiebe; Strafe des Wippens mit dem Galgen, Folter mit dem Strick, hier: Tortur; vgl. GRIMM; GRIMM Bd. 19, Sp. 879, 22. Vgl. DÖPLER, Theatrum Poenarum, S. 900 f.; LUDWIG, Strafverfolgung, S. 211, Anm. 35; Callots Radierung „L’Estrapade“, GALEN, Dreißigjähriger Krieg Bd. 1, 187.
Wippgalgen [Schneller, Schnerr]: Schnellgalgen, oben mit einem Korb versehen, in dem der Delinquent in das nahe Gewässer mehrmals getaucht oder auch aufs Geratewohl hineingeschleudert wurde. => Strapekorde.
Wirtschaft: Bewirtung, Gastmahl, Gelage, Mahlzeit, Fest, festliches Mahl, Hochzeit, Gastwirtschaft.
Wispel: 1 Wispel (Altona) = 1099.2-1648.8 Liter; 1 Wispel (Beeskow bei Frankfurt an der Oder) = 1329 Liter; 1 Wispel (Boitzenburg/Elbe) = 1294.2 Liter; 1 Wispel (Brandenburg) = 1262-1319.07 Liter; 1 Wispel (Braunschweig) = 1245.8 Liter; 1 Wispel (Celle) = 1091 Liter; 1 Wispel (Dresden) = 2492 Liter; 1 Wispel (Eberswalde) = 1299 Liter; 1 Wispel (Fürstenwalde) = 1299 Liter; 1 Wispel (Gardelegen) = 1196 Liter; 1 Wispel (Greiz) = 3765.9 Liter; 1 Wispel (Hamburg) = 1099.2 – 1648.8 Liter; 1 Wispel (Havelberg) = 1237 Liter; 1 Wispel (Kyritz) = 1216 Liter; 1 Wispel (Bad Langensalza) = 1319.07 Liter; 1 Wispel (Leipzig) = 1297.9 – 2492 Liter; 1 Wispel (Lenzen/Elbe) = 1288 Liter; 1 Wispel (Lüneburg) = 1596 Liter; 1 Wispel (Mecklenburg/Schwerin) = 813.6-1292.4 Liter; 1 Wispel (Mecklenburg/Strelitz) = 1368.2 Liter; 1 Wispel (Müncheberg) = 1299 Liter; 1 Wispel (Neuruppin) = 1299 Liter; 1 Wispel (Perleberg) = 1196 Liter; 1 Wispel (Prenzlau) = 1206 Liter; 1 Wispel (Preußen) = 1313.5-1429 Liter; 1 Wispel (Pritzwalk) = 1196 Liter; 1 Wispel (Sachsen) = 2523.4 Liter; 1 Wispel (Salzwedel) = 1155 Liter; 1 Wispel (Schleiz) = 4616.8 Liter; 1 Wispel (Stendal) = 1113 Liter; 1 Wispel (Tangermünde) = 1075 Liter.
Wochenbett: der Zeitraum von sechs Wochen nach der Niederkunft.
Wochengeld: das den Soldaten zu gebende Geld, das auf zehn Tage berechnet war, bei den Schweden „Lehnung“ genannt, ein alle zehn Tage zu entrichtender Sold für die schwedischen Truppen, z. B. Kapitän 12 Rt., Leutnant und Fähnrich 10 Rt., Sergeanten, Fourier, Führer, Musterschreiber und Rüstmeister zusammen 12 Rt., Trommelschläger, Pfeifer zusammen 6 Rt., Korporal 2 Rt., sowie den unteren Dienstchargen gestaffelte Beträge in Groschen. BURSCHEL, Sozialgeschichte, S. 975f.
wohlbeschossen: kriegserfahren, im Umgang mit Waffen geübt.
wolversucht: d. h. ein „beschossener“ Soldat, der bereits in Schlachten u. Belagerungen erprobt war.
Wolf: offene, wunde Hautstelle.
Wolfsschanze: strategisch wichtiger Brückenkopf am linken Donauufer an der Straße nach Wien. Vgl. FEIL, Die Schweden, S. 397f., 423ff.
won, wonne: Wiesenland.
Worthalter: Fürsprecher, Vertreter vor Gericht, Verteidiger, Advokat.
Wuhne: sumpfiges Loch auf einer feuchten Wiese.
Wundbrand: historische Bezeichnung für alle Arten v. Wundinfektion u. deren Folgeerscheinungen.
Wurdeland: Grundstück zu Bürgerrecht.
würfeln: Das Würfelspiel um das eigene Leben galt z. T. als relativ milde Strafe; KAISER, Ausreißer, S. 60. JÜRGENS, Chronik, S. 525: „Den 11. Junii [21.6.1636; BW] läßt der Obrist Schlüter 3 ausgerissene Soldaten von Mützefahlen [Wilhelm Kaspar v. Metzfall; BW] Regiment ums Leben spielen, der geringste im werfen mußte hängen“. OPFERMANN, Die Geschichte des Heiligenstädter Jesuitenkollegs. Teil 1, S. 157 (1632): „Aber während dieser [Obrist Johann Berg-höfer; BW] die Bürger bedrängte, besetzte ein anderer Oberst [Thomas Sigmund v. Schlammersdorff; BW] die Dörfer des Eichsfeldes und durch unglaubliche Räubereien und Brände fügte er dem Lande bedeutenden Schaden zu. Das bekannte [Zisterzienserinnen-; BW] Kloster Anrode brandschatzte er und besetzte die Burg Gleichenstein. Bei ihrer Eroberung kam es zu folgenden beispiellosen Verbrechen: 2 Bauern von denen, die sich aus den Nachbardörfern in die Burg geflüchtet hatten, waren in der Nacht herausgekommen, um Futter zu holen. Bei der Rückkehr wurden sie von den Soldaten gefangengenommen und aufgefordert, um ihr Leben zu würfeln, mit der Bestimmung, der Sieger solle den Besiegten an einem Baume in der Nähe der Burg aufhängen. Beide lehnten diesen Todesdienst ab und keiner wollte der Henker seines Nachbarn und guten Freundes sein. Als dieser Kampf eine zeitlang anhielt, zwang man den einen von ihnen widerwillig zu tun, was er freiwillig nicht wollte. Nach dem ungeheuerlichen Verbrechen wurde sein Kamerad in die Burg zurückgeschickt, um öffentlichen den Belagerten zu melden, sie sollten schnell auf die ausbedungene Übergabe eingehen, wenn sie nicht einen ähnlichen Tod erleiden wollten”. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger (12./22.9.1634); BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 205: „Und haben also die Kaiserische selbige Nacht das Dorff Asperg innbehalten, morgens aber stillschweigender weiß verlassen, aber 8. häuser angezündt und abgebrant, auch des Commissarii Godelmans [Jeremias Godelmann; BW] Gutschen wolgeladen  mit sich hinweggefüert. Es haben selbige Soldaten hernacher (wie ein fürnemmer gefangner hieoben außgesagt, allwegen 6. miteinander umbs leben spihlen müssen, daß darvon einer sterben solle, weil Sie das Dorff Under Asperg so schandlich wider verlassen“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (17.2. a. St.1635); BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 258: „Haben 6. Rheingrävische Musquetierer von der Leib Compagni mit einander umbs Leben spihlen müessen, weil sie Truchen geplündert, dann einer musste davon sterben, hats verspihlt ein Junger kerle auß der undern Pfaltz gebürtig, der auch gleich archibusiert worden, die andere aber seind auff den abend durch die Spißruoten geiagt worden“. Der Markgröninger Dekan Wendel Bilfinger über Vorgänge in der Festung Hohenasperg (11.3. a. St. 1635), BILFINGER, Wahrhaffte Beschreibung, S. 266: „Vormittag ist die Execution gegen erstgemelten 2. Roßdieben fürgenommen worden, die haben miteinander sphilen müssen, deren der eine 11. der andere 8. geworffen, dieser letste war aus der Gravschafft Mümpelgart, und wurde gleich darauf archibusiert: der ander aber nach mittag durch die Spßruoten geiagt“. SCHILLING, Patrick Ruthven, S. 155 Anm. (nach einer Ulmer Chronik): „Den 31. Januar 1633 ist zu Ulm Hans Löffler aus Tyrol, ein dortiger geworbener Soldat, mit dem Strang gerichtet worden. Zuvor hat er mit noch zwei andern seiner Kameraden, die mit ihm fahnenflüchtig geworden waren, um das Leben würfeln müssen. Er warf 7, die andern 8 und 10. Von diesen mußte jeder 4mal durch die Spießruten laufen, worauf sie wieder unter die Fahne gestoßen wurden“. Aus Schorndorf wird 1634 überliefert, dass Militärs wie Taupadel auch Bürger um ihr Leben würfeln ließen; PFLUMMERN, Tagebücher III, S. 214q: „Zue Schorndorf 4 stuttgartische Burger ausreissen wöllen, die Obrister Dubadel ergriffen, zum Spilen genottigt und einer, so es verspilt, alsbald aufgehenkht worden, seines Weibs und viler klainer Kinder Pitten ohngeacht“.
Würtze: 1. Aus Malz zubereitete zuckerhaltige Flüssigkeit zum Gären von Bier. Teilweise wurde in den Lagern und den Garnisonen (trotz des Widerstands der örtlichen Brauer) das Einfachbier selbst produziert, um nicht von zweifelhaften Lieferungen bzw. von den überhöhten Preisen (200 bis 300 % waren durchaus üblich) örtlicher Produzenten abhängig zu sein. 2. süße Feuchtigkeit, reiner Rebensaft.
Wüstung: I. Wüstung als zerstörter oder verlassener Ort bzw. ist eine Rechtsfolge (bei Landesverrat, Ketzerei etc.). II. Wüst liegende, von den Bauern verlassene Siedlung oder auch Feldflur.
Wütruben: Wutrübe, Schierlingswurzel.
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