„Grasteufel“

„Grasteufel“; Freikorpsführer [ – ] „Grasteufel“ ist einer jener Kriegs- oder Übernamen, wie sie des öfteren geführt wurden. Gemeint war ein hässlicher, Schrecken erregender, verkommen aussehender Mensch; Anfänger (im Handwerk).

Mit der abziehenden Besatzung Osnabrücks[1] von 2.000 Mann und den Freikorps Bracht und Daube führten Bönninghausen und Schelhammer,[1] der ehemalige Kommandant von Hameln,[2] im Auftrag des Grafen Gronsfeld, des ligistischen Kommandierenden im Weser-Bereich, 1633/34 mit wechselndem Erfolg den Kleinkrieg kaiserlich-ligistischer Truppen in Nordwestdeutschland, oft auch als „Bandenkrieg“ oder als „irreguläre Truppen“ bezeichnet, fort. Seinen Truppen gehörten Freikompanien an, die von Grasteufel, Brandjohann, Hasenbein[2] und Quadfasel geführt wurden und zum Teil in Truppen von etwa hundert Mann operierten. Ihre Stützpunkte lagen in Marsberg,[3] Brakel,[4] Warburg[5] und Salzkotten.[6]

Bei dem Osnabrücker Chronisten Bellinckhausen heißt es: „Paul Duve ist auch fur dießer zeyt verwundt und gefangen inn Paderborn gebracht. Also bekom[men] die straßenräuber ihren verdienten lohn. Nun sein noch drey bose straßen schinder, als der Heremita [Eremite = Bracht; BW], der Graßteufel aus dem Stift Colln und der Tolleker, aus der grafschaft Hoye[7] geboren & noch vorhanden, die werden auch ihrn lohn bekommen“.[8]

Grasteufel überfiel mit hundertzwanzig Berittenen im Juli 1634 Höxter.[9]


[1] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[2] Hameln; HHSD II, S. 192ff.


[1] JÜRGENS, Chronik, S. 517, erwähnt unter dem 8.7.1634 Schellhammer beim Versuch des Entsatzes v. Hildesheim.

[2] Stadtarchiv Brakel A 1524, fol. 2 (A): Dietrich Hasenbein, Bellerden, 1634 VII 10, zur Wiederaufstellung ligistischer Regimenter; jetzt auch NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, 63. Nach GEYSO, Beiträge (1624), S. 88, „richtige Räuberbanden“; so auch TESKE, Bürger, Bauern, S. 104. Österreichisches Staatsarchiv Allgemeine Feldakten 1635/2/58 II: „Beschreibung aller kayserischen undt ligistischen regimenter von cavalleri undt infanteri compagnia“ unter Nr. 18: „Hosenbain neugeworben under maintzische patent“; vgl. die Erwähnungen bei ENGELBERT, Hatzfeldt; DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 77; LUCKHARD, Homberg, S. 172, anlässlich der Belagerung v. Homburg a. d. Efze; bei SCHNEIDER, Recklinghausen, S. 175, „Hastenbein“ vom Regiment Merode-Westerholt.

[3] Marsberg, Ober- und Nieder- [LK Brilon]; HHSD III, S. 494ff.

[4] Brakel [LK Höxter]; HHSD III, S. 112f.

[5] Warburg [LK Warburg]; HHSD III, S. 752ff.

[6] Salzkotten [LK Büren]; HHSD III, 6S. 60f.

[7] Hoya; HHSD II, S. 245ff.

[8] BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 312.

[9] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S. 346ff.

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